Tag 1414 – Inspektørinnendasein…

Die letzte Inspektion vor meinem Urlaub ist zu Ende. Nun muss ich nur noch den Report bis Freitag Nachmittag schreiben und mit meiner Kollegin durchgehen (hier schallendes Lachen einfügen). Zum ersten Mal war ich richtige Inspektørin, hui, das war ein bisschen aufregend. Aber es hat bis zum Schluss, als ich meine Kollegin fragen musste, ob und wenn ja, wie, die erste Seite auch gestempelt werden muss, keiner gemerkt, Hurra! Ich mag den Job immer noch sehr. Er fühlt sich auch immer noch an wie ein Lottogewinn, nach dem letzten Jahr sowas cooles ist schon irgendwie verrückt. Kontrastreich jedenfalls.

Michel hatte heute „Fußball-Schule“, so eine Art Fußballorientierte Ferienspiele, organisiert vom Sport-Hort. Für die Kinder, die eh in den Sport-Hort gehen, kostet das nichts extra, aber es sind halt noch andere Kinder da und ich glaube unter anderem deshalb wollte Michel heute morgen seinen Nagellack schnell noch entfernt bekommen. Und nee: wenn das Kind rumdruckst, dass es den abhaben will und irgendwann mit der Sprache rausrückt, dass das beim Sport-Hort keiner sehen soll, zwinge ich ihn nicht, die brennende Patriarchatsflagge schwenkend mit lila Nagellack da hin zu gehen. Ich find schon cool genug, dass er das gegenüber seinen Freunden durchgezogen hat.

Pippi ist nun zur Eingewöhnung vor den Ferien in der „Bärenhöhle“ im Kindergarten, also bei den großen Kindern. Hier platzt also bald ein kleines Mädchen vor Stolz. Es ist sehr niedlich. Die „du bist doch schon groß! Die Bärenhöhle!“-Euphorie nutzen wir, um körperkontaktloses Einschlafen einzuführen. Vorlesen können wir ja im Bett, aber dann setzen wir uns davor und singen/summen. Pippi macht das ganz gut mit, Michel… nicht so. Aber der ist ja eh sehr Kuschel-bedürftig, das überrascht mich nicht, dass er von der Idee, alleine einzuschlafen, nicht so begeistert ist. Konsequenter Weise ist er die letzten zwei Abende in Pippis Bett eingeschlafen. Soll mir recht sein, wenn sie sich gegenseitig anschnarchen wollen, bitte.

Tag 1413 – Se Schtraggel.

Se schtraggel is riel.

Oslo. Vom Zug aus.

Downtown Eidsvoll.

Da wo ich wohne.

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Ansonsten heute 40 Minuten an einer Bushaltestelle gewartet, in der Zeit hätten eigentlich drei Busse kommen sollen, die kamen dann direkt nacheinander. Während der Zeit auch von einem Taxifahrer angeranzt worden, weil ich nicht wusste, wo ich bin, außer halt an dieser Bushaltestelle. Das GPS hatte ihn an eine Adresse geschickt, die nicht diese Bushaltestelle war, sondern woanders, vermutlich grob in der Nähe, aber woher soll ich das wissen, ich kenne mich da nicht aus sonst würde ich wohl kaum ein Taxi rufen und ins Anmerkungs-Feld schreiben „An der Bushaltestelle Blumenweg* stadtauswärts“. Irgendwie war das meine Schuld, dass ich weder genauer angeben konnte, wo ich war, noch wusste, wo im Verhältnis zu meinem Standort nun die Adresse war, an der er sich befand. Am Ende heulte ich fast, weil ich wirklich nicht mehr weiter wusste, wie ich ihm noch erklären sollte, dass ich verdammt noch mal nicht wusste, wo ich bin, an der Bushaltestelle halt, eine große Straße, in die einen Richtung ein Schild mit „Ring 3“ in die andere eins mit „Stadtteil Bahnhof“. Da sagte er zu mir, ich müsse wohl ein anderes Taxi rufen und legte auf. Wutentbrannt versuchte ich die Zentrale zu erreichen, aber da war laut Bandansage „viel Verkehr“ und niemand nahm ab. Nur dem dann doch auftauchenden Bus (dem 1. von 3en, die dann Prozessionsspinnermäßig hintereinander herfuhren) ist zu verdanken, dass ich aufgelegt habe, bevor ich jemanden ordentlich rund machen konnte.

So ein Tag war halt heute.

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*Name von der Redaktion geändert

Tag 1412 – Husch, husch ins Bettchen.

Huff, mit Glück werden es noch sechs Stunden Schlaf, das ist ja leider bei mir das Minimum, bei dem ich noch funktioniere.

Warum so spät? Nun, ich machte einen laaaaangen Spaziergang, bei dem ich nicht weit kam, weil ich dauernd unterwegs irgendwas einsammeln und bekämpfen musste. Seit gestern spiele ich Harry Potter Wizards Unite und seit heute weiß ich, dass wir dafür strategisch ungünstig wohnen, denn die nächsten Inns, bei denen man seine Spell Energy aufladen kann, sind im Ort, knapp 2 km zu laufen, 2 km sind aber auch die Strecke, auf der man die ganze Spell Energy verbraten kann, wenn man will, das ist also nur so mittel cool. Alternativ kann man sich natürlich Spielgeld kaufen, mit dem man dann die Spell Energy auffüllen kann, aber In-App-Käufe mache ich aus Prinzip nicht. Dann sollen sie die App an sich was kosten lassen, da wäre ich sofort dabei, aber konstant gemolken werden, nee Danke. Insofern: mal schauen wie der Elan sich da so entwickelt. Mich stört auch, dass man die selben Dinge immer und immer wieder befreit, die sind nicht so schlau da, die Beamten im Ministry of Magic, scheint mir, wenn man die fünf mal in 20 Minuten befreien muss. Im Zusammenhang mit dem Plot (Dinge, Menschen, Tiere sind von dunklen Mächten gestohlen worden und man muss sie befreien, damit sie zurück zu ihrem Bestimmungsort können und nicht von Muggeln gefunden werden) ist das auch alles nicht logisch, damit kann ich schlecht umgehen.

Jedenfalls musste ich nach dem Spaziergang ja noch das normale Pensum machen, bügeln, die aufgeschobene Arbeit erledigen, kochen, mit Michel kuscheln und ihm die Fingernägel lackieren. Das wollte er haben, weil er seinem Freund beweisen will, dass das nämlich überhaupt gar nicht ne Mädchensache ist. Weil es keine Mädchensachen gibt. Sagt er. Und ich hoffe, der Plan geht auf, aber ich fürchte übles. Dass im Kindergarten mal ein Kind zu ihm gesagt hat, dass er ein Mädchen ist, wenn er Nagellack hat, hat ihn ziemlich mitgenommen, das erzählte er heute wieder mit Wuttränen in den Augen, dabei ist das gut zwei Jahre her. Jedenfalls sagte Michel, dass er das morgen allen zeigen wird und wenn wer zu ihm Mädchen sagt, dann…! (Wir haben gesagt, er soll das dann einfach ignorieren, er weiß es ja eh besser.) Aber dass seine Lieblingsfarbe pink ist, das verrät er lieber doch keinem. (Pink wie Essie Watermelon und das T-Shirt des Babysitters am Donnerstag. Nicht meine Lieblingsfarbe, aber schön knallig und einfach eine schöne Farbe.)

Ach, der kleine große Zwerg.

Tag 1411 – Wie lief es denn nun?

Die Kinder haben gestern beim Babysitter übernachtet. Das hatte die Mama des Babysitters angeboten, dass die Kinder gern auch mal bei ihnen schlafen könnten, in den Ferien zum Beispiel. Dann kamen wir mit dem gestrigen Tag um die Ecke, aber die Mama des Babysitters musste bis spät abends arbeiten und hätte dementsprechend nicht als Taxi zur Verfügung gestanden, also wurde aus „Babysitter bringt Kinder ins Bett“ „Kinder bleiben gleich ganz da“. Uiiii, wie aufregend!

Das war es wirklich und unter Herrn Rabes missbilligendem Blick schrieb ich vom Restaurant aus, in dem wir zu Abend aßen, eine SMS, wie es denn so liefe, weil wir bis dahin gar nichts gehört hatten. Gut, schrieb der Babysitter, er habe Pippi grad hingelegt. (Hingelegt??? Meine Kinder legt man nicht hin, die bleiben dann ja da niemals, die brauchen ja Körperkontakt und all das beim Einschlafen.) Sie schliefe jetzt. (Öhhhh. Ok.) Er und Michel spielten Super Mario. (Hurra, jemand anders bringt Michel das bei, ich hab doch keine Geduld dafür und eindeutig zu gute Gameboy-Skills, das frustriert alle Seiten nur.)

Ein wenig später dann „Ich habe jetzt auch Michel ins Bett gelegt und sie schlafen beide!“

Well, Hurra, I guess. Die Kinder sind da recht gut eingeschlafen, haben fast durchgeschlafen und mussten heute morgen geweckt werden. Alle Beteiligten sind einig, dass sie das nochmal machen können. Ich hab die Kinder ein bisschen vermisst und war nachts mehrmals wach, weil irgendwas komisch war (keine Kinder da halt!) aber es war auch einfach unfassbar toll, eine Nacht lang nur wir zu sein, ein bisschen wie früher, nur älter. Seit wir Kinder haben, haben wir genau zwei Nächte zu zweit gehabt: im August 2013, da haben Freunde von uns in Wien geheiratet und Michel war bei seiner Oma. Michel war ein unkompliziertes Baby, mit Pippi wäre das nie im Leben gegangen (die wurde in dem Alter ja noch fast voll gestillt). August 2013 ist fast sechs Jahre her. Das ist echt was, worum ich andere Paare oft beneide: Paarzeit. Über Nacht. Weil es nun mal was anderes ist, ob man ins Kino geht oder essen und dann kommt man wieder und nach ner Stunde im Bett kommen diverse Kinder angetapst und stapeln sich im Ehebett wie immer, oder ob man nach Hause kommt und da ist niemand, man ist nur Paar und niemand kommentiert den Geburtstags-Anzug am Morgen mit „Oh nein! Pulli abbefallt!“. (Generell denke ich ja oft, ein Stundenhotel für Eltern wär was, Auszeit light sozusagen, ein Ort zum Sie wissen schon und dann noch drei Stunden schlafen und wieder nach Hause. Ich sollte mir die Idee schützen lassen, bevor es wer anders umsetzt.) Aber die mangelnde Paarzeit ist hier halt ein Fakt, geschaffen durch Umzüge und noch zu kleine Pippi, die erst noch ins Übernachtungsbesuch-Alter kommen muss.

Bis dahin: Babysitterfamilie. Was für liebe Menschen, generell, auch ohne Geschäftsbeziehung. Ich bin so dankbar für das Angebot und so froh, dass alles geklappt hat und alle eine gute Zeit hatten. Da nehme ich auch gerne in Kauf, dass die Kinder heute so ein gaaaaanz wenig anhänglich waren. Sehr gerne – vermisst hab ich sie ja auch.

Tag 1410 – Rührselige Liebesbekundungen…

… waren noch nie so unser Ding. Aber wer weiß, vielleicht kommt ja auch das noch. Ich meine, wenn mir wer vor 10 Jahren gesagt hätte, dass wir heute in einem (let’s face it) arschteuren Luxus-Spa etwas südlich von Oslo im Jacuzi knutschen würden, oder dass ich unserem Babysitter vom Abendessen unentspannte „Na, wie läuft’s?“-Helikopternachrichten schicken würde, das hätte ich ja auch nicht geglaubt. Wer weiß, was die Zeit noch bringt. Ich bin jedenfalls gespannt drauf. Nach den letzten 10 Jahren und allem, was wir darin gemacht haben, bin ich jedenfalls sicher: wir meistern das, egal was kommt.

Niemand sieht mit einem Haufen Schaum wie eine weiße Raupe eingepackt so lustig aus, wie du. Ich lieb dich. Murch!

Ok, den Teil mit dem Bier hätte ich auch vor 10 Jahren geglaubt. Verlangt hätte ich den! Jawohl.

Tag 1409 – Versöhnlich.

Heute ging schief, was schief gehen konnte, von morgens bis abends, Sachen vergessen, falsche Sachen mitgenommen, Rechner will nicht, dann will Datenbank nicht, alles irgendwie Mist im Homeoffice, aber den Großteil meiner Aufgaben kriege ich doch irgendwie fertig, Rest muss ich am Wochenende machen.

Abends fahren wir zum Vikinger-Babysitter, denn die Kinder übernachten da morgen, es ist sehr aufregend für alle. Der Vikinger-Babysitter hatte letztens Geburtstag, ich versuche also erst online einen Gutschein bei einem Laden zu kriegen, der Sachen anbietet, die Teenie-Jungs cool finden, gebe aber nach dem dritten auf. Ich versuche Geld zu holen, bin schon wieder zu Hause, da fällt mir auf, dass ich kein Geld habe, hab das wohl im Automaten stecken lassen. Fahre zurück, treffe den Geldautomatentechniker, der mir erklärt, der Automat sei leer, es käme gar kein Geld raus, er fülle den nun auf, ich solle in einer halben Stunde wieder kommen. Also wieder nach Hause, zu spät zu spät, die Kinder nölig und aufgeregt, ich finde noch zwei 50-Kronen-Scheine und schaue anschließend ein Video, in dem jemand ENERVIEREND LANGSAM Geldscheine zu kleinen Hemden faltet. Wir packen den Kram für die Kinder und fahren dann los, 25 Minuten zu spät, nochmal zum Geldautomaten, 100 Kronen erscheinen mir etwas lächerlich für einen Teenie, treffe den Geldautomaten-Techniker, der mir erklärt, der Automat sei gar nicht leer gewesen sondern kaputt, aber jetzt ginge er wieder, er hätte den nämlich repariert. Im Auto also noch mal Geld falten und 30 Minuten zu spät beim Babysitter aufschlagen. Die Kinder sind jetzt jedenfalls auf Übernachten eingestellt, Pippi ist indifferent, Michel freut sich. Das hat eine Woche gedauert von Totalverweigerung mit Tränen bis zu Vorfreude. Uff. (Was hat den Dreh ausgemacht? Naja, erklären von uns aus natürlich. Augenhöhe! Außerdem haben die ein Trampolin und Minecraft und es gibt Pølse zum Abendessen.)

Als Herr Rabe die Kinder ins Bett brachte, räumte ich die Rucksäcke aus. Heute war nämlich letzter Schultag und auch Pippi macht morgen Ausflug (zum Flughafen. Fragen Sie nicht.) und hat nächste Woche Umgewöhnung in die neue KiTa-Gruppe, die Schränke leeren wir also jetzt schon nach und nach. Da fand ich Michels Schreibbuch im Rucksack und herrje, das ist so niedlich, ich musste ein bisschen vor Rührung weinen.

Ja, mein Kind malt wie ein Vierjähriger, aber das ängstliche Männchen, ich geh tot! (Aufgabe war: Gefühle malen. Froh, Traurig, Ängstlich, Wütend.)

Das ist Ostern. Das sind die zwei Bäumchen, die wir Ostern gepflanzt haben! Auf der da noch ganz braunen Wüste! *heuli*

Und hier: Jahresabschluss. Er sagt seiner Lehrerin Tschüss. Und er trägt den blauen Raketenrucksack vom Midimonsieur, an den er ein kleines Werbe-Bärchen gehängt hat, das jetzt immer mit muss. *heulipopeuli*

Dass man über sowas mal flennt denkt man ja auch nicht als junge Frau ohne Kinder.

Tag 1408 – Auch wieder nur Piep.

Heutiger Grund: bei den Kindern eingeschlafen. Da zwei Stunden komatös gepennt bis Herr Rabe nach Hause kam. Ist wohl nötig grad (Zyklus und so).

Heute auch 10. Hochzeitstag, Prööt, alles Liebe, Dings. Wir feiern am Freitag und überschwängliche Liebeserklärungen folgen dann mit frisch gepeeltem Körper und nach einem teuren Glas von irgendwas. Ich lieb dich :*

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Möchte nicht so müde sein. Morgen mache ich (g)hjemmekontor, vielleicht hilft das ein wenig. (Kontor = Büro; hjemme = zu Hause; gjemme = verstecken [das g und das h sind beide stumm, es hört sich also komplett gleich an.])