Tag 294 – Bssbss

Heute zwei E-Fahrräder Probe gefahren. Danach (jaja, Schlaupenis, ich weiß) eingehend mit E-Fahrrädern beschäftigt. Ich sach ma so: ACH DU MEINE GÜTE! Ist das alles kompliziert!!! Ich stelle Ihnen jetzt mal nur die drei verbleibenden Kandidaten vor, mit pro und contra. Keins davon habe ich bisher Probe gefahren und die beiden Probe gefahrenen sind beide aus Gründen raus. Absichtlich keine Links, hinterher komme ich noch in Teufels Küche hier. Und ja, da kann man bestimmt reinzoomen und dann die Marke erkennen und so aber lassen Sie das doch einfach. Ok?

Also, Kandidat Nummer eins:


Pro: Kettenantrieb (das hat ganz viele tolle Vorteile. Zum Beispiel lassen sich die Räder recht problemlos abnehmen, die Gänge werden vom Antrieb mitgenutzt und der Schwerpunkt ist unten mittig), Nabenschaltung

Contra: Teuer, hässlich

Kandidat 2:


Pro: Günstig, Anfahrhilfe, Dänische Marke (also in Skandinavien nutzbar), Rücktrittbremse

Neutral: Automatikgetriebe

Contra: erstmal nen Händler finden, Batterie muss separat gekauft werden, da gibt’s dann wieder die Option für mehr Geld mehr Reichweite… Und schwupps ist es nicht mehr ganz so günstig.

Kandidat 3:


Pro: Schick (also, naja, is ja Geschmackssache, ne? Wüsste auch gerne mal wer da von wem geklaut hat, ist ja doch sehr ähnlich zu dem drüber), Anfahrhilfe, Nabenschaltung, Rücktrittbremse, günstig

Contra: Herr Rabe findet’s hässlich, bloß drei Gänge

Tja. Es bleibt also spannend. Als Übersprungshandlung hab ich heute erstmal ne Hausratsversicherung abgeschlossen, die auch Diebstahl von teuren Fahrrädern mit ok-em Selbstbehalt übernimmt. Sofern das Fahrrad angeschlossen war, natürlich. 

Tag 293 – Aus Gründen glücklich

Es ist Sommer! Ok, er wird laut Vorhersage nur bis Mittwoch dauern (Donnerstag kommt meine Mutter, ob das Zufall ist?) und andernorts würde man über unsere 23 Grad wahrscheinlich maximal müde lächeln und vielleicht die Pelzjacke gegen den Baumwollanorak tauschen, aber ich finde es ist Sommer. Und so wie ich sehen das auch 4 Millionen Norweger, ha! Die liegen nämlich alle nackt im Park und sonnen sich und scheiß was drauf dass die Arbeitszeit eigentlich bis 16:00 geht, das kann man alles in den 10 Monaten Winter wieder reinarbeiten. Hier macht mir nicht mal das Einschmieren mit Sonnencreme was aus. Weil, Hey, die fünf Tage im Jahr wo man draußen auf der Dachterasse Mittag essen kann, ist das schon ok (und Holla die Waldfee, was die Sonne hier Mittags brennt. 20 Minuten und LSF 30 machte für ein Stündchen ziemlich rosane Arme. Aber dann wars weg und hinterließ bloß tausend reaktivierte Sommersprossen.)

Eigentlich wars da heute sogar schon grenzwertig heiß, vor allem zum Apfel-Glas-Wasser-Päuschen um zwei. 

Also jedenfalls kann ich an so schönen Tagen nicht anders als alles rosig sehen. Tralala, sozusagen. Da ist dann auch wurscht, dass die Haut mal wieder katastrophal ist (ich vermute einen starken Zykluszusammenhang), die Schilddrüsenantikörper hoch resp. noch vorhanden sind, Michel nach dem Kindergarten komplett im Eimer ist und nur weintnöltmeckert und ich möglicherweise einen Haufen Kohle für ein E-Fahrrad hinblättern werde, die ich gar nicht habe und überhaupt, ein E-Fahrrad? Mutti lässt grüßen und sowas wird doch eh voll schnell geklaut. Hinterher noch mit Anhänger, haha, Michel ist zum Herbst hin ja schon vier, das sieht sicher interessant aus. 

Ist alles wurscht. Die Sonne scheint. 

Tag 291 – Dankbar. 

Es könnte alles so viel schlimmer sein. Manchmal muss man sich das vor Augen halten. 

Wir haben ein Dach über dem Kopf, wir haben es warm, wir haben zu Essen, wir haben Betten, in denen wir schlafen können. Wir haben Kleidung, sauberes Wasser, Seife, Waschmittel, Waschmaschine, Trockner, Spülmaschine. Wir haben Zugang zu Medikamenten und ärztlicher Versorgung, jederzeit. Wir haben ein Auto und altersgerechte Kindersitze. Wir können uns Benzin leisten. Wir können uns leisten, täglich warm zu duschen. Wir können uns eine gute Kinderbetreuung leisten und haben auch Plätze darin. 

Wir haben uns und uns lieb, nach wie vor. (Murch!)

Wir haben jeder einen Vollzeitjob. Und wir mögen unsere Jobs. Wir können in Elternzeit gehen, ohne um unsere Jobs zu fürchten oder extreme finanzielle Einbußen hinzunehmen. 

Vor allem haben wir zwei Kinder. Zwei Kinder, die (soweit die Eltern das beurteilen können) völlig normal sind. Mit normalem Kinder- bzw. Babyschlafverhalten, normaler Gesundheit, normal hohen Bedürfnissen. Natürlich außerordentlich hübsch und niedlich, das schon, aber in allem anderen herzerfrischender Durchschnitt. Michel zeichnet vielleicht noch nicht wie Michelangelo und kann auch weder Geige spielen noch chinesisch. Aber seine Trotzanfälle und Wutausbrüche halten sich im Rahmen, er hat bisher kaum Wände angemalt und noch nie absichtlich etwas kaputt gemacht. In seinem Kopf geht viel vor, aber er scheint gut zurechtzukommen in dieser verrückten Welt von heute. Von gelegentlichen Aussetzern mal abgesehen, die aber eben so rar sind, dass wir als Eltern noch gut damit umgehen können. Pippi möchte zwar nach wie vor nur in unserem Bett schlafen und stellt gerne Unsinn an, um die Welt zu erkunden (alles Ausräumen ist gerade ein großer Hit. Vor allem Mülleimer.) aber sie hat ein grundfreundliches Wesen, ist neugierig, spielt auch mal länger allein (mit dem Mülleimer) und hängt nicht mehr dauernd an einem von uns, solange sie weiß, das wir noch in der Nähe sind. Und sie nicht müde ist, denn zum Einschlafen fordert sie eben Körperkontakt ein. Aber auch das ist für uns ok, sie schreit nicht erst stundenlang, sie wacht auch nicht ständig auf und schreit dann wieder, meist nuckelt sie bloß ein paar Sekunden und schläft dann wieder fester ein. So kriegen wir alle nahezu genug Schlaf. 

Das könnte alles ganz anders sein. Ist es aber nicht und da haben wir doch sehr sehr großes Glück gehabt, wie ich finde. 

Tag 290 – … und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.

Meine Großeltern gingen immer zum gleichen Arzt. Immerimmer. Wegen allem. Doktor R. war schon ziemlich alt (halt so wie meine Großeltern) und nicht besonders innovativ in seinen Behandlungsmethoden und ich fand den doof, der war grob und unfreundlich. Aber meine Großeltern hatten grenzenloses Vertrauen in den Mann. In der Generation galten (und gelten) Ärztinnen tatsächlich noch als Halbgötter in weiß. Sätze wie „Wenn du dich in der Schule ganz doll anstrengst, kannst du auch mal Doktor werden!“ habe ich schon vor 20 Jahren gehört und auch mein Kind wird damit nicht verschont, leider.

Heute ist das anders. Ärztinnen werden nicht nur nicht mehr total überhöht dargestellt, was ihre berufliche Kompetenz angeht, nein, an allen Enden und Ecken wird an ihnen herumgemäkelt. In meinem Internet scheint es fast so, als hätten Ärztinnen grundsätzlich keine Ahnung von irgendwas und wenn doch, dann müssen sie ja vorsätzlich Menschen schaden wollen, wie sonst könnte man sich erklären, das Ärztinnen mitunter Dinge von sich geben, die von der allgemeinen Einschätzung des Internets abweichen?

Ich verstehe das nicht. Ehrlich. Wann ist das passiert, dieser Wechsel vom blinden Vertrauen hin zum allgemeinen Misstrauen? Und wie? Ich vermute, es hat mit dem Internet zu tun. Medizinische Informationen sind quasi jeder zugänglich, wenn man früher noch in eine Bücherei wandern musste, um da medizinische Wälzer zu lesen, so reicht heute die Eingabe von „Krankheit XYZ“ in die Suchmaschine der Wahl und man bekommt unzählige Ergebnisse. Und genau das ist das Gute und aber auch das Schlechte daran. Denn in dieses Internet kann auch jede etwas schreiben. Auch Scheiß. Wissentlich oder „in guter Absicht“ (aber trotzdem falsch) oder einfach aus Unwissenheit. Das unterscheidet Google vom Brockhaus. Selbst bei Wikipedia dauert es mitunter, bis Bullshit entdeckt und entfernt wird. In dem medizinischen Wälzer stehen Sachen, die man als gesichert annehmen kann. Überholt vielleicht, aber doch nicht grundsätzlich total daneben. Auch das Internet bietet eine Fülle von (ziemlich) gesicherten Informationen. Aber man muss diese auch als solche erkennen können. Die Spreu vom Weizen zu trennen fällt selbst studierten Köpfen da manchmal schwer. Selbst wenn ich nur die medizinischen oder pharmazeutischen Studien selbst lese, ist es manchmal schwierig, eine gute von einer schlechten Studie zu unterscheiden. Deshalb machen Menschen Kurse in Medizinischer Statistik (Ich winke mal kurz!), idealerweise, bevor sie anfangen Studien zu lesen oder gar selbst zu machen.

Dass die durchschnittliche Patientin (also die ohne medizinisches Fachwissen und/oder  gute Kenntnisse im Bereich Statistik) also von der schieren Flut der Informationen überfordert ist, kann ich gut verstehen. Und dann (jetzt fange ich mal an wild zu spekulieren) wird eben gefiltert: Ui, medizinische Fachstudie, möglichst noch auf fachchinesischenglisch? Versteht doch kein Mensch. Nächster Treffer. Hmm, trockene Ärzteseite mit blöder Prognose und doofen Therapieoptionen? Nächster Treffer. Erfahrungsberichte von Patienten? Schon besser. Ahhhh, hier, hier steht, es geht auch gut mit Nahrungsergänzungsmittel X / Homöopathischem Kügelchen Y / Diät Z. Perfekt. Ich bin ja nämlich gar nicht krank, steht ja hier. Oder die Therapie wäre viel besser und praktisch ohne Nebenwirkungen zu machen. Meine Ärztin hat halt keine Ahnung.

Idealerweise geht die durchschnittliche Patientin mit ihren ergoogelten Informationen dann nochmal zur Ärztin. In einer perfekten Welt setzt sich die Ärztin mit ihrer verunsicherten Patientin hin, nimmt sich Zeit, erklärt, wiesoweshalbwarum das Internet manchmal mit Vorsicht zu genießen ist, weshalb Nahrungsergänzungsmittel X vielleicht hilft, vielleicht aber auch nicht und vielleicht auch mit anderen Medikamenten ganz unerwartete Wechselwirkungen eingeht, warum der Therapieplan so ist, wie er ist und was man eventuell noch machen könnte, wenn der Therapieerfolg ausbleibt oder es Nebenwirkungen gibt. Die Patientin ist beruhigt und lässt das googeln in Zukunft bleiben.

Leider ist die Welt nicht perfekt, die Ärztin hat keine Zeit, nimmt die Sorgen der Patientin nicht ernst, lacht vielleicht, wenn die Patientin die Nebenwirkungsliste des von ihr verschriebenen Medikaments erwähnt, lacht noch mehr, wenn die Patientin die Homöopathischen Kügelchen Y nennt und  tut das alles mit einem lapidaren „das Internet können Sie vergessen“ ab. (Ich kann die Ärztin an dieser Stelle sogar verstehen. Zum einen werden Beratungsgespräche unterirdisch schlecht von den Krankenkassen vergütet, zum anderen hat die vermutlich am Tag 10 bis 20 Schlauberger, die meinen, durch eine Stunde googeln mehr zu wissen, als jemand, der 12 Semester studiert und dann noch praktische Aus- und Fortbildungen absolviert hat. Trotzdem sollte sowas natürlich nicht passieren.)

Und unsere Patientin? Misstraut der Ärztin noch mehr. Googelt weiter, findet Foren, findet Erfahrungsberichte, bestellt Nahrungsergänzungsmittel X und Homöopathische Kügelchen Y aus den USA und macht Diät Z. Passt die Dosis ihrer von der Ärztin verschriebenen Medikamente selbst an. Setzt eigenmächtig Medikamente ab oder nimmt sogar andere. Wenn sie Glück hat, passiert nichts schlimmes. Dann schreibt sie ihre eigenen Erfahrungen ins Forum, macht vielleicht eine eigene Internetseite zu ihrer Krankheit. Empfiehlt Nahrungsergänzungsmittel X / Homöopathische Kügelchen Y / Diät Z, mischt noch Handauflegen dazu, weil sie das zwischendurch auch noch gemacht hat und es ist ja nichts schlimmes passiert. Vielleicht ist ihre Krankheit sogar wirklich besser geworden. Vielleicht durch irgendeine der Therapien, vielleicht ein Placebo-Effekt (der ist sehr mächtig!), vielleicht spontane Remission, das kann die durchschnittliche Patientin für den Einzelfall genauso wenig sagen, wie die Ärztin. Doch die Informationsflut wird ein Stückchen größer und zwar auf der „Ärzte haben keine Ahnung“-Seite.

Sehen Sie? Es ist ein Teufelskreis. Zumindest für den hier zusammengesponnenen Fall.

Ich glaube nicht, dass alle Ärztinnen von allen Krankheiten der Welt Ahnung haben. Oder dass Ärztinnen keine Fehler machen. Halbgötter in weiß, das ist wirklich überholt. Ebenso kann ich verstehen, dass man sich im (deutschen) Gesundheitssystem nicht gut aufgehoben fühlt, eben wegen der Fließbandabfertigung, dem viel zu kurzen Ärztin-Patientin-Kontakt, dem gefühlten Ausgeliefert-sein. Been there, done that. Aber was meiner Meinung nach mehr Sinn macht als googeln ist: beharrlich sein. Fragen stellen. Nerven. Kennen Sie sich damit wirklich aus? Sollte ich nicht zur Fachärztin gehen? Gibt es noch andere Therapiemöglichkeiten? Kann ich unterstützend irgendwas tun (Diät, Sport, …?)? Und wenn das nicht hilft und man sich immer noch blöd behandelt vorkommt: Ärztin wechseln und zwar nicht kommentarlos „Ich geh da nich mehr hin!“, sondern mit Feedback. Zweite Meinung einholen. Von mir aus in eine Spezialklinik gehen, dritte Meinung einholen. Aber am Ende auch einfach: Vertrauen haben. In Menschen, die viel Zeit und Energie darauf verwendet haben, ihren Beruf zu lernen. In Menschen, die zum Großteil diesen Beruf gewählt haben, weil sie Menschen helfen wollen. In Menschen, statt in Suchmaschinen.

 

 

 

Tag 289 – Hrmpf

PMS from hell, Kopfschmerzen, Übelkeit, nicht reden wollen, das ganze Programm. Die Ibuprofen die ich den ganzen Tag schon nehme und die nicht wirken sind in Wirklichkeit Paracetamol (steht in Griechischen Lettern auf der Packung) und das erklärt wenigstens, weshalb sie nicht wirken gegen die Kopfschmerzen, trotzdem trägt es nicht grad zu meiner Laune bei. Zumal ich bei Kopfschmerzen keine Schokolade essen kann, weil ich davon dann Migräne bekomme. 

Und jetzt ist es besser für uns alle, wenn ich für heute aufhöre zu schreiben. Bis morgen wieder!

Tag 288 – #OffTopic im Mai HIER!!!

Ohhh, ich bin so aufgeregt! Es ist #OffTopic-Zeit und dieses Mal sind vier Damen zu mir gekommen, auf mein kleines Blöglein, um mit mir über Umbrüche zu quatschen. Das kennt ja jede*r, da kommt etwas Neues, man freut sich ein bisschen bis ganz doll und ein bisschen macht man sich vielleicht auch in die Hose, manche mögen gerne alles bis ins allerletzte Detail durchplanen und haben noch Plan B-D in der Hinterhand, andere lassen alles auf sich zukommen und denken sich „wird schon schiefgehen“… Kurzum, ein schönes Thema für einen kleinen Kaffeetratsch.

Aber jetzt sollen erst mal die Damen zu Wort kommen!


Carmen (Vegane-Familien)

Alles Neue macht der Mai.

Ja tatsächlich. Das stimmte irgendwie immer. In diesem Jahr starte ich als alleinerziehende Zweifachmami selbstständig durch, da ich im April meine Elternzeit beendet habe. Letztes Jahr hatte ich im Mai meine Prüfung zur Ganzheitlichen Ernährungsberaterin und vor zwei Jahren wurde ich schwanger ;)…. Soll ich noch weiter zurück gehen und mal suchen? Achneeee…. Viel interessanter ist die aktuelle Situation. Vor allem wenn ich so überlege was gerade alles hinter meiner Stirn vor sich geht. Da ist so viel los. Es ist unfassbar. Kennt Ihr das wenn der Kopf keine Ruhe gibt und Ihr von einer Idee und Erkenntnis nach der nächsten überrascht werdet? Mir geht’s gerade so. Ich habe seit ein paar Tagen einen völligen Energiekick, was auch mit dem Wetter zusammenhängen kann. Die Ideen sprudeln noch mehr aus mir heraus als ohnehin schon. Und naja – da der Kleine immer mehr und immer mehr in der Kita eingewöhnt ist, habe ich auch endlich die Zeit zur Umsetzung. Ich bin fröhlich und gut gestimmt und freue mich auf eine wunderbare und veränderte Zukunft 🙂 Es wird sich noch sehr sehr viel verändern. Das spüre ich und es gefällt mir wahnsinnig gut. Meine Ängste hab ich fast alle abgelegt. Und Ihr so?


Lena (Elfenhimmel)

Der größte Umbruch in diesem Jahr, war der Umzug unseres Sohnes von der Frühchenstation nach Hause. In der Klinik hat man nichts anderes zu tun, als mit dem Kind zu kuscheln, es zu füttern und dazwischen immer wieder mal abzupumpen. Die fertig gemischte Milch wird einem inkl. aller Medikamente gebracht und zum Pumpen hat man stets neue Flaschen & Einmalsets; der vollkommene Kontrast zu einem Leben zu Hause also.
Wir freuten uns sehr, als es ziemlich spontan hieß, dass wir unseren Elfen mitnehmen dürfen und ihn somit 24 Stunden am Tag bei uns haben können. Doch, nicht mehr stundenlang mit Anika in einem Zimmer zu sitzen und zu quasseln und auch ansonsten vollkommen auf uns allein gestellt zu sein, war erst mal ein wirklich sonderbarer Gedanke. Umso näher der Tag kam, umso häufiger kullerten bei mir die Tränchen; das Gefühlschaos zwischen Freude, Ungewissheit, fehlender Vorbereitungszeit und Vermissungsschmerz war einfach enorm. So doof es in der Klinik auch ist, man verbringt so viel Zeit dort, dass es sich schon fast wie „zu Hause“ anfühlt. Ich hatte mich nach all den Tagen, Wochen und Monaten wirklich sehr daran gewöhnt.
Daheim angekommen, wurde mir erst so richtig bewusst, wie groß der Umbruch wirklich war. Plötzlich steht man da, muss alle Medikamente selbst herrichten, hat keine sauberen Flaschen und Sets mehr zum pumpen und muss bei jedem Piepsen des Monitors ganz alleine entscheiden, wie es zu werten und was zu machen ist. Alles, was man zuvor nicht durfte, muss man von einem auf den anderen Moment ohne Übung ganz alleine hinbekommen. Inzwischen ist aus der anfänglichen Überforderung Routine geworden & es sind sogar noch mehr Medikamente plus eine Sonde dazugekommen.
Ich glaube dieser Umzug, war der beste und komischste Umbruch unseres bisherigen Lebens, der einfach alles veränderte.


Kathrin (Ökohippie)

Umbruch. Umbau. Umzug. Ja, das alles steht bevor, wir wissen nur noch nicht, in welcher Reihenfolge das ganz genau passiert. Denn wir ziehen um, genauer gesagt in Eigentum, das wir ganz nach unseren Vorstellungen umbauen und renovieren werden und ich freue mich riesig. Da wartet eine Wohnung nur darauf, so von mir und uns gestaltet zu werden, wie wir alle, und nicht der Vermieter oder Eigentümer, das gerne hätten. Wir werden Türen, Wandfarben, Bodenbeläge, Möbel aussuchen und uns ein Heim erschaffen für unsere kleine Familie und das wird ganz großartig. Doch im Moment ist es vor allem ein seelischer Umbruch, denn egal wann ich über den Umzug nachdenke, ich sehe mich immer nur mit Maxi Cosi die Treppen zu DIESER Wohnung rauf kommen. Mit einem winzigen Baby, wenige Tage alt, kurz nach einer wundervollen Geburt, an die ich mich mein ganzes Leben erinnern werde. In dieser Wohnung bin ich Mutter geworden. Nicht buchstäblich, aber ich habe diese Zimmer hier bereits einmal umgestellt, renoviert und kindersicher gemacht. Und das war ein wunderschönes Gefühl, denn ich hatte dabei einen dicken Bauch und Nestbautrieb. Das wird fehlen. Beim Umzug und auch danach. Klar, auch jetzt richte ich wieder Kinderzimmer ein, aber für Babies, die schon da sind. Ich denke, jede Mutter kann verstehen, dass es gedanklich gerade harte Arbeit ist, sich von den Räumen zu lösen, in denen Bubba gelernt hat zu laufen, in denen D-Von gelernt hat zu krabbeln und in denen sie beide zum ersten Mal zusammen gespielt haben. Es wird neue schöne Momente und Erinnerungen geben, dessen bin ich mir bewusst, aber als Mensch ist es gerade vor allem eines: ein Umbruch im Kopf. Ich versuche also, mich nicht an dem Ort festzuhalten und nur mitzunehmen, was ich ohnehin tief im Herzen eingeschlossen habe. Und den Rest, den verpacke ich in Kisten und Taschen und Koffer. Und Kindersitze, natürlich.


Eine meiner Töchter wird in diesem Jahr zur Schule kommen. Ich bin, das könnt ihr euch sicher vorstellen, total aufgeregt. Boah, mein Baby wird groß! Es ist unvorstellbar, wie schnell die Zeit vergeht. Für uns wird dieser Schuleintritt eine große Sache, denn wir haben uns gegen eine klassische Schule entschieden, obwohl wir Eltern beide Lehrer sind. Oder vielleicht gerade deshalb? Vielleicht.

Unsere Tochter wird an einer Freien Schule lernen. Konzept dieser Schulen ist die absolute Freiwilligkeit des Lernens.  Die Kinder können sich 10 Jahre lang jeden Tag neu entscheiden, ob und was sie lernen wollen. Das klingt für euch bestimmt erst einmal total absurd. Ihr werdet vielleicht einwenden, dass sich dann die Kinder doch bestimmt immer nur für das Spielen entscheiden? Da meine Tochter schon eine Probewoche absolviert hat, bei der ich dabei sein durfte, kann ich euch ein bisschen erzählen. Ja, die Kinder spielen viel. Oft ist eine große Gruppe von ihnen auf dem Schulhof. Manchmal spielen sie Fußball, manchmal Fangen, einige Kinder spielen mit Regenpützen oder mit Stöckern. Es gibt einen Kreativraum, auch dort sitzen häufig Schüler und kneten. Es gibt riesige Knetkunstwerke, die im freien Spiel entstanden sind. Genauso oft aber sieht man Kinder in den Klassenräumen, die mit ihren Lehrern die Köpfe zusammenstecken und über für sie interessanten Themen brüten. Ich war erstaunt, wie gut diese Freiwilligkeit funktioniert. Alle Kinder lernen lesen, schreiben, rechnen und mehr. Viele gehen nach der 10. Klasse aufs Gymnasium. Sie haben zwar in den ersten Monaten Anpassungsschwierigkeiten und manchmal müssen sie das eine oder andere Themengebiet aufholen, doch nach kurzer Zeit gehörten bisher alle zu den 1er oder 2er Kandidaten. Allen gemein ist, dass sie sich selbst sehr gut motivieren können und wissen, wie sie am besten lernen – vielleicht, weil sie vorher so viel spielen durften? Ich weiß es nicht.

Vor kurzem gab es einen Kongress zum Thema Freilerner, dem ich beigewohnt habe. Dort sprachen viele kluge Leute. Professoren, Hirnforscher, Bildungswissenschaftler. Aber auch Erwachsene, die selbst so aufwachsen durften, bzw. Eltern von Jugendlichen, die Freilerner sind. Es war unheimlich motivierend, diesen Menschen zuzuhören und hat mir ein bisschen die Angst vor unserem Schritt genommen. Denn einfach ist es für eine 6-Jährige sicher nicht, sich ihre eigenen Lerngebiete zu suchen. In der Probewoche war das gut zu merken: Es gab zum Tagesbeginn einen Morgenkreis, in welchem die Lehrer die Lernangebote für den Tag vorstellten. Die Kinder hörten zu, entschieden sich innerlich, an was sie teilnehmen wollten und an was nicht und planten somit ihren Tag. Meine Tochter war das nicht gewohnt und schlingerte die ersten drei Tage. Oft wusste sie nicht mehr, welcher Lehrer was wo anbot, manchmal war ihr langweilig, einmal verpasste sie sogar das Mittagessen. An der klassischen Schule ist das natürlich viel strukturierter: Dort wird den Kindern zu jeder Zeit gesagt, welche Materialien sie auspacken sollen, was sie nun lernen werden und wann sie essen können. Für einen Erwachsenen mag das einengend wirken, doch für Kinder ist das, glaube ich, eher entspannend, weil ihnen Entscheidungen abgenommen werden und sie sich diesbezüglich ausruhen können. Doch schon ab Donnerstag in der Probewoche hatte meine Tochter ihren Rhythmus gefunden. Sie hatte Lehrer und Kinder kennen gelernt, wusste, dass sie gern Lesen lernen wollte und merkte sich, welche Lehrerin das anbot. Sie verbrachte ausgefüllte Tage, fand eine Freundin und war am Nachmittag bestens gelaunt. Sie freut sich nun sehr auf die Schule. Ich bin gespannt, denn natürlich weiß ich, dass sich alle Kinder auf die Schule freuen. Als Lehrerin sehe ich aber auch, dass diese Freude leider schon nach kurzer Zeit einer Enttäuschung oder Resignation weicht. Ich bin gespannt, wie das an unserer Freien Schule wird. Wie auch immer es wird, es wird ein großer Umbruch. Ich habe nun bald ein Schulkind! Eines, das selbst entscheidet, was es lernt. Ich muss lernen, loszulassen und ihr nicht hineinzureden. Es ist immerhin ihr Kopf – sie entscheidet, was da rein soll. Aber die Zuckertüte, die fülle immer noch ich!


Und dann noch ich.

Blicken wir kurz mal zurück. Es ist Februar 2013. Kalt, nass, öde. Ich sitze viel mit dem vier Monate alten Michel zu Hause rum. Und langweile mich. In ein paar Monaten werde ich wieder arbeiten gehen. Ich freue mich ein bisschen auf die Leute und auf das Rauskommen. Auch die Arbeit an sich macht mir Spaß. Gleichzeitig wird mir immer klarer, dass es in der Firma für mich nicht weiter nach oben gehen wird. Und ich will mehr Verantwortung, mehr selber denken und entscheiden und wirklich mitreden können. Ich brauche einen Doktortitel. Ich habe ein Baby. In Deutschland wird mich mit Baby niemand einstellen, denke ich zumindest. Außerdem wollten wir doch eh immer nach Schweden. Ich schreibe Bewerbungen.

Fast forward drei Monate. Ich habe Bewerbungsgespräche über Skype. Eins läuft richtig gut, mit den Norwegern. Die eine norwegische Stelle, auf die ich mich auch beworben hab. Ich habe ein richtig gutes Gefühl. Wenige Tage später bekomme ich eine email von dem Norweger: ich hab den Job.

BADUUUUMMMMM! Sie können es sich nicht vorstellen, was sowas mit einem macht. Der helle Wahnsinn. Erstmal selber raffen: Wir werden nach Norwegen ziehen! Bald! Mit Baby und allem! Dann muss man das allen sagen, die Reaktionen schwanken dabei von ehrlicher Freude für uns bis zu ehrlicher Enttäuschung und über alle halbgelogenen Stufen dazwischen. Und alle muss man aushalten, klar. Dann gibt es unfassbar viel zu organisieren, ne Wohnung in Norwegen will gefunden werden, Teile unseres Gedöns werden verschenkt, verkauft, eingelagert, eingepackt und mitgenommen. Tausend Kündigungen werden geschrieben. Zwischendurch Zweifel: das arme Baby! So weit weg von allen anderen Bezugspersonen! Wir können die Sprache noch nicht! Wir sind „die Migranten“, die zu Hause ihre Muttersprache sprechen! Wie soll das gehen, solange Herr Rabe noch keinen Job hat? Reicht die Kohle? Was, wenn wir keinen Kitaplatz kriegen? WAS, WENN WIR KEINE WOHNUNG KRIEGEN???

Ich organisiere und mache und tue und schiebe alle Zweifel weg so gut es geht. Ich arbeite bis wenige Tage vor dem Umzug. Der Abschied von meiner Arbeit ist so extrem emotional, dass ich durch den Keller der Uni nach draußen schleiche, damit nicht alle Welt sieht, wie verheult ich bin. DAS HIER GEBE ICH ALLES AUF! Für unseren Traum, der vielleicht in Erfüllung geht, aber vielleicht wird es auch ganz schlimm. Eine Freundin sagt „Und wenn es schlecht wird, habt bitte den Mut, es euch einzugestehen und zurückzukommen. Das ist das Wichtigste!“. Die Worte bleiben mir lange im Gedächtnis.

Der Umzug selbst verläuft entspannt. Ich fahre mein neues (naja, gebrauchtes neues) Auto ganz alleine nach Norwegen. Michel sitzt mit Papa und Opa im Transporter. Auf 600 km norwegischem Autobahn-Surrogat wird mir klar, wie schön das Land ist, in das wir jetzt gerade umziehen. Die Wohnung ist schön, der Vermieter hilfsbereit, wir gehen zu Fuß zum See und die Luft ist eisklar. Michel schläft auf meinem Rücken ein.

Ich seufze auf. Es wird schon gehen. Irgendwie. Und solange meine zwei Lieblingsmenschen da sind, wird es auch gut sein.

2013-10-13 15.38.53