Tag 2681 – Platt.

Heute war anstrengend, die Auto-Sache nimmt Form an und ist dadurch aber eben auch wieder anstrengend und bietet vor allem die Qual der Wahl. Eh schon schwierig, aber grad… puh. Puh. Außerdem zwei Stunden lang von professioneller Seite zu Michels Eigenarten befragt worden, was ich immens anstrengend finde. Jetzt sind wir Eltern aber auch erst mal durch, bis auf einen Stapel Fragebögen (oh, Knoten ins Taschentuch, dran denken, die für den Lehrer morgen Michel mitzugeben) und vermutlich mindestens zwei Fahrdienste, damit Michel auch noch untersucht werden kann. Leider kommt bei mir dann auch noch dazu, dass Michel und ich uns ja sehr ähnlich sind und mir dann Sachen aus meiner eigenen Kindheit wieder einfallen, wie dass ich in der Grundschule nach nahezu jeder Sportstunde in der Umkleide geheult habe, weil irgendwas meiner Meinung nach falsch gelaufen oder ungerecht war. Oder die Episode, wie ich meine Federmappe nach einem Mobber geworfen habe und sie leider an ihm vorbei aus dem offenen Fenster flog – da war ich so alt wie Michel jetzt, Michel wirft in der Schule bisher nur mit Kniffelwürfeln, Fensterstatus unbekannt. Oder wie ich Peinlichkeiten rausgeblubbert habe (mehrmals), was für ein unerträglicher Klugscheißer ich war (und bin), oder wie ich aus Langeweile in der ersten Klasse im Matheunterricht laut gestöhnt habe und dann den Rest der Stunde die Klinke von außen runter drücken musste. Ach ja, was waren sie schön, die 90er. König der Löwen, Tamagotchis und neurodivers waren nur Jungs und überhaupt, was ist neurodivers, Zappelphillip und Rainman, dazwischen und außerhalb davon gibt’s nix und die gehen gefälligst auf ne Sonderschule!

Jedenfalls ist das anstrengend. Sehr. Weiterhin wird niemand unser Auto wollen und wir werden eins kaufen, was zu groß ist/zu langsam lädt/in dem wir nichts unterkriegen/bei dem die Software dauernd spinnt. Wenn all das noch nicht reicht, könnte tatsächlich ein Krieg ausbrechen und dann sollte man vielleicht lieber nen Diesel haben, der zur Not auch mit Rohöl läuft statt einer fancy Karre die nach 400 km einfach stehen bleibt. Ob Michel sich viel Sorgen machen oder viel Grübeln würde?

Tag 2628 – Filtrationsprobleme und anderes.

Tagesaufgabe Gelee kochen ist erledigt! Genau genommen ist bis auf Apfelmus machen alles erledigt, was ich mir für heute grob vorgenommen hatte, auf der anderen Seite bin ich jetzt auch ganz schön alle und hatte bis auf eine Stunde Geige null Zeit nur für mich. Das ist anstrengend. Ich bin sehr froh, dass das hier nur ab und zu so ist.

Für den Gelee musste ich erst mal Saft haben, mein Ausgangspunkt heute Morgen war allerdings ausgekochte Beeren in Saft, abgekühlt immerhin. Erst fischte ich den Großteil der Beeren mit einem Schöpflöffel raus, dann goss ich den Rest durch ein Sieb. Dann hatte ich immerhin schon mal beerenfreien, aber immer noch ziemlich trüben Saft. Kaffeefilter haben wir hier nicht und ich wollte nicht unbedingt ein Holunderbeerfarbenes Geschirrtuch haben, also filtrierte ich den Saft durch eine doppelte Lage Zewa. Die Idee war nur so mittelgut, muss ich sagen, weil nach dem ersten halben Liter der Filter dicht war, wie wir in meinem Job sagen. Man kann da schon noch was machen, zum Beispiel Unterdruck anlegen (nutschen), Überdruck anlegen (pumpen), die Verteilung über die Filterfläche optimieren bei gleichzeitiger Auflockerung des Filterkuchens (rühren) oder halt den Filter wechseln. Filter wechseln fand ich doof und ich habe leider weder eine Pumpe noch eine Nutsche zu Hause (beides birgt außerdem die Gefahr, den Filter kaputt zu machen und so widerstandsfähig ist Zewa ja nun nicht), also rührte ich den ersten Liter geduldig durch, wechselte dann den Filter und rührte den zweiten Liter etwas weniger geduldig durch. Scheißarbeit. Nächstes Mal Kaffeefilter besorgen. Generell für das Projekt Holundergelee reichlich Zeit einplanen.

Ansonsten war ich heute mit Pippi im Schwimmbad und was gäbe es schöneres, als im Badeanzug und ungeschminkt Pippis Freund samt Vater gegenüberzuschwimmen? Den habe ich ja schon ein ganzes Mal gesehen, wir sind ja alte Bekannte von gestern. Pippi hat sich jedenfalls gefreut und die beiden haben dann voreinander angegeben, als wäre das ein Balztanz. Guck mal hier was ich kann und wer kann den größten Bauchplatscher und ich kann schon bis dahin schwimmen fast ohne abzusaufen! Mit Pippi im Schwimmbad ist auch kein Spaaufenthalt, weil die Kamikazemaus gern mal überschätzt, was sie kann und dann urplötzlich untergeht, voll darauf vertrauend, dass Mama schon da ist und sie rausfischt, auch wenn man grad in Windeseile vor Mama weggeschwommen ist. Aber mit meinen untrüglichen Mutterinstinkten konnte ich immer gerade rechtzeitig eine Hand unter den Bauch oder einen Arm um den Körper zaubern. Uff.

Michel vergnügte sich derweil allein zuhause. Das klappte gut, allerdings fand ich eben, als ich nur noch kurz zum Kompost wollte, nicht nur seine Schuhe sondern auch zwei unserer Sofakissen draußen nass auf dem Rasen. Muss ich also morgen doch noch mal meckern.

Der Rest des Abends bestand aus Care-Arbeit. Wäsche waschen, Stundenpläne ausdrucken, Rucksäcke durchgucken, Schwimmsachen für Michel zusammensuchen, Kochen, Spülen, Kinder ins Bett bringen. Aufräumen, Brotdosen machen und dann war es irgendwie auch schon wieder elf.

Tag 2620 und 2621 – Party!

Gestern hab ich irgendwie nicht geschrieben. Ich fiel irgendwann ziemlich platt ins Bett, denn tagsüber hatten wir Kindergeburtstag vorbereitet. Wir hatten Pippi ja noch eine Nachfeier versprochen und das war also heute. Und weil Herr Rabe und Michel gestern bei einem „Military Tattoo“ waren, war ich mit Pippi alleine. Wir kauften gemeinsam ein, Ich backte und befüllte die obligatorische Piñata, abends dekorierten wir und Herr Rabe räumte die Bank und den Esstisch im Wohnzimmer frei. Das ist jetzt alles in einer Klappkiste, aber immerhin auf der richtigen Etage.

Heute war also die Feier, mit nahezu allen Mädchen aus der Klasse, weil das hier halt so ist, dass man alle einladen muss, das waren also neun eingeladene, davon kamen sieben. Ein lauter Haufen, aber ein netter, bei dem es bisher keine festen und/oder rivalisierenden Cliquen zu geben scheint. Drei Mütter blieben noch eine Weile hier, weil deren Kinder nicht so gern alleine hier bleiben wollten, das ist ja auch ok und ein Kaffee ist schnell gekocht. Es klappte alles, aber anstrengend war es für mich trotzdem. Pippi hat es aber in vollen Zügen genossen und das ist ja das wichtigste. Zum Geburtstag hat sie eine „Beauty-Maske“ und Nagellack bekommen, weshalb wir danach noch „Spa“ gemacht haben.

Blogfreundliches Kinderfoto.

Zum Stressabbau habe ich mich gestern und heute unnötig ausgiebig mit dem Strompreis beschäftigt und habe strategisch günstig die Autos geladen, Waschmaschine und Trockner getimet und gebadet. Und gestern zwei und heute etwas über eine Stunde lang Geige gespielt, was allerdings heute nach hinten los ging, weil eine neue Etüde, die ich probieren wollte, ein derart unbefriedigendes Ende hat, dass ich mich seither darüber aufrege. Ey, es muss ja nicht alles mit ner vollständigen Kadenz enden, aber man endet doch nicht ein Stück in C-Dur auf e. Das macht man einfach nicht. Das ist wie nen Marathon laufen und 100 Meter vorm Ziel einfach aufhören. Falls das so ein musikalischer Witz sein soll, verstehe ich ihn nicht und finde ihn auch nicht lustig. Diese Etüde hätte mich bestimmt ganz wichtige Dinge gelehrt, aber muss von mir ungespielt bleiben. Aus Protest und zum Schutz meiner Nerven.

Tag 2611 – Frau Rabe redet laut am Telefon.

Herr Rabe sagt das und jetzt sagt es auch noch der Lieblingskollege. Ich merke das nur leider gar nicht.

Ansonsten war Arbeit so lala, ehrlich gesagt graut mir vor nächster Woche schon sehr gründlich. Auf der Rückfahrt rief auch noch meine Teamchefin an und überbrachte Hiobsbotschaften zum IT-Projekt. Und das wo ich grade Hoffnung geschöpft hatte, dass es tatsächlich was wird bis Montag. Darüber hinaus wurde eine Reise nach Indien gebucht und wir sind damit spät dran und deshalb werden wir jetzt auf beiden Wegen total gerädert ankommen. Und wir schaffen es noch nicht mal, alle drei im gleichen Flieger zurück zu fliegen, weil die Kollegin und ich einen Tag länger bleiben als der Lieblingskollege, der zufällig zeitgleich eine andere Site im selben Land inspiziert. Zitat Lieblingskollege: meh. Die Teamchefin fragte auch, ob ich wirklich echt Herbstferien haben will, weil wir da ja ne neue Kollegin bekommen und „alle“ anderen in Dublin auf einem Seminar sind (nicht alle, aber mehrere). Aber ich habe frei, weil ich nicht auf dieses Seminar fahre. Ich wäre gern auf dieses Seminar gefahren! Aber es sind so viele Hardcore-Inspektionen bis Weihnachten, dass ich ein bisschen Realismus walten lassen muss, was meinen Akku angeht. Arbeiten statt Beine hochlegen ist deshalb in dieser Woche keine Option, auch nicht, wenn das heißt, dass ich die neue Kollegin erst so richtig nach der Indien-Reise kennenlerne. Manchmal haben die da bei meiner Arbeit lustige Ideen, alle miteinander.

Michel hatte nach der Schule einen Platten am Rad, wogegen ich von Oslo aus herzlich wenig tun konnte. Aber Herr Rabe konnte ihn, von Oslo aus, überreden, sein Rad zum Fahrradladen zu bringen, mit dem er vorher besprochen hatte, dass er das morgen oder Freitag bezahlt. Aber ich glaube wirklich, Michel dachte, ich schwänge mich mal eben in den Zug, um dann meine heilenden Hände auf den Reifen zu legen und ihn zu reparieren. Ich hab das letzte mal so vor 25 Jahren einen Reifen geflickt, ich weiß noch nicht mal, ob, und wenn, wo, wir Flickzeug haben. Aber Herr Rabe hat es ja nun fern-gefixt.

Auch heute war wieder ein lustiges Vereinbarkeitsgehampel, was durch einen vergessenen Schlüssel und einen Schlüssel, der statt in der Schlüsselbox auf dem Terrarium im abgeschlossenen Haus lag, auf die Spitze getrieben wurde. Auch da wieder die Erwartung, dass ich sofort komme, wen juckt es, dass die kleine Schwester zum Tanzen muss. Es löste sich übrigens auch das Thema recht einfach, Michel fuhr mit seinem Kumpel zum Schlagzeugunterricht und hing danach noch etwas bei ihm ab bis Pippi und ich wieder da waren. Aber ich bin jetzt mal bereit für einen entspannten Tag im Homeoffice, an dem ich zumindest theoretisch irgendwelche Fahrräder irgendwo abholen könnte und sich die Frage nach dem Haustürschlüssel gar nicht stellt. Wie haben wir das 2019 eigentlich noch alles gemacht? (Der Notfallschlüssel ist aber auch wieder in der Schlüsselbox.)

Tag 2610 – Tennis.

Hier fühlt sich alles oft so an, wie Tennis mit so einer Ballschießanlage spielen, die einfach unaufhörlich Bälle rauspumpt. An guten Tagen komme ich in so eine Art Flow dabei, die ständig wechselnden Aufgaben möglichst schnell wegzuschlagen. Weg, weg, weg, weg, Check. An schlechten Tagen hingegen kommt mir das alles wie Sisyphusarbeit vor (ist es ja auch, es hört ja nie auf) und ich möchte am liebsten von vornherein kapitulieren und auf dem Boden liegen und die Bälle Bälle sein lassen.

Heute war ein guter Tag. Außer Arbeit (eine Tennisballschießanlage für sich) habe ich noch, wie so eine Superperson, Michel von der Schule abgeholt und zum Augenarzt begleitet, dann Pippi vom Hort abgeholt und zum Schlagzeugunterricht gefahren, dann beiden Kindern Eis gekauft, später beide Kinder zum Korps gebracht und wieder abgeholt, warmes Essen serviert und war beim Ballett. Danach beide Kinder ins Bett gebracht, davor Pippi noch zum Duschen genötigt, Brotdosen vorbereitet, die Spülmaschine aus- und wieder eingeräumt, Pfannen gespült und die Gaspatrone an der Blubbermaschine gewechselt. Die Meerschweinchen habe ich auch gefüttert und den Müll rausgebracht und Brot aufgetaut.

Das ist alles viel und nächste Woche gibt’s hier sicher wieder Genöl, weil ich antriebslos nichts gebacken bekomme (Spaß. Nächste Woche gibt es Kurzmeldungen wegen Arbeitswoche straight outta hell). Aber für solche Zeiten muss ich das ab und an mal aufschreiben. Es ist nicht immer schlecht, ich bin nicht immer faul, und wenn es gut ist, ist es oft sogar richtig gut.

Ach ja: die Kinder waren, während ich beim Ballett war, allein zu Hause. Sie hatten eine Reihe Aufträge bekommen, wie zum Beispiel die Kühlschranksachen vom Essen wieder wegräumen und Zähne putzen, bevor ich wieder komme. Die Regeln für alleine zu Hause sein (sie bleiben hier und andere Kinder können nicht zu Besuch kommen und wenn was ist, anrufen und wenn wer blutet oder es brennt oder sonstige Notfälle sind, zu den Nachbarn gehen) kennen sie ja auch, nur haben wir die zwei zusammen bisher höchstens mal 20 Minuten für kurz was einkaufen alleine gelassen. Die zwei haben das heute aber prima gemacht. Große Kinder sind toll.

Tag 2603 – Noch müder.

Ein anstrengender Termin am Vormittag, danach zwischendurch immer mal in die Mails gelinst und das IT-Projekt eskaliert weiter, abends doch nicht zum Ballett gegangen, weil Pippi eskalierte und das Michel (und mich) so stresste, dass ich mich bereits umgezogen und nachdem ich mir ein Bein ausgerissen hatte, um zeitlich Korps, Essen und Ballett zu koordinieren, dagegen entschieden habe.

Dann habe ich beide Kinder ins Bett verfrachtet und bin Podcast hörend bei Michel eingeschlafen. Jetzt hoffe ich auf einen besseren Tag morgen, bin da allerdings sehr skeptisch, wenn ich so in meinen Kalender gucke.

Ich hatte vor drei Wochen doch noch Urlaub.

Tag 2595 – Auswahl.

Irgendwas fällt halt hinten rüber, wenn man dreieinhalb Stunden damit beschäftigt ist, von A nach B zu pendeln. Ich war um 09:22 im Büro, seit 09:15 aber in einem Meeting. Dann waren Meetings bis 15 Uhr, unterbrochen nur von 30 Minuten Mittagspause. Eine kurze Session Schreibtischarbeit, da war ich aber unkonzentriert weil nach den ganzen Meetings echt gar. Also fuhr ich nach Hause. Da half ich kurz beim Essen machen, dann gab es essen, dann fuhr Herr Rabe mit Michel zur Cosplay-Werkstatt um sich das mal anzuschauen. Pippi hatte alle drei Nachbarsmädels zu Besuch, die spielten draußen, aber ich musste mit Getränken versorgen und das Mädchen, das sich einpullerte, mit sanfter Gewalt davon überzeugen, dass das ein guter Anlass sei, nach Hause zu gehen. Die Mädels wollten dann noch eine Runde Fahrrad fahren, währenddessen packte ich ein Postpaket fertig, als ich das Postpaket grad zum Abholen in den Briefkasten steckte, schmiss Pippi ihr Rad in voller Fahrt von sich, weil da „ein gruseliges Tier“ drauf gesessen hat. Ich tröstete das Kind und untersuchte das Rad auf gruselige Tiere, fand aber keine. Pippi fuhr weiter, ich setzte mich kurz aufs Sofa, hörte aber nach 2 Minuten Pippi draußen keifen und dann heulen. Irgendein Mädchen-Streit. NIE MEHR wird sie mit dem Nachbarsmädchen spielen, NIE MEHR! Es gab dann erst mal Suppe für Pippi und dann bastelte sie einen Brief an das Nachbarsmädchen, weil sie das ja doch gar nicht so gemeint hatte, sie wäre ja doch gern weiter ihre Freundin. Aber das kann sie jetzt nicht mehr sagen, nur schreiben. Danach durfte ich Pippi endlich ins Bett bringen. Hinten runter gefallen sind Pippis Hausaufgaben, um viertel vor acht fange ich nicht auch noch an, sie zu überreden, mindestens 10 Minuten in einem Buch zu lesen. Da ist das Drama ja vorprogrammiert.

Ich war also heute eine gute Arbeitnehmerin und eine gute Mutter. Und jetzt gehe ich ganz achtsam ins Bett, ich habe das Gefühl, mein Körper möchte mir mit der bleiernen Müdigkeit irgendwas* sagen.

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*KAFFEEEEEEE! sagt er. Kriegt er aber nicht (schon mal gar nicht um die Zeit). Ich möchte mal eine Weile nur einen großen Latte am Tag trinken, damit es wieder mehr Genuss als Sucht ist und ich von einer gelegentlichen höheren Dosis auch wieder mehr Effekt habe. Außerdem spart es Geld und Kuhmilch, da ich mich nicht mit Pflanzenmilch anfreunden kann, mache ich statt replace halt reduce. Zwei Wochen habe ich schon durchgezogen. Entzugserscheinungen dürften also eigentlich überstanden sein. Bin trotzdem dauernd müde, aber war ich ja vorher auch, haha.

Tag 2593 – Familie Nerd.

Michel hat sich gewünscht, mal Dungeons and Dragons zu spielen. „Mal“. Der Mann hat sowas ja früher öfter gemacht und fand deshalb die online-Plattformen, die es da gibt, doof und wollte lieber ein Starterset mit fertigen Charakteren und einer Kampagne kaufen. Augenrollen gab ich mein Ok zu dieser Ausgabe und jetzt haben wir also ein Starterset. Herr Rabe ist der Spielleiter, ich bin Zauberin und Michel ein Elf. Wir haben noch einen Menschen namens Bort dabei, und suchen einen Zwerg, dessen Namen ich vergessen habe. Heute spielten wir insgesamt so 3,5 Stunden und sind schon drei mal fast tot gewesen. Ich finde es für den Anfang trotz Starterset irre kompliziert und ich mag ja generell Glücksspiel nicht und man muss ja ständig irgendwas würfeln (immerhin mit fancy Würfeln), ob man nun an dem Goblin vorbei schleichen kann, ob man getroffen hat oder getroffen wird und wenn ja, wie hart, usw. Aber für Michel mache ich sogar das. Aller Voraussicht nach die nächsten Wochen große Teile der Wochenenden (nächste Woche nicht, da bin ich nicht da).

Tag 2581 – Folter.

Wir quälen ja hier im Haus gerne unsere Kinder, insbesondere Michel, insbesondere indem wir sie zu Aktivitäten schicken, die sie selbst vor wenigen Wochen noch gerne machen wollten. Zum Beispiel ein einwöchiges Science-Sommerprojekt, das hier im Ort diese Woche täglich von 9-15 Uhr, also auch unmenschlich lange, stattfindet. Da machen sie so grauenvolle Dinge wie Bakterien züchten, charakterisieren und unter dem Mikroskop anschauen, schrecklich. Mikroskopieren interessiert Michel ja auch gar nicht. Es ist alles sehr grausam. So furchtbar, dass mir Michel hinterher diverse Knöpfe an die Backe laberte, was sie heute alles gemacht haben und was sie die nächsten Tage über machen werden und dass sie die von zu Hause mitgegebenen Materialien (3 x gebrauchte, gespülte und getrocknete Verpackungen und eine leere 1,5 L Plastikflasche, darüber bekamen wir schon vor zwei Wochen Bescheid und daher war ich vorbereitet) doch erst morgen brauchen und er hätte das aber jetzt schon dort gelassen und dann ist er übrigens noch beim Fußball hingefallen und hat jetzt ein Pflaster am Knie, Bolzplätze mit Sand, wer denkt sich denn sowas aus, und die anderen haben alle Bakterienproben vom Klo genommen aber er nicht, er hat die von der Tafel und dem Waschbecken genommen aber das dauert ja jetzt noch ein paar Tage, ne Mama, du arbeitest auch mit sowas, oder früher mal, bevor du inspektør wurdest, ne, haben wir auch mal gemacht, aber heute haben wir auch die Nährböden für die Bakterien selbst gemacht und…

Wahrlich schrecklich muss es gewesen sein.

(Und ein bisschen seufze ich der Zeit hinterher, als Michel noch „Brakterien“ sagte.)

Nur um es erwähnt zu haben, bin ich mal wieder die am wenigsten kümmerige Ehefrau der Welt. Herr Rabe siecht mit irgendeinem nicht-Corona Fieberinfekt dahin und hat sich heute nicht nennenswert aus dem Bett bewegt und ich… naja. Involviere mich eher wenig. Ich wüsste auch nicht, wie. Dutzi dutzi machen hasse ich ja selbst sehr, wenn es mir schlecht geht. Ich will alleine in meiner Höhle sterben. Das übertrage ich vermutlich auf andere, zusätzlich zur Hilflosigkeit. Tja.