Tag 678 – Zwei Herzen…

Ich war heute, obwohl ich kaum was echt geschrieben habe, halbwegs produktiv bei der Arbeit. Ich vergesse ja immer wieder die kleinen Tücken von LaTeX, aber am Ende des Arbeitstages hatte ich ein funktionierendes Dokument mit alles und scharf, also einer ansprechenden Bibliographie und einem Abkürzungsverzeichnis, das als umnummeriertes Kapitel im Inhaltsverzeichnis auftaucht. Ich glaube, ich mache für das Abkürzungsverzeichnis noch römische Seitenzahlen, weil ichs kann (und es cool ist, wenn die Einleitung dann auch mit arabisch 1 auf Seite arabisch 1 anfängt). Eine klitzekleine Herausforderung wird dann noch am Ende das Einfügen mehrseitiger PDFs (also der Artikel), Tipps dazu nehme ich gerne an. Etwaige Manuskripte werden ja in Word erstellt (ja, ich weiß, ich möchte das ehrlich gesagt auch nicht, aber Chef ist da uneinsichtig), da weiß ich noch nicht, wie ich die dann einfüge, vielleicht auch einfach als PDF vom .doc. Weil alles „nachtexen“ ist unspaßig, been there, done that. Neben der Arbeit her habe ich dann noch mit der Masterstudentin besprochen, was sie nächste Woche nach ihrem Ferienjob für spaßige Sachen für mich tun soll, unser Sequenzier-Experiment ist nämlich wieder in die Hose gegangen und liegt jetzt bis auf Weiteres auf Eis wegen akuter Unlust, noch mehr Geld zum Fenster rauszuwerfen. Dann musste ich leider ziemlich überstürzt abhauen, mein Biorhythmus ist ja eher auf nachmittägliches Arbeiten ausgelegt, deshalb werde ich in den nächsten Wochen die Kinder wohl vermehrt morgens bringen, dann kann ich nachmittags entspannter noch weiterarbeiten und muss nicht mitten im Flow aufspringen. So war ich heute dann wirklich kurz vor knapp im Kindergarten und fühlte mich sowohl wegen der Kinder, als auch wegen der abgewürgten Arbeit schlecht.

Aber: die Kinder. Wie putzig die manchmal sind. Und wie sehr die mich manchmal auf die Palme bringen*. Heute Nachmittag waren Michel und ich ein Geburtstagsgeschenk für seinen KiTa-Kumpel kaufen, der morgen sechs wird. Ich dachte , das sei eine gute Idee, wenn Michel das aussucht. Dann lernte ich etwas über mein Kind, nämlich, dass der noch entscheidungsschwacher bei sowas ist, als ich. Wir waren im großen Supermarkt, der auch eine relativ große Spielzeugabteilung hat. Erst wollte Michel die Autos angucken. Jedes. Einzeln. Ich zeigte ihm schon extra nur die, die im Preisrahmen waren, trotzdem fragte er links und rechts natürlich, ob wir nicht das nehmen könnten. Ich erklärte einigermaßen geduldig an die 150 mal, dass alles mit Fernsteuerung und alles aus Disney-Filmen (Cars) zu teuer ist, dass ich keine echt aussehenden Schießdinger kaufen werde und dass ich Star Wars noch nicht so gut finde für Kinder, die noch nicht mal zur Schule gehen. Michel war auch einig darin, dass Star Wars sehr gruselig sei (jetzt, wo ich The Force Awakens gesehen habe, frage ich mich ja schon sehr, wieso die ganzen Figuren und trallala die man so kriegt Klonkrieger sind. Nix Rae (Rea? Ray?), nix Finn. Ballum???). Aber für die verbleibenden fünf AUtos konnte er sich auch nicht so recht erwärmen. Er wollte doch noch mal beim Lego gucken. Auch da war es schwer, Sets im Kindergeburtstag-nicht allerbester Freund-Rahmen zu finden. Genau genommen gab es sieben: zwei Lego Creator (Zug und Rennauto, das hätte ich ja gut gefunden, aber was weiß ich schon), ein Lego City und vier von diesen Basic-Kits in verschiedenen Farben. Und dann gab es ganz viel Lego Friends, aber, Sie ahnen es schon, das kam Michel nicht in die Tüte wegen des ganzen Rosas, der Katzen mit den riesigen Augen, der Muffins und „weil da nur Mädchen drin sind“. Geilomat, mein Kind ist total stereotyp drauf (hier mütterliches Haareraufen vorstellen). Michel betrachtete also die sieben Sets ausgiebigst. Wog das Rennauto-Set  in der Hand. Machte HmmmmHmmmm. Und sagte dann:

„Ich glaube ein Auto ist doch besser.“

Und ging zurück zu den Spielzeugautos. Wo wir uns dann gemeinsam für ein Motorrad entschieden. 

(Dann suchten wir noch eine Karte mit Mickey Mouse drauf aus und ich sage es mal so: Vierjährigen eine Karte mitsamt Umschlag in die Hand drücken „zum Festhalten bis zur Kasse“ und denen dann den Rücken zudrehen kann bestimmt auch gut gehen. Mein Kind hat dann aber bis zum Milchregal das Kärtchen in den Umschlag gesteckt und diesen fein säuberlich zugeklebt.)

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*gestern zum Beispiel, als das eine Kind, das nach Absprache nur dann keine Schlüpferwindel nachts anziehen muss, wenn die vorherige Nacht trocken war, seine rausgelegte Schlüpferwindel klammheimlich liegen ließ und ich erst nach dem Ins-Bett-bringen dachte „hmm? So ein knackiger, kleiner Windelpo…?“. Rübennase.

Tag 671 – #12von12 im Juni ’17

Es ist der 12. des Monats, wie ich schon um elf oder so bemerkte. Das heißt, wer mag, macht 12 Fotos von seinem Tag und verlinkt sie beim Kännchen-Blog

Heute etwas arbeitslastig, ich entschuldige mich schon mal dafür, aber so ist es nun mal eben. Noch vier Wochen, dann ist Urlaub. Jetzt ist schreiben. 

Der Tag ging denkbar bescheiden los, mit einem Vortrag nach dem ich mir unsäglich dumm vorkam. Auf Twitter wurde ich daraufhin dazu aufgefordert, einen Schreibehashtag einzuführen, der auch mein Impostor-Syndrom gut unterstreicht. Spoiler: am Ende des (Arbeits-)Tages habe ich einen. 

Menschen, die auf Inhaltsverzeichnisse starren. Mensch nicht abgebildet. #1von12 von #12von12 #PhDFreuden #mimimi #ichkanndasnicht #hashtagvorschlägewerdengerneangenommen


Tja. Mit Labor war ich ja dann am Freitag doch nicht mehr ganz fertig geworden. 

Noch 178.713 Proben trocknen. #2von12 von #12von12


Korridorromantik an Mittagessenbox. #3von12 von #12von12


Nach dem Essen hat mein Chef endlich Zeit. Hier das Ergebnis. (Schön, ne, wie meine durch und durch positive Art auch da dazu führt, lieber modification als damage zu verwenden.)

Ich war beim Chef. Es hat jetzt einen Titel (oben links). #4von12 von #12von12


Das feile ich dann noch mehr aus, strukturiere grob und, ähh, denke viel. Zwischendurch räume ich prokrastinatorisch meinen Schreibtisch auf. Und mir fällt auch ein Hashtag ein. 

So. Das war so ca. was ich heute schaffen wollte. #5von12 von #12von12 #ImpostDoc #Feierabend


Um zwei Minuten vor Briefkastenleerung bin ich bei der Post um endlich den Wahlregisterantrag und den Versicherungsbrief zu verschicken. 

Noch schnell zur Post. #6von12 von #12von12 #btw2017


#Nachhausewegselfie aus dem Trøndersommer #7von12 von #12von12 Diese große Straße direkt vor unserer Haustür wird Ende des Monats testweise für Durchgangsverkehr gesperrt. Dann muss auch keiner mehr auf dem Bürgersteig Fahrrad fahren.


Zu Hause liegt ein Zettel im Briefkasten, dass wir ein Paket abholen sollen. Ich gehe also nochmal zu (einer anderen) Post. 

… und Post Nummer 2. Die Kinder erwartet ein Paket von der Tante. #8von12 von #12von12


Das Paket enthält Geschenke für Pippis 2. Geburtstag, das lassen wir also schnell verschwinden. Herr Rabe kommt mit Pippi nach Hause, Michel ist mal wieder mit zu seinem Kumpel gegangen. Herr Rabe düst direkt wieder los zum Friseur, Ich koche, Pippi macht… scheiß. Unter anderem isst sie das erste Kaugummi ihres Lebens, weil ich ihr die Packung nicht schnell genug wieder entreißen kann. Und Herr Rabes Manschettenknöpfe muss ich auch unter der Bank wieder hervorholen, wo sie irgendwie gelandet waren. Dafür werde ich dann auch noch vorwurfsvoll angesehen. 

Die Manschettenknöpfe vom @fr4be sind sehr traurig. #9von12 von #12von12 😭 #Pareidolie #pareidolia


Herr Rabe ist wieder da und wir essen. Es gibt Tomatensuppe. Pippi kürt mich zur besten Mama der Welt. 

Die dritte Portion Tomatensuppe kann man auch gut als Haargel verwenden. #10von12 von #12von12


Tjanun. Während ich Pippi umziehe und reinige holt Herr Rabe Michel ab. Dann bringe ich erst eine Dreiviertel Stunde lang Pippi und weitere 15 Minuten Michel ins Bett. Herr Rabe fährt zum Sport. Ich suche auf meinem Computer meine Masterarbeit und finde sie nicht, was logisch ist, weil ich damals den Computer noch nicht hatte. Aber die externe Festplatte aus Masterarbeitszeiten, die habe ich noch. Irgendwo. Ich suche ca. 10 Minuten nach der Festplatte, dann 2 nach dem Stromkabel der Festplatte und dann 5 Minuten auf der Festplatte nach den richtigen Dateien. Und dann – Heureka – kopiere ich alles nach ShareLaTeX und jetzt ist es in der Wolke und kann nicht mehr verloren gehen. (Und ich kann von überall dran arbeiten und überhaupt. Ich liebe ShareLaTeX.)

Auf uralter externer Festplatte tatsächlich meine Masterarbeit gefunden. Hurra! #11von12 von #12von12 #LaTeX #shareLaTeXlove #ImpostDoc (Warum Hurra? Weil mir das eine Menge Formatierungsarbeit erspart. Und eine Möglichkeit der Prokrastination eliminiert.)


Ich ändere dann nur noch grad den Zeilenabstand, freue mich an meinem hübschen Layout und der schönen Schrift und überhaupt waren das damals wohl investierte Prokrastinationsanfälle, in denen ich mir das alles hübsch machte. (Und dann denke ich kurz an einen Freund von uns, der sehr interessiert an Calligraphie ist und der für seinen PhD-Thesis-Font knapp 1000 US- $ ausgab. Aber das ist eine andere Geschichte.)

Und dann ist es auch schon Zeit fürs Bett. 

ZähneputzenabinsBett. #12von12 von #12von12

Nein, ich putze meine Zähne normalerweise nicht in der Küche, aber Herr Rabe duscht gerade und in unserem Bad gibt es keinen Foto-Winkel, aus dem man ihn nicht selbst oder im Spiegel sieht. 

Und jetzt werde ich mich mal fix selbst Einschlafbegleiten. Das kann ich ja so langsam. 

Tag 663 – Karriereleiter.

Mir mangelte es heute an Ideen, also fragte ich auf Twitter nach, wozu ich denn heute schreiben solle. Es wurde vorgeschlagen, das hier mal näher zu erläutern:

Nun. Es ist ja so, dass meine Familie als ich Teenager war nicht grade im Geld schwamm. Ich bekam, wenn ich mich recht erinnere, mit 15 Jahren 35 DM Taschengeld im Monat. Ein Paar Adidas Superstar kostete 120 DM. Meine Mutter kaufte mir zwar Schuhe, aber keinen Markenquatsch, sondern robuste Dinger von Reno, die durfte ich mir zwar aussuchen, aber naja, es waren halt keine Adidas Superstar. Ich brauchte also einen Job. Einen richtigen, nicht nur Katzen füttern von Leuten, die im Urlaub sind, weil Leute eben nur so zwei Wochen im Urlaub sind und auch maximal drei Mal im Jahr. So gefühlt einen Tag nach meinem 16. Geburtstag heuerte ich deshalb beim Obi an. Als Kassenkraft. Das war der Anfang einer langen Reihe Nebenjobs.

  1. Obi also, Kassenkraft. 10 DM/Stunde, 10 Stunden die Woche, nach der Schule bis acht Uhr, dann Kasse zählen und mit der Bahn durch die komplette Stadt nach Hause. Da war ich dann um 22 Uhr. Es war der helle Wahnsinn und der Job war, offen gestanden, echt scheiße. Aber immerhin lernte ich, Petunien von Geranien zu unterscheiden. Das absolute Grauen war ein Tag, an dem es sehr warm war und an dem ich an der „Gartenkasse“ arbeiten musste. Quasi im Gewächshaus. Alleine. Es waren da sicher über 40 Grad und nach zwei Stunden (von 5) war meine Wasserflasche leer und mein (weißes) Obihemd klebte klitschnass und durchsichtig an mir dran. Abends kamen mir beim Kasse zählen vor Erschöpfung die Tränen und danach habe ich gekündigt.
  2. Jibi, Einräumkraft. Beworben hatte ich mich eigentlich für Kasse, stattdessen wurde ich von so einem Einräumdienstleister angestellt, der mich dann auch nicht nur in der Filiale bei meinem damaligen Freund ums Eck einsetzte, sondern in der halben Stadt rumschickte. Das machte ich nicht sehr lange.
  3. Schuhe verkaufen, Sommerjob. Das war super. Irgendwo hatte ich einen Aushang gesehen, Urlaubsvertretung, Vollzeit für 4 Wochen, genau in den Sommerferien. Bei einem der teuersten Schuhläden Bielefelds. In den vier Wochen verdiente ich (also, für meine Verhältnisse) einen Haufen Geld und lernte alles, was ich über Schuhe weiß. Ich war bei einer Schulung über Schuhspanner dabei, putze die Spiegel und die Glas-Auslagen, stellte Schuhe hübsch ins Regal (Frauen: immer Größe 36, Männer: immer Größe 42), versuchte, mir die internationalen Größen-Umrechnungstabellen zu merken und scheiterte, probierte Schuhe an (seitdem weiß ich, dass Prada so unheimlich klein ausfällt, dass mir oft selbst die größte damals von denen produzierte Größe (40) noch zu klein ist) und verkaufte Schuhe. Das hat mir echt Spaß gemacht. Auch wenn ich keine allzu gute Verkäuferin bin, weil einfach zu ehrlich. Ich hab mal ner Kundin gesagt, dass ich die 200 DM-Stiefeletten besser finde als die 400 DM-Stiefel und naja, so schnell hat man sich die Provision versaut, ne? Aber die Kundin war sehr dankbar für die offene Meinung. Manchmal rauchte ich mit der Chefin. Und einmal kam der Firmeninhaber, da musste ich mich fast zwei Stunden lang im Lager verstecken, damit der mir keine fiesen Fragen stellen konnte. Seit dem Job liebe ich Schuhe.
  4. Edeka, Kasse. Bei mir ums Eck. Verdienst war mäßig, aber ich hatte viel Spaß und nette Kollegen. Mit einem hatte ich danach noch ziemlich lange ääähhhhh privat zu tun, aber das ist eine ganz andere Geschichte. Die Chefin war ne ziemliche Hexe. Ich lernte drölfzig neue Obst- und Gemüsesorten kennen (Lollo Rosso, PUL 7014), gefühlte tausend PULs auswendig und wie man geschmeidig Geldrollen öffnet ohne dass die Kunden in der Schlange das Seufzen anfangen. Highlights: ich (17) fragte eine 28-Jährige nach ihrem Ausweis wegen Schnaps, jemandem fiel ne Flasche Rotwein und ne Packung Eier vor der Kasse hin und es gab ne unglaubliche Sauerei und (!) ich hab damals am ersten Arbeitstag nach der Euro-Einführung gearbeitet. Wir schmissen die Mark in einen Eimer unter der Kasse und an dem Tag hatte jeder von uns an die 100 € Abweichung in der Kasse. Die Chefin tanzte im Dreieck.
  5. IKEA, Kasse. Dafür musste man 18 sein. Dafür war der Verdienst ziemlich gut und die Kollegen unheimlich nett. Die Kantine bei IKEA ist übrigens für die Angestellten auch sehr gut und dabei sehr günstig! Und der Marktleiter setzt sich da auch total Skandinavisch mit an den Tisch und sagt „Hej, ich bin der Björn*, was machst du hier?“ (*Name von der Redaktion mit extrem schlechtem Namensgedächtnis geändert). Nachteil: die IKEA-Montur. Wäh. Kratzige und unförmige Dinger, nur Bluse (die ging noch halbwegs) war nicht so gerne gesehen, aber mit Pulli drüber wars oft sehr warm und das Halstuch war… halt ein Halstuch. Ich arbeitete immer Samstags für sechs Stunden, von 14 bis 20 Uhr und kann Ihnen sagen: Samstags bei IKEA ist für keinen so richtig schön. Aber kurz vor Feierabend, da gehts eigentlich immer. Highlight: Irgendwann in der Vorweihnachtszeit ging irgendwie das EC-Bezahlsystem kaputt. Es gab ein wirklich unvorstellbares Chaos an den Kassen, inklusive wütenden Kunden, die die hilflosen Kassenmenschen beschimpften. Und hinterher gabs  Schnaps im Kassenbüro. Ich weiß nicht mehr so ganz, wie es da endete, vom Gefühl her war es irgendwie für mich doof. Vielleicht hatte ich um andere Arbeitszeiten gebeten und das nicht bewilligt bekommen, ich weiß es nicht mehr.
  6. Barista. Hat mir wahnsinnig viel Spaß gemacht. Wirklich ganz doll viel. Umso niederschmetternder, dass ich nach vier Wochen per E-mail gekündigt wurde, die mail aber erst im Büro des Cafés las, als ich zu meiner Schicht morgens um sieben antreten wollte und mich meine Kollegin etwas sparsam ansah. Rolf, wenn Du das hier lesen solltest: das war echt unter aller Sau, menschlich gesehen. Aber ich lernte sehr viel über Kaffee in den vier Wochen.
  7. Irish Pub, Kellnern. War irgendwie lustig und verrückt und mies bezahlt und dreckig und stinkig und sexistisch und ich liebte es. Leider war es auch einfach gar nicht vereinbar mit dem Studium, das ja, in meinem Fall, meistens um acht Uhr morgens losging. Trotzdem zog ich das recht lange durch. Highlight: Disco-Night, bis morgens um sieben gearbeitet, dann noch nen Cocktail mit den Kollegen getrunken und halbtot nach Hause gewankt. Und Karaoke. Ach, Karaoke. Lowlight: Diverse eklige Weihnachtsfeiertische, dass ich mir irgendwann ein Pfefferspray kaufen musste, weil ich wirklich Angst hatte, nachts alleine zu meinem Roller zu gehen und dass wir immer schwarz tragen mussten. Ich kann immer noch instantan den Geruch von kaltem Zigarettenrauch und Bier abrufen. Ich lernte viel über Whiskey, Whisky und alle möglichen Guinness-Mischgetränke. Ich liebte es, erwähnte ich das? Irgendwann gings aber echt nicht mehr mit dem Studium und ich kündigte schweren Herzens.
  8. HiWi, Organisation eines Berufsfindungsseminars für Informatiker, das war blöd für alle Beteiligten und wurde nach einem Semester eingestellt.
  9. Biergarten, Kellnern. Das war noch viel besser als im Irish Pub. Weil: kein Stinken hinterher (außer die diversen Male, an denen ich mir Weizen über die Füße kippte). Und weil die Chefin, der Chef und all die anderen Angestellten wie eine Familie für mich wurden (und das meine ich ausnahmslos positiv). Ich lernte Zapfen, Weizen einschenken (ich kann zwei auf einmal!), wie man einen Laib Ciabatta in akkurat gleich breite, hübsch schräge Scheiben schneidet, ich überwand meine Wespenphobie, lernte extrem schnelles Kopfrechnen und wie man die Bitte um Rotwein-Mischgetränke charmant abwimmelt (ungefähr so: „Nä! Machen wa nich sowas! Wo komm wa denn da hin? Nä. Rotwein wird hier nich gepanscht. Das is barbarisch!“ Wichtig, dass man das im breitesten Ost-Westfälisch sacht, zu dem man fähig ist.). Ich kannte die Stammkunden und ihre Problemchen und machte mir Sorgen, wenn einer von denen unabgemeldet nicht kam. Ich fand den Job so toll, dass ich den sogar noch einen Sommer weiter machte, nachdem ich im sicheren Hafen der Ehe angekommen war einen richtigen, festen Vollzeitjob hatte. Und ich gehe da immer noch sehr gerne hin und schnacke mit den Leuten. Und vielleicht kommen mir grad ein bisschen die Tränen. Vielleicht mache ich einfach wirklich irgendwann ne Kneipe auf. (Brauchts noch Highlights? Arminia Bielefeld ist irgendwann da mal aufgestiegen. Das Stadion – Die Alm – ist da in Sichtweite und der Biergarten die erste „Tankstelle“ auf die man so trifft. Es war auch da der helle Wahnsinn, total stressig, gefühlte 200 Leute standen am Wagen und wollten jeder ein Bier (warum auch für die Kumpels mitbringen…), aber unheimlich toll. An dem Abend saßen wir hinterher noch lange auf dem Platz, die Chefin, die „Haupt-Angestellte“ und ich und tranken Prosecco (die anderen zwei) bzw. Bier (ich). Mit den geschwollenen Füßen auf den Bierkisten. Ach, war das schön.)

Hier nicht aufgezählt sind: Babysitten, Katzensitten, Nachhilfe (Biologie und… Philosophie, of all things) und Schwangerschaftsvertretung in den Kindergruppen meiner Tanztrainerin.

Doch, ich hab echt schon so einiges gemacht.

Tag 650 – Grenzen. 

Im Moment großes Thema: mein eigentliches PhD-Projekt. Es ist zum heulen. Ich messe mir seit über einer Woche an dem Ding nen Wolf, ohne nennenswerte Ergebnisse. Und wenn ich die dann kommuniziere, also die Nicht-Ergebnisse, sind alle total aus dem Häuschen und brummen mir weitere zehntausend Experimente auf. Und ja, sie brummen auf, sie schlagen nicht vor oder bitten darum, es geht so „Das ist ja alles sehr vielversprechend, da mach mal noch dies und das und jenes und Check das und achte auf das und dann kommen wir sicher schon ein Stück weiter.“. Das ist sicher auch zum Teil der Norwegischen Kommunikation geschuldet, da wird ja auf sämtliche Höflichkeitsfloskeln verzichtet. Das zweite Problem ist, dass ich einfach nie was sage*, sondern mit hängendem Kopf ins Labor zurückgehe und noch drölfzig Messungen mache, bis meine Frustrationstoleranz in Scherben am Boden   liegt und ich abends beim Erzählen von „wie war dein Tag?“ in Tränen ausbreche. Weil ich verdammt noch mal keine Zeit habe für so einen Scheiß. Ich habe keine Zeit mehr, tagelang nichts anderes zu machen, als Dinge in sechtausend verschiedenen Puffern (darfs noch ein millimolarchen mehr Salz sein? Wir haben hier ja auch noch dieses allerfeinste Kaliumchlorid?) zu verdünnen und dann Kapillaren reinzustecken und die in meinem kleinen Maschinchen mit einer LED beleuchten zu lassen. Und – ohne Witz – bei 29 von 30 Messungen kam *nichts* raus. Das ist, bei aller Liebe, nicht vielversprechend, sondern großer Scheiß. Und vor allem ist das Scheiß, für den ich, ich erwähnte es bereits, keine Zeit habe. Ich sollte in meinem Büro sitzen und meine Dissertation schreiben. Ich sitze im Labor und komme nicht mal zum Essen. 

Jedenfalls, dieses Verfügen über meine Zeit überschreitet meine Grenzen. Ich hasse das Wort ‚Fremdbestimmung‘ wirklich, weil es so krass inflationär gebraucht wird und ja auch außerdem das neue ‚böse‘ ist. Aber das ist eine Form der Fremdbestimmung, bei der es einfach jetzt reicht. Ich will das so nicht mehr und muss das den beteiligten Personen sagen, bevor mir im Meeting beim nächsten Mal der Arsch platzt, und ich wirklich wütend werde, wenn irgendwer das Wort ‚vielversprechend‘ im Zusammenhang mit meinen Daten verwendet. 

Da steht ein Gespräch mit dem Chef an. Das machen wir morgen früh direkt. Haha. Grenze zwei: früh aufstehen, erst stehen die Kinder gar nicht auf, dann hab ich zwei Nörgelkinder am Bein, Herr Rabe duscht erst mal 10 Minuten, die Uhr, sie tickt, keine Zeit, Kinder nörgeln, ahhh. Je.den. Mor.gen. Da muss eine andere Routine her. Ich weiß aber noch nicht, welche. Im Moment komme ich jedenfalls jeden Morgen zu spät und bin eigentlich schon reif für Schnaps, wenn die Kinder endlich in der KiTa sind. Meine Lieblingskollegin schlug heute vor, Geld fürs Snoozen zu bezahlen. 1 x Snooze, 10 Kronen. Vielleicht mache ich das. Ich bin so simpel, Gelddruck zieht bei mir immer. Hilft nur nicht gegen die nörgeligen, trödelnden Spätaufsteherkinder. 

Dritte Grenze: Pippi ins Bett bringen. Weil es einfach ewig dauert, bis sie schläft. Weil sie mich (unabsichtlich) dabei haut und tritt. Weil sie nochmal was essen will, trinken, ja, alles kein Problem, wenn du dann schläfst, liebes Kind, ach, tust du nicht, du hampelst noch rum und reißt dir am Ohr und an den Haaren und dann singst du und schau mal Schatz, ich bin hundemüde und hab noch so viel zu tun, ich kann einfach nicht mehr, ich will hier nicht den ganzen Abend sitzen und dir dabei zuschauen wie DU DICH SELBST VOM SCHLAFEN ABHÄLTST. Und morgen bist du dann wieder müde und magst nicht aufstehen. JETZT SCHLAF ENDLICH, VERDAMMT NOCH MAL! 

Und dann knallen mir irgendwann die Sicherungen durch und dann fliegen Türen oder Kissen und es fließen Tränen und das ist schon alles nur meiner gut trainierten Selbstbeherrschung zu verdanken, früher** gingen in solchen Situationen Dinge kaputt. 

Da muss also auch noch was passieren. 

Morgen. Oder Übermorgen. 

*was ich sagen will: „Das ist nicht vielversprechend, habt ihr mir zugehört? Das ist gar nichts, nicht signifikant, nichts! Hört auf in dieses Scheißprotein irgendeinen Kack reinzuinterpretieren, der da nicht ist! Und vor allem lasst mich da raus!“

**vor den Kindern, das letzte Mal war’s eine Schranktür in der Schwangerschaft mit Michel.  

Tag 603 – WmDedgT im April ’17

Whee, es ist der 05. und da braucht sich der Tagebuchbloggende Mensch nichts besonderes ausdenken, denn wir erzählen heute alle einfach Frau Brüllen, was wir so den ganzen Tag gemacht haben.

Aufgestanden bin ich. Jawohl. Sogar schon nach nur recht kurzem Rumgesnooze. Als ich Michel weckte, sagte er „Aber meine Augen sind doch noch ganz müde!“ das war sehr niedlich und ich kann das auch sehr gut verstehen. Meine Augen und auch der ganze Rest von mir waren heute morgen auch noch müde. Nach ner Dusche ging das aber schon besser, dann hab ich mich im Gesicht angemalt (mit ein bisschen Glitzer, Glitzer hilft gegen innerlich müde Augen enorm!), meinen Teil zum Kinder anziehen beigetragen (ich weiß nicht mehr genau, in was der bestand) und dann die Kinder zum Kindergarten gebracht, in der Praxis heute: Pippi im Anhänger mit dem Fahrrad gezogen und Michels Geheul wegen „Ich hab kein Cap mitgenommen, buhuhuuuuu!“ (Übersetzt: „Ich bin total müde weil ich gestern erst um neun im Bett war, buhuhuuuuuu!“) während des Fahrradfahrens ertragen. 

Kinder im Kindergarten abgeliefert, mit Zusatzinfo: Pippi war sehr früh wach heute morgen und Michel sehr spät gestern Abend noch, also haben beide Kinder potentiell schlechte Laune (Übersetzt: „Wenn die komisch drauf sind heute, steckt ihnen bitte nicht sofort ein Fieberthermometer in den Po.“). Kein Problem. Wieder nach Hause, das Fahrrad abgestellt. Da ist nämlich schon wieder was losgeruckelt und mit so einem laut klappernden Rad fahren macht viel weniger Spaß, als im Sonnenschein zur Arbeit zu spazieren.

Spaziergang zur Arbeit. Vor der Krankenhausapotheke meinen Co-Supervisor getroffen, bei dessen Anblick mir auch siedend heiß einfiel, dass wir später ein Meeting haben würden. Kurz Hallo gesagt und Bis später und dann öffnete auch schon die Apotheke und er ging rein. 

Noch auf dem Weg gedacht: hoffentlich geht es Frau Herzmolekül gut, die meldet sich gar nicht. Dann große Freude: sie hat sich gemeldet und die Twin-Moleküle sind jetzt da und da musste ich glatt ein Tränchen verdrücken und auch von hier sei noch mal ganz herzlich gratuliert!

Arbeit, Arbeit. Emails, Reisekostenabrechnung noch mal kontrollieren, kurz mit dem Chef gesprochen. Dann kurzes Motivationsloch, das ich durch Erledigen meiner Steuererklärung gestopft habe. Wie auch schon im letzten Jahr hat das ca. 5 Minuten gedauert, wovon der Größte Teil für das Einloggen mit gefühlter fünfzig-Phasen-Authentifizierung draufging. Fazit: meine Daten waren alle korrekt bei der Steuerbehörde eingegangen, im Juni werde ich dann etwas unter 8000 NOK an zuviel gezahlter Einkommenssteuer erstattet bekommen. Schön, schön. Beflügelt beim Hausarzt angerufen, ob ich einen Termin zur Blutabnahme brauche, das halbe Jahr seit der letzten Kontrolle der Schilddrüsenwerte ist schon wieder rum. Ich brauche keinen Termin und außer Freitags kann ich immer einfach vor elf Uhr vorbei kommen. Gut, das mache ich gleich morgen.

Dann Labor, Mittagessen, Labor. Verzweifelte Suche nach Glykogen, weil die *miieeep* Stoffkartothek der Uni mich nicht einloggen ließ. Irgendwann im anderen Stockwerk Glykogen gefunden, 12 mikroliter entnommen und zu meiner Probe gegeben, alles eingefroren und fertig. Auf dem Weg aus dem Gefrierschrankraum dem Typen in die Arme gelaufen, dem ich von meiner Glykogen-Suche berichtet hatte und der mir Glykogen geben wollte. Ihm stattdessen das Röhrchen zurück gegeben.

Mit einer Kollegin Kaffee geholt und dabei über Literatur gesprochen, sie mag Kafka, ich nicht so. 

Mit halb ausgetrunkenem Kaffee zum Meeting spaziert. Mein Chef hat jetzt so ein Hipster-Fahrrad ohne Gänge. Außerdem hat er ab nächstem Jahr eine Woche Urlaub mehr pro Jahr, weil er nächstes Jahr 60 wird. Ich war aber auf dem Weg hauptsächlich damit beschäftigt, mich über meine Fitness zu freuen, ich schnaufe nämlich jetzt nicht mehr wie eine Dampflock, wenn ich auf dem Hauptcampus der Uni (auf einem Berg) angekommen bin. Das war vor drei Jahren eine reine Katastrophe, mit meinen Schilddrüsenwerten musste ich teilweise 10 Minuten eher losgehen als alle anderen, weil ich immer wieder so aus der Puste war auf dem kurzen Weg, dass ich anhalten musste. Heute war das also gar kein Problem und ich sehe dem Termin morgen gelassen entgegen. Tatsächlich erwischte ich mich kurz bei dem Gedanken, dass es endlich mal normale Verhältnisse sind: Ich (Anfang 30) bin deutlich fitter als Mr. I trust you (Mitte 40), der wiederum ist deutlich fitter als der Chef (fast 60).

Meeting. Langweilig. Sehr. Es geht voran (gut), „wir“ (die PostDoc vom Co-Supervisor) schreiben fleißig an Artikeln (gut), für ein Journal mit hohem Impact-Factor brauchen wir aber noch dies und das und jenes und Mr. I trust You und ich haben da grad keine Kapazitäten für, so sad (natürlich ist das wirklich doof, aber ich nehme mir das nicht persönlich zu Herzen. Wenn ich ein Laboräffchen bekomme, mache ich das, ein nicht, mache ich das vielleicht in einem halben Jahr). Viel Gelaber über Impact Factors. Nervt mich unendlich ab, das ist echt der Schwanzvergleich der Wissenschaftler*Innen: alle wissen, es ist Quatsch und sagt eigentlich nichts aus, aber es wollen trotzdem alle den längsten, ähh, höchsten Impact Factor haben.

Nach dem Meeting in die Stadt spaziert um *ZENSIERT* zu kaufen. Ich scheiterte fast am Kauf von *ZENSIERT*, am Ende und im dritten Laden gelang es mir aber doch, etwas meine hohen Ansprüche halbwegs befriedigendes zu finden. Kurz durch die Sale-Artikel für mich geschaut, aber alles war entweder aus ekligem Plastik-Stoff, den ich nicht auf der Haut haben mag, oder unmöglich geschnitten oder grauslich gemustert. Meh. Weiter in Richtung Solsiden spaziert, da bei Clas Ohlsson eine größere Ferien-Box für die stark gewachsenen Schnecken gekauft, in die ich noch Löcher machen muss, die Schnecken werden in unserem Urlaub wieder bei meiner Kollegin und von ihren Kindern betreut. 

Nach Hause spaziert. 15.500 Schritte heute.

Kurz für ein halbes Stündchen auf dem Sofa versackt und mit Herrn Rabe geschnackt, während die Kinder Mausclips guckten. Dann gekocht, gespült, Spülmaschine ausgeräumt. Gegessen (Gefüllte Paprika* und dazu Vollkornreis mit Tomatensauße, sehr lecker das alles) und dann wollte auch schon Michel in Bett gebracht werden, der war auch einfach reichlich fertig. Pippi war beim Essen erst sehr zufrieden, dann kurz angestrengt und dann wollte sie mal wieder partout nicht ausgezogen werden, was zum Windeln wechseln aber nun mal unumgänglich ist. Entsprechend hörte ich sie noch aus Michels Bett im Bad kreischen. Armer Herr Rabe. Als Michel eingeschlafen war, las ich noch ein bisschen bei Twitter herum und kämpfte gegen den Schlaf an. 

Irgendwann dann doch wieder aufgestanden, etwas in der Küche gerödelt und jetzt sitze ich hier und tippe, auch schon seit einer guten Weile. Eigentlich wollte ich für das Geburtstagskind morgen noch eine Mütze nähen, aber vielleicht mache ich das zugunsten von Schlaf einfach nicht. Ich habe das Gefühl, das mit dem Schlafen könnte heute vielleicht sogar vor Mitternacht klappen, das sollte ich dann wohl nutzen.

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*Paprika-Füllung: ca. 4 Scheiben weißes Brot in kleine Würfelchen schneiden und in Olivenöl mit Knoblauch anrösten. Dazu ein ordentliches Stück Feta (in Würfeln) geben, ein bis zwei Esslöffel saure Sahne, vier in Ringe geschnittene Frühlingszwiebeln und das Ganze gut vermanschen. Mit weißem Pfeffer, Kräutern nach Gusto und Paprikapulver würzen und in entdeckelte Paprika stopfen (ca. 4). Den Paprika-Deckel wieder draufstehen, auf ein Tomatensoßenbett setzen und bei ca. 200 °C ca. 30 Minuten bei Umluft backen. Fertig. Lecker.

Tag 541 – Kichererbsen. 

Wir hatten heute Projektmeeting, mit dem Struktur-Projekt. Etwas peinlich: wegen zu viel zu tun mit dem RNA-Projekt und dauernd kranken Kindern hatte ich seit dem letzten Meeting vor, hüstel, sechs Wochen daran rein gar nix gemacht. Das machte aber nichts, auch ohne große Beiträge von meiner Seite überzogen wir kräftig. Darüber hinaus war das ganze Meeting auf Norwegisch. Das ist für mich normalerweise kein Problem mehr, heute waren es aber verschärfte Bedingungen, nämlich

  • Vier verschiedene Dialekte: Trøndersk (Leksvik), Pen-Trøndersk, Østfold und Oslo
  • Meine österreichische Kollegin die einen starken österreichischen Akzent im Norwegischen (im Englischen auch) hat
  • Mein dänischer Co-Supervisor, der stur Dänisch spricht. 

Ich kann gar kein Dänisch. Den Rest verstehe ich ja, selbst die Österreicherin kann ich verstehen, aber Dänisch? So hört sich für mich Dänisch an: „Gouwuuuluowuuul uiiiiiche bjüül.“ Äh. Als der Däne dann sowas sagte wie „Henäääde scherüüüüü schom schiekärtr, mens häääärerejü bare skuuug.“ was vielleicht heißen sollte „Hier unten (her nede) sieht das ja aus (ser det jo ut) wie Kicherebsen (som kikerter), während das hier nur Wald ist (mens her er det jo bare skog).“ oder auch was ganz anderes, da musste ich doch sehr auf meine Zunge beißen um nicht laut loszulachen über diese absurde Situation, sieben Leute in einem Raum und sechs verstehen den siebten nicht, was der aber einfach ignoriert. 

Ergebnis des Meetings übrigens (soweit ich das mitbekommen habe): es geht voran. Und da waren sie wieder, meine zwei Probleme. Zwei Projekte, sie haben nichts miteinander zu tun und beide laufen nahezu gleich gut. Vielleicht sollte ich einfach zwei PhDs machen?

Kurz nebenbei: nächste Woche Mittwoch wird hier das FM-Radio abgestellt. Ab dann gibt’s nur noch DAB+ und Internetradio. Die Info kam heute mit der Post (frühzeitig vorwarnen ist nicht so der Norweger Ding). Die Mobilfunkanbieter reiben sich schon die Hände und empfehlen jedem, doch einfach im Auto das Internetradio zu nutzen. Und die DAB+-Empfänger werden wohl auch die nächsten Wochen nicht gerade billiger werden. Tja, dann brennen wir wohl wieder CDs fürs Auto. 


Der Papa eines KiTa-Kindes hat mit dem norwegischen Team den 2. Platz beim Bocuse D’Or -Kochwettbewerb belegt. Da kann man schon mal die Fahne hissen. (Norwegen. International bekannt für seine herausragende Gourmetküche. Oder so.)

Tag 521 – #12von12 im Januar ’17

Was 12von12 ist und viele viele mehr davon wie immer bei Draußen nur Kännchen

Kackmorgen mit müde nach Kacknacht mit Husten. Davon keine Fotos. Herr Rabe blieb heute mit beiden Kindern zu Hause, weil jetzt Michel Fieber hat und Pippi so ungenießbar ist, dass wir die vermutlich postwendend unter irgend einem Vorwand aus dem Kindergarten wieder bekommen hätten. Schub, Zahn, Husten, Schläft schlecht, alles Mist irgendwie. Irgendwann könnte ich mich aber doch zu Hause loslösen und…

Erst mal vor der Haustür mit dem Rad ausrutschen. Ich hab dann mal den Bus genommen. Und nen mega fetten blauen Fleck am Schienenbein. #aua #1von12 von #12von12

 …legte mich direkt mit dem Rad auf die Fresse. Naja, auf die Seite. Irgendwas hab ich auch blödes mit meinem Bein gemacht dabei, es hat sich wohl irgendwie verhakt, jedenfalls ist es an mehreren Stellen dick und tut beim Laufen und bei Druck weh. Aber – soweit ich das beurteilen kann – nur tief liegende Hämatome. 

Ich fuhr dann also mit dem Bus zur Arbeit und…

Äh… Wo sind meine Proben??? #2von12 von #12von12

 …fand meine Proben nicht. Irgendwer taut den -80er ab, das ist löblich, aber ne Email wäre trotzdem schön gewesen. Ich fand dann nach etwas Suchen die Ersatzkühltruhe und nach etwas mehr Suchen darin auch meine Proben und so konnte ich dann doch arbeiten. 

Wie ich so arbeite. #3von12 von #12von12


Mein Laborarbeitsplatz. Klein ist er, aber direkt an Fenster und Heizung. 

Extra spät Mittag essen, damit ich mit keinem reden muss. Läuft bei mir. #4von12 von #12von12 #antisocial

 Ja, also so wirklich gesellig war ich heute nicht. Eigentlich gar nicht. 

Kaffeezeit \o/ #5von12 von #12von12 #müdemutti #meinekinderschlafennicht #ichschlafdafürgleichimstehenein

 Mein Arbeitstag war ziemlich eintönig, ich habe 2 x 43 Proben hydrolysiert, das heißt ich hatte jeweils 2 x 45 Minuten Inkubation und 2 x 20 Minuten Zentrifugation. Beim zweiten Mal musste ich in der Zeit auch kein weiteres Zeug machen (wie Eppis beschriften; wie ich das hasse, diese Frickelei in Minischrift und dann sind die Eppis obendrauf irgendwie fettig oder so und die Schrift hält nicht und meh. Als wären Labelwriter sooooo teuer. Augenrollen.) und holte mir einen Kaffee. 

Kennen Sie dieses „There are two types of scientists“ meme? Well… it’s a thing. #6von12 von #12von12 #Kontrolletti

 Meine Boxen sind die links. Es kostet mich manchmal viel Willenskraft bei dem Kollegen rechts einfach wegzugucken. 

Irgendwann spät waren dann die letzten Proben in der SpeedVac zum Trocknen und ich machte ein bisschen Bürodinge. Nach ein bisschen Email-hin-und-her habe ich jetzt eine Zimmerpartnerin für die Konferenz Ende nächster Woche, ich habe den Jahresbeitrag für die norwegische Biochemikergesellschaft bezahlt und in Erfahrung gebracht, wie ich bei denen ein Reisestipendium beantrage. Habe mit leichter Belustigung gelesen, dass ich, wenn ich das Reisestipendium bekomme, einen Artikel mit Bildern für die Mitgliederzeitschrift schreiben muss. (Herr Rabe schlug vor, einfach meine Blogbeiträge aus der Zeit dann mit Google Translate zu übersetzen.) Habe die Quittungen für die Kalifornien-Konferenz schon mal an die Uni weitergereicht, damit ich das (hoffentlich) nicht aus eigener Tasche vorstrecken muss. Dann ging ich nach Hause. Um viertel vor fünf. Und war fast die letzte. Das mag ich an Norwegen. 

Brokkolisuppe, im Hintergrund krankes und nörgeliges Kind. Das andere Kind kippte sich derweil die Suppe über den Latz. #7von12 von #12von12

 Michel ist wirklich richtig krank, der arme Murch. Und sehr nörgelig. Aber die Suppe war lecker. 

Weil das Eis alle war und in einem Weihnachtspäckchen Quetschies waren, gibt’s halt so eins zum Nachtisch. #8von12 von #12von12 . Erst dachte ich „Whaaaaaat, 200 kCal pro Tüte???“. Sind aber kJ. #überteuertesZeug #Umweltsauerei #aberdieKinderfindenssuper

 Dinge, die ich nie selbst kaufen würde: Quetschies. 

Michel war nach dem Essen so im Eimer, dass er ins Bett wollte. Wir guckten ein Buch an, hörten zwei Mal dem Elefanten (seinem Nachtlicht) zu und schon schnorchelte er. Als ich aus dem Kinderzimmer kam, bot sich mir ein friedlicher Anblick. 

Die minderjährigen Raben schlafen, wenn auch nur teilweise im Bett. #9von12 von #12von12

 

Tja, leider musste ich dann nochmal los, um meine Proben aus der SpeedVac zu holen. Als ich das mal vergaß, gab’s Schimpfe von der Kollegin. 

… und nochmal ganz kurz zur Arbeit. Seufz. #10von12 von #12von12

Aber das geht ja glücklicherweise ganz schnell und so war ich schnell wieder zu Hause. Kurz ein Stück Schokolade gegessen, dabei kurz über die beknackte Schreibweise aufgeregt, dann Pippi übernommen. 

Chon lecker, diese Chokolade. Chmeckt viel besser als zum Beispiel Chuhcreme. #11von12 von #12von12


Jetzt muss ich noch Zähne putzen, und dann ganz schnell schlafen, mal sehen, wie oft heute Nacht Geschrei ist und Bäumchen wechsle Dich in unseren Betten gespielt wird. 

Ich werde ein bisschen angeschnarcht, es ist so niedlich😍. #12von12 von #12von12 #nofilterjustweirdlighting