Tag 1790 – Inneres und Äußeres Regenwetter.

Innen war mehr so Blitz und Donner, außen Regen mit Hagel und noch mehr Regen bei feindseligen 9 Grad.

Herr Rabe ist erkältet. Pippi hat am Freitag Nachmittag eine Kindergartenerkältung mit nach Hause gebracht, gestern hatte Herr Rabe Halskratzen und heute fuhr Herr Rabe deshalb brav nicht mit dem ÖPNV ins Büro, um von dort aus ungestört zu arbeiten, sondern blieb zu Hause. Leider legte sich Herr Rabe direkt den ganzen Tag ins Bett, da kann ich ja immer nicht so super gut mit umgehen.

Ich hakte weiter Sachen ab. Kinderrucksäcke waschen, Winter- und Regenkleidung waschen, check check check. Sogar den Wäschehaufen auf dem Gästematratzensofa bin ich zähneknirschend angegangen, allerdings hab ich nur die Kindersachen und meine eine Hose verräumt (bzw. in die Waschmaschine gestopft, weil es mir extrem widerstrebt, dreckige Winterkleidung für mehrere Monate in Kisten zu stecken und ich frag mich auch, warum die überhaupt auf dem Sofa lagen und nicht in der Wäsche waren und überhaupt, Blitz, Donner). Es hatte sich für drei die befreundete Innenarchitektin angekündigt, da sollte es wenigstens halbwegs ordentlich (wenn auch trostlos, das ist ja Teil des Problems) aussehen. Die befreundete Innenarchitektin kam dann aus Gründen doch erst um halb fünf, aber wir haben jetzt einen groben Plan und werden den Themenkomplex „Kinderzimmer trennen“, der, wie gewohnt, gleich eine ganze Ratte an weiteren Aktionen nach sich zieht, mit professioneller Hilfe angehen. Ungewohnt für mich, mich nur um wenig kümmern zu müssen, zum Beispiel prüft die Innenarchitektin, ob wir den Einbau eines Dachfensters wohl bei der Kommune beantragen müssen. Sehr seltsam, offen gestanden, da die Kontrolle abzugeben, aber auch sehr angenehm, den damit einhergehenden Mental Load bei einer abzuladen, die damit ihren Lebensunterhalt verdient. Eigentlich win-win, ich muss nur loslassen lernen und das ist für eine Kontrolletti nicht so leicht aber auch das schaffe ich. Stichwort eiserne Disziplin, jetzt also bei „Ich mische mich nicht ein“.

Am Ende des Tages fing dann leider auch Michel an zu nölen, ihm sei so kalt und die Nase sei zu und der hat jetzt also auch Pippis Seuche. Nachdem er eigentlich gut eingeschlafen war, stand er dann alsbald auch wieder im Wohnzimmer, weil Pippi ihn störe. Er hat dann also nach langer Zeit mal wieder RuPauls Drag Race mit uns geguckt und WHOA WIE GUT DER INZWISCHEN ENGLISCH KANN. Der ist sieben und versteht… fast alles. Er kann übersetzen („I’m gonna jump out of the car right now!”) und sagt auch selbst komplette Sätze („I want to buy her as a Christmas tree.“). Was manchmal lustig ist, ist dass er den (in diesem Fall auch noch… speziellen) Erwachsenenhumor oft nicht versteht, zum Beispiel, warum der sagt, dass er aus dem Auto springen will (weil er traurig ist, rausgeflogen zu sein). Dass da eine bei einer Mini-Challenge 5.000 $ gewonnen hat, hat ihn schwer beeindruckt und er wollte dann wissen, ob man damit wohl reich wird. Offen gestanden weiß ich das nicht, ich glaube, man muss ein ziemliches Ausnahmetalent sein und vermutlich sehr sehr hart arbeiten und dann kann man mit Glück phasenweise davon leben, wäre meine Vermutung. Und ein paar ganz wenige werden reich. RuPaul zum Beispiel. Aber den gibt’s ja schon.

Aus Zwanghaftigkeit habe ich dann beim Drag Race gucken erst den Käfig der Meerschweinladies gereinigt und dann noch mein heutiges Workout erledigt und jetzt werde ich vielleicht einfach nie wieder irgendwas hochheben.

Hoffentlich wird das Wetter morgen ein bisschen besser, außen wenigstens, das dürfte innen dann auch wirken.

Tag 1784 – Corontäne Tag 10 v2.

Yesssss fast geschafft. Letzter Tag, ab morgen darf ich wieder „raus“.

Ich, nein, Herr Rabe und ich, haben heute was zu feiern. Bitte malen Sie alle sich den Tag im Kalender rot an, ich mache ca. 4926 Kreuze: Michel hat mich beim Einschlafen rausgeschickt. Er könne alleine einschlafen. 7 Jahre, 8 Monate und 20 Tage, eine Ära geht zu Ende. Sie sehen mich tanzen und singen. Ich nehme an, dass er jetzt heimlich noch liest, aber egal, EGAAAAAL, ich muss da nicht mehr jeden (zweiten) Abend ewig liegen, Hallelujah!

(Pippi kann prima alleine ein- und ja auch durchschlafen. Da mache ich mir keine Gedanken. Außerdem schläft Pippi meistens innerhalb von 30 Sekunden, nachdem sie mit dem allabendlichen Hampeln aufgehört hat, ein, der ganze Prozess dauert meistens nicht mehr als 10 Minuten und 10 Minuten kuscheln finde ich ja sogar ganz schön.)

Das heißt auch, dass Michel endlich liest. Mein Baby. Hachz!

Tag 1761 – Kontrastreich.

Der Arbeitstag bestand aus 95% Videomeetings. Uff, ey. Irgendwann bin ich auch leer gelabert. Aber immerhin habe ich am Ende des Tages eine (1!) wichtige Mail verschickt, Yeah. Much produktiv. Wow.

Das positive: am Ende des Arbeitstages war ich dann tatsächlich mit der Arbeit auch fertig. Der Kindergarten hat ja jetzt wieder bis 17 Uhr auf, das habe ich heute direkt mal (fast) ausgereizt, aber ich muss schon sagen, nach dem Kinder abholen nicht noch mal ran müssen, hat durchaus auch was. Das war fast so ähnlich wie normal.

Pippi hat jetzt eine ausgeprägte Kriechviechzeuch-Phase. Gestern hat sie eine „Baby“-Schnecke gefunden (so eine Feld-Wald-und-Wiesen-Schnecke, durchaus ausgewachsen) und direkt im Terrarium zu den großen Schnecken gesetzt. Bei Schnecken kann ich ja nichts sagen. Aber heute hatte sie eine kleine Larve aus dem Kindergarten mitgebracht, ein winziges, weißes, zappelndes Würmchen, das „darf“ jetzt draußen im Blumenbeet leben. „Leben“. Ähäm.

Ich verstehe es ja sogar. Ich habe heute ein paar der vermaledeiten Büsche ausgegraben, um die Samstag gekauften Bäume dort hin zu pflanzen. Erstens war das sehr anstrengend und ich bin jetzt sehr platt und mich juckt es immer noch überall, weil ich in meiner Schwitzigkeit von Haufenweise Kriebelmücken umschwärmt wurde (die Kehrseite des norwegischen Sommers), andererseits habe ich auch ein schlechtes Gewissen, weil ich bestimmt drei Regenwürmer versehentlich mit meinem Spaten zerteilt habe. Einen wollte ich sogar extra retten, zog etwas feste… naja. Hatte dann einen halben, zappelnden Regenwurm in der Hand. Sorry, kleiner Wurm. Es war echt nicht so gemeint. Ich wollte nur helfen.

Dafür haben wir jetzt Bäume und ich möchte wirklich auf gar keinen Fall mehr dieser Büsche als unbedingt nötig ausgraben. Der Rest wird direkt über dem Boden abgesägt, Unkrauttuch drüber, Kies drauf und dann breiten wir den Mantel des Schweigens über die ehemalige Hecke. Ich fürchte aber, zumindest da wo die Stützpfähle (Pömpel, bittedanke) für den Zaun hinkommen, müssen noch Büsche raus, durch das Wurzelwerk kommen wir sonst mit so einem Erdspieß nicht durch. Uff. Also noch 14 mal graben. Uff, uff.

Morgen wird Muffin (hoffentlich, sein Gesamtzustand muss das ja zulassen, und seine Haut ist zwar schon besser geworden, aber von gut noch weit entfernt. Aber er frisst sehr gut und macht auch sonst einen sehr fitten Eindruck, naja, mal schauen) kastriert. Michel weiß jetzt, dass Muffins Penis dabei dran bleibt und was die Hoden sind, bei Muffin und bei ihm selbst auch. Es ist ja echt nicht so, als hätten wir da je ein Geheimnis draus gemacht, was bei den Körpern zum Beispiel seiner Eltern so die Unterschiede sind, oder wo die Babies herkommen oder sonstwas. Es hat ihn einfach nie sonderlich interessiert (ganz im Gegensatz zu Pippi übrigens). Manchmal fällt uns das jetzt auf die Füße, weil Michel von seinen Kumpels nur die umgangssprachlichen, norwegischen Ausdrücke kennt, die ich dann aber nicht kenne, und dafür, wenn ich Hoden sage, er damit nichts anfangen kann. (Falls Sie immer schon mal wissen wollten, wie der „Sack“ auf Norwegisch heißt: pungen. Die „Eier“ heißen baller. Bittedankeimmergern.) Ich bin wahrscheinlich am aufgeregtesten von allen Beteiligten wegen dieser OP. Uff, uff!

Jetzt hoffe ich auf Einschlafen in unter 2,5 Stunden. Nicht so wie gestern. Das wäre schön.

Tag 1734 – Michel langweilt sich.

Michel fühlte sich heute morgen auch nicht ganz fit und da sind die neuen Regeln streng – auch 90% fitte Kinder dürfen nicht zur Schule. Michel blieb also zu Hause, aber unter der Bedingung, dass er kein Fernsehen und kein iPad guckt.

Das erste mal kam er um halb zehn: er habe jetzt alles(TM) gemacht, was er jetzt machen solle?

Ab zwölf wurde er penetrant mit dem Nerven, was er machen solle.

Und um halb zwei, während Herr Rabe neben mir stand, bekam ich eine SMS von Herrn Rabe:

Michel sol(l) also (ein) bis(sch)en Fe(r)ns(ehe/i)n (kokguck)en.

Soso.

(Da hat der glatt geschafft, über Herrn Rabes Arbeitsrechner eine SMS an mich zu schicken. Kluges Kind. Jetzt halt noch Rechtschreibung lernen und vor allem besseres Timing, dann kaufe ich ihm das sogar ab.)

Rübennase, der.

Tag 1733 – Ach, ach.

Ach, Zwergi. Erst Gemotze am Morgen, unausstehliche Laune, beim Abliefern an der Schule klingelt es während wir noch etwa 10 m vom Tor entfernt sind und ich werde fast von dir vor Wut über das „zu spät kommen“ (14,5 Minuten bevor der Unterricht los geht) geschlagen. Kein Abschied, dafür ein Anruf der Schule um halb zwölf, dir sei übel. Ich hole also ein überraschend fröhliches und gesprächiges Kind ab, das von Schwindel erzählt und von „nur ein bisschen Gurke gegessen“. Das gesprächige Kind ist mir lieber als das wütende Motzkind vom Morgen. Ich helfe dir, deinen Hund für die Schule fertig zu nähen, du isst ein Brot und eine komplette Paprika zum Mittag, die Eisen-Brausetablette magst du aber nicht. Ich muss arbeiten, deshalb habe ich keine Zeit und keine Energie, dich vom iPad-gucken abzuhalten. Mittagsschlaf fände ich ja besser. Abends darfst du Minecraft spielen, denn da muss Herr Rabe nicht mehr an seinem Computer arbeiten. Ausmachen ist aber nicht so beliebt und du wirst wieder wütend und es gibt Geschrei und Herr Rabe ist sauer und du tobst und weinst und isst alleine am Wohnzimmer-Esstisch. Es ist alles etwas besser mit Essen im Bauch aber Herr Rabe ist noch sauer und du tobst und weinst wieder u d dann soll ich weggehen und dann doch nicht und dann kuscheln und dann ist alles wieder gut. Beim ins Bett bringen sagst du, dein Bein tut weh, ich sage, du wächst vielleicht, du alberst herum dass du dann ganz schief wirst, wenn nur das eine Bein wächst. Dann bringe ich dich ins Bett, in dem viel zu kleinen Schlafanzug, du kuschelst dich an dein Riesenkuscheltier und an mich und dann schläfst du ein und schnaufst und riechst und siehst aus wie als du ganz klein warst.

Da wächst wohl wer und es ist grad so manches schief, nicht nur das Bein.

Tag 1524 – Wochenende-Recap.

Das war also Michels Geburtstagswochenende. Ich wollte einen (ja fast traditionellen) Geburtstagsbeitrag schreiben, aber es will mir nicht von der Hand gehen. Dabei hab ich den Zwerg so schrecklich lieb, mit all seinen Clownereien und seinen weichen Seiten und seinen vielen Emotionen und seiner Begeisterung für Dinos/Pokémon/Lego/Lego/Lego und Mario Cart. Aber das ist ja schnell gesagt. Bester großer kleiner Zwerg der ganzen Welt. Und schon so groß!

Freitag lief nicht gut an, es knirschte im Familiengetriebe, aber Michel bekam davon nichts mit und freute sich ein Loch in den Bauch über seine neuen Pokémon-Karten weil da sind drei GX-Karten bei und ein Trizord, der eigentlich anders heißt, aber Michel nennt es Trizord und ach, als wären die eigentlichen Namen irgendwie realistischer. Herr Rabe und ich hatten als Staffelaktion am Donnerstag tatsächlich einen Dinokuchen gemacht und es tut mir leid aber das ist das einzige Foto, was ich überhaupt habe:

Pippi musste wegen des Fiebers am Donnerstag noch zu Hause bleiben, mit Herrn Rabe. Ich fuhr zur Arbeit, hatte drölfzig Meetings und tausend weitere Dinge zu tun, ließ aber nach Plan um 13 Uhr den Griffel fallen und fuhr nach Hause. Herr Rabe und Pippi sammelten mich am Bahnhof ein und wir holten erst Michel und dann seinen besten Freund ab. Michel war super stolz, mal schon mittags abgeholt zu werden, das hatte er sich auch schon seit Wochen gewünscht. Ich würd ihm das ja gerne öfter ermöglichen, aber außer dass er ab und an mit zu einem Freund gehen kann, wird das von uns aus eine absolute Ausnahme bleiben, leider. Auch leider: Ich hatte vergessen, in Oslo zum Asialaden zu gehen und das fiel mir dann Samstag auf die Füße. Tjanun. Wir feierten jedenfalls mit Kuchen und Kaffee und die Jungs spielten und Pippi hielt tapfer durch – aber als Michels Freund um kurz nach fünf abgeholt wurde, schlief sie quasi direkt auf dem Sofa ein. Zwar ohne Fieber, aber schlapp. Herr Rabe und Michel bauten Lego und ich zog mich aus Gründen an meine Nähmaschine zurück. Abends redeten Herr Rabe und ich noch lange über das Knirschen vom Morgen und überhaupt. Das war nicht so ganz, wie ich mir Michels 7. Geburtstag vorgestellt hatte, aber man sucht sich sowas ja nicht unbedingt immer aus und es wäre mir auch falsch vorgekommen, einfach mit Bier auf dem Sofa drauf anzustoßen, wie supidupi wir das alles seit nunmehr 7 Jahren wuppen.

Entsprechend (und weil Pippi eben um fünf eingeschlafen war und dementsprechend unruhig schlief) waren wir Samstag aber relativ durch. Es wäre 12von12 gewesen, aber aaahahaha. Nein. Ich stand voll unter Strom, Michel war aufgeregt, Pippi aufgeregt, Herr Rabe auf das Projekt „Aufräumen“ fokussiert, denn wir hatten für abends Gäste eingeladen. „Nur“ die Babysitterfamilie, aber trotzdem! Und die vertragen ja alle alles mögliche nicht und deshalb hätte ich eben im Asialaden Mandelmehl und Maismehl kaufen wollen. So musste ich nach Jessheim fahren, auf dem Weg war die Autobahn gesperrt, auf der Umleitung war Stau und überhaupt – als das Essen auf dem Tisch stand atmete ich eigentlich das erste mal durch. (Dazwischen war noch ein kleiner Ausraster meinerseits, weil mir der Kuchen aus Mandelmehl nicht gelingen wollte und ich bei den Versuchen aber alle Eier aufgebraucht hatte. Leider hat es ausgerechnet Michel mitbekommen, dabei habe ich es echt versucht, aber als mir beim zweiten Versuch das letzte Eigelb ins Eiweiß fiel und da kaputt ging und auslief, musste ich kurz ins Bad und ein bisschen schreien und weinen und atmen und dann ging’s wieder. Aber Michel macht sich immer sofort Sorgen und denkt auch schnell, er habe was falsch gemacht und ach, ach, nein, er hat ja nichts damit zu tun, dass seine Mutter auf Zu Viel irgendwann so reagiert. [Muss mir ganz kurz auf die Schulter klopfen: immerhin nichts kaputt gemacht!] Und dann verträgt der Babysitter neben Gluten halt auch keine Mandeln und der ganze Aufriss war also umsonst, aber als ich das erfuhr, war ich schon so emotional leergepumpt, dass mir das echt am Po vorbei ging.)

Der Abend war dann aber total nett. Michel baute sehr lange einträchtig mit der Elben-Schwester des Wikinger-Babysitters an seinem mega coolen neuen Lego-Technik-Auto. Da bewegen sich sogar die Kolben in den Zylindern, wenn man fährt! Michel war sehr stolz, dass er schon so viel davon selbst bauen kann, obwohl das Set ab neun ist! Wir haben sehr leckere Tacos gegessen (das erschien uns insofern sinnvoll, als dass man da selbst zusammenstellen kann, was man mag verträgt oder nicht. Aber wussten Sie, wieviele Taco-Shells „Spuren von Gluten“ enthalten können? Ich auch nicht. Herrje, was bin ich froh, dass hier im Großen und Ganzen alle alles vertragen.) und heute Abend haben wir dann noch mal Tacos gegessen und morgen gibt es Taco-Suppe aus den dann aber wirklich allerletzten Resten. Ich kann echt nicht gut abschätzen, wieviel drei weitere Erwachsene essen (oder nicht essen). Michel mag kein Hackfleisch, das wissen wir jetzt auch. Aber man kann ja auch einfach Tacofladen mit Käse und Paprika essen.

Heute waren dann Michels Freunde M. und M. zu Besuch und die haben so süß gespielt, dass ich richtig lachen musste. Die sind zwar wild, aber niedlich dabei und es ist alles noch so unschuldiger Pupshumor, mitsamt Gekicher weil „hihi, Pupspopokack!“, zum Schießen! Ich hätte viel vorgehabt, habe aber nicht so viel geschafft, weil die Nachbarin zwischendurch 2 Stunden zu Besuch war und die Mädchen alle zusammen gemalt haben und das alles so gemütlich war – das war wichtiger als den Mantel fertig nähen. An den hab ich heute Abend dann noch Taschen gebaut und geschaut, wo die Schnallen hinmüssen. Dann noch das Futter rein und dann ist er fertig. Ich bin sehr gespannt, unter anderem ob ich unten drunter noch was anziehen kann, oder ob das zu eng wird. Das wäre natürlich eher ungünstig.

Heute Abend habe ich Michel ins Bett gebracht und, hach. Der wird einfach immer mein Baby bleiben.

Tag 1520 – Hachja.

Die lieben Kleinen.

Erst hab ich heute Pippi im Schlafanzug zum Kindergarten* gebracht, weil sie sich absolut nicht umziehen wollte. Also frischen Schlüpfer an und die Schlafanzughose wieder angezogen. Ich wünschte jetzt, ich könnte so supermuttimäßig damit rumprotzen, wie toll Pippi nach diesem Zugeständnis den Rest des Morgens mitgemacht hätte, aber, wen überrascht’s, das Kind kann auch prima im Schlafanzug im Flur auf dem Boden liegen und sich jeder Zusammenarbeit einfach aus Prinzip verweigern.

Im Kindergarten lief sie dann aber sofort zu den anderen Kindern um zu verkünden: „Das ist mein sove… äh Schlafisssuk!“ Ich bin halt nicht die einzige Sprachverwirrte hier. (Pysj heißt es auf Norwegisch.)

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Michel plant Großes:

Schlimm, schlimm**, da bin ich auf Inspektion.

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Michel ist wohl heute in der Schule irgendwie von einem Mitschüler geschlagen worden. Die Lehrerin rief an, weil Michel sehr doll geweint hat. Wir haben darüber geredet, Michel und ich, und er möchte, dass die Lehrerin noch mal mit dem anderen Kind schimpft, das hat sie zwar schon getan, aber Michel hat es nicht mitbekommen und da greift bei Michel der Mechanismus „Pics or it didn’t happen“. Armer Zwerg. Und was geht bitte bei nem Kind das bei nem kleinen Disput direkt erst mal anderen Kindern ins Gesicht boxt?

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Jetzt liege ich mit Pippi im großen Bett und sie kann nicht wieder einschlafen. Zum, ich glaube, zweiten Mal überhaupt, hat sie sich nämlich im Bett eingepullert und das war offenbar sehr schlimm, und auch dass wir dann keine Möhrensuppe*** aus dem Hut zaubern konnten, war sehr schlimm und überhaupt, warum ist nicht jetzt Aufstehzeit?

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*Die Kindergärtnerin nur so „Jaja, das kenne ich, pick your battles. Das ist es nicht wert, morgens ne Stunde zu streiten.“

**Ich weiß nicht mehr, woher das kommt. Irgendein Sketch oder ne Serie. Jedenfalls ist das ironisch gemeint und man muss das in so einem resignierten Tonfall sagen (oder halt lesen) und zwischen Herrn Rabe und mir ist das so eine Standardredewendung.

***Wie auch immer sie darauf kommt, dass wir Möhrensuppe haben sollten.

Tag 1519 – Wort des Tages.

Tenketank. Wir beim Staat sprechen Norwegisch und da wird brutal eingenorwegischt. Beispiele:

  • Audit trail – Revisjonsspor
  • Back-up – Sikkerhetskopiering

Und jetzt eben

  • Thinktank – Tenketank

Herrje. Und da soll man ernst bleiben, wenn der oberste Oberdirektor die ganze Zeit tenketank sagt. Kadonkadonk, sagt RuPaul in meinem Kopf.

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Michel hat heute zum ersten Mal mit seinem Kumpel ganz allein den Bus genommen. Mein Baby! Sie sind zum Kumpel gefahren, da hat sie die Oma an der Bushaltestelle abgeholt und das war alles so abgesprochen und hat auch alles gut geklappt, aber irgendwie bin ich noch nicht so weit, dass ich entspannt mein Kind mit dem Bus durch die Gegend gondeln lasse. Also war ich unentspannt.

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Apropos bin noch nicht soweit: hier hat’s heute geschneit und es ist auch liegen geblieben. Ich möchte das echt vor Michels Geburtstag noch nicht.

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Apropos Sprachwirren und geschneit: der Nachbar, der mit einer Deutschen verheiratet ist, fragte heute mit seinem putzigen Akzent „Wie geht es?“ und ich grunzte „Ugh, ja, Schnee, bläh, ich bin noch nicht…“ und dann fehlte mir das Wort fürs norwegische „klar“ „fertig? Nein. Ich bin noch nicht bereit. Soweit! Ich bin noch nicht soweit.“

Meine Muttersprache geht langsam flöten. Es ist besorgniserregend. Ich bin noch nicht fertig dafür.

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Tenketank. Kadonkadonk. Gnihihi.

Tag 1420 – Erster richtiger Ferientag.

Heute also das erste mal richtige echte Schulferien für Michel. Kein Hort, keine Ferienspiele*, nichts. Wow. Mir ist glaube ich das erste mal so richtig aufgegangen, wie groß Michel im letzten Jahr geworden ist. Von schüchternem Kindergartenkind zu… naja immer noch relativ schüchternem aber auch wilden und Neunmalklugen Grundschüler. Die Erwachsenenzähne wachsen, die Haare sind im Nacken gestern raspelkurz rasiert worden – von Herr Rabe, wie immer – und in Verbindung mit der Nackenbräune sieht der weiße Rand jetzt zwar etwas lustig aus, aber es macht ihn schon optisch größer. Natürlich ist er schlacksig wie eh und je, aber morgen wollen wir Sandalen kaufen, mal gucken, was uns da am unteren Ende des Körpers für Überraschungen erwarten. Die größeren Überraschungen erwarte ich da aber bei Pippi, die hat immer schon recht große Füße gehabt und da grad schon wieder alle Socken „aaaaaaltfor liten!“ (Vieeeeeel zu klein) werden, bin ich mal gespannt. Jedenfalls morgen also Ausflug in die große Stadt. Mit einem großen Kind und einem noch größeren Kind. Hach, ich freue mich. Ich hab schon tolle Kinder, meistens weiß ich das auch. Heute sind sie beide ohne Körperkontakt eingeschlafen, ich saß nur noch vor dem Bett, nicht mehr drin. Ich habe Hoffnung, dass wir nach den Ferien nicht mehr Einschlafbegleiten müssen.

Doch, war schön heute. Wirklich schön.

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*nächste Woche ist eine Art Ferienspiele für Michel, Montag bis Donnerstag, eine Artisten-/Parcouring-/Balanceschule. Das wird bestimmt spannend, Michel macht das mit seinem Freund und die beiden freuen sich schon sehr darauf.

Tag 1409 – Versöhnlich.

Heute ging schief, was schief gehen konnte, von morgens bis abends, Sachen vergessen, falsche Sachen mitgenommen, Rechner will nicht, dann will Datenbank nicht, alles irgendwie Mist im Homeoffice, aber den Großteil meiner Aufgaben kriege ich doch irgendwie fertig, Rest muss ich am Wochenende machen.

Abends fahren wir zum Vikinger-Babysitter, denn die Kinder übernachten da morgen, es ist sehr aufregend für alle. Der Vikinger-Babysitter hatte letztens Geburtstag, ich versuche also erst online einen Gutschein bei einem Laden zu kriegen, der Sachen anbietet, die Teenie-Jungs cool finden, gebe aber nach dem dritten auf. Ich versuche Geld zu holen, bin schon wieder zu Hause, da fällt mir auf, dass ich kein Geld habe, hab das wohl im Automaten stecken lassen. Fahre zurück, treffe den Geldautomatentechniker, der mir erklärt, der Automat sei leer, es käme gar kein Geld raus, er fülle den nun auf, ich solle in einer halben Stunde wieder kommen. Also wieder nach Hause, zu spät zu spät, die Kinder nölig und aufgeregt, ich finde noch zwei 50-Kronen-Scheine und schaue anschließend ein Video, in dem jemand ENERVIEREND LANGSAM Geldscheine zu kleinen Hemden faltet. Wir packen den Kram für die Kinder und fahren dann los, 25 Minuten zu spät, nochmal zum Geldautomaten, 100 Kronen erscheinen mir etwas lächerlich für einen Teenie, treffe den Geldautomaten-Techniker, der mir erklärt, der Automat sei gar nicht leer gewesen sondern kaputt, aber jetzt ginge er wieder, er hätte den nämlich repariert. Im Auto also noch mal Geld falten und 30 Minuten zu spät beim Babysitter aufschlagen. Die Kinder sind jetzt jedenfalls auf Übernachten eingestellt, Pippi ist indifferent, Michel freut sich. Das hat eine Woche gedauert von Totalverweigerung mit Tränen bis zu Vorfreude. Uff. (Was hat den Dreh ausgemacht? Naja, erklären von uns aus natürlich. Augenhöhe! Außerdem haben die ein Trampolin und Minecraft und es gibt Pølse zum Abendessen.)

Als Herr Rabe die Kinder ins Bett brachte, räumte ich die Rucksäcke aus. Heute war nämlich letzter Schultag und auch Pippi macht morgen Ausflug (zum Flughafen. Fragen Sie nicht.) und hat nächste Woche Umgewöhnung in die neue KiTa-Gruppe, die Schränke leeren wir also jetzt schon nach und nach. Da fand ich Michels Schreibbuch im Rucksack und herrje, das ist so niedlich, ich musste ein bisschen vor Rührung weinen.

Ja, mein Kind malt wie ein Vierjähriger, aber das ängstliche Männchen, ich geh tot! (Aufgabe war: Gefühle malen. Froh, Traurig, Ängstlich, Wütend.)

Das ist Ostern. Das sind die zwei Bäumchen, die wir Ostern gepflanzt haben! Auf der da noch ganz braunen Wüste! *heuli*

Und hier: Jahresabschluss. Er sagt seiner Lehrerin Tschüss. Und er trägt den blauen Raketenrucksack vom Midimonsieur, an den er ein kleines Werbe-Bärchen gehängt hat, das jetzt immer mit muss. *heulipopeuli*

Dass man über sowas mal flennt denkt man ja auch nicht als junge Frau ohne Kinder.