Tag 2628 – Filtrationsprobleme und anderes.

Tagesaufgabe Gelee kochen ist erledigt! Genau genommen ist bis auf Apfelmus machen alles erledigt, was ich mir für heute grob vorgenommen hatte, auf der anderen Seite bin ich jetzt auch ganz schön alle und hatte bis auf eine Stunde Geige null Zeit nur für mich. Das ist anstrengend. Ich bin sehr froh, dass das hier nur ab und zu so ist.

Für den Gelee musste ich erst mal Saft haben, mein Ausgangspunkt heute Morgen war allerdings ausgekochte Beeren in Saft, abgekühlt immerhin. Erst fischte ich den Großteil der Beeren mit einem Schöpflöffel raus, dann goss ich den Rest durch ein Sieb. Dann hatte ich immerhin schon mal beerenfreien, aber immer noch ziemlich trüben Saft. Kaffeefilter haben wir hier nicht und ich wollte nicht unbedingt ein Holunderbeerfarbenes Geschirrtuch haben, also filtrierte ich den Saft durch eine doppelte Lage Zewa. Die Idee war nur so mittelgut, muss ich sagen, weil nach dem ersten halben Liter der Filter dicht war, wie wir in meinem Job sagen. Man kann da schon noch was machen, zum Beispiel Unterdruck anlegen (nutschen), Überdruck anlegen (pumpen), die Verteilung über die Filterfläche optimieren bei gleichzeitiger Auflockerung des Filterkuchens (rühren) oder halt den Filter wechseln. Filter wechseln fand ich doof und ich habe leider weder eine Pumpe noch eine Nutsche zu Hause (beides birgt außerdem die Gefahr, den Filter kaputt zu machen und so widerstandsfähig ist Zewa ja nun nicht), also rührte ich den ersten Liter geduldig durch, wechselte dann den Filter und rührte den zweiten Liter etwas weniger geduldig durch. Scheißarbeit. Nächstes Mal Kaffeefilter besorgen. Generell für das Projekt Holundergelee reichlich Zeit einplanen.

Ansonsten war ich heute mit Pippi im Schwimmbad und was gäbe es schöneres, als im Badeanzug und ungeschminkt Pippis Freund samt Vater gegenüberzuschwimmen? Den habe ich ja schon ein ganzes Mal gesehen, wir sind ja alte Bekannte von gestern. Pippi hat sich jedenfalls gefreut und die beiden haben dann voreinander angegeben, als wäre das ein Balztanz. Guck mal hier was ich kann und wer kann den größten Bauchplatscher und ich kann schon bis dahin schwimmen fast ohne abzusaufen! Mit Pippi im Schwimmbad ist auch kein Spaaufenthalt, weil die Kamikazemaus gern mal überschätzt, was sie kann und dann urplötzlich untergeht, voll darauf vertrauend, dass Mama schon da ist und sie rausfischt, auch wenn man grad in Windeseile vor Mama weggeschwommen ist. Aber mit meinen untrüglichen Mutterinstinkten konnte ich immer gerade rechtzeitig eine Hand unter den Bauch oder einen Arm um den Körper zaubern. Uff.

Michel vergnügte sich derweil allein zuhause. Das klappte gut, allerdings fand ich eben, als ich nur noch kurz zum Kompost wollte, nicht nur seine Schuhe sondern auch zwei unserer Sofakissen draußen nass auf dem Rasen. Muss ich also morgen doch noch mal meckern.

Der Rest des Abends bestand aus Care-Arbeit. Wäsche waschen, Stundenpläne ausdrucken, Rucksäcke durchgucken, Schwimmsachen für Michel zusammensuchen, Kochen, Spülen, Kinder ins Bett bringen. Aufräumen, Brotdosen machen und dann war es irgendwie auch schon wieder elf.

Tag 2627 – Wochenenddinge.

Also, Pippi hat mich ja zum Backen gezwungen und es ist gut, dass ich zu Herrn Rabes Geburtstag schon mal so nen Unfall mit Butter-Schoko-Ei-Masse hatte und jetzt weiß, dass man das mit zusätzlichen Eiern gerettet bekommt. Und wenn man den Zucker auch tatsächlich in den Teig tut, statt ihn daneben zu stellen, schmeckt der Teig auch gar nicht so komisch. Morgens schon backen sollte ich lieber lassen, glaube ich. Aber die Muffins waren lecker.

Pippi war sehr aufgeregt und zur Abwechslung mal nicht viel zu spät, sondern stand schon zehn Minuten vor Abfahrt drängelnd an der Tür. Pippi und ihr Freund – ein sehr norwegisch aussehender Drittklässler mit hellblondem Haar und blauen Augen – benahmen sich erstmal wie Hundewelpen, die sich auf der Wiese treffen, und hüpften wild umeinander rum, aber sie beruhigten sich irgendwann. Pippi packte ihre Muffins aus, ich unterhielt mich kurz mit dem Papa, sagte Pippi noch mal schnell, dass sie keinen Scheiß machen soll und dann fuhr ich zu einem Treffen im überparteilichen Frauennetzwerk, wo es um Kommunalpolitik und den Einfluss von Sitzungszeitpunkt und -Vergütung auf die Zusammensetzung der politischen Gruppen ging. Das war sehr nett, aber auch sehr ernüchternd. Mein Eindruck, dass Kommunalpolitik vorwiegend von Männern 50+ gemacht wird, trifft exakt zu. Frauen sind bis zu dem Zeitpunkt, wo sie Kinder bekommen, politisch aktiv, verschwinden dann 7-8 Jahre lang komplett aus den politischen Arenen und erholen sich von dieser Pause nie. Statistisch gesehen*. Da gibt es nämlich eine ganz frische kleine Untersuchung aus dem „Gleichstellungszentrum“ von Norwegen zu, die sich das für Norwegen angeschaut hat. Es gibt durchaus Kommunen, die Sitzungen am Tag abhalten, es gibt Kommunen, die die Politiker*Innen angemessen bis fürstlich entschädigen, es gibt Kommunen, die Babysitterkosten übernehmen (und auch da eine weite Spanne, was die Höhe der Kostenübernahme angeht). Aber all das entscheidet die einzelne Kommune und deshalb gibt es in diesen Punkten komplett absurde Unterschiede in Norwegens 356 Kommunen. Für mich nehme ich mit: das ist alles nicht gottgegeben, nicht mal gesetzlich geregelt, also ist es möglich, bessere, inklusivere Arbeitsweisen zu entwickeln. Tschakka.

Weil nach dem Treffen bei Pippi wohl noch alles rosig war, fuhr ich kurz nach Hause, machte eine Einkaufsliste und erntete den Holunder, bevor er überreif wird. Dann holte ich Pippi ab und wir fuhren einkaufen und Eier holen und Pippi vermisste ihren Freund gleich sofort ganz schrecklich. Nawwww.

Zu Hause machte ich direkt Essen, viel zu viel, weil die Kinder nicht wirklich Hunger hatten und Herr Rabe ja gar nicht da ist. Nach dem Essen spielte ich eine Weile Geige, dann brachte ich die Kinder ins Bett und dann wollte ich nur kurz die Holunderbeeren von den Rispen abmachen und Saft kochen und dann vorm Fernseher abhängen, aber dann dauerte das mit den Beeren irgendwie fast anderthalb Stunden. Nachdem ich die Beeren fertig gekocht hatte, bemerkte ich diesen blinden Passagier unten am Topf – viel zu spät. RIP.

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*Männerbeteiligung geht Anfang 30 kurz etwas zurück, ist aber nach 1-1,5 Jahren bereits auf dem vorherigen Niveau.

Tag 2610 – Tennis.

Hier fühlt sich alles oft so an, wie Tennis mit so einer Ballschießanlage spielen, die einfach unaufhörlich Bälle rauspumpt. An guten Tagen komme ich in so eine Art Flow dabei, die ständig wechselnden Aufgaben möglichst schnell wegzuschlagen. Weg, weg, weg, weg, Check. An schlechten Tagen hingegen kommt mir das alles wie Sisyphusarbeit vor (ist es ja auch, es hört ja nie auf) und ich möchte am liebsten von vornherein kapitulieren und auf dem Boden liegen und die Bälle Bälle sein lassen.

Heute war ein guter Tag. Außer Arbeit (eine Tennisballschießanlage für sich) habe ich noch, wie so eine Superperson, Michel von der Schule abgeholt und zum Augenarzt begleitet, dann Pippi vom Hort abgeholt und zum Schlagzeugunterricht gefahren, dann beiden Kindern Eis gekauft, später beide Kinder zum Korps gebracht und wieder abgeholt, warmes Essen serviert und war beim Ballett. Danach beide Kinder ins Bett gebracht, davor Pippi noch zum Duschen genötigt, Brotdosen vorbereitet, die Spülmaschine aus- und wieder eingeräumt, Pfannen gespült und die Gaspatrone an der Blubbermaschine gewechselt. Die Meerschweinchen habe ich auch gefüttert und den Müll rausgebracht und Brot aufgetaut.

Das ist alles viel und nächste Woche gibt’s hier sicher wieder Genöl, weil ich antriebslos nichts gebacken bekomme (Spaß. Nächste Woche gibt es Kurzmeldungen wegen Arbeitswoche straight outta hell). Aber für solche Zeiten muss ich das ab und an mal aufschreiben. Es ist nicht immer schlecht, ich bin nicht immer faul, und wenn es gut ist, ist es oft sogar richtig gut.

Ach ja: die Kinder waren, während ich beim Ballett war, allein zu Hause. Sie hatten eine Reihe Aufträge bekommen, wie zum Beispiel die Kühlschranksachen vom Essen wieder wegräumen und Zähne putzen, bevor ich wieder komme. Die Regeln für alleine zu Hause sein (sie bleiben hier und andere Kinder können nicht zu Besuch kommen und wenn was ist, anrufen und wenn wer blutet oder es brennt oder sonstige Notfälle sind, zu den Nachbarn gehen) kennen sie ja auch, nur haben wir die zwei zusammen bisher höchstens mal 20 Minuten für kurz was einkaufen alleine gelassen. Die zwei haben das heute aber prima gemacht. Große Kinder sind toll.

Tag 2581 – Folter.

Wir quälen ja hier im Haus gerne unsere Kinder, insbesondere Michel, insbesondere indem wir sie zu Aktivitäten schicken, die sie selbst vor wenigen Wochen noch gerne machen wollten. Zum Beispiel ein einwöchiges Science-Sommerprojekt, das hier im Ort diese Woche täglich von 9-15 Uhr, also auch unmenschlich lange, stattfindet. Da machen sie so grauenvolle Dinge wie Bakterien züchten, charakterisieren und unter dem Mikroskop anschauen, schrecklich. Mikroskopieren interessiert Michel ja auch gar nicht. Es ist alles sehr grausam. So furchtbar, dass mir Michel hinterher diverse Knöpfe an die Backe laberte, was sie heute alles gemacht haben und was sie die nächsten Tage über machen werden und dass sie die von zu Hause mitgegebenen Materialien (3 x gebrauchte, gespülte und getrocknete Verpackungen und eine leere 1,5 L Plastikflasche, darüber bekamen wir schon vor zwei Wochen Bescheid und daher war ich vorbereitet) doch erst morgen brauchen und er hätte das aber jetzt schon dort gelassen und dann ist er übrigens noch beim Fußball hingefallen und hat jetzt ein Pflaster am Knie, Bolzplätze mit Sand, wer denkt sich denn sowas aus, und die anderen haben alle Bakterienproben vom Klo genommen aber er nicht, er hat die von der Tafel und dem Waschbecken genommen aber das dauert ja jetzt noch ein paar Tage, ne Mama, du arbeitest auch mit sowas, oder früher mal, bevor du inspektør wurdest, ne, haben wir auch mal gemacht, aber heute haben wir auch die Nährböden für die Bakterien selbst gemacht und…

Wahrlich schrecklich muss es gewesen sein.

(Und ein bisschen seufze ich der Zeit hinterher, als Michel noch „Brakterien“ sagte.)

Nur um es erwähnt zu haben, bin ich mal wieder die am wenigsten kümmerige Ehefrau der Welt. Herr Rabe siecht mit irgendeinem nicht-Corona Fieberinfekt dahin und hat sich heute nicht nennenswert aus dem Bett bewegt und ich… naja. Involviere mich eher wenig. Ich wüsste auch nicht, wie. Dutzi dutzi machen hasse ich ja selbst sehr, wenn es mir schlecht geht. Ich will alleine in meiner Höhle sterben. Das übertrage ich vermutlich auf andere, zusätzlich zur Hilflosigkeit. Tja.

Tag 2580 – Tröööt!

So, alle Ehre heute den Organisator*Innen und Instruktor*Innen dieser Korpsfreizeit(en). Das war rundum wirklich beeindruckend. Nicht nur haben sie (sicher nicht nur meines) auch die etwas ängstlichen Kinder abgeholt und voll mitgenommen und allen eine gute Zeit gegeben, sondern sie haben auch echt musikalisch was auf die Beine gestellt. Heute war das Abschlusskonzert, da spielte jede Instrumentengruppe erst ein Stück einzeln, und dann spielten alle zusammen noch mal vier Stücke. Das Konzert dauerte eine Stunde. Und man brauchte wirklich nicht mal viel elterliches Wohlwollen, um das musikalisch gut zu finden! Bei unserem Schulkorps braucht man das ja schon hin und wieder, aber das heute war objektiv richtig gut und würde auf so einem Wettbewerb, wie Michel ihn im Frühjahr mitgemacht hat, alle Preise einfach konkurrenzlos abräumen. Nach drei Tagen! Gut ausgewählte Stücke für das Niveau (oder wie Michel am ersten Tag meinte: VIEL ZU SCHWER OMG WIE SOLL DAS GEHEN!!! Woraufhin ich ganz achtsam, aus dem Fundus meiner langjährigen Musiklernerfahrung schöpfend, schrieb, dass er das schon schaffe, wenn übt. Was er, so unglaublich das klingen mag, so akzeptierte und offenbar umsetzte) und wirklich viel Einsatz von Instruktor*Innen und Kindern. Und alle hatten sichtlich Spaß und waren stolz, zu zeigen, was sie geschafft haben. Wirklich richtig, richtig toll.

Blaskapellenmusik kann echt ok sein! Mind blowing.

Auf Michel bin ich doppelt stolz, weil er sich durchgerungen und viele Ängste überwunden hat. Und ich hab jetzt ein Video, wo er sichtbar mit-swingend das UNGLAUBLICH SCHWERE Stück spielt. Hach!

Gerne wieder. Dass das das zweitniedrigste Niveau war, das man bei diesen Sommerkursen machen kann, lässt einiges erwarten für zukünftige Abschlusskonzerte.

Tag 2577 – Es ist kompliziert.

Michel bei seinem Korpscamp abliefern war überraschend leicht und überraschend schwer. Er war sehr aufgeregt und wollte am liebsten unsichtbar werden, aber auch alles allein machen und auf keinen Fall Zuneigung gezeigt bekommen. Als wir Eltern höflich rauskomplimentiert wurden, durfte ich Michel nicht noch mal drücken. Ich habe ihm noch mal viel Spaß gewünscht und gesagt, dass ich stolz auf ihn bin, weil er sich überwunden hat, es zumindest zu probieren. Er hat gesagt, dass er mich lieb hat (auf Deutsch, dann versteht es ja keiner) und dass er anruft, wenn was ist.

Dann musste ich ganz allein nach Hause fahren, was nur den einen Vorteil hatte, dass sich wenigstens niemand über die Musikauswahl und/oder Lautstärke beschwerte. Ansonsten war das sehr seltsam. Mein Baby! Der ist doch noch so klein! (Am Supercharger googelte ich aus Gründen die Norwegische Kindersitzvorschrift, und so klein ist der gar nicht mehr, sondern eher auf direktem Weg dahin, gar keinen Kindersitz mehr zu brauchen. Falls er irgendwann mal die 36 kg erreicht, kann er danach tatsächlich auf nichts oder maximal Sitzerhöhung umsteigen, denn selbst zu den 1,50 m ab denen er auch keine Sitzerhöhung mehr braucht, fehlen nur noch wenige cm. Wann ist das denn passiert? Der saß eben noch im Maxi Cosi!)

Den Tag über erhielt ich regelmäßige Updates, die Proben sind gut, die Pausen sind gut, das Stück ist schwer und so weiter. Abends rief er an – ich war gerade ebenfalls sehr mutig, aber das ist eine andere Geschichte – und sagte „Mama, das ist ganz gut hier.“ und mehr Enthusiasmus zeigt Michel gemeinhin eher nicht. Bei ihm heißt das soviel wie bestmögliches Outcome.

Trotzdem war dann zur Bettzeit das Heimweh da und alles noch mal kurz schwierig, aber ich hoffe, dass es sich dann doch erledigt hat, zumindest habe ich nichts mehr gehört.

Ich muss sagen, so schön es ist, kurz nur ein Kind versorgen und bespaßen zu müssen, ich vermisse ihn ja schon. Hoffentlich hat er eine überwiegend gute Zeit und schöne Erlebnisse. Und hoffentlich darf ich ihn wenigstens beim Abholen drücken.

Tag 2576 – Drama mit Cliffhanger.

Die Matratze ist, naja, äh, überraschend hart. Verblüffend, bei einer harten Matratze. Mal gucken, wie und ob ich mich daran gewöhnen kann, oder ob wir doch noch eine Übermatratze drauf legen. Immerhin sind wir ja in Übermatratzenland, wo man SELBSTVERSTÄNDLICH immer eine Übermatratze auf seiner sauteuren extra atmungsaktiven 65-Zonen ergonomischen High-Tech-Matratze mit kühlendem Gel im Bezug liegen hat. Beziehungsweise hat man die auf seiner Rahmenmatratze oder auf dem Kontinentalbett (mit allen oben genannten Eigenschaften). Unsere Freundin hat ernsthaft gestern ganz erstaunt (als sähe sie sowas zum ersten Mal) gesagt, dass es ja ganz schön schlau ist, eigentlich, ein Bett zu haben, bei dem man einfach die Matratze austauschen kann. JA! Ist es! Genauso wie man nicht das Sofa wegschmeißen muss, wenn der Bezug oll ist. Manchmal haben die Norweger*Innen echt nen Konsum-Hau. Zu viel Geld, zu viel Natur.

Morgen soll Michel ins Korpslager fahren, die Aussicht führte aber heute zu diversen Dramen, Streits, Diskussionen und allgemeiner Bockigkeit. Größtes Problem ist der innere Konflikt, dass man auf gar keinen Fall von Mama und Papa weg sein will, aber auch auf gar keinen Fall einen Rückzieher machen will und am Ende als Feigling da steht. Die Abmachung ist jetzt, dass ich ihn hinfahre, wir gucken uns das an, Zimmer, Bett, Kameraden usw., wir machen ganz klar, dass Michel uns jederzeit anrufen kann und wenn das alles nicht reicht, fahren wir wieder zurück, und wenn er bleibt und es doch nicht geht, hole ich ihn halt wieder ab. Es bleibt also spannend.

Pippi war übrigens wie erwartet gleich neidisch, dass Michel auf sowas fahren darf und sie aber noch nicht lange genug im Korps spielt. UNGERECHT! Die Kinder könnten wirklich nicht unterschiedlicher sein.

Tag 2502 – Plantschen.

Pippi hatte von gestern auf heute das erste mal Übernachtungsbesuch, nämlich das eine Nachbarsmädchen. Da wurde sehr viel gequatscht und gekichert und es gab einen Film und Popcorn und bis alle schliefen war es elf, aber das muss ja irgendwie auch so. Das Nachbarsmädchen ist eine sehr angenehme Hausgästin. Und so schnell war Pippis Zimmer noch nie aufgeräumt, wie nach der Ansage „Wenn L. hier schlafen soll, muss da aber aufgeräumt sein!“.

Heute Morgen beim Frühstück erbettelten die Kinder sich dann Schwimmen. Also in erster Linie unsere eigenen Kinder, aber das Besuchskind fragte, ob sie auch mitkommen kann. Ich fragte, ob sie schwimmen könne, ja klar sagte sie, also durfte sie von uns aus mitkommen. Pippi kann nicht schwimmen und Michel kann grad so gut schwimmen, dass man nicht mehr permanent Angst haben muss, dass er absäuft, sobald man kurz den Blick von ihm abwendet. (Dass er inzwischen überhaupt so gut schwimmen kann verdanken wir der Schule und dem eisernen Willen dieses Kindes, das das unbedingt wollte.) Da können wir nicht noch die Verantwortung für weitere Nichtschwimmerkinder übernehmen. Aber das Nachbarsmädchen kann schwimmen, ziemlich gut sogar, und durfte auch von ihren Eltern aus mit (und dann gab es noch einen Eklat, weil das andere Nachbarsmädchen mitbekommen hatte, dass wir schwimmen gehen wollen, und quasi schon dabei war, ihre Sachen zu packen, aber die kann eben nicht schwimmen und auch ihre Eltern hielten das für gar keine gute Idee). Und siehe da: Pippi kann fast schwimmen, also sie treibt sehr schön im Wasser, kommt auch gut voran, sie muss nur noch lernen, den Kopf zu heben. Aber schnauzeln Schnorcheln geht super. Die Mädels pendelten zwischen Rutsche und „dem warmen Becken“ (so ein Spaß/Therapiebecken, das an einem Ende 0,90 m und am anderen 1,90 m tief ist, also eher flach), Michel pendelte zwischen Sauna, Dampfbad, Tauchbecken, 1 m-Brett und Spielgerätdingsbums (so ein aufblasbarer Hindernisparcours, der auf dem Wasser schwimmt), wir Erwachsenen pendelten den Kindern hinterher und als alle hungrig waren, fuhren wir nach Hause. Da waren die Kinder auch ziemlich im Eimer, nach wenig Schlaf und Schwimmen, und bei Pippi gab es dann ein paar Tränen, als sie sich vom Nachbarsmädchen trennen musste, aber alles in allem war es ein echt schönes Wochenende und den ersten Übernachtungsbesuch für ein Kind haben wir auch gut gemeistert, finde ich.

Tag 2395 – 2,8/4.

Ich ackere mich durch meine großen Aufgaben und nebenher mache ich noch die ganzen kleinen und zünde nichts an, ich wäre jetzt bereit für die „Mitarbeiterin des Monats“-Plakette am Band. (Haha, als würden wir sowas vergeben. Norwegische Behörden doch nicht, hier gibts Lob nur für alle oder keine.)

Der Preis dafür ist ein bisschen hoch, das muss ich ganz ehrlich zugeben.

Pippi liest alle ihre Lesehausaufgaben ihrer Lehrerin per Sprachnachricht vor und findet das großartig. Ich finde großartig, dass ihr das so viel Spaß macht. Sie übt fleißig und langsam fruchten die Strategien, die ich versucht habe, ihr nahezubringen, wie zum Beispiel lange Wörter erst mal in kürzere Happen zu unterteilen. Ich finde die Kombination aus Papierbüchern und iPad-Teams-Sprachnachricht schon allein aus dem Grund super, dass man es damit keinem hundertprozentig recht macht, aber auch keinem hundertprozentig auf die Füße tritt.

Ebenfalls Pippi kam heute mit einem riesigen Horn an der Stirn nach Hause – beim Sport-Hort an einem Schrank den Kopf gestoßen – und fiel zu Hause dann auch noch vom Stuhl. Arme Maus, überall verbeult und zerschrammt. (Trotzdem niedlich.)

Auch Pippi fragte mich heute morgen, ob ich dann jetzt nicht mehr mit Oma und Opa reden könne. Sie war dann sehr beruhigt, als ich sagte, ich könne schon noch deutsch sprechen. Michel war am meisten damit beschäftigt, zu betonen, dass ich jetzt WÄHLEN kann. Könnte ich – nur war Stortingswahl ja grad erst. Aber wer weiß, vielleicht gibt es ja bald neue Wahlen, weil der Staatsminister seinen Buddy zum Zentralbankchef ernannt hat oder in der Bar keinen Abstand gehalten hat. Alternativ gäbs da noch den Finanzminister, der hat großes Potential, was richtig dämliches im Fernsehen rauszuhauen und damit die ganze Regierung reinzureiten. Wir werden sehen, reguläre Wahlen zum Storting wären erst 2025 wieder. Kommunalwahlen sind nächstes Jahr, aber da wählen durfte ich ja auch vorher schon.

Tag 2390 – Wochenendroutinen.

Essensplan, Wocheneinkauf, Kinder baden (Pippi hat auch Dienstag gebadet, weil sie sich mit einem Nilpferdstempel vollgestempelt hatte – unter anderem im Gesicht), Blumen gießen, Schweinchen sauber machen. Wäsche waschen, Geige spielen, Pokémon fangen. Ein bisschen was aufwändigeres kochen, heute war es Pilzrisotto.

Eigentlich wollte Michel Harry Potter 5 gucken, aber das hatte er dann wohl doch vergessen und so schlimm finde ich das nicht, die Filme werden ja nicht weniger gruselig. Jetzt liegt er bei uns im Bett, weil der Sturm draußen an seinen Fensterläden gerüttelt hat. Und der ist ja noch so klein! Ok, 1,40 m Mensch mit langen Gräten überall, aber im Gesicht sieht er aus wie ein Baby. Und da er wohl grad in einer Traumphase ist, schläft er wie ein kleiner Hund, mit zuckenden Gliedmaßen und Gesichtskirmes. Würde mich nicht wundern, wenn er gleich lacht oder spricht, das macht er auch häufig.

So sehr ich mir wünsche, zwei Kinder zu haben, die nachts einfach in ihren Betten bleiben, manchmal ist es ja doch niedlich. (Bis ich dann um fünf komplett nassgeschwitzt aufwache, weil Michel den Körperkontakt zu mir maximiert hat und mir einfach viel zu warm ist. Oder um drei, weil mir Arme ins Gesicht geklatscht werden. Oder um sechs, weil Michel versucht, seine Füße zwischen meine Beine zu schieben. Oder oder oder.)