Tag 1759 – Coronaferienrant.

Am Morgen. Ich öffne Twitter.

Kinderloser Mensch: „Ich verstehe ja, dass die Belastung der Eltern grad hoch ist. Aber überlegt doch mal, wie das für die Kinder ist, wenn ihr die Zeit mit ihnen so hasst.“

*Synapsen knallen durch*

Ich habe mir zur Zeit selbst einen Maulkorb auf Twitter verpasst, damit ich mich in solche und ähnliche Diskussionen nicht mehr einmischen kann. Weil es zu nichts führt, außer, dass ich hinterher ein Magengeschwür vom ärgern kriege. Aber jetzt möchte ich da doch meinen Senf dazu geben, schon allein weil hier ja auch schon solche Kommentare auf dem Blog kamen. Und weil ich, nachdem hier die Kinderbetreuung und die Schule ja nun seit einiger Zeit wieder geöffnet sind, sogar ein bisschen verstehen kann, woher kinderlose Menschen diese Idee nehmen, das ganze sei eigentlich ganz ähnlich wie Ferien nur halt ein bisschen plötzlich, ja mei.

Ich hasse meine Kinder nicht. Das mag jetzt überraschen. Vor allem, da die Entscheidung für Kinder im Grunde eine Schnapsidee im Hormonrausch war (judge me! Ich möchte aber behaupten, 80% der Eltern „entscheiden“ sich für Kinder eher aus dem Bauch raus). Es war Weihnachten 2011, ich war im Job so lala etabliert aber fühlte mich komfortabel in meiner Position, Herr Rabe und ich hatten es gut auf allen Ebenen, für Kinder ist eh nie der richtige Zeitpunkt haha, lass mal probieren. Im Februar bekam ich den Mutterpass, ziemlich schockiert, wie schnell man so nen kompletten Menschen angesetzt hat, sollte man nicht erst monatelang versuchen und so? Nein, wir nicht. Vorher wochenlang die Bedingungen gleichberechtigter Elternschaft aushandeln und möglichst noch vertraglich festhalten? Again, judge me. Wir hatten Glück, da auf einer Wellenlänge zu liegen (das war mir ja auch vorher schon klar), wir hatten Glück, dass Herr Rabe zu dem Zeitpunkt an der Uni arbeitete, die 7 Monate Elternzeit für ihn nicht ablehnen konnte, und den ganzen Rest des Vereinbarkeitswitzes, den sich deutsche Eltern tagtäglich vor allem in Form von Kommentaren wie „wer seine Kinder in die KiTa gibt, liebt sie nicht“ (s.o. btw) geben müssen, haben wir elegant umschifft, indem wir nach Norwegen gezogen sind.

Insofern rede ich hier aus vielen Gesichtspunkten aus einer Luxusposition. Es ist hier normal, dass Eltern eben mal ausfallen, weil Kinder krank werden. Wir sprechen uns ab, wer grad besser von der Arbeit wegkann, um das kotzende Kind aus seiner Einrichtung abzuholen, sagen unseren Chefs Bescheid, fertig. Es ist gesellschaftlich NORMAL, dass auch Väter das tun. Es ist NORMAL, dass Väter Zeit mit ihren Neugeborenen, Babies und Kindern verbringen wollen und deshalb längere Aus- und Elternzeiten nehmen. Es gibt eine Kondergartenplatzgarantie ab dem August nachdem das Kind 1 Jahr alt geworden ist und es ist NORMAL, dann wieder arbeiten zu gehen, wenn man kann und will, Vollzeit. All das ist in Deutschland schon in weiten Teilen nicht normal und der gesellschaftliche Druck aus allen Richtungen stresst dort Eltern, die von der Idee der Alleinverdienerfamilie abweichen müssen oder wollen, immens.

Halten wir also fest: ich liebe meine Kinder, wir haben hier viel Unterstützung.

Und dann kam Corona.

Von einem Tag auf den nächsten (!) war alle Routine weg. Die Kinder wurden nach Hause geschickt mit den Worten „Nehmt lieber alles mit, WAHRSCHEINLICH ist morgen keine Schule/Kindergarten, für wie lange weiß keiner.“ Die Kinder waren verwirrt und die Erwachsenen besorgt und man hat versucht, das alles irgendwie aufzufangen. Stundenpläne gemacht, Tage durchstrukturiert, wir bewarfen das Problem auch mit Geld und bestellten ein Trampolin für den Garten, guckten mit den Kindern die Pressekonferenz für Kinder (wieder sowas, was ich hier einfach super fand: die Regierung, die gezielt Kinder ansprach und trotz aller Unsicherheit, die auch nicht verschleiert wurde, beruhigende Worte fand und auf Fragen VON KINDERN einging) und besprachen mit unseren Arbeitgebern das weitere Vorgehen.

WIEDER: Wir sind hier total privilegiert. Es gab schon vor der Schließung der Schulen und Kindergärten die Anordnung VON DER REGIERUNG, dass alle, die können, Homeoffice machen sollen. Alle. Insofern waren wir eh zu Hause [ich nicht, aber das ist eine Geschichte, die hier nichts zur Sache tut, im Zweifel lesen Sie einfach den 12. und 13.3. hier im Blog nach] als alles schloss. Mein Arbeitgeber genehmigte schnell allen Eltern mit Kindern unter 12, normale Stunden abzurechnen, auch wenn die nicht 100%ig effektiv und/oder zu seltsamen Tageszeiten abgeleistet wurden. Alle Eltern bekamen 10 extra Kindkranktage für „Corona-geschlossene Einrichtungen“ vom Staat. Alles Luxus! Trotzdem war die erste Woche ein bisschen wie im Delirium und ging hauptsächlich für Organisation und allgemeines Klarkommen drauf. Schulaufgaben gab es auch noch nicht so wirklich viele, Kindergarten eh nicht. Die Kinder verstanden noch nicht, dass das jetzt wirklich lange so bleiben würde, wir auch nicht, doch, war toll.

Aber dann war irgendwann alles organisiert und es galt, zwei (weiterhin) Vollzeitjobs und zwei Kinder unter einen Hut zu kriegen. Zwei Kinder, wohlgemerkt, die gewöhnt sind, täglich andere Kinder und andere Erwachsene um sich zu haben. Die nicht kennen, dass Mama und Papa plötzlich die Ansagen machen, die sonst vom Kindergartenbetreuer oder der Lehrerin kamen. Die kein Problem damit hatten, dass zu Hause und im Kindergarten/der Schule andere Regeln herrschen, aber dass plötzlich die Kindergarten- und Schulregeln auch zu Hause gelten sollten, war schwer zu verstehen. Das knirschte also, erwartungsgemäß, und da kannste die Kinder lieben und dich freuen, Zeit miteinander zu verbringen, so viel du willst, sowas muss sich zurechtruckeln. Und mit zurechtruckeln meine ich: Wutanfälle aushalten. Geschrei aushalten. Viel. Oft. Lange. Wir ruckelten also, wir sorgten uns, UND DANN SOLLTEN WIR AUCH NOCH IRGENDWIE ARBEITEN. Wir teilten uns auf, was aber hieß, dass wir extrem lange Tage hatten. Was saugt. Sehr.

Wir wurden in dieser Zeit weder den Kindern, deren Schulaufgaben, unseren Jobs, dem Haushalt, noch uns selbst (Sport? Selfcare? Hahaha.) wirklich gerecht. Und guess what? Das sorgt für ein scheiß schlechtes Gewissen. Eh schon. Dann noch sagen „du musst aber schon schauen, dass die Kinder sich nicht als Belastung empfinden“ ist, sorry, total daneben und lädt noch ne Schippe schlechtes Gewissen drauf. Schlechtes Gewissen, in der Intensität, in allen Bereichen, lähmt.

Aber dann öffneten die Kindergärten und Schulen wieder und ich kann jetzt verstehen, wie Kinderlose oder auch Menschen mit Kindern aber ohne Erwerbsarbeit auf die Idee kommen können, das seien „Coronaferien“. Ich geh mal davon aus, dass kinderlose Erwerbstätige auch etwa eine Woche brauchten, um den Homeoffice-Schock zu überstehen, aber wenn ich mir mein Homeoffice-Leben jetzt so angucke ist das eigentlich sogar ganz nett. Ich kann viel länger schlafen, ich spare mir das Pendeln, ich kann mir meine Arbeit noch freier einteilen als eh schon, ich kann auch mal zwischendurch den Einkauf erledigen, Arzttermine sind gar kein Problem mehr und ich esse täglich Mittag mit Herrn Rabe. Der macht mir auch oft noch einen Kaffee und stellt ihn mir hin, während ich schon im nächsten Meeting sitze. Die finanziellen Sorgen sind weg und das Infektionsgeschehen sieht auch sehr vielversprechend aus. Es ist echt eigentlich sehr nice.

Genauso sind ja Ferien sehr nice. Keine Arbeit, Ausflüge mit den Kindern an den See oder in den Wald und wenn sie mal nen Film gucken wollen, kann ich in der Zeit trainieren oder meinen Hobbies nachgehen. Keine Schulaufgaben, Ausschlafen, kein Stress.

Nur WAREN DAS WÄHREND DER CORONTÄNE EBEN KEINE FERIEN! Das war das kinderlose Homeoffice, PLUS die arbeitsfreien Ferien, PLUS als Ersatzlehrkraft fungieren, PLUS andere Kinder ersetzen, PLUS Sorgen und Umstellungsschwierigkeiten der Kinder auffangen, PLUS selbst Sorgen haben WEIL ES EINE GLOBALE PANDEMIE IST.

Und jetzt sag mir nochmal, kinderlose Person, dass ich das als „Zeit miteinander verbringen“ hätte schön finden sollen, dass ich niemals hätte meckern dürfen, dass ich den Kindern hätte vorspielen müssen, dass alles tutti ist und wie Ferien und niemand von uns in dieser Zeit irgendwie überfordert, unterfordert oder unausgelastet ist. Dass die Kinder sicher nen Schaden davon tragen, dass ihre Eltern DIE SITUATION als belastend empfanden.

Rant Ende.

14 Gedanken zu “Tag 1759 – Coronaferienrant.

  1. Irene schreibt:

    Und ich schüttle immer wieder den Kopf, warum ich als Kinderlose genau das Menschen erzähle, die ihre Zeit mit Arbeit und Kindern halt schon ein Weilchen hinter sich haben. Oder anderen Kinderlosen. Oder Menschen mit Kindern, bei denen aber einer gar nicht oder kaum aushäusig berufstätig ist. Ich kann doch nicht die einzige Kinderlose sein, die wem auch immer auf Knien dankbar ist, dass mein Mann und ich in dieser Zeit nur für uns selber schauen müssen und beide sichere Stellen haben. Mit Kindern wäre ich weit über meine Grenzen hinaus gekommen, und ich habe höchste Hochachtung vor allen Home-all-inclusive-Eltern in Coronazeiten (genau genommen auch in „Normal“-Zeiten).

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    • Stimme aus dem Off schreibt:

      Ebenfalls kinderlos, schließe mich dem vollumfänglich an. Und zu sehen, wie in Deutschland mit Eltern umgegangen wird -generell und in der Pandemie besonders- macht mich abwechselnd fassungslos und fuchsteufelswild. Ich mag Kinder, aber werde unter diesen Rahmenbedingungen wohl keine kriegen. Was keine Abwertung derjenigen sein soll, die sich trotz aller Widrigkeiten dafür entschieden haben, ich bewundere jeden, der sich trotz allem dazu entschließt.

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  2. Frank Müller schreibt:

    „Ich öffne Twitter“ war schon „falsch“.
    Twitter bietet allen Befindlichkeits-Gestörten mit ihren mannigfaltigen Befindlichkeitsstörungen eine Bühne. Pinterst auch. Instagram auch. Da habe ich schon lange keine Lust mehr drauf.
    Unsere Zweitgeborene hat letzte Woche ihr Abi bestanden und wir sind jetzt durch mit „Schule“.
    Ihre große Schwester fuhr in der fünften Klasse (mit einem Mal umsteigen und vom Bhf. zur Schule laufen) mit der Bahn in die Schule. 40 Minuten. Einfach.
    Oh Gott – da wären wir bei Twitter in der Luft zerrissen worden – was meinen Sie, was wir da alles für Kommentare bekommen hätten.
    Die haben wir nur nicht bekommen, weil da kein Twitter war.
    Und nur weil Twitter da ist, leben sich die Menschen in der Anonymität oder in ihrem Narzissmus aus – weil sie´s können.
    Meine Frau hat mir heute erst eine Whatsapp-Gruppe gezeigt, die von Arbeitskolleginnen ins Leben gerufen wurde nur zu dem Zweck, eine Ja-Nein-Frage zu klären und einen Termin festzulegen. Das Ding wurde am 25.5. ins Leben gerufen und hat jetzt schon über 1500 Posts!!!!!
    Entschuldigung, dass ich das jetzt so sagen muss: die Gruppe hat als Mitglieder nur Frauen, die nur wild durch die Gegen schnattern, überhaupt nicht mehr beim Thema sind und sich in stundenlange Kommentar-Schlachten verlieren (und nie aufs eigentliche Thema kommen).
    Sie haben mit ihrer Familie in der Krise alles richtig gemacht, so wie es in ihrem Familien-Kosmos zu diesem Zeitpunkt und in dieser Situation angebracht war!!! Punkt!!!
    Wir haben damals mit unseren Kindern auch alles richtig gemacht, so wie es damals in unserem Familien-Kosmos und in unserer damaligen Situation angebracht war. Punkt.
    Ich muss jetzt aufhören sonst schreibe ich mich in Rage … :-)

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  3. Sandra schreibt:

    Das müssen Sie doch eigentlich alles nur Ihren Kindern klarmachen. Nur um die geht es und die können Ihnen sagen, wie sie sich fühlen. Müssen sie wahrscheinlich nicht- als Mutter wissen Sie das doch am besten. Vielleicht hilft Ihnen das hier auch, aber es geht doch nicht um irgendwelche Leute in den Sozialen Netzwerken, die Sie nicht kennen. Denen müssen Sie doch nichts erklären.

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  4. Franzi schreibt:

    Ich denke immer öfter, ohne die asozialen Netzwerke ist Frau besser dran. Sowieso erstaunlich, warum Kommentare unbekannter Menschen eine treffen können. Leider ersetzen diesen virtuellen Kontakte die reellen Menschen, aber das ist irgendwie ein trauriger Ersatz, finde ich.
    Ich als Ostdeutsche hätte noch das Bedürfnis, anzumerken, dass das Deutschland, von dem Du schreibst, glücklicherweise eher Westdeutschland ist. Hier im Osten sind zwei Erwerbstätige Eltern doch recht normal und ich habe auch nicht das Gefühl, mich mehr rechtfertigen zu müssen als mein Mann. Aber dass hier zu wenig getan wird für Familien und in der Coroana-krise ganz selbst verständlich Eltern und Kinder die Hauptlast tragen, das sehe ich auch so.

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  5. Sunni schreibt:

    Wie viele Male habe ich mir aus ganz unterschiedlichen Gründen (ja, auch dem toxischen, den wir kennen) gedacht: Mach das Ding ganz aus, schau nicht mehr hin, nicht Twitter, nicht FB, nicht Instagram, wo man Schönsein und alles toll machen lernt, nicht auf WA, nicht auf bestimmte Blogs…ach, egal. Und dann tut man es doch hin und wieder. Ich danke für diesen Post nicht in meinem Namen, die das alles -priviligiert, obwohl mit Mann mehr als Hochrisikogruppe,als nicht mehr im Erwerbsalter erlebt hat. Auch nicht als Großmutter, die seit 11 Wochen, da begann die erste durch eine dämliche Kollegin meiner alleinstehenden Tochter mit 2 Kindern geschenkte Quarantäne, per Telefon, Headset und PC 2,5 Stunden pro Tag ein Enkelkind im homeschooling unterrichtet, weil es sonst den Riesenpacken an Aufgaben nie schaffen könnte und daran kaputt geht. Ich danke Ihnen für die klaren Worte im Namen meiner Tochter, die mit 2 Kindern plus homeoffice das nun ohne sonstige Hilfe und ohne einen Cent Unterhalt vom Vater der Kinder, der in Italien nicht arbeiten konnte aus bekannten Gründen, durchsteht. Nein, es gab auch keine Notbetreuung, nicht an beiden Schulen der Kinder(6 und 11), es gab nicht den Ansatz einer Hilfe aus schulischer Sicht. Aber den wunderbaren Hinweis des Chefs, das sei doch alles kein Problem, sie könnte doch früher aufstehen, die Hälfte der vollen Arbeitszeit sozusagen da schon schaffen und den Rest, wenn nicht mehr zu kochen, waschen, sauberzumachen, Kinder zu trösten, abzulenken oder Hausaufgaben , beidarmig, sozusagen, zu betreuen sind. Den Rest ab 20 Uhr…Und ja, sie liebt ihre Kinder genau so. Und ja, sie war mehrfach so am Ende, dass sie dachte, sie schafft die nächste Stunde nicht mehr…DANKE für Ihre Worte. Und zu den Medien (auch wenn man es nicht 100% schaffen wird): Man soll sich von toxischen Menschen fern halten, immer, egal wo sie gerade rumgiften und ihre Bosheiten streuen! Sie sind es nicht wert! Sie sind gar nichts wert! Es zeigt nur ihren Charkter, nicht unseren und den derjenigen, die darauf reinfallen und ihre Spielchen mitmachen …) Herzliche Grüße und haben Sie zusammen ein gutes WE! Sunni

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  6. Inke schreibt:

    Liebe Frau Rabe,

    yes. Stimmt. Ich gehe mir selbst so auf die Nerven mit meinem ständigen „Ich liebe meine Kinder, aber…“, wenn ich von zuhause erzähle und habe dann immer im Kopf, dass das son Nazisatz ist, „Ich habe ja nichts gegen Ausländer, aber“… und trotzdem habe ich das Gefühl, meine Erzählungen damit abmildern zu müssen.

    Bin sehr dankbar, dass mein Mann zu Beginn der Krise in Elternzeit war. Dass er dank der entspannten Krippenleitung den Einjährigen eingewöhnen durfte und dass die Dreijährige trotz etwas unentspannterer Kindergartenleitung dafür auch zunächst stundenweise wiederkommen durfte und jetzt sowieso, weil wir beide systemrelevant arbeiten und er mit der Elternzeit fertig ist. Die Kinder sind eigentlich ganz cool und meist auch in dem für sie möglichen Maße selbstständig, aber halt nicht in Telefonkonferenzen und bei wichtigen Telefongesprächen. Und sie sind einfach viel zu klein, um irgendwo geparkt zu werden.

    Einige meiner Kolleginnen berichten gerade, wie gut es ihren Kindern mit der „Coronapause“ geht, weil die weniger Stress haben, mehr Zeit für ihre Interessen, etc. … die haben aber halt auch schon Interessen, können lesen, Filme sehen und mit ihren Freunden kommunizieren, das können meine noch nicht.

    Ich bin im 5. Monat mit dem dritten Kind schwanger und habe mich mit Händen und Füßen gegen ein Beschäftigungsverbot (Coronavorsichtsmaßnahme) der Gymnäkologin gewehrt, weil ich mit großer Wahrscheinlichkeit BEKLOPPT werden würde. Und das hätte sicher dramatische Folgen für meine gesamte Familie und das Risiko erscheint mir (und meinem Mann) größer als eine in unserer Gegend aktuell recht unwahrscheinliche Infektion mit einem bei meinem Alter und Gesundheitszustand recht unwahrscheinlichem ernsten Verlauf und dem Wissen, dass ungeborene Kinder allem Anschein nach bei einer Infektion der Mutter keine Schäden erleiden.

    Wollten wir eine Infektion ganz sicher verhindern, müssten wir alle monatelang in die Isolation gehen und das geht in meiner Familie nicht, es mag andere Familien geben. Wir finden es jetzt schon schlimm genug, unsere Eltern und Schwiegereltern (beide Väter durch Alter und Vorerkrankungen in der Risikogruppe) nicht zu sehen. Die Große ist sehr sozial, die hat die Einschränkung der Kontakte auf ein gleichaltriges Zwillingspaar sehr geärgert. Sowohl mein Mann als auch ich brauchen den Input anderer Erwachsener und möchten unserer Arbeit in der Schule nachgehen.

    Schönen Sonntag Ihnen und der Familie!

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  7. Rosa schreibt:

    Ich habe mich vor 3 Wochen bei Twitter angemeldet und vor 2 Wochen wieder ab. Das war schrecklich. Dieses ständige sich-aufregen über die Fehler anderer mit einer ekligen Erhabenheit… das habe ich einfach nicht ausgehalten.
    VG

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  8. Fujolan schreibt:

    Gut gesagt.
    Ein weiterer Respekt ist ja auch dass uns das gesamte Dorf an Unterstützern weggefallen ist – Freunde, Verwandte (nicht bei expats), Babysitter.
    Es war weg dass wir uns mit anderen Menschen diese Aufgaben teilen – das ist ja nicht nur extern eingekaufte Unterstützung sondern häufig Austausch.

    Ach ja, und da ich auch VereinbarkeitsEmigration praktiziert habe: In der Außen Sicht ist es mal wieder faszinierend wie familienunfreundlich Deutschland vorgegangen ist, im Vergleich zu anderen Ländern wie Dänemark Norwegen Belgien die Kita und Schulöffnung priorisiert haben.

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