Tag 1072 – Ferientag 10. Vom Laufen.

Läuft bei uns (hahaha, das war ja ein grandioser Scherz, nicht wahr?). Das NAV hat die Übernahme der Umzugskosten genehmigt. Ich muss also nicht noch schnell nen LKW-Führerschein machen.

Michel, Pippi und ich waren heute etwa 15.000 Schritte spazieren, das heißt, Michel ist Fahrrad gefahren und Pippi hat sich im Kinderwagen schieben lassen. Wir sind zu meiner Ex-Arbeit gegangen, haben da mit Ex-Kollegin N. einen sehr gemütlichen, langen Kaffee getrunken (die Kinder haben Eis gegessen und sich dann auf dem Spielplatz der Kinderklinik unfassbar eingesaut, wie sich das halt gehört), dann sind wir über Ila in die Stadt gegangen, weil Michel unbedingt Enten sehen wollte. In der Stadt haben wir beim AtB-Kundencenter vier alte Buskarten abgegeben und spektakuläre 17 Kronen (also ca. 1,80 Euro) Restguthaben herausbekommen, dann haben wir in einem Krams-und-Gedöns-Laden Partytröten für Pippis Geburtstag gekauft, sind über Herr Rabes Arbeit zur Apotheke gegangen (dann mit Herrn Rabe) und haben zum drölfzigsten Mal nach meinem bestellten Medikament gefragt, haben Sofas probegesessen* und Bier gekauft, haben ein Paket abgeholt (vielen lieben Dank, liebe Cousinen K. und S. samt Familien! Wir haben uns total gefreut!) und dann haben wir den Tagesausklang beim Burgeressen begangen.

Ein gänzlich wunderbarer Tag.

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*Michel hat der Verkäuferin erstmal erzählt, dass wir für den Umzug einen LKW brauchen. Überhaupt ist Michel mal wieder im Dauererzählmodus, das ist ja schon sehr niedlich.

Tag 984 – Wettbewerbe und ich.

Jemand(TM) hat mich zu einer Fitbit-Challenge herausgefordert. Wer am Wochenende die meisten Schritte macht. Ich habe mir Zeit gelassen, die Challenge anzunehmen. Warum? Weil ich mich in dem Punkt kenne. Ich verbeiße mich in dem Moment, in dem ich das annehme. Verlieren ist keine Option. Ich bin die schlechteste Verliererin der ganzen Welt und mein Ehrgeiz ist unfassbar ausgeprägt, das halte ich eben dadurch ganz gut in Schach, dass ich Wettbewerbe wann immer möglich meide. So bin ich, seit ich mit dem Turniertanz (auch noch in ner Formation, wo man ja keinen Einfluss auf die Leistung der anderen Mitglieder hat! Da musste mein Zen aufs Maximum gechannelt werden und als das irgendwann nicht mehr klappte (und mir dazu noch die Mädels für die Hebefiguren zu schwer wurden… das Alter, die Zipperlein, Hurz!) habe ich aufgehört. Härteste und beste Entscheidung in dem Moment.) ganz gut gefahren, aber das ist ja nun auch 11 Jahre her, da dachte ich, ich hätte mich vielleicht inzwischen besser unter Kontrolle.

MÖÖÖÖP!

Ich werd nie wieder irgendwo hingehen. Also es war schon schön und so, ich weiß jetzt auch, dass auf dem Ladestien jetzt kein Eis mehr liegt, frische Luft, Bewegung, Dings, Pippi kann jetzt Laufrad fahren und ich bin soweit eingenorwegert, dass ich Merinowollskiunterwäsche besitze und als einziges Oberbekleidungsstück in der Öffentlichkeit trage, aber alter, ich bin platt jetzt.

This escalated quickly und morgen nehme ich den escalator und nicht die stairs. Von den 100 Treppen waren zwar 95 eigentlich keine, sondern eben Ladestien, aber das ändert am dumpfen Oberschenkelgefühl ja mal gar nix.

(Sieht so aus, als würde ich gewinnen. Aber das Wochenende geht ja noch zwei Stunden. Bleiben Sie dran, es bleibt spannend.)

Tag 582 – Platt.

Mein Tag heute:

  1. Verkatert am Anfang. Böser, böser Wein.
  2. Morgensession ausfallen gelassen, wegen Kater und weil ich doch noch mal das Manuskript durchgehen wollte, auf dem mein Poster basiert.
  3. Mittag, danach gingen alle Whale watching. Ich nicht.
  4. Ich ging spazieren. Zweieinhalb Stunden. In der Sonne. Als ich losging, schien die Sonne nicht. Es war zwar schön, aber etwas zu schön und jetzt hat meine DNA-Reparatur-Maschinerie an Nacken und Dekolleté ein bisschen damit zu tun, ein paar UV-induzierte Interstrand-Crosslinks zu beseitigen. Außerdem verlief ich mich mehrfach.
  5. Postersession. Anstrengende Postersession ist anstrengend. Zweieinhalb Stunden lang Menschen mit völlig unterschiedlichen Graden des Vorwissens die Methoden und Resultate erklären. Immer wieder von vorne. Highlight: der Typ, der direkt sagte „Oh, that has never been shown before, right?“. Lowlight: der unglaublich arrogant und mürrisch rüberkommende deutsche Postdoc mit irre guten Karriereaussichten und all den Artikeln, die ich dauernd überall zitiere (bisher, vielleicht demnächst nicht mehr). Der sich doof stellte. Arsch. Insgesamt gute Diskussionen gehabt, aber halt anstrengend. Dumme Idee auch, nach meinem 9 km-Marsch (laut App) direkt in die High Heels zu steigen.
  6. Direkt von der Postersession zum Abendessen, direkt vom Abendessen zur Abendsession, jetzt noch knapp zwei Stunden Vorträge, dann Bett.

Windig war’s auch, deshalb kein Nebel \o/.

    Tag 555 – Schnaps!

    Ich ging heute 20.000 Schritte, sagt mein Handy. Einen Teil davon ging ich nicht ganz freiwillig, weil ich mich mit dem Bus verfahren habe und dann von City Lade nach Sirkus Shopping lief und dann noch ein Stückchen weiter am rosa Fitnessstudio vorbei zur Bushaltestelle. Um dann festzustellen, dass ich den Rest auch noch hätte gehen können, das war dann auch nur noch ein Kilometer oder so, aber egal. 

    Jedenfalls lief ich dann von Rotvoll (Erinnerungen an den Waldorf-Kindergarten wurden wach, eieiei) nach Ringve (verrückt: den Teil des Ladestien bin ich das letzte Mal gegangen, als Pippi grade ein paar Wochen (3! 3 Wochen! Wahnsinn.) alt war. Mit Kinderwagen und Laufrad und leicht durchhängendem Beckenboden), da wollte ich eigentlich im Sponhuset einen Kaffee trinken, das hatte aber zu also lief ich aus Frust einfach weiter bis nach Korsvika (57 Treppen), ging am Lade Torget beim Narvesen Kaffee holen und dann nach Hause. Fast 13 km sagt das Handy, aber da ist ja auch noch zwei Mal der Weg zum Kindergarten* und zurück dabei. 

    Gelöst habe ich dabei null meiner Probleme. Aber wenigstens bin ich jetzt müde und ausgepowert. Das hilft gegen das Gedankenkarussell. 






    *Beide Kinder gingen heute wieder in die KiTa. Nachdem Pippi gestern eigentlich schon wieder recht fit war, nur sehr viel schlief, wollten wir die Nacht und den Morgen abwarten und dann entscheiden, ob ich einen weiteren Tag mit Kind Gewinne oder nicht . Heute früh war sie dann, bis auf eine ordentliche Rotznase, wie immer, schaufelte sich das Frühstück rein als gäbe es kein Morgen, schleifte ihren Rucksack zur Tür, zog sich selbst die Stiefel an und war bereit. Wäre Michel mal so kooperativ! Trotzdem rechnete ich fest damit, dass die KiTa irgendwann anriefe, ich solle sie abholen kommen. Tat sie aber nicht und als ich mich diesbezüglich safe fühlte, marschierte ich los. 

    Tag 549 – Tango!

    Wegen der fiesen Blasen an meinen Fersen bin ich heute nicht richtig Spazieren gegangen, sondern zu einem See gefahren. Ich wollte aufs Wasser gucken. Haha. Nachdem seit über einer Woche deutliche Minusgrade herrschen. Hahahahahaha. (Manchmal denke ich nicht für fünf Cent nach.)

    Wasser, Aggregatzustand: anders als erwartet.


    Nun gut. Ich guckte also ein bisschen auf Schnee und dann packte ich mein Buch aus und las. Wenn man nämlich gegen die Sonne auf Schnee guckt, sieht man ziemlich schnell nichts mehr. So war es dann doch ganz schön, in der Sonne, lesend. Ich ging auch einmal auf den See raus, aber dann wegen „Ohgottogott, gefährlich, schlimm, niemand da, wenn ich einbreche bin ich SOFORT TOT!“ ganz schnell wieder zurück. Ja, da bin ich ein Schisser sondergleichen. 

    Worüber ich auch nicht nachgedacht hatte: der Rand meiner Ballettschuhe sitzt ganz genau auf den Blasen. Ich sage es mal so: nach zwei Monaten nix wieder Ballett machen war eh schon ne Herausforderung und, ja, auch ne kleine Überwindung. Und dann diese Schuhe… und läääääächeln! Aua. Das war echt schwer. Miese Sache, so Blasen. Aber gelohnt hat es sich trotzdem. Nicht nur die körperliche Betätigung an sich, so nen Körper mal wieder komplett spüren hat schon was. Ich mag auch die Musikauswahl, ein Stück (zu dem wir Grande Battements machten) hatte ich mal in einer Musik-Klausur und mir fällt uns Verrecken der Komponist nicht ein. Vielleicht aus ‚Bilder einer Ausstellung‘ von Mussorgsky. Auf jeden Fall Romantik. Vor allem ist aber das neue Choreografie-Stück eins meiner liebsten Tanzmusikstücke überhaupt. Nämlich dieses hier.  Hier kann man das nicht so gut hören, aber dafür tanzen da Menschen schön. Hachja. Also jetzt Tango. Große, starke Gesten. Mag! (Und, vielleicht können Sie es sich schon denken: ich kann das auch um Längen besser als den Zuckerfeegiselleschwan.)

    Tag 548 – Spannend, spannend.

    Ich kann heute nicht so viel schreiben, denn 1. habe ich kaum was erlebt und 2. habe ich gestern zwei sehr spannende Dinge angefangen: Black Mirror auf Netflix und The Hunger Games auf Papier. Black Mirror ist eine Serie nicht miteinander zusammenhängender (teils schmerzhaft realitätsnaher) Dystopien. Hunger Games muss ich wohl keinem erklären. Nach einer seeeeehr creepy Folge Black Mirror (‚Be right back‘), die ich heute Nachmittag sah, lese ich jetzt erstmal weiter. 

    Projekt Spazieren gehen: läuft (haha). Heute ging ich zur Ringvebukta und von da über den Ladestien nach Hause. Ich war gut zwei Stunden unterwegs und fror ordentlich bei -8 Grad und ziemlich scharfem Wind. Leider war es so kalt, dass ich nicht merkte, dass ich im Gesicht zu viel Sonne abbekam und jetzt ist meine Nase ein bisschen rosa und außerdem habe ich an jeder Ferse eine fiese Blase. Morgen mache ich glaube ich mal Pause oder fahre „nur“ irgendwo hin und setze mich an nen See oder so. Mit so Blasen macht das Spazieren gehen nur mäßig viel Spaß. 

    Ich weiß, ich weiß. Es ist echt schön hier. Langsam sehe ich das auch.

    Tag 547 – Wohnungsmist. 

    Ich habe darüber noch gar nicht richtig abgekotzt geschrieben. Unsere Wohnunsmisere. 

    Unsere Wohnung ist sehr schön. Ich mag die wirklich. Altbau, hohe Decken, Stuck, der ganze Kram. Dazu war sie (teil-)möbliert und die Einrichtung und sonstige Gestaltung gefiel uns wirklich auf Anhieb ausnehmend gut. Genau so hätten wir es wohl auch gemacht. Deshalb war und auch egal, dass die Wohnung an der Schmerzgrenze teuer ist. Mit der jährlichen Mietpreiserhöhung in Höhe der Inflation knacken wir wohl ab März die 15.000 NOK. Da ist noch kein Strom dabei, der ist, besonders im Winter, auch nochmal ein echter Batzen (Altbau, voll schön, hohe Decken und so. Und die schicken, alten Flügelfenster…). 

    Ein Nachteil der Wohnung ist, dass wir kaum Lagerplatz haben. Auf dem Dachboden haben wir ein zwei Quadratmeter großes Kämmerlein mit Schräge. Weil uns niemand davon abhält gesagt wurde, dass das in Ordnung sei, lagert ein Teil unserer Sachen auf dem gemeinsamen Dachboden, denn das Kämmerlein ist so voll, dass die Tür nur noch zugeht, wenn man die eine Kiste beim Schließen der Tür etwas anhebt und dann vorsichtig die Tür dran vorbei zwängt. Einiges (hauptsächlich Nahrungsmittelvorräte (in der Küche ist nämlich auch kein Platz) und Putzmittel und sowas halt) ist auch im hinteren Treppenhaus, das gab ja schonmal Ärger wegen des Fluchtwegs (ich frage mich, wo man da hinfliehen soll, aber naja), daraufhin quetschten wir das was da war so zusammen, dass der Fluchtweg frei ist.  

    Jetzt wird hier aber auf Empfehlung des Brandschutzwesenes alles brandschutztechnisch modernisiert. Das heißt, dass eine Warnanlage installiert wird, die direkt mit der Feuerwehr verbunden ist (voll supi, wo doch schon unser normaler Pieps-Rauchmelder jedes Mal losheult, wenn man was toastet), außerdem werden überall Brandschutztüren eingebaut (für unsere Wohnung zwei, auf dem Dachboden und im Keller ca. tausend), die Rohre im hinteren Treppenhaus werden erneuert und das hintere Treppenhaus wird so umgebaut, dass eine Wand unseren „Lagerplatz“ und den Wasserboiler, der da jetzt noch in einem extra Kämmerlein steht, vom Treppenhaus abgrenzt. 

    Und genau da liegt der Hund im Pfeffer und der Hase begraben. Das heißt nämlich

    1. Bauarbeiten. Yeah. Weiß man ja, wie prickelnd sowas ist. 
    2. Die Brandschutztür zum vorderen Treppenhaus wird vor unserem kleinen Flur eingebaut, was (wenn ich das richtig verstanden habe) heißt, dass in dem kleinen Flur dann nichts brennbares mehr gelagert werden darf. Jacken, Schuhe, Schals und co. brennen ziemlich gut. Also muss das Zeug dann wohl woanders hin und, haha, wo???
    3. Die Umbaumaßnahmen im hinteren Flur werden ein Abkoppeln des Wasserboilers notwendig machen. Für mindestens eine Woche. Das erfuhr ich so:

    *Knock, knock**hämmerhämmerhämmer*

    Ich gehe zur Tür. Zur hinteren. Durchs Bad. Da stehen die Nachbarin W. und ein Typ, der aussieht wie Bob der Baumeister in lebendig. 

    Bob: „Ja, Hei, ehem, ist das euer Kram da in der Ecke?“

    Ich: „Jaaa…?“

    Bob: „Weil, das wird ja alles umgebaut, wir machen das im April, da muss der Tank da weg, das ist ja so auch alles gar nicht zulässig, das muss alles neu, und wenn wir den Tank da abklemmen müssen, also, willst Du nicht vielleicht drei Wochen Urlaub machen, Ende April?“

    Ich: „?!?“

    Bob: „Ja, weil, so ist das nicht zulässig. Und wir müssen das abklemmen. Dann hast Du hier kein Wasser. Und das dauert mehr als einen Tag. Mindestens ne Woche.“

    W.: „Überlegt euch das mal, wie wir das machen können.“

    Ich: *denke: hahaha, nie im Leben, eher ziehen wir hier aus* „Ich kann das nicht jetzt sofort entscheiden. Ich muss auch erst mit meinem Mann reden.“

    W.: „Ja, überlegt das mal.“

    Bob: „Wir versuchen, uns da nach euch zu richten, so gut es geht, aber das ist ja hier alles gar nicht zulässig… was ist denn das da für ein Kabel?“

    Ich: „?“

    Bob: „Das kommt hier doch innen irgendwo raus…“ *latscht einfach rein, durchs Bad, durch die Küche, ins Wohnzimmer* „Nee, hier auch nicht. Komisch. Das muss ja irgendwo rauskommen. Das ist ja so alles gar nicht zulässig.“

    W.: „Ja, also, überlegt das mal, wie ihr das machen könnt im April. Wir kommen dann gleich nochmal und vermessen die Tür.“

    *beide durchs Bad wieder ab*

    Tja, wie soll ich sagen. Ich bin jetzt Mitglied im Mieterbund, habe auch direkt da eine Anfrage gestellt, was wir da machen können (EINE WOCHE OHNE WASSER, HAKTS?!?) und weiß von zwei Wohnungen ums Eck, die frei sind und die in Frage kämen. Ich hoffe einfach, dass wir gaaaaanz schnell aus unserem Mietvertrag rauskönnen. 

    Um meinen Kopf zu lüften ging ich danach zur Festung (eigentlich wollte ich Hagebutten ernten, wurde aber nur von sehr zufriedenen und dicken Vögeln ausgelacht), heulte da ein bisschen rum weil ich so ne Scheiße grad echt nicht auch noch gebrauchen kann und dann ging ich durchs Øvre Bakklandet an Bispehaugen vorbei nach Hause zurück. 

    Blick über Dom und Nidelven.

    Heute war irgendein Flaggentag.

    Vielleicht können wir ja da einziehen.

    Oder da. (Das ist ein Bunker.)

    Bispehaugen sieht in der Sonne immer total schön aus, finde ich.

    Nur noch dreieinhalb Monate bis Frühling. Seufz.