Tag 3879 und 3880 – Allein daheim Tag 2 und 3.

Wie man sieht, klappt die Umstellubg auf Sommerzeit bei mir wie gewohnt einfach gar nicht. Tjanun.

Gestern war ich in Oslo bei meiner Geigenstunde. Wie immer hatte ich mir vorher eine Stunde ein Zimmer im Übungshotel gebucht, um mich warm zu spielen, dann ging ich runter, bezahlte, und wartete auf meinen Lehrer. Der kam aber nicht, also schrieb ich irgendwann eine SMS. Da rief er mich an und meinte, es täte ihm total leid, er hätte sich das falsch gemerkt, er dachte, ich sei NACH seinem 13-Uhr-Schüler dran, nicht DAVOR. Ob ich auch um 14 Uhr könnte?

Jaja, klar kann ich das, ich hab ja Urlaub. Aber jetzt musste ich fast zwei Stunden totschlagen. Im Übungshotel fragte ich, ob die ein gutes Café empfehlen könnten, und klar, die Hipster da kennen sich aus und schickten mich zu einem kleinen Hipster-Café um die Ecke. Da gab es tatsächlich ausnehmend guten Kaffee. Aber ansonsten nicht so viel, also ging ich noch beim Geigenbauer vorbei und probierte fancy Schulterstützen aus, mein Geigenlehrer sagt, ich solle die Geige nach Möglichkeit noch höher halten, aber dann kriege ich auf die Dauer Schmerzen im Nacken, weil ich dann irgendwas komisches mit meinem Kopf mache, um zu vermeiden, dass die Geige wegrutscht. Jetzt habe ich eine Bonmusica-Schulterstütze, die wirklich sehr bequem ist und mit der ich recht problemlos die Geige höher halten kann.

Die Geigenstunde selbst war dann auch sehr gut. Der Geigenlehrer war beeindruckt, wie weit ich doch mit der Etüde gekommen war und wir feilten nur ein bisschen an Feinheiten rum. Das mache ich jetzt noch ein bisschen so weiter und dann ist es auch gut gewesen mit dieser Etüde. Viel gelernt habe ich, unter anderem, dass die vierte Position auf Dauer echt unbequem wird, weil der Daumen da gegen den Knopf (keine Ahnung wie das heißt) oben am Korpus, wo der Hals ansetzt, gedrückt wird. Aber mit ein bisschen Übung „klingt“ die vierte Position fast genauso gut wie tiefere Positionen. Überraschend. Also eigentlich nicht, andere können das ja auch, aber ich konnte das vorher nicht. Die Fingergymnastik in der Etüde ist trotzdem fies. Weshalb ich es üben sollte. Genau wie eben spielen in der vierten Position, was sonst leicht zu vernachlässigen ist (genau wie 2. Position).

Hoppla, Nerding. Sorry.

Nach der Stunde fuhr ich nach Hause, kaufte noch ein paar Sachen ein und dann war es auch irgendwie schon 18 Uhr. Also machte ich mir was zu Essen und dann guckte ich ganz schnöde ein bisschen fern. Und machte den großen Fehler, ein kleines Bier dabei zu trinken.

Heute wachte ich mit Migräne auf. Siehe Bier. Manchmal ist das bei mir so. Die Menge spielt da gar keine Rolle. So bis zum Mittag brauchte ich um die Schmerzen in den Griff zu kriegen. Dann ging ich in den Garten, denn es war bestes Wetter.

Der Zustand unseres Gartens ist etwas betrüblich, muss ich sagen. Die Vorbesitzer waren irgendwie Fans davon, alles verwildern zu lassen und das „natürlich“ zu nennen (ja, super wie alles natürlich von Him-, Stachel- und Blaubeeren zugewuchert wird). Was die Vor-Vorbesitzer gemacht haben, weiß ich nicht. Aber ich bin relativ sicher, dass auch die sich zumindest nicht liebevoll um die Beete gekümmert haben, denn in einem zwei Sommern wuchert das nicht so dermaßen zu. Also habe ich heute sehr viel totes Gestrüpp vom letzten Jahr entfernt und dann die Beete (bis auf eines, wo ich nicht weiß, was da gepflanzt ist) umgegraben. Gut, den Kasten mit der großen Stachelbeere habe ich weitgehend in Frieden gelassen, weil die Stachelbeere sehr wehrhaft ist. Da habe ich nur Erde aufgefüllt, aus einem anderen Beet. Dieses Beet wiederum will ich leer machen, die halb vermoderte Unkrautmatte erneuern und dann mit frischer Erde wieder auffüllen.

Wer pflanzt jede Menge Topinambur an? Seltsame Leute.

Da ging der Nachmittag für drauf und seither bin ich überraschend platt. Das war mehr frische Luft, als ich die letzten 3 Monate insgesamt hatte, gefühlt.

Tag 3878 – Allein, allein.

Heute Morgen habe ich die Familie brutal früh zum Flughafen gefahren. So früh nämlich, dass noch kein Zug fuhr. Und dank Umstellung der Uhr (hier Rant denken, wie sinnlos und schädlich das ist, und außerdem ist die Abschaffung doch beschlossen, was soll denn das noch???) war es ja noch früher als eh schon. Aber es hat alles trotz müder Menschen gut geklappt und um viertel nach sechs lag ich dann auch wieder im Bett und habe noch mal zwei Stunden geschlafen.

Danach habe ich mit meiner Göteborger Freundin, die gestern sehr spät vom Flughafen (aus dem Urlaub) gekommen war und bei uns übernachtet hat, sehr gemütlich sehr lange gefrühstückt und gequatscht. Das war wirklich schön. Wir sehen uns viel zu selten. Aber wenn wir uns sehen, ist es, als wäre das letzte Mal höchstens ne Woche her.

Um drei fuhr sie dann nach Hause und seither bin ich alleine. Da ich gestern die Familie noch zum Putzen gezwungen habe, habe ich heute dem Drang, alles grundzureinigen, recht gut widerstehen können. Aquarienwasser wechseln, Blumen gießen und Wäsche waschen habe ich aber trotzdem gemacht. Außerdem Geige, sehr ausgiebig, weil ich morgen ne Stunde habe und die Etüde (IMMER NOCH Rode 9, aber jetzt der 2., schnelle Teil) noch nicht sitzt. Und Sport. Sport war gut, aber ich habe einen leisen Verdacht, dass ich morgen über Muskelkater meckern werde.

Die Familie weilt bis Donnerstag in Brighton bei der Schwägerin. Ich werde mich am Riemen reißen, nicht das Haus komplett zu renovieren oder Ähnliches, sondern es ruhig angehen zu lassen. Bisschen Gartenarbeit, vielleicht zum Entsorgungshof fahren und Müll gegen Gartenerde eintauschen. Solche Dinge eben.

Vielleicht bestelle ich auch nen Kubikmeter Kaminholz, der Bauer unseres Vertrauens hat das neue Holz schon fertig, es ist natürlich noch viel zu feucht, aber trocknen kann es ja auch bei uns zu Hause und dann ist es ein bisschen billiger. Und dann ist es da und Herr Rabe kann zum nächsten Winter entspannt bleiben.

Ich mag Urlaub haben.

Tag 3875 – 3877 – Hoppalalalala.

Eine Verkettung unglücklicher Umstände führt dazu, dass ich in drei Stunden schon wieder aufstehen muss, aber jetzt gerade knallwach bin. Das ist ungünstig, aber nicht wirklich zu ändern.

Ich habe die ganze nächste Woche frei. Gestern habe ich einiges an Zeugs weggearbeitet und kann jetzt auch guten Gewissens frei haben. Es war tatsächlich ganz nett, mal endlich die Dinge wegzuschaffen, die seit Monaten für ein schlechtes Gewissen sorgen. Die Inbox ist fast auf Null (unbearbeitete Dinge lasse ich da bewusst liegen, das waren dann gestern aber auch nur noch zwei) und die To-Do-Liste hat keine überfälligen Punkte mehr.

Ansonsten habe ich ein zweiwöchiges Sportprogramm angefangen, das (zusammen mit Zirkeltraining und Ballett und Burlesque und und und) dafür sorgt, dass ich ständig Muskelkater habe. Aber das ist ein viel angenehmerer Schmerz als Rücken-Schulter-Knie und was eine sonst so an Zipperlein bekommt, wenn sie den Sport schleifen lässt. Lediglich meine Füße sind von jeder Form von Training bisher schmerztechnisch unbeeindruckt. Außer Burlesque, das beeindruckt sie wegen der High Heels schon, aber in die falsche Richtung.

Tag 3873 und 3874 – Piep.

Nur kurze Meldung, weil mir die Augen zufallen. Bei der Arbeit sind weiterhin alle bekloppt. Ich arbeite mir den Hintern rund und versuche, nebenbei sowas wie ein Leben zu haben, heute z.B. dadurch, dass ich für Pippi und ihre Freundinnen Tanz-Taxi war. Außerdem war ich beim Optiker, der drülf Untersuchungen gemacht hat, wobei rausgekommen ist, dass meine Augen, außer dass ich halt schleckt sehe, völlig in Ordnung sind.

Ich bin echt urlaubsreif und heilfroh, dass ich nächste Woche frei habe.

Heute war beim Burlesque kein Impro (naja, nur ein bisschen Impro), aber dafür hat die Gürtelschnalle an meinem Puddingtown-Regenmantel die Stunde nicht überlebt. Seufz.

Tag 3872 – Alle bekloppt.

Bei der Arbeit sind alle einigermaßen irre, was soll man sagen, ich darf ja auch nichts sagen, Sie müssen das jetzt einfach so hinnehmen.

Krisenmaximierung ist ein Wort, das ich im Norwegischen sehr mag. Das passt sehr schön zum ersten Satz.

Heute habe ich außerdem passenderweise eine Umfrage ausgefüllt, die mir seit Jahren immer mal wieder in meiner Funktion als Staatsangestellte zugestellt wird und eine der Fragen war, ob einer die politische Führung in die Sachbearbeitung reinfunkt und ich antwortete total überzeugt nein.

Naja, stay tuned, vielleicht muss ich bei der nächsten Umfragerunde anders antworten.

Tag 3871 – Whoopsies.

Schon so spät. Da fängt die Woche ja gut an. Naja.

Heute war nicht so viel, außer ein Treffen mit den Nachbarn, weil da Risse in der Straße sind, die mir Sorgen bereiten. Die Nachbarn sind irgendwie nicht so besorgt. Nun gut. Ich werde trotzdem mal lieber Spikereifen als nächste Winterreifen besorgen. (Ja, die machen den Asphalt dann auch noch mehr kaputt. Irgendwas ist immer.)

Pippi hat heute mit einer Freundin mit einer Wasserpistole von außen an die Fenster gespritzt, sich also freiwillig zum Fenster putzen gemeldet. Rübennase.

Tag 3867 und 3868 – Kontraste.

Also, das waren jetzt zwei sehr seriöse und erwachsene Tage. Meine Güte. Ich finde das immer noch etwas seltsam, dass ich sowas einfach darf, da in die Firmen gehen und denen dann sagen, was sie alles falsch machen. Aber es ist jetzt geschafft und morgen werde ich hauptsächlich im Hoodie und in Jogginghose vorm Rechner sitzen und früh Feierabend machen, ich finde, ich habe das mehr als verdient.

Gestern Abend bin ich nach der Inspektion noch zum Burlesque gegangen, weil das ja oft gut tut, um auf andere Gedanken zu kommen (und auch vernünftig zu schlafen und nicht drülf mal nachts wach zu werden und an irgendwelche Arbeitsdinge zu denken). Was ich verdrängt hatte: es war angekündigt, dass wir Improvisation mit Handschuhen (also dem Ausziehen von Handschuhen) machen sollten. Was ich mir in meiner wildesten Phantasie nicht vorgestellt hatte: dass wir KOMPLETT nur improvisieren würden. Eine Stunde Tanzimprovisation, dann eine halbe Stunde Handschuhimprovisation. Ich hasse Improvisation. Ich kann das nicht. Deshalb sollte ich es mehr üben, yada yada yada aber ICH. WILL. DAS. NICHT. AHHHHH. Alles in mir sträubt sich dagegen. Natürlich hab ich es trotzdem gemacht. Aber nach nem ganzen Tag mit fachlichen Diskussionen auf hohem Niveau „einfach mal so“ was improvisieren, OH GOTT.

Ehrlich, schmeiß mir irgendeine Choreo zu, ich mache mich auch zum Affen und alles, kein Problem. Aber bitte nicht einfach Musik anmachen und sagen: „Stell dir vor, du bist Rauch, in einem Raum voller Rauch.“

(Zu allem Überfluss weiß ich jetzt, dass meine Handschuhe, wenn mir sehr warm ist, kaum an- und schon gar nicht wieder ausbekomme. Geschwollene Hände sind ein Ding.)

Tag 3866 – Kultur (oder so).

Heute habe ich meine Macht als Lead Inspector ausgenutzt und dafür gesorgt, um viertel vor sieben beim Hersteller raus zu sein. Von da bin ich dann zur Philharmonie gegondelt und habe mir die Twoset Violin World Tour 2026 angeguckt. Das war sehr schön, wenn auch sehr teuer, aber auf jeden Fall zu empfehlen. Jedenfalls wenn man klassische Musik und Memes und Quatsch mag, und gerne mal zwei wirklich solide Violinisten Hoola-Hoopend Bach spielen hören will.

Für mich war es jedenfalls nach einem laaaaangen und anstrengenden Inspektionstag genau das richtige. Ich mag die zwei (Und Sophie Oui Oui) wirklich gern.

Hach.

Tag 3864 und 3865 – Piep 2.

Heute habe ich zweieinhalb Stunden zur Arbeit gebraucht, davon habe ich über eine Stunde in einem komplett überfüllten Bus, der an jedem dritten Baum gehalten hat, gestanden, und insgesamt war dieses Erlebnis so erfreulich, dass ich jemanden umgebracht hätte, hätten sie auch nur falsch Hallo gesagt. Warum das ganze: in Oslo S war ne Sicherung rausgeflogen. Das kommt vor, leider relativ oft, und weil das System da aus der Steinzeit ist, müssen in solchen Fällen 160.000 Sicherungen händisch überprüft werden. Das kann dann 5 Minuten dauern oder 3 Stunden. Es ist wirklich lächerlich. Wenn man dann noch in Betracht zieht, was so ein Jahresticket für die 35 Minuten Oslo-Eidsvoll kostet, kann man schon mal sehr angefressen sein, wenn man morgens schon vor 8 mehr und engeren Körperkontakt mit Fremden hatte als in einem Jahr wünschenswert ist.

Der Rest des Tages war ok, aber geprägt von meinem Groll. Gestern war auch ok, ich hab sogar gebacken und Michel hatte Besuch.

Morgen geht es wieder auf die Inspektion. Heute habe ich diesbezüglich mit Hilfe meiner Kollegin und dem Lieblingskollegen schwierige Entscheidungen getroffen. Das gehört zu den eindeutig weniger schönen Aspekten meines Berufes.