Tag 598 – Nix zu erzählen…

Nee, echt nicht. Relativ ereignisloser Tag eigentlich. Kinder in den Kindergarten gebracht, Fahrrad zu Hause abgestellt, Maschine Wäsche angestellt, zu Fuß zur Arbeit. Arbeit, Meeting, Arbeit, Reisekostenabrechnungsrumgeärgere, god helg (Sprich: Guu hell(j), Schönes Wochenende, wichtige norwegische Floskel, fast so wichtig wie Takk for sist (tack for schisst), mit dem man sich für das letzte Treffen bedankt). Bus verpasst, nächsten Bus genommen, zu Hause Kinder drücken (Pippi kann jetzt „Aaam!“ sagen <3) und dann gegen die abrutschende Stimmung ankochen. Käsespätzle, das mögen wenigstens alle gerne. Michel will jetzt nächsten Donnerstag (!) auch „solche Nudeln mit Käse, derfordi de er godtest“ (das kann man nicht wirklich übersetzen, derfor heißt deshalb, fordi heißt weil, derfordi… tjanun. Und godtest wäre der Superlativ (der Neutrum-Form Singular von) von god = gut, aber ganz ähnlich wie im Deutschen ist der Superlativ davon best… Es ist verwirrend.). Überhaupt redet Michel im Moment sehr lustig und ich möchte einfach, dass er nie aufhört „verschiedlich“ zu sagen. Nach dem Essen Kinder ins Bett komplimentiert, mich selbst vorher gewaschen* und Zähne geputzt, falls ich dabei einschlafe, aber nein, ich bin immer noch wach. Ach ja: Termine für alle bei der Lieblingsfriseurin in Bielefeld ausgemacht, Michel hat es sehr nötig, ich auch, Herr Rabe geht so und Pippi hat ihre Flusen, da könnte man vielleicht mal die splissigen Spitzen am Hinterkopf abschneiden und sowas wie ne Form reinzaubern. Falls sie wen an sich ranlässt. 

Sonst war nix.

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* Lidschattentest: gestern hatte ich mir was alltagstaugliches mit einem Tacken Extra-Glitzer von ColourPop auf die Augen gemalt. Ich bin restlos begeistert. Die Lidschatten sind erstmal etwas ungewohnt, weil kaum pudrig, sondern eher etwas cremig beim Auftragen. Dadurch aber deckend wie sonstwas und viel präziser aufzutragen. Und vor allem halten die ewig, nix verläuft oder verschmiert oder entglitzert sich. Ich habe sonst schnell so eine dunkle Rille in der Lidfalte, weil meine Haut eben auch auf den Lidern schnell nachfettet, das machte dem ColourPop aber gar nix. Heute dagegen wollte ich mal die eine Palette von Covergirl (hab ich in den USA gekauft, weil unschlagbar günstig) ausprobieren. Der verläuft zwar auch nicht und hielt auch insgesamt recht gut, aber die Glitzerpartikel hatte ich heute Abend dann überall: auf den Lidern, aber auch auf den Wangen, in den Augenbrauen, in den Wimpern und ein besonders hartnäckiges Teilchen hatte sich quasi-kovalent mit meiner Unterlippe verbunden. Ich bleib bei ColourPop.

Tag 597 – The value of a PhD.

Ich war heute bei einer Veranstaltung, die den oben genannten Titel trug. Kurz gesagt: es war totale Zeitverschwendung. Oder doch nicht, denn es ist mir bei all den Plattitüden („Know your value!“ „You have to leave your comfort zone!“ „Think outside the box!“ „Knowledge is the future! – YOU are the future!“) klar geworden, dass ich da fehl am Platze bin. Und das nicht nur, weil das alles sehr auf BauingenieurswesenStahlgussÖlförderung ausgerichtet war und null Menschen da waren, mit denen man sich über Jobs für Molekulare-Irgendwas-Menschen hätte unterhalten können. Nein, auch weil mir in den letzten zwei Monaten mein Wert sehr bewusst geworden ist. Unbewusst zwar, aber heute fielen ein paar zusätzliche Groschen:

  • Ich hab es aus dem Tal rausgeschafft. Letztlich alleine. Die Hilfe die ich dafür brauchte habe ich mir selbst organisiert. (Und ich habe unheimlich viel Zuspruch bekommen, hier und offline, aber vor allem hier und dafür bin ich sehr dankbar. Andere haben dafür vielleicht mehr Familie vor Ort oder einen größeren Freundeskreis, ich hab eben Sie alle.)
  • Ich kann total organisiert sein, wenn ich genug zu tun habe, das mir sinnvoll erscheint. Ich arbeite nicht 24/7 und im Gegensatz zu manchen Doktorand*Innen heute wäre ich da auch absolut nicht stolz drauf, wenn es so wäre. Im Gegenteil: Ich bin meist stolz, wenn ich die acht Stunden täglich sinnvoll fülle, aber nicht regelmäßig überziehe.
  • Ich habe den Mut entwickelt, anderenfalls einfach nach Hause zu gehen um andere/mehr/interessantere Aufgaben zu bitten. Ich sage Mut, weil mir das früher wie ein Eingeständnis der eigenen Nutzlosigkeit vorkam, das muss man erstmal überwinden.
  • Ich habe erkannt, dass das blöde Projekt nicht läuft. Und vor allem, dass ich da keine Ressourcen für habe, weder zeitlich noch nervlich.
  • Ich habe erkannt, dass das andere Projekt gut läuft, ich das aber nicht ganz alleine schaffen kann. Und ich hab den kompletten Schlachtplan fürs nächste, sagen wir mal, Jahr für dieses Projekt ausgearbeitet. Dazu habe ich recherchiert, gelernt, Ideen gehabt, Ideen verworfen, mit Menschen gesprochen und als ich ziemlich sicher war, gute Ideen präsentieren zu können, die genug outside the box sind um meinem Chef nicht schon gekommen zu sein, bin ich zu ihm hingegangen und hab den Rest mit ihm ausgefeilt. Aber es bleiben meine Ideen. Wenn die scheitern, blöd. Wenn nicht: meine Ideen. Eigenverantwortlichkeit, Eigeninitiative: Check.
  • Meine Güte, ich hab diese Konferenz selbst gefunden, hab da alles drum rum organisiert, das Stipendium besorgt, und ich bin da ganz alleine hingeflogen! ICH WAR DIE EINZIGE PhD-STUDENTIN DA, DIE OHNE ELTERN SUPERVISOR DA WAR! Und es ist mir egal, ich brauche meinen Chef nicht um Kontakte zu knüpfen oder um an die Hand genommen zu werden, welche Dinge ich mir wann angucken sollte. Und ich hab da wirklich wahnsinnig viel gelernt und habe jetzt nicht mehr ganz so große Angst vor einer Nucleinsäurebasenchemie-lastigen Verteidigung. (Eigentlich keine, aber das klingt arrogant und ich weiß außerdem genau, dass die Angst wiederkommt. Spätestens zwei Wochen vor der Defense werde ich ein Nervenwrack sein.)

Ich finde, insgesamt sieht es doch alles ganz gut aus. Ich muss jetzt den PhD „nur“ noch fertig kriegen, dann kann ich mich bewerben. Ich hab vier Jahre Industrieerfahrung, dann in weiteren vier Jahren zwei mal ganz andere (fachliche) Dinge gelernt, plus den ganzen Frustrationsmanagement-Kram und das Projektjonglieren und das Experimentendesign von da oben, ich habe auch keine Scheu mehr, das Menschen gegenüber auszusprechen, was ich gut kann und (da hab ich den anderen PhD-Studenten ganz offensichtlich was voraus): Ich habe keine Illusion, dass ich in meinem superspeziellen Minifeld, für das sich vielleicht 20 Leute weltweit interessieren, eine entsprechende Stelle in der Industrie finde. Ist aber auch egal, ich kann mich für vieles begeistern. Sogar eine hinreichende Anzahl Kinder hab ich schon und alt genug bin ich auch, man muss nicht mehr befürchten, dass ich direkt nach der Probezeit schwanger werde.

Ich werd schon nen Job finden.

Also, sobald ich aufgehört habe, meine Zeit auf Veranstaltungen wie der heutigen zu verschwenden.

Tag 596 – Ein paar Erkenntnisse.

Erkenntnis 1: Einen Tag fast nichts essen und ich kann direkt den Gürtel ein Loch enger schnallen. Und den BH witziger Weise auch. (Das merke ich mir für etwaige „Ich bin zu fett!“-Anfälle.)

Erkenntnis 2: Einen Tag fast komplett verschlafen ändert aber nullkommagarnichts an meinen Augenringen. Die nehme ich dann wohl mal ins Inventar auf. 

Erkenntnis 3: Das Dauerschlafen hat meinen Biorhythmus so durchgerüttelt, dass mein Körper den Jetlag (und die Uhrumstellung) vergessen hat. Endlich. UPDATE: von wegen. Heute Nacht (von Mittwoch auf Donnerstag) dann nicht mal drei mickrige Stunden. Ich hasse alles. 

Erkenntnis 4: Menschen, die noch halbkrank sind, gehören nicht in Schwimmbäder. Aber im Supermarkt wäre ich wohl auch nicht besser aufgehoben gewesen. Genau genommen war es schon eine Herausforderung, den Einkaufszettel fertig zu machen. Ganz geschafft hab ichs auch nicht, ich war noch so ferngesteuert, dass die Erkenntnis „Wir haben keinen Risottoreis mehr“ nicht zur Handlung „Risottoreis auf Einkaufszettel schreiben“ führte. (Das merke ich mir fürs nächste Mal. Lieber Babysitter oder zum Supermarkt schleichen und das nötigste einkaufen und den Rest eben morgen.)

Erkenntnis 5: Kurz vorm eigentlich vom Körper angedachten Tag des Eisprungs durch drölfzig Zeitzonen fliegen und nach ner Woche schon wieder zurück verzögert den Eisprung und verlängert meinen Zyklus um ziemlich genau diese eine Woche. (Statt Pille danach, im Fall der Fälle? Hmmmneeee, vielleicht etwas teuer.)

Erkenntnis 6: Weise, wer* sich bei der Anmeldung zur Doktorandenkonferenz vor zwei Monaten direkt für den Reminder einen Tag vorher eingetragen hat. Der bekam nämlich heute eine mail, weil die Konferenz morgen ist. (Hurra, eine Gelegenheit für etwas mehr Make-Up!)

Erkenntnis 7 (schon älter): Das „Weil du das da** gekauft hast, kriegst du dieses für 20 USD“-Parfum*** finde ich besser als das ursprünglich gekaufte. Und trotzdem kann ich mich noch nicht so ganz von „The Beat“ trennen und überlege tatsächlich, mir das doch nochmal zu kaufen.

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* ich, ganz ungewohnt vorausschauend

** Lacoste Pour Elle „Elegant“

*** Tommy Bahama „Martinique“

Tag 595 – Tja…

… da hatte Pippi wohl doch Magen-Darm, oder zumindest irgendwas ansteckendes. Ich hab den Tag mit leichter bis stärkerer Übelkeit, leichtem bis stärkerem Fieber sowie phasenweise Schüttelfrost und Gliederschmerzen aus der Hölle im Bett verbracht. Mal schlafend, mal fernsehend. Immer zu nix zu gebrauchen. Morgen geht’s hoffentlich besser, aber noch ohne Arbeit. Immerhin habe ich wieder Hunger: wenn mein Körper die anderthalb Kellen Suppe, die ich zum Abendbrot gegessen habe, normal prozessiert, müsste ich morgen wieder essen können. Hurra. 

Tag 594 – Kann weg. 

Ich hab mich heute über so viele Sachen geärgert, es ist echt kaum zu fassen. Um der Negativität keinen Vorschob zu leisten werde ich jetzt hier aber nicht weiter darauf eingehen, sondern nur das aufschreiben, was gut war. 

  • Ich habe bei der Arbeit kurz dringliche Sachen gemacht und das mit schlafendem Kleinkind im Kinderwagen und vom Weg komplett durchgeschwitzt. 
  • Ich hab spontan eine neue Babyfüße-Packung gekauft, weil die im Angebot war. 
  • Pippi hat einen kompletten Becher Joghurt gegessen und war auch nach einem fast komplett verschlafenen Vormittag nachmittags echt gut drauf. 
  • Pippi macht echt Fortschritte beim Sprechen. (Neu im Repertoire: unter anderem „Di-go“, wobei wir noch unsicher sind, ob es eher „Stego“(-saurus) oder „Dino“ generell heißen soll. 
  • Liv war da und in so eine blitzende Bude kommen ist ja echt mal was schönes. 
  • Ich bin jetzt um halb zwölf schon fast müde. 

Tja das war’s dann auch schon. Aber ein bisschen was ist ja zusammengekommen. 

Tag 593 – Norwegian Beauty. 

Heute war ich mit Michel auf einer Einweihungsparty. Freunde von uns sind von einem Reihenhaus in ein etwas größeres Reihenhaus gezogen. Eigentlich wollten wir alle hin, aber Pippi war derart schlecht drauf (und verpestet den ganzen Tag schon die Luft mit grausam stinkenden Pupsen, ich wüsste ja echt gerne, was die gegessen hat…), dass Herr Rabe mit ihr zu Hause blieb. 

Schon beim Abbiegen in das Wohngebiet sagte Michel „Hier haben wir doch früher gewohnt!“. Ich musste ein bisschen lachen, weil wir am ganz anderen Ende der Stadt gewohnt haben, aber die Reihenhaussiedlungen sehen nun mal überall gleich aus. Uniforme Einfamilienhäuser, Holzfassaden in bunt (immerhin besser als deutscher Klinker), Gartenhäuschen für die Ski und Fahrräder, Carport mit SUV drin. Für mich der Inbegriff der Mittelschicht-Tristesse. 

Auch innen fand ich das Haus jetzt nicht soooooo berauschend. Mal abgesehen vom rosa gestrichenen Mädchen- und blau gestrichenen Jungen-Zimmer (das war glaube ich schon so, sie haben so weit ich weiß nicht renoviert) halt das übliche, was man so hat, im größeren Reihenhaus: Schlafzimmer, Bad, Küche, Wohnzimmer, Keller-Wohnzimmer (wird von den meisten als Gästezimmer genutzt, darf aber wegen Baubestimmungen und Brandschutz (?) kein echtes Schlafzimmer sein), Keller-Bad, Waschraum. Innebod (Lagerraum) und Utebod (Hütte draußen). Ein Haus halt. Mit Garten dran, in der optimalen Größe, soviel muss man ihnen ja auch lassen. 

Was ich gänzlich nicht verstehe: schief hängende, nicht untereinander ausgerichtete Bilder an der Wand. Hätte Michel mich nicht konstant belagert, ich wäre aufgesprungen und hätte das beseitigt. Das geht doch so nicht! Orr. 

Und das Ganze für knapp 5 Millionen Kronen. Ich will das nicht. Niemals. So viel Geld für so was… herzloses. So viel Geld für „ein Haus halt“. 

Ich hoffe sehr meinen Freunden gefällt es besser. Heute waren zu viele Gäste da und sowohl meine Freunde als auch ich waren permanent von Kindern behängt, aber bei Gelegenheit muss ich mal fragen, wie es zu diesem Kauf kam. 

(Aber bei all dem Gemecker: so konnte ich wenigstens mal einen meiner neuen Lidschatten spazierentragen. Zwar nur als verstärkten Lidstrich, aber immerhin. Und ich bin total begeistert. Ich sags Ihnen: ColourPop. ! ❤ )

Tag 592 – Kotzimausi. 

Pippis Fressphase wurde unschön beendet. Gestern Abend noch erwischten wir sie, wie sie aus dem Topf die (heißen) Kirschen, die es zum Milchreis geben sollte, mit einem Esslöffel herauslöffelte und in sich hineinfutterte, klammheimlich, während ich noch in der Küche rödelte und Herr Rabe Michel und Besuchskind zum Händewaschen überredete. Danach aß sie Milchreis und Kirschen und das freitägliche Eis zum Nachtisch. Um ca. halb elf aß ich mit ihr Banane. Um ca. zwei war mir ihr Gerödel im Bett genug und ich wollte sie Herrn Rabe aufs Auge drücken, der aber in ihr Gemecker Durst interpretierte und mit ihr in die Küche wollte. Kaum aus der Tür des Schlafzimmers musste Pippi Husten (ist mal wieder etwas erkältet) und dann brechen. Volle Lotte, über Herrn Rabe, sich selbst und den Esszimmerfußboden. Kirschkotze, ich weiß das jetzt weil ich heute im Hellen die Spritzer entfernt habe, die Herr Rabe gestern Nacht nicht gesehen hat, sieht beängstigend nach blutendem Magengeschwür aus. 

Zum Frühstück sah ich Pippi wieder, Herr Rabe hatte mit ihr in Michels Bett geschlafen und sie hatte wohl noch ein paar mal gewürgt, aber so richtig war nichts mehr herausgekommen. Abgesehen davon, dass sie den ganzen Tag über vorsichtig mit Essen im Allgemeinen war, war sie schon morgens wieder gut drauf. Heute Nachmittag war Michels Kumpel M. da, der genauso heiß verliebt in Pippi ist, wie sie in ihn (das ist der, der zu seinen Eltern gesagt hat, er wünsche sich zu Weihnachten auch so eine kleine Schwester wie Pippi) und auch da war sie ein Sonnenschein. 

Wir halten also die Daumen für entweder hoffnungslos überfressen* oder Magen mit irgendwas verdorben (Kirschintoleranz?), auf jeden Fall bitte nicht Magen(-Darm*)-Virus. 

* oder vielleicht ist das doch nicht so ne tolle Idee, noch mitten in der Nacht komplette Bananen zu verspeisen und sich dann direkt wieder hinzulegen?

** minus Darm, das war wie immer. „Aua!“