Tag 1250 – Halbe 2500.

Heute auf die Minute passend gearbeitet, auf die Minute passend die Kinder abgeholt. Es ist ein Spagat und ich frag mich, ob sich auch Väter schlecht fühlen, wenn sie ihr Kind um zwei vor Schluss aus dem Hort abholen? Ich hoffe es.

Leider sind wir auf den Hort ja morgens und nachmittags angewiesen und damit ist die kurzzeitig verlockend erscheinend gewesene Idee des „Sport-Hort“ schon wieder passé. Der Sport-Hort kostet das Gleiche wie der normale Hort, hat aber tägliches Sportprogramm und (noch viel besser) tägliche Gelegenheit zum Hausaufgaben machen. Aber der Sport-Hort ist nicht morgens und soweit ich das sehen kann gibt es keine andere Möglichkeit, als beim normalen Hort einen halben Platz zu nehmen um morgens je eine Stunde in Anspruch zu nehmen und dafür aber 67,15% des normalen Hortpreises zu zahlen. Wir würden also 167,15% von dem bezahlen, was wir jetzt zahlen und das ist viel. Enorm viel. Mistekack.

Mein Meeting heute war mittelspannend, das Eis ist fest, allerdings brauchen wir um der Firma weiterhelfen zu können erstmal mehr Infos von eben dieser.

Dafür werde ich wohl mit der Dokumentenmanagementsoftware noch viel Spaß haben, die ist nämlich das Gegenteil von selbsterklärend. Bester Tipp aus der Erklärpräsentation: man kann Shortcuts wie zum Beispiel esc benutzen. ACH! Na dann ist ja alles klar.

Der lange Tag wurde mit einem glücklichen Michel belohnt, weil heute ein Paket aus dem Internet ankam. Da hat er auch gleich halbwegs motiviert Hausaufgaben gemacht. (Sie lernen diese Woche den Buchstaben F und weil er keine Lust hatte, die Worte aus der Wörterliste zu schreiben und zu malen hat er seinen Vater gemalt und seinen Namen geschrieben. Im Auto wollte er dann wissen, ob man Felix denn eigentlich mit k schreibt. Norwegen halt.) Hach, mein großes Kind.

Sport-Hort wäre wohl wirklich nicht doof für ihn. Immer in Bewegung.

Tag 1245 – Das wollte ich ja so.

Ich fragte heute meine Patin, was ich wohl dringend vor der 1. Inspektion, an der ich teilnehmen werde, wiederholen sollte.

Danach lud ich das halbe Internet runter und, weil ich nicht gut stundenlang am Bildschirm lesen kann, druckte es auch gleich aus. Migräne oder Regenwald, manchmal muss Frau sich entscheiden.

Bis auf das unterste (Das norwegische Arzneimittelgesetz) sind das übrigens genau die gleichen* Dinge, die ich im April auch schon durchgeackert und danach frustriert in die Altpapiertonne gestopft hab.

Aber das wollte ich ja tatsächlich so und deshalb ist das auch nicht schlimm.

Und der Ausblick!

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Heute etwa drei mal von unterschiedlichen Seiten gefragt worden, ob ich Qualified Person** gewesen sei. Bei der nächsten antworte ich mit dem entsprechenden Paragraphen, der besagt, dass ich zu meinen Industriezeiten keine QP gewesen sein kann, weil man, um QP zu sein, zwei Jahre Arbeitserfahrung braucht. Ich bin da nicht nur altersmäßig ein Exot, ich komme außerdem aus Arbeitslosigkeit, von der Uni und war noch nicht mal QP. Ich poliere einfach weiter meine Fanfare***.

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Heute Abend dann socializing event: Weihnachtsfest für die Angestellten mit Kindern. War ganz nett, ich hab jetzt mal ein paar der anderen Menschen mit Kindern aus der Behörde kennengelernt, ich bin nicht die einzige, andere Abteilungen sind da auch stärker repräsentiert. Voll war es trotzdem wirklich nicht, aber Michel war sehr glücklich, meine neue Arbeit mal zu sehen. Herr Rabe war sehr genervt, die Kinder waren wohl auf dem Weg zur Behörde ordentlich anstrengend.

Der Weihnachtsmann war da!

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*Zwei Änderungen: Advanced Therapies sind jetzt ein eigener Part im EudraLex (statt ein Annex zu sein) und ein Annex ist dazu gekommen – Real Time Release Testing. Because apparently it’s a thing.

**Die Person in einem Herstellbetrieb, an der die ganze Verantwortung hängt, weil sie die Batchfreigabe macht. Also unter jeden Batzen Dokumente, die mit einem Produktionsbatch erzeugt wird, ihre Unterschrift setzt, dass dieser Batch so in Ordnung**** ist und verkauft/weitergegeben werden kann.

****Also nach den internen, von der Behörde im Rahmen der Zulassung so genehmigten Vorschriften und unter Einhaltung der Qualitäts-Akzeptanzkriterien und ohne besondere, qualitätsrelevante Vorkommnisse durchgeführt.

Tag 1227 – Baum: Check!

Weil es schon so spät ist, heute nur kurz: wir haben die Beste heute zu einem Bauernhof mit Weihnachtsbaumverkauf und Kutschfahrt und allem norwegischen Tralala mitgenommen, das war sehr schön und wir haben jetzt auch einen sehr schönen Tannenbaum.

Die Igelmütze passt eigentlich nicht mehr so wirklich, aber sie ist so niedlich! (Und warm. Und noch an Omas alter Nähmaschine genäht, das war nicht so einfach, die konnte nämlich nur geradeaus und Zickzack, Punkt.)

Die Beste und ich fuhren dann noch alleine los um die Lebensmittel für die nächsten Tage einzukaufen, leider war vieles schon ausverkauft, morgen müssen wir dann auch noch mal los und eine Lichterkette für den Baum kaufen, unsere 80er macht lächerlich wenig Licht im sehr dichten und breiten Baum. Aber egal, verhungern werden wir nicht.

Zum Abendessen hat dann auch die Beste ganz allein gekocht, nämlich eine ganze Lachsforelle, die sich die Kinder gewünscht hatten. Omnomnom, das war sehr lecker und die Kinder haben sogar richtig reingehauen, das ist ja auch mal schön. Wenn danach nicht Pippi eine ewige Einschlafhampelei aufgeführt hätte, wäre der Tag fast perfekt gewesen. Das hat dann doch ordentlich runtergezogen und überhaupt ist dieses Kind grad in einer Phase… wenn sie nicht so niedlich wär, hätte ich sie vermutlich schon an der Tankstelle ausgesetzt. Grenzen testen galore, bei aufgezeigter Grenzüberschreitung ausdauerndes Geschrei, es ist wundervoll, wirklich. Hoffentlich geht das bald vorbei.

Danach noch mit Biet auf dem Sofa versumpft, während Herr Rabe Dir Kinder erneut ins Bett steckte, nachdem Pippi mit ihrem Gebrüll Michel aufgeweckt hatte.

Tag 1222 – Hmmmmmmplöt.

Heute mehr oder weniger unterschwellig über vieles geärgert. Erst morgens die langsamen Kinder, wie können die so unfassbar langsam sein, bitte? Dann Herrn Rabe, der auf meinen Mental Load noch fröhlich draufpackt, dann über Preise von Dingen, Technik, die nicht tut wie sie soll, kaputte Kopfhörer, verschlürte Handschuhe, verpasste Züge, echt schwer abzusägende Bäume, und so weiter und so fort.

Aber auf der anderen Seite hab ich den Baum jetzt abgesägt, hatte wegen des Zugs einen extra Kaffee, die Handschuhe lagen noch im 1. Laden, mein neues Handy hätte für diese Kopfhörer eh nen Adapter gebraucht und da stellt sich die Frage, ob man nicht lieber Bluetooth-Kopfhörer kauft, Herr Rabe frickelt an der Technik (da ist Code auf unserem Fernseher, genau jetzt!), das große Kind wird sich über seine neuen schicken Klamotten sicher sehr freuen, Herr Rabe und ich haben uns ein wenig angemotzt und dann bleiben nur noch die langsamen Kinder. Die müssen halt früher raus.

Wirklich doof gelaufen ist ein Test, den wir heute unternommen haben, ob nämlich Michel allergisch auf die Katze von Nachbarn von Bekannten reagiert, die demnächst umziehen. Wenn nicht, hätte hier ein sehr großer, sehr sehr flauschiger Maine-Coon-Norwegische-Waldkatze-Perser-Kater einziehen können, nun wird er leider zur Wohnungskatze downgegraded. Denn Michel reagierte. Nicht stark, nicht so eindeutig wie auch schon, aber eben schon. Mich macht das sehr traurig, ich möchte doch so gerne eine Katze haben, aber nicht so dringend, dass ich riskiere, dass Michel allergisches Asthma entwickelt. Werde wohl oder übel erst eine Hyposensibilisierung anleiern müssen, die muss dann durch sein muss (dauert halt) und zu der Zeit darf hier keine Katze wohnen. Das ist echt eine doofe Aussicht, zumal ich mir schon gut vorstellen kann, wie auf solcherlei Wünsche hier reagiert wird. Gut, wir könnten die Hausstaubmilbenallergie vorschieben und dass er, wenn wir zu Besuch bei Leuten sind, da nicht schlafen kann ohne Antihistamine. Ich habe echt Angst vor Asthma. Hyposensibilisierung hilft genau gegen die Entwicklung von allergischem Asthma.

Andererseits muss er dann da jede Woche hin, vermutlich in die Poliklinik, eine Stunde Fahrzeit entfernt, zu Praxiszeiten. Hahaha. Keine Katze. Keine Übernachtungen ohne Pillen.

Abends dann aber immerhin noch mal herzlich gelacht über so Aussteiger-Vögel, die Aussteiger-Beratung für nur drülfzig Geld anbieten und sich damit ihr nices Aussteigerleben finanzieren. Top gepflegter Instagramaccount, Smartphone, Reiseblog, beseeltes, „Erleuchteteres“ Geseier inklusive. Joa. Spoiler: funzt so lange prima bis der Typ, der deinen zum mobilen Tiny-Haus umgebauten Bauwagen wegen Motorschaden am diesen ziehenden Dieseljeep von anno dazumal reparieren soll, halt auch erfolgreich aus seinem Angestellten-Hamsterrad ausgestiegen ist und auf der Nachbarinsel nun Aussteigerberatung für drülfzig Geld anbietet. Nachwuchs ist auch keiner da, weil die alle keine Ahnung haben, wie ein Motor funktioniert, weil nach Lesen und Schreiben und vielleicht ein bisschen plusminusmalgeteilt in der Schule ja nix mehr kommt, was irgendeine Relevanz fürs Leben hat und deshalb kann man das mit der Schule ja gleich sein lassen. Merkste selbst, ne?

Tag 1220 – Verschenkt.

Tja, gut dass der Tag vorbei ist. Habe nichts zu erzählen, denn ich habe im Grunde den ganzen Tag Selbstsabotage betrieben und weder Dinge, die auf meiner kilometerlangen To-Do-Liste stehen getan, noch irgendwas, das mir erfahrungsgemäß gut tut (zum Beispiel die To-Do-Liste abarbeiten) und nun werfe ich mir beides vor, sowie das, was ich als Alternaive tat: viel nichts, viel Kinder anmotzen, sehr viel „The Crown“ schauen. Großartige Serie übrigens.

In diesem Sinne: ich gehe jetzt einfach schlafen, dann ist der Tag endgültig rum. Gute Nacht

Tag 1218 – Happy, happy!

Nun. Schon wieder ist es total spät, aber ich habe es aufgegeben, früh ins Bett zu gehen. Ich bin einfach nicht müde, so what. Wenn ich wirklich früh aufstehen muss, wird es schon gehen. Solange ich nicht muss, gebe ich mein Bestes, es trotzdem zu tun, und wenn’s nicht klappt, dann klappt es eben nicht, ist ja grad noch egal. Dafür habe ich abends all die Energie, die mir morgens abgeht und dann ist es doch schön, wenn ich noch friedlich zwei Stunden Nähen kann, während die Kinder schlafen.

Überhaupt, die Kinder. Ich hab die sehr lieb. Sage ich vielleicht nicht häufig genug, also zu ihnen schon, aber nicht „über“ sie, zu anderen. Michel zum Beispiel, der große kleine Zwerg, wenn der morgens vom Parkplatz zur Schule stapft und so kleingroß ist, wie es halt nur Erstklässler sein können, da geht mir das Herz auf. Und wenn ich dann sehe, dass die Opis, die Schülerlotsenmäßig den Schulweg bewachen, schon ihre Posten verlassen, weil es ja schon zum ersten Mal geklingelt hat (15 Minuten vor Schulbeginn), dann fahre ich auch ein bisschen Helikopternd einmal um den Block und wieder an der Schule vorbei, wo ich den knallgelben Trondheimer Kommunenrucksack grad noch auf den Schulhof einbiegen sehe. Nach der Schule dann erzählte er mir, dass ihn ein Kind geschubst hat und ein anderes hat ihm einen Schneeball (mit Steinen drin! Und mit Absicht!) voll ins Gesicht geworfen. Meine Reflexe sind dann ja direkt auf WAAAAAS??? ICH RUF DIREKT DIE ELTERN AN WAS SIND DENN DAS FÜR ARSCHLÖCHER?, aber ich fragte erstmal nach, was Michel dann gemacht hätte, und ob das wer vom Hort gesehen hätte (nein), und Michel sagte, er sei dann einfach weggegangen und er habe auch eh keine Lust, mit den entsprechenden Kindern zu spielen. Er scheint es also ganz klug zu lösen und solange das klappt ist ja alles in Butter. (Ich finde das extra gut, dass er das so macht und nicht, wie ich als Kind und zum Teil noch echt lange, ausgerechnet mit denen, die mich am meisten ablehnten, best buddies sein will.) Fruchtet das viele Erklären, was Freunde tun und was nicht, ja vielleicht doch, ich wünsche es mir für ihn. Und ich wünsche ihm Freunde, die auch „blöde Wollsachen“ anhaben und deren Eltern Schießspielzeug konfiszieren. Bei denen er „uncool“ und phantasievoll und lieb und aktiv, aber nicht wild sein kann, wie er halt so ist. Hachz. Pippi ist natürlich auch prima, ganz anders, klar, sie ist auch noch jünger, aber die wird vermutlich eher die Bandenchefin werden, in der neuen KiTa-Gruppe setzt sie sich jedenfalls schon sehr gut durch. Und weil sie in ihrer Gruppe nun fast die älteste ist, statt wie sonst immer die jüngste und kleinste, zählt der „Ich bin so süüüüß“-Faktor nicht mehr. Trotzdem hat sie in der Gruppe ziemlich oft das Sagen, wenn sie da ist, wie sie zu Hause ist, kann ich mir ungefähr vorstellen, wieso. Bestimmerin by nature. Hoffentlich bleibt sie so.

Was war sonst so? Etwas genäht, Schuhe gekauft, Herr Rabe ist nicht da. Genäht habe ich das Oberteil vom Bettbezug-Kleid. Es scheint ein gutes Verfahren für mich zu sein, immer eine Größe kleiner zu nehmen, als die Größentabelle für mich vorsieht. Ich verstehe das ja nicht. Da nähe ich ein Kleid, das aus (festem) Jersey sein soll, aus gewebtem, gar nicht elastischem Stoff (dann eben mit Reißverschluss) und Größe 38 passt und sitzt super, wo die Größentabelle meint, zwischen 40 (Hüfte) und 42 (Taille) müsste es schon sein. 42 („wenn Sie zwischen 2 Größen liegen, nehmen Sie die kleinere“) säße da wie ein Sack. Und auch dieses Mal habe ich übrigens weniger Stoff gebraucht. Auch so’n Ding. Ist mir bei nem Bettbezug egal, aber bei richtig teuren Stoffen will ich nicht hinterher 25 cm übrig haben.

Schuhe gekauft. Das kam so: der örtliche Schuhhändler, der mir schon wegen überaus großer Auswahl an sehr geschmackvollen Stiefeletten aufgefallen ist, hat draußen Schilder mit 40% auf alles hängen. Und ich brauchte (tatsächlich) schwarze Stiefeletten. Die habe ich jetzt. Zwei Paar. Hups. Dafür habe ich weder Wildlederstiefel noch Pumps noch so Lumberjack-Schuhe gekauft.

Herr Rabe ist in Trondheim, mal wieder, morgen ist da auch noch Weihnachtsfeier. Ich möchte auch auf eine Weihnachtsfeier, mich aufbrezeln und so. Naja, nächstes Jahr. Herr Rabe möchte vielleicht auch noch mal in den Schuhladen, könnte ich mir vorstellen.

Jetzt, endlich, werde ich müde. In diesem Sinne: gute Nacht!

Tag 1214 – Familienähnlichkeiten.

Michel ist eindeutig mein Kind. Manchmal ist das putzig, manchmal ist das auch einfach nur schlimm, weil ich genau weiß, wie er sich fühlt, aber ihm kaum helfen kann, weil er eben mein Kind ist und sich NICHT HELFEN LÄSST. Jedenfalls nicht bei wichtigen Dingen. Beim Socken anziehen lässt er sich gerne helfen. Oder beim Zähneputzen. Oder so generell bei allem, was Sechsjährige schon allein können sollten. Aber ich schweife ab. Jedenfalls ist es manchmal wirklich einfach zum fressen niedlich und heute war wieder so ein Tag. Michel hat nämlich Herrn Rabe und Pippi beim Aufbau eines, wie ich finde, recht gut getroffenen Ikea-Regals beaufsichtigt. Mit einem selbstgebastelten Klemmbrett.

Der kleine Kontroletti. Er hat dabei auch Pausen und Arbeitsbeginn angesagt und nen ziemlichen Kasernenton draufgehabt. Ganz die Mama halt *hust*.

Die Erklärung ist übrigens: „Wo ein Haken ist, das heißt, das war gut gearbeitet. Und da hab ich den Haken durchgestrichen, das war nicht so gut gearbeitet, da hat Pippi Quatsch gemacht*. Und das unten**, das ist der Weihnachtsmann.“

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*sich ein Bett aus dem Regalkarton gebaut.

**das Männchen mit der WEIHNACHTSMANNMÜTZE! Oder sehen Sie da etwa was anderes?