Tag 799 – We survived Kindergeburtstag.

Aber auch nur knapp.

Nein, es war eigentlich doch ganz in Ordnung, ABER.

Sieben Kinder zwischen 2 und 5 (Median bei 5 😉 ) sind einfach laut. Und wuselig. Und dann noch kleine Individuen, zwei davon kennt man sehr gut, eins recht gut, zwei mittel und eins fast gar nicht… puh. Und ehrlich gesagt hatte ich nicht so ganz damit gerechnet, dass Pippi komplett anti-alles sein würde, eifersüchtig hoch zehn und bei jedem „Warte“ oder gar „Nein, das ist Michels!“ einen Wutanfall sondergleichen hinlegen würde. Das ging soweit, dass ich sie irgendwann ins Bad trug, wo sie dann (in meinem Beisein) ihren Frust darüber, dass auch sie nur EIN Überraschungsei haben durfte, herausbrüllte. Ausdauernd und mit Schlagen, Treten und auf den Boden werfen. Wie im Film. Aber wenigstens standen dann nicht noch drei große Kinder neben mir und fragten „Warum weint Pippi so?“.

Aber ansonsten war es alles ganz ok, Michel hatte Spaß, die anderen Kinder auch, selbst die Wohnung* ist stehen geblieben und als Belohnung** hab ich mir tatsächlich ein Glas Wein und das Auspacken meines ColourPop-Pakets gegönnt. Huiuiui, es wird ein bunter Herbst, sage ich Ihnen!

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* und alle Norweger, die hier reinkommen, so: „Boah, so eine große Wohnung!“. Hmm. Ich glaube ja, das täuscht. 75 Quadratmeter sind jetzt nicht gerade üppig, auch in Norwegen nicht. Aber bis auf das Schuhschachtelgroße Kinderzimmer sind halt unsere Räume groß und offen. Norweger hätten vermutlich auf demselben Raum drei Schlafzimmer und entsprechend gedrungen würde auch alles aussehen. Da wirkt unsere Wohnung natürlich riesig gegen.

** nach dem Aufräumen für die Putzfrau, versteht sich.

Tag 798 – Super Ultra Mega fauler Tag.

Heute haben wir alle fast nix gemacht. Wie schön das war.

Und wenn man dann endlich mal Muße hat, Dinge zu tun, sind die auch gar nicht schlimm. Zum Beispiel Kindersachen aus-/ein-/umsortieren* und meine eigenen Sommerklamotten gegen die dickeren Wintersachen austauschen. Dabei auch nen Schwung Zeug von mir getreu dem Motto „hatte ich seit zwei Jahren nicht an“** aussortiert für die Altkleidersammlung, steht schon an der Tür.

Michels Kindergeburtstag ist morgen Nachmittag (da sind die Ferien um und die meisten Kinder wieder da) und dafür ist auch schon das meiste vorbereitet. Nur Ü-Eier muss ich noch kaufen, Michel wünscht sich, dass jedes Kind ein Ü-Ei bekommt und Herr Rabe wurde nur ein bisschen bleich, als ich Topfschlagen vorschlug***. Aber meine Arbeit ist ja neben einem gut sortierten Supermarkt. Außer Topfschlagen wird es Muffins zum selber mischen und verzieren geben, die obligatorischen Pølse****, eventuell Bügelperlen (weil Michel das toll findet), eventuell Kinderdisco. Herr Rabe ist zwar etwas nervös, aber wir werden das schon schaukeln. Es sind ja auch nur zwei (zweieinhalb?) Stunden, mit unseren zweien sieben Kinder, wir kennen die fast alle ganz gut, was soll schief gehen*****?

Als Tagesabschluss noch mit Herrn Rabe Discovery geguckt (alle Welt kennt jetzt Bärtierchen, oder?), dabei Wein und Wolke Sieben-Katjes (gefährlich lecker). Dochdoch, ein runder, schöner, tiefenentspannter Tag.

Einziger Minuspunkt des Tages: die Entspannungsmaske, die ich machte um meine Haut laut Packungsangabe „zu entspannen und zu verwöhnen“. Hahaha. Entspannt ja, durchfeuchtet vermutlich auch, ich weiß es nicht so ganz, es ließ sich unter der vereinten Glibschigkeit der Öle und Hyaluronsäure und Q10 und Tralala nicht ausmachen. Aber hey, wenn das das schlimmste an nem Tag ist, hätte ich davon gern öfter welche.

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* Let‘s face it: diese ganzen Babyklamotten müssen echt nicht nochmal mit umziehen. Die schwangere KiTa-Betreuerin (Junge) kann sich schon mal auf einen kleineren Überfall freuen, die Kollegin mit dem Minibaby (Mädchen, älteres Geschwister Junge) ebenso.

** Einschränkung: „und das Herz hängt nicht dran“. Das Jugendleiter-T-Shirt aus der Freizeit, bei der ich Herrn Rabe kennenlernte, kann ich zum Beispiel nicht wegtun.

*** Weil er Angst hatte, dass die Kinder hier noch mehr Macken ins Laminat hauen. Gut, dass wir eine hässliche lila Silikon-Soßenkelle haben, das schont Laminat, Mobiliar und Herr Rabes Nerven.

**** Gehört zum norwegischen Kindergeburtstag dazu. Da Michel aber meinte „alle Pølse schmecken gut“ gibt es „die, die wir immer kaufen“ – vegetarische.

***** Ahja, klar, jede Menge und morgen Abend brauche ich vermutlich nen Schnaps, aber sich vorher schon verrückt machen bringt ja auch nix.

Tag 797 – Wieder zu Hause.

Nochmal sieben Stunden Zugfahrt. Ist zwar langweilig, aber entspannt. Michel und ich haben „Doktor Proktors Prompepulver“ gesehen und das ist so herrlich absurder Quatsch, hachja, also ich finde sowas ja gut. Ich habe heute auch ein Harry Hole Buch fertig gelesen. Man merkt ja schon, dass das aus einer Feder ist, finde ich. Beides irre, eins halt auf die witzige Art und eins eher… nicht ganz so witzig. Und so liebevoll gezeichnete Figuren. Hach. Aber das Beste war, den Film mit Michel zu gucken. Wie der mitgeht, es ist so niedlich. Und so ein ungetrübtes schwarz-weiß-Gereichtigkeitsdenken. Natürlich wird das bei den Doktor-Proktor-Geschichten auch unterstützt, da sind die Bösen auch wirklich sehr deutlich und umfassend böse, aber, herrje, wenn dann das Kind auf die Polizisten schimpft, die grade Doktor Proktor und Bulle verhaften und durch den Zug ruft „Da muss enklich ein’ Polizei kommen und den Polizei da einhaften!“ dann ist das so goldig, dass mein Herz ein bisschen doll hüpft.

(Und die Stummfilm-Sequenz. Alter. Ich musste so lachen, dass ich Michel nicht mal erklären konnte, was da passiert und wieso ich so lache.)

Tag 796 – Das Gespräch.

Sie wollen jetzt sicher wissen, wie es lief, oder?

Tja, wenn ich das mal so gut benennen könnte.

Ganz gut, glaube ich. Ich war da (in neuen, dunkelblauen Wildleder-Stiefeletten, die ich sehr schick finde und die zu kaufen überraschend wenig Zeit in Anspruch genommen hat) und auch sehr pünktlich. Ich war nicht übermäßig nervös, eher so gut nervös, aber ich glaube, ich sah zum Beispiel nicht besonders Tomatig aus (was sonst sehr schnell passiert) oder habe gestammelt. Die Firma ist in einem Haus, das, darauf möchte ich wetten, von einem Studikollegen des Architekten des Pirsenterets in Trondheim ist, alles sehr hell und offen und modern. Ich wurde erst kurz in eine Art Warteraum gesetzt, da war auch eine Garderobe, da ließ ich meinen Rucksack und meinen Regenmantel und dann sah ich mir Firmenbroschüren an, bis eine ältere Dame kam und mich fragte, was ich denn trinken wolle (WASSEROHNEKOHLENSÄURE brüllte die Bewerbungstrainerin in meinem Kopf). Dann kam noch ein netter Mann, stellte sich als Leiter der Virusentwicklung vor und wir suchten den richtigen Meetingraum. Da saßen dann die ältere Dame, die sich als Leiterin der gesamten Forschung und Entwicklung vorstellte (und deren Vornamen ich leider nicht verstand, hrmhrm) und die K., mit der ich schon zwei mal telefoniert habe.

Tja, und dann… äh. Also, erst gab es eine Präsentation über die Firma (die wird mir immer sympathischer, je mehr ich über sie erfahre), dann stellte ich mich, was ich so gemacht habe, mache und zu machen vorhabe vor, dann gab es einen Abgleich der Stellenbeschreibung mit meinen Erfahrungen, da war ich ehrlich (jo, HMS kann ich nicht offiziell, finde das aber interessant und traue mir zu, das in nullkommanix zu lernen, nein, ich kann keinen Autoklaven selbst reparieren*, aber ich weiß ziemlich gut, was daran kaputt gehen kann und vor allem weiß ich, wie man testet, ob so ein Autoklav auch tut, was er soll.) und überhaupt fand ich mich angemessen nett, offen, lustig und auch einigermaßen kompetent, es wurden noch ein paar Fragen gestellt („Wenn Sie einen Forscher haben, der seine geplante Geräterequalifizierung nicht rechtzeitig macht, was machen Sie?“) und dann waren plötzlich eineinhalb Stunden rum.

Aber wie es lief? Ähh keine Ahnung. Das werde ich nächste Woche erfahren. Bis dahin atme ich dann in eine Tüte.

*das war auch nicht gefordert. Es stellte sich heraus, dass das Ding dauernd kaputt ist, dann vom Servicetechniker repariert wird und dann geht es direkt an einer anderen Stelle kaputt. Sie vermuten, dass der Servicetechniker murkst.

Tag 795 – #12von12 im Oktober ’17

Wie immer am 12. sammeln wir unsere 12 Bilder vom Tag und Caro von Draußen nur Kännchen sammelt dann unsere Sammlungen.

Hier heute in der Pre-Bewerbungsgespräch-Aufregungs-Zugfahr-Version.

(Ach ja, die Bildunterschriften wieder. Nun ja. Hier: Partyreste.)

Nach einem zu spät aufgestandenen Morgen etwas gehetzter Aufbruch zur Helsestasjon, 2-Jahres-Checkup für Pippi.

Da darf dann auch die Maus rutschen.

Pippi ist übrigens ein prima Kind, überall im Durchschnitt. Außer in den Bereichen „Ohren angucken lassen“ und „Mund aufmachen“, da ist sie Spitzenklasse. „Flink“, wie die Norweger sagen.

(Lustige Anekdote: die Helsesøster wollte gerne, dass Pippi Worte wiederholt, stellte sich dabei aber nicht so klug an. So sagte sie immer so Sachen wie „Ist das ein Bär?“ und Pippi: „Ja.“. „Soll der Bär hier im Bett schlafen?“ – „Ja.“ So ging das ziemlich viel hin und her, bis ich Pippi bat, was zu singen. Da sang sie „Lille kattepus“ und die Helsesøster war zufrieden.)

Michel wollte etwas vorgelesen haben. Ein dänisches Buch, das ich dann während des Lesens nach Norwegisch übersetzte. Puh.

Dann fuhren wir direkt weiter zum Blut abnehmen ins Krankenhaus. Das hatte der Kinderarzt, bei dem wir in zwei Wochen einen Termin haben, so angeordnet. Total blöd räumlich organisiert: der Wartebereich grenzt direkt an die Behandlungsräume. Wir hörten die ganze Zeit ein völlig hysterisches Kind schreien. Dem Geräusch nach zu urteilen ging ich von einem zweijährigen Mädchen aus (Vorurteile galore, fiel mir dann auch sehr schnell auf), in Wirklichkeit war es ein etwa vierjähriger Junge, der so brüllte, dass er vor Schluchzen kein Wort mehr herausbekam. Armes Kind. Und arme Kinder, die warten. In jeder Versuchstier-Facility sind die Behandlungs- (oft = Tötungs-)Räume vom Rest abgetrennt, weil die Tiere sonst alle mega gestresst sind (außer man knockt bestimmte DNA-Reperaturgene aus, aber das ist ein ganz anderes Thema).

Nun ja. Pippi war auch da sehr tapfer, wir aßen danach noch was in der Mensa und dann ab nach Hause und packen. Entgegen der bisherigen Planung nur für Michel und mich, weil Pippi wieder Fieber hat.

Gefunden, aber nicht mitgenommen. Weil, ach, son Blödsinn. Ich hab eine unbenutzte, schlichte, blaue Pappmappe ohne Aufdruck mitgenommen. Für meine Unterlagen, die ich bei meiner Freundin ausdrucken wollte, die aber, wie ich eben erfuhr, keinen Drucker hat. Tadaa.

Und dann: Zug. Viel.

Zugbeschäftigung: Dinotrux. Das Spielzimmer war nämlich von Kindern besetzt, die Michel zu wild und zu laut waren. (Überhaupt: nie wieder Familienabteil. Kotzende Kinder, Kinder mit vollen Windeln, laute Kinder, rennende Kinder. Kann ich alles mal 2 ertragen, mal 10 (eher hoch 10, so wie die sich hochgeschaukelt haben) einfach nicht mehr.)

Ich bereite mich vor und schmunzle mal wieder über die norwegische Sprache.

Sechseinhalb Stunden später sind wir bei unseren Freunden angekommen. Die haben auch einen Fisch. Einen blauen.

Das Kind, das meinte, keinen Hunger zu haben, hatte dann plötzlich doch welchen, als ich es ins Bett scheuchen wollte.

Das selbe Kind war auch eigentlich gar nicht müde. Hier ein Beweisbild vom nicht müden Kind.

Und dann beim Auspacken: Horrorentdeckung. Meine Schuhe lösen sich total auf. Und da meine anderen Schuhe, die ich dabei habe, türkise Chucks aus LKW-Plane sind, muss ich wohl morgen völlig ungeplant Schuhe kaufen (und Zeug ausdrucken und eigentlich brauche ich noch eine schlichte, graue Strumpfhose, aaahahahaha). Halleluja.

Morgen dann also schreiend im Kreis (durch Schuhläden) rennen.

Tag 793 – Mehr Schnipsel.

Heute früh mit Pippi beim Arzt gewesen, ein Follow-Up-Termin der „alle drei Wochen Fieber“-Geschichte. Folgendes geschah:

  • Geschrei schon beim Aufkleben des Pipibeutels, diese Dinger müssen echt unangenehm sein. Aber in einen Becher pullern hatte halt leider auch nicht geklappt.
  • Michel wollte unbedingt mit, einerseits sicher aus Neugierde, andererseits wollte er seine Schwester begleiten.
  • Vor der Arztpraxis: Pippi ruft begeistert „Trinken!“. Leute, vergesst Kinderspielzeug im Wartezimmer, stellt einen Wasserspender auf. Kinder happy.
  • In der Arztpraxis Urinbeutel weiterhin leer, Pippi weiterhin wegen des Beutels sauer.
  • Probennahme für CRP: Pippi ist echt das geduldigste Kind der Welt. Kein Mucks. Nur „Plaster?“ Und Michel gab ihr einen fetten Kuss und pustete den gepiekten Finger und ich war ganz gerührt.
  • Nach der Probennahme (mit Pflaster). Die Arzthelferin will uns rausscheuchen. Pippi marschiert schnurstracks zur Prämien-Schublade und sagt „Denne Ball.“. Ich war schon peinlich berührt (gierige Kinder…) aber Pippi ist so niedlich, die durfte dann sogar einen Flummi für die Arztpraxisflummisammlung UND ein Mammut („Elefant!“) haben. Und Michel einen Tiger. Seufz.
  • Die Ärztin bekam daraufhin von Pippi „En Elefant kom marsjeeeerende“ vorgesungen, Michel erzählte derweil, dass er morgen Geburtstag hat und dass er aber keinen Besuch bekommt und dass dafür an einem anderen Tag ein richtiges Fest ist und überhaupt sind die Kinder manchmal zum Fressen niedlich. Groß untersucht wurde nix, CRP unauffällig, Hämoglobin ein bisschen gestiegen seit dem letzten Termin (mein Plan, süß schmeckende Eisen-Kautabletten zu kaufen, damit Pippi die auch nimmt, ist voll aufgegangen) und eigentlich alles tutti. Pipiprobe: naja, nicht schlimm, sie ist ja grad eh gesund.

Dann in den Kindergarten gefahren. Michel direkt draußen abgeliefert, aber Pippi hatte 1. noch den Pipibeutel dran und 2. keinen Draußenanzug an. Also mit Pippi hoch gelaufen, wo noch alle (!) Babys waren. SIEBEN Einjährige. Plus Pippi und ihre Freundin, die schon zweieinhalb ist. Das Urinbeutelentfernen traf auf ungefähr so viel Gegenliebe wie das Kleben, aber wie ich das so abzog von der ja doch empfindlich dünnen Haut… Au. Ja. Arme Maus. Übrigens weiterhin leer. Ich glaube, die hat das echt hochgezogen, weil ihr der Beutel so unangenehm war. Wie dem auch sei, mit Pippi zu den Babys zurückgekehrt und Pippi angezogen, die zwei Betreuer*Innen die da waren waren ein bisschen überfordert. Und KEIN WUNDER. Was für ein wuseliger Haufen so Minis sind. Ich hatte ja nur Pippi, die ja auch schon viel selbst kann, aber in einer Tour zogen sich Zwerge an mir hoch, plumpsten wieder um, sabberten mich an, krabbelten und tapsten herum, stießen zusammen, wankten auf das seit einer Nanosekunde offene Treppengitter zu… ich würde, ganz ehrlich, irre werden, müsste ich das täglich mehrere Stunden am Kopf haben. Ich kam mir vor wie in einem dieser Filmchen, wo ein Tierpfleger versucht, einen Pandakäfig auszumisten, während zwei bis vier Pandas herumwuseln und Quatsch machen. Der eine Betreuer meinte auch nur, während er lauter Schuhe in Größen 19-22 an zappelige Füßchen zog, dass es schon ganz gut sei, dass er nur selten für die Kleinsten zuständig sei. Pippi nahm das Gewusel übrigens recht gelassen hin, bis eins der Babys ihre Wasserflasche mopste und direkt anfing, am (geschlossenen) Deckel zu nuckeln. Da schimpfte sie und rupfte dem Baby die Wasserflasche unter „Nei! Min!“-Gekreische aus den Händen. Und ich war froh, als ich endlich zur Arbeit fahren konnte.

Ex-Chef* angerufen. Wir waren dafür ja verabredet. Deshalb war ich auch ein bisschen irritiert, als er nicht dranging. Wiederholt. Aber tjanun, ich schrieb ihm also eine Nachricht, dass niemand ranginge und setzte mich an die Cleanbench. Eine halbe Stunde später rief er zurück. Er geht nicht an ausländische Nummern (jaja, weiß ich sogar, war schon immer so, bzw. manchmal ging er ran und sagte dann so Sachen wie „No, sorry, we are not interesting in sis conference.“, aber Herrgott, Norwegen ist ja nicht Indien…) An der rauschenden Cleanbench telefoniert es sich aber auch nur schlecht, also machte ich meinen Kram erst fertig und rief ihn dann auf dem Weg zum Kaffee holen zurück. Es folgte ein sehr nettes Gespräch, wirklich wie früher und ach, ach, ach, wieso bin ich da weg gegangen? Ich brachte mein Anliegen vor („Ich hab mich auf was beworben, wo ich viel Validieren und Qualifizieren müsste und jetzt, wonach das Vorstellungsgespräch bald hab, ist mir leider aufgefallen, dass ich das alles total vergessen hab!“) und er sagte die richtigen Worte („Richtigkeit, Robustheit, LoD, LoQ…“) um meine verschollenen Erinnerungen zu reaktivieren und nannte noch die EMA-Richtlinie dazu, genau, dachte ich, die war das. Lang ist’s her. Dann noch ein bisschen Klatsch und Tratsch und allgemeines Palaver über welche Projekte grade so laufen (zum Teil die Selben wie vor 4 Jahren, ich könnte vermutlich morgen wieder… aber lassen wir das) und „Wieso sitzt du denn noch an der Cleanbench, ich dachte du schreibst zusammen?“ und dann musste ich ihn auch mal wieder arbeiten lassen. Hachseufz. Das hatte schon Gründe, weshalb ich damals, als ich mich da verabschiedet habe, Rotz und Wasser geheult habe. Vor allen. Und es war mir auch nur ein ganz klein bisschen peinlich und im Nachhinein gar nicht mehr.

Ziemlich genau jetzt vor fünf Jahren ging ich ins Bett. Und in ca. 30 Minuten vor fünf Jahren platzte dort auch die Fruchtblase und das war nicht nur viel wegen hohem Stand, sondern auch noch dunkelgrün wegen Mekonium und keine Unterlage der Welt (auf denen ich ja schon seit Wochen schlief) hätte das aufsaugen können. Weshalb Herr Rabe auch schon am 1. Tag einen Abstecher nach Hause machte, um Laken, Matratzenschoner und meinen Thron aus Handtüchern, auf dem ich die Ankunft der Sanitäter erwartete, zu waschen. Dafür bin ich Herrn Rabe immernoch sehr dankbar.