Tag 853 – Growin‘ up like a boss.

Ich hatte es ja schon angedeutet: die Telefongespräche mit den Schweden waren nicht so ganz erfreulich. Es ging um Geld, aber nicht nur, ich schlug zum Beispiel andere Möglichkeiten, mir unter die Arme zu greifen, vor und es wurde einfach alles abgeblockt. Machen wir nicht, haben wir nie, werden wir nie, friss oder stirb, das war der Tenor. Ich hatte meinen Betrag ja nun genannt und war entschlossen, bei einem bestimmten Betrag darunter nein zu sagen und so kam es dann auch. Heute im Bus auf dem Weg zur Arbeit musste ich den Schweden leider mitteilen, dass ich zu deren letztem Wort leider keine Möglichkeit sehe, darauf eine Zukunft in einem anderen Land aufzubauen. Badumm, Tssss. Tja schade, dann viel Glück und schon war ich raus aus dem Bus. Leicht zittrig ging ich zur Arbeit und wurde natürlich sofort von allen möglichen Leuten gefragt, ob ich was von dem Job gehört hätte und die Reaktionen auf mein „Ich hab grad abgesagt“ rangierten von Verständnis über mehr oder weniger gut geheucheltes Verständnis bis zu entsetztem „Du bist verrückt!“. Tjanun. Können sich alle gern da bewerben und sich dann tot arbeiten und mit dem Lohn grad so über die Runden kommen, vom Umzug und der damit verbundenen Kohle und vor allem den Nerven mal ganz zu schweigen. Trust me, ich bin schon mal in ein fremdes Land gezogen und musste alles selbst organisieren, das ist absolut nicht ohne und, Jöss, ist das denn so schwer sowas zu sagen wie „wir können ja mal Angebote für Expat-Agenturen einholen“? Damit wär ich doch schon viel zufriedener gewesen.

(bester Mann.)

Egal, jedenfalls brennt mir natürlich das Feuer jetzt wieder etwas spürbarer unterm Po. Und während ich so mein zweites Drittel Daten hin und her schob und plottete und rechnete und rätselte, fasste ich den Entschluss, mit Eisen Nummer 2 ein bisschen zu pokern. Von einem kleinen Raum im Keller des „Banksals“, wo wir heute Instituts-Weihnachts-Mittagessen hatten, rief ich also mein zweites Eisen an und sagte (wahrheitsgemäß), ich hätte nun ein anderes Angebot vorliegen, sei aber weiterhin sehr interessiert an der Stelle und (nicht so ganz wahrheitsgemäß) möchte nichts entscheiden ohne nochmal mit ihnen gesprochen zu haben. Und überhaupt, es hätte sich kurzfristig ergeben, dass ich Donnerstag in Deutschland sein könnte. (Ich kam mir schon total souverän vor, ich stand quasi neben mir und bewunderte mich für meinen Mut und meine sympathische Offenheit und so.) tja, und wie soll ich sagen: der Recruiter rief etwas später wieder an, zu welcher Uhrzeit ich denn könne, wann mein Rückflug ginge und was ich denn so verdienen wollen würde. Bei letzterem hat er mich offen gestanden kalt erwischt, ich hatte keine Ahnung von den deutschen Verhältnissen, das sagte ich auch und dann sagte ich, was ich in Norwegen anstreben würde und was das in Euro wäre. Und er lachte mich zumindest nicht aus, sondern klang als wäre das eine okaye, möglicherweise sogar recht niedrige Forderung. Es sieht also so aus, als hätte ich mich quasi dreist selbst zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen (möglicherweise bin ich die geborene Chefin. Für Projektmanagement sollte es jedenfalls reichen). Am Donnerstag. DIESEN Donnerstag. Wenn ich (morgen, hoffentlich) die Bestätigung für den Termin bekomme, buche ich die Flüge, fliege dann Mittwoch nach der Arbeit nach Deutschland, übernachte bei einem Bekannten, rede Donnerstag mit dem Eisen, fliege dann nach Hannover, übernachte bei meinem Onkel, fahre mit meinem Onkel am Freitag zu der Beerdigung meines Opas, verpasse das KiTa-Weihnachtsfest und die kleine Arbeitsgruppen-Weihnachtsfeier, gehe mit der Familie essen, fahre wieder nach Hannover und fliege zurück nach Trondheim.

Und dann schreib ich meine Thesis fertig und alles wird gut.

(Nach dem Weihnachts-Mittagessen ging ich übrigens wieder zur Arbeit und plottete das letzte Drittel Daten, das während des Essens angekommen war. Von nix kommt ja nix, ne?)

Auto-Lobhudelei: Bwaaahahaha. Heute fand ich mich mal rundum saucool und erwachsen. Steht alles da oben. Selbstzweifel dann ab morgen wieder oder wenn ich in nem halben Jahr immer noch arbeitslos bin. Aber heute habe ich auf die Entscheidung, den Schweden abzusagen, den Sekt aufgemacht, den ich am Dienstag nach dem Angebot gekauft habe.

Tag 852 – Wiedada.

Pippi und ich sind gut wieder nach Hause gekommen. Der Start in Zürich war zwar wie befürchtet wegen des Wetters (Schnee, Wind, bah) wirklich furchtbar holprig, aber Pippi versteht das ja zum Glück noch nicht und guckt unbeirrt Peppa Wutz. Da wir wieder eine halbe Stunde Verspätung hatten, investierte ich in Pizza im Flugzeug, statt nervös mit Pippi unterm Arm in Gardermoen irgendwas zu Essen zu jagen, wäre dann am Ende fast wurscht gewesen, weil wir in Gardermoen grenzwertig lange drauf warten mussten, dass unser aufgegebenes Gepäck vom Zoll kontrolliert wurde und wir in den national transfers Bereich durften, aber sowas kann man ja vorher nicht wissen. So nutzte ich die Zeit, um Wein und Mascara* zu kaufen und Foundations zu swatchen, war auch schön.

„Jaaaa! Baby Peppa Wutz drückt!“

Dann große Wiedersehensfreude mit Michel und Herrn Rabe, nach Hause kommen, Pippi ins Bett bringen und dann endlich meine Omi anrufen, denn, das ist traurig und leider nicht unerwartet, aber dann doch überraschend: mein Opi ist gestorben. Ich denke da noch dran rum und möchte das auch nicht breittreten. Aber nach dem Gespräch mit meiner Omi müsste ich dann doch nochmal meine Mutter anrufen und das war, also, äh, interessant. Jedenfalls, falls auf Ihrer Terrasse zufällig eine Packung Pinnekjøtt herumliegt, so bereiten Sie das zu:

  1. Das Fleisch über Nacht einweichen (bei Zimmertemperatur, es geht natürlich auch gekühlt, aber dann dauert es eben länger). Einfach die Folie abziehen und die Packung mit Wasser auffüllen, unter anderem deshalb ist das Fleisch da so locker drin gepackt. Ich schütte nach ein paar Stunden einmal das Wasser weg und nehme frisches, das muss man aber nicht zwingend machen.
  2. Die Pinnekjøtt-Pinne in einem großen Topf wie ein Rost oder ein Gitter auslegen. So drei Lagen Pinne reichen dicke. Darauf das eingeweichte Fleisch stapeln. Dann so viel Wasser in den Topf gießen, dass es grad so nicht an das Fleisch herankommt.
  3. Deckel drauf und köcheln lassen, bis das Fleisch von den Knochen fällt. Das dauert, mindestens 2 Stunden, ich rechne eher mit 4. Natürlich wenn das Wasser verkocht ist, welches nachfüllen.
  4. In der Zwischenzeit kann man Beilagen vorbereiten, klassisch wäre Kålrotstappe, also Steckrübenpürree. Dazu eine halbe Steckrübe, zwei Kartoffeln und zwei, drei große Möhren schälen, in Stücke schneiden, in Salzwasser kochen, abgießen und stampfen. Mit (Trick 17) dem salzigen, fettigen Sud unten aus dem Pinnekjøtttopf, Pfeffer und eventuell einem Schluck Sahne oder Milch abschmecken. Wer ein Problem mit stückigem Brei hat, kann auch einfach Kartoffeln und Knäckebrot/Baguette dazu machen.
  5. Das Fleisch kann man, wenn man mag, nochmal kurz im Ofen grillen, dann ist es weniger schlonzig und etwas knusprig, ich finde es so am leckersten.
  6. Nö, keine Soße und das Fleisch wird auch nicht noch mal gewürzt.

Voila! Sie haben ihr erstes norwegisches Weihnachtsessen zubereitet!

Dazu passt Arvesølvet, hinterher, zum Verdauen. Der muss übrigens nicht kalt sein, kann aber.

Auto-Lobhudelei: Entspannt geblieben. Vorm Fliegen, beim Fliegen, am Telefon.

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*den Clinique-Mascara kaufe ich immer im Duty-Free Shop, weil der hier sonst noch teurer wär als eh schon. Heute war ich mal mutig und hab einen anderen gekauft als sonst. Aber trotzdem von Clinique, bei Mascara bin ich echt eigen. Vorher war ich bestimmt 5 Jahre lang dem Manhattan-Mascara „Volcano explosive Volume waterproof“ treu. Hachja.

Tag 851 – Partey!

Ich gebe ja zu, nach den Schilderungen der letztjährigen Feier hatte ich etwas Angst. Weil, also, meine Kinder sind noch recht klein und ich wohne in dem Land, in dem jedweder Alkohol absurd hoch besteuert wird, ich vertrage echt fast nix und richtig lange feiern schaffe ich auch gar nicht mehr, glaube ich.

Im Endeffekt war es dann aber wirklich sehr sehr schön, ganz entspannt, lustig und es gab echt viel leckeres Essen, das eine sehr gute Grundlage für Wein und Sekt und Co. bildete. Pippi war am Anfang der Party nach Verweigerung eines Mittagsschlafs zu zivileren Zeiten an Little L.s Schulter eingeschlafen und hielt echt gut durch, bis sie sich irgendwann in den Kopf gesetzt hatte, dass sie meinen Bauch sehen wolle, „Mama Bauch zeigen! Mama Bauch zeigen jeeeeetzt!!!“, ich das aus diversen Gründen nicht wollte und wir so einen kleinen Disput hatten. Am Ende zeigte ich ihr meinen Bauch auf dem Klo. Dann brachte ich sie (eine anstrengende dreiviertel Stunde lang) ins Bett und als ich wieder kam, gingen leider kurz drauf die meisten Gäste, aber wir räumten noch bei Wein und Unterhaltung auf, starteten die Spülmaschine zum sicher 15. mal seit gestern morgen und arbeiteten Glitzerstaub noch ein bisschen tiefer in die Maserung des Holztisches, statt ihn wie geplant wegzuwischen (ok, letzteres war ich ganz allein). Dann erfuhr ich noch ein paar Sachen über Herrn (und Frau) Brüllen, ich sach mal… life goals. Jetzt bin ich ganz aufgeräumt und liege im Bett neben dem Schnorchelmädchen und denke mir: doch, ich hatte schon viel viel schlechtere Ideen, als diesen Kurztrip.

Anekdote: wie Pippi das Glas mit den Kuchen-Dekokügelchen in die Finger bekam und anschließend zwei Frauen auf dem Boden rumrobbten um die Kügelchen aufzusammeln und wegzufegen. Mein educated guess lautet: bis März werden hier noch ab und an Dekokügelchen auftauchen, bis Juni werden Dinge glitzern.

Andere Anekdote: wie Pippi beim Malen mit einem Filzstift über das Buch hinaus malte, auf den Tisch und die Brüllen-Kinder schon gleich die Luft zwischen den Zähnen reinzogen und meinten „Das war jetzt gar nicht gut!“ und ich das Übergemalte einfach wegwischte, weil ich mir kaum vorstellen kann, dass jemand wie Frau Brüllen Stifte im Haushalt zulassen würde, die nicht abwaschbar sind.

Auto-Lobhudelei: echt wenig geschimpft heute, obwohl Pippi zwischenzeitlich im Übermüdet-Modus war.

Tag 850 – Voila!

Oder wie wir hier in relativer Nähe zu Frankreich sagen: je ne regrette rien.

Es war vielleicht eine relativ Banane Idee, hier jetzt grad herzukommen. Und der Gedanke kam mir oft in den letzten drei Wochen, herrje, ich habe da gar keine Zeit für. Jedes Mal folgte aber der Gedanke: und deshalb erst recht, du brauchst diese Minipause. Die zweite Stimme hatte sehr recht. Schon lange nicht mehr so viel gelacht, und das nicht nur wegen meiner absoluten Unfähigkeit, Augen auf Marshmallows zu kleben. Pippi fühlt sich auch pudelwohl, spielt viel mit Lego (die Star Wars-Sets und die Hubschrauber haben es ihr angetan, und Q. erklärt natürlich bereitwillig, wo welche Klappen aufgehen und welche Hebel man drücken muss, damit Männchen hoch und runter fahren. Mein Ziel ist es, bis zur Abfahrt herauszubekommen, zu welchem Set die Prostituierte gehört, die heute von Pippi als Fahrerin des Polizeitrucks eingesetzt wurde), futtert Mandarinen und verfolgt die Katze.

Mit Frau Brüllen macht auch Glitzernagellack entfernen mehr Spaß als alleine. Morgen dann noch mehr Essen vorbereiten (freuen Sie sich auf essbaren Glitzerstaub, das wird sicher super… messy) und dann: Partaaayyy. Wir gönnen uns hier.

Auto-Lobhudelei: (gestern vergessen, tjanun) ich habe die Schweden angerufen und auch noch bei einer anderen Firma angerufen. Das Gespräch mit der anderen Firma war sehr gut, das mit den Schweden eher enttäuschend, denn deren Einstellung ist am ehesten mit „musste halt wissen, was dir das wert ist, herkommen zu dürfen“ zu beschreiben. Hab deshalb 18% auf deren Xtausend draufgeschlagen und mich noch hinterher geärgert. Ich hätte noch mehr verlangen sollen. Pfft. Aber, hey, angerufen und freundlich, aber sachlich verhandelt. Jetzt weiter warten.

Tag 849 – Ich kann nicht, wenn wer zuguckt.

(Frau Brüllen, das Geburtstagskind, sitzt hier am gleichen Tisch, das ist zu aufregend.)

Ich kann ja die Reise beschreiben.

Aufregend wars!

Erst verpassten wir den Flugbus, Pippis Beine sind eben echt kurz und manche Busfahrer warten auch nicht auf kurzbeinige Menschen. Im Bus fiel mir dann aber noch ein, dass der erste Flug ja nur nach Oslo geht, und national sind die Gepäckaufgabezeiten echt entspannt. Es war dann auch kein Problem, wir hatten ja auch nur den „da kann absolut nix schief gehen, selbst wenn der Bus doppelt so lange braucht wie geplant, reicht es noch“ Bus verpasst und der nächste kam 10 Minuten später.

Dann wurden wir zwar an der 13 Minuten langen Schlange bei der Sicherheitskontrolle vorbeigelassen, aber zu dem Preis dass uns alle regulär Wartenden mit Blicken töteten und dann auch jede meiner drei Boxen auf Sprengstoffdrogenmesseranthrax gefilzt wurde. Dabei war da nun wirklich nix „falsch“ dran, die Flüssigkeiten waren im Tütchen, die Elektronikdinge gesondert gepackt, wir hatten keine üppigen Schals oder Kragen an und Pippi ging brav alleine durch den Metalldetektor. Nicht mal die Piepse-Schuhe hatte ich an.

Am Gate gab es dann ein kleines bisschen Trara, weil Pippi den Flughafen-Buggy, mit dem sie ihre Wasserflasche herumfuhr, absolut nicht zurücklassen wollte. Und als ich sie packte und trug, mussten wir noch durch eine andere Schranke, weil halt und es gab noch mehr Trara. Im Flugzeug war dann aber wieder alles ok. Bis auf, dass wir nicht starten durften, wegen Nebel in Oslo. Und sich das zog. Und ich nervös wurde, weil die Umsteigezeit mit 1 h 20 zwar ok, aber nicht üppig bemessen war. Im Endeffekt starteten wir mit 30 Minuten Verspätung und kreisten nochmal 15 Minuten irgendwo vor Oslo herum, die Landung ging nicht so schnell wie geplant und die Umsteigezeit war auf 23 Minuten zusammengeschrumpft. Ich hatte eine Stewardess nach dem Anschlussflug gefragt und sie hatte „det ordner seg sikkert“, also „Das klappt bestimmt“ geantwortet. Ich sags mal so: hätte ich die Stewardess irgendwo in Gardermoen nochmal erblickt, ich hätte sie erwürgt. Oder doch nicht, weil keine Zeit, ich rannte mit Pippi auf dem Arm von Terminal B nach Terminal D, es wurde die ganze Zeit schon „gate closing“ angezeigt, ich sah _0_ Flughafenpersonal, das nicht in Shops angestellt war, kurz: es war unschön. Und ich bekam, als ich im Flugzeug angekommen war, Wasser angeboten, weil meine Rübe knallrot und mein Gesicht auf Panik eingestellt war. Dann wollte sich Pippi nicht anschnallen und ich fluchte so dermaßen, dass vom älteren Herrn hinter mir „Tztztz“ zu hören war. Pippi war eben auch um halb sechs aufgestanden und jetzt um zehn wieder müde. Als das Flugzeug dann (mit Verspätung, haha, „det ordner seg“ in Wettersprache) in der Luft war, gingen Pippi und ich einmal aufs Klo und dann schlief sie wie ein Stein ein und ich musste sie zur Landung wieder wecken.

(Kein Pulli mehr, viel zu warm!)

Dann war nach der Landung unser Koffer wirklich der allerletzte auf dem Band und ich war kurz besorgt, ob unser Weihnachtskäse und das Erbsilber jetzt irgendwo in Gardermoen herumlägen, aber ab dann war alles ganz wunderbar. Hui, so ein Tesla beschleunigt fix, Pippi kann sich mit den Armen aus den Kindersitzgurten wursten, aber mal ehrlich: Leute, die einem beim Abholen Kaffee in die Hand drücken, die! DIE! ❤

Anekdote: Wie wir Little L. Von der Schule abholen wollten und Pippi ca. 5 Jungs in L.s Alter auf dem Bolzplatz sah und einfach losstiefelte, in ihrem knallroten Onesie in Größe 92, um mit den Jungs Fußball zu spielen. Die waren etwas irritiert, kickten dann aber ein bisschen mit ihr und am Ende durfte „Er“ den Ball sogar behalten, den hatten die Jungs nämlich auch nur gefunden. Pippi war stolz wie Oscar und knutschte ihren Ball ordentlich ab, aber unsere geballte Mütterpower und der magische Satz „sollen wir mal gucken ob die Katze noch da ist?“ Überzeugten Pippi dann doch, ohne den Ball wieder mit nach Hause zu kommen. Dieses Kind! Hachz.

Ansonsten habe ich einer Brüllenschen Listenaufschreibung beigewohnt und die Katze gestreichelt und Pippi mag Frau Brüllen gern genug, damit ich allein aufs Klo gehen kann. Doch, doch, ganz wunderbar 🙂

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Halbe Betablocker sind gute Betablocker!

Tag 848 – Huiiiiii!

Heute sind zwei, nein, drei, nein, vier! Dinge:

– ich habe gepackt, Pippi und ich fliegen morgen früh zu Frau Brüllen, *kreiiiiisch* ich bin total aufgeregt und deshalb ging das mit dem Packen suuuuuuper langsam und bestimmt habe ich die Hälfte vergessen und die andere Hälfte wird auslaufen.

– ich war heute morgen beim Arzt, mein Kopf hat sinnlose Zahlen gespeichert, darin ist er gut: TSH <0,01, fT4 31,2, fT3 19,0, TRAS 3,9, a-TPO 660. Einheiten weiß ich nicht, ist auch Wurst, die sind bis auf den TSH alle zu hoch, bis auf den a-TPO nicht dramatisch, aber zu hoch. Ich bekam Neo-Mercazole verschrieben, dazu noch Beta-Blocker, holte das direkt aus der Apotheke und fuhr zur Arbeit. Nahm alles und… katapultierte mich versehentlich mit dem Beta-Blocker fast in den Tiefschlaf. Jöss, so müde war ich ja ewig nicht. Um halb drei gab ich alles auf und fuhr nach Hause, wo ich erstmal für eine Stunde schlief wie erschossen. Ab jetzt nur noch ne halbe am Morgen.

– Die Kinder abgeholt und direkt mit beiden neue Gummistiefel für Michel gekauft. Gummistiefel mit Löchern in der Sohle sind so sinnvoll wie gar keine Gummistiefel. Aber, hey, betäubte Frau Rabe ist entspannte Frau Rabe und es ging alles relativ smooth über die Bühne, sogar das Anprobieren lief ok. Vielleicht lags auch an den Keksen, die ich eingepackt hatte und mit denen ich Pippi eiskalt bestach, nicht alles im Laden anzugrabbeln.

– kurz bevor ich die Arbeit verließ, noch das zweite Drittel Daten bekommen. Naja, dann hab ich wenigstens was zu tun im Flugzeug.

***vergessen: Auto-Lobhudelei. Ähm, das mit dem Einkaufen war mein lichter Moment heute.

Tag 847 – WmDedgT Dezember ‘17.

Ahhhhhhhh was für ein verrückter Tag. Das hier wird vermutlich auch aus Frau Brüllens „Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?“ Linkliste gekickt, weil so ganz Tagebuchschreiben schaffe ich um zwanzig nach zwölf und nach… drei bis sieben Glas Rotwein (lost track…) nicht mehr. Ich entschuldige mich auch schon mal für die Tippfehler und die Autokorrektur-macht-Quatsch-Fehler.

Also, heute so:

– aufgestanden nach Herrn Rabe vollnölen, wie scheiße alles ist und wie sehr ich nicht mehr mag, spät dran, Sparmakeup, weil keine Zeit. Meine Haut ist furchtbar.

– Kinder in die KiTa gebracht und von der einen Erzieherin direkt vollgeseiert worden, was meine Kinder alles haben (Löcher in den Stiefeln, schlechte Laune, keinen Bock auf kalt) und nicht haben (Wollsocken, Schals, ordentlich gegessen). Geatmet.

– Zur Arbeit gefahren, blöde Mail vom Chef noch im Bus gelesen und beantwortet.

– Drölfzig Schemata heruntergeladen, die ich zur Einreichung des PhDs brauche. Drei Schemata ausgefüllt und gespeichert, drei Schemata ausgefüllt und mit den Worten „Was sollen wir damit jetzt machen? Das muss ja in die USA und der Mensch da antwortet mir nicht?“ An den Chef weitergeleitet.

– Zeug über Selen gelesen.

– Einen Anruf bekommen. „Hallo, hier die Stockholmer. Wir möchten Dir den Job gerne anbieten. Wir bieten Ihnen Xtausend Kronen an, das ist nicht besonders viel, aber, hmm, ja doch irgendwie… angemessen, mit PhD und, ja, also wir würden uns freuen, wenn du zusagst, schlaf mal drüber und meld dich in ein paar Tagen.“

– Hyperventiliert und im Büro der Kollegin fast zu Heulen angefangen. Zu viel, alles. Herrn Rabe angerufen.

– In des Chefs Büro gegangen um Neuigkeiten zu überbringen und stattdessen in Gespräch über processing bodies verwickelt worden.

– Daten für den Chef von A nach B kopiert.

– Mittagessen gegangen und nachgefühlt, ob ich das so will.

– Unproduktiv am Computer Dinge gegoogelt, statt am Artikel zu arbeiten. Fazit: In Schweden muss ich mehr Steuern zahlen und Wohnen wird, wenn wir nicht endlich irgendwie Eigentum erwerben, noch teurer als hier. Huiuiui. Langsam geht mir auf, dass Xtausend Kronen nicht genug sind, nicht nur weil ich mich finanziell gegenüber jetzt verschlechtern würde, sondern auch weil das das Gehalt ist, von dem der HR-mensch gesagt hatte „Das wäre für einen Masterabsolventen ohne Berufserfahrung ein sehr gutes Gehalt.“ Und ich aber keine Masterabsolvent bin und Berufserfahrung habe und herrje, ich passe doch genau in deren Schema, da ist das Gehalt ein schlechter Witz. netter Versuch.

– Eine Mail an die Stadt STockholm geschrieben, „Hallo, wenn wir zwei KiTa-Plätze brauchen würden, wo müssten wir hinziehen?“.

– Den Recruiter einer anderen Firma angerufen, ging nicht ran.

– Hilferufe zwecks Gehaltsauslotung an in Schweden lebende Freundin geschickt.

– Bei Twitter um Hilfe gefragt, ich Idiot lerns auch nicht. Am Ende viele hilfreiche Ratschläge bekommen (ja, auf jeden Fall verhandeln, dies und das sind Argumente, dies und das wären Optionen, falls sich die Firma erstmal querstellt…) und in einer Diskussion um den Sinn und Unsinn von Boni gelandet, ich habe dazu eine sehr gefestigte Meinung, andere auch, es ist ein bisschen wie über Religion diskutieren. Und Meinung halt: so richtig überzeugend argumentieren geht da eben nicht, weil es halt nicht schwarz-weiß ja-nein ist. Manche Firma wird ein gut funktionierendes, transparentes und alle zufriedenstellendes Bonussystem haben, manche wird über die Boni Gehälter drücken. *Shrugs*.

– Das mit dem Artikel aufgegeben für heute und nach Hause gefahren.

– Im Vinmonopolet eine Flasche Sekt gekauft, eine halbe, wir wollen ja nicht übertreiben.

– Karri abgelöst und den Sekt kaltgestellt, Wäsche aufgehängt, Wäsche abgehängt, Brote gemacht, Windel gewechselt, Pippi beim Pipi machen begleitet (ist schon sehr niedlich, wenn sie da ganz konzentriert sitzt und dann irgendwann „Oh! Pippi pill-at!“ Sagt) und hups, schon viertel nach sechs.

– Herrn Rabe vom Tag erzählt und dem Angebot (Yeah!) und der enttäuschenden Gehaltsansage (Meh.). Herr Rabe sagt: am Besten hat er sein Gehalt verhandelt, als er sauer war, weil er sich von seiner Firma über den Tisch gezogen fühlte. Da ist was dran und ich werde dieses Gefühl des „Wattsefack?“ Sorgsam für das Gespräch kultivieren.

– Gnaaa, halb sieben. Haare waschen, Gesicht waschen, umziehen, neu schminken. Mein Make-up sieht ein bisschen Drag-mäßig aus. Hupsi, zu viel RuPaul geguckt. Aber weil ichs eigentlich auch ein bisschen Geil finde und ich möchte, dass jeder das dreifarbige Geglitzer in voller Pracht sieht, lasse ich die Brille einfach weg. Kontaktlinsen vertrage ich ja nicht gut, meine Augen sind eh immer rot und, ach, ich fahr Bus, was soll passieren?

– Ich kann nicht erkennen, ob da ein Flugbus oder ein normaler Linienbus heranrollt.

– Vor dem Restaurant fällt mir auf, dass ich mit drei Dioptrien den Tisch mit meiner Arbeitsgruppe nie im Leben finden werde, wenn das Restaurant größer als 12 qm ist. Ist es.

– Ich frage den Kellner nach dem Namen meines Chefs, er sieht mich irritiert an und bringt mich zum Tisch, an dem meine Kollegin schon die ganze Zeit winkt. Ich habe nur einen sich bewegenden Fleck wahrgenommen. Nie mehr ohne Brille.

– Weihnachtsessen mit der Arbeitsgruppe. Tapas. Sehr lecker, sehr knoblauchig, der Rioja ist echt lecker und der Chef bestellt Flasche um Flasche, ich esse zum Nachtisch ca. Eine halbe Schale Runzelkartoffeln mit Aioli, werde für immer nach Knoblauch riechen und bereue nichts.

– Viele lustige Gespräche, unter anderem kriegt mein Chef morgen ein Sofa geliefert, aus Spanien, denn da war es total billig. Nämlich nur 80.000 NOK. Statt 160.000, die der dänische Hersteller für das Original haben wollte. Und wenn man 80.000 spart, kommen einem 80.000 plötzlich billig vor. Ja, da musste er auch sehr lachen. Und dann war da noch die Geschichte, wie der Chef und die eine PI über den großen Altersunterschied zwischen einem Ex-Kollegen und dessen neuer Frau lästerten und die Masterstudentin fragte, wie groß denn groß sei, die beiden sagten 15 Jahre und sie meinte, ihr Freund sei fast 20 Jahre älter als sie, dafür sei Ihre Mutter 15 Jahre älter als ihr Vater und ihre Oma 20 Jahre jünger als ihr Opa. (Note to self: Dörfer in Finnmark meiden, da laufen seltsame Familienkonstellationen.)

– Mr. Computerindian sagt 1,5 x Xtausend soll ich sagen. Das fände ich dann aber schon auch frech. Außerdem soll man doch krumme Beträge aufrufen!

– Viel zu spät nach zu viel Wein nach Hause, abschminken, Bett, bloggen.

Meine Güte, was für ein Tag. Und da ist noch ne Flasche Sekt im Kühlschrank.