Tag 3959 – 3961 – Norwegischer Sommer.

Hier ist es feucht. Und warm. Nicht so warm wie in Deutschland (zum Glück!) aber dafür sind gefühlt zur Zeit dauernd 97% Luftfeuchtigkeit. So Kategorie man geht drei Meter in normaler, sommerlicher Kleidung und zack, hat man alles durchgeschwitzt. Sport macht da auch nur so lala viel Spaß, ehrlich gesagt, wenn es ab Minute drei einfach überall läuft.

Heute gab es aber dafür ein Gewitter und danach war es einfach wunderbar. So klare Luft! Immer noch schön warm! Aber nicht mehr so drückend! Hachz. Da musste ich direkt noch mehr Fotos machen, auch von den ganzen kleinen Schnecken, die dann alle raus kamen. Dürfen sie hier, es ist wahrlich genug Grünzeug da.

Die Kinder haben ab jetzt übrigens Ferien. Wir nicht, aber ich muss auch nur noch nächste Woche arbeiten, dann ist auch für mich Urlaub. Die Projekte stapeln sich bereits.

Nicht sichtbar, aber trotzdem im Bild: völlig eskalierende Singvögel.

Achtung, im übernächsten Bild sind meine nackten Füße im Gras zu sehen, weil ich nach dem Regen durch den Garten gelaufen bin, was total schön war. Also wirklich unironisch, wenn der Garten ein bisschen sichtgeschützter wäre, hätte ich mich in meiner Sportkleidung (wegen des Wetters eine sehr kurze Shorts und ein Sport-BH) direkt auf den Rasen in den Regen gestellt. So musste das waren, bis ich geduscht und wieder bekleidet war. Und da regnete es auch nicht mehr.

Aussicht am zweitlängsten (?) Tag des Jahres um halb eins. Da wo die Wolke hängt, ist der Fluss.

Es ist einfach so lächerlich schön hier!

So, hier Füße. Und Gras. Und Sonne.

Tag 3955 – Putzeputz…

Uaaaaaggghhh ich hasse putzen. Ich versuche, den Putzhass im echten Leben nicht ganz so raushängen zu lassen, damit ich den Kindern nicht ein allzu grausames Bild dieser nun mal notwendigen Tätigkeit vermittle, aber ey, das ist so ätzend. Hier kann ich es ja schreiben. Soweit ich weiß, lesen die Kinder nicht mit. Ich habe gerne eine saubere Wohnung, mich pissen die Wollmäuse, die unablässig überall entstehen, und die Haare und die Krümel und die klebrigen Flecken überall kolossal an, Ich frage mich wirklich, ob es wohl zur Benutzung anregen würde, wenn ich rot blinkende und aggressiv hupende Klobürsten anschaffen würde und möchte den Kindern gerne (allen beiden) Haarspülung wegnehmen, weil die so nen ekligen Schmier im Duschabfluss hinterlässt, all das. Ich putze ja auch, ich lebe nicht im Dreck. Ich zwinge auch den Rest der Familie dazu, ebenfalls zu putzen. Aber es ist und bleibt für mich eine Tätigkeit, die in der Rangliste beliebter Haushaltsaufgaben sogar noch hinter Bügeln rangiert.

Falls die Kinder doch mitlesen: wie ihr seht, mache ich das auch nicht gerne, aber es muss eben wer machen. Und wisst ihr, was schlimmer ist, als putzen? Putzen, während der Rest der Familie NICHT PUTZT. Also schwingt die Hufe. Und zum Thema Spülung; weniger ist mehr. Und man kann auch den Duschabfluss mal sauber machen. Übrigens.

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On another Note habe ich Michel gestern zur Konfirmation angemeldet. Michel wird nämlich nächstes Jahr schon 15, was komplett wild ist und eigentlich nicht sein kann, weil der ja quasi noch ein Baby ist. In Norwegen werden alle Jugendlichen in dem Jahr, in dem sie 15 werden, konfirmiert. Michel hat sich überlegt, dass er das gerne möchte (wir hatten angeboten, dass er auch einfach so eine Feier und Geschenke haben kann, ohne Zeremonie, wenn er das lieber möchte), aber nicht christlich, sondern humanistisch. Also habe ich ihn zu einem humanistischen Konfirmationskurs angemeldet und drüber nachgedacht, dass das Baby schon so groß ist. Wo ist bloß die Zeit geblieben.

Hier ein Foto des entzückenden Babies, mit 13 Jahren Verzögerung dürfte es ja ok sein, das zu posten.

Tag 3945 und 3946 – Mehr Kultur!

Also, gestern war ja erst mal noch Inspektion, aber selbst die war irgendwann vorbei. Statt ganz nach Hause zu fahren (mit dem Auto, denn damit war ich schließlich auch da) bin ich dann nur von Oslo (Ost) zum Bahnhof in Eidsvoll gefahren, habe mich in den Zug gesetzt und bin zurück nach Oslo (West) gefahren. Und bin mal wieder auf so ein Hauskonzert gegangen, wie schon mal im Frühjahr. Es war dieses Mal was ganz anderes, nämlich ein Bossa Nova Trio, aber es war wieder total schön. Ich bin echt begeistert, was mein Geigenlehrer da ins Leben gerufen hat, und bezahle auch freiwillig den Sponsor-Preis, damit mehr bei den Musiker*innen und vielleicht auch irgendwann mal was bei ihm hängen bleibt. Zur Zeit steckt er die ganze Arbeit gratis da rein.

Das war im Übrigen eine Gegend in Oslo, in der ich noch nicht so richtig bewusst mal war, und ich möchte jetzt diesen ganzen „Moderne Architektur ist IMMER des Teufels, besonders Häuser, die über 3 Etagen hinaus gehen!!!“-Leuten hier im Ort ans Herz legen, mal in der Harbitzalléen vorbeizuschauen. Es ist einfach richtig schön da. Trotz, sagen wir mal, platzmäßig effizientem Wohnungsbau. Kopenhagen ist auch in weiten Teilen ein positives Beispiel.

Es wurde sogar getanzt!

Heute hingegen war Kontrastprogramm, denn die dritte Gardekompanie war in Eidsvoll. Das ist ja die königliche Militär-Musik- und Drillgruppe und allesamt Wehrdienstleistende (also 18-20-Jährige) aber richtig, richtig gut.

Ich kann leider keine Videos hochladen, wegen Speicherplatzproblemen, aber es war toll. Und „unser“ Korps konnte als einziger ne Wendung machen UND vernünftig in der Reihe stehen. Also außer der Garde natürlich, die können das richtig krass gut. Aber ich bin wirklich stolz auf unseren Schulkorps. Die machen das schon echt gut und werden immer besser.

Tag 3931 und 3932 – Soooo…

Ich bin offen gestanden etwas platt. Gestern habe ich nach der Inspektion im Hotel noch etwas weiter gearbeitet, danach bin ich noch mal zum Schwimmbad gegangen und eine viertel Stunde geschwommen (dann tat mein Nacken weh, weil ich ja keine Schwimmbrille dabei hatte) und dann habe ich noch eine sehr lange Weile im Meerwasser-Hot Tub rumgehangen. Den hatte ich Dienstag nämlich vergessen/übersprungen, weil der auch immer so voll war.

Heute endete die Inspektion dann um viertel vor vier. Und es ging auch alles glatt. Nur wollten die Isländerinnen gerne sofort nach Hause. Also verabschiedeten wir uns und ich entschied mich, noch ein paar Mitbringsel zu besorgen und dann in so ein richtiges Lagunen-Spa zu fahren. Die Mitbringsel wurden Lava-Gedöns und das obligatorische Schnapsglas (genau genommen ist es ein Mini-Kelch) für Pippi.

Das Spa war dann… interessant. Ich wollte mit dem Bus hin fahren, lief dann aber die halbe Strecke zu Fuß, weil ich den Anschlussbus verpasst hatte und keinen Bock hatte, zwanzig Minuten doof rum zu warten. Und am Ende war ich in einem äußerst unsexy Industriegebiet und dachte schon, ich hätte mich verlaufen, aber dann war da tatsächlich dieses Spa: https://www.skylagoon.com

Ich habe keine Kamera mit rein genommen, weil WIESO SOLLTE MAN DAS DENN BITTE TUN??? Gut, andere Leute hatten da überhaupt keine Hemmungen. Aber von vorn: man musste duschen, aber nicht nackt. Da war mir klar, dass das eine Touristenfalle ist. Man MUSSTE dann nach der Dusche durch die Lagune schwimmen, um zur Sauna (dem Ritual, das ich gebucht hatte) zu kommen. Das war aber wirklich ganz schön, und auch sehr schön gemacht, eine Lagune in den Stein gehauen. 38 Grad warmes Wasser, vielleicht 1,40 m tief, und mit einer „Infiniti-Pool“- Kante und vielen Sitzmöglichkeiten. Und einer Bar (!!!) im Wasser. Da musste man dann hinwaten.

Aber erst mal war das Ritual angesagt, und das war wirklich nett, aber ein bisschen gimmicky. Es begann mit Tauchbecken (brrrrr) und danach Sauna. Die Sauna mit Panorama war toll! Und es gab zwei verschiedene, eine für laute Leute und die, die gerne Fotos machen wollten. Und eine für die, die schweigend aus dem Panoramafenster glotzen wollten, so wie ich.

Nach der Sauna kam… keine Dusche, sondern kalter Nieselregen aus Düsen. Das war total angenehm, hätte ich nicht gedacht. Da stand man dann einfach ne Weile rum und ließ sich wortwörtlich berieseln.

Dann gab’s nen Salz-Peeling, ausgehändigt von nem richtig ätzenden amerikanischen Typ, der die ganze Zeit indirekt laut kundtat, wie scheiße er seinen Job findet. Ansonsten hat er die andere Angestellte gemobbt. UN. AN. GE. NEHM.

Nach dem Salzpeeling ins Dampfbad und von da unter die Dusche und das Zeug abwaschen. Und das war’s dann auch. Ein bisschen enttäuschend, Ehrlich gesagt, bis auf die Sauna, war das ziemlich überteuert, dafür dass man 70% davon für 1/10 des Preises im normalen Schwimmbad kriegt. Aber was eine neue Erfahrung war: ich habe mir dann ganz dekadent ein bier gekauft. Eines mit Alkohol drin. Und dann saß ich da in der warmen Lagune und trank ein kaltes Bier und sinnierte vor mich hin. Das war wirklich, wirklich schön. Gut, es wäre ohne die ganzen lauten Amerikaner (Touristen) vielleicht netter gewesen. Aber auch so sehr schön, wirklich. Ein bisschen Touristenfalle eben, aber kann man mal machen. Muss man nicht. Kann man.

Und wenn nicht:

Dann eben ins Alljahres-Freibad und da in weniger fancy Hot Tubs rumhängen, aber dafür mit Einheimischen.

Tag 3929 und 3930 – Mehr Spaziergänge.

Gestern:

Hurra, Socken.

Übrigens ist alles hier sehr teuer. Wer denkt, Norwegen sei teuer, kann mal nach Island fahren, da ruckelt sich einiges an Relation zurecht.

Was aber recht billig war, war, was ich danach gemacht habe, nämlich in ein öffentliches Schwimmbad gehen. Ich wusste ungefähr nichts darüber, außer dem, was mal in der Sendung mit der Maus war: dass da ALLE hingehen. Ständig. Mir waren von den Einheimischen Hot Tubs versprochen worden und Hot Tubs habe ich bekommen. Aber was für welche! In verschiedenen Temperaturen, 38, 40, 42, 44 Grad und einer in Meerwasser. Das ganze Ding war letztendlich ein (großes) Freibad, das komplett auf angenehme Temperaturen aufgewärmt war und dann eben Hot Tubs und ein richtig großes Becken mit 38 Grad, in dem man gemütlich abhängen konnte. Dampfbad gab es auch, war aber immer voll. Brauchte ich aber auch nicht. Ich pendelte nur zwischen den verschiedenen Hot Tubs hin und her und spazierte ein bisschen in der 11 Grad warmen Luft rum, um mich mal abzukühlen. In den Hot Tubs guckte ich Leute an und war einfach sehr zufrieden mit allem. Faszinierend, was so ein Babybecken für Erwachsene (und Sonnenschein!) mit einer macht. Und ja: da gehen ALLE hin. Junge, alte, alle Körperformen, Leute, die aussehen, wie Klischee Wikinger*innen, Leute, die andere Sprachen untereinander sprechen. Wie im norwegischen Schwimmbad muss man erst mal nackt duschen, aber anders als im norwegischen Schwimmbad gibt es in der Dusche Spender mit Duschgel und man muss sich auch in der Dusche und bevor man zurück in die Garderobe geht, abtrocknen. Was sehr angenehm war, dadurch war die Garderobe nämlich trocken. Insgesamt war das einfach rundum eine tolle Erfahrung und ich hab richtig die Seele baumeln lassen.

Heute (bei immer noch bestem Wetter, ich bin wirklich ein kleines Glücksschweinchen hier!) bin ich nach der Inspektion an den nordwestlichen Zipfel von Reykjavik gefahren, und bin da ein bisschen rumgelaufen. Da ist ein Leuchtturm, zu dem man aber nicht kommt, und ansonsten ist da hauptsächlich nix und Möwen. Aber wenn man sich umdreht, ist da ein äußerst beliebtes Restaurant. Dort hatte mir die isländische Kollegin netter Weise einen Tisch reserviert (obwohl es eigentlich ausgebucht war) und ich hatte wirklich leckeres Abendessen. Dazu habe ich mich ein bisschen in isländisches, alkoholfreiesarmes Bier verguckt, das ist super lecker. Auch heute hatte ich wieder einen sehr schönen Tag. Vermutlich werde ich jetzt dann auch (verdient) wie ein Stein schlafen.

Schwarzer Sandstrand. Mit den Schuhen oute ich mich direkt als Norwegerin (und als ausgesprochene nicht-Outdoor-Deutsche).

Im Hotel ist mir dann fast die Badewanne übergelaufen, hoppla, aber ich wollte so gerne meine müden Muskeln ein bisschen durchwärmen.

Tag 3848 und 3849 – Wichtige Dinge weitergeben.

(Gestern habe ich viel zu lange gearbeitet, das war unspannend und doof aber der China-Bericht ist jetzt fertig.)

Von gestern auf heute hatte Pippi Übernachtungsbesuch, von T., mit der sie auch mittwochs beim Tanzen und dann bei der Band ist. Die Mädels hatten viel Spaß und haben mir seit gestern Nachmittag schon ein Ohr abgekaut, dass sie was nähen wollen. Aber gestern war ja dann zu viel Arbeit. Also haben wir das heute gemacht. Und die Mädels haben das super gemacht, mit Anleitung und ein bisschen Hilfe (aber echt nicht soooo viel).

Pippi hat sich die kleine Handytasche gemacht, T. den Einkaufsbeutel.

Das einzige, was ich komplett übernommen habe, war, die Riemen anzunähen. Ansonsten haben die Mädels das selbst gemacht und auch ohne zu murren zwischendurch immer wieder gebügelt.

Ich bin jetzt einen kleinen Teil meiner Stoffreste los. Das ist auch sehr gut. Ich hab echt zu viel Stoff. Und nach ein bisschen Gesuche ist auch mein Tunnel-Umdreh-Dingsi wieder aufgetaucht. Bei diesen ganzen Riemen wäre das sonst echt ätzend geworden. Das Teil war irgendwie aus der Schublade gefallen und unter der Schublade liegen geblieben. Herr Rabe hat es glücklicherweise gefunden, bevor ich irgendwelche Kinder wegen Diebstahlverdachts enterben konnte.

Abends waren wir Erwachsenen in der örtlichen Kneipe, das war auch echt nett. Ein bisschen Freunde treffen und bei einem Bier loses Zeug schnacken. Also nach dem ersten halben Bier fand ich das auch nett, bis dahin war es mir zu laut und zu anstrengend alles. (Ja, das ist sicher nur so semi-gut, das so zu handhaben, aber zum Ausgleich mache ich das maximal alle paar Monate.)

So, morgen ist relativ früh Geigenstunde, deshalb muss ich jetzt schlafen. Gute Nacht.

Tag 3788 – Tüdelüüü.

… das ist eine O-Ton-Charts-Referenz. Und will damit sagen: Ich habe zu viel getrunken. Also wirklich zu viel, im Sinne von: morgen werde ich das bereuen. Aber ich hatte Spaß bei Herrn Rabes Konzert. Es war einfach super.

Und ich muss kurz eine Lobeshymne absingen. Und zwar auf gegossenen Gehörschutz in Profi-Qualität. Es war jetzt mein erstes Konzert mit den Ohrstöpseln, die ich ja in erster Linie zum Geige üben habe. Ich habe „nur“ die 10 dB-Filter drin gehabt. Und es war GÖTTLICH. Es war komplett klare Musik, aber in Zimmerlautstärke. Unterhalten geht auch noch. Nur die schrebbeligsten Höhen werden stärker gefiltert als der Rest, alles wird einen Hauch (wirklich nur einen winzigen Tacken) basslastiger, aber dass die Kreischlaute einfach ganz weg sind, ist das allemal wert. Also, falls Sie gerne auf Konzerte gehen, aber um die Gesundheit ihres Gehörs fürchten, und Sie mal 200€ (ca.) übrig haben, lohnt es sich wirklich, die Ohren mal ausgießen zu lassen.

Und falls Sie einfach nur richtig, RICHTIG gute Ohrstöpsel zum Schlafen haben wollen: das war meine beste Anschaffung des Jahres. Formgegossene Ohrstöpsel zum Schlafen, in extra weichem Silikon. Die machen aus einem Flugzeug oder einem Hotelzimmer mit indischer Hochzeit inklusive Trommelgruppe vor dem Fenster ein komplett stilles Paradies. Der Ehemann schnarcht? Wirklich??? Und das ohne irgendein Verrutschen, Rausfallen, Drücken oder sonst irgendwas. Rein und Ruhe. Jeden Cent wert.

Tag 3679 – So wie es sein sollte.

Wir hatten heute Morgen das erste Gespräch mich Michels neuem Klassenlehrer, an der neuen Schule. Wir, also Herr Rabe und ich, sind jetzt übrigens auch in dem Alter, wo einige der Lehrpersonen unserer Kinder jünger sind als wir, und das ist sehr seltsam für mich. Der neue Klassenlehrer ist schätzungsweise so Anfang 30, trägt Caps (falschrum) und Hoodie, ist tätowiert und sieht aus, als würde er viel Kraftsport betreiben. Er ist auch sehr nett. Was aber viel wichtiger ist: Michel blüht wieder so richtig auf. Selbst Mathe ist nicht mehr so schlimm, eigentlich ist alles an der neuen Schule gut, und absolut alles ist viel besser als es an der Barneskole war. Der Lehrer sagt, Michel sei sehr smart und weiß viel und kann das auch sehr gut wiedergeben und vermitteln. Das ist ja nichts Neues für uns, aber die letzten zwei Jahre kam das ja in der Schule nicht so gut an, und es ist total schön zu hören, dass er jetzt wieder Fakten rausballert. Da kann er er selbst sein und dann fällt ihm auch alles andere viel leichter. Wir haben auch zu Hause ein ganz anderes Kind. Also ja, all das ist quasi aus dem Neurodiversitäts-Lehrbuch, aber da hat die Barneskole ja komplett auf Durchzug gestellt und dann hat Michel eben mit Gewalt und mit mäßigem Erfolg das Rausblubbern von Wissen und Richtigstellungen und allgemeiner Klugscheißerei unterdrückt und war dementsprechend dann spätestens nach dem halben Schultag auch durch. Jetzt kann er das wieder machen, wird dafür wertgeschätzt und siehe da – alles läuft viel geschmeidiger und er hat auch kein Problem mehr damit, eine Schulstunde lang auf seinem Po sitzen zu bleiben. Wir müssen sogar kaum noch über Hausaufgaben streiten. Ich hab wirklich das Gefühl, dass wir unser Kind zurück haben.

Man soll ja nicht nachtragend sein. Es ist ja im Nachhinein eh auch nichts dran zu ändern. War doof, ist aber ein abgeschlossenes Kapitel. Jetzt kommt ein neues. Das macht mich froh.

Aber ich kann nicht unterdrücken, ein bisschen innerlich zu feiern, dass die Ungdomsskole so entspannt ist und bisher alles „total chill“. Das Argument für Erziehungsmethoden aus den 60ern war in der 6. und 7. Klasse ja immer, dass das die Kinder auf die Ungdomsskole vorbereiten sollte, wo angeblich gaaaaaanz andere Saiten aufgezogen werden sollten und wo alles viel strenger ist. Vielleicht gilt das ja an Elite-Internaten, aber in Pissel-Eidsvoll…? Wohl eher nicht.

Tag 3675 und 3676 – So viel los.

Uffz ich bin so müde. Zwei Tage hintereinander um sechs Uhr aufgestanden, Zack, todmüde. Ok, weil ich halt nicht um zehn schlafe.

Ich hatte ja gestern und heute noch frei, ich arbeite erst morgen wieder. Aber die Kinder hatten so aufregende Tage und Herr Rabe arbeitet wieder, sodass ich mit aufgestanden bin und gestern die Kinder auch zu ihren respektiven neuen Schulen begleitet habe. Mit dem Bus, damit die Kinder auch wissen, wie das geht. Pippi wollte dabei am liebsten, dass ich nicht gehe, Michel wollte gerne, dass ich nicht mitkomme. Dafür ist er abends extra anhänglich. Ist auch ok. Ich bin jetzt die peinliche Mutti eines coolen Teenagers.

Michels erster Tag an der Ungdomskole war „gut“. Er hat seine Zweitwahl bei der Fremdsprache bekommen, nämlich Französisch (nicht Spanisch) und ich spannte schon mal alles an, um auf alle etwaigen Reaktionen vorbereitet zu sein, aber er ist da total entspannt mit. Vielleicht ist das Gehirn über die Ferien auch ein bisschen gewachsen. Michels Klassenlehrer ist, laut Michels Aussage, „cool und ziemlich chill“. Es sind erst zwei Tage, aber ich senke da vorläufig erst mal die Schultern.

Pippis neue Schule ist ja die alte im neuen Gewand, und das Gewand ist schon wirklich sehr schön.

Ich habe gestern weiter Pax gebaut. Heute auch ein bisschen, aber nicht ganz so viel, ich musste auch noch andere Sachen mal priorisieren, zum Beispiel einen Arbeitsplatz, und einen Schminktisch (sehr wichtig!). Aber ich habe jetzt ALLE Klamotten ausgepackt und sie liegen und hängen jetzt auch ALLE im Schrank. Und es ist noch Luft. Es ist wundervoll. Kein Wechsel von Sommer- auf Winterklamotten und wieder zurück mehr, den ich im ersten Fall übereifrig mache und im zweiten Fall ewig frierend vor mir her schiebe. Es passen ALLE Klamotten gleichzeitig in den Schrank! Ebenfalls gestern habe ich im Keller Sachen eingeräumt, die im Flur im Weg standen. Das dauerte eine Weile, aber der Flur ist jetzt leer. Wenn ich richtig mitgezählt habe, habe ich 12 weitere Kartons komplett oder teilweise ausgepackt. Hi

Hurra!

Gestern und heute habe ich auch endlich mal wieder Geige geübt, weil ich heute mit einer Kollegin zum gemeinsamen Spielen eingeladen war. Das hat mich sehr nervös gemacht. Aber es war wirklich schön und hoffentlich nicht das letzte Mal.

Morgen geht es wieder ins Büro. Nach sechs Wochen. Ich habe überhaupt keine Lust.

Tag 3664 und 3665 – Letzte Tage in Frankreich.

Hach, es ist schon wirklich schön hier. Gestern haben wir hauptsächlich herumgegammelt, Herr Rabe war mit Michel noch mal shoppen (Michel hat jetzt neue, schwarze T-Shirts) ich habe Geige gespielt und sowas. Abends waren wir am Strand.

Herr Rabe musste wenigstens ein Mal im Urlaub den Drachen auspacken.

Heute waren wir auch noch mal am Strand und im Wasser und all das war sehr schön. Die Mädels buddelten Michel am Strand ein, womit alle sehr zufrieden waren und ich las ein Buch fertig. Ich werde das Meer echt vermissen. Vielleicht muss ich doch öfter mal in den Fjord hüpfen, egal wie kalt der ist. (Kein Eisbaden. So weit ist die Midlifecrisis noch nicht fortgeschritten.) Abends waren wir noch mal im Restaurant und haben noch mal Moules/frites gegessen, weil wir alle gerne mögen, wenn Dinge vorhersehbar lecker sind. Nach dem Essen waren Herr Rabe und ich dann noch eine Runde allein auf dem Abend-Markt und jetzt habe ich noch mehr Andenken-Ohrringe von französischen Handwerkerinnen. Das begossen wir mit einem lokalen Bier in einem Biergarten mit Sand drin und Hipstermusik und fühlten uns nahezu jung und frisch.

Morgen wird alles ins Auto gestopft und dann geht es auf die verlängerte Heimreise. Ein bisschen traurig bin ich, aber ich freue mich auch auf zu Hause.