Die Heimreise begann sehr sehr früh, und der Flughafen war schlimm (alles voller amerikanischer Rentner-Touristen, da werde ich generell schnell ungeduldig, wenn Leute so langsam und erratisch gehen, ja, das ist mein Problem und nicht deren Schuld, die sind halt alt) aber die Reise an sich dann unspektakulär. Jetzt bin ich wieder zu Hause und neben mir im Bett schnorchelt Pippi. Herr Rabe ist nämlich bis Montag mit seinen Papa-Freunden unterwegs (senden Sie ruhig warme Gedanken an seine und die Lebern der anderen Teilnehmer). Pippi hat einfach die Seite gewechselt, die letzte Woche hat sie meinen Platz im großen Bett gehabt und jetzt eben Herrn Rabes.
Beide Generalproben sind geschafft. Morgen tanzen sowohl Pippi als auch ich (ich nur einmal, Pippi zweimal) und da hatten wir gestern Generalprobe. Sonntag tanzt nur Pippi, aber ebenfalls beide Vorstellungen, und hatte heute Generalprobe. Heute war das mit ihren beiden Freundinnen und HERRJE die drei sind lebendig im Auto. Drei durcheinander quatschende Mädels und eins davon macht alle anderthalb Minuten ein neues Lied im Auto an. Meine armen Ohren, mein armes Nervenkostüm, arme ich generell. Mimimi. Gestern war das entspannter, nur mit Pippi. Morgen fahre ich auch nur mit Pippi. Sonntag nehmen wir maximal die ruhigste aus dem Gespann mit.
Und dann, wenn wir so 4 bis 6 mal hin- und hergefahren sind, ist das Tanzsemester erst mal vorbei.
Herr Rabe ist nicht da, und da liegt es sehr nahe, dass Pippi sich zu mir ins Bett gemurcht hat. Jetzt schnauft sie da gemütlich rum, und das macht, dass mir die Augen zufallen. Hach ja, die kleine Zwergmaus ist manchmal doch noch ganz schön klein eigentlich.
Die einzige „vollwertige“ GMP-Inspektorin bei der Arbeit zu sein ist ja auch nur so mittel. Aus Gründen gehe ich auch beiden Chefinnen aus dem Weg. Aus anderen Gründen habe ich auch bis auf Montag die ganze Woche Homeoffice (und Montag hatte ich nach der Arbeit auch wieder Migräne, das ist echt fast jeden Montag so und sehr ätzend) und aus wieder anderen Gründen habe ich diese Woche eine recht ruhige Woche. Verdient, wie ich finde. Trotzdem landet halt jeder GMP-Scheiß bei mir, und dann schreibe ich wahlweise freundliche oder genervte oder schwammige mails zurück. Je nachdem, was für eine Kategorie Anfrage gekommen ist. Und das mache ich ganz alleine und ohne KI. Ha.
Michels Kieferorthopäde meint, Michel braucht doch noch eine lose Spange. Das kostet… sehr viel Geld. Und das, obwohl wir nur einen Eigenanteil zahlen, weil durch den tiefen Überbiss eine medizinische Notwendigkeit besteht. Ein paar Tage nach Brille aussuchen finde ich das weniger amüsant als eh schon. Kinder sind echt teuer. Und wenn man denen schlechte Zahnstellungsgene und schlechte Augengene mitgegeben hat, umso mehr.
Mit Grieg geht es vorwärts. Überraschender Weise ist das gar nicht so schlimm, das hört sich nur schlimm an und sieht schlimm aus. Vielleicht überschätze ich mich auch total, aber das geht echt überraschend gut klar.
Hier ist ein bisschen Freizeitstress, muss ich zugeben. Am Wochenende sind die Tanzvorstellungen, das heißt, die regulären Kurse sind dann erst mal vorbei, das dürfte einiges entzerren. Da hat man dann auch Zeit, Michel eine feste Spange in den Oberkiefer kleben zu lassen und nebenher ein paar hausgemachte Drogen zu verkaufen um das finanzieren zu können.
Schon so spät. Da fängt die Woche ja gut an. Naja.
Heute war nicht so viel, außer ein Treffen mit den Nachbarn, weil da Risse in der Straße sind, die mir Sorgen bereiten. Die Nachbarn sind irgendwie nicht so besorgt. Nun gut. Ich werde trotzdem mal lieber Spikereifen als nächste Winterreifen besorgen. (Ja, die machen den Asphalt dann auch noch mehr kaputt. Irgendwas ist immer.)
Pippi hat heute mit einer Freundin mit einer Wasserpistole von außen an die Fenster gespritzt, sich also freiwillig zum Fenster putzen gemeldet. Rübennase.
(Gestern habe ich viel zu lange gearbeitet, das war unspannend und doof aber der China-Bericht ist jetzt fertig.)
Von gestern auf heute hatte Pippi Übernachtungsbesuch, von T., mit der sie auch mittwochs beim Tanzen und dann bei der Band ist. Die Mädels hatten viel Spaß und haben mir seit gestern Nachmittag schon ein Ohr abgekaut, dass sie was nähen wollen. Aber gestern war ja dann zu viel Arbeit. Also haben wir das heute gemacht. Und die Mädels haben das super gemacht, mit Anleitung und ein bisschen Hilfe (aber echt nicht soooo viel).
Pippi hat sich die kleine Handytasche gemacht, T. den Einkaufsbeutel.
Das einzige, was ich komplett übernommen habe, war, die Riemen anzunähen. Ansonsten haben die Mädels das selbst gemacht und auch ohne zu murren zwischendurch immer wieder gebügelt.
Ich bin jetzt einen kleinen Teil meiner Stoffreste los. Das ist auch sehr gut. Ich hab echt zu viel Stoff. Und nach ein bisschen Gesuche ist auch mein Tunnel-Umdreh-Dingsi wieder aufgetaucht. Bei diesen ganzen Riemen wäre das sonst echt ätzend geworden. Das Teil war irgendwie aus der Schublade gefallen und unter der Schublade liegen geblieben. Herr Rabe hat es glücklicherweise gefunden, bevor ich irgendwelche Kinder wegen Diebstahlverdachts enterben konnte.
Abends waren wir Erwachsenen in der örtlichen Kneipe, das war auch echt nett. Ein bisschen Freunde treffen und bei einem Bier loses Zeug schnacken. Also nach dem ersten halben Bier fand ich das auch nett, bis dahin war es mir zu laut und zu anstrengend alles. (Ja, das ist sicher nur so semi-gut, das so zu handhaben, aber zum Ausgleich mache ich das maximal alle paar Monate.)
So, morgen ist relativ früh Geigenstunde, deshalb muss ich jetzt schlafen. Gute Nacht.
Wir leben hier alle, aber es ist sehr stressig zur Zeit. Dienstag Elterngespräch mit Pippi, danach Konzert, danach Ballett, gestern Burlesque, an allen Tagen viel Arbeit. Dazu etwas Generve und Eskalation mit Michel, der sich ums Verrecken nicht um einen Platz für ein eintägiges Praktikum/Mikrojob (bezahlt, die Einnahmen gehen in die Klassenkasse) nächste Woche kümmern will oder kann. Er muss schon nur das absolute Minimum machen, nämlich eine klitzekleine Bewerbung für einen Job schreiben, den wir ihm bereits klar gemacht haben. Aber selbst das ist zu viel und führt zu Meltdown. Puh, ey, tja, hmm. Keine Ahnung.
Pippi kann nicht schlafen. Gestern waren wir schwimmen, man sollte meinen, danach seien Kinder müde, aber Pippi kann trotzdem nicht schlafen. Letzte Nacht schlief sie deshalb bei uns im Bett – weswegen mindestens ich dann beschissen schlief, sie ist immerhin inzwischen fast 1,50 m groß. Heute Nacht konnte sie auch wieder nicht einschlafen und deshalb schläft sie jetzt mit Herrn Rabe im großen Bett und ich liege in ihrem. Ein Squishmallow liegt neben mir und lächelt mich selig an. Ich hoffe, diese Schlafprobleme sind eine kurze Phase, ich mag mein Bett nämlich.
Bei der Arbeit wird mal wieder umorganisiert. Es ist ein so chaotischer und unstrukturierter und undurchsichtiger Prozess, dass ich jetzt schon wieder keinen Bock mehr habe. Ein anderer Inspektor hat schon angekündigt, sich wegzubewerben, weil er das Damoklesschwert, dass seine Aufgaben eventuell einfach… nicht mehr gemacht werden sollen, nicht erträgt. Verständlich. Sehr, sehr verständlich. Und was das schon wieder alles an Ressourcen frisst. Als hätten wir sonst nichts zu tun. Andererseits… Man sollte vermutlich alles tun, um in einer Organisation, die kein Geld für nichts hat, zu verhindern, dass NOCH MEHR „strategisches Management“ etabliert wird, also noch mehr Leute, die nix tun, außer in Meetings zu sitzen und darüber zu entscheiden, wie man mal wieder was umorganisieren könnte. Und weil‘s Management heißt, kostet der ganze Spaß dann direkt mal ein paar Milliönchen. Während an anderer Stelle in der Organisation, an Stellen, wo tatsächlich was produziert wird, das mehr ist, als heiße Luft, Stellen nicht neu besetzt werden, wenn jemand aufhört – weil wir ja kein Geld haben!
Wenn ich ja den Job an sich nicht so mögen würde, ich hätte denen echt längst die Bude angezündet.
Gestern wurde ich zum zweiten Mal wach (das erste Mal war ich, wie an allen letzten Tagen, gegen fünf Uhr wach) mit der schockierten Erkenntnis, dass am Dienstag Konzert ist und ich seit… zehn Tagen oder so nicht Geige geübt hatte. Also gar nicht, nicht mal ein bisschen. Hilfe! Also habe ich gestern geübt und heute auch und huff, ich hab nicht alles vergessen! Die Muskeln erinnern sich ja auch.
Apropos Muskeln: die größeren Muskeln meines Körpers habe ich seit fast drei Wochen nicht benutzt, das Hotel in China hatte keinen Fitnessraum. Und an den Abenden, wo ich ne halbe Stunde bis Stunde vom Schlaf abzwacken konnte, habe ich lieber Geige gespielt (die E-Geige war zu diesem Zweck eine gute Anschaffung und der Transport auch kein Problem, Businessclass hat ja glücklicherweise reichlich Platz für Handgepäck) als im Hotelzimmer auf dem Teppich rumzuhüpfen. Mir graut davor, wieder in die Gänge zu kommen mit Sport, es ist immer der Anfang, der am schwersten fällt.
Heute erster Tag an dem ich mich insgesamt normal und auch normal belastbar gefühlt habe.
Mit Michel allein zu Hause zu sein ist sehr angenehm. Da erzählt er auch mal was und ist allgemein überaus kooperativ und hilfsbereit. Ich fürchte, im Alltag kriegt er zu wenig 1:1-Kontakt mit einem von uns Erwachsenen. Da muss ich mal überlegen, wie wir uns da Inseln für schaffen können.
Ein großes Haus macht echt viel Arbeit, wer hätte das gedacht. Folgen Sie mir für weitere Tipps von Captain Obvious. Es zeigt sich auch: ich habe ein Kind, das sehr gerne hilft, vor allem bei so „Erwachsenen-“ Sachen, und eines, das… naja. Dabei viel mosert. Und versucht, sich durch besonders schludriges Arbeiten über „Orrrr gib her, ich mach das grad!“ unsererseits um die Arbeit zu drücken.
Weihnachtlich ist es irgendwie noch nicht. Keksteig ist im Kühlschrank (jaja, viel zu spät…), vielleicht hilft das ja. Und heute haben Herr Rabe und Pippi die größte Schnittblume des Jahres aus dem Garten geholt. Wir haben da so viele Tannen und Fichten, die da nicht sein sollen, und eine Tanne hatte ideale Weihnachtsbaummaße. Das ging für die Tanne nicht gut aus. Und wir haben den frischesten Weihnachtsbaum aller Zeiten.
Heute haben wir, wegen einer spontanen Planänderung, den Kindern Hosen gekauft. Pippis Lieblingsjeans hat inzwischen zwei dicke Löcher, eins am Po und eins im Schritt. Und Michel möchte plötzlich doch auch Jeans tragen. Beide Kinder wachsen wie Unkraut. Also waren wir bei den großen Ketten und jetzt haben die Kinder die Jeans ihres jeweiligen Begehrens. Ich verkneife mir den Kindern gegenüber jeglichen Kommentar, dass Baggy auch 1999 schon eigentlich scheiße aussah. Das dürfen sie selber lernen und sie sind beide aus dem Alter raus, wo wir sie noch dazu zwingen konnten, bestimmte Dinge anzuziehen oder nicht anzuziehen. This too shall pass.
So gehen hier die Vorweihnachtstage ins Land. Zwischendurch versuche ich irgendwie, mir das hier zu erschließen:
Ohne die ganzen Vorschläge und kleinen Noten habe ich jetzt, glaube ich, die ersten vier Zeilen Rhythmisch verstanden. Hurra. Aber das Zählen ist allein schon ne Herausforderung und dann kommt noch dazu, dass mein Bogen gar nicht vier Meter lang ist. Die Markierungen sind übriges von meinem Geigenlehrer, aus Zeiten, wo er selbst daran arbeitete. Das ist sein Buch, ich darf das leihen. Rode 24 Capricen ist das, und die sind überraschend schön, aber wirklich hart.
Und Laune ist auch. Gestern Abend war’s echt fies.
Der (Arbeits-)Tag bekam einen so harten Dämpfer ganz am Schluss, dass ich immer noch total wütend bin deshalb, es ist ganz irrational, weiß ich auch, aber… AAAARRRRGGGHHH!
Danach wäre ich echt gerne noch zum Friseur gegangen, aber das hat auch nicht geklappt wegen Zeitdruck. Immerhin konnte ich mit Michel zu seinem Trompetenunterricht gehen, letztes Mal in diesem Jahr, und er hat das super gemacht. Stolze Mama.