Tag 793 – Mehr Schnipsel.

Heute früh mit Pippi beim Arzt gewesen, ein Follow-Up-Termin der „alle drei Wochen Fieber“-Geschichte. Folgendes geschah:

  • Geschrei schon beim Aufkleben des Pipibeutels, diese Dinger müssen echt unangenehm sein. Aber in einen Becher pullern hatte halt leider auch nicht geklappt.
  • Michel wollte unbedingt mit, einerseits sicher aus Neugierde, andererseits wollte er seine Schwester begleiten.
  • Vor der Arztpraxis: Pippi ruft begeistert „Trinken!“. Leute, vergesst Kinderspielzeug im Wartezimmer, stellt einen Wasserspender auf. Kinder happy.
  • In der Arztpraxis Urinbeutel weiterhin leer, Pippi weiterhin wegen des Beutels sauer.
  • Probennahme für CRP: Pippi ist echt das geduldigste Kind der Welt. Kein Mucks. Nur „Plaster?“ Und Michel gab ihr einen fetten Kuss und pustete den gepiekten Finger und ich war ganz gerührt.
  • Nach der Probennahme (mit Pflaster). Die Arzthelferin will uns rausscheuchen. Pippi marschiert schnurstracks zur Prämien-Schublade und sagt „Denne Ball.“. Ich war schon peinlich berührt (gierige Kinder…) aber Pippi ist so niedlich, die durfte dann sogar einen Flummi für die Arztpraxisflummisammlung UND ein Mammut („Elefant!“) haben. Und Michel einen Tiger. Seufz.
  • Die Ärztin bekam daraufhin von Pippi „En Elefant kom marsjeeeerende“ vorgesungen, Michel erzählte derweil, dass er morgen Geburtstag hat und dass er aber keinen Besuch bekommt und dass dafür an einem anderen Tag ein richtiges Fest ist und überhaupt sind die Kinder manchmal zum Fressen niedlich. Groß untersucht wurde nix, CRP unauffällig, Hämoglobin ein bisschen gestiegen seit dem letzten Termin (mein Plan, süß schmeckende Eisen-Kautabletten zu kaufen, damit Pippi die auch nimmt, ist voll aufgegangen) und eigentlich alles tutti. Pipiprobe: naja, nicht schlimm, sie ist ja grad eh gesund.

Dann in den Kindergarten gefahren. Michel direkt draußen abgeliefert, aber Pippi hatte 1. noch den Pipibeutel dran und 2. keinen Draußenanzug an. Also mit Pippi hoch gelaufen, wo noch alle (!) Babys waren. SIEBEN Einjährige. Plus Pippi und ihre Freundin, die schon zweieinhalb ist. Das Urinbeutelentfernen traf auf ungefähr so viel Gegenliebe wie das Kleben, aber wie ich das so abzog von der ja doch empfindlich dünnen Haut… Au. Ja. Arme Maus. Übrigens weiterhin leer. Ich glaube, die hat das echt hochgezogen, weil ihr der Beutel so unangenehm war. Wie dem auch sei, mit Pippi zu den Babys zurückgekehrt und Pippi angezogen, die zwei Betreuer*Innen die da waren waren ein bisschen überfordert. Und KEIN WUNDER. Was für ein wuseliger Haufen so Minis sind. Ich hatte ja nur Pippi, die ja auch schon viel selbst kann, aber in einer Tour zogen sich Zwerge an mir hoch, plumpsten wieder um, sabberten mich an, krabbelten und tapsten herum, stießen zusammen, wankten auf das seit einer Nanosekunde offene Treppengitter zu… ich würde, ganz ehrlich, irre werden, müsste ich das täglich mehrere Stunden am Kopf haben. Ich kam mir vor wie in einem dieser Filmchen, wo ein Tierpfleger versucht, einen Pandakäfig auszumisten, während zwei bis vier Pandas herumwuseln und Quatsch machen. Der eine Betreuer meinte auch nur, während er lauter Schuhe in Größen 19-22 an zappelige Füßchen zog, dass es schon ganz gut sei, dass er nur selten für die Kleinsten zuständig sei. Pippi nahm das Gewusel übrigens recht gelassen hin, bis eins der Babys ihre Wasserflasche mopste und direkt anfing, am (geschlossenen) Deckel zu nuckeln. Da schimpfte sie und rupfte dem Baby die Wasserflasche unter „Nei! Min!“-Gekreische aus den Händen. Und ich war froh, als ich endlich zur Arbeit fahren konnte.

Ex-Chef* angerufen. Wir waren dafür ja verabredet. Deshalb war ich auch ein bisschen irritiert, als er nicht dranging. Wiederholt. Aber tjanun, ich schrieb ihm also eine Nachricht, dass niemand ranginge und setzte mich an die Cleanbench. Eine halbe Stunde später rief er zurück. Er geht nicht an ausländische Nummern (jaja, weiß ich sogar, war schon immer so, bzw. manchmal ging er ran und sagte dann so Sachen wie „No, sorry, we are not interesting in sis conference.“, aber Herrgott, Norwegen ist ja nicht Indien…) An der rauschenden Cleanbench telefoniert es sich aber auch nur schlecht, also machte ich meinen Kram erst fertig und rief ihn dann auf dem Weg zum Kaffee holen zurück. Es folgte ein sehr nettes Gespräch, wirklich wie früher und ach, ach, ach, wieso bin ich da weg gegangen? Ich brachte mein Anliegen vor („Ich hab mich auf was beworben, wo ich viel Validieren und Qualifizieren müsste und jetzt, wonach das Vorstellungsgespräch bald hab, ist mir leider aufgefallen, dass ich das alles total vergessen hab!“) und er sagte die richtigen Worte („Richtigkeit, Robustheit, LoD, LoQ…“) um meine verschollenen Erinnerungen zu reaktivieren und nannte noch die EMA-Richtlinie dazu, genau, dachte ich, die war das. Lang ist’s her. Dann noch ein bisschen Klatsch und Tratsch und allgemeines Palaver über welche Projekte grade so laufen (zum Teil die Selben wie vor 4 Jahren, ich könnte vermutlich morgen wieder… aber lassen wir das) und „Wieso sitzt du denn noch an der Cleanbench, ich dachte du schreibst zusammen?“ und dann musste ich ihn auch mal wieder arbeiten lassen. Hachseufz. Das hatte schon Gründe, weshalb ich damals, als ich mich da verabschiedet habe, Rotz und Wasser geheult habe. Vor allen. Und es war mir auch nur ein ganz klein bisschen peinlich und im Nachhinein gar nicht mehr.

Ziemlich genau jetzt vor fünf Jahren ging ich ins Bett. Und in ca. 30 Minuten vor fünf Jahren platzte dort auch die Fruchtblase und das war nicht nur viel wegen hohem Stand, sondern auch noch dunkelgrün wegen Mekonium und keine Unterlage der Welt (auf denen ich ja schon seit Wochen schlief) hätte das aufsaugen können. Weshalb Herr Rabe auch schon am 1. Tag einen Abstecher nach Hause machte, um Laken, Matratzenschoner und meinen Thron aus Handtüchern, auf dem ich die Ankunft der Sanitäter erwartete, zu waschen. Dafür bin ich Herrn Rabe immernoch sehr dankbar.

Tag 765 – #12von12 im September ’17.

Und schon ist wieder der 12. und wie immer sammelt Caro bei Draußen nur Kännchen alle unsere 12von12 Sammlungen. 

Hier heute mit Kind (eigentlich nicht mehr) krank zu Hause und großen Schritten für kleine Leute. 

Der Tag ging los mit Fieber messen. Eigentlich hätte sie in den Kindergarten gehen können, aber sie sagte, sie will nicht (sie sagt grade zu allein erstmal nein, das ist also keine wirkliche Entscheidungshilfe) und ich fühlte mich nach der Nachtarbeit gestern auch völlig zerschlagen und so blieb Pippi also heute zu Hause. 

Nichts halbes und nichts Ganzes, aber nach der Odyssee gestern bin ich auch noch so im Eimer, dass K2 heute zu Hause bleibt. #1von12 von #12von12

Morgens so. #2von12 von #12von12


Dann kam, was sich Michel gestern gewünscht hatte: Sich selbst zum Kindergarten bringen. Alleine. Ich hab da mehrmals ordentlich geschluckt und drauf bestanden, dass ich noch bis zu der Ecke hier mitgehe, das ist nämlich, wenn er diesen Weg nimmt, die einzige Straße, die er überqueren muss. Ich gestehe, über Versicherung und Fahrrad und so Zeug habe ich mir die allerwenigsten Gedanken gemacht. Ich hab nur die KiTa angerufen, dass Pippi nicht kommt und sie mich bitte anrufen sollen, wenn er angekommen ist. Haben sie auch gemacht. 

Michel war übrigens genauso aufgeregt wie ich und musste mir noch dreimal von der anderen Straßenseite aus Dinge zurufen. Aber es stimmt schon: wenn man Kinder hat, läuft auf ewig ein Stück vom eigenen Herzen draußen herum. Und irgendwann muss man dem Herzen einen Helm aufsetzen und lächeln und winken und Vertrauen haben. Puh. 

Wieviel Helikoptermama in einem steckt, merkt man, wenn das Kind plötzlich sagt: „Ich will alleine zum Kindergarten fahren.“ #3von12 von #12von12 #Schluck #VergissesichwerddichauchnochzurUnibringen #siewerdensoschnellgroß #winkewinke #istschonangekommen #ichsteheauchgarnichtimmernochanderStraße #erstemale


Dann gab es für Pippi ein zweites und für mich das erste Frühstück. 

K2 hat ihre Essgewohnheiten 1:1 von K1 übernommen. Auf Grøt muss „Käuasall“ (Kräutersalz, aber sie meinen damit Zimtzucker #mussmanwissen) und dazu gibt’s „Abfall satt mit Bu-assa“ (Apfelsaft mit Blubberwasser). #4von12 von #12von12


Ich habe dann Wäsche angestellt, Pippi war mit im Bad und… naja. 

K2 hat Creme gefunden und sich eingecremt. Sie wollte lieber sauber gemacht als fotografiert werden, aber meine Jacke trägt noch die Spuren. #5von12 von #12von12


Es folgte ein sehr langer Mittagsschlaf. War wohl nötig, sowohl bei Pippi als auch bei mir. Die Jacke sollte in die Wäsche und deshalb räumte ich die Taschen aus und fand… mounting medium. Sowas kommt von Nachtarbeit. 

Was man so in seinen Taschen findet. Hupsi. #6von12 von #12von12


Gerade als wir aufbrechen wollten, Michel abzuholen, bekam ich eine SMS von der Mutter von Michels Kumpel, ob er mit zu denen dürfte. Klar durfte er. Pippi und ich beschlossen, einzukaufen und gingen auf dem Weg noch auf den Spielplatz um Pippi ordentlich zu lüften. 

Diese Haare 😍#7von12 von #12von12

Wieder zu Hause angekommen hörte ich einen Podcast, räumte in der Küche herum, hängte Wäsche auf und Pippi dürfte etwas Peppa Wutz gucken. Sie grunzt jetzt manchmal ganz bezaubernd. Dann aß ich Nudeln mit und Pippi Nudeln ohne Sauce (die Herr Rabe gestern gemacht hat). Die Blubberwasserpatrone ist leer und im „Keller“ haben wir auch keine volle mehr, sondern nur eine weitere leere. Da muss wohl mal wer (ich) zu Jula fahren. 

Obligatorisches Essensbild. An Wasser ohne Blubber. #8von12 von #12von12


Nach dem Essen holte ich Michel von seinem Freund ab und dann machten wir gemeinsam den Briefkasten auf – das ist gerade immer sehr aufregend und toll für ihn. 

Das Kind und seine Korrespondenz. ❤ #9von12 von #12von12


Ich zog mein Ass aus dem Ärmel: um ein bisschen zu feiern, dass er das heute früh wirklich super gemacht hat (und ich auch), habe ich uns „richtiges“ Eis gekauft. Pippi aß derweil ein kleines Milcheis und war danach überaus empört, als es kein zweites gab. 

Wir stoßen auf den Entwicklungsschritt an. #10von12 von #12von12


Ich ließ mich von den Rübennasen breitschlagen, dass sie in meinem Bett schlafen dürfen. Nach Zähneputzen und Schlafi anziehen las ich ihnen da „Folk og røvere i Kardemommeby“, einen norwegischen Kinderbuchklassikef, vor, wir machten das Licht aus und nach nur einer halben Stunde „Bjørnen sover“-Gesinge von Pippi schlief auch sie ein. 

Ich rappelte mich nochmal auf, räumte auf und machte die Brotdosen für morgen fertig (auch für mich, nicht im Bild: mehr Nudeln mit Sauce, Herr Rabe hat für ne ganze Kompanie gekocht).

Mittwoch ist Matboks-Tag. #11von12 von #12von12


Und jetzt ist auch für mich Bettzeit. Mit Banane für Pippi und Wasser für mich. 

Mit Banane ins Bett. Gute Nacht! #12von12 von #12von12


Blabla

Tag 756 – Uffjerecht. 

Eigentlich sollte hier ein langer Post stehen, aber der muss halb fertig noch ein bisschen garen, es ist ja schon wieder so spät. Aber ich hab mich heute schon wieder so aufgeregt, das muss irgendwo hin. 

Auch aufgeregt hat sich offenbar halb Deutschland beim Schauen des TV-Duells, war wohl müde wie der ganze Wahlkampf. Kurz entschlossen: ich mache jetzt noch Wahl-O-Mat, deinwal.de hab ich schon durch und dann wähle ich und dann gehe ich schlafen. Aufregend. 

Hier noch zwei Bilder von gestern. Zum Abregen. 

Im Kinderwagen sitzen…

Michels Baby (rechts) und Pippis Baby (links). Beide wurden auch schon gewickelt und gefüttert. Und Pippi hat ihnen gezeigt, wie man sich festhält, sie halten sich nur nicht dran.

Tag 713 – Zwei Jahre. 

Meine liebe kleine Pippimaus,

Jetzt bist du schon zwei Jahre alt. Ich kann es noch gar nicht richtig glauben. Eigentlich warst du gestern noch ein neugeborenes Minibaby, und vor fünf Minuten hab ich dich noch gestillt. Jetzt bist du so groß! Und so klein. Und so groß! (Wenn man sagt „bist du groß?“ reißt du übrigens die Hände nach oben und schreist „Jaaaaa!“, das ist sehr niedlich.)

Eine typische Unterhaltung mit dir ist ungefähr so:

„Pippi? Hörst du bitte auf, Sand zu essen?“ – „Nein.“

„Hörst du jetzt auf, Sand zu essen?“ – „Nein!“

„Hör jetzt auf, Sand zu essen!“ – „NEIN!!! *streckt Zunge raus und prustet – wie ein Minion*“

Du weißt was du willst. Immer. Du willst Sand essen und keine Eltern der Welt werden dich davon abhalten. Du willst keine Windel anziehen, oder das T-Shirt nicht, dafür den Schlafanzug. Die Schuhe müssen so rum. Du willst aufs Klo, drei mal in fünf Minuten. Auf der Nudel ist zu viel Ketchup. Wie, nur drei Mausclips? Nicht mit Pippi!

Meistens bin ich wegen deinem kleinen, hübschen Dickkopf sehr sehr stolz auf dich. Manchmal macht es mich auch ein kleines bisschen wahnsinnig, zum Beispiel wenn du, wie heute, nicht einschlafen willst. Aber dann, irgendwann, liegst du zusammengerollt im neben dem Bett und schläfst und seufzt manchmal „Hand, Mama“ und dann ist auch schon wieder fast alles vergessen. Und dann sehe ich da nur dich, und ich denke, es passt schon. Du willst viel mehr selbst bestimmen und kannst auch viel mehr selbst bestimmen, als ich das von deinem Bruder gewohnt bin. 

Überhaupt, dein Bruder. Dein größter Held. Du willst, was er hat, isst, tut. Manchmal macht ihr Quatsch zusammen. Dann platzt mein Herz. Er hat dich sehr lieb, das zeigt und sagt er auch ganz offen. Trotzdem gehst du ihm natürlich ganz oft ganz schön auf den Zeiger, wenn du ihm wieder irgendwas wegnimmst oder seine Zugbahn kaputt machst. Dabei willst du doch auch nur damit spielen. Dann ist das Geschrei auf beiden Seiten groß. Im Gegensatz zu dir würde er dich aber nicht hauen 😉

Wenn du mit anderen Kindern zusammen bist, bist du ein kleiner Clown. Der vermutlich niedlichste Clown aller Zeiten. Die „großen“ Kinder im Kindergarten sind dir allesamt verfallen, was mich unglaublich erleichtert, weil ich nach der grauenvollen Eingewöhnung vor knapp einem Jahr wirklich Angst hatte, dass niemand ein Kind mag, das den ganzen Tag motzt und brüllt und an der Erzieherin klebt. Aber nein, seit du da wirklich angekommen bist, nennen sie dich „Søtnos“ und wollen dich auf ihre viertenfünftensechsten Geburtstage einladen. M. möchte eine kleine Schwester, die ist wie du, also genau so. Eine Kopie. Du magst auch die größeren Kinder und jedes mal, wenn es an der Tür klingelt, rufst du freudestrahlend den Namen von Michels bestem Kumpel.

Du liebst es zu singen und zu tanzen und ich glaube in deinem kleinen Kopf geht viel mehr vor, als du verbal ausdrücken kannst.   Ich freue mich wirklich darauf, wenn du mehr sprechen kannst, dein Sturkopf und deine Niedlichkeit verheißen wunderbare Kleinkind-Diskussionen. Und später, ganz sicher, auch noch Großkind-Diskussionen.

Bei allem Wunsch des größer-Werdens möchte ich doch vor allem eins: dass du dir dein Wesen bewahrst. Meine große, kleine, willensstarke, schlaue, quatschige Rübennase. 

Ich hab dich lieb.

Deine Mama

Nur echt mit Rotznase und Erdbeerflecken. ❤

Tag 601 – Hachseufz. 

Es ist ja so: egal wie blöd der Tag war, egal wie unproduktiv ich bei der Arbeit rumgehangen habe, egal wie absurd manche Internetdiskussion sich entwickelt, egal wie zickig Vierjährige und wie dickköpfig Einjährige sein können, am Ende zählen kleine warme Körper in meinem Arm, wuschelige Haare, die meine Nase kitzeln, ein geflüstertes „Mama, du sollst mich immer ins Bett bringen, weil du bist am coooooolsten!“ und vor allem die völlig entspannten Schlafgesichter, das leise Seufzen und Schnaufen und all das Vertrauen, das da mitschwingt. Da werd ich dann auch mal ganz sentimental. 

Tag 550 – Freitag Abend. 

Nicht, dass Sie denken, wir hätten die Kinder verkauft oder so. Die erfreuen sich bester Gesundheit (haha, also, was man so Gesundheit nennt, im Februar bei Kindergartenkindern). 

Mit Michel haben wir weiterhin Diskussionen um den allgemeinen Umgangston, dass zum Beispiel „Mehr Fleisch!“ keine angenehme Art ist, die Eltern um ein weiteres Stück Hühnchen* zu bitten. Außerdem singt Michel munter das Dinozug-Lied und nervt uns alle ordentlich mit Dinos. Ist aber auch sehr niedlich dabei, das muss man ihm lassen und er lernt auch viel. Und wir dadurch auch. Ist schon ok. 

Pippi ist mal wieder in einer Ich-fresse-meinen-Eltern-die-Haare-vom-Kopf-Phase. Bald wächst sie sicher zehn Zentimeter oder sie kann demnächst Teller auf ihrer Nase balancieren oder so. Irgendwas ist jedenfalls im Gange, die dreihunderttausend Kilokalorien am Tag müssen ja für was gut sein. 

Alles in allem geht es mir langsam auch wieder so gut, dass ich nicht mehr sofort schreiend davon laufen will, wenn mal beide gleichzeitig was von mir wollen. 

Und das Beste: beide schlafen jetzt. 

*Hat er sich gewünscht, ich bin also pflichtschuldig losgelaufen und habe Antibiotika-freies Huhn aus Haltung mit viel Platz besorgt. Und er hat es tatsächlich gegessen und fand es lecker! Hurra!

Tag 524 – Die lieben Kinder. 

Geschwister, unverkennbar.


Ach ja. Die Kinderchen. So niedlich. Manchmal. 

Manchmal nicht. 

Heute ist das letztere manchmal. 

Michel redet unfassbar viel und vor allem laut. Also so laut, dass wir bei der nächsten HNO-Kontrolle mal nachfragen werden, ob er wirklich wirklich WIRKLICH normal gut hört. Gefühlt sagen wir tausendmal am Tag „Du brauchst nicht so schreien!“, „Nicht so laut, bitte!“ oder, pädagogisch wertvoll wie eh und je, „BRÜLL HIER NICHT SO RUM!“. Zur Lautstärke kommt eine enervierende Redundanz des Gesagten. Es ist eigentlich immer irgendeine Forderung, die er jetzt sofort erfüllt haben will. „KANN ICH GRÜNEN APFELSAFT MIT BLUBBERWASSER? KANN MIR JEMAND GRÜNEN APFELSAFT MIT BLUBBERWASSER REINSCHINKEN? PAAAPAAAA? ICH WILL GRÜNEN APFELSAFT MIT BLUBBERWASSER!!!“ [Grün, weil die Packung grün ist. Die vom naturtrüben ist gelb.] Und wenn man dann auf das angebrüllt werden nicht sofort reagiert oder – undenkbar – man wagt es sowas zu sagen wie „Grade ist schlecht, schau mal ich wickel grad Pippi, putze mir dabei die Zähne und mit den Füßen falte ich Wäsche. Hol dir doch schon mal den Saft aus dem Kühlschrank, ich komme dann gleich.“ Dann kommt „ICH WILL NICHT HELE TIDA [die ganze Zeit] WARTEN!!! ORRRRRAAAAAAAAA!!!!!!“ und Meltdown. Entzückend. 

Heute hatten wir außerdem eine Gegessen-wird-was-auf-den-Tisch-kommt-Diskussion, bei der ich mich zeitweise fühlte wir meine eigene Oma. Aber wenn selbst Herrn Rabe, der ja sonst die Ruhe selbst ist, der Kragen platzt, weil sich Michel seit Wochen weigert, was anderes als Nudeln mit Ketchup oder Nudeln mit Kräutersalz zu essen, dann ist es eben Zeit für die Auseinandersetzung. Wir haben jetzt einen Kompromiss: wir tun nicht mehr so obereklige Dinge wie Zwiebeln und Petersilie (die hat er vorher noch roh weggeknabbert, aber Schwamm drüber) ins Essen, dafür probiert er wenigstens. Es ist dringend an der Zeit, dass sich an Michels Essgewohnheiten was ändert, schon alleine weil sich Pippi den Mist abguckt und noch viel früher in die Ich-esse-nur-nackte-Nudeln-Phase startet. Obwohl sie eigentlich noch vieles mag. 

Ja, ach ja, Pippi. Die Nervensäge. Ich vermute mal es ist wieder irgendsoein Schub, jedenfalls habe ich nicht nur nachts wieder ein Kind auf dem Gesicht liegen, nein, tagsüber habe ich immer ein nörgelndes, oder weinendes, oder hysterisch schreiendes Kind am Bein. Sie versucht dann an mir hochzuklettern, sobald ich versuche, mich zu bewegen lässt sie sich theatralisch auf den Boden plumpsen und weint, als hätte ich ihr gerade Den Einen Ring weggenommen und ins Feuer geschmissen. (Manchmal schaffe ich es, sie von mir loszueisen, dann klebt sie halt an Herrn Rabe. Hauptsache sie klebt.) Dazu natürlich alterstypische Dickköpfigkeit, bei einem eh schon willensstarken Kind ist das, ähhh, herausfordernd. Und absolutes Unverständnis für Dinge wie „Guck mal, die ganz scharfen Küchenmesser, die sind echt nur für Große, wir hängen das jetzt hier wieder hin.“. Meltdown. Auch das: entzückend. Ganz und gar reizend. 

Hach ja. Und dann liegen die nachts in meinem Bett, und schnarchen mir ins Ohr und schieben ihre Füße zwischen meine Beine und das ist alles vergessen. Dann ist da nur Hachseufz. (Bis zum nächsten Morgen, wenn es wieder heißt „ICH WILL GRÜNEN APFELSAFT…“) 

❤