Tag 1441 – Vier Jahre Rübennase 2.

Hach, du kleine Binzesse. Du kleine Rübennase. Du wunderbares, starkes, eigensinniges Mausemädchen. Jetzt vor 4 Jahren ließ ich mich in der Geburtsbadewanne nieder, das war kurz schön. Dass das schon und erst vier Jahre her ist ist ja auch irgendwie beides gar nicht zu glauben. Seither hat sich alles in unserem Leben dreimal auf den Kopf und wieder zurück gestellt, so wie das eben ist mit deiner Mama, da wird’s nicht langweilig. Wir waren zusammen beim Muttisport, in diversen Urlauben, wir waren viel, viel krank auf dem Sofa, in Wartezimmern und am Ende im Krankenhaus. Davon erzählst du immer noch. Langsam kommt das mit der Zweisprachigkeit, nachdem das ja bisher alles nur norwegisch war mit einzelnen Worten als Einschlag. „Jeg skal kinnergarten.“ Dein Akzent im Deutschen ist noch deutlicher als bei Michel, aber ganz ganz niedlich. Mit Michel verbindet dich echte Geschwisterliebe, das ist für uns Eltern oft arrrrgh und genauso oft hachz. Du und Michel seid sehr unterschiedlich, wo Michel eher vorsichtig ist, bist du sofort dabei, du hast gern Leute um dich und findest sofort Freunde an jeder Bushaltestelle. Du singst und tanzt und spielst auf jedem Instrument, was Dir in die Finger gerät, dabei bist du schon sehr musikalisch, finde ich so ganz unvoreingenommen. Du machst gern eine Show und weißt ganz genau, wie du dich in Szene setzen kannst, damit alle Erwachsenen dahinschmelzen. Du bist so putzig, dass ich ganz oft Angst habe, jemand könnte dich ernsthaft mitnehmen. Dann denke ich wieder, die würden dich ja schnell zurück bringen, wenn du dein volles Temperament auspackst, wenn du deinen Willen nicht kriegst mutierst du nämlich ganz schnell vom Mogwai zum Gremlin. Ich mag, dass du so dickköpfig bist, lediglich an der Kommunikation („Ich WILL DAS!!!“) müssen wir noch arbeiten, sowie an der Einsicht, dass gewisse Dinge nicht verhandelbar und nicht von dreivierjährigen bestimmbar sind. Du wirst hoffentlich mal Chefin von irgendwas, weil hoffentlich (hoffentlich, hoffentlich, hoffentlich) niemand dir diese selbstsichere Grundhaltung jemals wegnimmt. Ich werd dafür kämpfen, dass du nicht bossy bist, du bist der Boss. Egal, wie oft ich über deinen Dickschädel ächze: Mama steht hinter dir und feuert dich an, du kleine Einhornkönigin.

(Jetzt vor vier Jahren schon seit 9 Minuten außerbauchig.)

Tag 1440 – Noch nicht bereit.

Morgen also wieder zur Arbeit. Ok, nur eine Woche und ok, es ist fast niemand da, also kann ich im Prinzip machen, was ich will, aber… trotzdem.

Heute wegen unbefriedigendem 1. Versuch (lila-Silber etwa 1:5, Ergebnis: stellenweise weiterhin gelblich) meine Haare noch mal getönt (lila-Silber 1:1) und… hui. Jetzt sind sie halt lila. Mal gucken, wie und wie schnell sich das so rauswäscht, so akut ist das lila-Silber-Verhältnis jedenfalls noch optimierbar. Wie gesagt, es ist niemand da, es wird also im Werk kaum wer bemerken, die zwei die da sind sind allerdings beide unter den allerältesten Semestern, ich hoffe die kriegen keinen Herzstillstand. Interessant jedenfalls bei der Experimentiererei: die nicht-blondierten Haare nehmen die Farbe natürlich kaum an, werden aber sehr schön kalt-dunkelsilbern durch die 1:1-Mischung. Wie gesagt. Mal schauen, wie es sich rauswäscht.

Ebenfalls heute: zum ersten Mal von Herrn Rabe die Haare schneiden lassen. Nur im Nacken/um die Ohren/am Hinterkopf, aber das macht er schon sehr gut, bestimmt könnte er obendrauf auch, aber das hat jetzt eine gute Länge für eine Megan Rapinoe inspirierte Frisur hinzubekommen. Ich feiere diese Frau sehr und wenn sie die noch nicht kennen, Googlen sie die ruhig mal. Morgen mache ich mal im Tageslicht Fotos von Farbe und Schnitt.

Apropos morgen: Morgen ist Pippis Geburtstag. Sie wird das hier von uns bekommen:

Finde ich das schön? Nein. Habe ich ihr das gekauft? Ja. Warum? Sie wird ausrasten vor Freude. Das ist alles was zählt: diesem kleinen, eigensinnigen, wunderbaren Mädchen den Wunsch nach einem riesigen Glitzer-Einhorn erfüllen.

Jetzt ganz schnell schlafen. Morgen klingelt der Wecker wieder viel zu früh.

Tag 1364 – Pittoresk.

Dieses Mal also Inspektion im Süden von Norwegen. Ganz im Süden. Und es ist so schön! Also nicht das Inspizieren, das schon auch auf eine… besondere Art, aber die Gegend hier! Postkartenmotive!

Ich mag meinen immer noch neuen Job. Sehr.

Was heut nicht so schön war (Liste um es loszuwerden und nen Deckel drauf zu machen)

  • Start bei Schnee
  • Landung bei starkem Wind
  • Super viele enge Serpentinen die Berge hoch und runter
    Ein gebrochener Fingernagel

Das war’s, der Rest war einfach richtig gut.

Und jetzt rufe ich mit frisch lackierten Fingernägeln (um die gebrochene Stelle zu verdecken, es wird mir wohl die nächsten Wochen nichts anderes übrig bleiben, als zu lackieren) Herrn Rabe an und knutsche ihn noch mal durchs Telefon zum Geburtstag. In etwas mehr als einem Monat sind wir übrigens 10 Jahre verheiratet, abgefahren, oder?

Tag 1363 – Rödelrödel und ein wenig Aufregung.

Hahahahaha. Ein wenig. Morgen geht es los auf eine komplette Woche Inspektion mit Reise und allem und ich hoffe, ich kann dann gleich mal schlafen, noch sieht es nicht so aus. Der Koffer ist gepackt, da muss nur noch der Kulturbeutel rein (und mein Teddybär, wenn Platz ist, denn auf nichts schlafe ich bequemer, im Zweifel lieber kein Kopfkissen aber den Teddybären als ein blödes Kopfkissen), es gibt keinen Grund weshalb ich so nervös sein sollte. Ok, die Schnecken könnten verhungern, die Blumen vertrocknen, die Kinder traurig sein, aber das hab ich ja eh nicht in der Hand. Herr Rabe könnte auch traurig sein, denn morgen ist sein 63. 36.* Geburtstag, den verpasse ich nun auch nicht unbedingt gern aber auch das stand ja seit Anfang Januar fest. Huffhuffhuff.

  • Ohrringe
    Reisepass
    Handcreme
    Kreditkarte (die echte)
  • müssen noch mit.
  • Wenn ich wenigstens wüsste, dass das mit dem Schlafen noch für mindestens zwei Stunden nichts wird, dann würd ich mir jetzt noch die Fingernägel lackieren. So macht das leider keinen Sinn.
  • Ich wünsche mir, dass ich in, sagen wir, einem Jahr entspannter auf Jobreise gehen kann. (Das heißt nicht Jobreise auf deutsch, oder? Verflixt, ich habe echt immer öfter Probleme, korrektes Deutsch zu formulieren.) Ha! Dienstreise. Also auf Dienstreise möchte ich gern entspannter gehen.
  • Jetzt ein bisschen Meditieren, vielleicht hilft es beim Einschlafen.
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  • *Michel fragte heute, wie alt Herr Rabe sei. „Fünfunddreißig“ sagte Herr Rabe. „Dann wirst du sekstitre?“ fragte Michel. „Nicht ganz.“ sagte Herr Rabe. „Sekstifire? Nein, Femtifire?“. Noch ist diese Verwirrung rund um größere zweistellige Zahlen für uns Eltern hauptsächlich lustig.
  • Tag 1334 – Geburtstagsfeierei.

    Heute sind wir in die große Stadt gefahren und haben den Geburtstag von MM gefeiert, die schon super große drei Jahre alt ist. Da waren außerdem (natürlich) die Eltern A. und A. und außerdem M. samt Sohn K., der auch gar kein Baby mehr ist. Plus Babykatze. Plus der später direkt aus dem Urlaub kommenden farmor von MM. Es war laut und wild und bunt und einfach ganz wunderbar. Dann fuhren wir eigentlich viel zu spät nach Hause, aber mit Schlafiparty* und viel vor Abfahrt in die Kinder gefüllter Pizza sowie nach einem ganzen halben Tag Gerenne und Getobe hatten wir hier nur noch zwei schlafende Sandsack-Kinder ins Bett zu schleppen.

    Hach, so ein schöner Tag.

    ___

    *Eine Erfindung von uns, wenn die Kinder mit auf „Partys“ im weiteren Wortsinn haben und wir möchten, dass sie im Auto einschlafen. Vor Abfahrt werden die Schlafanzüge angezogen und die Zähne geputzt, für die Autofahrt noch dicke Socken an und fertig. Klappt… bei Pippi immer, bei Michel äußerst selten. Aber trotzdem ist es angenehm, nicht spät zu Hause noch einen übermüdeten Erstklässler in seinen Schlafanzug quatschen zu müssen.

    Tag 1306 – Vierunddreißig.

    Neulich bingten [guckten sehr schnell hintereinander weg alle verfügbaren Folgen] Herr Rabe und ich die Serie „Russian Doll“ auf Netflix. Da gerät an ihrem 36. Geburtstag die Protagonistin Nadia in einen Zeitloop, sie stirbt an diesem Tag und fängt dann wieder auf der Party an. Immer wieder. Einmal sagt jemand: „Das ist ein besonderer Geburtstag für dich, jetzt bist du älter als deine Mutter jemals war!“

    Mit 34 bin ich nun älter als mein Vater jemals wurde.

    Damit zu etwas positivem: ich bin gar nicht tot es war ein sehr schöner, unspektakulärer und ruhiger Geburtstag. Ich habe viele Gratulationen bekommen und mich über jede einzelne sehr gefreut, ich würde von meiner Familie reich beschenkt und durfte ausschlafen. So darf das sein. Große Party dann mal wann anders.

    Was für ein Geburtstagswetter!

    Frühstück! Mit Geschenken!

    Buchstabenkunst.

    Ein Vulkan, der Herzwolken ausspuckt. Ach Michel, du kleiner Herzmensch du.

    Herr Rabe hat gestern noch Tischdeko besorgt.

    Spaziergang in der Sonne, mit Sonnenbrille und Sonnencreme und hach! (Pippi schlief im Wagen, leider nur kurz, sie war nämlich vorher und nachher ziemlich nölig.)

    Kuchen. So lecker! Und die Schoko ist ganz knusprig!

    Wir zocken Mario Cart. Genau genommen zocken die Kinder und ich muss immer übernehmen, wenn Sie sich hoffnungslos festgefahren haben. Ich leide ein wenig unter den unterirdischen Mario Cart-Skills meiner Nachkommen. Da geht noch was.

    Nun gehe ich ins Bett, mit 34. Den Tag unspektakulär beenden.

    Tag 1158 – Kindergeburtstag ohne Motto.

    Nicht dass Sie jetzt denken, ich würde jetzt zur großen Mottogeburtstagskeule ausholen. Nichts läge mir ferner. Ich bewundere bei anderen immer die ausgeklügelten Dekos und Menüs und die Liebe zum Detail und am ehesten seufze ich, weil ich das einfach nicht auf die Kette kriege. Aber sein wir mal ehrlich: mir ist es das auch nicht wert. Wochenlang vorher anfangen zu planen und Deko ordern und Kostüme überlegen, und am Ende weint das Geburtstagskind doch wegen Überforderung wie jedes Jahr und irgendwelche Kinder mögen nur Grillwürstchen und nicht die extra vom Schlachter angefertigten Ninjago-Gesichtswurst-Scheiben, wenn ich für viel weniger Mühe das gleiche Ergebnis haben kann: dann nehme ich, grundsätzlich und in den letzten beiden Jahren besonders, das mit dem Beine hochlegen.

    Bestimmt irgendwie Vandalismus oder so.

    Heute überlegte ich mir spontan, dass man das halbwegs okay-ishe Wetter ja für eine Schnitzeljagd nutzen könnte. Sprach das mit Michel ab und… gebongt. Schnitzeljagd it was. Wenn wir das nicht gemacht hätten, hätte es halt Spiele zu Hause gegeben, Standardsachen, die ich noch aus meiner Kindheit kenne und die wenig bis keiner Vorbereitung bedürfen. So bastelte ich heute Mittag spontan einen Schatz:

    Bei dem Teil mit dem Glitzerkleber übernahm Michel, der neugierig um die Ecke gelugt hatte. Der Glitzerkleber in den dicken Würsten wurde dann auch nicht mehr rechtzeitig trocken und ich glitzerte wegen „Huch, Mist, doch reingepackt!“ so vor mich hin.

    Dann schnitt und riss ich aus einem Reststück signalrotem Sweatstoff Streifen und machte mich kurz nach Ankunft fast aller Gäste auf den Weg.

    Und es war wie erwartet. Die Kinder hatten einen Heidenspaß und liefen wenigstens ein paar der schnellen Kohlehydrate aus den Muffins wieder raus. Sie fanden alle Schnitzel super fix, den Schatz (der ist ja auch brilliant versteckt, quasi unsichtbar) aber erst nach fünf Minuten suchen. Alle waren happy, drei kletterten auf die Schanze und zwei kamen nach einem scharfen „Runter da jetzt sofort!“ in Mommy-Voice auch wieder runter. Das dritte… kam auch irgendwann und ganz, äh, selbstbestimmt wieder runter, aber das wird dann eher nicht so oft zu uns kommen können, sowas geht nicht, während zwei schon mit hängenden Ohren die Schanze wieder runterkommen, noch extra schnell extra weit und extra nah am ungesicherten Rand hochlaufen. Aber egal, es war eben schon richtig schön, die Kinder hatten Spaß und frische Luft und klar, später hat das Geburtstagskind geweint und eins hat was geschenkt, was ich blöd finde und ein Kind mag keine Wiener und eins findet unseren Ketchup eklig und Herr Rabe hat Saft statt Brause gemischt, aber es hatten am Ende doch alle einen tollen Tag.

    Ich glaube, das eine Mädchen ganz in Rosa, die (als einzige) beherzt ihren ganzen Arm in einen morschen Baumstamm steckte und mit mir ein paar riesige, innen schon modrige, Pfifferlinge untersuchte, hat im Gästebad mit meinen Schminkpinseln gespielt, ob bleibende Schäden entstanden sind, sehe ich erst morgen, aber ich finde das gar nicht so dramatisch. Solange es nur die Pinsel sind und nicht die Schminke selbst… und ich merke mir halt vor: besser wegstellen. Und wenn sie nochmal kommt, zeige ich ihr gern was man damit macht und wieso die nicht nass werden sollen.

    Die Horde auf der Suche.

    Doch, es war ein schönes Fest. Und ganz entspannt.