Tag 894 – Ich mach das!

Das ist einer der häufigsten Sätze von Pippi. Sie kann jetzt „Ich“ sagen, statt ihres Namens, und natürlich lässt sie da voll das kleine Geschwisterchen raushängen: „Ich auch!“ und „Das ist MEINS!“ (Vorher sagte sie „das ist Pippi mein seins!“ und das war eigentlich auch sehr sehr niedlich.) sind auch hoch im Kurs. Und halt „Ich mach das!“ in diesem wütenden „Ich brülle gleich alles zusammen, wenn du noch länger versuchst, mir die Schuhe anzuziehen!“-Ton, den auch nur Zweijährige so authentisch drauf haben.

Ansonsten kann sie „Ich“ nur in Verbindung mit „bin“ und zwar auf Norwegisch. „Jeg er“, das hört sich aus ihrem Mund dann wie „Yeah yeah“ an. Und weil sie eben noch keine anderen Hilfsverben kann, wie „wollen“ oder „haben“, kommen da lustige Kombinationen bei raus. Satz Nummer eins: „Ich bin Banane.“. „Yeah yeah Nane.“ „Ich bin Hunger.“, „Ich bin Papa/Mama/Peppa Wutz.“, „Ich bin Joghurt.“, „Ich bin malen.“ und heute neu, der bisher längste Satz: „Ich bin Kaplette Mund nehmen.“ (über ihre abendliche Eisentablette, die sie wie jeden Abend noch im Bett in der Hand hatte).

Weiterhin singt Pippi immernoch sehr gern und, für so ein kleines Kind, echt gut. Sie hat offenbar ein Gehör für Melodien und ein Gespür für Rhythmus. Und neuerdings denkt sie sich selbst Lieder aus und nervt Michel damit zu Tode, wenn sie „Pippi, Matti, Jenni, Bukke Buuuuuse!“ in Dauerschleife trällert, während ich nur denken kann, was für ein tolles, kreatives Kind sie ist. Auch beim vierhundertsten Mal Lille Kattepus/Vader Jakob/Bæ, bæ lille lam/Lille Petter Edderkopp und wie sie alle heißen. Nur beim Tip-Toi-Stift muss ich manchmal ihre Kopfhörer holen, weil mich manche von den Stimmen so nerven, aber nie ihre (wenn sie singt. Wenn sie schreit, schon).

Auch neu heute: ein Witz. Pippi ist eh ein kleiner Clown und tut zum Beispiel seit ein paar Wochen bei jeder Autofahrt so, als sei sie eingeschlafen. Grinsend kneift sie dann die Augen zusammen und macht kleine Schnarchgeräusche. Es ist so niedlich! Heute übernachtete Michel wieder bei seinem besten Freund und Pippi drehte beim Frühstück voll auf. Endlich stahl ihr mal keiner die Show. „Ha-ha-haaa-haaa…Ei!“ machte sie plötzlich. Und schob sicherheitshalber hinterher: „Das war Ei-Hatschi!“.

Hachz. Die ist echt so niedlich. Wenn sie einem nicht grad Sachen an den Kopf haut, weil man sie nicht den Fünfpunktgurt am Kindersitz schließen lässt.

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Auto-Lobhudelei: aus Stoffresten, die jetzt endlich stark dezimiert sind, Mützen, Buffs und ähnliches für die ganze Familie genäht. Es sind nämlich auch -10 Grad draußen.

Tag 893 – Schon wieder.

Genervt von mir selbst. Ich bin weinerlich und reizbar und das einzige gute heute war die viertel Stunde die ich spontan an der Nähmaschine verbracht habe.

Gebacken habe ich auch, aber heute ist so ein Tag, da denke ich nur: das interessiert doch keine Sau. Und die Brötchen sind eh hässlich geworden. Der eine Brot-Teigling war schon verhautet und ist nicht so schön aufgegangen, den anderen hatte ich falschrum zur Gare gestellt und der ist deshalb nicht schön aufgerissen. Ich bin schon echt ne Heldin.

Ich wär so gern positiver. Echt. Aber: nee. Jedes Mal wenn ich gezwungen werde, über meine Situation* zu sprechen (weil es Leute halt interessiert, wie es hier so weitergeht), erzähle ich so und höre mich reden und denke: scheiße. Das ist echt alles bescheiden hoch drei. Und da locker-flockiges schreiben, fällt mir schwer.

Ich versuche es. Versprochen.

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Auto-Lobhudelei: ach…

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Ok, nochmal: Auto-Lobhudelei: Das Back-Soll ganz und das Näh-Soll fast erfüllt. Wocheneinkauf in 40 Minuten in 2 Läden erledigt. Leckere Bolognese-Sauce gekocht.

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*arbeitslos. Fucking arbeitslos. Das Amt kann mich theoretisch zwingen, ne Ferienvertretung im Kliniklabor Namsos anzunehmen, wenn ich sie angeboten bekäme. Das fühlt sich schon nach drei Wochen echt furchtbar an und wird wohl noch ne Weile so weitergehen. Hilfe? Nö. „Sie können selbst in Arbeit kommen.“ Ja. Falls ich darüber nicht die Nerven verliere.

Tag 891 – Nichts getan, nichts zu sagen.

Ein Kleid habe ich fertig genäht und ich sage es mal so:

– ich werde nie wieder das Kontrollquadrat nicht nachmessen

– ich werde nie wieder Taschen aufnähen, bevor das Ding ansonsten fertig ist, schon mal gar nicht mit einem Dreifach-Stich

– ich werde vielleicht nie wieder was anderes als Salat essen, damit ich weiter in das Kleid passe, das eigentlich „lässig und bequem“ hätte sein sollen

– meine Laune war schon mal besser

Sonst war nix. Langlauf ist wegen Magen-Darm im Haus meiner Kollegin ausgefallen. Hurra für Salat.

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Auto-Lobhudelei: mich von dem Satz „Ich dachte, Sie wären eh in der Gegend, wieso jetzt Reiserechnungen?“ nicht komplett aus der Fassung bringen lassen und das „Arschgesicht“ nur gedacht.

Tag 890 – Kurze Schnipsel.

Schon spät und ich fühle mich tatsächlich schon müde (Tadaaaaa, Fanfaren und so!), deshalb heut nur Halbgares.

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Habe mir – aus Gründen – heute viele Gedanken zum Sport gemacht. Morgen gehe ich Ski fahren (Langlauf). Zusammenhang nicht ausgeschlossen und demnächst vielleicht mehr.

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Bei der Endokrinologischen Poliklinik gewesen. Kurz gesagt: die Medikamente schlagen an, aber dieses Mal wirken sie schon nicht mehr sooooo durchschlagend wie bei der ersten Runde. Auch deshalb wird auf jeden Fall kein drittes Mal damit behandelt. Ich soll mir Gedanken über eine „endgültige Therapie“ machen – also Entfernung der Schilddrüse. Außerdem habe ich eine Überweisung zur Augen-Poliklinik bekommen um abchecken zu lassen, weshalb ich auf Selfies ein Auge mehr offen hab als das andere, im Spiegel aber nicht. Insgesamt ein erfolgreicher Termin, denn mir klang noch die Aussage meiner Freundin in den Ohren (hat auch Graves): „Mir hat der Arzt in der Poliklinik gesagt, das kann oft wiederkommen, aber am Ende wird man gesund.“. Ich finde die bloße Vorstellung, die nächsten ~15 Jahre im 3-Jahres-Rhythmus Rückfälle zu haben, Monatelang am Rad zu Drehen, mit dem Gewicht Achterbahn zu fahren und immer die Angst, dass die Aufen betroffen werden könnten, total gruselig. Endgültige Therapie (mein Hirn will immer Endlösung draus machen, MACH DAS NICHT, HIRN!) klingt zwar auch nicht schön, aber allemal besser als das. Hmmhmm.

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Datum für die Defense steht fest: 22.06. Badumm, Tsss.

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Traf einen Kollegen und verquatschte mich im Flur: selbst als Post-doc hat er nicht mehr so richtig Bock auf Science. Unsere Arbeitsgruppe scheint Leuten die Lust an Wissenschaft zu rauben. Tjanun. Ich bin da raus. Selbiger Post-doc sagte übrigens, dass die Defense bei uns nicht mehr als sechs Monate nach der Abgabe SEIN DARF. Schön.

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Ich mag keine Anrufbeantworter und welche, die die Zeit zum draufsprechen auf 30 Sekunden begrenzen, erst recht nicht. Peinliche Nachricht hinterlassen: ohne Name (glaube ich) und mit vielleicht nur halber Telefonnummer wegen Zeit. Und dabei hatte ich wirklich nicht viel gesagt. Hrmpf.

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Auf dem Weg vom Kindergarten nach Hause unseren Fahrradanhänger gefunden. Hingeworfen in eine Ecke. Weil es schon dunkel war, fand ich den Schiebebügel nicht, ansonsten ist das Ding aber im gleichen Zustand wie am Sonntag. Und soll ich Ihnen mal was sagen: diese Achtlosigkeit ärgert mich fast noch mehr als hätte ich demnächst ne finanziell schlecht gestellte Person damit ihre Kinder rumfahren sehen. Nicht fast. Es ärgert mich noch mehr, denn es ist rücksichtslos und gedankenlos und zeigt meinem Wertesystem den Stinkefinger.

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Genäht. Ich glaube, nachdem ich noch fünf Stellen nachgebessert hab, ist der eine Pulli endlich wirklich fertig.

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PMS heute deutlich besser. Hurra!

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Muss Schluss machen. „Mama? Banane. Ginkem.“

Tag 889 – Zäh und ätzend.

Ist es ein Kopfschmerz?

Ist es eine schlechte Laune?

Nein! Es ist PMS!

(Vermutlich.)

Es ist früh dran, wir werden sehen, wie lange es bleibt und wie dringend da der Handlungsbedarf ist. In jedem Fall besteht welcher. Ist ja auch ne Einsicht.

Jedenfalls machte es mir den Tag heute schwer. Haben Sie mal versucht, alles hassend, allen voran sich selbst!, Bewerbungen zu schreiben? Wenn’s nur irgendeine gewesen wär, aber diese hier war mir wichtig und die werde ich modifiziert auch noch mehrmals an das gleiche Unternehmen schicken, denn da sind mehrere sehr ähnliche Post doc-Stellen ausgeschrieben. Und die heute, die erste, das ist die beste von denen und das Unternehmen ist jetzt aber auch nicht grad bekannt dadurch, Underachiever einzustellen, also: hui. Huiuiui. Ich habe schlussendlich nach Mittagessen, Dusche, drei Kaffee und einer Kopfschmerztablette doch noch etwas geschafft, mit dem ich zufrieden bin. Ich würde mich einstellen – und das sage ich nicht oft. Aber der Weg war steinig heute.

Dazu kam:

  • Mahnung über die längst bezahlte Miete.
  • Nervige Korrespondenz mit der Mietmakleragentur, über die die Wohnung hier gemietet ist. Fazit: Verlängerung nur um zwei Monate (bis Ende April) möglich, danach muss ein neuer Vertrag her, mit dem wir uns dann wieder eine ewig lange Kündigungsfrist ans Bein binden.
  • SAS stellt sich quer, mich für die gecancelten Flüge zu entschädigen.
  • Nachricht, wann meine Defense sein wird: am 22. *grobe Flüche einfügen* JUNI. Aus Gründen, aber: ALTER!!! Das sind noch mehr als 5 Monate, what the actual eff. 5 Monate, um wirklich sicher zu gehen, dass ich verrückt werde. Ich hasse es. In Kombination mit dem zweiten Punkt besonders prickelnd.

Darf ich in meiner pessimistischen, misanthropischen Grundhaltung mal kurz was prophezeien? Nein? Mir egal: die Versicherung wird nicht für die gestohlenen Sachen aufkommen, die Firma mit dem vergeigten Vorstellungsgespräch nicht für die Reisekosten aufkommen, SAS wird einfach weiter behaupten, das Wetter war schuld und das Restaurant wird am 22.06. nicht können, weil die Cousine des Schwagers des Inhabers da heiratet. Und Job kriegen/Umziehen/KiTa-Plätze besorgen wird die Hölle auf Erden.

So, dann wäre ich jetzt bereit, mich positiv überraschen zu lassender wenigstens sagen zu können: tja, hab ich ja gesagt, dass es so kommen wird.

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Auto-Lobhudelei: Bewerbung geschrieben, nur kurz wegen des Datums für die Verteidigung geheult, nichts angezündet.

Tag 888 – Tatsächlich ein Tag für Schnaps.

Heute morgen, es war alles etwas hektisch. Gestern Nacht hatte es so laut* gestürmt, dass ich vor irrationaler „Ach du kacke, was, wenn der Wind die Fenster eindrückt/den riesigen Baum umwirft/Flugzeuge aufs Dach pustet?!?“-Gedankenmacherei nicht so richtig entspannt geschlafen habe. Jedenfalls kam ich mit Pippi und dem Auftrag „setz‘ sie schon mal in den Anhänger“ die Treppe runter und stolperte fast über das Stützrad vom Anhänger. Das lag da einfach auf dem Boden rum, mitten im Weg. Moment? War es vom Anhänger abgefallen? Das macht keinen Sinn, das ist da mit so nem verfluchten Schnappbolzen, der mich schon einige Fingernägel gekostet hat, dran fest gemacht. Dran fest – aber wo?

„Äh, Felix? Ist geklaut!“ rief ich ins Treppenhaus wieder hoch.

Damn. Ist tatsächlich in der Nacht, in der eh alles klapperte und dengelte und laut war, in unseren Hausflur eingebrochen und hat den Anhänger geklaut. Den ollen, auseinanderfallenden Anhänger, den ich in ein paar Monaten, wenn wir egal wohin umziehen, auf den Schrott gebracht hätte, weil der echt zu kaputt zum Verschenken ist! War. Ist. Dafuq? Ich nehme an, der (einzelne) Mann (oder die Frau mit sehr großen Füßen) hat ihn an Herrn Rabes Fahrrad (Jupp…) gehängt, um meine ja doch schwere Fahrradbatterie (Aaaargh!) zu transportieren. Der Fahrradcomputer (Augenrollen) ist ja klein, der passt in die Jackentasche.

Weshalb ich annehme, dass es ein Mann war. CSI Trondheim ermittelt.

Wir haben jetzt also keinen Fahrradanhänger mehr und kein Fahrrad, das zu 100% einsatzbereit ist. Der Kinderwagen steht in der Wohnung (alter, der hat über 1000€ gekostet, das ist dem vielleicht nicht bewusst gewesen oder er hatte keine Möglichkeit, ihn mitzunehmen, aber: Puh!), die Kinderfahrräder und Schlitten wandern gleich noch in den Keller. Die Hintertür wird repariert, ich werd vermutlich auch heute Nacht nicht so ganz toll schlafen und muss mich zusätzlich zu allem anderen nun auch noch mit Polizei (Anzeige heute direkt erledigt, die Polizei macht da genau gar nix, leitet es aber immerhin direkt an die Versicherung weiter) und Versicherung rumschlagen, mein Rad reparieren lassen (die Batteriehalterung ist, da die Batterie ja abgeschlossen war, durch die grobe Gewalt einfach zerbrochen) und den Kindern, vor allem Michel, versichern, dass das gar nicht schlimm ist, dass die Polizei die Diebe nicht einfängt. Dabei finde ich das ja auch zwar verständlich, aber schlimm.

Achgnarfz. Jetzt ist dann auch mal genug Mist passiert, für die nächsten, hmmm, drei Jahre ca.

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Auto-Lobhudelei: einen Teil der Wut in Energie umgemünzt und Bewerbungen quasi am Fließband generiert. Tjanun, wenn die Stellen super ähnlich sind, nur einmal mit øko vorne (und je einmal befristet/fest angestellt), und ich von beidem keine Ahnung hab und deshalb auf meine außerordentlich schnelle Auffassungsgabe und mein Engagement und meine Motivation, meine Fähigkeiten zum Wohle der Gesellschaft/Umwelt einzusetzen poche, dann geht sowas fix. Außerdem will das NAV (Arbeits-/Sozialamt) halt ne bestimmte Anzahl an Bewerbungen sehen und ich weiß nicht, ob diese Anzahl die internationalen mit einschließt, also: auf, auf. Ging heute recht gut.

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*ja genau. Ein Teil des Lärms war gar nicht der Sturm.