Tag 1193 – Damekveld.

Ich hab ordentlich einen im Tee nach dem Müde-Muttis-Abend bei der Nachbarin. Es waren fünf Frauen anwesend und es war ganz toll, ich bin ganz beseelt von so viel normalem Leben. Hachz, Sozialkontakte. Unter anderem bin ich froh, dass meine Kinder nicht die einzigen sind, die sich manchmal komplett daneben benehmen und dass ich nicht die einzige bin, die manchmal überlegt „welches zuerst verkauft wird“, um es mit den Worten der Nachbarin zu sagen.

Auch sehr sehr froh bin ich um Herrn Rabe, ich sage das gar nicht oft genug glaube ich, wie froh ich bin, den in meinem Leben zu haben, weil er eben nicht „mal im Haushalt hilft“ sondern seinen Teil tut. Sogar ohne, dass ich drauf hinweisen muss. Und wenn ich seinen Teil übernehme, weil ich zum Beispiel grad arbeitssuchend bin und einen akuten Schub von Putzwut habe, dann bedankt er sich dafür. Jedes Mal. Aus Gründen bin ich auch sehr froh drum, dass er nicht weinend anruft, wenn er mal ne Woche allein mit den Kindern verbringen muss.

So sieht das aus, wenn ich um halb drei beduselt nach Hause komme.

Viele Herzchen nun. Und eine Aspirin.

Tag 1191 – Schnipsel.

Schon spät (hahaha, aber ist ja egal, ich muss trotzdem ins Bett), deshalb heute ein bisschen gemischte Platte.

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Tag 4 von Projekt Lerche. Bin alles etwas geruhsamer angegangen heute (nicht das Aufstehen), das hat gut getan. Hab wegen eines Mittagsschlafs hin und her überlegt, es dann aber nicht gemacht. Ich bin da wie so ein Kleinkind: schlafe ich tagsüber, schlafe ich abends noch später ein. Und ich schaffe es nie, nach den magischen 20 Minuten aufzustehen, schlafe dann anderthalb Stunden und bin danach noch mehr im Eimer als vorher.

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Zweite Sitzung, bzw eigentlich Gründungssitzung des Räumvereins. Wie lange man über „aber wenns dann doch wieder so viel schneit wie letztes Jahr!“* diskutieren kann. Faszinierend.

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Finanzen gemacht. Ich hasse das. Aber es ist halt nötig. Dass mir die Chipsfabrik noch einen riesigen Haufen Geld schuldet, lässt mich derbe mit den Zähnen knirschen. Dass es am Ende wohl der norwegische Staat übernehmen wird, die (finanzielle) Chipsfabriksuppe auszulöffeln, macht mich innerlich rasend und ich woozaa-e so vor mich hin.

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Pippi hatte heute schon beim Abholen eine Laune wie sie nur Dreijährige haben können. Nach absolut ätzendem Gehampel und Geklecker und mit-dem-Essen-Gespiele beim Abendessen steckte ich sie unter infernalischem Geschrei ins Bett, wo sie dann auch nach fünf Minuten an mich gekuschelt einschlief. Solche Abende verlangen mir alle meine Nerven ab und das Kind kann wirklich froh sein, dass es nicht mehr in die Babyklappe passt. Wieso sieht sie denn nicht ein, dass sie müde ist? Herrje.

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Wollte noch über die katholische Kirche im Radio rannten, aber nun heult Pippi schon wieder. Ich muss hoch.

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*Dann zahlt man halt noch mal 250 Kronen pro Haus nach, meine Güte!

Tag 1186 – Orchideen.

Endlich ist die Wand fertig und nachdem ich letztens dieses Foto mit dem Hinweis, die Blume stehe da sonst nicht, postete, und alle, also ALLE, sogar Herr Rabe meinten, die sähe Faber ja super gut aus, kaufte ich gestern eine zweite. Hui, ganz gewagt, jetzt haben wir hier schon 4 (!!!) Dekopflanzen und 3 Küchenkräuter.

Das mit der Wand war übrigens ein unerwartet großer Aufwand. Beim ersten Mal sind mir die Ränder ausgefranst. Nachdem mir auch wieder ALLE gesagt hatte, dass man bei Strukturtapete erst den Rand des Tapes in der Wandfarbe übermalen soll, damit die dann unter den Rand läuft und „abdichtet“*, hab ich das gemacht. Also neu abgeklebt, Wandfarbe besorgt (dafür erstmal die Wandfarben-Farbe aus dem Hausordner rausgesucht), Taperand gestrichen, dann wieder in der neuen Farbe drüber. Das hat viel gebracht, aber an einigen Stellen war es doch wieder ausgelaufen, die habe ich dann noch mal mit einem Kinder-Wasserfarbkasten-Pinsel mit chirurgischer Präzision übergetupft und jetzt bin ich zufrieden. Und brauche anderes Malertape, das kann’s ja alles nicht sein.

Egal, zurück zu der Orchidee. Ich habe gestern also mit Michel nach der Schule eine Zweit-Orchidee gekauft. Ich schwankte zwischen weiß und rosa und entschied mich für beides.

Und jetzt muss die Uhr** höher, damit sie nicht in der Blume hängenbleibt.

Die weiße Orchidee wanderte wieder zurück an ihren Fensterplatz. Heute wollte ich sie eh mal von ihrer Erde befreien, seit der Disputation steht sie in diesem Glaspott und unten steht immer Wasser, mit Algen, ich dachte bisher, das sei nicht so tragisch, weil es aussah, als gingen die Wurzeln nicht bis unten hin, sondern säßen auf einer dicken Schicht aus Rindenstücken. Aber die Konstruktion machte das Gießen schwierig und die eine (in dem Pott stehen zwei Orchideen) ist auch immer irgendwie schlapp und die Blüten fielen auch schon wieder ab.

Der anderen ging es prächtig.

Bis die Kinder mit Regenschirmen spielten. Im Wohnzimmer. Was sie nicht sollen. Aus guten Gründen.

Himmelarschundzwirn. Da war nix mehr mit Augenhöhe und Achtsamkeit und Respekt, da ist mir der Arsch geplatzt und beide Kinder haben einen Anschiss kassiert und dann hab ich, erwachsen wie ich bin, zu heulen angefangen, wegen einer Blume, meiner Blume, meiner Disputationsblume, die endlich wieder blühte und überhaupt. Ich heulte ein wenig ins Spülbecken, während ich die Restpflanze aus dem Topf holte und verfluchte den Tag, an dem ich die dämliche Idee hatte, Kinder seien doch ne schöne Idee, sinnstiftend, blabla… ok, das gab sich schnell, Michel kam dann auch bald um sich zu entschuldigen, es war ja auch keine Absicht gewesen. Ich entschuldigte mich auch für den Ton und die Worte**** und wir drückten uns lange und fest und dann half mir Michel, die Orchideen von einem Haufen modrigem und stinkendem Rindenmulch zu befreien. Von wegen, die Wurzeln gehen nicht bis unten hin. Es war richtig übel, ich hab kurz überlegt, ob es mehr Sinn machen würde, die gammlig aussehenden Wurzeln abzuschneiden, ließ sie dann aber dran, Wurzeln sind ja bei Pflanzen noch viel empfindlicher als der ganze Rest. Jetzt stehen die Orchideen also blütenlos und mit fast***** nackten Wurzeln im Topf und ich hoffe, sie berappeln sich wieder.

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Völlig unrelated: heute sehr über dieses Video gelacht – wie man einen Muse-Song komponiert. Zwar eindeutig zu viel erklärt, aber wenn man die ersten 7 Minuten oder so überspringt, kommt man direkt zum Ergebnis. Ich mag ja die älteren Sachen von Muse unglaublich gerne, höre die Alben immer immer immer wieder, aber seit… 6 Jahren ca. finde ich die neuen Alben zunehmend anstrengend. Wenn ich Queen hören will, höre ich Queen, wenn ich Prince hören will******, Prince, jetzt ganz neu auch noch so ein Kraftwerk-Gestampfe… puh, da bin ich raus, leider. Und alles so artsy-fartsy Konzept-überfrachtet. Mögen sicher viele*******, ich nicht.

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*Hab ich noch nie gemacht und wir hatten in Bielefeld überall Rauhfaser. Und da ist auch nix ausgefranst.

**Die ist extra gekauft, mit dem Gedanken, dass wir genau diese Wand in einer dunklen Farbe streichen wollen. Vorher hatten wir nämlich eine schwarze, aber an der waren die Zeiger so kurz, das sah dann auch albern aus und… jetzt halt diese. Ich bin sehr zufrieden***.

***Das ist glatt gelogen. Der Rand am Schränkchen ist golden, die Uhr silbern, es ist schlimm.

****Ich habe „Wie scheiße seid ihr eigentlich?“ gesagt. Ich schreibe es jetzt hier hin, damit ich sowas nie mehr sage. Und ein bisschen auch damit nicht der Eindruck entsteht, hier sei „mal ne halbe Stunde länger Fernsehen gelassen“ die übelste pädagogische Verfehlung, zu der wir in der Lage sind. Hell, no.

*****Ich hab nicht alles rausbekommen und wollte dann auch nicht allzu doll dran rumrupfen.

******Nie.

*******Herr Rabe zum Beispiel

Tag 1177 – Skinoob.

Seit drei Wochen versuche ich, über Finn.no gebrauchte Kinderski zu kaufen. Seit drei Wochen bekomme ich von niemandem irgendeine Antwort. Das nervt mich natürlich, vor allem hängt mir aber auch Michel auf der Tasche, dass er UN-BE-DINGT Ski braucht, jetzt sofort.

Heute habe ich deshalb kurzentschlossen die Kinder eingepackt und fuhr mit ihnen nach Jessheim, um Ski zu kaufen. Support your local schön und gut, aber wenn mich das dann das doppelte kostet… hmm. Ein Dilemma. Egal, Michel wollte eh mal Pippi abholen und so holte ich Michel direkt nach dem Mittagessen vom Hort ab und wir gemeinsam dann Pippi.

Die Schatten, äh, Matscheseite von Kindergarten.

Wir steuerten erstmal Coop Obs an, weil wir noch eine Reihe anderen Kram brauchten. Eine Schneehose, ein paar Handschuhe, gefütterte Winterstiefel und fünf Thermoleggings später stand ich wie der Ochs vorm Berg in der Skiabteilung.

Länge ist gut, aber welche sind nun besser?

Und da auch nach zwanzigminütigem sehr offensichtlich hilflosem Herumstehen niemand kam, hat Coop Obs an uns heute halt keine 1200 Kronen verdient. Tja.

Wir gingen dann in einen Sportladen, dessen Werbung ich neulich mal durchgeblättert habe. Und da kam, nach nur ein mal freundlich winken, ein netter Mensch und erklärte uns die Kinderski. Wachsfrei, darum hatte ich gebeten, gibt es zwei Möglichkeiten, nämlich einmal mit so einem… Riffelmuster in der Mitte, was halt verhindert, dass man rückwärts den Berg runter rutscht, und einmal mit Fell. Das ist so eine Art Fleece, wenn man vorwärts gleitet, liegen die Haare an, wenn man aber den Berg hoch will stellt man die Haare gegen den Strich und dann bremsen die. Weil das so ist, kann man mit denen schneller und müheloser vorwärts fahren als mit den klassischen Wachsfreien. Für den angehenden Skistar natürlich nur das Beste* und jetzt hat er Fellski. Mit passenden Schuhen, die der nette Mensch noch erklärt und nach der Größe geguckt hat, ich habe ja absolut gar keine Ahnung, wie die sitzen müssen (schon recht eng) und ob die zum Beispiel vorne noch Luft haben dürfen (ja).

Und nach nur einem kurzen YouTube-Video wissen wir jetzt auch, wie man die Schuhe vom Ski wieder abbekommt. Man lernt ja nie aus, ne? (Für’s Protokoll: ich kenne nur die, wo man mit dem Stock vorne irgendwo draufdrücken muss und dann kommt man raus. Ich wusste noch nicht mal, dass Michel da jetzt offenbar eine Rottefella-Bindung hat, geschweige denn was das heißt**.)

Knapp 2 Stunden Shoppingtour und 300 Euro später. Ich bin total dankbar, dass wir sowas machen können, ohne dass es heißt, dass es den Rest des Monats nur noch Nudeln mit Ketchup gibt. Als ich in Michels Alter war, war das anders. Trotz allem Mist sind wir immer noch sehr privilegiert und Michels Sparkonto ist, obwohl ich die Ski davon bezahlt habe, noch besser gefüllt als meines. Für mich muss ich dann doch nach gebrauchten Skiern gucken***.

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*Außerdem war der Preisunterschied dann nur noch 300 Kronen zu Skiern zum wachsen, dann braucht man ja plötzlich auch noch drülfzig Sorten Wachs und Bügeleisen und Strom und und und…

**das weiß ich immer noch nicht so genau. Offenbar kann man diese Bindung auf dem Ski verschieben. Was sowas bringt muss mir dann demnächst das Kind erklären.

***Ich höre Sie schon lachen, aber ich hab da grad tatsächlich Bock drauf. Vielleicht bin ich auch einfach untersportelt.

Tag 1176 – Nicht so gruselig, dafür schön.

Endlich klappt hier mal was.

Die KiTa-Eingewöhnung läuft weiterhin gut, heute lieferte ich Pippi um viertel nach acht ab, verteilte etwa eine Tonne Klamotten auf verschiedene Boxen (Drinnen, Draußen, Wechselsachen, Hausschuhe, Fleece/Wolle…) und verabschiedete mich dann behutsam von Pippi. Die fand das zwar nicht gut, das darf sie ja gerne auch sagen, sie darf sogar weinen, das ist ja total verständlich. Als die Erzieherin sie dann aber tröstete und mit Bügelperlen lockte und ich versprochen hatte, bald wiederzukommen und den Regenhut mitzubringen*, schnüffelte sie ein bisschen und dann durfte ich gehen.

Pippi und ich hatten dann jeweils ein paar schöne Stunden ohne einander. Ich holte sie nach dem Mittagessen ab, mit dem Regenhut, da begrüßte mich ein kleiner Dreckspatz, glücklich in den Matschepfützen** herumspringend, die vom gestrigen Schnee übrig geblieben sind.

Auch überraschend gut läuft die neue Absprache, was die Nachmittags- und Abendgestaltung angeht. Das hatte ich am Montag einmal sehr deutlich erklärt, nämlich dass ich finde, dass die Kinder zu viel fernsehen, dass sie sich deshalb dauernd streiten und keine Lust haben, zum Essen zu kommen. Dass sie deshalb auch zu spät ins Bett kommen und wir ständig unnötig rumdiskutieren, dass ich deshalb abends oft ganz schlechte Laune habe und die Kinder morgens ja dann auch müde sind, wenn wir sie wecken müssen. Erstaunlicherweise kam kaum Protest und die neuen, diktatorisch von mir eingeführten Regeln sind:

  • Essen um sechs, wir werden dafür halt Gerichte zusammensammeln, die sich in 30 Minuten kochen lassen
  • Hausaufgaben möglichst davor
  • Fernsehen erst nach dem Essen
  • Um sieben gehts ins Bad und von da ins Bett

Natürlich funktioniert das zum Beispiel dienstags nicht, denn Michels Skitraining geht bis sieben, danach gibt es da noch Abendbrot und Pippi möchte ungern ins Bett bevor Michel wieder zu Hause ist. Und übermorgen ist Kinderdisco in der Schule, das wird also auch nichts. Aber ich bin erstmal froh, dass es wirklich kaum Protest gab. Vielleicht ist es auch wieder so ein Ding: wenn der Leidensdruck erstmal groß genug ist, dass man eine wirklich klare Ansage macht, weil man wirklich, WIRKLICH dringend was ändern muss, dann schnallen das auch die Dauerdiskutierkinder. Hoffen wir, dass es so bleibt und wir das auch weiter durchziehen.

Was auch super gut läuft: ich hab bisher keine spürbaren Nebenwirkungen.

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In unserem neuen Wohngebiet wird ganz fleißig Trick-or-treat gesammelt, mit mehr oder weniger gruseligen Kostümen und (je nach Alter der Kinder) mehr oder weniger Eltern in ganz und gar ungruseligen Warnwesten dabei. Es waren heute Kinder von etwa 3 bis etwa 13 da und ich finde das, es überrascht mich selbst, gar nicht schlimm, sondern ganz putzig. Laternesingen fände ich immer noch schöner, aber das gibts ja halt hier eh nicht, da ist das schon in Ordnung so. Ich merke mir fürs nächste Jahr: 20 Mini-Riegel des Mars-Konzerns plus ebenso viele kleine Haribo-Tütchen sind recht knapp bemessen. Nächstes Jahr hat Michel dann ja vielleicht auch Lust, heute war ihm das zu gruselig. Auch ok.

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*Das Kind hat zu viel Peppa Wutz geguckt und die Folge, in der Schorsch seinen Regenhut nicht aufsetzt und sich dann erkältet, sehr verinnerlicht.

**Siehe *. Zu viel Peppa Wutz. Di-didedidi-didedidedidi.

Tag 1175 – Kindergarteneingewöhnung die 5.

Hoffentlich zum allerletzten Mal gewöhnen wir also ein Kind im Kindergarten ein. Dieses Mal ganz in Ruhe, denn ich hab Urlaub von meinem Job* und dann bin ich arbeitslos und, also, ach, ich hab halt Zeit.

Pippi braucht diese Zeit glaube ich auch. Gestern wollte sie nicht in einen anderen Kindergarten gehen. Ich kann’s verstehen. Nach den drei Monaten war sie im alten richtig angekommen und jetzt halt wieder ein Wechsel, das ist, unbestritten, nicht schön. Dass die Erzieherin, die ihre Bezugsperson werden soll, krank ist, ist natürlich auch ungünstig, aber halt nicht zu ändern. Jedenfalls bräuchte Pippi gestern erst mal eine gute halbe Stunde um von meinem Schoß runterzukommen. Ich durfte auch nicht sonderlich weit weg gehen, sondern musste, zum Beispiel beim Kneten, im selben Raum bleiben, was natürlich dazu führte, dass mir von sämtlichen Kindern der Gruppe alle Schlangen, Bälle und… unförmigen Gebilde gezeigt wurden. Irgendwie bin ich dann auch in was reingeraten und plötzlich machte ich ganz viele Knetäpfel und -eier. Pippi hat das passende Nest dazu gebaut.

Ich war ehrlich gesagt nach dem Kneten (da waren wir grade zwei Stunden da) schon bereit für Mittagsschlaf, so sehr stresst mich das Zusammensein mit neun Zwei- bis Dreijährigen. Allein der Geräuschpegel frisst meine Nerven in kürzester Zeit auf. Und dauernd wollen die irgendwas. Alle was unterschiedliches, versteht sich, aber alles super dringend. Und wenn keiner was will, haut garantiert irgendwer irgendwem anderem ein Spielzeugauto auf den Kopf oder es fällt wer mit dem Stuhl, den er grad rumschiebt, auf die Nase. Eieiei.

Trotzdem wollten wir bis nach dem Essen bleiben und plötzlich stand da ein Teller für mich auf dem Tisch, zwischen den ganzen Kinderplätzen. Uff. Ich schmierte dann also Stullen mit Leberwurst, Prim, Brunost und Kaviar aus der Tube, goss Milch und Wasser in kleine Tassen, wischte Milchseen vom Tisch, ich ermahnte sogar hier und da wenn Füße über Tischkantenhöhe wanderten. Ehrlich, als es danach hieß, wir sollten nach Hause gehen, damit sich Pippi auf den nächsten Tag freue, war ich glaube ich viel froher als sie.

Heute war also der nächste Tag. Mit Schnee.

Natürlich waren alle Kinder unglaublich aufgeregt, auch Pippi. Sie rannte von der Garderobe aus auch direkt in den Gruppenraum und fing an zu Spielen, als es kurz darauf raus ging, ging ich nur kurz mit und dann wieder rein. Pippi soll ja auch lernen, dass sie alleine dableiben kann, dass ich nicht jeden Tag da sitze und auf Zuruf Eier knete. Für Pippi war das auch erst total ok, aber nach einer guten Stunde kam sie aufgelöst an, weil ihre Finger kat waren. Man stelle sich das vor, wenn man seine warmen Handschuhe nicht anziehen will, werden im Schnee die Hände kalt. Danach war sie jedenfalls echt ungehalten und wollte am liebsten direkt nach Hause. Wir gingen aber noch nicht, sondern aßen und tanzten und Pippi spielte und ich putzte Rotznasen und kultivierte meinen Tinnitus, während ich versuchte, Datenschutzzettel und Gesundheitserklärungen auszufüllen.

Morgen werde ich dann mal tatsächlich den Kindergarten verlassen. Das habe ich Pippi so angekündigt und auch mit den Erzieherinnen abgesprochen. Pippi hätte mich lieber da, aber ich habe das Gefühl, dass es ihr schwer fällt, auf die anderen Kinder und vor allem die Erzieherinnen zuzugehen, wenn ich im gleichen Raum sitze, so unsichtbar wie ich da auch zu werden versuche. Es bleibt spannend.

Pippi findet diese Eingewöhnung auch anstrengend, gestern und heute war sie danach hundemüde und schlief einfach ein, die Nacht von gestern auf heute war dann absolut furchtbar und sie heute noch müder. Hoffen wir, dass sich alles recht schnell zurechtruckelt. Heute gehe ich jedenfalls um neun ins Bett.

P.S. weshalb ich jetzt schon schreibe: Michel ist wieder beim Skitraining. Er war vom ersten Mal letzte Woche so begeistert, dass er es diese Woche gar nicht abwarten konnte und auf dem Hinweg immer wieder fragte, ob wir es eilig hätten, ob wir pünktlich kämen, ganz sicher pünktlich? Und ich sitze derweil im Vereinsheim und Thomas Alsgaard schaut direkt aus den 90ern auf mich herab.

Ich bin total froh, dass ihm das so viel Spaß macht, dass ihn auch Nieselregen bei sehr wenigen Plusgraden nicht schreckt. Ich wäre da anders.

Tag 1173 – Menno.

Ich hatte mich so aufs nach Hause kommen gefreut. Wirklich sehr. Ich dachte, wir kämen um acht hier rein, es gäbe schnell noch einen Happen zu essen, danach plumpsen die Kinder ins Bett, dank Uhrzeitumstellungstralala schlafen sie direkt ein und ab viertel vor neun hätten Herr Rabe und ich dann Feierabend und würden das Wochenende gemütlich auf dem Sofa ausklingen lassen.

So kam es aber nicht, jetzt ist es fast elf, auf dem Sofa gesessen habe ich gar nicht und Herr Rabe werkelt irgendwas unten rum. Ich bin hundemüde aber auch wütend wegen des verkorksten Abends und der undankbaren, gierigen, dauerstreitenden Kinder und hasse einfach alles.

Das geht so nicht weiter mit den Abenden. So. Wir müssen früher essen, damit die Kinder früher ins Bett kommen. Schluss, aus. Kein Gehampel mehr und noch ein Video und noch ne Folge Tralala bis es super spät ist und die Kinder vor lauter Bildschirm ganz gaga sind und meinen „Dumme Mama!“ und wütendes Schnauben als Kommunikationsform seien angemessen. Einfach nein. Und genauso muss das Gehampel beim vorm und nach dem Essen aufhören. Wenn die Kinder kurz vorm Essen halt noch diesdasjenes essen, essen sie beim Essen nix, rennen rum, stehen dauernd auf (vor allem Michel) und zumindest Pippi meint dann nach dem Zähneputzen regelmäßig, sie habe ja Hunger und könne so nicht schlafen.

ROUTINE! Ich will Routine. Ich will Feierabend, möglichst ab acht. Ja, das werden dann ein paar harte Wochen, aber ich kriege hier sonst echt zu viel.

Und das am besten Tag des Jahres, wenn endlich die Uhr wieder richtig geht. Hrmpf.