Tag 1362 – Zu kurz.

Frau Halbesachen ist wieder zu Hause und ich bin ein bisschen wehmütig, weil es irgendwie viel zu kurz war. Das waren sehr schöne Tage und ich werd noch lange an unsere Gespräche denken und daraus Kraft tanken. <345

Leider etwas das auch zu kurz ist: die Restlebenszeit unseres Autos. Jedenfalls vermutlich. Nachdem im Januar das eine vordere Radlager getauscht wurde, ist nun das andere vordere Radlager hinüber, noch bevor wir geschafft haben, Sommerreifen aufzuziehen*. Da gehen weitere 4000 Kronen hin und irgendwann müssen wir wohl dringend mal schauen, was sich noch lohnt und was nicht, eine Grenze festlegen und entsprechend schauen, wie lange wir auf ein neue(re)s Auto warten könnten**. Aus Gründen ist die Auswahl recht klein, ein, naja, Wunschtraum steht fest, das Budget ist aber auch begrenzt und weil die Auswahl klein ist, kommen auch Gebrauchte nur in Frage, wenn sie eigentlich keine sind sondern von 2018. „Jahreswagen“ nannte man das wohl früher. Oder „Vorführwagen“. Mir alles egal, wie das heißt, ich hab heute erst verstanden, was „Leasing“ ist und dass auch das nicht in Frage kommt (nicht mit 2 kleinen Kindern, nicht für Leute für die ein Auto ein Gebrauchsgegenstand ist und kein Statussymbol, einfach nein). Nun ja. Erstmal das andere Radlager reparieren lassen, denn ein Auto das klingt wie ein Hubschrauber kauft ja nun auch niemand.

Seufz.

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*Da es die letzten Nächte wieder gefroren hat, war das jetzt nicht so sonderlich dramatisch

**ja, manche der Autos, die in Frage kämen, haben zum Teil erhebliche Lieferzeiten und sind auch nicht als Gebrauchtwagen zu kriegen und wenn Sie jetzt scharf nachdenken kommen Sie bestimmt auf die Richtung in die es gehen soll (und wenn Sie schon länger mitlesen, dürfte Sie das auch nicht sonderlich überraschen)

Tag 1361 – Ausgang.

Wir futtern uns munter durch Oslo, das ist sehr schön, leider auch sehr teuer aber yolo oder so. Heute vegane Lasagne zum Mittag und mexikanisches Viel zum Abendessen, weiterhin einfach nur mit J., es ist so super. Dann noch Gin und ein bisschen Freiheit und ganz viel Leute gucken und Geschichten ausdenken, die Frau, die ein Limettenbäumchen herumträgt, das ungleiche Paar und ihre beste (unbegeisterte) Freundin, die rätselhaften Typen am Nebentisch (was sie wohl arbeiten? Deuten karierte Oberhemden auf irgendwas mit Ingenieur hin? Aber keine Nerds! Mysteriös…) und der Freundinnen-Betriebsausflug (irgendwas mit Agentur) einen Tisch weiter, der Essensliefermann, der auf die Straße rotze.

Weiterhin alles wunderbar, auch wenn wir* am Abend, als uns** Herr Rabe um 23 Uhr vom Bahnhof abholte, die goldene Eltern-Himbeere verliehen bekamen – als wir nach Hause kamen (um 23:08) war Pippi nämlich wach und stand weinend hinter der Tür. Arme Maus.

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*Herr Rabe und ich

**J. und mich

Tag 1360 – Suppe aus Brot und Spargel.

Weiterhin alles sehr hachz. Es ist schon sehr schön, mit einer erwachsenen Person und ohne Kinder dabei Zeit zu verbringen. Mit Herrn Rabe ist es auch noch mal anders, da steht ja ständig irgendwas an, und sei es nur den Urlaub endlich zu planen oder wer den nächsten Elternabend übernimmt oder den Wocheneinkauf. Irgendwas ist immer. Mit Frau Halbesachen ist sowas nicht, da ist nur viel Austausch und das ist ganz und gar wunderbar. Wir reden natürlich auch über die Kinder, die Familie und die Wunderlichkeiten des Reihenhausbesitzes und all das, aber eben nicht nur und, ach, dass mir sowas fehlt merke ich ja immer erst nachher, ne? Ich sollte echt mehr socializen.

Am Besten am Besuch haben ist aber super Essen. Heute Abend gab es echten! Spargel! Richtigen, echten, weißen, frischen Spargel, aus Deutschland mitgebracht. Grünen Spargel gibt es hier ja das ganze Jahr über, wie Paprika oder Mango, aber der ist immer (!!!) labberig oder holzig. Letztes Jahr in Trondheim sah ich erstmals in Norwegen weißen Spargel, er lag im Supermarkt hübsch auf Eis dekoriert und war so holzig, dass er schon aufriss. Und das dann für 10€/kg. Das heute allerdings war köstlich. Und J. macht super Sauce Hollandaise, so richtig mit Ei und Wasserbad und allem, und dabei noch mit Pippis Hilfe. Ich bin schwer beeindruckt.

Auch heute Mittag aßen wir super, nämlich in Oslo Suppe aus Brot. Mit ordentlich Knoblauchbutter und Limo und ohne Gin-Tonic (Preis auf Anfrage). Das war sehr lecker.

In Oslo ist alles schon ganz grün und die Tulpen blühen, es ist wirklich so schön! Morgen muss ich davon mal Fotos machen.

Tag 1359 – Hach, hach!

Heute sind drei tolle Sachen gewesen:

  • Frau Halbesachen ist da und es ist wunderbar
  • Pippi ist bis ins Dorf und zurück bis auf wirklich kleine Pausen Fahrrad gefahren und ist dann abends auf meinem Arm eingeschlafen
  • Michel hat geduldig ein im Dunkeln leuchtendes Dino-Skelett ausgebuddelt und war dann völlig aus dem Häuschen darüber, dass das IM DUNKELN LEUCHTET, GUCK MAL MAMA, ES LEUCHTET WIRKLICH, J., DU MUSST AUCH KOMMEN UND GUCKEN, ES LEUCHTET!!!

Alles sehr glücklich machend heute.

Tag 1299 – Schnee…matsch.

Nach einer zu kurzen Nacht zu Neuschnee aufgewacht. Und zu Waffeln und gekochten Eiern und Kaffee. Wir müssen Little B. samt Midimonsieur und RB wohl leider hier behalten, die sind nämlich allesamt super Baristas. Jedenfalls, der neue Schnee musste genutzt werden, auch bei 2 Grad Plus. Michel hatte keine Lust und blieb mit Herrn Rabe zu Hause, während die restlichen fünf auf der Suche nach einem anständigen Rodelhügel bis zur Schule liefen und, naja, scheiterten wäre zu viel, aber so richtig geglückt ist es uns auch nicht. Es war aber zu goldig, wie der Midimonsieur Pippi auf dem Schlitten zog und beide im Garten von Leuten* jauchzend im nassen Schnee rodelten.

Auf dem Schulhof wurden dann noch diverse „Enten“ gebaut.

Ich hab’s auch nicht gleich erkannt. Eigentlich gar nicht.

Gesammelte Werke.

Schneerabe.

Leider war es nach zwei Stunden wirklich sehr matschig und nicht mehr schön, weder zu rodeln noch zu ziehen, noch um was draus zu bauen oder auch nur draußen zu sein. Also gingen wir zurück. Wo Pippi an Little B. gekuschelt auf dem Sofa einschlief und die Jungs sich am Tablet gaga spielten, beides ohne Bilder. Abends gab es noch mal leckeres Essen und überdrehte Kinder allerorten, die aber immerhin nun zu zwei Dritteln schlafen.

Update: alle schlafen. Hurra.

Ein sehr schöner Tag. Morgen fährt der Besuch schon wieder nach Hause, das prangere ich an, das geht so nicht. Meh.

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Recap gestern: wir haben den Zug nach Oslo genommen. Netterweise waren Schienenarbeiten und der Zug nahm den „langen“ Weg nach Oslo, so waren wir 50 statt 35 Minuten unterwegs. Gnah, aber halt nicht zu ändern. Nach kurzer Diesigkeit kam in Oslo die Sonne raus und dann spazierten wir erst vom Schloss zum Theater zum Stortinget zum Bahnhof zur Oper, dann auf der Oper herum, wo Pippi keinen Bock drauf hatte und Herr Rabe mit ihr den Bock unten aussaß, dann fuhren wir noch zum Vigelandsparken und spazierten da herum und ich war wirklich beeindruckt von den Skulpturen dort, so schöne Motive und sehr lebendig dargestellt, aber nicht übermäßig detailreich. Einfach schön, fand ich. Bis zum Tor zum Monolithen, das eine ziemliche ’36-Olympia-Ästhetik hatte, und nach Googlen stellte sich auch heraus, dass Vigeland nicht nur permanent neue Affären und Beziehungen zu 17-Jährigen Frauen hatte, nein, er fand die Nazis auch eigentlich ganz dufte. Daran am blödesten fand ich eigentlich, dass letzteres weder der deutsche noch der norwegische Wikipediaartikel erwähnenswert fanden, lediglich der englische. Auseinandersetzung mit Geschichte und Einordnung von Kunst in historischen Kontext sieht anders aus. Die Skulpturen finde ich trotzdem schön, vor allem die, die nicht nur stramme junge Männer abbilden.

Danach waren die Kinder platt, verständlich, ich eigentlich auch, aber zu Hause wollte gekocht werden und dann die Kinder ins Bett gesteckt und dann stand der Erwachsenen-Spaß-Teil des Tages an, nämlich ein privates Gin-Tasting von meinem ganz frisch auserkorenen Lieblings-Schnaps-Händler. Wenn Sie mal nach Offenbach kommen und eine gute Spirituose von jemandem mit Ahnung erwerben möchten, dann hätte ich da einen heißen Tipp. Jedenfalls, zurück zum Gin-Tasting. Ich dachte ja, bis ich bei Little B. war, ich möge gar keinen Gin. Es stellte sich da schon raus, dass das nicht ganz stimmte. Seit gestern weiß ich: ich mag nicht jeden Gin gleich gern, und vor allem mag ich wirklich überhaupt gar kein Tonic Water. Auch nicht 1:1 mit einem wirklich leckeren Gin gemischt. Ich wäre, wenn die Legende stimmt, die englischen Soldaten in Indien hätten damals Gin ins Tonic gekippt, was sie als Malariaprophylaxe nehmen sollten, weil das Tonic sonst nicht trinkbar war, halt leider an Malaria gestorben.

Ich lernte jedenfalls echt viel über Gin und auch meinen eigenen Geschmack noch mal besser kennen. Mein Favorit aus dem Bild war übrigens der Gin Ger (halt schon speziell), danach der h2b, der sich in der schwarzen Flasche mit dem blauen Deckel verbirgt, den es bisher nur in der Bretagne und auch nur in großen Flaschen gibt und der deshalb getarnt ist. Wie bei Whiskey weiß ich jetzt auch, dass ein leckerer Gin durchaus gut bei Raumtemperatur ohne alles trinkbar ist und ich habe auch festgestellt, dass ich nach fünfeinhalb (Einhalb wegen des abgebrochenen Tonic-Water-Misch-Versuchs) plus einem für den Genuss Probiergins ordentlich beduselt bin und am nächsten Morgen super früh nicht mehr schlafen kann, aber immerhin keine Kopfschmerzen kriege. Es war jedenfalls insgesamt ein wunderbarer Tag und Abend und ich danke dem RB und Little B. für alles und überhaupt hach, viel Liebe, ich habe sehr gerne Besuch.

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*Wissen wir nur, weil der Gartenbesitzer zufällig vorbei kam. War auch kein Problem, sie wollen nur nicht 10 rodelnde Kinder im Garten. Und naja, ist halt auch doof irgendwie, schon generell, nen steilen Hang als Garten zu haben und dann ist es noch der einzige rodelbare Hügel der Neubausiedlung…