Tag 2085 – Der kleine Bruder.

Carona ist kein Einzelkind mehr. Ich habe mich lange dagegen gesperrt, ich finde auch blöd, dass wir nun nachgegeben haben, aber darf ich vorstellen: Cardos.

Ein sehr kleiner Bruder. Wir haben jetzt im Schnitt zwei normale Autos und zahlen zwei mal normale KFZ-Versicherung. Nein, Cardos passt nicht in den Kofferraum von Carona, aber Cardos‘ Sommerreifen passen rein ohne dass man die Sitzbank umklappen muss – drei liegend nebeneinander.

Die Entscheidung für einen Zweitwagen fiel vor ein paar Wochen schleichend. Corona und die Angst vorm ÖPNV, die insbesondere meinen Arbeitgeber stark befallen hat, sowie unser Landleben und meine häufigen Arzttermine in Oslo haben da mit reingespielt. Es ist einfach jedes Mal ein Gehampel sondergleichen, wenn ich zur Blutabnahme nach Oslo fahren muss, denn dann kann Herr Rabe die Kinder nicht abholen. Cardos wird unser hoffentlich treuer Kumpan für solche Gelegenheiten und nicht sonderlich viel mehr. Deshalb macht es auch gar nichts, dass Cardos‘ Reichweite nicht der Brüller ist und Cardos selbst am Schnelllader langsam lädt. Cardos soll in Eidsvoll rumfahren können und dafür reicht es.

Warum nun Cardos? Naja, wir haben beide das Jahres-ÖPNV-Ticket nicht gekauft, aber dafür gespart. Wir hatten also nun etwas, aber nicht berauschend viel, Geld übrig. Cardos lag im Budget und war ein gutes Angebot. Jemand wollte Cardos loswerden, möglichst schnell, denn es war das Auto seiner kürzlich verstorbenen Partnerin*. Deshalb war Cardos günstig für wenig gelaufene Kilometer und relativ junges Alter (gute 5 Jahre). Freitag habe ich Cardos zufällig und inspiriert durch einen Freund mit Fragen zu kleineren Elektroautos entdeckt, Samstag angeschaut und den Kaufvertrag unterschrieben, gestern bezahlt und heute abgeholt. Zack, fertig.

Cardos fährt sich wie ein Go-Cart, vor allem im Vergleich zu Carona, dem Schiff. Nach 10 Monaten Schaltung per Lenkradhebel möchte ich immer gerne den Rückwärtsgang einlegen, indem ich den Scheibenwischer betätige und das Radio redet noch nicht mit meinem Handy, aber das schaffen wir schon noch. Ich bin positiv überrascht davon, dass Cardos überhaupt mit Handys reden kann.

Ich mag den. Miep miep!

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*“Würd ich auch sagen.“ sagen Sie jetzt, aber wir waren in der Wohnung zur Vertragsunterzeichnung und da standen so Sachen wie „Vormundschaft Kinder“ auf dem Wochenplaner und uff. Großer Kloß im Hals.

Tag 2084 – Kein Knast.

Kein Bankirrtum zu meinen Gunsten, aber fast, der Fehler, den ich bei den Steuererklärungen gemacht habe, würde nämlich eher Freibeträge als Strafzahlungen geben. Schau an, schau an. Demnach kann ich mir jetzt auch überlegen, ob es mir das wert ist, Dokumente zusammenzusuchen, von denen ich keine Ahnung habe, wo sie sein könnten (vermutlich zum Teil nicht mal in Norwegen, denn viele deutsche Gesellschaften schicken keine Briefe ins Ausland, wo kämen wir denn da hin!).

Das war ein gutes Telefonat, und ein weiteres klärte zumindest etwas auf, das ein fettes Missverständnis hätte werden können (und dann hätte ich was angezündet, es ist immer besser, wenn ich nichts anzünde). Nächstes mal wenn was größeres, gesundheitliches ist, möchte ich bitte, bitte nach Kongsvinger. Das ist zwar ab vom Schuss, aber desorganisierter als Ahus Nordbyhagen kann es nicht sein. Das ist schlichtweg nicht möglich.

Heute war so ganz generell Finanz-Tag. Wussten Sie, dass Elektroautos in Norwegen seit diesem Monat auch KFZ-Steuer zahlen müssen? Ich nicht. Hat mir keiner mitgeteilt, das habe ich zufällig herausgefunden. Da ich seit einem Jahr auch exzessiv norwegische Nachrichten lese, war es wohl auch da nicht.

Mein Bogen ist fertig und morgen hole ich ihn ab. Morgen hole ich oder holen wir auch noch was anderes ab, dazu aber morgen mehr. (Kein Kind/Ultraschallbild. Niemand ist schwanger und einer von uns ist nun auch ganz offiziell steril. Mit bis auf einen Faden, der sich nicht auflösen wollte und deshalb kurzerhand selbst gezogen wurde, keinerlei Problemen.)

Sonst: müde. Unproduktiv (bis auf die Finanzsachen, aber ich mag echt nicht auch noch im Urlaub den ganzen Tag auf den Bildschirm gucken!) und müde, letzteres nach wie vor von allem. Corona stinkt und soll jetzt endlich weggehen.

Tag 2083 – Corontäne v3 letzter Tag.

So, Pippi ist dann jetzt auch offiziell aus der Quarantäne raus. Wir haben das mit einem Schlafanzugtag gefeiert. Abends hab ich diese Steuerunterlagen zusammengesucht, und hoffe jetzt einfach ganz stark, dass die da keine weiteren Unterlagen zu haben wollen. Dann wird es nämlich potentiell sehr haarig.

Sonst war nur Uhrzeitumstellungsschwachsinn, wie immer hasse ich den letzen Sonntag im März ganz besonders, aber das will ja beim drölfzigsten Mal auch keine mehr hören. Insofern gehe ich jetzt einfach ins Bett.

Tag 2082 – Corontäne v3 Tag 6.

Heute morgen ist mir aufgefallen, dass ich (und Herr Rabe, aber der ist ja eher von entspannterer Art als ich), seit wir nach Norwegen gezogen sind, meine Steuererklärung nicht ganz richtig gemacht habe. Ups. Praktisch hat es keine Bedeutung, weil so wenig Geld involviert ist, dass wir weit unter den entsprechenden Freibetragsgrenzen liegen, aber theoretisch ist es strafbar.

Wir erinnern uns kurz daran, dass ich norwegische Staatsbürgerin werden möchte, weil ich Angst habe, aus Versehen irgendeine strafbare Handlung zu begehen und deshalb ausgewiesen zu werden.

Morgen werde ich also ein paar Dokumente zusammensuchen (wünschen Sie mir Glück, dass sie online irgendwo liegen…) und dann Montag den Skatteetaten anrufen und fragen, was ich machen soll, was ich wo angeben muss und was ich wie beantragen muss, um einer potentiellen Strafsache (die Strafe wäre abhängig vom Wert und der Wert ist, wie gesagt, unter dem Freibetrag, die Strafe wäre also 0 Kronen) zu entrinnen.

So stellt man sich doch Ferien vor. Mit einem Bein im Steuerknast.

Tag 2081 – Corontäne v3 Tag 5.

Habe heute das erste mal seit Montag das erste mal „so richtig“ das Haus verlassen, weil ich zur Post musste. Bin dort natürlich direkt in eine Nachbarin gerannt, die mich natürlich auch direkt Sachen fragen wollte, die ich gar nicht sagen darf, erst recht nicht mitten in einem Supermarkt.

Ansonsten: jetzt Ferien. Wird Zeit. Nur eine Woche (und Ostermontag), aber immerhin.

Kontakt mit dem Gesundheitswesen war heute eher unerfreulich. Kontakt mit dem Bogenbauer war da schon erfreulicher, vermutlich kann ich Montag oder Dienstag meinen Bogen wieder abholen. Wir werden sehen. Passt ja gut, dass wir Urlaub haben, da habe ich Zeit nach Oslo und zurück zu gondeln. Im Garten rödeln wird über Ostern noch nicht wirklich möglich sein, es liegt einfach noch zu viel Schnee, oder besser, graue, matschige Haufen halb gefrorenen Wassers. Bah.

Tag 2080 – Corontäne v3 Tag 4.

Michels Test ist auch negativ. Hurra.

Wir werden Pippi nicht noch mal testen lassen. Die Wahrscheinlichkeit, dass das Testergebnis vor Sonntag Abend kommt, wenn die Quarantäne eh endet, ist gering und das ist es nicht wert, sie da hin zu schleppen und, man muss es ja auch mal so sehen, in einem Raum in dem sich am selben Tag auch maskenlose positive Menschen aufhalten (zur Zeit so etwa 10 über den Tag verteilt) die Maske runterlassen, erscheint ohne großen Bedarf auch wenig verlockend.

Michel geht morgen nicht zur Schule. Auch das ist es nicht wert. Es ist ein Tag, dann sind sowieso Ferien, Pippi ist auch zu Hause und die Klassenlehrerin ist schon im Urlaub. Es ist einfach wurscht, ob er morgen hingeht oder nicht. Außer für die Pandemie. Sagen Sie ihm das nicht, denn eigentlich war die Bedingung dafür, dass er morgen nicht zur Schule gehen muss, dass er heute (und morgen) Mathe macht, das hat er nämlich die ganze Woche schon vor sich hergeschoben. Heute hat er es auch gemacht, aber nur unter Geschrei als würde er dabei gefoltert. Die Schulbuchmacher sind schuld, denn die denken sich aus, dass Achtjährige Aufgaben machen müssen, die eher in der fünften Klasse kommen sollten. Schreit Michel. Glauben Sie ihm das ruhig, er muss es wissen, unschaffbar schwer sind die Aufgaben nämlich, völlig unmöglich zu lösen.

Wir danken Herrn Rabes Engelsgeduld und pädagogischer Ader sowie den Erfindern der Noise Cancelling-Funktion der Air Pods Pro (die wirklich überragend ist), dass hier heute niemand Amok gelaufen oder ausgezogen ist.

Die Schweinchen hatten heute auch irgendwie Stress. Nach dem Abendessen war alles noch gut, als wir die Kinder im Bett hatten, dachte ich, die Schweinchen nehmen die Kiste auseinander. Pølse hat offenbar die Schnauze voll davon, sich Muffin unterzuordnen und jagte die beiden anderen durch den Käfig. Alle drei quiekend und schnatternd, dabei immer wieder Herumgepolter vom Rennen, neues Qieken, wildes Schnattern. Marshmallow wollte offenbar am liebsten da rausgehalten werden und steckte ihren Kopf ins Heu, vermutlich glaubend, dass man sie dann nicht mehr sehen kann. Allerdings wurde sie in ihrem Heuhaufen dann einfach von den anderen beiden über den Haufen gerannt. Pølse versucht, Muffin zu unterwerfen, indem sie ihm bespringt, Muffin versucht sie abwechselnd abzuschütteln und wiegt sich brommselnd hin und her. Das ging sehr geräuschintensiv etwa zwei Stunden so, jetzt scheint aber zumindest so weit Ruhe eingekehrt zu sein, dass ich es schnurpsen und gurren (und sonst nichts) höre.

Ich war ehrlich gesagt nicht auf solcherlei Rangordnungskämpfe vorbereitet, als ich die Schweinchen zu uns holte. Die sind so niedlich und eben so gefährlich wie eine sehr haarige, dicke Wurst mit sehr kurzen Beinchen, aber holla die Waldfee, wenn da eine die Faxen dicke hat, dann geht’s rund. Und Wurst gegen Wurst ist dann auch nicht schön, vor allem wenn die Würste lange und kräftige Zähne haben.

Tag 2079 – Corontäne v3 Tag 3.

Das wichtigste zuerst: Pippi und Herr Rabe haben heute ein negatives Testergebnis bekommen. Herr Rabe und ich dürfen demnach das Haus wieder verlassen. Michels Ergebnis ist noch nicht da, der bleibt also auch morgen noch zu Hause.

Ich habe pandemiebedingt überhaupt keine Bullshittoleranz mehr. Sie war nie toll, jetzt ist sie nicht mehr existent. Twitter lese ich ja nun schon gar nicht mehr (wirklich gar nicht), aber egal welches Törchen zur Welt da draußen ich öffne, ich möchte Leute unsanft darauf hinweisen, dass das, was sie erzählen, Quark ist. Heute war ich kurz davor, einen Leserinnenbrief an NRK zu schreiben, weil sich dort einer der Statistiker des FHI hinstellt und sagt: wir können den R-Wert nicht unter 1 drücken. Es sei nicht möglich, wegen Mutante. Und da möchte ich schreien, weil es einfach nicht stimmt und reine Meinungsmache ist, denn: das FHI WILL nicht die Maßnahmen ergreifen, die in dieser Phase der Pandemie nötig wären, um den R-Wert unter 1 zu drücken. Natürlich ist es MÖGLICH, und anderen Ländern ist es auch schon gelungen, Stichwort: harter (WIRKLICH harter) Lockdown. Extremfall: alle bleiben 14 Tage zu Hause, einzeln isoliert. Das ist praktisch nicht durchführbar, würde aber zu einer sicheren Unterbrechung aller Infektionsketten führen. Wie gesagt, praktisch nicht durchführbar, das ist aber was anderes als nicht möglich. Und wenn man die Schulen und Kindergärten partout nicht schließen WILL, muss man die Eier haben, zu sagen: mit den Werkzeugen, die wir benutzen wollen, wird R vermutlich nicht unter 1 sinken. Aber doch nicht, dass es einfach gar nicht geht, als gäbe es ein Naturgesetz, das heißt „die dritte Welle ist nicht aufhaltbar“.

Bitte verstehen Sie mich nicht falsch, ich bin nicht für komplett geschlossene Schulen und Kindergärten. Schon mal gar nicht, wenn man dafür dann andere Werkzeuge links liegen lässt, wie Homeofficepflicht (looking at you, Deutschland). Aber ich bin für Ehrlichkeit und offene, klare Kommunikation. Verarschen kann ich mich nämlich auch alleine, aber ich habe zu viel Selbstrespekt, das zu tun.

Noch ein Beispiel: ich habe heute einen Podcast ausgemacht, nachdem einer zum Thema „Wie hast Du 2020 gemeistert?“ meinte „2020 war das allerbeste Jahr meines Lebens, denn da wurde mein erstes Kind geboren“. Ja, Manfred*, das ist ja schön für dich, aber nicht so ganz praktikabel für die Allgemeinheit, nicht wahr?

In echt möchte ich unflätig beleidigen. Leute schütteln ist ja nicht erlaubt zur Zeit.

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*Name von der Redaktion geändert

Tag 2078 – Corontäne v3 Tag 2.

Zuallererst: es gibt noch keine Testergebnisse. Ich hatte damit heute gerechnet, aber es scheint tatsächlich, als sei die Testkapazität am Limit, zumindest für das Krankenhaus, das komplett Oslo Ost und alles nördlich davon bis hoch zu uns versorgt. Hier Lorioteskes Ach denken. Es geht uns aber allen gut, bzw. so gut wie es uns halt geht, so alle aufeinander hockend und dabei versuchend, zwei systemrelevanten Vollzeitjobs im Homeoffice nachzugehen.

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Es gibt angeblich kein Bier auf Hawaii, in Norwegen gibt’s aber auch keins, jedenfalls nicht in Restaurants, Kneipen etc., bis zum 12. April. Außerdem ist der Meter verdoppelt worden, wir dürfen keinen treffen, auf die Hütte können wir, aber dort dürfen wir auch keinen treffen und zur Strafe (klang jedenfalls so, als sei das alles irgendwie Schuld der Bevölkerung) gibt’s den Plan zur Öffnung noch nicht nächste Woche sondern erst nach dem 12. April irgendwann. Nämlich!

Ich bin dessen so müde und einfach nur froh, dass wir uns hier zu Hause einigeln können, mit Homeoffice und Kinder überhaupt betreuen können und der Möglichkeit für ein paar Taler mehr alles zu bestellen, wonach uns der Sinn steht. Sogar Bier. (Wein nicht, aber Vinmonopolet hat noch auf und bietet sicher auch Click&Collect an.)

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Es könnte endlich Frühling werden, da kann man die Kinder aufs Trampolin jagen. Noch können wir es nicht mal aufbauen, die Erdanker sind irgendwo unterm Schnee.

Tag 2077 – Corontäne v3 Tag 1.

Eine neue Version von Corontäne, die, die man vermutlich am wenigsten braucht. Heute morgen, eine halbe Stunde nachdem ich Pippi im Kindergarten abgeliefert hatte (in ihrer Draußen-Kohorte, was sie total blöd fand, weil da ihre Freunde nicht sind), rief die Dame vom Kulturhjulet an. Ich wollte sie erst abwürgen, weil ich in einem Meeting saß und dachte, sie riefe an, weil ich zu fragen geplant hatte, ob ich am Orchester teilnehmen kann (ja, geplant hatte. Nicht umgesetzt, aber so schnell habe ich nicht geschaltet). Sie sagte dann aber „hör erstmal an, worum es geht, dann erledigt sich ein Rückruf vermutlich von selbst“. Tja, also, wie soll ich sagen, es ist die gerechte Strafe dafür, dass wir Pippi zu der einzigen noch erlaubten Freizeitaktivität haben gehen lassen. Dort war am Donnerstag ein Kind (eines der drei anderen, die zusammen mit viel Abstand in einem Raum stehen und, zur Zeit, Geige ausprobieren), das heute ein positives Testergebnis bekommen hat.

Das war ein sehr kurzes Meeting für mich und ein sehr kurzer Aufenthalt für Pippi im Kindergarten.

Mittags kam dann der Anruf vom „Smittesporingsteam“. Pippi ist in Quarantäne, aus der sie sich frühestens Freitag (7 volle Tage nach Kontakt, plus einen halben Tag, weil nach 18 Uhr keine Tests mehr gemacht werden) freitesten kann. Uns Familienmitgliedern wird „Wartequarantäne“ empfohlen, die so lange gilt, bis Pippi einen negativen Test gemacht hat (dann sind wir raus) oder Symptome bekommt (dann sind wir in echter Quarantäne). Der Unterschied ist: Quarantäne für Erstkontakte ist gesetzlich verankert, Quarantäne für deren Haushaltsmitglieder aber nicht. Zwingen können sie uns nicht, es gibt keine rechtliche Handhabe („hjemmel“, damit kenne ich mich beruflich aus).

Nun ist es ja aber so, dass wir vernünftige Menschen sind und Herr Rabe und Michel eh nach dem Test heute Nachmittag bis zum Ergebnis in (echter) Quarantäne sind. Wir haben also eine sehr große Bestellung beim Lieferdienst aufgegeben, ich habe kontaktlos Michels Schulsachen abgeholt und jetzt bunkern wir uns ein. Herr Rabe hat beim Testzentrum angerufen und gefragt, ob er seinen Termin an Pippi abtreten könne (denn dann könnte Michel, wenn sein Test auch negativ ist, etwa ab Mittwoch wieder zur Schule), er konnte sie dann aber einfach mitbringen und sie wurden alle drei getestet. Natürlich kratzt es bei mir seither auch hypochondrisch im Hals, aber das kriegen wir auch alles hin, alles wird gut, wooozaaaa. Pippi hat jetzt halt zwei statt einer Woche Osterferien und Michel… mal sehen, eventuell auch.

Bestimmt hat niemand Corona und wenn geht es glimpflich ab.

Jetzt ein Schnaps und Atmen.

Tag 2076 – Bad Rothenfelde.

Heute:

– Alles brennt. Schulen und Kindergärten in unserem Kaff auf rotem Niveau, Alarm, Alarm, Krise*. Michel geht morgen nicht zur Schule, er hat Halsschmerzen und er und Herr Rabe gehen nachmittags zum Coronatest.

– Ich hab mir, ein Jahr into Pandemie und so late to the Party, dass alle schon nach Hause gegangen sind, ein RingFit gekauft. Jetzt also Training mit Gamification. Zuerst hat Michel exzessiv gespielt und es als „bestes Spiel EVER!“ bezeichnet, bis er Blasen und Muskelkater hatte. Dann durfte ich auch mal und es macht schon Spaß, muss ich sagen.

– Michels noch fehlender Schneidezahn guckt endlich raus. Ich hatte schon ernsthaft befürchtet, dass da keiner kommt. Aber doch, eindeutig ein Zahn.

– Pippi vergesse ich demnächst an der Tankstelle Ladesäule. Vorschulphase ist Scheißphase. Wo Michel eher wütend war, ist Pippi weinerlich. Wegen jedem Scheiß wird hier hundertmal am Tag losgeheult, als würden wir vor ihren Augen Einhornbabies schlachten. Bevorzugt in Situationen, in denen niemand Kapazitäten hat, das zu ~begleiten~, zum Beispiel weil sehr hektisch Mails geschrieben werden müssen, man sei systemrelevant und könne wirklich wirklich gar nicht komplett auf Kindergarten verzichten, echt wirklich nicht schon mal gar nicht in der Vorschulphase.

– (Full disclosure: das war eigentlich schon letzte Woche) Wir haben den einen Wandbehang meiner Omi endlich aufgehängt. Hinten ist ein Schild drauf mit Informationen zu dem Werk, unter anderem der Name, Bad Rothenfelde. Dort war mein Opi immer mal wieder zur Kur, die Salinen, Sie wissen schon. Ich nehme an, das Stück ist entweder dort oder in einer solchen Zeit entstanden. Und weil Michel zwar neugierig ist, gut englisch kann, aber mehr rät als liest, „las“ er den Titel vor: „Bad rotten flesh?“ Wir haben darüber sehr gelacht.

Bad rotten flesh.

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*This escalated quickly. Vor ein paar Tagen hieß es noch ganz überzeugt „die Lage ist übersichtlich und wir haben Kontrolle“. Jetzt „wir haben keine Kontrolle und die Testkapazitäten reichen nicht mehr aus“. Wenn ich ersteres nicht schon länger für eine grobe Fehleinschätzung gehalten hätte, käme ich mir jetzt wohl verarscht vor. So ist es nur ein Lorioteskes „Ach.“