Tag 1489 – Alle Jahre wieder…

Pilztour!

Heute aus verschiedenen Gründen nur Pippi und ich. Ich war ein bisschen aufgeregt, weil Pippi zur Zeit generell recht anstrengend drauf ist und es auch nicht gerade ideale Bedingungen waren – es war sehr nass. Sehr sehr nass. Aber hey, besser als letztes Jahr, da war es so trocken, dass halt kaum Pilze da waren.

Und dann war es richtig toll. Pippi hatte riesen Spaß, hat super viele Pilze, Tannenzapfen, Blaubeeren und Preißelbeeren gefunden, hat die ganze Zeit erzählt und gesungen und noch mehr erzählt, kann jetzt ein neues deutsches Wort: „Geschafft!“, ist in Matsch versunken und ins Wasser gefallen und es gab gar kein Theater, kurzum: das war super.

Ich habe auch das ein oder andere im Wald gelassen, hinterher ein paar falsche Pfifferlinge aus dem Haufe sortiert und das erste mal einen Täubling-Test gemacht, indem ich ein Stück gekaut habe. Es schmeckte nicht scharf oder bitter, sondern nach gar nix, also essbar, wohl sogar ein Fleischroter Speisetäubling. Nur halt eher so in der Farbe von gebratenem Fleisch (oben links unter den Tannenzapfen).

Die Butterpilze zu häuten war eine eklige, schleimige Angelegenheit, aber das Ergebnis, ein erstklassiges Waldpilzrisotto, die Mühe allemal wert.

Morgen gibts dann was mit Pfifferlingen und dann sind die Schafsröhrlinge dran. Davon hab ich schon 2/3 im Wald gelassen, an einer Stelle war damit alles voll.

Geisterfinger. Die hab ich aber auch da gelassen.

Tag 1467 – Hachzi.

Eigentlich wollte ich heute darüber schreiben, dass und unter welchen Bedingungen und warum ich durchaus für kinderfreie Räume zu haben wäre, aber dann kam was dazwischen und jetzt muss ich halt kuscheln.

Dieses Kind. Raubt mir den letzten Nerv und ist dabei doch so putzig. Ganz weich ist sie auch und riesig groß, gar nix Babyhaftes mehr. Im letzten Jahr hat sich da so viel getan. Heute stritt sie mit Michel, da wäre meiner Norwegischlehrerin das Herz aufgegangen, wie wundervoll sie das R schlagen kann. Hachz, hachz.

Tag 1450 – Erpressung.

Wir haben ein Video von Michel, das haben wir geloopt und jetzt können wir ihn damit erpressen, wenn er nicht gehorcht, machen wir ein gif aus ihm. So.

Es ist sehr schön, wenn man Kinder hat, die gern albern tanzen. Zum Beispiel Michel in der Küche oder auch Pippi nackt im Schwimmbad vorm bodentiefen Spiegel in der Umkleide – sehr zur Belustigung aller anwesenden Damen.

Schwimmbadtest Nes Svømmehall – ok. Klein, aber ein nettes Plansch- und Spielbecken, ein Kleinkindbecken und eine Rutsche und erfreulich wenig Chlor. Keine roten Augen! Und ordentlich Salz auf den Pommes, wie es sich gehört.

Pippi wollte im Schwimmbad unbedingt noch ein Eis. Wir vertrösteten sie auf zu Hause, weil Herr Rabe dringend nach Hause musste um einen Call anzunehmen („Urlaub“). Großes Geheul: „Aber ich schlafe ja im Auto ein!“ Es ging erst, als wir versprachen, sie zu Hause aufzuwecken, damit sie das Eis nicht verpasst. Dieses Kind, ey. Zu Hause wollte ich sie aufs Sofa legen, da klappte sie die Augen auf: „Kann ich Eis?“ Dieses Kind, ey!

(Kurz über die Umweltbilanz von so Blödsinn wie Hallenbädern nachgedacht. Gedanken ganz schnell ganz weit weggeschoben. Twitter deshalb auch kaum benutzbar für mich zur Zeit. Alles zu viel, zu bedrohlich, zu ausweglos, zu lähmend. Ich weiß, lalala wird uns nicht weiterbringen, aber, lähmend, usw. Kann nicht mal drüber nachdenken, dann möchte ich die Zeit zurückdrehen, niemals Kinder bekommen haben, das alles nicht sehen müssen, nicht sein. Hilft keinem, also lalala.)

Tag 1430 – Ferientag 9.

Pippi und ich waren heute ernten. Auf dem Gemeinschafts-Bauernhof. Es war schon das zweite mal aber beim letzten Mal war Herr Rabe allein mit den Kindern und ich bei meiner Chefin im Garten. Dieses Mal also ich. Michel hatte keine Lust, Herr Rabe arbeitete noch zu Hause, aber Pippi nahm ich mit. Beste Entscheidung, obwohl sie erst nörgelig war und getragen werden wollte. Aber dann machte ich eigentlich nur noch gedankliche Schnappschüsse für mein Erinnerungsbuch:

  • Pippi, die sich den Salat direkt vom Feld reinschiebt, mitsamt Erde und sicher der ein oder anderen Raupe dran
  • Pippis dreckige, nackte Füße* im Gras zwischen den Gemüsereihen
  • Pippi, die freudestrahlend Fäuste voll Zuckerschoten präsentiert
  • Pippi und ich, wie wir einträchtig Zuckerschoten direkt auf dem Feld essen
  • Pippi, die sich vor einem sich aufplusternden Huhn erschreckt
  • Pippi, die mir den frisch geernteten Blumenkohl direkt aus der Hand reißt
  • Pippi, im Supermarkt**, ihren Blumenkohl wie Apfel essend

Ach, das war einfach super schön. Wunderbarstes Wetter, alles grünt und wächst und die Bienen summen um die Himbeersträucher, mittendrin dieses Bilderbuchkind*** und ein Lamm kommt angehoppelt und hach. Dieser Hof, dieses ganze Landwirtschaftsding, gibt mir ein Fünkchen Hoffnung, dass wir Landeier zumindest nicht als allererste draufgehen, wenn die Klimakatastrophe eintritt. (Ok, jetzt ist Sommer, im Winter trifft man auch die Bauern selbst im Supermarkt. Wir gehen also „erst“ im ersten Winter drauf. [Nicht drüber nachdenken, nicht drüber nachdenken, nicht drüber nachdenken.])

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*dieses Kind mag keine Schuhe. Und ich zwinge sie auch nicht. Auf dem Bauernhof nicht, wo das schlimmste sein könnte in Brennnesseln oder Schafkacke zu latschen, aber auch nicht in der Stadt. Sie wird entweder lernen, aufzupassen, wo sie hintritt, oder dass Schuhe halt doch einen Zweck erfüllen.

**Knoblauchbaguette wächst halt leider nicht auf dem Feld

***heute halt mal, für ein paar Stunden, aber man muss das ja genießen

Tag 1388 – Faultiertag.

Wir haben heute eigentlich fast gar nix gemacht. Das war super. Ein bisschen ungeplant, aber das Wetter war mies und mit Rotze-Pippi ins Schwimmbad wär sicher keine gute Idee gewesen, also gab es stattdessen Mittagsschlaf für Pippi und Herrn Rabe, Nachmittagsschläfchen für mich, ein wenig ausgehaltene Langeweile für Michel und ganz viel Ruhe für alle. Gut, am Ende des Tages gingen die Kinder ein wenig die Wände hoch, aber ich hoffe wirklich, dass es für Pippis Erkältung was gebracht hat, die schleppt sie ja nun auch schon wieder zwei Wochen mit sich rum. Was sie nicht davon abhält, mit großer Energie Grenzen zu testen, leider. Huff. Heute hatten wir wieder ein „Gespräch“, das darin endete, dass ich fragte „Hast du verstanden, was du nicht machen sollst?“ – „Den Föhn schmeißen.“ – „Warum hast du denn den Föhn geschmissen?“ – „Ich war sauer. Ich wollte dass du mir Socken holst und du hast nein gesagt.“ – „Ja, du warst sauer. Aber du darfst dann nicht immer Sachen schmeißen. Die können kaputt gehen und du kannst dir weh tun.“ – „Ja. … kannst du mir Socken holen?“ Gespräch mit Gänsefüßchen, weil sie halt erst was schmeißt und dann heult, wenn wir dann auch lauter werden. Das heißt, man muss, bevor man überhaupt mit ihr reden kann, abwarten bis der Zorn verraucht ist und gegebenenfalls trösten, dabei versuchen, auch selbst runterzukommen, weil mit dem Föhn schmeißen, ich meine, hakt’s??? Und überhaupt. Erziehung von dickköpfigen kleinen Rübennasen kriegt von mir lieb gemeinte 3/10 Punkten, macht einfach gar keinen Spaß und ist furchtbar viel Arbeit.

Ha, eins ist doch passiert: Herr Rabe hat unser kleines Lagerräumchen aufgeräumt. Das war nötig, aber wie nötig es wirklich war sieht man eigentlich erst jetzt, man kann sich nämlich plötzlich zu zweit darin aufhalten und noch umdrehen, Hammer. Note an uns: wir haben Eierfarben und sie sind bei der Osterdeko. Im bod.

Tag 1371 – Großes Herz.

Ach, ach, ach. Ich hab schon tolle Kinder. Zwei Stück. Zwei super Kinder. Pippi zum Beispiel, diese kleine Dreckspätzin mit Nagellack und Kleid, die grad alles alleine kann, außer sie will grad nicht, dann kann sie gaaaaar nichts, es ist alles schlimm und überhaupt sind ihre Knie müde. Alleine den Rucksack aus dem Kindergarten holen, auf Michels Sitz sitzen, alleine Blumen pflücken, aber bitte die Treppen rauf getragen werden. Sie versucht grad oft, ihren Willen mit Geschrei durchzusetzen, was gestern dazu führte, dass Michel heimlich tat, was Pippi hätte tun sollen (ihre Schuhe wegräumen), weil Michel das nicht mehr ertrug, dass sie so brüllte. Aber Michel wär ja nicht Michel, wenn er nicht ne schlaue Antwort auf mein „das war sehr lieb von dir, aber so lernt Pippi leider nicht, dass sie manche Sachen selbst machen muss“ parat hätte: „Ich wollte ihr nur zeigen, wie das geht, dann kann sie es beim nächsten mal selber.“ Das sind meine Kinder grad: die sture Kleine und der gewitzte Große. Michel hat weiterhin den Kopf voller wilder Ideen. Langsam kann man manchmal mit ihm ernsthaftere Gespräche führen. Ihm wirklich Dinge erklären. Weil hier am Freitag ja Nationalfeiertag ist, lesen die Kinder viel Zeug über die „Eidsvollsmennene“, die damals das Grundgesetz verfasst haben und ich konnte es nicht lassen, anzumerken, dass Frauen da nicht gefragt wurden. „Wer hat den Frauen denn eigentlich erlaubt, das [also mitentscheiden] heute zu machen?“ „Da haben viele Frauen lange für gekämpft, dass wir das heute dürfen, mitentscheiden.“ „Mit Pistolen?“ (da hab ich den Teil mit den Bomben legenden Suffragetten dann einfach mal ausgelassen, an „Krieg ist NICHT COOL“ arbeiten wir weiterhin) „Vor allem mit Worten. Die haben so lange gesagt, dass Frauen genauso kluge und gute Entscheidungen treffen können, wie Männer, bis sie die Politik mitbestimmen durften.“ „Was ist Politik?“ (und so weiter). Gut, zwanzig Minuten später sagt er, er will bei seinem nächsten Geburtstag nur Jungen einladen und Mädchen sind doof, aber mühsam ernährt sich das feministische Muttereichhorn. Und wieder zwanzig Minuten später, beim Prä-Bettzeit-Laberflash, der ihn fast täglich überkommt, erzählt er, wenn man schlafwandelt, kann man auch Computer spielen, mit geschlossenen Augen, nämlich, und im Comic, da malen die nämlich ZZZzzz an die schlafenden Leute, so wie bei Donald Duck und 100 + 105, was ist das, Mama, 501? Nein, 150. Und so weiter und so fort und mit Zahnbürste im Mund noch „Isch musch dir wasch schagen, Mama!“, das kann dann keine zwei Minuten warten, auf gar keinen Fall denn das ist ganz wichtig, dass ich weiß, dass es ja viele, viele McDonalds gibt. Jetzt sofort muss ich das wissen.

In solchen Momenten bläst sich mein Herz auf wie ein Luftballon und platzt fast. Ich hab die zwei so schrecklich lieb, ich würd jedem eine Niere spenden, wenn sie eine bräuchten. Meine großen, kleinen, wilden, kuschligen, klugen, albernen und einfach wunderbaren Rübennasen.

Tag 1348 – 50 Meter.

Die Kinder haben in unserem Bullerbü-Reihenhausdorf ihren Radius um ein weiteres Haus erweitert. Nämlich das, zu dem es vom Nachbargarten einen Durchgang gibt. Also sie können von unserem Garten durch den Nachbargarten in den Garten von „M.! M., aus meiner Schule!!!“ gehen. Ich kenne M. nicht, habe nur vage Erinnerungen an den Vater von M. und naja. Ich bin dann heute mal mich vorstellen gegangen, wenn absehbar ist, dass die Rabe-schen Rübennasen da bei jeder Gelegenheit auf dem Trampolin hopsen werden, erscheint mir das doch sehr geboten. Damit haben die Kinder nun drei Nachbarshäuser quasi annektiert und gehen ein und aus wie sie wollen (die anderen Kinder bei uns auch, wobei L. von gegenüber immer sehr höflich fragt, ob sie mit hoch gehen darf). Ich finde das ganz super und bin stolz und froh und alles über die selbständigen kleinen Zwerge, aber morgen werden wir dann mal eine neue Regel einführen, nämlich: Mama will immer wissen, wo ihr grade seid. Wenn ihr von Haus A zu Haus B geht, sagt Bescheid. Ich komme mir gebührend helikopterig und albern dabei vor, aber was soll’s. Meine Babies! Pippi ist erst drei!!! Und Michel hat grad mal seinen dritten Milchzahn* verloren! Babies!!! Wahhh! Die können doch nicht einfach hier herumstreunern! (Natürlich doch. Wurzeln, Flügel, Dings. Uff.)

*und er sieht soooo niedlich mit dieser Zahnlücke aus, es ist so so so hach. Wird wohl auch nicht lange währen, denn der neue Zahn schaut schon raus. Wie irre das ist, diese Phase ist so kurz und kommt nie wieder. Verrückt.