Tag 2259 – Platt aber happy.

Der Ausflug in die Großstadt war schön, sehr schön, ich hab sehr produktiv gearbeitet, fühlte mich sehr professionell und all das, danach wie so ne Supermutti Pippi pünktlich abgeholt, alle Kinder zu Freizeitaktivitäten gefahren und wieder abgeholt und mit Michel Post abgeschickt, und danach noch mit selbstgebackenem (!) Kuchen zum politischen Treffen. Das klingt jetzt wirklich alles sogar in meinen Ohren, als wär ich irgendsoein Übermensch, aber ich liege jetzt im Bett und bin so müde wie seit langem nicht mehr.

Ab und zu so ein Tag ist bestimmt trotzdem gut fürs Selbstwertgefühl. Vielleicht ist es doch ne gute Idee, sich auf 2 Tage Büro die Woche einzustellen und an den Tagen dann zwischen den Meetings all den Kleinscheiß wegzuschaffen, der mit seinen 5 Minuten hier, 15 Minuten da die To-Do-Liste verstopft.

Tag 2258 – Keine Kapazitäten für kreative Titel.

Morgen ist Montag, da müssen alle früh aufstehen, ich besonders, denn ich werde in diesem Büro in der großen Stadt arbeiten. Uiuiui. Fast so wie 2019 jeden Tag. Neu ist, dass ich dann zum Mittagessen woanders hinfahre, denn wir machen Sprint planning in Präsenz im Büro der IT-Firma. Vorher gibt’s Lunch mit dem Entwicklungsteam und das ist schon alles ein bisschen aufregend, immerhin haben wir zwar echt viel Zeit in Meetings miteinander verbracht, aber uns noch nie in 3D gesehen. UIUIUI! Es ist auch der erste Sprint, an dessen Planung ich wirklich aktiv beteiligt sein werde, weil wir jetzt tatsächlich ans Implementieren gehen, Design ist fertig.

Insofern alles sehr spannend. Wie ging denn das nochmal mit den Bahntickets, welches Parkticket kann ich kaufen, ups, der Bus korrespondiert* nicht mehr mit dem Zug, oh je und Ruter hat ne neue App und die ist ja mal, äh, scheiße.

Nun. Jetzt schnell schlafen, sonst wird das morgen auch noch alles das plus müde.

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* ich habe ein dumpfes Gefühl, dass man das auf Deutsch so nicht sagt. Jedenfalls: der Zug fährt jetzt 4 Minuten früher und von einem anderen Gleis, der Bus fährt aber wie immer. Das heißt, dass man mit dem Bus, der früher 4 Minuten vor Abfahrt des Zuges am Bahnhof ankam, jetzt dem Zug noch hinterherwinken und dann 15 Minuten warten darf. Wer sich das ausgedacht hat,will ich mal wissen. Möge die Person ständig 15 Minuten im strömenden Regen auf zugigen Bahnhöfen warten.

Tag 2257 – Echtes Leben.

Ein Abend mit den Nachbarinnen. Das ist immer sehr nett, und wird auch oft sehr spät, jedenfalls für so Mutti-Verhältnisse wie unsere. Wir sind ja eine sehr zusammengewürfelte Gang, die nicht viel gemeinsam hat, außer Häuser in der gleichen Straße zu besitzen/besessen zu haben und Kinder im etwa gleichen Alter zu haben, insofern ist es auch immer eine gute Gelegenheit um die eigene Bubble ein bisschen zu verlassen. Ich mag das sehr, wir sollten das wirklich öfter machen, hoffentlich lässt Corona uns.

Wo das gesagt ist, schiebe ich jetzt die post-Event-Anxiety, zu viel erzählt zu haben, weit weg und mache die Augen zu.

Tag 2254 und 2255 – Lasst uns doch einfach in Frieden.

Gestern war sozial anstrengend für mich, heute war sozial anstrengend für Michel. Für mich auch ein bisschen, aber für ihn war’s schlimmer. Jetzt habe ich noch ein bisschen nachgearbeitet (ganz schön wenig kompatibel mit Erwerbsarbeit zu normalen Zeiten, eine spitzenmäßige Mutti zu sein, die Kindern und Besuchskindern zu 16:30 Uhr Pfannkuchen brät) und ich werde jetzt einfach ins Bett fallen. Gestern bin ich bei Michel im Bett eingeschlafen, wahrscheinlich hätte ich heute sonst auch gar keinen Akku mehr für irgendwas gehabt, geschweige denn Pfannkuchen.

Ich hoffe, bei Michel geht es morgen auch wieder.

Tag 2253 – Vom übern Tisch ziehen.

Für die Grünen in Norwegen (und die homophoben Christen) hat es nicht ganz gereicht, sie haben jetzt (jeweils) drei Sitze im neuen Storting. Hätten sie es über die Hürde geschafft, hätten sie (je) vier Ausgleichsmandate bekommen. Tjanun. Nächstes Mal dann, wenn auch alle gemerkt haben, dass sich manch eine Partei nur für den Wahlkampf schnell noch grün angemalt hat, aber Klimaschutz dann doch nicht sooooo wichtig findet, wenn es anfangen würde, auch nur ein minibisschen weh zu tun. [Wir erinnern uns kurz daran, dass nichts tun und das Klima havarieren lassen teurer werden wird und mehr wehtun wird.] Looking at you, SV, die schon sagt, man werde sich mit der Sp schon einig, was das Klima angeht, Hauptsache sie lassen sie mit regieren. Bin ich gespannt, wie man „mehr Öl!!!“ mit „weniger Öl!!!“ übereinander bekommen will. [Alles bleibt wie‘s ist reicht nicht.]

Well, well. Hilft ja nix, sich aufzuregen. Muss man anpacken.

Weiterhin habe ich mich heute über das Werk aufgeregt, und zwar sehr. Da saufen einige die wirklich billigen Lösemittel, direkt aus der Distille, ohne Qualitätskontrolle. Aber auch da hilft aufregen nichts, in diesem Fall hilft Standhaftigkeit, da ist jetzt endgültig mal Schluss mit nettem Mädchen. Später (also in ein paar Wochen) dazu vielleicht mehr.

Tag 2252 – Rettet die Wahlen, pröt.

Norwegen hat gewählt und an der 5%-Hürde, die hier nur eine 4%-Hürde ist, spielen sich Dramen ab, während noch ausgezählt wird. Zur Zeit sieht es aus, als kämen die Grünen knapp nicht über die Hürde (3,82 % genau jetzt), „Rot“ schon (der linke Teil meines linksgrünversifften Herzens lacht), „Links“, die dem bürgerlich-konservativen Block zugerechnet werden*, und die „Christliche Volkspartei“** pendeln exakt um die Grenze herum. Das ist alles sehr spannend, ich muss aber trotzdem ins Bett, ich bin hardcore erkältet und Arbeit war heute Meetingmarathon mit Bombe am Schluss, nach der erstmal alle sehr still waren.

Ich bin erstmal froh, dass es einen Regierungswechsel weg von blau-braun-blau („Rechts“, die nicht so rechts sind, wie es klingt, und die „Fortschrittspartei“, die sehr viel rechter sind, als es klingt***) gibt.

Für Sie: die norwegische Version von Links(grün)versifft ist „Linksradikale Sozialisten“, und die jagen der Führerin der FrP großen Schrecken ein. Wart‘s ab, Sylvi, lange dauert es sicher nicht mehr, bis du „Linksradikale Ökosozialisten“ daraus machen kannst.

So, und jetzt gehe ich ins Bett und drücke da weiter Daumen für die 4%-Hürde.

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* wir haben ja noch die „Sozialistische Linkspartei“, also an Parteien mit Links im Namen oder auf der Fahne mangelt es nicht. Siehe auch „Rot“.

** die finden Ehe für alle doof und wollten sich im Wahlkampf nicht dazu äußern, was sie über Abtreibungen denken, da können Sie sich sicher denken, was ich über die denke

*** wenn Politikerinnen und Politiker, die kein Binnen-I und erst recht kein Gendersternchen verdienen, publikumswirksam rumheulen, man möge doch bitte aufhören, sie rechts zu nennen, ist das ein sicheres Zeichen, dass man mit der Bezeichnung genau ins Braune getroffen hat.

Tag 2250 – Feiges Huhn.

Heute bin ich zwei mal ordentlich nass geworden. Beim ersten Mal war ich mit den Kindern auf dem Bauernhof, da war alles üdüllüsch wie immer, auf dem Weg zum Acker folgten mir drei ausgebüxte Lämmer und auf dem Weg zurück ein paar Enten-Kleinkinder. Man weiß ja nie, was diese Menschen vielleicht alles so fallen lassen, ne? Während ich auf dem Acker erst frohlockend und dann fluchend Wirsing erntete (meine Güte, hat der nen dicken, harten Strunk!) fing es an zu regnen und da ich eh nichts hätte machen können, hielt ich das einfach stoisch aus. Ich war nur nicht dafür gekleidet und musste mich nachher umziehen, inklusive Schuhen und Socken.

Im Kühlschrank beim Bauernhof waren keine Eier, ich brauchte aber dringend welche, also fragte ich den Bauern, ob im Hühnerhaus wohl noch welche wären und bekam gesagt, ich solle es einfach versuchen. „Und wenn die Hühner auf den Eiern sitzen, einfach hochheben.“

Nun ja, es stellte sich heraus, dass Hühner gar nicht mal so begeistert davon sind, von ihren Eiern gehoben zu werden, wer hätte das gedacht. Genau genommen machte Huhn 1 sehr bedrohliche Geräusche, Huhn 2 versuchte nach mir zu hacken und schlug dann Alarm, woraufhin sämtliche Hühner angerannt kamen und mich gackernd beäugten, wie ich versuchte, Huhn 3 zum Aufstehen zu bewegen. Huhn 3 machte aber einen ziemlich geschafften Eindruck und war glaube ich schon ziemlich alt, da wollte ich jetzt auch nicht… naja, die Wahrheit ist, dass ich wirklich keinen Hühnerschnabel in der Hand haben will. Inzwischen war aber Huhn 2 aufgestanden (im Sitzen gackert es sich scheinbar nicht so gut) und ich fand 2 Eier, 2 weitere fand ich einfach in einer Ecke herumliegend (aber noch warm) und ein Huhn machte einen relativ gechillten Eindruck und ich hob es todesmutig von den Eiern herunter (überraschend formstabil, so ein hochgehobenes Huhn). Das waren noch mal 2 Eier, immer noch weit entfernt von 30, aber das überlasse ich echt lieber den Bauern. Für heute Abend und morgen früh reicht(e) es.

Das zweite mal wurde ich nass, als ich mit den Kindern auf dem kleinen Jahrmarkt war, der hier einmal im Jahr ist. Das hatte ich den Kindern für gutes Benehmen ausgelobt, also musste ich es halten. Es regnete immer noch, was auch seine guten Seiten hatte, zum Beispiel kein Gedränge und keine Schlangen. Aber es war eben nass, und wir am Ende auch alle. Die Kinder fanden es trotzdem total super und haben jetzt jeder ein neues, qualitativ sicher enorm hochwertiges, Kirmeskuscheltier.

Nach der frischen Luft waren die Kinder dann früh im Bett und ich hatte einen Alleineabend mit mir, das war auch mal sehr schön. Hach ja.

Vielleicht traue ich mich ja morgen noch mal, Hühner hochzuheben, dann kann ich mal wieder Apfelkuchen backen.

Tag 2249 – Allein, buhuhuuu.

Herr Rabe ist SCHON WIEDER auf einem Wochenendtrip, empörend! Nein, Quatsch, es sei ihm sehr gegönnt.

Ich bin heute morgen ordentlich erkältet aufgewacht, das kommt von den Kindern und bei niemandem von uns ist es Corona. Was gut ist, auch wenn erkältet sein ziemlich saugt.

Weiterhin habe ich heute viel zu lange gearbeitet, aber so ist das leider öfter mal bei uns. Wir bekommen eine*n weitere*n Inspektør*In nach Ausschreibung und Bewerbungsrunde plus Kündigungsfrist, sowie eine Consultant im Herbst und Winter, weil unser Corona-Backlog plus Backlog von vorher plus IT-Projekt leider machen, dass wir sonst absaufen. Mein Arbeitstag zum Beispiel wurde so lang wegen des IT-Projektes. Ich hoffe wirklich sehr, dass die Prognosen passen und wir bis Ende des Jahres damit fürs erste durch sind, aus verschiedenen Gründen.

Leider hab ich die Vermutung, dass ich nicht die einzige bin, die ziemlich rotiert, sondern dass das quer durch die Organisation geht.

Heute wurde der Plan für die Sitzplatzorganisation im Büro vorgestellt, den ich ja sozusagen mit ausgeheckt habe. Ich hoffe, es kündigen jetzt nicht gleich alle. (Liebe Arbeitgeber*Innen, überlegen Sie sich wirklich, WIRKLICH gut, ob es sich nicht vielleicht doch rechnet, mehr Platz zu mieten, wenn man dadurch sehr großen Unmut, ein paar Kündigungen und Produktivitätsverluste (wegen viel Unruhe, Umstellung, etc.) vermeiden kann. Besonders wenn Sie keine hippe Designbude sind, sondern eine leicht staubige Behörde.)

So, jetzt muss ich sehr dringend schlafen, begleitet vom Schnurcheln der Kinder geht das bestimmt gut. Hach, hach.