Tag 1966 – Tja, hmm, dann halt nicht.

Der Handwerkerchef wollte ja heute wieder kommen, kam aber nicht. Sagte auch nichts. Er kommt jetzt morgen. Ich bin ganz leicht angepisst, vor allem weil ich gestern das Fenster bezahlt habe, weil ne Mahnung kam. Man will sich ja gut stellen mit den Leuten, von denen man abhängig ist, dachte ich. Meh.

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Michel ist jetzt in der Phase, wo ihn das Wort „Penis“ zum Erröten und Kichern bringt. Man kann ihn damit sehr gut aufziehen, das würde ich natürlich NIEEEEE machen. Hihihi, Penis.

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Arbeit eskaliert ein wenig vor sich hin, aber manchmal macht mir das mehr aus, mal weniger, grad macht mir das nicht so viel aus. Noch zweieinhalb Wochen bis Urlaub, jedenfalls falls keine ganz dramatischen Dinge passieren (Potential ist die nächsten zweieinhalb Wochen jedenfalls gegeben).

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Gestern hatte ich wieder einen Hausfrauengenie-Moment und ich weiß jetzt, dass es zwischenzeitlich nicht so aussieht, aber Kunstblut (von Halloween) geht aus weißen Sachen restlos raus und färbt auch nicht ab, jedenfalls nicht, wenn man panisch die ganze rot gefärbte Weißwäsche noch zwei mal mit Oxi-Action spült. Hust.

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Bis mindestens Weihnachten weiter Homeoffice. Mag nimmer. Donnerstag darf ich einen halben Tag ins Büro, um Zeig zu holen und anderes wegzubringen (Ich kann ja zu Hause nicht makulieren)

Tag 1963 – Einfach räumen, einfach räumen!

Es hilft ja alles nix, Fußleisten hin oder her, es muss irgendwie weiter gehen, wenn wir nicht für immer in völlig chaotischen Zimmern wohnen wollen. Und so haben wir heute eben geräumt. Erfolgreich, muss ich sagen, denn jetzt stehen in Michels Zimmer nur noch Michels Sachen und in unserem Schlafzimmer (fast) nur noch unsere Sachen. Die meiste Arbeit hat gemacht, den Bürokram auf ca. 1/4 einzudampfen und neu und möglichst sinnvoll zu sortieren. Aber jetzt haben wir tatsächlich das, was wir wirklich brauchen, in einem 2×4 Kallax-Regal stehen und es ist sogar noch ein Fach frei. Der Rest ist in den Müll gewandert (Kontoauszüge von 1999) beziehungsweise in Kisten verstaut (Kontoauszüge von 2013, Schulzeugnisse von Herrn Rabe und mir und ähnliches). Ein kleines Problem haben wir noch mit dem, was Marie Kondo „sentimental items“ nennt, und in Pippis Zimmer stehen halt noch Kisten und unsere neuen Schreibtische, im Arbeitszimmer muss ja noch gearbeitet werden können (seufz) aber immerhin geht das, was wir selbst in der Hand haben, voran.

Wir haben den Kindern gezeigt, welche Kleiderschränke wir uns für sie vorstellen. Ein Hoch auf die Ikea-Planungstools. Völlig gegen ihre sonstige Natur hat Pippi zu allem einfach Ja und Amen gesagt, aber Michel will doch lieber türkise und rosa Türen und Schubladenfronten und auch gern sein Zimmer dunkellila und rosa streichen. So sei es denn.

(Jetzt noch duschen, ist dringend, und dann bräsig vorm Fernseher abhängen. Das war anstrengend heute.)

Tag 1961 – Neuigkeiten.

1. Michel hat heute (japp, nach 1,5 Tagen Benutzung) seine Brille kaputt bekommen, weil er im Sport-Hort mit einem anderen Kind zusammengestoßen ist. An ungünstiger Stelle ist der Rahmen gebrochen. Ich weiß jetzt, dass man für Reparaturen auch noch mal Unterstützung beim NAV beantragen kann. Kommt bestimmt gut, bevor der erste Antrag überhaupt bearbeitet ist. Michel ist am Boden zerstört und hat heute mehrmals deshalb geweint, weil das jetzt wieder ziemlich lange dauern wird, bis er seine Brille wieder hat.

2. Hier war heute ein Elektriker und hat die Kabelage geändert und den Lichtschalter und die Steckdose versetzt, auf die richtige Seite der Wand und an die richtige Wand.

Morgen kann es also weiter gehen. Hoffentlich haben wir dann bald wieder eine Tür.

3. Das Pensum ist noch mal durchgelesen, Glomma ist 611 km lang, Sognefjorden ist an der tiefsten Stelle 1308 m tief und die UN hat 193 Mitgliedsstaaten und morgen um ca. 13:15 Uhr kann ich das alles wieder vergessen (as if) und im Februar dann den Antrag abgeben und Norwegerin werden. So 14 Monate später dann. (Wohl nicht rechtzeitig zur Stortingswahl. Schade. Ich bin, auch wegen Kinderbrillen, sehr bereit endlich linksgrünversifft und mit der brennenden Fackel des Feminismus in der Hand meine Stimme abzugeben.)

Tag 1959 – Fortschritt?

Naja, also es geht voran, hier zu Hause. Aber langsam und mit lauter Scheiß, der zwischendurch auftaucht. Ich lasse mal Bilder sprechen:

Aus der Perspektive sieht es ja schon ganz gut aus.
Aus der leider nicht. (Klassischer Fall von „Drei mal abgeschnitten, immer noch zu kurz.“)

Und hey, die Tür ist raus!

Sehr raus.

Leider ist halt die Tür an der anderen Seite noch nicht wieder drin. Sprich: wir haben keine Tür.

Das Problem: interessante Verkabelung, hier muss erst ein Elektriker kommen und der kann erst am Donnerstag.

Ich habe das mit der Steckdose sogar gesagt, als der Baumensch hier war, dass es nämlich da bei den Nachbarn Schwierigkeiten gegeben habe. Da hieß es, das sei alles kein Problem. Jetzt ist es plötzlich doch eins und wir haben voraussichtlich bis Freitag keine Tür. Toll.

Alles eher wenig erquicklich, muss ich sagen. Mittendrin ging auch noch der Feueralarm, weil das Gesäge so gestaubt hat.

Hauptsache, hinterher ist’s schön. Das ist jetzt mein Mantra.

(Bitte lass uns da nicht haufenweise Geld in den Sand gesetzt haben.)

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Was ganz anderes: Michel hat jetzt auch eine Brille und kann jetzt noch besser klugscheißern. Bisher ist das super ultra cool, findet er. Beim Abendessen meinte er allerdings, dass ihm ein bisschen schlecht von der Brille würde. Tjanun, so ist das leider am Anfang, aber armer Zwerg.

Tag 1952 – Leichter gesagt als getan.

Ich wollte ja heute einen online-Kurs beginnen, der drei Tage dauert. Tja, Pustekuchen, denn ich habe offenbar irgendwann zwischen Januar 2019 und jetzt mein Passwort für die Lernplattform vergessen. Natürlich lag es auch nicht im Passwort-Manager und natürlich ließ es sich auch nicht mit einem einfachen Klick zurücksetzen. Ich musste da eine Mail schreiben, mit der Bitte, mich zu meinem (unbekannten) local administrator durchzustellen, damit diese*r dann das Passwort zurücksetzen kann oder sonst irgendeine magic macht. Die Mail an die local administrator ging dann um 17:01 raus (und in CC an mich) und die betreffende Kollegin gehört offenbar nicht zu denjenigen, die rund um die Uhr arbeiten (kluge Frau!!!). Vielleicht habe ich ja Glück und es geht dann morgen. Es ist nämlich wirklich nicht leicht, sich drei Tage für sowas frei zu halten.

Statt Kurs habe ich dann heute lauter doofe Sachen gemacht, die ich aus guten Gründen wegprokrastiniert hatte, und am Ende hatte ich echt schlechte Laune.

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Abends war ich mit Michel schwimmen, während Pippi beim Tanzen war. Kinder dürfen ja noch machen, was sie wollen. Unser Bad hat da harte Zugangsbeschränkungen, deshalb ist man mit sehr wenigen Leuten gleichzeitig da, das ist nicht das allerschlimmste. Im Gegensatz zu meinem Tanzkurs fühlt sich das auch nicht nach Himmelfahrtskommando an, weshalb ich den Tanzkurs ja auch abgesagt habe. Michel hat, weil er in der dritten Klasse ist, im Schwimmbad das ganze Jahr über freien Eintritt und, was wichtiger ist, er muss schwimmen lernen. Es macht mich irre, zu wissen, dass Michel einfach absäuft, wenn man ihn kurz alleine lässt. Der ist acht, hat kaum Respekt vor dem Wasser, überschätzt seine Fähigkeiten, kriegt dann aber Panik und fängt an zu zappeln, kurz: es ist nicht einfach. Gleichzeitig kann er nicht treiben, auf dem Rücken gar nicht und auf dem Bauch nur mäßig und da kann er den Kopf aber auch nicht bei heben. Der geht unter wie ne Bleiente. Er ist da genauso verzweifelt wie ich und hat heute wirklich fleißig geübt, aber es will nicht klappen, der Po bleibt nicht oben und der Kopf schon mal gar nicht. Ich habe Schwierigkeiten, ihm das zu erklären, weil ich so ca. schon immer schwimmen konnte und als Kind im Schwimmverein war. Ich hab alles versucht, von Hand unter Michels Bauch halten, über „Fühl mal wie hart mein Bauch ist, wenn ich das mache“ bis zu wissenschaftlichen Erklärungen von Auftrieb, Michel bekommt es nicht hin. Armer Zwerg. Da würde ich auch jetzt in unserem Bett liegen und herumschnarchen.

Ich merke mir das jetzt und judge nie wieder Eltern von Kindern, die nicht schwimmen können.

Tag 1951 – Jodelei jodelei, hu hu.

Die Kinder haben einen schrecklichen Ohrwurm angeschleppt. Total Late to the party haben wir letztes Jahr um Frühjahr den Hype verpasst, aber macht ja nix. Das Lied heißt „Raske Briller“ (Schnelle Brille, FRAGEN SIE MICH DOCH NICHT WARUM) und ist eine Parodie auf die norwegische Afterski-„Kultur“. Hier sehen Sie im Video anschaulich dargestellt, worum es dabei geht: https://youtu.be/TN7G3H2YUOc. Wenn Sie raske briller googeln und die Bilder ansehen, erfahren Sie, was eine schnelle Brille ist. Es ist alles sehr seltsam und das Lied geht einfach niemals mehr aus meinem Kopf.

Related: Michel hat seit heute früh raske briller, weil wir beim Augenarzt waren und vergessen hatten, eine Sonnenbrille von zu Hause mitzunehmen. Mit Pupillen groß wie Untertassen beschwerte sich Michel, dass er nicht mehr Handy spielen konnte und das schummrige Novemberlicht zu hell sei. Aber immerhin ist jetzt auch Michel komplett untersucht und vermessen, mit dem Ergebnis: das Kind schielt (dafuq, seit wann das???) und ist weitsichtig. Er bekommt eine Brille gegen die Weitsichtigkeit und da das Schielen nicht weiter auffällt, sondern „nur“ anstrengend für ihn ist, hoffen wir, dass die Brille das schon etwas einfacher macht. In seinem Alter würde man da glaube ich auch nichts mehr abkleben, sondern eher mit Spezialbrillen arbeiten, aber wie gesagt, man sieht gar nichts davon. Also so im Alltag. Mit Atropintropfen sieht man sehr deutlich, dass das eine Auge nach innen kippt, weil er dann entspannt, er kann ja eh kaum sehen.

Tjanun, ab bald also zwei Kinder mit Brille, gleich mal ne Bank ausrauben.

Raske briller.

Mit der Brille kann man aber prima Blödsinn machen.

Ich habe übrigens mein frisch genähtes Kleid an, das wirklich kuschelig ist, wie Bettwäsche halt. Es ist ein Bollec von Schnittquelle. Ein eigentlich nicht schwieriges Schnittmuster, was nicht heißt, dass man da nicht trotzdem einiges verkacken kann. Ich suhle mich einfach noch ein wenig im Stolz, dass alle Nähte aufeinandertreffen, da wo sie es sollen.

Kleine Anmerkung: Schnittquelle-Schnittmuster haben für mich immer zu lange und dafür aber auch zu enge Ärmel. Memo to self: Ärmel etwas kürzen und deutlich weiter lassen, und eventuell die Armkugel etwas flacher machen (oder üben. Üben wäre wohl besser. Oder mit den Fältchen leben. Oder halt üben). Über der Brust am Ärmelansatz kann auch je ein cm raus. Und die übliche Rockseitenbegradigung, eine will ja nicht aussehen wie Marie Antoinette.

Man kann sich auch einfach so hinstellen, dass man von den Problemstellen möglichst wenig sieht.

Tag 1926 – Uncool.

Die Inspektion ist vorbei und das heißt:

  • morgen im Pandaonesie/Jogginganzug/jedenfalls ohne Inspektørinnendress und ohne Schuhe (!!!) arbeiten (wie sehr man sich im Homeoffice an das Arbeiten in Socken gewöhnt, ist etwas beängstigend)
  • Erst in einer Woche wieder mit dem Auto nach Oslo fahren (fun fact: quasi an den gleichen Ort)

Der Pendelhass hat sich heute noch mal zu ungeahnten Höhen aufgeschwungen. Morgens Stau, Abends Stau, je Weg eineinhalb Stunden statt 55 Minuten. Irgendwann hätte ich das Auto gerne einfach stehen gelassen und wäre zu Fuß gegangen.

Weil Donnerstags HipHop ist und es zeitlich gerade so hinhaute, fuhr ich direkt vom Auto abliefern dorthin. Nicht ganz direkt, weil ich den Zug um eine Minute verpasste, aber wie ich ja weiß gibt es in Gardermoen große, saubere und kostenfreie Toiletten im öffentlichen Bereich und deshalb konnte ich die Wartezeit nutzen und mich dort aus meinem Inspektørinnenkleid und der Strumpfhose pellen und gegen Leggings, Sport-BH und T-Shirt tauschen. Leider hatte ich vergessen, andere Schuhe mitzunehmen, und hatte dann eben Sportleggings (als solche sehr deutlich zu erkennen wegen Reflexstreifen überall und Belüftungsgewebe in den Kniekehlen) zu hochhackigen Wildlederstiefeletten an. Tjanun.

HipHop war cool, nur was wir heute machten, sah an mir und den anderen Teilnehmerinnen (der eine Mann ist mitgemeint) eher nach „Mama, du bist peinlich, lass das mal lieber“ aus als nach cool. Oskar, der Trainer, findet uns trotzdem toll. Ich finde schwitzen und rhythmisches Herumzappeln zu Musik toll. Nur die 16 Jährigen Mädels, die zeitlich leicht überlappend Ballett haben und sich feixend vor unserem Raum auf dem Flur verknoten, die muss ich nicht haben. Generell muss ich die klischeehafte Version von Ballettmädels nicht haben, egal welchen Alters. Ich weiß, dass viele anders sind, aber die Klischeeversion hab ich nach reichlicher Erfahrung gefressen. Und die stirbt nicht aus und ist offenbar auch länderübergreifend anzutreffen.

Abends kuschelte ich lange mit den Kindern. Die sind sehr groß geworden in den letzten drei Tagen. Vor allem Michel. Michel ist auch ganz begeistert dabei, Muffin das Sorgenschwein zu versorgen. Dabei ist er auch ganz ruhig und entspannt und liebevoll. Das ist sehr schön zu sehen.

Muffin muss weiter Antibiotika nehmen, diesmal ziehe ich das durch, bis da alles 100%ig verheilt ist, und vor allem muss Muffin zunehmen. Deshalb kriegt er nach dem Antibiotikum immer eine gute Dosis extra Snacks, wie zum Beispiel Sonnenblumenkerne. Die nimmt er gerne auch direkt aus den Fingern, Michel reicht ihm das gerne an und so freunden sich die beiden an. Muffin hat sich an die Antibiotikagabe soweit gewöhnt, dass er sich ohne auch nur noch wegzulaufen aus dem Käfig angeln lässt, und obwohl er zwar versucht, den Kopf wegzuziehen, geht es doch meist recht fix, Schwein packen, Kopf leicht fixieren, Spritze seitlich ins Maul, langsam schieben, fertig. Dann schmatzt Muffin angewidert vor sich hin aber ich glaube in dem kleinen Meerschweingehirn wird das Unangenehme recht schnell mit „geil, Sonnenbumenkerne!“ verbunden und teilweise überschrieben. Pawlow ist schon echt klug gewesen. Die Snacks zeigen auch erste Erfolge: 50 g hat Muffin zugenommen, in einer Woche. Superschwein! Wir drücken weiter die Daumen.

1921 – Shiny Samstag.

Unser Samstag war recht entspannt. Wir haben Pokémons und Prophecy records und ministry memos gefangen und Michel war tatsächlich den ganzen Tag über relativ zufrieden, weil er hemmungslos über Pokémon faseln konnte. Bestes Gespräch:

Michel: WHOAAA ICH HAB EIN SHINY CHARMANDER, PAPA, EIN SHINY!!!

Pippi: Michel, kannst du leise sein? Ich möchte schlafen.

Ich: Pippi, wir sind gleich da, nicht einschlafen jetzt.

Pippi: Aber Michel stört mich!

Michel: EIN SHINY CHARMANDER!

Herr Rabe: Michel redet halt die ganze Zeit mit sich selbst. Das stört schon ein bisschen.

Michel: SHINY!

Ich: Ja, das wissen wir jetzt.

Michel: SHINY CHARMANDER!

Alle: …

Michel: DAS IST WICHTIG!

Tag 1920 – Nicht viel zu erzählen.

Es ist scheiße kalt hier im Norden. Ein Teil des Wochenendes wird wohl dafür genutzt werden, den Garten endgültig winterfest zu machen. Nachts friert es schon und abends frieren mir auf meinen Spaziergängen schon die Finger ab.

Dem Sorgenschwein geht es unverändert. Dass es nicht wieder schlimmer wird ist gut, dass es nicht ganz weg ist, ist aber erstmal nicht so gut. Ich beobachte das weiter kritisch.

Der Arbeitstag kam direkt aus der Hölle und am Ende schrieb ich eine Mail an vier verschiedene Empfänger*Innengruppen: drei mal „bitte beantwortet die in grün markierte Frage und schickt die Antwort an mich“ und ein Mal „Ich brauche Hilfe. Bitte schaut euch die in grün markierten Fragen an, ich setze ein Meeting auf, bis dahin mache ich mir selbst Gedanken, die dürft ihr im Meeting dann zerpflücken.“ Es steht übrigens sogar in der Compilation (der Inspektoren-Bibel), dass wir keine Consultantrolle einnehmen sollen, insofern frage ich mich ein wenig, wie man auf Mails von einer Firma (mit der wir ein gutes Verhältnis haben), in der literally 8 der schwierigsten Fragen, die mir bisher überhaupt so serviert wurden, stehen, reagieren soll. Soll ich antworten „stimmt, ist auch schwierig, weiß ich auch nicht“? Das wäre ehrlich. Aber wie gesagt, das war am Ende des Arbeitstages, meine Hilflosigkeit ist bisher nur intern geäußert worden und vorher hab ich lauter total kompetente Sachen gemacht.

Ok, da war die eine Sache, wo der Kollege und ich ne Falle in unserem Archiv gefunden haben, die dazu führt, dass man an Dateien nicht mehr ran kommt und panische emails mit „die Frist läuft heute (!!!) aus“ an die Archivare schreibt, damit die Schrödingers Datei, die gleichzeitig ausgecheckt ist und sich nicht wieder einchecken lässt, weil sie ja ausgecheckt ist, wieder befreien.

Abends habe ich extra lange mit den Kindern gekuschelt. Die kommen grade zu kurz und ich wird es ja. Ach, seufz. Michel hat abends viel zurück gesteckt, weil Pippi einfach lauter nörgelt, und meinte zu mir, als ich gesagt habe, dass das aber lieb sei (Pippi in seinem Bett schlafen zu lassen und auf das „mit Mamas Händen kuscheln“* zu verzichten) , dass man ja „ein bisschen nett sein muss“. Natürlich ist mir das lieber als das Dauergeschrei und -gestreite, aber es arbeitet sehr deutlich in ihm. Er kommt momentan auch wieder jede Nacht in unser Bett. Außerdem schiebt er sich am Tag gefühlte 10 Sandwiches rein, sonst isst er kaum was, aber Sandwiches, und momentan eben… viele davon. Wachstumsschub, ick hör dir trapsen, und den Entwicklungsschub auch.

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*er kuschelt dann eben mit meinen Füßen**

**der einzig machbare Kompromiss, da ich mich nicht zerhacken kann und die Kinder auf 1 m nicht nebeneinander schlafen können

Tag 1915 – 8 Jahre.

Michels 8. Geburtstag lief zur allgemeinen Zufriedenheit, glaube ich. Außer für Pippi vielleicht, die das doof fand, dass sie nicht Geburtstag hat und auch kaum Geschenke bekommt. Michel wurde reich beschenkt, mit einer wilden Mischung aus Harry Potter, Minecraft und Pokémon (Go). Er hat sich über alles sehr gefreut, das Mega-Set Minecraft-Lego von Oma, Harry Potter-Umhang, -Brille und -Zauberstab und eine Megakarte (fragen Sie mich nicht, was das ist, aber mit acht bringt es offenbar Prestige!) von Pokémon von „Oma“ Tante H., den zweiten Harry Potter-Band von uns und eine Uhr zum selbst aussuchen von Opa. Es soll nämlich bittedanke eine Digitaluhr sein, Zeiger sind uncool.

Glückliches Kind hinter Geschenkestapel.

Den Kindergeburtstag haben wir auch gut hinter uns gebracht, auch wenn ich mich danach für ein Stündchen ins Bett verziehen musste, um das klingeln in meinen Ohren wieder los zu werden. Meine Güte, sind 4 Jungs zwischen acht und zehn laut. Und wuselig. Und überhaupt. Ich frage mich wieder, wie der Schul-Elternbeirat das ernst meinen kann, dass man bitte grundsätzlich ALLE aus der Klasse oder wenigstens ALLE Jungs oder ALLE Mädchen* einladen soll**. Ich würde das nicht schaffen, ganz einfach. Michel auch nicht gut, davon bin ich überzeugt. Die eingeladenen Jungs schienen auch ganz zufrieden mit der kleinen Runde. Wer weiß, vielleicht wäre sonst auch das Basteln von Glitzerflaschen nicht so cool gewesen.

Aktivität, die sich Michel ausgedacht hat:

Auf mit Süßkram gefüllte Ballons werfen: macht Krach, ist körperlich (aber nicht zu sehr), ist wettbewerbig (aber nicht zu sehr). Macht Spaß.

Es folgte Kuchen und eben besagtes Basteln, das ist jetzt die Rabesche Kollektion:

Michel, Pippi, Michel, Pippi, ich.

(Ist übrigens ganz einfach, geht sicher noch einfacher, ich optimiere da noch, aber: Glitzer, Wasser und klaren Bastelkleber in einem Verhältnis mischen, das gut glitzert und eine gute Absenkgeschwindigkeit der Glitzerpartikel gewährleistet [Wasser:Kleber ca. 1:1]. Die Flüssigkeit nach Belieben mit Lebensmittelfarbe färben. Den Deckel aus Gründen festkleben. Fertig.)

Mit Kuchen vollgefressen machten wir abends noch eine kleine Runde zum Pokémon Go-Spielen, Michel im Harry Potter-Kostüm.

Beim ins-Bett bringen kuschelte ich extra lange mit Michel. Der kleine Zwerg. Schon acht. Noch so klein, schon so groß. Innen wie außen. Ich hab dich so schrecklich doll lieb, kleiner Murch. :* Seit über acht Jahren. Tollere Kinder als dich und deine Schwester kann ich mir nicht wünschen. Das wollte ich mal sagen.

P.S. Herr Rabe hat mehr Fotos, unter anderem vom Kuchen. Da hatte ich noch Glitzer an den Fingern. Aber vielleicht mag Herr Rabe die ja noch hochladen?

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*ja, das ist gradezu grauenhaft binär und zementiert Geschlechtertrennung schon zu einem Zeitpunkt, an dem das andere Geschlecht [und alle dazwischen eh!] noch gar nicht ihhhh sind.

**Und dann noch dazu schreiben „bitte bedenkt, dass nicht alle ein Auto haben, vielleicht muss man jemanden abholen?“. Möchte giftig replyen „Bitte bedenkt, dass vor allem nicht alle ein riesiges Netzwerk aus alten Bekannten, Omas, Opas, Onkeln und Tanten vor Ort haben und am Tag des Kindergeburtstages mit 10-30 Kindern sicher anderes zu tun haben, als Gastkinder hin und her zu fahren.“ Manchmal sind mir die Norweger*Innen nach wie vor sehr fremd.