Tag 3867 und 3868 – Kontraste.

Also, das waren jetzt zwei sehr seriöse und erwachsene Tage. Meine Güte. Ich finde das immer noch etwas seltsam, dass ich sowas einfach darf, da in die Firmen gehen und denen dann sagen, was sie alles falsch machen. Aber es ist jetzt geschafft und morgen werde ich hauptsächlich im Hoodie und in Jogginghose vorm Rechner sitzen und früh Feierabend machen, ich finde, ich habe das mehr als verdient.

Gestern Abend bin ich nach der Inspektion noch zum Burlesque gegangen, weil das ja oft gut tut, um auf andere Gedanken zu kommen (und auch vernünftig zu schlafen und nicht drülf mal nachts wach zu werden und an irgendwelche Arbeitsdinge zu denken). Was ich verdrängt hatte: es war angekündigt, dass wir Improvisation mit Handschuhen (also dem Ausziehen von Handschuhen) machen sollten. Was ich mir in meiner wildesten Phantasie nicht vorgestellt hatte: dass wir KOMPLETT nur improvisieren würden. Eine Stunde Tanzimprovisation, dann eine halbe Stunde Handschuhimprovisation. Ich hasse Improvisation. Ich kann das nicht. Deshalb sollte ich es mehr üben, yada yada yada aber ICH. WILL. DAS. NICHT. AHHHHH. Alles in mir sträubt sich dagegen. Natürlich hab ich es trotzdem gemacht. Aber nach nem ganzen Tag mit fachlichen Diskussionen auf hohem Niveau „einfach mal so“ was improvisieren, OH GOTT.

Ehrlich, schmeiß mir irgendeine Choreo zu, ich mache mich auch zum Affen und alles, kein Problem. Aber bitte nicht einfach Musik anmachen und sagen: „Stell dir vor, du bist Rauch, in einem Raum voller Rauch.“

(Zu allem Überfluss weiß ich jetzt, dass meine Handschuhe, wenn mir sehr warm ist, kaum an- und schon gar nicht wieder ausbekomme. Geschwollene Hände sind ein Ding.)

Tag 3866 – Kultur (oder so).

Heute habe ich meine Macht als Lead Inspector ausgenutzt und dafür gesorgt, um viertel vor sieben beim Hersteller raus zu sein. Von da bin ich dann zur Philharmonie gegondelt und habe mir die Twoset Violin World Tour 2026 angeguckt. Das war sehr schön, wenn auch sehr teuer, aber auf jeden Fall zu empfehlen. Jedenfalls wenn man klassische Musik und Memes und Quatsch mag, und gerne mal zwei wirklich solide Violinisten Hoola-Hoopend Bach spielen hören will.

Für mich war es jedenfalls nach einem laaaaangen und anstrengenden Inspektionstag genau das richtige. Ich mag die zwei (Und Sophie Oui Oui) wirklich gern.

Hach.

Tag 3864 und 3865 – Piep 2.

Heute habe ich zweieinhalb Stunden zur Arbeit gebraucht, davon habe ich über eine Stunde in einem komplett überfüllten Bus, der an jedem dritten Baum gehalten hat, gestanden, und insgesamt war dieses Erlebnis so erfreulich, dass ich jemanden umgebracht hätte, hätten sie auch nur falsch Hallo gesagt. Warum das ganze: in Oslo S war ne Sicherung rausgeflogen. Das kommt vor, leider relativ oft, und weil das System da aus der Steinzeit ist, müssen in solchen Fällen 160.000 Sicherungen händisch überprüft werden. Das kann dann 5 Minuten dauern oder 3 Stunden. Es ist wirklich lächerlich. Wenn man dann noch in Betracht zieht, was so ein Jahresticket für die 35 Minuten Oslo-Eidsvoll kostet, kann man schon mal sehr angefressen sein, wenn man morgens schon vor 8 mehr und engeren Körperkontakt mit Fremden hatte als in einem Jahr wünschenswert ist.

Der Rest des Tages war ok, aber geprägt von meinem Groll. Gestern war auch ok, ich hab sogar gebacken und Michel hatte Besuch.

Morgen geht es wieder auf die Inspektion. Heute habe ich diesbezüglich mit Hilfe meiner Kollegin und dem Lieblingskollegen schwierige Entscheidungen getroffen. Das gehört zu den eindeutig weniger schönen Aspekten meines Berufes.

Tag 3862 und 3863 – Piep.

Ich bin hoffnungslos overpeopled. Es tut mir wirklich leid, aber ich möchte mit niemandem reden und noch nicht mal schreiben, ich will eigentlich nur vor mich hin vegetieren. Leider war das heute nicht drin, was es überhaupt nicht besser gemacht hat. Ich werde es jetzt mal mit schlafen probieren, und hoffentlich ist es dann morgen besser. (Die Wahrscheinlichkeit dafür ist leider nicht sehr groß.)

Tag 3860 und 3861 – Im Inspektionstunnel.

Diese Woche drei Tage, nächste Woche drei Tage (gleiche Firma), dazwischen und danach Office und Umorganisierung und tralala. Und Korpsdings am Wochenende mit Backen von Boller. Inspektion könnte theoretisch entspannt sein, ist sie aber nicht, vor allem nicht für mich, weil ich da „Chef“ bin (lead inspector) und alle schwierigen Entscheidungen treffen muss. Hurra.

Dazu müde und Kopfschmerzen (kein Wunder, wenn man den ganzen Tag durch 4 Etagen Firma gerannt ist) aber das beste was ich machen kann, ist wohl, einen guten Job zu machen und meine schwierigen Entscheidungen auf einer möglichst soliden Grundlage zu treffen (nicht so wie unsere Direktion *hust*).

Tag 3859 – 41.

Geburtstagstag und total unspektakulär. Aber das war genau, wie ich das haben wollte. Heute Morgen habe ich Geschenke ausgepackt und Kerzen ausgepustet, Pippi hat Happy Birthday gesungen, den Tag über haben wir noch mehr Kuchen gegessen aber ansonsten war alles wie jeden Dienstag. Homeoffice, dann Korps für die Kinder und Ballett für mich. Zu Essen gab es Nudeln mit Tomatensauce. Der Kuchen war auch der gleiche wie immer – Schichtkuchen mit Holundergelee.

So ist das Geburtstag haben wirklich sehr entspannt und schön und nicht stressig.

Einzig im Homeoffice habe ich mir etwas besonderes gegönnt und mich den ganzen Tag als „Abwesend“ eingetragen. Ich habe gearbeitet, aber herrlich ungestört. Das war gut. Da hab ich auch endlich mal was weggeschafft, was mich schon zunehmend nervte.

Hach.

Tag 3857 und 3858 – Geht alles so.

Also, naja, gestern Laune wegen Haushalt, heute Laune wegen Arbeit. Vielleicht bin ich der gemeinsame Nenner und somit das Problem.

Beim Orchester spielen wir jetzt Folk, was komplett außerhalb meiner Expertise liegt, aber es ist spaßig.

Samstag und heute Früh habe ich nach zu langer Zeit mal wieder Krafttraining gemacht und das bereue ich jetzt bitter. Alles tut weh.

Herr Rabe bereut auch diverse Lebensentscheidungen. Er ist sehr stark erkältet. Noch nimmt er es mit Humor, also eigentlich jedenfalls, aber es ist schon sehr ätzend für ihn.

So, gute Nacht.

Tag 3856 – Durchschnitt.

Also so im gewichteten Mittel war der Tag ok. Stellenweise war er doof, muss ich sagen. Ich hab mich kurz mit Herrn Rabe in den Haaren gehabt und die Kinder wollte ich auch kurz aussetzen, die Schule (besser gesagt: die anderen Eltern) regen mich alle sehr auf und zwischendurch war ich auch nicht motiviert, irgendwas sinnvolles zu tun. Aber nachdem ich meinen Hintern zum Sport gehievt hatte (das ist ja nicht so weit, nur bis ins Hobbyzimmer) und das durchgezogen hatte, gekocht hatte und Geige gespielt hab, ging es mir deutlich besser.

Apropos Geige: waruuuuum muss man ne halbe Etüde Caprize in der 4. Lage in E-Dur schreiben? Die vierte Lage ist doof, E-Dur ist doof, das ist alles doof. Pierre Rode muss ein ziemlicher Sadist gewesen sein. Tonarten mit mehr als drei Vorzeichen kann man auch einfach abschaffen, finde ich. So.

Tag 3853 – 3855 – Ewig müde.

Wir gehen hier alle zu spät ins Bett. Das ist nicht so gut. Unter der Woche klingelt der Wecker ja trotzdem (der Arsch!).

Ich melde mich deshalb hier auch nur kurz. Heute war ich auf einem „Hauskonzert“, das ist eine Konzertreihe, die mein Geigenlehrer betreibt und die in den Wohnungen von Leuten stattfindet, die sich dazu bereit erklären. Ich kannte dort außer meinem Lehrer niemanden, und wusste nichts über das Konzert, außer dass es Violine und Piano sein würde. Und es war sehr schön. Auch sehr Osloer-Hipster-Treffen und ein definitives Übergewicht an ehemaligen und aktiven Musikern. Gut, da fühle ich mich jetzt nicht so ganz richtig am Platz, aber die Leute sind trotzdem nett gewesen. Das Repertoire der zwei Musikerinnen war sehr divers und handelte so grob vom Thema „Nacht“. Da war von Bach bis zu einem freakigen neoklassizistischen Stück, das von einer Verfolgungsjagd durch Athen handelte, alles dabei. Und meine Güte, waren die gut.

Alles in allem hat sich das sehr gelohnt. Hach.

Tag 3851 und 3852 – Arbeit, Arbeit.

Zu viel Arbeit. Bei der Arbeit alle bekloppt. Chefin verfechtet Dinge, die mehrere von uns absolut nicht wollen, und unsere Argumente gehen einfach gar nicht rein bei ihr. Kurz sagt sie dann, sie habe es verstanden und dann dreht sie sich um und fängt von vorne an mit dem Lobbyieren für bekloppte Ideen.

Heute war dann zu allem Überfluss fast den ganzen Tag Remote-Schulung zu Radiopharmaka, aber das war so Basic, dass es für mich nur sehr wenig Sinn hatte. Andere Chefin wird das aber als unglaublich nützlich abfeiern und nicht verstehen, dass das alles für uns, die wir so 2-3 mal im Jahr Radiopharmaka inspizieren wirklich nicht mal ein Fitzelchen neu war.

Momentan ist der Frust mit meinem Arbeitgeber groß, ja.

Was völlig anderes: hier waren heute +8 Grad und Sonnenschein und es ist sehr viel Schnee geschmolzen, das finde ich sehr gut. Ich brauche jetzt echt keinen Schnee mehr, sondern Frühling. Was aber daran nicht schön war: mir kam im Schlafzimmer direkt eine fette Spinne entgegengetorkelt. Die muss irgendwo aufgetaut sein. Eine von denen, die so laut knacken wenn man sie… Sie wissen schon. Und bei denen man auch mehrere Versuche braucht. Brrrrr mich schüttelt es immer noch.