Tag 2531 – Krankenpflegeperson.

Falls Sie mal eine sehr müde Frau im Zug von oder nach Oslo sehen, die Nähte auftrennt, bin das wahrscheinlich ich. Bis zum Flughafen hatte ich die Ärmel ab, der Rest der beiden Fahrten ging dafür drauf, das vermaledeite Schrägband wieder abzumachen. Die Anleitung beschrieb die Montage des Schrägbandes nämlich schludrig (einfach drüber legen und festnähen) und genau so sah es dann auch aus. Also alles ab und neu, mit auseinanderfalten, Rundungen einknipsen, feststecken, festnähen, rumfalten, Rundungen einknipsen, wieder feststecken, wieder festnähen. Das dauert, aber nicht so lange wie alles zwei mal machen und zwischendurch auftrennen.

Ohne Ärmel und weiterhin in hellblau sieht es jetzt ein bisschen aus wie das, was hier die Intensivkrankenpflegepersonen tragen, nur dass das dunkelgrün ist.

Jetzt ist es in der Waschmaschine, als Vorbereitung auf eine Runde baden in Jeansblau. Ich glaube mit den hellblauen Nähten könnte das sogar ganz nett aussehen. Wir werden sehen.

Übermorgen geht es los, wär halt schon irgendwie gut, wenn ich mich bekleiden könnte.

(I’m peeing my pants, aber sagen Sie es niemandem, ja?)

Tag 2530 – Judo.

Jumpsuit in hellblauem Leinen mit weiten Armen und weiten Beinen? Blöde Idee. Sieht aus wie ein Judoanzug. Jetzt überlege ich fieberhaft, wie ich das fixen kann. Werde wohl die Ärmel abmachen und ihn dunkelblau einfärben und aufs Beste* hoffen. Hat dann halt Ziernähte in hellblau.

So ein Sch…

Nein, keine Fotos.

*einen höheren Grad an ausgestrahlter Seriösität

Tag 2506 – Hust.

Michel hat sich neulich im Stoffladen in den Kopf gesetzt, ein Kuschelkissen aus extrem flauschigem Kunstleder in hellblau haben zu wollen. Dass es Kunstleder ist, war Herrn Rabe gar nicht klar, und der war mit Michel im Stoffladen und ließ sich breitschlagen. Zum Glück habe ich allerdings Ledernadeln geerbt, weshalb das kein Drama war. Was niemandem klar war, war dass das Zeug an den Schnittkanten höllisch fusselt. Aber Michel ist ein guter Staubsaugerhalter. Trotz sofortigen Versäuberns musste er den Staubsaugerrüssel quasi vor meine Nase halten, damit ich nicht jede Menge winziger Plastikfussel einatmete. Einige kamen aber doch in Hals und Nase an und kratzen seitdem da rum. Das ganze Gefussel stresste mich so sehr, dass ich mir in die linke Zeigefingerkuppe nähte und nur dank der dicken Hornhaut vom Geige spielen an der Fingerspitze kein Blutbad veranstaltete. Jetzt ist da eine Kerbe in der Hornhaut, aber sonst nichts. Es hat nicht mal geblutet, gerade so. Gelernt habe ich: die Ledernadeln sind scharf. Kunstleder mit Flausch fusselt absurd. Weil Flausch auf Flausch auch rutscht, kann Michel das nicht selbst. Michel sollte nicht in Stoffläden gelassen werden. Und wenn ich Lungenkrebs kriege, weiß ich wenigstens, warum.

Der Stoffrest wohnt jedenfalls erst mal in einer zugeknoteten Plastiktüte.

Michel ist sehr happy mit seinem Kissen. immerhin etwas.

Tag 2501 – Lang her.

Der Tag hat halt nur 24 Stunden. Das Projekt ist nur zu 95% fertig und zu 0% tragbar, weil ich keinen Reißverschluss mehr hatte und weil das ein zusammengesetztes Teil (aus einem verlängerten Hosen- und einem verkürzten Oberteilschnitt) ist, konnte ich auch bis zum Schluss höchstens raten, wie lang ein Reißverschluss sein muss. 60 cm.

Die Hosenbeine sind inzwischen auch gesäumt. Es fehlt nur noch der Reißverschluss.

Ich denke, damit ich damit auch selbst aufs Klo gehen kann, wird es kein nahtverdeckter Reißverschluss. Irgendwas mit einem ausreichend großen Zipper, den ich hinterm Rücken selbst finde. Vielleicht finde ich ja sogar was verzierendes.

Das war schön und man verlernt das auch nicht so schnell. Leider lernt man auch nichts dazu. Aber! Es ist mir das erste mal gelungen, vernünftige Armlöcher zu nähen. Yeah!

Tag 2501 – Lang her.

Der Tag hat halt nur 24 Stunden. Das Projekt ist nur zu 95% fertig und zu 0% tragbar, weil ich keinen Reißverschluss mehr hatte und weil das ein zusammengesetztes Teil (aus einem verlängerten Hosen- und einem verkürzten Oberteilschnitt) ist, konnte ich auch bis zum Schluss höchstens raten, wie lang ein Reißverschluss sein muss. 60 cm.

Die Hosenbeine sind inzwischen auch gesäumt. Es fehlt nur noch der Reißverschluss.

Ich denke, damit ich damit auch selbst aufs Klo gehen kann, wird es kein nahtverdeckter Reißverschluss. Irgendwas mit einem ausreichend großen Zipper, den ich hinterm Rücken selbst finde. Vielleicht finde ich ja sogar was verzierendes.

Das war schön und man verlernt das auch nicht so schnell. Leider lernt man auch nichts dazu. Aber! Es ist mir das erste mal gelungen, vernünftige Armlöcher zu nähen. Yeah!

Tag 2177 – :).

Michel hatte heute keinen Sport-Hort, sondern eine Ferienaktivität des Handarbeitsvereins. Das war anfangs wegen Rabeninterner Kommunikationsschwierigkeiten etwas holprig, aber er ist dann doch da geblieben mit der Aussicht auf Schnitzen. Und siehe da: er fand es super gut und noch besser als das Schnitzen war das Nähen. Er hat sich einen Turnbeutel gemacht, in seinen Lieblingsfarben. (Turnbeutel war vorgegeben, Stoff durften sie aussuchen, Kordel wurde selbst geflochten.) Weitere Ausbeute: diverse Lesezeichen, ein geschnitzter Zauberstab und ein gestickter Smiley.

Ich habe derweil die Küche aufgeräumt und tatsächlich die Füße hochgelegt, weil diese Kommunikationsschwierigkeiten mich ein paar zu viele Nerven gekostet hatten. Nachmittags habe ich einen Ausflug zur Miljøstation gemacht, Müll wegbringen. Es hatte sich schon wieder einiges angesammelt und da wir uns endlich committed haben, am Samstag Pippis Geburtstag vorzufeiern*, dachte ich, es sei gut, dann hier nicht noch jede Menge große Pappkartons und Styroporverpackungszeugs unterm Carport herumfliegen zu haben.

___

*brillante Ideen für 500

*der Aberglaube stark in mir ist, aber Vorfeiern ist in Norwegen total normal und da denkt sich außer uns bekloppten Deutschen keine*r was bei

Tag 2153 – zu viele Hobbies.

Eigentlich war heute ein super Wochenendtag, an dem alle machten, was sie gerne machen: Pippi war bei ihrer Freundin M., Michel und Herr Rabe waren Pokémon fangen und ich war alleine. Das nutzte ich, um endlich mal wieder zu nähen und die Nähmaschine meiner Omi auszuprobieren. Die ist, hmmja, vielleicht muss ich noch üben, aber sie zieht gerne mit dem Unterfaden Schlaufen und das nervt dann halt schon irgendwann. Vielleicht liegt es auch am Garn, wer weiß. Meine Singer nimmt ja quasi jedes Garn, gerne auch das billige von Stoff&Stil, aber ich habe gehört, dass viele Nähmaschinen da wählerischer sind. Was aber immerhin geklappt hat, war, mein letztes Jahr zugeschnittenes Projekt fertig zu nähen, sodass ich jetzt immerhin keine angefangenen Projekte mehr herumliegen habe. Dafür habe ich jetzt einen sommerlichen Jumpsuit mit einigermaßen gewagtem Ausschnitt, aber nur einigermaßen und ein Top drunter dürfte das schon zu meiner Beruhigung richten.

(Fotos morgen.)

Was allerdings herunterfiel beim Nähen: Sport und Geige. Immerhin die Vibratoübung habe ich noch gemacht, ansonsten beschränkte sich das Üben heute auf mentales Training, also Musik hören.

Ich würd echt gern weniger Schlaf und Ruhe brauchen, wenn ich 20 Stunden am Tag Zeit hätte, würd ich viel mehr schaffen, insbesondere auch Dinge, die mir Spaß machen und gut tun.

Und jetzt zackig ab ins Bett.

Tag 2016 – Eingeweiht.

Meine Nähecke ist fertig und ich bin heute seicht eingestiegen mit einer Schlafanzughose aus dem Rest grauen Bettwäscheflanell. An die Hosenbeine müssen noch Gummizüge, aber ansonsten bin ich sehr zufrieden, sie ist flauschig und warm und bequem und die Gummizüge sind morgen schnell gemacht. Heute muss ich schlafen.

Hier schneit es übrigens seit vorgestern sehr viel, also wirklich viel, ich schätze, es sind noch mal 30-40 cm dazu gekommen. Morgen und Freitag soll es dann sehr, sehr viel regnen, obendrauf auf den Schnee, bei 3-4 Grad. Freitag dann auch Sturm und danach wieder Minusgrade, in einer Woche wieder -11. Wir werden hier also vermutlich einfach glasiert. Da fällt das Social distancing auch extra leicht, wenn man sich vor der Haustür den Hals bricht.

(Bin übrigens heute zum ersten Mal in diesem Winter hingefallen. Ich will sofort den Knirscheschnee zurück.)

Tag 1951 – Jodelei jodelei, hu hu.

Die Kinder haben einen schrecklichen Ohrwurm angeschleppt. Total Late to the party haben wir letztes Jahr um Frühjahr den Hype verpasst, aber macht ja nix. Das Lied heißt „Raske Briller“ (Schnelle Brille, FRAGEN SIE MICH DOCH NICHT WARUM) und ist eine Parodie auf die norwegische Afterski-„Kultur“. Hier sehen Sie im Video anschaulich dargestellt, worum es dabei geht: https://youtu.be/TN7G3H2YUOc. Wenn Sie raske briller googeln und die Bilder ansehen, erfahren Sie, was eine schnelle Brille ist. Es ist alles sehr seltsam und das Lied geht einfach niemals mehr aus meinem Kopf.

Related: Michel hat seit heute früh raske briller, weil wir beim Augenarzt waren und vergessen hatten, eine Sonnenbrille von zu Hause mitzunehmen. Mit Pupillen groß wie Untertassen beschwerte sich Michel, dass er nicht mehr Handy spielen konnte und das schummrige Novemberlicht zu hell sei. Aber immerhin ist jetzt auch Michel komplett untersucht und vermessen, mit dem Ergebnis: das Kind schielt (dafuq, seit wann das???) und ist weitsichtig. Er bekommt eine Brille gegen die Weitsichtigkeit und da das Schielen nicht weiter auffällt, sondern „nur“ anstrengend für ihn ist, hoffen wir, dass die Brille das schon etwas einfacher macht. In seinem Alter würde man da glaube ich auch nichts mehr abkleben, sondern eher mit Spezialbrillen arbeiten, aber wie gesagt, man sieht gar nichts davon. Also so im Alltag. Mit Atropintropfen sieht man sehr deutlich, dass das eine Auge nach innen kippt, weil er dann entspannt, er kann ja eh kaum sehen.

Tjanun, ab bald also zwei Kinder mit Brille, gleich mal ne Bank ausrauben.

Raske briller.

Mit der Brille kann man aber prima Blödsinn machen.

Ich habe übrigens mein frisch genähtes Kleid an, das wirklich kuschelig ist, wie Bettwäsche halt. Es ist ein Bollec von Schnittquelle. Ein eigentlich nicht schwieriges Schnittmuster, was nicht heißt, dass man da nicht trotzdem einiges verkacken kann. Ich suhle mich einfach noch ein wenig im Stolz, dass alle Nähte aufeinandertreffen, da wo sie es sollen.

Kleine Anmerkung: Schnittquelle-Schnittmuster haben für mich immer zu lange und dafür aber auch zu enge Ärmel. Memo to self: Ärmel etwas kürzen und deutlich weiter lassen, und eventuell die Armkugel etwas flacher machen (oder üben. Üben wäre wohl besser. Oder mit den Fältchen leben. Oder halt üben). Über der Brust am Ärmelansatz kann auch je ein cm raus. Und die übliche Rockseitenbegradigung, eine will ja nicht aussehen wie Marie Antoinette.

Man kann sich auch einfach so hinstellen, dass man von den Problemstellen möglichst wenig sieht.

Tag 1950 – Nähsonntag.

Ich hab keine Bilder gemacht, aber heute in bester Gesellschaft einen Rock genäht. Ich sag mal so: er wäre fertig, hätte ich nicht die Idee gehabt, ihn auch noch zu füttern, unnötiger und im Schnittmuster unvorhergesehener Weise. So murkste ich herum, machte Fehler, trennte wieder auf, machte keine Fehler mehr aber das Ergebnis gefiel mir trotzdem nicht und schnitt/ riss das Futter wieder ab. Es war kein teurer Futterstoff, ich habe auch noch was, und der innere Bund ist noch nicht verstürzt – noch kann ich mich also noch mal umentscheiden und doch noch ein Futter einnähen. Aber ich glaube, ich mache einfach den inneren Bund noch fertig (per Hand, oh the joys) und calle it ein sehr erfolgreiches und vor allem sehr schönes Nähwochenende.

Ich habe gelernt, dass es sinnvoll ist, den richtigen Nähfuß zu nehmen, und wie das vor 10 Jahren in der Nähbloggerinnenbubble war und ich glaube, da habe ich nichts verpasst.

Mir hat das Wochenende wieder mehr Lust aufs Nähen gemacht, das ist auch sehr schön.

(Bald Bilder. Ehrlich.)