Tag 1158 – Kindergeburtstag ohne Motto.

Nicht dass Sie jetzt denken, ich würde jetzt zur großen Mottogeburtstagskeule ausholen. Nichts läge mir ferner. Ich bewundere bei anderen immer die ausgeklügelten Dekos und Menüs und die Liebe zum Detail und am ehesten seufze ich, weil ich das einfach nicht auf die Kette kriege. Aber sein wir mal ehrlich: mir ist es das auch nicht wert. Wochenlang vorher anfangen zu planen und Deko ordern und Kostüme überlegen, und am Ende weint das Geburtstagskind doch wegen Überforderung wie jedes Jahr und irgendwelche Kinder mögen nur Grillwürstchen und nicht die extra vom Schlachter angefertigten Ninjago-Gesichtswurst-Scheiben, wenn ich für viel weniger Mühe das gleiche Ergebnis haben kann: dann nehme ich, grundsätzlich und in den letzten beiden Jahren besonders, das mit dem Beine hochlegen.

Bestimmt irgendwie Vandalismus oder so.

Heute überlegte ich mir spontan, dass man das halbwegs okay-ishe Wetter ja für eine Schnitzeljagd nutzen könnte. Sprach das mit Michel ab und… gebongt. Schnitzeljagd it was. Wenn wir das nicht gemacht hätten, hätte es halt Spiele zu Hause gegeben, Standardsachen, die ich noch aus meiner Kindheit kenne und die wenig bis keiner Vorbereitung bedürfen. So bastelte ich heute Mittag spontan einen Schatz:

Bei dem Teil mit dem Glitzerkleber übernahm Michel, der neugierig um die Ecke gelugt hatte. Der Glitzerkleber in den dicken Würsten wurde dann auch nicht mehr rechtzeitig trocken und ich glitzerte wegen „Huch, Mist, doch reingepackt!“ so vor mich hin.

Dann schnitt und riss ich aus einem Reststück signalrotem Sweatstoff Streifen und machte mich kurz nach Ankunft fast aller Gäste auf den Weg.

Und es war wie erwartet. Die Kinder hatten einen Heidenspaß und liefen wenigstens ein paar der schnellen Kohlehydrate aus den Muffins wieder raus. Sie fanden alle Schnitzel super fix, den Schatz (der ist ja auch brilliant versteckt, quasi unsichtbar) aber erst nach fünf Minuten suchen. Alle waren happy, drei kletterten auf die Schanze und zwei kamen nach einem scharfen „Runter da jetzt sofort!“ in Mommy-Voice auch wieder runter. Das dritte… kam auch irgendwann und ganz, äh, selbstbestimmt wieder runter, aber das wird dann eher nicht so oft zu uns kommen können, sowas geht nicht, während zwei schon mit hängenden Ohren die Schanze wieder runterkommen, noch extra schnell extra weit und extra nah am ungesicherten Rand hochlaufen. Aber egal, es war eben schon richtig schön, die Kinder hatten Spaß und frische Luft und klar, später hat das Geburtstagskind geweint und eins hat was geschenkt, was ich blöd finde und ein Kind mag keine Wiener und eins findet unseren Ketchup eklig und Herr Rabe hat Saft statt Brause gemischt, aber es hatten am Ende doch alle einen tollen Tag.

Ich glaube, das eine Mädchen ganz in Rosa, die (als einzige) beherzt ihren ganzen Arm in einen morschen Baumstamm steckte und mit mir ein paar riesige, innen schon modrige, Pfifferlinge untersuchte, hat im Gästebad mit meinen Schminkpinseln gespielt, ob bleibende Schäden entstanden sind, sehe ich erst morgen, aber ich finde das gar nicht so dramatisch. Solange es nur die Pinsel sind und nicht die Schminke selbst… und ich merke mir halt vor: besser wegstellen. Und wenn sie nochmal kommt, zeige ich ihr gern was man damit macht und wieso die nicht nass werden sollen.

Die Horde auf der Suche.

Doch, es war ein schönes Fest. Und ganz entspannt.

Tag 1156 – Sechs Jahre.

Sechs Jahre ist Michel nun alt. Jetzt vor sechs Jahren habe ich glaube ich nicht geschlafen, weil da so ein putziges kleines Minibaby neben mir in diesem komischen Glasbett lag. Da lag es, weil ich furchtbare Angst hatte, es irgendwie kaputt zu machen, dieses perfekte kleine Menschlein mit den perfekten kleinen Zehen und Ohren und dürren Beinchen. Das, neben mir im Bett? Wie ein Walross kam ich mir vor. Ein Walross mit zehn Daumen. Aber er war da, endlich, und er war so klein, viel kleiner, als ich mir das vorgestellt hatte, selbst der westfälisch dicke Babyschädel kam mir winzig winzig klein vor und dass ich mich überhaupt traute, ihn hochzunehmen, kostete einiges an Überwindung.

Und jetzt ist dieses Minibaby schon sechs Jahre alt und 119 cm hoch, geprüft durch meine sehr Kinderwuchsmesserfahrene Omi. Das Baby mit den vielen schwarzen Haaren hat jetzt eine dunkelblonde Wuschelmähne, die aber ja cool aussehen muss und cool heißt kurz. Das Baby hat sprechen gelernt und Zähne bekommen und dann sind inzwischen zwei Zähne schon wieder ausgefallen und der dritte wackelt. Ein bisschen fühle ich mich um den Schlaf betrogen, den uns diese Zähne damals gekostet haben, das alles für nur fünf Jahre Zahnspaß? Pffft.

Das Baby mit den dürren Beinchen wurde erst überall sehr rund und dann wieder sehr schlank. Jetzt kann man die Rippen zählen, wenn es vom Klettergerüst baumelt und die Sitzhöcker bohren sich erbarmungslos in meine Oberschenkel, wenn mein eben noch stundenlang im Tragetuch herumgetragenes Zwergenkind unbedingt auf dem Schoß sitzen aber da auch unbedingt hampeln will. Der Bauchnabel, der nicht abfallen wollte, woraufhin uns die Hebamme schon „der kann sich schlecht von Dingen trennen“ bescheinigte, ist ein ganz perfekter Bauchnabel an einem ganz perfekten Bauch geworden. Der Fleck an der Nase, den ich und Herr Rabe immer wieder wegzuwischen versuchten, war das erste von inzwischen vielen Muttermalen und seit diesem Sommer sind auf der Nase und den Wangen noch Sommersprossen dazu gekommen, die mich wirklich immer aufseufzen lassen vor lauter Niedlichkeit.

Aber nein, Michel ist ja jetzt cool. Schulkinder sind coole Kinder. Schulkinder stehen auf Spiderman und Pokémon und „Schtar Worsch“ und Schlüpfer mit Autos drauf sind plötzlich doof, Krokodile müssen her. Die Brotdose in pink ist doof und die Lightning McQueen-Trinkflasche nur noch akzeptabel, weil man den Aufdruck kaum noch erkennt. Dafür kriegen Schulkinder Taschengeld und sparen auf Lego und die Eltern von Schulkindern müssen jede Woche nachrechnen, wie lange die Schulkinder noch auf den Polizei…dings sparen müssen. Das Fahrrad ist doof, weil man ohne Gangschaltung den Hügel schlecht hochkommt.

Bücher sind aber cool und das freut mich ja doch sehr. Es sind auch alle Bücher cool, am coolsten natürlich Das Verrückte Baumhaus mit [13*n] Stockwerken. Und Herrmann Hule. Und Tiril und Oliver (Detektivbyrå No 2). Und… ok, eigentlich alle Bücher. Noch lesen wir vor, aber ich glaube, das wird sich in spätestens einem Jahr wenden und dann werden die Bücher nicht mehr nur stundenlang und immer wieder angeguckt, sondern dann werden wir wohl in der Bibliothek campieren müssen.

Ach, Großer. Mein Baby. Ich hab dich so lieb. Du bist immernoch ganz perfekt und manchmal erwische ich mich, dass ich auch immernoch denke, du seist ganz zerbrechlich und ich müsse dich vor allem beschützen. Dabei machst du schon alles ganz prima und navigierst ganz sicher durch die Welt. Ich schmunzle ja immer ein bisschen drüber, wenn du ganz fremden Leuten direkt einen Knopf an die Backe laberst, aber eigentlich platzt mein Herz bei jeder deiner erfundenen Geschichten und jeder neuen, bunten und wilden Idee.

Ich hab dich ganz doll lieb.

Murch! Deine Mama.

Tag 1155 – Welch ein Glück…

… dass ich dringend ins Bett gehöre. Sonst würde ich mich noch aufregen. Anlass hätte ich genug, denn ich fuhr heute nach meinem Termin über den ich nicht reden möchte an der Chipsfabrik vorbei um für den italienischen Studenten was abzugeben, dann war das aber ganz falsch da und ich musste nochmal 20 km weiter fahren, dann ist man fast in Schweden aber so ist das eben. Jedenfalls fuhr ich auf dem Parkplatz rückwärts in ein Auto, das da halt stand, mit der Fahrerin drin und tja, dann wohl keine Badewanne für uns erstmal. Könnte man sich jetzt drüber aufregen, aber hilfts? Nein.

Auch echt blöd ist, dass beide Kinder krank sind. Michel mehr als Pippi. Michel hat morgen Geburtstag und wird den wohl zu Hause verbringen und nicht auf seinem nigelnagelneuen Fahrrad zur Schule cruisen. Bei Pippi ist das doof wegen der Op.

Ach ja, die OP. Also. Es ist mitnichten so, dass ich wegen ein, zwei Infekten meinem Kind lustig im Hals rumschnippeln lasse. Sie hat, das habe ich auch hier und hier schon mal ausführlicher geschrieben, Periodisches Fiebersyndrom, eine total sinnlose Krankheit, bei der die Kinder bloß Fieber kriegen und sich scheiße fühlen und das alle drei Wochen. Wenn die Antroposophen recht hätten mit ihren „Entwicklungsschüben durch Krankheiten“ könnten wir Pippi eigentlich schon mal an der Uni anmelden statt im neuen Kindergarten. Gegen diese Krankheit hilft nur Warten (bis zum 10. Lebensjahr wenns blöd läuft) oder die Mandeln zu entfernen. Und weil Pippi außerdem schnarcht wie ein (sehr niedliches) Sägewerk werden die Polypen auch gleich gekürzt, das sollte auch die Infektanfälligkeit noch mal verringern. So eine Operation ist nicht ohne Risiko und auch das weiß ich, auch dass die Mandeln ein Organ des Immunsystems sind, weiß ich auch, aber, Achtung, Anekdote: seit nunmehr 28 Jahren lebe ich ganz gut ohne. Ich bin nicht häufiger, schwerer oder anders krank als der Durchschnitt, jedenfalls nicht im Hals. Dafür konnte ich die Grundschule deutlich häufiger besuchen als den Kindergarten, weil ich nämlich – Überraschung – auch alle paar Wochen krank war bis zu der OP. Also wir hoffen alle sehr, dass die OP gut läuft und dieses blöde Syndrom ein für alle mal beendet, denn was ganz sicher nicht helfen wird, sind irgendwelche Zucker-Weizenpillen. Auch nicht mit Birkenkohle. Das einzige, was wir davon haben, ist ein Kind, das dauernd krank ist *und* jedes mal Pillen reingeschoben bekommt. Und ein leereres Portemonnaie, das haben wir dann auch. Man merkt es vielleicht: ich halte ü-ber-haupt gar nichts von Homöopathie. Nicht bei Beulen, nicht bei Husten, nicht bei seltsamen Fiebererkrankungen, schon mal gar nicht bei schweren Infekten und jede*r, der Homöopathie gegen Krebs anbietet gehört eingesperrt. So, ist das auch mal gesagt.

Jetzt hab ich mich doch ein wenig aufgeregt. Tjanun. Jetzt aber Bett.

Ach ja, ich hab es heute endlich bezahlt, jetzt kann ich Ihnen auch mal das Kleid zeigen.

Entspannte Haltung.

Entspanntes Gesicht. (Es braucht übrigens keine Sicherheitsnadel, aber sie beruhigt ungemein.)

Tag 1074 – Drei Jahre.

Ach, kleine Pippimaus, da bist du schon drei Jahre alt. Eine kleine Maus bist du trotzdem noch. Eine kleine Maus mit großen Füßen. Eine freche Maus, manchmal und eine Maus, die sehr genau weiß, was sie will. Du setzt dich durch, auf alle Weisen, die einer frisch Dreijährigen zur Verfügung stehen. Das sind jetzt nicht unbedingt die Verhaltensweisen, die im Allgemeinen unter Erwachsenen als „sozialverträglich“ gelten, aber im Kindergarten geht das schon noch. Manchmal geht mir kolossal auf den Keks, dass du permanent mit deinem Bruder streitest, aber dann wieder badet ihr zusammen und macht Quatsch, oder ihr steht morgens schon mal auf und spielt oder ihr gebt euch Küsschen und Umarmungen und dann vergesse ich kurz vor lauter hachzen, dass ihr euch gleich wieder die Köppe über irgendwas einhaut. Aber überhaupt und schon seit ewig machst du einfach alle Rübennasigkeit durch geradezu übermäßige Niedlichkeit wett. Dein Papa und ich sagen ganz oft, wenn ihr schon im Bett seid, „Die ist so niedlich!“, wenn wir deine Geschichten teilen. Weils halt einfach wahr ist. Da werden Bärchen aufs Klo gesetzt und gewickelt und schlafen gelegt, Ich werde fürs erfolgreiche Anziehen meiner Socken gelobt oder es wird jedem ganz fair das Essen zugeteilt. Hachja.

Was anderes, was dich ausmacht, ist deine ausgeprägte Selbständigkeit. Du willst alles alleine machen, gut, das ist für dein jetziges Alter ziemlich typisch, aber du ziehst das halt durch. „Gå vekk, Mama!“ kriege ich dann zu hören. Dann kletterst du alleine in den Autositz und wurschtelst deine Arme in die Gurte. Oder du ziehst dich selbst an. Oder du schläfst alleine ein. Heute hast du ein Peppa Wutz-Nachtlicht bekommen und du wolltest allein einschlafen, ich „durfte“ neben dem Bett sitzen. So bist du irgendwann eingeschlafen:

Jetzt also allein einschlafen. Vor zwei Wochen: keine Windel mehr. Von einem Tag auf den anderen und seitdem kann ich die Malheurs immernoch an einer Hand abzählen. Einen Schnuller wolltest du ja eh nie (das fing früh an mit der Willensstärke!) und es braucht wirklich nicht die ständige Versicherung deinerseits, dass du auch gern zur Schule gehen möchtest um zu wissen: du bist schon ein ziemlich großes Kind. Ein kleines, zartes, großes, wildes, fröhliches und ganz und gar wunderbares Kind. Ich freue mich darauf, dich noch größer werden zu sehen, ich bin sicher, da kommen noch viele Geschichten und Anekdoten, die uns „Die ist so niedlich!“ seufzen lassen.

Ich hab dich sehr lieb!

Murch –

Deine Mama

Tag 998 – Legevakt die 578.

Herr Rabes Geburtstag (heute ist er Mitte 30) verlief eigentlich sehr entspannt, wir waren am Vormittag faul* und am Nachmittag am Staudamm, um den wir gehen wollten. Pippi war es dann doch zu weit, Herr Rabe ging also direkt mit ihr zum Spielplatz, während ich mit Michel weiterging. Michel auf dem Rad und ich hinterher. Das war sehr schön, wir haben eine Schnecke gefunden und aus dem Moor in ein trockeneres Fleckchen Klee umgesetzt (gut versteckt, aber Michel hat trotzdem sämtliche Vögel im Umkreis verscheucht) und herausgefunden, dass der Stauteich geleert wird, weil irgendwelche Klappen nicht mehr tun was sie sollen. Man soll in der Zeit bitte die Biber nicht stressen. Dann hätten wir noch eine schöne Unterhaltung über Orientierungsläufe (weil da auch Schilder hingen) und Michel möchte jetzt gern zu den Pfadfindern. Vielleicht hab ich ihm das auch sehr schöngeredet, aber ich hätte das als Kind voll super gefunden und ich bin sicher, das würde er auch. Er plante jedenfalls schon, was er alles auf Zelttouren mitnehmen will (Taschenlampe und Triceratops).

Leider kamen wir zum Spielplatz zu einer heulenden Pippi, die „Aua, Aua!“ brüllte und sich die Hand hielt. Von Herrn Rabe verstand ich nur, sie habe irgendwas gemacht und dann hätte das Gelenk irgendwie Knacks gemacht, Pippi hatte jedenfalls offenbar große Schmerzen und als ich ihr die Jacke auszog, um das gewünschte Placebo-Pflaster aufzukleben, brüllte sie wie am Spieß. Damit war der Ausflug beendet, ich rief vom Auto aus die Legevakt an und äußerte die Vermutung „Ellenbogengelenk ausgerenkt“, es wurde gefragt, ob wir Schmerzmittel gegeben hätten (nein, wie denn, im Wald?) und sollten dann vorbei kommen. Wir waren dann auch schon 5 Minuten später da und während Herr Rabe noch das Auto parkte und uns für die Wartezeit mit Kaffee versorgen sollte, ging ich mit den Kindern rein. Da kamen wir unerwarteter Weise direkt ins Vorzimmer dran, ich erklärte, was passiert sei (die genauere Geschichte war: sie ging an Herr Rabes Hand und ließ sich ganz plötzlich fallen), Michel erklärte, Pippi habe ein Eulenpflaster bekommen, Pippi zeigte ihren Arm nicht sehr freiwillig her und brüllte herum, ich wurde wieder gefragt, ob wir Schmerzmittel gegeben hätten und dann sollten wir warten. Also setzten wir uns hin aber kaum saßen wir, wurden wir schon aufgerufen. Die Krankenpflegerin fragte, ob Pippi Schmerzmittel bekommen habe, Michel erklärte, sie habe ein Eulenpflaster, Pippi murmelte „skikkelig vondt!“ [ordentlich weh] und dann bekam Michel einen Flummi und Pippi ein Radiergummi und eine Haarspange (und keine Schmerzmittel) und wir sollten warten. Dort hatten wir dann eben genug Zeit um ein bisschen die Mitwartenden zu unterhalten „Ich bin Michel und ich bin Fünfeinhalb Jahre alt und das ist Pippi, die hat ein Aua am Arm und ein Eulenpflaster bekommen, ich hab einen Flummi, guck?“ „Ich bin auch fünfeinhalb!“ „Nein, Pippi, du bist nicht fünfeinhalb.“ „Wie alt ist Pippi? Zweieinhalb?“ „Fast drei**.“ „Also zweieinhalb.“ „Ich hab ein Eulenpflaster. Und skikkelig vondt.“ Und grade als sich die übrigen Wartenden überlegten, welches dieser putzigen Kinder sie wohl als erstes klauen wollen würden, waren wir auch schon dran. Der Arzt besah sich den Arm, drehte daran herum, Pippi brüllte wie angestochen und trat dem Arzt ordentlich vors Schienenbein und dann machte der Arm knack und alles war wieder gut. Zum Abschluss schaute der Arzt, ob Pippi den Arm schmerzfrei bewegen könne und zeigte mir die Einrenkbewegung. Und schwups, fertig. Pippi öffnete dann mit dem eben noch bewegungslosen Arm die Tür und wir trafen Herrn Rabe im Vorraum, der grad mit Kaffee, Eis und Gebäck eingetrudelt war. Der ganze Besuch hatte keine 20 Minuten gedauert, das muss Rekord sein. Im Vorraum saßen noch dieselben Leute, wie als wir gekommen waren, und während Pippi ihr Eis schleckte, schwafelte Michel die Wartenden voll „Ich war bei der Schulanmeldung, meine Mama findet keine Arbeit, wir ziehen vielleicht in ein anderes Land, meine Freunde M. und H. sind aber auf der Schule und nächste Woche fliegen wir im Flugzeug, da ist es so warm, dann kann ich Shorts anziehen und Sandalen, ich hab neue Schuhe, aber dafür ist es noch zu kalt und ich bin fünfeinhalb Jahre alt, mein Freund H. ist schon sechs, …“ Datenschutz? Kann man mit solchen Kindern auch vergessen. Wenn der meine Telefonnummer wüsste, würde er die auch jedem auf die Nase binden. Und dann diese Sommersprossen und dieser Wuschelkopf, der ist so niedlich, ich könnte den fressen.

Und dann rastet dieses niedliche Kind beim Abendessen komplett aus, weil die alte Blase an seiner Ferse juckt. Meine Güte. Aber so ist das vermutlich. Mit Fünfeinhalbjährigen.

Jedenfalls lassen Herr Rabe und ich jetzt den Abend noch ausklingen (Herr Rabe mit seiner neuen, total männlich-schwarzen Maske im Gesicht) und gehen dann ins Bett. Die nächste Vier-Tage-Woche ruft.

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Auto-Lobhudelei: mit der Armsache total cool geblieben.

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*Anekdote zum Aufwachen: beide Kinder haben in ihren eigenen Betten durchgeschlafen. Um sieben wurde ich deshalb (?) panisch wach, sicher, beide seien tot. Um zehn nach sieben war mir klar, dass ich eh nicht würde weiterschlafen können, wenn ich nicht gucken gehe. Um zwölf nach sieben lag ich wieder im Bett, mit doppeltem Kinderschnaufen im Ohr und einer kleinen Stimme, die sagte: haha, du Helikoptermutter.

**Am 1. Mai war Pippi exakt so alt, wie Michel am Tag von Pippis Geburt. Das ist auch einigermaßen verrückt.

Tag 941 – 33.

So, nun bin ich also am Ende von Anfang 30. Es war ein rundum schöner Tag, ich durfte ausschlafen, habe Geschenke bekommen (Michel hat mir Geld geschenkt, nämlich Münzen aus seinem „Schatz“, ich bin jetzt also um 2,05€, 0,02£, 11 Kronen und eine selbst gepresste Gedenkmünze aus dem Ringve-Museum reicher, und das ganze hat er mir, ungelogen, mit dem Hinweis „aber nicht alles auf einmal ausgeben“ übergeben), hatte von allen Familienmitgliedern Sportbegleitung (und habe Michel dabei versehentlich einmal volle Möhre in die Eier getreten, aber er sagte, es tue nicht so weh und danach hampelte er wenigstens nicht mehr direkt hinter mir rum), bekam köstlichen Kuchen, wurde von Pippi ganz entzückend angeschnarcht, bekam unzählige super liebe Glückwünsche, war sehr lecker essen und trinke jetzt noch Wein. Von allen Projekten hatte ich heute selbst verordnete Pause und das ist ja auch mal ganz schön.

In diesem Sinne: Prost!

Kaffee und glückliches, kugelrund gefuttertes Kleinkind, das obendrein noch spontan anfing, Happy Birthday zu singen. Hachz!