Tag 4073 – 4076 – Kurzer Abriss der letzten Tage.

Ich bin sehr müde, deshalb wirklich nur ganz kurz.

Montag: Arbeit im Büro. Morgens den Spind bezogen. Ich habe jetzt einen eigenen Spind bei der Arbeit und muss mich nicht mehr darüber ärgern, dass andere einfach die wenigen nicht fest vergebenen Spinde mit ihrem Zeug vollrödeln.

So sah er Freitag aus, als ich ihn unverschlossen für die Garderobenreinigung vorbereitet hatte.

Arbeit war ansonsten durchwachsen. Die Versicherungssache scheint sich tatsächlich zu unserer Zufriedenheit zu lösen, wir dürfen wohl Versicherungen für die jeweilige Reise abschließen. Ich glaube das noch nicht ganz, bis ich es schriftlich von HR habe, aber scheinbar hat es gewirkt, dass wir alle Hebel in Bewegung gesetzt haben. Dafür hat sich meine Chefin wieder was geleistet. Irgendwas ist immer.

Abends Orchester, das war schön. Wir hatten eine Vertretung, die war wirklich gut, mit einem ganz anderen Stil. Manchmal tut so ein bisschen Abwechslung ja echt gut.

Dienstag: war im Homeoffice, um den Schreiber betreuen zu können. Der kam dann aber nicht, weil erstens richtig beschissenes Wetter war und weil zweitens mitten in der Nacht seine Schwiegereltern gelandet waren, die hier zum Baby anschauen zu Besuch sind. Abends kein Paartanz, weil Herr Rabe mit Arbeitskollegen Essen war (buhhhhh!), aber Ballett. Das war auch gut.

Mittwoch: war im Homeoffice. Das war unspektakulär, aber sehr viel Arbeit. Oma hat nachmittags Michel zum Kieferorthopäden gefahren und abends waren sie shoppen – Michel hatte von Oma zum Geburtstag einen Kleider-Gutschein bekommen.

Heute: erst Homeoffice, dann Konzert in der Philharmonie. Das war sehr schön, mit einem bunten, grob Wasser-Thematischen Programm und als Bonus das 1. Cello-Konzert von Sjostakovitsj, mit Senja Rummukainen als Solistin. Sjostakovitsj ist ja grundsätzlich etwas… sperrig, finde ich, klingt halt immer nach Krieg und Depression irgendwie, aber die Solistin hat das so super gespielt, dass mir sogar die Zugabe (irgendein super super super modernes Stück, das irgendwie nur aus Flageolett-Gezirpe und wilder Plönkelei bestand) gefallen hat.

Jetzt sind wir wieder zu Hause und es ist spät und morgen muss ich ins Büro, buhhhh!

Deshalb jetzt schnell Licht aus.

Tag 4063 – 4068 – Piep 2

Weiter alles gut. Schreinerbaby ist da und auch mit Schreinerbaby ist alles gut. Trockner ist gestorben. Kaputtes Scharnier am Küchenschrank wurde ersetzt – mit leider falschem Ersatzscharnier, weil ich falsch bestellt habe. Also ist die eine Tür immer noch ab. Wir können uns nicht für Winterreifen entscheiden. Auch nicht für einen neuen Trockner. Ein „neuer“ (im Sinne von anderer als wir sonst hatten) Klempner wurde kontaktiert, weil der eine Heizkörper vor dem Tausch des Wohnzimmerfensters entfernt werden muss, hat aber offenbar ebenfalls vor, uns zu ghosten. Alles passiert gleichzeitig, alles geht kaputt, aber sonst ist alles gut, schalala.

Seit gestern haben wir aber Besuch, meine Mutter ist da, das ist schön. Ich habe auch eigentlich seit heute und bis Freitag frei, ich hatte ja letzte Woche keine Herbstferien. Mal gucken, was wir die nächsten Tage so machen. Heute habe ich irgendwie hauptsächlich Trockner recherchiert und den geflickten Balken lackiert, und vormittags gearbeitet, weil ich nie richtig Zeit hab, einfach frei zu nehmen, dann bleibt zu viel für hinterher liegen.

Aber sonst…

Am Sonntag habe ich Pippi übrigens die Haare blau gefärbt und jetzt habe ich wirklich die coolste Tochter von allen.

Tag 4021 und 4022 – Wochenende mit Wandereraustausch.

Michel und Herr Rabe wurden heute früh erfolgreich zu Michels Klassenfahrt abgeliefert. Bepackt mit Wanderrucksäcken, gewandet in feinster Outdoorkleidung und noch mal schnell geduscht, denn jetzt sind 4 Tage ohne Dusche angesagt.

Gestern wurde dafür sehr viel vorbereitet.

Heute am frühen Nachmittag kamen aber Freunde aus Deutschland hier an, die die letzten 12 Tage auf Wandertour durch die Hardanger Vidda waren. Also ist das Haus wieder voll. Pippi hat direkt den Teenager-Sohn in Beschlag genommen und wir Erwachsenen konnten dann auch entspannt auf der Terrasse sitzen.

Jetzt sind alle im Bett – Pippi hat natürlich direkt Herrn Rabes Platz okkupiert – und morgen geht es für mich dann ins Büro und für den Besuch nach Oslo. Kontrastprogramm zum Wandern im Nationalpark.

Tag 4002 bis 4005 – 150 km.

Ich bin in den letzten vier Tagen jeweils 6 mal eine Strecke von ca. 150 km gefahren. So langsam habe ich jetzt auch nicht mehr so richtig Bock auf im Auto sitzen.

Montag habe ich mit Michel zusammen seine Trompete zum Instrumentenbauer gebracht, und zwar zu einem, der mir von absolut allen Seiten wärmstens empfohlen wurde. Offenbar nutzt ganz Østlandet den und ich kann echt nur bestätigen, dass der super ist. Nur war ich zum Glück dank meines Lieblingskollegen vorgewarnt, dass die Werkstatt im Keller eines normalen Wohnhauses und von außen kaum zu erkennen ist, sonst hätte ich gedacht, ich hätte mich total verfahren. Die Werkstatt ist mitten in einem Wohngebiet. Da sind nur Einfamilienhäuser, Gärten, und so 500 Meter die Straße runter ist ein Kindergarten. Mehr „Gewerbe“ ist da nicht. Es gibt ein ca. DIN A4 großes Schild am Zaun, und ein winzig kleines Schild über der Klingel eines gewöhnlichen Einfamilienhauses. Es gibt auch nur eine Klingel. Man klingelt da also bei Brassatelier Skaug, es öffnet ein rundlicher, sehr freundlicher Mann mit Lederschürze, dann kommt ein sehr knuffiger kleiner Hund angeschossen und freut sich über Besuch, und dann geht man mit dem Mann und ohne den Hund in den Keller. Da riecht es nach Metall, überall sind Instrumente, an der Wand hängen Werkzeuge und diverse Ersatzteile für Instrumente (zum Beispiel sicher 50 so Schieber für Posaunen). Der Herr Skaug ist unfassbar nett und erklärte Michel alles, was er machen wird und warum und dann haben wir noch nen Zettel da gelassen mit Telefonnummer. Da kam gestern eine SMS, dass die Trompete fertig ist, und heute haben wir sie wieder abgeholt. Sie ist jetzt generalüberholt (wobei so viel nicht zu tun war, ein bisschen sauber machen, Beulen raus machen, Verschleißteile (Filz, Kork) ersetzen, hier und da ein paar Rohre von innen entgraten (???), Ventile schmieren und an ein paar Stellen neu versilbern) und unglaublich Shiny. Meine Handykamera schafft jetzt nicht mehr so richtig gut, sie zu fotografieren.

Der Herr Skaug war auch hell begeistert von der Trompete, wir scheinen da einen echten Glückstreffer gelandet zu haben. Jetzt muss Michel sie nur „neu“ einspielen.

Dann sind wir die 150 km wieder zurück gegurkt, mit einem Umweg über Oslo, weil ich endlich ein Bild, das ich schon im Januar gekauft habe, einrahmen lassen wollte. Und weil das ein richtiges, echtes Kunstwerk mit Zertifikat und allem drum und dran ist, kommt das jetzt auch in einen echten Rahmen mit UV-Schutzglas. Sowas ist wenig überraschend ganz schön teuer, Kunstsammlerin werde ich wohl eher nicht.

Dienstag bin ich von Düsseldorf nach Bielefeld Senne gefahren, und Mittwoch die selbe Strecke wieder zurück. Ich habe nämlich sehr spontan meine Mutter zu ihrem Geburtstag besucht. Das war sehr schön. Der Mietwagen war aber nicht so mein Fall, ein MG, groß, ließ sich auch gut fahren, aber ich mag ja gerne alle Fahrtassistenzsysteme der Welt haben und die hatte der nicht. Ich bin da von den Elektroautos verwöhnt, die haben immer alles, weil halt. Und ich brauche eigentlich auch gar nicht so ein Schiff von Auto, aber Neuwagen sind ja inzwischen irgendwie alle riesig groß.

Autobahn fahren ging überraschend gut, es war okay viel Verkehr und ich konnte wirklich gut die meiste Zeit mit 120-130 km/h einfach vor mich hin schaukeln, ohne von aggressiven Autofahrenden mit Lichthupe bedrängt zu werden oder so Faxen. Das habe ich schon ganz anders erlebt und war davon wirklich positiv überrascht. Vielleicht tut sich ja allmählich doch was in den Köpfen der Autofahrenden in Deutschland.

Am schönsten war aber, dass sich meine Mama so gefreut hat. Und dass ich nachts mit einem Katzi kuscheln konnte, selbst wenn Katzi zwischendurch mal in den Regen raus spaziert war und sich dann nass an meinem Rücken einrollte. Oder lieber spielen als schlafen wollte, und mich mit leicht ausgefahrenen Krallen am Arm anstupste, um zu gucken, ob ich dazu auch Lust habe (NEIN). Oder mein Buch angekaut hat. So Gelegenheitskatzen wie bei meiner Mutter verzeihe ich alles, genauso wie abends süßen Kleinkindern im Restaurant am Nachbartisch, und bei Herrn Skaug aufgeregten und begeisterten kleinen Hunden.

Tag 3937 – 3941 – Alle.

Entschuldigen Sie meine lange Abwesenheit, der Besuch ist schuld.

Nein, ist er natürlich nicht, aber, ja, wir haben seit Freitag Nachmittag und noch bis morgen früh Besuch von nahezu der gesamten Schwiegerfamilie und ich bin abends immer todmüde irgendwie. Ansonsten möchte ich das gar nicht so ausbreiten, aber es ist schon wirklich schön, jetzt ein Haus mit genug Platz zu haben, um vier erwachsene Gäste unterzukriegen (sofern die Kinder Matratzenlager in meinem Arbeitszimmer machen oder im Zelt oder auf dem Sofa schlafen, was alles recht populäre Möglichkeiten sind).

Und falls ich beim Universum bitte den Wunsch anmelden könnte, einfach irgendwann ohne großes Vorgeplänkel tot umzufallen, das wäre großartig, wirklich.

Mittwoch war ich nach der Arbeit zwei Stunden beim Tanzen. Erst Jazz Fusion, also… Jazz mit Modern? Jedenfalls viel Rumrollen auf dem Boden. Dann Floor Barre, also basic Ballettübungen, die man sonst an der Stange (barre) macht, auf dem Boden. Wer das mal gemacht hat, findet hinterher Pilates einen Wellnessurlaub. Dementsprechend bin ich quasi nach Hause gekrochen.

Donnerstag hatte ich das längste Mitarbeiterinnengespräch der Welt. Das hat in meiner Einstellung der Chefin gegenüber nichts positives bewirkt, leider. Seltsam, wie sie immer schafft, dass ich nach solchen Gesprächen denke „was ist da denn grade passiert???“ und mich diffus manipuliert fühle. Anyway. Das war anstrengend.

Ab Freitag dann eben Besuch. Gestern außerdem Korps-Marschiererei am Morgen (unbegeisterter Michel hoch zehn) und Orchesterkonzert am Nachmittag für mich (eigentlich nur den Kindern vom Kinderorchester ein bisschen unter die Arme greifen).

Jetzt muss ich echt die Augen zumachen, bevor sie zufallen.

Tag 3699 – Besuch und das normale sonst so.

Mittwoch. Büro, dann Geige im Übungshotel, dann Burlesquekurs. Wir mussten wieder was improvisieren und das hasse ich ja wie die Pest, auch wenn es ja wirklich sehr gut und sinnvoll ist, aber, ugh. Ahhh. Ich möchte das nicht. Was aber lustig war: wir haben im Stil von Fossy getanzt, also mit Fäustchen und viel Quatsch mit den Handgelenken, wie bei Pulp Fiction. Das hat echt Spaß gemacht.

Während ich weg war, kam unser erster Besuch im neuen Haus, die Schwägerin ist jetzt für ein paar Tage hier. Das ist schon, jetzt wird auch das Gästezimmer mal eingeweiht.

Tag 3359 – Getrennte Wege.

Heute hatte ich eine Geigenstunde und währenddessen (und noch etwas länger) waren meine Mutter, Herr Rabe und Pippi im Munch-Museum. Beides war sehr gut. Und weil die anderen noch länger brauchten, konnte ich noch in Ruhe Sport machen und sehr leckeres Essen kochen. Michel hat sich zwei mal Gemüse (!!!) nachgenommen, und mehrmals gesagt, dass das Essen soooo lecker sei. Dabei war es ein relativ schnöder Braten (der noch im Gefrierschrank war, von lokalem Freilandschwein) mit Kartoffeln, TK-Gemüsemischung, Sauce und, das hat Michel aber nicht gegessen, Pilzen aus dem Wald. Also ja, war schon lecker, aber dass ausgerechnet Michel sich Braten, Kartoffeln, Sauce und Gemüse reinschaufelt, als bekäme er sonst höchstens mal Knäckebrot, wunderte mich doch ein wenig. Aber ich beschwere mich nicht darüber. Ich male mir nur den Tag rot im Kalender an.

Tag 3357 – Paradox.

Wir haben heute zwei Dinge getan: erst haben wir für die Kinder die Anträge auf die doppelte Staatsbürgerschaft abgegeben. Dafür mussten wir allesamt bei der Polizei aufschlagen. Dann wurden unsere Pässe kopiert, alle, auch die abgelaufenen, viel Papier abgeliefert und das war’s. Jetzt wird es bis zu 22 Monate dauern, bis irgendwas passiert. Herr Rabe hat den Antrag für sich schon letzte Woche abgeliefert, dauert aber genauso lange.

Dann waren wir im Paradoxmuseum in Oslo, das ist ein kleines Museum mit allerlei optischen Täuschungen, Spiegelkabinetten und dergleichen. Sehr unterhaltsam (aber schon auch kostenintensiv).

Leider habe ich nur ein blogfreundliches Bild gemacht, aber das ist dafür auch echt cool.

Am gruseligsten war ein Tunnel, durch den man gehen konnte und der von außen komplett unspektakulär aussah. Aber in dem Tunnel drehte sich die Röhre um einen rum und es war unmöglich, da drin mit offenen Augen das Gleichgewicht zu halten. Es wurde sofort besser, wenn man die Augen zugemacht hat, aber es war wirklich nicht möglich, den Körper anderweitig davon zu überzeugen, dass der Boden nicht zur Seite kippt.

Am Ende hat Herr Rabe noch ein Folterwerkzeug gekauft, also so ein Geduldsspiel, bei der man eine „Schlange“ aus Würfeln wieder in einen 3x3x3-Würfel zusammenfalten muss. Manchmal frage ich mich, ob er weiß, mit wem er zusammen lebt.

Tag 3355 und 3356 – Urlaubsaktivitäten.

Gestern: ich habe meine Haare blondiert. Dieses Mal sind sie tatsächlich weiß geworden. Und das ging so:

  • 3 % (ja, das ist niedrig) Peroxidentwickler im Verhältnis 2:1 mit
  • Schwarzem Blondierpulver (gegen Gelbstich, angeblich) mischen
  • Auftragen. Viel, aber das hauptsächlich weil ich halt zu viel angemischt hatte. Aber dann braucht sich eine wie ich, mit kurzen Haaren, auch keine Gedanken um gleichmäßiges Auftragen machen, das wird einfach alles reingematscht, fertig.
  • Haube auf und Einwirken lassen, und zwar schockierende 1,5 Stunden. Zwischendurch mal gucken, ob sich die Haare schon auflösen. 3% Peroxid ist aber so niedrig, dass das nicht passieren dürfte. Die Theorie ist außerdem, dass das niedrig konzentrierte Peroxid länger reagiert und dann über die lange Zeit eben auch die gelben und grünen Pigmente wegbekommt. Ich war (das mag jetzt ebenfalls schockieren) zu schlecht in Chemie um das beurteilen zu können. Es hat aber tatsächlich länger gedauert, bis merklich was passierte, es hat auf der Kopfhaut weniger gejuckt und das Farbergebnis spricht auch für sich. Die Haare sind auch noch ok intakt, blondiert halt, aber nicht übermäßig kaputt.
  • Auswaschen, fertig.

Ich hab leider keine Lila Spülung mehr, die wäre sicher gut gewesen hinterher.

Ich lasse das glaube ich erst mal ein paar Tage so.

… Weil’s in den 80ern Mode war…

Danach waren wir bei einem Minikonzert, Michel war jetzt 3 Tage auf einem Bandkurs und hat in einer Band gesungen und Kornett gespielt. Das fand er wohl gut und hat er auch gut gemacht. Die zwei Bands haben jeweils ein Lied gespielt. Aber für 3 Tage á 4 Stunden schon sehr ordentlich.

Abends war für mich Geige üben im Übungshotel und dann Hobby-Kurs. Mir ist dabei jemand übel auf den Fuß getreten, ich dachte erst, es sei mindestens was gebrochen, aber es ist scheints nur blau und schmerzhaft. Aber ansonsten war der Kurs gut.

Heute haben Michel, meine Mutter und ich eine Rundfahrt durch den Oslofjord auf einem Ausflugsboot gemacht. Mit Audioguide und in bestem Herbstwetter, bei 15 Grad und blauem Himmel. Das war richtig schön, kann man durchaus mal machen, wenn man Gäste hat, die nicht so gut zu Fuß sind. Ich habe nur leider außer einem Selfie mit Michel gar keine Fotos gemacht. Schlechte Bloggerin…

So, die Augen fallen zu, es ist Zeit für Licht aus.

Tag 3351 – So frei!

Meine Mutter ist ja zu Besuch, schon seit Mittwoch, nur war ich ja ca. gar nicht da bisher. Aber heute haben wir dann mal was geboten, nämlich einen Ausflug in die Hauptstadt und da in die Oper.

Ich habe ja noch nie eine Oper in der Oper gesehen, und finde Oper auch oft… naja irgendwie wenig zugänglich. Aber Herr Rabe hatte eine Anfänger-Operette aufgetan, nämlich „Die Czardas-Fürstin“ von Emmerich Kálmán, in einer modernisierten und norwegisierten Fassung. Nicht so modern, dass irgendwer sich auf der Bühne mit Kunstblut übergießt und schreiend im Kreis rennt, aber es kamen zum Beispiel Geschlechtsidentitäts-Themen vor. Die gab es als Gegenstand breiter, öffentlicher Debatten 1915 wahrscheinlich noch nicht (obwohl es natürlich auch da schon trans Personen gab). Ein paar Bühnenkostüme hatten einen deutlichen Anklang von Drag. Und das Ganze war schrill, bunt, albern und allgemein sehr vergnüglich. Natürlich auch musikalisch wirklich gut, es ist die Oper, die können da schon was. Aber eben auch gut inszeniert, mit einer Gypsy-Band immer mal wieder auf der Bühne und einer Gruppe von 6 Tänzer*innen, die im Hintergrund dauernd eskalierend alberne Dinge taten, während vorne überzogen schmalzige Duette und ähnliches vorgetragen wurden. Wir alle hatten viel Spaß, sogar Michel fand es „es war schon gut, aber ich hätte trotzdem lieber was anderes gemacht“. Die armen, armen Kinder, die von ihren Eltern in die Oper geschleift werden, ruft das Jugendamt an, da muss doch einer was machen! (Spaß. Wobei ich das Gesicht der Jugendamtangestellten gerne sehen würde…)

Also falls Sie eh in Oslo sind und immer mal neugierig auf eine Oper waren, aber bisher sich nicht getraut haben: https://www.operaen.no/forestillinger/czardasfyrstinnen-opera/?gad_source=1&gbraid=0AAAAADlW9JxMNMpZsvjOWC7Yz7-Nwd2W9&gclid=CjwKCAjw0t63BhAUEiwA5xP54Xs6Hezt1sKdyjSMgp2p2Q0jBFDQFJmuQgQyjOQEEMJp2JdhmgzgZBoCJUAQAvD_BwE

Es gibt auch Untertitel, Norwegisch und Englisch. Und nach den ersten 15 Minuten oder so waren die dann auch an.