Tag 844 – Shopping.

Heute war unsere To-Do-Liste relativ lang, aber hauptsächlich mit Einkaufsplänen. Michel ist nämlich aus allen seinen Pullis rausgewachsen, außer aus der Wollunterwäsche, die er aber grad wegen „äähhhhh, das kraaaaaaatzt!“* nicht anziehen mag. Pippi hingegen hat jede Menge Zeug für „obenrum“ aber dafür wurden die zwei „guten“ (weil dickeren) Wollleggins und alle Strumpfhosen zu kurz. Strumpfhosennachschub haben wir noch von Michel, aber die Wollunterwäsche hält echt nur ein Kindergartenkind aus, danach kann man das leider alles echt nur noch wegtun, das teure Zeug. Ich hasse es, und ich hasse es auch, das Zeug zur Lebenszeitverlängerung drölfzig mal zu flicken (immerhin kann man dafür die alten Teile wiederverwenden), aber so ist es halt. Jedenfalls zogen wir also los zum Einkaufszentrum und stellten als erstes fest, das der Lindex da zu gemacht hat, sonst meine liebste Quelle für Kinderkleidung (und BHs!), weil preislich ähnlich wie H&M, aber qualitativ deutlich besser. Kommt nicht an Polarn o‘ Pyret ran, auch nicht an Me&I (da hatten wir mal ein paar Sachen in einer „geerbten“ Kiste und die waren alle ausnahmslos toll, aber dieses Tupperwareprinzip geht mir so dermaßen gegen den Strich, da bin ich leider raus), aber wer kann sich das schon für die ganze Kindergarderobe leisten? Ich kaufe sehr gern und viel im Sale bei Polarn und verschenke da auch gern Sachen von, weil die wirklich hübsche und hochwertige Kinderkleidung haben, aber jeder Pulli 35€, das ist einfach nicht drin. Oder, doch, wäre es natürlich schon, wir müssten dann nur an was anderem sparen, Essen oder so. Also, langer Rede kurzer Sinn: Herr Rabe kaufte Michel einen Pulli bei Polarn, Herr Rabe ist viel großzügiger als ich. Und Pippi bekam eine Strumpfhose, die ihr dann nächstes Jahr irgendwann passen dürfte, aber so ist das da: die Größenangaben beziehen sich eher auf riesige norwegische Sverres und Ingvilds, als auf meine „voll im deutschen Durchschnitt“-Kinder. Dass Pippi da beschloss, ihre Windel vollzukacken, nutzte ich um alleine zu Coop Obs zu gehen, Windeln und für Pippi die neuen Woll-Leggins kaufen. Bonus: als ich an der Kasse stand, bezahlte vor mir eine Dame einen riesigen Teddybär. Also wirklich riesig. Deutlich größer als Michel. War ich froh, dass die Kinder das nicht sahen, die hätten wir ja nie mehr davon abbringen können, auch so einen riesigen Bär haben zu wollen. Herr Rabe zockelte dann mit Pippi los, die Windel zu wechseln und ich ging mit Michel zu H&M, einmal quer durch die Mädchenabteilung zu den Jungs. Bei den Mädchen fielen mir ein paar Sachen im Vorbeigehen auf, es scheint drei Kategorien Zeug zu geben: a) glitzerrosawendepaillettenblingblingpferdchen, b) was Mama anhat, nur in klein und c) Fanware, Markus und Martinus (kennt man die außerhalb Norwegens?) sind wohl grad der letzte Schrei bei den, ähh, Fünfjährigen?. Aber darum ging es ja nicht sondern um Pullis für Michel und der war da quasi im Paradies. Erster Ständer, erster Pulli: Dinos. Zweiter Ständer: Silberner Glitzer-Triceratops-Roboter auf blauem Grund. Dass das Kind nicht vor Entzückung gekreischt hat, war echt alles. Er wollte dann gerne noch einen DRITTEN Dinopulli, den fand ich aber dann ein bisschen teuer und konnte seine Enttäuschung echt verstehen. „Mama? Aber ich stehe ja schon sehr auf Dinosaurier?“ mit Dackelblick und allem. Es war dann noch eine echt coole Sweatjacke im Angebot, im Dino-Look mit Stacheln über die Kapuze und den Rücken und jetzt haben wir auch noch gleich ein Weihnachtsgeschenk für Michels allerbesten Freund, der halt auch riesen Dino-Fan ist. Und weil mein Kind das mit dem Dackelblick perfekt beherrscht*, hat es auch so eine Jacke bekommen, weil ich aber zu zwanghaft bin, um mir irgendwas von „die Jacke ist ja so gut wie ein Pulli“ einreden zu können, gab’s noch so ein Doppelpack Basics, auf des Kindes Wunsch hin wenigstens in Dino-grün.

Jetzt sind wir hoffentlich erst mal wieder eingedeckt mit allem.

Auto-Lobhudelei: Hmmmm, schwer heut. Ich habe es geschafft, Pause zu machen und mich nicht mit Schreiben zu stressen. Außerdem sah ich echt gut aus, ich teste ja am Wochenende gern mal Make-up und heute mal meine neu erworbene Foundation von Catrice: ich bin schwer beeindruckt! Sooooo viel besser als die The Ordinary! Und dabei nicht so viel teurer. Ich muss nur noch sehen, ob meine Haut damit zurechtkommt, dass die parfümiert ist. Vielleicht muss ich mal wieder ein neues Video machen, ich hab viel neues Schminkgedöns.

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*ich bin da ja auch empfindlich und kann Schafwolle nicht direkt auf der Haut tragen, aber dieses Merinounterwäschezeug geht echt gut, das kratzt absolut gar nicht. Mimöschen.

**Pippi sieht ja, dass es bei Michel gut funktioniert mit dem Dackelblick und übt das jetzt auch fleißig, das ist aber bisher eher niedlich als erfolgreich.

Tag 840 – Puh!

Herr Rabe ist wieder da. Das heißt: wir haben wieder Hygienespüler. Wir haben (gekaufte) Adventskalender für die Kinder, Ich habe einen Adventskalender (von Essie, laaangweilig, ich weiß, aber hier in Norwegen ist das voll außergewöhnlich dass ich den hab, den gibts dieses Jahr nämlich irgendwie nur bei einem Anbieter – für das anderthalbfache des Preises, der bei den anderen Onlineshops als „bald verfügbar“ steht und mehr als das doppelte von dem Preis, den ich letztes Jahr bezahlt hab.

Ansonsten bin ich froh, dass ich die Kinder jetzt nicht mehr alleine versaue jetzt nicht mehr alleine für die Kinder zuständig bin. Zwei Tage mit zitternden Armen reichen grad dicke. Heute haben wir den Tag recht gut mit einem Kindergeburtstag rumgekriegt. Vorher waren wir noch bei der Freundin von Michel, deren kleiner Bruder ist Pippis Freund und deren beider Mama ist die Leiterin des Kindergartens und wirklich nett. Eigentlich sollte ich nur Michel abliefern, weil eigentlich nur Pippi und Pippis Freund auf dem Geburtstag eingeladen war, dann wurden aber kurzfristig heute früh doch noch Michel und seine Freundin dazugebeten und dann sah ich wohl platt genug aus um einfach auf nen Kaffee eingeladen zu werden und im Endeffekt waren wir dann alle knappe zwei Stunden da und fuhren dann zu dem Geburtstag. Der war dann sehr schön, die Kinder verdrückten unglaubliche Mengen Kuchen und vor allem Chips (mit Chips bin ich ja bei Pippi immer noch sehr vorsichtig, seit sie mal im Flugzeug freudestrahlend so ein Tütchen Chips verdrückte und es fünf Minuten später immer noch freudestrahlend in meine Hand kotzte (offenbar hab ich das nicht verbloggt, WARUM DENN NUR?), aber sie hat alles gut vertragen und sich trotz der wirklich unglaublichen Mengen zum Abendessen noch eine riesigen Portion Nudeln mit Parmesan reingeschaufelt, ich glaube, da wächst bald wer). Die Eltern des Geburtstagskinds sind sehr nett und sprechen – Überraschung – echt gut Norwegisch. Zu Hause sprechen sie miteinander Hindi und mit dem Kind indisches Englisch, deshalb dachte ich irgendwie, die könnten nicht gut Norwegisch. Aber das ging echt gut alles und die Kinder spielten sehr schön und nahezu ohne sich gegenseitig die Köppe einzuhauen und als ich heute Abend Pippi ins Bett brachte, sang sie ihrer Mickey Maus ein Lied vor: „Eböörsdäi tuu juuu, eböörsdäi tuu juuuu! Ebörsdäi di Mau-haus, ebörsdäi tuu juu!“.

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Leicht Off Topic: Die Mutter eines anderen Kindes aus dem Kindergarten, die auch auf dem Geburtstag war, ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin in französischer Literatur, an der Uni. Post-Post-Doc, sozusagen. Auf einer bis Januar befristeten 50%-Stelle. Schon der dritten kurzfristig befristeten und ungewollt nicht-vollen Stelle. Es ist doch überall das Gleiche und echt zum Heulen. Die akademische Welt ist kaputt, an allen Ecken und Enden.

Tag 839 – Beste Mama ever!

Wenn meine Kinder wählen könnten, wäre ich das wohl heute geworden. Zumindest zum Teil. Oder eher: bis auf Ausnahmen.

Weil, also, hmm, für dieses „Erziehen“ braucht man definitiv mehr Nerven als ich zur Zeit habe. Auf der Ebene fand heute also nur das Allernötigste statt und das kostete mich schon alle meine spärlichen Nervenvorräte. Jupp, ich bin die Mutter, die im Parkhaus erst ihr Kind anschreit (so richtig mit der Mom-Voice und den fiesen Sätzen die direkt aus der dunklen Masse der eigenen Kindheit stammen) und dann das brüllende Kind recht ruppig im Autositz anschnallt, weil NEIN, OHNE ANSCHNALLEN FAHREN WIR NICHT LOS UND NEIN, WIR WERDEN HIER NICHT NOCH NE STUNDE LANG HERUMHAMPELN, ES IST SCHON SPÄT UND WIR MÜSSEN NOCH EINKAUFEN. Das passierte heute zwei mal innerhalb von nicht mal anderthalb Stunden. Dazwischen lag ein Einkauf aus der Hölle, weil Pippi, die sture und trotzphasige Rübennase, das Geburtstagsgeschenk für ihre Freundin trotz ca. 5000-maliger Ermahnung und „Ja, R. sin!“-Beteuerungen ihrerseits dann doch ausgepackt hat, woraufhin ich ihr das wegnahm. Ja. Ich bin also auch die Mutter, die erst ihr brüllendes, zappelndes Kind aus dem Parkhaus schleppt (das hallt da so!), dann vor dem Supermarkt mit dem brüllenden Kind auf dem Boden hockt, vom brüllenden Kind gehauen wird, dem brüllenden Kind mitteilt, dass jetzt eingekauft wird, deren brüllendes Kind aus dem Einkaufswagen klettert und deren brüllendes Kind im Supermarkt mitten im Weg auf dem Boden liegt. Mütter mit seit längerem ungeduschten Teenagern gingen vorbei und ich sah das „Gott sei dank ist das vorbei!“ in ihren Augen. Mütter mit rosigen Babies gingen vorbei und ich sah das „Oh mein Gott, das arme Kind, meins wird das ja nie machen, weil…“ in ihren Augen. Ältere Damen gingen vorbei und schüttelten „Tztztz“-machend den Kopf. Und dann war es irgendwann vorbei und meine Nerven auch und hier ist die Liste der Dinge, die wir kauften um weitere Tantrums auf jeden Fall zu verhindern:

  • Zwei trockene Brötchen
  • Eine extra Packung Apfelsaft
  • Cornflakes
  • Pappsüßen Kinderjoghurt (ok, den wollte Michel haben)
  • Fettarme Milch
  • Tomatensoße mit Basilikum von Barilla
  • Äpfel
  • Überraschungseier (wollte auch Michel haben)

Nur beim Eis an der Kasse blieb ich hart und es war mir dann auch echt egal, dass sie da wieder herumbrüllte, dann sollen die aufhören, ihre Quengelware in Hörweite der Kassierer*Innen aufzustellen, wenn die das zu sehr stört (mich hat das in meinen vielen, vielen Jahren an diversen Kassen übrigens nie gestört).

Ansonsten hab ich mich heute nur beim Anziehen und beim Zähne putzen durchgesetzt, alles andere habe ich einfach durchgehen lassen. Ich traue Ihnen genug Phantasie zu, um sich „alles andere“ realitätsnah auszumalen.

Dieses Kind schafft mich. Und dann ist die wieder so niedlich, dass ich sie fressen möchte. Wenn Sie ihren Bruder füttert zum Beispiel. Oder ihr Bärchen ins Bett bringt.

Tag 835 – Liebe Grüße aus dem Krankenlager.

Tjoa, also die Kinder sind immernoch krank. Auf unterschiedliche Art. Michel hatte heute morgen noch leichtes Fieber und dann keins mehr, fühlt sich aber sehr schlecht, Pippi hatte heute morgen kein Fieber und heute Abend erhöhte Temperatur und ist mopsfidel. Und ich sage es mal so: mehr als ein Kind, das nachts weinend angerannt kommt, weil es panische Angst hat, an Husten zu sterben, brauche ich auch nicht. Und auch die Erwiderung auf mein „niemand stirbt hier, ich passe schon auf“ habe ich mal lieber überhört:

Doch. Du und Papa. Ihr seid erwachsen. Dann sterbt ihr bald.

Tag 834 – Erwachsenenkram.

– Mit der MS-Kollegin gesprochen. Es war… interessant.

(Ja, Schadensersatz wegen psychischer Grausamkeit wär vermutlich angebracht. Sie misst jetzt meine Proben und hält mich hoffentlich auf dem Laufenden, darum habe ich mehrmals explizit gebeten, auch schriftlich per Mail.)

– Mit dem Chef geredet. War auch interessant. Fazit: ich mache das schon, er hat am 31.12. abgegeben, haha, ja, das war stressig. Waaaaaaahnsinnig hilfreich. Oh, und (liebe A.!) die Sluttføringsstipendier werden im Januar ausgeschrieben. Helfen mir also nix mehr, aber vielleicht der Bürokollegin.

– herausgefunden, welche Person die Print-Version der Dissertation annimmt, und, wichtig! unterschreibt, dass die abgegeben ist. Auch herausgefunden, dass diese Person bis zum 22.12. arbeitet.

– eine Bestätigung, dass ich die 30 Credit Points an Kursen erreicht habe, angefordert. Wird noch Stress geben, weiß ich jetzt schon, weil die Uni hier immer noch nicht meine in Tromsø absolvierten Kurse in mein Transkript aufgenommen hat, obwohl ich das schon mehrmals und an verschiedenen Stellen angesprochen und bemängelt habe.

– Den schönen Mikroskopmann genervt, wir brauchen endlich die Bilder.

– Antwort vom Mikroskopmann direkt an den Chef weitergeleitet, ich werde nämlich zumindest morgen nicht bei der Arbeit sein, beide Kinder haben Fieber.

– Antwort auf die Frage zum Nature-Paper bekommen. Wenig befriedigend, teils vermutlich falsch. Muss ich morgen beantworten, wenn ich wieder Motivation dafür aufbringen kann.

– Antwort auf eine Anfrage erhalten, ob jemand meine Opponentin sein will. Ja. Hurra! (Muss ich auch noch morgen beantworten, aber das geht schon.)

– Viel Daten gewälzt und herumstatistikt und das Hirn zermartert, was das machen könnte, dass die Daten so sind. Jetzt eine Hypothese, die sich hoffentlich anhand der neuen Daten bestätigen wird.

– mit Mühe eine plausible Frage ausgedacht, die ich dringend noch der Vice-CEO von Donnerstag (per Mail) stellen musste. Präsent sein. Interesse zeigen. So wichtig! (Keine Antwort bisher, das ist doch auch Folter.)

– Bei Herrn Rabe das heikle Thema „in drei Monaten und ein bisschen läuft unser Mietvertrag aus, was machen wir, wenn ich bis dahin keinen neuen Job habe?“ angesprochen. Tja. Ist heikel.

Nicht so erwachsen: viele unbeantwortete Nachrichten. Nicht getraut, den Agenturmann von Donnerstag anzurufen. Kein einziges der 18 Paper, die ich extra auf das iPad geladen hab, auch nur angelesen. Die Kinder viel Fernsehen gelassen (ok, die hängen aber auch beide einfach in den Seilen). Quatsch gegessen und viel Sorgen gemacht.

Tag 814 – Grumpy Pumpkin.

Halloween mag ich nicht. So, jetzt ist’s raus. Hier waren diesmal auch zum ersten mal überhaupt Kinder. Zwei. Von denen ich eins sah. Und so ganz schienen sie das Konzept nicht verstanden zu haben, denn das ganze lief ca. so ab:

*ring*

Ich, in den Hörer: „Hallo?“

Kinderstimme: „Hallo?“

Ich: „…“

Kinderstimme: „Äh, können wir rein?“

Ich: „Ihr müsst schon erst was sagen.“

Kinderstimme: „Äh, wir wollen rein um Süßigkeiten zu kriegen?“

Ich, nach kurzem Lachanfall: „Na, dann kommt mal hoch.“

Ja, und wie gesagt: gesehen hab ich dann von zwei Kindern nur eins (ca. 8 oder 9 Jahre alt, also auch kein schüchternes Kleinkind), das hatte seine Hexen-Gummimaske in der Hand (vermutlich ist die halt schwitzig-eklig innendrin, Augen auf und Hirn an beim Kostümkauf, würde ich da sagen) und war schneller wieder weg, als ich gucken konnte.

Laaaaangweilig!

(Außerdem vermisse ich ECHT RICHTIG DOLL Laterne-singen. Dafür würde ich sogar basteln. Und dass Michel heute einen Heulanfall bekam, weil ich ihm keine Fledermausflügel genäht hab (hahaha, wann denn? Ich hab noch nicht mal schwarzen Stoff!), macht’s auch nicht grad besser.)

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(Ganz kurzes Karri-Update: heute hab ich das Haus verlassen und es war wohl etwas übermütig, dass ich noch einen Espresso auswärts getrunken hab, jedenfalls brüllte Pippi ziemlich als ich zurückkam und wollte danach am liebsten in mich reinkriechen. Hmmhmmhmm. Donnerstag geht’s weiter, dann aber mit Herrn Rabe – ich werde mal wieder am Mikroskop sitzen.)

Tag 813 – Sichelzellanämie ist es auch nicht.

Heute waren drei Dinge:

  • Kackwetter
  • Kinderarzttermin
  • Start der Pippi-Karri-Gewöhnung

Bis auf das Wetter lief alles super, also das Wetter war auch echt grandios im Kacke sein und ich bin jetzt um die Erkenntnis reicher, dass der heutige ColourPop-Lippenstift (Bichette Matte Lippie Stix) zwar Essen, Trinken und allgemein langes draufsein tadellos übersteht, aber bei eiskaltem Wasser (ok, es war eher so Eisstrahlen) blättert der einfach ab. Vielleicht lässt sich das ja zum Abschminken nutzen.

Jedenfalls ließ ich nach dem Weg zur Arbeit für die weiteren Wege des Tages dann doch lieber das Fahrrad stehen, auf dem einen Weg musste ich schon drei mal anhalten und warten, bis meine Augen, in die es die ganze Zeit quasi reinhagelte, aufgehört hatten zu tränen. Dann fing es noch an zu schneien, alles war voller Schneematsch, ich hab noch keine Spikes aufgezogen und muss dringend meine Bremsen nachziehen, die funktionieren nämlich bei kalt und nass nur mäßig und überhaupt war wirklich Fahrrad-feindseliges Wetter. Also nahm ich den Bus von der Arbeit nach Hause, dann das Auto (nachdem ich den Reboarder eingebaut und die Bezüge wieder aufgezogen hatte…) von zu Hause zum Kindergarten, sammelte Pippi ein, fuhr mit ihr zum Kinderarzt, legte mich fast auf die Fresse, weil der Lehmboden am abschüssigen Parkplatz so nass und glibschig war, kam mit Pippi um 12:59 in die Kinderarztpraxis und schaffte es nicht mal, meine Schuhe auszuziehen*, da wurden wir schon aufgerufen.

Dann der Arzttermin. Also, Herr Prof. Dr. Stein Dingenskirchen, der war sehr nett. Er erinnerte mich sehr an meinen alten Frauenarzt. Erstens war er alt. Richtig alt. Die Hände schon voll Altersflecken-alt. Und dabei ein gutmütiger, etwas behäbiger Opa. Er machte sich handschriftlich Notizen zu allem möglichen (Ich kam mir vor wie beim Heilpraktiker, so lange und ausführliche Anamnesegespräche hab ich bisher selten erlebt), während Pippi vor sich hin spielte. Er fragte wirklich alles ab, von ihrem Geburtsgewicht zu ihrem aktuellen Gewicht, wie lange ich gestillt habe, wie lange voll, was und wie viel sie so isst, ob es ihr im Kindergarten gefällt und so weiter. Dann fragte er erst nach dem mysteriösen Fieber. Und zum ersten Mal sagte mein Gegenüber nicht „also ca. einmal im Monat?“ als ich sagte, dass sie alle drei Wochen Fieber bekommt, wie ein Uhrwerk. Er fragte dann noch ein paar Sachen, hörte Pippi ab, guckte in ihren Hals, fühlte an ihrem Bauch, bewunderte ihr Pflaster an der Hand**, tastete alle möglichen Lymphknoten ab, kitzelte sie hinterm Ohr und dann durfte Pippi wieder spielen während ich erklärt bekam, was er für die wahrscheinlichste Erklärung hält. Und das ging so: „Also, erstmal um dich zu beruhigen: das ist keine Leukämie und auch kein Rheuma. Bei Erwachsenen würde man das bei solchen Symptomen vermuten und deshalb wollte Euch wohl auch die Hausärztin herschicken. Es könnte noch Sichelzellanämie sein, aber das wüsstest du sicher, wenn das in eurer Familie vorkäme. Bei so kleinen Kindern und nachdem das andere ausgeschlossen ist, gibt es noch etwas, das Periodisches Fiebersyndrom heißt. Da schreibe ich mal hier einen Artikel*** auf, da ist das sehr gut beschrieben. Im Grunde ist es genau das: alle drei bis vier Wochen Fieber für ein paar Tage, ohne weitere Symptome. Manchmal geht damit eine Schwellung der Lymphknoten**** oder eine Mandelentzündung einher. Das ist nicht schlimm und geht von selbst wieder weg, man kann auch mit einem Hals-Nasen-Ohrenarzt mal überlegen, ob die Mandeln entfernt werden sollten, wenn es zu häufige oder zu lange Episoden werden.“ Dann fragte er noch, ob ich noch Fragen hätte (nein, also ja, aber nein, ich muss das erstmal verdauen) und füllte mir einen Antrag auf Erweiterung der (bezahlten) Kindkrank-Tage aus, damit wir nicht jedes Mal einzeln zum Arzt rennen müssen. Und dann wars auch schon vorbei, 45 Minuten waren wir „behandelt“ worden, Pippi sagte ganz bezaubernd Tschüss zu allen Spielzeugen, die in der Praxis wohnen und ich fuhr sie zurück zum Kindergarten. Ohne Kind auf dem Schoß arbeitet es sich einfach besser, vor allem im Labor. Auch wenn es dann nur noch ne Stunde war, bis ich wieder losmusste um Karri zu treffen.

Um exakt 15:45 parkte ich vor unserer Haustür, wo auch schon Karri stand (aber noch nicht lange, puh) und wir gingen – immernoch durch den Schneeregen – zum Kindergarten. Michel wollte unbedingt zu seinem besten Freund, weil da heute „ein Kürbis gemacht wurde“, whatever, ich fand eine Solo-Gewöhnung von Pippi für den ersten Tag auch gar nicht schlecht, also sagte ich ja. Ich stellte Karri den verbliebenen Kindergärtner*Innen vor und erklärte ihr das nötige. Und dann rollten wir gemeinsam das Kind im triefenden Fahrradanhänger nach Hause. Da kam ich mir dann kurzzeitig sehr Gutsherrinnenmäßig vor, weil ja Liv heute da gewesen war und alles blitzte und blinkte und ich komme mit meiner Nanny zur Tür rein… Naja. Pippi war überraschend fröhlich, ließ sich von Karri direkt ein Brot schmieren und wollte dann unbedingt Peppa Wutz gucken (etwas peinlich für die Mama, das Fernsehsüchtige Kind…). Aber sie darf ja eine Folge gucken und Karri bekam dann auch gleich einen astreinen Wutanfall mit, als die Folge vorbei war und ich ausschaltete. Ganz reale Bedingungen also. Während der Folge hatte ich Karri weitere nötige Dinge gezeigt (Klo, Windeln, Kleidung, Essen…) und ihr alle unsere Nummern gegeben und meinen Plan erläutert, nämlich zwar hier zu sein, aber eben Kram zu machen, auf den Dachboden zu gehen und so weiter. Und das machte ich dann auch, fast gar nicht nervös, und als ich vom Dachboden wiederkam, die Hände voller Kinderstiefel, hörte ich Pippi fröhlich quietschen. Pippi und Karri bauten Lego, das Kunstwerk würde mir stolz präsentiert und dann rödelte ich weiter. Einmal rief Pippi im Wohnzimmer „Mama?“ und ich rief aus dem Schlafzimmer „Ich bin hier!“ und das war‘s. Für einen ersten Tag mit meinem bisher eher klammerigen Kind bombastisch gut. Vielleicht hat sie ja endlich verstanden, dass wir sie nicht bei Kinderessern lassen würden.

So kann’s gern morgen weiter gehen. Also, minus den Arzt, dafür mehr Arbeit.

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*Nein, das macht man in Norwegen nicht in jeder Arztpraxis so, aber da stand ein Schild, man solle das doch tun, weil Babys herumkriechen. Und innerhalb der Praxis ist handyfreie Zone.

**glorreicher Moment der Mutterschaft gestern: am Herd herumwurschteln und vergessen, das kleine, sehr scharfe Gemüsemesser außer Reichweite von Pippi zu legen. So schnell wird sie wohl kein Messer mehr anpacken.

*** einen richtigen, Wissenschaftlichen Journal-Artikel. Hachz!

**** zum Abschluss zeigte er mir noch, wie man die Lymphknoten am Hals und im Nacken abtastet, damit ich überprüfen kann, ob die bei den Fieberepisoden anschwellen. Hachz!