Tag 2581 – Folter.

Wir quälen ja hier im Haus gerne unsere Kinder, insbesondere Michel, insbesondere indem wir sie zu Aktivitäten schicken, die sie selbst vor wenigen Wochen noch gerne machen wollten. Zum Beispiel ein einwöchiges Science-Sommerprojekt, das hier im Ort diese Woche täglich von 9-15 Uhr, also auch unmenschlich lange, stattfindet. Da machen sie so grauenvolle Dinge wie Bakterien züchten, charakterisieren und unter dem Mikroskop anschauen, schrecklich. Mikroskopieren interessiert Michel ja auch gar nicht. Es ist alles sehr grausam. So furchtbar, dass mir Michel hinterher diverse Knöpfe an die Backe laberte, was sie heute alles gemacht haben und was sie die nächsten Tage über machen werden und dass sie die von zu Hause mitgegebenen Materialien (3 x gebrauchte, gespülte und getrocknete Verpackungen und eine leere 1,5 L Plastikflasche, darüber bekamen wir schon vor zwei Wochen Bescheid und daher war ich vorbereitet) doch erst morgen brauchen und er hätte das aber jetzt schon dort gelassen und dann ist er übrigens noch beim Fußball hingefallen und hat jetzt ein Pflaster am Knie, Bolzplätze mit Sand, wer denkt sich denn sowas aus, und die anderen haben alle Bakterienproben vom Klo genommen aber er nicht, er hat die von der Tafel und dem Waschbecken genommen aber das dauert ja jetzt noch ein paar Tage, ne Mama, du arbeitest auch mit sowas, oder früher mal, bevor du inspektør wurdest, ne, haben wir auch mal gemacht, aber heute haben wir auch die Nährböden für die Bakterien selbst gemacht und…

Wahrlich schrecklich muss es gewesen sein.

(Und ein bisschen seufze ich der Zeit hinterher, als Michel noch „Brakterien“ sagte.)

Nur um es erwähnt zu haben, bin ich mal wieder die am wenigsten kümmerige Ehefrau der Welt. Herr Rabe siecht mit irgendeinem nicht-Corona Fieberinfekt dahin und hat sich heute nicht nennenswert aus dem Bett bewegt und ich… naja. Involviere mich eher wenig. Ich wüsste auch nicht, wie. Dutzi dutzi machen hasse ich ja selbst sehr, wenn es mir schlecht geht. Ich will alleine in meiner Höhle sterben. Das übertrage ich vermutlich auf andere, zusätzlich zur Hilflosigkeit. Tja.

Tag 2580 – Tröööt!

So, alle Ehre heute den Organisator*Innen und Instruktor*Innen dieser Korpsfreizeit(en). Das war rundum wirklich beeindruckend. Nicht nur haben sie (sicher nicht nur meines) auch die etwas ängstlichen Kinder abgeholt und voll mitgenommen und allen eine gute Zeit gegeben, sondern sie haben auch echt musikalisch was auf die Beine gestellt. Heute war das Abschlusskonzert, da spielte jede Instrumentengruppe erst ein Stück einzeln, und dann spielten alle zusammen noch mal vier Stücke. Das Konzert dauerte eine Stunde. Und man brauchte wirklich nicht mal viel elterliches Wohlwollen, um das musikalisch gut zu finden! Bei unserem Schulkorps braucht man das ja schon hin und wieder, aber das heute war objektiv richtig gut und würde auf so einem Wettbewerb, wie Michel ihn im Frühjahr mitgemacht hat, alle Preise einfach konkurrenzlos abräumen. Nach drei Tagen! Gut ausgewählte Stücke für das Niveau (oder wie Michel am ersten Tag meinte: VIEL ZU SCHWER OMG WIE SOLL DAS GEHEN!!! Woraufhin ich ganz achtsam, aus dem Fundus meiner langjährigen Musiklernerfahrung schöpfend, schrieb, dass er das schon schaffe, wenn übt. Was er, so unglaublich das klingen mag, so akzeptierte und offenbar umsetzte) und wirklich viel Einsatz von Instruktor*Innen und Kindern. Und alle hatten sichtlich Spaß und waren stolz, zu zeigen, was sie geschafft haben. Wirklich richtig, richtig toll.

Blaskapellenmusik kann echt ok sein! Mind blowing.

Auf Michel bin ich doppelt stolz, weil er sich durchgerungen und viele Ängste überwunden hat. Und ich hab jetzt ein Video, wo er sichtbar mit-swingend das UNGLAUBLICH SCHWERE Stück spielt. Hach!

Gerne wieder. Dass das das zweitniedrigste Niveau war, das man bei diesen Sommerkursen machen kann, lässt einiges erwarten für zukünftige Abschlusskonzerte.

Tag 2579 – Weiter Urlaub.

Michel lässt verlauten, es ginge ihm gut, der Tee sei lecker und wir sollen morgen bitte 20 Minuten VOR dem Konzert da sein. Er wollte noch, dass ich die Meerschweinchen mitbringe, weil die beim Kurs gesagt haben, es könnten alle kommen, Eltern, Geschwister, Tanten, Onkel, Omas, Opas *und Hunde, Katzen und was man sonst noch so zu Hause hat*. Ja, das Kind nimmt ziemlich wörtlich, was Erwachsene so sagen. Die Meerschweinchen bleiben aber trotzdem hier, die finden Marschmusik auch gar nicht so schön, glaube ich.

Wir haben heute lange geschlafen, dann ein bisschen herumgerödelt und danach haben wir einen Spaziergang in den Ort gemacht, um noch mehr leckeres Essen aus Transportern und ähnlichem zu essen (heute: vegetarische Taco-Bowl für mich und Herrn Rabe und Softeis für Pippi und Herrn Rabe, wobei Pippi wie immer bei uns auch mitgegessen hat und das wie meistens sehr gut fand).

Spaziergang mit Hase.

Danach fuhren Herr Rabe und Pippi nach Hamar, die Ikea-Bestellung abholen. Wir haben vor der harten Matratze doch sehr schnell kapituliert und einen Topper gekauft. Ich spielte Geige. Später machte ich mich noch über den Reparatur- und Änderungsstapel her, setzte an einer Hose Taschen ein, nähte eine andere Hose im Schritt wieder zusammen (da hatte ich gestern so einen Silikonstreifen herausgetrennt, der mich wegen Pieksigkeit jedes Mal in den Wahnsinn trieb, wenn ich die Hose trug), machte einen Rock von Pippi enger (nur eingefaltet und umgenäht, da der Rock eh eine Wickeloptik mit Rüschen hat und zudem klein gemustert ist, fällt das gar nicht auf, dass das die Fauli-Version von Anpassung ist) und flickte eine hellgraue Jogginghose von Michel am Knie, mit – fancy ausgedrückt – visible mending, was so viel heißt, dass ich von hinten einen Flicken aus Jersey aufgenäht und dann mit verschiedenen bunten Garnen kreuz und quer mit Zickzackstich über den Riss genäht habe. Letzteres vor allem, weil Michel an losen Ecken und Kanten so lange friemelt, bis es unreparierbar kaputt ist. Jetzt hat die Hose halt ein neues Design-Feature.

Tag 2577 – Es ist kompliziert.

Michel bei seinem Korpscamp abliefern war überraschend leicht und überraschend schwer. Er war sehr aufgeregt und wollte am liebsten unsichtbar werden, aber auch alles allein machen und auf keinen Fall Zuneigung gezeigt bekommen. Als wir Eltern höflich rauskomplimentiert wurden, durfte ich Michel nicht noch mal drücken. Ich habe ihm noch mal viel Spaß gewünscht und gesagt, dass ich stolz auf ihn bin, weil er sich überwunden hat, es zumindest zu probieren. Er hat gesagt, dass er mich lieb hat (auf Deutsch, dann versteht es ja keiner) und dass er anruft, wenn was ist.

Dann musste ich ganz allein nach Hause fahren, was nur den einen Vorteil hatte, dass sich wenigstens niemand über die Musikauswahl und/oder Lautstärke beschwerte. Ansonsten war das sehr seltsam. Mein Baby! Der ist doch noch so klein! (Am Supercharger googelte ich aus Gründen die Norwegische Kindersitzvorschrift, und so klein ist der gar nicht mehr, sondern eher auf direktem Weg dahin, gar keinen Kindersitz mehr zu brauchen. Falls er irgendwann mal die 36 kg erreicht, kann er danach tatsächlich auf nichts oder maximal Sitzerhöhung umsteigen, denn selbst zu den 1,50 m ab denen er auch keine Sitzerhöhung mehr braucht, fehlen nur noch wenige cm. Wann ist das denn passiert? Der saß eben noch im Maxi Cosi!)

Den Tag über erhielt ich regelmäßige Updates, die Proben sind gut, die Pausen sind gut, das Stück ist schwer und so weiter. Abends rief er an – ich war gerade ebenfalls sehr mutig, aber das ist eine andere Geschichte – und sagte „Mama, das ist ganz gut hier.“ und mehr Enthusiasmus zeigt Michel gemeinhin eher nicht. Bei ihm heißt das soviel wie bestmögliches Outcome.

Trotzdem war dann zur Bettzeit das Heimweh da und alles noch mal kurz schwierig, aber ich hoffe, dass es sich dann doch erledigt hat, zumindest habe ich nichts mehr gehört.

Ich muss sagen, so schön es ist, kurz nur ein Kind versorgen und bespaßen zu müssen, ich vermisse ihn ja schon. Hoffentlich hat er eine überwiegend gute Zeit und schöne Erlebnisse. Und hoffentlich darf ich ihn wenigstens beim Abholen drücken.

Tag 2561 – Steine und Plantschen.

Hitzewelle in Dänemark sind entspannte 25 Grad, zumindest da, wo wir sind. Hehe.

Heute machten wir trotzdem einen kleineren Ausflug, nämlich ins Vikingermuseum Lindholm. Bei strahlendem Sonnenschein packten wir mehr oder weniger begeisterte Kinder ein, bei noch strahlenderem Sonnenschein wieder aus und dann unterlief uns ein Fehler, nämlich der, einer Touristengruppe hinterherzugehen. Die gingen zuerst auf einen Hügel und auf der anderen Seite des Hügels waren… Steine. Viele. In Kreisen angeordnete und in Dreiecken angeordnete Steine. Wir waren auf einem Vikingerfriedhof. Da waren zwar auch ein paar Texttafeln aufgebaut, aber das interessierte die Kinder einfach mal gar nicht. Michel flippte auch direkt aus und proklamierte, das sei kein Museum, denn Museen haben Wände. Und einen Souvenirladen. Interessante Definition von Museum, aber er machte seinen Standpunkt, dass er nicht für „doofe Steine und Rumlaufen auf toten Leuten ohne schlechtes Gewissen“ gekommen sei, überaus deutlich.

Zum Glück fanden wir nach einer Weile doch noch den von Wänden umgebenen Teil des Museums. Wir drehten eine Runde durch die Ausstellung, die sich von der Jungsteinzeit bis zur Vikingerzeit erstreckt. Ich fand das sehr interessant, beim Rest war es durchwachsen, von sehr interessant (einzelne Erwachsene) bis unzumutbar (einzelne Kinder).

Nach einer Stärkung mit Eis und Kaffee im Museumscafé wollten wir wieder nach Hause, aber unsere Kinder mussten erst mal sauer sein, weil wir ihnen keine Met-Hörner im Shop kaufen wollten.

Irgendwann waren wir aber erfolgreich wieder unterwegs und dann auch wieder zu Hause und überlegten spontan, den geplanten Freibad-Ausflug durch Plantschbecken-Aufbau zu ersetzen. Davon muss ich aber morgen erzählen, weil mir grade beim Tippen die Augen zufallen und mir grad das Handy ins Gesicht klatschte.

Tag 2559 – 50% Legoland.

Mit tatsächlich nicht viel Verspätung brachen wir heute allesamt in Richtung Legoland auf (brutal früh, dafür dass schließlich Urlaub ist). Leider ging die Reise für Familie Wunnibar nur bis zum Supercharger, die drehten dort schweren Herzens um, nachdem einem Kind im Auto sehr sehr schlecht geworden war (ja, mit Konsequenz, ein Hoch auf (Kunst-)Ledersitze) und das andere Kind Auto fahren generell unzumutbar fand. Wir entschlossen uns, den Plan durchzuziehen, auch, weil Michel mindestens so unflexibel ist wie ich und Planänderungen, ähm, mit gewissem Unmut begegnet (lies: Ausraster vorprogrammiert).

Und das war einfach richtig cool. Alle Daumen nach oben, da ist für alle von Kleinkind bis Uropa was tolles zu finden und zu machen. Man muss nicht mal hardcore Legofan sein, um das cool zu finden.

Der Kern des Legolandes ist das „Miniland“, wo alle möglichen Miniaturen aufgebaut sind, vom Kopenhagener Hafen bis zum Kennedy Space Center.

Im Miniland.
Der älteste Teil vom ältesten Teil.
Selbst in Lego riesig.
Offshore.
Mit Flugzeug!
Die Uhr geht sogar richtig!
Ich konnte nicht widerstehen, das Bild aus diesem Blickwinkel zu machen, das Original sieht nämlich so aus:

Rund um das Miniland sind verschiedene Themenwelten, wie das Ninjago-Land, das Piratenland oder das Märchenland. In allen gibt es abgefahrene Lego-Figuren…

Monster-Spinne.

… Fressbuden, Bau-Möglichkeiten und Fahrgeschäfte für groß und klein.

Vom Essen war ich tatsächlich positiv überrascht. Wir hatten Burger und Pommes zum Mittagessen und zwischendurch Popcorn und Eis. Einziges Manko: für die Burger habe ich ca. eine halbe Stunde angestanden, allein fürs Bestellen. Bis die dann fertig waren, vergingen noch mal 15 Minuten. Aber was dann kam, war durchaus sehr lecker.

Es war auch gar nicht so schlimm, aufs Essen warten zu müssen, weil wir Reserve&Ride-Pässe gekauft hatten, mit denen man sich virtuell in die Schlange zu Attraktionen stellen kann. Wenn die Wartezeit (berechnet an der tatsächlichen Schlange und anderen Reservierenden) um ist, kann man durch eine extra Schleuse direkt durch gehen. Dadurch kann man halt was anderes machen, während man in der Schlange steht, zum Beispiel essen, was im Miniland angucken, oder ein kleineres Fahrgeschäft mit kurzer Schlange einschieben. Das war sein Geld wert, zumal ich auch echt nicht gern stundenlang Schlange stehe, eingeklemmt zwischen massenweise Fremden. Man kann auch nur an einer Attraktion anstehen, insofern besteht moralisch nicht wirklich ein Unterschied zum sonst so beliebten Modell „Papa geht sich schon mal anstellen, Mama holt derweil mit den Kindern ein Eis“.

Essen mit Lego.
Bauen.
Devotionalien.

An Fahrgeschäften gibt es auch alles mögliche. Zuerst nahm ich mit Michel den Flying Eagle, was er gut fand. Dann das Kanu, das fand er langweilig. Dann überredete ich ihm zum X-treme Racer, was echt Banane von mir war, weil er danach ziemlich fertig war. Es war zu hoch. Ich hatte nach der erfolgreichen Adler-Fahrt halt angenommen, dass er jetzt Achterbahnen doch gut findet. Tut er auch, aber nicht SO. Ok. Den Dragon (naja) und den Polar X-plorer (whoah! Das hätte Michel NICHT gefallen. Hoch, schnell und mit einem, wenn auch nur kleinen, Drop, bei dem ich doch ordentlich quietschen musste) nahm ich dann ganz am Schluss mit Herrn Rabe alleine. Pippi fuhr „Riesen“-Rad, Monorail, Kinderkarussell mit Pferden und Feuerwehrauto und fand das alles super. Dann fuhren wir zusammen auch noch „Viking River Splash“ (mit Vikingermäusen!) und ich bin ja zum Glück keine Mimose, was nass werden angeht, weil…

Da kam ein großer Schwapp direkt in meinen Nacken.

Man muss fairer Weise dazu sagen, dass alle anderen in dem „Boot“ wesentlich weniger nass wurden, die meisten bekamen nur Spritzer ab. Ich hatte echt Pech. Die Kinder fanden das immens lustig. Und es gibt Familienföhns. Also, da kann man sich reinstellen und dann wird man, wenn nicht trocken, doch immerhin warm geföhnt.

Im Föhn.

Zuguterletzt haben wir noch den Lego-Shop leer gekauft. Tschö, Urlaubsgeld, du bist jetzt Hartplastik. Tatsächlich waren auch der Shop und die Burger-Schlange die einzigen Anlässe, wo ich kurz vor Overload durch zu viele Menschen auf zu engem Raum war*. Michel im Shop auch, der dann hektisch an mir herumfummelt, was es für ihn vielleicht besser, für mich aber nur noch anstrengender macht. Aber auch den Einkauf haben wir geschafft, ich habe jetzt eine Orchidee, die garantiert nicht eingeht und Michel hat eine Lego Architecture Freiheitsstatue. Wir alle haben diverses anderes Zeug und müssen daraus vielleicht für die Heimfahrt einen Anhänger für‘s Auto bauen oder so.

Jetzt sind wir jedenfalls in einer halben Stunde zu Hause, alle rechtschaffen platt. Meine Hose und mein Rücken wurden von der Sitzheizung getrocknet. Wir freuen uns alle aufs Bett und morgen auf das Basteln an neuen Lego-Sets. ich freue mich auf eine Dusche, ich glaube, dieses Wasser war nicht so sonderlich sauber.

Edit: die Bilder laden nicht hoch, also werde ich wohl hoffentlich erst veröffentlichen, wenn wir im Ferienhaus angekommen sind und alle mit geputzten Zähnen (und ich geduscht) im Bett liegen.

___

* Legoland ist diesbezüglich deutlich erträglicher als das Aquarium.

Tag 2546 – Es ist mal wieder soweit.

Die vollständige Abwesenheit von Respekt gegenüber meinen (und Herrn Rabes) Dingen geht mir so unendlich auf den Zeiger. Ich möchte mal wieder allein wohnen und die Kinder irgendwem schenken, der nicht schnell genug nein sagt. Manchmal tauchen die Dinge ja magisch wieder auf, wenn ich nur genug tobe. Deshalb habe ich jetzt zwei Lippenstifte in Roomiest Rose. Ich habe aber weiterhin nur einen in Mightiest Marachino, und das auch nur, weil ich mir am Flughafen einen neuen gekauft habe. Ich habe eine Dior Lippenpflege, die habe ich nachgekauft, nachdem die alte total zermanscht wieder auftauchte. Wie viele normale Lippenpflegestifte hier schon verschwunden sind, kann ich gar nicht mehr einschätzen. Absurd viele. Ich habe null Lieblingsparfum, bemerkte ich grad, weil Zweitlieblingsparfum an einer sehr komischen Stelle im Schrank stand. Ich habe null Anhänger für eine geerbte Kette, das macht mich wirklich wütend, auch, aber nicht nur, weil das auch ein monetärer Wert ist, der da wahrscheinlich irgendwo im Garten verbuddelt oder einem random Kind geschenkt wurde. Wesentlich schlimmer ist, dass mir der wirklich am Herzen lag. Am schlimmsten ist, dass ich eigentlich in meinem eigenen Haus nicht alles wegschließen will, die Kinder sind ja nun auch keine Babies mehr, die noch nicht verstehen, wo sie selbst aufhören und Mama anfängt. Ich will auch nicht glauben, dass meine Kinder auf solche Ideen kommen, ohne zu antizipieren, dass ich wirklich sauer werde oder auch, wie im Fall der Kette, wirklich traurig. (Dann fällt mir wieder ein, dass eins der Kinder ja vielleicht tatsächlich Schwierigkeiten genau damit hat. Spitzenmutter.)

Die einfach den ganzen Tag mit Switch und Tablet wegzusperren, ist ja leider auch gesellschaftlich nicht so akzeptiert.

Grrrr.

P.S. Ja, die Dior Lippenpflege (und der Lipgloss) und die Clinique chubby Lippenstifte sind das Geld wert. Ansonsten immer Carmex.

Tag 2502 – Plantschen.

Pippi hatte von gestern auf heute das erste mal Übernachtungsbesuch, nämlich das eine Nachbarsmädchen. Da wurde sehr viel gequatscht und gekichert und es gab einen Film und Popcorn und bis alle schliefen war es elf, aber das muss ja irgendwie auch so. Das Nachbarsmädchen ist eine sehr angenehme Hausgästin. Und so schnell war Pippis Zimmer noch nie aufgeräumt, wie nach der Ansage „Wenn L. hier schlafen soll, muss da aber aufgeräumt sein!“.

Heute Morgen beim Frühstück erbettelten die Kinder sich dann Schwimmen. Also in erster Linie unsere eigenen Kinder, aber das Besuchskind fragte, ob sie auch mitkommen kann. Ich fragte, ob sie schwimmen könne, ja klar sagte sie, also durfte sie von uns aus mitkommen. Pippi kann nicht schwimmen und Michel kann grad so gut schwimmen, dass man nicht mehr permanent Angst haben muss, dass er absäuft, sobald man kurz den Blick von ihm abwendet. (Dass er inzwischen überhaupt so gut schwimmen kann verdanken wir der Schule und dem eisernen Willen dieses Kindes, das das unbedingt wollte.) Da können wir nicht noch die Verantwortung für weitere Nichtschwimmerkinder übernehmen. Aber das Nachbarsmädchen kann schwimmen, ziemlich gut sogar, und durfte auch von ihren Eltern aus mit (und dann gab es noch einen Eklat, weil das andere Nachbarsmädchen mitbekommen hatte, dass wir schwimmen gehen wollen, und quasi schon dabei war, ihre Sachen zu packen, aber die kann eben nicht schwimmen und auch ihre Eltern hielten das für gar keine gute Idee). Und siehe da: Pippi kann fast schwimmen, also sie treibt sehr schön im Wasser, kommt auch gut voran, sie muss nur noch lernen, den Kopf zu heben. Aber schnauzeln Schnorcheln geht super. Die Mädels pendelten zwischen Rutsche und „dem warmen Becken“ (so ein Spaß/Therapiebecken, das an einem Ende 0,90 m und am anderen 1,90 m tief ist, also eher flach), Michel pendelte zwischen Sauna, Dampfbad, Tauchbecken, 1 m-Brett und Spielgerätdingsbums (so ein aufblasbarer Hindernisparcours, der auf dem Wasser schwimmt), wir Erwachsenen pendelten den Kindern hinterher und als alle hungrig waren, fuhren wir nach Hause. Da waren die Kinder auch ziemlich im Eimer, nach wenig Schlaf und Schwimmen, und bei Pippi gab es dann ein paar Tränen, als sie sich vom Nachbarsmädchen trennen musste, aber alles in allem war es ein echt schönes Wochenende und den ersten Übernachtungsbesuch für ein Kind haben wir auch gut gemeistert, finde ich.

Tag 2498 – Sagt einer ja auch keiner.

Ich weiß jetzt offiziell mehr über das IT-Projekt als ich je wissen wollte der IT-Support. Es ist zu Heulen und zum Haare raufen, aber es hilft ja auch nichts. Einfach gar nichts. Noch ein paar Wochen. Augen zu und durch.

Sommerarbeitszeit (reguläre Arbeitszeit nur 35 Stunden/Woche von Mitte Mai bis Mitte August, dafür 38,75 Stunden/Woche den Rest des Jahres, im Schnitt übers Jahr also 37,5) ist eine gigantische Lüge. Man hat ja nicht weniger zu tun, bloß weil die Sonne scheint. Außerdem muss man hat man das Recht und wird stark dazu angehalten, von den 13 Wochen Sommerarbeitszeit 3 Wochen Ferien zu nehmen. Zumindest bei uns im Werk muss man dafür Ferientage (wird tageweise abgerechnet, Länge des Arbeitstages ist egal) verbrauchen, nicht Abfeiern (stundenweise abgerechnet). Dadurch schenkt jeder norwegische Vollzeit-Staatsangestellte im Laufe des Sommers dem Staat 11,25 Arbeitsstunden. 1,5 Arbeitstage. Mal ca. 150.000 Angestelltenjahre sagt das SSB. Man muss schon echt sehr idealistisch sein, um das mitzumachen, eigentlich. Vielleicht sollte man nach 30 Jahren Staatsdienst dann einfach fordern, 9 Wochen eher in Rente zu gehen. Oder ich fordere erst mal, dass nicht verlangt werden kann, Ferientage innerhalb der Sommerarbeitszeitsperiode zu verbrauchen. (Ich mache übrigens beides, Ferien und Abfeiern, und habe dadurch halt sehr lange frei im Sommer. Dafür kann es aber auch passieren, dass ich in der Abfeierperiode doch zu irgendwas beordert werde.)

Mit Pippi diskutieren wir momentan täglich mehrmals das Thema BH. Die eine Freundin trägt nämlich BHs. Bei der Freundin ist das genauso unnötig wie bei Pippi, aber das sture Kind sieht das nicht ein und deshalb gibt es jeden Tag Theater. Und in jedem Laden auch, weil es ja nicht so ist, als gäbe es keine BHs in Größe 128. Ich möchte das Patriarchat und den Kapitalismus inzwischen nur noch brennen sehen. In welcher Welt haben wir geschafft, Kindern einzureden, dass sie einen BH brauchen bevor auch nur der winzigste Anflug von Pubertät etwas erzeugt hat, das nicht mehr 100%ig nach Kind aussieht. Vielleicht muss man auch die Kinder da in was rein pressen, damit sie ordentlich konsumieren, bevor sie dann mit 40 beschließen, dass sie lange genug BH getragen haben und die Dinger außer zu seltenen Deko-Zwecken an den Nagel hängen. Das kommt bei mir jedenfalls nicht in die Tüte, dass ich dafür Geld ausgebe, solange einfach so gar kein körperlicher Bedarf dafür da ist. (Blöde Mama mit ihren feministischen Tiraden immer. Alle anderen dürfen nämlich!)

Entschuldigen Sie das ranten. Musste mal raus, alles.

Tag 2489 – Meine Nerven!

Kann nicht schon 7.7. sein? Ich wäre dafür bereit, muss ich sagen.

Eine Woche vorm 17. Mai ist totales Orga-Chaos und als wäre das nicht genug, hat die Kommune sowohl den 17. Mai-Festzug über diese Brücke, mit Kranzniederlegung an diesem Denkmal, genehmigt, als auch die Renovierung eben dieser Brücke. Tadaa.

So romantisch, die Baucontainer. Ich sehe uns schon ca. 500 Schüler*Innen plus Marschkapelle in Einerreihe an Containern und Gerüsten vorbei über die Brücke schleusen.

Das IT-Projekt eskaliert völlig und es weiß langsam der Zeigefinger nicht mehr, was der Ringfinger tut oder was seine eigene Aufgabe ist.

Ich habe mit dem Kind, das eine strikte Nulltoleranzpolitik gegenüber eigenen Fehlern fährt (as in: es macht keine, wenn es welche macht, sind es keine, wenn es doch welche sind, war es nicht seine Schuld, wenn es doch seine Schuld ist, explodiert es gründlich und ausdauernd) seinen Mathetest korrigiert. Ich bin Gandhi, nach außen hin jedenfalls. Innerlich möchte ich schreien, dass das alles kein informed consent war, I didn’t sign up for this, warum muss ich sowas plötzlich machen?

Liebe Menschen, die ihr darüber nachdenkt, ob ihr Kinder haben möchtet: Hausaufgaben. Ihr werdet Hausaufgaben betreuen müssen. Bedenkt, dass 5 Minuten Hausaufgaben 30 und mehr Minuten Gezeter und Genörgel vorausgehen können und dass ihr unter Umständen mit Radiergummis beworfen werdet, weil ihr wagt, die Flüchtigkeitsfehler eurer in deren Augen gottgleichen Brut aufzuzeigen.