Tag 758 – WmDedgT September ’17.

Heute ist schon wieder der fünfte, das heißt, wir alle schreiben für Frau Brüllen auf, was wir so den ganzen Tag gemacht haben.

Ein Tag voller Aufs und Abs.

Es ging damit los, dass um 05:35 (?) Herr Rabes Wecker laut und penetrant klingelte. Herr Rabe stellte seinen Wecker aber nicht ab. Als ich kurz davor war, mit meinem Kissen nach ihm zu werfen, realisierte ich in meinem halb schlafenden Gehirn dass der Mensch da an der Stelle wo ich Herrn Rabe vermutete viel zu klein war. Und zu lockig. Da lag also Michel, Herr Rabe lag mit Pippi in Michels Bett. Das erklärte einiges und ich brauchte dann auch nur drei Anläufe, um den Wecker auszustellen. Dann döste ich noch eine Weile weiter, stellte irgendwann auch Herr Rabes zweiten Wecker aus und dann meinen und dann las ich Blogs und sonnte mich ein bisschen im Lob über den Beitrag von gestern und dann stand ich auf. Weckte Herrn Rabe, schaltete die Kaffeemaschine an und ging ins Bad. Haare waschen, Gesicht waschen, anziehen, zwischendurch Grøt für das Kinderfrühstück ansetzen, Haare föhnen, schminken. Sie lachen vielleicht, aber inzwischen war es halb acht. Aber da ich heute eigentlich sogar gar nicht zur Arbeit fahren wollte, war mir das ausnahmsweise mal egal. Pippi war wach geworden, ich holte sie aus Michels Bett und dann weckten wir Michel. Die Kinder wurden mit Frühstück versorgt und Herr Rabe drückte mir einen Kaffee in die Hand. Die Kinder frühstückten wie immer in Zeitlupe, ich zog während er aß Michel um (das funktioniert am besten, da hampelt er wenigstens nicht rum), Herr Rabe machte sich auf den Weg zur Arbeit. Michel wollte noch einen Brief an Einhalb schreiben, er möchte nämlich gerne auch selbst Post bekommen und da ich da gestern etwas angeleiert hab, fand ich es eine gute Idee, wenn er schon mal „in Vorleistung geht“, gewissermaßen. Michel malte sehr hingebungsvoll eine Rakete mit Boosterraketen und Klappfenstern und dann noch ein Haus mit vielen Fenstern, vor dem Pippi steht. Ich war wirklich beeindruckt, vor allem Pippi ist eindeutig als Würfelbaby Mensch identifizierbar, das ist ein enormer Fortschritt. Aber natürlich dauerte das ganz schön lange und Pippi musste nebenher natürlich auch malen und dann Stifte anspitzen und dann ihre Finger anspitzen, dann musste Michel noch Einhalbs Namen schreiben, der erste Buchstabe ist auch aus Pippis Namen und den kann er ganz gut, dann kam aber ein neuer und „den muss ich so ganz groß malen, das geht sonst nicht gut“ und jetzt steht da halt der erste Buchstabe in ca. Schriftgröße 15 und der Rest in 65, aber das ist einfach so niedlich. Den Rest der Karte (bis auf Michels Namen am Schluss) schrieb dann ich in Druckschrift, Einhalb hat ja auch gerade erst mit der Schule angefangen. Dann tüteten wir den Brief ein und ich zog mit Pippi ins Bad, um sie endlich anzuziehen. Michel fragte, ob er seinen Namen auf den Briefumschlag schreiben dürfe, „Ja, hinten!“, rief ich aus dem Bad und natürlich stand hinterher vorne auf dem Briefumschlag fett in Kleinkindschrift „MICHEL RABE“, mit Punkt auf dem I. Ich fand keinen Radiergummi, Michel schrieb seinen Namen auch hinten noch mal drauf, dann putzte ich uns allen die Zähne, machte Lippenstift drauf (ich hab grad keine Nude-Phase, das Ergebnis gefiel mir jedenfalls nicht so wirklich) und scheuchte die Kinder aus der Tür. Auf der Treppe nach unten fiel mir auf, dass Pippi schon wieder einen Kamm mit geschmuggelt hatte. „Du bist eine kleine Rübennase, Pippi!“, sagte ich und „Pippi Dübenase, hehe!“, sagte Pippi.

Weil ich mein Fahrrad gestern bei der Arbeit gelassen hatte, montierte ich das Hilfsrad an den Croozer und schob Pippi darin in den Kindergarten. Michel fuhr Rad und schwafelte mich dabei voll, wie immer. Im Kindergarten angekommen rannte Pippi direkt ohne Verabschiedung in den Gruppenraum, Michel drückte mich nochmal und knutschte mich ab und dann stand ich auch schon wieder draußen und machte mich auf den Weg zur Arbeit. Beim Überlegen, ob ich mir eine Banane holen sollte, fiel mir ein, dass das, was ich als Mittagessen geplant hatte, noch zu Hause war. Chili von Sonntag, wäre es von gestern gewesen, hätte ich es wohl einfach stehen gelassen und mir halt heute was gekauft, aber so sprang ich eben kurz nochmal in die Wohnung und holte das Chili und noch eine halbe Waffel, die ich dann zum Frühstück auf dem Weg aß. Ein Kaffee vom Rema 1000, vorbei an der ultra eklig stinkenden Pfütze (aus der es, ohne Witz, warm aufsteigt, da muss doch was drin verendet sein und verwest da jetzt langsam!) und so war ich auch „schon“ um halb zehn bei der Arbeit. Aber wie gesagt, eigentlich wollte ich ja gar nicht hin, ich musste nur was bestellen und einmal nach meinen Zellen sehen und dann wollte ich auch eigentlich schon wieder fahren.

Eigentlich. Dann googelte ich aber doch noch schnell nach Phenolrot-freiem Medium, um nochmal bessere Konfokalbilder zu bekommen (ich nerde mich da grad total rein und finde es, gelinde gesagt, total geil) und fand auch das, was ich für meine Knock-Out Zellen laut Hersteller benutzen soll als Phenolrot-frei, las mir die Formulierung spaßeshalber (!) durch und stolperte über den Satz „… our special formulation is iron-free.“. Jetzt ist es so, dass ich unter anderem mit einer Knock-out-Zelllinie die Funktion einer Eisen(II)-abhängigen Dioxigenase untersuche. Abhängig heißt, ohne Eisen keine Reaktion. Das Enzym funktioniert nicht. Knock-out heißt, das Enzym ist auf der genetischen Ebene zerstört, wird also gar nicht gemacht. Ich vergleiche im Prinzip dann, wie der Wildtyp (mit intaktem Enzym) und der Knock-Out (ohne Enzym) Schäden reparieren, die ich den Zellen chemisch zufüge. Nur dass ich halt kein Eisen im Medium hatte, was ich nicht wusste, und damit hat halt auch im Wildtyp das Enzym nicht funktioniert und meine Arbeit damit war komplett Sinn- und wertlos.

Ich eskalierte kurz.

Dann schrieb ich eine Mail an den Zelllinienhersteller, was ich denn jetzt machen sollte, verglich Medien, berichtete dem Chef von meinem grandiosen Fund, aß Mittag, verglich weiter Medien, verglich verschiedene Eisen-Salze, versuchte herauszubekommen, ob nicht vielleicht doch ausreichende Mengen Eisen im Kälberserum sind (Antwort: who knows, das untersuchen die ja nicht jedes Mal, hahaha), bestellte Eisennitrat, bestellte neue Kits zur Aufreinigung von mRNA, weil mir vermutlich halt der letzte Versuch deshalb in die Hose gegangen ist. Drei echt volle Tage Arbeit und Kits im Wert von fast 1000 USD. Oh, welch Freude.

Dann ging ich zum Chef um ihm von meinen Eisenrecherchen zu berichten. Er empfing mich mit „Congrats!“. Ich guckte fragend und er sagte „To You! And to me! They [der amerikanische Collaborator] got their article [in Nature] accepted!“. Ich sage es mal so: WHOOOOOOOHOOOOOOO! Da steht mein Name mit drauf, in fucking Nature, ich hab zwischendurch immer wieder nicht dran geglaubt, aber es ist tatsächlich wahr: der kommt jetzt raus! Damit habe ich auch das eine Paper, was für die Thesis veröffentlicht sein muss, im Kasten. Yeah!

Danach war mir alles ein bisschen egal, es kam noch eine Mail, ein Antikörper sei gekommen, ich schwankte zwischen „direkt nach Hause und den Sekt öffnen“ und „morgen schon ein Ergebnis für den Antikörper haben“ und entschloss mich, gerade meiner ausgelassenen Stimmung wegen, für letzteres. Buchte mir eine halbe Stunde am Mikroskop morgen und färbte Zellen. Aber grinsend, und während der 45 Minuten Blocking (aka. Wartezeit) ging ich beschwingt zum 7Eleven und holte mir noch einen Kaffee und einen riesigen Schokomuffin. Ging zurück ins Labor, räumte die zu färbenden Zellen in den Kühlschrank und war bereit, nach Hause zu gehen. Im Büro fiel mir dann der Brief wieder ein, im Büro habe ich ein Radiergummi und ich radierte schnell und bekam auch Fluchs die Adresse. Beschwingt verließ ich das Büro, zog im Fahrstuhl nochmal den Lippenstift nach (ja, der hat so lange gehalten) und dann klingelte mein Handy. 

Meine Mutter. Mit ihr telefonierend schloss ich mein Fahrrad auf und schob dann bis zum Samfundet, weil sie, unbeeindruckt der Tatsache, dass es bei mir ziemlich stürmisch war und sie deshalb von mir dauernd nur Rauschen hörte, einfach immer weiter erzählte. Irgendwann merkte sie dann aber doch, dass sich so keine richtigen Gespräche führen lassen und wir verabschiedeten uns – unter der Voraussetzung, dass ich sie anrufen würde, wenn ich zu Hause sei. Ich fuhr also los, sprang kurz vor zu Hause noch mal ab und in den Bunnpris um den Brief abzugeben, traf noch kurz Kindergartenkind E. und seine Mutter und dann war ich auch um sechs schon zu Hause. Toll.

Herr Rabe war schon am Kochen, die Kinder und ich riefen per Skype die Oma wieder an. Pippi rollte während des Gesprächs dauernd mit den Augen, was einerseits sehr niedlich war, andererseits aber auch unglaublich komisch, jedenfalls fand ich das in meinem immer noch ziemlich euphorischen Zustand. Michel zeigte der Oma alle seine Lieblingsspielzeuge. Pippi rollte mit den Augen. Dann kam die Frage „Kommt ihr denn dann nächstes Jahr nach Hause?“, ich dachte auf einigen Ebenen „What the fuck?“, sagte aber nur „Ich weiß es noch nicht, Mama.“ Haha. Zu Hause. Dann gab es glücklicherweise Essen, sodass ich meine Mutter leider, leider abwürgen musste.

Lecker Essen (Couscous mit Gemüse und Quorn-Schnitzel), dann Kinder-Bettzeit. Planmäßig nicht neben Michel eingeschlafen, sondern stand nach einer Runde Twitter- und Blogslesen (Ich winke mal nach Finnland: Hier ist auch Herbst, richtig und in echt und ich bin auch so gar nicht bereit dafür!) wieder auf. Lauschte noch kurz den zwei schnurchelnden Mäusen und ging dann ins Bad. Schminkte mich ab, cremte mich ein, betrachtete etwas sorgenvoll meine im Moment wieder ziemlich picklige Haut (Memo an mich: gucken, ob The Body Shop mehr als nur die Verpackung der Nachtcreme geändert hat!) und machte dann Brotdosen für die Kinder morgen fertig. Sprühte die Schnecken ein, betrachtete sorgenvoll auch die Quarantäne-Schnecke, die so viele Eier gelegt hat und jetzt, so vermute ich jedenfalls, leider stirbt, vielleicht waren es ein bisschen sehr viele Eier… Jedenfalls frisst sie nicht und zieht sich immer weiter in ihr Haus zurück. Öffnete mir ein Feier-Bier, kippte den Rest vom Sekt von Freitag weg (der war auch echt einfach nicht lecker und dann noch mit ohne Kohlensäure… *schauder*) und seitdem sitze ich hier und schreibe. Gerade kam eine Mail, dass der Zelllinienhersteller „meine Anfrage bearbeitet“ und sich bis Ende der Woche zurückmelden wird. Super, davon kann ich mir ja jetzt auch nen Blumentopf kaufen. Aber egal, das verhagelt mir meine Laune jetzt auch nicht mehr, ich gehe gleich ins Bett und lese noch eine Runde über Harry Hole in Bangkok (ich lese ja die Harry Hole-Bücher von Jo Nesbø nicht chronologisch, um meine Zwanghaftigkeit abzubauen das hat sich einfach so ergeben und ist… auch mal interessant!) und dann ist Licht aus angesagt, morgen kann ich nicht wieder so spät bei der Arbeit auflaufen, ich hab ja zu tun.

Tag 754 – Stößchen. 

Today’s the day. Der Tag, an dem ich beschloss, dass ich im Zweifel eben ohne Unterstützung durch meinen Supervisor fertig werde. Und dass ich das schon schaukeln werde. Weil ich’s kann. Ich kann das. Das Thema, das selbständige Denken und das Entscheidungen treffen. Ha. Soll er doch in Funklöchern Fische angeln, ich fixe derweil die Hälfte der Konfokalbilder*, bestelle mir Zeug zusammen um den Rest noch schön zu machen (und weiche damit nicht nur ein bisschen von seinen irrwitzigen Plänen ab, aber irgendwer muss ja auf dem Boden der Tatsachen bleiben), organisiere mir Gratisproben an Antikörpern, damit ich nicht unnötig viel Geld verpulvere** und plane nebenbei das dritte Manuskript samt Backup***, wenn die Daten wirklich allzu schlecht sind. 

Und das Wichtigste: ich hab mit dem potentiellen Opponenten gesprochen, ganz alleine, weil mein Chef halt unentschuldigt fehlte nicht da war, es war sehr gut, ich fühle mich nicht dümmer als vorher, wir haben fast auf Augenhöhe miteinander gesprochen****, er freut sich sehr auf den Artikel und hat seine Hilfe als Vorab-Reviewer angeboten. Er freut sich auch sehr, mein Opponent zu werden. Hurra! Kein Paper veröffentlicht, aber nen Opponenten, das ist ja auch mal ne Herangehensweise. Witziger Weise (ok, eigentlich überhaupt nicht witzig, weil es zeigt, wie wenig er in dem Thema drin ist)  kannte mein Chef den nichtmal vom Namen her. Egal, auf das gute Gespräch und auf die Erkenntnis oben habe ich eben eine Flasche Sekt geöffnet. Kann man ja mal machen, nach so ner Kackzeit. 

Und weil ich jetzt Wochenende habe und gedenke, nicht zu arbeiten und mir auch keinen Kopf mehr um alles zu machen, habe ich eben eine Mail an unseren Proteomics guy geschickt, auf dass er mir nicht wieder das Wochenende versauen möge. 


Gnihihi. Cheers!

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* Wenn ich die vom Computer gezogen hab, zeige ich sie Ihnen auch. 

** So wie für den Donkey-anti-goat Antikörper, den ich kaufte, als ich noch glaubte, der primäre (goat-) Antikörper würde funktionieren. Tut er nicht, habe ich gestern (mal eben nebenbei, hahaha) recht eindrucksvoll bewiesen. 

*** Ne recht langweilige Geschichte, aber immerhin ne „Safe Story“, der Vergleich von vier (vielleicht sechs, mal sehen) Proteinen bei der Reperatur von Methylierungsschäden. In mRNA, vielleicht auch DNA. Lame, aber, wie gesagt, sicher. Denn da kann man tatsächlich „hat keinen Einfluss“ als Ergebnis verkaufen. Und man kann es später im Zweifel noch voll aufblasen und tatsächlich veröffentlichen, aber das mache dann nicht ich. 

**** Er hat ne PostDoc-Stelle ausgeschrieben. Ach, ach, ach. Aber USA? Hmmmmmmmmnee. Und Wissenschaft ja eigentlich auch nicht. Aber – Hachja. Das wär schon auch was. Hachjajaja. 

Tag 753 – Schnipsel. 

Konfokalkurs gehabt. Wo soll ich anfangen? Bei der bunten Häkelweste und der Holzperlen-Lederkette? Den ständigen Hinweisen, was für ein cooooooooler Musiker der Konfokalobermotz doch ist? Oder meinen mörderischen Kopfschmerzen? Oder damit, dass, genau wie im 1. Semester damals, die Antworten immer „Wärme“* oder „Pi-Elektronen“** sind? Naja, war, jetzt darf ich alleine am Mikroskop arbeiten. 

Langsam setzt Entspannung ein. Heute habe ich sogar, als ich auf meine Mikroskopzeit wartete, einfach so einen Kaffee getrunken und nahezu nichts*** getan. 

Mikroskop, erstes Mal alleine: läuft, würde ich sagen. Wie immer alle sagen, dass das totaaaaaaal schwierig ist, das alles richtig einzustellen, und, äh, das ist total logisch. Das ist echt nicht schwer, wenn man verstanden hat, welches Dings was tut, all die kleinen Spiegel und Filter und Verstärker und Tralala. Keine Ahnung, wieso sich meine Kollegen da so anstellen… Für alles, was komplizierter ist, gehe ich eh zur Core Facility, aber das grundlegende „hat meine Färbung geklappt?“ kann ich jetzt alleine. 

Ich habe offenbar viel genörgelt in letzter Zeit, ich kriege jedenfalls plötzlich viel Hilfe von meinen Kollegen angeboten. Das fühlt sich sehr viel besser an, als das Alleinsein und die ungeteilte Verantwortung von vorher. 

Morgen werde ich einen potentiellen Opponenten für die Defense ansprechen. Das ist sehr aufregend. 

Meine Kinder sind die, die sich bei 12 Grad auf dem Spielplatz die Socken und Schuhe ausziehen. 

Auch auf dem Spielplatz: Kind-Kumpel: „Was arbeitet deine Mama?“ Michel: „Meine Mama arbeitet mit Zellen. Im Krankenhaus. Weißt du was für Zellen?“ – „Nein?“ – „So welche, die im Körper sind!“ – „Meine Mama arbeitet mit Brillen!“.

Diese Autokratzersache**** ist jetzt richtig teuer geworden, offenbar hat unsere Versicherung einfach alles bezahlt, was die Gegenseite verlangt hat***** und es uns aufgebrummt. Heute kam jedenfalls ein Brief, sie hätten 1700€ ausgelegt und würden mich entsprechend hochstufen. Mal sehen, ob ich die Nerven und die Zeit finde, da morgen mal nachzufragen, ob die noch alle Tassen im Schrank haben. 

Aber echt mal: die Kinder. Hachz. So ist das, wenn sie schlafen sollen. (Ton anmachen.)

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* „Wo geht die Energie hin, die Quantenausbeute ist ja nie 1?“

** „Warum kann man das anregen, damit es dann leuchtet?“

*** ne To-Do-Liste erstellt. 

**** Ich wollte verlinken, hab dabei aber gemerkt, dass ich offenbar noch nichts davon erwähnte. Kurz: Michel hat auf unserer Tour nach Bergen an einem Parkplatz die Tür des Autos beim Einsteigen etwas schwungvoll aufgemacht und drei rote Lackspuren, von denen ich zwei mit Mikrofasertuch, Feuchttuch und Fingernagel wegbekam, am Nachbarauto hinterlassen. Das ganz neu war. Und weiß. Und teuer. Und weil ich ja unverbesserlich ehrlich bin, bestand ich drauf, auf die Besitzer des anderen Autos zu warten. Die fanden das voll nett. Und ficken einen dann eben doch hintenrum . Mache ich wohl auch nicht nochmal. Also warten. (Haha, natürlich doch, ich kenne mich ja.)

***** offenbar mindestens die komplette Tür lackiert, ungeachtet meiner Beschreibung der nicht mal fühlbaren Lackspuren. Das waren ja nichtmal Kratzer. Was natürlich jetzt im Nachhinein auch keiner beweisen kann, weil ja einfach gemacht wurde. Ohne Kostenvoranschlag, ohne irgendwas. Nur „nach Ihrer Beschreibung des Unfallherganges sind Sie schuld, wir halten Sie auf dem Laufenden.“. Dass ich (naja, Michel, aber der ist ja einfach noch nicht mündig) „schuld“ bin, habe ich ja auch nie angezweifelt. Nur das Ausmaß ist… äh… etwas absurd. Und „auf dem Laufenden halten“ verstehe ich auch irgendwie anders als „das hat’s gekostet, ihre Prämie erhöht sich damit um 300%, bitte verwenden Sie bei Rückfragen die Schadensnummer“.

Tag 751 – Achterbahn. 

Morgens Absage auf eine Bewerbung. 

Zur Arbeit durch den strömenden Regen. 

Bis zum Mittagessen anstrengender Versuch, stressstressstress. 

Dann auch noch kaum sichtbare Zellpellets, weil die Zentrifuge falsch eingestellt war. Mühsam Ausraster unterdrückt ob der Aussicht, den Versuch noch mal wiederholen zu müssen. 

Mittagessen alleine, weil jede Frage nach meinem Befinden unweigerlich zu einem Heulkrampf geführt hätte. 

Chef bestellt völlig irre Antikörperkombinationen. Er ist entweder ein Genie oder verrückt. Oder beides. Ich bestelle heimlich die sichere, wenn auch nicht ganz so geniale Variante. 

Email vom Konfokalobermotz: Kurs am Donnerstag. Da geht er hin, mein potentiell freier Tag, den ich so nötig hätte. 

Ich isoliere RNA aus den unsichtbaren Zellen. Es reicht, ich muss den Versuch nicht wiederholen. 

Während ich eigenmächtig Zellen färbe, um den Konfokalkurs schamlos ausnutzen zu können, kommt der Chef ins Labor und grinst über beide Backen: „Ich hab Geld ausgegraben, Du und die Bürokollegin könnt bis Ende des Jahres voll bezahlt werden.“ 

Ich sähe Zellen aus, fahre durch den Sonnenschein nach Hause, habe endlich mal wieder eine gute Zeit mit den Kindern, esse, bringe Michel ins Bett, fahre wieder zur Arbeit, ernte ein paar Zellen, kaufe Schokopudding.

Komme nach Hause. Pippi liegt bei Herrn Rabe auf dem Sofa, sie hat eine Erkältung (nicht so schlimm) und Ohrenschmerzen (Alarm!), Herr Rabe hat seine Kindkrank-Tage aufgebraucht, ich muss (mussmussmuss!!!) morgen diesen Versuch fertig machen, aber hilft ja nix, außer Daumen drücken können wir wohl nix machen. 

Mit der Schwägerin telefoniert, sehr aufmunternd war das. 

Jetzt merke ich erst, wie müde ich bin. Ich könnte hundert Jahre schlafen. 

Und morgen freue ich mich dann bestimmt auch mal über die zwei Monate mehr Zeit. 

Bestimmt. 

Tag 746 – Abgehakt. 

Alter Verwalter, ich bin echt fertig. Dieses „Zellen färben“ macht ja mal gar keinen Spaß. Null. Heute habe ich wieder stundenlang* die kleinen Glasplätchen herumgedreht, gewaschen**, gemacht, getan, und am Ende habe ich sie auf Objektträger geklebt. Morgen werde ich dann mich mit meinen vermutlich stümperhaft gefärbten Proben furchtbar blamieren hoffentlich zusammen mit den Leuten von der Imaging Core Facility ganz tolle Bilder machen und dann… können wir den Artikel immernoch nicht einreichen, weil ich ein Experiment wiederholen muss. Buhuhuhuhu. Ich kann nicht mehr, ich will nicht mehr, ich möchte schreien, aber das hilft ja auch nix, also mache ich weiter. Vielleicht kriege ich ja wenigstens ein Fleißbienchen in meine Diss gestempelt. Summsummsumm. 

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*sechs. Sechs f***ing Stunden lang habe ich mit der Drecks Minipinzette in der Hand da gesessen. Mir tut alles weh jetzt, aber hey, neue geheime Superkraft entdeckt: ich kann sehen, welche Seite vom Glasplättchen die bewachsene ist. 

**Ein Hoch auf die Erfinderin*** der Vakuumpumpe. Auch wenn auch das auf die Dauer (120 Proben, je sieben mal gewaschen, also Puffer drauf, absaugen, neuen Puffer drauf…) auch stinklangweilig wird. Aber besser als alles wieder rauspipettieren allemal. 

***Frau Professor Vaku Umpumpe. Aus Rumänien. Wissen ja viele nicht. 

Tag 745 – Die Qual. 

Heute mit der Lieblingskollegin viel über die Bundestagswahl gesprochen. Weil ich ja seit gestern die Wahlunterlagen hier habe. Und weil ich viel Zeit hatte, während ich die absolut furchtbarste Arbeit der Welt erledigte (erinnern Sie sich an die kleinen Glasplättchen in den Platten? Die mussten da heute wieder raus. Nass. Festgesaugt an der Platte. Jedes scheiß Teil einzeln, möglichst ohne kaputtgehen, 120 Stück.) und sie viel Inkubationszeit hatte und überhaupt redet man ja selten über Politik. Jedenfalls stellten wir fest, dass wir beide nicht wissen, welche von den 42 Parteien wir denn wählen sollen. Dass wir ohne Probleme ~10 Parteien aufzählen können, die aus diversen Gründen gar nicht gehen. Dass wir beide (unrealistisch) hoffen, dass die AfD die fünf-Prozent-Hürde nicht knackt, aber beide davon ausgehen, dass es nicht so sein wird. Dass wir trotzdem wenigstens auf unter zweistellig hoffen. Und: Christian Lindner ist nur 6 Jahre älter als ich und nur 3 Jahre älter als sie. Quasi unsere Generation*. Ähh…

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*Anekdote: in meinem Abijahrgang gab es zwei relativ nervtötende Laberbacken, die permanent Dinge diskutieren mussten. Alles. Immer. Ich hatte mit beiden Deutsch von der 11. bis zur 13. Stufe. Wenn der eine den Mund aufmachte (Lieblingsthema: Spießbürger) rollte die Lehrerin schon mit den Augen. Wenn der andere einstieg, hatten wir anderen entspannt Zeit zum aus-dem-Fenster-gucken und der Lehrerin rollten fast die Augen weg. Der eine wurde CDU-Politiker. Der andere Journalist. Vielleicht interviewt der eine den anderen noch ab und an. Und danach tauschen Sie sich über ihre Geheimratsecken aus und diskutieren sich die Köpfe über die Spießbürger in Effi Briest heiß. In meinem Kopf jedenfalls ist das so. In echt arbeitet der eine bei RTL in der Redaktion und interviewt vermutlich gar keine Bielefelder Lokalpolitiker.