Tag 802 – Seufz.

Tag fing gut an und ging scheiße weiter, weil Pippi schon wieder krank ist und abgeholt werden musste, ich aber grade dabei war, Zellen auszusähen, was mir auch unvermeidbar viel Arbeit für die nächsten anderthalb Tage einbringt.

Ich verbrachte also einen halben Tag mit Pippi (und Michel, der Rübennase, der UNBEDINGT auch mit nach Hause wollte und dann ziemlich viel Dinotrux guckte) im Bett, wurde hungrig und dann auch wieder nicht, wie müde gibt es da ja so nen toten Punkt, danach geht’s erstmal wieder ne Weile.

Dann kam Herr Rabe, ich holte mein The Ordinary-Paket von der Post und kaufte Sahne, es gab essen, ich brachte Pippi ins Bett, prokrastinierte ein wenig im Internet herum und dann fuhr ich wieder zur Arbeit, weil ich einfach nicht fertig geworden war heute Mittag. Medium ansetzen, Puffer autoklavieren, Zellen fürs Mikroskop aussähen. F*ck, ans Mikroskop muss ich ja auch noch.

Es kotzt mich so an, alles daran. Entschuldigung, aber es muss jetzt mal raus. Arbeitenarbeitenarbeiten, alles für den (nein, die!) Artikel, die Fischleute melden sich nicht, bestimmt wollen die mich doch nicht und die K. traut sich nicht, mir das zu sagen, dazu Kind krank, ständig ist dieses Kind krank und ich raste einfach bald aus, wenn mir die KiTa-Betreuer*Innen pseudo-mitleidig sagen, dass „das halt so ist, im Herbst und in dem Alter“. Ist das so? Warum kriegt man dann keine extra Kindkrank-Tage für U3-Kinder? Und nein, ich werde mich/sie auch nicht krankschreiben lassen, um noch ein paar Wochen mehr rauszuschinden aus meinem Vertrag, denn wissen Sie, was das dann heißt? Dass sich diese Tortur noch über Weihnachten hinzieht. De Facto habe ich dann kein Weihnachten.

Lieber arbeite ich die nächsten acht Wochen nachts.

Tag 800 – Endlich ist die 7 vorne weg.

Mehr Positives gibt’s leider zum Tag nicht zu sagen. Die letzten Tage waren wohl sehr anstrengend, die Quittung kam heute in Form von Migräne, gegen die nichts wirklich* half, nicht mal Triptane. Wundervoll, wenn man Meetings hat und sich gerade den Arsch abarbeitet um inzwischen drei bis vier Paper zu fixen. Ja, ich weiß, Warnzeichen und so, aber. Die Zeit rennt mir weg, ich musste da also heute irgendwie durch. Und weil ich härter** bin als die Scheiß Migräne, zog ich es eben durch, auch den Nachmittag und Abend, irgendwie, mit Müh und Not und eben Schmerzen. Aber jetzt bin ich auch sehr froh, im Bett zu liegen, mit der Sommerbettdecke*** und zwei Wärmekissen und gleich einfach zu schlafen****. Hoffentlich killt das den Rest der Schmerzen.

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* Zwei Ibuprofen (400 mg jeweils) schafften ca. 30% der Schmerzen, das ist nicht gut, normalerweise sollte das eine sehr deutliche Besserung bringen. Die Almotriptan-Tablette, die sonst wirklich immer hilft, schaffte noch mal 30%, aber mehr eben auch nicht. Dafür brachte die 100% der üblichen Nebenwirkungen mit (Müde, Kreislauf, Müde, Wattekopf und Müde), also echt kein toller Erfolg.

** Hahahahaha. Manchmal. Manchmal heule ich dann auch Rotz und Wasser und liebe Mitmenschen haben auch schon mal den Notarzt gerufen, weil ich zu lange mit den Tabletten gewartet habe und dann bleiben die am Ende nicht mehr drin, weil mir dann auch schlecht wird und dann ist echt alles vorbei.

*** Lange Geschichte, die mit einem sehr tief schlafenden Kind und einer sehr großen Bettdecke zu tun hat, die die Waschmaschine nicht zu schleudern schafft. Der Bösewicht in der Geschichte ist die herbstliche Temperatur und mein Bedürfnis nach frischer Luft UND Wärme in der Nacht.

**** Bitte besser als letzte Nacht, als Pippi ca. 15 Minuten lang wie abgestochen hysterisch „NEIN! NEIN!“ brüllte, dabei war sie wach und wir machten absolut gar nichts, sie brüllte einfach. So schön.

Tag 799 – We survived Kindergeburtstag.

Aber auch nur knapp.

Nein, es war eigentlich doch ganz in Ordnung, ABER.

Sieben Kinder zwischen 2 und 5 (Median bei 5 😉 ) sind einfach laut. Und wuselig. Und dann noch kleine Individuen, zwei davon kennt man sehr gut, eins recht gut, zwei mittel und eins fast gar nicht… puh. Und ehrlich gesagt hatte ich nicht so ganz damit gerechnet, dass Pippi komplett anti-alles sein würde, eifersüchtig hoch zehn und bei jedem „Warte“ oder gar „Nein, das ist Michels!“ einen Wutanfall sondergleichen hinlegen würde. Das ging soweit, dass ich sie irgendwann ins Bad trug, wo sie dann (in meinem Beisein) ihren Frust darüber, dass auch sie nur EIN Überraschungsei haben durfte, herausbrüllte. Ausdauernd und mit Schlagen, Treten und auf den Boden werfen. Wie im Film. Aber wenigstens standen dann nicht noch drei große Kinder neben mir und fragten „Warum weint Pippi so?“.

Aber ansonsten war es alles ganz ok, Michel hatte Spaß, die anderen Kinder auch, selbst die Wohnung* ist stehen geblieben und als Belohnung** hab ich mir tatsächlich ein Glas Wein und das Auspacken meines ColourPop-Pakets gegönnt. Huiuiui, es wird ein bunter Herbst, sage ich Ihnen!

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* und alle Norweger, die hier reinkommen, so: „Boah, so eine große Wohnung!“. Hmm. Ich glaube ja, das täuscht. 75 Quadratmeter sind jetzt nicht gerade üppig, auch in Norwegen nicht. Aber bis auf das Schuhschachtelgroße Kinderzimmer sind halt unsere Räume groß und offen. Norweger hätten vermutlich auf demselben Raum drei Schlafzimmer und entsprechend gedrungen würde auch alles aussehen. Da wirkt unsere Wohnung natürlich riesig gegen.

** nach dem Aufräumen für die Putzfrau, versteht sich.

Tag 798 – Super Ultra Mega fauler Tag.

Heute haben wir alle fast nix gemacht. Wie schön das war.

Und wenn man dann endlich mal Muße hat, Dinge zu tun, sind die auch gar nicht schlimm. Zum Beispiel Kindersachen aus-/ein-/umsortieren* und meine eigenen Sommerklamotten gegen die dickeren Wintersachen austauschen. Dabei auch nen Schwung Zeug von mir getreu dem Motto „hatte ich seit zwei Jahren nicht an“** aussortiert für die Altkleidersammlung, steht schon an der Tür.

Michels Kindergeburtstag ist morgen Nachmittag (da sind die Ferien um und die meisten Kinder wieder da) und dafür ist auch schon das meiste vorbereitet. Nur Ü-Eier muss ich noch kaufen, Michel wünscht sich, dass jedes Kind ein Ü-Ei bekommt und Herr Rabe wurde nur ein bisschen bleich, als ich Topfschlagen vorschlug***. Aber meine Arbeit ist ja neben einem gut sortierten Supermarkt. Außer Topfschlagen wird es Muffins zum selber mischen und verzieren geben, die obligatorischen Pølse****, eventuell Bügelperlen (weil Michel das toll findet), eventuell Kinderdisco. Herr Rabe ist zwar etwas nervös, aber wir werden das schon schaukeln. Es sind ja auch nur zwei (zweieinhalb?) Stunden, mit unseren zweien sieben Kinder, wir kennen die fast alle ganz gut, was soll schief gehen*****?

Als Tagesabschluss noch mit Herrn Rabe Discovery geguckt (alle Welt kennt jetzt Bärtierchen, oder?), dabei Wein und Wolke Sieben-Katjes (gefährlich lecker). Dochdoch, ein runder, schöner, tiefenentspannter Tag.

Einziger Minuspunkt des Tages: die Entspannungsmaske, die ich machte um meine Haut laut Packungsangabe „zu entspannen und zu verwöhnen“. Hahaha. Entspannt ja, durchfeuchtet vermutlich auch, ich weiß es nicht so ganz, es ließ sich unter der vereinten Glibschigkeit der Öle und Hyaluronsäure und Q10 und Tralala nicht ausmachen. Aber hey, wenn das das schlimmste an nem Tag ist, hätte ich davon gern öfter welche.

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* Let‘s face it: diese ganzen Babyklamotten müssen echt nicht nochmal mit umziehen. Die schwangere KiTa-Betreuerin (Junge) kann sich schon mal auf einen kleineren Überfall freuen, die Kollegin mit dem Minibaby (Mädchen, älteres Geschwister Junge) ebenso.

** Einschränkung: „und das Herz hängt nicht dran“. Das Jugendleiter-T-Shirt aus der Freizeit, bei der ich Herrn Rabe kennenlernte, kann ich zum Beispiel nicht wegtun.

*** Weil er Angst hatte, dass die Kinder hier noch mehr Macken ins Laminat hauen. Gut, dass wir eine hässliche lila Silikon-Soßenkelle haben, das schont Laminat, Mobiliar und Herr Rabes Nerven.

**** Gehört zum norwegischen Kindergeburtstag dazu. Da Michel aber meinte „alle Pølse schmecken gut“ gibt es „die, die wir immer kaufen“ – vegetarische.

***** Ahja, klar, jede Menge und morgen Abend brauche ich vermutlich nen Schnaps, aber sich vorher schon verrückt machen bringt ja auch nix.

Tag 797 – Wieder zu Hause.

Nochmal sieben Stunden Zugfahrt. Ist zwar langweilig, aber entspannt. Michel und ich haben „Doktor Proktors Prompepulver“ gesehen und das ist so herrlich absurder Quatsch, hachja, also ich finde sowas ja gut. Ich habe heute auch ein Harry Hole Buch fertig gelesen. Man merkt ja schon, dass das aus einer Feder ist, finde ich. Beides irre, eins halt auf die witzige Art und eins eher… nicht ganz so witzig. Und so liebevoll gezeichnete Figuren. Hach. Aber das Beste war, den Film mit Michel zu gucken. Wie der mitgeht, es ist so niedlich. Und so ein ungetrübtes schwarz-weiß-Gereichtigkeitsdenken. Natürlich wird das bei den Doktor-Proktor-Geschichten auch unterstützt, da sind die Bösen auch wirklich sehr deutlich und umfassend böse, aber, herrje, wenn dann das Kind auf die Polizisten schimpft, die grade Doktor Proktor und Bulle verhaften und durch den Zug ruft „Da muss enklich ein’ Polizei kommen und den Polizei da einhaften!“ dann ist das so goldig, dass mein Herz ein bisschen doll hüpft.

(Und die Stummfilm-Sequenz. Alter. Ich musste so lachen, dass ich Michel nicht mal erklären konnte, was da passiert und wieso ich so lache.)

Tag 796 – Das Gespräch.

Sie wollen jetzt sicher wissen, wie es lief, oder?

Tja, wenn ich das mal so gut benennen könnte.

Ganz gut, glaube ich. Ich war da (in neuen, dunkelblauen Wildleder-Stiefeletten, die ich sehr schick finde und die zu kaufen überraschend wenig Zeit in Anspruch genommen hat) und auch sehr pünktlich. Ich war nicht übermäßig nervös, eher so gut nervös, aber ich glaube, ich sah zum Beispiel nicht besonders Tomatig aus (was sonst sehr schnell passiert) oder habe gestammelt. Die Firma ist in einem Haus, das, darauf möchte ich wetten, von einem Studikollegen des Architekten des Pirsenterets in Trondheim ist, alles sehr hell und offen und modern. Ich wurde erst kurz in eine Art Warteraum gesetzt, da war auch eine Garderobe, da ließ ich meinen Rucksack und meinen Regenmantel und dann sah ich mir Firmenbroschüren an, bis eine ältere Dame kam und mich fragte, was ich denn trinken wolle (WASSEROHNEKOHLENSÄURE brüllte die Bewerbungstrainerin in meinem Kopf). Dann kam noch ein netter Mann, stellte sich als Leiter der Virusentwicklung vor und wir suchten den richtigen Meetingraum. Da saßen dann die ältere Dame, die sich als Leiterin der gesamten Forschung und Entwicklung vorstellte (und deren Vornamen ich leider nicht verstand, hrmhrm) und die K., mit der ich schon zwei mal telefoniert habe.

Tja, und dann… äh. Also, erst gab es eine Präsentation über die Firma (die wird mir immer sympathischer, je mehr ich über sie erfahre), dann stellte ich mich, was ich so gemacht habe, mache und zu machen vorhabe vor, dann gab es einen Abgleich der Stellenbeschreibung mit meinen Erfahrungen, da war ich ehrlich (jo, HMS kann ich nicht offiziell, finde das aber interessant und traue mir zu, das in nullkommanix zu lernen, nein, ich kann keinen Autoklaven selbst reparieren*, aber ich weiß ziemlich gut, was daran kaputt gehen kann und vor allem weiß ich, wie man testet, ob so ein Autoklav auch tut, was er soll.) und überhaupt fand ich mich angemessen nett, offen, lustig und auch einigermaßen kompetent, es wurden noch ein paar Fragen gestellt („Wenn Sie einen Forscher haben, der seine geplante Geräterequalifizierung nicht rechtzeitig macht, was machen Sie?“) und dann waren plötzlich eineinhalb Stunden rum.

Aber wie es lief? Ähh keine Ahnung. Das werde ich nächste Woche erfahren. Bis dahin atme ich dann in eine Tüte.

*das war auch nicht gefordert. Es stellte sich heraus, dass das Ding dauernd kaputt ist, dann vom Servicetechniker repariert wird und dann geht es direkt an einer anderen Stelle kaputt. Sie vermuten, dass der Servicetechniker murkst.