Tag 2703 – Lazarett.

Michel hat Herrn Rabe angesteckt, der macht nun auch das Brikett und hat den Tag in weiten Teilen verschlafen. Michel wachte mit erhöhter Temperatur und Kopfschmerzen auf und war dementsprechend auch nicht in der Schule. Kotzi, äh, Pippi, hat seit 4 Uhr morgens gestern früh nicht mehr gekotzt und später auch gegessen und so, aber es gilt die 48-Stunden-Regel, also war sie heute auch zu Hause. Und ich hatte Homeoffice. Es war ganz toll, nur zu empfehlen, vor allem, als dann auch noch das Internet ausfiel und diverse Unterhaltungselektronik nicht unterhalten wollte. Jetzt liege ich wieder in Michels Bett und die Herren können sich gegenseitig anhusten, auch schon egal.

Abends war ich mit Pippi bei der Weihnachtsfeier der zweiten Klassen, nachdem ich extra gefragt hatte, ob das ok sei wegen eben 48-Stunden-Regel. Die Lehrerin schrieb, sie fände das in Ordnung, wenn wir kämen. Und Pippi ging die Wände hoch. Also schickte ich Pippi duschen und setzte mich, weil ich Pippi sehr lieb habe, in eine Turnhalle voller Menschen und schreiender Kinder, die auf Zucker durch die Gegend sprangen wie Flipperkugeln. Geredet habe ich maximal 3 Sätze, jedenfalls mit anderen Erwachsenen, es war nicht der kommunikativste aller Tage. Pippi war aber sehr froh, dass wir hingegangen sind und sie alle ihre Freundinnen sehen konnte. Die Kinder haben auch sehr schön gesungen, muss man sagen. Die sind ja schon süß alle mit ihren Zahnlücken.

Highlight: ein ca. 15 Monate altes Kind, das freudestrahlend auf mich zuwackelte, als ich auf dem Boden in einer Ecke saß, während die größeren Kinder um den Baum tanzten. Wir hatten eine angeregte Unterhaltung über Pippis Süßkramtüte und das Verteilen von Zuckerzeug an sehr kleine Kinder ohne Einverständnis der Eltern, bevor eine gestresste Mutter sich vielmals entschuldigend ihr abhanden gekommenes Kind wieder einsammelte. Fremde, gut gelaunte Kinder in dem Alter mag ich echt gern, die sind noch so neugierig und leicht zu begeistern. War also gar nichts zu entschuldigen, das war eine angenehme Abwechslung und Ablenkung in einer hoffnungslos überreizenden Umgebung.

Morgen dann Weihnachtskonzert mit dem Schulkorps. Da werde ich wohl auch mit Pippi allein hin gehen. Seufz.

Tag 2702 – Müde.

Todmüde zum Fachtag gefahren. Pippi hat nämlich nachts gebrochen, immerhin nichtig unser Bett (Meilenstein!!!) und dann hat niemand vernünftig geschlafen. Herr Rabe vielleicht, der hat zumindest geschnauft. Ich weiß übrigens schon lange vorher, dass Pippi bald brechen wird, keine Ahnung woher.

Der Fachtag war exakt wie befürchtet schlimm. Nicht durchgängig, aber besonders zu Anfang, wo eine externe Vortragende eingeladen war um mit uns über „Arbeitsfreude in stressigen Zeiten“ zu sprechen. Es war dann aber viel, hmm, wie beschreibe ich es? Nicht sonderlich relevant für uns. Weil wir als Gruppe in einer großen, schlecht geführten Organisation, halt nur zu einem gewissen Grad in der Hand haben, welche Ressourcen wir haben und wie wir sie nutzen. Es lief dann darauf hinaus, dass wir bitte uns fixen sollen, aber ohne, dass wir dafür einen Rahmen oder Unterstützung von oben bekommen. Bitte macht mehr und ohne zu meckern, wir tun dafür exakt gar nichts und wenn es aussieht, als hättet ihr den Kopf gerade so über Wasser, kommen wir direkt mit der nächsten Sache an. Teile des Vortrages möchte ich der Direktion ans Herz legen, aber die sind ja damit beschäftigt, alles an uns runter zu delegieren.

Und das wo ich daran arbeite, mich als Einzelperson nicht mehr fixen zu wollen, nur damit ich weiter für Arbeitgeber und co. funktioniere und insgesamt nicht unangenehm auffalle. Da kommt das selbe in Grün auf Gruppenebene um die Ecke.

Abends waren wir dann noch Essen, das war nett, aber ich bin jetzt gerädert und möchte nicht mit Menschen reden, wenn sich das vermeiden lässt.

(Auftritt IT-Projekt, wo ich heute [bin im Kalender als abwesend markiert] angerufen wurde, weil drei meiner Kolleginnen ein Meeting morgen abgelehnt haben. Ob ich einen anderen Terminvorschlag machen könnte und den Kolleginnen sagen könnte, sie sollen das bitte priorisieren. Als würden die Meetings einfach aus Jux und Dollerei oder um das IT-Projekt maximal zu ärgern, ablehnen. Orrrrrrr ey.)

Tag 2701 – Homeoffice.

Selbst gewähltes Homeoffice finde ich ja nach wie vor ganz gut. Auch wenn ich manchmal im Büro tatsächlich produktiver bin – aber nur, wenn ich dann nicht den ganzen Tag in Meetings rumhänge. Wenn man da so im Großraumbüro hockt, ist prokrastinieren halt schwieriger. Heute war aber auch so ein guter Homeofficetag, und was im Büro halt nicht geht, ist im Onesie rumhängen. Hier geht das, deshalb ein Hoch auf Homeoffice.

Michel geht es langsam besser, aber die Nacht war wohl wieder furchtbar, berichtete Herr Rabe. Ich habe geschlafen wie ein Stein, aber unsere Matratze, mit der ich übrigens nach wie vor überaus zufrieden bin, ist schon wesentlich bequemer. Jetzt grade höre ich aber auch kein Husten, vielleicht dürfen wir ja einfach zu zweit im Erwachsenenbett schlafen.

Morgen habe ich fachlich-soziales Tralala, den ganzen Tag, das wird… naja. Das wird schon, würd ich sagen, optimistische Frohnatur die ich bin. Immerhin sind es nur die Inspekteur*Innen und die Narkotika-Gang, also nicht so viele Leute auf einem Haufen und die meisten mag ich ja auch echt gern. Dann wird das schon. Bestimmt.

(Die Agenda verrät, dass wir „reflektieren“ sollen, ich kann mir wenig ätzenderes vorstellen, als in einer größeren Runde über das vergangene Jahr zu reflektieren. Aber das wird schon, das wird schon, das wird schon, tralalalala. Im Zweifel irgendeine Musik im Kopf auf Dauerschleife abspielen, funktioniert gut zum Bullshit und Menschen generell ausblenden.)

Tag 2700 – Hust, hust.

Hier wird heute mal nichts eingehustet. Michel hat entweder direkt die nächste fette Erkältung oder einen Rückfall, jedenfalls hat weder er noch ich nennenswert viel geschlafen, weil er wühlte, schniefte und hustete. Die ganze Nacht. Wie Herr Rabe dabei schlafen kann, ist mir ein Rätsel. Zwischendurch war ich nicht nur gefühlt sondern tatsächlich zwei Stunden so richtig wach, unter anderem weil das arme Kind verzweifelt versuchte, Schleim abzuhusten, der aber so fest saß, dass er Angst bekam, kotzen zu müssen. Das gab dann viele Tränen. Danach lag das Kind nicht mehr nur am Fußende, sondern direkt neben mir und drückte seinen brikettwarmen Körper an mich, während er weiter bei jedem zweiten Atemzug hustete. Entsprechend gerädert war zumindest ich heute morgen. Was nicht heißt, dass ich dankbar für den gewonnenen Homeofficetag war, allerdings in erster Linie, weil das eine unvorhergesehene Planänderung war und mit sowas komme ich nicht so gut klar. Flexibel wie ein Brückenpfeiler bin ich. Aber Herr Rabe hat ja recht: meistens bleibt er zu Hause, ich bin ja dauernd eh schon nicht da. Das klingt jetzt als hätte ich ihn nicht heute morgen deshalb angeschrien. Wie gesagt, flexibel wie ein Brückenpfeiler. Sowas ist für mich purer Stress.

Irgendwann hatte ich mich damit aber abgefunden, dann ging es auch, ich hab sogar sinnvoll gearbeitet und zwischendurch das Kind mit Kopfschmerztabletten, Tee und Nudeln versorgt. Michel hing ziemlich durch und… da kommt er gerade hustend angetappst, ich ziehe dann also mal in sein Bett um, damit ich heute Nacht besser schlafen und hoffentlich morgen noch geradeaus laufen kann.

Tag 2699 – Nicht viel zu erzählen.

Heute waren Pippi und ihr Übernachtungsbesuch um sechs Uhr wach. Ich war das nicht, also nicht wirklich, allerdings lag Michel bei uns schniefend im Bett und bevor ich um sechs Uhr morgens alle, inklusive Besuchskind, anschreie, habe ich mich in Michels Bett verkrochen, mit Ohrenstöpseln die Kinder ausgeblendet und noch eine ganze Weile weiter geschlafen. Danach der übliche Sonntagskram, Schweinchen sauber machen, Blumen gießen und so weiter. Dann rief ich meine Mutter an, während Herr Rabe mit Michel ein Lebkuchenhaus bastelte und Pippi inzwischen von allen Nachbarsmädchen gleichzeitig Besuch hatte. Als die weg waren, bastelte Herr Rabe ein weiteres Lebkuchenhaus mit Pippi.

Nachdem ich Pippi (die innerhalb von 30 Sekunden laut schnarchend schlief) ins Bett gebracht hatte, pröddelte ich noch ein bisschen in der Küche herum, brachte Müll raus und so, spielte eine knappe halbe Stunde Geige und ging dann baden.

Sonst war nix.

Tag 2698 – Ohrwurm.

Herr Rabe ist schuld. Ich bin ja anfällig für Ohrwürmer, gestern war es Ungarischer Tanz Nr. 5 von Brahms (das war auch Herr Rabes Schuld), heute den Tag über die Fuge aus Bachs 2. Violinsonate (selbst schuld und außerdem festgestellt, dass die noch außerhalb der Reichweite meines Könnens ist, ich kam so 5 Takte weit und brach mir dann Gehirn und Finger an den Akkorden) und jetzt ist es… Afrika von Toto. Schlimm. Könnte ich vielleicht den ungarischen Tanz noch mal sehen?

Ansonsten heute produktiv herumgepröddelt. Wir haben jetzt sowas wie einen Adventskranz, der Wohnzimmertisch und die Bank sind wieder freigeräumt, ich hab sogar einen weihnachtlichen Dekogegenstand gebastelt und ein bisschen Staub gewischt habe ich auch. Leider müssen wir wohl doch noch mal eine andere Putzhilfe suchen, die, die wir seit dem Sommer haben, ist echt nicht gut und dafür dann echt zu teuer. Wir haben die ja, damit wir nicht selbst „das Gründliche“ machen müssen, mal mit runden Ecken durchsaugen oder durchs Waschbecken wischen (ohne Putzmittel) können wir selbst und machen wir ja auch zwischendurch. Übrigens ist es fürs Gewissen echt gut, dass die Putzhilfe männlich ist und ein Unternehmen hat, wenigstens sind wir nicht mit der Leistung einer unterprivilegierten Person, die wir ausbeuten, unzufrieden, sondern mit einem (soweit wir wissen) legal operierenden Dienstleister und Geschäftspartner.

Whatever. Döö dö dö, dö dö dö dööööö Ti di di, di di di, di di, di di di, di di di, di di…

Tag 2697 – Besser?

Heute halbwegs produktiv ein paar Dinge getan. Ging endlich wieder. Haushaltsbuch-App ist jetzt von meiner Seite up to date, in meinem Kleiderschrank ist nicht mehr Sommer, diverse Rechnungen sind bezahlt, es ist halbwegs aufgeräumt, Wäsche ist gewaschen und verräumt, Krankmeldung ist eingereicht. Außerdem war ich mit Michel bei einem Termin, wo Michel sehr er selbst war. Sogar was vernünftiges zu Mittag gegessen habe ich. Michel auch, der hat sich Sushi gekauft, mir dann erklärt, dass Nigiri sein liebstes Sushi sei und mir danach Löcher in den Bauch gefragt, wie man Sojasauce macht, was ich theoretisch wissen müsste, praktisch habe ich aber nur eine vage Ahnung. Michel ist ja ein Kind, das sich keinen Quark erzählen lässt, aber gleichzeitig ist er auch ein Kind, das ein „das weiß ich nicht so genau, das muss ich selbst nachgucken“ ganz gut akzeptieren kann. Und inzwischen guckt er dann halt selbst nach. Erwarte also in den nächsten Tagen einen umfassenden Vortrag über Sojasauce.

Jetzt bin ich abgeschweift. Eigentlich wollte ich sagen, dass ich mich ein bisschen besser fühle. Nicht superduper alles spitze gleich wieder 70 Stunden arbeiten, aber ich kann wieder klarer denken und kriege keine Stresssymptome mehr davon, an meine berufliche, kilometerlange To-Do-Liste und all die überschrittenen Fristen zu all den Punkten darauf zu denken. Heute Abend gab es ein alkoholfreies Weihnachtsbier (das mag ich sehr gern, das ist wie Malzbier nur viel weniger süß und schwer) und deshalb hoffentlich morgen auch kein böses Erwachen. Noch zwei Wochen und zwei Tage Arbeit, dann ist Weihnachtsurlaub für mich. Vielleicht kürze ich das auch noch auf zwei Wochen zusammen. Mal sehen.

Jetzt mache ich mal das Licht aus. Herr Rabe schläft schon und grad hat er im Schlaf (!) „Hey, Siri!“ gesagt, wahrscheinlich wollte er das Licht (meine Nachttischlampe) ausmachen. Oder Sojasauce googeln.

Tag 2696 – Das erzähle ich später mal.

Wir hatten Elterngespräch für und mit Michel und naja, also das war erhellend, auf eine Art. Herr Rabe hat dann heute Abend auch endlich die vier Fragebögen ausgefüllt, die wir morgen abgeben sollen. Ich habe ihn nicht fluchen hören, also wird er sich wohl nicht so sehr über einzelne Fragen aufgeregt haben, wie ich gestern („Hat das Kind mindestens einen oder zwei gute Freunde?“ – was denn nun, mindestens einen oder mindestens zwei???). Aber all das werde ich vielleicht irgendwann mal erzählen, wenn wir „fertig“ mit dem Kram sind. Also vielleicht Weihnachten oder nächstes Jahr, wer weiß. Außerdem muss ich Michel erst fragen, ob er das im Zweifel überhaupt ok fände.

Ansonsten war nicht viel. Ich habe mir die Haare schneiden lassen, sie sind jetzt wieder kurz. Hier im Ort hat eine neue Friseurin aufgemacht, die sogar etwas billiger ist als die 15-Minuten-Kette, aber ich wollte um jeden Preis vermeiden, mehr als „an den Seiten und im Nacken runter auf 9 mm und oben halt irgendwie wieder ne Form“ reden zu müssen. Da war selbst Termin abmachen schon eine zu große Hürde. Und für „richtige“ Salons bin ich zu geizig geworden. Das heute hat 10 Minuten gedauert. Es ist ein unkomplizierter Herrenschnitt. Da gebe ich keine 70€ für aus. Punkt.

Tag 2695 – Im Bett.

1. Tag frei, ich habe so in den Tag gelebt und das war ganz schön so. Ganz abschalten konnte ich nicht, im IT-Projekt musste ich zumindest verhindern, dass meiner armen Kollegin die Schuld für das nicht erfolgte Testen (aufgrund mangelnder Testdaten) in die Schuhe geschoben wird. Es ist alles so ein Rotz, ey.

Apropos Rotz: die Familie hat mich angesteckt. Habe Halsschmerzen und fühle mich seit dem Abend auch, als bekäme ich Fieber. Spitze.

Tag 2694 – I made it!

Inspektion überstanden und danach noch meine Kollegin durch das Erstellen einer Beschlussankündigung (Behördendinge) gecoacht. Jetzt kann ich guten Gewissens drei Tage nicht arbeiten.

Das IT-Projekt läuft auch super, wie ich erfuhr. Letzte Woche wurde uns gesagt, wir sollten diese Woche testen, Dienstag bis Donnerstag, total dringend, Bug fixes usw. Von 4 Inspekteur*Innen kann nur eine und auch nur heute und morgen. Heute war das Testsystem aber noch gar nicht fertig und es lagen auch keine Daten darin, auf denen wir hätten testen können. Spitzenmäßige Planung, Hut ab, 10 von 10 Punkten.

Auch das ist mir jetzt aber drei Tage lang egal.

Was sonst noch war: ich war beim Ballett und wenn man da nur alle Jubeljahre hin geht, ist das mörderisch anstrengend. Wenn der Kopf auch so voll ist, reicht die Konzentration auch nicht für ne ganze Stunde und man fällt am Ende fast über seine eigenen Füße. Außerdem habe ich den nur noch leicht verrotzten Michel schon mal darauf vorbereitet, dass wir es morgen mit Schule wenigstens probieren. Es bleibt spannend, weil natürlich im Onesie auf dem Sofa abhängen mehr Spaß macht. Pippi war heute wieder in der Schule, aber die ist ja eh immer sehr happy, wenn sie unter Leute darf. Michel eher nicht so. Die Kinder könnten echt unterschiedlicher nicht sein.