Tag 262 – Handysucht und ihre Folgen

Auch heute wieder kein länger Urlaubsbericht. Ich habe ihn sogar angefangen, aber dann hat Herr Rabe die Simpsons angemacht und Zack waren zwei Stunden rum. Das ist ein schönes Ende für einen Tag, der kolossal kacke anfing.

Die Nacht war schon mehr als bescheiden. Weinendes Baby um 11, um halb eins, halb drei, fünf und sechs Uhr. Zähne, Rotznase, zu warm, wasweißich. Hose voll. Keine Ahnung. Jedenfalls kann man sich meine (eigentlich unser aller) Laune heute morgen ausmalen. Michel zum Kindergarten gebracht, ging halbwegs. Zum Arzt gefahren. Nachdem ich beim letzten Mal wegen der Blutprobe ne viertel Stunde im Wartezimmer gehockt hatte und niemand kam, ich dann irgendwann zur Anmeldung ging und fragte und mir anhören durfte „Ach, Sie kommen nur fürs Labor, ja da müssen Sie durchgehen in den Flur!“ ging ich dieses Mal direkt in den Flur. Die Krankenpflegerin steckte auch gleich den Kopf aus der Labortür: „Wollen Sie zu mir?*“ – „Ja.“ – „Dann kommen Sie mal rein.“

Die Frau nahm mir Blut ab, es tat sehr weh, hörte danach ewig nicht auf zu bluten und ist jetzt sehr blau. Ich dachte noch so bei mir „höh? Drei Röhrchen? Eins für die Hormone (Blut), eins für Antikörper (Serum), und wofür das dritte?“ Da war sie auch schon fertig und ich draußen. Ich ging zum Automaten, gab mein Geburtsdatum ein und hörte, die Rechnung sei noch nicht fertig. Das gleiche nach 2 und auch nach 5 Minuten. Ich ging zur Anmeldung und schilderte mein Problem. 

„Geburtsdatum?“ – „Blabla.“ – „Ahhh, Frau Rabe, Ihr Handy liegt im Kindergarten!“ – „???“

Zweite Arzhelferin (die mir das Blut abgenommen hat): „Waren Sie denn auch beim Arzt?“ – „Nö, nur Blutabnahme.“ – „Ahhhh, Sie sind nicht Guri! Ich habe doch Guri aufgerufen!“ – „???“

Erste Arthelferin: „Ihr Handy liegt im Kindergarten. Ihr Mann hat angerufen.“ 

Zweite Arzthelferin: „Naja, Blut haben wir ja genug, ich drucke nur schnell ein neues Schema aus.“ Sprachs und verschwand. 

Erste Arzthelferin: „Wenn Sie nur zum Labor wollen, müssen Sie trotzdem im Wartezimmer warten. Ihr Rechnung ist jetzt fertig.“

Ich: „????????“

Sie: „Ihre Rechnung ist jetzt fertig. Und ihr Handy liegt im Kindergarten.“

Nach diesem etwas aufreibenden Gespräch fuhr ich also wieder zum Kindergarten, mein Habdy abholen. Es gab nur noch den einen doofen Parplatz vor der Schule, der eigentlich keiner ist, sondern Gehweg. Aber da standen den ganzen Winter über Autos drauf, ist ja nur für kurz. Dachte ich so.  Im Kindergarten sah mich leider (Danke, M. für das „Michel sitzt DAAAAHAAAAA!!!“) Michel und fing an zu weinen. Ich sollte da bleiben. Er war untröstlich. Es dauerte gute zwanzig Minuten und ein angegucktes Buch, bis er mich gehen ließ.  Unter Protest, aber wenigstens ohne Weinen. 

Am Auto: ein Parkzettel über 50 (!!!) €

Meine Laune: bei minus zweihundert. 

Jetzt nicht mehr, Simosons sei dank. Und die neue Babysitterin ist auch nett. Das wird hoffentlich in Zukunft vieles wieder erleichtern. 

*natürlich spricht die nicht deutsch, die Dame sondern nahezu unverständlichen Dialekt. 

Tag 261 – The making of Wartepflanzen

Eigentlich wollte ich eine Zusammenfassung von unserem Urlaub schreiben. Aber jetzt ist es schon so spät und ich bin schon fast beim Stillen mit eingeschlafen und mein Handy hat in den pissgelb-Modus gewechselt (soll die Augen schonen durch geringeren Blauanteil, ich hab das mal von 22:00 Uhr bis 06:00 Uhr eingestellt. In zwei Monaten ist es hier zwar wieder durchgängig hell draußen, aber wenigstens das Handy schont dann meine Augen). Deshalb verschiebe ich das mal. 

Dafür kann ich berichten, dass 

  • Michel heute ohne Gemecker oder Weinen und mit Spaß und Hopsen in den Kindergarten gegangen ist
  • Wir ohne Meckern oder Diskussion unseren Kinderwagen repariert bekommen haben (ein Druckknopf war ab), sogar mit einem Lächeln und kostenlos
  • Herr Rabe einen freundlichen Tipp bekommen hat, wie er sein Ladekabel (an dem *hust* Pippi gelutscht hat) wieder hinbekommt
  • Michel echt so super Laufrad fährt, dass wir ihm bald ein richtiges Fahrrad „mit Padilen“ besorgen werden
  • Wir Blumenerde besorgt haben und viele viele Wartepflanzen* eingepflanzt haben und ich sogar die zwei Pflanzen umgetopft habe, die selbiges auch schon seit nem halben Jahr nötig hatten
  • Wir drölfzig Maschinen Wäsche gewaschen, getrocknet und GEFALTET UND VERRÄUMT haben (hier frenetischen Applaus einfügen)
  • Wir morgen eine potentielle neue Babysitterin kennen lernen werden

Jetzt ab ins Bett.
*Minigurken (Michels), Bielefelder Siggi Stockrosen, Silbertaler, Basilikum und Chili (Herr Rabe ist ambitioniert)

Tag 260 – Puuuuuhhhhhh

Ich fühl mich ein bisschen wie Michels Lighning McQueen-Ballon, aus dem wir für die Reise das Gas ablassen mussten. Zu schlapp um mich ernsthaft über Ärgerlichkeiten aufzuregen („Nee, also den nächsten Termin kann ich Ihnen am 10. Mai anbieten.“  – „Ich brauche ja nur die Bescheinigung!“ – „Dann müssen Sie morgen ganz früh anrufen, wegen eines Notfalltermins, aber versprechen kann ich nichts.“) oder einen doofen Artikel, den ich heute las, zu verreißen (Tenor: „mach dies und das, dann wird dein Kind ein rundum guter Mensch“, da kann ich ja total gut drauf. Zumal es von einem Elter geschrieben ist, das ein(!) Kind hat, das bald schon ein(!) ganzes Jahr alt wird.) aber leider auch um einen guten Artikel aufzuarbeiten (Überraschung! Die sogenannten „Naturvölker“ machen auch nicht alles total natürlich, und das meiste auch nicht aus irgendwelchen irgendwie richtigeren Mutterinstinkten heraus, sondern weils praktisch ist und in den Alltag passt.). 

Der Wäscheberg ist auch hoch nach dem Urlaub, die Wohnung hatten wir ja nicht vorher zu putzen geschafft, der Kühlschrank fast komplett leer*, ich bin noch nicht so ganz angekommen hier… 

Michel schon, der hat sein komplettes (kein Witz) Spielzeug ausgebreitet und auf Vollständigkeit überprüft. Hurra, mehr Chaos. Morgen geht er kurz in den Kindergarten, damit wir putzen können. 

*jetzt nicht mehr, ich war Einkaufen. Wir testen jetzt mal den in Norwegen erhältlichen griechischen Joghurt. Morgen gibt’s Tzatziki. 

Tag 259 – Rückreise

Wir hängen am Kopenhagener Airport rum. Es könnte schlimmer sein (Athen zum Beispiel), es könnte aber auch besser sein und wir schon zu Hause und nicht sieben Stunden Stopover hier haben. 

Außerdem bin ich gnarzig weil Urlaub vorbei und Kopfschmerzen und Michel fordert im zehn-Sekunden-Takt unterschiedliche Dinge ein und schmeißt sich schreulend auf den Boden, wenn ers nicht (sofort) bekommt. Es ist anstrengend. 

Morgen wieder mehr. 

Tag 257 – This is not a Mommy Blog! Korfu Tag 27

Sie müssen sich den Titel gesungen vorstellen zur Melodie von ‚This is not a punkrock song‘ von Bad Religion. Das ist – Überraschung – ein Punk Rock Song. Sie sehen also: eine gewisse Selbstironie ist schon vorhanden. 

Trotzdem und weil grad halb Elternbloggerhausen auf der denkst-Elternbloggerkonferenz war und jetzt den Titel „Elternblogger“ mit neu gewonnenem Stolz vor sich herträgt: Sie lesen gerade keinen Mamablog. Sie lesen meinen Blog. Ich bin eine Person, ich bin Mama, ich bin Arbeitnehmerin, ich bin ausgewandert auf (unbestimmte) Zeit, ich bin Frau, ich bin Doktorandin, ich bin Tänzerin, Näherin, Bäckerin. Ich habe überhaupt nichts gegen Mama-Blogs, ich lese auch viele selbst und ja, viele geben sich damit viel Mühe, investieren Zeit und manchmal auch Geld und haben ein fixes Thema, nämlich Kinder im weitesten Sinne, über das sie schreiben. Ich finde es auch total ok, wenn diese Blogs mal über anderes schreiben als Windeln und Trotzphasen und Hausaufgaben. Aber: bei denen ist es eine Ausnahme. Das schreibt auch Berlinmittemom in ihrem überaus lesenswerten Artikel zum Thema. Ich will aber keine Ausnahme machen, wenn ich mal nicht über die Kinder schreibe. Ich will weiterhin am Abend aufschreiben, was mir in meinen Kopf kommt. Und ja, das sind oft Kindersachen, aber eben nicht nur. Und ich hoffe sogar selber sehr, dass sich das mit dem Ende der Elternzeit ändert! Denn das Mama-sein ist wirklich nur ein Teil von mir. Im Moment bin ich viel Mama und recht wenig anderes. Deshalb hat der Blog sicher auch mamabloggereske Züge. Aber es kommen auch wieder andere Zeiten!

Als ich den Blog anfing, habe ich überlegt, ob es was mit Mama im Titel sein soll. Und habe mich bewusst dagegen entschieden. Schon allein weil „Mutter“ und „Rabe“ in räumlicher Nähe zusammenstehend immer sowas pseudo-selbstironisches und/oder selbstanklagendes in mir erzeugt. Und das muss man nun wirklich nicht auch noch zementieren. Außerdem finde ich etwas befremdlich: Da nennt man sich beispielsweise (und frei erfunden, aber schon realistisch) @dingensmommy (SAHM, DIY, Creative Mom, Mompreneur…) mit dem Blog dingensmom.iheartkids.com und beschwert sich dann, dass Leute erwarteten, dass man über Kinder schreibt? Oder einen sogar auf das Mamasein reduzieren? Wie soll ich sagen: Merkste selbst, ne?

Ich bin nur in einem Verzeichnis für Elternblogger gelistet – der Elternbloggerkarte – und überlege selbst da, ob ich mich wieder löschen lassen soll. Und, so stolz die Bewohner*Innen der Elternblogger-Schublade auch darauf sein mögen, in der Schublade zu sitzen: ich will in gar keiner Schublade sein. Fertig. Und schon gar nicht werde ich freiwillig reinspringen. 

Also, falls Sie sich fragen, wie Sie denn jetzt Ihren vielen Freunden von diesem einen, tollen Blog erzählen und ein schmissiges (naja) Wort dafür suchen: Tagebuchblog. Mit der Schublade kann ich mich anfreunden, denn sie sagt erstmal nur, dass ich täglich irgendwas schreibe. Und das ist ja auch so. 

Tag 256 – Es geht dem Ende zu. Korfu Tag 26

Am Dienstag fahren wir nach Hause. Das bedarf einiger Vorbereitung. Vor allem mentaler. Seit heute sagen wir, also Herr Rabe und ich, deshalb Sachen auf, auf die wir uns zu Hause freuen. Zum Beispiel haben wir da

  • Die Espressomaschine
  • Die Spülmaschine
  • Ähhh
  • Hups, wars das schon?
  • Nee, ähh, Sparschäler
  • Die Knoblauchpresse
  • Wäsche nach Farben getrennt waschen
  • Waschlappen zur Babyreinigung nach dem Essen
  • Vernünftige Kindersitze im Auto
  • Ja, das wars dann aber auch
  • Ach nee, das wichtigste: VERLÄSSLICH FUNKTIONIERENDES INTERNET

Weiterhin planen wir Dinge, damit wir nicht in ein schwarzes Loch des Nichtstuns fallen. Nämlich: eine Wartepflanze für Michel einpflanzen (Danke, Sendung mit der Maus!), zum Arzt gehen (ich), Schneckenplanung (ich), Oslo-Kurztrip-Planung (Herr Rabe). Und dann muss ich ja auch schon arbeiten. Das bedarf auch einiger Vorbereitung. Vor allem auf Pippis Seite. Da steht zum Beispiel „Sieben Stunden ohne Brust auskommen“ und „Bei Papa einschlafen“ auf der ToDo-Liste. Muhahaha. 

(Ein bisschen gehört auch zum Frisör gehen zu meiner Arbeitsvorbereitung. Das mache ich Montag. Weil ich nämlich nicht zu dem Frisör mit den Wachtürmen wollte, war ich heute im hippen Männer-Friseursalon und habe gefragt, ob sie mir was empfehlen können. Und bekam einen Termin für Montag im Partnersalon, der auch Frauen frisiert. Es wird mit Farbe (ja!) 37€ kosten, also nicht mal die Hälfte von dem was ich in Norwegen nur für den Schnitt ausgeben würde. Jiiiiehaaaaa.)