Tag 14,95€ – Wissen Sie was?

Ich mag nicht. Wir sind heute – statt ausschlafen – mit viel Mühe um halb neun aus dem Bett gekrochen (und bitte – kommen Sie mir nicht mit „Das ist doch ausschlafen!“. Das ist ja, wie vieles, sehr individuell. Mein Ausschlafen geht mindestens bis um zehn.), haben gefrühstückt und sind dann losgefahren, die Kinder abzuholen. Und dann gleich weiter, zum Kinder-Leichtathletik-Tag an der Schule ein bisschen den Fluss rauf. Das war ganz lustig, aber danach war weiter Action und ich bin nicht mehr 20 und geärgert hab ich mich dann auch noch gegen Abend darüber dass es schon wieder spät ist und dunkel und ich war den ganzen Tag bis auf Einkaufen (und das zählt nur halb) noch gar nicht alleine, jedenfalls ist meine Lust zu schreiben auf einem Ganztags-tief. Ich will eigentlich nur ins Bett und dann halt bis zehn schlafen.

Vielleicht mache ich das einfach.

Tag 1493 – Überraschung.

12von12, Sie kennen das Spiel, kommt dann morgen. Nicht überraschend.

Viel zu spät im Bett. Nicht überraschend.

Herr Rabe ist immer noch unterwegs. Überraschend. (Ich hoffe er hat auf dem Schirm, wann der letzte Zug fährt.)

(Ich kann doch so schlecht schlafen, wenn ich weiß, dass er noch kommt. Weil es könnte ja auch ein Einbrecher sein, besser nicht allzu tief schlafen, vielleicht muss ich die Kinder spontan vor wilden Bären beschützen, die ins Haus einbrechen…! Jajaja, das ist total albern. Aber ich schlafe dann halt schlecht.)

Tag 1492 – Das hat er von Mama.

Mein Homeoffice war leider nicht so produktiv, wie ich gehofft hatte, das muss ich noch üben. Erst kam eine Mail rein, die ich schon halb erwartet hatte und die heißt, das eventuell ein paar kleinere, aber nicht gänzlich bedeutungslose, Karten bei der Arbeit neu gemischt werden. Das wird sich in den nächsten paar Wochen zeigen. Dann versuchte ich meine Checkliste weiter zu bearbeiten, aber die nervt mich sehr und ich prokrastiniere das hart, aber es war auch wirklich NICHTS anderes zu tun und so kämpfte ich damit und es ging zäh und war doof und halt nicht mal Leute um einen rum, die Fragen, ob man Mittagessen will oder vielleicht noch mal gucken kann ob Hersteller X aus Indien vielleicht ein Zertifikat hat (ich bin anscheinend die am hilfsbereitesten aussehende Person im Inspektorat, altersmäßig am nächsten an den Leuten aus der Mangelgruppe dran und aus irgendwelchen lustigen Gründen haben die oft Schwierigkeiten, die, zugegeben nicht ganz moderne, Datenbank zu bedienen, in der die EU-Zertifikate liegen). Jedenfalls war das ein bisschen wie durch Sirup waten.

Gut, dass ich ein Elterngespräch in der Schule hatte. Ganz routinemäßig, wie etwa jedes halbe Jahr. Michel ist natürlich ein super Kind, lebhaft, wissbegierig, klug, freundlich. Manchmal etwas hibbelig (ach) und „neuen“ Leuten gegenüber ein Clown (hmm, aber auch nicht so überraschend. Ist halt auch eine Strategie, zu vertuschen, dass man sich unwohl und unbequem fühlt). Im Erzählen ist er ganz groß, und wenn er das Wort hat, hört er nicht mehr auf. Er weiß sehr viel (ACH!) und erzählt das halt gern, manchmal ist er da auch schwer zu bremsen und fängt schon mal an, bevor er drangenommen wurde. Diese Situation wird ein wenig befeuert davon, dass sie jetzt ein Sachkundebuch haben, in dem er schon sehr weit gelesen hat, weil halt Fakten und Bilder und AUF DER FÜNFTEN SEITE IST EINE SCHAFSGEBURT UND GRAD BAUMELT DEM SCHAF NOCH DIE PLAZENTA… aber lassen wir das. Michel ist jedenfalls Feuer und Flamme für dieses Buch. Halten wir fest: Michel ist ein kleiner Nerd mit Erzähldrang. Dann kamen wir aber zu dem Punkt „Wobei brauche ich Hilfe“ in dem Fragebogen, den die Lehrerin vor dem Gespräch mit Michel durchgegangen war. Und da stand auf ihrem Zettel „Sachen aus hohen Regalen holen und Freunde finden. Es ist schwierig, Freunde zu finden, vor allem wenn viele in der Klasse sind.“ tja und da brach mein Mamaherz ein bisschen. Hab ich das also auch weitergegeben. Ein kleiner Nerd mit Erzähldrang und Social Awkwardness, der nun wohl auch merkt, dass das bei ihm ein bisschen anders funktioniert als bei vielen seiner Klassenkameraden. Bzw., der, wenn er wirklich ist wie ich, einfach gar nicht so genau weiß, wie das gehen soll, wie freundet man sich mit anderen Kindern an, mit welchen Kindern muss man wie sein um akzeptiert zu werden? Ach, ach. Ich hoffe, wenigstens das kann ich ihm leichter machen, weil ich ja weiß, wie das ist. Im Moment tendiert er mal wieder sehr hin zu sehr raufigen Jungs und legt sich das entsprechende Gehabe zu, das finde ich jetzt nicht soooo erstrebenswert, ein Kind zu haben, das herumläuft und behauptet, es würde halt den und den, wenn der nicht macht, was er sagt, einfach verhauen. Michel. Knappe 20 kg auf 1,25 (ca.) Körpergröße. Der weint, wenn er bei Kirby Game Over geht. Will irgendwen verprügeln. Na sicher. Das ist halt einfach Blödsinn, aber er meint scheinbar grad, dass er so sein muss, damit er cool ist und die coolen Gangsta-Zweitklässler ihn auch cool finden. Ach, ach, uff. Hoffentlich geht auch das schnell vorbei.

Tag 1491 – Glück und noch mehr Glück und überhaupt.

Heute habe ich was zurückgeben wollen und das hat so halb geklappt, aber im positives Sinne. Aber fangen wir vorne an:

Gestern als ich Pippi abholte, kratzte sie sich die ganze Zeit am Kopf und sagte, es jucke so. Meine Alarmglocken sprangen alle gleichzeitig an. Die Betreuerin versuchte mich noch zu beruhigen, das sei bestimmt nur Sand, aber was, wenn nicht? Und die (einzige) Apotheke schließt doch um fünf! Also düste ich wie der Blitz zur Apotheke und kaufte „das grüne“ Läusemittel, weil ich mich noch dunkel dran erinnerte, dass eine Kollegin vor ca. 5 Jahren gesagt hat, das grüne sei das einzig wahre. Pippi kratzte sich weiterhin und kündigte aber schon mal vorsorglich an, auf gar keinen Fall baden zu wollen. Ich freute mich schon auf die Wutanfälle, machte die Hypnosemaschine an und holte den Läusekamm. Zehn sehr gründliche Minuten später war Pippis Haar seidig wie nie, aber den Grund des Juckens hatte ich nicht gefunden. Da waren keine Läuse, kein Sand, nur ein kleiner Pickel, mit ein bisschen Phantasie ein Mückenstich? Naja, dachte ich, so Läusemittel kann man ja immer gut im Schrank haben, das erspart einer beim nächsten Mal die hektische Fahrt zur Apotheke. Beim Kinder bettfertig machen teilte ich Herrn Rabe mit, dass ich das Läusemittel nun in den Schrank räumen würde. „Ist da ein Verfallsdatum dran?“ meinte der und ich noch so „Ach, das ist bestimmt ewig haltbar!“ und dann stand da der 22.09.2019. also… nächste Woche. Sollte ich jetzt drauf hoffen, dass irgendein Kind sich innerhalb von 10 Tagen Läuse einfängt? Sicher nicht. Aber so richtig ne Chance, ein im Grunde völlig okayes Produkt zurückzugeben, sah ich auch nicht.

Heute also wieder vom Kindergarten direkt zur Apotheke, weil die halt auch heute um fünf schloss. Gesagt, dass ich das gar nicht bräuchte (was ja gut sei), aber das leider so bald abläuft, dass ich das auch nicht wirklich zu Hause einlagern will.

Und Überraschung! Gar kein Problem, gut dass Sie das sagen, das hätten wir gar nicht verkaufen dürfen*, entschuldigen Sie vielmals, falls Sie wollen, können Sie die Packung auch mitnehmen, falls in den nächsten 10 Tagen… höhöhö. Jedenfalls hatte ich danach mein Geld zurück und die Packung auch immer noch in meiner Tüte.

Danach gingen Pippi und ich noch in den Supermarkt und es gibt jetzt wieder norwegische Äpfel, ich habe also die strenge Pilzdiät (heute gab es Nudeln mit Schafporling-Sauße) mit Äpfeln erweitert. Ich bin sehr glücklich heute.

Dann hab ich noch ein Kind mit Schneckenbildern glücklich gemacht. Hach, hach.

Und im Terrarium ein Gelege gefunden und entfernt, sowie einen Mangokern wiedergefunden, den ich den Schnecken vor Wochen mal zum Abnagen ins Terrarium gelegt hatte und der nun austreibt. Aus Ratlosigkeit erst mal wieder ins Terrarium gesteckt, morgen pflanze ich den mal ein.

Apropos morgen: Homeoffice! Das heißt, ich kann 1 Stunde länger schlafen, weil Schminken und Pendeln ausfällt.

So, jetzt beziehe ich die Herbst-Bettdecke und dann gehe ich bei offenem Fenster schlafen. Ohne Diskussion, weil Herr Rabe heute und morgen nicht da ist. Das ist natürlich schlimm, aber der Teil mit der Fenster-Diskussion, der ist nicht sooo dramatisch.

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*Erste Erscheinungen von Berufserkrankung: ich dachte nur trocken: Ihr habt grad ne Abweichungsbehandlung gewonnen. Root Cause Analysis incoming.

Tag 1490 – Lecker essen.

Von meinem Mittagessen gibt es leider keine Bilder, dabei war das in bester Gesellschaft: die A., meine Ex-Bürokollegin und PhD-Leidensgenossin aus Trondheim, ist nämlich wegen der Perspektivlosigkeit in Trondheim nach Oslo gezogen und wir waren zusammen Essen. Hach, das war toll.

Und dann Abendessen mit Mix aus Bauernhofkommunenzutat und „Gold des Waldes“.

Omnomnomnom.

Bei solchen Gerichten wundert mich ja noch nicht mal, dass die Kinder sie nicht mögen. Wobei sich Pippi gestern das Pilzrisotto ganz gut reingespachtelt hat. Aber wenn ich warte, bis die Kinder sowas mögen oder aus dem Haus sind, weine ich um all die Gelegenheiten, wo es Grünkohl mit Pilzen und Kernen auf Brot hätte geben können und da ist ja auch keiner mit geholfen.

Tag 1489 – Alle Jahre wieder…

Pilztour!

Heute aus verschiedenen Gründen nur Pippi und ich. Ich war ein bisschen aufgeregt, weil Pippi zur Zeit generell recht anstrengend drauf ist und es auch nicht gerade ideale Bedingungen waren – es war sehr nass. Sehr sehr nass. Aber hey, besser als letztes Jahr, da war es so trocken, dass halt kaum Pilze da waren.

Und dann war es richtig toll. Pippi hatte riesen Spaß, hat super viele Pilze, Tannenzapfen, Blaubeeren und Preißelbeeren gefunden, hat die ganze Zeit erzählt und gesungen und noch mehr erzählt, kann jetzt ein neues deutsches Wort: „Geschafft!“, ist in Matsch versunken und ins Wasser gefallen und es gab gar kein Theater, kurzum: das war super.

Ich habe auch das ein oder andere im Wald gelassen, hinterher ein paar falsche Pfifferlinge aus dem Haufe sortiert und das erste mal einen Täubling-Test gemacht, indem ich ein Stück gekaut habe. Es schmeckte nicht scharf oder bitter, sondern nach gar nix, also essbar, wohl sogar ein Fleischroter Speisetäubling. Nur halt eher so in der Farbe von gebratenem Fleisch (oben links unter den Tannenzapfen).

Die Butterpilze zu häuten war eine eklige, schleimige Angelegenheit, aber das Ergebnis, ein erstklassiges Waldpilzrisotto, die Mühe allemal wert.

Morgen gibts dann was mit Pfifferlingen und dann sind die Schafsröhrlinge dran. Davon hab ich schon 2/3 im Wald gelassen, an einer Stelle war damit alles voll.

Geisterfinger. Die hab ich aber auch da gelassen.