Tag 1301 – WmDedgT im März ’19.

März 2019. Kinder, wie die Zeit vergeht!

Wie an jedem 5. des Monats fragt Frau Brüllen, was wir denn eigentlich den ganzen Tag machen und in diesem Monat sind wir alle besonders gespannt ob sich an der widerborstigen Verlinkungssituation was geändert hat, aber no pressure!

Mein Tag ist bereits lang und noch nicht vorbei, mal sehen, ob ich alles zusammenbekomme.

Um 5:15 klingelt mich der Wecker aus einem Traum. Ich stelle ihn aus und schlafe weiter. 20 Minuten später bereue ich das und stehe auf, mache Grøt für die Kinder, mache 10 Liegestütze und 100 Russian Twists, mache Kaffee und gehe dann duschen. Dusche, Creme, Föhne, ziehe mich an. Michel steht plötzlich im Bad, muss aufs Klo und nörgelt, ihm gehe es nicht so gut und er wolle nicht in die Schule. Er hustet ordentlich und das ist alles verständlich, aber nun bin ich fast fertig und Herr Rabe noch nicht aufgestanden, weshalb ich auch etwas angepisst bin. Herr Rabe steht auf, ich schildere ihm die Situation, er ist noch nicht ganz wach und antwortet einfach gar nicht und so stapfe ich weiterhin angepisst ins untere Bad um mich zu schminken. Herr Rabe und beide Kinder kommen wenig später auch runter, ich verspreche Michel, ihn direkt im Anschluss an die Schule abzuholen, aber Michel will trotzdem gar nicht hin. Herr Rabe seufzt, dass er dann halt zu Hause bleibe, ich fühle mich rabenmutterig und rabenfrauig und überhaupt doof, hab aber keine Zeit für lange Entschuldigungen, packe zwei Bananen ein und laufe zum Bus.

Der Bus ist ein bisschen zu spät, aber den Zug um 07:00 erreiche ich trotzdem problemlos. Im Zug plane ich den Tag, mache Termine mit meinem Kollegen und versuche zu arbeiten, scheitere aber an der Netzwerkverbindung. In Lillestrøm steige ich in den Bus, am Ahus steige ich wieder aus. Nächste Woche habe ich einen Termin in der endokrinologischen Poliklinik da und ich soll vorher bittedanke nur da eine Blutprobe abgeben. Nicht beim Hausarzt, nein, nur da, ja, auch wenn das für mich einen Umweg von einer Stunde bedeutet. Voll schön (keine Tipps bitte, sonst leite ich Ihnen die Telefonnummer der Poliklinik weiter und Sie klären das mit denen, ja?). Jedenfalls dort eine Nummer ziehen, warten, mit einer Dame an der Schranke sprechen, eine neue Nummer bekommen, warten.

Irgendwann bin ich dran und stelle fest, dass ich eins der absolut ungünstigsten Kleidungsstücke für Blutabnahmen anhabe, das mein Kleiderschrank hergibt, nämlich ein enges und recht unelastisches Schlauchkleid mit sehr engen Ärmeln. Nun denn, ich bitte den Krankenpfleger, die Tür zu schließen und zwänge mich aus dem Kleid. Komplett. Ich sitze da also in meiner Strumpfhose und BH. Den Krankenpfleger schockt nichts, dafür nimmt er so sanft Blut ab, dass ich kaum merke, dass er sticht. Ich ziehe mein Kleid wieder an, bedanke mich und stehe fünf Minuten nach dem Betreten des Behandlungszimmers wieder auf dem Gang. Der eine Bus ist grad weg, ich hole einen Kaffee und stelle mich dann an die Bushaltestelle, der nächste Bus soll in 2 Minuten kommen.

Tut er nicht, er kommt in 16. Ich erfriere in der Zeit nur knapp nicht. Dann quetsche ich mich in den Bus, der so voll ist, dass die Türen kaum noch zugehen. Einige Haltestellen später hat sich das etwas gelichtet. Ich nutze meine schlechte Laune zur Erziehung Erwachsener und bestehe drauf, dass eine Dame, die in dem proppenvollen Bus die ganze Zeit schon einen Sitzplatz mit ihrem Strickzeug belegt, dieses da weg nimmt, damit ich mich setzen kann. Klug von mir, mich zu setzen, denn inzwischen stehen wir mit dem Bus im Stau.

Mit einer Laune kurz vor Eiszeit komme ich um viertel vor neun bei der Arbeit an.

Dann: Arbeit. Erst will mein Rechner nicht, dann doch, dann muss ich eine Kreditkarte leihen um einen ISO-Standard zu kaufen, den ich dann noch ausdrucke und schwupps ist es zehn. Ich soll nun ein Meeting haben aber meine Chefin kann nicht, sie sitzt in einem Krisenstab. Meeting wird verschoben: auf 14:30 bis 15:30. Tja. Ich fluche sehr, denn das macht meinen Pan, Michel um 13:00 von der Schule abzuholen, zunichte. Ich kaspere mit Herrn Rabe ab, dass er Michel um 14:15 abholt, sage im Hort Bescheid, dass sie Michel sagen sollen, dass er nach dem Mittagessen abgeholt wird und fühle mich super beschissen, weil versprochen und weil der Gedanke durch meinen Kopf zuckt, Michel zum Trost für seine doofe Karrieremama ein Ü-Ei oder so zu kaufen. Wie so ein abwesender Vater. Nur mit Brüsten. Ich schlucke das alles runter, es hilft ja nix.

Ich mache mich daran, den Report für die Inspektion letzte Woche weiter zu schreiben. Es ist ein Schmerz im Hintern. Ich bin langsam. Mein Kollege kommt und sagt, er äße heut am Schreibtisch. Sonst ist niemand da. Ich bin einigermaßen im Flow und gehe eine halbe Stunde später als sonst Mittag essen. Alleine. Eine Dame von den Zulassungen setzt sich zu mir und wir unterhalten uns ein bisschen über dies und das. Zwischendurch kommen zwei Mails, eine vom Insolvenzverwalter und eine vom Italiener, der panisch ist, weil er die Mail vom Insolvenzverwalter nicht versteht. Der Insolvenzverwalter schickt nächste Woche dann doch schon unsere Gehaltsforderungen and NAV. Nach nur vier Monaten. Inklusive „das NAV braucht dafür 7-8, manchmal bis zu zwölf Monaten, da habe ich keinen Einfluss drauf, don’t @ me!“. Ich möchte was kleinhacken.

Ich arbeite weiter am Report und an einer Checkliste für die Inspektion morgen und komme gut voran, bis halb drei, die Chefin ist immernoch im Krisenstab und der Kollege und ich machen das Meeting alleine.

Es ist alles ein großer Test, nun soll ich noch bis Ostern* eine Prozedur schreiben, und vielleicht habe ich das nur zu verstehen gemeint, aber eventuell soll ich auch noch ein Tool dazu basteln. Well. What could possibly go wrong? Ich bin ja schon ganze zwei Monate da. Es entspannt aber auch ungemein, das Gefühl zu haben, dass einem was zugetraut wird und dass man gebraucht wird. Noch vier Monate Probezeit, aber ich mache mir da keine Sorgen.

Wegen des Reports frage ich danach noch mal meinen Kollegen und dann verquatscht er sich und am Ende komme ich wieder erst um vier aus dem Werk. Schwer beladen, denn nach der Inspektion ist vor dem Auditor-Kurs. Immerhin habe ich Zeit genug, in Tøyen einmal auszusteigen und Brot beim deutschen Bäcker zu kaufen. Und eine Brezel, eine echte, warme, knusprige und fluffige Brezel. Ich weine fast. Dann denke ich drüber nach, ob ich Brot wohl, wenn ich nicht zum Backen komme, aus meiner eigenen Tasche bezahlen soll, statt vom Haushaltskonto. Und verwerfe den Gedanken.

Im Zug muss ich erst eine ganze Weile stehen, erst am Flughafen steigen genug Leute aus.

Bepackt.

Herr Rabe holt mich in Eidsvoll vom Zug ab. Im Auto schläft Pippi, Michel ist halbwegs fit. Zu Hause setze ich mich mit ihm an die Hausaufgaben, atme viel und korrigiere nicht und atme noch mehr und nur als er Buchstaben flächig übermalen will statt sie wegzuradieren schreite ich kurz ein. Pippi schläft. Herr Rabe kauft ein, wir haben keine Milch mehr (wie konnte das passieren?).

All die stummen Buchstaben fehlen… und Leerzeichen natürlich.

Als Herr Rabe wieder da ist, sind die Hausaufgaben fertig und Michel verzieht sich vor den Fernseher. Herr Rabe und ich kochen Tomatencouscous mit Feta, dann gibt es essen, Pippi verpennt alles. Sie wird wach, als ich sie ins Bett tragen will. Im Bad isst sie eineinhalb Bananen, Zähne putzen, Schlafi anziehen, „Abinsbett“. Natürlich braucht sie ewig zum Einschlafen, die Zeit nutze ich zum Bloggen, minus die Zeit von 20:40-20:46, da musste ich kurz (mit Wecker!) die Augen schließen.

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Für morgen ist der Rucksack gepackt, Klamotten rausgelegt, Papiere geordnet. Zum ersten Mal geht es mit Übernachtung weg. Zwei Übernachtungen sogar. An der Westküste, der Kollege bezeichnete es als „trauriger Platz“ und ich wurde auf einen schlimmen Dialekt vorbereitet. Sicherheitshalber sind auch Kopfschmerztabletten im Rucksack. Im Platzkampf Schuhe vs. Teddybär haben die Schuhe gewonnen, an zwei von drei Tagen müssen wir ja keine Sicherheitsschuhe anhaben. Wir kriegen vom Werk, genau wie Schutzbrillen, keine eigenen, das ist so mittelcool hinsichtlich Fußpilz aber was will man machen. Für selbst kaufen sind mir Sicherheitsschuhe zu teuer und man braucht ja auch immer mal andere, für drinnen, für draußen, mit Rutschdings oder geerdet oder oder oder. (Muss noch Fußpilzsalbe einpacken.)

Alles passt in meinen normalen Rucksack. Bei Kosmetika musste ich wegen Handgepäck und Literbeutel und esoterisch bedingten** Flugplatzkontrollen leichte Abstriche machen, aber zwei Tage muss meine Haut eben nur mit Feuchtigkeitscreme klarkommen. Es ist alles etwas seltsam, finde ich, das letzte mal dass ich nur mit Handgepäck durch Norwegen geflogen bin, habe ich das Haus angeschaut, was wir einen Tag später gekauft haben. Und davor immer Vorstellungsgespräche. Jetzt sind in meiner Tasche Visitenkarten.

Jedenfalls: Herr Rabe hat meine Bluse gebügelt und verdient dafür Dank (Murch!).

Waschen, Zähneputzen, Cremen, 10 Liegestützen, 100 Russian Twists, Bett.

Ich werd Herrn Rabe und die Kinder vermissen. Jaja, nur zwei Nächte, aber trotzdem.

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*tatsächlich fragte ich zuerst: „Bis wann? Diesen Monat geht nichts mehr.“

**als könnte man nicht aus ein paar mal 100 mL nicht näher spezifizierter Flüssigkeit astreine Bomben bauen.

Tag 1272 – #WmDedgT im Februar ‘19.

Ja, es ist schon wieder der 5. und da will Frau Brüllen wissen: Was machst Du eigentlich den ganzen Tag? Also will ich das mal aufschreiben.

Ganz kurze Zusammenfassung: inspizieren.

Etwas länger: Der Wecker klingelt um viertel nach fünf, wie immer. Ich quäle mich mit viel Mühe aus dem Bett, ich habe beschissen geschlafen. Wie immer mache ich zuerst die Kaffeemaschine an, seit gestern hat sie eine eigene Steckdose und funktioniert deshalb endlich unabhängig von der Arbeitsplattenbeleuchtung, was natürlich um die Zeit völlig egal ist, weil das Licht eh an ist. Ich mache den Haferbrei für die Kinder fertig und dann gehe ich duschen. Nach dem Duschen, Eincremen, Föhnen und anziehen und schwupps ist es sechs, ohne Witz, ich habe keine Ahnung wo morgens diese Zeit hingeht, sie verfliegt einfach ohne dass ich gefühlt irgendwas sinnvolles tue.

Ich mache Kaffee und will grade etwas angesäuert den Mann mit Kaffee aus dem Bett werfen locken, da kommt er mir mit Pippi auf dem Arm entgegen. Gut, dann gehe ich mich schminken. Als ich damit fertig bin, sind beide Kinder immerhin wach und ich schicke sie zum Anziehen nach oben, wo Herr Rabe duscht. Ich mache so lange Brotdosen (schlechte Absprache gestern, daher ist das nicht gestern schon passiert) und packe den Kinderkram und meinen Kram zusammen. Um fünf vor sieben (die Zeit! Wo geht sie hin???) stehen Nörgel-Pippi und Laber-Michel im Flur und machen mäßig mit, Herr Rabe rödelt noch. Wir labern Klamotten an die Kinder und sind tatsächlich um kurz nach sieben alle im Auto. Pippi hat Kacklaune, weil sie ihre Thermoskanne nicht mit Kakao füllen durfte, aber das kann ich nicht wirklich ändern.

Wir setzen Michel an der Schule ab und er geht allein in den Hort-Raum, wir schrecklichen Rabeneltern.

Ich setze Herrn Rabe und Pippi am Kindergarten ab, drehe, warte kurz, sammle Herrn Rabe wieder ein und wir fahren zum Bahnhof. Wir bekommen beide den Zug um 07:30 und ich schreibe meiner Kollegin, dass ich von der Zugstation zum Hersteller laufe, weil ich früh genug bin.

Ich sitze also erstmal eine knappe Stunde im Zug und dann gehe ich eine viertel Stunde durch einen verschneiten Osloer Vorort. Tatsächlich bin ich um zwanzig vor neun zeitgleich mit der SMS meiner Kollegin beim Hersteller: der Kollege nimmt den Zug, der in Eidsvoll um 07:51 gefahren wäre, der hat aber 10 Minuten Verspätung. Ich feiere, dass ich der Igel bin und ziehe schon mal meine besseren Schuhe an. Meine Kollegin und der Kollege kommen um 08:56 mit dem Taxi.

Dann Inspektion. Geheim halt. Ich schlage mich wacker, denke ich. Dieser Hersteller ist ganz anders als der letzte, in ganz vieler Hinsicht. Unpassender Weise muss ich bei einer Geschichte wirklich lachen. Tjanun.

  • Wir inspizieren nach dem Mittagessen direkt die Produktionsanlage und das Labor und ich bereue meine Schuhwahl. Ewig lang neben einem Dings stehen und sich alles in allen Feinheiten zeigen und erklären zu lassen, macht mit mittelhohen Absätzen schon nur noch mittel viel Spaß.
  • Heute inspizieren wir bis kurz nach fünf und sitzen dann zusammen bis halb acht. Ich überrede meine Kollegin und den Kollegen zum Laufen statt Taxi und so kriegen wir einen Zug um viertel vor acht. Ich steige noch um und sitze bis zehn vor neun im Zug, wo ich erst recherchiere, ob ein Bus nach Hause kommt, wenn ich in Eidsvoll bin (nein), ob ich einfach ein Taxi nehmen kann (nur mit gutem Grund) und dann, ob ein guter Grund sein könnte, dass ein Taxi für den Staat günstiger sein könnte, als mich für eine halbe Reisestunde zu bezahlen (knapp, so knapp, dass ich das nicht ohne vorher das ok von meiner Chefin eingeholt zu haben machen will). Ich seufze herum und beschwere mich bei Herrn Rabe und der sagt, er holt mich ab. Ich hadere damit, dass er dann ja die Kinder allein zu Hause lassen muss. Michel gibt sein ok, der ist nämlich noch halb wach, damit ist das geklärt.
  • Ich fange schon mal an zu bloggen und dann bin ich auch schon am Bahnhof und werde schon abgeholt. Um neun sind wir zu Hause. 14 Stunden unterwegs.
  • Die Reihenfolge zu Hause ist Klo–Essen/mit Herrn Rabe unterhalten–Sofa/Bloggen–Bett. Ich bin sehr fertig und morgen klingelt der Wecker wieder um viertel nach fünf. Mal sehen, ob wieder ein paar Eichhörnchen gegrillt werden.
  • Tag 1241 – #WmDedgT im Januar ‘19.

    Hups, den ganzen Tag nicht dran gedacht, dass ja der 5. ist, sonst hätte ich früher mit dem Schreiben angefangen. Denn an jedem 5. möchte Frau Brüllen von uns wissen: Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?

    Gut, dann mache ich das mal im Schnelldurchlauf.

    Pippi ist um halb acht wach, aber ich grunze nur. Sie schläft noch ein bisschen weiter und dann steht Herr Rabe mit ihr auf. Gefühlte dreißig Sekunden später steht sie wieder neben dem Bett und brüllt „Michel, Mama, ganz viele Geschenke unter dem Weihnabaum!!!“. Michel steht also auch auf und ich nicht. Ich döse bis zehn, da ist das Frühstück fertig. Müde bin ich trotzdem. Geschenke kamen von meiner Schwägerin, die gestern spät abends mit meinem Schwiegervater hier angekommen ist. Michel hat ein Laserschwert und Pippi ein „Pinzessekleid“, komplett mit Heiligenschein und Feenstab. Und Schwimmflügel. Sie ist entzückt.

    Nach dem Frühstück telefoniere ich mit Frau Wunnibar und wir machen ab, dass sie im Februar hierher kommen, da freue ich mich schon sehr drauf. Und bin ein bisschen aufgeregt.

    Es ist dann auch schon höchste Zeit, mich fertig zu machen, zu Fuß gehen schaffe ich schon nicht mehr. Herr Rabe fährt mich zur Friseurin. Wieder lasse ich mir von der Lehrling die Haare schneiden, die aber in der Vorweihnachtszeit sehr viel geübt hat und heute wesentlich mutiger und schneller ist. Ergebnis ok. So richtig weiß ich das erst morgen, denn sie hat wieder alles über eine Rundbürste geföhnt, das habe ich das letzte Mal irgendwann in den 90ern gemacht.

    Herr Rabe und die Kinder und der Besuch wollen auch noch in den Ort kommen, wir machen ab, dass ich im Café auf sie warte. Ich warte im Endeffekt ziemlich lange, mache derweil Bankdinge, bespreche per Gruppen-SMS und neu erstelltem geteilten Kalender die Halbjahresplanung mit dem Wikinger-Babysitter, mache einen neuen Termin mit der Putzhilfe ab, dödele im Internet herum, trinke einen kompletten Kaffee, besetze einen größeren Tisch und dann endlich kommen die anderen.

    Michel ist total überdreht und hört nicht auf, mit dem Laserschwert herumzufuchteln.

    Wir gehen zu Fuß nach Hause. Pippi ist klein und hat kurze Beine und braucht unheimlich lange. Ich erfriere derweil fast. Immerhin singt sie beim Gehen sehr niedlich. Michel schmilzt sämtlichen Schnee und die halbe Brücke mit seinem Laserschwert.

    Zu Hause mache ich den Essensplan für die Woche und dann den Einkaufszettel und Herr Rabe bricht zum Einkaufen auf. Ich bastele (mit dem Mann geteilte, elektronische) Erinnerungen, damit wir abends schon das Essen für den nächsten Tag vorbereiten können, wenn möglich. Solcherlei Dinge werden hier in Zukunft Routine werden müssen, wenn wir weiter warmes Abendbrot essen wollen.

    Es klingelt und der Spediteur steht vor der Tür. Er liefert endlich unsere Bücher. Es ist ein bisschen wie Weihnachten, abgesehen davon, dass ich erstmal panisch meine Bank anrufen und die Möglichkeit zur Auslandsüberweisung aktivieren muss, damit ich den Spediteur direkt bezahlen kann. Ich quittiere den Erhalt unserer Bücher und der Spediteur und ich geben uns noch mal die Hand, er entschuldigt sich für das Chaos und dann ist dieses Kapitel endlich abgeschlossen.

    Herr Rabe braucht ziemlich lange. Ich habe schon ziemlichen Hunger und fange mit dem Kochen an, soweit möglich. Leider ist das nicht sehr weit und beschränkt sich auf Zwiebeln schneiden und Nudelwasser aufsetzen (und dann herunterschalten, damit nicht sämtliches Wasser verkocht).

    Herr Rabe braucht wirklich sehr lange. Ich google den Einkaufsservice, von dem mir Instagram neulich Werbung gezeigt hat. Sie arbeiten mit der Supermarktkette, zu der wir auch immer gehen, zusammen und liefern in unserer Region kostenlos. Bingo. Ab nächster Woche bestellen wir da. Ich hätte auch einen gewissen Obulus dafür bezahlt, da bin ich ja ganz neu gewordener Großbonze, denn schon allein nicht ewig auf Herrn Rabe warten zu müssen mit Kindern im Schlepptau den Wocheneinkauf erledigen zu müssen wäre mir einiges wert. Aber so ist es natürlich noch besser.

    Als Herr Rabe endlich kommt, muss ich mir Mühe geben, ihn nicht anzufallen vor Hunger. In Windeseile koche ich Nudeln mit Lachs-Tomatensauce.

    Wir essen. Michel isst ein paar Nudeln mit Ketchup und mag auch die Quarkspeise, die Herr Rabe zum Nachtisch gemacht hat, nicht. Pippi isst zwei große Portionen Nudeln mit reichlich Soße und nimmt vom Nachtisch noch zwei mal nach. Kein Wunder, dass ihr sowohl Hosen als auch Pulliärmel grad alle über Nacht zu kurz werden.

    Nach dem Essen müssen die Kinder ins Bett. Während Pippi sich von ihrer Tante ins Bett bringen lässt, besteht Michel drauf, von mir ins Bett gebracht zu werden, weil er aus seinem (norwegischen) Buch vorgelesen haben will. Ich lese vor, danach kuscheln wir und ich döse ein. Michel dann wohl auch irgendwann. Vorher hatte ich noch Herrn Rabe gebeten, Bolognesesauce für morgen zu kochen, von der „Welches Rezept denn?“-SMS werde ich wach. Ich lese den Artikel, über dem ich eingeschlafen war, zu Ende und gehe dann runter. Herr Rabe hat schon Gemüse geschnippelt und ist sehr genervt, weil total platt. Wir ranzen uns ein wenig an und dann koche ich die Bolognese, während er in der Küche herumrödelt und scheinbar hat er genug dampf abgelassen, jedenfalls ist sein Ton jetzt wieder freundlicher. Er bietet dem Besuch Wein an und so sitzen wir noch eine ganze Weile zusammen und trinken Wein, während die Bolognese köchelt und Herr Rabe die Preise checkt, die für Häuser in unserer unmittelbaren Umgebung grad aufgerufen werden. Wir haben jedenfalls definitiv nicht zu viel bezahlt, ist die sehr beruhigende Erkenntnis.

    Dann Bloggen und feststellen, dass der 5. ist.

    Gleich Bett und morgen vom Wecker geweckt werden, damit wir nicht allzu spät los kommen, wir wollen nämlich nach Oslo und ins Wikingerschiffhaus und ins Kon-Tiki-Museum. Oder ins Fram-Museum, mal sehen. Michel wird den Tag mit seinem Kumpel B. verbringen, denn der hatte wegen Schlitten fahren angefragt und Schlitten fahren mit Kumpel ist mit sechs halt viel cooler als Schiffe angucken mit Opa. So große Kinder hab ich schon, hach, hach.

    Tag 1210 – #WmDedgT im Dezember ‘18.

    Der letzte 5. dieses Jahr, das heißt, das Jahr ist quasi rum, ahhahahaha. Egal, jedenfalls fragt Frau Brüllen auch heute: Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?

    Nun. Nicht soo viel. Ist aber auch mal schön.

    Herr Rabe steht wegen seines Programmier-Adventskalenders im Moment immer super früh auf. Damit er als erster von seiner Firma fertig ist. Ja, auch Herr Rabe hat so seine liebenswerten Macken. Jedenfalls steht er super früh auf, aktiviert dadurch meinen Wecker, und weil das grad mit Projekt Lerche einfach mal gar nicht läuft bei mir, mache ich ihn aus und schlafe noch eine Stunde, bis Herr Rabe mit Kaffee vor mir steht. Da ist es dann aber schon so spät, dass wir uns alle beeilen müssen. Mein Auge tut weh wie sau. Nach Kinder anziehen, abfrühstücken und aus der Tür bugsieren bringe ich Michel und Herrn Rabe zur Schule (Herr Rabe geht von da zum Bahnhof) und dann Pippi in den Kindergarten. Pippi zieht sich direkt wieder bis auf Unterhemd aus, weil auf dem Unterhemd Peppa Wutz ist. Kannste dir nicht ausdenken. Es ist draußen so kalt, dass ich beschließe, nicht zu Fuß nach Hause zu gehen. Ich fahre in den Ort und schaue bei meiner Hausarztpraxis vorbei, zeige auf mein Auge und kriege einen Termin um zwanzig nach elf.

    Zu Hause frühstücke ich (Griechischen Joghurt mit Walnüssen und Honig, beste Grundlage) und mache dann nach ein wenig Prokrastination ein ziemlich langes und super anstrengendes Workout. Danach brauche ich erst mal 15 Minuten, um zu schwitzen aufzuhören. Die verbringe ich auf Twitter, wo grad viel über einen, wie ich finde, überaus bedenklichen Account gesprochen wird. Da nennt sich einer DeinTherapeut, ist aber kein Therapeut, sondern haut bestenfalls Feel-Good-Plattitüden raus im Stile von „Jeder ist wertvoll. Auch Du!“. Das wär ja noch nicht so tragisch, aber er hat auch einen Discord, also eine Art Forum, betrieben, den er Gruppentherapie nannte, in dem sich hauptsächlich psychisch belastete Jugendliche tummelten, die da weitestgehend unbetreut sich gegenseitig stützen sollten. In der Praxis sah das wohl eher so aus, dass es reichlich Möglichkeiten gab, sich gegenseitig mit seinen psychischen Problemen (zum Beispiel selbstverletzendem Verhalten) zu triggern. Außerdem gab es Berichte, dass auf sehr konkrete Selbstmordgedanken nicht adäquat reagiert wurde. Wer das nachlesen mag, kann das in dieser Serie* tun. Inzwischen ist der Discord geschlossen, allerdings nimmt sich der Betreiber (augenscheinlich, sein Account ist nun geschützt und da ich ihm nicht folge, kann ich das entsprechend auch nicht lesen) keinerlei Kritik, möge sie noch so sachlich formuliert sein, an, sondern fühlt sich nun von allen übel gemobbt. Sie sehen, es ist kompliziert und da kann man schnell in seltsame Diskussionen geraten.

    Ich dusche, öffne meinen Adventskalender und freue mich wegen des Matschauges, aber auch so, über einen wunderschönen Lipgloss. Ich „schminke“ mich, also, ich sorge für einen etwas frischeren Teint und die Augen müssen halt mal Schminkpause haben. Mit dem neuen Lipgloss drauf geht es los zum Arzt. Da gehe ich zu Fuß hin.

    „Sie haben eine Augenlidentzündung und ich überweise Sie dann mal in die Endokrinologie im Krankenhaus, damit die den Stoffwechselkram übernehmen.“ ist die ganz schnelle Zusammenfassung des Arzttermins. Der neue Vertretungsarzt für meine eigentliche Hausärztin (die in Elternzeit ist) ist sehr nett und viel älter, als ich angenommen hatte, warum auch immer ich angenommen hatte, dass der grad aus dem Studium kommt, kann natürlich trotzdem sein wenn er einfach erst spät oder sehr sehr lange Medizin studiert hat, wer weiß das schon.

    Ich gehe also in die Apotheke und hole antibiotische Augensalbe ab und gleich meine Dosis Grippeimpfstoff für nächste Woche. Irgendwie ist nicht durchgegangen, dass ich für den Rest des Jahres von der Zuzahlung befreit bin, aber ich glaube, das bekomme ich zurück, wird ja alles elektronisch gemeldet. Ich versuche noch, akzeptablen Schokokram oder ein kleines Geschenk** für Nikolaus zu bekommen, aber es haut mich nichts vom Hocker. Also gehe ich nach Hause.

    Dort weiter absurde Diskussionen. Ich mache direkt die Augensalbe rein. Dann esse ich einen kleinen Happen Rest von gestern (Käsespätzle), räume die Spülmaschine aus und ein, hänge Wäsche ab und auf, absurde Diskussionen, aber auch ein paar sehr nette Gespräche über Make-Up, chatte mit dem Techniker der Chipsfabrik über die Unmöglichkeit, den Insolvenzverwalter zu erreichen, pinsle Schokolade auf die erste Hälfte Grümmel-Nuss-Kekse, will irgendwas von oben holen, sehe Socken, die im Bad herumliegen, will sie in die Wäsche bringen und erblicke den Haufen unorganisierte Weihnachtsdeko im Lagerraum. Folgerichtig räume und sortiere ich da erstmal eine halbe Stunde. Jetzt kann man wieder Boden sehen.

    Was ich von oben holen wollte, weiß ich danach nicht mehr. Ich merke, dass ein ganz großes Müdigkeitsloch im Anmarsch ist und mache mir einen Kaffee. Den trinke ich, während ich übel über die Verpackung des gestern gekauften Raffrollo-Sets fluche und dann, nachdem ich die Anleitung aus der Verpackung geprokelt und gelesen habe, während ich den Stoff zurechtreiße. Verräume alles und dann ist es Zeit, die Kinder abzuholen.

    Zuerst kaufe ich aber in einem anderen Laden zwei Schokonikoläuse mit Schokolinsen drin und verstecke sie ganz professionell in einer braunen Papiertüte im Kofferraum. Michel hat in der Schule ganz viel Weihnachtsdeko gebastelt. Das werfe ich alles auf die Tüte und dann holen wir Pippi ab. DIe hat immer noch nur ihr Unterhemd an. Tjanun. Zwei Minuten vor Herr Rabes Zug sind wir alle am Bahnhof. Ich schreibe Herrn Rabe, dass die Tüte unbedingt im Kofferraum bleiben soll.

    Zu Hause dann Brotdosen auspacken, zweite Hälfte Kekse mit Schokolade versehen, Kindergeschrei kaum ertragen, Michel aber putzt freudig seine Stiefel, neue Zwiebelringe anbraten und dann gibt es den Rest vom Käsespätzle-Rest. Pippi ist hundemüde, besteht aber auf Peppa Wutz. Nach einer Folge darf Herr Rabe sie ins Bett bringen, Michel und ich gucken noch „Kråkeslottet“, eine Edutainment-Sendung im norwegischen Kinderfernsehen, die mich vor lauter „Oiiiii, das ist ja GANZ ERSTAUNLICH!“-„Ja, NICHT WAHR?“-„JA, das habe ich NOCH NIEEE GESEHEN!“ immer sehr sehr sehr nervt. Koksen die da alle? Vermutlich.

    Ich bringe danach Michel ins Bett, absurde Diskussionen, und schwups, sitze ich auch schon auf der Couch und blogge. Der Techniker und ich chatten weiter, konspirativ ist es, Mission „den Chipsmann stoppen“ ist noch nicht ganz begraben. Das Auge tut sehr weh und wir gucken nun noch eine Folge „Wer zuletzt kocht“*** und dann ist es Zeit fürs Bett.

    ___

    *Nein, das ist natürlich auch keine neutrale Quelle. Aber es ist vieles mit Screenshots belegt.

    **Michel hat sich einen Orca gewünscht. Ich dachte, vielleicht gäbe es einen mit großen Glitzer-Glubschaugen, aber nee.

    ***Immer diese beknackten Übersetzungen von Titeln. Im Original heißt es „The Final Table“.

    Tag 1181 – #WmDedgT im November ‘18.

    Es ist schon wieder der 5., wie konnte das eigentlich passieren, aber egal, Frau Brüllen will natürlich wie jeden Monat wissen: was machst Du eigentlich den ganzen Tag?

    Um sieben stehe ich auf, nachdem ich sehr lange keine Lust dazu hatte. Es ist schon zu spät und die Kinder haben auch keine Lust und schlechte Laune und als wir um acht endlich aus dem Haus kommen, bin ich eigentlich schon bedient und habe Fransen am Mund vom repetitiven „Zieh dich bitte an, den Schlüpfer auch, erst ausziehen, ja alles, jetzt zieh dich an, du hast ja Immernoch nichts an, … frühstücke bitte, nicht schwafeln, frühstücken, iss doch bitte einfach noch was, bitte vergiss das Frühstück nicht…“ Und eigentlich sind wir dann auch schon ein bisschen spät dran und Michel nölt, er sei krank und überhaupt. Wir parken am Supermarkt und ich schleppe Pippi und Michels gewaschene Draußenklamotten zur Schule. Verräume alles, versuche mich erfolglos von Michel zu verabschieden und bequatsche dann Pippi, zurück zum Auto selbst zu laufen.

    Am Kindergarten angekommen verräume ich Pippis frisch gewaschene Draußenklamotten und höre mir Genöl darüber an, dass ich doch da bleiben soll. Aber nur kurz, weil ich so dermaßen den Kaffe aufhabe inzwischen, dass ich mich mit mühsam zurückgehaltenem Groll lieber schnell verabschiede. Ich lasse, zugunsten von Bewegung und Laune, das Auto stehen und gehe zu Fuß zurück nach Hause. Mit Brot kaufen zwischendurch dauert das eine knappe Dreiviertel Stunde. Zwischendurch bekomme ich eine mail vom Chipsmann, die mir nicht viel mehr sagt, als dass ich eine weitere Mailadresse blocken muss.

    Zu Hause wartet Herr Rabe nicht wirklich, denn er arbeitet heute von zu Hause aus. Es müssen sich ja nicht noch alle seine Kollegen anstecken. Ich dödele ein wenig im Internet rum und esse einen Joghurt. Ich fiebere mit, ob es irgendwer aus dem Internet schafft, in Deutschland ein paar der eigentlich heute erst erscheinenden Produkte von Hatice Schmidt zu bekommen. Ich mag ja ihre Videos sehr gern, weil die nicht so überdreht sind, aber informativ sind und ehrlich wirken. Ich kann mit diesem ganzen auf 14-Jährige zugeschnittenen YouTube-Zeug nicht so ganz viel anfangen und das scheint in Deutschland sehr zu dominieren. Jedenfalls hat Hatice Schmidt nun eine Kollektion an Produkten mit L.O.V. herausgebracht und 1. würde sie, da bin ich sicher, keinen Scheiß herausbringen und 2. Habe ich inzwischen ein paar Videos von anderen YouTuber*Innen zu den Produkten gesehen und am Ende wollte ich halt die Lidschattenpalette und den Bronzer haben. Da hatte ich am Samstag einen Aufruf gestartet und es haben sich echt viele bereiterklärt, zu schauen und einige haben das auch erfolglos getan, aber Frau Wunnibar hat es geschafft und ich freu mich sososo doll, hach!

    Nach aller Freuerei ziehe ich meine Sportklamotten an und mache ein Workout, das erste mal im neuen Haus. Das macht nur leidlich viel Spaß, ehrlich gesagt, denn ich war auch schon mal fitter und das ist ja nicht mal nicht lange her. Naja, das wird auch wieder, denke ich, während ich danach zwanzig Minuten weiter schwitze.

    Wenn ich ja aber eh nun rieche, kann ich auch das Bad putzen, denn das hat es nötig. Ich höre derweil einen Podcast über Mantelstoffe und bin nun einiges schlauer und habe ein sauberes Bad. Ich schließe das Bad putzen gerne mit einer Dusche für mich ab, ich sprühe die Dusche von innen en und schrubbe dann mit einem Mikrofasertuch rum, dann ziehe ich mich aus und steige in die Dusche, brause alles (nicht mich!) richtig heiß ab und dann dusche ich ganz normal, nur dass ich am Ende halt alles nochmal trocken überwische (das mache ich nicht bei jeder Dusche). Ich bin also am Ende auch sauber und fühle mich jetzt wieder wie ein neuer Mensch.

    Es folgt ein Brotpäuschen mit Herrn Rabe, wir schnacken noch ein wenig und dann gehe ich auch schon wieder los, die Kinder abholen. Wenn wir die Zeit haben, müssen die ja nicht bis ultimo in ihren Betreuungseinrichtungen sein.

    Mit Michel zusammen zum Kindergarten gehen dauert etwa doppelt so lange wie ohne. Ich besteche ihn, indem ich eine Kinderzeitschrift in Aussicht stelle, wenn wir es ohne viel Gemecker den Berg hoch schaffen. Michel geht daraufhin die meiste Zeit an meiner Hand, beklagt sich nur zwei mal ganz leise über schmerzende Füße und erzählt sonst allerhand Geschichten. Zum Beispiel ist er magnetisch, und weil die Erde ja auch ein großer Magnet ist, kann er nicht fliegen. Das Ent-magnetisieren dauert ein Jahr. Sagt er.

    Wir holen Pippi ab und mir werden noch so viele Bastel- und wasweißichzettel in die Hand gedrückt, dass ich auf dem Weg raus erst die Hälfte vergesse und dann die andere Hälfte fallen lasse. Das ärgert mich, weil ich jetzt dann doch ganz gern wieder nach Hause möchte. Seit eineinhalb Stunden bin ich inzwischen unterwegs. Aber wir müssen noch einkaufen. Ich kaufe drei Paprika und eine Kinderzeitschrift und vergesse die Zahnpasta für Michel. Tja.

    Zu Hause hat Pippi schlechte Laune und nervt Michel beim Hausaufgaben machen. Der ist eh schon so schluderig dabei, dass ich ganz viel atmen muss. Irgendwann ist er aber fertig und Herr Rabe ist dabei zu kochen. Ich vergesse (tatsächlich) die Regel, dass es erst nach dem Essen Fernsehen gibt und lasse die Kinder Kinderfernsehen anmachen. Ich bin so müde, dass ich dabei fast einschlafe, aber nur fast, weil immer wenn meine Augen zufallen die 5-Minuten-Episoden von Grizzy og lemen zu Ende sind und ein Streit entbrennt, welche als nächstes geguckt werden soll. Dann erfahre ich, dass die Spice Girls nächstes Jahr auf Tour gehen und bin gar nicht mehr müde, sondern spinne mit meiner Twitter-Timeline herum, dass wir uns doch in Edinburgh treffen könnten. (Liebe Timeline: ich meine solche Schnapsideen meistens ernst! *zwinker, zwinker*)

    Es gibt Essen und die Kinder mögen es natürlich nicht. Pippi ist außerdem übermüdet und in ätzender Laune. Es ist wie es ist, aber halt nicht schön. Irgendwann brechen wir ab und wollen die Kinder ins Bett stecken. Plötzlich hat Pippi Hunger. Sie isst im Bad eine halbe Banane und dann bringe ich sie ins Bett. Schon bei den letzten Seiten im Peppa Pig-Buch atmet sie auffällig ruhig. Danach dreht sie sich um und schläft innerhalb von 30 Sekunden laut schnarchend (wegen der Erkältung). Puh. Kurz döse ich auch ein, aber ich habe mir einen Wecker gestellt, werde geweckt und stehe auf. Räume unten den Tisch ab, bekomme von Herrn Rabe Gesellschaft, der spült und wir legen gemeinsam noch die Wäsche zusammen. Ich rege an, den Schrank endlich fertig in die Küche umzuziehen, da stand das untere Teil jetzt eine Woche und das Oberteil aber im Wohnzimmer und dann machen wir das „mal eben“. Das Ding ist so sauschwer und zudem unhandlich, dass ich, ganz tief in der Hocke sitzend, mit dem Schrank in den Händen einfach nicht hochkomme. Meine Beine sind nicht stark genug (jedenfalls nicht nach knapp 20.000 Schritten und 30 Minuten beinlastigem Workout heute). Herr Rabe muss also den Schrank auf meiner Seite erst auf einen Hocker stützen und dann seine Seite hochheben. Die letzten 30 cm Höhenunterschied schaffen wir dann wieder gemeinsam und jetzt steht dieser Schrank da bitte bis zum Auszug. Uff.

    Nun: Bloggen und Katjes Kinder essen. Gleich: Ru Pauls Drag Race Makeover Challenge zu Ende gucken. Dann Bett.

    Tag 1150 – WmDedgT im Oktober ‘18.

    Heute ist wieder der 5. des Monats und es ist schon Oktober, das ist schockierend, aber wie dem auch sei – Frau Brüllen fragt: Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?

    Stichwort: Freizeitstress. Aber ironisch, weil es eigentlich ein ganz wunderbarer Tag war.

    Nach dem Aufstehen – Pippi weckte mich um halb acht – machte ich gemütlich die Kinder fertig und mich so halb, also ich duschte, zog mich an und machte alles außer schminken. Wir übergingen gekonnt das „Aber ich hab noch Croissants*!“ meines Schwiegervaters und gingen Brötchen holen. Wir frühstückten dann frische, knusprige, duftende, raumtemperierte Brötchen, und die Kinder aßen auch noch die Croissants auf. Dann machte ich einen Haufen Farbe in mein Gesicht und dann war es auch schon an der Zeit, Flavius und Brutus, J., N. und deren bezaubernd wonneproppiges K3 auf dem Spielplatz zu treffen. Flavius und Brutus brauchten etwas Anlaufzeit, dafür war Michel so stürmischforderndbefehlend drauf, dass Flavius das mit „Der Michel ist ganz schön unhöflich!“ quittierte. Tjanun. Sie freundeten sich dann doch noch an und kletterten allesamt (ok, das Baby nicht) drülfzig mal auf das Klettergerüst. Auch Pippi, die dann aber nicht mehr runter kam und deshalb kletterte ich auch drülfzig mal halb auf das Klettergerüst, um Pippis Abstieg zu begleiten (hier achtsames Flöten vorstellen). Pippi verschlürte auch zwei mal einen Elefanten und ein Kaninchen, winzige Plastikkleinteile, die sie eigentlich gar nicht dabei haben sollte, aber im Endeffekt suche ich lieber drei Minuten lang zwei hässliche Plastikteile, als zwei Stunden lang Geheul zu begleiten, weil sie weg sind. Pick your battles. Jedenfalls war es herrlich entspannt mit Familie Jenni und ich bin froh, dass Michel sich am Ende doch noch einigermaßen benommen hat und nicht die Jungs verschreckt hat wie beim letzten mal.

    Als ich irgendwann ordentlich Hunger hatte, gingen wir wieder zum Opa zurück und ich aß ein paar Reibekuchen. Die Kinder hatten keinen Hunger. Pippi schlief ein. Ich disponierte kurz um, schulterte Pippi und dann gingen wir drei zur Bahn statt zu Fuß zum Siggi, wo wir mit unseren Freunden M. und A. Und deren Tochter I. verabredet waren. Am Hauptbahnhof wurde Pippi beim Umsteigen wach und ich war einigermaßen irritiert, dass jetzt zwei Linien zur Uni fahren, nämlich eine nur bis zur Uni und eine nach Lohmannshof. Weird. Wir stiegen dann auch spontan in die Falsche, die nämlich drei Minuten nach der anderen fuhr.

    Treffen mit Familie M., das war auch ganz toll. Erst spielten die Kinder auf dem Siggi-Spielplatz und wir Erwachsenen tranken Kaffee, bis Michel ankam und meinte „Mama, Pippi hat Scheiß gemacht.“ und M. gleichzeitig meinte „Ist das dein Kind da, das keine Hose anhat?“. Da musste ich Pippi dann die Hose wieder anziehen und ihr erklären, dass bloß weil ein anderes Kind eine kurze Hose anhat, das nicht heißt, dass sie gar keine Hose mehr anhaben muss. Wir beschlossen, Hosen-Gate durch Eis und Rückzug zu entschärfen und holten uns ein Eis beim Koch (auch wieder keine Werbung sondern eine Empfehlung, gehen Sie alle zum Koch, das ist da sehr sehr gut). Glückliche drei Erwachsene und drei Kinder aßen Eis und wir schlenderten zu M. und A.s Wohnung. Pippis Eis fiel runter und ich rettete es grade so vorm totalen Ungenießbarwerden, indem ich es aufhob und die Boden-Seite beherzt mit dem Finger abwischte. Tag für Pippi gerettet. M. und A. Zeigten uns ihre neue Wohnung und ich war geschockt, was da im Viertel inzwischen für Preise aufgerufen werden. Über 900 Euro kalt für eine Wohnung, die außer der Lage und einer relativen Größe nicht unbedingt der Knüller ist, finde ich schon happig. Aber es war sehr schön, einen längeren Plausch mit M. Und A. Zu halten, während die Kinder drinnen spielten. Ich bin jetzt Up-to-date, was Teile der alten Impro-Crew angeht und, ach, man sieht die ja auch viel zu selten. Und auch zu kurz, denn wir mussten um halb sieben schon wieder weiter, unsere ehemaligen Nachbarn im Koch treffen.

    Dort: super Essen, nette Gespräche, lustiges Kindergequatsche bis… echt spät, nämlich bis Herr Rabe auch noch kam und mich auslöste. Ein toller Abend. Pippi schlief am Ende auf meinem Arm ein und Herr Rabe trug sie dann nach Hause, während Michel tapfer selbst lief, den ganzen Weg vom Siggi bis zum Nordpark. Beim Opa angekommen brachte ich Pippi ins Bett, schminkte mich ab und dann schlief unten Michel auch noch auf meinem Arm ein und das war alles so gemütlich, fast hätte es diesen Beitrag gar nicht gegeben. Aber, phew, noch geschafft.

    Wirklich ein voller, voll toller Tag.

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    *Von vorgestern, aus einer Tupperdose im Kühlschrank, das mag ja Zeit und Mühe am Morgen sparen aber für mich tötet es auch all das schöne an frischen Brötchen.

    Tag 1120 – #WmDedgT im September ‘18.

    Heute ist wieder der 5. und wie jeden Monat fragt da die geschätzte Frau Brüllen: Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?

    Ich werde mich so kurz wie möglich fassen, denn der Tag begann nach einer Nacht mit ganz wenig Schlaf in Pippis Bett, weil die nämlich Rotznasenbedingt schlecht geschlafen hat und dauernd wach war und was trinken oder einfach nur rumbrüllen wollte. Voll schön.

    Außerdem wollte ich auch gar nicht aufstehen.

    Bin ich dann aber doch und hab Pippi fertig gemacht, bin duschen gegangen, habe Schminke eingepackt, habe keinen Kaffee eingepackt und auch kein Mittagessen, aber Wasser, 2 Äpfel und eine Banane. Bin mit Pippi um kurz nach acht losgefahren an der Bushaltestelle 200 m vor der Haustür wieder umgedreht, weil Herr Rabes Zug nicht fuhr wegen irgendwas mit Elektrizitätsstörung. Habe Herrn Rabe eingesammelt und dann sind wir losgefahren.

    Auf dem Weg noch getankt, zum Tanken und wie sehr ich mich bemühe, mich von den Spritpreisen nicht stressen zu lassen, muss ich mal gesondert schreiben. Witzig, wie ich immer schreibe, was ich alles schreiben will, ne? Ich bemühe mich auch sehr und sehr vergeblich, deswegen kein schlechtes Gewissen zu haben.

    Herrn Rabe am Zug im Kindergartenort rausgelassen, dann Pippi zum Kindergarten gebracht, kurz vor neun. Pippi hat im Auto meine Banane gegessen, ich esse deshalb ein Käsebrot aus ihrer Brotdose.

    Ich fahre zur Arbeit. Ich will nicht und fange schon auf dem Weg an zu weinen, so schrecklich ist das da alles.

    Es ist alles sehr schrecklich und sehr absurd für sehr lange Stunden, ich kriege absolut nichts produktives auf die Kette, aber immerhin schaffe ich es dem Chipsmann zu sagen, dass ich bei einer etwaigen Nachfolgefirma nicht mitmachen möchte, generell nicht und schon mal gar nicht als Co-Gründerin. Er versteht das total gut, was sich darin zeigt, dass er mich für morgen für das Vorgespräch zu einem Innovationswettbewerb anmeldet. Mehr bleibt zum Arbeitstag nicht zu sagen, auch weil siehe nächster Absatz.

    Irgendwann geht der Chipsmann einfach grußlos. Ich lasse den letzten Rest versuchter sinnvoller Arbeit fahren und schreibe eine Anwaltskanzlei an. Dann heule ich Rotz und Wasser und dann fahre ich Pippi abholen.

    Pippi abholen, Michel abholen. Ich bin wieder erst ganz kurz vor knapp in der Schule. Michel trägt es mit Fassung. Morgen muss das anders werden. Das sage ich auch dauernd und es wird dann nichts.

    Wir spielen noch auf dem Spielplatz der Schule. Pippi kann jetzt selbst schaukeln und macht das ausgiebig, Michel spielt mit ein paar älteren Mädchen auf dem Klettergerüst. Beide Kinder und ich sehen hinterher aus wie in Lehmstaub paniert.

    Wir fahren nach Hause und ich überrede die Kinder mit Engelszungen zum Duschen. Ich dusche auch und fühle mich danach viel besser. Ach ja, das habe ich oben vergessen zu schreiben, aber es ist ja auch was, was ich nicht getan sondern eben nicht getan habe: Ich habe mich nicht geschminkt. So dreckig gehts mir, ich nehme die Schminke mit und dann bleibt sie in der Tasche.

    Nachdem beide Kinder und ich sauber sind, parke ich die zwei vor dem Fernseher und will eigentlich kochen, kann mich aber nicht aufraffen. Ich döse beim Kinderfernsehen ein.

    Herr Rabe kommt nach Hause und schiebt Pizza in den Ofen. Wir essen und dann bringe ich die Kinder ins Bett, Pippi schläft schon beim Vorlesen aus dem magischen Baumhaus mit 39 Etagen, das sich Michel in der Bibliothek ausgeliehen hat, ein.

    Wieder im Wohnzimmer angekommen ist es irgendwie schon viertel nach neun. Ich schreibe eine Bewerbung, mal wieder eine ganz andere, from scratch neu und anders strukturiert und es geht recht fix, weil ich die im Grunde einfach unterschreibe und dann abschicke. Am Anfang der Bewerberei hatte ich noch Sorge, dass eine scheißbewerbung gleich dazu führen würde, dass ich beim ganzen Unternehmen verschrien bin. Inzwischen ist mir sowas egal oder vielleicht bin ich innerlich tot. Wenn’s so ist, ist es so, wenn nicht dann gut, und als könnte man von einer Seite Blabla wirklich sicher auf die Persönlichkeit der Person dahinter schließen. Sollen sie mich einladen, dann lernen sie mich kennen, und dann sollen sie mich einstellen, dann lernen sie mich noch besser kennen. Im Grunde will ich mit den Anschreiben nur noch neugierig machen. Im Endeffekt kämpfe ich bei dieser Bewerbung am längsten mit dem Bewerbungsportal, das mit der LinkedIn-App nicht wirklich harmoniert und zweimal abstürzt und dreimal die Dokumente nicht hochlädt, bis ich es dann im Browser mache, dann geht es.

    Dann bloggen.

    Bald schlafen.

    Morgen sehr früh aufstehen und bei diesem Informationsdings sein.

    Wenn ich mir das WmDedgT vom letzten Monat anschaue, kann ich kaum glauben, dass das alles in nur einem Monat passiert ist.

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