Tag 1901 – Dumm og deilig.

Ein recht harmonischer Sonntag, also so harmonisch, wie es mit dem momentan nicht ganz im Gleichgewicht befindlichen Michel sein kann. Wir prödelten erst zu Hause rum, jetzt haben wir die Bücher fertig sortiert und können zu Schritt 1,5: Regale verkaufen und dann Schritt 2: Arbeitszimmer ausräumen und auch da gründlich ausmisten übergehen.

Danach gingen wir ins Kino. In unserem Kaff (gelobt sei das Kaff!) sind die Infektionszahlen nach wie vor niedrig, wir haben nur 4 neue Fälle seit Ende Juni. Während 60 km weiter südlich, in Oslo, die Post dermaßen abgeht, dass der Gesundheitsminister offen droht, die kommunalen Entscheidungen zu übergehen, wenn die Kommune nicht Zack Zack was macht. Was auch immer „was machen“ sein soll. Aber egal, wir waren in unserem Kaff-Kino, in dem an drei Tagen die Woche je ein Film gezeigt wird (oder so). Mit Abstand und Popcorn und der ganzen Familie. Im Knudsen&Ludvigsen-Film, das sagt Ihnen jetzt allen nichts, aber das sind berühmte Kindermusiker aus Trondheim, die sehr lustige Musik gemacht haben. Leider ist einer aus dem Duo schon vor ein paar Jahren verstorben. Aber die Musik kennen die meisten Norweger*Innen und die ist auch wirklich lustig. Unsere Kinder finden die auch gut und Michel hatte den Kinobesuch vorgeschlagen. Aus o.g. Gründen sind wir zur Zeit gewillt, Michel jeden nicht komplett abwegigen, finanziell machbaren Wunsch zu erfüllen, vor allem, wenn es was ist, was ihn mal wieder ein bisschen „klein“ sein lässt. Ich glaube nämlich, dass Michels Hirn sich grad mal wieder neu verdrahtet und dass die Phase zwischen klein und groß wie jedes Mal ziemlich herausfordernd ist, vor allem für ihn.

(Irgendwann schreibe ich einen ganz tollen Erziehungsratgeber mit dem Titel „Es ist bestimmt nur eine Phase“. Da wälze ich dann auf 240 Seiten, das scheint mir eine gute Größenordnung für einen Ratgeber, aus, dass es vermutlich nur eine Phase ist, man atmen und durchhalten soll, lieber ins Kissen als das Kind anschreien und wenn man Sorgen hat, zum Arzt gehen. Da werde ich dann reich mit.)

Aber zurück zum Film: der war herrlich drüber, bunt und schrill und mit einem Humor, über den Kinder (hihi, Pups) wie auch Erwachsene (hihi, Drogenrausch) lachen können. Dass zwischendurch gesungen wird, ist ja irgendwie klar und ist auch etwas aufdringlich, aber da hätte ich für die Erwachsenen als Tipp, auf die Texte zu achten. So ein herrlicher Blödsinn! Und ganz viel Trøndersk, das erfreut mein da geschultes Dialektohr. Ich mag ja Trøndersk, im Gegensatz zu vielen Norweger*Innen, die das schrecklich finden. Aber hach. Hach, hach.

Es war jedenfalls ein sehr gelungener Ausflug, ich habe jetzt, zum drölfzigsten mal, für eine Woche einen „Juba Juba“-Ohrwurm. Vor allem Pippi machte vor allem den Rückweg super gut mit, wir gingen nämlich zu Fuß, und quatschte mir ein kleines Schnitzel an den Rücken. Das war schon auch sehr schön, mal mit ihr eine Dreiviertel Stunde spazieren zu gehen.

Apropos Pippi: abends fand ich Pippis „Baby“, das tagsüber gebadet wurde, im Badezimmerschrank, ordentlich zugedeckt und mit Kuscheltier. Manchmal könnte ich die kleine Maus einfach abknutschen, auch wenn sie da schon längst schlief.

Tag 1839 – Tagwerk.

Ich habe gedugnad-et. Es ist ja das immer wiederkehrende norwegische Lied, dass wir zu irgendwelchen Gemeinschaftsaktionen antanzen dürfen und heute war es im Kindergarten wieder so weit. Da finde ich das ok, weil wir was direkt für den Kindergarten tun, das dringend nötig ist, man wirklich gut selbst kann und sonst eben irgendwer bezahlen müsste. Weil ich keinen Spaten dabei hatte (aber dafür zwei Kinder) kam der ursprüngliche Plan „Sand im Sandkasten wenden und gegebenenfalls auffüllen“ nicht zur Anwendung. Stattdessen habe ich zwei Stunden lang auf den Knien in dieser Spielhütte herumrobbend den Boden mit einem Buttermesser und einer Wurzelbürste von Dreck und zwischen den Bohlen festgetrampelten Kieststeinchen befreit, damit er morgen gestrichen werden kann:

Danach noch zwei mal mit Grønnsåpe drüber und gründlich ausgespült.

Das war ziemlich anstrengend. Aufgelockert immer wieder durch meine liebreizenden Kinder.

KiTa-Leiterin: wer ist das denn [Kind mit Kopfhörern auf Wiese vor Kindergarten] da?

Ich: Ach, das ist Michel, der große Bruder von Pippi, der spielt Pokémon Go.

KiTa-Leiterin: ist er ganz alleine unterwegs?

Ich: Ja.

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Pippi: Mama? Kann ich Farbe auf meine Jacke kriegen?

Ich: Pass bitte ein bisschen auf, dass nicht soooo viel Farbe auf die Jacke kommt.

Pippi: Ok! (Kam mit fleckenfreier Jacke zurück.)

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Michel, mit leerem Handyakku: packt sein Kornett aus und marschiert glücklich tutend über den Kindergartenhof

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Überhaupt hatten wir schon einen Loriotesken Kornett-Zwischenfall, als die Innenarchitektin und der Handwerker da waren um den Einbau des Dachfensters (aus Gründen wird es doch nur eines, schade) zu besprechen. Michel meinte nämlich mittendrin, er müsse jetzt üben, packte sein Kornett aus und marschierte damit über den Flur. Prööt Prööt Prööt während vier Erwachsene versuchten, sich einig zu werden über Fenster und Tür und sichtlich bemüht, sich nicht allzu offensichtlich totzulachen über diesen kleinen niedlichen Knirps der wichtig mit seiner Tute herummarschiert und klugscheißert „Das ist keine Klarinette!“

Tag 1823 – 5 Jahre.

Pippis Geburtstag und der Bloggeburtstag fallen ja aus Gründen immer nahezu zusammen, das ist sehr praktisch, den Bloggeburtstag würde ich nämlich sonst vergessen. Heia, 5 Jahre Rabensalat, auf die nächsten 5, Zwinkermiley.

Fünf Jahre Pippi ist ein sehr viel einschneidenderes Ding. Fünf Jahre mit zwei Kindern, fünf Jahre zu viert, fünf Jahre mit der kleinen Rübennasenmaus. Das Kind, das immer schon seinen eigenen Kopf hatte, den bis heute hat und hoffentlich für immer behält. Eigenwillig, durchsetzungsstark, stur (naaaawww wie der Papa). Für uns Eltern ist das nach wie vor nicht immer ausschließlich schön, aber trotzdem darf und soll Pippi bitte einfach immer genau so bleiben. Mit Ecken und Kanten. Vielleicht wird sie mal Chefin von irgendwas großem. Vielleicht auch Politikerin. Oder ein gefeierter Bühnenstar, Talent ist da, Spaß daran sich zu präsentieren auch. Wie ich sie aber kenne, macht sie irgendwann einfach genau was sie will, egal ob wir oder sonst irgendwer das gut finden.

Das ist alles schon sehr ok so. Ich hab diese Maus furchtbar lieb. Abends das Einschlafen läuft oft so: Pippi verkündet, dass sie müde ist und macht es sich auf irgendeinem Schoß, dem Sofa oder den Gartenstühlen gemütlich. Man hat dann etwa zwei Minuten, sie noch mal hoch zu bekommen um ihr einen Schlafanzug anzuziehen und die Zähne zu putzen, ansonsten schläft sie ein, wo sie grade ist. Sie ist ja müde und will schlafen, hat sie ja gesagt. Wenn wir sie normal ins Bett bringen, liest einer von uns vor und bleibt oft neben ihr sitzen, bis sie schläft, das sind bei ihr meistens nur fünf Minuten. Bevor ich mich rausschleiche, bugsiere ich sie meistens noch mal etwas mittiger aufs Bett, damit sie nicht rausfällt. Dabei schnarcht sie meistens noch mal auf, richtig laut, sehr prinzessinnenhaft. Pippi kann auch unglaublich laut rülpsen. In rosa Gewändern mit Glitzerkrönchen *RÜÜÜÜÜÜLPS*: es ist so niedlich, dass wir oft nur gekünstelt streng gucken können, aber innerlich lachen. Überhaupt ist Pippi gleichzeitig, wie ich immer gehofft hatte, dass meine feministisch erzogene Tochter ja wohl bitte nicht wird – nämlich komplett auf rosa Glitzereinhornfeenkram eingeschossen, Prinzessin hier, Mama spielen da, immer schick sein, immer schminken, Bikini muss sein und fast immer ein Kleid – und dann zieht sie aber unter dem Kleid eine Jogginghose an und schmeißt sich mit der kompletten Prinzessinnen-Montur in den Dreck und ich glaube auch nicht, dass sie sich im Kindergarten viel von irgendwem gefallen lässt. Im Zweifel rülpst sie sie halt alle in Grund und Boden.

Ausnehmend klug und überaus hübsch und all das ist Pippi natürlich auch, aber das würde jetzt unglaubwürdig, würde ich das auch noch ausführen.

Pippi halt. Einzigartig. Schon fünf. Erst fünf. Endlich fünf.

<345!

Tag 1811 – Kann. Augen. Nicht. Offen. Halten.

In diesen Minuten bin ich 20 Stunden wach und mein Akku ist leer. Ich liege zwischen den schnurchelnden Kindern, habe ein ganzes Kapitel Harry Potter vorgelesen (auf Norwegisch! Es ist schlimm, die meisten Namen sind übersetzt, wer macht denn sowas???) Das ist alles sehr schön (bis auf das mit Humlesnurr) und mir wird ganz warm und die Augen ganz ganz schwer.

Tag 1804 – Schplorz.

Wir haben heute zum ersten Mal seit März die Babysitterfamilie getroffen, das war so super schön. Wir haben die alle so gern, nur leider ist S. so schlimm chronisch Lungenkrank, dass sie an Covid19 vermutlich sehr schwer erkranken und möglicherweise sterben würde, weshalb sie im Prinzip seit März völlig isoliert leben. Uff, uff, uff. Aber die großen und die kleinen Kinder hatten Spaß miteinander und wir Erwachsenen saßen mit Abstand im Garten und unterhielten uns und das war wirklich toll.

Da habe ich nahezu drüber vergessen, dass ich vorher mit Muffin beim Tierarzt gewesen war, wo sein kurz zuvor von selbst geplatzter Abszess geleert und gespült wurde (think pink: immerhin keine OP mehr nötig!), was… unschön war. Ich gehe mal nicht weiter ins Detail.

Morgen darf er dann die Mädels kennen lernen, und die ihn, das wird bestimmt sehr spannend für alle. Und dann wird ja auch Pippi schon 5! Die große Zwergmaus. Hach. Genau genommen fühlt es sich für mich grad gar nicht wie „schon fünf“ an, sondern wie „endlich offiziell fünf“, weil sie so weit für ihr Alter ist, dass ich gerne mal vergesse, dass sie erst vier ist.

(Mal gucken, wann sie morgen vorm Bett steht und feiern will. Es erscheint mir schon wieder unklug, dass ich noch wach bin.)

Tag 1783 – Corontäne Tag 9 v2.

Bald habe ich es geschafft! Morgen noch und dann ist es rum. Habe zur Feier der Tage in der Freiheit einen Friseurinnentermin für Donnerstag und einen Tierärztinnentermin für Freitag ausgemacht. Muffin hat Gnubbel, 1 am Rücken, 1 an der OP-Stelle *hüstel* und da muss jemand vom Fach draufgucken. Seufz. Sorgenschwein.

Wir haben heute in der Küche getanzt. Michel wünschte sich nämlich „Utz- ahma ahma“. Man muss dazu vielleicht sagen, dass Michel nicht sonderlich Melodiesicher singt, aber ich kam trotzdem drauf. „No roots“ von Alice Murton. Merton? Egal. Und dann tanzten wir in der Küche. Pippi mag „den Sprengmeister“ als Tanzmove, es ist herrlich. Michel möchte jetzt das Lied auf „seiner“ Playlist auf 1 haben, weil er das so mag und seinem Kumpel zeigen will. Pippi mag nach wie vor „Dance Monkey“ von Tones and I. Insgesamt könnten die Kinder einen schlechteren Musikgeschmack haben.

Apropos. Pippi ist ja jetzt fast schon ein Vorschulkind (wo ist die Zeit hin???) und präsentierte heute ihre Englisch-skills:

  • „Uon, tuo, thuie, fou, feiv, säven, även, gribtchi, patchi, gou!“
  • „Uon, tuo, thuie, fou, feiv, sexti, plexti, uing, ching, noin, hongchi!“

Manchmal ist die so süß, ich könnte sie fressen.

Michel hat heute beim Kochen geholfen. Aus Langeweile zwar, aber doch sehr gut. Er hat sich auch getraut, die Eier ganz aufzuschlagen, nicht nur anzuknacksen und dann mir zu geben. Langsam wird’s was mit den Kindern und mir in der Küche (das war bisher eine so explosive Mischung, dass wir das lieber gelassen haben). Was tut man nicht alles, damit die Kinder nicht nur vor Bildschirmen hängen.

Die Müll- und Unkrautschweinchen sind sehr nützlich. Und riechen gut, da sie gegen die alljährliche Korianderflut mit ankämpfen dürfen müssen.

Ansonsten war heute direkt mal ein Tag, wie ich ihn gestern vorausgesagt hatte: antriebsschwach. Ich hab aber auch bescheiden geschlafen und Schlaf ist mein Benzin, insofern bin ich nicht wirklich verwundert. Wäsche gewaschen habe ich trotzdem, natürlich. Ich hab auch brav Sport gemacht, werde aber jetzt vermutlich nie wieder irgendwas hochheben können. Meine zweite 2kg-Hantel ist noch nicht wieder aufgetaucht. Ich hoffe, ich kann heute besser einschlafen und mit besser meine ich „in unter 2 Stunden und ohne Umzug aufs Sofa“.

Tag 1782 – Corontäne Tag 8 v2.

1. Urlaubstag und Herr Rabe meint schon, das bekäme mir nicht. Pffft. Bloß weil ich mal ein bisschen albern bin.

Es war ein sehr erfolgreicher* 1. Urlaubstag. Ich habe Sport gemacht** und ansonsten ein paar schlechte-Gewissen-Projekte etwas vorangetrieben. In der Mittagspause mit Herrn Rabe habe ich spontan das Full-Self-Driving-Paket für Carona gekauft, hui, das geht schwuppdiwupp, die App kennt meine Kreditkarte, Zack, Geld weg. Nicht mal CVV oder Bank-ID eingeben, nix. Aber da wir Panik hatten, dass Tesla übermorgen die Preise erhöht, lieber heute.

Sehr viel Wäsche gewaschen und vor allem verräumt habe ich auch. Die Kinder hatten (bei Michel ganz im Ernst) nichts mehr im Schrank, weil wir seit gefühlt Wochen immer irgendwas aus den Körben mit der gewaschenen, nicht verräumten Wäsche ziehen, das die Kinder dann anziehen können. Jetzt sind hier nur noch zwei Wäschestapel (vorher 5) und eine Kiste. Außerdem wurde mir wieder klar, dass ich definitiv hier nicht der schlimmste nicht-Verräumer bin, von meinen eigenen Kleidungsstücken war echt nämlich wenig in diesen Körben.

Weil ich grad dabei war, hab ich auch endlich meine restlichen Sommersachen in den und die Wintersachen aus dem Schrank geräumt. Nach der eisernen „2 Winter nicht angehabt?“-Regel ein bisschen was aussortiert, gar nicht mal so viel, aber ich bin ja auch im Winter zwanghaft und habe manchmal das Bedürfnis, Dinge „der Gerechtigkeit halber“ anzuziehen.

Abends die Kinder ins Bett gebracht. Die sind schon super. Wenn sie schlafen. Und sonst auch. Auch wenn sie gern mal scheiß machen, wie heimlich meine Kosmetika und einige Utensilien unterm Waschtisch im Bad zu horten. (Aber hübsch aufgereiht!)

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*mir ist schon klar, dass es darum nicht geht im Urlaub. Aber ohne kann ich schlecht von 100 auf 0 runterfahren. Letzte Woche war zudem eher so 250. Außerdem kommen auch wieder Tage ohne jeglichen Antrieb, die Tage mit erhöhter Energie muss ich nutzen. Keine Sorge, ich erhole mich schon noch.

**jaja, ich habe Samstag Nacht tatsächlich noch drei (!) Sportprogramme gekauft. Zwei waren im Sale und eines habe ich mir auch direkt in den Kalender gespeichert, wie ich gestern etwas überrascht feststellte. Ich mache jetzt also seit heute „Fitnessblender Burn Round 2“. Es muss wieder Grund in mein Sportverhalten kommen. Dabei auch, s.o. Punkt scheiß machen, festgestellt, dass eine meiner 2 kg-Hanteln weg ist. Bisher ist sie noch nicht wieder aufgetaucht, wär aber schon gut so bis morgen, meine armen Ärmchen.

Tag 1753 – Weiter volles Leben.

Wir haben heute den Zaun fertig geplant und werden nun endgültig die furchtbaren, halbtoten Aronia-Büsche rauswerfen. Ganz bald. Vielleicht fangen wir gleich noch an.

Dann haben wir mit den Nachbarn gegrillt (auf deren Terrasse, die ist nämlich noch größer als unsere), ich hab mir das ok für meinen (sehr groben) Zaun-Kostenvoranschlag geholt und wir haben über Erwachsenendinge geredet. Das war sehr nett. Und auch deren Kinder haben gestern Ärger für die Slime-Aktion bekommen, das ist immerhin gut zu wissen.

Hier sehen Sie, wie Pippi Muffin ein Schlaflied vorsingt. Muffin sitzt in seinem Hamsterknast, in dem er vorher sein ganzes Leben zugebracht hat, weil ich gleich seine Box sauber mache. Der „Außenkäfig“ ist nicht nur viel zu klein, sondern auch so gammelig, dass ich Muffin da nicht reinsetzen mochte. Jetzt haben wir also noch die Entsorgung dieses Dingses am Hals. Aber Pippi ist schon sehr niedlich. Meistens. Wenn sie nicht mit Slime spielt.

Hach ja. Meistens ist sie ja doch sehr niedlich.

Michel hat sich heute ziemlich schlimm in den Finger geschnitten, weil er versehentlich ein Glasröhrchen von einer Vanillestange zerdrückt hat. Er rannte dann ungünstigerweise schreiend und panisch mit den Händeln wedelnd durchs halbe Haus, weshalb Herr Rabe und ich anschließend auf dem Boden rumrobbten und mit Feuchttüchern die gefühlt tausenden kleinen Blutspritzer vom Boden, Möbeln, Wänden und Türen zu entfernen. Mal gucken, wie lange wir noch Blutspritzer finden. Michel geht es aber wieder gut, es hat aufgehört zu bluten und er wollte über Nacht auch kein Pflaster haben, sondern lieber Luft dran lassen. Es tut auch nicht mehr weh, sagt er. Nur noch ein bisschen. Puh!

Tag 1751 – Festlich.

„Pippi, jetzt hör mal auf zu hampeln und Versuch, einzuschlafen!“

„Aber ich bin nicht müde und es ist hell und guck, wenn ich meine Augen zumache, die gehen ganz von selbst wieder auf.“

„Versuch es wenigstens. Sonst gehe ich gleich raus, ich möchte nämlich auch mal Feierabend haben.“

„Gehst du auf ein Fest?“

„Was? Nein. Ich gehe auf kein Fest.“

„Doooooch du gehst auf ein Fest. Du und Papa, ihr geht Tanzen, wenn wir schlafen. In einer Dis-ku-thek!“

„Nein, das machen wir nicht. Leider. Wir gehen nirgendwo hin, wenn ihr schlaft. Nur ins Wohnzimmer.“

„Warum geht ihr nicht auf ein Fest?“

„Es gibt grad keine Feste. Auch keine Dis-kO-theken. Wegen Coronavirus.“

„Ok. Aber ihr geht auf ein Fest.“

*hampelt* *schnarcht*

Tag 1741 – Schnipsel.

Michel klagt seit Wochen über Übelkeit nach dem Essen und ich bin langsam nicht mehr sicher, ob das echt „nur“ zu schnell zu viel gegessen ist oder mehr dahinter steckt also gingen wir heute zur Hausärztin. Die hat wieder eine Vertretung und auch diese Vertretung ist sehr nett, auch zum sehr aufgeregten und deshalb etwas quatschigen Michel. Als sie dann aber ankündigte, dass wir Blut abnehmen müssten war das Quatschige komplett weg und zehn Minuten später hatte ich einen sehr kleinen, weinenden und dann schreienden Michel auf dem Schoß, mit Nadel im Arm. Mein armes, armes Baby. Gut fand ich, dass niemand ankam mit „das tut doch gar nicht weh“ oder ähnlichem Stuss. Michel wurde von allen Seiten gelobt, dass er das gemacht hat, obwohl er so Angst hatte und es ihm so weh getan hat. Uff. Aber – mein armes Baby. Hinterher gab es ein Eis, für seine und meine Nerven. Bis zur Schule waren auch die Tränen getrocknet, aber ich war dann froh, zu Fuß nach Hause zu müssen um ein bisschen runter kommen zu können.

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Die norwegische Bezeichnung „Kartoffel“ für Menschen ist ein Kompliment. Kartoffeln gehen nämlich zu allem, sind vielseitig und nahrhaft. Ha.

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Wir kriegen einen neuen Inspektør, er ist 29 und Biomediziner. Da er ein Mann ist, ist er vermutlich nicht so stark vom Impostorsyndrom betroffen, aber ich werd ihn trotzdem ein bisschen extra herzlich willkommen heißen. Wir molekulare-Irgendwas-Menschen müssen zusammenhalten.

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Pippi kam heute aus dem Kindergarten wieder so dreckig nach Hause, dass ein Bad kein Diskussionsgegenstand mehr war. Irgendwann sagte ich zu ihr, dass wir dann jetzt mal ihre Haare waschen müssen und sie dann raus kommen soll, da sagte sie „Moment, Mama, ich rieche kurz an meinem Fuß… nein, der stinkt noch, ich muss noch drin bleiben.“ Diese kleine Rübennase, ey. Quatschkind. Aber jetzt mit sauberen Füßen (und Ohren und Hals und überhaupt allem).

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Herr Rabe hat sich heute einen Rasenmäher gekauft und ich habe zwei mal sagen müssen, dass der nicht im Haus benutzt wird. Corona macht seltsame Sachen mit uns.

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Donnerstag zieht hier ein Meerschwein namens Muffin ein. Erstmal eins, weil es ein alleinstehender Herr ist. Sobald der kastriert ist und die Karenzzeit danach rum ist, dürfen dann noch Damen dazu kommen. Ich freu mich – und Michel sich auch. Dem hatten wir das ja versprochen für „nach dem Umzug“. Wir sind vor fast zwei Jahren umgezogen.