Tag 1951 – Jodelei jodelei, hu hu.

Die Kinder haben einen schrecklichen Ohrwurm angeschleppt. Total Late to the party haben wir letztes Jahr um Frühjahr den Hype verpasst, aber macht ja nix. Das Lied heißt „Raske Briller“ (Schnelle Brille, FRAGEN SIE MICH DOCH NICHT WARUM) und ist eine Parodie auf die norwegische Afterski-„Kultur“. Hier sehen Sie im Video anschaulich dargestellt, worum es dabei geht: https://youtu.be/TN7G3H2YUOc. Wenn Sie raske briller googeln und die Bilder ansehen, erfahren Sie, was eine schnelle Brille ist. Es ist alles sehr seltsam und das Lied geht einfach niemals mehr aus meinem Kopf.

Related: Michel hat seit heute früh raske briller, weil wir beim Augenarzt waren und vergessen hatten, eine Sonnenbrille von zu Hause mitzunehmen. Mit Pupillen groß wie Untertassen beschwerte sich Michel, dass er nicht mehr Handy spielen konnte und das schummrige Novemberlicht zu hell sei. Aber immerhin ist jetzt auch Michel komplett untersucht und vermessen, mit dem Ergebnis: das Kind schielt (dafuq, seit wann das???) und ist weitsichtig. Er bekommt eine Brille gegen die Weitsichtigkeit und da das Schielen nicht weiter auffällt, sondern „nur“ anstrengend für ihn ist, hoffen wir, dass die Brille das schon etwas einfacher macht. In seinem Alter würde man da glaube ich auch nichts mehr abkleben, sondern eher mit Spezialbrillen arbeiten, aber wie gesagt, man sieht gar nichts davon. Also so im Alltag. Mit Atropintropfen sieht man sehr deutlich, dass das eine Auge nach innen kippt, weil er dann entspannt, er kann ja eh kaum sehen.

Tjanun, ab bald also zwei Kinder mit Brille, gleich mal ne Bank ausrauben.

Raske briller.

Mit der Brille kann man aber prima Blödsinn machen.

Ich habe übrigens mein frisch genähtes Kleid an, das wirklich kuschelig ist, wie Bettwäsche halt. Es ist ein Bollec von Schnittquelle. Ein eigentlich nicht schwieriges Schnittmuster, was nicht heißt, dass man da nicht trotzdem einiges verkacken kann. Ich suhle mich einfach noch ein wenig im Stolz, dass alle Nähte aufeinandertreffen, da wo sie es sollen.

Kleine Anmerkung: Schnittquelle-Schnittmuster haben für mich immer zu lange und dafür aber auch zu enge Ärmel. Memo to self: Ärmel etwas kürzen und deutlich weiter lassen, und eventuell die Armkugel etwas flacher machen (oder üben. Üben wäre wohl besser. Oder mit den Fältchen leben. Oder halt üben). Über der Brust am Ärmelansatz kann auch je ein cm raus. Und die übliche Rockseitenbegradigung, eine will ja nicht aussehen wie Marie Antoinette.

Man kann sich auch einfach so hinstellen, dass man von den Problemstellen möglichst wenig sieht.

Tag 1950 – Nähsonntag.

Ich hab keine Bilder gemacht, aber heute in bester Gesellschaft einen Rock genäht. Ich sag mal so: er wäre fertig, hätte ich nicht die Idee gehabt, ihn auch noch zu füttern, unnötiger und im Schnittmuster unvorhergesehener Weise. So murkste ich herum, machte Fehler, trennte wieder auf, machte keine Fehler mehr aber das Ergebnis gefiel mir trotzdem nicht und schnitt/ riss das Futter wieder ab. Es war kein teurer Futterstoff, ich habe auch noch was, und der innere Bund ist noch nicht verstürzt – noch kann ich mich also noch mal umentscheiden und doch noch ein Futter einnähen. Aber ich glaube, ich mache einfach den inneren Bund noch fertig (per Hand, oh the joys) und calle it ein sehr erfolgreiches und vor allem sehr schönes Nähwochenende.

Ich habe gelernt, dass es sinnvoll ist, den richtigen Nähfuß zu nehmen, und wie das vor 10 Jahren in der Nähbloggerinnenbubble war und ich glaube, da habe ich nichts verpasst.

Mir hat das Wochenende wieder mehr Lust aufs Nähen gemacht, das ist auch sehr schön.

(Bald Bilder. Ehrlich.)

Tag 1949 – Nähe durch Nähen.

(Muhahaha, so ein lustiger Titel.)

Dieses Wochenende haben wir uns mit ein paar Frauen aus dem Internet(TM) zu einem Nähwochenende verabredet. Die Runde trifft sich sonst zum Telewein auf Zoom, jetzt treffen wir uns halt zum Nähen auf Zoom. Abends kann man ja durchaus auch ein Glas Wein dazu trinken, wenn man nichts allzu kompliziertes nähen will. Jedenfalls war ich ein bisschen aufgeregt, aber für das erste mal Nähen in Gesellschaft* ist via Zoom und in einer Gruppe, die ich eh schon kenne, sehr günstig. Und so saßen wir heute an 6 Orten vor mehr als 6 Nähmaschinen und tratschten manchmal und nähten meistens nur so vor uns hin und das war alles sehr entspannt und sehr entspannend. Ich habe ein Kleid genäht, das zeige ich gegebenenfalls morgen, wenn ich Fotos gemacht habe. Immerhin bin ich komplett fertig geworden, also zur Abwechslung kein Projekt, das jetzt zu 80% fertig wochenlang herumliegt.

Morgen geht es weiter, ich habe 2 fertig ausgeschnittene Projekte zur Auswahl, mal gucken was mich dann spontan mehr reizt.

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*Ich kann ja eigentlich gar nicht nähen. Ich mache das nur trotzdem und deshalb trenne ich auch so viel wieder auf, weil ich irgendwelche Böcke schieße. Heute habe ich gelernt, dass auch andere, die viel besser nähen können als ich, Blödsinn in Nahtform produzieren. Beruhigend.

Tag 1808 – Revival of allein daheim Tag 3.

Ein weiterer Tag im sauberen Zuhause. Jetzt auch wieder mit ordentlichen Blumenbeeten. Es hat den ganzen Tag die Sonne geschienen und war dabei nicht allzu heiß, ich war fast den ganzen Tag draußen und es war herrlich. Jetzt kann es von mir aus morgen schütten wie angekündigt.

Ich habe tatsächlich Kirschen gepflückt, allerdings nicht so viele wie ich gerne gepflückt hätte, weil ich nur an die untersten Äste kam (und man auf den einen Baum, der noch komplett voll hing und vermutlich hängt, auch nicht drauf klettern kann, wenn man keiner Klimmzüge mächtig ist, was ich nicht bin). Die Hälfte habe ich gleich gegessen, ein paar habe ich noch für morgen.

Meine kleine Kirschpflück-Fahrradtour beendete ich mit dem Kauf einer Flasche Wein und Parmesan, um mir abends Risotto kochen zu können.

Das machte ich auch und bin immer noch ein bisschen im Risottokoma. Ich kann nicht mehr für eine Person kochen, weshalb ich gleich für morgen mitgekocht habe, aber es ist trotzdem ziemlich viel. Aber halt auch lecker, also yolo.

Abends habe ich dann endlich den Rock fertig genäht. Es fehlte noch der Reißverschluss und weil ich ein Volltrottel bin, musste ich auch Knopf und Schlaufe tauschen. Auf den letzten Metern (beim Fädeln der Schlaufe) habe ich dann auch noch meine Nähnadel verloren, die ist jetzt irgendwo, im Sofa, im Teppich, in meinem Pulli oder im Rock. Bin gespannt, wann ich sie mit meinem Po finde. Handnähen ist echt nicht ohne.

Ich konnte leider keine vernünftigen Bilder machen, aber die Länge ist perfekt, die Falten fallen schön und ich hab nur zwei Fehler eingebaut, die man dank des Bindebandes nicht sieht. Danke, Omi, für das Bindeband.

Vielleicht kriege ich es morgen mit dem Selbstauslöser hin, bessere Fotos zu machen. Jetzt ist der Rock erst mal in der Waschmaschine, um die Kreidemarkierungen wegzuwaschen. Dann noch bügeln und fertig.

Während des Nähens habe ich das Finale der aktuellen Staffel RuPauls Drag Race geguckt, was quasi Skype-Edition war wegen Lockdown in den USA. Abgefahren. Finde auch spannend, dass RuPaul sich nicht in Drag begeben hat für die Home-Folgen. Die Gewinnerin überraschte mich allerdings, nachdem ich bei den Performances von einer anderen den Blick kaum abwenden konnte.

Da das mit dem Reißverschluss eine umfassendere Geschichte war (lies: ich bin mit der Hand wirklich langsam), guckte ich danach noch den Eurovision-Film auf Netflix (The Story of Fire Saga) und dachte die meiste Zeit so etwa „what am I seeing???“ aber wer eine kurzweilige, etwas abgedrehte, reichlich alberne und Eurovisions-selbstironische Unterhaltung für ca. 2 Stunden sucht, ist damit gut beraten.

Ebenfalls beim Nähen konnte ich die Rangordnungskämpfe der Meerschweinchen belauschen und beobachten. Eieiei. Da werden die Köpfe hochgerissen und die Zähne gezeigt und geschnattert was das Zeug hält und zwar, so wie es grad aussieht, jeder gegen jeden. Bisswunden habe ich noch keine gesehen, aber ich werde morgen beim Meerschwein-TÜV ein extra Auge darauf haben.

Herr Rabe versorgt mich mit Fotos der Kinder, die scheinen viel Spaß zu haben. Hach, es freut mich, dass ich nicht die einzige bin, die eine gute Zeit hat.

Tag 1638 – Vorbereitet.

Morgen ist Winterfest. Yeah, socializing mit den Kollegen. Werde als Eiskönigin gehen, damit niemand mit mir redet. Habe einen halben Schönheitssalon eingepackt und damit ich nicht erfriere und weil ich wieder in das Kleid passe (Schilddrüse? Spirale raus? Sport? Ist ja eigentlich egal.) das Outfit von meiner Doktorfeier endlich vervollständigt.

Dann kann’s morgen ja losgehen.

(Besonders stolz bin ich darauf, dass die Jacke, bis ich den Reißverschluss angenäht hab, komplett wendest war, mit überall unsichtbaren Nähten. Hat ein paar Anläufe gebraucht, war im Muster auch nicht vorgesehen [überhaupt war kein Futter vorgesehen, das finde ich ja immer etwas seltsam] aber hat dann doch noch echt gut geklappt.)

Tag 1633 – Erfolglos die 2.

Ich habe weitere viereinhalb Stunden meines Lebens an Minecraft verschwendet und möchte einfach nur noch Minecraft in Schutt und Asche legen. Was für eine unfassbare Rotze. Alles war besser, damals, als man einen Datenträger oder von mir aus auch vier bis zwanzig Floppy Disks kaufen konnte und dann saß man halt einen halben Tag davor und tauschte Floppy Disks aber am Ende lief alles. Heute lädt man das Spiel und dann lädt man noch ein extra Dings mit dem man die Extensions abspielen kann und dann lädt man die Extension und es läuft einfach mal gar nichts, weil irgendwelche Versionen nicht zusammen passen. Am Ende schickt man wütende Mails mit wüsten Beschimpfungen („schlimmer als Word“) an die Spielevertreibenden und will sein Geld zurück und es dauert weitere viereinhalb Stunden, bis einer nicht mehr kochend heißer Dampf aus den Ohren schießt.

Ich hasse Minecraft und es hat nichts mit dem Spiel an sich zu tun. Yeah.

Abends wütete dann verständlicherweise Michel herum, weil „einfach gar nichts geht, wie es soll“ und zur allgemeinen Gemütsberuhigung habe ich ihm dann eine Hülle für sein Schul-Tablet genäht. Eine zu kaufen gestaltete sich nämlich schwierig, weil da schon so ein dicker Bumper drum ist. Innen ist wasserdichter Stoff, aus Gründen, und gefüttert ist es, damit es etwas stoßfester ist. Den Stoff hat er sich aus meinem Fundus ausgesucht und der ist von der lieben Tanja <3.

Tag 1575 – Zwei Mäntel.

So, ich sitze im Zug [Update: 12,5 Stunden später sitze ich wieder im Zug, aber in die andere Richtung] und habe einen einigermaßen apokalyptischen Artikel zur Klimakatastrophe gelesen, habe jetzt Lust wirklich nachdrücklich unbequem zu werden und in Schule, Hort und Kindergarten den Fleischkonsum anzusprechen zu kritisieren zu shamen, irgendwo müssen wir alle anfangen und da macht es tatsächlich einen Unterschied. Die Alternative ist dass unsere Kinder in 30 Jahren vielleicht gar nichts mehr zu essen haben, das muss man einfach mal so plump sagen.

Aber zu etwas positiverem: wir kaufen auch alle viel zu viele Klamotten aus Niedriglohn- und Hochausstoßländern und als wäre das ein großer Unterschied, wenn man industriell hergestellte, gefärbte, bedruckte usw. Stoffe kauft statt ganze Kleidungsstücke.

Meine Güte die Sonne scheint mir aus dem A…Hintern, merkt man, ne? Die gute Italienische Seide gibt’s dann auch in 30 Jahren nicht mehr, weil es Italien nicht mehr gibt. Aber vielleicht lerne ich einfach spinnen und weben, in Norwegen gibt’s vielleicht weiter Schafe. Oder ich leg mir ne Alpaca-Herde zu, das hat eine andere Inspektørin auch gemacht, ganz bei uns in der Nähe. Dann kann ich meinen Kindern (die dann erwachsen sind, aber oh je meine armen Babies was habe ich getan) wenigstens was zum Anziehen beschaffen. Dann reaktiviere ich noch Grundschulwissen über Flachsspinnerei und schon sind wir immerhin nicht nackt.

Nun ja. Neuer Anlauf: ich bin zur Zeit nicht nackt. Ich habe mir nämlich zwei Mäntel genäht. Erst den einen, der dauerte ein Jahr, dann noch einen, der dauerte keine zwei Wochen wenn man davon absieht dass ich die zweite Knopfleiste immer noch nicht angenäht habe. Ich fange aus Bildgründen mit dem zweiten Mantel an, nämlich Ingvild:

Ingvild hat Taschen (Liebe für Taschen) und das sogar innen, weil man Ingvild nämlich wenden kann. Ich liebe Ingvild sehr, das Muster ist super gut beschrieben (gibt’s auch auf Englisch) und es war einfach zu nähen und (am Wichtigsten) Ingvild passt gut und sitzt ohne großes Anpassungstralala. Wer aber gerne anpassen will, findet IN DER ANLEITUNG eine Anleitung dazu. Ein Hoch auf die Nähmutter Melilot. (Werbung aus Überzeugung, ich kriege da nix für, ok vielleicht nen Kaffee beim nächsten Treffen aber Werbung müsste eventuell vorher ja abgesprochen sein und das ist sie nicht, nicht mal Kaffee.)

Bei Ingvild habe ich mich zur Abwechslung mal ans Muster gehalten, das mache ich ja oft nicht und ärgere mich dann. Vielleicht mache ich mir wirklich noch eine dünnere Version mit Kapuze, Kapuzenmäntel sind einfach noch einen Tacken praktischer bei Regen. [Mir fällt grad ein: ich hab ja die Ärmel länger gemacht, damit ich sie umschlagen kann. Soviel zu ans Muster gehalten. Und ich hab keine Knopflöcher gemacht sondern Knopfschlaufen.]

Ich habe zwei Wollstoffe verwendet, deshalb ist der Mantel wirklich schön warm. Auch um die Beine ist so viel Stoff, dass ich da auch bei Minus 10 Grad (für Sie getestet) nicht friere. Auf dem Bild habe ich im Übrigen zwei Strumpfhosen übereinander an, dann Wollsocken und gefütterte Stiefel und so kam ich bis auf die letzte Viertelstunde ohne taube Zehen durch das Baumanzünden. Zurück zu den Wollstoffen: der innere ist ein grün gestreifter angeblicher Loden, für Loden ist er aber zu flexibel und Brennprobe ergab einen deutlichen Synthetikanteil (schmurgel) aber er ist warm und war ein Rest, also hab ich mich immerhin nicht dumm und dämlich gezahlt. Der karierte Stoff außen ist reine Wolle in hellblau-erdfarbenem (Senf, Oliv, äh… Lehm?) Schottenkaro vom Wollhändler meines Vertrauens, den ich seit dem anderen Mantel habe (in Norwegen).

Also insgesamt super Mantel, 10/10 Punkten. Aber warum habe ich diesen Mantel zusätzlich zum Jahresmantel genäht? Tjanun. Der Jahresmantel ist kein Alltagsmantel und kriegt trotz stolzem Preis für die Rohmaterialien höchstens 7/10 Punkte. Aber erstmal zeigen:

Das ist Berga von Schnittquelle. Wie man sieht eher schick und deshalb auch mein Businessmantel. Hier habe ich mich nicht ans Muster gehalten, nämlich:

  • Ich habe den Mantel gefüttert, in Norwegen ist es kalt.
  • Ich habe Taschen aufgesetzt (wer erfindet taschenlose Mäntel???). Einfach zwei rechteckige Stoffstücke aufgesetzt, mit „offenen“ Nähten.
  • Ich habe Schulterpolster und Ärmelfische eingesetzt.
  • Der Kragen hat einen Druckknopf bekommen, weil der sonst immer offen steht.

Ich habe für Berga außen Vadmel (echten Loden) genommen und weil mir das wirklich für den norwegischen Winter nicht gereicht hätte ihn noch mit einem dünneren Wollflanell gefüttert. Das Futter war im Muster nicht vorgesehen (wie auch einiges mehr) und da habe ich mehr oder weniger drauflos gebastelt. Das hat gut geklappt, aber so richtig erklären was ich da gemacht habe kann ich leider nicht.

Warum ist das nun kein Alltagsmantel? Nun, mein Hauptmanko ist, dass die Ärmel so eng sind, dass wirklich ein dickerer Pulli drunter einfach nicht mehr geht. Wenn ich den Mantel *und* einen Blazer anziehen will, muss ich den Blazer in einer Jutetüte mit mir rumtragen. Auch ohne dicken Pulli sind die Ärmel so eng, dass es anstrengend ist, die Arme anzuwinkeln. Natürlich kommt ein Teil der Ärmelenge vom im Muster nicht vorgesehenen Futter, aber bei weitem nicht alles und ich sag mal so, ich hab ja schon mal ein Schnittquelle-Muster genäht und da sind die Ärmel auch eher… eng anliegend. Was alles kein Problem ist, wenn man in Jersey oder Wollwalk näht, aber bei Stoffen, die nicht nachgeben… tja. Hat man halt nun einen Mantel mit sehr engen Ärmeln. Und ein Kleid mit recht engen Ärmeln. (Und dabei hab ich beim Mantel an den Ärmeln schon alles an Nahtzugabe rausgelassen :/)

Schwachstellen am Muster (meiner Meinung nach):

  • Der Beleg vorne und der Kragen werden laut Muster nicht verstürzt. Weiß nicht, wie das gehen soll ohne dass es ömmelig aussieht, sobald man den Mantel auszieht. Hab ich mit dem Futter gelöst.
  • Der Kragen stand ohne den Druckknopf auf wie bei Sherlock.
  • Ärmel zu eng.
  • Keine Taschen.

Aber sonst schon sehr schön.

Jetzt haben Sie also meine Mäntel gesehen. Die Welt geht trotzdem unter, aber was soll’s, wenigstens ist mir warm dabei.

Tag 1531 – Fertig. Und wach.

Ich! Habe! Einen! Mantel! Genäht!

Hat ja auch nur 10 Monate gedauert, obwohl man ja schon zugeben muss, dass von Januar bis Ende September da rein gar nichts dran passiert ist.

Foto gibt es noch nicht, Sie müssen mir das vorläufig einfach glauben. Vielleicht kriege ich im Hotel morgen was fotografiert, oder ich müsste meine Kollegen bitten (not gonna happen), wir werden sehen. Jedenfalls FERTIG!

Außerdem war heute Michels Kindergeburtstag in der Turnhalle, aber das war so entspannt, dass es sich kaum lohnt, darüber Worte zu verlieren. Mir graute davor wirklich, einfach wegen der Menge Kinder (11) aber die spielten und tanzten ganz zufrieden und es war wirklich einfacher als zu Hause, schon allein weil wir null geplantes Programm hatten (das dann ja auch durchgezogen werden will, bei den leicht zwanghaften Migranten).

Vielleicht wurde ich auch gehirngewaschen in den letzten sechs Jahren, schleichend vermutlich.

Gebügelt und gepackt ist für die nächste Woche, eine Woche Inspektion, eine Woche ohne Familie, seltsam, obwohl ich das ja im Mai auch schon mal gemacht hab. Trotzdem – halt seltsam.

Jetzt viel zu spät im Bett, also wirklich zwei Stunden zu spät aber der Mantel ist fertig und gebügelt ist, man kann nicht alles UND ausreichend Schlaf haben, ich jedenfalls nicht.

Tag 1399 – Kinder zu verleihen.

Ich fühle mich ja immer echt schlecht, wenn ich das mache, aber heute Mittag ging mir Michel so auf den Senkel mit seiner zur Schau getragenen Langeweile, dass ich I. schrieb, ob Michel nicht B. besuchen könne, der ginge zu Hause die Wände hoch. Kein Problem, schrieb I., es ist eigentlich nie ein Problem außer sie sind nicht da oder krank, außerdem haben sie das riesige Haus und den noch viel riesigeren Garten umgeben von Äckern weil sie halt einen großen Bauernhof bewirtschaften. Das Haus ist jetzt im Sommer noch viel schöner als im Winter, am liebsten hätte ich mich gleich mit eingeladen, aber ich wollte ja auch nähen und so lieferte ich Michel ab und fuhr… tanken. „Nur“ 15,55 kr/L, zwei Kronen weniger als irgendwann letzte Woche, aber immer noch 2 Kronen mehr als ich zu bezahlen wünsche, also tankte ich nur halb voll.

Zu Hause nähte ich dann den Rock fertig, er hat jetzt ein Bündchen und einen Geradband-eingefassten Saum im Ex-Lieblingshosenstoff, sehr hübsch sieht das aus. Morgen besorge ich einen Reißverschluss und ein bis zwei Knöpfe. Zwischenfall: ich kam in den Rock zwar durch über den Kopf ziehen trotz zugenähter Reißverschluss-Öffnung rein, aber dann nicht wieder raus. Keine Ahnung, wie ich das geschafft habe, aber es war mir nicht möglich, meine Schultern wieder aus dem Ding rauszuwurschteln. Sehr seltsam. Am Ende musste ich, den Rock über den Brüsten hängend wie ein groteskes, trägerloses Zelttop, die Reißverschlussöffnung (die ja dann quasi direkt unter meinem Kinn war) ein Stück auftrennen um mich zu befreien.

Irgendwie ging so der Tag recht fix rum. Pippi ging zwischen hier und den Nachbarn ein und aus, die Nachbarn waren auch immer mal wieder hier, Herr Rabe kämpfte gegen den Löwenzahn und überhaupt kann man ja jetzt eigentlich jede Woche Rasen mähen. Alle zusammen fuhren wir dann Michel wieder abholen, bewunderten die Terrasse, Pippi durfte auch noch Trampolin hüpfen und Herr Rabe das Musikzimmer besichtigen. Sehr schön und sehr entspannt das alles. Michel war nach dem Besuch auch deutlich umgänglicher, Pippi leider nicht, die war danach eigentlich müde, sah das aber nicht ein. Sie musste auch noch baden, denn sie hat sich gestern so einen Kinder-Lippenpflegestift mit (ca.) Marshmallow-Einhornpups-Sugarcookie-Geruch in die Haare geschmiert. Dreimal haben wir seither ihre Haare gewaschen, es riecht nun nicht mehr ganz so streng aber die Haare sehen auch nach dem (mit dem Bad heute Abend) vierten Mal waschen und Spülung einfach total strähnig-fettig aus. Tjanun. Mir fällt dazu nix mehr ein, das muss nun die Zeit regeln. Jedenfalls war Pippi ins Bett bringen eher Kampf als Entspannung, aber es glückte dann doch noch und ich konnte noch Pizzaschnecken für das Sommerfest der Schule (der 1. Klassen) morgen backen. Wer denkt sich denn aus, dass man gemeinsam Picknicken soll, aber Grillen ist verboten? Die Info kam darüber hinaus am Freitag, man hatte also einen ganzen Dreiviertel Tag, sich irgendwas Picknickmäßiges als Grillalternative auszudenken. Mir kam die Idee dann auch erst heute, aber wir haben ja gewisse Dinge immer da: Mehl, Hefe, Zwiebeln, Knoblauch, gehackte Tomaten aus der Dose, dann war noch eine halbe Tüte Veggie-Hack da und eine kleine Dose Mais (von der ich den Rest löffelte und dabei an Twittermenschen dachte) und Käse muss man halt im Zweifel vom Stück runterhobeln, ist aber auch immer da. Morgen also Pizzaschnecken zum vermutlich unorganisierten Picknick. Schade, dass Bier auf solche Events mitbringen hier total verpönt ist.

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Über Twitter wurde mir ein Text von graslutscher.de angespült, der eine „Doku“ auseinandernimmt, die die ARD zum Thema Elektromobilität ausgestrahlt hat. [Disclaimer: ich habe die Doku nicht gesehen wegen des drecksver… Geoblockings.] Da sind eigentlich alle Argumente, die gegen E-Autos von so „besonders gut“ informierten Mitmenschen kommen, ganz gut aufgegriffen und dagegen argumentiert. Etwas länger zu lesen, aber wirklich ein guter Text zum Thema.

„Und jetzt das Schrillste: Selbst wenn es 100.000 km wären, die ein E-Auto fahren müsste, bis es klimafreundlicher ist als die Benzinversion, wäre das immer noch ein großer Schritt in die richtige Richtung, denn die Technik ist sehr robust: Es gibt bereits Teslas mit über 600.000 km Fahrleistung, im Durchschnitt verfügen die Batterien nach 300.000 km noch über 90 Prozent ihrer Leistung und nach 800.000 über 80 Prozent. Es wäre selbst mit diesen sehr pessimistischen Rechnung die deutlich klimaschonendere Technologie. Ich halte kurz mal fest:

  1. Deutsche Elektro-SUV sind ein kleines Nischenprodukt auf dem Markt, die Doku tut jedoch so, als seien sie die Regel

  2. Die zitierte, veraltete Studie setzt zu hohe CO2-Emissionen an und spricht selbst an keiner Stelle von 17 Tonnen CO2 pro Akku

  3. Nur wenige E-Autos haben 100-kWh-Akkus

  4. Diese großen Modelle aus dem Luxussegment vergleicht die Doku mit kleinen, sparsamen 6-Liter-Autos

  5. Selbst mit dem behaupteten 17-Tonnen-CO2-Rucksack wären die Elektroautos insgesamt die klimaschonendere Variante

Übrigens: Das meistverkaufte Elektroauto weltweit, das Tesla Model 3, verfügt im Standard über nur 50 kWh und wird bis Ende 2019 voraussichtlich komplett klimaneutral hergestellt. Vor dem Hintergrund gerät der komplette Abschnitt beginnend mit „Doch die Rechnung geht so nicht auf“ zu peinlichem Fake-News-Mumpitz.“

Im Artikel wird auch genannt, was ich auch gerne anführe: ein heute gebautes Elektroauto kann in 15 Jahren vielleicht komplett mit Strom aus erneuerbaren Energien betrieben werden, auch in Deutschland, wenn da endlich dieser Blödsinn mit dem Kohleabbau sein gelassen wird. Ein Benziner verbrennt auch dann noch Benzin, unweigerlich, genau so viel wie heute. Und wie wird eigentlich so ein SUV recycelt, in der Boardelektronik stecken doch sicher auch da ganz viele seltene Erden.

Tag 1398 – Wiedersehen mit Nähmaschine.

Leider keine Bilder. Mein und Michels fehlgeschlagener Ausflug gestern hatte ja zum Ziel, Stoff zu kaufen, nämlich für ein Taillenband und Halsausschnitt/ eventuell Ärmelbündchen an einem Kleid. Ich hab da nämlich diesen groß gemusterten, sehr bunten Stoff und ich glaube, wenn man das nicht optisch unterbricht, wird man von dem Muster vermutlich total wuschig. Jedenfalls gibt es eben noch keinen Unterbrechungsstoff. Ich hab zwar heute Ober- und Unterteil fertig genäht, aber mehr halt noch nicht und ja, ich hab die Einzelteile anprobiert aber so bauchfrei sieht das schon reichlich bescheuert aus, muss ich sagen. Generell finde ich ja die Rückkehr von „bauchfrei aber extra weit“ eine optische Zumutung und zwar völlig egal, wie der drin steckende Körper geformt ist. Hochwasserhosen ebenso, das sieht immer alles aus wie „ach komm, der Konfirmationsanzug, der geht noch!“. So.

Dann noch spontan einen Rock zugeschnitten, aus einem Leinenreist und einer alten Hose, die ich sehr liebte und die deshalb nach Riss im morschen Stoff nicht in den Müll wanderte, sondern in die Stoffkiste. Morgen muss ich mir ein Bündchen dazu improvisieren und Dienstag einen Reißverschluss besorgen. Und Unterbrechungsstoff, siehe oben.

Dann habe ich noch diverse Stoffe und keinen Plan dazu, unter anderem einen hellgrünen, dünnen Jersey mit weißen Punkten, aber in hell- also pastellig-grün sehe ich echt nicht gut aus, da muss ebenfalls eine Unterbrechung her, mindestens ein farblich abgesetztes Halsbündchen. Hmmhmm. Der Stoff würde für ein Kleid reichen, aber ich weiß nicht was ich da will, ein weites, luftiges Sommerkleid, bequem, aber figurbetont, vielleicht denke ich mir einfach selbst was aus. Mit Unterbrechungen. Türkis geht vielleicht, oder hellblau. Wir werden sehen. Und Sie auch, wenn’s nicht bauchfrei ist.