Tag 847 – WmDedgT Dezember ‘17.

Ahhhhhhhh was für ein verrückter Tag. Das hier wird vermutlich auch aus Frau Brüllens „Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?“ Linkliste gekickt, weil so ganz Tagebuchschreiben schaffe ich um zwanzig nach zwölf und nach… drei bis sieben Glas Rotwein (lost track…) nicht mehr. Ich entschuldige mich auch schon mal für die Tippfehler und die Autokorrektur-macht-Quatsch-Fehler.

Also, heute so:

– aufgestanden nach Herrn Rabe vollnölen, wie scheiße alles ist und wie sehr ich nicht mehr mag, spät dran, Sparmakeup, weil keine Zeit. Meine Haut ist furchtbar.

– Kinder in die KiTa gebracht und von der einen Erzieherin direkt vollgeseiert worden, was meine Kinder alles haben (Löcher in den Stiefeln, schlechte Laune, keinen Bock auf kalt) und nicht haben (Wollsocken, Schals, ordentlich gegessen). Geatmet.

– Zur Arbeit gefahren, blöde Mail vom Chef noch im Bus gelesen und beantwortet.

– Drölfzig Schemata heruntergeladen, die ich zur Einreichung des PhDs brauche. Drei Schemata ausgefüllt und gespeichert, drei Schemata ausgefüllt und mit den Worten „Was sollen wir damit jetzt machen? Das muss ja in die USA und der Mensch da antwortet mir nicht?“ An den Chef weitergeleitet.

– Zeug über Selen gelesen.

– Einen Anruf bekommen. „Hallo, hier die Stockholmer. Wir möchten Dir den Job gerne anbieten. Wir bieten Ihnen Xtausend Kronen an, das ist nicht besonders viel, aber, hmm, ja doch irgendwie… angemessen, mit PhD und, ja, also wir würden uns freuen, wenn du zusagst, schlaf mal drüber und meld dich in ein paar Tagen.“

– Hyperventiliert und im Büro der Kollegin fast zu Heulen angefangen. Zu viel, alles. Herrn Rabe angerufen.

– In des Chefs Büro gegangen um Neuigkeiten zu überbringen und stattdessen in Gespräch über processing bodies verwickelt worden.

– Daten für den Chef von A nach B kopiert.

– Mittagessen gegangen und nachgefühlt, ob ich das so will.

– Unproduktiv am Computer Dinge gegoogelt, statt am Artikel zu arbeiten. Fazit: In Schweden muss ich mehr Steuern zahlen und Wohnen wird, wenn wir nicht endlich irgendwie Eigentum erwerben, noch teurer als hier. Huiuiui. Langsam geht mir auf, dass Xtausend Kronen nicht genug sind, nicht nur weil ich mich finanziell gegenüber jetzt verschlechtern würde, sondern auch weil das das Gehalt ist, von dem der HR-mensch gesagt hatte „Das wäre für einen Masterabsolventen ohne Berufserfahrung ein sehr gutes Gehalt.“ Und ich aber keine Masterabsolvent bin und Berufserfahrung habe und herrje, ich passe doch genau in deren Schema, da ist das Gehalt ein schlechter Witz. netter Versuch.

– Eine Mail an die Stadt STockholm geschrieben, „Hallo, wenn wir zwei KiTa-Plätze brauchen würden, wo müssten wir hinziehen?“.

– Den Recruiter einer anderen Firma angerufen, ging nicht ran.

– Hilferufe zwecks Gehaltsauslotung an in Schweden lebende Freundin geschickt.

– Bei Twitter um Hilfe gefragt, ich Idiot lerns auch nicht. Am Ende viele hilfreiche Ratschläge bekommen (ja, auf jeden Fall verhandeln, dies und das sind Argumente, dies und das wären Optionen, falls sich die Firma erstmal querstellt…) und in einer Diskussion um den Sinn und Unsinn von Boni gelandet, ich habe dazu eine sehr gefestigte Meinung, andere auch, es ist ein bisschen wie über Religion diskutieren. Und Meinung halt: so richtig überzeugend argumentieren geht da eben nicht, weil es halt nicht schwarz-weiß ja-nein ist. Manche Firma wird ein gut funktionierendes, transparentes und alle zufriedenstellendes Bonussystem haben, manche wird über die Boni Gehälter drücken. *Shrugs*.

– Das mit dem Artikel aufgegeben für heute und nach Hause gefahren.

– Im Vinmonopolet eine Flasche Sekt gekauft, eine halbe, wir wollen ja nicht übertreiben.

– Karri abgelöst und den Sekt kaltgestellt, Wäsche aufgehängt, Wäsche abgehängt, Brote gemacht, Windel gewechselt, Pippi beim Pipi machen begleitet (ist schon sehr niedlich, wenn sie da ganz konzentriert sitzt und dann irgendwann „Oh! Pippi pill-at!“ Sagt) und hups, schon viertel nach sechs.

– Herrn Rabe vom Tag erzählt und dem Angebot (Yeah!) und der enttäuschenden Gehaltsansage (Meh.). Herr Rabe sagt: am Besten hat er sein Gehalt verhandelt, als er sauer war, weil er sich von seiner Firma über den Tisch gezogen fühlte. Da ist was dran und ich werde dieses Gefühl des „Wattsefack?“ Sorgsam für das Gespräch kultivieren.

– Gnaaa, halb sieben. Haare waschen, Gesicht waschen, umziehen, neu schminken. Mein Make-up sieht ein bisschen Drag-mäßig aus. Hupsi, zu viel RuPaul geguckt. Aber weil ichs eigentlich auch ein bisschen Geil finde und ich möchte, dass jeder das dreifarbige Geglitzer in voller Pracht sieht, lasse ich die Brille einfach weg. Kontaktlinsen vertrage ich ja nicht gut, meine Augen sind eh immer rot und, ach, ich fahr Bus, was soll passieren?

– Ich kann nicht erkennen, ob da ein Flugbus oder ein normaler Linienbus heranrollt.

– Vor dem Restaurant fällt mir auf, dass ich mit drei Dioptrien den Tisch mit meiner Arbeitsgruppe nie im Leben finden werde, wenn das Restaurant größer als 12 qm ist. Ist es.

– Ich frage den Kellner nach dem Namen meines Chefs, er sieht mich irritiert an und bringt mich zum Tisch, an dem meine Kollegin schon die ganze Zeit winkt. Ich habe nur einen sich bewegenden Fleck wahrgenommen. Nie mehr ohne Brille.

– Weihnachtsessen mit der Arbeitsgruppe. Tapas. Sehr lecker, sehr knoblauchig, der Rioja ist echt lecker und der Chef bestellt Flasche um Flasche, ich esse zum Nachtisch ca. Eine halbe Schale Runzelkartoffeln mit Aioli, werde für immer nach Knoblauch riechen und bereue nichts.

– Viele lustige Gespräche, unter anderem kriegt mein Chef morgen ein Sofa geliefert, aus Spanien, denn da war es total billig. Nämlich nur 80.000 NOK. Statt 160.000, die der dänische Hersteller für das Original haben wollte. Und wenn man 80.000 spart, kommen einem 80.000 plötzlich billig vor. Ja, da musste er auch sehr lachen. Und dann war da noch die Geschichte, wie der Chef und die eine PI über den großen Altersunterschied zwischen einem Ex-Kollegen und dessen neuer Frau lästerten und die Masterstudentin fragte, wie groß denn groß sei, die beiden sagten 15 Jahre und sie meinte, ihr Freund sei fast 20 Jahre älter als sie, dafür sei Ihre Mutter 15 Jahre älter als ihr Vater und ihre Oma 20 Jahre jünger als ihr Opa. (Note to self: Dörfer in Finnmark meiden, da laufen seltsame Familienkonstellationen.)

– Mr. Computerindian sagt 1,5 x Xtausend soll ich sagen. Das fände ich dann aber schon auch frech. Außerdem soll man doch krumme Beträge aufrufen!

– Viel zu spät nach zu viel Wein nach Hause, abschminken, Bett, bloggen.

Meine Güte, was für ein Tag. Und da ist noch ne Flasche Sekt im Kühlschrank.

Tag 788 – WmDedgT Oktober ’17.

Heute ist der 5. und wie immer will Frau Brüllen. da von uns Bloggenden wissen: Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?

Weil es schon halb zwölf ist und ich sehr müde und leicht Weinbeduselt, hier Stichpunkteversion.

  • Aufstehen, zu spät, dadurch Stress mit Mann (weil gestresst) und Kindern (weil wuselig/fordernd/dauernölend), alles blöd. Mann und Kinder sind um kurz nach acht weg und ich habe endlich Zeit, mir einen Kaffee zu machen und mich zu schminken. Email lesen mit Absage für eine der Bewerbungen, die ich letzte Woche abgeschickt habe. Tjanun. Tut beim zweiten Mal und mit nem Gespräch in Planung gar nicht mehr so weh.
  • Einige Zeit geht bei dem Versuch drauf, mein Augenmakeup zu fotografieren. Ich fand das heute früh nämlich sehr gelungen. Aber meine Augen sind furchtbar rot und das Glitzer kommt auch nicht rüber und überhaupt. 
  • Kurze Überlegung, welche Jacke ich anziehen soll. Ich entscheide mich für den Regenmantel, weil der etwas wärmer ist, als meine normale Jacke, aber nicht so warm wie die Jacke mit eingezingeltem Fleece. Noch sind 8-10 Grad, da muss man ja noch nicht alles Pulver verschießen.
  • Fahrrad zur Arbeit im ganz leichten Nieselregen. So schön. Memo to self: morgen Handschuhe mitnehmen.
  • Bei der Arbeit: Bezug vom Fahrradsitz mit reinnehmen, weil Regen, der saugt sich sonst voll. 
  • Noch im Mantel Medium ins Wasserbad, PBS aus dem Autoklaven holen und ins Wasserbad stellen, Trypsin auftauen.
  • Mantel aus, Nachricht an Kollegin, ob Kaffe? Dann auf dem Klo die Haare richten (macht nicht so viel Sinn, erst Wachs in die Haare zu schmieren und dann nen Helm draufzusetzen. Deshalb nehme ich das Wachs eben mit. Ich hatte auch welches bei der Arbeit, aber das ist eingetrocknet (?). Tipps zum Wieder weich machen sind willkommen, sonst schmeiße ich es weg.
  • Die Kollegin kommt mir entgegen, war grad Kaffee trinken.
  • Zum Chef, fragen, ob wir heute ein Meeting mit C. Haben können. Können wir, um zwei.
  • Zu C., ob sie um zwei kann. Ja, kann sie.
  • Ins Labor, die gefärbten Zellen waschen. Ein Glasdingsi rutscht blöde weg und ich verbringe sicher drei Minuten damit, herauszufinden, auf welcher Seite die Zellen sind. Zwischendurch Mr. I-trust-You gefragt, ob er auch um zwei dazu kommen möchte. Zellen wieder in den Kühlschrank und Kaffee holen.
  • Auf dem Weg zum Kaffee nochmal alle Nummern der Ex-Arbeit anrufen. Es geht niemand ran. 
  • Mit Kaffee Telefonbuch überprüft: da fehlen tatsächlich ALLE Nummern von der Ex-Arbeit, auch und besonders ärgerlich die Handynummern. 
  • Mit Kaffee eine Facebook-messenger Nachricht an den Ex-Chef geschrieben, wann wir mal telefonieren können.
  • Nachricht zurückbekommen: gerne, aber erst ab Dienstag. Labor ist umgezogen, Ex-Chef krank, Sekretärin und Oberchef im Urlaub. Erklärt, weshalb ich keinen erreicht habe.
  • Zurück ins Labor, die gewaschenen Zellen „mounten“. Also nochmal kurz mit Wasser abspülen, Wasser ablaufen lassen und dann mit einer speziellen Flüssigkeit mit ganz vielen Antioxidatien und Öl und Zeug dazwischen auf einen Objektträger montieren. Bei 16 Slides dauert das ne ganze Weile, vor allem wenn man sich doof anstellt und Luftblasen dazwischen bekommt.
  • Zellen, jetzt auf Objektträgern wieder in den Kühlschrank.
  • Essen holen. Es gibt Burger, mit Aioli, aber mein Gehirn schafft die Verknüpfung Knoblauch-Meeting-Ungünstig nicht.
  • Essen, alleine. Auch mal schön.
  • Computer: Versuche planen, Dinge aufschrieben, alte Ergebnisse nochmal ausdrucken. Hups, schon viertel vor zwei.
  • Kaffee holen.
  • Telefon klingelt: Ex-Oberchef hat weiterhin eine Weiterleitung vom Büro aufs Handy. Wir schnacken ein bisschen und es läuft insofern wie geplant, dass ich mir einen Referenzbrief (auf Englisch, deshalb schreibe ich den auch, ist besser so *hust*) schreiben werde, den er dann unterschreibt. Er bietet mir auch Hilfe an, falls ich in Deutschland nen Job suchen würde. Als FH-Prof ist er nämlich in der Industrie ganz gut vernetzt. Ich danke artig und falls ich mich doch nach Deutschland orientieren sollte, werde ich das Angebot auch annehmen.
  • Huch, schon drei nach zwei.
  • Im Trab beim Chef ins Büro. 
  • Mr. I-trust-You und C. Haben um viertel nach ein anderes Meeting, das kam spontan rein, ist aber wichtiger als meins.
  • Ich komme grade so dazu, meine letzten Versuche grob zu schildern, da müssen die zwei los.
  • Der Chef und ich versuchen, wie ich glaube, mein letztes Manuskript zu planen. Er glaubt aber, wir reden über den „fast fertig“-Artikel. Es dauert fast ne Stunde, bis wir alle Misverständnisse beigelegt haben.
  • Huch, schon viertel nach drei.
  • Ins Labor, noch mal zwei Zelllinien auftauen. Anderen PhD-Studenten darüber informieren, dass das Arbeiten am offenen Stickstofftank alleine und bei geschlossener Tür sau gefährlich ist und deshalb mit Recht auch laut Laborregeln verboten. Er reagiert mit sehr wenig Verständnis. Muss an meinen Kritik-Skills arbeiten.
  • Hups, schon viertel vor vier. Zackig los, zum Kindergarten.
  • M. Schickt Nachrichten, ob Michel heute zu H. Kommen möchte.
  • Im Kindergarten frage ich Michel: natürlich will er.
  • Vier Jacken, eine Hose, zwei Rucksäcke, zwei Bilder und Pippi balancierend aus dem Kindergarten – direkt in den Regen.
  • Mit Michel auf dem Weg zu H. Klitschnass werden.
  • Michel abliefern. Pippi ist not amused, dass sie nicht auch dableiben darf.
  • Zu Hause drei Kinderjacken, eine Hose, zwei Rucksäcke und Pippi die Treppe hochschleppen.
  • Pippi Peppa Wutz anmachen.
  • Nudelwasser aufsetzen.
  • Aus Gründen: Lidschatten fotografieren und dann ein hardcore glitzerndes Auge und die erste cut crease meines Lebens schminken, aber nur an einem Auge, weil faul. Wieder einen abbrechen beim Versuch, das Meisterwerk zu fotografieren. 
  • Abschminken.
  • Nudeln ins Wasser werfen.
  • Umziehen.
  • Schminken. Ich gehe ja heute noch essen.
  • Zwischendurch: Nudeln abgießen.
  • Pippi mit ein paar Nudeln versorgen, Herr Rabe kommt heim und übernimmt den Kochpart. Ich schminke mich in purpur/gold, das ist ja eine sehr schöne Kombi für blaue blutunterlaufene Augen. Haare fixieren (in der Hoffnung, dass sie den Helm überleben).
  • Michel abholen. Unten feststellen, dass ich den AUtoschlüssel in der andern Jacke habe. Wieder rauf laufen. 
  • Michel trödelt bei H. Rum. 
  • Ich kriege das Fahrrad mal wieder nicht ins Auto.
  • Fahren.
  • Ich kriege das Fahrrad mal wieder nicht aus dem Auto heraus.
  • Michel nach oben geleiten und uiuiui, schon zwanzig nach sieben.
  • Keine Chance auf zu Fuß gehen, also: Fahrrad.
  • Im Restaurant: Lecker, lecker und saulecker. Drei-Gänge Menü, aber mit Dorade statt Huhn im Hauptgang. Nach dem Dessert (Schokokuchen und Himbeersorbet. Platze ich fast. Nebenbei nett mit den Kollegen und dem recht fix recht vollen Chef geschnackt. Zwei unterschiediche Gläser zu sauren Weißwein und einen furchtbar schlechten Espresso getrunken. Und viel Wasser.
  • Nachhauseweg: es regnet in Strömen, es sind ca. 8 Grad und das beides zusammen ist ganz toll, in Feinstrumpfhose und mit Wildlederstiefeletten. 
  • Zu Hause noch ein paar Socken aus dem AUto gefischt (beim Michel abholen da vergessen), dann hoch, Waschen, Nachtcreme, Zähneputzen, Schlafi anziehen, Fertig, aus. 
  • Ach nee, Bloggen noch 😉

Jo. Und in diesem Sinne: gute Nacht!

Tag 754 – Stößchen. 

Today’s the day. Der Tag, an dem ich beschloss, dass ich im Zweifel eben ohne Unterstützung durch meinen Supervisor fertig werde. Und dass ich das schon schaukeln werde. Weil ich’s kann. Ich kann das. Das Thema, das selbständige Denken und das Entscheidungen treffen. Ha. Soll er doch in Funklöchern Fische angeln, ich fixe derweil die Hälfte der Konfokalbilder*, bestelle mir Zeug zusammen um den Rest noch schön zu machen (und weiche damit nicht nur ein bisschen von seinen irrwitzigen Plänen ab, aber irgendwer muss ja auf dem Boden der Tatsachen bleiben), organisiere mir Gratisproben an Antikörpern, damit ich nicht unnötig viel Geld verpulvere** und plane nebenbei das dritte Manuskript samt Backup***, wenn die Daten wirklich allzu schlecht sind. 

Und das Wichtigste: ich hab mit dem potentiellen Opponenten gesprochen, ganz alleine, weil mein Chef halt unentschuldigt fehlte nicht da war, es war sehr gut, ich fühle mich nicht dümmer als vorher, wir haben fast auf Augenhöhe miteinander gesprochen****, er freut sich sehr auf den Artikel und hat seine Hilfe als Vorab-Reviewer angeboten. Er freut sich auch sehr, mein Opponent zu werden. Hurra! Kein Paper veröffentlicht, aber nen Opponenten, das ist ja auch mal ne Herangehensweise. Witziger Weise (ok, eigentlich überhaupt nicht witzig, weil es zeigt, wie wenig er in dem Thema drin ist)  kannte mein Chef den nichtmal vom Namen her. Egal, auf das gute Gespräch und auf die Erkenntnis oben habe ich eben eine Flasche Sekt geöffnet. Kann man ja mal machen, nach so ner Kackzeit. 

Und weil ich jetzt Wochenende habe und gedenke, nicht zu arbeiten und mir auch keinen Kopf mehr um alles zu machen, habe ich eben eine Mail an unseren Proteomics guy geschickt, auf dass er mir nicht wieder das Wochenende versauen möge. 


Gnihihi. Cheers!

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* Wenn ich die vom Computer gezogen hab, zeige ich sie Ihnen auch. 

** So wie für den Donkey-anti-goat Antikörper, den ich kaufte, als ich noch glaubte, der primäre (goat-) Antikörper würde funktionieren. Tut er nicht, habe ich gestern (mal eben nebenbei, hahaha) recht eindrucksvoll bewiesen. 

*** Ne recht langweilige Geschichte, aber immerhin ne „Safe Story“, der Vergleich von vier (vielleicht sechs, mal sehen) Proteinen bei der Reperatur von Methylierungsschäden. In mRNA, vielleicht auch DNA. Lame, aber, wie gesagt, sicher. Denn da kann man tatsächlich „hat keinen Einfluss“ als Ergebnis verkaufen. Und man kann es später im Zweifel noch voll aufblasen und tatsächlich veröffentlichen, aber das mache dann nicht ich. 

**** Er hat ne PostDoc-Stelle ausgeschrieben. Ach, ach, ach. Aber USA? Hmmmmmmmmnee. Und Wissenschaft ja eigentlich auch nicht. Aber – Hachja. Das wär schon auch was. Hachjajaja. 

Tag 727 – WmDedgT August ’17. 

Heute ist der fünfte, das heißt, Frau Brüllen will wissen: Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?

Erstmal durfte ich verhältnismäßig lange schlafen, nachdem ich Pippi um halb acht noch eine Banane geholt hatte, war sie natürlich wach, aber Herr Rabe stand mit ihr auf. Dann weckten sie mich wieder um viertel nach neun. Mit Kaffee. So lobe ich mir das. Ich schrieb dann direkt eine SMS an unsere Freundin M., die ihren Sohn (Michels besten Kumpel) vormittags vorbeibringen wollte. 

Dann Frühstück und nach dem Frühstück standen auch schon M. und H. vor der Tür. Pippi war ganz aus dem Häuschen, durfte aber nur mittelviel mitspielen. Michel und H. verschwanden quasi sofort und ich konnte duschen. 

Es ist viertel vor drei. Deshalb: fast forward

  • Nägel lackiert (rosa)
  • Michel Nägel lackiert (blau und Gold)
  • Pippi zum Mittagsschlaf hingelegt
  • Michels Innenbeinlänge ausgemessen (48 cm bis zum Knöchel)
  • Losgefahren und Dinge gekauft:
  1. Hosen für Michel (Größe 122)
  2. Ein Geschenk für das frisch geborene Baby meiner Cousine
  3. Wollunterwäsche für Michel (Größe: 6 Jahre)
  4. Gratulationskarten für das Cousinenbaby und I.
  5. Vier Bücher für mich (Hupsi, naja, war halt im Angebot)
  6. Einen Farn
  7. Nach elendig langer Suche in zwei Plantasjen-Filialen: einen Sack nicht mineralisch* gedüngte Blumenerde und das kleinste erhältliche Gebinde Kalk (25 kg), ohne Wagen, weil keine Münze dabei, zur Kasse und zum Auto geschleppt, ich sach mal so: ungeil. 
  • Nach Hause gefahren, Zeug ausgeladen, Zeug für I. und das Cousinenbaby eingepackt, Karten  geschrieben, alles in zwei Päckchen verpackt
  • Mit Pippi und Herrn Rabe (Michel war mit zum besten Freund gegangen) zu Clas Ohlsson getrabt
  • Gepresste Kokosfasern* gekauft
  • Festgestellt, dass es die Post im Meny Solsiden nicht mehr gibt
  • Zum Rema gegangen, dabei ca. 50 mal Pippi fliegen lassen
  • Zwei Paprika gekauft, weil Michel und H. die aufgegessen haben
  • Zum Bunnpris gegangen und das Cousinenbabypäckchen und das an I. aufgegeben, dabei aufgepasst, dass Pippi „Ich kann meinen Kinderwagen selbst schieben!“-Rübennase selbigen nicht auf die Straße oder in anderer Leute Hacken schiebt
  • Nach Hause gegangen, auf dem Weg noch Löwenzahn für die Schnecken gepflückt
  • Aufs Essen gewartet (das Herr Rabe kochte), derweil
  • Terrarienzeug wegen Schimmel in den Backofen gestellt
  • Farn geteilt
  • Gepresste Kokosfaser mit Wasser begossen
  • Gegessen (Nudeln mit Lachssauce)
  • Aufgeräumt (die Wohnung sah nach dem Kinderbesuch aus wie ein Schlachtfeld inklusive Lazarett)
  • Einen Eimer geschnappt und mit Pippi und Herrn Rabe losgefahren, Michel abzuholen. 

Und dann begann der Teil des Abends, der dazu führte, dass ich jetzt ein bisschen tüderich bin. Ich blieb nämlich einfach bei M., um Wein zu trinken und Johannisbeeren zu ernten. Ich erntete einen Teil von 2 ihrer 12 (!!!) Sträucher. Danach war mein Eimer zu drei Vierteln voll. M. findet die ganze Sache mit „Arme zwischen Zweige stecken, dahin, wo man nicht mehr gut gucken kann“ ziemlich eklig und deshalb hat sie auch nur ein paar gut zugängliche Alibi-Beeren geerntet. Meine Fotos von auf dem Busch gefundenen Weichtieren waren da wohl auch nicht so recht hilfreich. Als sie H. ins Bett brachte, erntete ich noch ein bisschen und fing dann den Beitrag hier an. 


Im Anschluss saßen wir noch sehr lange auf der Terrasse, reinigten den Haufen Johannisbeeren, tranken Wein, aßen Käse, Schokolade, Chips und Johannisbeeren und unterhielten uns. Ich weiß jetzt einiges über ihren neuen Job, ihren Freund, ihren Ex und sie**, was ich vorher nicht wusste. Und umgekehrt. Irgendwann kam dann noch ihr Freund vorbei und ich weiß jetzt, was das Wort „Klemmekar“*** bedeutet. Irgendwann noch später war es sehr spät, der Freund im Bett, die Johannisbeeren im Kühlschrank und ich sehr müde, da brachte mich M. noch zur Straße, weil sie nicht wollte, dass ich des Nachts alleine am Friedhof lang gehe und von da wanderte ich, immer wieder reichlich verzaubertem Jungfolk ausweichend, in 10 Minuten nach Hause. 


Doch, es war ein richtig gelungener Tag. 

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*Terrariensubstrat. Eine Wissenschaft für sich. 

**zum Beispiel ekelt sie sich noch mehr vor Spinnen, als ich. 

***Umarmungskerl

Tag 725 – Gedanken zum Tag. 

Den Schock vom Dienstag habe ich einigermaßen verdaut. Ich bin immernoch sauer, aber nicht mehr unproduktiv-blockiert. Vorherrschendes Gefühl da: fuck it. War jetzt kacke, ham‘ wa draus gelernt (Zeug muss raus, nen dreiviertel Jahr auf eine einzige Analyse warten ist absurd.), jetzt weiter rumheulen bringt aber auch niemanden weiter. 

Trotzdem mache ich morgen Homeoffice. Oder „Homeoffice“. Mal sehen. Aber ich muss nichts vor Ort im Büro oder Labor machen, meine Lieblingskollegin ist nicht da, alles dauert schon wieder ewig, ich mag nicht mehr. Und der Chef ist ja auch nicht da, denn…

… er versteckt sich vor mir. Nennen Sie das vermessen, aber ich glaube, er geht mir aktiv aus dem Weg. Konflikte sind offenbar nicht so seins, mit Ansage („Wir müssen reden.“-Mail vom Montag) schon mal gar nicht und dann noch mit einer potentiell (ok, ganz sicher) emotionalen Frau, da macht der gemeine Norweger gern mal den Vogel Strauß. Und reagiert nicht auf SMS oder mail. 

Man sollte öfter einfach Besuch einladen. Vor allem, wenn nette Menschen, die kluge Bücher schreiben, auf der Durchreise von den Lofoten wieder gen Süden sind. Es war ein total netter (früher) Abend, mit vielen interessanten Gesprächen und leckerem Essen. Niemand hat gebissen, und ich bin nur ganz kurz fast unterm Tisch versunken, als Herr Rabe unser Buch zum Signieren holte. Trotzdem sollte man wirklich einfach öfter mal Leute auch zu sich nach Hause einladen, die man eh nett findet. Was soll passieren? Also außer das mit dem Signieren. Ich wünsche jedenfalls Almut, Sascha und den Kindern noch eine gute Weiterreise und gutes Wetter zum Fjorde  anschauen!

Viel über Netflix und ein wenig über Birgit Kelle nachgedacht. Vielleicht sollte Birgit Kelle öfter mal netflixen, dann hätte sie weniger Zeit und würde nicht so schwurbeliges, in sich widersprüchliches Zeugs verzapfen. (Ich verlinke das nicht. Keine Gratis-Klicks für Mist!)

Die Schnecken brauchen, glaube ich, mehr Kalk (also zugesetzten Kalk in der Erde) und bei der Gelegenhei werde ich auch einen Farn ins Terrarium pflanzen. Auf das selbiges die Feuchtigkeit besser halte und etwas hübscher aussehe. 

Tag 692 – Knapp daneben ist auch vorbei. 

Tja. Gestern war ich ja irgendwie… kaputt, da ist mir das durch die Lappen gegangen, auf das ich mich seit Wochen ein bisschen freue. 

Weil damit nämlich die Halbzeit überschritten war. Jetzt lebe ich länger in Norwegen mit Blog, als ohne. Und das Leben mit Blog ist viel, viel besser, als ohne. Echt. Ich hätte das auch nicht gedacht, ich hätte auch nie (nienieniemals!) damit gerechnet, dass hier nach knapp zwei Jahren täglich hunderte* Menschen mein Leben mit mir teilen, über meine unheimlich niedlichen** und manchmal anstrengenden*** Kinder und meinen spannenden**** und manchmal ätzenden***** Job und dieses Leben in einer Stadt in einem Land, die zwei Tage sowas wie Sommer hat und heute regnet es wieder bei kuschligen 13 Grad. 

Ich mag Sie. Ich behalte Sie auch noch ne Weile. Sie müssen halt jetzt noch die nächsten 6 Tage****** mit mir durchhalten, dann gibt’s auch wieder mehr Content und weniger Gejammer. 

*ich höre die großen Blogs leise schmunzeln, bis hierher!

**Alle beide, oft. Heute Michel: „Mama? Warum musst du so viel arbeiten?“ – Ich: „Ich muss meine Doktorarbeit schreiben, das ist viel Arbeit und ich hab nicht viel Zeit.“ – „Warum musst du das schreiben?“ – „Damit ich einen Doktortitel bekomme.“ – „Wirst du dann ein Doktor?!?“ *hier weit aufgerissene Augen vorstellen* – „Ja, aber nicht für Leute. Nur für Gene.“ – „Hmm… Warum willst du das dann überhaupt?“ (Da musste ich dann schon sehr lachen, er hat ja recht, irgendwie. Ich hab’s dann aber noch erklärt,) „Damit ich beweisen kann, dass ich da ganz viel drüber weiß.“ – „Dann musst du nochmal in eine Erwachsenenschule gehen.“ (So ist das also. Schau an.)

***Alle beide, manchmal. Michel besonders, ich glaube, bei dem brechen bald die bleibenden Backenzähne unten durch, der, ähh, spinnt manchmal echt gehörig rum.

****Epigenetik ist ja mal echt spannend! Und taugt auch als schwurbeliges „Ich weiß nicht so genau“-Argument: irgendwie lässt sich fast alles mit Epigenetik erklären. Hihi. Das werde ich bestimmt nochmal nutzen. 

*****Mal eben ne Dissertations-Einleitung in drei Wochen runterschreiben, wenn man dafür nicht in die Transsilvanischen Berge in Klausur gehen kann? Nicht zu empfehlen. Wirklich absolut gar nicht. 

******Sie müssens ja nur lesen, ich muss das leider selbst tun. Aber wie sagte schon Farin Urlaub so treffend: „Aber ich werds überleben und mit Glück bleibt nur eine Narbe zurück.“. 

Tag 666 – Heute ist das Ende aller Tage!

Eigentlich war ich grade drauf und dran Ihnen zu gestehen, dass ich grad einen kleinen Bloghänger habe, aber in Verbindung mit dem Titel könnte das zu der irrigen Annahme führen, dass ich gar nicht mehr bloggen mag. Dem ist nämlich selbstverständlich nicht so! Ich habe nur im Moment das Gefühl, nichts Spannendes zu erzählen zu haben. Heute so: Arbeit (Todbringende Langeweile, DNA und RNA aus 68 Proben isoliert, aka. Gerenne zwischen 2 Zentrifugen, elendiges Gefummel mit den Spin-Columns, die ganze Zeit den Geruch vom Mercaptoethanol in der Nase, sechs. Stunden. Lang.), Sonnenschein, schröckliche Blasen an meinen Füßen. Dreckige und glückliche Kinder, die im Moment täglich mit allerlei wilden Storys aus dem Kindergarten kommen („Mama? Die haben alle ihre Scheiden* gezeigt. Das wollte ich nicht sehen. Da bin ich weggegangen.“). Ein Eis in der Pause und immernoch Lammkeulenreste, aber so Lammkeule (generell fast alles. Auf jeden Fall alles an Fleisch. Kalter Braten ist das geilste. Ich esse aber wirklich fast alles auch kalt gerne) kann man ja auch super einfach so kalt essen und gebraten im Kühlschrank hält die sich auch ne Weile. 

Aber jetzt schwafle ich ja auch nur rum und da sind wir wieder beim Ausgangspunkt: nix zu erzählen. 

Dabei hätte man den Titel super ausschlachten können. 

Passender Weise lese ich gerade** dieses Buch:


Tom Egeland ist der Dan Brown Norwegens, die Bücher sind alle so „biblische Archäologen-Krimis“, spannend, ja, aber jetzt nichts, wo ich sagen würde, absolut jede*r muss das gelesen haben. Da gäb’s eh nur ein Buch von dem ich das sagen würde und das ist *trommelwirbel*: ‚Im Westen nichts Neues‘ von Erich Maria Remarque.  Jedenfalls geht’s in Lucifers Evangelium nicht direkt um ein von Lucifer geschriebenes Evangelium, sondern um eine lang verschollene, Alttestamentarische Apokryphe über den gefallenen Engel Lucifer und natürlich gehen Leute über Leichen, um dieses Dokument in die Finger zu kriegen und vor allem die unfassbare Bedrohung für das Christentum, wenn bekannt würde, dass… auszuräumen. Wie gesagt, ein okayes Buch. Kurzweilig, aber nicht so spannend, dass es mich vom Schlafen abhält. Grade also genau das Richtige. 

Und mit Tageszahlaktuellem Bezug, was will man mehr?

*Auf Norwegisch gibt’s nur ein Kinder-Wort für Geschlechtsteile: Tiss. Übersetzt wäre das sowas wie ein Piller-Teil. An dem Vorfall waren aber diesmal nur Mädchen beteiligt. Das letzte Mal warens nur Jungs. Die kleinen Kinder (also Pippi und Konsorten) zeigen sich gerne gegenseitig ihre Bäuche, das wiederum stelle ich mir ja sehr niedlich vor.

**auch schon ne Weile. Momentan schaffe ich selten mehr als vier, fünf Seiten am Abend, bevor mir die Augen zufallen.