Tag 2008 – Grummelstimmung.

Der Tag fünf für mich mit einem Meeting an, das ich, zu allem Überfluss vergessen hatte. Wenn ich muss, schaffe ich es innerhalb 20 Minuten aus dem Schlafanzug über die Dusche bis geschminkt an den Schreibtisch. Ein Hoch auf Homeoffice. Das Meeting war trotzdem richtig RICHTIG doof, Behörde galore, manchmal macht mich das ja schon fertig. Dass Herr Rabe kurzfristig einspringen und Pippi zum Kkndergarten fahren musste, machte ein schlechtes Gewissen bei mir und alles nicht besser.

Dann las ich ziemlich viel auf meinem Nettbrett [tablet] und versuchte mit der Schrifterkennung warm zu werden – erfolglos. Dann war auch noch der Stift sehr schnell leer, so, liebes Nettbrett, wird das leider nichts mit den Inspektionen. Da brauche ich Akku für 8 Stunden, sowohl im Nettbrett als auch im Stift. Man hätte das vermeiden können, dass ich mich jetzt drüber ärgere, wenn man einfach nach der spec gekauft hätte, die ich erstellt hatte, alternativ mir schonend beigebracht hätte, dass es solch Wundergerät nicht zu kaufen gibt, hat man aber nicht. Man hat nur Nettbrett gelesen und eins bestellt. Hrmpf.

Nachmittags flatterte dann noch ein Antrag auf Dokumenteneinsicht rein (hasse das. Da muss man alles für stehen und liegen lassen wegen absurd kurzer Fristen und hinterher ist niemand so richtig zufrieden) sowie eine email mit „kannst du das beantworten?“ die ich reflexhaft mit nein beantworten wollte, dann seufzend den Vertrag zwischen der EU und UK aufmachte, dort eine halbe Stunde in den Annexes las, und schlussendlich meine Chefin anrief und „nein“ sagen musste, „nein, keine Ahnung, sorry“.

Btw: die EWR-Staaten haben keinen Vertrag mit UK. Nur die EU hat einen. Theoretisch ist UK für Norwegen nun auf der gleichen Stufe wie Indien, Guatemala oder Weißrussland. Es ist zum Mäusemelken. Ich hoffte nur, im Vertrag vielleicht die Antwort zu finden *wenn wir denn nen Vertrag hätten*. Aber leider nein, leider gar nicht.

(Lichtblick: der Kollege, der alles weiß, war für mich sogar noch nach einem Zehnstündigen Inspektionstag (per Videokonferenz, mit einem Hersteller in einer komplett anderen Zeitzone) zu sprechen, weiß auch keine Antwort, und empfahl mir noch eine weitere Gesprächsperson. Die werd ich dann morgen mal anhauen, ob die ne Idee hat.)

So war das heute.

Sehr viel Liebe für Herrn Rabe, der abends noch eine Tiefkühlpizza geholt hat, damit seine Frau wegen „Abend“-Essen um halb fünf nicht um halb zehn vor Hunger vom Stuhl kippt.

Tag 1987 – Ufffffffz die 2.

Wieder Hunger, aber das kann gar nicht sein, also ignoriere ich das.

Wir haben Weihnachtsvorbereitungsmäßig alle Hände voll zu tun. Und da ich immer Hunger habe und hungrig bestellen genauso blöd ist wie hungrig einkaufen, platzt unser Kühlschrank bald aus allen Nähten. Heute war ich auf zwei Einkaufstouren, erst in Oslo, das vor einem Monat bestellte Fleisch vom Hipsterfleischer kontaktarm abholen (zur Abholzeit hin, mit viel Abstand draußen in eine 3-Menschen-Schlange stellen, Nummer sagen, 30 Sekunden warten, Karton in Empfang nehmen, nach Hause fahren. Alle trugen Masken.), dann in Råholt, beim „Reko-Ringen“ bestellte Eier und, naja, noch mehr Fleisch (von freilaufenden Bergschweinen!) auf die gleiche Art und Weise abholen. Normalerweise haben wir ja Eier vom quasi eigenen Huhn (über unseren Gemeinschaftsbauernhof), aber da machen die Hühner grad Winterlegepause und das heißt, da gibt es grad keine Eier. Gut, dass es da eben andere Bauern bei uns in der Nähe gibt, auf deren Eier man ausweichen kann. Beim Reko-Ringen tun sich da mehrere Bauern aus der Region zusammen und liefern ein- bis zweimal im Monat auf einem Parkplatz vorbestellte Waren aus. Ich gucke also vorher mal in die Facebook-Gruppe, was es so gibt, und schreibe dann die entsprechenden Händler an, „ich hätte gerne ein Brett Eier“ oder „ich möchte ein kleines Stück geräucherten Schinken bestellen“.

Weil ich dann eh in Råholt war und unser Lieferslot für den Großeinkauf über „Kolonial“ leider wegen zu zögerlichem Bestellverhalten verloren ging, habe ich noch den Weihnachtseinkauf drangehängt. Hungrig. Wir können jetzt also so bis Februar eingeschneit werden, wir kommen klar.

Ich empfehle übrigens ausdrücklich Michel als Begleitung auf solchen Touren. Der möchte im Auto „All I want for Christmas“ hören und singt mit. Das ist sehr niedlich. Was ich nicht empfehlen kann, ist, auch noch seinen Kumpel mitzunehmen, denn dann wird man konstant vollgelabert und aus den Handys der Jungs schallen auch noch unterschiedliche Spiel- und Musikklänge. Das ist, in Verbindung mit Auto fahren, etwas herausfordernd.

Zwischen den ganzen Einkaufsaktionen habe ich noch Michels neuen Schrank aufgebaut. Ein Loblied auf I*ea, echt mal. Die stecken offenbar echt viel Hirnschmalz in ihre Produkte, sodass sie inzwischen super einfach aufzubauen sind. Einen Schrankkorpus ohne Schrauben! Ich bin begeistert! Da man sich inzwischen schon ein bisschen Mühe geben muss, um die Einzelteile falsch zusammenzusetzen, habe ich einen gefühlten persönlichen Rekord aufgestellt, indem ich nur bei einer Schublade die Seitenteile falsch herum eingesetzt habe sowie eine Schubladenlaufschiene (von 16!) seitenverkehrt angebracht habe. Da man aber spätestens beim übernächsten Teil merkt, dass irgendwas nicht stimmen kann, ist das gar nicht dramatisch und schnell behoben. Hach! Ich finde, „Nachmacherprodukte“ kommen da noch lange nicht ran. Da geht noch was – und in der Zeit geht I*ea weiter und macht noch was noch einfacher, so jedenfalls mein Eindruck. Wer das Gegenteil behauptet, die*er hat noch keinen Platsa-Korpus aufgebaut.

Was ich mir von I*ea wünsche, ist, die Anleitungen nur noch ins Netz zu stellen, und gegebenenfalls im Möbelhaus auszudrucken für die die das möchten. Aber ich brauche wirklich nicht 16 mal die Anleitung für das Anbringen der Laufschienen für die Schubladen. Das spart vielleicht nicht viele Ressourcen, aber vielleicht ein paar.

Tag 1983 – Neun Prozent.

Ich habe zwei Endgeräte, nämlich mein Handy und mein (neues) Arbeitstablet, heute zwei mal leergedaddelt. Mein Handy hat jetzt noch neun Prozent und ich hab auch irgendwas in dem Dreh. Ich bin wirklich platt, aber jetzt habe ich halt auch URLAUB. Hurra. Uff. Hurra.

Jetzt liegt hier schon wieder so ein 1,36 Meter großer Zwerg neben mir im Bett und schnauft, hachz. (Morgen früh ist davon nichts mehr hachz, weil ich so echt schlecht schlafe, aber manchmal lacht er im Schlaf und… hachz!)

Morgen werden wir diverse Heimwerkdinge kaufen und einen Weihnachtsbaum sägen, für den wir gar keinen Platz haben, weil wirklich ALLES voller Möbel steht, die wir nicht mehr brauchen.

Ich fühle mich leicht emotional. Was für ein völlig beklopptes (Arbeits-)Jahr da zu Ende geht. Was für ein beklopptes (Arbeits-)Jahr auf uns zu kommt.

Wenn ich spekulieren müsste, würde ich annehmen, wir fangen vielleicht dieses Jahr noch mit dem Impfen an und haben bis Ostern einen großen Teil der wirklich stark für einen schweren Verlauf Gefährdeten geimpft, sowie Teile des kritischen Gesundheitspersonals. Es wird, besonders bei letzteren, allerdings auch einige geben, die sich nicht impfen lassen wollen. Aber 60-70% reichen ja auch. Weil aber der allergrößte Teil der U60-Bevölkerung noch nicht geimpft ist, kriegen wir eine dritte Welle im März/April, vornehmlich unter jungen Leuten, weil „man kann ja jetzt wieder…!“. Es gibt also wieder Beschränkungen wie Fitnesstudios zu. Clubs machen kurz auf, es gibt massive Ausbrüche und sie machen wieder zu. Dann kommt irgendwann der Sommer und saisonale Effekte führen hoffentlich wieder zu einem starken Rückgang. Man kann wieder Urlaub in supersexy Dänemark und im Schwarzwald machen, allerdings kann man kaum vorausschauend buchen. Die Impfung (inzwischen gibt es sicher 3-5) erreicht ganz langsam auch die jüngeren, fitten Menschen. Ob die sich in ausreichendem Maß impfen lassen, hängt vermutlich maßgeblich davon ab, ob im Frühjahr viele Menschen in dieser Gruppe schwer erkranken und ob nicht doch noch unerwartete spät auftauchende Nebenwirkungen der Impfung(en) entdeckt werden.

Und mit ein bisschen Glück ist dann in einem Jahr wieder alles beim neuen normal. Soweit meine Spekulation, begründet auf meiner imaginären Glaskugel.

Wer hätte das vor einem Jahr gedacht.

Tag 1959 – Fortschritt?

Naja, also es geht voran, hier zu Hause. Aber langsam und mit lauter Scheiß, der zwischendurch auftaucht. Ich lasse mal Bilder sprechen:

Aus der Perspektive sieht es ja schon ganz gut aus.
Aus der leider nicht. (Klassischer Fall von „Drei mal abgeschnitten, immer noch zu kurz.“)

Und hey, die Tür ist raus!

Sehr raus.

Leider ist halt die Tür an der anderen Seite noch nicht wieder drin. Sprich: wir haben keine Tür.

Das Problem: interessante Verkabelung, hier muss erst ein Elektriker kommen und der kann erst am Donnerstag.

Ich habe das mit der Steckdose sogar gesagt, als der Baumensch hier war, dass es nämlich da bei den Nachbarn Schwierigkeiten gegeben habe. Da hieß es, das sei alles kein Problem. Jetzt ist es plötzlich doch eins und wir haben voraussichtlich bis Freitag keine Tür. Toll.

Alles eher wenig erquicklich, muss ich sagen. Mittendrin ging auch noch der Feueralarm, weil das Gesäge so gestaubt hat.

Hauptsache, hinterher ist’s schön. Das ist jetzt mein Mantra.

(Bitte lass uns da nicht haufenweise Geld in den Sand gesetzt haben.)

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Was ganz anderes: Michel hat jetzt auch eine Brille und kann jetzt noch besser klugscheißern. Bisher ist das super ultra cool, findet er. Beim Abendessen meinte er allerdings, dass ihm ein bisschen schlecht von der Brille würde. Tjanun, so ist das leider am Anfang, aber armer Zwerg.

Tag 1958 – Wie ich mal früh ins Bett gehen wollte…

… und stattdessen nach Jessheim fuhr, um zwei gebrauchte Kallax-Regale abzuholen, in Jessheim feststellte, dass beide gleichzeitig zusammengebaut nicht in Carona passen, nach Hause fuhr, ein Regal ablieferte, wieder nach Jessheim fuhr, das zweite Regal holte und wieder nach Hause fuhr. Jede Tour 28 Minuten plus ein bisschen tragen.

Heute war wirklich eher so semi-koseliges Homeoffice und jetzt ist es sehr dreckig überall. Ich weiß nicht, was alles schief gelaufen ist, aber es dauerte auch alles länger als geplant und das Fenster ist jetzt zwar drin, aber es pfeift noch der Wind durch.

Das ist auch wesentlich größer, als ich gedacht hatte.

Die Arbeiter haben ordentlich geflucht (auf Polnisch) und kommen morgen wieder. Es soll ja auch noch die Tür versetzt werden.

Wir haben übrigens beide nicht mal den Hauch einer Chance, den Öffnungsmechanismus ohne Hilfsmittel zu erreichen. Müssen wir wohl ein kleines Leiterchen bereit stellen.

Die Arbeiter haben in den Fensterrahmen auch ne fiese Macke gemacht, ich hoffe, die bessern sie morgen aus ohne dass ich rumnerven muss. Aber ein mistneues 1.500€-Fenster darf bitte mackenfrei sein.

Ich hab letzte Nacht sehr schlecht geschlafen und das war jetzt heute alles ein bisschen viel. (Es kamen noch Kommunikationsprobleme hinzu, der Kindergarten hatte nur Herrn Rabe mitgeteilt, dass Pippi den Slot 08:00-15:00 bekommen hat und nicht 08:30-15:30, wie ich bis 08:23 heute morgen dachte. An schlechten Tagen wirft mich sowas voll aus der Bahn. Heute war ein relativ schlechter Tag, in dem Sinne dass ich eh schon ziemlich gestresst war.) Deshalb einfach gute Nacht.

Tag 1940 – Im Eimer.

Jöss, ich bin so müde. Inspektion ist anstrengend. Auch interessant. Wieder was anderes. Aber – uff.

Ich vermisse die Kinder, eins ist krank (natürlich, denn es ist immer ein Kind krank, wenn ich auf Inspektion bin) und schreibt mir süße Nachrichten, es ist zum Knutschen.

Hotelbett ist schon auch nice, aber wohl für ne Weile wieder das letzte Mal. Maaaaann. Scheiß Corona.

Tag 1930 – Flexibel.

Wie ein Betonklotz.

Es kommen bei der Arbeit sehr viele sehr spontane Sachen rein und ich bemühe mich redlich, da flexibel drauf zu reagieren, aber in echt ist es, wie einen Güterzug, der 200 Sachen fährt, anzuhalten und auf ein anderes Gleis zu hieven. Meine Flexibilitätskontingente für 2020 sind schon lange aufgebraucht, Bonus gibt’s nicht, schade, Schokolade.

Herr Rabe hatte heute ein Team-Building-Dings bei der Arbeit und war dafür das erste mal seit einem guten Monat zusammen mit Kollegen im Büro. Ich war dafür alleine für die Kinder zuständig, was gut geklappt hat, trotz Laune bei Michel und später dann Laune bei Pippi. Michel hat aber einen neuen Rekord beim Kornettunterricht aufgestellt: 19,47 Sekunden einen Ton gehalten! Danach war seine Laune dann gut, davor halt nicht.

1400 neu Infizierte in einer Woche und die zuständige Stelle sagt, man könne nicht von einer zweiten Welle sprechen. Ich frage mich, wovon denn dann? Ein zweiter Hügel? Eine dieses Mal breitere Welle, eher wie ein auftauchender Buckelwal? Es ist zum Heulen. Ganz einfach zum Heulen.

Wir haben weiter Homeoffice (außer Inspektionen halt, die gehen), weiß ich aus der Zeitung und dem Fernsehen.

Starkes Gefühl von alle bekloppt geworden.

Egal. Ich liege im Bett mit meinem acht Jahre alten Baby, das ist sehr schön und das Baby sehr kuschelig und ich mache jetzt die Augen zu. Morgen ist ein neuer Tag in diesem Scheißjahr mit dieser Scheißpandemie.

Tag 1918 – Nix genaues weiß man nicht.

Vielleicht muss ich morgen arbeiten, alternativ muss ich morgen eben streiken. Mir macht das sehr zu schaffen, das nicht zu wissen, ehrlich gesagt. Ausgerechnet in diesem (Kack-)Jahr, wo eh schon jede Toleranz gegenüber Unvorhersehbarkeit seit langem aufgebraucht ist.

Für den Fall der Fälle weiß ich auch nicht, wie das Streiken aussähe. Natürlich wär’s nett (und nötig), einen Haushaltstag geschenkt zu bekommen, aber mir ist natürlich klar, dass das keine Ferien sein sollen. Schwierig, das alles.

Mein Körper dankt es mir mit Migräne und (neu im Programm) ab und an auftretendem Schwindel.

Es ist, ganz einfach, von allem grad zu viel.

Tag 1845 – Superwoman.

Ich komme mir grad vor wie so ne Bilderbuch-Karrieremutter aus irgendeiner amerikanischen Serie. So eine, die auch morgens mit perfektem Make-up und kunstvoll zerwühlten Haaren aus makellos weißer Bettwäsche aufsteht. Denn ich bin heute aufgestanden, habe mich fertig gemacht, dann die Kinder geweckt, denen Frühstück kredenzt, mir dabei zwei Kaffee gekocht, einen getrunken, die Kinder angezogen, Zähne geputzt, habe uns alle rechtzeitig und ohne irgendwelche Ausrüstung zu vergessen (Bonuslevel Schwimmunterricht!) aus dem Haus bekommen ohne dass irgendwer geweint hat, habe Michel, dann Pippi, dann Michels Sportzeug abgeliefert, bin 30 Minuten zur Arbeit gefahren, habe 9,5 Stunden lang gearbeitet, bin 30 Minuten zurückgefahren, habe auf dem Weg das Auto geladen, habe zu Hause Michel Harry Potter vorgelesen und ihn zu 90% ins Bett gebracht, habe dann noch mal 45 Minuten gearbeitet (interne Nachbesprechung, die wir Coronabedingt im Teams und nicht beim Hersteller in irgendeinem Raum machen), während ich das Abendessen fertig gekocht habe, und dann haben Herr Rabe und ich sogar noch Sport gemacht.

Morgen reiße ich ein paar Bäume aus oder mache noch die Meerschweinkiste sauber oder so.