Tag 4029 – 4032 – Der Ausnahmezustand geht weiter.

Sonntag: weiter Flohmarkt. Und hinterher aufräumen, einen Teil der Flöhe wegwerfen, den Rest einpacken, damit er wieder ins Lager gefahren werden kann. Bis zum nächsten Jahr. Ich habe sehr ausdauernd unzählige Umzugskartons, Bananenkisten und co. klein gefaltet und in einen Hänger gestopft, damit das zur Deponie gefahren werden kann. Der Hänger war am Schluss komplett voll und ich sah aus, als hätte mich eine wütende Katze angefallen.

Montag: Geburtstag von Teamleiterin (50), Kollegin (50) und Lieblingskollege (60). Unfassbarer Stress für mich, habe mir allein an diesem Tag sicher meine halbe DNA durch Stresshormone kaputtmethyliert. Aber der Lieblingskollege hat sich wirklich ganz doll über alles, was wir auf die Beine gestellt hatten, gefreut und das ist an dem Tag tatsächlich das wichtigste gewesen.

Zwischendurch noch den Inspektionsplan umgeworfen, das machen wir ja irgendwie hobbymäßig.

Abends Pippi erklärt, dass sie leider nicht in das Talent-Entwicklungs-Programm der Ballettschule aufgenommen wurde und dann die vielen sehr verständlichen Gefühle, die sie dazu hatte, aufgefangen. Nächstes Jahr kann sie es noch mal probieren.

Dienstag: Lieblingskollege und Lieblingskollegin fliegen nach China. Ich bleibe zurück und innert 15 Minuten explodiert alles, Chefin will Sachen, alle wollen was. Trotzdem um kurz nach vier fluchtartig das Werk verlassen, aus dem Zug beide Kinder angerufen, sie mögen bitte was essen, zu Hause Kinder eingesammelt und zum Korps gefahren, zu Hause sehr fix Essen gemacht und mit Herrn Rabe schnell was gegessen. Dann Tanz“Kurs“ mit Herrn Rabe – das war super. Hachzihachz. Danach Ballett. Ballettlehrerin hat keinerlei Gnade für uns übrig und heute tut mir alles weh. War trotzdem schön. Danach fuhr Herr Rabe aber zu seiner alljährlichen Konferenz, und jetzt habe ich wieder eine Pippi im Bett.

Heute noch mal Büro und ein externes Meeting gehabt, wir beraten ja auch, gehört zu unserem Auftrag. Das Meeting war etwas weird, weil ich eine gestern erhaltene Mail nicht mit dem, was ich hörte, übereinander bekam, das aber auch nicht ansprechen konnte, weil ich nicht wusste, wer der anwesenden über den Inhalt besagter Mail Bescheid wusste (hinterher stellte sich raus: niemand). Ich kann dazu nichts sagen, aber es war alles sehr seltsam.

Danach nach Hause Signalstörung, mir großer Verspätung drei Mädels vom Tanzen abgeholt, auf dem Weg den Warnleuchte-nervenden Reifen an der Tanke aufgepumpt, zu Hause Essen gemacht und dann erst mal eine Stunde Geige gespielt.

Ich wäre eigentlich bereit für 12 Stunden Schlaf.

Tag 4018 – 4020 – Schwankend.

Nichts zu erzählen oder alles mögliche. Lose Fransen:

  • Pippis Audition lief gut. Sie hatte Spaß und fand, dass sie das gut gemacht hat. Das ist die Hauptsache. Ich war nicht dabei, weil sie mich nach dem Abliefern weggeschickt hat. Aber sie war zufrieden. Dieses Kind kann was über Selbstzufriedenheit, das vielen Erwachsenen fehlt.
  • Bei der Arbeit ist alles zum großen Teil sehr wie immer, nur jetzt mit Pflanzen im Büro.
  • Heute sollte noch mal ein Handwerker kommen um den kaputten Balkon anzuschauen, aber auch dieser kam einfach nicht. So langsam wird es wirklich lächerlich. Das ist dann jetzt der dritte, der uns einfach ghostet.
  • Aus Gründen bin ich im Internet irgendwie falsch abgebogen und jetzt lassen wir vielleicht das Dach neu decken. Die Geschichte ist lang und fing mit den Terrassentüren an, für die es ja quasi keine sinnvolle Förderung gibt, weil halt. Dann war ich pissig und guckte nach Solarzellenförderung, aber die ist tatsächlich gar nicht soooooo schlecht. Aber Solarzellen auf ein 50 Jahre altes Dach montieren, das eh in maximal 10 Jahren fällig ist, macht so gar keinen Sinn. Naja und so kam eins zum anderen. Aber ich muss erst mit der Bank sprechen, so ein Dach ist teuer.
  • Pippi hat heute Übernachtungsparty mit 3 Mädels. Das war sehr spontan von ihr so durchgedrückt. Ich war erst sauer, dann ist mir aufgefallen, dass ich es vermutlich genau so machen würde.
  • Mittwoch hatte ich das Abschlussgespräch mit dem Psychologen der Kommune. Das war nett, wie immer mit dem. Wir sind sehr auf einer Wellenlänge. Man sieht sich ja immer zwei mal im Leben, nächstes Mal vielleicht in einem anderen und nicht-professionellen Rahmen, das fände ich nett. Bin ich jetzt vom Perfektionismus und der dauernden Gefahr, mich an meinen eigenen Ansprüchen langsam auszubrennen, geheilt? Nein. Aber auf nem guten Weg zu einem entspannteren Umgang mit mir selbst.

Tag 4009 und 4010 – Ferienendspurt.

Ab morgen muss ich wieder arbeiten. Ich finde das empörend, um ehrlich zu sein. Jetzt hatte ich mich grad ans Urlaub haben gewöhnt.

Gestern und heute hat vor allem Pippi davon profitiert, dass ich noch frei hatte. Gestern auch Michel ein bisschen, weil er und ich endlich zur Bank gefahren sind, um eine neue Bankkarte für ihn zu bestellen (seine ist durchgebrochen und total professionell von mir mit Tesa gefixt) und auch gleich einen Mobilbankvertrag für ihn (und vorsorglich für Pippi) abzuschließen, damit er Vipps richtig benutzen kann. Vipps ist hier ziemlich wichtig.

Nachmittags war ich mit Pippi schwimmen. Ich musste mit, weil Pippis Freundin, die auch mit war, nicht alleine ins Schwimmbad darf (Pippi schon und sie hat das auch schon ein paar mal mit anderen Freundinnen gemacht). Aber das ist ja auch nicht tragisch, ich bin dann eben auch einen Kilometer geschwommen, bin eine Runde in die Sauna gegangen und hab ein bisschen gelesen. Es gibt wahrlich schlimmeres.

Abends habe ich mich über die norwegische Förderung energetisch sinnvoller Sanierungsmaßnahmen aufgeregt, weil die ungefähr vorsehen, dass man bei Vollmond mit einer Strähne aus dem Schweif eines Einhorns in der Hand durch 12 brennende Reifen springt, um dann einen winzig kleinen Teil der Sanierungskosten erstattet zu bekommen. Im Falle unserer Terrassentüren z.B. 3,2%. Aber das ist eine andere Geschichte.

Heute haben Pippi und ich den Zug nach Oslo genommen, um zu shoppen. Bei Pippi wurde daraus ein halbes Makeover. Gestern war mir beim Schwimmen mein eines Piercing einfach rausgefallen, weil der Ring nicht mehr richtig schließt. Also sind wir zuerst zum Piercingstudio, damit die mir einen neuen Ring verkaufen und einsetzen. Dann wollte Pippi ein zweites Set Ohrlöcher (das wollte sie schon länger, aber jetzt war halt die Gelegenheit da). Und wo wir schon mal dabei waren, habe ich mir auch nach fast 20 Jahren mal wieder ein Piercing stechen lassen. Auch im Ohr, „conche“ heißt das, quasi durch die Ohrmuschel am äußeren Rand.

Das tat kurz weh, dann aber nicht mehr. Und Pippi ist schon so tapfer und groß, dass sie die neuen Löcher nacheinander hat stechen lassen, ohne mit der Wimper zu zucken.

Danach waren wir beim Ballettladen, wo Pippi den von Oma geschenkten Gutschein eingelöst hat. Dann beim Sportladen, Hallenschuhe für den Sportunterricht kaufen. Dann bei einem anderen Sportladen (dem günstigen), Hausschuhe (so Gummischlappen, wie die Kinder die jetzt eben alle haben müssen) kaufen. Bei einem normalen Bekleidungsgeschäft, normale Trainingskleidung für die ganzen anderen Tanzstile kaufen. Und zum Schluss noch Haare schneiden. Die Friseurin war glaube ich von der Fraktion „die Kleine will es bestimmt nicht so kurz, wie sie gesagt hat“, aber Pippi gefällt das Ergebnis trotzdem sehr. Ihre Haare sind jetzt etwa Schlüsselbeinlang. Gezeigt hatte sie schon ca. 5 cm kürzer. Aber egal. Ihr gefällt es, und wenn morgen doch nicht mehr: mehr abschneiden geht immer.

Tag 3986 – 3988 – Musik und so.

Hier weiter Ferien. Heute haben wir Michel vom Sommerkurs abgeholt… und direkt zu seinem besten Freund gefahren. Na ok. Aber das Abholkonzert war wirklich sehr sehr gut, meine Güte, wenn man ne Woche mit so nem Haufen 13-15-Jähriger ordentlich übt, wird das richtig krass. Und so ein Korps mit 50-60 Musiker*innen macht schon auch gut was her. Michel hatte wohl auch eine gute Zeit, allerdings ist er ja generell etwas wortkarg, deshalb mussten wir ihm ungefähr alles aus der Nase ziehen und das Ergebnis war trotzdem nur „Gut.“.

Herr Rabe hat sich heute, vor dem Abholkonzert, noch einen Bass gekauft. Ich bin jetzt nicht mehr die einzige, die hier ohne Bünde spielen muss. Außerdem hat Familie Rabe jetzt eine E-Gitarre und einen weiteren Bassverstärker, denn das war im Paket günstig zu kriegen und überhaupt. Herr Rabe hat dann jetzt vier Bässe und eine E-Gitarre. Und x Verstärker, von denen y im Probenraum stehen. Ich habe da den Überblick nicht.

Warum habe ich eigentlich nur 2 Geigen???

Ich hatte Donnerstag Geigenunterricht, und trotz 33 Grad in Oslo und mir konstant am Rücken runterlaufenden Schweiß war die wirklich gut. Ich und Grieg, wir sind inzwischen ein gutes Team. Jetzt bräuchte ich nur wen, der dazu den Pianopart spielt, oder zumindest einen Geigenlehrer, der den Pianopart hin und wieder mal ein bisschen übt. Ähäm. Aufgabe zum nächsten Mal: nun doch den dritten Satz lernen und den 4-5 ätzenden Stellen (wirklich nur einzelne Takte) im ersten und zweiten Satz den letzten Feinschliff verpassen.

Ansonsten ist es hier endlich wieder etwas kühler und heute hat es gründlich geregnet. Da ich draußen gießen gerne mal vergesse, ist das für alle unsere Draußenpflanzen sehr gut. Den noch-nicht-Regen-Tag gestern haben wir genutzt um sage und schreibe 15 Kirschen zu ernten. Das sind 15 mehr als wir jemals hatten, also beklage ich mich nicht. Der Baum ist auch noch sehr klein.

Tag 3985 – Inselhopping.

Pippi und ich hatten einen im Großen und Ganzen sehr schönen Tag. Ich habe nur leider nur ein einziges Bild gemacht.

Auf dem Weg!

Ich fand sehr schön, mit Pippi einen ganzen Tag zu verbringen. Pippi hatte sehr viel Spaß, wir haben im Fjord gebadet (beide! Mit Kopf unter Wasser!) und es war wirklich herrlich, gerade weil es einfach brüllend warm war, da ist 18-19 Grad kaltes Wasser wunderbar. Wir haben auch UNO gespielt und uns sehr viel unterhalten und uns gegenseitig erzählt, wie furchtbar warm es ist. Wir haben zusammen einen Seestern vorm Sonnentod gerettet und Pippi hat einen Stein voller Baby-Seesternchen gefunden. Ich bin einfach nur fasziniert, dass es an den Badestränden Oslos so viel Leben gibt, lebende Austern habe ich auch gefunden und Fische gesehen und auch einen Fisch gesehen, der Seevogelfutter wurde. Wir haben uns beide an Steinchen oder Muscheln im Wasser die Füße verletzt und niemand hat groß Drama deshalb gemacht. Nächstes Mal Badeschuhe mitnehmen. Wenn wir noch mal nach Langøyene fahren sowieso, der Strand da war super heiß, ich glaube ich hab es kurz Zischen gehört, als meine Füße das Wasser endlich berührten. Ich persönlich fand Gressholmen auch schöner, aber Pippi ist anderer Meinung (Langøyene hat einen Steg, von dem aus man offiziell ins Wasser hopsen darf).

Falls Sie mal in Oslo baden wollen: für Gressholmen muss man deutlich mehr kraxeln können. Zum Badeplatz geht ein Trampelpfad. Der Badeplatz ist kein Strand, das ist Fels und dann Wasser. Es geht recht steil rein, ist also auch nicht unbedingt was für einen Ausflug zum Plantschen mit Kleinkindern. Aber ich fand es schöner, weil ruhiger. Langøyene hat alles, Klos, Kiosk, Campingplatz, große Wiese, Grillmöglichkeiten, Sandstrand, Badesteg, es geht etwas flacher rein. Sogar Duschen gibt es (eiskalt. Der Fjord ist deutlich wärmer. Aber immerhin kann man sich den Sand von den Füßen waschen). Und deshalb ist Langøyene ziemlich überlaufen. Also immer noch nichts gegen Ballermann oder ein durchschnittliches deutsches Freibad bei 30 Grad, aber schon, in norwegischen Maßstäben, voll. Zu beiden fährt aber das normale Ruter-Boot und die Inseln liegen im Tarifbereich Zone 1, also Oslo. Mit meinem Jahresticket kann ich ja eh überall hin, für Pippi habe ich ein Tagesticket gekauft, das hat etwa 10€ gekostet, für 4 Zonen (weil wir halt in Zone 4 Nord wohnen, wir müssen ja erst mal nach Oslo kommen!). Ich kann so einen Badeausflug bei gutem Wetter sehr empfehlen, nur Badeschuhe und vielleicht ne Strandmuschel oder sowas sollte man dabei haben. Ich war heute sehr dankbar für meinen Sonnenschirm. Und Lichtschutzfaktor 5000, egal wie es klebt, egal wie man aussieht wie mit Alpina eingeschmiert und dann mit ner Speckschwarte abgerieben. Die Sonne hier ist, wenn sie mal da ist, gnadenlos.

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Ich bin komplett fertig jetzt. Auf sehr viele Arten war das sehr anstrengend für mich, allein sensorisch, dadurch, dass ich den ganzen Tag fett mit Sonnencreme eingeschmiert sein musste. Dann so viele Leute, aufpassen, dass Wasserratten-Pippi nicht absäuft oder ihr irgendwer auf den Kopf springt, waaaaaarm, Angst vor Sonnenbrand, mimimi irgendwas hat mir den kleinen Zeh aufgeschlitzt, Sonnenhut, Sonnenschirm, Sonnencreme, Zeug schleppen, irgendwann dann auch Hunger, nasses Badezeug an also punktuell kalt, Rest langsam durchgekocht, nirgendwo ist Schatten, ganzer Körper klebt. Und dann fuhr kein Zug zurück, weil es irgendwo an der Strecke gebrannt hat, ich musste sehr schnell umorganisieren, im Bus war die Klimaanlage kaputt, mein Anschnallgurt ging nicht, wir mussten ganz hinten im Bus sitzen. Wir wurden also noch mehr durchgekocht als eh schon und das ganze Zugdrama hat mir echt den Rest gegeben, ich gehe jetzt einfach ins Bett.

Aber: kein Sonnenbrand (glaube ich jedenfalls) und Pippi hatte eine gute Zeit. Das war’s wert.

Tag 3977 und 3978 – Weiter Gerödel.

Herr Rabe arbeitet, ich prüddele zu Hause rum. Die Terrasse ist jetzt fertig und die Möbel stehen wieder drauf. Die Treppe habe ich heute früh ein zweites Mal geölt und jetzt sieht es schon wesentlich besser aus und das Holz hat das Öl auch etwas weniger schnell aufgesaugt. Beim Baumarkt habe ich mir Farbkarten in 50 Shades of Grey fürs Arbeitszimmer mitgenommen. Entweder habe ich den Verstand verloren, oder ich bin jetzt in dem Alter, wo ich Räume in fröhlichem hellgrau streichen möchte, oder das Aquarienblau hat mich traumatisiert oder alles drei.

Hier ist übrigens das Telefonbänkchen. Ich mag es, und ich weiß, wie sehr ich für die wirklich nicht toll gewordenen gelben Details geschwitzt habe, das ist das Wichtigste.

Ich stelle mir vor, dass im Fach über den Schubladen früher ein Telefonbuch gelegen hätte.

Gestern habe ich mit Pippi eine neue Brille für sie ausgesucht und Kontaktlinsen zum ausprobieren bestellt. Sie wird nach dem Sommer so viel tanzen, dass Kontaktlinsen schon gut wären, und aus der Brille vom letzten Jahr ist sie tatsächlich rausgewachsen. Groß ist sie geworden. Aber beim Optiker musste ich sie an die Hand nehmen. Hach ja, (knapp) Elfjährige. Tatsächlich erinnere ich mich von Michel daran, dass das auch genau die Phase zwischen „klein“ und „groß“ war.

Danach haben wir schick geshoppt, Kissen und Solarleuchten und eine Wachstuchtischdecke für die Terrasse. Ich habe sogar so Tischtuchbeschwerer zum Dranklipsen (in Zitronen- und Erdbeerform) gekauft. Langsam bin ich meine Oma. (Wobei… die hatten beide am Kaffeetisch draußen richtige Tischdecken aus Stoff. An die von meiner Omi kann ich mich noch gut erinnern, nicht ans Muster, aber an die Textur. So richtig robustes, gewebtes Tuch, wahrscheinlich Leinen, ich mochte es immer sehr, da dran rumzufühlen. Und gleichzeitig barfuß auf den Terrassenplatten mit diesen kleinen, runden Steinchen. Hach!)

Im Übrigen werde ich morgen wieder den netten Mann von Anticimex anrufen, denn meine Wespennestattrappe hat leider nicht geholfen. Genau an der Stelle, wo ich im Frühjahr die riesige Wespe immer habe hinfliegen sehen, gehen jetzt sehr viele Wespen ein und aus. Was ein bisschen faszinierend ist, weil da gar kein Platz so richtig ist, also wenn dann ist das mehr so ein einetagiger Wespen-Bungalow, den die da errichtet haben. Will ich trotzdem nicht einen Meter vom Esstisch entfernt haben.

Tag 3972 und 3973 – Urlaub.

Ich habe jetzt Urlaub. Die Urlaubsstimmung will sich nur mal so gar nicht einstellen. Liegt vielleicht auch daran, dass mich Arbeitsdinge nicht loslassen. Oder zumindest hängt das sicher zusammen. Aber ich gebe mein Bestes und habe heute auch brav immerhin eine Stunde Geige gespielt (und mir an Sekund-Doppelgriffen die Finger und Ohren verrenkt). Außerdem heute: mit Michel zum Kieferorthopäden gefahren, Draht tauschen lassen. Nach den Ferien wird dann der untere Teil der Spange geklebt. Außerdem gestern: Abhol-Konzert von Pippis Sommerkurs. Wie vermutet, hatte Pippi eine super Zeit und hat sich auch für nächstes Jahr schon zum roten (also nächsten) Kurs verabredet. Das Konzert war auch wirklich gut, es ist wirklich immer wieder beeindruckend, was die in knapp vier Tagen so auf die Beine stellen.

Ansonsten sind die Projekte zu Hause im Gange. Pippi hilft mir beim Lackieren des kleinen Telefonbänkchens, das ich letztes Jahr über Kleinanzeigen besorgt habe. Ich habe die Treppe vor dem Haus geschrubbt. Die macht etwa 1/15 des zu schrubbenden Holzes aus und Scheiße, ist das anstrengend. Für den Rest muss ich glaube ich Michel fürstlich entlohnen.

Morgen geht dann eine weitere Tour in den Baumarkt des Vertrauens – dem, wo man Beratung bekommt. Denn erstens muss ich Terrassenlasur kaufen (für die Treppe, die riesige Terrasse und den riesigen Balkon, also ca. einen Kubikmeter) und zweitens will ich mein Aquarium Arbeitszimmer streichen. Erst fand ich es charmant, so hellblau. Aber es ist halt wirklich der komplette Raum, ALLES ist hellblau. Die Decke. Die Fuß- und Deckenleisten. Der Tür- und Fensterrahmen. Sämtliche Kabel. Selbst die Lichtschalter sind einfach hellblau übergejaucht. Es ist zum Heulen. Und in Teams sehe ich grundsätzlich etwas krank aus.

Keine Ahnung, ob überhaupt eine Chance besteht, das zu fixen. Und Nasen sind auch überall, wie rechts oberhalb vom Lichtschalter zu sehen.

Fun fact übrigens: Niemand weiß, was der obere Schalter tut, außer mich zu irritieren, weil ich grundsätzlich den falschen erwische. Er scheint jedenfalls kein Licht irgendwo zu kontrollieren.

Die Moral von der Geschicht: egal, wie sehr Ihr Kindergartenkind es sich wünscht, streichen sie niemals einen kompletten, Holzpanelverkleideten Raum, in irgendwelchen Farben. Türrahmen, Fensterrahmen, die Decke!!!, Leisten, Kabel und Lichtschalter sollten auch nicht einfach übergepinselt werden. Weil sonst sitzt da hinterher jemand wie ich und muss im Baumarkt verzweifelt nachfragen, wie zur Hölle das wieder beseitigt werden kann (möglichst ohne dass es meine kompletten sechs Wochen Ferien auffrisst wegen Aufwand).

Tag 3969 – 3971 – Eating seeds as a pastime activity.

Wir Raben hatten und haben alle äußerst aufregende Tage. Also, nicht Sonntag, da hatten wir nur Haushalt und das bei viel zu warm. Abends waren Herr Rabe, Pippi und ich dann noch beim Badesee ums Eck, zum Abkühlen. Das war sehr schön. Abkühlung war auch effektiv, der See ist noch ziemlich kalt. Danach packten wir mit Pippi ihre Sachen, denn Montag Vormittag brachten wir sie und zwei niegelnagelneue Sets mit Sticks zum Korps-Sommerkurs nach Hamar. Sie war sehr aufgeregt und machte sich Sorgen, dass sie niemand mögen würde, aber da wir exakt gar nichts hören (außer heute Morgen ein paar Anfragen, ob sie drülf neue Freundinnen zu ihren Telefonkontakten hinzufügen darf), ist wohl alles gut. Das Eltern-Infotreffen schenkten wir uns dieses Mal, das haben wir schon vier mal oder so gehört und es ist immer gleich. Außerdem hatten wir es etwas eilig. Wir fuhren dann wieder nach Hause, Herr Rabe und ich, aßen die Reste vom Abendessen auf, zeigten einem höchst erfreuten Michel diverse eingekaufte Snacks und Eistee und fuhren zum Flughafen und dann nach Stockholm und Hotel und ne Portion Ramen und dann waren wir in der größten Arena, in der ich überhaupt jemals war. Komplett lächerlich groß. 60.000 Plätze. Und es war laut. Sehr laut. Und geil.

Ein Hoch auf den Musikergehörschutz.
Rentner auf Sitzplätzen. Aber Innenraum war innerhalb von wenigen Minuten ausverkauft.
Ahhhhhhh!
Sorry für die Dame mit dem Arm, die hatte sehr viel Spaß.

WIR WAREN BEI SYSTEM OF A DOWN.

Was für ein Erlebnis, wirklich, seit 20 Jahren will ich die live sehen und ES WAR ABSOLUT GROẞARTIG, ich habe keine Worte so richtig. Musikalisch gut, Sound gut, was für eine Maschine ist bitte der Drummer? Serj Tankian singt den ganzen 25 Jahre alten Kram als wäre er nicht fast 60, der Bassist macht ein paar Kilometer im Laufe des Konzerts auf der Bühne und hat einen sehr schicken Bass. Und das Publikum kann jeden Text. Ich meine, gut, wenn man das herbeiführen will, muss man bloß ein paar Kultalben rausbringen und dann 20 Jahre keins und dann auf Tour gehen.

Wir haben getanzt und gebangt und gesungen und gegrölt und ich hab kurz bisschen geheult weil’s so schön war. Geschwitzt haben wir auch. Herr Rabe und ich wurden sogar angeranzt, wir mögen uns auf den Rentnerplätzen doch bitte wieder hinsetzen und der Dame hinter uns nicht mehr die Sicht versperren, was wir kurz befolgten, aber dann haben sie Toxicity gespielt, was soll man machen.

Das war gestern.

(Spannend auch, dann mit 60.000 Leuten wie die Lemminge zur T-bana zu latschen…)

Michel war also dann das erste Mal ganz alleine über Nacht zu Hause. Er hat vermutlich sehr viel Computer gespielt und Eistee und Cola getrunken und Schrottzeug gegessen, also der Traum eines Dreizehnjährigen.

Herr Rabe hat dann noch Fußball geguckt, das habe ich nicht durchgehalten und bin weggepennt.

Das war auch gut, weil ich heute dann den ganzen Tag Webinar hatte. Und es war tatsächlich wichtig. Da ging er hin, der entspannte Tag mit Herrn Rabe in Stockholm.

Es war trotzdem schön. Nur halt schön mit Stöpseln im Ohr und Handy in der Hand und gelegentlich (also… bei jeder Gelegenheit) den Computer rausholend. Das Webinar war recht interessant und wir sind viel rumgelaufen durch die schönste Stadt der Welt.

Fun fact: da hatte ich mich versehentlich unmuted und *alle* haben mich lachen hören, plus den Lärm vom Stortorget. Es ging nur vielleicht drei Sekunden, aber es wird mich auf ewig verfolgen. Da versucht man einmal, Professionalität zu heucheln…

Nur Shoppen für Herrn Rabe hat nicht geklappt, er hat einfach nichts gefunden, was gefallen und gepasst hat.

Tag 3962 – 3964 – Mehr Sommer.

Sonntag waren wir zum Geburtstagsgrillen bei den Ex-Nachbarn eingeladen, jenen Ex-Nachbarn, die vor uns umgezogen sind (in eine riesige Blockhütte in traditioneller Bauart, wäre nicht meins, hat aber auch seinen Charme). Das war wirklich nett, wir haben die ganze Zeit draußen gesessen und geschnackt und Dank aus Deutschland importierter LSF 50 Sonnencreme von dm haben wir uns auch trotzdem nicht in Hummer verwandelt. Es gab Unmengen zu essen (die ex-Nachbarin ist gebürtige Polin, die hat ein ganz anderes Verhältnis zu Gastfreundschaft als die meisten Norwegys) und generell war es mal wieder sehr schön, mit anderen Erwachsenen zu reden, mit denen man nicht zusammen arbeitet.

Danach war ich aber so platt, dass ich die geplante Abholung eines Draußen-Sofas, das ich bei Finn gefunden hatte, verschieben musste. Das habe ich dann gestern gemacht und der vermutlich nettesten Frau der Welt diese Sitzgruppe abgekauft:

Unter dem Kissen auf dem Hocker ist eine Glasplatte, wenn man das Kissen runternimmt, hat man also einen richtigen Tisch.

Ich weiß noch nicht, ob wir die noch mal anders anordnen, mal gucken. Aber ich bin erst mal sehr zufrieden, dass unsere Terrasse immer mehr benutzbar wird. Bisher war sie hauptsächlich Fahrradparkplatz.

Es war auch wirklich schön, dass ein Freund von uns mit Auto und Anhänger ausgeholfen hat, und wir im Auto ein bisschen schnacken konnten. Wie gesagt, Gespräche mit Erwachsenen. Wichtig.

Heute war hingegen hauptsächlich Arbeit. Morgens habe ich Pippi und ihre Freundin, die hier übernachtet hatte, zum Dance Camp gefahren, und hatte schon um 9 den Kaffe auf, weil momentan ÜBERALL Baustellen sind und man wegen Baustellenampeln und Umfahrungen und allem eigentlich für jeden Pupselweg 10 Minuten extra einplanen muss. Und dann haben die Kinder morgens auch noch für alles von Uno spielen bis Haare machen unendlich viel Zeit und wundern sich dann aber darüber, dass wir zu spät kommen. Orr.

Tag 3955 – Putzeputz…

Uaaaaaggghhh ich hasse putzen. Ich versuche, den Putzhass im echten Leben nicht ganz so raushängen zu lassen, damit ich den Kindern nicht ein allzu grausames Bild dieser nun mal notwendigen Tätigkeit vermittle, aber ey, das ist so ätzend. Hier kann ich es ja schreiben. Soweit ich weiß, lesen die Kinder nicht mit. Ich habe gerne eine saubere Wohnung, mich pissen die Wollmäuse, die unablässig überall entstehen, und die Haare und die Krümel und die klebrigen Flecken überall kolossal an, Ich frage mich wirklich, ob es wohl zur Benutzung anregen würde, wenn ich rot blinkende und aggressiv hupende Klobürsten anschaffen würde und möchte den Kindern gerne (allen beiden) Haarspülung wegnehmen, weil die so nen ekligen Schmier im Duschabfluss hinterlässt, all das. Ich putze ja auch, ich lebe nicht im Dreck. Ich zwinge auch den Rest der Familie dazu, ebenfalls zu putzen. Aber es ist und bleibt für mich eine Tätigkeit, die in der Rangliste beliebter Haushaltsaufgaben sogar noch hinter Bügeln rangiert.

Falls die Kinder doch mitlesen: wie ihr seht, mache ich das auch nicht gerne, aber es muss eben wer machen. Und wisst ihr, was schlimmer ist, als putzen? Putzen, während der Rest der Familie NICHT PUTZT. Also schwingt die Hufe. Und zum Thema Spülung; weniger ist mehr. Und man kann auch den Duschabfluss mal sauber machen. Übrigens.

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On another Note habe ich Michel gestern zur Konfirmation angemeldet. Michel wird nämlich nächstes Jahr schon 15, was komplett wild ist und eigentlich nicht sein kann, weil der ja quasi noch ein Baby ist. In Norwegen werden alle Jugendlichen in dem Jahr, in dem sie 15 werden, konfirmiert. Michel hat sich überlegt, dass er das gerne möchte (wir hatten angeboten, dass er auch einfach so eine Feier und Geschenke haben kann, ohne Zeremonie, wenn er das lieber möchte), aber nicht christlich, sondern humanistisch. Also habe ich ihn zu einem humanistischen Konfirmationskurs angemeldet und drüber nachgedacht, dass das Baby schon so groß ist. Wo ist bloß die Zeit geblieben.

Hier ein Foto des entzückenden Babies, mit 13 Jahren Verzögerung dürfte es ja ok sein, das zu posten.