Tag 2050 – Flink pike*.

* ein Ausdruck für fleißige und kluge Mädchen, die sich oft sehr stark unter Druck setzen, was die eigene Leistung angeht.

Wir hatten heute Entwicklungsgespräch im Kindergarten – das letzte, glaube ich. Nur noch ein paar Monate und die Kindergartenzeit liegt tatsächlich hinter uns, Hammer. Das Entwicklungsgespräch hätte zwar im Herbst schon sein sollen, aber wegen totaler Unterbesetzung im Kindergarten und weil wir uns um Pippis Entwicklung gar keine Sorgen machen, haben wir mehrmals gesagt, dass sie sich da bitte keinen Stress mit machen sollen, solange es von ihrer Seite aus nichts dringendes zu besprechen gibt.

Jedenfalls – da waren wir also, zum Gespräch um neun Uhr morgens. Pippi unten in der Gruppe abgeliefert und mit der Bezugs-Betreuerin für alle Vorschulkinder ins Büro gesetzt.

Kurz zusammengefasst: Pippi ist eine sehr clevere kleine Maus mit einem großen Herzen. Ihr Vorschul-Übungsbuch sieht aus, wie von Hermine Granger persönlich ausgefüllt. Die Bezugs-Betreuerin sagt auch, Pippi mache das alles immer sofort, verstehe die Aufgaben problemlos und mache alles ganz akkurat und richtig. Sie kann nicht nur ihren Namen schreiben, sondern auch den ihrer Kindergartenfreundin, meinen, Michels, und den der Betreuerin – nach Gehör. Ich soll meine Kinder nicht vergleichen. Die ausgemalten Bilder sind (nicht überraschend, sie schleppt ja täglich irgendwelche Kunst nach Hause) sehr akkurat ausgemalt. Pippi ist, so die Betreuerin, in allen Bereichen sehr weit, sprachlich, sozial, motorisch. Sie habe keine Ziele für Pippi, sie könne alles schon, was man bis zur Schule können sollte –

Außer.

Und das ist leider bitter, denn einem Kind habe ich die Weirdness vererbt, dem anderen die Verletzlichkeit. Wenn ein Kind absichtlich gemein zu Pippi ist, verletzt sie das sehr. Nun ist mein Ziel sicher nicht, meinem Kind das Weinen abzugewöhnen*, aber ich hoffe sehr, dass anderen Eltern auch am Herzen liegt, ihren Kindern zu vermitteln, dass es Mobbing ist, wenn man das Kind, das schnell weint, deshalb extra ärgert. Und dass Mobbing einfach gar nicht geht. Und dass die Grenzen zwischen Ärgern und Mobbing ganz fein sind.

Am liebsten würde ich mich jetzt wie eine Glucke auf das Kind setzen und es vor der bösen, feindseligen Welt beschützen. Das geht leider nicht, aber ich werd alles daran setzen, dass sie weder die Worte Streber noch Heulsuse mehr als ein Mal hört, weil dann nämlich Mama wie eine Furie auf der Matte stehen und sämtliche Register der Nervigkeit gegenüber der Schule ziehen wird. Ich denke, es könnte eine gute Idee sein, Elternsprecherin zu werden.

Nicht ganz die Mama. Nur zum Teil.

(Ich sorge mich auch um die Geschwisterdynamik. Es ist, das habe ich mir sagen lassen, nicht einfach mit einem Geschwister, dem alles zufliegt. Aber das ist eine andere Geschichte. Um die kümmern wir uns, wenn sie da ist. Aber wir haben ein wachsames Auge darauf.)

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*wenn man sich das Weinen abgewöhnt, zum Beispiel, weil man Heulsuse genannt wird und Kinder hinter einer herrennen und „Heul doch“ rufen, kriegt man einen sehr harten Panzer und lässt nur noch sehr wenige Leute überhaupt sehen, wie es dahinter aussieht. Das ist nicht so schön, weil man im Grunde die ganze Zeit misstrauisch gegenüber den Mitmenschen ist und sich hart gibt, obwohl man es nicht ist – das ist anstrengend und macht einsam. Und wenn man den Panzer mal ablegt, ist man noch viel verletzlicher. Wenn dann jemand zusticht, tut es doppelt und dreifach weh, davon wird man dann bitter obendrein.

Tag 2046 – Sehr glücklich.

Ach, im Großen und Ganzen hab ich es schon wirklich gut. Mit den Kindern, die Rübennasen sind*, aber auch sehr liebenswert, mit Herrn Rabe und mit dem Job, der mir komische Mails schickt**.

Ok, Pandemie könnte jetzt mal so langsam endlich vorbei sein. Schilddrüse könnte raus sein, Hormonhaushalt stabilisiert sein, Pickel könnten generell einfach gar nicht erst vorhanden sein. Das wäre alles schön, keine Frage.

Aber im Grunde bin ich grad sehr glücklich. Muss man ja auch mal sagen.

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*zum Beispiel Pippi, die in der Dusche vom Schwimmbad rumposaunt „Ich weiß ganz viel, Mama, ich weiß wo die Babies herkommen, die kommen nämlich aus dem Bauch und aus der Tiss [Penis/Vulva, anm. d. Red.]! Mama, sind Michel und ich eigentlich aus deinem Bauch oder aus deiner Tiss gekommen?“ süß, aber nicht unbedingt das, was man in einer vollen Schwimmbaddusche diskutieren möchte.

**Ich habe gegen das Arbeitszeitgesetz verstoßen, weil aber nicht genau, wie. Kann also auch nix in Zukunft besser machen. Tolles System, doch, doch!

Tag 2041 – Ach, ach.

Es war ein schöner Tag (mit Schwimmbad und Michel ist etwa eine Million mal vom 1er gehüpft, ich hab ihn im Wasser aufgesammelt und ihm dann an den Rand geholfen, das hat ihm so riesigen Spaß gemacht, dass ich fast erlaubt hätte, dass er auch vom 3er springt. Aber dann fiel mir ein, dass ich da eventuell ein super Erpressungsmittel Motivationshilfe habe und die Regel ist nun „es ist zu gefährlich, vom 3er zu springen, wenn man nicht schwimmen kann, du musst erst schwimmen lernen“) und das sogar, obwohl das Wochenende aufhörte, wie es angefangen hat – mit Arbeit. Ich werd zur Zeit nicht mal mehr ansatzweise innerhalb meiner regulären Arbeitszeit mit der Arbeit fertig. Leider liegt das nur zum Teil an leicht reduzierter Effektivität im Homeoffice. Denn, man muss es leider so stumpf sagen, wir Inspektøre sind alle hoffnungslos zugeschüttet mit Arbeit* und aber auch alle allzu pflichtbewusst** und dann arbeiten wir eben Freitags und Sonntags abends. Immerhin mache ich den Job gerne, sonst wäre das wohl noch bescheidener.

Whatever, jedenfalls möchte ich nicht, dass das Wochenende schon vorbei ist. Ich könnte gut und gerne noch einen Tag Wochenende gebrauchen. Seufz.

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*ÖD halt

**auch ÖD halt***

***Nein, wir sind nicht verbeamtet, wird man auch nicht in Norwegen, wir sind dementsprechend alles Idealist*Innen die sich für wenig Geld und die gute Sache den H… aufreißen. Eine spezielle Spezies Mensch (ich mag die).

Tag 2032 – Zuzweitzeit.

Michel hatte keine Lust auf Schwimmen, also fuhr ich mit Pippi alleine ins Schwimmbad. Und das war super. Ein Kind ist so viel weniger betreuungsintensiv als zwei! Pippi war natürlich bester Dinge und erzählte auch gleich der Frau an der Kasse, dass wir jetzt schwimmen gehen und aaaaaalle Sachen in der Tüte haben. Joa, alle, bis auf das Mäppchen mit den Geldkarten. Also ging ich noch mal zurück zum Auto, aber Pippi ist ja schon so groß, dass sie kurz allein warten kann. Dann labert sie eben die Kassenfrau voll. Ich guckte noch kurz bei den Badesachen, ich suche ja schon lange nach einem Sportbadeanzug und – kaufte spontan einen! Juhu. Dann gingen wir uns umziehen, Pippi konstant erzählend und duschen, Pippi weiter erzählend. In Norwegen ist es ja so, dass man vor dem Schwimmen nackt duscht, mit Einseifen und Haare waschen, und seien wir mal ehrlich – das macht auch viel mehr Sinn als was ich in meiner Kindheit gelernt und betrieben habe. Pippi wäscht inzwischen ganz selbst ihre Haare und auch den Körper recht ordentlich. Die Zwergmaus. Danach versuchten wir, unsere nassen Körper in trockene Badesachen zu zwängen, was etwas herausfordernd war. Und was Pippi natürlich kommentierte, sowie ungefähr alles, was an ihrem und meinem Körper unterschiedlich ist. Das ganze Schwimmbad weiß jetzt darüber Bescheid, was das genau ist.

Dann gingen wir ins Wasser und man soll ja seine Kinder nicht vergleichen. Ähäm.

Pippis Lieblingsspiel im tieferen Nichtschwimmerbecken ist, irgendwo hin zu tauchen oder mit Bienchen umgeschnallt ein paar Brustschwimmzüge zu machen. Oder an meinem Hals hängend durchs Wasser geschleppt werden. Ihr Lieblingsspiel im Kleinkinder-Plantschbecken ist, quietschend vor mir wegzurennen und „Kitzelmonster!“ zu schreien, damit ich sie kitzele. Oder irgendwo hin tauchen. Oder die putzigste „Kanonenkugel*“ aller Zeiten machen, die einfach gar nicht spritzt, weil sie so klein ist.

Am Schluss musste natürlich noch gerutscht werden, aber ich hatte keine Lust, also rutschte Pippi ganz allein. Ja, drei mal, laut quietschend, ganz allein die Treppe hoch und die große Rutsche runter.

Sie werden wirklich sehr schnell groß, die Kinder. Dieses hier kann schon fast schwimmen und ganz alleine rutschen.

Hach ja, das hat richtig Spaß gemacht, vor allem, seit Ewigkeiten mal wieder ein paar Stunden ganz allein mit Pippi zu haben, der großen kleinen Maus. Die ist genau so ne Wasserratte wie ich, glaube ich. Hach, hach.

(Danach gingen wir Tiefkühlpizza kaufen. Nach fast elf Monaten Pandemie bin ich soweit, dass ich im Onesie einkaufen gehe. Auf dem Band drei Tiefkühlpizzen, ein Sixpack Weihnachtsbier, drei Paprika und eine Gurke. Judgy Twittermenschen gonna hate this.)

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*Arschbombe

Tag 2026 – Verquatscht (x2).

Michel wurde heute von seinem sehr spontanen Kumpel zum Film schauen eingeladen. Michel ist nicht sehr spontan. Und obwohl er Lust hatte, schaffte er es nicht, sich darauf einzulassen. Ich bat an, ihn hinzubringen, dann war es halbwegs ok, allerdings gestand er mir dann beim Warten im Flur in der Lautstärke des Flügelschlags eines Schmetterlings, dass er einfach am liebsten gar nicht allein da bleiben wolle. Ich sagte, ich könne noch ein bisschen bleiben, aber nicht ewig.

Dann bot mir die Mutter des Kumpels ein Glas Wein an, wir saßen schlussendlich jede an einem Ende der Küche und Michel hatte den Luxus, Mama den ganzen Film über greifbar zu haben.

Das war ein sehr netter Filmabend, doch. Es tut gut, sich hin und wieder in 3D mit einem anderen Menschen auszutauschen. Mit dem man nicht zusammen wohnt.

Nur wie wir Michel jemals wieder von uns loseisen sollen, ist mir grad ein Rätsel. Mehr Routine, mehr Vorausschaubarkeit, auf alles vorbereiten, mehr reden, nehme ich an. Noch mehr.

Natürlich musste trotzdem im Bett vorgelesen werden und wir sind bei Harry Potter jetzt langsam da angekommen, wo es eigentlich zu spannend ist, um es vorm Schlafen zu lesen. Michel versteckte sich vor lauter Aufregung unterm Kissen und quiekte laut und war insgesamt sehr gespannt – ich sagte ihm irgendwann, dass es noch weitere Bände gibt, in denen Harry und seine Freunde auch alle auftauchen, also niemand stirbt. Ich gestehe ja, dass ich bei spannenden Bücher erst den Anfang, dann das Ende und dann alles dazwischen lese, ich dachte, vielleicht hilft ihm das. Wir werden sehen, was passiert, wenn er selbst liest.

Im Anschluss in der Twitterkneipe versackt. jetzt müde, so viel Sozialkontakt an einem Tag, das überfordert mich doch.

Tag 2022 – Tagaus, tagein.

Ist halt blöd, wenn Arbeit das spannendste ist, was einer so passiert und sie da aber nix drüber erzählen darf. Dann bleibt nicht so viel.

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Michel hatte heute das erste mal „Aspirantkorps“, also Anfänger-Schul-Marschkapelle. Er fand es super und will unbedingt in diese Marschkapelle. Äh, Ja, gut. Sie sehen mich mittelmäßig begeistert, Marschkapelle ist so gar nicht meins, aber wenn es ihn glücklich macht, macht es ihn glücklich und dann macht es mich auch glücklich. Für die Auftritte gibt’s ja Ohropax. Danach sind wir zusammen nach Hause gegangen, das war schön. Der Schnee knirscht jetzt wieder.

Tag 2009 – Viel zu spät!

Wir wollten nur eine Folge Discovery gucken und dann wurden es die letzten drei der dritten Staffel. Spannend war’s, und schön auch. Am Ende wird alles gut, hach. (Ich geb’s zu, ich hab einen schlimmen Happy End-Drang und Geschichten mit traurigem oder gar offenem Ende verfolgen mich ewig.)

2009 haben Herr Rabe und ich geheiratet und jetzt, äh, drei Jahre später, versacken wir immer noch zusammen vorm Fernseher.

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Ansonsten war heute Entwicklungsgespräch mit Michels Lehrerin und Michel, über Teams und Michel ist schon ein super Kerl. Und ich werd nicht müde, die Lehrerin zu lobhudeln, aber die hat so eine nette und trotzdem verbindliche Art, mit Michel zu kommunizieren, das ist ganz faszinierend zu sehen. Da hört er zu, ohne bei Kritik gleich auszuflippen und dicht zu machen. Es ist Zauberei! Anders kann ich mir das nicht erklären. Michel ist jedenfalls in ungefähr allem total gut in der Schule, muss nur noch aufpassen, dass er „wenn viele Gedanken aus seinem Kopf wollen“ nicht beim Schreiben schludert („dann fliegen die Buchstaben in voller Fahrt von der Linie“). Das habe ich auch schon bemerkt, hätte das aber eher als Sauklaue bezeichnet oder halt als Schludrigkeit, und deshalb bin ich auch nicht Grundschullehrerin, sondern sie.

Tag 2006 – Wochenende Zack rum.

Wo ist der Tag hin? Ich hab doch noch gar nix großartiges gemacht, ein bisschen gearbeitet, auf dem Bauernhof Eier* und Kartoffeln geholt, gekocht. Meerschweinchen sauber gemacht.

Michel ist manchmal halt doch eine riesige Quatschnase. Heute bat er Herrn Rabe darum, einen Witz zu erzählen (erst bat er mich, aber ich kann keine Witze erzählen). Auf den irre lustigen Witz („Wie macht ein 2 kg schwerer Spatz auf dem Baum?“ „?“ *tiefe Stimme* „Püüp.“) spielte Michel dann auf seinem Handy mit der Garage Band-App „Badumm – Tsssss!“. Ich lag fast auf dem Boden vor lachen, das wertet unseren Humor noch mal um 2000% auf, wenn nach unseren seltsamen Witzen ein „Badumm – Tsssss!“ folgt.

Missverständnisse in unserem Haushalt: wenn Herr Rabe sagt „die Steckrübe schäle ich jetzt und dann tue ich sie in die Brühe?“ sage ich „ja, aber du musst sie schon erst kleinschneiden!“ und je nach Tagesform ist Herr Rabe dann belustigt oder beleidigt, dass ich ihm zutraue, eine Steckrübe im Ganzen kochen zu wollen. Heute eher belustigt, vor allem als er begriff, dass ich das ganz ernst gemeint hatte. Er hat das ja aber auch so gesagt!

Generell merke ich, trotz grad erst Urlaub gehabt, wie meine Energie (vermutlich pandemiebedingt) nicht auf der Höhe ist. Dann kann ich schlecht Ungesagtes richtig interpretieren oder auch falsch Interpretiertes unkorrigiert lassen. Im derzeitigen gesellschaftlichen Klima ist das eine Bitte um Social Media Ärger, weshalb ich mich da versuche, fern zu halten. Leider habe ich auch viele Sozialkontakte über Gruppen in Social Media. Hmm.

Die Nerven liegen global halt blank und was wäre auch anderes zu erwarten angesichts von absolut allem.

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*die Hühner haben ihre Winterpause beendet und wir können jetzt wieder Eier beim Bauernhof holen.

Tag 2005 – Schon wieder nix zu erzählen.

Lange geschlafen, gebadet, spazieren gegangen. Fast wie Wellness.

Länger mit meiner Mutter telefoniert, auch mal wieder sehr schön.

Mit Michel über einen Vorfall gestern Abend gesprochen. Leider ist er da nicht sonderlich zugänglich und will hauptsächlich, dass wir aufhören, darüber zu reden. Ich möchte, dass er versteht, dass schlechte Gefühle nicht weggehen, wenn man nicht darüber redet.

Ein paar Jahre haben wir noch für dieses „Erziehen“.

Die Kinder haben heute Wintersport betrieben, Michel war Schlittschuhlaufen mit seinem Kumpel, Pippi war Ski laufen (wohl im Schneckentempo, aber tjanun, man muss das eben auch lernen) mit Herrn Rabe. Leider nicht gleichzeitig, sonst wäre ich hier wohl jubelnd durchs Haus getanzt. Jetzt endlich haben wir ja sowohl Schnee als auch durchgehend Minusgrade, sodass der Bolzplatz an der Schule nun wieder eine Eisbahn ist. Es ist auch alles gleich viel freundlicher und heller und nicht mehr so grau.

Jetzt aber ab ins Bett, schon wieder so spät!

Tag 1992 – Meilensteine.

Michel kann jetzt Kaffee kochen. Also, nein, anders: Michel kann einen Kaffee Latte machen, an einer Siebträgermaschine und mit Dampfdüse ohne „Cappucinator“ und ohne Thermometer. Das macht er sogar freiwillig und bringt ihn uns ans Bett. „Davon habe ich nichts, Mama, nur glückliche Eltern.“ Ja, mein Spatz, überglückliche und vor Stolz platzende Eltern. Hachz hachz.

Wir haben die Kinderzimmer endlich, endlich so weit fertig. Und auch in unserem Arbeitszimmer ist wieder halbwegs Fußboden erkennbar. „Umziehen“ ohne Umziehen ist wie diese Schiebespielchen, wo man Plättchen mit nur einem freien Raum hin- und herschieben muss, bis sie ein Bild ergeben. Inklusive „ich hab mein Glas auf die Kommode gestellt – aber wo ist die Kommode hin?“. Uffz. Bilder morgen, heute war ich zu alle und die Kinder hatten auch schon ein Zimmer voll Lego gerödelt und in einem gebastelt. So wird das nix mit der Instagramability.

Ehrlich gesagt freue ich mich auf einen normalen Montag. Wir haben keinen Knoblauch mehr, nachdem die letzte Knolle zur Hälfte nicht mehr gut war – was wir an Heiligabend nachmittags bemerkten. Ich habe zwar auch zu morgen einen Einkauf bestellt, aber den Knoblauch vergessen. Gnah. Aber so habe ich eine Ausrede, wieso ich dringend das Haus verlassen und in den Ort gehen muss. Gehen, weil sich für eine Knoblauchknolle ja auch nicht lohnt, das Auto zu nehmen. Außerdem ist es eh sauglatt (morgen hoffentlich nicht mehr, es gab heute mehrere Unfälle in unserer Gegend und die Norweger*Innen sind ja Schnee, Schneematsch und Glätte eigentlich gewohnt). So.

Jetzt ab ins Bett, morgen geht ein Wecker, gegen die Versumpfung.