Tag 2606 und 2607 – Tröt in krass.

Die Geschichte von gestern ist schnell erzählt: ich hab insgesamt 10 Stunden gearbeitet und bin dann auf dem Sofa eingepennt.

Heute mussten wir auch alle halbwegs früh aufstehen, was so mittel gut geklappt hat, denn mein Wecker hat nicht geklingelt und weil ich in Michels Bett geschlafen habe, weil Michel, als ich vom Sofa ins Bett kroch, in unserem Bett lag und Herr Rabe unter Michels Bettdecke nicht schlafen kann, bin ich auch nicht von Herrn Rabes Wecker aufgewacht. Gab dann einen Kaltstart und ich war den ganzen Tag ungeschminkt mit fettiger Haut und einem Schlafstrubbel am Hinterkopf unterwegs – zwischen tausend Leuten und man kennt sich hier ja auch. Uff, naja. Egal.

Jedenfalls war heute „Musikfest im Park“, was vom Titel her vielleicht ein falsches Bild vermittelt, denn es war Korpsmusik am Eidsvollbygningen. Das ist ja ein sehr ehrenwürdiges Gebäude, in dem 1814 die norwegische Verfassung unterschrieben wurde und da ist es schon auch schön, man kann da unter anderem überaus gut spazieren gehen und/oder Pokémon fangen. Wir allerdings MUSSTEN da hin, weil der Schulkorps da hin musste. Unsere Kinder sind ja „nur“ Aspirant und Rekrut, spielen also noch nicht mit, marschieren aber und stehen, während der Hauptkorps spielt, dekorativ rum (Pippi tanzend und ihre Troddel an der Mütze propellern lassend, Michel mit dem Gesichtsausdruck eines routinierten Begräbnisunternehmers). Trotzdem mussten sie hin. Außerdem hatte mein Lieblingskollege gesagt, wenn ich mal nen richtig guten Korps sehen Wolle, solle ich auf jeden Fall die Garde anschauen. Nach den ganzen Eidsvoller Schulkorpsen und Erwachsenenkorpsen spielte nämlich die 3. Kompanie der Königlichen Garde, was, wie Wikipedia verrät, eine der weltweit besten Marsch-, Drill- und Konzertkapellen ist. Jaha. Wie, Drill sagt ihnen nichts? Mir auch nicht, bis vorhin.

Also erstmal war natürlich Marschieren mit den Kindern angesagt und das haben die prima gemacht. Michel wird langsam nölig, weil er in den Hauptkorps will, und wenn ich den Hauptkorps so höre, denke ich, da passt er von der Leistung her auch rein. Ähäm. Ansonsten habe ich heute gelernt, dass es einen Eidsvoller „Bonuskorps“ gibt, der nur einmal im Monat probt und ich bereue jetzt, kein Trötinstrument zu spielen, die hatten nämlich offenbar eine Menge Spaß und waren musikalisch ein echtes Highlight.

Was dann aber echt krass war, war die Garde. Die sehen zum Großteil aus wir halbe Kinder, was kein Wunder ist, denn das sind Wehrpflichtige. Das, was wir jetzt sehen, sind die letzten Aufführungen der Truppe, jetzt im September tritt der nächste Jahrgang seinen Dienst an. Hence the Pickel. Ich habe auch messerscharf aus den Anwesenden geschlossen, dass zwei Frisuren ok sind (geschlechtsunabhängig): ganz kurz oder langes Haar stramm im Nacken zusammengebunden, im geflochtenen Knoten.

Janitsjar- und Signalkorps.

Es ist natürlich alles ein einziges Pimmelgewedel. Ich teile durchaus Michels Verwunderung, dass man Soldat*In und Musiker*In gleichzeitig sein kann und dass das Militär ganz eigene Musiker*Innen hat, aber ich hake das unter Seltsamkeiten des Patriarchats ab. Und aus künstlerischer Perspektive ist das halt schon sehr beeindruckend, sowohl musikalisch als auch choreographisch und vor allem in Kombination.

Erst mal gab es eine Drillvorführung, und zwar einen kompletten „Oladrill“, das ist wohl was besonderes. Die Kompanie besteht aus drei Divisionen: Korps, Drilltruppe und Kampaniestab (Zeugwarte etc.). Das Korps (der?) spielt, die Drilltruppe wirbelt und wirft mit ihren Gewehren mitsamt Bajonetten rum und schießt auch (zu Pippis Schock) und alle marschieren, aber schon sehr fortgeschritten, wenn ich so dran denke, wie viele wenige Schritte es brauchte, bis Vilberg Skolekorps nicht mehr so ganz im Gleichschritt war, und die mussten nur geradeaus laufen.

Sehen Sie hier:

Danach spielten die Korpse (das sind eigentlich 2, ein Janitsjar-[Jah-nitt-schah]Korps und ein Signalkorps, der aus Trommeln und Fanfaren [oder zu Konzertzwecken Kornetten, im Drill aber tatsächlich Fanfaren] besteht) noch ein Konzert, fast eineinhalb Stunden lang. Da zeigten sie auch, dass sie durchaus nicht nur Marschmusik können (eins der Videos ist leider zu groß, da spielen sie ein arabisch-amerikanisches Stück und als Gimmick läuft Pippi mehrmals durchs Bild, erst marschierend und dann „arabisch“ tanzend).

Alles in allem ein leicht absurder, aber interessanter und schöner Tag. Und nicht nur ich habe hinterher 2 Stunden lang geübt, sondern auch Michel und sein Kumpel haben Kornett und (Pippis) Trommel gespielt. Yeah.

Jetzt nur noch verhindern, dass eins meiner Kinder deshalb zum Militär gehen möchte.

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Edit: ich hatte ein bisschen technische Probleme beim Hochladen, aber jetzt sollte es eigentlich gehen. Sorry.

Tag 2580 – Tröööt!

So, alle Ehre heute den Organisator*Innen und Instruktor*Innen dieser Korpsfreizeit(en). Das war rundum wirklich beeindruckend. Nicht nur haben sie (sicher nicht nur meines) auch die etwas ängstlichen Kinder abgeholt und voll mitgenommen und allen eine gute Zeit gegeben, sondern sie haben auch echt musikalisch was auf die Beine gestellt. Heute war das Abschlusskonzert, da spielte jede Instrumentengruppe erst ein Stück einzeln, und dann spielten alle zusammen noch mal vier Stücke. Das Konzert dauerte eine Stunde. Und man brauchte wirklich nicht mal viel elterliches Wohlwollen, um das musikalisch gut zu finden! Bei unserem Schulkorps braucht man das ja schon hin und wieder, aber das heute war objektiv richtig gut und würde auf so einem Wettbewerb, wie Michel ihn im Frühjahr mitgemacht hat, alle Preise einfach konkurrenzlos abräumen. Nach drei Tagen! Gut ausgewählte Stücke für das Niveau (oder wie Michel am ersten Tag meinte: VIEL ZU SCHWER OMG WIE SOLL DAS GEHEN!!! Woraufhin ich ganz achtsam, aus dem Fundus meiner langjährigen Musiklernerfahrung schöpfend, schrieb, dass er das schon schaffe, wenn übt. Was er, so unglaublich das klingen mag, so akzeptierte und offenbar umsetzte) und wirklich viel Einsatz von Instruktor*Innen und Kindern. Und alle hatten sichtlich Spaß und waren stolz, zu zeigen, was sie geschafft haben. Wirklich richtig, richtig toll.

Blaskapellenmusik kann echt ok sein! Mind blowing.

Auf Michel bin ich doppelt stolz, weil er sich durchgerungen und viele Ängste überwunden hat. Und ich hab jetzt ein Video, wo er sichtbar mit-swingend das UNGLAUBLICH SCHWERE Stück spielt. Hach!

Gerne wieder. Dass das das zweitniedrigste Niveau war, das man bei diesen Sommerkursen machen kann, lässt einiges erwarten für zukünftige Abschlusskonzerte.