Tag 733 – Von PUTZ-FRAUEN.

Herrje. Schon in der Überschrift geschrien, was soll das werden? Nunja – ein Beitrag über Haushaltshilfen. Inspiriert (wie so oft) von Twitter-Beef.

Es begab sich also zu der Zeit, da eine Familie beschloss, das Putzen nicht mehr selbst erledigen zu wollen. Diese Familie konnte sich auch leisten, das nicht mehr zu tun. Sie suchte also eine Hauhaltshilfe. Es kam eine Dame und putzte sehr gut und wurde gut entlohnt und plötzlich kam sie dann nicht mehr. Das war ziemlich ärgerlich. Die Familie suchte eine neue Haushaltshilfe, die erst einmal zur Probe kommen sollte. Die Dame kam und es wurde vereinbart, dass sie eben, zu einem festgesetzten Stundenlohn, putzen solle um mal zu schauen, wie lange sie bräuchte. Nach vier Stunden verkündete die Dame, sie sei fertig, den Rest mache sie nicht mehr. Die „Dame des Hauses“ (um beim feudalen Bild zu bleiben) inspizierte das Ergebnis und… war sehr unzufrieden. Denn es war einfach nicht sauber genug. Es lagen noch Barthaare am Waschbecken und überhaupt hatte die Dame nur zwei Drittel des Hauses geputzt. Auf Nachfrage, warum da noch Barthaare lägen, antwortete die Dame, dass sie das eben nicht mache. Daraufhin beschloss die Familie, die Leistungen dieser Dame nicht weiter in Anspruch zu nehmen.

Ende.

Nein! Denn die „Dame des Hauses“ hatte ihrem Ärger über diesen schlechten Service, für den sie recht viel Geld (da eben vier Stunden) bezahlt hatte, im Internet Luft gemacht. Auch über die Umgangsformen (nach der „Kündigung“ kein Wort mehr sprechen ist schon… hui.). Und wie es so ist, gaben Leute aus allen Richtungen ihren Senf dazu. Da wurde auf der einen Seite auf Basis dieser paar Tweets unschön über die Putzhilfe hergezogen, auf der anderen Seite wurde aber genauso unschön auf Basis dieser paar Tweets über die Familie hergezogen. Es sei unsolidarisch, Leute Frauen derart auszubeuten und dann noch Ansprüche an die erbrachte Leistung zu haben. Die Putzhilfe ist ja schließlich keine Leibeigene und für viele sei das die einzige Alternative.

Ende.

Nein! Denn es entbrannte ein handfester Streit. Den ich, mit Verlaub, eigentlich nicht verstehe. Oder doch, aber anders. Oder… Orrr. Plötzlich drehte sich alles um die Frage: Darf man überhaupt Diener eine Putzhilfe haben? Dürfen Frauen für Frauenarbeit Frauen anstellen? Die dann am Ende wieder Frauen anstellen müssen für ihre eigene Frauenarbeit? Ist das im Sinne der Gleichberechtigung oder eher nicht?

So, und diese Fragen kann ich natürlich auch nicht allgemeingültig beantworten, aber ich kann vielleicht mal ein bisschen öffentlich und laut darüber nachdenken.

Fangen wir mal mit der Frauenarbeit an: NEIN! Herrgott. Care-Arbeit ist jedes Menschen Sache, dieses Narrativ der „zum Kümmern geborenen Frau“ kann ich einfach nicht mehr hören. So, fertig aus. Ändern wir den Satz also schon mal in „Dürfen Frauen für Dienstleistungen im häuslichen Bereich Frauen anstellen?“.

Dann geht es weiter: Dürfen Frauen…? JA NATÜRLICH DÜRFEN SIE! Wir sind ja nicht mehr in den 50ern, wo eine Frau tatsächlich noch dazu verpflichtet war, den Haushalt zu führen und die Kinder großzuziehen und den Mann mit dem ganzen Quatsch bitteschön nicht zu belästigen. Frauen dürfen, was Männer dürfen (und zum Teil immer schon durften). Auch da: fertig aus. Falls da Zweifel bestehen, hilft ein Blick ins Grundgesetz. Der Satz ist also jetzt „Dürfen Menschen für Dienstleistungen im häuslichen Bereich Frauen anstellen?“.

Bleibt also: … Frauen anstellen? WARUM DENN NICHT? Ist es ein kleineres Problem, wenn ein Mann meine Bude putzt? Weil der ja „theoretisch auch was anderes machen könnte“? Mit seinen starken Armen Prinzessinnen vor Drachen und Katzenbabys von Bäumen und überhaupt im Unterhemd die Welt retten?  Ähhh, Sexismus, ick hör dir trapsen!

Der Satz ist jetzt also eingedampft auf: Dürfen Menschen für Dienstleistungen im häuslichen Bereich Menschen anstellen?

Tja. Ich würde ja jetzt sagen, das ist eine ganz individuelle moralische Frage, aber vielleicht möchten Sie ja teilhaben an meinen Gedanken zu dem Thema. In der Realität, allem Idealismus zum Trotz, sieht es eben weiterhin so aus, dass meistens Frauen die Hausarbeit erledigen. Auch die, die, wie ihre Partner, Vollzeit arbeiten. Gefühlte Gleichberechtigung ist halt vielerorts da erreicht, wo beide gleich viel arbeiten. Dadurch, dass Frauen die Care-Arbeit eben doch zum Großteil erledigen, nährt sich natürlich das „Frauenarbeit“-Bild, zumindest unterbewusst, auch wenn viele, individuell befragt, natürlich ganz anderer Meinung sind. Denn, da kann man dem Feminismus(TM) wirklich mal anerkennend auf die Schulter klopfen, so unter Mittelschicht-Akademikern sind Sexismus und allzu offensichtliche patriarchialische Strukturen ziemlich uncool. Weshalb ich ja auch optimistisch bin, dass wir dieses Kapitel der Menschheitsgeschichte wirklich irgendwann hinter uns lassen, falls nicht vorher der Verrückte von Drüben auf den roten Knopf drückt und einen Atomkrieg mit dem Verrückten vom anderen Drüben anzettelt. Nichtsdestotrotz gibt es noch einiges zu tun. Und selbst wenn wir in unserer hübschen Wohlstandsblase uns langsam auf der rationalen Ebene vom Frauenarbeit-Bild frei machen, dauert es nochmal eine ganze Weile, bis sowas auf die gesamte Gesellschaft und dann auf andere Gesellschaften wirkt. Denn wer macht denn dann die Care-Arbeit, wenn ich sie nicht tue? Die Kinderbetreuung übernehmen (in Deutschland, DAS ist in Norwegen wirklich schon besser) unterirdisch bezahlte Kindergärtnerinnen. Generisches Femininum, weil es eben fast nur Frauen sind (97%, steht auf Seite 15). Schlecht bezahlt, weil: Frauenarbeit. Die Männer(TM) dann nicht als Beruf wählen, weil: schlecht bezahlt. Wieso in Norwegen immerhin 9% aller Angestellten und 11,5% aller „assistenten“ in Kindergärten Männer sind? Weil es das Stigma der Frauenarbeit nicht (mehr) hat und man als Erzieher im Kindergarten zwar nicht reich wird, aber gut über die Runden kommt. Und da hier ja eh niemand wirklich reich wird… Egal, ich schweife ab. Die Kinder werden also von Frauen betreut, Nannys und auch Babysitter sind ja auch meist weiblich. Auch geputzt wird meist von Frauen. Da mag es wenig überraschen, das die allermeisten, die auf eine „Suche Putzhilfe“-Anzeige reagieren, Frauen sind. Oder Männer, die Zuhältermäßig ihre Frau vermieten. Wenn ich mich also nicht total reinhänge oder unheimlich großes Glück habe, werde ich vermutlich eine Putzfrau einstellen. Und vermutlich wird diese Putzfrau keinen akademischen Grad haben, eventuell wird sie schlecht die Landessprache sprechen, möglicherweise wird sie sich dagegegen sträuben, die Arbeit offiziell anzumelden, weil schwarz einfach viel mehr dabei herumkommt. Vielleicht muss sie sogar um bei mir putzen zu können ihrerseits eine Nanny für ihre Kinder anstellen. Das ist alles richtig und vom System her falsch, gar keine Frage. Die Ungerechtigkeit macht mich wütend und am liebsten würde ich morgen losgehen und das ganze System(TM) stürzen! Genauso wie es keine „Frauenarbeit“ sein sollte, sollte Putzen auch keine „Drecksarbeit“ sein, die nur ungebildete, ausgebeutete Fast-Sklaven verrichten! Aber!

Ich finde, genau da kann man ansetzen. Im Kleinen. Als jemand, der eine Putzhilfe hat, kann ich zuallererst mal keine Ausbeuterin sein. Das heißt für mich, dass ich die Putzhilfe anständig bezahle. Ich habe das grade mal total grob am Nettoäquivalenzeinkommen und mit dem völlig fiktiven Steuer- und Abgabensatz von 50% durchgerechnet: die selbständige, angemeldete (!) Durchschnittsputzhilfe in Deutschland müsste 15 €/Stunde plus zeitanteilige Anfahrtskosten verlangen, wenn sie das Vollzeit macht, ist sie dann gerade so nicht armutsgefährdet. Mit meinen fiktiven Zahlen und ja, mir ist bewusst, dass es in München teurer ist als in Bielefeld. Die Putzhilfe muss halt auch in jedem Fall angemeldet werden, was, die Erfahrung haben wir auch gemacht, viele einfach nicht wollen. Da ist dann Altersarmut und der ganze Murks (der ja auch wieder vorwiegend Frauen betrifft, wegen „Frauenarbeit“) vorprogrammiert und wenn die Putzhilfe bei Dir zu Hause von der Leiter fällt und sich das Bein bricht wird es auch mindestens interessant. Dann kann ich auch darauf achten, aus welcher Motivation heraus jemand meine Wohnung putzen möchte. „Weil Mann sagt!“ ist vielleicht ein Hinweis auf… nicht so viel Empowerment. „Weil ich putzen total super finde und mir von dem Geld einmal im Jahr nen Urlaub in Tunesien leiste.“ schon eher. Und da sind wir halt auch schon bei einem ganz wesentlichen Punkt: Nicht alle finden putzen schlimm. Manche finden es neutral „muss halt gemacht werden“, manche finden es auch total gut. Ehrlich. Wenn jetzt also jemand aus freien Stücken bei mir putzen möchte, daran eventuell sogar Spaß hat und damit seinen Tunesienurlaub die Schulhefte für seine Kinder bezahlen kann, sehe ich keinen Grund, diejenige nicht einzustellen. Ein weiteres Argument gegen Putzhilfen ist auch oft die Alternativlosigkeit. „Hast nix gelernt, gehst halt putzen.“ Als jemand, der putzen furchtbar findet, aber schon jede Menge Nebenjobs hatte für die man zum Großteil nichts können musste, kann ich sagen: man muss dann nicht putzen gehen. Der oder diejenige, die bei McD die Burger umdreht, braucht dafür auch keinen Bachelor und oft auch nur wenige Deutschkenntisse (hier natürlich auch die Annahme, dass die Burgerumdreherin ca. so viel verdient, wie die Putzhilfe). Viele finden Kellnern total schlimm, da muss man schließlich Leute ertragen bedienen. Ich fand es einen super Job (mit dem ich, tadaa, unter anderem meinen Anteil an unserer ersten Putzfrau bezahlt hab). (Die Idee des Zeittauschs finde ich übrigens echt super!)

Menschen sind verschieden. Vorlieben und Abneigungen sind verschieden. Nicht jeder Mensch, der eine Putzhilfe hat, ist ein Ausbeuter. Nicht hinter jeder Putzhilfe steckt ein ausgebeuteter Mensch. Letztlich ist Putzen halt auch nur ein Job, kein „schlechterer“ als ein anderer*.

Dann wäre da noch das Ding mit Angebot und Nachfrage. Wenn jetzt „plötzlich“ alle Putzhilfen mehr Geld verlangen, können sich nicht mehr so viele Leute Putzhilfen leisten. Das ist richtig. Wir wären vermutlich mit dabei, bei den Leuten, die dann eben keine mehr hätten. Das wäre für uns bitter. Ja. Aber gesellschaftliche Veränderung, insbesondere Umverteilung nach unten, geht eben auch nicht ohne dass die Mittelschicht abgibt. Wir sind die Mittelschicht. Wenn meine Putzhilfe auch dazu gehören soll, damit ihre Kinder vielleicht mal eine Ausbildung machen können, ohne sich nebenher als Kellner*Innen die Hacken abzurennen, muss ich damit rechnen, dass mich das was kostet. Umgekehrt wird meine Putzhilfe dann vielleicht erfahren, dass sich nicht mehr so viele Leute ihre Dienste leisten können und es wird einen härteren Konkurrenzdruck unter Putzhilfen geben. Aber erstens geht sowas ja nicht von heute auf morgen (außer bei der Einführung des Mindestlohns und – Überraschung! – es gibt weiterhin Paketboten) und zweitens denke ich in meinem, zugegebenermaßen auf dem Gebiet schrecklich naiven und ungebildeten Gehirn, dass der Markt sowas doch ausgleichen wird. Die Putzhilfe, die Bartstoppeln liegen lässt, wird dann wohl schneller um ihren Job bangen müssen, eine andere wäscht vielleicht in der selben Zeit sogar noch die Bettwäsche und braucht sich um Aufträge nicht so zu sorgen? Aber wie gesagt, da bin ich naiv, mein Wissensstand entspricht „SoWi-Ergänzung 2003, ich war manchmal dabei und schlecht„.

Und als nächstes stürzen wir und unsere Putzhilfen dann den Kapitalismus und das Patriarchat, ja?

 

___

*sehe nur ich die Parallelen zu Sexarbeit?

16 Gedanken zu “Tag 733 – Von PUTZ-FRAUEN.

  1. Eva schreibt:

    Wuhuu, der Artikel ist ja fast länger als der über Zucker? 😉 Bei manchen Themen packt es dich. Ich hätte nicht gedacht, dass man dieses nun also von so vielen Seiten beleuchten kann. Das hast du aber sehr gut gemacht. Ich muss hier allerdings zugeben: Ich habe keine Meinung dazu, die allgemeingültig wäre. Das Kriterium für mich ist:
    Entweder ich will, dass jemand fremdes meinen Dreck sieht – oder nicht! Im Moment ist die Antwort noch Nein, aber ich kann mir vorstellen, dass sich das im Lauf der Zeit ändern wird.

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  2. Britta Noack schreibt:

    Ehrlich gesagt verstehe ich das Problem nicht. Was macht die Dienstleistung Putzen denn anders als andere Jobs? Bevor ich aus ethischen Gründen auf eine Putzfrau verzichte, müsste ich mir viel eher den Friseurbesuch mit seinen erbärmlichen Tariflöhnen verkneifen. Und dazu und vor allem jegliche Bestellung im Netz, die von tatsächlich Ausgebeuteten beider Geschlechter bis an meine Tür geschleppt wird.
    Dann lieber die Putzfrau anständig entlohnen und sich freuen, dass sie so etwas unabhängiger ist als ohne den Job.

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  3. Franziska schreibt:

    Ich sehe das Thema noch aus einer anderen Perspektive. Wir haben 3 Kinder , (zwischen 4 und 12) davon 2 Jungs. Ich möchte keine Putz“frau“, weil ich denen dieses Bild nicht mitgeben will: Mama machts oder die Putzfrau. Wir arbeiten beide, allerdings ich nicht ganz voll, mein Mann Vollzeit. Haben Haus und Garten und 3 Kinder, das ist echt viel. Finanziell könnten wir uns auch eine Perle oder Elfe (ich hasse diese Euphemismen echt, Putzfrau ist da wenigstens ehrlich) leisten, aber ich habe den Anspruxh, dass wir das als Familie auf die Reihe bekommen. Dass eben alle helfen und tun, was getan werden muss, dMit wir es schön haben, Auch wenn es nervt und stressig ist und ich mir unseren Samstag netter vorstellen könnte. Aber wie sollen die Kerle es sonst lernen? Ich will meinen Jungs mitgeben, dass sie und ihre Schwester genauso helfen wie mein Mann und ich. Natürlich kann ich verstehen, warum man sich das abnehmen lassen will. Aber wertvoller für die Zukunft finde ich eben, es gleichberechtigt zu teilen und es den Kindern beizubringen. Woher sollen die sonst putzen können? Und woher sollen die Jungs wissen, dass man nicht einfach eine schlechter bezahlte Frau für die Drecksarbeit ranpfeift?

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    • Die Motivation, eine Putzhilfe zu haben oder eben nicht zu haben, habe ich absichtlich herausgelassen, weil es da viele individuelle Gründe für gibt. Im Grunde gebe ich dir sehr recht: die Kinder dürfen und sollen gerne lernen, dass die Hausarbeit nicht von Heinzelmännchen erledigt wird. Allerdings sind unsere einfach noch zu klein, Michel nervt mich zu Tode, weil er alles selbst probieren will, aber sich nach dreißig Sekunden langweilt und Pippi findet die besonders doll stinkenden, scharfen Reiniger für Bad und Küche ganz besonders interessant und leckt auch mal dran, sobald ich nicht gucke. Insofern… später. Jetzt im Moment ist die Hilfe, die wir haben, eine große Entspannung für alle.

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    • Cecilia schreibt:

      Das sehe ich anders. Wir backen z.B. manchmal Pizza zu Hause, manchmal holen wir sie vom Pizzaladen. Man kann dem Pizzabäcker zusehen, er kann das viel besser als wir. Die Pizza vom Laden ist teuer, daher kann es nicht immer die geben.
      Ich glaube nicht, dass wir mal so reich sind, dass es egal wird, ob die Haushaltshilfe 3 oder 5 Stunden braucht. Diese teuer bezahlte Zeit ist kostbar, daher ist es uns wichtig, dass alles aufgeräumt ist, damit sie gut arbeiten kann, dass Putz- und Hilfsmittel nachgekauft sind, usw.
      Und an gut gemachte Arbeit freuen wir uns und drucken es aus, ob im Restaurant, im Hotel, der/die LehrerIn, oder eben die Haushaltshilfe.
      Ab und zu muss man selbst ran, wenn sie krank ist, Urlaub hat, oder ein Zimmer umgeräumt wird. Da das mehrmals im Jahr ist, reicht das um zu sehen das das wirklich Arbeit ist.
      Cecilia

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  4. PaulineM schreibt:

    Würden sich die aufgeregten Twitterdamen wohler fühlen, wenn plötzlich alle Putzfrauen im Lande keine Putzstellen mehr hätten? Wären die Putzfrauen im Lande glücklicher, wenn sie keine Putzstellen mehr hätten?

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    • Ja. Überspitzt: ich kann auch die Kinder aus der KiTa nehmen, der Putzfrau kündigen und wir kürzen jeder unsere Jobs um 50%, damit wir die gesamte Care-Arbeit selbst übernehmen können. Und dann? Die Erzieher*Innen werden arbeitslos, die Putzfrau eh, wir verschulden uns. Voll geil für alle!

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      • Cecilia schreibt:

        Ich kann auch mein Weizen und Kartoffel selbst anbauen, die Wolle meiner Kleidung selbst Spinnen (aus fröhlichen Polyestertiere :-))… Arbeitsteilung ist schon ein sinnvolles Ding!

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  5. Eine Amerkung hätte ich dazu, denn es läßt sich nicht jede Haushaltshilfe anmelden.
    Gerade in den unteren Einkommensbereichen ist es oft wenig lohnenswert, angemeldet zu sein. Gar nicht aus schnöder Gier des Arbeitgebers. Kommt man über bestimmte Verdienstschwellen, fallen Transferleistungen weg oder kommen Abgaben dazu. Das dröselt es ganz gut auf: http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/arm-und-reich/steigt-der-bruttoverdienst-fallen-sozialleistungen-weg-15130846-p2.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2 dann gibt es noch hier einen Exkurs https://beyondmilchmaedchen.wordpress.com/2017/04/15/schwarzarbeit-in-deutschen-haushalten-wiesu-denn-bluss/
    Die Materie ist so kompliziert, daß selbst Leute mit Abitur daran scheitern. Und es geht nicht nur um ALG2, sondern auch um Wohngeld und andere Hilfen, dazu steigen die Krankenkassenbeiträge in manchen Fällen rasant an.
    Ein weitverbreitetes Modell bei Haushaltshilfen, Handlangern etc. ist es, sich zu 451 € bei jemandem anstellen zu lassen, sozusagen der Prioritätsarbeitgeber für Renten- und Krankenkasse und den Rest unter der Hand zu verdienen. Das bewahrt vor bösen Überraschungen mit Ämtern, minimiert den bürokratischen Aufwand und zahlt sich bar aus.

    Unsere Putzhilfe hat einen Pauschalpreis. Wenn ich den durch die Anzahl der Stunden teile, die sie braucht (mal mehr, mal weniger, aber immer unter dem kalkulierten Limit), liegt sie einiges über den 15€. Das sei ihr auch gegönnt.

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    • Vielen Dank für deinen ausführlichen Kommentar!
      Ja, die Haushaltshilfen, die sich nicht anmelden wollen, haben dafür oft wirklich gute Gründe. Das ist auch wieder so ein Bereich, wo das Sozialsystem massiv rostet, gerade das Wegfallen von Sozialleistungen, sodass es sich für einige einfach überhaupt nicht lohnt (angemeldet) arbeiten zu gehen, ist echt ein Unding. Und das mit der korrekten Abfuhr von Steuern und Sozialabgaben ist in Deutschland auch unfassbar kompliziert. Meiner Mutter sicherte das zwar lange den Job als Steuerfachangestellte, aber wenn selbst „stinknormale“ abhängig Beschäftigte zuhauf keine Steuererklärung machen, sondern einfach annehmen, was das Finanzamt ihnen vorsetzt, weil sie einfach nicht durchsteigen, läuft was falsch.

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  6. Franziska schreibt:

    Ich nochmal. Weiss jetzt nicht, ob sich die Nachfolger-Kommentare auf mich bezogen, aber irgendwie kommt es mir so vor, als ob mein Punkt nicht verstanden wurde. Aalso: Wer eine Unterstützung im Haushalt braucht, möge sich die holen. Und braucht sich dafür nicht zu rechtfertigen. Soll sie fair bezahlen, fair behandeln und gut. Auch ich finde Arbeitsteilung eine sinnvolle Sache. Mir ging es um was anderes. Fällt euch was auf: Frauen putzen. Oder Frauen organisieren die Putzfrau. Oder Frauen erklären, warum sie ne Putzfrau brauchen. Wie auch immer, die Männer sind außen vor. Anscheinend ist es leichter, andere w zu verpflichten, als die Männer der Familie in die Pflicht zu nehmen, so mein Eindruck. Und für mich macht es nen Unterschied, ob ich zu einer Frisörin oder nen Pizzabäcker gehe oder ob jemand zu mir nach Hause kommt und meinen Dreck wegmacht. Ja, vielleicht gibt es tatsächlich Frauen, die diesen Job gern machen, trotzdem habe ich ein Problem mit dem Bild der Zweiklassengesellsvhaft,, dass da mitschwingt. Und das will ich für mich nicht haben.

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