Tag 1628 – Alles sehr schlimm.

Meine Hose ist kaputt.

Es gibt pharmazeutische Hersteller, da wird man vor der Inspektion von der QP angerufen, und vorgewarnt, man solle keine „feinen Sachen“ anziehen, der Prozess wäre sehr speziell. Und die Kollegin sagt dann auch „Jeans reicht völlig“. Dann schmeiße ich mich also in meine beste (lies:Lieblings-) Jeans und kraxele damit in der Produktion rum (Treppen bei denen ich nur ganz stur gradeaus gucken kann, nicht hoch, nicht runter, wahhhh!) und dann macht es ratsch und die Hose ist hin.

Mimimi.

Tag 1627 – Hotelzimmeraussichten, Folge 1.

Das ist doch ein lustiges Projekt. Hoffentlich denke ich öfter da dran.

Außerdem Nissan Qashquai als Mietwagen, was für ein Monster und schrecklich unübersichtlich. Lieb gemeinte 3 von 10 Punkten. Die schlechte Bewertung hat natürlich gar nichts damit zu tun, dass ich schrecklich aufgeregt war/bin, weil ich dieses Mal fahren und also die Kollegin durch die Gegend kutschieren muss. Im Dunkeln, in einer Gegend, die ich nicht kenne, mit einem Auto, das ich nicht kenne. What could possibly go wrong?

Jetzt Hotelbett. Garantiert keine Kinder morgen früh auf meinem Kopfkissen oder am Fußende. Auch mal schön.

Tag 1626 – Orange.

„Wie siehst du denn aus, was hast du am Mund???“ fragte ich Michel heute Abend. „Nichts!“ sagte Michel. „Möhre.“ sagte Herr Rabe. Ich habe nun also zwei Kinder, die selbst Möhren schälen können. Ich habe sechs* Schnecken, davon fünf zur Zeit wach, die demnächst viele orangene Häufchen machen werden. Und ich habe zwei Kinder, 7 und 4,5 Jahre alt, die aussehen wie Babies in der besten Karottenbreiphase.

Ca. so.

Dann muss Herr Rabe wohl morgen neue Möhren kaufen.

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*ein Haus habe ich gestern nahezu leer ausgegraben. Seufz.

Tag 1625 – Ein bisschen Drama.

Nicht, dass sie denken, ich hätte das Bloggen wieder vergessen, ich bin nur total vorm Fernseher versackt. Ich gucke eine erstaunlich spannende Dokumentation über Cheerleading. Sie heißt Cheerleading (kreativ, jaja) und ich möchte jetzt mit Cheerleading anfangen alle meine Kinder zum Cheerleading anmelden weiter gucken.

Passend zum Drama im Fernsehen hat Michel gestern eine Impfung bekommen. In der Schule. So wie alle seine Klassenkameraden und -kameradinnen. Und meine Güte. Wie man leiden kann. Ja, sein Arm ist dick, aber sein demonstratives Leiden veranlasste mich dann doch während des Abendessens zu einem kleinen Vortrag über Kinderlähmung.

Danach ging es dann. Kleine Drama-Queen.

Tag 1624 – Freitag halt.

Nawww, das ist ja mal eine schöne Zahl.

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Morgens Blut abgeben. Der Stoffwechsel will ja kontrolliert sein. (Seufz. Hört halt nie auf.)

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Weil ich ein Schlaufuchs bin bin ich einfach direkt zum Arzt gefahren, als ich die Kinder abgeliefert hatte und habe gesagt, ich sei halt schon da. Statt um halb neun dann Blut abgenommen zu kriegen saß ich um halb neun bereits im Zug.

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Arbeit, Arbeit. Habe doofe Arbeit mit ganz leicht weniger doofer Arbeit wegprokrastiniert. War nur so mittelmäßig klug, weil die doofe Arbeit dann Montag gemacht werden muss.

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Gestern habe ich mein Mittagessen „verloren“. Morgens im Zug angekommen war ich sicher, es in der Küche stehen gelassen zu haben. Abends war es aber nicht in der Küche und die Putzfrau hatte es augenscheinlich auch nicht weggeräumt. Das kam mir sehr seltsam vor. Heute fand ich mein Mittagessen von gestern ganz unten in meinem Sportbeutel, den ich gestern bei der Arbeit gelassen habe, weil ich gestern noch Muskelkater hatte und deshalb spontan doch nicht trainierte. Aber so schlimm war es alles nicht, ich habe dann eben heute mein Mittagessen von gestern gegessen, nachdem ich sehr kritisch daran gerochen habe.

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Heute nach der Arbeit noch trainiert. Uff, uff. Aber die Schulter soll eben bitte halbwegs schmerzfrei bleiben.

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Nach dem Training und einer Dusche ein Geburtstagsgeschenk für den Kindergartenfreund von Pippi besorgt, bei dem sie morgen eingeladen ist. Das Ding ist – ich bin zwanghaft und wenig flexibel in meinen Plänen und als Laden 1 das nicht hatte, was ich haben wollte, lief ich einmal planlos ums Regal und statt dann im Laden der großen Spielzeugkette nebenan zu gucken, ging ich 10 Minuten durch die Stadt zur anderen Filiale der Kette, wo ich ursprünglich auch gewesen war. Manchmal lächle ich über mich selbst. Aber ich habe jetzt das geplante Geschenk.

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Mit Herrn Rabe die zweite Staffel von Zumbos Just Desserts zu Ende geschaut. Ich bin über die gewinnende Person ein wenig überrascht, hoffe aber, dass die zweitplatzierte Person bei Zumbo einen Job kriegt. Das sind so moderne Märchen, die ich mir ausdenke.

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Und wenn sie nicht gestorben sind, dann träumen sie noch heute von Kuchen.

Tag 1623 – „Ich muss Ihnen leider sagen, dass sie damit übergewichtig sind.“

Das ist nun zugegebenermaßen auch schon ein bisschen her. Genau genommen etwa fünf Jahre, da war ich nämlich schwanger mit Pippi. Anlass dieses Satzes war mein Gewicht im Verhältnis zu meiner Körpergröße und ich hatte damals nur ein müdes Achselzucken dafür übrig. Heute würde ich an die Decke gehen. Weil, nein. MUSS man gar nicht sagen. KANN man vielleicht auch einfach mal den Menschen angucken. KÖNNTE MAN! Macht man aber nicht, weil es so viel einfacher ist, Gewicht durch Körpergröße zum Quadrat und fertig, dann noch willkürlich irgendwelche hanebüchenen Grenzen setzen, wo das ominöse „zu fett“ anfängt und dann darf jeder Hinz und Kunz quasi verweigern, mit einer vernünftig zu reden, bevor man abgenommen hat.

Neulich ging ein „netter“ BMI-Rechner in meiner Timeline rum. Nett, weil der das Alter mit einbezieht, wenn es drum geht, auszurechnen, auf welche Art man falsch ist. Ich daddelte den aus Interesse auch einmal durch und freute mich, dass ich in 7 Wochen auf magische Weise ein extra Kilo geschenkt kriege, das ich noch haben darf, bevor mir wieder ein Arzt einen Satz wie im Titel an den Kopf knallen darf. Dabei könnte man es ja auch einfach lassen! Einfach ganz weg gehen von „Du wiegst x Kilo und bist y cm lang, OHHHHH SO GEHT DAS ABER NICHT!!!“ Könnte man, es wäre nun wirklich nicht so schwer! Man könnte zum Beispiel erst mal fragen, ob sich die Person fit und gut fühlt. Und, Spoiler, wenn die Antwort darauf Ja ist, BRAUCHT MAN EINFACH GAR NICHT MEHR NACHFRAGEN! Fertig.

Aber ich rege mich sinnlos auf. Ich veranschauliche das mal an einem ganz konkreten Beispiel. Ich kann leider nicht aus eigener Erfahrung vom fit dick sein berichten, da müssen sie anderswo nachlesen aber dafür kann ich ein Lied, ach was, einen ganzen Liederzyklus davon singen, wie es ist, unfit schlank zu sein (als ich nämlich krank war) und auch wie es ist, schwere Knochen zu haben wenn man fit, schlank und schwer ist, weil man eine signifikante Menge Muskelgewebe besitzt.

Gestern war ich nämlich bei der Helsestasjon und da ist eine Waage. Wie immer. Und weil ich auch ein Kind von 1985 und im Schlankheitswahneuropa groß geworden bin, weil ich weiß was die Duchess of Cambridge wiegt aber nicht, was sie studiert hat (hat sie studiert? Hat sie da nicht ihren Mann kennengelernt?), stieg ich drauf. Haha, Opfer. Wer darüber steht, so richtig von ganzem Herzen, der werfe die erste Coke Zero. Jedenfalls, ich wiege also 69,8 kg. Bei einer Größe von 169 cm und dem Arsch-BMI-Rechner, der bei mir der erste Google-Treffer ist, kommt da raus…

Aber Moment! Bis BMI 25 ist doch Normal und 69,8 kg ist eindeutig unter 70 kg! Tja, man kann sein Gewicht da nur in ganzen Zahlen angeben und offenbar hat das Ding eiskalt den BMI aufgerundet um mich dick zu nennen mir ein schlechtes Gewichts-Gewissen zu machen.

Und dann war ich sauer. Ich gab die Größe ein, die in meinem Personalausweis steht.

It’s magic.

Ich gab das Gewicht an, wenn ich 500g für Klamotten abziehe (dann natürlich abgerundet, it’s magic!!!).

Und aus Witz gab ich auch mal das Gewicht ein, das ich hatte, als meine Schilddrüse eskalierte und ich bei ca. 2500 kcal Zufuhr am Tag (grob geschätzt, aber mindestens eine extra Mahlzeit am Tag und viel zwischendurch) immer weiter abnahm.

Da guckten aus mir überall Knochen raus und wenn ich auf dem Boden saß, kam ich nicht aus der Kraft meiner Beine hoch, sondern musste mich abstützen oder hochziehen. Ich fühlte mich wie eine alte Oma. (Sorry, Omi.) Einmal fing ich auf dem Rückweg vom Tanzen an zu weinen, weil ich einfach nicht gekonnt hatte, was die Trainerin vormachte, ich konnte nicht springen und keinerlei Bodenarbeit machen, weil ich da lag wie ein Krebs auf dem Rücken. War ne super Zeit. Nicht.

Insofern…

Fuck this shit. Ich bin sehr glücklich mit meinem Körper. Ich habe eine Berufsunfähigkeitsversicherung (und mein damaliger BMI wurde damals genehmigt), ich will keine private Krankenversicherung und wenn mich noch mal ein Arzt fragt, was ich wiege oder wie groß ich bin, fordere ich ihn zum Armdrücken heraus oder lade ihn zu 20 Minuten HIIT ein und dann kann er hinterher gern beurteilen, ob ich wohl gesund bin oder nicht. Aber nicht anhand willkürlich festgelegter Formeln und Grenzwerte.

(Ha. Und das habe ich nun alles zu schreiben geschafft ohne dass ich ein Bild von mir gezeigt habe. Sie dürfen sich jetzt gerne alle fragen, ob ich wohl dick bin, Sie dürfen aber auch gerne kurz hinterfragen, warum sie das denn tun.)

Tag 1622 – Approved!

Heute war Homeoffice-unterbrochen-von-Kinder-TÜV-Tag. Erst mit Pippi zur Helsestasjon, dann mit Michel zum Entwicklungsgespräch in der Schule.

Pippi ist eine kleine Rübennase und hat viel Quatsch gemacht, zum Beispiel „schreibt“ sie ihren Namen in erfundenen Buchstaben und sagte aus Jux und Dollerei grundsätzlich die falschen Farben. Sie hört super und sieht vielleicht nicht ganz so gut, das testen wir dann in ein paar Wochen nochmal, weil es ja auch gut sein könnte, dass sie einfach aus Jux und Dollerei irgendwann anfing, Häuser, Vierecke, Kreise und Äpfel eher random zu benennen. Und ich vorher noch so „Pippi ist sehr schlau.“ (Wozu Pippi übrigens reinkrähte „Ja, ich bin ein Geni!“ und ich leider vor Lachen fast vom Stuhl fiel.) Zählen, Reden, Motorik ist alles prima, sie wiegt exakt durchschnittlich viel und ist exakt durchschnittlich groß für ihr Alter und zum Abschied gab sie der Helsesøster eine dicke Umarmung, das war schon sehr niedlich. Jedenfalls hab ich da eine kleine schlaue Quatschnase, eventuell halt bald mit Brille. Mal, haha, sehen.

Zum Abschied im Kindergarten sagte ich dann „Ha det, lille venn.“, wie immer, und sie sagte „Ha det, lille Mamma-Rübennase!“ und ja, ich hab die schrecklich doll lieb.

Intermezzo

Dann ging ich zum Optiker und jetzt kriege ich bald eine neue Brille, die hoffentlich dagegen hilft, dass ich nachts offenbar weniger kurzsichtig bin als tagsüber, was mit der Pupillenweite zusammenhängt, wenn ich das richtig verstanden habe. In your Face, Oma, die immer gesagt hat, vom Lesen im Dunkeln bekäme man schlechte Augen! Jedenfalls gebe ich jetzt viel Geld aus und kriege dann eine Brille mit supertollen Gläsern die „das berücksichtigen“, ich will nicht wissen, wie geschliffenes Glas das tun soll, ist mir egal, lalala, ich will einfach nur im Winter Auto fahren ohne mich wie ein Verkehrsrisiko zu fühlen.

Intermezzo Ende

Etwas Arbeit

Korrektur: Herr Rabe war ab hier dabei, das heißt, er wollte eigentlich den Schultermin allein machen und ich war dann nur mit wegen der Brillensache.

Entwicklungsgespräch in der Schule und Michel wollte unbedingt mit. Und ich muss echt sagen: ich liebe Michels Klassenlehrerin. Hach! Michel war während des ganzen Gesprächs (und vorher) total aufgekratzt und, wie man so schön sagt, „all over the place“. Hampelte rum, fummelte rum, grinste unpassend rum und antwortete erstmal auf alles mit „weiß nicht, hihi!“. Puh ey. (Und ich noch beim letzten Gespräch „Michel ist so klug!“) Aber ein klarer Satz von der Lehrerin, gar nicht scharf oder unfreundlich, sondern ganz ruhig und Zack – Hampeln um 50% reduziert und Michel antwortet vernünftig. Halleloo. Die Lehrerin hat auch total viel Verständnis für all die Dinge, die in einer Gruppe von 23 Siebenjährigen eben total normal sind. Ich möchte bitte, dass Pippi auch so eine Lehrerin bekommt. Jedenfalls ist Michel in der Schule in allem gut, erzählt viel und will alles immer ganz genau wissen, er will immer noch Erfinder werden und wenn er jemanden auf der „Freundschaftsbank“ sitzen sieht, fragt er, ob derjenige (ich fürchte auf Mädchen erstreckt es sich nicht, die findet er im Moment ganz doof) mitspielen will. Das ist nämlich eine Bank, da kann man sich hinsetzen, wenn man niemanden zum Spielen hat, aber sich jemanden wünscht. Hach! Mein großer, toller Sohn mit seinem großen Herz. Auch den habe ich ganz furchtbar doll lieb.