Erst dachte ich so – oh nein, Tag 4000 verpasst, da hätte ich doch xyz müssen und dann dachte ich – nö. Es ist ok, abends nicht mehr die Energie für Jubiläums-blogeinträge zu haben. Oder für irgendwas. Ich glaube, diese App, die mir die Kommune gegeben hat, und mit der ich meinen überbordenden Perfektionismus (Mit-Ursache für die Missstimmung, in der ich mich befand oder befinde, grad gehts, aber da sind Medikamente und Ferien im Spiel, weiß nicht, inwiefern ich dem Braten schon trauen kann) bekämpfe, funktioniert tatsächlich. Irgendwas passiert da jedenfalls, und ich kann vermelden: ich bin stolz auf mich. Ich hab die wochenlange Prokrastination überwunden, sehr viele Zweifel runtergeschluckt, trotz Unlust weiter gemacht und am Ende geschafft, bei „das passt jetzt so“ aufzuhören. Klar, ich hätte noch nen dritten Anstrich an der Decke und dem Fenster- und Türrahmen machen können, weil da immer noch das Blau durchschimmert, aber nee. Das passt schon so. Weiterer Einsatz steht nicht mehr in einem sinnvollen Verhältnis zu zu erwartender Verbesserung.
Ich glaube, der Anfang war in dem konkreten Projekt tatsächlich damit getan, dass ich eingesehen habe, dass es nicht perfekt werden wird, weil die Voraussetzungen zu schlecht sind. Wenn vorher schon überall Lacknasen sind, Kleckse auf dem Boden und am Schornstein und an der Heizung, überlackierte Steckdosen, selbst im Türschloss blauer Lack – dann kann es wirklich nur besser werden, aber Perfektion anzustreben, macht gar keinen Sinn. Und nicht mal ich schmiere dann noch mal weißen Lack ins Türschloss, das ist jetzt, wie ein paar andere Stellen, zur Erinnerung daran, wie man NICHT Streichen sollte, eben blau.
Gleichzeitig habe ich mir erlaubt, das jetzt grad zu priorisieren und alles andere hinten an zu stellen. Auch das ist neu. Also, nicht das priorisieren, das kann ich gut. Aber ich habe ganz überwiegend geschafft, mich dafür nicht runter zu machen, was ich alles NICHT mache, weil ich den ganzen Tag am Streichen bin. Ganz überwiegend – weil es ganz und gar nicht einfach ist, solche sehr gut eingefahrene Verhaltensmuster abzustellen. Und auch das ist ok, dass das schwierig ist.
Wie sie sehen, komische App bringt zumindest Dinge in Gang. (Wenn Sie sich jetzt fragen, wie man an dieses Wunderding kommt: da muss man „nur“ in Norwegen leben, dann an die Kommune schreiben, dass es einem psychisch irgendwie nicht so gut geht, aber man muss auf jeden Fall noch gesund genug sein, dass sie nicht ernsthaft was machen müssen, und dann kriegt man diese App und eine*n Psycholog*in, die einen parallel so ein bisschen betreut, erst hat man ein Gespräch und der Rest geht übers Telefon, wo man dann bespricht, wie es so lief, mit der App und den Aufgaben.)
Anyway, das hat das Äquivalent zu einer Arbeitswoche gebraucht und ich streiche nie wieder Holzpanel (bisschen blöd, dass das hier in nahezu jedem Zimmer ist und grundsätzlich hübsch ist es ja schon), aber ich bin zufrieden und wirklich besonders zufrieden mit mir selbst in diesem Prozess.

Die „Farbe“ heißt übrigens Bright Calais. Warum auch immer.
Oh ach so, und eine wichtige Nachricht: gute Pinsel sind jede Krone wert. Das ist ein Unterschied wie vom VW Polo Baujahr ’92 zu nem fabrikneuen Porsche. Da franst nichts, die nehmen viel Farbe auf, geben sie aber auch gut wieder ab, und lassen sich x mal sauber machen.
Und falls Sie sich schon mal richtig alt vorkommen wollten: besagter Polo hätte jetzt ein H-Kennzeichen.





