Tag 202 – 2000 kWh

Eigentlich wollte ich so viel schreiben heute, über Pippis Stoffwindelentwicklung, über mein Blogroll, das ich mal überarbeiten müsste, über mein schickes neues Ballettröckchen, das ich mir heute spontan gekauft habe, über voll geschminkte Muttis beim Sport, über Sport-BHs mit Ringerrücken unter Ballettrikots mit wild gekreuzten Spaghettiträgerlein. 

Aber dann hab ich doch ziemlich lange genäht, der Rock nimmt Form an, geflucht hab ich aber auch, und aufgetrennt und noch mehr geflucht, weil der dämliche Stoff an den Schnittkanten sehr schnell ausfranst und durch das Auftrennen hatte ich dann plötzlich an einer Stelle einen halben cm weniger Stoff und ich hab etwas Panik, dass mir der Rock am Ende zu klein sein wird. Egal, jetzt zieh ichs durch. 

Wegen des Nähens ist es jetzt aber auch schon ziemlich spät und Zeit fürs Augen schließen. Irgendwas aus der Liste oben dann morgen, ja?

Ach so, der Titel. Das ist unser Stromverbrauch im Februar. Wäääähähähähä. Altbau ist ja schick und so, alte Fenster sind aber leider alte Fenster. 

Tag 201 – Wochenende fast ohne Bilder

… Aber trotzdem schön. Gestern hatte Michel Spielbesuch, dann Stoffladen, dann IKEA, wo wir es tatsächlich geschafft haben, außer zwei Spülbürsten nur Dinge zu kaufen, die auf der Liste standen (neuer Topf weil kaputt, neues Sieb weil kaputt, Batterien, Box für zu kleine Babysachen PUNKT), dann Supermarkt und Restgedön besorgt, im Kackwetter (gestern war hier April, echt. Regen, Sonne, Regen, Schnee, Sonne, Schnee, Sonne, Hagel, Schnee…) nach Hause, da Lachs in leider unscharfer Chilibutter und Kartoffeln bereitet, Lego mit Michel (er hat einen Traktor gebaut! Ganz alleine!), gegessen, Michel ins Bett gesteckt, Wein, gegammelt, Bett. 

Heute dann relativ gemütlich gefrühstückt, ausgiebige Körperpflege bei allen, Stoff zuschneiden, Maus und dann ein Ausflug zu einem Café, die Sonntags ein Kuchenbuffet anbieten, quasi All-you-can-eat mit Kaffee und Kuchen. Da waren wir ewig nicht, das ist aber immer sehr nett und lecker da. Nach anderthalb Stücken Schokokuchen hatte vor allem Michel bomben Laune und hopste in ziemlich viele Schneematschpfützen. Wir namen wegen schönem Wetter einen Umweg durch die historische Altstadt, Pippi schlief im Kinderwagen fast die ganze Zeit und war dann zu Hause so ausgeruht, dass sie (nach dreimaligem Windelbefüllen) anfing, sich an der Stufe zum Bad hochzuziehen. Das ist dann wohl das nächste große Ding: stehen. 

Bei Michel hab ich mich noch über Stoppersocken in Größe 17 gewundert.

Herr Rabe bereitete uns köstliche Pizza, ich versuchte, aus meiner Nähanleitung schlau zu werden, Michel malte (selbst!!1!) ganz tolle Sachen: eine Rakete, eine weitere Rakete für Opa, in die ich dann noch uns alle reinmalen musste und die außerdem mit diversen Eulenaufklebern verziert wurde, eine große Schlange mit Augen, ein Boot mit Rettungsring und einen nicht-gruseligen Geist für mich, den ich mal als seinen ersten Kopffüßler werte (Zwei Arme, Kopf, Körper und sogar Augen. Ich bin so stolz!)

 

„Hier vorne so draufehaut, Mama, damit fest zubleibt!“

 
  
Dann musste ich unbedingt Michel auf einen Zettel schreiben, dass er Käse auf die Pizza machen muss, woraufhin er vom Zettel „ablesend“ den Käse auf die Pizza machte, es war zum schreien, wie er vor sich hinmurmelte „Steht da Käääse draufmachen… Sooooo… Viel Käääääse! Steht da aufgeschrieben!“ Und dabei immer wieder stirnrunzelnd auf  den Zettel guckte, so wie ich sonst auf meine Rezepte. Beim Essen hatten wir dann den gleichen Spaß mit einem Lied: er behauptete er könne Happy Birthday nicht mehr, wir müssen das Lied aufschreiben! Herr Rabe kritzelte also den Titel und ein paar Noten auf Michels Zettel, und dann sang uns Michel vom Blatt, welches er konsequent falsch herum hielt, Happy Birthday vor. Pippi verdrückte dabei ungerührt eine Dreiviertel Babypizza (Kindertellergroß, nur Teig, Tomatenmatsche und Käse) und hatte wahnsinnigen Spaß an Michels Quatschmacherei und dem Essen.

Nach dem Essen fielen beide Kinder ins Bett (Pippi ins sogenannte „Doppelte Fresskoma“, man kann schließlich hinter so ner Pizza noch ne komplette Stillmahlzeit hinterherschieben) und ich konnte endlich anfangen, zu nähen. Ich nähe mir einen magentafarbenen Feincord-Minirock, ich habe seit Ewigkeiten einen himbeerfarbenen, der aber langsam echt kaputt ist, da muss Ersatz her und letzte Woche hab ich ein auf 5 Kronen reduziertes Schnittmuster gekauft, da konnte ich nicht widerstehen.  Und nach allerlei Gefriemel mit dem Reißverschluss und einer verbogenen Nadel (Hupsi) ist der vordere Teil jetzt auch fertig. Mit Taschen und allem. Fotos gibt’s demnächst. 

Jetzt Bett. Und nicht drüber Nachdenken, wie schnell grade alles geht und wie schnell die eben noch kleinen und hilflosen Babys plötzlich Raketen malende Kinder sind. 

Tag 200 – 200 Tage!!!

Waaahhhh, krass, jetzt hab ich 200 Tage lang jeden Tag was ins Internet geschrieben. Verrrrrrückt! Und soll ich Ihnen was sagen? Das war eine der besseren Entscheidungen in meinem Leben. Mindestens 200 weitere Tage kanns so weiter gehen. 

Auf diesen denkwürdigen Tag habe ich mit einem halben Glas Wein angestoßen (Grüner Veltliner, an mein Herz!) und bin jetzt wegen der unvorstellbar langen Abstinenz vorher ziemlich angeschickert.  Um mir Peinlichkeiten und Ihnen Fremdschämen zu ersparen, mache ich deshalb für heute Schluss. Prost!

Tag 199 – Mein erstes Mal

Gestern war ich das erste mal im Indoorspielplatz. Oder sagt man auf dem Indoorspielplatz? Ich weiß nicht. Egal. Im Lekeland halt. Anlass war ein beweglicher Ferientag des Kindergartens und dass ich vor Monaten, als die beweglichen Ferientage bekannt gegeben wurden, auf Herrn Rabes Frage „Soll ich dann Urlaub nehmen…?“ leichtsinniger Weise mit „Ach was, das geht schon!“ geantwortet hatte. Dazu kam dann noch kurzfristig „Am 25. ist PayDayDinner und Dartturnier Endrunde, da muss ich spielen, ich komm nach der Arbeit und vor dem Dinner nicht nach Hause.“ . Hurra. Jackpot quasi. Mit zwei wuseligen Kindern allein zu Haus – den ganzen Tag vom Aufstehen bis zum Ins-Bett-bringen. Als wir Michel letzte Woche eröffneten, dass der Kindergarten diese Woche zwei Tage zu haben würde und er die Tage mit mir und Pippi allein verbringen müsse und ich auch noch nicht wüsste, was wir dann machen würden, sagte er zuerst, er wolle zu Brutus. Und dann, als ich sagte, das ginge nicht so einfach, „Splielplatz elleicht… Elleicht Einkaufen…“ Einkaufen, ja, guter Plan, nur leider nicht tagesfüllend. Und dann war das Wetter gestern auch noch Ultra kacke, sodass Spielplatz beim besten Willen auch nicht drin war. Und verrotzt sind die Rübennasen ja auch noch, also auch kein Schwimmbad. Hilfe! Letzter Ausweg: Indoorspielplatz. 

Inzwischen bin ich ja schlau (oder fies, wie mans nimmt) und sagte Michel erstmal gar nichts. Ich packte uns ein bisschen Proviant ein (Michel wunderte das gar nicht groß, dass wir Brotdosen zum Einkaufen mitnahmen. Hauptsache, er durfte die Dose mit den Gurken halten), stopfte heimlich Michels Stoppersocken in meinen Rucksack und dann gingen wir einkaufen. Mit dem Bus zum Shoppingcenter, da in den Supermarkt, Gedön kaufen und für jeden noch einen Snack. Dann setzten wir uns auf ein Sofa und aßen unseren Proviant bis auf zwei Bananen komplett auf, Michel verschüttete meinen Tee auf dem Sofa (Glücklicherweise Fake-Leder) und krümelte alles mit seinem Croissant voll, Pippi kaute glücklich an einem Stück Birne und schluckte vielleicht 1% davon runter, der Rest landete überall und dann war da noch die Sache mit den Lolliverteilenden Werbeheinis, die Michel übersahen, kurz: danach war ich im Eimer. Aber so richtig. Mein Körper schrie nach Kaffee. Also fragte ich Michel, ob er Lust auf Lekeland hätte, so ein ähnliches, wie sie letztens mit dem Kindergarten besucht hatten (und wonach Michel im Kindergarten eingeschlafen ist, hähähä…) gäbe es hier auch. Natürlich war er gleich Feuer und Flamme. Welcher Dreijährige wäre das nicht? Und der Eingang: ein riesiges, aufgerissenes Haifischmaul! Sooooo toll! Innerlich brülle ich „Für Kaffee!!!“, während ich mich in das Haifischmaul stürze. 

Wir sind drin. Es mieft. Nach Turnhalle irgendwie. Käsefuß, Kinderpups und Weichbodenmatte. Nicht nach Kaffee. Aber ich kann eine Café-Nische sehen. Erst noch Schuhe ausziehen. Ich pelle den total zappeligen Michel aus zwei von drei Schichten Kleidung. Die Stoppersocken vergesse ich im Rucksack. Michel rast los. Ich hinterher, den Kinderwagen strategisch günstig direkt an der Caféecke geparkt, nehme Pippi raus, drehe mich zum Café… „MAMA! Daaaa! Boooot mit Kanoooonen! Komm! Komm jetzt, Mama!“. Ich zwinkere der Kaffekanne ein kurzes „Bis gleich!“ zu und schlurfe zu dem Boot. Tatsächlich. Da ist ein halbes Piratenboot. Mit Luftdruckkanonen drauf, mit denen man Schaumstoffbälle abschießen kann. Der innere Pazifist in mir winkt verzweifelt mit seinem weißen Fähnchen aber gegen Michels leuchtende Augen hat er keine Chance. Wir quetschen uns alle drei durch die Lamellenpforte. An den Kanonen angekommen erringt mein innerer Pazifist einen Teilsieg, weil ich nicht rausfinden kann, wie die Dinger funktionieren. Erst als eine andere Mama mir sagt „Das da ist kaputt. Da einfach reinstecken und dann auf den Knopf drücken… Neineinein, DEN Knopf DA!… Ja, so geht’s.“ schaffe ich, was die meisten Vierjährigen intuitiv hinbekommen und schieße einen Ball ab. Michel flippt völlig aus. Pippi setze ich auf den Boden, sie strahlt mich an und kann sich scheinbar nicht entscheiden, welchen der herumliegenden Bälle sie zuerst mit ihrem Schnodder beschmieren soll. Michel schleppt drölfzig Bälle an, mit denen muss ich dann die Kanone beladen, er schießt. Am meisten freut er sich, wenn er mehrere Bälle auf einmal abschießt. So spielen wir, Pippi sabbert Schaumstoffbälle an und fügt deren sicher bereits bunter Keimflora noch ihre eigenen Bazillen hinzu, ich bin Pinky, Michel ist Käpt’n Säbelzahn, dann ist er Pinky und ich bin Käpt’n Säbelzahn, ich habe keine Ahnung worum es geht, aber Michel ist im siebten Himmel. Plötzlich stürzt er los, raus aus dem Lamellenloch, hält sich den Schritt. Ich schnappe mir Pippi, die grad dabei war, mit dem Finger ein Loch in einen Ball zu prökeln, und stürze hinterher. „Mamaaaaa! Klo, SOFORT!“ ruft Michel. Ich dirigiere ihn leicht panisch zum Klo „für kleine Piraten und Prinzessinen“, kotze kurz innerlich ein bisschen als ich das lese, wir schaffen es rechtzeitig und dank niedriger Klos kann Michel sich alleine hinsetzen. Das Klo könnte sauberer sein und weniger nach Kinderpipi riechen. Hände waschen geht fix: Michel will sofort wieder zu den Kanonen. 

Ich will weiterhin Kaffee. Der Kompromiss ist die Babyecke neben dem Café. Hier sitzen schon einige Mamas mit Babys, die allesamt leicht abgeranzte Riesenspielwürfel besabbern. Ein paar etwas größere Kinder beklettern die Minirutsche. Es gibt noch ein etwas miefiges Bällebad, in das stürzt sich Michel direkt. Pippi krabbelt ein bisschen herum, will aber scheinbar nur andere Kinder beobachten. Sie guckt sich förmlich die Augen aus dem Kopf. Ich auch: der Kaffee ist in Sichtweite. Das nimmt Junkiehafte Züge an. Ich überlege, ob ich beide Kinder einfach kurz den anderen Mamas…? „Mama, guck mal!“ Michel hopst vom Rand ins Bällebad. Pippi versucht sich am Rand des Bällebads hochzuziehen. Ich stelle sie hin. Jetzt ist sie im siebten Himmel. Die anderen Muttis versuchen, Konversation mit mir zu betreiben. Pippi fällt um. Michel rutscht einem anderen Kind fast auf den Kopf. „Jaja, sieben Monate.“ Ich stelle Pippi wieder hin. Michel baut einen Turm aus den Riesenwürfeln. „Ja, hm, früh dran… Michel, sei vorsichtig da, hier sind überall Babies!“ Michel schmeißt den Turm um. Das einzige Baby das er trifft, ist Pippi. Sie fällt um. „Komm, Mama!“ Michel will wieder zu den Kanonen. Ich schaffe es, ihn davon zu überzeugen, alleine da hinzugehen, von hier kann ich ihn ja sehen. Die anderen Muttis sind plötzlich sehr in einem Gespräch unter sich vertieft. Auch gut. Mit Konversation hab Ichs nicht so ganz. Pippi krabbelt rum. Guckt die anderen Babies an. Guckt und guckt und guckt. Kommt angekrabbelt, versucht sich an mir hochzuziehen. Sie ist müde. Ich schnappe sie mir und gehe zu Michel, der grad aus dem Boot kommt. 

„Michel, ich muss einmal Pippi wickeln, möchtest du mitkommen?“ Dämliche Frage von mir. Natürlich will er. Ich schnappe meinen Rucksack. Auf dem Weg zum Wickelraum kommen wir am Kino vorbei. Michel gravitiert automatisch ins Kino. Es läuft eine norwegische Fassung von Doc MacStuffins und ich frage mich kurz, woher ich weiß, was das ist. Weiß es nicht. Spreche mit Michel ab, dass ich Pippi wickeln gehe und er so lange Film gucken kann. Gehe Pippi wickeln, auch der Wickelraum könnte sauberer sein und als ich den Windeleimer öffne um die Windel zu entsorgen, schlägt mir ein infernalischer Gestank entgegen. Welchen ich ignoriere und durch sehr flaches Atmen zu verdrängen versuche, schnell mit Pippi auf dem Schoß selbst aufs Klo gehe und dann sehr schnell den Raum verlasse. Puh. Michel sitzt noch im Kino. Ich soll reinkommen, sagt er. Pippi hat Hunger. Ich sage ihm, dass ich keine Lust auf Film habe, dass ich Pippi stillen will und ihn dann abhole. Ok, sagt er. 

Ich suche mir eine Ecke, in der ich mit Pippi sitzen kann, aber den Eingang des Kinos im Blick habe. Beim Stillen schlafe ich fast ein. Pippi schläft nicht nur fast ein. 

Michel kommt aus dem Kino und rennt zum Klo. Hämmert an die Tür. Er denkt, ich sei da drin. Ich rufe, aber er hört mich nicht. Pippi nuckelt noch. Ich tue, was ich mir mal geschworen hatte, niemals in der Öffentlichkeit zu tun und gehe leicht vornübergebeugt mit dem angedockten Baby los um Michel zu retten. Als ich am Kinderwagen angekommen bin (direkt neben dem Café, Sie erinnern sich?), sieht er mich. Ich tarne die Aktion als eine weniger panikartige indem ich souverän Pippi abdocke, blitzschnell die Brust unter dem Shirt verschwinden lasse und Pippi in den Kinderwagen bugsiere. Sie schläft weiter. Michel sieht die Donuts und behauptet, er hätte Hunger. Das ist meine Gelegenheit! Ich kaufe einen Donut, einen Muffin und EINEN KAFFEE! Mir ist völlig egal, dass der Kaffee mal wieder eher schlecht ist. Hauptsache, er wirkt! Das tut er. Der Tag hat einen Sinn. 

Michel will wieder zu den Kanonen. Das kann doch nicht sein, dass er von ca. 10 Sachen hier nur mit einer spielen will. Die große Rutsche vielleicht? Er traut sich nicht. Vom Kaffee beflügelt, biete ich ihm an mit ihm zu rutschen. Das ist ok. Zuerst rutscht er vor mir und ich halte ihn fest. Dann rutschen wir nebeneinander und halten uns an der Hand. Dann rutschen wir nebeneinander ohne festhalten. Und dann rutscht er alleine. Ich bin ganz stolz, dass er sich jetzt traut. Er rutscht ca. eine Million mal. Pippi wird wach und wir sehen Michel beim Rutschen zu. Sein Gesicht ist schon ganz rot vor Anstrengung und Spaß. Ich gehe mit Pippi wieder in die Babyecke. Sie guckt und steht und guckt und krabbelt und guckt und sabbert und guckt. Michel rutscht und rutscht und rutscht. Zwischendurch ruft er zu mir rüber: mit meinem Vornamen! Hat er geschnallt, dass es keinen Sinn macht, zusammen mit 40 anderen Kindern nach „Mama!!!“ zu rufen? Vielleicht. Ich sinniere vor mich hin. Pippi sieht schon recht fertig aus. Zu viel zu gucken. Gleich schmurgelt Ihre Birne durch, statt neue Synapsen zu machen. Michel sieht aus wie ein Feuermelder. Mit einem Mal trägt er Schaumstoffkanonenkugeln zur Rutsche. Ich interveniere. Hauptsächlich daran, dass er überhaupt nicht protestiert mache ich fest: Zeit zu gehen. Michel muss noch kurz den Kanonen Tschüss sagen. Und dann noch mal rutschen. Zum Abschied. 

220 Kronen, plus 70 im Café. Dafür, dass Michel als erstes heute morgen Herrn Rabe vom Boot und den Kanonen und dem großen Hai und so Puffpuff und große Rutsche ganz schnell erzählt hat. 

War ganz ok, glaub ich. 

Tag 198 – #OffTopic, Klappe die 1.

Wooohoooo! Der erste #OffTopic-Beitrag ist bei Öko-Hippie-Rabenmütter am Start! Gehen Sie hin und lesen Sie, wer wir so sind! Jede von uns hat 5 Fun Facts über sich aufgeschrieben, meine sind hauptsächlich Herrn Rabe eingefallen, außer einem, der mir dann aber erst später eingefallen ist und da war die Mail schon abgeschickt, also jetzt:

6. Ich habe in meinem CV (aka Lebenslauf, aber das klingt so altbacken) auf Anraten einer Freundin sehr viele Methoden stehen, die ich so im Labor kann. Sehr. Viele. Und weil das so viele waren und sich das so ööööööde las, habe ich bei den letzten Bewerbungen noch die Punkte „High-Speed-Precision-Pipetting“ und „Reinraumanzug anziehen ohne Umfallen*“ reingemogelt. Und ja, ich wurde drauf angesprochen. Und ja, sie fandens lustig. Und ja, ich hab den Job bekommen.

So. Und jetzt lesen Sie fein weiter bei Frau Öko-Hippie. Also, wenn Sie mögen. Morgen erwartet Sie hier dann der Bericht, wie Frau Rabe, Michel und Pippi den Indoorspielplatz überlebten. 

*Ich bin dabei tatsächlich mal umgefallen. Und hab ein fettes Loch in den mir eigentlich zu kleinen Reinraumanzug gerissen. Danach hab ich eigene bekommen. Und bin nie wieder hingefallen. 

Tag 197 – Betreff: Verbesserungsvorschläge zum Produkt „Baby“

Guten Tag,

Zunächst einmal möchte Ich sagen, dass ich im Großen und Ganzen mit Ihrem Produkt „Baby2015“ zufrieden bin und es in unserem Haushalt nicht mehr missen möchte. Es handelt sich dementsprechend bei diesem Schreiben mitnichten um eine Reklamation. Trotzdem möchte ich einige Verbesserungsvorschläge zum Produkt „Baby2015“ anbringen, von denen die zukünftigen Erwerber des Nachfolgeproduktes „Baby2016“ möglicherweise profitieren können.

Die Lieferung des Produktes „Baby2015“ verlief weitgehend reibungslos und termingerecht, allerdings war das Produkt leicht verunreinigt und verknittert. Dies würde ich dem Lagerungsbehältnis zuschreiben, in dem es recht eng verpackt war. Überdies reagierte „Baby2015“ auf das Auspacken mit einem lauten und anhaltenden Signalton der sich erst nach mehreren Minuten von selbst abschaltete. Dem Betriebshandbuch konnten wir entnehmen, dass dies normal sei, außerdem erinnerten wir uns, dass auch das Produkt „Baby2012“ schon so auf das Auspacken reagiert hatte. Das Betriebshandbuch schlägt außerdem eine Reihe von Maßnahmen vor, die bei Auftreten weiterer Signaltöne vorzunehmen sind und die diese abstellen sollen. Dazu gehören: Wechsel des Abfallreservoirs, Nachfüllen von Milch oder später anderer geeigneter Nahrung, Nachfüllen von emotionaler Energie durch körperliche Nähe und Entertainment. Ich muss sagen, dass das Produkt „Baby2015“ doch recht schlecht auf die meisten dieser Maßnahmen ansprach und, vor allem in den ersten Monaten nach Lieferung, weiterhin vermehrt Signaltöne von sich gab. Besonders das Wechseln des Abfallreservoirs erwies sich als unerwartet tückisch, da „Baby2015“ im direkten Vergleich zu „Baby2012“ sehr viel mehr auf die Abfallreservoirs an sich reagierte und eine Oberflächenreaktion (Rost?) auftrat. Erst nach Testen der meisten auf dem Markt erhältlichen Abfallreservoirs sowie unter Zuhilfenahme diverser Reinigungs-, Schmier- und Pflegemittel fanden wir einen Weg, diese Oberflächenreaktion zu umgehen. Jedoch, und das möchte ich besonders betonen, änderte dies nichts an den vom Produkt abgegebenen Signaltönen. Lediglich körperliche Nähe, besonders in Kombination mit Herumtragen (hier hat sich das Zubehör „Babytrage“ als sehr nützlich erwiesen) sind verhältnismäßig sichere Schallregulierungsmaßnahmen.

Das Ausstoßen der Signaltöne ist, meiner Meinung nach, der größte Mangel am Produkt „Baby2015“. Es wundert mich ehrlich gesagt auch, dass dieser Mangel seit vielen Generationen der „Baby“-Reihe bekannt ist und trotzdem nicht behoben wurde. Ein einfacher Lautstärkeregler, wie er an jedem iPod zu finden ist, könnte hier für erhebliche Entlastung sorgen. Ebenso wie ein Schalter zum Wechsel des Betriebsmodus oder eine einfache Power-Taste, um den Schlafmodus einzustellen. Es ist mir unvorstellbar, dass diese Beschwerden das erste Mal durch mich an Sie herangetragen werden. Auch von anderen Produkten der Reihe „Baby2015“ weiß ich, dass diese sich gerne in einem Modus aufhängen und dieser teilweise über Stunden nicht gewechselt werden kann. Das mag ja noch angenehm sein, wenn das „Baby2015“ im Modus „Friedliches Spielen mit den eigenen Füßen“ hängt. Wenn allerdings, so wie heute, das Produkt im Modus „Brüllen, Kreischen und ins Gesicht kneifen“ mehrere Stunden festhängt, ist das für den Besitzer doch sehr anstrengend. Lediglich ein Reset des Systems durch Herbeiführen des Schlafmodus konnte „Baby2015“ wieder in einen anderen Modus versetzen. Das wäre alles nicht erwähnenswert, wäre wenigstens das Verfahren zum Reset immer gleich. Dies ist jedoch nicht der Fall und mitunter bedarf es zahlreicher Versuche, bis der Schlafmodus erfolgreich aufgerufen werden kann. Dies ist ärgerlich, besonders wenn „Baby2015“ wieder mal mitten in der Nacht plötzlich aus dem Schlafmodus in einen anderen Modus wechselt und nicht wieder zum Schlafmodus zurückkehrt. Ich denke, dass Sie mit einer entsprechenden Skip-mode-Funktion an „Baby2016“ sehr großen Erfolg bei Ihrer Kundschaft haben würden!

Abschließend möchte ich lobend erwähnen, dass bei „Baby2015“ das Freischalten neuer Features wie „Krabbeln“, „Rollen“ und „Alles Ansabbern“ wesentlich schneller erfolgt, als dies bei „Baby2012“ noch der Fall war. Dies scheint zwar mitunter zu vermehrtem Ausstoßen von Signaltönen zu führen und ist möglicherweise auch nur ein Merkmal unseres Batches, aber es erleichtert doch vieles, wenn das Feature „Selbst Fortbewegen“ endlich freigeschaltet wurde.

Hoffentlich konnte ich Ihnen durch dieses Schreiben einige Anregungen zur Verbesserung der „Baby“-Reihe liefern. Ich bedanke mich für die bisherige Zusammenarbeit und die Produkte „Baby2012“ und „Baby2015“, die unser Leben trotz der offenkundigen Mängel doch sehr bereichert haben und verbleibe

Mit freundlichen Grüßen –

Ihre Frau Rabe

Tag 196 – Schon wieder fast alle krank

In der Nacht auf Samstag fing Michel an zu husten. Rasselnd und schleimig und fast so wie bei der Lungenentzündung, aber ohne Fieber. Leider hat ers ja nicht so mit dem Hand-vor-den-Mund-halten,  außerdem gibt er Pippi gerne Küsschen (oder leckt ihr auch mal beim Hund spielen quer durchs Gesicht…) deshalb war es nur eine Frage der Zeit, bis Pippi es haben würde. Die Nacht auf Montag war es dann soweit. Mehr Rotznase als Husten bei ihr, was aber bei einem Stillbaby ja auch nicht so mega spaßig ist.

 Es ist schon fies, wenn man mitbekommt, wie sie fünfmal an- und abdockt, bis sie sich entscheidet, dass das Minibisschen vom einen Nasenloch zum Atmen reichen muss oder dass sie es eben doch sein lässt und hungrig weiterschläft. Oder eben nicht weiterschläft, das ist noch fieser. Und seit heute habe ich es eben auch. Bei mir sind es hauptsächlich Hals- und Gliederschmerzen. Es ist doch zum Heulen. 

Dass ich dazu quasi als erstes nach dem Flugmodus-Abstellen heute morgen eine SMS der Unibibliothek hatte, in der ich aufgefordert wurde, das Statistikkursbuch zurückzugeben, machte es nicht besser. Natürlich habe ich das Buch schon lange zurückgegeben, direkt nach der Klausur sogar, aber trotzdem musste ich eben heute da hin gurken (im dichten, feuchten, waagerecht mit eiskaltem Wind in mein Gesicht gepusteten Schnee) und das klären. Es war gar kein Problem, das Buch wurde einfach als zurückgegeben nachregistriert, das machte mich froh und ich wollte das mit einem Kaffee feiern, aber dann hatte Möglichkeit 1 Inventur und ein Schild „Wir öffnen um 14:00 Uhr“ an der Tür, vor Möglichkeit 2 waren irgendwelche Gehweg-Bauarbeiten und deshalb kam ich mit Kinderwagen da nicht rein und bei Möglichkeit 3 war die Kinderwagen- und Rollstuhlrampe zugeparkt. Da hatte ich dann statt Kaffee in der Tasse den Kaffee schon um viertel nach zehn auf und ich fuhr missmutig nach Hause. Den Rest des Tages habe ich dann mit der kranken und deswegen sehr anhänglichen und missgestimmten Pippi verbracht und meiner eigenen Erkältung beim sich ausbrüten zugeguckt. Ein toller Tag. Nicht. 

(Übrigens hat Michel am Sonntag beim Frühstück gesagt „Noch ssueimal schlafen, dann Pippi Ssähne wachsen!“. Er hat aber nicht recht behalten. Ich bin ganz froh drum, Zahnen obendrauf müsste grade nicht unbedingt sein.)