Tag 2696 – Das erzähle ich später mal.

Wir hatten Elterngespräch für und mit Michel und naja, also das war erhellend, auf eine Art. Herr Rabe hat dann heute Abend auch endlich die vier Fragebögen ausgefüllt, die wir morgen abgeben sollen. Ich habe ihn nicht fluchen hören, also wird er sich wohl nicht so sehr über einzelne Fragen aufgeregt haben, wie ich gestern („Hat das Kind mindestens einen oder zwei gute Freunde?“ – was denn nun, mindestens einen oder mindestens zwei???). Aber all das werde ich vielleicht irgendwann mal erzählen, wenn wir „fertig“ mit dem Kram sind. Also vielleicht Weihnachten oder nächstes Jahr, wer weiß. Außerdem muss ich Michel erst fragen, ob er das im Zweifel überhaupt ok fände.

Ansonsten war nicht viel. Ich habe mir die Haare schneiden lassen, sie sind jetzt wieder kurz. Hier im Ort hat eine neue Friseurin aufgemacht, die sogar etwas billiger ist als die 15-Minuten-Kette, aber ich wollte um jeden Preis vermeiden, mehr als „an den Seiten und im Nacken runter auf 9 mm und oben halt irgendwie wieder ne Form“ reden zu müssen. Da war selbst Termin abmachen schon eine zu große Hürde. Und für „richtige“ Salons bin ich zu geizig geworden. Das heute hat 10 Minuten gedauert. Es ist ein unkomplizierter Herrenschnitt. Da gebe ich keine 70€ für aus. Punkt.

Tag 2694 – I made it!

Inspektion überstanden und danach noch meine Kollegin durch das Erstellen einer Beschlussankündigung (Behördendinge) gecoacht. Jetzt kann ich guten Gewissens drei Tage nicht arbeiten.

Das IT-Projekt läuft auch super, wie ich erfuhr. Letzte Woche wurde uns gesagt, wir sollten diese Woche testen, Dienstag bis Donnerstag, total dringend, Bug fixes usw. Von 4 Inspekteur*Innen kann nur eine und auch nur heute und morgen. Heute war das Testsystem aber noch gar nicht fertig und es lagen auch keine Daten darin, auf denen wir hätten testen können. Spitzenmäßige Planung, Hut ab, 10 von 10 Punkten.

Auch das ist mir jetzt aber drei Tage lang egal.

Was sonst noch war: ich war beim Ballett und wenn man da nur alle Jubeljahre hin geht, ist das mörderisch anstrengend. Wenn der Kopf auch so voll ist, reicht die Konzentration auch nicht für ne ganze Stunde und man fällt am Ende fast über seine eigenen Füße. Außerdem habe ich den nur noch leicht verrotzten Michel schon mal darauf vorbereitet, dass wir es morgen mit Schule wenigstens probieren. Es bleibt spannend, weil natürlich im Onesie auf dem Sofa abhängen mehr Spaß macht. Pippi war heute wieder in der Schule, aber die ist ja eh immer sehr happy, wenn sie unter Leute darf. Michel eher nicht so. Die Kinder könnten echt unterschiedlicher nicht sein.

Tag 2693 – Rotz.

Die Reisenden sind allesamt total verrotzt. Herr Rabe hat letzte Nacht sogar geschnarcht, was er sonst eigentlich nicht tut und ich hab ab etwa halb drei deshalb mit Ohrenstöpseln geschlafen. Heute waren dann beide Kinder zu Hause statt in der Schule, während ich irgendwie sowas wie Arbeit simuliert habe (wie sehr ich Documents Core Pack hasse. Falls Sie das mal in der Hand haben, ob sie das einführen wollen oder nicht: rennen Sie schnell und weit, es ist der Teufel. Vielleicht haben Sie aber auch Geduld wie Buddha oder einen Fetisch für ständig abstürzendes Word, dann ist das genau das Richtige für Sie). Jetzt ist ein hustendes Kind in unserem Bett, aber ich habe ja Ohrenstöpsel und muss ja nur noch morgen überleben, danach ist den Rest der Woche alles egal. Eigentlich ist es mir das schon jetzt, auf gewisse Weise, zumindest das IT-Projekt kann mich mal kreuzweise.

Bevor Sie fragen: ich benutze die Lufthansa-Ohrenstöpsel aus dem Flugzeug, die sind mega. Nur kommt man da echt schlecht dran.

Tag 2681 – Platt.

Heute war anstrengend, die Auto-Sache nimmt Form an und ist dadurch aber eben auch wieder anstrengend und bietet vor allem die Qual der Wahl. Eh schon schwierig, aber grad… puh. Puh. Außerdem zwei Stunden lang von professioneller Seite zu Michels Eigenarten befragt worden, was ich immens anstrengend finde. Jetzt sind wir Eltern aber auch erst mal durch, bis auf einen Stapel Fragebögen (oh, Knoten ins Taschentuch, dran denken, die für den Lehrer morgen Michel mitzugeben) und vermutlich mindestens zwei Fahrdienste, damit Michel auch noch untersucht werden kann. Leider kommt bei mir dann auch noch dazu, dass Michel und ich uns ja sehr ähnlich sind und mir dann Sachen aus meiner eigenen Kindheit wieder einfallen, wie dass ich in der Grundschule nach nahezu jeder Sportstunde in der Umkleide geheult habe, weil irgendwas meiner Meinung nach falsch gelaufen oder ungerecht war. Oder die Episode, wie ich meine Federmappe nach einem Mobber geworfen habe und sie leider an ihm vorbei aus dem offenen Fenster flog – da war ich so alt wie Michel jetzt, Michel wirft in der Schule bisher nur mit Kniffelwürfeln, Fensterstatus unbekannt. Oder wie ich Peinlichkeiten rausgeblubbert habe (mehrmals), was für ein unerträglicher Klugscheißer ich war (und bin), oder wie ich aus Langeweile in der ersten Klasse im Matheunterricht laut gestöhnt habe und dann den Rest der Stunde die Klinke von außen runter drücken musste. Ach ja, was waren sie schön, die 90er. König der Löwen, Tamagotchis und neurodivers waren nur Jungs und überhaupt, was ist neurodivers, Zappelphillip und Rainman, dazwischen und außerhalb davon gibt’s nix und die gehen gefälligst auf ne Sonderschule!

Jedenfalls ist das anstrengend. Sehr. Weiterhin wird niemand unser Auto wollen und wir werden eins kaufen, was zu groß ist/zu langsam lädt/in dem wir nichts unterkriegen/bei dem die Software dauernd spinnt. Wenn all das noch nicht reicht, könnte tatsächlich ein Krieg ausbrechen und dann sollte man vielleicht lieber nen Diesel haben, der zur Not auch mit Rohöl läuft statt einer fancy Karre die nach 400 km einfach stehen bleibt. Ob Michel sich viel Sorgen machen oder viel Grübeln würde?

Tag 2665 – Das große Kind.

Das große Kind ist schon sehr groß. Wenn er steht, geht er mir bis da und wenn er in unserem Bett liegt (mit dem Kopf am Fußende, weil man so mehr Menschen pro Bettmeter untergebracht bekommt), sind seine Füße hier. Füße, die sich beängstigend schnell meiner Schuhgröße annähern, und die ich immer noch gar nicht schlimm finde, so wie Füße sonst. Muss daran liegen, dass ich immer noch die kleinen Knubbel-Speckfüße erahnen kann, die da mal waren, als das große Kind noch sehr klein war und gar nicht stehen konnte und mir deshalb bis gar nirgendwo ging. Stattdessen ließ sich das große Kind damals lieber tragen und es war insgesamt ja ein wohlgenährtes Wonneproppenbaby, weshalb das mit dem Tragen gar nicht mal immer nur schön war, aber eigentlich haben die Hormone das alles durch kuschligen Flausch überschrieben (danke, Hormone, aber ich will trotzdem keine weiteren Babys). Vom Wonneproppen sieht man jetzt nichts mehr, das große Kind besteht eigentlich nur aus Beinen und Armen, hauptsächlich Beinen. So muss das vermutlich sein, mit 10, jedenfalls sehen die Klassenkameraden alle langsam riesig aus und als würden einzelne Körperteile schneller wachsen als andere. Ich finde auch immer noch das große Kind optisch überaus wohlgeraten, aber da bin ich parteiisch, schon klar. Aber diese Sommersprossen und der Wuschelkopf, also, ganz objektiv…! Ist ja schon gut, ich höre schon auf.

Das große Kind ist auf mehrere Arten wohlgeraten, es ist beispielsweise immer noch sehr warmherzig und möchte, dass es allen, die es mag, gut geht. Ich rede mir ein, dass das selbst für die kleine Schwester gilt, und dass es nur ihr Bestes will und das nur seltsam zeigt oder zu erreichen versucht. Oder gar nicht seltsam, sondern einfach wie Geschwister. Am Ende näht das große Kind dann doch wieder dem kleinen Kind ein Kissen in Herzform, weil es weiß, dass das kleine Kind sowas mag. Und mein Mutterherz so awwwww bis sie sich 10 Sekunden später wieder anschreien. Aber zurück zum Thema, das große Kind kümmert sich rührend um alle, denen es schlecht geht. Es hat ein großes Herz und ein großes Bedürfnis nach Gerechtigkeit. Das sind keine schlechten Eigenschaften, würde ich mal behaupten.

Außerdem ist das große Kind nach wie vor sehr kreativ und wenn es das kanalisiert bekommt, kommen da tolle Sachen bei raus, wie zum Beispiel ein Halloween-Kostüm, mit dem man Wettbewerbe gewinnt (ein Ra‘zac, aus Eragon, ja, jetzt wissen Sie alle Bescheid, nicht wahr?). Oder coole Lego-Dinge, die wirklich frei gebaut sind. Oder Bilder, die dazu aufrufen, weniger Bäume zu fällen. Weniger kluge Umsetzung der Kreativität ist es, sich den kompletten Körper mit schwarzem Filzstift anzumalen, inklusive Stirn, oder aus Neugierde Nutelladeckel in den Toaster zu stecken, aber das dürfte das große Kind jetzt gelernt haben. Hach ja. Als das große Kind noch sehr klein war, hatte es sehr schnell raus, dass man die Klötze gar nicht durch den Deckel der Steckbox prömmeln muss, wenn man stattdessen einfach den Deckel hochnimmt. Als es etwas größer war, malte es elektrische Wale und noch etwas später erfand es fliegende Roboter. Auf Kommando geht sowas natürlich nicht, und dann wird die Hausaufgabe, die ist, eine Geschichte mit mindestens 250 Wörtern weiterzuschreiben eben so ergänzt: „Auf ihrer Hand landete ein kleiner Vogel, und dann noch einer, und dann noch einer, und dann noch einer, und dann noch einer, und dann noch einer, und dann noch einer […], bis ihr Arm voller Vögel war.“ Pragmatisch ist das große Kind nämlich ebenfalls und es erkennt und befolgt Regeln ebenso zuverlässig wie es Schlupflöcher in Regeln findet und ausnutzt.

Ich bin sehr sehr stolz auf das große Kind. Es wird seinen Weg schon gehen, und ich freue mich drauf, dabei zu sein, ich glaube der Weg könnte spannend werden.

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P.S. Ich hab dich sehr lieb, großer kleiner Murch. Hör nie auf, all die Fragen zu stellen, die dir ständig einfallen. Du siehst die Welt vielleicht mit etwas anderen Augen. Ich hoffe, die Welt sieht und schätzt dich weiterhin so wie du bist.

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P.P.S sehr stark verspäteter Geburtstagspost.

Tag 2637 – Urlaub?

Hmm naja naja, der Arbeitstag lief eher so semi-erfolgreich und das heißt leider, dass ich mir nicht drei Tage frei nehmen kann. Also könnte schon, natürlich, ich könnte ja auch morgen vom Bus überfahren werden und dann würde ja auch die Welt nicht untergehen. Aber da ich gleichzeitig auch möchte, dass „die da draußen“ Antworten auf ihre brennenden Fragen zeitnah halbwegs fristgerecht bekommen, tja. Tjaja.

Aber ein bisschen frei mache ich schon. Vermutlich werde ich einen Arbeitstag auf drei Tage aufteilen und allgemein eine ruhige Kugel schieben. Laut Auto-Reply kann man von mir vor Montag keine Mail erwarten und der Wecker ist auch aus, alles was ich tue ist also Bonus.

Was ich aber auf jeden Fall machen muss, und zwar noch diese Woche: meine Gehaltsforderung fertig machen. Frustrierender Weise mit den selben Argumenten wie letztes Jahr, ich hinke da also (obwohl ich letztes Jahr echt nicht so wenig mehr bekommen hab) irgendwie hinterher und das macht, dass ich mir dezent verarscht vorkomme.

Ach was war das schön, als man noch nicht jedes Jahr aufs neue drum kämpfen musste, ein der Arbeitsleistung, Arbeitsbelastung und Qualifikation angemessenes Gehalt zu bekommen. Ich hasse sowas ja sehr.

Ansonsten war heute hier ein wenig Kinderdrama. Michel ist auf dem Trampolin blöd auf den Nacken gefallen und hat sich aufgrund eines Knackens der Wirbel furchtbar erschreckt und meint jetzt, sein Hals ist gebrochen. Zur einen Seite könne er gar nicht gucken und nach unten auch nicht. Also außer auf der einen Seite ist der Fernseher oder unten der Laptop und man hat grad vergessen, dass man ja einen mindestens gebrochenen Hals hat, dann kann man den Kopf ganz normal bewegen. Pippi packte jedoch die große Eifersucht, weil ich Michel tröstete. Ich hätte Michel lieber als sie, überhaupt hat niemand sie lieb und dieses und jenes Kind war im Hort doof zu ihr und apropos Hort ist es auch brutal ungerecht, dass sie da hin muss und Michel nicht. Wie immer bei Pippi war das Drama aber wesentlich kurzlebiger als bei Michel und bei „morgen geht ihr mit dem Hort in die Bibliothek und da ist eine Veranstaltung mit Reptilien“ plötzlich vergessen. Fünf Minuten später stand sie schon wieder singend vorm Spiegel. Da war Michel noch motzig und rieb sich den Nacken. Es ist wirklich faszinierend, wie unterschiedlich die zwei sind.

Tag 2633 – Go.

Against all odds haben wir heute den IT-Projekt das Go gegeben. Wir haben es getestet und es ist so halb ok, brauchbar und in zwei Wochen wird es dann in Betrieb genommen. (Da bin ich nicht da, deshalb nehmen die Inspekteur*Innen es später in Betrieb.)

Es war holprig und heute waren überall sehr viele Arme und Beine, wie man auf Norwegisch sagt. Meine eine Kollegin hätte im Meeting glaube ich fast geheult, weil insbesondere für sie der Endspurt extrem stressig war, aber jetzt ist es erstmal vorbei. „Vorbei“, haha, es wird ja „kontinuierlich daran weiter entwickelt“. Jajablabla, aber wenigstens muss ich nicht mehr täglich in drei Stand-Ups meine Lebensentscheidungen infrage stellen meine Nase in die Kamera halten. Des Weiteren muss ich nicht mehr mit echt unangenehmen Personen zusammenarbeiten. Hurra.

Außerdem heute: den Schlussreport der Inspektion in den USA unterschrieben, das ist also jetzt sozusagen abgeschlossen. Wow. So geschmeidig sollte das mal immer laufen.

Michel „muss“ jetzt Japanisch lernen. Er hat innerhalb von zwei Tagen fünf Kirby-Mangas (in Buchform) eingeatmet und die weiteren sind nicht übersetzt, es ist eine Katastrophe, sage ich Ihnen, und es gibt keine andere Lösung, als Japanisch zu lernen. Soll er machen, schadet sicher nicht. Persönlich bin ich grad eher auf Koreanisch gepolt, aber jede*r hier im Haus darf ja seine eigenen Seltsamkeiten haben.

Tag 2631 – Platt.

Heute gutes Sushi und einen Haufen Edamame gegessen, ansonsten nicht wirklich viel positives zu berichten.

Anekdote: mitten in der Inspektion, während ich grad im Labor stand und meine Kollegin sich was zeigen ließ, klingelte mein Handy. Das stand auf nicht stören und das heißt, man muss mindestens zwei mal direkt nacheinander anrufen um überhaupt durchzukommen. Und es war Michel, also ging ich ran, vermutend, dass mindestens das Haus brennt oder Herr Rabe mit gebrochenem Genick am Fuß der Treppe liegt. „MAMA?“ brüllte er ins Telefon. „Ich kann grad wirklich nicht, du musst bitte Papa anrufen!“ „Aber Papa kann auch nicht und ich muss was ganz wichtiges sagen!“ [also brennt das Haus, dachte ich] „Hm ok, was ist denn?“ „Ich sehe den Kronprinzen!“ „Was?“ „Den Kronprinzen! Ich sehe den Kronprinzen!“ „Äh, ok?“ sagte ich, aber da hatte Michel schon aufgelegt.

Tag 2628 – Filtrationsprobleme und anderes.

Tagesaufgabe Gelee kochen ist erledigt! Genau genommen ist bis auf Apfelmus machen alles erledigt, was ich mir für heute grob vorgenommen hatte, auf der anderen Seite bin ich jetzt auch ganz schön alle und hatte bis auf eine Stunde Geige null Zeit nur für mich. Das ist anstrengend. Ich bin sehr froh, dass das hier nur ab und zu so ist.

Für den Gelee musste ich erst mal Saft haben, mein Ausgangspunkt heute Morgen war allerdings ausgekochte Beeren in Saft, abgekühlt immerhin. Erst fischte ich den Großteil der Beeren mit einem Schöpflöffel raus, dann goss ich den Rest durch ein Sieb. Dann hatte ich immerhin schon mal beerenfreien, aber immer noch ziemlich trüben Saft. Kaffeefilter haben wir hier nicht und ich wollte nicht unbedingt ein Holunderbeerfarbenes Geschirrtuch haben, also filtrierte ich den Saft durch eine doppelte Lage Zewa. Die Idee war nur so mittelgut, muss ich sagen, weil nach dem ersten halben Liter der Filter dicht war, wie wir in meinem Job sagen. Man kann da schon noch was machen, zum Beispiel Unterdruck anlegen (nutschen), Überdruck anlegen (pumpen), die Verteilung über die Filterfläche optimieren bei gleichzeitiger Auflockerung des Filterkuchens (rühren) oder halt den Filter wechseln. Filter wechseln fand ich doof und ich habe leider weder eine Pumpe noch eine Nutsche zu Hause (beides birgt außerdem die Gefahr, den Filter kaputt zu machen und so widerstandsfähig ist Zewa ja nun nicht), also rührte ich den ersten Liter geduldig durch, wechselte dann den Filter und rührte den zweiten Liter etwas weniger geduldig durch. Scheißarbeit. Nächstes Mal Kaffeefilter besorgen. Generell für das Projekt Holundergelee reichlich Zeit einplanen.

Ansonsten war ich heute mit Pippi im Schwimmbad und was gäbe es schöneres, als im Badeanzug und ungeschminkt Pippis Freund samt Vater gegenüberzuschwimmen? Den habe ich ja schon ein ganzes Mal gesehen, wir sind ja alte Bekannte von gestern. Pippi hat sich jedenfalls gefreut und die beiden haben dann voreinander angegeben, als wäre das ein Balztanz. Guck mal hier was ich kann und wer kann den größten Bauchplatscher und ich kann schon bis dahin schwimmen fast ohne abzusaufen! Mit Pippi im Schwimmbad ist auch kein Spaaufenthalt, weil die Kamikazemaus gern mal überschätzt, was sie kann und dann urplötzlich untergeht, voll darauf vertrauend, dass Mama schon da ist und sie rausfischt, auch wenn man grad in Windeseile vor Mama weggeschwommen ist. Aber mit meinen untrüglichen Mutterinstinkten konnte ich immer gerade rechtzeitig eine Hand unter den Bauch oder einen Arm um den Körper zaubern. Uff.

Michel vergnügte sich derweil allein zuhause. Das klappte gut, allerdings fand ich eben, als ich nur noch kurz zum Kompost wollte, nicht nur seine Schuhe sondern auch zwei unserer Sofakissen draußen nass auf dem Rasen. Muss ich also morgen doch noch mal meckern.

Der Rest des Abends bestand aus Care-Arbeit. Wäsche waschen, Stundenpläne ausdrucken, Rucksäcke durchgucken, Schwimmsachen für Michel zusammensuchen, Kochen, Spülen, Kinder ins Bett bringen. Aufräumen, Brotdosen machen und dann war es irgendwie auch schon wieder elf.

Tag 2624 – 3/3 abgeschlossen.

Es ist vollbracht. Auf allen Seiten waren alle am Ende zufrieden, das ist ja auch immer schön. (Auch immer wieder verwunderlich für mich, dass sich Leute bedanken, dass wir tagelang deren Schlechtigkeiten ausgebuddelt haben und denen am Ende diese vor den Kopf knallen. Andererseits würde eine Consultant für die selbe Arbeit echt viel Geld nehmen, und da hätte man außer nem Knacks in der Krone noch nicht mal irgendwelche Konsequenzen zu befürchten.)

Danach fuhr ich ins Büro, wo im IT-Projekt alles brennt, wie ich erfuhr. Auch… schön. So unerwartet! Mir egal, wir sind durch, wir warten nur noch auf die gefixten Defects zum Re-Test.

Da ich Pippi zum Tanzen fahren wollte, ging ich früh und stand dann sehr lange am Bahnhof rum, weil schon wieder irgendwas war. Irgendwie ist da grad sehr der Wurm drin, in diesen Zügen. Pippi war trotzdem pünktlich beim Tanzen, allerdings ohne Schläppchen (weil sie die nicht dabei hatte), mit nur einer Socke (weil die andere „in der Schule einfach so abgefallen“ ist) und mit einem sehr dreckigen Fuß (war halt keine Socke mehr dran). Naja. Gut, dass die mich in dem Ballettsenter gar nicht kennen oder wissen, dass ich Pippis Mutter bin. Ach so, oh.

Danach Kopfschmerzen und null, was sage ich, minus 200 Lust, noch weiter zu arbeiten. Das deshalb auch gelassen.