Tag 2371 – Lustlos.

Manic Meeting Monday. Aus Gründen (Stichwort „Gewinnrealisierung“, ausgerechnet zum IT-Projekt, bei dem wir ja nichts gewinnen, sondern ein gut funktionierendes, vier Jahre altes System durch ein anderes ersetzen!) waren die Meetings zum Teil auch richtig ätzend. Zum anderen Teil sorgten die Meetings nur für noch mehr Arbeit in den nächsten Tagen. Uffz, ächz, blöd alles.

Gut heute: beide Kinder testeten morgens negativ. Außerdem holte ich Pippi und das Nachbarsmädchen vom Hort ab, wo sie grade versuchten, dem dritten Nachbarsmädchen das Schlittschuhlaufen beizubringen, und es war sehr süß, wie die zwei die dritte anfeuerten und „SUUPEEER GEMACHT! GANZ TOLL! GLEICH NOCHMAL!!!“ riefen, wenn sie drei, vier Meter ohne Hinfallen geschafft hatte. Hach.

Auch gut: ich habe grad noch rechtzeitig dran gedacht, die Schulschwester zurückzurufen, damit da die Bälle nicht gleich wieder aufhören zu rollen.

(Das war‘s auch schon…)

Tag 2364 – Back in the homeofficegame.

Ach ich weiß auch nicht. Ich komme nicht aus dem Quark am Schreibtisch zu Hause. Ob physisches Office helfen würde, weiß ich aber auch nicht. Nicht wenn Pandemie nicht auch rum wäre, sonst ist Büro ja nur eine Geisterveranstaltung mit deutlich erhöhter Infektionsgefahr. Post-Pandemie ist Büro auch mit einer offenen Box mit allen privaten Dingen drin, und ohne feste Sitzplätze aber mit einem Sammelsurium an verschiedenen Stühlen. Man sollte also aufpassen, was man sich wünscht.

Unsere Direktion wünscht sich jedenfalls, dass wir wieder mehr ins Büro kommen. Sie waren ganz enttäuscht, dass die Begeisterung für Büroarbeit im Herbst gar nicht so groß war. Ja, hmm, erstens hatten manche von uns im Herbst Corona und/oder Kinder mit Corona oder in Quarantäne, zweitens ist es wenig attraktiv, eine Stunde in ein leeres Büro zu gurken, da mühselig meinen Stuhl (SOLANGE ES MEINER IST, IST ES MEINER!!!) wieder so einzustellen, wie ich ihn haben will, mit dem Rest der Technik zu kämpfen, in der Kantine eingeschränktes Angebot zu finden, und dann wieder eine Stunde zurückzugurken. Das einzige, was mir das bringt, ist eine vielfach gesteigerte Infektionsgefahr und Puls, wenn ich die Plexiglasscheiben sehe, die magisch aus 80 cm einen Meter machen (der auch nicht reicht, wenn man da stundenlang ohne Maske atmend sitzt, aber das gibt mein Arbeitgeber nicht zu). Potenzspammails wären stolz auf meinen Arbeitsplatz.

Alles doof. Vielleicht spielt der Zyklus mit rein. Vielleicht, dass Herr Rabe eine Waage ins Bad gestellt hat, die irgendwas von Weihnachten und Zyklusendwasser und faul im Homeoffice rumgehangen erzählt, wenn ich mich darauf stelle. Ich könnte jetzt sagen, die ist kaputt, oder meine Klamotten seien offenbar sehr sehr schwer, aber who am I kidding. Der Spiegel sagt das auch schon seit vor Weihnachten, und dass es hier und da immer öfter mal zwackt, spricht auch dafür, dass ich mich definitiv wieder mehr bewegen sollte. Dabei ist mir immer noch mehr nach Winterschlaf. Seufz.

Wake me up when pandemic ends.

Tag 2351 – Bergauf.

Heute war der Tag mit den wenigsten Tageslichtminuten des Jahres, ab jetzt wird also alles besser.

Die Fähre für den Rückweg aus Deutschland konnte umgebucht werden. Dass ich drei Stunden auf den automatischen Rückruf der Hotline gewartet habe, deutet aber an, was bei denen heute los war.

Auch heute war Homeschooling keine Freude und wenn wir das nach den Ferien noch weiter treiben sollen, melden wir Bedarf an, dass Michel in der Schule seine Aufgaben macht. Sonst überlebt das nämlich nur einer von uns. (Das klingt jetzt so lustig, wie „Jaja, mein Kind meckert auch erst mal ne halbe Stunde, dass es Hausaufgaben machen muss, die dann zwei Minuten dauern“, aber es ist leider gar nicht lustig, für niemanden hier im Haus. Ganz im Ernst: das, was hier abgeht, kann nicht normal sein. Nicht mal ansatzweise. Dann hätte es wesentlich massivere Proteste gegen die zweite, dritte und vierte Runde mit Schulschließungen gegeben. Weiterhin gehe ich davon aus, dass Michel in der Schule maximal ab und zu die Spitze dieses Eisberges durchblitzen lässt, denn sonst bekämen wir täglich Anrufe von der Schule und Michel würde vermutlich als unbeschulbar gelten. Aus Gründen verliere ich leider langsam die Hoffnung, dass ihm dann wenigstens geholfen würde, wenn er auch dort auffällig wäre.)

Jetzt sind erst mal Ferien und uns kann das sch… Weihnachtsheft am Hintern vorbei gehen. Michel hat es fertig gemacht und es darf jetzt bis zum 3. Januar im Rucksack wohnen.

Pippi hingegen macht ihre Aufgaben zum Teil sehr gerne, nämlich immer, wenn es ums Malen geht. In der ersten Klasse wird noch sehr, sehr viel gemalt. Ich kenne jetzt die Nooms, und weiß, wer welche Farbe hat und wie lang ist. Die Nooms, das ist die fancy Version von diesen Montessori-Zahlen-Stäbchen. Uno ist lila und 1 [Meter, sagt Pippi] lang, Penta ist grau und 5 lang. Fancy sind sie, weil es ein ganzes Noom-Universum mit kleinen Filmchen und Liedern und Apps und was weiß ich nicht alles gibt, statt… naja Holzstäbchen halt. Pippis Aufgabe war heute unter anderem, die Szene „Die Nooms feiern Weihnachten“ zu malen, was sie sehr hingebungsvoll und unablässig mit sich selbst redend tat. Schon süß, aber irgendwann bluten mir ein bisschen die Ohren.

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P.S. Mir ist übrigens völlig egal, ob die Schule den Kindern das Rechnen mit Nooms oder Äpfeln und Birnen oder abstrakten Zahlen beibringt. Hauptsache, sie lernen es, und zwar so dass alle Kinder individuell ihr Potential ausschöpfen können und langfristig motiviert bleiben. Wie das am besten geht, müssen sich Expert*Innen für Didaktik überlegen.

P.P.S. Das selbe gilt für Schreiben und Lesen lernen, Schreibschrift, Bleistift/Kuli/Tintenroller/Füller, schreiben mit der Hand vs. frühen Gebrauch von digitalen Lernmitteln zum Tippen und so weiter und so fort. Es ist mir egal.

Tag 2283 – Uff uff uff.

Michel hat grad ne Laune, es ist… wundervoll. Einfach herzig. Ganz reizend. (Ist es natürlich nicht, aber ich muss das hier ja nicht ausbreiten.)

Pippi hingegen hat nur morgens Laune, bevorzugt von 08:00 bis 08:10. Das Resultat ist aber dann immer, dass sie und Michel zu spät zur Schule kommen und das wiederum ist Michels Laune (und meiner, und der von Herrn Rabe) ganz und gar nicht zuträglich.

Nach einer langen und schwierigen Geburt mit vielen Beteiligten hat heute ein wichtiges Dokument endlich das Haus verlassen. Leider ist damit vermutlich nur das x. Kapitel in einem mehrbändigen Epos abgeschlossen.

Wir haben jetzt eine Consultant (lange Geschichte) und ich hatte ein Vorbereitungsmeeting mit der – und hab danach echt mit den Ohren geschlackert. Das ging schnell! Super effizient alles durchgerattert und dann mussten wir eh aufhören, weil bei ihr der Internetmensch vor der Tür stand um Breitband zu verlegen. Sie wohnt bei uns in der Nähe, aber in einem noch viel dorfigeren Dorf. Nebenher betreibt sie eine Alpakafarm, ab nächster Woche dann eben auch mit Breitbandanschluss. Life goals.

Tag 2151 – Bisschen nachgereicht.

Also mein Ausflug in die Großstadt gestern, der war so.

Ich hatte ja vor ein paar Wochen den Hautarzttermin ausgemacht, um alle meine Muttermale kontrollieren zu lassen. Ich habe viele und bin sehr weiß und werde ja auch nicht braun, sondern nur Hummer und dann wieder weiß, ich sollte das also viel öfter machen. Naja. Jetzt bin ich jedenfalls „godkjent“ (genehmigt, und weil Sie das sicher wissen wollen: man spricht das guh-chent oder guh-schent aus) von Kopf(haut) bis Fuß (tatsächlich wurde sogar zwischen meinen Zehen nachgeschaut). Das war teuer, aber ich bin jetzt sehr beruhigt, fürs erste.

Dann ging ich zum Geigenbauer. Zu Fuß, denn das Wetter war (ist!) herrlich und um neun Uhr morgens ist die Luft selbst in Oslo zur Zeit super, ist ja fast kein Berufsverkehr. Außerdem ist die innerste Innenstadt weitgehend autofrei und ich gehe ja gerne, also spazierte ich vom Nasjonaltheatret über Stortinget, Karl-Johan, Dom, Youngstorget, drölfzig Umwege wegen schlechtem Orientierungssinn und der Baustelle aus der Hölle zur Storgata. Dass überhaupt noch wer zu diesem Instrumentenladen findet, bei dieser sich permanent ändernden Großbaustelle direkt vor der Tür, grenzt an ein Wunder. Hätte ich nicht gewusst, dass die geöffnet haben, ich wäre wohl unverrichteter Dinge wieder abgezogen und nicht quer durch die Absperrungen und die Baustelle mit meiner Geige über Holzbretter balanciert. Der Instrumentenbauer Maurizio war aber da und ich durfte erst mal Hände waschen (damit ich nicht die ganzen Instrumente mit Desinfektionsmittel voll schmiere) und dann jede erdenkliche Kinnstütze ausprobieren, die da war. Die Wahl fiel relativ leicht und relativ schnell auf eine „Stradivari-Type“ (Guarneri wäre 2. Option gewesen), Maurizio nahm die alte auch gleich runter und meinte taktvoll „Now that we have this off, i‘ll just clean it a bit, it is usually not accessible“. Dann entfernte er vermutlich bis zu 25 Jahre alten Schmodder und Kolophoniumstaub. Aber wo er die Geige grad in der Hand hatte, fragte ich, ob er meine, ob sonst noch irgendwas gemacht werden müsse. „I’ll have a look.“ und dann wurde geschaut („The bridge is very straight!“) und gespielt („Quite balanced“) und dann geklopft, und es machte klonk klonk klonk knack. „Is open here. That is not good.“ sagte Maurizio. Er erklärte dann noch, dass das normal sei, der Leim hält halt nicht ewig. An einer Stelle unten hatte sich die Decke vom Korpus auf ca. 4 cm gelöst, wie er durch geschicktes Prokeln mit einem kleinen Dings (Spatel?) herausfand. Solange das noch so wenig sei, sei das einfach zu leimen, je länger man wartet, desto schwieriger wird das aber. Sagte er. Also blieb meine Geige da und wurde über Nacht geleimt.

Dann fuhr ich mit der T-Bane ins Büro und machte sehr viele Updates mit gemischtem Erfolg. Von meinen Kolleg*Innen war genau eine da. Mit der unterhielt ich mich ein bisschen. Dann holte ich noch einen Ausdruck am Drucker und neue Kopfhörer im 6. Stock ab, meine alten gingen langsam hinüber. Ach, liebe Macher*Innen von Teams: ich würde wirklich, WIRKLICH begrüßen, wenn Teams mit Airpods funktionieren würde. Das wäre ganz grandios. Mit diesem Wunsch bin ich auch sicher nicht alleine.

Mit dem Zug zurück und spätestens da hätte ich auch einfach direkt ins Bett gehen können. Man ist ja wirklich nichts mehr gewohnt.

Donnerstags abends ist aber ja auch Tanzen. Und das ist wieder drinnen, weil wir ja dürfen, also mache ich das mit Mundschutz um mein und das Risiko anderer wenigstens soweit zu begrenzen, wie ich kann (außer nicht hingehen, das wäre noch besser, aber das möchte ich nicht). Allerdings bekam ich wegen Hitze oder Menschen oder Anstrengung oder Mundschutz oder allem oder nix davon beim ersten Kurs schon solche Kopfschmerzen, dass ich danach einfach nach Hause ging statt den zweiten Kurs auch noch mitzumachen.

Dann schlief ich bei Michel im Bett ein.

Heute Morgen bekam ich eine SMS von Maurizio, meine Geige sei fertig, also fuhr ich heute wieder hin um Geigi aus dem Instrumentenkrankenhaus wieder abzuholen, mit neuer Kinnstütze:

Zum Größenvergleich hab ich die alte noch mal drauf gelegt.
Endlich Platz für lange Hälse.

Hach. Das war die Touren allemal wert.

Ich bilde mir ein, jetzt mehr Obertöne zu hören, als wäre die Resonanz wirklich verbessert, aber das kann tatsächlich eigentlich nur Einbildung sein.

Und zu Hause blüht der Apfelbaum, aber wie!

Tag 2120 – Alles wäh.

Manic meeting Tuesday und dann noch eine „innsynsbegjæring“ also Antrag auf Akteneinsicht am Hals. Das hatte ich schon ausgesetzt (wir haben nur 5 Arbeitstage, um solche Anträge zu beantworten, danach gelten sie als abgelehnt und sind dann einklagbar) und heute musste es wirklich endlich raus, aber das Tool, das wir da haben und benutzen *müssen*… Hmmja. Ich hab vermutlich zwischen 15 und 17:30 Uhr heute erheblich mehr graue Haare bekommen.

Nach der Arbeit Elternabend (über Teams, yeah, endlich mal wieder ein Teams-Meeting! Hatte es in den drei Stunden seit dem letzten schon vermisst.), danach Schweinchen sauber machen (die Stellen, an denen die Terror-Wurst neulich Muffin gebissen und büschelweise Haare ausgerissen hat, sehen alle gut aus und das Fell sprießt auch wieder, uff), Wäsche waschen, essen, Vorlesen, Kuscheln, Aufräumen…

Und keine Energie mehr, Sozialkontakte per Bildschirm zu pflegen. Einfach gar nicht.

Tag 2094 – Im Eimer.

Es war ein Tag. Aus Gründen war er in weiten Teilen scheiße.

Dieses ganze erwachsen-sein-Ding: ich tauge nicht dazu, glaube ich. Aber muss ja. Wie Corona. Muss ja weiter gehen. Muss erwachsene Dinge tun.

Innendrin will ich nicht und – Millennial durch und durch – mein Körper will das auch nicht und macht lauter lustige Dinge, damit ich mich ins Bett lege und betuddeln lasse*, aber – flink pike durch und durch – ich mache es halt trotzdem.

Es ist nicht einfach mit mir.

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*as if, ich werde aggressiv, wenn ich krank bin und mich betuddeln kommt überhaupt nicht in Frage, dann beiße ich, mindestens verbal

Tag 2008 – Grummelstimmung.

Der Tag fünf für mich mit einem Meeting an, das ich, zu allem Überfluss vergessen hatte. Wenn ich muss, schaffe ich es innerhalb 20 Minuten aus dem Schlafanzug über die Dusche bis geschminkt an den Schreibtisch. Ein Hoch auf Homeoffice. Das Meeting war trotzdem richtig RICHTIG doof, Behörde galore, manchmal macht mich das ja schon fertig. Dass Herr Rabe kurzfristig einspringen und Pippi zum Kkndergarten fahren musste, machte ein schlechtes Gewissen bei mir und alles nicht besser.

Dann las ich ziemlich viel auf meinem Nettbrett [tablet] und versuchte mit der Schrifterkennung warm zu werden – erfolglos. Dann war auch noch der Stift sehr schnell leer, so, liebes Nettbrett, wird das leider nichts mit den Inspektionen. Da brauche ich Akku für 8 Stunden, sowohl im Nettbrett als auch im Stift. Man hätte das vermeiden können, dass ich mich jetzt drüber ärgere, wenn man einfach nach der spec gekauft hätte, die ich erstellt hatte, alternativ mir schonend beigebracht hätte, dass es solch Wundergerät nicht zu kaufen gibt, hat man aber nicht. Man hat nur Nettbrett gelesen und eins bestellt. Hrmpf.

Nachmittags flatterte dann noch ein Antrag auf Dokumenteneinsicht rein (hasse das. Da muss man alles für stehen und liegen lassen wegen absurd kurzer Fristen und hinterher ist niemand so richtig zufrieden) sowie eine email mit „kannst du das beantworten?“ die ich reflexhaft mit nein beantworten wollte, dann seufzend den Vertrag zwischen der EU und UK aufmachte, dort eine halbe Stunde in den Annexes las, und schlussendlich meine Chefin anrief und „nein“ sagen musste, „nein, keine Ahnung, sorry“.

Btw: die EWR-Staaten haben keinen Vertrag mit UK. Nur die EU hat einen. Theoretisch ist UK für Norwegen nun auf der gleichen Stufe wie Indien, Guatemala oder Weißrussland. Es ist zum Mäusemelken. Ich hoffte nur, im Vertrag vielleicht die Antwort zu finden *wenn wir denn nen Vertrag hätten*. Aber leider nein, leider gar nicht.

(Lichtblick: der Kollege, der alles weiß, war für mich sogar noch nach einem Zehnstündigen Inspektionstag (per Videokonferenz, mit einem Hersteller in einer komplett anderen Zeitzone) zu sprechen, weiß auch keine Antwort, und empfahl mir noch eine weitere Gesprächsperson. Die werd ich dann morgen mal anhauen, ob die ne Idee hat.)

So war das heute.

Sehr viel Liebe für Herrn Rabe, der abends noch eine Tiefkühlpizza geholt hat, damit seine Frau wegen „Abend“-Essen um halb fünf nicht um halb zehn vor Hunger vom Stuhl kippt.

Tag 1987 – Ufffffffz die 2.

Wieder Hunger, aber das kann gar nicht sein, also ignoriere ich das.

Wir haben Weihnachtsvorbereitungsmäßig alle Hände voll zu tun. Und da ich immer Hunger habe und hungrig bestellen genauso blöd ist wie hungrig einkaufen, platzt unser Kühlschrank bald aus allen Nähten. Heute war ich auf zwei Einkaufstouren, erst in Oslo, das vor einem Monat bestellte Fleisch vom Hipsterfleischer kontaktarm abholen (zur Abholzeit hin, mit viel Abstand draußen in eine 3-Menschen-Schlange stellen, Nummer sagen, 30 Sekunden warten, Karton in Empfang nehmen, nach Hause fahren. Alle trugen Masken.), dann in Råholt, beim „Reko-Ringen“ bestellte Eier und, naja, noch mehr Fleisch (von freilaufenden Bergschweinen!) auf die gleiche Art und Weise abholen. Normalerweise haben wir ja Eier vom quasi eigenen Huhn (über unseren Gemeinschaftsbauernhof), aber da machen die Hühner grad Winterlegepause und das heißt, da gibt es grad keine Eier. Gut, dass es da eben andere Bauern bei uns in der Nähe gibt, auf deren Eier man ausweichen kann. Beim Reko-Ringen tun sich da mehrere Bauern aus der Region zusammen und liefern ein- bis zweimal im Monat auf einem Parkplatz vorbestellte Waren aus. Ich gucke also vorher mal in die Facebook-Gruppe, was es so gibt, und schreibe dann die entsprechenden Händler an, „ich hätte gerne ein Brett Eier“ oder „ich möchte ein kleines Stück geräucherten Schinken bestellen“.

Weil ich dann eh in Råholt war und unser Lieferslot für den Großeinkauf über „Kolonial“ leider wegen zu zögerlichem Bestellverhalten verloren ging, habe ich noch den Weihnachtseinkauf drangehängt. Hungrig. Wir können jetzt also so bis Februar eingeschneit werden, wir kommen klar.

Ich empfehle übrigens ausdrücklich Michel als Begleitung auf solchen Touren. Der möchte im Auto „All I want for Christmas“ hören und singt mit. Das ist sehr niedlich. Was ich nicht empfehlen kann, ist, auch noch seinen Kumpel mitzunehmen, denn dann wird man konstant vollgelabert und aus den Handys der Jungs schallen auch noch unterschiedliche Spiel- und Musikklänge. Das ist, in Verbindung mit Auto fahren, etwas herausfordernd.

Zwischen den ganzen Einkaufsaktionen habe ich noch Michels neuen Schrank aufgebaut. Ein Loblied auf I*ea, echt mal. Die stecken offenbar echt viel Hirnschmalz in ihre Produkte, sodass sie inzwischen super einfach aufzubauen sind. Einen Schrankkorpus ohne Schrauben! Ich bin begeistert! Da man sich inzwischen schon ein bisschen Mühe geben muss, um die Einzelteile falsch zusammenzusetzen, habe ich einen gefühlten persönlichen Rekord aufgestellt, indem ich nur bei einer Schublade die Seitenteile falsch herum eingesetzt habe sowie eine Schubladenlaufschiene (von 16!) seitenverkehrt angebracht habe. Da man aber spätestens beim übernächsten Teil merkt, dass irgendwas nicht stimmen kann, ist das gar nicht dramatisch und schnell behoben. Hach! Ich finde, „Nachmacherprodukte“ kommen da noch lange nicht ran. Da geht noch was – und in der Zeit geht I*ea weiter und macht noch was noch einfacher, so jedenfalls mein Eindruck. Wer das Gegenteil behauptet, die*er hat noch keinen Platsa-Korpus aufgebaut.

Was ich mir von I*ea wünsche, ist, die Anleitungen nur noch ins Netz zu stellen, und gegebenenfalls im Möbelhaus auszudrucken für die die das möchten. Aber ich brauche wirklich nicht 16 mal die Anleitung für das Anbringen der Laufschienen für die Schubladen. Das spart vielleicht nicht viele Ressourcen, aber vielleicht ein paar.

Tag 1983 – Neun Prozent.

Ich habe zwei Endgeräte, nämlich mein Handy und mein (neues) Arbeitstablet, heute zwei mal leergedaddelt. Mein Handy hat jetzt noch neun Prozent und ich hab auch irgendwas in dem Dreh. Ich bin wirklich platt, aber jetzt habe ich halt auch URLAUB. Hurra. Uff. Hurra.

Jetzt liegt hier schon wieder so ein 1,36 Meter großer Zwerg neben mir im Bett und schnauft, hachz. (Morgen früh ist davon nichts mehr hachz, weil ich so echt schlecht schlafe, aber manchmal lacht er im Schlaf und… hachz!)

Morgen werden wir diverse Heimwerkdinge kaufen und einen Weihnachtsbaum sägen, für den wir gar keinen Platz haben, weil wirklich ALLES voller Möbel steht, die wir nicht mehr brauchen.

Ich fühle mich leicht emotional. Was für ein völlig beklopptes (Arbeits-)Jahr da zu Ende geht. Was für ein beklopptes (Arbeits-)Jahr auf uns zu kommt.

Wenn ich spekulieren müsste, würde ich annehmen, wir fangen vielleicht dieses Jahr noch mit dem Impfen an und haben bis Ostern einen großen Teil der wirklich stark für einen schweren Verlauf Gefährdeten geimpft, sowie Teile des kritischen Gesundheitspersonals. Es wird, besonders bei letzteren, allerdings auch einige geben, die sich nicht impfen lassen wollen. Aber 60-70% reichen ja auch. Weil aber der allergrößte Teil der U60-Bevölkerung noch nicht geimpft ist, kriegen wir eine dritte Welle im März/April, vornehmlich unter jungen Leuten, weil „man kann ja jetzt wieder…!“. Es gibt also wieder Beschränkungen wie Fitnesstudios zu. Clubs machen kurz auf, es gibt massive Ausbrüche und sie machen wieder zu. Dann kommt irgendwann der Sommer und saisonale Effekte führen hoffentlich wieder zu einem starken Rückgang. Man kann wieder Urlaub in supersexy Dänemark und im Schwarzwald machen, allerdings kann man kaum vorausschauend buchen. Die Impfung (inzwischen gibt es sicher 3-5) erreicht ganz langsam auch die jüngeren, fitten Menschen. Ob die sich in ausreichendem Maß impfen lassen, hängt vermutlich maßgeblich davon ab, ob im Frühjahr viele Menschen in dieser Gruppe schwer erkranken und ob nicht doch noch unerwartete spät auftauchende Nebenwirkungen der Impfung(en) entdeckt werden.

Und mit ein bisschen Glück ist dann in einem Jahr wieder alles beim neuen normal. Soweit meine Spekulation, begründet auf meiner imaginären Glaskugel.

Wer hätte das vor einem Jahr gedacht.