Tag 1364 – Pittoresk.

Dieses Mal also Inspektion im Süden von Norwegen. Ganz im Süden. Und es ist so schön! Also nicht das Inspizieren, das schon auch auf eine… besondere Art, aber die Gegend hier! Postkartenmotive!

Ich mag meinen immer noch neuen Job. Sehr.

Was heut nicht so schön war (Liste um es loszuwerden und nen Deckel drauf zu machen)

  • Start bei Schnee
  • Landung bei starkem Wind
  • Super viele enge Serpentinen die Berge hoch und runter
    Ein gebrochener Fingernagel

Das war’s, der Rest war einfach richtig gut.

Und jetzt rufe ich mit frisch lackierten Fingernägeln (um die gebrochene Stelle zu verdecken, es wird mir wohl die nächsten Wochen nichts anderes übrig bleiben, als zu lackieren) Herrn Rabe an und knutsche ihn noch mal durchs Telefon zum Geburtstag. In etwas mehr als einem Monat sind wir übrigens 10 Jahre verheiratet, abgefahren, oder?

Tag 1363 – Rödelrödel und ein wenig Aufregung.

Hahahahaha. Ein wenig. Morgen geht es los auf eine komplette Woche Inspektion mit Reise und allem und ich hoffe, ich kann dann gleich mal schlafen, noch sieht es nicht so aus. Der Koffer ist gepackt, da muss nur noch der Kulturbeutel rein (und mein Teddybär, wenn Platz ist, denn auf nichts schlafe ich bequemer, im Zweifel lieber kein Kopfkissen aber den Teddybären als ein blödes Kopfkissen), es gibt keinen Grund weshalb ich so nervös sein sollte. Ok, die Schnecken könnten verhungern, die Blumen vertrocknen, die Kinder traurig sein, aber das hab ich ja eh nicht in der Hand. Herr Rabe könnte auch traurig sein, denn morgen ist sein 63. 36.* Geburtstag, den verpasse ich nun auch nicht unbedingt gern aber auch das stand ja seit Anfang Januar fest. Huffhuffhuff.

  • Ohrringe
    Reisepass
    Handcreme
    Kreditkarte (die echte)
  • müssen noch mit.
  • Wenn ich wenigstens wüsste, dass das mit dem Schlafen noch für mindestens zwei Stunden nichts wird, dann würd ich mir jetzt noch die Fingernägel lackieren. So macht das leider keinen Sinn.
  • Ich wünsche mir, dass ich in, sagen wir, einem Jahr entspannter auf Jobreise gehen kann. (Das heißt nicht Jobreise auf deutsch, oder? Verflixt, ich habe echt immer öfter Probleme, korrektes Deutsch zu formulieren.) Ha! Dienstreise. Also auf Dienstreise möchte ich gern entspannter gehen.
  • Jetzt ein bisschen Meditieren, vielleicht hilft es beim Einschlafen.
  • ___
  • *Michel fragte heute, wie alt Herr Rabe sei. „Fünfunddreißig“ sagte Herr Rabe. „Dann wirst du sekstitre?“ fragte Michel. „Nicht ganz.“ sagte Herr Rabe. „Sekstifire? Nein, Femtifire?“. Noch ist diese Verwirrung rund um größere zweistellige Zahlen für uns Eltern hauptsächlich lustig.
  • Tag 1334 – Geburtstagsfeierei.

    Heute sind wir in die große Stadt gefahren und haben den Geburtstag von MM gefeiert, die schon super große drei Jahre alt ist. Da waren außerdem (natürlich) die Eltern A. und A. und außerdem M. samt Sohn K., der auch gar kein Baby mehr ist. Plus Babykatze. Plus der später direkt aus dem Urlaub kommenden farmor von MM. Es war laut und wild und bunt und einfach ganz wunderbar. Dann fuhren wir eigentlich viel zu spät nach Hause, aber mit Schlafiparty* und viel vor Abfahrt in die Kinder gefüllter Pizza sowie nach einem ganzen halben Tag Gerenne und Getobe hatten wir hier nur noch zwei schlafende Sandsack-Kinder ins Bett zu schleppen.

    Hach, so ein schöner Tag.

    ___

    *Eine Erfindung von uns, wenn die Kinder mit auf „Partys“ im weiteren Wortsinn haben und wir möchten, dass sie im Auto einschlafen. Vor Abfahrt werden die Schlafanzüge angezogen und die Zähne geputzt, für die Autofahrt noch dicke Socken an und fertig. Klappt… bei Pippi immer, bei Michel äußerst selten. Aber trotzdem ist es angenehm, nicht spät zu Hause noch einen übermüdeten Erstklässler in seinen Schlafanzug quatschen zu müssen.

    Tag 1306 – Vierunddreißig.

    Neulich bingten [guckten sehr schnell hintereinander weg alle verfügbaren Folgen] Herr Rabe und ich die Serie „Russian Doll“ auf Netflix. Da gerät an ihrem 36. Geburtstag die Protagonistin Nadia in einen Zeitloop, sie stirbt an diesem Tag und fängt dann wieder auf der Party an. Immer wieder. Einmal sagt jemand: „Das ist ein besonderer Geburtstag für dich, jetzt bist du älter als deine Mutter jemals war!“

    Mit 34 bin ich nun älter als mein Vater jemals wurde.

    Damit zu etwas positivem: ich bin gar nicht tot es war ein sehr schöner, unspektakulärer und ruhiger Geburtstag. Ich habe viele Gratulationen bekommen und mich über jede einzelne sehr gefreut, ich würde von meiner Familie reich beschenkt und durfte ausschlafen. So darf das sein. Große Party dann mal wann anders.

    Was für ein Geburtstagswetter!

    Frühstück! Mit Geschenken!

    Buchstabenkunst.

    Ein Vulkan, der Herzwolken ausspuckt. Ach Michel, du kleiner Herzmensch du.

    Herr Rabe hat gestern noch Tischdeko besorgt.

    Spaziergang in der Sonne, mit Sonnenbrille und Sonnencreme und hach! (Pippi schlief im Wagen, leider nur kurz, sie war nämlich vorher und nachher ziemlich nölig.)

    Kuchen. So lecker! Und die Schoko ist ganz knusprig!

    Wir zocken Mario Cart. Genau genommen zocken die Kinder und ich muss immer übernehmen, wenn Sie sich hoffnungslos festgefahren haben. Ich leide ein wenig unter den unterirdischen Mario Cart-Skills meiner Nachkommen. Da geht noch was.

    Nun gehe ich ins Bett, mit 34. Den Tag unspektakulär beenden.

    Tag 1158 – Kindergeburtstag ohne Motto.

    Nicht dass Sie jetzt denken, ich würde jetzt zur großen Mottogeburtstagskeule ausholen. Nichts läge mir ferner. Ich bewundere bei anderen immer die ausgeklügelten Dekos und Menüs und die Liebe zum Detail und am ehesten seufze ich, weil ich das einfach nicht auf die Kette kriege. Aber sein wir mal ehrlich: mir ist es das auch nicht wert. Wochenlang vorher anfangen zu planen und Deko ordern und Kostüme überlegen, und am Ende weint das Geburtstagskind doch wegen Überforderung wie jedes Jahr und irgendwelche Kinder mögen nur Grillwürstchen und nicht die extra vom Schlachter angefertigten Ninjago-Gesichtswurst-Scheiben, wenn ich für viel weniger Mühe das gleiche Ergebnis haben kann: dann nehme ich, grundsätzlich und in den letzten beiden Jahren besonders, das mit dem Beine hochlegen.

    Bestimmt irgendwie Vandalismus oder so.

    Heute überlegte ich mir spontan, dass man das halbwegs okay-ishe Wetter ja für eine Schnitzeljagd nutzen könnte. Sprach das mit Michel ab und… gebongt. Schnitzeljagd it was. Wenn wir das nicht gemacht hätten, hätte es halt Spiele zu Hause gegeben, Standardsachen, die ich noch aus meiner Kindheit kenne und die wenig bis keiner Vorbereitung bedürfen. So bastelte ich heute Mittag spontan einen Schatz:

    Bei dem Teil mit dem Glitzerkleber übernahm Michel, der neugierig um die Ecke gelugt hatte. Der Glitzerkleber in den dicken Würsten wurde dann auch nicht mehr rechtzeitig trocken und ich glitzerte wegen „Huch, Mist, doch reingepackt!“ so vor mich hin.

    Dann schnitt und riss ich aus einem Reststück signalrotem Sweatstoff Streifen und machte mich kurz nach Ankunft fast aller Gäste auf den Weg.

    Und es war wie erwartet. Die Kinder hatten einen Heidenspaß und liefen wenigstens ein paar der schnellen Kohlehydrate aus den Muffins wieder raus. Sie fanden alle Schnitzel super fix, den Schatz (der ist ja auch brilliant versteckt, quasi unsichtbar) aber erst nach fünf Minuten suchen. Alle waren happy, drei kletterten auf die Schanze und zwei kamen nach einem scharfen „Runter da jetzt sofort!“ in Mommy-Voice auch wieder runter. Das dritte… kam auch irgendwann und ganz, äh, selbstbestimmt wieder runter, aber das wird dann eher nicht so oft zu uns kommen können, sowas geht nicht, während zwei schon mit hängenden Ohren die Schanze wieder runterkommen, noch extra schnell extra weit und extra nah am ungesicherten Rand hochlaufen. Aber egal, es war eben schon richtig schön, die Kinder hatten Spaß und frische Luft und klar, später hat das Geburtstagskind geweint und eins hat was geschenkt, was ich blöd finde und ein Kind mag keine Wiener und eins findet unseren Ketchup eklig und Herr Rabe hat Saft statt Brause gemischt, aber es hatten am Ende doch alle einen tollen Tag.

    Ich glaube, das eine Mädchen ganz in Rosa, die (als einzige) beherzt ihren ganzen Arm in einen morschen Baumstamm steckte und mit mir ein paar riesige, innen schon modrige, Pfifferlinge untersuchte, hat im Gästebad mit meinen Schminkpinseln gespielt, ob bleibende Schäden entstanden sind, sehe ich erst morgen, aber ich finde das gar nicht so dramatisch. Solange es nur die Pinsel sind und nicht die Schminke selbst… und ich merke mir halt vor: besser wegstellen. Und wenn sie nochmal kommt, zeige ich ihr gern was man damit macht und wieso die nicht nass werden sollen.

    Die Horde auf der Suche.

    Doch, es war ein schönes Fest. Und ganz entspannt.

    Tag 1156 – Sechs Jahre.

    Sechs Jahre ist Michel nun alt. Jetzt vor sechs Jahren habe ich glaube ich nicht geschlafen, weil da so ein putziges kleines Minibaby neben mir in diesem komischen Glasbett lag. Da lag es, weil ich furchtbare Angst hatte, es irgendwie kaputt zu machen, dieses perfekte kleine Menschlein mit den perfekten kleinen Zehen und Ohren und dürren Beinchen. Das, neben mir im Bett? Wie ein Walross kam ich mir vor. Ein Walross mit zehn Daumen. Aber er war da, endlich, und er war so klein, viel kleiner, als ich mir das vorgestellt hatte, selbst der westfälisch dicke Babyschädel kam mir winzig winzig klein vor und dass ich mich überhaupt traute, ihn hochzunehmen, kostete einiges an Überwindung.

    Und jetzt ist dieses Minibaby schon sechs Jahre alt und 119 cm hoch, geprüft durch meine sehr Kinderwuchsmesserfahrene Omi. Das Baby mit den vielen schwarzen Haaren hat jetzt eine dunkelblonde Wuschelmähne, die aber ja cool aussehen muss und cool heißt kurz. Das Baby hat sprechen gelernt und Zähne bekommen und dann sind inzwischen zwei Zähne schon wieder ausgefallen und der dritte wackelt. Ein bisschen fühle ich mich um den Schlaf betrogen, den uns diese Zähne damals gekostet haben, das alles für nur fünf Jahre Zahnspaß? Pffft.

    Das Baby mit den dürren Beinchen wurde erst überall sehr rund und dann wieder sehr schlank. Jetzt kann man die Rippen zählen, wenn es vom Klettergerüst baumelt und die Sitzhöcker bohren sich erbarmungslos in meine Oberschenkel, wenn mein eben noch stundenlang im Tragetuch herumgetragenes Zwergenkind unbedingt auf dem Schoß sitzen aber da auch unbedingt hampeln will. Der Bauchnabel, der nicht abfallen wollte, woraufhin uns die Hebamme schon „der kann sich schlecht von Dingen trennen“ bescheinigte, ist ein ganz perfekter Bauchnabel an einem ganz perfekten Bauch geworden. Der Fleck an der Nase, den ich und Herr Rabe immer wieder wegzuwischen versuchten, war das erste von inzwischen vielen Muttermalen und seit diesem Sommer sind auf der Nase und den Wangen noch Sommersprossen dazu gekommen, die mich wirklich immer aufseufzen lassen vor lauter Niedlichkeit.

    Aber nein, Michel ist ja jetzt cool. Schulkinder sind coole Kinder. Schulkinder stehen auf Spiderman und Pokémon und „Schtar Worsch“ und Schlüpfer mit Autos drauf sind plötzlich doof, Krokodile müssen her. Die Brotdose in pink ist doof und die Lightning McQueen-Trinkflasche nur noch akzeptabel, weil man den Aufdruck kaum noch erkennt. Dafür kriegen Schulkinder Taschengeld und sparen auf Lego und die Eltern von Schulkindern müssen jede Woche nachrechnen, wie lange die Schulkinder noch auf den Polizei…dings sparen müssen. Das Fahrrad ist doof, weil man ohne Gangschaltung den Hügel schlecht hochkommt.

    Bücher sind aber cool und das freut mich ja doch sehr. Es sind auch alle Bücher cool, am coolsten natürlich Das Verrückte Baumhaus mit [13*n] Stockwerken. Und Herrmann Hule. Und Tiril und Oliver (Detektivbyrå No 2). Und… ok, eigentlich alle Bücher. Noch lesen wir vor, aber ich glaube, das wird sich in spätestens einem Jahr wenden und dann werden die Bücher nicht mehr nur stundenlang und immer wieder angeguckt, sondern dann werden wir wohl in der Bibliothek campieren müssen.

    Ach, Großer. Mein Baby. Ich hab dich so lieb. Du bist immernoch ganz perfekt und manchmal erwische ich mich, dass ich auch immernoch denke, du seist ganz zerbrechlich und ich müsse dich vor allem beschützen. Dabei machst du schon alles ganz prima und navigierst ganz sicher durch die Welt. Ich schmunzle ja immer ein bisschen drüber, wenn du ganz fremden Leuten direkt einen Knopf an die Backe laberst, aber eigentlich platzt mein Herz bei jeder deiner erfundenen Geschichten und jeder neuen, bunten und wilden Idee.

    Ich hab dich ganz doll lieb.

    Murch! Deine Mama.

    Tag 1155 – Welch ein Glück…

    … dass ich dringend ins Bett gehöre. Sonst würde ich mich noch aufregen. Anlass hätte ich genug, denn ich fuhr heute nach meinem Termin über den ich nicht reden möchte an der Chipsfabrik vorbei um für den italienischen Studenten was abzugeben, dann war das aber ganz falsch da und ich musste nochmal 20 km weiter fahren, dann ist man fast in Schweden aber so ist das eben. Jedenfalls fuhr ich auf dem Parkplatz rückwärts in ein Auto, das da halt stand, mit der Fahrerin drin und tja, dann wohl keine Badewanne für uns erstmal. Könnte man sich jetzt drüber aufregen, aber hilfts? Nein.

    Auch echt blöd ist, dass beide Kinder krank sind. Michel mehr als Pippi. Michel hat morgen Geburtstag und wird den wohl zu Hause verbringen und nicht auf seinem nigelnagelneuen Fahrrad zur Schule cruisen. Bei Pippi ist das doof wegen der Op.

    Ach ja, die OP. Also. Es ist mitnichten so, dass ich wegen ein, zwei Infekten meinem Kind lustig im Hals rumschnippeln lasse. Sie hat, das habe ich auch hier und hier schon mal ausführlicher geschrieben, Periodisches Fiebersyndrom, eine total sinnlose Krankheit, bei der die Kinder bloß Fieber kriegen und sich scheiße fühlen und das alle drei Wochen. Wenn die Antroposophen recht hätten mit ihren „Entwicklungsschüben durch Krankheiten“ könnten wir Pippi eigentlich schon mal an der Uni anmelden statt im neuen Kindergarten. Gegen diese Krankheit hilft nur Warten (bis zum 10. Lebensjahr wenns blöd läuft) oder die Mandeln zu entfernen. Und weil Pippi außerdem schnarcht wie ein (sehr niedliches) Sägewerk werden die Polypen auch gleich gekürzt, das sollte auch die Infektanfälligkeit noch mal verringern. So eine Operation ist nicht ohne Risiko und auch das weiß ich, auch dass die Mandeln ein Organ des Immunsystems sind, weiß ich auch, aber, Achtung, Anekdote: seit nunmehr 28 Jahren lebe ich ganz gut ohne. Ich bin nicht häufiger, schwerer oder anders krank als der Durchschnitt, jedenfalls nicht im Hals. Dafür konnte ich die Grundschule deutlich häufiger besuchen als den Kindergarten, weil ich nämlich – Überraschung – auch alle paar Wochen krank war bis zu der OP. Also wir hoffen alle sehr, dass die OP gut läuft und dieses blöde Syndrom ein für alle mal beendet, denn was ganz sicher nicht helfen wird, sind irgendwelche Zucker-Weizenpillen. Auch nicht mit Birkenkohle. Das einzige, was wir davon haben, ist ein Kind, das dauernd krank ist *und* jedes mal Pillen reingeschoben bekommt. Und ein leereres Portemonnaie, das haben wir dann auch. Man merkt es vielleicht: ich halte ü-ber-haupt gar nichts von Homöopathie. Nicht bei Beulen, nicht bei Husten, nicht bei seltsamen Fiebererkrankungen, schon mal gar nicht bei schweren Infekten und jede*r, der Homöopathie gegen Krebs anbietet gehört eingesperrt. So, ist das auch mal gesagt.

    Jetzt hab ich mich doch ein wenig aufgeregt. Tjanun. Jetzt aber Bett.

    Ach ja, ich hab es heute endlich bezahlt, jetzt kann ich Ihnen auch mal das Kleid zeigen.

    Entspannte Haltung.

    Entspanntes Gesicht. (Es braucht übrigens keine Sicherheitsnadel, aber sie beruhigt ungemein.)