Tag 1687 – Corontäne Tag 14.

Huff, schon 2 Wochen! Erst 2 Wochen!

Heute war wenig los. Ich hab für die Nachmittagsarbeit den Bildschirm aufgebaut, jetzt haben wir quasi zwei Arbeitsplätze (der Stuhl ist da aber ganz und gar nicht ideal, vielleicht hole ich doch noch meinen Stuhl aus dem Werk).

Solange Kaffee da ist, ist alles gut.

Ansonsten heute aus Gründen rausgefunden, wie das mit Kindkrank-Tagen dieses Jahr läuft und wie mit Kurzarbeit* und vielleicht ist doch kein so guter Zeitpunkt, um ein neues gebrauchtes Auto zu kaufen. Hmmseufz.

Die Arbeitssache eskaliert weiter ein wenig. Immerhin heißt das, dass ich was zu tun hab, insofern keine Klagen hier.

Sonst war nix.

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*anders** als sonst, wegen Corona. Coronhier, Coronda, Coronüberall.

**sozialer, großzügiger, den Staat mehr kostender***

***I <3 den Sozialstaat hier grad so hart

Tag 1670 – Waaaaaaaegschaffen.

Huff huff. Zu viel zu tun, da werden Mails auch mal etwas unwirscher schneller beantwortet. Die nächsten vier Tage Inspektion machen es nicht besser, keine Zeit keine Zeit und überall Coronavirus. 192 übrigens. Spannend: man weiß bei 3 noch nicht, wo sie sich angesteckt haben. Gut, dass ich morgen erst mal flüchte in ein Fylke mit nicht mal halb so vielen Fällen reise.

Inzwischen läuft das Packen für Jobreisen schon recht routiniert. In einem anderen Leben hab ich dann echt alles doppelt, jetzt hab ich vieles einfach in klein. Außerdem haben sich bewährt: Cremedeo in Minidöschen abgefüllt und Haarpuder statt Wachs. Der Reiserucksack bzw seine Bestandteile: eine Mappe für Blusen (die darin tatsächlich halbwegs knitterfrei bleiben) und ein Dings Cube, in dem man Shirts, Socken, Unterwäsche und 23 Strumpfhosen sehr einfach und klein zusammenpacken kann, machen das Packen auch schon deutlich einfacher und platzsparender. Juhu!

Vielleicht hab ich mir doch was eingefangen, oder es ist ein neues Feature von Kater oder aber meinem Zyklus, dass ich mich einmal im Monat krank fühle, ohne es zu sein. Temperatur normal, aber Kreislauf wegen nonexistentem Blutdruck (und nem Ruhepuls von unter 60, ich sag ja, die Schilddrüsenblockerdosis ist zu hoch), dazu seltsame Verdauung (nix schlimmes, nur Gegrummel, harter Blähbauch und diffuses Übelkeitsgefühl). Das hatte ich halt vor exakt einem Monat auch schon mal, deshalb die Vermutung, es könnte am Zyklus liegen. Was es auch ist: ich möchte es nicht und es soll weggehen.

Tag 1667 – 113.

Noch sieht es aus, als würde unsere Inspektion nächste Woche stattfinden. (Ehrlich, wenn umsonst im März, an meinem Geburtstag, nach Ortdernichtgenanntwerdendarf fahre, oder, nicht auszudenken, dort in Quarantäne muss, zünde ich was an.)

113 insgesamt, 25 davon in Viken, wie unser Fylke jetzt heißt*. 23 in Oslo. Es ist alles sehr schön.

Übrigens brauchen nicht nur Krankenhäuser Mundschütze und Desinfektionsmittel, sondern auch pharmazeutische Hersteller steriler Medikamente, darunter Krankenhausapotheken. Sonst haben die Krankenhäuser irgendwann nix mehr zum Verabreichen. Das ist auch sehr schön.

Zweite Zyklushälfte, ick hör dir trapsen. (SCHÖN! VOLL SUPER!)

Immerhin bin ich so in der passenden Stimmung für den Frauenkampftag.

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*wir hatten eine große Umorganisierung in Norwegen, in deren Zuge diverse Fylke zusammengelegt, anders aufgeteilt und umbenannt wurden. Mich macht daran vor allem fertig, dass ich das erst in der Wetterapp mitbekommen habe. Ich sollte wohl wirklich eine norwegische Zeitung abonnieren oder norwegische Nachrichten gucken, aber wann und wie, ich lese ja nicht mal mehr regelmäßig die Blogs meiner Freunde und Bekannten da draußen.

Tag 1666 – Schnipsel.

Hatte heute morgen Lust, beim Sport Musik zu hören. War aber nicht alleine und hab das deshalb gelassen.

Eine Beobachtung aus nun 2 Monaten recht regelmäßigen Trainings im Fitnessraum des Werks (und des Zolls): die allermeisten wärmen sich vorm Sport nicht auf und niemand sich ab. Direkt auf die Gewichte, fertig, los. Ist das eine Legende, dass man sich aufwärmen und nach dem Sport dehnen sollte?

Noch eine Beobachtung: ich kann Stöhner echt nicht ausstehen. Schnaufen geht noch halbwegs, aber die Sorte Mensch, die bei jeder Bewegung Grunz- und Stöhnlaute ausstößt, die kann bitte zu anderen Zeiten trainieren, finde ich. So… samstags.

Pippi hat heute I., der Mutter von B., erzählt, was Herr Rabe und ich machen, wenn sie und Michel bei der Babysitterfamilie übernachten (zuletzt vor Weihnachten, nächstes Mal nach Ostern, welch Dekadenz!), nämlich: tanzen. Und falls Pippi Sie mal fragt, was Erwachsene machen, wenn die Kinder nicht da sind, wissen Sie jetzt auch, was Sie antworten. Tanzen.

(Bevor sie „tanzen“ sagte, brach mir kurz der Schweiß aus, ehrlich gesagt. Auch, weil wir grad vom Klo kamen, weil Pippi musste, und sie mir da Vorträge über die Behaarung erwachsener und kindlicher Vulven anhand naheliegender Beispiele gehalten hatte.)

Pippi hat grad eine ausgeprägte Laberphase. Solche haben wir mit Michel ja schon mehrmals durch, insofern sind wir abgehärtet. Lustig ist, dass es Michel total stört. Die Schnitzel, die mir Michel schon an den Rücken gelabert hat, muss Pippi erst mal aufholen.

Bei der Arbeit stapelt sich alles bis unter die Decke, da kommt Corona (86, niemand ersthaft erkrankt oder im Krankenhaus) grad recht: einige internationale Meetings und andere Dinge fallen aus, das heißt, Leute sind plötzlich doch gar nicht sonstwo sondern im Werk und haben dazu noch nen leeren Terminkalender.

Tag 1660 – Speziell.

Meh, Geheimhaltung. Ich wollte so gern erzählen, dass ich mich im Beruf weiter spezialisiere und hoffentlich bald was machen kann, was tatsächlich meiner Ausbildung deutlich näher kommt als der einer Pharmazeutin (hihi), aber. Geheim, geheim.

Wir haben jetzt einen Notified Body in Norwegen und alle so Yeah. Das haben wir heute zum gefühlt vierten mal gefeiert. Ich hätte irgendwie lieber gearbeitet, ich bin nämlich heute mal wieder wegen tausend anderer Sachen nicht mit den sich eh schon auf dem Schreibtisch und in der Outlook-Task-Liste stapelnden Aufgaben fertig geworden. Uffz.

Weiter keine Leichtigkeit. Nichts verändert, aber mehr Zeit, drüber nachzudenken, da Inspektion erledigt.

(Ich bin so müde, ich fürchte die Schilddrüsenblocker sind überdosiert. So schön, dass ich einen guten Dialog mit meiner Hausärztin habe, die mich ständig auf dem Laufenden hält um die Dosis schnell ändern zu können*.)

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*ich habe seit „die Werte sind schon viel besser“ vor zwei Wochen nichts mehr gehört. Weder Werte, noch Dosis-Anpassung, noch, wann ich eine neue Probe abliefern soll. Bin dezent angepisst.

Tag 1652 – Minus vier.

Die Fähnchen fangen an, so lange überfällig zu werden, dass sie sich selbst erledigen. Das ist ziemlich doof aber so lerne ich vielleicht priorisieren und wegdelegieren. Heute, während ich mit den Fähnchen kämpfte, wollte sich mir ein weiteres Fähnchen aufdrängen und ich hab es eiskalt an unsere gemeinsame Mailbox weitergeleitet mit den Worten „kann das wer anders machen, ich komme nicht vor nächster Woche Freitag dazu, das überhaupt anzuschauen.“

Ächz.

Aber immerhin hab ich heute vier Fähnchen grün gemacht und ein weiteres rosa (also teilweise bearbeitet). Einfach runterarbeiten und auch mit der 90%igen Ausführung vorläufig zufrieden sein muss ich auch noch lernen, aber grad geht es nicht anders, nur halt nicht zufrieden sondern zähneknirschend.

Arbeite beim Staat, haben sie gesagt. Da kann man ne ruhige Kugel schieben, haben sie gesagt.

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Hanau macht betroffen und ich mir Sorgen um diejenigen meiner Freunde und Freundinnen, die rassistische Diskriminierung erfahren. Ich kann nicht aufhören, an die Familien der Opfer zu denken und daran, dass der Täter nicht mal mehr bestraft werden kann.

Nazis raus. Alle, überall.

Den Anfängen kann man nicht mehr wehren, dazu ist es viel zu spät und so richtig gab’s ja auch kein Ende vorher.

Tag 1651 – Strategisch unklug die 2.

Merke: wenn die To-Do-Liste schon überall rote Fähnchen anzeigt, und mehr als genug Dinge für fünf Tage in vier gequetscht werden wollen, ist es total dämlich echt nicht schlau, dann auch noch einen Drittel Arbeitstag mit einem Frühstücksseminar über ein zwar interessantes, aber auch für die Arbeit ziemlich irrelevantes Thema zu vergeudenbringen.

Jedenfalls werden wir in der Zukunft und wenn es nach den Vortragenden geht wohl folgende Dinge essen:

  1. Genveränderte Pflanzen
  2. Essen aus dem Replikator 3-D-Drucker
  3. Fleisch aus im Labor vermehrten Muskelzellen
  4. Insekten

Ich halte 1 und 4 für sehr wahrscheinlich und denke, das wird auch nicht mehr lange dauern. 1 schon allein deshalb weil wir dauernd genveränderte Pflanzen essen (oder wie dachten Sie, wie sich aus wildem Senf Brokkoli entwickelt hat?) und neue Methoden des Gen-Editierens (vornehmlich CRISPR/Cas9) sehr viel sicherer, robuster und schneller sind als herkömmliche (Strahlung und dann mal gucken). 4 weil warum denn nicht, ob ich nun ne Grille oder eine Krabbe esse ist nun auch kein so großer Unterschied. In Verbindung mit 2 könnte man vielleicht gewürzten Brei aus Insektenmehl in ansehnliche Formen bringen und braten und dann hat man sowas wie ein Schnitzel. Sehr Proteinreich, gesund und im Vergleich zu Wirbeltieren viel bis sehr viel ressourcenschonender.

Weiterhin denke ich, 2 wird eine Nischensache sein, für Leute, die Kau- und Schluckschwierigkeiten haben, aber die wollen ja auch nicht nur undefinierbaren Mamp essen, und wenn man den Mamp in schöne Formen bringen kann, hilft das vielleicht dem Appetit auf die Sprünge. Warum nicht.

3 hingegen: warum sollte man das wollen? Ist es echt so, so, so wichtig, den heutigen Fleischkonsum aufrecht zu erhalten, dass man auf Biegen und Brechen Möglichkeiten finden muss, wie man Fleisch einen Hauch nachhaltiger produzieren kann? Esst mehr Blumen, möchte ich da sagen (und war damit auch nicht alleine).

So, jetzt aber genug über Essen geschrieben. Ich muss noch ein bisschen arbeiten. Seufz.