Tag 1930 – Flexibel.

Wie ein Betonklotz.

Es kommen bei der Arbeit sehr viele sehr spontane Sachen rein und ich bemühe mich redlich, da flexibel drauf zu reagieren, aber in echt ist es, wie einen Güterzug, der 200 Sachen fährt, anzuhalten und auf ein anderes Gleis zu hieven. Meine Flexibilitätskontingente für 2020 sind schon lange aufgebraucht, Bonus gibt’s nicht, schade, Schokolade.

Herr Rabe hatte heute ein Team-Building-Dings bei der Arbeit und war dafür das erste mal seit einem guten Monat zusammen mit Kollegen im Büro. Ich war dafür alleine für die Kinder zuständig, was gut geklappt hat, trotz Laune bei Michel und später dann Laune bei Pippi. Michel hat aber einen neuen Rekord beim Kornettunterricht aufgestellt: 19,47 Sekunden einen Ton gehalten! Danach war seine Laune dann gut, davor halt nicht.

1400 neu Infizierte in einer Woche und die zuständige Stelle sagt, man könne nicht von einer zweiten Welle sprechen. Ich frage mich, wovon denn dann? Ein zweiter Hügel? Eine dieses Mal breitere Welle, eher wie ein auftauchender Buckelwal? Es ist zum Heulen. Ganz einfach zum Heulen.

Wir haben weiter Homeoffice (außer Inspektionen halt, die gehen), weiß ich aus der Zeitung und dem Fernsehen.

Starkes Gefühl von alle bekloppt geworden.

Egal. Ich liege im Bett mit meinem acht Jahre alten Baby, das ist sehr schön und das Baby sehr kuschelig und ich mache jetzt die Augen zu. Morgen ist ein neuer Tag in diesem Scheißjahr mit dieser Scheißpandemie.

Tag 1929 – Sonntag.

Geweckt worden – mehrmals! – vom heftigen Regen und Wind, der an den Rollos riss.

Trotzdem erst wieder eingeschlafen – mehrmals! – und dann um halb neun ausgeschlafen gewesen, wie so ein ganz normaler Mensch.

Den Tag über die Zyklusendmigräne ausgebrütet.

Mit den Freunden essen gewesen. Das war sehr schön. Wir sollten sowas öfter machen, denn 1. geht bei uns im Ort ja gern alles, was nett ist, pleite, 2. mögen wir die Freunde und 3. ist das Essen da gut, ich hatte Nudeln mit Gemüse-Carbonara* in einer Parmesanschale, Herr Rabe hatte Elchburger.**

Das Auto geparkt und endlich mehr gegen die Migräne tun können, als Ibuprofen gegen die schlimmsten 10% zu nehmen und literweise Wasser zu trinken.

Pippi ins Bett gebracht und ausgiebig gekuschelt. Dank Triptanen dabei gleich mit eingeschlafen.

Abends noch mal Muffin Medikamente gegeben. Muffin ist heute Mittag geschoren worden, die Haare sind einfach zu viele und zu lang, er kann sich nicht selbst sauber halten, weil es so viel ist. Jetzt sieht er etwas lustig aus, mit Bodenfreiheit, einem frech gestuften Bob am Po und einem Amelie-Pony. Es kam schon sehr viel runter, dabei ist das meiste noch dran. Vielleicht sollten wir doch erwägen, Muffin-Perücken anzufertigen.

Den Meerschwein-TÜV haben alle Schweine, lang- wie kurzhaarige, gut überstanden. Muffins Zähne sind nicht mehr schief abgefressen, alle Nähte sehen gut aus (ich hab noch mal überstehende Fäden gekürzt) und er nimmt weiter zu. Möge es einfach mal eine Weile so bleiben. Ich habe auch, glaube ich zum ersten Mal, bei Marshmallow, die nur schwarze Krallen hat, keine zu weit abgeschnitten. Schwarze Krallen bei Meerschweinchen sollten nur in der Wildnis, wo die sich die selbst ablaufen, erlaubt sein.

Sonst war nix, aber reicht ja auch für nen Sonntag.

___

*Das ist sicher Frevel. Es waren halt Nudeln in einer cremigen Ei-SoßeSchlonz aber mit Gemüse statt Speck

**man kann noch 4. wir alle müssen ab und an mal aus dem Haus kommen, für was anderes als Arbeiten, hinzufügen. Ist in einer Pandemie sicher zweitviertrangig, allerdings hat unser Ort immer noch keine nennenswerte Inzidenz (0/100.000 in den letzten 21 Tagen, wenn mich nicht alles täuscht), das wird alles noch wieder schlimmer werden und sich auch noch lange hinziehen. Es ist halt ein ständiges Abwägen*** und wir hatten heute unter den gegebenen Umständen das Gefühl, dass es gut machbar war. Kann morgen/mit anderen Leuten/in einem anderen Lokal komplett anders aussehen.

***Ich habe keine Lust mehr auf Abwägen und möchte sowas gerne wieder schreiben können ohne Verteidigungsstrategie im Hinterkopf. Seufz.

Tag 1928 – Ereignislos.

Es war Samstag. Wir schliefen etwas länger als sonst, Herr Rabe war einkaufen und mit den Kindern in der Bibliothek, ich habe die Meerschweinchen sauber gemacht und gekocht (Spaghettikürbis mit veganer Bolognese gefüllt und mit Käse überbacken, das war sehr lecker und so low carb, dass ich jetzt leider schon lange wieder Hunger habe) und… irgendwie war es das auch schon. Pippi hat gebadet und geduscht, Michel hat gebadet, ich hab Pickel (Hormone, Wetter, bei Hautpflege geschlampt). Morgen sind wir zum Essen gehen verabredet, Montag möchte sowohl die Regierung als auch die Stadt Oslo neue Corona-Maßnahmen ankündigen und wir haben schon wieder seit Monaten unsere Freunde nicht gesehen. Es ist ein Scheiß. Ich fühle mich gleichzeitig schlecht, weil wir uns mit keinem einfach so just for fun treffen sollten und, naja, nicht ganz so schlecht, wenn ich sehe, was andere so treiben und inklusive Fotos (kein Abstand, Masken in Norwegen ja eh nicht…) auf Facebook veröffentlichen. Zum Pandemie-Overachiever tauge ich definitiv nicht, aber wenigstens die wenigen Regeln einhalten, die es gibt, und dazu gehört eben Abstand und Kontakte reduzieren und keine Halloween-Parties mit Leuten aus 15 Haushalten feiern, das muss doch drin sein.

Die Pandemie und wie sich Leute in ihr und zu ihr verhalten, macht mir nach wie vor zu schaffen. Menschen sind seltsam.

Tag 1922 – (Noch nicht) bereit.

Wir haben heute den Garten winterfest gemacht. Die Sickerschläuche und die Verbindungsschläuche ausgegraben, die restlichen, verwelkten Sonnenblumen und Stockrosen abgeschnitten, dem Kompost sein Isolierkleid angezogen, die Regentonne abgelassen (und dieses Mal auch umgedreht, damit nicht wieder der Zentimeter Restwasser die Tonne beim Gefrieren sprengt), das Gewächshaus geleert und Lavendeltopf und Pfefferminztöpfe zum Überwintern reingestellt, im Blumenbeet ein letztes Mal Unkraut gejätet, Him- und Erdbeeren an Stellen, wo ich sie nicht haben will, ausgerupft, ein letztes Mal Rasen gemäht und zu guter Letzt Mulch im Blumenbeet und um die Hecke verteilt. Herr Rabe hat noch die [Fluch einfügen] Schwarzbeersträuche beschnitten, vielleicht hilft es ja was gegen deren Nicht-Wachstum. Projekt Weg mit der Hecke ist ja irgendwann um Pfingsten rum eingeschlafen. Schon am Freitag hat Herr Rabe das Trampolin abgebaut, was noch fehlt ist eine Plane, unter der wir die Gestellteile verstauen können, und etwas, um die Lavendel- und Pfefferminztöpfe etwas zu isolieren. Aber noch schneit es ja nicht.

Der Garten ist jetzt also bereit für den Winter, ich nicht. Sonst mag ich den Winter ja, aber der Coronawinter wird lang und hart, das zeichnet sich ja jetzt schon alles sehr ungut ab. Ich möchte das nicht, das Virus soll weggehen jetzt, wir haben Pandemie jetzt echt lange genug gehabt. (Ich weiß, ich wiederhole mich.)

Tag 1919 – Kein Streik!

Ich habe nicht gestreikt. Um viertel vor sieben morgens kam eine SMS, dass sich die Parteien geeinigt hätten und wir uns auf normale Arbeit vorbereiten sollen.

(Exkurs: warum muss sowas mitten in der Nacht und dann auch noch über die Frist hinausgehend die Nacht durchmachend verhandelt werden? Macht denen das Spaß? Kommen die sich dann erst so richtig dolle wichtig vor? Im normalen Arbeitsleben würde man über so ein Zeitmanagement nicht nur eine Augenbraue heben, aber bei solchen Verhandlungen scheint das ja normal zu sein. Nach einer durchverhandelten Nacht um halb sieben morgens unterschreibt eine doch was auch immer, Hauptsache es ist vorbei? Menschen sind seltsam.)

Dementsprechend habe ich heute eben gearbeitet. „Ganz normal“, also mit ein paar Überstunden. Da die nächsten Wochen aber wirklich viele Inspektionen anstehen, muss es sein. Diesen Herbst kriege ich die volle Breitseite mit, was zusätzliche Arbeitsaufgaben angeht, all die Anfragen, all die internen Dinge. Im November soll ich auch zum ersten Mal bei einer internen Revision dabei sein, das wird super (aufregend). Und Corona ist ja auch weiterhin. Morgen muss ich mir wieder einen Mietwagen buchen, damit dem ich mich dann nächste Woche mit Pech bis zu sechs mal in den Osloer Rush-Hour-Stau stellen werde. Mit Ansage. Aber ÖPNV ist fy-fy, sowas machen wir nicht.

Ich mag nicht mehr Pandemie haben. Pandemie haben wir jetzt zur Genüge ausprobiert, Pandemie stinkt. Fertig.

Unsere ehemaligen Nachbarn, die vor knapp 3 Wochen ausgezogen sind, stehen in der Lokalzeitung, weil sie wegen irgendwelcher Regulierungs-Baugenehmigung-Dingens-Fehlinformationen und daraus resultierend unterlassenen Antragsstellungen leider ein illegales Haus gebaut haben, in das sie jetzt natürlich nicht einziehen dürfen. Bei manchen läuft 2020 noch bescheidener als bei anderen.

Heute war wieder Hip Hop. Nach skeptischem Beäugen der Eidsvoller Infektionszahlen (64 total seit März, das sind 10 mehr als vor 4 Wochen noch) ging ich hin. Was waren das noch Zeiten, als man sich schämte, wenn man nicht trainierte, und nicht, weil man (unter Menschen in geschlossenen Räumen) trainierte.

Wer weiß, wie lange das noch geht. Und es macht mir so viel Spaß. Und überhaupt, ich weiß ja dass ich es besser lassen sollte, aber dieses scheiß Homeoffice macht mich eh schon fertig und seltsam im Kopp.

Unter unserem Carport steht ein Fenster samt Zubehör. Für schöneres Homeoffice. Das bedeutet leider auch, dass ich dringend das Projekt Arbeitszimmer ausmisten – Kleiderschrank organisieren – Kinderzimmer umziehen vorantreiben muss. Keine Löffel.

Tag 1914 – Vorfr… dingens.

Jetzt so um diese Zeit vor 8 Jahren ist meine Fruchtblase geplatzt. Im Bett. War nass. In etwa einer Stunde standen dann die Sanitäter vorm Bett, ausgerüstet für eine Not-Hausgeburt, weil Herr Rabe so aufgeregt gewesen war, als er den Krankenwagen rief, dass es da zu Missverständnissen kam. Ich hatte nämlich zu dem Zeitpunkt nur ganz sporadisch überhaupt Wehen, aber das Baby hatte sich nicht ins Becken gesenkt und deshalb hatte mir der Frauenarzt eingeschärft, dass ich bei Blasensprung unbedingt den Krankenwagen rufen und liegend ins Krankenhaus transportiert werden solle.

Heute habe ich mit der kleinen Schwester des damals störrisch unter meinen Rippen klemmenden Babys Pokémonkarten, Ballons und tonnenweise Glitzer gekauft. Ich habe die kleine Schwester nicht im Einkaufszentrum „vergessen“, das war meine größte Leistung heute.

Das Geburtstagskind bekommt eine Minecraft-Torte, die sieht super aus, weil obwohl und ist nicht von mir gemacht oder von Herrn Rabe, sondern von einer Bekannten, die das hobbymäßig macht. Damit wir nicht eine ganze Schokotorte selbst essen müssen, haben wir ein paar Jungs vom Sporthort eingeladen. Ich bin ein wenig gespannt auf die Feier, ich kenne nämlich nur einen von dreien, die zugesagt haben. Wir werden coronabedingt draußen feiern und ich nehme alle Daumen der Welt dafür, dass es bis dahin zu schütten aufhört.

Apropos Corona: unser Zwangshomeoffice wurde noch mal um mindestens zwei Wochen verlängert. Eigentlich habe ich Mittwoch einen Präsenztermin im Büro (und ich würde auch gerne mal wieder Papiere austauschen), aber wir dürfen AUF GAR KEINEN FALL mit dem ÖPNV fahren. Wie ich das löse, weiß ich noch nicht. Ich hoffe, der Präsenztermin wird verschoben, wichtig ist der nämlich eher nicht.

Ebenfalls zu spannend für meine Nerven: die Verhandlungen meiner „Gewerkschaft“ mit dem Staat laufen ungut. Die Sache liegt jetzt beim „Reichsmakler“, einer Schlichtungsstelle, und wenn da bis Mittwoch um Mitternacht nichts bei rum gekommen ist, kann es sein, dass wir streiken. Ich muss dann streiken, das ist keine Wahl, die ich habe, wenn ich das richtig verstanden habe. Aber wie streikt man denn im Homeoffice? Streikstände wird es vermutlich wegen Corona eher nicht geben, und ich komme da ja auch gar nicht hin weil ich ja AUF GAR KEINEN FALL mit dem ÖPNV fahren darf. Sehe mich schon in Warnweste und mit Trillerpfeife vorm Computer sitzen. Und anschließend drei Tage lang weinen, weil die Arbeit zum größten Teil bei so einem Streik ja nicht weg geht, sondern nur aufgeschoben wird. Die emails stapeln sich eh schon im Postfach, weil ich die letzten 4 Arbeitstage nur abends kurz geguckt habe, ob irgendwas so lichterloh brennt, dass ich es irgendwem weiterleiten muss.

Ich muss mich auch noch informieren, was denn nun das Problem ist. Wenn ich schon streike, sollte ich wenigstens wissen, wofür.

(Ganz generell habe ich keine Ahnung, wie die Norweger*Innen überhaupt streiken. Die sind ja so konfliktfähig wie Seife und machen alles mit sich allein im Wald aus. Ansprüche stellen ist auch nicht so ihres. Das passt irgendwie alles nicht so richtig zusammen.)

Tag 1906 – Gar nicht müde (leider).

Familie Eule meldet sich wieder zum Dienst. Heute immerhin produktiver. Memo an mich: normalen Alltag simulieren durch Schminken steigert das Wohlbefinden und damit auch die Produktivität bei der Arbeit ungemein. Auch im Homeoffice. Nicht rumschlunzen, das ist nicht gut.

In einem Monat habe ich die erste Inspektion seit März mit Übernachtung in einem Hotel. Abgefahren! Wir haben deshalb heute das Hotel gebucht, und eine Verkettung unglücklicher Umstände führte am Ende dazu, dass ich versehentlich ein Zimmer in einem Hotel buchte, gegen das wir uns eigentlich schon entschieden hatten. Geschickt von dem Hotel, die Seite so seltsam zu gestalten, dass man sich kaum darauf zurecht findet, und dann sofort eine Buchungsbestätigung zu verschicken, wenn man seine E-Mail-Adresse irgendwo eingetragen hat, z.B. um zu erfahren, wie denn so die Zahlungsmodalitäten sind.

Jetzt müssen wir nur noch hoffen, dass die Inspektion auch stattfindet und nicht aus irgendwelchen Gründen verschoben werden muss. Das Hotel sieht nämlich schon ganz schick aus! Wer weiß, vielleicht ein Glückstreffer?

Pippi mag kein Apfelmus. Ich glaube, sie wurde bei der Geburt vertauscht. Ich hätte am liebsten meinen ganzen Kopf in den Topf gesteckt, wie Pu der Bär. Herr Rabe sagte, das müssen meine westfälischen Gene sein. Aber Kartoffelpuffer mit Apfelmus sind doch einfach eine grandiose Kombination, wie kann man das denn nicht mögen??? Immerhin fand sie Kartoffelpuffer an sich gut, und mit Räucherlachs noch besser. Vielleicht doch wenigstens verwandt. (Michel hatte bei seinem Freund E. schon Pizza gegessen.)

Ein Abend in der Twitterkneipe, heute besonders tröstlich. Hach, hach! <345

Tag 1906 – Gar nicht müde (leider).

Familie Eule meldet sich wieder zum Dienst. Heute immerhin produktiver. Memo an mich: normalen Alltag simulieren durch Schminken steigert das Wohlbefinden und damit auch die Produktivität bei der Arbeit ungemein. Auch im Homeoffice. Nicht rumschlunzen, das ist nicht gut.

In einem Monat habe ich die erste Inspektion seit März mit Übernachtung in einem Hotel. Abgefahren! Wir haben deshalb heute das Hotel gebucht, und eine Verkettung unglücklicher Umstände führte am Ende dazu, dass ich versehentlich ein Zimmer in einem Hotel buchte, gegen das wir uns eigentlich schon entschieden hatten. Geschickt von dem Hotel, die Seite so seltsam zu gestalten, dass man sich kaum darauf zurecht findet, und dann sofort eine Buchungsbestätigung zu verschicken, wenn man seine E-Mail-Adresse irgendwo eingetragen hat, z.B. um zu erfahren, wie denn so die Zahlungsmodalitäten sind.

Jetzt müssen wir nur noch hoffen, dass die Inspektion auch stattfindet und nicht aus irgendwelchen Gründen verschoben werden muss. Das Hotel sieht nämlich schon ganz schick aus! Wer weiß, vielleicht ein Glückstreffer?

Pippi mag kein Apfelmus. Ich glaube, sie wurde bei der Geburt vertauscht. Ich hätte am liebsten meinen ganzen Kopf in den Topf gesteckt, wie Pu der Bär. Herr Rabe sagte, das müssen meine westfälischen Gene sein. Aber Kartoffelpuffer mit Apfelmus sind doch einfach eine grandiose Kombination, wie kann man das denn nicht mögen??? Immerhin fand sie Kartoffelpuffer an sich gut, und mit Räucherlachs noch besser. Vielleicht doch wenigstens verwandt. (Michel hatte bei seinem Freund E. schon Pizza gegessen.)

Ein Abend in der Twitterkneipe, heute besonders tröstlich. Hach, hach! <345

Tag 1902 – Pandemiemüde.

Jaja, das klingt immer noch nach bockigem Kind, aber ich habe langsame hat die Schnauze voll von der Dreckspandemie. 2020, die alte Hupe, soll weggehen und nie wieder kommen. Auch wenn 2020 der Blitz beim kacken träfe, wäre das für mich ok. Jetzt sind die Zahlen in Oslo wieder so hoch gegangen und der Gesundheitsminister hat die Daumenschrauben so hart angezogen, dass Oslo die Coronamaßnahmen wieder verschärft und die umliegenden Kommunen irgendwelche Dinge besprechen. Heißt für mich und meine Arbeit mal wieder: nichts genaues weiß man nicht. Sicher dürfen wir für mindestens 2 Wochen nicht ins Büro. Vielleicht müssen wir wieder schon geplante Inspektionen verschieben. Sicher ist mir das alles schon wieder zu viel und ich will mich wie ein Kind auf den Boden werfen und „ICH WILL ABER JETZT NICHT MEHR!!!“ brüllen. Wenn das nur irgendwas hälfe*.

Wenigstens sind diese Woche Schulferien. Das heißt, niemand muss um acht irgendwo sein, halb zehn reicht auch. Außer morgen, da müssen wenigstens wir Erwachsenen um 07:30 Uhr fertig sein und alles gemacht haben, für das man Strom braucht (Kaffee, Grøt, Föhnen) oder ins untere Bad muss (duschen, möglichst vorm Föhnen), denn um 07:30 Uhr kommt der Elektriker. Oh, welch Freude.

Alles zu viel.

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*Trotz meiner erklärten Liebe zum Konjunktiv II musste ich diesen googeln.

Tag 1901 – Dumm og deilig.

Ein recht harmonischer Sonntag, also so harmonisch, wie es mit dem momentan nicht ganz im Gleichgewicht befindlichen Michel sein kann. Wir prödelten erst zu Hause rum, jetzt haben wir die Bücher fertig sortiert und können zu Schritt 1,5: Regale verkaufen und dann Schritt 2: Arbeitszimmer ausräumen und auch da gründlich ausmisten übergehen.

Danach gingen wir ins Kino. In unserem Kaff (gelobt sei das Kaff!) sind die Infektionszahlen nach wie vor niedrig, wir haben nur 4 neue Fälle seit Ende Juni. Während 60 km weiter südlich, in Oslo, die Post dermaßen abgeht, dass der Gesundheitsminister offen droht, die kommunalen Entscheidungen zu übergehen, wenn die Kommune nicht Zack Zack was macht. Was auch immer „was machen“ sein soll. Aber egal, wir waren in unserem Kaff-Kino, in dem an drei Tagen die Woche je ein Film gezeigt wird (oder so). Mit Abstand und Popcorn und der ganzen Familie. Im Knudsen&Ludvigsen-Film, das sagt Ihnen jetzt allen nichts, aber das sind berühmte Kindermusiker aus Trondheim, die sehr lustige Musik gemacht haben. Leider ist einer aus dem Duo schon vor ein paar Jahren verstorben. Aber die Musik kennen die meisten Norweger*Innen und die ist auch wirklich lustig. Unsere Kinder finden die auch gut und Michel hatte den Kinobesuch vorgeschlagen. Aus o.g. Gründen sind wir zur Zeit gewillt, Michel jeden nicht komplett abwegigen, finanziell machbaren Wunsch zu erfüllen, vor allem, wenn es was ist, was ihn mal wieder ein bisschen „klein“ sein lässt. Ich glaube nämlich, dass Michels Hirn sich grad mal wieder neu verdrahtet und dass die Phase zwischen klein und groß wie jedes Mal ziemlich herausfordernd ist, vor allem für ihn.

(Irgendwann schreibe ich einen ganz tollen Erziehungsratgeber mit dem Titel „Es ist bestimmt nur eine Phase“. Da wälze ich dann auf 240 Seiten, das scheint mir eine gute Größenordnung für einen Ratgeber, aus, dass es vermutlich nur eine Phase ist, man atmen und durchhalten soll, lieber ins Kissen als das Kind anschreien und wenn man Sorgen hat, zum Arzt gehen. Da werde ich dann reich mit.)

Aber zurück zum Film: der war herrlich drüber, bunt und schrill und mit einem Humor, über den Kinder (hihi, Pups) wie auch Erwachsene (hihi, Drogenrausch) lachen können. Dass zwischendurch gesungen wird, ist ja irgendwie klar und ist auch etwas aufdringlich, aber da hätte ich für die Erwachsenen als Tipp, auf die Texte zu achten. So ein herrlicher Blödsinn! Und ganz viel Trøndersk, das erfreut mein da geschultes Dialektohr. Ich mag ja Trøndersk, im Gegensatz zu vielen Norweger*Innen, die das schrecklich finden. Aber hach. Hach, hach.

Es war jedenfalls ein sehr gelungener Ausflug, ich habe jetzt, zum drölfzigsten mal, für eine Woche einen „Juba Juba“-Ohrwurm. Vor allem Pippi machte vor allem den Rückweg super gut mit, wir gingen nämlich zu Fuß, und quatschte mir ein kleines Schnitzel an den Rücken. Das war schon auch sehr schön, mal mit ihr eine Dreiviertel Stunde spazieren zu gehen.

Apropos Pippi: abends fand ich Pippis „Baby“, das tagsüber gebadet wurde, im Badezimmerschrank, ordentlich zugedeckt und mit Kuscheltier. Manchmal könnte ich die kleine Maus einfach abknutschen, auch wenn sie da schon längst schlief.