Tag 2235 – Gras und ein halber Zoo.

Herr Rabe befindet sich dieses Wochenende auf einem Field Trip mit seiner Arbeit, sie machen lauter Sachen, die reiche Boomer jung gebliebene, erfolgreiche Geschäftsleute gut und hip finden, wir Rafting und auf Berge steigen. Michel hofft, dass sich Herr Rabe dabei keinen Fuß bricht, das hoffen wir natürlich alle. Mein Kollege bezeichnete mich deshalb heute als „Graswitwe“ und es dauerte ein bisschen, bis ich schnallte, dass das wohl das norwegische Wort für Strohwitwe sein muss. Dann scherzten wir ein bisschen vorfeierabendlich herum und ich dachte im Nachhinein noch darüber nach und bleibe dabei, was ich ihm sagte: im Vergleich zu vielen Müttern, die ich kenne, wird mein (großes) Bedürfnis nach Alleinzeit hier eigentlich schon recht gut respektiert, deshalb bin ich auch nicht „froh“ dass Herr Rabe aus dem Haus ist. Ich freue mich für ihn, dass er raus kommt und Boomerdinge tut, und ich schaukele das hier zu Hause schon, aber ich freue mich nicht über mehr Alleinzeit. Herr Rabe nervt ja nicht.

Wo das gesagt ist, muss ich aber wenigstens erwähnen, dass ich „mein“ Bett, in dem ich theoretisch ja heute Nacht total viel Platz hätte, mit zwei Kindern und einem halben Zoo aus Kuscheltieren teile. Das hat Gründe, die viel mit sehr müden Kindern und Dingen, die anders sind als immer, zu tun haben, aber so richtig mega begeistert bin ich darüber nicht. Jetzt gerade hat Pippi Herrn Rabes Hälfte vom Bett, während Michel halb auf mir und halb auf seinem riesigen Kuscheltier „Bunti“ liegt.

Aber was soll‘s. Ich bin ab Sonntag sechs Nächte in einem Hotel und da sind keine anderen Menschen in meinem Bett, da kann ich nach- und vorschlafen.

Tag 2212 – Kinder, Kinder.

Pippi hat heute einen Test zur Vorbereitung auf die Schule gemacht, das war lustig, fand sie. Danach wurde sie beim Hort wegen nicht vorhergesagtem Wolkenbruch klitschnass und fand auch das total lustig. (Puh! Wenigstens ein Kind mag den Sport-Hort. Und ein Hoch auf Wechselklamotten.)

Michel kann nicht schlafen, aber vielleicht bald schwimmen. Weiß grad nicht, ob andersrum nicht vielleicht besser wäre.

Wegen Kinder und COVID-19 Langzeitfolgen: ich hab es selbst nur überflogen, weil ich es eben erst entdeckt habe, aber das hier ist vielleicht etwas beruhigend für alle besonders mit noch kleineren Kindern: Kings College Lancet.

Tag 2199 – Sechsjährige in da House!

Das erste, was man heute morgen von Pippi vernehmen konnte, war „Ich hab GEBURTSTAG!“. Der große Tag, seit Monaten darauf gefreut und gehadert, weil es noch „so lange“ dauerte, also auch letzte Woche war es noch „so lange“, ach ja, die Wahrnehmung von Zeit bei Kindern.

Pippi (und wir alle) hatten einen schönen Tag, mit Kuchen, mehr Kuchen, Baden, Hitze, Abhängen (wegen Hitze) und Pizza. Pippi wurde reich beschenkt und besitzt jetzt unter anderem eigene Pokémon-Karten (Herzenswunsch) und ein großes Set mit wild glitzernder Kinderschminke in allen erdenklichen Rosa-lila-blau-Schattierungen. Ein Schelm, der denkt, sie könne dann mein Make-Up in Frieden lassen. Nachdem Pippi sich und Herrn Rabe geschminkt hatte, verabredeten wir, dass ich ihr mal zeige, was davon wo genau hin gehört nicht dass Leute denken, wir vermöbeln sie übel. Nach dem Baden im See waren wir aber alle zu platt (ich war nicht baden, ich hab nur zugeguckt) für irgendwas anderes als rumhängen, also machen wir das wohl morgen.

Pippi hat auch ein Portemonnaie bekommen, weil sie ab jetzt auch Taschengeld bekommt. Da ist sie sofort 10 cm gewachsen. Und eine Uhr. Mit Brille, Uhr und Portemonnaie sieht sie, obwohl das alles rosa ist, schon so groß aus, dass mir ganz Angst und bange wird, dass sie morgen wild pubertiert und übermorgen zum Studieren auszieht.

Ein bisschen darf sie nämlich gerne noch meine große kleine Maus bleiben.

Hachz.

Liebe kleine Rübennase: sei weiter, wie du sein willst, denn genau so bist du ganz wunderbar. Ich komme immer zu allen deinen Shows. Ich hab dich schrecklich doll lieb – deine Mama

Tag 2197 – Geht, geht.

Neuer Spaziergangsversuch, deutlich besser als vorgestern. Es wird also.

Unter dem Pflaster haben sich gleich zwei neue Level freigeschaltet, nämlich Berührungsempfindlichkeit und Jucken. Hurra. Das ist aber hauptsächlich nervig und ja ein Zeichen für Heilung, ich klage also nicht nur wenig. Weiterhin kann ich langsam wieder normal klingende Fragen stellen und auch singen – klingt nur seltsam, muss ich noch üben. Ich vermute mal, das ist, wie wenn man an der Hüfte operiert wurde und dann erst mal wieder üben muss, normal zu laufen.

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Pippi fand im Garten zelten so gut, dass sie und Herr Rabe das gleich noch mal machen. Mit Frühstück im Zelt! Ich schlafe also wieder alleine, jedenfalls so lange, bis Michel sich dazu kuschelt. Aber das ist immer noch viel mehr Platz, als mit Herrn Rabe UND Michel im Bett.

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Morgen kommen M. und H. aus Trondheim zu Besuch, Michel ist schon ganz aus dem Häuschen. Siehe oben.

Tag 2179 – Das war’s.

Wir haben heute zum letzten Mal ein Kind aus dem Kindergarten abgeholt. Was für ein Glück wir mit diesem Kindergarten hatten, und auch mit dem Trondheimer Kindergarten. So liebevolle Erzieher*Innen, mit vielen verschiedenen Hintergründen und Persönlichkeiten. So viele andere Kinder, mit all dem, was die wiederum mitbringen. Ich glaube, Pippi ist jetzt wirklich gut gerüstet für die Schule, und ich bin sicher, dass sie „ihren“ Kindergarten ganz überwiegend positiv erlebt hat und in Erinnerung behalten wird. Wie sie sich entwickelt hätte, wenn sie nie zum Kindergarten gegangen wäre, kann man natürlich nicht wissen, insofern ist das eigentlich unlauter, zu sagen, dass der Kindergarten diese Schulreife maßgeblich erreicht hat. Dann sage ich das einfach nicht, hehe.

Ein kleines Tränchen musste ich aber schon verdrücken, als die kleine Maus, die eben noch in Winteranzügen in Größe 86 versank, da aus dem Kindergarten herausradelte, in einem Affenzahn Rennen um den Platz mit ihren Zwillingskumpels veranstaltend. So groß schon!

Und jetzt sind erst mal vier Wochen Ferien für ALLE hier im Haus. Uff. Es wird auch Zeit.

Tag 2130 – Langer Tag.

Nur ne Liste:

  • Michel beim Hort abgeliefert
  • Nach Oslo gefahren
  • Im Stau gestanden (LKW-Unfall)
  • Für die Meerschweinchen ein Häuschen gekauft (gebraucht), damit sie den Sommer über draußen wohnen können
  • Zum Krankenhaus gefahren
  • Im Stau gestanden (selber LKW-Unfall)
  • Mit Pippi ins Krankenhaus, denn die musste aufs Klo. Pippi wegen der nicht vorhandenen Maskencompliance im Krankenhaus einen Mundschutz verkleinert. Pippi absolut alle verzaubern lassen
  • Blutprobe abgeliefert, dank Pippi einen glibber-Gecko als Prämie bekommen, weil ich nicht geweint habe. Pippi hätte nicht durchgehen lassen, hätte ich keinen bekommen
  • Bei der Arbeit geparkt, zu dritt (Herr Rabe, Pippi und ich) mit der T-Bane nach Oslo gefahren
  • Auf 4 Haltestellen ca. 30 mal gesagt, dass Pippi bitte nichts anlecken und sich nicht auf den Boden setzen soll
  • Mit Pippi im Dauerschwafelmodus zum Instrumentenladen in der Drogi-Gruselgegend gelaufen. Fast taub geworden wegen Großbaustelle mit Steine schneidenen Bauarbeitern
  • Beim Instrumentenladen eine Bestellung abgeholt. Sozial schwierig, war sehr voll da, kann mich nur noch schlecht zu vielen Leuten gleichzeitig verhalten
  • Mit Pippi (immer noch im Dauerschwafelmodus) Richtung Oslo S gegangen, da in der Nähe Herrn Rabe getroffen, der seinen Anzug von der Reinigung abgeholt hatte
  • Eis(-Kaffee) für alle, draußen verzehrt
  • Zurück zur Arbeit gefahren, dort alle ein Mal aufs Klo, Passwort geändert und wieder ins Auto
  • Im Stau gestanden (nicht der LKW-Unfall, einfach ganz normaler Freitagsnachmittagsverkehr aus Oslo raus)
  • Michel vom Hort wieder abgeholt
  • Die Familie zu Hause abgeliefert und wieder losgefahren
  • Ein neues Gestell für meine Brille bekommen. Selbes Gestell wie vorher, nur neu, auf Garantie, weil ein Brillengestell eigentlich länger halten sollte als ein Jahr, bevor der eine Bügel irreparabel hängt und die ganze Brille deshalb schief sitzt. Wundert mich nicht, dass die die Marke inzwischen gar nicht mehr haben
  • Kein e-Piano gekauft. Das gibt‘s erst, wenn die Schweinchen sicher draußen und draußen sicher sind
  • Apotheke, ich komme mit den Schilddrüsenblockern sonst nicht übers lange Wochenende
  • Wochenendeinkauf im Supermarkt
  • Herrn Rabe nach draußen gejagt, auf dass er laufe. Leider mit dem Timing voll einen Wolkenbruch mitgenommen
  • Geige gespielt, Essen, Kinder ins Bett, Sofa. Kein Nerv mehr für soziale Interaktion (sorry, Twitterkneipe)

(Habe Pippi schrecklich lieb, aber nach 5 Stunden mit ihr bluten zur Zeit meine Ohren. Wie viele Worte in so einer Fünfjährigen sind!)

Tag 2126 – SO GROSS!

Huiuiui. Aufregende Tage für die Kinder. Michel hat heute seine TranspirantAspirantkorpsuniform bekommen, nämlich Pulli, Mützenkäppchenhaubendings, weiße Handschuhe und eine weiße Umhängetasche. Er ist jetzt etwa einen Meter größer und wird wahrscheinlich bis Montag durchgehend hibbeln wie ein Flipperball. Uniformen muss man ja mögen, mich rühren die immer irgendwie und Michel ist so stolz und sieht so groß aus, ich kann nicht anders als sogar diese Kopfbedeckung schick finden.

Pippi hat heute ihren „Russedress“ bekommen. Wir sind hier ja in der Nationalfeiertags-Hochburg und laut hier aufgewachsenen Menschen gehört dazu auch Russefest und auch „Rosaruss“ dazu. „Russ“ sind hier ja die Schulabgänger und dazu gehört (wie beim Abi nur schlimmer) hirnloses Besäufnis mit Scheiße bauen ordentlich feiern und über die Stränge schlagen. Aus mir völlig unerfindlichen Gründen saufen sich feiern die Jugendlichen *vor* den Prüfungen das Hirn weg mit Höhepunkt am 17. Mai. Die Uniform der Russer sind Latzhosen, farbcodiert nach Ausrichtung der Schullaufbahn. Irgendwie kommen auch Busse ins Spiel und ich möchte nicht, dass meine Kinder so alt werden, dass sie sich besaufen und dann Sex in Bäumen haben, weil das so eine Russ-Aufgabe ist (coronafreundlich bitte nur mit festem*r Partner*In). Meine Kinder sollen immer klein bleiben, bitte. Aber egal, das ist jedenfalls Russ und in Eidsvoll macht man auch Rosaruss für die Kinder, die dieses Jahr in die Schule kommen. Letztes Jahr wollte ich mich dem dieses Jahr noch entschieden widersetzen. So ein Schwachsinn, mit 5-Jährigen diese beknackte Besäufnis-Tradition nachzuahmen! Geht’s noch??? Das war ich letztes Jahr, als ich davon erfuhr. Heute hat Pippi ihre Russelue (eine Schirmmütze mit Bommel mit allem möglichen Quatsch dran gebunden) bekommen, vom Kindergarten, wir hatten ihr eine knallpinke Latzhose besorgt, im Kindergarten gab es Russefest (wegen Corona muss die Kindergartenübernachtung, die sie sonst gemacht haben, ausfallen) nach der normalen Kindergartenzeit und um sieben holten wir unsere völlig zerfeirten*, aufgekratzten Kinder ab, die mit Trillerpfeifen ihre letzten Kindergartenwochen einläuten und Kindergartenparolen grölen und die sind so süß dabei, dass all mein Widerstand einfach dahin schmilzt. Die beiden Erzieherinnen, die auch schon älter sind und jedes Jahr die Vorschulkinder begleiten, sind nicht umsonst die beliebtesten im ganzen Kindergarten und wenn dann Pippi und die anderen Kinder in ihren pinken Uniformen noch mal umdrehen um „Tante E.“** und H. noch mal zu drücken, dann müssen nicht nur die ein Tränchen aus dem Augenwinkel wischen.

Hachz. Sie werden wirklich sehr schnell groß.

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*Wenn alle 5 Kinder durcheinander wuseln und keines mehr auf Anhieb schafft, sich fehlerfrei zu bekleiden, aber auch keines merkt, dass es beispielsweise auf Socken rausläuft, muss es wohl ne gute Feier gewesen sein.

**Man muss nicht Tante E. sagen, man darf. E. war auch schon Tante E. für einige der Eltern, die jetzt ihre Kinder in dem Kindergarten haben. E. ist streng, gerecht, liebevoll und direkt und alle Kinder lieben sie (und fürchten sie gleichermaßen, da gibt’s nämlich auch mal ne deutliche Ansage. Ich glaube aber ja eh, dass die meisten Kinder viel besser mit Menschen mit deutlich lesbaren Reaktionen zurecht kommen als mit achtsamem, reflektierten Begleiten absolut jeder Gefühlsregung).

Tag 2101 – Große Trauer.

(Drei Tage Inspektion via Teams und ich bin völlig gar in der Birne. Auf eine ganz und gar seltsame Art war es aber auch wieder richtig schön und ich hab sogar am Ende aus ganz unerwarteter Richtung ein ganz tolles Kompliment bekommen. Hach!)

Pippi und Michel waren heute traurig. Michel war schon die ganze Zeit echt… nicht so nett zu Pippi und dann hat er auch noch einen Stock von ihr kaputt gemacht, mit Absicht, und das war der schönste Stock aller Zeiten und sie hat diesen Stock doch so lieb gehabt und so weiter und so fort. Großes Drama. Am Ende bin ich mit ihr noch mal zum Kindergarten gefahren, einen neuen Stock suchen. Denn da und nur da gibt es die *wirklich* schönen Stöcke. Aber der ist natürlich trotzdem nicht so schön wie der von Michel zerstörte und so weiter und Neustart selbes Drama.

Kurz vor und beim ins Bett bringen fand ich dann heraus, weshalb Michel schon die ganze Zeit so kotzig drauf war. Er hat erkannt – und die Erkenntnis war bitter – dass es nur sieben Harry Potter Bücher gibt und die Geschichte dann endet. Das kann die Welt eines Achtjährigen schon mal schwer erschüttern, und wenn man ein Achtjähriger ist, der sich problemlos alles Schlimme in den schillerndsten Farben ausmalen kann, während Alternativen eher als Schatten am Bildrand in Erscheinung treten, dann ist die Aussicht, danach vor einem buchmäßigen Vakuum zu stehen, zum Verzweifeln. Auch wenn das noch mehrere Jahre dauern wird, weil er sich (zweiter Verzweiflungspunkt) in den Kopf gesetzt hat, die illustrierte Ausgabe zu sammeln und keine nicht-illustrierte zu lesen. Mit den verfügbaren illustrierten Bänden sind wir jetzt durch* und nun muss der Illustrator erst mal weiter illustrieren. Drama. Riesiges Drama mit Schluchzen und Einschlafen ohne Vorlesen, weil eh nichts Harry Potter ersetzen kann, jemals.

Ach, armer Zwerg. Ach, arme Maus. Ich fühle das so mit, und gleichzeitig denke ich, man kann ja eh nichts dran ändern, Stock kaputt ist Stock kaputt und Buch zu Ende ist Buch zu Ende, aber vielleicht musste ich auch erst ne ganze Menge kaputter Stöcker betrauern und jahrelang auf Harry Potter Bücher warten und weinen, als der siebte Band ausgelesen war, um zu diesem Langmut** zu gelangen.

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* Cedric Digorrys Tod wurde mit sehr viel Unglauben und vielen Nachfragen, ob der jetzt wirklich tot sei, aufgenommen. Voldemorts wieder-Körper-Gewinnung wurde unter der Decke versteckt angehört. Aber bisher keine vermehrten Albträume, soweit ich das sagen kann***.

** ahahaha. Ich.

*** Michel schläft ja eh eher schlecht und kommt gerne nachts angetapst, wegen schlecht geträumt/was gehört/von Mücke angehustet worden.

Tag 2088 – 3/4 Moorleiche.

Also so ganz ohne was vorm Fenster schläft es sich nicht so gut. Die Sonne geht um ca. sechs Uhr auf und dann ist es halt hell. Wenn man das nicht gewohnt ist, ist man dann wach – oder döst noch eine Weile unter der Decke, mit der latenten Angst zu ersticken.

Jetzt ist allerdings an drei Wänden schon gestrichen, zwei mal, und getrocknet und die Rollos können wieder dran. Die Farbe gefällt mir schon mal sehr gut, auch an der Wand und auch im „ganzen“ Raum.

Morgen wird hinter dem Bett gestrichen und der Rest wieder dahin geräumt, wo es hin gehört. Wie es aussieht, werden wir dann wieder einen ganzen Eimer Farbe übrig haben. Ich weiß echt nicht, wie wir das immer schaffen.

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Zwei Schnecken sind aus der Trockenruhe erwacht. Der Rest hat sich noch nicht blicken lassen. Interessant finde ich, dass die größte (älteste) Schnecke als erstes wieder aus der Erde kam.

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Die Schweinchen streiten weiter und Muffin trägt sichtbare Spuren. Das arme Schwein, kann es sich nicht einfach geschlagen geben und der Terrorqueen die Herrschaft überlassen, um nicht gebissen zu werden? Tagsüber ist alles gut, aber abends geht das Gerenne und Gequieke los.

Können Meerschweinchen einschätzen, wie sehr sie zu Abszessen neigen? (Rhetorische Frage.)

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Pippi redet mit ihren Puppen, Bärchen und Einhörnern und denkt sich für die Geschichten aus. Was Herrn Rabe dazu veranlasste, zu fragen, ob das wohl normal sei. „Ich glaub das ist total normal. Dass Michel das nie gemacht hat, hingegen…“

Sie sind halt wirklich sehr unterschiedlich.

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Nach einem Bier bin ich beduselt und zum Umfallen müde. Ok, das liegt vielleicht auch am Streichen, das ist ja schon anstrengend. Noch eine Wand und dann sind wir vorerst fertig, dann KÖNNTE noch im Wohnzimmer und in der Küche gestrichen werden, aber letztere wird vermutlich eh in nicht allzu ferner Zukunft renoviert (lies: innerhalb weniger Jahre), ersteres streichen hab ich persönlich gar keine Lust zu, zur Zeit. Irgendwann muss ja auch mal gut sein.

Tag 2050 – Flink pike*.

* ein Ausdruck für fleißige und kluge Mädchen, die sich oft sehr stark unter Druck setzen, was die eigene Leistung angeht.

Wir hatten heute Entwicklungsgespräch im Kindergarten – das letzte, glaube ich. Nur noch ein paar Monate und die Kindergartenzeit liegt tatsächlich hinter uns, Hammer. Das Entwicklungsgespräch hätte zwar im Herbst schon sein sollen, aber wegen totaler Unterbesetzung im Kindergarten und weil wir uns um Pippis Entwicklung gar keine Sorgen machen, haben wir mehrmals gesagt, dass sie sich da bitte keinen Stress mit machen sollen, solange es von ihrer Seite aus nichts dringendes zu besprechen gibt.

Jedenfalls – da waren wir also, zum Gespräch um neun Uhr morgens. Pippi unten in der Gruppe abgeliefert und mit der Bezugs-Betreuerin für alle Vorschulkinder ins Büro gesetzt.

Kurz zusammengefasst: Pippi ist eine sehr clevere kleine Maus mit einem großen Herzen. Ihr Vorschul-Übungsbuch sieht aus, wie von Hermine Granger persönlich ausgefüllt. Die Bezugs-Betreuerin sagt auch, Pippi mache das alles immer sofort, verstehe die Aufgaben problemlos und mache alles ganz akkurat und richtig. Sie kann nicht nur ihren Namen schreiben, sondern auch den ihrer Kindergartenfreundin, meinen, Michels, und den der Betreuerin – nach Gehör. Ich soll meine Kinder nicht vergleichen. Die ausgemalten Bilder sind (nicht überraschend, sie schleppt ja täglich irgendwelche Kunst nach Hause) sehr akkurat ausgemalt. Pippi ist, so die Betreuerin, in allen Bereichen sehr weit, sprachlich, sozial, motorisch. Sie habe keine Ziele für Pippi, sie könne alles schon, was man bis zur Schule können sollte –

Außer.

Und das ist leider bitter, denn einem Kind habe ich die Weirdness vererbt, dem anderen die Verletzlichkeit. Wenn ein Kind absichtlich gemein zu Pippi ist, verletzt sie das sehr. Nun ist mein Ziel sicher nicht, meinem Kind das Weinen abzugewöhnen*, aber ich hoffe sehr, dass anderen Eltern auch am Herzen liegt, ihren Kindern zu vermitteln, dass es Mobbing ist, wenn man das Kind, das schnell weint, deshalb extra ärgert. Und dass Mobbing einfach gar nicht geht. Und dass die Grenzen zwischen Ärgern und Mobbing ganz fein sind.

Am liebsten würde ich mich jetzt wie eine Glucke auf das Kind setzen und es vor der bösen, feindseligen Welt beschützen. Das geht leider nicht, aber ich werd alles daran setzen, dass sie weder die Worte Streber noch Heulsuse mehr als ein Mal hört, weil dann nämlich Mama wie eine Furie auf der Matte stehen und sämtliche Register der Nervigkeit gegenüber der Schule ziehen wird. Ich denke, es könnte eine gute Idee sein, Elternsprecherin zu werden.

Nicht ganz die Mama. Nur zum Teil.

(Ich sorge mich auch um die Geschwisterdynamik. Es ist, das habe ich mir sagen lassen, nicht einfach mit einem Geschwister, dem alles zufliegt. Aber das ist eine andere Geschichte. Um die kümmern wir uns, wenn sie da ist. Aber wir haben ein wachsames Auge darauf.)

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*wenn man sich das Weinen abgewöhnt, zum Beispiel, weil man Heulsuse genannt wird und Kinder hinter einer herrennen und „Heul doch“ rufen, kriegt man einen sehr harten Panzer und lässt nur noch sehr wenige Leute überhaupt sehen, wie es dahinter aussieht. Das ist nicht so schön, weil man im Grunde die ganze Zeit misstrauisch gegenüber den Mitmenschen ist und sich hart gibt, obwohl man es nicht ist – das ist anstrengend und macht einsam. Und wenn man den Panzer mal ablegt, ist man noch viel verletzlicher. Wenn dann jemand zusticht, tut es doppelt und dreifach weh, davon wird man dann bitter obendrein.