Tag 620 – Katzensabber und Autospaß. 

Nach einem wirklich schönen Tag mit Geburtstagsnachfeierei und durchweg niedlichen Kindern und Babys und grade so nicht mehr Babys und leider auch Gliederschmerzen und diffusem Unwohlsein meinerseits sind wir jetzt auf dem Rückweg. Wir werden voraussichtlich irgendwann mitten in der Nacht ankommen, dann können wir morgen durchhängen und übermorgen wieder frisch und fröhlich arbeiten gehen, juhu. Und außerdem werde ich Montag in Erfahrung bringen, wie man in Norwegen einen Allergietest machen lässt. Wir vermuten nämlich, dass Michel gegen Katzensabberenzyme allergisch ist. Umgangssprachlich nennt man das Katzenhaarallergie, aber ist ja egal, wie man es nennt, jedenfalls hatte Michel immer nachdem er mit der Katze gekuschelt hatte rote Flecken um den Mund, rieb sich die kleinen, roten Augen und sagte, seine Nase juckt. Im Nachhinein erklärt das auch die komische „Oma-Reaktion“, dass er immer, wenn meine Mutter uns in Bielefeld traf, anfing, sich die Augen zu reiben, die dann auch rot und geschwollen waren. Armes Kind und arme Mama, die ja so gerne wieder ne Katze hätte. Und ja, ich weiß, dass es „Allergikerkatzen“ gibt, aber da müsste man dann aufs einzelne Tier testen und, ach. Erstmal gucken, vielleicht bilden wir uns das ja alle auch nur ein. Pippi will auf jeden Fall auch ne Katze. 

Habe ich jemals über das langweilige Fahren in Norwegen gemeckert? Nach anderthalb Wochen als Beifahrerin in Deutschland singe ich hier Loblieder auf das Autofahren. Wie unglaublich entspannt das ist! So eine begrenzte Maximalgeschwindigkeit hat schon was, vor allem da wo die Straße trotzdem gut ausgebaut und mehrspurig ist. Tempomat auf 120* und lass laufen. Wenn man mal wen überholen möchte, ist das kein Affront, sondern wird einfach ohne besondere Eile erledigt, man lässt sich gegenseitig Platz, niemand fährt einem halb auf die Stoßstange oder versucht einen auszubremsen. Auch da wo die Straße nur einspurig ist, nimmt man gegenseitig Rücksicht und macht an günstigen Stellen den Hinterherfahrenden Platz zum Überholen. I f*cking love it!

*Jaja, eigentlich natürlich 110. 

Tag 618 nachgereicht – Tschüssi, Deutschland!

Wir sind wieder in Norwegen. Die Fährüberfahrt war wieder ereignislos bis super. Wir waren dieses Mal Schwimmen, Michel ist drölfzig mal gerutscht, Pippi hat bis zur Aufweichung im Babybecken gesessen und ist dann auch einmal gerutscht, Herr Rabe und ich waren (getrennt, weil jeweils in der Umkleidekabine) in der Sauna. Sehr schön, nicht nur weil danach die Kinder so platt waren, dass wir ein entspanntes Abendessen hatten. Während wir da saßen, fuhren wir unter der Storebeltbrücke her, das war schon sehr spannend für manche von uns*.

Nach dem Kinder ins Bett bringen ging Herr Rabe noch kurz in den Duty-Free-Shop, während ich Thimbleweed Park spielte. Als Herr Rabe wieder da war und ich gerade eh feststeckte, übernahm er, ich putzte mir die Zähne und irgendwie bin ich dann wie ein Stein eingeschlafen, deshalb gab es gestern nicht mal einen ‚Piep‘-Beitrag hier. 

Am Boot gibt es übrigens eine Art Waschanlage, so eine Bürste, die immer mal am Fenster vorbeifährt. Das führt dann dazu, dass eben noch entspannte Kleinkinder panisch aus dem Bullauge hüpfen.


Heute morgen dann strahlender Sonnenschein, Frühstück mit Aussicht auf den Fjord (wenn Sie mal die Kiel-Oslo-Strecke fahren, seien Sie früh beim Frühstück, damit Sie noch nen Fensterplatz bekommen. Es ist schon echt schön, rein landschaftlich, dieses Norwegen) und jetzt sind wir bei den Osloer Freunden angekommen. Mein Körper findet, er hat jetzt lange genug den ganzen Quatsch mitgemacht und fühlt sich an wie vermöbelt, weshalb ich jetzt im Bett liege während der Rest auf den Spielplatz losgezogen ist. Hrmpf. 

*Ich und Herr Rabe. Als wir Michel drauf hinweisen, dass wir jetzt unter einer riesigen Brücke herfahren (hier leuchtende Elternaugen vorstellen), meinte der nur arschcool und ohne eine Miene zu verziehen „Wow.“ Ich meinte sogar, da leichten Sarkasmus rausgehört zu haben. 

Tag 617 – Fertig. 

In jedem Wortsinn. 

Morgen noch zum Altkleidercontainer, meine bisherige Winterjacke brauche ich dank heutigem Neuerwerb* nicht mehr und die Unterhosen, die ich von meiner Oma bekommen habe, sind am Bund so eng, dass mein bisschen Bauchspeck davon zu einem ordentlichen Muffintop zusammengeschnürt wird. Größe 44/46 steht drin. Äh: niemals, meine H&M-Unterhosen (ist ja nicht gerade bekannt für üppige Schnitte, der Laden) sind aus Komfortgründen eine locker sitzende 40/42. Aber egal, die komischen Unterhosen sind ja ansonsten noch gut und wandern also morgen früh auf dem Weg auf die Autobahn in die Altkleidersammlung. 

Dann noch ein Spargelbüdchen finden**, das um acht schon auf hat und dann: 4 Stunden Autobahn. 

Bald wieder entspannte Kinder. Das wird so schön. 

Ich war noch nie nach einem „Urlaub“ so müde. Vielleicht überlege ich mir das nochmal mit dem „näher an Bielefeld ran ziehen, damit man öfter mal herkommen kann“. 

*eine Herrenjacke, weil Frauen™ scheinbar keine warmen Jacken tragen oder gerne mehrere Jacken übereinander anziehen. Könnte ich mich schon wieder drüber aufregen, aber, ach. Zu müde. Dafür hat die jetzt halt tausend Taschen, innen, außen, ich hab also Platz für alle meine Lippenstifte. 

**bevor Sie hyperventilieren: wir werden uns nicht allzu lang mit der Suche aufhalten. Wenn nich, dann nich. 

Tag 616 – Das Ende des Zettels.

Mehrere Dinge waren heute dringend nötig und wurden umgehend erledigt.

1. War Herr Rabe heute Morgen beim Bäcker (mein Schwiegervater kann auch passiv aggressiv und aß dann halt Pumpernickel zum Frühstück, obwohl ihm Herr Rabe auch Körnerbrötchen gekauft hatte). Ich liebe den Herrn Rabe wirklich sehr, nicht nur weil er mir Kartoffelbrötchen kauft.

2. Habe ich dem direkt kaputt gegangenen Shaun das Schaf-Kuscheltier, das Michel gestern von meiner Mutter bekam, leicht wutschnaubend das Loch am Rücken geflickt. Heute Nachmittag riss ihm Michel dann versehentlich einen Arm aus, die Beine sind auch schon ganz lose. Das regt mich so dermaßen auf, nicht, dass Michel wild mit Kuscheltieren spielt, sondern dass bei meiner Mutter das Schenken so eindeutig über Masse statt Klasse definiert wird.

3. Haben wir heute nur Freunde besucht und ein bisschen Gedöns gekauft (UNSER LIEBLINGSLADEN HAT ZUHUHUUUU, WÄÄÄÄHHHHHH!!!). Freunde besuchen ist so toll. Danach drehen die Kinder auch gar nicht so am Rad wie nach Familienbesuchen (wo sie ja auch die einzigen kleinen Kinder sind). Genau genommen schlief Pippi wie ausgeknockt auf der fünfminütigen Autofahrt zum Opa ein und Michel war auch schon recht langsam, musste aber sein neues Spielzeug natürlich noch ausprobieren (s.u.). Mit den einen Freunden saßen wir einfach herum und tranken Kaffee und unterhielten uns und spielten mit dem Spielzeug der in der KiTa befindlichen Tochter, mit den anderen Freunden saßen wir auch und tranken Kaffee und aßen Kuchen und schnackten und deren Kinder und unsere Kinder spielten zum Teil ganz alleine (!!!) und meist sehr niedlich. Michel und M. (So alt wie Michel, meine Freundin A. Und ich bemitleideten bestärkten uns damals ausdauernd gegenseitig wegen unserer anstrengenden dauerstillenden fordernden Babys) spielten ziemlich wild und als wären sie nie getrennt gewesen, M. Bekam sogar noch die Fingernägel in der gleichen Farbe wie Michel lackiert (Watermelon. Mag ich auch sehr. A. Auch). Pippi und T. (Etwas jünger als Pippi) schoben eine Puppe im Puppenbuggy herum, nannten sie ‚Baby‘ und schlugen sich nur selten übten sich in gegenseitiger Rücksichtnahme. Und dann waren wir noch alle auf dem Spielplatz bis wir nass waren.

4. Haben wir Michels Geldzettel in ein TipToi-Starterkit investiert. Das wäre bei Amazon billiger gewesen, aber, ach. So wars einfacher. (Und bei der Gelegenheit haben wir noch Ohraufkleber für Michel gekauft, er will nämlich gerne Ohrringe haben, aber Löcher gibts hier definitiv nicht bevor sie 18 10 sind. Es gab Soy Luna, Trolls und Frozen. Michel trug sehr stolz den Rest des Tages Elsa und Anna an seinen Ohrläppchen herum. Passend zum Nagellack – rechts Essie’s Watermelon, links hellblau-perlmutt-schimmernd von Orly. Und vielleicht ärgere ich mich jetzt ein bisschen, dass ich neulich eine halbe Tube Wimpernkleber weggeworfen habe, weil meine Turniertanztage ja doch schon länger her sind und ich in meinem Alltag keine Verwendung für künstliche Wimpern sehe. Aber so Ohraufkleber hätte man damit sicher gut wieder aufkleben können.)

Wasserspielplatz. Die Kinder stehen total drauf, sowas gibt’s in Trondheim nicht (dafür haben wir Fjord, Seen und einen Fluss, hat Bielefeld ja alles nicht).

Natürlich habe ich, als liebende Mutter, vorher überprüft, ob man da einen Kopfhörer dran anschließen kann.

Tag 615 – Atmen, atmen. 

Ach ja. Erstmal: es geht uns allen gut, niemand wurde in die Babyklappe gestopft und wider Erwarten ist auch niemand vom nächtlichen Gebrüll taub geworden. So ist das Leben eben, es geht auf und ab. 

Langsam bin ich aber einfach fertig mit Urlaub. Nicht weil ich Urlaub an sich blöd finde, sondern weil Heimaturlaub das Gegenteil von erholsam ist. Vor allem, wenn man eine Besitz ergreifende Familie hat. Die dann so Dinge tut, wie einem (anprobierte, sonst ungebrauchte) Unterhosen zu schenken. Dafür musste man unbedingt vorbei kommen. Oder JE DREI Dinosauriereier pro Kind. Ganz anders aber auch einfach komplett drüber. Selbe Familie übrigens. 

Und ich freue mich auch wirklich doll auf frische Brötchen, dann muss ich die halt selber backen, was solls, wenigstens ist das dann kein Dinkelvollkorn mit Mohn überall, vorgestern gekauft und im Kühlschrank gelagert. Und dass das vegetarische Essen, das wir so kochen, halt auch echt vegetarisch ist und nicht mit Würstchen und co. versetzt wurde. 

Und auch so schnöde Sachen, wie sich nicht komplett bekleiden zu müssen, um noch ne Flasche Wasser zu holen, doch, das wird sehr fein. 

Ach ja ach ja. Aber jetzt erstmal noch zwei Tage mit mehr Freunden als Pflichtbesuchen zum Unterhosen geschenkt bekommen bei der Familie. Einkaufen und uns mit so schönen Dingen wie Gemüsebrühe und Haarfarbe bevorraten müssen wir auch noch. Ich möchte auch noch ein bisschen den Aprilwetterigen Frühling genießen, in Trondheim ist der zwar nicht groß anders, aber eben 10 Grad kälter. Heute in Olladissen (der hiesige Tierpark voller neu geborener Tierbabys, die die Kinder kaum interessierten, die Eltern dafür umso mehr) haben Michel, mein Bruder* und ich uns ein wenig rosige Wangen geholt. Wenn es nicht grad hagelte. Das war echt schön. 

Überhaupt Bielefeld: Michel sagt „Pömpel“ und „vertöddert“, ich könnte den dann immer knutschen. Sonst ist alles wie immer. Obwohl, nein! Wer hat sich denn diese furchtbaren Tarnfarben für Citec und FH-Neubau ausgedacht? Ich dachte, Bielefeld hätte vielleicht aus knapp 50 Jahren mit der hässlichsten Uni der Welt gelernt, aber nein. 

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*Wir nähern uns gerade nach ein paar Jahren der Funkstille wieder an, es ist noch holprig aber das wird schon wieder. Langsam halt.