Tag Bummens – Königin der Brechstange.

Ich bin um einige wertvolle Erfahrungen reicher geworden heute. Und um fast ein ganzes Balkongeländer ärmer. An einem gewissen Punkt konnten Michels Spaghettiärmchen nicht mehr, deshalb ist das letzte Stückchen noch dran, aber das ist immerhin so weit vorbereitet, dass es recht fix gehen dürfte, den Rest abzumachen. Mir tut jetzt alles weh, mein Körper ist voller blauer Flecken, sämtliche Muskeln schmerzen, aber der Schreiner kann morgen anfangen. Die Aktion hat uns einiges an Geld gespart, aber Spaß war das ganz und gar nicht.

Was man halt an jeder Halterung machen muss: Panel abhebeln, um die Halterung freizulegen. Die Schrauben und Muttern lösen so gut es geht (etwa 50 % sind festgerostet). An der nächsten Halterung den eisernen Metall-Querbalken abschrauben und dann den mittleren Nagel raushebeln. (Alle Nägel sind so 10 cm lange Tischlernägel.) Dann oben mit der Kreissäge (vielleicht wäre eine Stichsäge besser, aber wir haben keine. Vielleicht ist auch die Kreissäge, die wir haben, einfach komplett scheiße. Ich habe jedenfalls heute einen ordentlichen Hass auf die Kreissäge entwickelt) den durchgehenden Balken oben durchsägen. Geländerstück zu zweit wegtragen. Gegebenenfalls die Halterung abschrauben (falls die nicht noch am Geländerstück hängt, weil Schrauben festgerostet waren). Und dann 1,5 m weiter das gleiche von vorn.

Und vor dem ganzen Spaß mussten 80 qm Terrassenpanele weggetragen werden. Das waren jeweils so 2-5 qm große Panele, sauschwer und unhandlich wie sonstwas. Die Größten passten auch gar nicht auf den geliehenen Hänger, also musste die Kreissäge wieder ran – und Michel für die letzten paar Millimeter, wo ich mit der Säge aufgegeben habe. Michel hopst einfach so lange auf dem 7/8-durchgesägten Stück drauf rum, bis es bricht. Mit 50 kg dauert das zwar, aber geht schon irgendwann kaputt.

Im Geländer selbst habe ich entdeckt, dass da sehr gerne Wespen gewohnt haben. Ich habe Nester von Golfball- bis Handballgröße gefunden, allesamt leer, aber sicher so 15 Stück. Alle paar cm eins. Von wegen, die bauen nicht zwei mal am gleichen Ort. Die bauen sogar ein neues Nest direkt an ein altes dran.

Anyway. Michel hat sich seinen Lohn für heute redlich verdient und ich habe mir den ersparten Betrag beim Schreiner auch sehr redlich verdient. Michel hat auch, während ich mit den gröberen Arbeiten beschäftigt war, unermüdlich die Tischlernägel aus den entfernten Panelen gezogen, damit unser Müll nicht mehr ganz so lebensgefährlich ist. Wir haben jetzt einen ganzen (leicht angeschimmelten Muss-eh-weg-Pilzsammel-)Korb voller Metall.

Ich hab schon wieder keine Vorher-Bilder gemacht, aber nachher. Und Wespennester.

Das Tarp ist dazu da, die Ecke vor Regen zu schützen. Da ist nämlich die Durchführung der Wärmepumpe, die am Moderbalken schuld ist.

Eigentlich war ich dann zu fertig für irgendwas. Aber ich hab natürlich trotzdem Essen gekocht und dann auch noch Geige gespielt, weil Pippi sonst nicht schlafen kann. Mit ausgepumpten Unterarmen spielt es sich gar nicht mal so gut Geige. Außerdem hab ich mir heute ein mal richtig mies die Brechstange auf das erste Gelenk des rechten Daumens gehauen, das ist jetzt blau und mein Daumen etwas weniger flexibel, als ich gerne hätte. Aber was tut man nicht alles für seine Babies, ne?

Tag Dingens – Piep.

Hier leben alle, aber mir ist alles ein bisschen zu viel. Der Kopf ist noch oben, ich mache auch alles, aber ich mache eben auch buchstäblich alles und es ist mörderisch anstrengend. Abends fallen mir dann die Augen zu.

Und während ich so drüber nachdenke, ob ich schreiben soll, dass ich morgen mit Michel und ohne Ahnung das Balkongeländer abreiße, damit der Schreiner nächste Woche direkt anfangen kann, fällt mir ein, dass ich vergessen habe, das andere Wespennest im Zwischenraum zwischen den zwei Lagen auf dem Balkon zu bekämpfen*. Scheiße. Aber jetzt hampele ich auch nicht noch mal raus.

(Herr Rabe ist nicht da, deshalb ist dieses Wochenende diese Frau** hier ganz besonders selbst.)

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*da ziehen sie ein, weil sie können. Sie können, weil die Folie, die das verhindern soll, nicht mehr abschließt, vermutlich wegen Modergammelspaß auch da.

**Projektmanagerin

Tag 3952 – 3954 – Bisschen viel alles.

Total nicht überraschend war Donnerstag insgesamt hart, weil einfach viel zu wenig Schlaf stattgefunden hatte. Aber das war der Mittwoch wert gewesen.

Gestern hatte ich dann erst Teamtag, wo ich zwei Stunden entkommen „durfte“ um mir in einem Meeting mit der internationalen Inspekteurgruppe anzuhören, dass wir ja alle quasi faul seien und ehrlich, ich möchte nen Orden, wenn ich den Typen nicht irgendwann in einzelnen Bits durchs WiFi ziehe. Danach ging es direkt weiter, eine Führung durch die Oslo Mikrobryggeri (wo ich hauptsächlich drauf konzentriert war, keine Inspekteurfragen zu stellen, wie „aha, und wie weißt du, ob die Waage funktioniert?“, hat nur so semi geklappt) und danach Essen mit dem (inzwischen nicht mehr vollzählig anwesenden) Team. Das Restaurant hatte leckeres Essen, aber grauenvolle Akustik, wir hielten nur etwas über eine Stunde da aus. Dann gingen 5 von uns noch ein Bier trinken.

Heute war ich eigentlich wirklich, wirklich gar, zog aber durch, ein Konzertchen (20 Minuten) mit dem Streichorchester zu spielen, auf einer feuchten Wiese, nur von einem Pavillion geschützt. Es waren etwa (und das ist nicht übertrieben) 80% Luftfeuchtigkeit. Streichinstrumente mögen das mal so gar nicht. Aber es ging trotzdem einigermaßen und jetzt ist Sommerpause und ich kann einfach nur Grieg spielen.

Danach war ich aber WIRKLICH WIRKLICH gar. Also habe ich… eingekauft, Sport gemacht und gekocht.

Uffz.

Tag 3864 und 3865 – Piep 2.

Heute habe ich zweieinhalb Stunden zur Arbeit gebraucht, davon habe ich über eine Stunde in einem komplett überfüllten Bus, der an jedem dritten Baum gehalten hat, gestanden, und insgesamt war dieses Erlebnis so erfreulich, dass ich jemanden umgebracht hätte, hätten sie auch nur falsch Hallo gesagt. Warum das ganze: in Oslo S war ne Sicherung rausgeflogen. Das kommt vor, leider relativ oft, und weil das System da aus der Steinzeit ist, müssen in solchen Fällen 160.000 Sicherungen händisch überprüft werden. Das kann dann 5 Minuten dauern oder 3 Stunden. Es ist wirklich lächerlich. Wenn man dann noch in Betracht zieht, was so ein Jahresticket für die 35 Minuten Oslo-Eidsvoll kostet, kann man schon mal sehr angefressen sein, wenn man morgens schon vor 8 mehr und engeren Körperkontakt mit Fremden hatte als in einem Jahr wünschenswert ist.

Der Rest des Tages war ok, aber geprägt von meinem Groll. Gestern war auch ok, ich hab sogar gebacken und Michel hatte Besuch.

Morgen geht es wieder auf die Inspektion. Heute habe ich diesbezüglich mit Hilfe meiner Kollegin und dem Lieblingskollegen schwierige Entscheidungen getroffen. Das gehört zu den eindeutig weniger schönen Aspekten meines Berufes.

Tag 3839 – Schwitzi.

Die Infektion an sich ist wieder gut. Alles läuft wieder wie es soll und ich esse normale Sachen und nicht hauptsächlich Salzstangen und Ramennudeln und es zuckt auch nichts mehr. Ich war heute schon mehrmals nur für Pipi machen auf dem Klo, ich meine, Yeah! Das sind ungeahnte Lebensqualitäten! Die Codeintabletten habe ich schon seit Montag nicht mehr gebraucht und heute in den Schrank verräumt. Es geht also bergauf.

Was allerdings noch sehr nervig ist: ich bin von Kleinigkeiten sofort total erschöpft. Heute habe ich endlich meinen Koffer ausgepackt (das habe ich seit Freitag einfach nicht hinbekommen) und erstens empfehle ich das nicht, damit so lange zu warten, es sei denn, man bügelt ausgesprochen gerne und schickt gerne Blazer zum Aufbügeln in die Reinigung, und zweitens war ich danach komplett durchgeschwitzt. Leistungssport Koffer auspacken.

Um die Grenzen der Belastbarkeit vollständig auszureizen Weil ich morgen aus Gründen meinen richtigen Computer brauche, der noch bei der Arbeit war Weil mir die Decke auf den Kopf fällt fuhr ich am frühen Abend sehr gemütlich ins Büro, tauschte den „China-PC“ gegen meinen neu aufgesetzten eigentlichen PC aus und fuhr dann weiter sehr gemütlich dahin, wo Burlesque ist. Da machte ich nicht mit, weil keine Chance in meinem Zustand, aber ich sah eine Stunde lang zu. Das war auch schön. Dann fuhr ich sehr gemütlich zurück nach Hause.

Und dementsprechend platt bin ich jetzt. Wie eine Flunder. Eine schwitzende Flunder. Blubb.

Tag 3798 – 25 cm…

… Schnee werden heute Nacht erwartet. Das ist viel, selbst für hier, und weil -10 Grad sind, bleibt das auch alles liegen. Keine Ahnung, ob, wie und wann wir es morgen zur Arbeit schaffen, aber wir werden es versuchen. Vorsichtshalber haben wir ein Auto schon unten an der Straße geparkt, außerdem sind schon wieder Teile der Kabel ausgefallen und ich hab mich offen gestanden auch nicht getraut, hoch zu fahren. Ich muss dann aber dran denken, Spikes für die Schuhe mitzunehmen, sonst ist es etwas Risikosport, den Weg hoch zu gehen.

Heute der Tag war so lala. Ich habe gearbeitet und dann hatte ich irgendwann am späten Nachmittag derbe Kopfschmerzen und war wie ausgeknockt müde und musste erst mal ne Stunde Nickerchen machen. Offenbar bin ich nichts mehr gewohnt. Danach war ich weinerlich und frustriert und generell nicht mein bestes ich. (Und nein, es ist mal ausnahmsweise nicht der Zyklus.)

Herr Rabe hat die letzten zwei Tage ausgesprochen lecker gekocht, gestern Rosenkohlpfanne und heute Schmorkohl. Beides mit Kartoffeln. Das sind alles noch Weihnachtsreste (Kohl hält sich ja). Wir fühlen uns sehr westfälisch. Sogar die Kartoffelsorte ist ganz in Ordnung und hat einigermaßen Geschmack. Cerisa heißt die. Wenn es nicht verboten wäre, würde ich Kartoffeln aus der Heimat importieren und selber anbauen. So westfälisch bin ich! Und so fad sind die norwegischen Kartoffeln.

Tag 3787 – Weiter Rumhängen.

Ein Blick in den Zyklustracker beinhaltete heute immerhin eine Erklärung, warum ich so unfassbar antriebslos bin diese Woche. Es ist inzwischen Zyklustag 32. Yay. Heute habe ich mir deshalb meine eigene kleine Sequenz aus Aktivitäten zusammengestellt, die quasi eine logische Abfolge hatten, damit ich nur ein Mal den Hintern hoch kriegen musste und danach der Ball einfach rollen konnte. Das hat ganz ok funktioniert, so habe ich heute eingekauft (in Sportklamotten), dann Sport gemacht, dann auf meinen schwitzigen Kopf, der ja eh duschen musste, Blondierung gemacht, mit der Blondierung auf dem Kopf Geige gespielt, Blondierung ausgewaschen und Pastell-Lila drauf gemacht, damit auf dem Kopf mit Herrn Rabe und Pippi Brettspiel (Magic Maze Kids) gespielt und gegessen und dann alles abgeduscht, Sportschweiß, Haarfarben, alles. Damit das alles reibungslos auch ohne Antrieb geht, hatte ich mir schon vorm Einkaufen die Sachen fürs Haare Färben und eine Flasche Wasser zum Sport machen ins Hobbyzimmer gestellt. Einkaufen, also die initiale Aktion, die den Stein ins Rollen bringen sollte, läutete ich mit dem Vorheizen des Autos ein. Beste Funktion an E-Autos. Und wenn das Auto schon warm ist, muss man ja auch los. Und wenn man schon Sportsachen anhat, kann man ja auch Sport machen. Und so weiter.

Schon ein bisschen bekloppt, was eine so anstellen muss, um nicht mit dem Sofa zu verwachsen.

Aber ich habe gute Neuigkeiten zu Rode Caprice 9 (langsamer Teil): bis auf die letzte Zeile habe ich es jetzt rhythmisch raus. Glaube ich.

Ansonsten war nix.

Tag 3773 und 3774 – Piep, piep, piiieeep.

Hier ist zu viel los und ich bin zu müde für alles und zu overpeopled. Heute haben wir einen Ausflug nach Oslo gemacht, waren auf einem Weihnachtsmarkt mit Hipstergemachten Handarbeitsdingen und dann noch im Nerdladen (verkaufsoffener Sonntag). Der Weihnachtsmarkt war sehr nett, aber zum Teil auch echt sehr teuer. Was ich sehr gut fand: es gab drei Sorten Würstchen vom Grill und die veganen waren am billigsten. Gut, waren immer noch 69 Kronen…

Gestern waren zwei Vorstellungen von Pippi, erst mit ihrer Band, dann von ihrer Ballettgruppe. Beides hat sie super gemacht und wir sind sehr stolze Eltern. So groß ist die schon! Wahnsinn, wirklich.

Naja. Ist schon berechtigt, Sonntags abends einfach ins Bett zu plumpsen.

Tag 3673 – Piep.

Es leben alle. Und fast wäre auch alles gut, aber jetzt ist Herr Rabe irgendwie krank und ich sehe das dritte Wochenende in Folge im Klo versinken und weil mich das (und das Chaos) so stresst, denkt Herr Rabe jetzt auch, dass ich ihn hasse. Das ist natürlich alles nicht so optimal. Aber mein Pensum an happy pappy „das schaukeln wir schon alles“ ist erfüllt und mir geht einfach die Luft aus.

Sorry wegen des Genöles.