Tag 1350 – Öfter mal was Neues!

Morgen das erste mal Homeoffice im neuen Job. Ich bin ein bisschen aufgeregt, dabei wird es höchstwahrscheinlich einfach nur arschlangweilig. Ich habe nämlich heute eine Arschkarte gezogen und muss jetzt was machen, das *man* schon seit… ewig! mal hätte machen müssen. Die Arbeit ist mühselig ohne Ende und sterbenslangweilig, aber wie gesagt, *jemand* muss das machen. Da fällt halt die Wahl auf die Neue. Schon klar. Ich embrace die Arschkarte und nutze sie um mein überdurchschnittliches Durchhaltevermögen zu präsentieren. (Hier zähneknirschendes Grinsen vorstellen.)

Homeoffice mache ich, weil Pippi einen Arzttermin und ein Entwicklungsgespräch im Kindergarten hat und wenn ich sie gegen halb zwei abholen muss, lohnt es sich einfach nicht, je eine Stunde pro Weg durch die Gegend zu gurken. Schon mal gar nicht für Arschkarten-Arbeit.

Ansonsten leider nix passiert, was ich Ihnen so erzählen kann.

Samstag soll es regnen.

Tag 1322 – Vernachlässigt.

In den Tagen seit Sonntag verzeichne ich hier einen erhöhten Andrang. Ich habe da so eine Ahnung, wie das kommen könnte und weil ich bemüht bin, ein positives Menschenbild zu haben, rede ich mir ein, diese mehr Leser*Innen sind hier, weil sie die andere Seite zu einem Konflikt hören wollen. Ich muss Sie aber da leider enttäuschen: dieser Konflikt geht nur mich und die andere Person was an und ich werde mich dazu hier nicht äußern. Das heißt nicht, dass mir die ganze Sache am Hintern vorbei geht, sie mich nicht beschäftigt oder ich nicht sogar einen ganzen Haufen Emotionen dazu habe. Nur Reden – wie gesagt – möchte ich wenn dann mit der anderen Person und ohne dass Sie alle dabei Popcorn mampfend zusehen.

Ja? Ja. Weiter im Text.

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Hier einiges vernachlässigt, wie mir scheint. Entschuldigung dafür. Ich war viel müde und andere Gründe gab’s auch, die sind jetzt aber mal egal. Jedenfalls muss ich wohl was nachholen. Ich versuche es mal.

Die Kinder. Sie sind sehr super. Michel wird jetzt richtig selbständig und packt seine Hausaufgaben direkt nach der Schule auf den Tisch, liest sich selbst die Aufgabenstellungen vor und legt dann los. Das macht es mir viel einfacher, ihn alle Fehler machen zu lassen, die er machen muss, um daraus zu lernen. Wenn ich daneben sitze, juckt es mir immer in den Fingern, ihn zu korrigieren, das ist einfacher, wenn ich eben nur grob im selben Raum bin und andere Dinge tue, Blumen gießen, Kochen, sowas halt. Dann kann ich trotzdem noch sagen, wie das „hinten am Fuß“ heißt, kriege aber keine Stresspusteln wenn ich sehe, wie krakelig Michel „HÆL“ schreibt oder dass die Hälfte der 2-en und 4-en immernoch spiegelverkehrt ist. Heute musste Michel Fragen lesen und dann ja oder nein ankreuzen, eine dieser Fragen lautete „Har du rene tær?“ (Hast du saubere Zehen?“) und Michel so „Æ kan sjekk.“ (Ich kann gucken.), zieht eine Docke aus, inspiziert seinen Fuß und dann: „Niks!“ und kreuzt nein an. Ich hätte mich beömmeln können. Wie Michel sagen würde: Tipptopp, tommel opp (tipptopp, Daumen hoch). Nächste Woche fängt Michel mit drei Nachmittagen pro Woche im Sport-Hort an. Dann kostet uns das ~nur~ 1000 Kronen mehr im Monat als jetzt, dafür kann er morgens und an zwei Nachmittagen zum Schul-Hort gehen. Ich hoffe das wird gut.

Pippi hat weiterhin Phase und manchmal möchte ich sie im Wald aussetzen, auf dass sie von einem freundlichen Wolfsrudel aufgezogen würde, aber dann gucke ich Michel an und weiß, es wird besser werden, und Pippi ist ja schon auch toll, nur halt eher so… im Großen und Ganzen toll, in den einzelnen Situationen muss ich momentan oft Herrn Rabe die Erziehungsarbeit überlassen, weil ich sonst innerhalb von Sekunden auf 180 bin und rumbrülle. Bald, bald, ist bestimmt auch diese Phase vorbei.

Sonst so: Arbeit. Viel Arbeit. Ich habe grad mal nachgeguckt: ich habe nach den drei Monaten jetzt 73 Stunden und 25 Minuten Überstunden. Dabei habe ich schon zwei volle Tage abgefeiert. Der Großteil dieser Stunden wird in den Sommerferien abgefeiert, da ich ja letztes Jahr nicht dort gearbeitet habe, steht mir zwar Urlaub zu, aber kein Feriengeld, sprich: wenn ich die Urlaubstage nehme, kriege ich die halt vom Lohn abgezogen. Das ist in den Fällen ja noch ok, wo man von einem anderen Arbeitgeber kommt, der einem ja beim Vertragsende das Feriengeld ausbezahlen muss, wenn man aber arbeitslos war und genau 0 Kronen Feriengeld angesammelt hat, ist das Recht kacke. Deshalb ein Hoch auf die Überstunden, denn sie sichern mir Urlaub ohne dass es hässlich große Löcher in die Haushaltskasse reißt. Groß wegfahren werden wir aber dieses Jahr wohl nicht.

Ja, so viel Arbeit ist sauanstrengend. Ich bin, Überraschung, nicht jemand, der nach Arbeitstagen von 9-19 Uhr noch die Energie für mehr als Essen–>Bett aufbringt. Pendeln, Arbeit, Pendeln, Schlafen, Repeat. Ich glaube auch nicht, dass sich das mit mehr Erfahrung bessern wird. Aber, und das ist der wichtige Punkt: es macht Spaß. Ich habe immernoch das Gefühl, im Lotto gewonnen zu haben. Ich kann mein Glück kaum fassen, ich sitze da in der Behörde, ich darf richtig interessante Sachen machen, mir wird auch intern schon richtig viel zugetraut und ich liebe es einfach. Ich mag meine Inspektør-Kolleginnen und Kollegen und dass das alles so grade-raus-e Menschen mit zum Großteil sehr trockenem Humor sind. Auch wenn die meisten meine Eltern sein könnten, hab ich das Gefühl, ich passe da hin. Und das ist ja nur die Seite im Büro*, wenn wir „draußen“ sind, auf Inspektion, sehe ich so viele verschiedene Pharmahersteller wie in keinem anderen Job in der Branche. Es ist immer anders, aber immer interessant. Kein Tag wie der andere und das liebe ich. Ich werd auch besser im Fragen und vor allem lockerer im Umgang mit all diesen Leuten, ich werd nur noch ein bisschen rot, wenn Leute meinen beruflichen Hintergrund abklopfen und habe gelernt, bei Diskussionen um das Pharmaziestudium und wie schwer ja Qualified Persons zu kriegen sind einfach aus dem Fenster zu gucken. Und der Rest kommt sicher mit der Erfahrung.

Neulich hab ich sogar meiner Kollegin erzählt, dass mich die Chipsfabrik nie bezahlt hat und ich da noch im Insolvenzverfahren drin hänge und auf mein Geld warte und dass das ordentlich kacke ist. Das ist für „immer fröhlich, nie persönlich“, was ich in den ersten Wochen gefahren habe schon eine große Entwicklung, mehr muss auch erstmal nicht sein, aber ich finde wenn man so eng zusammenarbeitet wie wir kann man zumindest ab und zu mal durchblitzen lassen, dass man ein Mensch mit Gefühlen ist.

Den Rest der Chipsgeschichte erzähle ich dann, wenn die Kollegin in Rente geht oder so. Das ist in ca. 10 Jahren, bis dahin kann ich das in eine lustige Dinnerpartygeschichte verpacken.

Also kurz und gut: super Job. Super anstrengend, super steile Lernkurve (das ist alles so ganz anders als absolut ales, was ich vorher gemacht habe!), super interessant, halt super. Jackpot.

Ansonsten: heute bei der Endokrinologin im Krankenhaus gewesen, endlich. War so hal gut und halb scheiße, denn jetzt grad sieht zwar alles tipptopp tommel opp aus, aber sie machte mir keine große Hoffnung darauf, dass das mein letztes Rezidiv war. Ich solle schon mal über eine mir passende Entfernungsmethode nachdenken, wegen der Augen käme aber eigentlich eh nur OP in Frage. Und das könnte man auch präventiv machen, man müsse nicht aufs Rezidiv warten**. Das muss ich nun erstmal verdauen, vielleicht bei einem Gin.

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*Großraumbüros hat allerdings der Teufel gemacht.

**letzteres kommentierte ich trocken mit „Das mache ich nicht solange wir einen Mangel*** an Levaxin haben!“, das sah die Ärztin dann auch ein.

***Medikamentenmangel. It’s a fucking big thing in Norway. Menschen auf derselben Etage wie wir drehen recht frei.

Tag 1300 – Luft raus.

Nach Hause kommen und liebe Zettel und Gummibärchen finden schmerzt. Wenn sich dann auch noch beim großen Kind die Aufregung der letzten zwei Wochen entlädt, umso mehr. (Wann lernen Kinder, was „hangry“ ist und vor allem, dass Essen dagegen hilft? Frage für mich.) Weil ich in den nächsten vier Wochen so viel Zeug zu erledigen hab, dass es dicke für 6 Wochen reichen würde, habe ich meinen Rechner mit nach Hause geschleppt, aber jetzt kann ich mich gar nicht aufraffen, im Gegenteil, ich würde am liebsten direkt ins Bett gehen, wenn ich nur dran denke. Decke übern Kopf und bis morgen um acht viertel nach fünf nix hören und nix sehen davon. Ich vermute, es ist ein Test, ob ich das Arbeitstempo und das Pensum durchhalte, oder wann ich anfange, zu „kannst du noch…?“ einfach mit „Nein.“ zu antworten. „Ich könnte, aber ich will nicht.“ Stimmt ja nicht mal. Es geht jetzt schon nur, wenn ich in einem Affenzahn arbeite und/oder mich abends noch mal ransetze. Den Affenzahn kriege ich schon noch drauf, aber noch ist alles sehr zäh, heute habe ich allein eine Stunde darauf verwendet, mir eine Vorlage zu basteln, bei der unser Logo nicht total pixelig ist. Warum unser Logo nicht als Vektorgrafik herunterzuladen ist, verstehe ich nicht und nach der Stunde war ich kurz davor, wütend in die Kommunikationsabteilung zu stürmen und das laut zu bemängeln. Jedenfalls uff. Aber das Gute ist: Ende März ist der formelle Teil meiner Einarbeitung dann vermutlich fast abgeschlossen. Bämm. Drei Monate statt sechs. ___

Ich vermisse den Besuch, allen Besuch, Frau Wunnibar und Little B. und den RB und Herrn Igelbert und sämtliche Ks. Schnief.

Schnief.

Vielleicht doch einfach direkt ins Bett.

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Tag 1271 – Møte, møte, møte.

Einleitung 1: Ich wollte heute gern ein klärendes Gespräch mit meiner Team-Chefin führen, die ist aber so etwa bis in zwei Wochen durchgehend in irgendwelchen Meetings.

Einleitung 2: selbige Team-Chefin sagte heute im Meeting (sic) zur Besprechung des Jahresberichts und den darin auftauchenden Diskrepanzen zwischen Fristen und tatsächlichem Abliefern: „Ein Problem ist auch, dass wir alle zu viel in Meetings sitzen. Dadurch schaffen wir unsere eigentliche Arbeit nicht mehr.“

(Da möchte man ja schon ganz Loriotesk „ACH!“ rufen, aber es kam ja noch besser.)

Tatsächliche Story: in selbigem Meeting, nach der Besprechung des Jahresberichts, diversen Neuerungen auf Datenmanagement-Seite (die neue Team-Chefin macht nicht alles so weiter, wie es der alte Team-Chef seit immer gemacht hat und die Inspektør hier seufzt aus Gründen erleichtert) und „bitte tragt eure Urlaubswünsche da und da ein“ bekamen wir noch Besuch. Der Besuch stellte uns ein neues Tool vor, eine Art Datenbank, die wir ab demnächst benutzen müssen, allerdings längst nicht alle von uns und vor allem brauchen wir diese Datenbank eigentlich nur, um einen ganz bestimmten Prozess nachvollziehen zu können. Die Vortragenden stellten uns aber sämtliche drülfzig verschiedenen, zum Teil noch unausgegorenen und zum Teil auch noch gar nicht implementierten Funktionen vor. Über eineinhalb Stunden lang. Nach etwa dreißig Minuten dachte ich, ja, alles klar, ich klicke also dann da und dann sehe ich, was da passiert ist und kann dann überlegen, ob ich da oder da anrufe und wen ankacke frage, was da wohl los war. Gut! Nein. Denn es ging noch ewig so weiter. „Wir können auch alle Mails an Sie alle weiterleiten!“ (Äh, nein Danke? Ich möchte bitte nur Mails, die für mich relevant sind, nicht tonnenweise Spam…) „Und dann können Sie hier einfach immer gucken…“ (Genau. Wie ich dann demnächst* immer sagen werde „Und wie stellen Sie sicher, dass da auch geguckt wird?“) „Hier machen wir dann noch diese Funktion hin, aber das muss noch von der EU…“ (Jesus. Ich will keine schöne Zukunftsmusik hören. Was zählt ist was jetzt da ist.)

Und weil das alles ja noch nicht reichte, ignorierte der Ex-Team-Chef nach Kräften meinen sehr demonstrativ mit den Hufen scharrenden** Kollegen und besprach noch tausendundeine Feinheit der „vielleicht irgendwann mal“-Features dieses Systems mit dem Besuch. Während 15 weitere Anwesende an ihren Schreibtisch dachten und an die schlechten Ergebnisse im Jahresbericht.

Nach dem Meeting ging ich an meinen Schreibtisch zurück und hängte die verschwendete Stunde hinten dran. Mit leicht rauchendem Kopf. Und wenn es mir so geht, auf deren Tisch noch gar keine Fristsachen liegen, wie soll es dann denen gehen, bei denen die Deadlines schon wie Zombies über den Schreibtisch wanken und die sich zudem grad anhören durften, wie schlimm das ist, dass sie ihre Ziele nicht erfüllen weil sie permanent in Meetings rumhängen? Gnarfz.

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Abends mit Michel Hausaufgaben gemacht und viel Spaß gehabt. Ich sehe das mit den Hausaufgaben ganz entspannt, dadurch geht es auch bei Michel einigermaßen ohne Wutausbrüche. Dafür macht er nur Blödsinn. Tjanun, möchte ich da sagen, nach einem 10-Stunden-Tag in Hort und Schule und dann wieder Hort würd ich vielleicht auch nur noch rumalbern und mal mit beiden Händen oder mit geschlossenen Augen schreiben.

Was ich aber faszinierend finde: dass er gar nicht merkt, dass die „Lösung“ für die Aufgaben dauernd daneben steht. Die Aufgabenstellungen sind nämlich oft so: ein Bild von einem Baum, darunter steht „Baum“, daneben die Wörter „Baum, Traum, Ball“. Aufgabenstellung: „Kreise das richtige Wort ein und schreibe es darunter.“ Vielleicht bin ich echt übermäßig systematisch veranlagt, ich würd nach den zwei gleich aussehenden Wörtern suchen, einkreisen, abmalen, fertig. Vermutlich könnte ich bis heute nicht schreiben. Aber das bin ja nur ich, und ich bin 33 und kann seit fast 30 Jahren lesen, insofern bin ich da wirklich kein Maßstab und die Macher*Innen von Schreiblernbüchern denken sich ja sicher was dabei. Und so hab ich was zu wundern, win-win.

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*genau genommen ab morgen. Wünschen Sie mir irgendwas, am besten, dass mich das verfluchte „Ich kann das nicht!“-Gefühl nicht wieder einholt

**noch nie habe ich jemanden so aggressiv Zettel einsammeln sehen

Tag 1267 – Nix zu erzählen.

Pippi war heute als einziges Kind aus ihrer Gruppe (dem Fuchsbau) mit den „großen“ Kindern aus der Bärenhöhle Ski fahren. Wir sind ganz stolze eingenorwegerte Eltern. Und Pippi war danach so müde und kaputtgespielt, dass sie grad so lange genug fürs Abendessen die Augen aufhalten konnte. Pippi isst übrigens weiterhin alles, solange sie nicht gehört hat, wie Michel mit Herrn Rabe um 25 Erbsen feilscht. Oder wenn Knoblauchsoße drauf ist, dann isst sie es eh. Hachz.

Sonst war kaum was. Alltag halt. Ich ackere mich weiter durch meinen Einarbeitungsplan. Heute war das spannendste da, dass ich das erste mal eine Inspektion ankündigen durfte. Die Ankündigung ist auch schon ein richtig offizielles Dokument und für etwa fünf Minuten war ich für dieses Dokument in dem komplizierten Dokumentenmanagementsystem verantwortlich, dann habe ich es meinem Kollegen übertragen, der offiziell dafür zuständig ist. Ich bin ja nur Observatør, irgendwann dann Revisor und wenn ich dann fertig eingearbeitet bin und einen Kurs in ISO 19011 gemacht habe auch Revisjonsleder. Inspektør bin ich qua Anstellung, aber meine Funktion bei Inspektionen ist halt noch begrenzt – auf Beobachten. Zum Glück, ich hätte nämlich bei der Ankündigung heute die Vorschrift zu Narkotika bei den Rechtsgrundlagen vergessen. Mein Kollege ist übrigens ziemlich cool, glaube ich. Ich mag Leute, aus denen ich nicht sofort schlau werde, mit denen ich aber humormäßig auf einer Wellenlänge liege.

Abends den Wochen-Essensplan gemacht und den Einkauf geordert. Weil der Einkaufsservice auch von der Fleischerei, bei der wir auf Empfehlung unseren Weihnachtsbraten bestellt haben, beliefert wird, und Rinderfilet dort im Angebot war (immernoch sauteuer, aber 20% billiger als sonst eben), gibt es am Samstag Steak. Ich hab das letzte Mal Steak gegessen, äh, vor… ich kann mich nicht mehr dran erinnern. In Norwegen glaube ich noch nie. (Doch! Einmal, Pippi war erst ein paar Tage alt! Meine Mutter lud uns ein und ich hatte nach der Geburt ständig Hunger auf Fleisch, genau. Also vor dreieinhalb Jahren ca.) Ich freue mich tatsächlich sehr darauf und vor allem aber darüber, dass wir uns solche Späße nun wieder ab und an erlauben können.

Weiterhin heute sehr gute Musik gehört. Wenn Sie (und echt: nur dann, nicht dass Sie sich hinterher beschweren, was ich für schrecklichen Lärm empfehle) lauten Rock mögen, irgendwas zwischen, hmm, Foo Fighters und den Anfängen von Muse, dann hören Sie sich doch mal Death from Above 1979 an. Wie Farin Urlaub sagt: „Mit Schlagzeug und Bass macht das Musikhören Spass.“*

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*bei Die Ärzte geht es mit „doch wenn die Gitarre kommt ist alles zu spät, weil man dann den Text nicht mehr versteht“ weiter. Bei Death from Above 1979 kommt halt keine Gitarre, braucht ja auch eigentlich keiner.

Tag 1264 – Das ging fix.

Heute mit meiner Kollegin die Arbeitszeitabrechnung für die letzte Woche gemacht. Einmal 3 Tage Inspektion = 10,5 Überstunden. Und das war ja noch eine einigermaßen entspannte Inspektion. Ich kann übrigens jedes Mal aussuchen, ob ich die Überstunden ausbezahlt haben will, oder ob ich die „Abspaziere“, wie man hier so schön sagt. Ich werde vermutlich mehr abspazieren, Zeit sticht Geld eigentlich immer. Direkt heute hab ich zwei Abspaziertage eingetragen, einmal hat die KiTa zu, einmal werd ich’s aus anderen Gründen brauchen.

Ansonsten war heute ein mittelmäßiger Tag. Ich höre das Gras nach der Chipsmanngeschichte sogar wachsen, wenn ich auf einer durchgängig betonierten Fläche stehe. Das ist anstrengend und nicht hilfreich. Wird hoffentlich bald besser.

Immerhin heute geschafft, endlich Zugang zu diversen Jobdingen zu kriegen, die mir noch fehlten. Im Ernst, ich glaub langsam, ich bin verflucht. Nicht nur fehlte mir zu Anfang einfach mal der Zugang zu allem, was im Vorfeld hätte der IT mitgeteilt werden müssen (wurde wohl in Gänze vergessen), nein, auch alles was ich nachträglich noch klären musste wie Reiseportal und Betriebs-Telefonapptralala, ging irgendwie schief. Falsche Rechte zugeteilt, irgendwas schief gelaufen in der Registrierung, Benutzerprofil doppelt angelegt, was da schiefgehen kann, ging bei mir auch schief. Jetzt scheint alles zu gehen. Mal gucken, wie lange.

Sie entnehmen dem Obigen vielleicht, dass Pippi heute im Kindergarten war. Das stimmt, da war sie. Sie schniefte da mit ein paar anderen Kindern um die Wette, aber nachdem sie heute um halb sechs wach war und direkt sang und Mundharmonika spielte entschied ich, dass sie auch in den Kindergarten kann. Fieber hatte sie ja schon gestern keins gehabt und eine völlig unabsehbare Zeitspanne abwarten, bis die Nase nicht mehr läuft, hmm, ja, nee. Schön für die Eltern, die das können, sag ich mal.

Jetzt schnieft Michel.

Es ist zum Mäuse melken.

P.S. Ich hab schon über zum Beispiel ein Au-pair nachgedacht*. Aber da gibt es so gewisse Standards, die wir nicht bieten können, bei einem eigenen Zimmer, möglichst auch Bad angefangen, über Taschengeld und Sprachkurs bezahlen können bis hin zu „da wohnt eine weitere Person mit uns im Haus für echt lange“. Und wir haben ja unseren Wikinger. Und 10 Überstunden pro Inspektion, die Möglichkeit für Homeoffice** und 10 Kindkranktage pro Jahr pro Elter. Es geht schon. Kranke Kinder sind für alle echt blöd, aber die meisten haben ja Kinder zumindest mal gehabt von weitem gesehen und heucheln haben entsprechend Verständnis.

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*genauso wie jede andere Möglichkeit, den Spagat zwischen Berufstätigkeit und Familienleben irgendwie kleiner zu machen.

**halt in der Anlernphase mit drülfzig Meetings pro Tag noch eher schlecht

Tag 1253 – Heute aber!

Heute gehe ich früher ins Bett.

Das denke ich jeden Morgen wenn der Wecker mich aus dem Tiefschlaf reißt, den ich nun mal um 5 Uhr habe. Ich quäle mich dann mit Mühe aus dem Bett und heute war ich auch zu knapp dran zum Duschen, das ist nicht schön (und die Zeitersparnis auch eher eine gefühlte, weil ich trotzdem Haare waschen muss).

Heute könnte es aber echt was werden, denn es ist nichts mehr zu tun. Die Brotdosen für morgen sind gepackt und im Kühlschrank, alle möglichen Anträge liegen auf dem Schreibtisch, der Arbeitsrechner ist im Büro. Das ist eine doofe Geschichte, mein Rechner sponn von Anfang an vor sich hin und hängte sich zum Beispiel in den Meetingräumen wegen wasweißich ständig auf. Gestern wollte er dann plötzlich einen Recovery Key haben, den ich heute früh im Beisein der IT-Frau anforderte und der, ich habe nachgezählt, 55 Zeichen lang ist. Danach ging er wieder, aber wie ich so bei der IT-Frau stand, erzählte ich das mit dem Aufhängen und sie meinte, sie mache mal über Mittag eine Runde Updates, vielleicht helfe das. Dann bekam ich aber in meine Mittagspause (die ich mit Herrn Rabe außerhäusig mit Thai-Essen verbrachte, das war ganz großartig und das machen wir jetzt so ein Mal im Monat) eine Mail von der IT-Frau, dass es bei den Updates ein paar Probleme gegeben habe, sie da noch mal genauer nachgucken würde und für die Zwischenzeit bekäme ich einen Leihrechner. Und der Leihrechner ist kein handliches Inspektørinnen-Notebook sondern ein riesiges Teil, das passt natürlich nicht in meine Tasche. Deshalb habe ich also meinen Arbeitsrechner nicht hier und kann gar nicht weiter total nervös werden über den Vorbereitungen für meine allererste Inspektion nächste Woche. Meine Patin lachte heute schon ein bisschen, weil ich, nachdem ich die vom Hersteller geschickten Unterlagen durchgegangen war, die Abschnitte aus der European Pharmakopoeia zu den beim Hersteller durchgeführten Analysen las. In der Print-Version. Die in der „Bibliothek“ steht (also sogar auf unserer Etage). Was meine Patin noch nicht mal wusste, weil jeder Band (von 4) davon so… 3000 Seiten hat, auf so super dünnem Bibelpapier, aber in A4, es ist dröge und sperrig und wirklich sehr dröge, erwähnte ich dröge? Es ist dröge. Und das gibt es viel übersichtlicher halt auch alles im Internet, wieso also das Buch? Weil ich am Bildschirm nicht gut lange lesen kann, deshalb. Und warum lesen? Zum Beispiel, weil ich jetzt sagen kann, dass der Hersteller unter „Endotoxine“ nur „Ph. Eur.“ geschrieben hat, in der Pharmakopoeia aber drei unterschiedliche Methoden zur Endotoxintestung stehen. Also ein bisschen genauer wär halt schon fein.

Insgesamt also: ich bin nervös und übertreibe es möglicherweise mit der Vorbereitung, ich hoffe ich krieg meinen kleinen Computer bis Dienstag Nachmittag zurück und weil ich nix besseres zu tun hab, gehe ich jetzt tatsächlich mal früher ins Bett und kriege so hoffentlich mal etwas mehr als 6 Stunden Schlaf.