Tag 1920 – Nicht viel zu erzählen.

Es ist scheiße kalt hier im Norden. Ein Teil des Wochenendes wird wohl dafür genutzt werden, den Garten endgültig winterfest zu machen. Nachts friert es schon und abends frieren mir auf meinen Spaziergängen schon die Finger ab.

Dem Sorgenschwein geht es unverändert. Dass es nicht wieder schlimmer wird ist gut, dass es nicht ganz weg ist, ist aber erstmal nicht so gut. Ich beobachte das weiter kritisch.

Der Arbeitstag kam direkt aus der Hölle und am Ende schrieb ich eine Mail an vier verschiedene Empfänger*Innengruppen: drei mal „bitte beantwortet die in grün markierte Frage und schickt die Antwort an mich“ und ein Mal „Ich brauche Hilfe. Bitte schaut euch die in grün markierten Fragen an, ich setze ein Meeting auf, bis dahin mache ich mir selbst Gedanken, die dürft ihr im Meeting dann zerpflücken.“ Es steht übrigens sogar in der Compilation (der Inspektoren-Bibel), dass wir keine Consultantrolle einnehmen sollen, insofern frage ich mich ein wenig, wie man auf Mails von einer Firma (mit der wir ein gutes Verhältnis haben), in der literally 8 der schwierigsten Fragen, die mir bisher überhaupt so serviert wurden, stehen, reagieren soll. Soll ich antworten „stimmt, ist auch schwierig, weiß ich auch nicht“? Das wäre ehrlich. Aber wie gesagt, das war am Ende des Arbeitstages, meine Hilflosigkeit ist bisher nur intern geäußert worden und vorher hab ich lauter total kompetente Sachen gemacht.

Ok, da war die eine Sache, wo der Kollege und ich ne Falle in unserem Archiv gefunden haben, die dazu führt, dass man an Dateien nicht mehr ran kommt und panische emails mit „die Frist läuft heute (!!!) aus“ an die Archivare schreibt, damit die Schrödingers Datei, die gleichzeitig ausgecheckt ist und sich nicht wieder einchecken lässt, weil sie ja ausgecheckt ist, wieder befreien.

Abends habe ich extra lange mit den Kindern gekuschelt. Die kommen grade zu kurz und ich wird es ja. Ach, seufz. Michel hat abends viel zurück gesteckt, weil Pippi einfach lauter nörgelt, und meinte zu mir, als ich gesagt habe, dass das aber lieb sei (Pippi in seinem Bett schlafen zu lassen und auf das „mit Mamas Händen kuscheln“* zu verzichten) , dass man ja „ein bisschen nett sein muss“. Natürlich ist mir das lieber als das Dauergeschrei und -gestreite, aber es arbeitet sehr deutlich in ihm. Er kommt momentan auch wieder jede Nacht in unser Bett. Außerdem schiebt er sich am Tag gefühlte 10 Sandwiches rein, sonst isst er kaum was, aber Sandwiches, und momentan eben… viele davon. Wachstumsschub, ick hör dir trapsen, und den Entwicklungsschub auch.

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*er kuschelt dann eben mit meinen Füßen**

**der einzig machbare Kompromiss, da ich mich nicht zerhacken kann und die Kinder auf 1 m nicht nebeneinander schlafen können

Tag 1899 – Supereltern.

Pippi und ihre Kindergartenfreundin kamen gestern beim Abholen auf die Idee, dass die Kindergartenfreundin doch mit zu uns kommen könnte. Gleich sofort. Gleich sofort ging natürlich nicht, aber ich versprach den beiden, dass ich das mit der Mama von M. absprechen würde, ob M. morgen (also heute) mitkommen könnte. Konnte sie und deshalb holte ich heute zwei sehr sehr aufgeregte und jubelnde kleine Mädchen aus dem Kindergarten ab. Das war schon ziemlich niedlich, wie die zwei wie die Königinnen zum Tor stolzierten, und ich wie der Hofnarr mit 1000 Dingen beladen* hinterdrein.

Zu Hause angekommen war kurz alles sehr aufregend und ich erlaubte zur allgemeinen Beruhigung eine Folge iPad (Mia and Me). Dann musste Pippi ihrer Freundin unbedingt die Badewanne zeigen, und sie standen beide mit Hundeblick in der Küche, ob sie baden könnten? Biiittäääää? Äh, ja, ok, grad mit M.s Mutter abgeklärt und dann hatte Herr Rabe die zwei schon in die Badewanne gesteckt. Ich hörte sie oben plantschen („Uiiiii guck wie dreckig das Wasser ist!“) und machte unten Kaffee, das war schon sehr Bullerbü-mäßig. Also mein Bullerbü. Meine ganz persönliche Familienidylle. Herr Rabe wusch den Mädchen die Haare und sie durften selbst ausspülen durch Untertauchen. M. kann sehr lange die Luft anhalten. Beunruhigend lange. Dann rissen beide Mädchen gackernd die Köpfe hoch, sprotzten mit den nassen Haaren das ganze Bad voll und das war auch alles immer noch sehr idyllig. Ich wollte dann eigentlich M. beim Abtrocknen und Anziehen und Föhnen der polangen Haare helfen, aber dieses Kind kann alles selbst. Und macht das auch! Meine Kinder können das ja durchaus auch, aber Mamas oder Papas Hilfe ist trotzdem mehr als willkommen. M. kämmte ihre Haare, trocknete sich ab, zog sich an, föhnte (eher halbherzig, aber verständlich, bei so langen Haaren) und machte sich zum Schluss sogar noch zwei Zöpfe. Mit noch nicht mal fünf Jahren. Faszinierend.

Danach gab es Essen, in der etwas untypischen Reihenfolge erst Kuchen, dann direkt Pizza, was bei meinen Kindern eher schlecht als recht funktioniert (im Sinne, dass sie sich nicht nur Kuchen reindrücken, bis sie platzen) aber M. schob sich etwa eine halbe Pizza rein, davor und danach Kuchen, dazu 2 Gläser Milch und hätte dann auch noch Eis gegessen, aber da schickte ich die Mädels erst mal raus aufs Trampolin, ein bisschen von dem Zuckerrausch raushüpfen. Da hüpften sie dann mit ihren wippenden Zöpfchen laut johlend und es war immer noch alles sehr Bullerbü.

Mit ein wenig Zwang spielte Michel auch noch seine fünf Minuten Kornett und lachte mich aus, weil ich da nur klägliche Töne rausbekomme. Michel muss jetzt immer C-D-C-D spielen, aber irgendwie ändert sich der Ton nur minimal, wenn er die Ventile drückt und ich fragte ihn irgendwann, ob er da überhaupt einen Unterschied hört. „NEIN!“ motzte er mich an. „NUR DER EINE IST DU KLER UND DER ANDERE HELLER!“ Ach so, ja, also doch ein Unterschied. Da lässt sich ja mit arbeiten.

Als M. abgeholt wurde gab es noch dicke Umarmungen und das versprochene Eis und dann hatten wir alle den Spielbesuch mit Bravour bestanden, finde ich. Fand Pippi auch. M. darf gern öfter kommen.

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*freitags ist der einzige Tag, an dem wir Eltern in den Kindergarten dürfen. Und das auch nur, um Klamotten, Schuhe, Regensachen und solche Dinge zu checken und gegebenenfalls mitzunehmen, zu waschen und montags wieder in das schwarze Loch Kindergarten abzuliefern. Es ist manchmal etwas faszinierend, was man da freitags alles findet. Und dann noch von zwei Kindern! Ein Abenteuer.

Tag 1897 – Matschetag.

Habe den ganzen Tag furchtbare Kopfschmerzen gehabt, das ging gestern schon los, wurde aber nie eine „richtige“ Migräne, sondern blieb einfach bei starken Kopfschmerzen. Migränetabletten hatte ich fahrlässiger Weise eh nicht mehr, Ibuprofen wirkte erst bei der dritten Dosis. Danach war der Kopf ziemlicher Matsch von den überstandenen Kopfschmerzen, davor wegen der Kopfschmerzen selbst. Das war gar nicht mal so toll, ich hoffe, ich habe den Menschen da draußen keinen Mist per Mail geschrieben.

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Pippi hat jetzt richtig Spaß am Tanzen. Das ist sehr schön zu sehen. Da es aber eh keinen Sinn macht, für die Zeit, die sie da ist, nach Hause zu fahren, sitze ich meistens im Café im Einkaufszentrum und arbeite noch ein bisschen und trinke Kaffee. Falls was ist (vorletzte Woche hat sie sich den Kopf an der Ballettstange gestoßen), findet sie mich da, ansonsten hole ich nach einer Stunde ein fröhlich hopsendes Mäuschen ab, das mir die neuesten Moves vorführt und auch für ein paar Tage nicht damit aufhört. Herr Rabe hat sie heute für den HipHop-Kurs gestylt und weil sie aussehen wollte wie Missy Elliot, ging sie mit Caps über Beanie da hin. Hach! Klappt das mit der Tanzliebe also doch noch.

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Herr Rabe ging heute mit Michel noch eine Runde Pokémon fangen. Das beruhigt Michels Gemüt wenigstens einigermaßen. Am Sonntag haben wir das auch schon gemacht, da hat er wegen Community day an Norwegens bestem Pokémon-Go-Spot bei uns um die Ecke auch noch ein paar Schulfreunde getroffen und war zufrieden. Insgesamt sind wir ja grad in so einer etwas anstrengenden Phase, wo sich anscheinend innen und außen alles mögliche mal wieder neu anordnet und… puh. Ich möchte mein kreatives, lustiges, empathisches Kind zurück und würd auch ganz gern weniger angeschrien werden. Dafür kriege ich jetzt einen großen Sohn, der von einer Woche auf die nächste plötzlich aussieht wie ein großes Kind. Also so, dass es selbst uns, die wir ihn ja täglich sehen, auffällt. Vielleicht ist es auch das, diese gemeine Zeit, in der man für vieles (zu) groß und für vieles (zu) klein ist. ich erinnere mich an ätzende Zeiten. Hmm.

Was ich aber unheimlich niedlich finde, sind seine Eigenheiten beim Sprechen. Zum Beispiel sagt er immer, bevor er eine Frage stellt: „Mama, ich habe eine Frage.“ Oder „Mama, ich möchte dir etwas sagen.“ wie so eine kleine Einleitung und Vorbereitung auf das was kommt. Und natürlich ist er weiterhin klug, weiß total viele scheinbar random Fakten zu allen möglichen Themen und erzählt auch gern darüber besonders gerne wenn er damit seine kleine Schwester korrigieren kann. Und eigentlich will ich doch nur, dass es ihm gut geht und er glücklich ist. Seufz.

Die Hinweise verdichten sich, dass ich wirklich ein kleines Mini-Me habe. Der so klein gar nicht mehr ist, sondern zur Zeit für sein Alter eher groß. Wo ist die Zeit hin?

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Vor sieben Jahren und vier Tagen kamen wir in Norwegen an. Mit Speckzwergi Michel (damals 11 Monate alt) und einem Sprinter und dem Prius voll Kram. Und jetzt haben wir zwei Kinder, ein Haus und zwei echt gute Jobs. Und eine Badewanne. WO IST DIE ZEIT HIN???

Tage 1821 und 1822 – Ach, Spatzenkind.

Gestern bin ich einfach auf dem Sofa eingeschlafen, nach einem Glas Wein und einer langen Woche und quasi mit Ansage. Ich hab mich einfach zu Herrn Rabe gekuschelt und die Augen zu gemacht und gefühlt drei Sekunden später habe ich geschlafen.

Wenn ich gestern gebloggt hätte, hätte ich aber wohl geschrieben, dass Michel sehr sehr froh war, denn er hat jetzt sein erstes Handy (damit wir ihn erreichen können, wenn er alleine von der Schule nach Hause geht, was er sich schon länger wünscht). Nach viel hin und her überlegen wurde es keine Kinder-Smartwatch und auch kein spezielles Kindertelefon, sondern mein altes iPhone im neuen Gewand (also einem extra festen und sogar wasserfesten Bumper drum rum) und innendrin von allem bereinigt, was das Kind nicht haben soll, und darüber hinaus mit scharfen parental controls für alles. Mit Apple kennen wir uns aus und man kann da wirklich viel kontrollieren, wenn man will. Die Schule lässt das ja leider nicht zu, richtet aber auch selbst keine entsprechenden Sperren am Schul-iPad ein und… tja. Das ist nicht so cool.

Jedenfalls hat Michel jetzt das Telefon und bald auch eine SIM-Karte mit der er dann nur uns und die Babysittermama anrufen kann (hähä). Die kommt aber per Post und weil er eine gewisse Zeit am Tag Pokémon Go spielen darf, was natürlich ohne WiFi nicht funktioniert, musste ich gestern mit ihm eine Runde drehen und mein Internet mit ihm teilen.

Ich dachte erst, ich könne das als flotten Spaziergang nutzen, aber beim Spielen geht es sich nicht so schnell und meine Uhr hat das nicht mal als Training erkannt. (Ich bin dann hinterher noch mal los, das war schön.)

Jedenfalls ist Michel so stolz und freut sich total und er kommt mir so groß vor – ein eigenes Handy, um alleine 30 Minuten nach Hause zu laufen, ohne dass Mama vor Panik zu Hause eingeht! Hammer!

Das hätte ich gestern geschrieben. Heute hatten wir den ersten Heulkrampf wegen Pokémon Go, also eher, weil Michel da sein bestes Pokémon in eine Arena gesetzt hatte, ohne zu wissen, dass er das erst wieder bekommt, wenn wer dagegen gekämpft hat. Als ihm das aufging schaltete sein Hirn gleichzeitig in Fight und Flight und er schreulte verzweifelt mitten im Ort eine halbe Stunde ohne sich zu beruhigen. Mein armer Zwerg.

Die Babysittermama hat mir neulich erklärt, dass solches Verhalten in Michels Alter (leider) normal ist. Ich weiß nur noch nicht ganz, wie ich damit umgehen soll. Er muss lernen, dass Fehler passieren, auch ihm, und dass das überhaupt nicht schlimm ist, solange man draus lernt. Dass man sich drüber ärgern kann und darf und sollte (sonst lernt man eventuell eben nicht draus), aber dass einen das nicht komplett blockieren darf.

Und wenn ich ihm das beigebracht hab, bringe ich das danach mir selbst bei.

Tag 1813 – Konnte nur besser werden.

Unser Tag startete so lala, die Kinder waren zu früh wach und hatten deshalb etwas herausfordernde Laune und Herr Rabe fuhr schon früh mit seiner Schwester zu seiner Mutter ins Pflegeheim – da gibt es Coronabedingt strenge Besuchsslots und nur zwei Besuchende dürfen gleichzeitig hin, deshalb eben nur die beiden. Ich war offen gestanden nach dem späten Abend gestern etwas träge und dazu die Laune der Kinder, leichtes PMS und Herr Rabe, der nach der Rückkehr aus dem Pflegeheim sagte, er wolle A tun, aber dann sehr ausführlich B tat… puh. Schwierig. Sehr schwierig.

Meine eigene Laune besserte sich, als wir dann doch noch (auf den letzten Drücker) A taten, nämlich sehr viel Zeug entsorgen, das hier noch im Opa-Haus von Herrn Rabe herumdiffundierte. Entsorgen finde ich immer gut.

Noch besser war dann aber das Minigolfspielen danach, das hat sehr viel Spaß gemacht, auch wenn (oder grade weil) sich die Kinder nur schwer an die Regeln halten können. Ich brachte ganz zu Anfang ein Mal aus Versehen Pippi zum Weinen, weil sie mich fast mit dem Schläger erschlagen hätte, mehrmals, und ich daraufhin eine Ansage machte und etwas schreckhaft auf ihre wilden Schlägerschwünge reagierte. Nachdem das aber geklärt war, hatten wir alle Spaß, dann schiebt Pippi halt den Ball mit dem Schläger den Hügel hoch, so what. Sie ist fünf. Michel sprang quer über den Platz und jubelte „I‘m a pro gamer!“ und es war sehr niedlich, äh, cool, total cool. Auf dem Rückweg machten wir ein albernes Familienselfie und dann wollte Michel schnell nach Hause. Wir übten auf dem Weg ein bisschen englisch, dann bekam ich einen Vortrag über Pokémon und dann übte Michel schnell duschen – wir hoffen ja immer noch alle, dass er dann im nächsten Jahr schwimmen in der Schule bekommt, das ist dieses Jahr ja ausgefallen wegen Corona. Aber da steht der kleine Zwerg unter der Dusche und philosophiert darüber, wie er dann ganz schnell immer duschen wird, und dass das komisch wird, weil er nie mit anderen schwimmen war als uns und seinem Kindergartenfreund H.. Hachz.

Ich habe heute auch versucht, Michel zu erklären, wie die Beerdigung wohl morgen sein wird, was eine Urnenbeisetzung ist und dass wir das Loch auf dem Friedhof nicht selbst ausheben müssen. Besonders das mit der Urne und das ganze Thema Kremieren fand ich schwierig, kindgerecht zu erklären. Da ich in Michels Alter war, als ich eine fulminante Angst vor Friedhöfen und Sterben entwickelte, die dazu führte, dass ich z.B. Angst vorm Einschlafen hatte, geht mir das extra nahe. Es war mir ein Anliegen, sehr klar zu sagen, dass nur der Körper der gestorbenen Person verbrannt wird, dass der Körper angezogen wird und der Körper in einem Sarg liegt und dass die Person da schon lange nicht mehr da ist und davon gar nichts mehr merken kann. Ich hoffe wirklich, es ist mir gelungen. Wir werden es morgen vermutlich sehen. Michels Kommentar dazu war übrigens „Ich hab das bei YouTube gesehen. Wir weinen alle zusammen und dann ist es vorbei.“ und wer weiß. Vielleicht wird es so. Oder anders.

Michel tickt sehr wie ich, im Guten wie im Schlechten.

Abends habe ich wieder Harry Potter auf Norwegisch vorgelesen und sehr mit den Augen gerollt, aber als ich aufstehen wollte, war ich versöhnt durch zwei Kuschelkinder.

Es ist immer noch manchmal ganz absurd, dass wir die Eltern von zwei richtigen kleinen Menschen sind.

Tag 1794 – Nicht viel zu berichten.

Einziger abgehakter To-Do: Paniermehl machen. Premiere dabei: Michel wollte unbedingt *ohne* Gehörschutz mitmachen. Und hat es dann auch durchgezogen.

Das Bild gibt es in zwei Versionen. Auf der anderen stehen links im Bild noch unsere zwei Bierdosen von gestern, aber damit Das Internet™️ nicht denkt, dass wir Dosenbier trinkende Menschen sind, hab ich sie weggenommen. Dabei ist an Dosenbier ja nichts verwerfliches, nur assoziiert man diverse Dinge damit und herrje, Mut zum Dosenbier.

Ansonsten war heute mal wieder doofes Wetter, ich hab sämtliche Schweinchen sauber gemacht, Pippi hat sich sowohl rohe als auch mit frischen Kräutern aus dem eigenen Garten angebratene Champignons reingezogen, als hätte Michel nie dazu Kotzgeräusche gemacht und das hat mich sehr froh gemacht. Die Schweinchenladies werden langsam mutiger im Badezimmerauslauf, aber nicht so mutig, als dass sie sich aus dem Staub gemacht hätten, als Pippi nach einem Klogang die Tür sperrangelweit aufstehen ließ und ich es erst nach ein paar Minuten bemerkte. Überhaupt sollte sie gar nicht unten aufs Klo, weil da ja die Ladies rumliefen und argh. Dieses Kind tut einfach was es will. Muffin ist ja eh relativ mutig, oder abgestumpft, wer weiß. Heute habe ich dann auch mal geschnallt, dass er sein Antibiotikum sehr gern mag und ich ihn gar nicht in den Fixiergriff nehmen muss, um ihn das zu geben. Vielleicht hab ich ihn auch erfolgreich auf das Salatblatt danach konditioniert. Jedenfalls freue ich mich auf die Aussicht, ihn nicht zwei mal täglich einfangen zu müssen, das ist ja für ihn auch großer Stress.

Ich plane einen kleineren Ausflug zum „Apfelgarten“, einer wilden Wiese mit (ungepflegten) Apfelbäumen neben der Schule, um für die Schweinchen ein paar Zweige und Äste zu räubern. Bisher sind sie von Gehölz noch nicht angetan, außer Himbeeren (also nicht die Beeren, sondern die Pflanze), die finden sie ab und an mal gut. Andererseits kann ich mir auch gut vorstellen, dass die Vorbesitzer jeweils nicht so sonderlich kreativ bei der Nahrungsauswahl waren. Und die Apfelbäume da auf der Wiese können einen Beschnitt (und vieles mehr, eigentlich…) brauchen. An einem ist letztes Jahr ein riesiger Ast abgebrochen, also es sah jedenfalls so aus, aber der hängt wohl noch fest genug, jedenfalls ist er dieses Jahr ganz normal ausgetrieben und trägt auch, aber halt am seidenen Faden am Baum hängend beziehungsweise auf dem Boden liegend. Krass, was Natur kann.

Tag 1790 – Inneres und Äußeres Regenwetter.

Innen war mehr so Blitz und Donner, außen Regen mit Hagel und noch mehr Regen bei feindseligen 9 Grad.

Herr Rabe ist erkältet. Pippi hat am Freitag Nachmittag eine Kindergartenerkältung mit nach Hause gebracht, gestern hatte Herr Rabe Halskratzen und heute fuhr Herr Rabe deshalb brav nicht mit dem ÖPNV ins Büro, um von dort aus ungestört zu arbeiten, sondern blieb zu Hause. Leider legte sich Herr Rabe direkt den ganzen Tag ins Bett, da kann ich ja immer nicht so super gut mit umgehen.

Ich hakte weiter Sachen ab. Kinderrucksäcke waschen, Winter- und Regenkleidung waschen, check check check. Sogar den Wäschehaufen auf dem Gästematratzensofa bin ich zähneknirschend angegangen, allerdings hab ich nur die Kindersachen und meine eine Hose verräumt (bzw. in die Waschmaschine gestopft, weil es mir extrem widerstrebt, dreckige Winterkleidung für mehrere Monate in Kisten zu stecken und ich frag mich auch, warum die überhaupt auf dem Sofa lagen und nicht in der Wäsche waren und überhaupt, Blitz, Donner). Es hatte sich für drei die befreundete Innenarchitektin angekündigt, da sollte es wenigstens halbwegs ordentlich (wenn auch trostlos, das ist ja Teil des Problems) aussehen. Die befreundete Innenarchitektin kam dann aus Gründen doch erst um halb fünf, aber wir haben jetzt einen groben Plan und werden den Themenkomplex „Kinderzimmer trennen“, der, wie gewohnt, gleich eine ganze Ratte an weiteren Aktionen nach sich zieht, mit professioneller Hilfe angehen. Ungewohnt für mich, mich nur um wenig kümmern zu müssen, zum Beispiel prüft die Innenarchitektin, ob wir den Einbau eines Dachfensters wohl bei der Kommune beantragen müssen. Sehr seltsam, offen gestanden, da die Kontrolle abzugeben, aber auch sehr angenehm, den damit einhergehenden Mental Load bei einer abzuladen, die damit ihren Lebensunterhalt verdient. Eigentlich win-win, ich muss nur loslassen lernen und das ist für eine Kontrolletti nicht so leicht aber auch das schaffe ich. Stichwort eiserne Disziplin, jetzt also bei „Ich mische mich nicht ein“.

Am Ende des Tages fing dann leider auch Michel an zu nölen, ihm sei so kalt und die Nase sei zu und der hat jetzt also auch Pippis Seuche. Nachdem er eigentlich gut eingeschlafen war, stand er dann alsbald auch wieder im Wohnzimmer, weil Pippi ihn störe. Er hat dann also nach langer Zeit mal wieder RuPauls Drag Race mit uns geguckt und WHOA WIE GUT DER INZWISCHEN ENGLISCH KANN. Der ist sieben und versteht… fast alles. Er kann übersetzen („I’m gonna jump out of the car right now!”) und sagt auch selbst komplette Sätze („I want to buy her as a Christmas tree.“). Was manchmal lustig ist, ist dass er den (in diesem Fall auch noch… speziellen) Erwachsenenhumor oft nicht versteht, zum Beispiel, warum der sagt, dass er aus dem Auto springen will (weil er traurig ist, rausgeflogen zu sein). Dass da eine bei einer Mini-Challenge 5.000 $ gewonnen hat, hat ihn schwer beeindruckt und er wollte dann wissen, ob man damit wohl reich wird. Offen gestanden weiß ich das nicht, ich glaube, man muss ein ziemliches Ausnahmetalent sein und vermutlich sehr sehr hart arbeiten und dann kann man mit Glück phasenweise davon leben, wäre meine Vermutung. Und ein paar ganz wenige werden reich. RuPaul zum Beispiel. Aber den gibt’s ja schon.

Aus Zwanghaftigkeit habe ich dann beim Drag Race gucken erst den Käfig der Meerschweinladies gereinigt und dann noch mein heutiges Workout erledigt und jetzt werde ich vielleicht einfach nie wieder irgendwas hochheben.

Hoffentlich wird das Wetter morgen ein bisschen besser, außen wenigstens, das dürfte innen dann auch wirken.

Tag 1784 – Corontäne Tag 10 v2.

Yesssss fast geschafft. Letzter Tag, ab morgen darf ich wieder „raus“.

Ich, nein, Herr Rabe und ich, haben heute was zu feiern. Bitte malen Sie alle sich den Tag im Kalender rot an, ich mache ca. 4926 Kreuze: Michel hat mich beim Einschlafen rausgeschickt. Er könne alleine einschlafen. 7 Jahre, 8 Monate und 20 Tage, eine Ära geht zu Ende. Sie sehen mich tanzen und singen. Ich nehme an, dass er jetzt heimlich noch liest, aber egal, EGAAAAAL, ich muss da nicht mehr jeden (zweiten) Abend ewig liegen, Hallelujah!

(Pippi kann prima alleine ein- und ja auch durchschlafen. Da mache ich mir keine Gedanken. Außerdem schläft Pippi meistens innerhalb von 30 Sekunden, nachdem sie mit dem allabendlichen Hampeln aufgehört hat, ein, der ganze Prozess dauert meistens nicht mehr als 10 Minuten und 10 Minuten kuscheln finde ich ja sogar ganz schön.)

Das heißt auch, dass Michel endlich liest. Mein Baby. Hachz!

Tag 1761 – Kontrastreich.

Der Arbeitstag bestand aus 95% Videomeetings. Uff, ey. Irgendwann bin ich auch leer gelabert. Aber immerhin habe ich am Ende des Tages eine (1!) wichtige Mail verschickt, Yeah. Much produktiv. Wow.

Das positive: am Ende des Arbeitstages war ich dann tatsächlich mit der Arbeit auch fertig. Der Kindergarten hat ja jetzt wieder bis 17 Uhr auf, das habe ich heute direkt mal (fast) ausgereizt, aber ich muss schon sagen, nach dem Kinder abholen nicht noch mal ran müssen, hat durchaus auch was. Das war fast so ähnlich wie normal.

Pippi hat jetzt eine ausgeprägte Kriechviechzeuch-Phase. Gestern hat sie eine „Baby“-Schnecke gefunden (so eine Feld-Wald-und-Wiesen-Schnecke, durchaus ausgewachsen) und direkt im Terrarium zu den großen Schnecken gesetzt. Bei Schnecken kann ich ja nichts sagen. Aber heute hatte sie eine kleine Larve aus dem Kindergarten mitgebracht, ein winziges, weißes, zappelndes Würmchen, das „darf“ jetzt draußen im Blumenbeet leben. „Leben“. Ähäm.

Ich verstehe es ja sogar. Ich habe heute ein paar der vermaledeiten Büsche ausgegraben, um die Samstag gekauften Bäume dort hin zu pflanzen. Erstens war das sehr anstrengend und ich bin jetzt sehr platt und mich juckt es immer noch überall, weil ich in meiner Schwitzigkeit von Haufenweise Kriebelmücken umschwärmt wurde (die Kehrseite des norwegischen Sommers), andererseits habe ich auch ein schlechtes Gewissen, weil ich bestimmt drei Regenwürmer versehentlich mit meinem Spaten zerteilt habe. Einen wollte ich sogar extra retten, zog etwas feste… naja. Hatte dann einen halben, zappelnden Regenwurm in der Hand. Sorry, kleiner Wurm. Es war echt nicht so gemeint. Ich wollte nur helfen.

Dafür haben wir jetzt Bäume und ich möchte wirklich auf gar keinen Fall mehr dieser Büsche als unbedingt nötig ausgraben. Der Rest wird direkt über dem Boden abgesägt, Unkrauttuch drüber, Kies drauf und dann breiten wir den Mantel des Schweigens über die ehemalige Hecke. Ich fürchte aber, zumindest da wo die Stützpfähle (Pömpel, bittedanke) für den Zaun hinkommen, müssen noch Büsche raus, durch das Wurzelwerk kommen wir sonst mit so einem Erdspieß nicht durch. Uff. Also noch 14 mal graben. Uff, uff.

Morgen wird Muffin (hoffentlich, sein Gesamtzustand muss das ja zulassen, und seine Haut ist zwar schon besser geworden, aber von gut noch weit entfernt. Aber er frisst sehr gut und macht auch sonst einen sehr fitten Eindruck, naja, mal schauen) kastriert. Michel weiß jetzt, dass Muffins Penis dabei dran bleibt und was die Hoden sind, bei Muffin und bei ihm selbst auch. Es ist ja echt nicht so, als hätten wir da je ein Geheimnis draus gemacht, was bei den Körpern zum Beispiel seiner Eltern so die Unterschiede sind, oder wo die Babies herkommen oder sonstwas. Es hat ihn einfach nie sonderlich interessiert (ganz im Gegensatz zu Pippi übrigens). Manchmal fällt uns das jetzt auf die Füße, weil Michel von seinen Kumpels nur die umgangssprachlichen, norwegischen Ausdrücke kennt, die ich dann aber nicht kenne, und dafür, wenn ich Hoden sage, er damit nichts anfangen kann. (Falls Sie immer schon mal wissen wollten, wie der „Sack“ auf Norwegisch heißt: pungen. Die „Eier“ heißen baller. Bittedankeimmergern.) Ich bin wahrscheinlich am aufgeregtesten von allen Beteiligten wegen dieser OP. Uff, uff!

Jetzt hoffe ich auf Einschlafen in unter 2,5 Stunden. Nicht so wie gestern. Das wäre schön.

Tag 1734 – Michel langweilt sich.

Michel fühlte sich heute morgen auch nicht ganz fit und da sind die neuen Regeln streng – auch 90% fitte Kinder dürfen nicht zur Schule. Michel blieb also zu Hause, aber unter der Bedingung, dass er kein Fernsehen und kein iPad guckt.

Das erste mal kam er um halb zehn: er habe jetzt alles(TM) gemacht, was er jetzt machen solle?

Ab zwölf wurde er penetrant mit dem Nerven, was er machen solle.

Und um halb zwei, während Herr Rabe neben mir stand, bekam ich eine SMS von Herrn Rabe:

Michel sol(l) also (ein) bis(sch)en Fe(r)ns(ehe/i)n (kokguck)en.

Soso.

(Da hat der glatt geschafft, über Herrn Rabes Arbeitsrechner eine SMS an mich zu schicken. Kluges Kind. Jetzt halt noch Rechtschreibung lernen und vor allem besseres Timing, dann kaufe ich ihm das sogar ab.)

Rübennase, der.