Tag 1898 – Schlimme Prokrastination.

Ich gebe es nur ungern zu, aber meine Prokrastination in Verbindung mit Homeoffice nimmt ungute Züge an. Erschwerend kommt hinzu, dass mein Gedächtnis momentan nicht das beste ist und wenn ich mir nicht alles als To-Do abspeichere… tja. Ich hatte ja gehofft, dass das mit dem Homeoffice bald wieder etwas weniger werden könnte, aber Pustekuchen. Oslo ist komplett rot. Als Sahnehäubchen streiken die Busfahrer*Innen. Und jetzt kommt auch noch Sturm. 2020 ist echt zum Abgewöhnen.

Ob ich jemals wieder ins Büro darf? Ob wir unsere Inspektionen wie geplant durchführen können? Wer weiß das schon.

(Ganz im Ernst: ich glaube, das ist der Grund für meine ausufernde Prokrastination. Corona macht mich mürbe, ich ertrage die Planungsunsicherheit nur mit Mühe überhaupt. Diese Mühe frisst extrem viel Energie.)

Tag 1897 – Matschetag.

Habe den ganzen Tag furchtbare Kopfschmerzen gehabt, das ging gestern schon los, wurde aber nie eine „richtige“ Migräne, sondern blieb einfach bei starken Kopfschmerzen. Migränetabletten hatte ich fahrlässiger Weise eh nicht mehr, Ibuprofen wirkte erst bei der dritten Dosis. Danach war der Kopf ziemlicher Matsch von den überstandenen Kopfschmerzen, davor wegen der Kopfschmerzen selbst. Das war gar nicht mal so toll, ich hoffe, ich habe den Menschen da draußen keinen Mist per Mail geschrieben.

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Pippi hat jetzt richtig Spaß am Tanzen. Das ist sehr schön zu sehen. Da es aber eh keinen Sinn macht, für die Zeit, die sie da ist, nach Hause zu fahren, sitze ich meistens im Café im Einkaufszentrum und arbeite noch ein bisschen und trinke Kaffee. Falls was ist (vorletzte Woche hat sie sich den Kopf an der Ballettstange gestoßen), findet sie mich da, ansonsten hole ich nach einer Stunde ein fröhlich hopsendes Mäuschen ab, das mir die neuesten Moves vorführt und auch für ein paar Tage nicht damit aufhört. Herr Rabe hat sie heute für den HipHop-Kurs gestylt und weil sie aussehen wollte wie Missy Elliot, ging sie mit Caps über Beanie da hin. Hach! Klappt das mit der Tanzliebe also doch noch.

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Herr Rabe ging heute mit Michel noch eine Runde Pokémon fangen. Das beruhigt Michels Gemüt wenigstens einigermaßen. Am Sonntag haben wir das auch schon gemacht, da hat er wegen Community day an Norwegens bestem Pokémon-Go-Spot bei uns um die Ecke auch noch ein paar Schulfreunde getroffen und war zufrieden. Insgesamt sind wir ja grad in so einer etwas anstrengenden Phase, wo sich anscheinend innen und außen alles mögliche mal wieder neu anordnet und… puh. Ich möchte mein kreatives, lustiges, empathisches Kind zurück und würd auch ganz gern weniger angeschrien werden. Dafür kriege ich jetzt einen großen Sohn, der von einer Woche auf die nächste plötzlich aussieht wie ein großes Kind. Also so, dass es selbst uns, die wir ihn ja täglich sehen, auffällt. Vielleicht ist es auch das, diese gemeine Zeit, in der man für vieles (zu) groß und für vieles (zu) klein ist. ich erinnere mich an ätzende Zeiten. Hmm.

Was ich aber unheimlich niedlich finde, sind seine Eigenheiten beim Sprechen. Zum Beispiel sagt er immer, bevor er eine Frage stellt: „Mama, ich habe eine Frage.“ Oder „Mama, ich möchte dir etwas sagen.“ wie so eine kleine Einleitung und Vorbereitung auf das was kommt. Und natürlich ist er weiterhin klug, weiß total viele scheinbar random Fakten zu allen möglichen Themen und erzählt auch gern darüber besonders gerne wenn er damit seine kleine Schwester korrigieren kann. Und eigentlich will ich doch nur, dass es ihm gut geht und er glücklich ist. Seufz.

Die Hinweise verdichten sich, dass ich wirklich ein kleines Mini-Me habe. Der so klein gar nicht mehr ist, sondern zur Zeit für sein Alter eher groß. Wo ist die Zeit hin?

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Vor sieben Jahren und vier Tagen kamen wir in Norwegen an. Mit Speckzwergi Michel (damals 11 Monate alt) und einem Sprinter und dem Prius voll Kram. Und jetzt haben wir zwei Kinder, ein Haus und zwei echt gute Jobs. Und eine Badewanne. WO IST DIE ZEIT HIN???

Tag 1895 – Totales Chaos.

Eigentlich war alles entspannt. Ich räumte grad sämtliche Bücher aus den Regalen im „Loftwohnzimmer“ (demnächst Arbeitszimmer) auf den Fußboden, als es an der Tür klingelte. Da stand die Nachbarin, Michel habe sich weh getan. Ich hatte das sogar gehört, aber mal ehrlich, die Kinder schreien und grölen und johlen immer so auf dem Trampolin, ich kann da nicht am Klang zwischen Spaß und Ernst unterscheiden. Jedenfalls war irgendwas nicht mehr 100%ig rekonstruierbares passiert und dann konnte Michel sein Bein nicht mehr strecken.

„Schmerzmittel“ sagte die Legevakt, und „rufen Sie in 2 Stunden noch mal an, geröntgt wird da heute sowieso nicht mehr“.

Nun haben wir ja grade so eine Odyssee hinter uns, ich weiß also, dass ein Tag drauf geht, erst auf einen Arzttermin zu warten, dann nach Oslo zu fahren, dort zu warten, usw.

Deshalb fuhren Michel und Herr Rabe heute Abend noch nach Oslo, in die Privatklinik, die hat nämlich eine Unfall-Legevakt, die bis 22 Uhr geöffnet ist.

Ja, bis 22 Uhr. Sie sind noch unterwegs. Es war ein Unfall auf der E6, da standen sie im Stau und auch wegen „rufen Sie in 2 Stunden noch mal an“ fiel die Entscheidung, noch zu fahren, grenzwertig spät.

Und ich liege jetzt hier neben der schnorchelnden Pippi und hoffe, dass sie Mann und Kind nicht wieder weg schicken. (Und natürlich, dass es nichts schlimmes ist.)

Hier übrigens der Bücherhaufen. Wir müssen auf etwa 1/4 davon runter.

Tag 1894 – Ordnung und Chaos.

Nach ein paar Wochenenden ohne wirklichen Plan und dafür mit Streit über fehlende Pläne und Chaos überall (vor allem innen, vor allem bei mir, weil kein Plan. Kein Plan heißt Stress) haben wir dieses Wochenende endlich wieder eine To-Do-Liste gemacht. Da liegen wir jetzt ganz gut an und haben uns deshalb auch heute Abend einen Fernsehabend gegönnt.

Allerdings hatten wir die tolle Idee, „Joker“ zu gucken. Das ist ein sehr sehr guter Film, aber halt auch echt düster und verstörend und verrückt. Deshalb gucken wir jetzt zum runterkommen noch eine Folge „Aufräumen mit Marie Kondo“.

Tag 1893 – Yeahannnnaja.

Die Badewanne wurde geliefert! Leider sagte uns niemand Bescheid oder klingelte gar, sodass wir gegen Mittag beim Verlassen des Hauses quasi über die Badewanne fielen.

Ich hatte mir schon ausgemalt, wie ich das ganze Wochenende bade (solange ich warmes Wasser habe, jedenfalls), aber der Installateur kann nun erst am Montag kommen. Seufz.

Wenigstens konnte ich so noch die grad freie Ecke im Bad nutzen und den Ablauf im Boden reinigen. Da kommt man ja sonst schlecht dran, da steht ja demnächst eine Badewanne und stand bisher eine Dusche drauf. Hurrrrrgs wie eklig das ist. Was sich da ansammelt! Igitt einfach. Gut, dass ich noch Chlorreiniger hatte, das und eine Klobürste machten es immerhin möglich, mit maximal möglichem Abstand zu dem Gubbel im Loch den Ablauf zu reinigen. Ist jetzt sauber. (Urgs trotzdem.)

Weiterhin hustet Michel tagsüber gar nicht. Dafür aber nachts um so mehr, weshalb er auch heute nicht in der Schule war. Seufz.

Wir haben einen Bürostuhl besichtigt. Herr Rabe will ihn haben. Ich fahre nächste Woche mal zu einem großen Büroausstatter und sitze einige Modelle Probe. Ich hab mich so an das Beine hochlegen können am Esstisch im Wohnzimmer gewöhnt, dass ich mir grad gar nichts anderes vorstellen kann.

Insgesamt ratlos wegen allem.

Tag 1892 – Laune.

Schlechte Laune. Wir waren heute wieder back im zwei-Kinder-zu-Hause-zwei-Jobs-Game, weil beide Kinder leicht verkühlt sind. Michel geht aber morgen wieder zur Schule, der hat quasi nichts. Pippi klingt eindeutig verschnoddert, ist (und war) aber fieberfrei und fit und könnte laut der offiziellen Regelung eigentlich auch wieder in den Kindergarten, aber um anderen Eltern und vor allem den Kindergartenangestellten den Scheiß zu ersparen, selbst mildeste Symptome erst mal zu Hause beobachten zu müssen, bleibt die morgen noch hier.

Daran liegt meine Laune aber nicht. Ich kann es gar nicht mal an was konkretem festmachen, es ist einfach so. Ich gehe jetzt wohl besser einfach (endlich) schlafen.

Tag 1891 – Überraschung!

Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus! Allerdings etwas überraschende Schatten, denn heute um viertel nach sieben (morgens!) klingelte es und der Klempner stand vor der Tür. Angekündigt durch einen SMS-Wechsel gestern, der etwa so ablief:

14:30, Klempner: kann ich morgen kommen und die Dusche umsetzen?

17:00, Ich lese die SMS: Ja, mein Mann ist zu Hause.

Danach keine weitere Antwort und ich erwarte auch keine Antwort von irgendwem in Norwegen nach 17 16 Uhr. War aber dann auch nicht davon ausgegangen, dass der hier plötzlich steht – natürlich bevor irgendwer von uns auch nur Zähne geputzt hatte.

Aber die Dusche ist jetzt schon mal unten. Die Badewanne kommt vielleicht am Freitag schon und wird dann eventuell sogar am selben Tag noch eingebaut. Nächste Woche kommt der Elektriker* und wenn der da war, kann der Durchlauferhitzer eingebaut werden.

Dass das noch was wird, nach nur einem Dreiviertel Jahr Gehampel damit!

Leere Ecke.
Alte Duschkabine an neuem Ort.

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*denke ich zumindest, denn auf „nächste Woche passt, aber am besten nicht Freitag“ kam auch keine Antwort.

Tag 1860 – Kaputt geladen.

Wegen Inspektion habe ich wieder einen Leihwagen, wieder einen elektrischen (wie bestellt), aber dieses Mal hab ich ein Upgrade bekommen und deshalb fahre ich jetzt einen Tesla Model 3. Das ist ja schon auch ein schickes Teil, zumindest von außen, von innen so najaaaaa ich würd wohl Folie reinkleben lassen, wär’s meins.

Was natürlich nett ist an so einem Tesla, ist die im Vergleich zum i3 von neulich doppelt so große Reichweite. Und was auch nett ist, ist Supercharging. Supercharging bei Tesla ist sowohl schneller als auch wesentlich billiger als die anderen Anbieter, es gibt also keinen Grund mit einem Tesla an einem großen Rastplatz mit allen Lademöglichkeiten über Fortum zu laden statt am Supercharger. Jedenfalls wenn ein Supercharger frei ist.

Und wenn man nicht irgendwie geschafft hat, einen Leihwagen zu bekommen, bei dem die Bezahlmethode (laut Autovermietung ist eine hinterlegt und für mich als Kundin der Autovermietung ist superchargen kostenlos) nicht korrekt hinterlegt ist. Da ich gestern aber schon geladen habe, ist der Supercharger jetzt sauer auf mich und meckert, dass ich bitte eine Bezahlmethode „in meinem Tesla-Konto“ hinterlege.

Laut Autovermietung ein Fehler, den sie sich auch nicht erklären können.

Ich hab also gestern die Supercharging-Funktion am Leihwagen kaputt bekommen. Awesome.

(Und jetzt im Bett mich selbst superchargen. Ich bin so müde, ich schlafe gleich beim Tippen ein.)

Tag 1859 – Superschweinchen.

Flausch am Schweinehimmel, sehen Sie hier drei verängstigte Schweinchen, die grad gründlich durchgecheckt, gewogen und pedikürt wurden und das alles überhaupt nicht lustig finden, außerdem ist der Untergrund auf der Holzbank zu glatt und überhaupt nur deshalb sind sie da sitzen geblieben, für die jeweils 15-30 Sekunden, die es dauerte ein Bild zu machen. Mir ist aber neulich aufgefallen, dass ich kaum Fotos von Muffin am Anfang habe, und wie wir ja alle wissen [setzt Inspektørhut auf] sind Bilder eine gute Dokumentation. Jetzt habe ich halt kaum Vergleich, aber Muffin hat sich optisch mindestens verdoppelt, was auch an den Fellmassen liegt, die er sich hat wachsen lassen. Ich hätte anfangs echt nicht gedacht, dass er ein langhaariges Meerschwein ist.

Marshmallow, 1248 g (+120 g seit Ende Juni)
Pølse, 1231 g (+ 110 g seit Ende Juni)
Muffin, 1210 g (+ 360 g seit Mitte Mai)
Der Fellblob von oben.

Jetzt wird, nach Rückkehr in die vertraute Kiste, Salat geschnurpst und ich bin sehr zufrieden, weil ich nichts zu beanstanden habe, mit Ausnahme von Muffins nach wie vor verstopfter Talgdrüse, die ihn aber nicht weiter zu belasten scheint. Aber keinerlei Verletzungen, keine Schuppen (die ich nach den Milbenepisoden sehr argwöhnisch betrachte, auch ohne Kratzen) und das ganze Fell ist ganz weich. Hach!