Tag 1547 – Ich möchte nicht.

Eigentlich möchte ich über den ganzen Tag nicht reden.

Eins war gut, wir waren zum Entwicklungsgespräch in Pippis Kindergarten und Pippi ist ein überaus gut entwickeltes und gewitztes Kind, alles gut, alles prächtig, super Kind, weiter so.

Michel habe ich heute gezwungen, ein paar Penisse* aus seinen Hausaufgaben wieder wegzuradieren, ich Supermutter, die hatte natürlich nicht er da reingemalt und ich sehe mal kurz voraus dass Sie in etwa 3500 Tagen hier lesen, dass die Zigaretten gar nicht seine gewesen sind. Rübennase. Aber wenigstens habe ich die zwei Tage länger schlafen können dazu genutzt, morgens ausgiebig mit Michel zu kuscheln und ihn wachzuknutschen und dann hat er morgens auch nicht so schlechte Laune, wer hätte das gedacht.

Und wie ich so schreibe kommt die kleine Rübennase mit seinem Lemuren-Kuscheltier und kuschelt sich ans Fußende und naja, das mit den Penissen war ihm so peinlich, vielleicht hat es ja wenigstens was gebracht. Kleiner Zwerg. So schnell werden sie groß und machen Blödsinn.

(Bevor Sie jetzt denken, oh, ein Kind voll toll und das andere macht nur Blödsinn: das voll tolle Kind macht mich momentan irre nicht nur mit ihrem morgendlichen „Ich muss noch was mitnehmen!!!“ Theater, sondern auch weil sie beim Essen rülpst, dass ein sechzigjähriger Bauarbeiter nach drei Bier neidisch würde und sich dann totlacht und schelmisch „unnskyld meg“ sagt, aber die Entschuldigung null so meint und naja, das finde ich halt aus ganz vielen Perspektiven überhaupt nicht witzig.)

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*pinkelnde

Tag 1536 – Kuuuscheln!

Ich liege zwischen den Kindern im großen Bett, anders ließ sich das nicht lösen, dass beide mit mir kuscheln wollten (und ich ja ich mit ihnen). Wir sind heute pünktlich beim Hersteller losgekommen und durch ein bisschen Glück war ich schon um zehn nach sieben und nicht, wie befürchtet, um halb neun oder so zu Hause. Und jetzt sind hier diese kleinen Menschen und ich bin so froh, die zu haben, ich könnte einfach heulen.

Vielleicht war das eine sehr anstrengende Woche und vielleicht bin ich im Grunde einfach total fertig.

Eventuell.

Tag 1525 – Kindkrankhomeoffice.

Tja. Michel hatte nicht nur gestern Abend ein bisschen Kopfschmerzen, sondern wachte heute morgen knalleheiß auf. Das war heute sogar noch halbwegs ok, weil ich eh von zu Hause aus arbeiten wollte. So arbeitete ich halt zu den Klängen von Kinderfernsehen. Aber Michel ging es wirklich schlecht und er tat mir so leid, wie er da ganz käsig auf dem Sofa saß und ganz klein aussah und mit abnehmender Wirkung der Kinder-Ibuprofenkapsel immer mehr stöhnte. Am Ende machte er sogar den Fernseher ganz von selbst aus und schlief ein.

Abends gab es dann viele Tränen, weil krank sein einfach scheiße ist und Schule viel besser. Essen war auch nicht so seins heute, ein bisschen Grøt ging rein, ein Apfel (wir haben dem Kind offenbar überzeugend eingeredet, Äpfel seien total gesund und nun will er die immer, wenn es ihm auf irgendeine Art nicht gut geht. Könnte schlimmer sein) und ein Spiegelei, aber letzteres schon nur mit Überredung. Am Ende musste ich ein Häuflein Elend buchstäblich ins Bett tragen, die Schulter dankt, aber wenn mein Baby sich so mies fühlt, dass er schon nur noch weinen kann, dann mache ich das und trainiere hinterher gegen den Schmerz an. Ich musste Michel im Bett noch versprechen, dass wir zum Arzt gehen, wenn es ihm nicht bald besser geht. Armer kleiner Zwerg.

Pippi findet alles voll ungerecht und will auch zu Hause bleiben.

Ich finde alles voll ungerecht und will so gern arbeiten gehen. Ich werde morgen (hoffentlich) ein Skype-Meeting haben, ich kann meine Kollegin quasi bis hier hin mit den Augen rollen hören, aber was willste machen, Michel ist definitiv nicht morgen Schulfit. Ich baue auf übermorgen, weil, herrje. Da wären zwei dreistündige Meetings, wah! Hoffen wir, vor allem für Michel, dass es so schnell vorbei geht wie bei Pippi, die war nach dem Tag ohne Form noch einen Tag lang schlapp und dann wie immer.

Jetzt Bett, hilft ja alles nix, denn Michel wacht dauernd auf und ich muss wohl daneben liegen bleiben, damit er endlich richtig einschlafen kann.

Tag 1520 – Hachja.

Die lieben Kleinen.

Erst hab ich heute Pippi im Schlafanzug zum Kindergarten* gebracht, weil sie sich absolut nicht umziehen wollte. Also frischen Schlüpfer an und die Schlafanzughose wieder angezogen. Ich wünschte jetzt, ich könnte so supermuttimäßig damit rumprotzen, wie toll Pippi nach diesem Zugeständnis den Rest des Morgens mitgemacht hätte, aber, wen überrascht’s, das Kind kann auch prima im Schlafanzug im Flur auf dem Boden liegen und sich jeder Zusammenarbeit einfach aus Prinzip verweigern.

Im Kindergarten lief sie dann aber sofort zu den anderen Kindern um zu verkünden: „Das ist mein sove… äh Schlafisssuk!“ Ich bin halt nicht die einzige Sprachverwirrte hier. (Pysj heißt es auf Norwegisch.)

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Michel plant Großes:

Schlimm, schlimm**, da bin ich auf Inspektion.

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Michel ist wohl heute in der Schule irgendwie von einem Mitschüler geschlagen worden. Die Lehrerin rief an, weil Michel sehr doll geweint hat. Wir haben darüber geredet, Michel und ich, und er möchte, dass die Lehrerin noch mal mit dem anderen Kind schimpft, das hat sie zwar schon getan, aber Michel hat es nicht mitbekommen und da greift bei Michel der Mechanismus „Pics or it didn’t happen“. Armer Zwerg. Und was geht bitte bei nem Kind das bei nem kleinen Disput direkt erst mal anderen Kindern ins Gesicht boxt?

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Jetzt liege ich mit Pippi im großen Bett und sie kann nicht wieder einschlafen. Zum, ich glaube, zweiten Mal überhaupt, hat sie sich nämlich im Bett eingepullert und das war offenbar sehr schlimm, und auch dass wir dann keine Möhrensuppe*** aus dem Hut zaubern konnten, war sehr schlimm und überhaupt, warum ist nicht jetzt Aufstehzeit?

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*Die Kindergärtnerin nur so „Jaja, das kenne ich, pick your battles. Das ist es nicht wert, morgens ne Stunde zu streiten.“

**Ich weiß nicht mehr, woher das kommt. Irgendein Sketch oder ne Serie. Jedenfalls ist das ironisch gemeint und man muss das in so einem resignierten Tonfall sagen (oder halt lesen) und zwischen Herrn Rabe und mir ist das so eine Standardredewendung.

***Wie auch immer sie darauf kommt, dass wir Möhrensuppe haben sollten.

Tag 1519 – Wort des Tages.

Tenketank. Wir beim Staat sprechen Norwegisch und da wird brutal eingenorwegischt. Beispiele:

  • Audit trail – Revisjonsspor
  • Back-up – Sikkerhetskopiering

Und jetzt eben

  • Thinktank – Tenketank

Herrje. Und da soll man ernst bleiben, wenn der oberste Oberdirektor die ganze Zeit tenketank sagt. Kadonkadonk, sagt RuPaul in meinem Kopf.

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Michel hat heute zum ersten Mal mit seinem Kumpel ganz allein den Bus genommen. Mein Baby! Sie sind zum Kumpel gefahren, da hat sie die Oma an der Bushaltestelle abgeholt und das war alles so abgesprochen und hat auch alles gut geklappt, aber irgendwie bin ich noch nicht so weit, dass ich entspannt mein Kind mit dem Bus durch die Gegend gondeln lasse. Also war ich unentspannt.

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Apropos bin noch nicht soweit: hier hat’s heute geschneit und es ist auch liegen geblieben. Ich möchte das echt vor Michels Geburtstag noch nicht.

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Apropos Sprachwirren und geschneit: der Nachbar, der mit einer Deutschen verheiratet ist, fragte heute mit seinem putzigen Akzent „Wie geht es?“ und ich grunzte „Ugh, ja, Schnee, bläh, ich bin noch nicht…“ und dann fehlte mir das Wort fürs norwegische „klar“ „fertig? Nein. Ich bin noch nicht bereit. Soweit! Ich bin noch nicht soweit.“

Meine Muttersprache geht langsam flöten. Es ist besorgniserregend. Ich bin noch nicht fertig dafür.

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Tenketank. Kadonkadonk. Gnihihi.

Tag 1472 – Ein Hoch auf die Pharmaindustrie!

Nicht nur sorgt sie indirekt für Brot auf unserem Tisch, nein, sie hat COX-Hemmer hervorgebracht. COX-Hemmer sind nichtsteroidale Analgetika und ich hänge vielleicht zu viel mit Pharmazeut*Innen ab, merke ich gerade. Jedenfalls, die meisten von Ihnen kennen bestimmt den Geruch dieser geligen Sportsalbe, so ein bisschen alkoholisch…? Es erinnert mich direkt an früher, als ich noch Leistungssport machte und mir dauernd die Oberschenkeladduktoren zerrte oder meine Brustwirbel in der Trainingspause im Sommer herausflogen. Hach. Eigentlich hab ich das gar nicht vermisst, aber die gute Nachricht ist: die Salbe wirkt, ich bin grad nahezu schmerzfrei und solange ich mich bewege oder den Arm senkrecht nach oben strecke, hab ich auch Gefühl im Daumen.

Trotzdem muss da was passieren, jaja, schon klar, ich hab ja auch nen Termin beim Arzt aber sowas dauert halt immer.

Arbeit heute: ein wenig über jemanden geärgert, mit dem Terminabsprache eher eine Herausforderung ist und nun müssen eventuell Flüge und Hotels umgebucht werden, weil es wohl schwer ist rechtzeitig mitzuteilen, dass eine wichtige Person halt ab mittwochs mittags leider nicht da ist. Let the Kalendertetris begin… again. Meh.

Kinder heute: Michel hatte seine erste Stunde bei der Kulturschule, da werden Musik und bildende Kunst den Kindern nähergebracht. Das macht er mit seinem besten Freund und ich glaube, das wird gut, auch wenn er das heute „kindisch“ fand, weil „Rhythmus, Rhythmus, Rhythmus, ich will Gitarre spielen!“ Tja, gut dass er zwei Eltern hat, die ihm glaubhaft machen konnten, dass Rhythmus aber nun mal die absolute Grundlage für jede Art von Musik ist und man das halt üben muss, Rhythmus zu halten. Also, ich sage das, ich bin da bestimmt auch glaubhaft, aber das gehört ja zu den Dingen, die ich irgendwie immer schon konnte. Aber seit den entgeisterten Blicken in der Tanzgruppe, die meinem Ausruf „Aber hört ihr denn nicht die Triolen???“ folgten, sage ich sowas nicht mehr laut. Also seit ca. 20 Jahren.

Ich bin schon sehr gespannt, ob Michel am Ende ein Instrument spielen will und wenn ja, welches. Gitarre wär schon ok, aber da indoktriniere ich natürlich nur ein bisschen, nämlich weg von Schlagzeug und TrompetePosauneTuba nicht.

Tag 1467 – Hachzi.

Eigentlich wollte ich heute darüber schreiben, dass und unter welchen Bedingungen und warum ich durchaus für kinderfreie Räume zu haben wäre, aber dann kam was dazwischen und jetzt muss ich halt kuscheln.

Dieses Kind. Raubt mir den letzten Nerv und ist dabei doch so putzig. Ganz weich ist sie auch und riesig groß, gar nix Babyhaftes mehr. Im letzten Jahr hat sich da so viel getan. Heute stritt sie mit Michel, da wäre meiner Norwegischlehrerin das Herz aufgegangen, wie wundervoll sie das R schlagen kann. Hachz, hachz.