Tag 1489 – Alle Jahre wieder…

Pilztour!

Heute aus verschiedenen Gründen nur Pippi und ich. Ich war ein bisschen aufgeregt, weil Pippi zur Zeit generell recht anstrengend drauf ist und es auch nicht gerade ideale Bedingungen waren – es war sehr nass. Sehr sehr nass. Aber hey, besser als letztes Jahr, da war es so trocken, dass halt kaum Pilze da waren.

Und dann war es richtig toll. Pippi hatte riesen Spaß, hat super viele Pilze, Tannenzapfen, Blaubeeren und Preißelbeeren gefunden, hat die ganze Zeit erzählt und gesungen und noch mehr erzählt, kann jetzt ein neues deutsches Wort: „Geschafft!“, ist in Matsch versunken und ins Wasser gefallen und es gab gar kein Theater, kurzum: das war super.

Ich habe auch das ein oder andere im Wald gelassen, hinterher ein paar falsche Pfifferlinge aus dem Haufe sortiert und das erste mal einen Täubling-Test gemacht, indem ich ein Stück gekaut habe. Es schmeckte nicht scharf oder bitter, sondern nach gar nix, also essbar, wohl sogar ein Fleischroter Speisetäubling. Nur halt eher so in der Farbe von gebratenem Fleisch (oben links unter den Tannenzapfen).

Die Butterpilze zu häuten war eine eklige, schleimige Angelegenheit, aber das Ergebnis, ein erstklassiges Waldpilzrisotto, die Mühe allemal wert.

Morgen gibts dann was mit Pfifferlingen und dann sind die Schafsröhrlinge dran. Davon hab ich schon 2/3 im Wald gelassen, an einer Stelle war damit alles voll.

Geisterfinger. Die hab ich aber auch da gelassen.

Tag 1483 – Sonntagabendstimmung.

Ach ja. Nun ist das Wochenende wirklich rum. Ich liege zu Hause im Bett und bin hundemüde, nachdem wir uns gestern noch mal ordentlich verquatscht haben und heute morgen aber ja die Kinder wieder zur Schule und die Erwachsenen in ihre Arbeitsstätten mussten und wir dementsprechend nach wenig Schlaf wieder rausmussten. Dann wurde es noch mal doof spannend, weil ich, an der S-Bahn angekommen, feststellen musste, dass ein Streckenabschnitt zum Flughafen Signalprobleme hatte und da viele Züge gestrichen wurden und der Rest verspätet war. Aber schreiend im Kreis laufen bringt eine ja auch nicht zum Flughafen, also tapste ich ein bisschen verloren durch den Kölner Hauptbahnhof, machte ein Selfie…

… und dann, mehr als eine Stunde später als von mir angepeilt, saß ich auf dem Boden in einem Zug zum Flughafen.

Aber das Wochenende. Es war so wunderbar! So ein herzlicher Empfang, entspannte Gastgeber und Gastgeberin, nette andere Gäst*Innen und das nächste Mal erstarre ich dann auch nicht vor Schreck, wenn ich so „Berühmtheiten“ aus meiner Twitter Bubble gegenüberstehe. Oder unfassbar schönen Frauen, die mir diffus bekannt vorkommen und sich als „kennste bestimmt aus dem Fernsehen“ herausstellen. Aber das Fest war wirklich toll und lustig und die riesige Kinderschaar, die durchs Haus tobte auch nur hier und da kurzzeitig etwas unkontrolliert und drüber. Ich hab mich ganz doll gefreut, ganz viele Leute aus Diesem Internet™️ mal in echt kennenzulernen! Und die Törtchen! Dass die so schnell aufgegessen waren, hat sie immerhin davor bewahrt, dem Regenguss anheimzufallen. Dieses traurige Schicksal ereilte nämlich 95% der Reste des Essens, die in dem plötzlichen Guss nicht gerettet werden konnten. Wie auch, die Zeit von den ersten zwei, drei Tropfen auf dem Arm zu komplett durchnässt im Hausflur stehen reichte halt eben so für den nicht besonders langen Weg. Aber wie gesagt, die Törtchen (und echt viel anderes, leckeres Zeug) ruhten da schon sicher und gemütlich in unseren Mägen. Und man kann sich ja umziehen und dann halt den Absacker noch drinnen trinken.

Hach, hach.

Das war’s jedenfalls allemal wert, zwei drei Tage lang mit dem Sport und der Bewegung (und der Alleinzeit) zu schlampen.

Ich hab jetzt wohl mindestens zwei Freund*Innen mehr. Verrückt.

Und, apropos Freundinnen und aufregende Anfahrt zum Flughafen und leider kein Foto gemacht: die supertolle Jette hat heute echt meinen halben Tag gerettet, denn als ich kurz vorm Nervenzusammenbruch am Flughafen ankam, stand sie da und hatte Kaffee und eine Umarmung und eine ruhige und resolute Art, mich durch Checkin und Gepäckaufgabe zu bugsieren. Ich kann da gar nicht genug für danken. Ich war nämlich schon im Panikmodus und das ist selten produktiv.

Hach, hach, hach. Da darf man schon mal ein bisschen wehmütig sein, allein im Bett (Herr Rabe spielt grad ein recht zeitintensives PlayStation-Spiel, das ich zum Zugucken langweilig finde. Irgendwas mit Ninjas.) und im kalten Norwegen.

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Bevor sie sich fragen: natürlich habe ich mich sehr gefreut, die Kinder wiederzusehen. Michel hat mich auch gleich gefragt, ob es in meinen „Ferien“ gut war und ob wir auch mal wieder zusammen Flugzeug fliegen können. Pippi hat mir erzählt, dass Michel ihre neue Unterhose nicht schön findet. Und beide waren beim ins Bett bringen sehr kuschelig und putzig und ich hab die einfach schrecklich lieb.

Tag 1482 – Beseelt.

Hach, das ist alles ganz wunderbar hier aber zum Bloggen komme ich halt nicht so wirklich. Aber ich muss mal loswerden: wenn Sie denken, ach, Person(en) X aus Diesem Internet™️ würde ich ja gerne mal in echt kennenlernen und Person(en) X möchte(n) das auch, machen Sie das ruhig. Bei mir hat sich das bisher immer gelohnt.

Tag 1468 – Schwimmbadtest 2.

Wir waren heute im Schwimmbad, diesmal in Hamar. (Hamar ist so ein bisschen wie Bielefeld. Von uns aus genauso weit entfernt wie Oslo, das Angebot zum Einkaufen fast genauso gut, vieles ist da eigentlich sogar besser als in Oslo, aber trotzdem fahren wir selten hin. Für den Rest von Norwegen ist Hamar halt der Ort(TM) zwischen Lillehammer und Oslo.) Gestern hatten wir nämlich gefragt, was B., der Freund von Michel, heute so macht und die wollten eben nach Hamar ins Schwimmbad, also fuhren wir mit. Das hat sich auch wirklich gelohnt, das Schwimmbad da ist recht neu, deutlich größer als das in Årnes, auch nicht (oder sehr sehr wenig) gechlort und hat 2 Rutschen. Michel war zwar nicht so ganz frustrationsresistent und eskalierte direkt zu Anfang weil wir seine Schwimmflügel vergessen haben und das nicht-Baby-Spaßbecken 1,20 m tief ist und er gerade so nicht da stehen kann. Es stellte sich aber, nachdem ich irgendwann recht resolut sagte „Gut, dann komm, ich bringe dir jetzt Schwimmen bei!“, heraus, dass er eigentlich erstens sehr wohl ein paar Züge schwimmen kann (aber noch nicht so, dass ich ihn auch nur drei Sekunden aus den Augen lassen würde, vor allem weil er irgendwann immer anfängt, panisch und unwirksam herumzuzappeln und dann erst recht absäuft) und vor allem da eben doch gerade so stehen kann – auf Zehenspitzen und den Kopf ganz in den Nacken guckt das Gesicht oben noch raus. Sieht halt lustig aus, beruhigte ihn aber soweit, dass er dann doch mit B. eine gute Zeit hatte. Ich fror derweil im Babybecken gut durch und warf eine Million mal einen Ring ins 40 cm tiefe Wasser, zu dem Pippi dann auf diversen Styropor-Badedingsen hinpaddelte und ihn – stets darauf bedacht, mit dem Kopf nicht unterzutauchen – wieder hoch holte. Irgendwann reichte es mir aber wirklich damit, da hatte Pippi auch schon zwei mal andere Leute mit dem Ring abgeworfen und ich hatte eigentlich Lust auf Schwimmbadpommes, aber dann wurde ich irgendwie von I. zum Bahnen schwimmen überredet und so schwamm ich 12 Bahnen im 50-Meter-Becken. Meine Form ist da nicht der Hammer, aber ich stelle immer wieder überrascht fest, dass viele Erwachsene halt auch bloß grad so über Wasser bleiben können, wie Kinder, aber deren Stil ist nicht effektiv, sieht furchtbar anstrengend aus und die kommen auch nicht voran. Ich komme hingegen beim Schwimmen tatsächlich in so einen Flow, von dem ja viele beim Laufen berichten und nach den ersten fünf Bahnen hätte ich auch noch deutlich mehr einfach in meinem Tempo weiter schwimmen können*, hätte nicht Herr Rabe plötzlich mit heulender Pippi am Rand gestanden. Die war hingefallen, hatte sich den kleinen Zeh aufgeschlitzt und auf dem nassen Boden für ein bisschen Splatterkulisse gesorgt. Wir bekamen vom Bademeister ein erschreckend schlecht sortiertes Pflasterkästchen zum selbst versorgen in die Hand gedrückt, er selbst verschwand dann das Blut aufwischen, und danach beendeten wir das Baden relativ zügig unter Protestgeheul von allen drei Kindern, aber zugunsten von Pommes und Pølse nach dem Duschen. Doch, das war wirklich schön. Morgen werd ich eventuell an Muskelkater sterben und es weckte lang vergessene Begehrlichkeiten in mir (unter anderem liebäugelte ich direkt mit einigen Sport-Badeanzügen, im schicken Bikini schwimmt es sich nämlich recht bescheiden), das wär ja schon schön so regelmäßig… aber egal. Das war’s allemal wert.

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Kleine Anmerkung, wenn Sie mal in einem norwegischen Schwimmbad sind: hier wird eben total wenig gechlort. Das ist super, zum Beispiel kriege ich hier kaum Kopfschmerzen vom Schwimmen (in Deutschland jedes einzelne Mal) und man kann auch nach 600 Metern Brustschwimmen mit Untertauchen bei jedem Zug ohne Schwimmbrille (!) den Rest des Tages noch was sehen. Es setzt aber ein bisschen Mitwirken voraus. Hier wird nämlich vorher gründlich geduscht, mit Haare waschen und Einseifen und vor allem nackt. In Hamar hängen große Schilder in der Dusche, dass man nackt und mit Seife duschen soll, bevor man sein Badezeug anzieht und für Norweger ist das auch normal, das zu machen. Ich fand es anfangs seltsam, aber inzwischen überzeugt mich das Konzept, eben weil man weniger aggressive Chemie braucht, um den menschlichen Schlonz im Wasser zu töten, wenn alle schon sauber ins Wasser gehen und der Schlonz in der Dusche im Ausguss gelandet ist. Nach dem Schwimmen dusche ich dann noch mal mit ein wenig Duschgel, aus Gewohnheit, viele waschen auch noch mal die Haare mit Spülung oder Kur, das ist ja jeder selbst überlassen.

(Aber dafür gehen ganz viele Norweger*Innen mit Badezeug an in die Sauna. Das finde ich dann wieder unhygienisch.)

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*mir fiel dann wieder ein, dass wir damals, als ich noch im DLRG war, also wirklich vor mehr als 20 Jahren, einmal (?) im Jahr ein 24-Stunden-Schwimmen hatten. Ich bin ein mal über 7 km geschwommen. Da war ich 9 oder 10 ca. Ich hörte einfach nicht auf zu Schwimmen. Bahn um Bahn. Die Urkunde hab ich bestimmt noch irgendwo.

Tag 1467 – Hachzi.

Eigentlich wollte ich heute darüber schreiben, dass und unter welchen Bedingungen und warum ich durchaus für kinderfreie Räume zu haben wäre, aber dann kam was dazwischen und jetzt muss ich halt kuscheln.

Dieses Kind. Raubt mir den letzten Nerv und ist dabei doch so putzig. Ganz weich ist sie auch und riesig groß, gar nix Babyhaftes mehr. Im letzten Jahr hat sich da so viel getan. Heute stritt sie mit Michel, da wäre meiner Norwegischlehrerin das Herz aufgegangen, wie wundervoll sie das R schlagen kann. Hachz, hachz.