Tag 3098 – Kalt, kalt, kalt!

Der Nacken ist etwas besser, aber auch echt nur etwas. Ich habe eine Technik entwickelt, mit der ich das Wärmekissen mithilfe eines Buffes (also so ein Rundschal/Schlauchschal) an Ort und Stelle halten kann und solange das warm und da drauf ist, geht es halbwegs. Ich konnte das Erdgeschoss aufräumen und vegetierte nicht mehr nur stöhnend vor mich hin! Geige spielen geht auch (heute, gestern nicht…), aber wenn das auf der anderen Seite vom Hals wäre, ginge das vermutlich gar nicht. Ich liege jetzt also mit einem Fleece-Buff mit einem Wärmekissen darunter im Bett und werde vermutlich schwitzen wie ein Schwein, sorry, Herr Rabe. Nach draußen bin ich nur sekundenweise gegangen, um Müll und Pfand ins Bod zu bringen, das sind etwa 2 Meter und das reicht zur Zeit, damit einer die Nasenhaare einfrieren.

Die nicht vorhandene Luftfeuchtigkeit ist übrigens echt schlecht für die Pflanzen, insbesondere die Avocados. Beim Geige spielen muss ich deshalb meinen Bogen in der ersten halben Stunde dauernd nachjustieren und entspannen, weil ich für das Case einen Luftbefeuchter gekauft habe, aber sobald ich den Bogen rausnehme, „trocknen“ dann ja die Haare und verkürzen sich. Dann spiele ich plötzlich auf einem überspannten, steinharten Bogen und wundere mich, dass das alles so schwierig ist. Die Geige und auch die Saiten können das besser ab, und seit ich den Luftbefeuchter habe, muss ich auch deutlich weniger stimmen (und auch nur ganz selten mal nachstimmen), also insgesamt Daumen hoch für den Luftbefeuchter. Gut investierte 20 Euro.

Apropos Geige und gut investiertes Geld: vor Weihnachten und zusammen mit dem Luftbefeuchter habe ich mir endlich eine neue G-Saite gekauft. Meine war irgendwann im Herbst gerissen und ich habe dann eine alte von mir (nicht uralt, nur die, die ich abgenommen hatte, als ich das Saitenset geschenkt bekommen habe) drauf gezogen. Dass es mehrere Monate gedauert hat, bis ich die neue Saite hatte, lag an exekutiver Dysfunktion nicht auf meiner Seite. Aber dadurch hatte ich also mehrere Monate eine andere G-Saite als die anderen Saiten. Mich störten da die ganze Zeit die Nebengeräusche, die Saite klang schabend, aber ansonsten ganz ok (das war ebenfalls keine billige Saite gewesen) – dachte ich. Die neue Saite, die also einfach nur wieder zum Set passt, ist eine andere Welt. Das Schaben ist weg, der Ton ist viel voller, die Obertöne komplexer und alles viel „klingender“, selbst in höheren Lagen. Ich war echt etwas geschockt über den Preis (da kriegt man für andere Instrumente ein ganzes Set von wirklich guter Qualität für), aber das war‘s trotzdem wert.

Dafür habe ich möglicherweise einen Wolfston an meiner Geige gefunden. Tja, machste nix. (Also da macht man tatsächlich nix, außer vermeiden, den dort zu spielen.) Ich werd das mal noch weiter verfolgen, ob ich mir das nur einbilde oder es an mir liegt, das ist ebenfalls sehr gut möglich. Aber es ist schon auffällig, wenn man in einer Tonleiter „Klingel, Klingel, Klingel, Krächskrepelwürg, Klingel…“ hört.

Bitte entschuldigen Sie die Nerderie.

Tag 3097 – Roboter.

Hier ist heute quasi nichts passiert, denn ich habe mich verlegen, konnte mich kaum bewegen und war dementsprechend immobil, unproduktiv und schlecht gelaunt. Hinterm rechten Ohr setzt scheinbar ein Halsmuskel an, der sehr stark protestiert, wenn ich ihn zu benutzen versuche, zum Beispiel für so anstrengende Handlungen wie „dagegen halten, wenn man die Brille hochschiebt“. Dementsprechend war ich heute in Kopf und Schultern steif wie ein Androide der allerersten Generation, bei der man auch noch vergessen hat, das Kopfgelenk zu schmieren.

Ich hab so ungefähr alles erfolglos versucht außer wegschlafen, das versuche ich dann jetzt als Nächstes.

Tag 3096 – Konfetti!

Heute wurde mein Arbeitgeber, auf diesem Blog formerly known as „Das Werk“, unter neuem Namen eröffnet. Dazu kam extra die Gesundheitsministerin aus dem anderen Ende von Oslo angereist, bei -20 Grad, Respekt. Noch mehr Respekt dafür, wie man mit vielen Worten wenig bis gar nichts sagen kann. Zum Abschluss durfte sie noch eine Konfettikanone zünden und dann gab es Cupcakes für alle und einen Jutebeutel für jede*n.

Ich bin recht froh, dass die neuen Zugangskarten nicht in diesem Grün sind, sondern schnöde weiß.

Die Cupcakes, also zumindest die gelben, denn davon habe ich einen gegessen, waren leider richtig lecker. Ich musste mich sehr zusammenreißen, nicht noch 2-7 andere Geschmacksrichtungen zu probieren, aber da hätte ich vermutlich derbes Sodbrennen bekommen, der eine war schon an der Grenze. Die gelben waren Zitronencupcakes und erstens schmeckte die Buttercreme obendrauf wirklich zitronig und zweitens waren die mit Lemon Curd gefüllt, für das würde ich ja eh… vielleicht nicht absichtlich töten, aber fahrlässig vielleicht? Oder ein bisschen schwere Körperverletzung? Wenn es mal wieder Amalfizitronen beim Meny gibt (normalerweise so um Ostern rum), muss ich dringend ein paar Gläser Lemon Curd kochen.

Zurück zum Thema: Jetzt arbeite ich also bei einem Direktorat, dass das auch im Namen trägt. Als erste Amtshandlung durfte ich einer Firma das erklären, die verstanden nämlich nicht so ganz, wer oder was ich bin, als ich „Direktorat“ sagte. Die neuen Mailadressen sind noch nicht aktiv, das, befürchte ich, kann noch heiter werden. Allein heute habe ich mich bei zwei beruflich benötigten (externen) Diensten mit meiner at-Werk Mailadresse angemeldet. Ich mache schon mal ne Liste, wo die überall verwendet wird, ich fürchte, die wird lang.

Tag 3095 – 10 Minuten.

Dauerte es heute morgen, bis ich eine Chatnachricht geschrieben und dann doch wieder gelöscht habe. Sie enthielt Schimpfwörter und war in Großbuchstaben verfasst, und es ging um das IT-Projekt in Kombination mit der Namensänderung meines Arbeitgebers. Das ist eh eine Kombination die direkt aus der Hölle stammt. Und da haben es einfach Leute so richtig verkackt und ich wollte nach 10 Minuten Arbeit deshalb schon wieder Leute schütteln. Oder halt pöbelige Chatnachrichten schreiben.

Apropos Namensänderung: unser Logo und alle unsere Vorlagen sind auch geändert. Wir haben auch neue Farben, von denen uns die Namen nicht mitgeteilt wurden, also nenne ich sie Popelgrün und Mekoniumgrün. Wie kann man aus dem Grünspektrum (beste Farbe!) diese furchtbaren Farben auswählen? Am schlimmsten ist die Powerpointvorlage, da ist nämlich auf jeder Folie der Hintergrund komplett popelgrün, ich befürchte Augenschäden durch zu starke Exposition damit. Dazu sind überall jetzt kleine und große Hexagons hingestreut, wie achtlos hingeworfenes Konfetti sieht das aus und Menschen auf Facebook kommentierten bereits, ob das ein Sehtest sein soll, alle diese Punkte Hexagons auf popelgrünem Hintergrund. Dass es keine schwarzen Hexagons sind, sondern mekoniumgrüne, glaubt mir immer erst mal keiner, aber isso, steht auch im Designdokument (was niemand liest, außer mir, auf der Suche nach der Bezeichnung der scheußlichen Farben).

So, genug gemeckert, hilft ja Nix, Augen zu, morgen wird der ganze Bums auch noch feierlich eröffnet mit Pomp und Trara und der Ministerin und einem Büro, in dem sie uns vorwarnen, dass es kalt werden kann. Sehr kalt, denn draußen sind jetzt -20 grad und morgen und in Oslo sollen es noch weniger werden. Das wird sicher super für diejenigen, die schon ihre Pulswärmer von letztem Jahr vermisst haben.

Tag 3094 – Letzter Urlaubstag (seufz).

Der Tag fing ziemlich früh an, die Kinder haben ja normal Schule seit heute. Die selben Kinder, die gestern Abend „gar nicht müde“ waren, heute Morgen aber um so mehr. Die Erwachsenen betraf beides allerdings auch, ich will deshalb gar nichts gesagt haben.

Spontan beschloss ich, mein Rucksackproblem wie eine Erwachsene anzugehen. Im Internet, in meinem Rabbithole gestern, hatte ich mir vier Rucksäcke einer namhaften Koffermarke mit S rausgesucht, und die Koffermarke hat in Oslo einen Store. Da waren zwar nicht die Farben vorrätig, die ich von den verschiedenen Modellen gerne hätte, aber um auszuprobieren, ob ich meinen dringend notwendigen Kram da rein bekomme, oder ob das auch einfach nur schicke und teure Tüten zum auf den Rücken schnallen sind, tut es ja auch die Version in fröhlichem schwarz. Also ging ich zum Laden, ließ mir alle vier Versionen geben, verwarf eine gleich wegen doch hässlich, verwarf eine weitere wegen doch kein akzeptables Preis-Optik-Verhältnis und packte meinen dringend notwendigen Kram erst in den einen, dann in den anderen verbleibenden Rucksack, spazierte mit beiden ein bisschen durch den Laden und entschied mich dann schlussendlich für den kleineren (aber verifiziert ausreichend großen) Rucksack. Den bestellte ich in kreischendem Pink, nächste Woche kommt er an. Auf der zweiten verbleibenden Version dachte ich noch ein bisschen herum, allerdings nicht in der Alltagsrucksackgröße, sondern eine Nummer größer, als Handgepäck-Reiserucksack. Das teilte ich der Verkäuferin auch so mit, dass ich das mal überlegen müsste, weil PRAKTISCH ist das ja schon mit einem vernünftigen Rucksack für 1-2 Übernachtungen, und dann auch trotzdem nicht potthässlich… Ich verließ den Laden und dachte ca. 150 Meter weiter daran herum, drehte um und bestellte ihn auch noch. Der Rucksack den ich sonst für solche Zwecke nutze, ist nämlich auch bei Licht betrachtet fertig, der eine Reißverschluss (an einem unwichtigen Fach) ist kaputt und die innere Beschichtung löst sich auf, sodass man immer Beschichtungsbrösel an allem hängen hat. Das wird ein deutliches Qualitätsupgrade zu meinen neuen Rucksäcken und ich freue mich wirklich sehr darauf. Ich bin außerdem einigermaßen stolz auf mich, dass ich keine (übermäßige) Wissenschaft aus der Auswahl gemacht habe und dass ich einfach beschlossen habe, dass ich „so viel Geld“ für sowas für mich ausgeben darf, weil ich groß bin und dieses Geld ganz selbst verdient habe. Auch wenn es sicher günstiger geht – ich muss nicht für mich immer die günstige Option wählen. Ich kann auch ganz alleine entscheiden, was ich haben möchte und brauche dafür keine externe Instanz.

Zufrieden fuhr ich nach Hause und verbrachte die nächsten Stunden zunehmend unzufrieden mit dem erfolglosen Versuch, die Bank zu wechseln. Andererseits passiert auch so ungefähr gar nichts, wenn das jetzt noch nen Monat dauert mit dem Bankwechsel, es stand nur für heute auf meinem Zettel und dann fällt mir schwer, zu akzeptieren, dass es heute nichts wird (aus Gründen, die nicht bei mir liegen). Auf jeden Fall habe ich aber schon mal alles vorbereitet, sodass ich, wenn sich eine Person von der neuen Bank hoffentlich bald bei mir meldet, gleich auflisten kann, was (also welche Konten und Dienstleistungen) wir alles brauchen. Theoretisch* geht das alles online und problemlos, aber die neue Bank scheint zur Zeit etwas überfordert zu sein, inklusive Homepage, wo mich hinter jeder Ecke heute nur eine Fehlermeldung erwartete.

Das war so ca. mein Tag. Abends brachte ich einen „gar nicht müden“ Michel ins Bett, der nach 10 Minuten lesen freiwillig das Licht ausmachte und weitere 5 Minuten später zu schnarchen anfing. Das war schön. Kindergeschnorchel ist sehr gemütlich.

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*praktisch auch, habe ich ja in Norwegen schon zwei mal gemacht, aber das setzt halt voraus, dass die Technik funktioniert.

Tag 3093 – Driving through the winterwonderland.

Heute fuhr ich mit Michel nach Hamar. Dort mussten wir zu drei Orten: 1. Ikea, denn Michel wollte seine Geschenkgutscheine aus dem Adventskalender plus etwas Gespartes in einen riesigen Teddy investieren. Außerdem brauchten wir diversen supersexy Krams, wie Akkus und einen neuen Flickenteppich für den Flur, der alte löst sich in seine Flicken auf. 2. Coop Obs, Michel braucht neue Winterschuhe, seine alten lösen sich auf. Dabei kaufen wir schon die guten Markenschuhe, die andere Leute weiter verkaufen, weil die Kinder schneller rauswachsen als sie kaputtzukriegen sind. Michel: „Hold my Riesenbär“. Und deshalb, liebe Kinder, kriegt man für Kinder mit Buchstabendiagnose und dadurch erhöhtem Verschleiß an Klamotten in Norwegen etwas finanzielle Unterstützung. Weil Winterstiefel keine Saison halten. Gestern erst entdeckte ich einen sehr dicken Kratzer an Michels Brille, und die Zahnspange hat er auch schon wieder kaputtgeknirscht. Hurra. 3. Mini Einkaufszentrum, wo ich weitere sexy Dinge (Dauerbackfolie, die alte hat es nach mehreren Jahren Benutzung jetzt doch mal hinter sich) bestellt hatte und außerdem nach einem neuen Alltagsrucksack für mich schauen wollte, denn meiner stirbt langsam. Ich würde ohne mit der Wimper zu zucken den gleichen noch mal kaufen, nur gibt es den nicht mehr. Im Laden war aber die Auswahl zwischen schwarz, schwarz, schwarz, grau, braun, oliv und noch etwas mehr schwarz eher ernüchternd. Außerdem möchte ich nicht einfach einen riesigen Sack haben, in den alles oben rein in das einzige verfügbare Fach geschmissen wird. Da kann ich auch nen Jutebeutel nehmen, da habe ich auch schönere Farben zur Auswahl. Naja, dreimal dürfen Sie raten, weshalb ich so spät blogge: ich bin abends in ein Rucksack-Kaninchenloch gefallen.

Ansonsten war die Tour aber ein Erfolg.

Kind mit Baby, äh, Bär.

Auf dem Rückweg wollten wir dann noch Pippi abholen. Da mein Orientierungssinn ja nur rudimentär ausgeprägt ist, ließ ich das Navi navigieren, und das wählte aus irgendeinem Grund die scenic route, durch den Wald und über den Berg. Mit sehr vielen Kurven. Im Dunkeln. Wo es glatt und alles voller Schnee war. Mit beängstigend schnell leer werdender Batterie im Auto. Hurz.

Für das Bild habe ich natürlich gehalten.

Das ging 15 km so.

Schlauere bessere andere Menschen haben Decken im Auto, wenn sie im Winter irgendwo hin fahren, wo sie liegen bleiben könnten. Ich hatte nicht mal eine vernünftige Jacke an. Umdrehen ging nicht, weder Akku noch Platz, und ich hoffte nur, dass mir niemand entgegen kommt. Und dass kein Elch kommt, das hoffte ich auch. Beides passierte nicht und ich kam sowohl bei Pippis Freundin als auch zu Hause irgendwie an. Irgendwie = mit beschaulichen 18 Grad im Auto, um Batterie zu sparen, der orangenen Schildkröte leuchtend und um die Erkenntnis reicher, dass das Auto Reichweiten unter 15 km nicht mehr anzeigt.

Der Lader hängt glücklicherweise direkt da an der Wand.

Das brauche ich so dringend auch nicht wieder. Weder die Cruisingstrecke durch die Pampa, noch den Batterienervenkitzel. Aber die Tour mit Michel an sich war schön.

Tag 3092 – Der erste Tag in 2024.

Nun, da ist er rum, und so ganz persönlich war er auf jeden Fall besser als der letzte Tag von 2023. Er bestand aus Ausschlafen (immerhin zum 2,5. mal in diesem Urlaub), einem guten Frühstück, einigem Gepröddel im Haushalt, während Herr Rabe alle Kinder wegfuhr, damit sie bei ihren respektiven Besties übernachten können, Geige, sehr gutem Abendessen zu zweit, dem Rest vom Exit-Adventskalender mit Herrn Rabe (vor Weihnachten einfach nicht geschafft) und den letzten zwei Folgen der ersten Staffel Good Omens, ebenfalls mit Herrn Rabe. Draußen liegen Winterwonderlandmäßige Mengen Schnee, was von drinnen sehr hübsch anzusehen ist. Herr Rabe hat viel Schnee geschippt, der Schnee ist also weniger schön für ihn. Hier drinnen ist nach dem Haushaltsgepröddel ein Zustand hergestellt, den ich überwiegend wohnlich finde.

Außerdem hat keiner irgendwen angeschrien, 2024 rockt voll.

Ich würde gerne Bilanz ziehen über das Jahr, muss da aber erst ein bisschen Abstand zu gewinnen. Gute Vorsätze habe ich auch eigentlich keine, alles(TM) fühlt sich eh schon nach Dauerbaustelle an, außerdem brauche ich nicht noch weitere Dinge, deren nicht-schaffen ich mir bei jeder Gelegenheit vorwerfen kann. Lose vorgenommen habe ich mir, mehr Komplimente zu machen.