Tag 920 – Lessons learned.

  • Die Kinder halten es kuschelnd und sich nur ab und an schlagend noch etwa 30 Minuten im Bett aus, nachdem sie aufgewacht sind.
  • Die Kinder sind trotzdem am Samstag immer gegen halb acht wach. (Das Klischee sagt ja eigentlich, dass das erst mit der Schule losgeht, wir müssen aber beide Kinder jetzt schon unter der Woche wecken, damit sie rechtzeitig in die KiTa kommen. Das wird noch richtig spaßig, wenn das Aufstehen noch mal ne Stunde eher (ca.) sein muss, wenn Michel mit der Schule anfängt.)
  • Michel hat so vieles von mir. Temperament, unter anderem. Vermutlich rasseln wir deshalb gern mal aneinander. Hautfarbe inklusive damit verbundenen Problemchen hatte ich ja auch schon mal festgestellt – Michel muss wirklich immer mit Sonnencreme eingecremt werden, sobald ein bisschen die Sonne scheint, verträgt gleichzeitig aber nur wenige Sonnencremes dauerhaft. Das ist plöd, armes Kind, ich kenne das. Und neuerdings hat Michel auch noch ab und zu Kopfschmerzen. Nie Bauchweh. Immer Kopf. Heute: einseitig. Oh Mann. Kindermigräne brauchen wir und vor allem er nicht auch noch, bittedanke.
  • Pippi versucht jetzt, durch puppenhaftes Wimpernklimpern Schimpfe zu entgehen. Klappt nur ganz selten.
  • Auch mit Michel allein im 1,60 m breiten Bett liegt er zu zwei Dritteln auf mir drauf. Q.e.d.
  • Michel ist jetzt in der, wie soll ich es nennen? linguistischen Phase. Jedes Wort wird auf seine Bedeutung hin erforscht. Infoquelle: Ich. „Was bedeutet „Sonne“?“ Keine Ahnung, Dings, Sonnengott, großer leuchtender Ball, ähh, wahrscheinlich hat irgendein Urzeitmenschenvorfahre mal in den Himmel geguckt „SO-EH!“ gegrunzt und dann hieß das eben so. Und das dann für HundkatzemausSchuheHoseWaschmaschineWäscheGrätenKnochenFleischFischSäugetierEi. Hunderttausendmal am Tag. Ich will die Warum-Phase zurück.
  • Man kann schon auch ohne zweite Person (und ohne Büste) Kleider abstecken. Es ist halt etwas umständlich. Aber nach nur drei Stunden (oder so) bin ich jetzt mit dem Anpassen soweit fertig, dass ich die (Hilfs-)Nähte alle aufmachen und endgültig wieder zusammensetzen kann. Was für ein Akt. Man muss aber dazu sagen: ich hab das noch nie gemacht, das Kleid ist ja auch trägerlos und Satin verzeiht gar nichts. Da sind sofort Falten oder es rutscht, sobald man ausatmet, es hat ja auch noch gar keinen Stand, weil das Innenfutter, das mit (noch so ein erstes Mal) Rigeline verstärkt wird, noch nicht drin ist. Es ist jedenfalls bisher mein anspruchsvollstes Projekt, ich bin gespannt, wie es am Ende wird. Und ich bin ein bisschen froh, dass noch die Spitze drüber kommt. Dann sieht man wenigstens kleinere Schnitzerchen nicht mehr sofort.
  • Ich bin viel schlanker als gedacht, vor allem über der Brust. Ich dachte immer, ich hätte ein recht breites Kreuz, aber ich musste fast 10 cm im Umfang über der Brust wegnehmen, vor allem im Rücken und den Rest unter den Armen. Dann noch unter den Brüsten ordentlich was weg, Taille verschmälern… dabei habe ich ja vorher extra gemessen und dann mit den angegebenen Maßen des fertigen Kleidungsstücks verglichen. Vielleicht geht auch mein Maßband falsch. Hmmhmm.
  • ohne Spitze sieht das Kleid an mir aber noch recht… behämmert aus. Wobei solche Kleider das vielleicht an fast jeder*m tun würden, deren/dessen Schultern nicht miniminischmal sind.
  • Ich bin so furchtbar diszipliniert. Sport ist Sport und wenn ich halt erst dazu komme, wenn die Kinder im Bett sind so be it. Dann mache ich halt Sport um zehn Uhr abends. Und lache ein bisschen über mich selbst.

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Auto-Lobhudelei: den Tag mit den Rübennasen ganz gut überstanden, meist nicht wie die schlechteste Mutter der Welt gefühlt, die Kinder haben gebastelt und wir waren sogar draußen und hatten den Schlitten dabei (es waren aber keine guten Schlittenhügel auf dem Weg. Dafür kann man auf so nem Goretex-Hintern echt sehr sehr schnell Rutschen herunterrutschen).

Tag 919 – Blau, blau, blau sind alle meine Kleider…

Haarige Sachen passierten heut. Zunächst einmal kam die Matte endlich runter. Das war das letzte Mal irgendwann im… ich weiß nicht mehr. November? passiert* also mehr als nötig.

Man sieht es auf dem Bild nicht, aber es kräuselte sich schon im Nacken und hat die Ohren quasi zugewuchert und beides kann ich absolut nicht haben. Durch die Stoffwechselschwankungen waren mir vor Weihnachten an den Schläfen recht viele Haare ausgefallen, da war ich gar nicht mal undankbar, was drüber machen zu können, aber jetzt ist da zumindest wieder Flaum und der Helm muss ab.

Ich liebe meinen Frisör.

Und dann habe ich heute Abend die gestern nach einer langen Reise durch ferne Länder und (vermutlich mehrere) Kontinente angekommene Haarfarbe ausprobiert. Frau Brüllen hatte die mal gekauft, sich aber dann doch nicht so recht getraut und dann hatte ich gesagt, dass ich die Haare blau färben möchte und zack**, schon hatte** ich die Farbe hier. Bevor Sie jetzt Schnappatmung kriegen: das ist so eine Colorista Wash Out Farbe, wäscht sich also in 5-10 Haarwäschen raus. Ich *muss* also nicht zwingend zur Disputation blaue Haare haben. Heute also auf das frisch gestutzte Haar geschmiert. Nicht auf das ganze, sondern nur „oben“ und den Rest der noch an den Handschuhen war ganz leicht im Resthaar verteilt, ich wollte einen wilden, lebendigen Look und nicht aussehen, als hätte mir ein Schlumpf auf den Kopf gekackt. Bis auf einen Fleck am Hinterkopf ist es mir ganz gut gelungen, finde ich (in echt ist die Farbe intensiver).

Ich bin gespannt, wie sich das beim Rauswaschen macht.

Ansonsten heute das blaue Kleid aus Partysateng*** und Spitze angefangen und hui, Satin nähen ist ja auch mal nicht sooooo einfach. Schon beim Zuschneiden fluchte ich über die Franserei, damit mich das nicht beim Nähen vollends irre macht, versäuberte ich dann vorm Nähen sämtliche Schnittkanten (sowas hab ich ja überhaupt noch nie gemacht) und jetzt bin ich mit dem Zusammensetzen so weit, dass ich die Passform anpassen muss, aber eigentlich brauche ich dazu eine zweite Person und Herr Rabe kommt erst am Sonntag Abend zurück. Auf jeden Fall muss am Rücken oben einiges weg und da abstecken kann ich ja nun mal gar nicht alleine. Hmmhmm.

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Auto-Lobhudelei: alles geschafft, was ich mir für heute vorgenommen hatte, sogar mit zur Arbeit und zurück laufen. Durch den Sonnenschein. Hachz.

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* Ich hab nur wenige Erinnerungen an das Ende letzten Jahres. Es lebe die Verdrängung!

** Nach nur sechs Wochen Postversand

*** Norweger und ihre Verhunzung anderer Sprachen.

Tag 917 – To-sew-Liste.

Ich bin total aus dem Häuschen gerade, weil ich meinen ersten Simplicity 7498-Rock fast fertig habe. (Fast, weil: der Reißverschluss fehlt noch. Weil der Nähfuß noch fehlt. Ist aber bestellt [der lokale Einzelhandel so: „Müssen Sie im Netz bestellen.“], wird morgen verschickt, kommt also vermutlich Montag an.) Und er ist so schön. Und so wie ich das ohne Reißverschluss beurteilen kann, sitzt er auch richtig gut. Und da ich den (Stilbruch!) aus dunklem, glatten, leicht glänzendem Jeansstoff genäht habe, fühle ich mich auch total wohl damit und gar nicht, als hätte ich mir ne Verkleidung genäht. Jetzt noch ne Bluse dazu.

(Oh stimmt, säumen muss ich den ja auch noch.)

Und damit mir nicht langweilig wird, hier (außer der Bluse, die vermutlich diese hier werden wird) noch zwei Projekte, eins eilig, eins für die Defense.

(Doch nicht grün, weil eilig. Jetzt also Mitternachtsblau. Und muss noch gewaschen werden, deshalb liegt es hier noch rum.)

Tag 912 – Ächz.

Heute Morgen sang ich noch Loblieder auf mein Sportprogramm und dass das ja jetzt gar nicht mehr so schlimmen Muskelkater macht wie am Anfang noch und dank meiner schnell wachsenden Muskeln* sieht man an Schultern, Armen und oberem Rücken schon Erfolge und im unteren Rücken merke ich dass er mir viel seltener wehtut und olé olé, super Sportprogramm.

Dann kam die 10-Minuten Total Abs Burnout Pilates Extra Credit Challenge** I’m Anschluss ans Total Upper Body Workout. Heute Nachmittag dachte ich noch, hmm, fühlt sich alles recht müde an. Dann fing der Körper beim Vornüberbeugen an, lustige Zuckungen zu produzieren.

Und dann hatte ich die brillante Idee, geliehene Schnittmuster auf in meinem unerschöpflichem Fundus*** gefundenen Schnittmusterpapier zu übertragen. Erst kroch ich dafür auf dem Boden herum, aber als Herr Rabe mich ächzend und fluchend vom Boden hochkommen sah, räumte er mir den Esstisch frei. Da stand ich dann in leicht vorgebeugter Haltung und jetzt bin ich fertig mit dem Abmalen, aber meine Abs**** sind jetzt auch wirklich für die nächste Woche so dermaßen ausgeburnt.

Morgen geht’s weiter. Mit dem Sport und den Schnittmustern auch.

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Auto-Lobhudelei: heute viel erledigt bekommen, sogar eine Bewerbung verschickt, obwohl meine Motivation dies zu tun heute auf einem Tiefpunkt war. Dafür eine Post-doc-Stelle in Kopenhagen gefunden, auf die ich mich auf jeden Fall bewerben werde. Das Thema ist nämlich sehr ähnlich zu dem, was ich hier in der Doktorarbeit gemacht habe und es ist ein industrieller Post-doc. Win -win.

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*Mir wurde schon zu viel Testosteron unterstellt, ich nehme ja an, dass meine Muskeln einfach immer ungefähr konstant da sind, aber bei längerer Nicht-Benutzung nicht mehr gut ansprechbar sind und dann auch nicht so sichtbar. Da braucht es nicht viel, um alte Formen wieder herzustellen. Wirklich irgendwas verändert hat sich nämlich nicht, nur etwas definierter ist es halt geworden.

** Diese Extra-Credit Challenges sind Zusatzaufgaben, die man machen kann, aber nicht muss. Ich sehr aber nur „Challenge“ und schreie sofort reflexhaft „Accepted!“. Ich arbeite daran, das abzustellen.

*** Ich hab das ja alles von meiner Oma geerbt, en bloc alles was in der Nähe der Nähmaschine lag. Ich muss nie, vermutlich die nächsten 10 Jahre auch nicht, Gummilitze kaufen. Und Nähgarn in fast allen Farben habe ich auch immernoch. Und eine Tonne Knöpfe. Und eben auch, etwas überraschend, eine Packung Schnittbogenpapier von Burda und ca. 1990. Praktische Sache! Danke, Oma!

****Abs sind Abdominal muscles also Bauchmuskeln. Burn out in dem Zusammenhang heißt, dass die Muskeln wirklich beansprucht werden sollen, bis man nicht mehr kann.

Tag 907 – Wäähäähää und Squiiieeeeek.

Heute lief der Tag im Prinzip gut, mit ein paar kleinen Holperern, als Pippi mit Filzstift auf den Fußboden malte und Michel das gesamte Bad flutete. Das mit dem Filzstift war extra mies, weil ich vorher noch die Filzstifte weggelegt hatte mit den Worten „Hier auf dem Fußboden wird nicht mit Filzstiften gespielt.“, dann aber aufs Klo ging und Herr Rabe holte irgendwas und in den wirklich höchstens zwei Minuten holte sich Pippi die Box, machte sie auf und bedeckte zwei gut tellergroße Stellen mit Rot. Nun. Es gab einen Anschiss und Herr Rabe schrubbte dann in Windeseile das Rot vom Laminat, erst mit Feuchttüchern und den Rest mit einem Glitzischwamm „für Teflon geeignet“ und Spüli. Ging. Das mit dem gefluteten Bad war einfach nicht aufgepasst von Michel, dadurch aber nicht weniger blöd, kurzzeitig hatten wir dann auch keine trockenen Handtücher (oder Hausschuhe oder Schlafanzüge für Pippi) mehr und Michel grummelte vor sich hin, weil auch er von mir eine Ansage bekam. Aber wer meint, groß genug fürs Wasser selbst steuern zu sein, der muss auch checken, ob die Duschtür richtig zu ist. Hat er jetzt hoffentlich gelernt.

Ich bekam dann auch noch die geballte Wut von gleich zwei Kindern ab, weil ich Ketchup auf der Pizza untersagte. So eine Barbarei fangen wir gar nicht erst an und da beide vorher ne halbe rohe Paprika gegessen hatten, sah ich auch keinen in akuter Skorbut-Gefahr. Dann war ich halt mal kurz die super fiese Mama. Ich konnte es grad noch retten, indem ich auch auf die Kinderpizza Räucherlachs legte. Puh.

Dafür meinte meine Nähmaschine nach dem Abendessen, sie hätte für heute schon genug getan. Ich hatte am frühen Nachmittag einen Pulli für Herrn Rabe fertig genäht und dachte, ich könnte heute Abend noch den für meinen Bruder zusammennähen. Aber beim Ärmel einsetzen fing irgendwas an, zum Gottserbarmen zu Quietschen und zwar in einer Frequenz, die mir Zahnschmerzen bereitet und Fledermäuse gegen die Wand klatschen lässt. Das war schier unerträglich. Da ich dann aber auch beim näheren Drübernachdenken mich nicht mehr dran erinnern konnte, wann ich das letzte Mal die Maschine gründlich* gereinigt hab und vor allem geölt hab, brach ich das Nähen erstmal ab und baute die Maschine nach Anleitung auseinander. Es ist tatsächlich schon ein bisschen länger her, dass ich das gemacht habe. Inzwischen ist es mir wieder eingefallen, es war im Sommer 2015. Hupsi. Kein Wunder, dass da was quietscht. Obwohl es alles noch gut geschmiert aussah, das muss man sagen, es war nur wirklich alles voller feiner Stofffussel. Ich saugte also alles erstmal grob mit dem Staubsauger ab, bürstete den Rest mit dem Tool, das zur Nähmaschine gehört, weg, ölte die zwei Stellen, die nach Anleitung geölt werden sollen, baute alles wieder zusammen, ließ die Maschine ca. 2 Minuten lang ohne Faden laufen (es quietschte jetzt nicht mehr, ich hoffe, es bleibt so) und dann packte ich alles auf den Schrank, weil morgen die Putzhilfe kommt. Mein Bruder wird also noch einen Tag länger auf seinen Pulli warten müssen. Schlimm.

Gebacken wird auch erst am Dienstag, weil ich heute keine Lust hatte Vorteige zu machen und die Kinder sich eh schon auf kalte Pizza in der Brotdose freuen. Ohne Ketchup.

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*Also grob reinige ich die schon sehr viel häufiger. Aber ich baue eben eher selten die Platte ab, fummle das Unterfadengehäuse raus und mache darunter und da drum rum sauber.

Tag 891 – Nichts getan, nichts zu sagen.

Ein Kleid habe ich fertig genäht und ich sage es mal so:

– ich werde nie wieder das Kontrollquadrat nicht nachmessen

– ich werde nie wieder Taschen aufnähen, bevor das Ding ansonsten fertig ist, schon mal gar nicht mit einem Dreifach-Stich

– ich werde vielleicht nie wieder was anderes als Salat essen, damit ich weiter in das Kleid passe, das eigentlich „lässig und bequem“ hätte sein sollen

– meine Laune war schon mal besser

Sonst war nix. Langlauf ist wegen Magen-Darm im Haus meiner Kollegin ausgefallen. Hurra für Salat.

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Auto-Lobhudelei: mich von dem Satz „Ich dachte, Sie wären eh in der Gegend, wieso jetzt Reiserechnungen?“ nicht komplett aus der Fassung bringen lassen und das „Arschgesicht“ nur gedacht.

Tag 785 – Nix zu sagen.

Ach, war halt alles wie immer, ne? Hirnarbeit schlaucht ziemlich.

Guten Text gelesen über „Seinen Doktor machen“, der ist aber auf Norwegisch. Aber ein paar von Ihnen können das ja vielleicht. Also Å fullføre en doktorgrad. (Anmerkung: dieses „ohne Geld weiterarbeiten“… it‘s a thing. Ich frage mich wirklich, wie die das alle machen. Haben die solche Unsummen an Erspartem? Oder nehmen die dafür Kredite auf, in der Annahme dass ja nach der Promotion das große Geld wartet? Mein Erspartes reicht für drei Monate Leben hier ODER einen Umzug quer durch Europa.)

Hier noch nachgereicht ein Bild vom neuen Kleid: