Tag 843 – Plottplottplott.

Den ganzen Tag Zahlen in Graphen umgewandelt, jetzt schmerzt mein Kopf ziemlich und in meinem Kopf zischen Phrasen herum, die ich in den Artikel schreiben könnte.

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Nur so mittelcool: verstehen, dass alles was man gestern gemacht hat, für die Tonne war, weil mit den Daten was falsch war. War nicht meine Schuld, macht’s aber nicht besser, dann alle Arbeit neu machen zu müssen.

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Auf Empfehlung meines Friseurs gucke ich jetzt RuPauls Drag Race. Zu mehr ist mein Hirn auch abends nicht mehr in der Lage. I f*ckin‘ love it.

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In Meetings bin ich recht unkonzentriert, wenn im Kinderkrankenhaus gegenüber grad ein ca. drei, vier Jahre altes Kind mit Krebs einen Ultraschall über sich ergehen lassen muss, vor dem offenbar beide Eltern große Angst haben. Dass ich nicht weinend rausgelaufen von, müsste ich eigentlich in die Lobhudelei schreiben.

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Pippi ist so niedlich. Und so rübennasig. Und so niedlich:

Und sie schläft mit zwei Legomännchen im Bett. Der Lego-Adventskalender war glaube ich ein voller Erfolg.

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Der TipToi-Adventskalender auch, Michel ist vollauf begeistert, ich jetzt schon genervt von Familie Winter.

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Heute in drei Wochen allerspätestens werde ich irgendwas abgegeben haben.

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Auto-Lobhudelei: heute keinen umgebracht und vor allem die Sache mit den Daten gefixt und ein paar echt schöne Sachen gefunden. Wird, wird.

Tag 842 – Ok.

Schöne Zahl.

Bin auf dem Sofa eingeschlafen und erst wieder wach geworden, als sich meine Brille fies in meine Nase und mein iPad, das auf der Sofalehne lag, in meinen Hinterkopf bohrte. Wegen Abschminkenzähneputzen bin ich jetzt wieder unangenehm wach und kann ihnen wenigstens erzählen, dass heute ein Okay-er Tag war, ich habe zwar keine Resultate bekommen und das macht mich wahnsinnig, aber die Methods-section des Artikels kann ich ja trotzdem schreiben und die hab ich heute runtergetippert, die ist soweit fertig. Morgen werde ich die Einleitung anfangen. Des Weiteren hab ich heute in der Gegend rumtelefoniert: einmal, weil uns irgendein A*schloch den Außenspiegel am Auto angefahren hat und ich diese unbekannte Person gerne pro Forma anzeigen möchte, für die Statistik und damit meine Wut einen Kanal hat; und nach dem Mittagessen hab ich bei der Stelle aus Schweden mal nachgehakt, das macht mich ja dezent fertig, dass die sich nicht melden, das war ja beim letzten Mal nicht so ein gutes Zeichen. Diesmal ist aber alles gut, der Personalmensch rechnet mir sehr gute Chancen aus, es waren alle sehr zufrieden mit dem Interview, Donnerstag Nachmittag oder Freitag werde ich hören, wie es da weiter geht. Und gut, dass ich angerufen hätte, dann wüsste er ja, dass ich noch Interesse habe. Klar hab ich Interesse und um eventuell eine etwas bessere Basis zu haben, schickte ich danach noch eine Bewerbung ab, auf die zu bewerben mir der Chef-Recruiter der Firma nach Lesen meines CVs und einem gut halbstündigen Telefonat (am Donnerstag, ich berichtete nicht, weil ach…) empfohlen hat. Das wäre halt kein Labor mehr, also eigentlich… noch besser.

Es wird. Wenn ich jetzt noch etwas weniger trøtt og lei wäre…

Tag 746 – Abgehakt. 

Alter Verwalter, ich bin echt fertig. Dieses „Zellen färben“ macht ja mal gar keinen Spaß. Null. Heute habe ich wieder stundenlang* die kleinen Glasplätchen herumgedreht, gewaschen**, gemacht, getan, und am Ende habe ich sie auf Objektträger geklebt. Morgen werde ich dann mich mit meinen vermutlich stümperhaft gefärbten Proben furchtbar blamieren hoffentlich zusammen mit den Leuten von der Imaging Core Facility ganz tolle Bilder machen und dann… können wir den Artikel immernoch nicht einreichen, weil ich ein Experiment wiederholen muss. Buhuhuhuhu. Ich kann nicht mehr, ich will nicht mehr, ich möchte schreien, aber das hilft ja auch nix, also mache ich weiter. Vielleicht kriege ich ja wenigstens ein Fleißbienchen in meine Diss gestempelt. Summsummsumm. 

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*sechs. Sechs f***ing Stunden lang habe ich mit der Drecks Minipinzette in der Hand da gesessen. Mir tut alles weh jetzt, aber hey, neue geheime Superkraft entdeckt: ich kann sehen, welche Seite vom Glasplättchen die bewachsene ist. 

**Ein Hoch auf die Erfinderin*** der Vakuumpumpe. Auch wenn auch das auf die Dauer (120 Proben, je sieben mal gewaschen, also Puffer drauf, absaugen, neuen Puffer drauf…) auch stinklangweilig wird. Aber besser als alles wieder rauspipettieren allemal. 

***Frau Professor Vaku Umpumpe. Aus Rumänien. Wissen ja viele nicht. 

Tag 744.2 – Doch noch mehr hingerotzt.

Wissen Sie, dieses PhD-Dings, mit kleinen Kindern, das ist nicht nur ein bisschen anstrengend. Jedes für sich ist anstrengend und die Kombination ist… ach. Ach, ach, ach. Mir gehen die Vergleiche aus. Ich würde schreiend im Kreis laufen, aber nicht mal dafür hab ich Zeit. Ich würde so gerne zu Fuß zur Arbeit gehen, und wenigstens ein bisschen Energie körperlich loszuwerden und den Kopf freizukriegen, aber… das kostet mich ne Stunde jeden Tag, in der Stunde kann ich arbeiten, oder Zeit mit den Kindern verbringen, oder einen Wocheneinkauf erledigen. Ich beneide meine Kolleginnen, die noch keine Kinder haben und auch die, die mit ihrem PhD fertig sind (ok, nicht alle, das Kein-Geld-Problem betrifft nicht nur mich, sondern fast die ganze Arbeitsgruppe). Aber eigentlich hab ich auch für Neid und andere Befindlichkeiten keine Zeit. Oder dafür, die Arbeit von anderen zu korrigieren und auszubügeln und für sie mitzudenken. Ich bin jetzt der Arschloch-PhD-Student, der sein Projekt als das WICHTIGSTE DER GANZEN WELT ansieht, weil, naja, meine kleine Welt hängt grad sehr von diesem Scheiß ab. Den Kollegen, die darüber stöhnen, möchte ich vor den Kopf knallen: wisster, in zweieinhalb Monaten seid ihr mich eh los! Und dann komme ich nach Hause, wieder zu spät, der Mann ist genervt, die Kinder entweder hypnotisiert vor dem Fernseher, oder beim Freund (Michel) oder im Ausrastmodus, ich bin so müde, Herr Rabe kocht, ich bin so müde, alles ist wie Blei, wir essen, die Kinder nörgeln, Michel will Dinge, wir stehen tausendmal beim Essen auf um Dinge zu holen, ich bin so müde, dann ist mindestens ein Kind plötzlich fertig mit Essen, oder ruft vom Klo, oder eskaliert wegen irgendwas. Ich bin erst halbfertig mit Essen. Und ich bin so müde. Das Essen dauert 1/3 länger als notwendig, weil ich pausenlos erkläre, dass ich noch nicht fertig bin mit essen. Kinder ins Bett bringen, es wird acht, scheiße so spät schon, dann kommen die morgen wieder nicht aus den Federn, Pippi turnt, Michel labert, ich bin so müde. Aber ich schlafe nicht mehr bei denen ein, ich hab ja keine Zeit. Wieder hoch, das Essen wegräumen, spülen, eventuell Brotdosen machen. Ich müsste noch *hier random Arbeitsdings einfügen*. Schnecken. Wäsche. Ich müsste noch *hier random Arbeitsdings einfügen*. Bett. Arbeitsdings dann morgen. Hab ja Zeit, so ca. 9 Stunden, wenn’s länger dauert ist der Mann eben noch ein bisschen genervter und die Kinder noch ein bisschen unausgeglichener. 
Noch zweieinhalb Monate, dann bin ich das los. 

Tag 739 – Mühsal. 

Das moderne Eichhörnchen hakt To-To-Listen ab. Ich bin jetzt fertig mit Zellgedöns, soll heißen, ich habe ein hübsches Panel an Zellen und knock-outs, behandelt mit TODBRINGENDEM, MUTAGENEM ZEUG und nicht, fixiert auf Objektträgern. Jetzt muss ich das „nur noch“ färben. Heute sah ich allerdings mal nach der Fluoreszenz in der einen knock-out Zelle, die also das Protein nicht hat und verdammt noch mal nicht leuchten sollte und: möööp. Genauso grün wie der Wildtyp. So eine kacke, also morgen neuen Antikörper bestellen, wenigstens kommt der aus Schweden und müsste dementsprechend schnell da sein. Und warum hat der Konfokaltyp da nicht nach geguckt, frage ich mich? Vermutlich hat der überhaupt nicht verstanden, was wir wissen wollen und warum wir ihm welche Zellen dafür geben. Es ist zum Kotzen, echt mal. Der neue Antikörper wird sich dann auch leider nicht mit dem Antikörper gegen das andere Protein vertragen, wie ich das löse, weiß ich noch gar nicht, jedenfalls ist das grade alles ein ordentlicher Mist. Und um dem ganzen die Krone aufzusetzen, fragte mich dann Mr. I-Trust-You, ob ich denn „trained“ am Konfokalmikroskop sei, weil sonst dürfe ich da leider gar nicht alleine ran. Und so schrieb ich als letzte Aufgabe des Arbeitstages eine Mail an den Konfokalobermotz, ob ich bitte bald ein Training haben könnte, es eile leider sehr. Den Konfokalobermotz kenne ich vom sehen und fand ihn bisher immer diffus unangenehm, der flirtet gern auf so eine joviale Art mit sehr viel jüngeren Frauen (also… mir und meinen Mitdoktorandinnen) und naja, ich kann mich kaum halten vor Freude, dass ich dann hoffentlich ganz bald mit ihm einige Stunden alleine in einem dunklen Raum verbringen darf. Aber vermutlich ist das alles halb so wild und vermutlich ist es außerdem auch total schlau, zu wissen, was man an dem Ding da tut und nicht nur wahllos irgendwelche Knöpfe zu drücken bis die Bilder halbwegs so aussehen, wie sie sollen. 

Ach ja, und weil das ja noch nicht reichte, sprangen mir beim Nachhausekommen die Schneckeneier wieder ins Auge. Die Schnecken feiern ihren Terrarienumbau mit Kalk in der Erde und Farn in der Ecke offensichtlich hart, denn vorgestern erwischte ich eine beim Eierlegen. 

Ich kann aber keine ~100 Babyschnecken gebrauchen und es war ja auch klar, dass der Tag irgendwann kommen würde, heute war es dann soweit, ich grub die Eier aus (die eine erstaunlich feste Schale haben, wie Perlen fühlen die sich an) und fror sie ein. Alle bis auf zwei, die wollte Michel unbedingt (hier zitternde Unterlippe und Dackelblick vorstellen) „behalten“, also im Terrarium lassen. Weil die Schnecken sonst ja traurig sind und die Babys in den Eiern ja „tot werden“ (danke, mein Sohn, dass du mich dran erinnerst). Mal sehen. Vielleicht haben wir dann demnächst zwei Babyschnecken. Ganz unten im Terrarium. Jedenfalls fühlte sich das Einfrieren um die Embryos abzutöten echt viel bescheidener an, als ich gedacht hätte. Vielleicht bin ich aber heute auch einfach sehr empfindlich und emotional. 

Seufz, ab mit euch in den Gefrierschrank.

Was aber gut ist (denke ich): ich gehe jetzt schlafen. Vor 10. Hurra!