Tag 799 – We survived Kindergeburtstag.

Aber auch nur knapp.

Nein, es war eigentlich doch ganz in Ordnung, ABER.

Sieben Kinder zwischen 2 und 5 (Median bei 5 😉 ) sind einfach laut. Und wuselig. Und dann noch kleine Individuen, zwei davon kennt man sehr gut, eins recht gut, zwei mittel und eins fast gar nicht… puh. Und ehrlich gesagt hatte ich nicht so ganz damit gerechnet, dass Pippi komplett anti-alles sein würde, eifersüchtig hoch zehn und bei jedem „Warte“ oder gar „Nein, das ist Michels!“ einen Wutanfall sondergleichen hinlegen würde. Das ging soweit, dass ich sie irgendwann ins Bad trug, wo sie dann (in meinem Beisein) ihren Frust darüber, dass auch sie nur EIN Überraschungsei haben durfte, herausbrüllte. Ausdauernd und mit Schlagen, Treten und auf den Boden werfen. Wie im Film. Aber wenigstens standen dann nicht noch drei große Kinder neben mir und fragten „Warum weint Pippi so?“.

Aber ansonsten war es alles ganz ok, Michel hatte Spaß, die anderen Kinder auch, selbst die Wohnung* ist stehen geblieben und als Belohnung** hab ich mir tatsächlich ein Glas Wein und das Auspacken meines ColourPop-Pakets gegönnt. Huiuiui, es wird ein bunter Herbst, sage ich Ihnen!

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* und alle Norweger, die hier reinkommen, so: „Boah, so eine große Wohnung!“. Hmm. Ich glaube ja, das täuscht. 75 Quadratmeter sind jetzt nicht gerade üppig, auch in Norwegen nicht. Aber bis auf das Schuhschachtelgroße Kinderzimmer sind halt unsere Räume groß und offen. Norweger hätten vermutlich auf demselben Raum drei Schlafzimmer und entsprechend gedrungen würde auch alles aussehen. Da wirkt unsere Wohnung natürlich riesig gegen.

** nach dem Aufräumen für die Putzfrau, versteht sich.

Tag 797 – Wieder zu Hause.

Nochmal sieben Stunden Zugfahrt. Ist zwar langweilig, aber entspannt. Michel und ich haben „Doktor Proktors Prompepulver“ gesehen und das ist so herrlich absurder Quatsch, hachja, also ich finde sowas ja gut. Ich habe heute auch ein Harry Hole Buch fertig gelesen. Man merkt ja schon, dass das aus einer Feder ist, finde ich. Beides irre, eins halt auf die witzige Art und eins eher… nicht ganz so witzig. Und so liebevoll gezeichnete Figuren. Hach. Aber das Beste war, den Film mit Michel zu gucken. Wie der mitgeht, es ist so niedlich. Und so ein ungetrübtes schwarz-weiß-Gereichtigkeitsdenken. Natürlich wird das bei den Doktor-Proktor-Geschichten auch unterstützt, da sind die Bösen auch wirklich sehr deutlich und umfassend böse, aber, herrje, wenn dann das Kind auf die Polizisten schimpft, die grade Doktor Proktor und Bulle verhaften und durch den Zug ruft „Da muss enklich ein’ Polizei kommen und den Polizei da einhaften!“ dann ist das so goldig, dass mein Herz ein bisschen doll hüpft.

(Und die Stummfilm-Sequenz. Alter. Ich musste so lachen, dass ich Michel nicht mal erklären konnte, was da passiert und wieso ich so lache.)

Tag 793 – Mehr Schnipsel.

Heute früh mit Pippi beim Arzt gewesen, ein Follow-Up-Termin der „alle drei Wochen Fieber“-Geschichte. Folgendes geschah:

  • Geschrei schon beim Aufkleben des Pipibeutels, diese Dinger müssen echt unangenehm sein. Aber in einen Becher pullern hatte halt leider auch nicht geklappt.
  • Michel wollte unbedingt mit, einerseits sicher aus Neugierde, andererseits wollte er seine Schwester begleiten.
  • Vor der Arztpraxis: Pippi ruft begeistert „Trinken!“. Leute, vergesst Kinderspielzeug im Wartezimmer, stellt einen Wasserspender auf. Kinder happy.
  • In der Arztpraxis Urinbeutel weiterhin leer, Pippi weiterhin wegen des Beutels sauer.
  • Probennahme für CRP: Pippi ist echt das geduldigste Kind der Welt. Kein Mucks. Nur „Plaster?“ Und Michel gab ihr einen fetten Kuss und pustete den gepiekten Finger und ich war ganz gerührt.
  • Nach der Probennahme (mit Pflaster). Die Arzthelferin will uns rausscheuchen. Pippi marschiert schnurstracks zur Prämien-Schublade und sagt „Denne Ball.“. Ich war schon peinlich berührt (gierige Kinder…) aber Pippi ist so niedlich, die durfte dann sogar einen Flummi für die Arztpraxisflummisammlung UND ein Mammut („Elefant!“) haben. Und Michel einen Tiger. Seufz.
  • Die Ärztin bekam daraufhin von Pippi „En Elefant kom marsjeeeerende“ vorgesungen, Michel erzählte derweil, dass er morgen Geburtstag hat und dass er aber keinen Besuch bekommt und dass dafür an einem anderen Tag ein richtiges Fest ist und überhaupt sind die Kinder manchmal zum Fressen niedlich. Groß untersucht wurde nix, CRP unauffällig, Hämoglobin ein bisschen gestiegen seit dem letzten Termin (mein Plan, süß schmeckende Eisen-Kautabletten zu kaufen, damit Pippi die auch nimmt, ist voll aufgegangen) und eigentlich alles tutti. Pipiprobe: naja, nicht schlimm, sie ist ja grad eh gesund.

Dann in den Kindergarten gefahren. Michel direkt draußen abgeliefert, aber Pippi hatte 1. noch den Pipibeutel dran und 2. keinen Draußenanzug an. Also mit Pippi hoch gelaufen, wo noch alle (!) Babys waren. SIEBEN Einjährige. Plus Pippi und ihre Freundin, die schon zweieinhalb ist. Das Urinbeutelentfernen traf auf ungefähr so viel Gegenliebe wie das Kleben, aber wie ich das so abzog von der ja doch empfindlich dünnen Haut… Au. Ja. Arme Maus. Übrigens weiterhin leer. Ich glaube, die hat das echt hochgezogen, weil ihr der Beutel so unangenehm war. Wie dem auch sei, mit Pippi zu den Babys zurückgekehrt und Pippi angezogen, die zwei Betreuer*Innen die da waren waren ein bisschen überfordert. Und KEIN WUNDER. Was für ein wuseliger Haufen so Minis sind. Ich hatte ja nur Pippi, die ja auch schon viel selbst kann, aber in einer Tour zogen sich Zwerge an mir hoch, plumpsten wieder um, sabberten mich an, krabbelten und tapsten herum, stießen zusammen, wankten auf das seit einer Nanosekunde offene Treppengitter zu… ich würde, ganz ehrlich, irre werden, müsste ich das täglich mehrere Stunden am Kopf haben. Ich kam mir vor wie in einem dieser Filmchen, wo ein Tierpfleger versucht, einen Pandakäfig auszumisten, während zwei bis vier Pandas herumwuseln und Quatsch machen. Der eine Betreuer meinte auch nur, während er lauter Schuhe in Größen 19-22 an zappelige Füßchen zog, dass es schon ganz gut sei, dass er nur selten für die Kleinsten zuständig sei. Pippi nahm das Gewusel übrigens recht gelassen hin, bis eins der Babys ihre Wasserflasche mopste und direkt anfing, am (geschlossenen) Deckel zu nuckeln. Da schimpfte sie und rupfte dem Baby die Wasserflasche unter „Nei! Min!“-Gekreische aus den Händen. Und ich war froh, als ich endlich zur Arbeit fahren konnte.

Ex-Chef* angerufen. Wir waren dafür ja verabredet. Deshalb war ich auch ein bisschen irritiert, als er nicht dranging. Wiederholt. Aber tjanun, ich schrieb ihm also eine Nachricht, dass niemand ranginge und setzte mich an die Cleanbench. Eine halbe Stunde später rief er zurück. Er geht nicht an ausländische Nummern (jaja, weiß ich sogar, war schon immer so, bzw. manchmal ging er ran und sagte dann so Sachen wie „No, sorry, we are not interesting in sis conference.“, aber Herrgott, Norwegen ist ja nicht Indien…) An der rauschenden Cleanbench telefoniert es sich aber auch nur schlecht, also machte ich meinen Kram erst fertig und rief ihn dann auf dem Weg zum Kaffee holen zurück. Es folgte ein sehr nettes Gespräch, wirklich wie früher und ach, ach, ach, wieso bin ich da weg gegangen? Ich brachte mein Anliegen vor („Ich hab mich auf was beworben, wo ich viel Validieren und Qualifizieren müsste und jetzt, wonach das Vorstellungsgespräch bald hab, ist mir leider aufgefallen, dass ich das alles total vergessen hab!“) und er sagte die richtigen Worte („Richtigkeit, Robustheit, LoD, LoQ…“) um meine verschollenen Erinnerungen zu reaktivieren und nannte noch die EMA-Richtlinie dazu, genau, dachte ich, die war das. Lang ist’s her. Dann noch ein bisschen Klatsch und Tratsch und allgemeines Palaver über welche Projekte grade so laufen (zum Teil die Selben wie vor 4 Jahren, ich könnte vermutlich morgen wieder… aber lassen wir das) und „Wieso sitzt du denn noch an der Cleanbench, ich dachte du schreibst zusammen?“ und dann musste ich ihn auch mal wieder arbeiten lassen. Hachseufz. Das hatte schon Gründe, weshalb ich damals, als ich mich da verabschiedet habe, Rotz und Wasser geheult habe. Vor allen. Und es war mir auch nur ein ganz klein bisschen peinlich und im Nachhinein gar nicht mehr.

Ziemlich genau jetzt vor fünf Jahren ging ich ins Bett. Und in ca. 30 Minuten vor fünf Jahren platzte dort auch die Fruchtblase und das war nicht nur viel wegen hohem Stand, sondern auch noch dunkelgrün wegen Mekonium und keine Unterlage der Welt (auf denen ich ja schon seit Wochen schlief) hätte das aufsaugen können. Weshalb Herr Rabe auch schon am 1. Tag einen Abstecher nach Hause machte, um Laken, Matratzenschoner und meinen Thron aus Handtüchern, auf dem ich die Ankunft der Sanitäter erwartete, zu waschen. Dafür bin ich Herrn Rabe immernoch sehr dankbar.

Tag 783 – Voll ungerecht.

Heute blogge ich sehr spät, weil sich Dinge, die für „wenn die Kinder schlafen“ geplant waren, wegen nicht-schlafender Kinder verzögerten. Dabei lief es nach anfänglichen Schwierigkeiten zwischendurch ganz gut, jedenfalls dachte ich, dass zumindest Michel schliefe. Aber vielleicht war das auch nur Wunschdenken und ganz vielleicht war ich auch einfach selbst eingeschlafen während beide Kinder noch wach waren. Jedenfalls hörte dann Michel Herrn Rabe vom Einkaufen nach Hause kommen und kletterte wieder aus dem Bett. Er findet es nämlich im Moment total ungerecht, dass wir Erwachsenen länger aufbleiben dürfen als er. Überhaupt ist es schlimm, dass er noch nicht groß ist, die Ankündigung durch den Kindergarten, dass er, wenn er in der Schule anfängt, auch wieder erstmal einer der Kleinsten ist, tat uns da keinen Gefallen, jedenfalls macht dieses Klein-Sein ihm sehr zu schaffen und ihn auch sehr wütend. Und frech. Jetzt sind wir aber ja keine nordkoreanische Diktatoren-Dynastie und deshalb tätscheln wir ihm nicht auch noch den Kopf wenn er versucht, uns herumzukommandieren, sondern da gibt es hier klare Ansagen, manchmal auch laute. Aber weil Michel (Überraschung!) ja eigentlich noch klein ist, nimmt er die nicht gerade gelassen entgegen, sondern schreit und heult und wirft Dinge und (das finde ich ganz schlimm, auch wenn ich leider ahne, woher der Impuls kommt) beschimpft sich selbst mit „dummer Michel“ und „alles ist meine Schuld“. Tja. Und so sind wir hier mit einem tobenden „Nicht klein – nicht groß“ Rumpelstilzchen langsam alle an den Grenzen und da dann um halb zehn wegen wieder aus dem Bett klettern nen Aufriss machen… ach, nee. Blöd nur, dass dann auch noch Pippi aus dem Bett kletterte und als dann Herr Rabe anfing, die zwei mit Bügelperlen zu beschäftigen, da ging ich dann (wutschnaubend, immerhin hatte ich gerade anderthalb Stunden versucht, die zwei ins Bett zu bekommen) meiner Abendplanung nach und schnitt alle möglichen Stoffstücke für alle möglichen Kleidungsstücke zu. Ja, auch für die Rübennasen, ich maß sogar nochmal Michels Hüften nach, das Spargelkind ist nämlich mal locker 6 cm schmaler, als Größe 110/116 sonst vorsieht. Dann machte ich eine Menge Teig und morgen werde ich also backen und nähen und darüber meditieren, wie wir diese neue Phase überstehen sollen.

Tag 778 – Cliffhanger.

Nachdem ich nahezu dazu genötigt wurde, habe ich ein weiteres Bjuti-Video gemacht. Jetzt ist aber das Internet hier so enervierend langsam (zumal Herr Rabe noch arbeitet und auch ein bisschen Upload-Kapazität braucht), dass das wohl bis morgen warten muss, bevor es auf „sehen nur Leute, die den Link haben“ gestellt wird. Ich kann ja schon mal so viel sagen, dass meine Haare jetzt seidig weich sind und meine Haut sehr rein ist. So als Teaser.

Rest des Tages… war. Immernoch alles sehr Jobsuche-zentriert hier und sehr, sehr komische Ergebnisse bei der Arbeit, ich denke da einfach nicht weiter drüber nach, sonst liegen die Nerven direkt wieder blank. Den Versuch mit den komischen Ergebnissen werde ich jedenfalls noch mal wiederholen, und zwar blind, um Fehlerquellen durch Bias auf meiner Seite zu minimieren. Ich weiß noch nicht, wie ichs mache, vermutlich werde ich einfach die Platten mit den Zellen drauf meiner Kollegin geben und die soll die randomisieren (die Filzmarker kriegt man ja mit Ethanol gut weg, oder sonst halt neue Deckel nehmen) und mir erst nach der kompletten Analytik sagen, was was war. Wenn wieder das gleiche rauskommt, kann ich demnächst sehr viele Paper debunken, das gewinnt mir zwar keinen akademischen Blumentopf, aber ist ja auch wurscht.

Dann Kinderschuhe sortiert, die Kinder mehr (Michel) oder weniger (Pippi) gezwungen, Wintersachen anzuprobieren, damit wir im Zweifel noch Nachschub besorgen können. Alles passt noch, aber „Der Anzug ist doof, Mama, den ziehe ich nicht an.“. Tjanun, wir werden sehen, als Ersatz wenn der andere nass oder allzu dreckig ist, werden wir den „doofen“ Anzug jedenfalls behalten.

Jetzt Bett. Ist nötig. Sehen Sie morgen dann mein seidiges Haar! (Und vielleicht* habe ich ganz viele tolle neue Lidschatten bestellt und freue mir schon nen Ast, Ihnen die zu zeigen!)

*ganz sicher

Tag 766 – Läuft bei uns. 

Wie soll ich das jetzt formulieren, ohne dass es schon wieder in Gemecker ausartet? Also Pippi ist offenbar doch noch oder wieder krank, ich war fünf Minuten zu spät im Kindergarten, da hatten sie gerade Fieber gemessen. 39,2. davon waren zu Hause dann nur noch 38,5 übrig, aber schön ist das ja trotzdem nicht. Aber sie ist sehr fröhlich dabei. Ich, äh, weiß das zu schätzen. Es könnte schlimmer sein. Trotzdem gehe ich glaube ich mit ihr morgen nochmal zum Arzt, das ist ja alles nicht mehr feierlich hier. Immerhin konnte ich heute ganze sechs Stunden arbeiten, wenn ich Glück habe, schaffe ich es morgen, wenn Pippi Mittagsschlaf im Kinderwagen macht, alles ganz dringliche im Turbomodus wegzuschaffen, dann muss ich nicht abends, wenn Herr Rabe gegen zehn hier eintrudelt, noch mal ins Labor fahren. Das ist doch eine Prima Aussicht! 

Überhaupt, Arbeit, so schön. Da reißt man sich ewig den Hintern auf, um blöde Dinger zu färben, es klappt alles nicht, und am Ende findet man raus, dass es daran liegt, dass die Kack-Dinger einfach gar nicht da sind. Der Kollege hat – bis auf dass er ne andere Flasche genommen hat – alles angeblich ganz genau so gemacht und es klappte. Tjanun, ich habe kapituliert. Erwartete mindestens ein Haareraufen vom Chef und was kam? „Och, nicht so schlimm, dann wird unser Modell einfacher.“ Wattsefack? Äh, well, gut, dann, äh, sind wir eigentlich quasi fertig. Oder so. Fehlen noch zwei Bilder statt… acht. Gut. Was wirklich gut ist: ich bin inzwischen ziemlich fit am Mikroskop. 

Dann habe ich ja auch noch ein großes Kind, eins, das gesund ist, obwohl es die ersten zwei Jahre seines Lebens eigentlich immer krank war, jetzt ist es robust. Muss man ja auch mal sagen. Dieses Kind ist ja gerade in einer Abnabelungsphase, so kann man es glaube ich gut nennen, es lernt viel, will viel, kann viel, traut sich viel (so wie alleine zur KiTa fahren, Update übrigens zur Versicherungsproblematik: sämtliche Norweger*Innen die ich danach gefragt habe, in der KiTa und bei der Arbeit, mussten ein bisschen lachen und meinten so Sachen wie „du bist so putzig deutsch manchmal“. Der Fahrradführerschein hat dann endgültig zu Lachanfällen geführt) und das alles ist ja auch total toll. Noch schöner wäre es nur, wenn das Kind dabei nicht total durch den Wind wäre und mich nicht abwechselnd abknutschen und anschreien würde. Wir haben hier morgens und abends im Moment immer die etwas absurde Situation, dass ich Michel ausziehe, ihm einen Schlafanzug anziehe, ihm die Zähne putze und die Haare kämme, während Pippi wütend an ihrem Reißverschluss zerrt, bis sie die Jacke aufhat, sich selbst auszieht, versucht, sich anzuziehen und wehe, ich versuche ihr die Zähne zu putzen! Nix da, das macht sie selbst (erstaunlich gut!). Ich wette, sie würde sich selbst wickeln, wenn sie könnte. Sie holt schon eine Windel und breitet sie fein säuberlich aus, dann legt sie sich drauf.  Auch Pippi schreit mich oft an, aber sie sucht keinen Streit, so wie Michel. Pippis Konflikte mit mir sind einfach: sie will was, ich sage Nein, sie schreit. Und haut und kneift, daran arbeiten wir gerade. Michel hingegen fragt absichtlich nach Sachen, von denen er weiß, dass es die (heute, jetzt, whatever) nicht gibt, holt sich sein Nein ab und rastet dann komplett aus. Mit schreien und toben und Sachen werfen und Türen knallen. Ganz die Mama. So schön. Groß werden ist schwierig. Daneben stehen, auch. 

Tag 763 – Was wäre, wenn?

Die hoch geschätzte Little B. hat mir einige (wie ich finde) sehr schlaue Fragen gestellt, über das Alleinerziehendendasein, also, wie man sich das so vorstellt, während man ja glücklich verpartnert ist. Ich gestehe, ich fühlte mich fast ein bisschen ertappt, weil ich sowas gerne verdränge, dabei sollte man sowas vermutlich in jeder Beziehung ruhig mal durchdenken, solange es gut läuft und keine verletzten Eitelkeiten, offenen Wunden, schlechten Erfahrungen und unausgetragenen sowie zurückliegenden Konflikte mit reinfunken. Also habe ich das gemacht. Versucht. Hier lesen Sie also über mein hypothetisches Leben nach einer hypothetischen Trennung.

1. Wie war Deine Vorstellung von Familie vor Familie? Wieviel ist wahr? Was ist komplett anders geworden?

Puh, äh, Ich hatte gar nicht so konkrete Vorstellungen. Ich wollte sowas wie in den skandinavischen Krimis (minus Ritualmorde und so Zeug), also: viele Kinder, gerne auch schon in (halbwegs) jungen Jahren bekommen, beide kümmern sich drum, trotzdem machen beide Karriere. Oder arbeiten zumindest. Nennenswert. Naja, hier in Skandinavien und mit meinem Mann geht das halt auch ganz gut, wie das in Deutschland wäre, weiß ich nicht, dazu war ich mit Kind zu kurz da, ich stelle es mir aber schwieriger vor. (In den skandinavischen Krimis trennen die sich auch dauernd, das habe ich irgendwie verdrängt.) Generell ist es sehr viel anstrengender, als ich es mir vorgestellt hatte.

2. Wie ist das Familien- und Arbeitsleben bei Dir aufgeteilt? Wer leistet wieviel in welchem Bereich: Haushalt, Kinder (Begleitung / Bringen zu Aktivitäten, Arztbesuche etc), technische Aufgaben (Auto, Reperaturen), Kochen?

Wir arbeiten beide Vollzeit und Herr Rabe verdient nur ein bisschen (ok, fast 30%, weil er grade eine recht saftige Gehaltserhöhung bekommen hat) mehr als ich. Im Normalfall bringt Herr Rabe die Kinder zur KiTa, ich hole sie ab. Aktivitäten außer KiTa haben die Kinder grade nicht, vorm Sommer den Schwimmkurs haben wir aber auch ca. (Also ca. Weil nicht nachgezählt) 50/50 aufgeteilt. Arztbesuche und Kind krank-Tage teilen wir auf, normalerweise abwechselnd, mit Diskussionsspielraum wie „Ich hab aber morgen ein wichtiges meeting.“ Herr Rabe hat allerdings seine 10 Tage kind krank schon aufgebraucht, für den Rest des Jahres muss also diejenige ran, die selbst viel krank geschrieben war und dementsprechend einige Tage übrig hat. Das Auto gehört ja eigentlich mir (MIR GANZ ALLEIN! MUHAHAHA!), wir kümmern uns aber trotzdem Gl gleichermaßen drum, wobei ich mich nicht gerade drum reiße, die Reifen wechseln zu lassen, weil die ja ungefähr sechs Tonnen wiegen. Überhaupt sourcen wir beim Auto viel aus, Reifenwechsel, Ölwechsel, Reparaturen, selbst waschen machen wir nur alle Jubeljahre selbst. Gleiches gilt ja glücklicherweise inzwischen für den wöchentlichen Wohnungsputz. Alles was zwischendrin anfällt (mal Saugen, täglich spülen, Wäsche waschen) machen wir zu ungefähr 50% jeweils, Herr Rabe tendenziell grade etwas mehr wegen der höllischen Dissendphase. Deshalb kocht er auch gerade fast immer. Und eh macht er alle Reparaturen in der Wohnung, ich halte ihm gerne den Staubsauger beim Löcher bohren, aber wenn ich das nicht muss, mache ich das lieber nicht, hab ich probiert und kann ich einfach nicht gut. Vor Elektrizität habe ich Angst, mehr als ne Glühbirne wechseln tue ich da also auch nicht. Mit Holz arbeite ich eigentlich ganz gern aber seit den Kindern ist das werkeln da auch eher wenig geworden. Dafür backe ich.

3. Entspricht das aktuelle Familienleben Deiner „Wunschvorstellung“?

Siehe oben. Im Grunde ja, jetzt gerade (mit absehbarem Ende) gehe ich ein bisschen auf dem Zahnfleisch wegen der Doppelbelastung (weil die Diss eben jetzt gerade nicht 100% sondern 150-200% Einsatz fordert) und generell hatte ich mir mich als Mutter nicht ganz so… müde und geschlaucht vorgestellt. Aber ja, im Prinzip schon. In meiner Wunschvorstellung wohnen wir halt auf Södermalm in Stockholm.

4. Ab wann würdest Du Dich „alleinerziehend“ bezeichnen?

Gute Frage. Wenn ich deutlich überwiegend alleine verantwortlich für die Kinder bin. Wenn ich die deutlich überwiegende Zahl der Entscheidungen alleine treffen müsste. Wenn ich keinen Partner hätte, mit dem ich all diesen Kram bekakeln könnte, ob es wirklich die 80€-Schuhe für den Fünfjährigen sein müssen, oder ob nicht auch die für 35€ reichen, weil da einfach niemand ist oder keine Antwort kommt. Wenn einem niemand selbst so banale Entscheidungen mal abnimmt, von den großen mal ganz zu schweigen. Dann, denke ich. Ich hoffe, ich muss mich nie so bezeichnen, sondern bestenfalls als „getrennt erziehend“.

5. Zu Zweit schafft man mehr, und es bleibt – im besten Fall – auch mehr Zeit für einen selbst übrig: Was würdest Du als erstes streichen (müssen), wenn als Single-Elter die Zeit nicht mehr reicht? Wo wärst Du am ehesten bereit Abstriche zu machen?

Sport. Ist bei mir immer das erste, was hinten runter fällt, wäre auch dann so, bin ich ganz sicher. Da bin ich auch am ehesten bereit, Abstriche zu machen, haha, sonst würde ich’s ja nicht tun.

6. Müsstest Du als Single-Elter Abstriche beim Job machen (z.B. wegen Kinderbetreuung)?

Hmmm, eigentlich nicht. Wir müssten uns komplett neu organisieren, die Kinder müssten eben wirklich von 07:45 bis 16:15 in der KiTa sein, aber es wäre machbar.

7. Wo werden die Kinder im Fall einer Trennung bleiben? Mutter oder Vater? Welches Modell (Wechsel, Nest, Ferien) wünschst Du Dir?

Waaahhh, super schwere Frage. Keine Ahnung. Ich denke, wir würden versuchen, ein funktionierendes Wechsel- oder Nestmodell zu fahren. Was aber nur geht (meiner Meinung nach) wenn sich ansonsten möglichst wenig für die Kinder ändert, beim Nestmodell ja eh, aber auch beim Wechselmodell würde ich dann versuchen wollen, dass alle relativ nah beieinander wohnen, sodass Schule/KiTa/Sportverein noch ähnlich gut erreichbar sind. Ich kann mir absolut nicht vorstellen, meine Kinder regelmäßig wochenlang nicht zu sehen und dann mal für ein Wochenende. Äh. Nein. Wenn überhaupt, dann jedes Wochenende, Freitag bis Montag. Aber so richtig Alltag und Erziehung ist das natürlich auch nicht. Ich habe allerdings null Zweifel dran, dass Herr Rabe im Zweifel (ich könnte ja beispielsweise auch morgen vom Bus überfahren werden oder mit meinem 20jährigen Lover in die Karibik durchbrennen) ein prima alleinerziehender Papa wäre, jedenfalls nicht schlechter als ich eine alleinerziehende Mama wäre.

8. Wie würde sich das Alleinerziehend sein auf die Finanzen auswirken? Hast du Angst, finanziell „abzurutschen“ als Single-Elter?

Ich habe absolut immer Angst, finanziell abzurutschen, das kommt davon, wenn man mit wenig Geld bei einer alleinerziehenden Mutter groß wird ;). Klar, wenn wir mit unseren Gehältern noch mindestens eine weitere Wohnung finanzieren müssen, wirds schon eng. Da muss dann umgeschichtet werden, wäre aber (mit Abstrichen bei einigem nicht wirklich notwendigem) grundsätzlich möglich. Denke ich.

9. Was ist mit Kindesunterhalt? Würdest Du anstandslos zahlen bzw. würde es anstandslos gezahlt?

Wenn die Kinder die überwiegende Zeit bei Herrn Rabe wären, würde ich natürlich Unterhalt zahlen. Ich weiß ja, was die kosten. Umgekehrt sähe es genauso aus. Was bei einem echten 50/50-Wechselmodell oder einem Nestmodell wäre, ist schwer vorstellbar. Ich schätze, wir würden die Kinderkosten (also die gesamten! Da braucht dann ja jeder eine relativ große Wohnung (oder eben die Kinder eine große und wir jeweils kleine…) und so weiter) ausrechnen und dann unseren Gehältern entsprechend anteilig zahlen, so wie wir das jetzt ja auch machen (was übrigens, das hat meine Rechnerei mit der potentiellen halben Vergütung für ein paar Monate ergeben, bei sehr großen Differenzen und gleichbleibenden persönlichen Fixkosten (Altersvorsorge etc.) nicht mehr funktioniert, das war mir so auch nicht klar).

10. Wenn der zahlungspflichtige Elter nicht zahlt: Gang zum JA für Unterhaltsvorauszahlung?

Wenn es sich vermeiden lässt, nicht. Nicht weil es mir wie betteln vorkäme, sondern weil ich nicht will, dass meine Kinder irgendwann ihre eigenen Unterhaltsschulden erben. Das ist ein Gesetz, das wegkann. Aber das wäre natürlich vorausgesetzt einer gewissen Luxusposition, mit einem Gehalt alle Kinderkosten mitbestreiten zu können.

11. Vorausgesetzt ihr seid verheiratet: Würdest Du Trennungsunterhalt verlangen/ zahlen?

Nein und nein. Der Vorteil am „2 Vollzeitsjobs“-Modell.

12. Müsstet ihr umziehen?

Ja, unsere Wohnung wäre dann erstens echt blödsinnig geschnitten und auch zu teuer.

13. Was glaubst Du, wie schnell schafft Ihr es, von der Paar-Ebene auf die reine Eltern-Ebene zu wechseln? Wie gut würde es Dir gelingen und wie gut Deiner*m Partner*in?

Puhhhhhh. Ich glaube, da wären wir beide denkbar schlecht drin *schielt auf die lange Reihe an Ex-Beziehungen, zu denen kein Kontakt mehr besteht*. Ich sehe da ehrlich gesagt keine easy peasy Trennung vor mir, sondern sehr viele Emotionen und wie gut wir es schaffen würden, die Kinder da rauszuhalten, will ich mir lieber nicht ausmalen.

14. Sorgerecht ist ja – sofern nicht Schlimmes vorgefallen ist – unkritisch, also nicht wirklich verhandelbar. Wie würdest Du das Umgangsrecht regeln wollen: Vereinbarung unter Eltern, in Absprache mit dem JA, in Absprache mit einem Anwalt, gerichtlich?

Herr Rabe und ich haben darüber gesprochen (über den ganzen Fragebogen, wohlgemerkt!) und uns auf „irgendwas zwischen Jugendamt und Anwalt“ geeinigt, je nachdem, wie halt zum Beispiel die Trennung so lief. Man trennt sich ja meist nicht wegen nichts, da will man vermutlich dann gerne ne neutrale Partei mit dabei haben, wenn so weitreichende Entscheidungen getroffen werden.

15. Würdest Du das alleinige Sorgerecht wollen, wenn die Kinder bei Dir bleiben? Würdest Du es dem anderen Elter „zugestehen“? (sehr hypothetische Frage)

Hmmmm, kommt voll drauf an, was vorgefallen ist oder vorfällt. Ich kann sehr gut nachvollziehen, dass einige Alleinerziehende das gerne möchten und versuchen, zu erstreiten, wenn sich der Expartner zum Beispiel wegen jedem Papierfitzel und jeder Unterschrift ewig bitten lässt und das Sorgerecht nur als Druckmittel einsetzt. Ich hoffe, wir kämen ohne Sorgerechtsabgabe aus. Ich hoffe ja auch auf ein funktionierendes Wechselmodell :).

16. Weißt Du, was eine Sorgerechtsvollmacht ist?

Ja, und finde ich eine gute Sache, wenn die Kinder deutlich überwiegend bei einem Elternteil sind, man sich nicht einbringen will, kann, oder sich sonst wegen jedem Pups in die Haare kriegt. Kann man ja auch für Teilbereiche vergeben, falls nun wirklich alles ganz schlimm sein sollte und man fürchtet, der Expartner zöge sonst sofort mit den Kindern nach Timbuktu.

17. Was sind generell Deine größten Ängste hinsichtlich des Ein-Elter-Daseins (z.B. finanziell/ Job), organisatorisch, bzgl. der Kinder, Selfcare)?

Meine allergrößte Angst ist, dass die Kinder nen Knacks kriegen. Dann folgt Geld (keine Überraschung) und das Organisatorische. Mein Leben wäre dann ungleich anstrengender, da mache ich mir gar keine Illusionen.

PUHH. Das waren echt unbequeme Fragen. Aber es stimmt schon, man sollte sich über sowas wirklich mal Gedanken gemacht haben. Insofern: wenn Ihr euch jetzt das Blogstöckchen schnappen möchtet, freue ich mich auf Eure Antworten!