Tag 788 – WmDedgT Oktober ’17.

Heute ist der 5. und wie immer will Frau Brüllen. da von uns Bloggenden wissen: Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?

Weil es schon halb zwölf ist und ich sehr müde und leicht Weinbeduselt, hier Stichpunkteversion.

  • Aufstehen, zu spät, dadurch Stress mit Mann (weil gestresst) und Kindern (weil wuselig/fordernd/dauernölend), alles blöd. Mann und Kinder sind um kurz nach acht weg und ich habe endlich Zeit, mir einen Kaffee zu machen und mich zu schminken. Email lesen mit Absage für eine der Bewerbungen, die ich letzte Woche abgeschickt habe. Tjanun. Tut beim zweiten Mal und mit nem Gespräch in Planung gar nicht mehr so weh.
  • Einige Zeit geht bei dem Versuch drauf, mein Augenmakeup zu fotografieren. Ich fand das heute früh nämlich sehr gelungen. Aber meine Augen sind furchtbar rot und das Glitzer kommt auch nicht rüber und überhaupt. 
  • Kurze Überlegung, welche Jacke ich anziehen soll. Ich entscheide mich für den Regenmantel, weil der etwas wärmer ist, als meine normale Jacke, aber nicht so warm wie die Jacke mit eingezingeltem Fleece. Noch sind 8-10 Grad, da muss man ja noch nicht alles Pulver verschießen.
  • Fahrrad zur Arbeit im ganz leichten Nieselregen. So schön. Memo to self: morgen Handschuhe mitnehmen.
  • Bei der Arbeit: Bezug vom Fahrradsitz mit reinnehmen, weil Regen, der saugt sich sonst voll. 
  • Noch im Mantel Medium ins Wasserbad, PBS aus dem Autoklaven holen und ins Wasserbad stellen, Trypsin auftauen.
  • Mantel aus, Nachricht an Kollegin, ob Kaffe? Dann auf dem Klo die Haare richten (macht nicht so viel Sinn, erst Wachs in die Haare zu schmieren und dann nen Helm draufzusetzen. Deshalb nehme ich das Wachs eben mit. Ich hatte auch welches bei der Arbeit, aber das ist eingetrocknet (?). Tipps zum Wieder weich machen sind willkommen, sonst schmeiße ich es weg.
  • Die Kollegin kommt mir entgegen, war grad Kaffee trinken.
  • Zum Chef, fragen, ob wir heute ein Meeting mit C. Haben können. Können wir, um zwei.
  • Zu C., ob sie um zwei kann. Ja, kann sie.
  • Ins Labor, die gefärbten Zellen waschen. Ein Glasdingsi rutscht blöde weg und ich verbringe sicher drei Minuten damit, herauszufinden, auf welcher Seite die Zellen sind. Zwischendurch Mr. I-trust-You gefragt, ob er auch um zwei dazu kommen möchte. Zellen wieder in den Kühlschrank und Kaffee holen.
  • Auf dem Weg zum Kaffee nochmal alle Nummern der Ex-Arbeit anrufen. Es geht niemand ran. 
  • Mit Kaffee Telefonbuch überprüft: da fehlen tatsächlich ALLE Nummern von der Ex-Arbeit, auch und besonders ärgerlich die Handynummern. 
  • Mit Kaffee eine Facebook-messenger Nachricht an den Ex-Chef geschrieben, wann wir mal telefonieren können.
  • Nachricht zurückbekommen: gerne, aber erst ab Dienstag. Labor ist umgezogen, Ex-Chef krank, Sekretärin und Oberchef im Urlaub. Erklärt, weshalb ich keinen erreicht habe.
  • Zurück ins Labor, die gewaschenen Zellen „mounten“. Also nochmal kurz mit Wasser abspülen, Wasser ablaufen lassen und dann mit einer speziellen Flüssigkeit mit ganz vielen Antioxidatien und Öl und Zeug dazwischen auf einen Objektträger montieren. Bei 16 Slides dauert das ne ganze Weile, vor allem wenn man sich doof anstellt und Luftblasen dazwischen bekommt.
  • Zellen, jetzt auf Objektträgern wieder in den Kühlschrank.
  • Essen holen. Es gibt Burger, mit Aioli, aber mein Gehirn schafft die Verknüpfung Knoblauch-Meeting-Ungünstig nicht.
  • Essen, alleine. Auch mal schön.
  • Computer: Versuche planen, Dinge aufschrieben, alte Ergebnisse nochmal ausdrucken. Hups, schon viertel vor zwei.
  • Kaffee holen.
  • Telefon klingelt: Ex-Oberchef hat weiterhin eine Weiterleitung vom Büro aufs Handy. Wir schnacken ein bisschen und es läuft insofern wie geplant, dass ich mir einen Referenzbrief (auf Englisch, deshalb schreibe ich den auch, ist besser so *hust*) schreiben werde, den er dann unterschreibt. Er bietet mir auch Hilfe an, falls ich in Deutschland nen Job suchen würde. Als FH-Prof ist er nämlich in der Industrie ganz gut vernetzt. Ich danke artig und falls ich mich doch nach Deutschland orientieren sollte, werde ich das Angebot auch annehmen.
  • Huch, schon drei nach zwei.
  • Im Trab beim Chef ins Büro. 
  • Mr. I-trust-You und C. Haben um viertel nach ein anderes Meeting, das kam spontan rein, ist aber wichtiger als meins.
  • Ich komme grade so dazu, meine letzten Versuche grob zu schildern, da müssen die zwei los.
  • Der Chef und ich versuchen, wie ich glaube, mein letztes Manuskript zu planen. Er glaubt aber, wir reden über den „fast fertig“-Artikel. Es dauert fast ne Stunde, bis wir alle Misverständnisse beigelegt haben.
  • Huch, schon viertel nach drei.
  • Ins Labor, noch mal zwei Zelllinien auftauen. Anderen PhD-Studenten darüber informieren, dass das Arbeiten am offenen Stickstofftank alleine und bei geschlossener Tür sau gefährlich ist und deshalb mit Recht auch laut Laborregeln verboten. Er reagiert mit sehr wenig Verständnis. Muss an meinen Kritik-Skills arbeiten.
  • Hups, schon viertel vor vier. Zackig los, zum Kindergarten.
  • M. Schickt Nachrichten, ob Michel heute zu H. Kommen möchte.
  • Im Kindergarten frage ich Michel: natürlich will er.
  • Vier Jacken, eine Hose, zwei Rucksäcke, zwei Bilder und Pippi balancierend aus dem Kindergarten – direkt in den Regen.
  • Mit Michel auf dem Weg zu H. Klitschnass werden.
  • Michel abliefern. Pippi ist not amused, dass sie nicht auch dableiben darf.
  • Zu Hause drei Kinderjacken, eine Hose, zwei Rucksäcke und Pippi die Treppe hochschleppen.
  • Pippi Peppa Wutz anmachen.
  • Nudelwasser aufsetzen.
  • Aus Gründen: Lidschatten fotografieren und dann ein hardcore glitzerndes Auge und die erste cut crease meines Lebens schminken, aber nur an einem Auge, weil faul. Wieder einen abbrechen beim Versuch, das Meisterwerk zu fotografieren. 
  • Abschminken.
  • Nudeln ins Wasser werfen.
  • Umziehen.
  • Schminken. Ich gehe ja heute noch essen.
  • Zwischendurch: Nudeln abgießen.
  • Pippi mit ein paar Nudeln versorgen, Herr Rabe kommt heim und übernimmt den Kochpart. Ich schminke mich in purpur/gold, das ist ja eine sehr schöne Kombi für blaue blutunterlaufene Augen. Haare fixieren (in der Hoffnung, dass sie den Helm überleben).
  • Michel abholen. Unten feststellen, dass ich den AUtoschlüssel in der andern Jacke habe. Wieder rauf laufen. 
  • Michel trödelt bei H. Rum. 
  • Ich kriege das Fahrrad mal wieder nicht ins Auto.
  • Fahren.
  • Ich kriege das Fahrrad mal wieder nicht aus dem Auto heraus.
  • Michel nach oben geleiten und uiuiui, schon zwanzig nach sieben.
  • Keine Chance auf zu Fuß gehen, also: Fahrrad.
  • Im Restaurant: Lecker, lecker und saulecker. Drei-Gänge Menü, aber mit Dorade statt Huhn im Hauptgang. Nach dem Dessert (Schokokuchen und Himbeersorbet. Platze ich fast. Nebenbei nett mit den Kollegen und dem recht fix recht vollen Chef geschnackt. Zwei unterschiediche Gläser zu sauren Weißwein und einen furchtbar schlechten Espresso getrunken. Und viel Wasser.
  • Nachhauseweg: es regnet in Strömen, es sind ca. 8 Grad und das beides zusammen ist ganz toll, in Feinstrumpfhose und mit Wildlederstiefeletten. 
  • Zu Hause noch ein paar Socken aus dem AUto gefischt (beim Michel abholen da vergessen), dann hoch, Waschen, Nachtcreme, Zähneputzen, Schlafi anziehen, Fertig, aus. 
  • Ach nee, Bloggen noch 😉

Jo. Und in diesem Sinne: gute Nacht!

Tag 758 – WmDedgT September ’17.

Heute ist schon wieder der fünfte, das heißt, wir alle schreiben für Frau Brüllen auf, was wir so den ganzen Tag gemacht haben.

Ein Tag voller Aufs und Abs.

Es ging damit los, dass um 05:35 (?) Herr Rabes Wecker laut und penetrant klingelte. Herr Rabe stellte seinen Wecker aber nicht ab. Als ich kurz davor war, mit meinem Kissen nach ihm zu werfen, realisierte ich in meinem halb schlafenden Gehirn dass der Mensch da an der Stelle wo ich Herrn Rabe vermutete viel zu klein war. Und zu lockig. Da lag also Michel, Herr Rabe lag mit Pippi in Michels Bett. Das erklärte einiges und ich brauchte dann auch nur drei Anläufe, um den Wecker auszustellen. Dann döste ich noch eine Weile weiter, stellte irgendwann auch Herr Rabes zweiten Wecker aus und dann meinen und dann las ich Blogs und sonnte mich ein bisschen im Lob über den Beitrag von gestern und dann stand ich auf. Weckte Herrn Rabe, schaltete die Kaffeemaschine an und ging ins Bad. Haare waschen, Gesicht waschen, anziehen, zwischendurch Grøt für das Kinderfrühstück ansetzen, Haare föhnen, schminken. Sie lachen vielleicht, aber inzwischen war es halb acht. Aber da ich heute eigentlich sogar gar nicht zur Arbeit fahren wollte, war mir das ausnahmsweise mal egal. Pippi war wach geworden, ich holte sie aus Michels Bett und dann weckten wir Michel. Die Kinder wurden mit Frühstück versorgt und Herr Rabe drückte mir einen Kaffee in die Hand. Die Kinder frühstückten wie immer in Zeitlupe, ich zog während er aß Michel um (das funktioniert am besten, da hampelt er wenigstens nicht rum), Herr Rabe machte sich auf den Weg zur Arbeit. Michel wollte noch einen Brief an Einhalb schreiben, er möchte nämlich gerne auch selbst Post bekommen und da ich da gestern etwas angeleiert hab, fand ich es eine gute Idee, wenn er schon mal „in Vorleistung geht“, gewissermaßen. Michel malte sehr hingebungsvoll eine Rakete mit Boosterraketen und Klappfenstern und dann noch ein Haus mit vielen Fenstern, vor dem Pippi steht. Ich war wirklich beeindruckt, vor allem Pippi ist eindeutig als Würfelbaby Mensch identifizierbar, das ist ein enormer Fortschritt. Aber natürlich dauerte das ganz schön lange und Pippi musste nebenher natürlich auch malen und dann Stifte anspitzen und dann ihre Finger anspitzen, dann musste Michel noch Einhalbs Namen schreiben, der erste Buchstabe ist auch aus Pippis Namen und den kann er ganz gut, dann kam aber ein neuer und „den muss ich so ganz groß malen, das geht sonst nicht gut“ und jetzt steht da halt der erste Buchstabe in ca. Schriftgröße 15 und der Rest in 65, aber das ist einfach so niedlich. Den Rest der Karte (bis auf Michels Namen am Schluss) schrieb dann ich in Druckschrift, Einhalb hat ja auch gerade erst mit der Schule angefangen. Dann tüteten wir den Brief ein und ich zog mit Pippi ins Bad, um sie endlich anzuziehen. Michel fragte, ob er seinen Namen auf den Briefumschlag schreiben dürfe, „Ja, hinten!“, rief ich aus dem Bad und natürlich stand hinterher vorne auf dem Briefumschlag fett in Kleinkindschrift „MICHEL RABE“, mit Punkt auf dem I. Ich fand keinen Radiergummi, Michel schrieb seinen Namen auch hinten noch mal drauf, dann putzte ich uns allen die Zähne, machte Lippenstift drauf (ich hab grad keine Nude-Phase, das Ergebnis gefiel mir jedenfalls nicht so wirklich) und scheuchte die Kinder aus der Tür. Auf der Treppe nach unten fiel mir auf, dass Pippi schon wieder einen Kamm mit geschmuggelt hatte. „Du bist eine kleine Rübennase, Pippi!“, sagte ich und „Pippi Dübenase, hehe!“, sagte Pippi.

Weil ich mein Fahrrad gestern bei der Arbeit gelassen hatte, montierte ich das Hilfsrad an den Croozer und schob Pippi darin in den Kindergarten. Michel fuhr Rad und schwafelte mich dabei voll, wie immer. Im Kindergarten angekommen rannte Pippi direkt ohne Verabschiedung in den Gruppenraum, Michel drückte mich nochmal und knutschte mich ab und dann stand ich auch schon wieder draußen und machte mich auf den Weg zur Arbeit. Beim Überlegen, ob ich mir eine Banane holen sollte, fiel mir ein, dass das, was ich als Mittagessen geplant hatte, noch zu Hause war. Chili von Sonntag, wäre es von gestern gewesen, hätte ich es wohl einfach stehen gelassen und mir halt heute was gekauft, aber so sprang ich eben kurz nochmal in die Wohnung und holte das Chili und noch eine halbe Waffel, die ich dann zum Frühstück auf dem Weg aß. Ein Kaffee vom Rema 1000, vorbei an der ultra eklig stinkenden Pfütze (aus der es, ohne Witz, warm aufsteigt, da muss doch was drin verendet sein und verwest da jetzt langsam!) und so war ich auch „schon“ um halb zehn bei der Arbeit. Aber wie gesagt, eigentlich wollte ich ja gar nicht hin, ich musste nur was bestellen und einmal nach meinen Zellen sehen und dann wollte ich auch eigentlich schon wieder fahren.

Eigentlich. Dann googelte ich aber doch noch schnell nach Phenolrot-freiem Medium, um nochmal bessere Konfokalbilder zu bekommen (ich nerde mich da grad total rein und finde es, gelinde gesagt, total geil) und fand auch das, was ich für meine Knock-Out Zellen laut Hersteller benutzen soll als Phenolrot-frei, las mir die Formulierung spaßeshalber (!) durch und stolperte über den Satz „… our special formulation is iron-free.“. Jetzt ist es so, dass ich unter anderem mit einer Knock-out-Zelllinie die Funktion einer Eisen(II)-abhängigen Dioxigenase untersuche. Abhängig heißt, ohne Eisen keine Reaktion. Das Enzym funktioniert nicht. Knock-out heißt, das Enzym ist auf der genetischen Ebene zerstört, wird also gar nicht gemacht. Ich vergleiche im Prinzip dann, wie der Wildtyp (mit intaktem Enzym) und der Knock-Out (ohne Enzym) Schäden reparieren, die ich den Zellen chemisch zufüge. Nur dass ich halt kein Eisen im Medium hatte, was ich nicht wusste, und damit hat halt auch im Wildtyp das Enzym nicht funktioniert und meine Arbeit damit war komplett Sinn- und wertlos.

Ich eskalierte kurz.

Dann schrieb ich eine Mail an den Zelllinienhersteller, was ich denn jetzt machen sollte, verglich Medien, berichtete dem Chef von meinem grandiosen Fund, aß Mittag, verglich weiter Medien, verglich verschiedene Eisen-Salze, versuchte herauszubekommen, ob nicht vielleicht doch ausreichende Mengen Eisen im Kälberserum sind (Antwort: who knows, das untersuchen die ja nicht jedes Mal, hahaha), bestellte Eisennitrat, bestellte neue Kits zur Aufreinigung von mRNA, weil mir vermutlich halt der letzte Versuch deshalb in die Hose gegangen ist. Drei echt volle Tage Arbeit und Kits im Wert von fast 1000 USD. Oh, welch Freude.

Dann ging ich zum Chef um ihm von meinen Eisenrecherchen zu berichten. Er empfing mich mit „Congrats!“. Ich guckte fragend und er sagte „To You! And to me! They [der amerikanische Collaborator] got their article [in Nature] accepted!“. Ich sage es mal so: WHOOOOOOOHOOOOOOO! Da steht mein Name mit drauf, in fucking Nature, ich hab zwischendurch immer wieder nicht dran geglaubt, aber es ist tatsächlich wahr: der kommt jetzt raus! Damit habe ich auch das eine Paper, was für die Thesis veröffentlicht sein muss, im Kasten. Yeah!

Danach war mir alles ein bisschen egal, es kam noch eine Mail, ein Antikörper sei gekommen, ich schwankte zwischen „direkt nach Hause und den Sekt öffnen“ und „morgen schon ein Ergebnis für den Antikörper haben“ und entschloss mich, gerade meiner ausgelassenen Stimmung wegen, für letzteres. Buchte mir eine halbe Stunde am Mikroskop morgen und färbte Zellen. Aber grinsend, und während der 45 Minuten Blocking (aka. Wartezeit) ging ich beschwingt zum 7Eleven und holte mir noch einen Kaffee und einen riesigen Schokomuffin. Ging zurück ins Labor, räumte die zu färbenden Zellen in den Kühlschrank und war bereit, nach Hause zu gehen. Im Büro fiel mir dann der Brief wieder ein, im Büro habe ich ein Radiergummi und ich radierte schnell und bekam auch Fluchs die Adresse. Beschwingt verließ ich das Büro, zog im Fahrstuhl nochmal den Lippenstift nach (ja, der hat so lange gehalten) und dann klingelte mein Handy. 

Meine Mutter. Mit ihr telefonierend schloss ich mein Fahrrad auf und schob dann bis zum Samfundet, weil sie, unbeeindruckt der Tatsache, dass es bei mir ziemlich stürmisch war und sie deshalb von mir dauernd nur Rauschen hörte, einfach immer weiter erzählte. Irgendwann merkte sie dann aber doch, dass sich so keine richtigen Gespräche führen lassen und wir verabschiedeten uns – unter der Voraussetzung, dass ich sie anrufen würde, wenn ich zu Hause sei. Ich fuhr also los, sprang kurz vor zu Hause noch mal ab und in den Bunnpris um den Brief abzugeben, traf noch kurz Kindergartenkind E. und seine Mutter und dann war ich auch um sechs schon zu Hause. Toll.

Herr Rabe war schon am Kochen, die Kinder und ich riefen per Skype die Oma wieder an. Pippi rollte während des Gesprächs dauernd mit den Augen, was einerseits sehr niedlich war, andererseits aber auch unglaublich komisch, jedenfalls fand ich das in meinem immer noch ziemlich euphorischen Zustand. Michel zeigte der Oma alle seine Lieblingsspielzeuge. Pippi rollte mit den Augen. Dann kam die Frage „Kommt ihr denn dann nächstes Jahr nach Hause?“, ich dachte auf einigen Ebenen „What the fuck?“, sagte aber nur „Ich weiß es noch nicht, Mama.“ Haha. Zu Hause. Dann gab es glücklicherweise Essen, sodass ich meine Mutter leider, leider abwürgen musste.

Lecker Essen (Couscous mit Gemüse und Quorn-Schnitzel), dann Kinder-Bettzeit. Planmäßig nicht neben Michel eingeschlafen, sondern stand nach einer Runde Twitter- und Blogslesen (Ich winke mal nach Finnland: Hier ist auch Herbst, richtig und in echt und ich bin auch so gar nicht bereit dafür!) wieder auf. Lauschte noch kurz den zwei schnurchelnden Mäusen und ging dann ins Bad. Schminkte mich ab, cremte mich ein, betrachtete etwas sorgenvoll meine im Moment wieder ziemlich picklige Haut (Memo an mich: gucken, ob The Body Shop mehr als nur die Verpackung der Nachtcreme geändert hat!) und machte dann Brotdosen für die Kinder morgen fertig. Sprühte die Schnecken ein, betrachtete sorgenvoll auch die Quarantäne-Schnecke, die so viele Eier gelegt hat und jetzt, so vermute ich jedenfalls, leider stirbt, vielleicht waren es ein bisschen sehr viele Eier… Jedenfalls frisst sie nicht und zieht sich immer weiter in ihr Haus zurück. Öffnete mir ein Feier-Bier, kippte den Rest vom Sekt von Freitag weg (der war auch echt einfach nicht lecker und dann noch mit ohne Kohlensäure… *schauder*) und seitdem sitze ich hier und schreibe. Gerade kam eine Mail, dass der Zelllinienhersteller „meine Anfrage bearbeitet“ und sich bis Ende der Woche zurückmelden wird. Super, davon kann ich mir ja jetzt auch nen Blumentopf kaufen. Aber egal, das verhagelt mir meine Laune jetzt auch nicht mehr, ich gehe gleich ins Bett und lese noch eine Runde über Harry Hole in Bangkok (ich lese ja die Harry Hole-Bücher von Jo Nesbø nicht chronologisch, um meine Zwanghaftigkeit abzubauen das hat sich einfach so ergeben und ist… auch mal interessant!) und dann ist Licht aus angesagt, morgen kann ich nicht wieder so spät bei der Arbeit auflaufen, ich hab ja zu tun.

Tag 727 – WmDedgT August ’17. 

Heute ist der fünfte, das heißt, Frau Brüllen will wissen: Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?

Erstmal durfte ich verhältnismäßig lange schlafen, nachdem ich Pippi um halb acht noch eine Banane geholt hatte, war sie natürlich wach, aber Herr Rabe stand mit ihr auf. Dann weckten sie mich wieder um viertel nach neun. Mit Kaffee. So lobe ich mir das. Ich schrieb dann direkt eine SMS an unsere Freundin M., die ihren Sohn (Michels besten Kumpel) vormittags vorbeibringen wollte. 

Dann Frühstück und nach dem Frühstück standen auch schon M. und H. vor der Tür. Pippi war ganz aus dem Häuschen, durfte aber nur mittelviel mitspielen. Michel und H. verschwanden quasi sofort und ich konnte duschen. 

Es ist viertel vor drei. Deshalb: fast forward

  • Nägel lackiert (rosa)
  • Michel Nägel lackiert (blau und Gold)
  • Pippi zum Mittagsschlaf hingelegt
  • Michels Innenbeinlänge ausgemessen (48 cm bis zum Knöchel)
  • Losgefahren und Dinge gekauft:
  1. Hosen für Michel (Größe 122)
  2. Ein Geschenk für das frisch geborene Baby meiner Cousine
  3. Wollunterwäsche für Michel (Größe: 6 Jahre)
  4. Gratulationskarten für das Cousinenbaby und I.
  5. Vier Bücher für mich (Hupsi, naja, war halt im Angebot)
  6. Einen Farn
  7. Nach elendig langer Suche in zwei Plantasjen-Filialen: einen Sack nicht mineralisch* gedüngte Blumenerde und das kleinste erhältliche Gebinde Kalk (25 kg), ohne Wagen, weil keine Münze dabei, zur Kasse und zum Auto geschleppt, ich sach mal so: ungeil. 
  • Nach Hause gefahren, Zeug ausgeladen, Zeug für I. und das Cousinenbaby eingepackt, Karten  geschrieben, alles in zwei Päckchen verpackt
  • Mit Pippi und Herrn Rabe (Michel war mit zum besten Freund gegangen) zu Clas Ohlsson getrabt
  • Gepresste Kokosfasern* gekauft
  • Festgestellt, dass es die Post im Meny Solsiden nicht mehr gibt
  • Zum Rema gegangen, dabei ca. 50 mal Pippi fliegen lassen
  • Zwei Paprika gekauft, weil Michel und H. die aufgegessen haben
  • Zum Bunnpris gegangen und das Cousinenbabypäckchen und das an I. aufgegeben, dabei aufgepasst, dass Pippi „Ich kann meinen Kinderwagen selbst schieben!“-Rübennase selbigen nicht auf die Straße oder in anderer Leute Hacken schiebt
  • Nach Hause gegangen, auf dem Weg noch Löwenzahn für die Schnecken gepflückt
  • Aufs Essen gewartet (das Herr Rabe kochte), derweil
  • Terrarienzeug wegen Schimmel in den Backofen gestellt
  • Farn geteilt
  • Gepresste Kokosfaser mit Wasser begossen
  • Gegessen (Nudeln mit Lachssauce)
  • Aufgeräumt (die Wohnung sah nach dem Kinderbesuch aus wie ein Schlachtfeld inklusive Lazarett)
  • Einen Eimer geschnappt und mit Pippi und Herrn Rabe losgefahren, Michel abzuholen. 

Und dann begann der Teil des Abends, der dazu führte, dass ich jetzt ein bisschen tüderich bin. Ich blieb nämlich einfach bei M., um Wein zu trinken und Johannisbeeren zu ernten. Ich erntete einen Teil von 2 ihrer 12 (!!!) Sträucher. Danach war mein Eimer zu drei Vierteln voll. M. findet die ganze Sache mit „Arme zwischen Zweige stecken, dahin, wo man nicht mehr gut gucken kann“ ziemlich eklig und deshalb hat sie auch nur ein paar gut zugängliche Alibi-Beeren geerntet. Meine Fotos von auf dem Busch gefundenen Weichtieren waren da wohl auch nicht so recht hilfreich. Als sie H. ins Bett brachte, erntete ich noch ein bisschen und fing dann den Beitrag hier an. 


Im Anschluss saßen wir noch sehr lange auf der Terrasse, reinigten den Haufen Johannisbeeren, tranken Wein, aßen Käse, Schokolade, Chips und Johannisbeeren und unterhielten uns. Ich weiß jetzt einiges über ihren neuen Job, ihren Freund, ihren Ex und sie**, was ich vorher nicht wusste. Und umgekehrt. Irgendwann kam dann noch ihr Freund vorbei und ich weiß jetzt, was das Wort „Klemmekar“*** bedeutet. Irgendwann noch später war es sehr spät, der Freund im Bett, die Johannisbeeren im Kühlschrank und ich sehr müde, da brachte mich M. noch zur Straße, weil sie nicht wollte, dass ich des Nachts alleine am Friedhof lang gehe und von da wanderte ich, immer wieder reichlich verzaubertem Jungfolk ausweichend, in 10 Minuten nach Hause. 


Doch, es war ein richtig gelungener Tag. 

___

*Terrariensubstrat. Eine Wissenschaft für sich. 

**zum Beispiel ekelt sie sich noch mehr vor Spinnen, als ich. 

***Umarmungskerl

Tag 696 – WmDedgT Juli ’17

Huch, es ist schon der 5. im JULI! Wo ist denn das letzte halbe Jahr hin, bitte? 

Aber egal, wie an jedem 5. will Frau Brüllen wissen, was wir eigentlich den ganzen Tag so machen. Dann wollen wir mal, nicht wahr?

Erstmal: irgendwie halb verschlafen, aber doch nicht so richtig und, ach, es gibt irgendwie bessere Starts in den Tag. Ist gibt auch bestimmt bald wieder Nächte, in denen ich nicht davon träume, dass ich in Proteinseen ertrinke während all die Leute, deren Arbeiten ich zitiert habe, lachend am Rand stehen und mich mit Stöckern immer weiter reinschubsen. Für manche Träume braucht man auch einfach keinen Deuter. 

Nach dem Aufstehen Haare waschen, Gesicht waschen, anziehen. Jeans, es ist kalt. Michel zieht sich eine lange Wollunterhose an. Den Gürtel schließe ich auf dem letzten Loch und, naja, ich überlege kurz, ob ich nicht doch noch ein neues Loch reinstanzen soll. Aber nein. Ich mache Brotdosen für die Kinder fertig, Herr Rabe macht die Kinder selbst fertig, muss dann aber los. Ich putze Michel die Zähne und überrede ihn zu einer Windhose und -Jacke, quatsche Pippi in die Schuhe und eine Jacke, versuche ihr mehrmals den Kamm abzuluchsen, den sie aber nicht hergibt und dann wird es aber echt mal Zeit, dass wir loskommen. 

Pippi will auch gar keinen Fall im Anhänger sitzen und macht Mordstheater, obwohl wir ihr „Fahrrad“ sogar dabei haben. Im Kindergarten angekommen, will sie dann erst den Helm nicht absetzen und dann den Kamm nicht hergeben. Ich nehme ihn ihr weg und ernte Geschrei. Halte Geschrei aus, bekomme irgendwann ein schnoddrigen Kuss und kann gehen. Sage noch Bescheid, dass die Kinder nicht mit Sonnencreme eingecremt sind und sie aber zumindest Michel bitte eincremen sollen, wenn sie rausgehen und es so sonnig bleibt. 

Dann fahre ich mit dem Rad zur Arbeit, obwohl ich viel lieber zu Fuß gehen würde. Aber ich hab ja keine Zeit. Nachdem das Fahrrad abgeschlossen ist, schreibe ich der Lieblingskollegin, ob sie einen Kaffee möchte, ja, möchte sie. Ich warte auf sie und beantworte dabei Urlaubsplanungs-Nachrichten. Nachdem mir heute morgen schon die Wettervorhersage zugespielt wurde, freue ich mich noch mehr als eh schon auf den Urlaub. Wir holen Kaffee und trinken ihn auf dem (gemütlichen) Weg zurück ins Büro. Da lade ich meinen Kram ab und …

… gehe ins Labor. „Das letzte“ Experiment. Das bestimmt genauso wenig das letzte sein wird, wie das letzte letzte das letzte war. Ich suche Kram zusammen und hole meine Proben, überlege und inkubiere und dann erzeuge ich (hoffentlich) kovalente Verbindungen zwischen RNA und Proteinen mit UV-Licht. Ich wasche meine Proben und bereite sie für den Proteinverdau vor. Dabei habe ich zwei mal eine halbe Stunde Inkubationszeit, eine nutze ich dazu, für die Masterstudentin haarklein aufzuschreiben, was ich mache und wo sie die Reagenzien findet, die andere für eine frühe Mittagspause. Nach der Mittagspause noch schnell den Enzymcocktail zur Verdauung von RNA und Proteinen dazu und ab dafür in den Thermoblock bis morgen. Noch ein schneller Kaffee und dann: 

Schreibschreibschreib. Die Zeit rennt. Zwei Stunden später habe ich etwas über eine Seite geschrieben und es ist irgendwie schon halb vier. Aber so rein vom Schreibfluss auch ein guter Zeitpunkt für eine Unterbrechung, mir fehlt nämlich nur noch ein Unterkapitel. Außerdem kriege ich Hunger, das Mittagessen war eher spärlich. Ich füge noch ein paar Referenzen ein und…

… frage Mr. I-Trust-you wies denn mit meinen Zellen so gelaufen ist. Schlecht, sagt er, der Mikroskopmann ist nicht aufgetaucht. Ob ich denn nach den Zellen geschaut hätte, wenn die zu dicht werden, müsste er eben den Mikroskopmann anrufen. Nee, bisher nicht, ich gehe also ins Labor und sehe nach den Zellen, die sind aber noch nicht zu dicht. Dann verquatsche ich mich noch kurz mit unserem Computerinder (Selbstbezeichnung von ihm!), der mir dieses lustige und dieses nützliche tool zeigt und dann gehts endlich ab nach Hause.

Obwohl, nein, ich muss noch einkaufen. Wir haben kein Brot mehr und zum Abendessen soll es Fisch geben, den wir auch noch nicht haben. Es gibt frische, norwegische Erdbeeren (dass ich mal von norwegischen Erdbeeren schwärmen würde, hätte ich auch nie gedacht, aber: norwegische Erdbeeren sind die Besten!), Ørret von der Frischetheke und leckeres Brot, aber keine, äh, Dinge nach denen ich auch noch gucken wollte.

Zu Hause angekommen bin ich unterzuckert und bekomme Kopfschmerzen. Dieses dauernde Wettergewechsle, gepaart mit dem nicht so ganz unerheblichen Stresslevel, das bekommt meinem Kopf gar nicht. Herr Rabe ist auch gestresst. Die Kinder gucken DinoTrux und ich setze mich für die letzten zehn Minuten dazu. Herr Rabe auch – und schläft direkt ein. Als DinoTrux vorbei ist, ist Michel sauer, weil es nur eine Folge gibt. Herr Rabe ist sauer, weil ich ihn wecke. Pippi leert Puzzles aus. Ich frage Herrn Rabe, ob ich einkaufen gehen soll. Ja, bitte. Ok. Michel will mit. Ich seufze. Ok. Ich erkläre, dass wir für ihn nichts kaufen. Er will trotzdem mit und wir fahren los. Auf dem Weg raus nehme ich mir noch einen Brotknust mit, um den Unterzucker zu bekämpfen. (Wundert dann auch keinen mehr, dass ich abnehme.)

Erst kaufen wir einen Trunki für Pippi. Michel sucht ein Kuh-Muster aus. Mir ist alles recht, ich bin von den Preisen paralysiert und nur froh, dass die Kinder so großzügige Großeltern haben. Wir gucken in dem Laden auch noch nach Dingen, die gibt es auch, aber Michel ist dagegen. Also ab in den Nachbarladen, für Pippi Kopfhörer kaufen. Und hier finden wir dann auch endlich Dinge und andere Dinge und dann will Michel Crocs haben (sind im Angebot) und die sind zwar noch zu groß, aber er will unbedingt und setzt den Dackelblick auf und naja. Wir kaufen also Dinge, Dinge, Kopfhörer und Crocs. Dann hat Michel Hunger. Ich habe auch schon wieder Hunger. Noch schnell in den Supermarkt, denke ich, fahre ins Parkhaus, es ist voll, Michel labert mich voll, jemand hat einen Einkaufswagen so blöd stehen gelassen, dass ich beim Einparken Probleme habe, ich hätte rückwärts einparken sollen, denke ich noch, das kann ich besser, jemand wedelt hektisch und es macht „Popp“ während mein linker Außenspiegel den linken Außenspiegel den nebenstehenden Autos umklappt. 

Der hektische Wedler war der Fahrer des anderen Wagens gewesen. Maximal 20 Jahre alt und garantiert mit Papis (oder Mamis) recht neuem, schicken, sauberen Auto unterwegs. Während ich noch das Auto gerade hinstelle, rubbelt er schon an der feinen roten Linie herum, die mein Auto an dem weißen Außenspiegel hinterlassen hat. Nichts passiert, die Linie ist hartnäckig. Ich steige aus und entschuldige mich und kratze Dreiviertel der Linie mit meinem Fingernagel weg, Michel klopft von innen an die Autotür, der junge Typ rubbelt, ich lasse Michel raus und fluche und rubble und fluche noch mehr, weil ich keine Feuchttücher dabei habe, mit Feuchttüchern geht bekanntermaßen alles weg. Michel labert, der Typ leuchtet mit dem gnadenlosen Handylicht die Linie aus, da ist kein Kratzer, aber ich krieg es so auch nicht weg. Mir fällt das Mikrofasertuch ein, das zur Kondenswasserentfernung im Auto liegt und damit (und Spucke, jaja, so eine bin ich, wenn ich keine Feuchttücher hab) kriege ich nochmal ein bisschen Linie entfernt. Michel hampelt rum und stresst mich und den Typen, der meint, er könne das sicher wegpolieren (bloß weg von der hektischen Mutti). Ich gebe ihm meine Telefonnummer, falls das nicht hinhauen sollte, er fährt. Ich besehe mir meinen eigenen Außenspiegel, der hat auch drölfzig Macken, die sind aber nicht von ihm, einer sieht eher aus wie… Wand? Naja. Vorm Auto verkaufen linken Außenspiegel polieren und Lack ausbessern. Gut, dass die Dinger nicht mehr aus Metall sind, wie früher.

Michel und ich gehen in den Supermarkt und kaufen ein bisschen Lebensmittel ein, ich kaufe Michel ein Brötchen und irgendwann sind wir wieder im Auto und Michel nervt mit Forderungen im Sekundentakt und, als ich dem nicht nachkomme, Genöle. „HmmmmmmHmmmmmmHmmmmm“ macht er und ich werde langsam wahnsinnig. Der Supermarkt ist mit dem Auto fünf Minuten von zu Hause weg und er treibt mich auf die Palme. Zu Hause ist Michel dann zu müde um die Treppe hochzugehen und zu schwach, um seine Jacke zu tragen. Ich ertrage alles stoisch mit der Aussicht auf Essen. Das ist fertig, aber die Stimmung ist… also. Äh. Ich weiß nicht, was Pippi gemacht hat, aber Herr Rabe ist total abgenervt und ranzt Michel an, der müde ist und fordertfordertfordert und dann heult Michel weil er angeranzt wird und Herr Rabe knallt ihm das gewünschte Schälchen auf den Tisch und Michel heult noch mehr und an der Stelle bin ich alleine im Schlafzimmer essen gegangen, weil *das* ertrage ich heute nicht auch noch. Die Kopfschmerzen werden auch immer fieser.

Ich höre die Kinder ins Bad gehen und Herrn Rabe Orren und mache die Kinder mit Bettfertig. Ich bringe Michel ins Bett, dann blogge ich schon mal ein bisschen, döse aber dabei dauernd ein. Pippi will nicht schlafen und Herr Rabe lässt sie herumölen. Dann kommen Pippi und Herr Rabe und Herr Rabe versucht, Pippi zum Schlafen zu überreden, aber irgendwann sitzt sie oben im Bett und ich liege eingepfercht zwischen zwei Kindern, von denen eins schläft und eins herumhampelt und mich kneift und an meinem Fingernagel schnippt in einem 90 cm Bett. Irgendwann schläft Pippi doch tatsächlich ein und ich flüchte aus dem Kinderzimmer. Herr Rabe versucht, Pippi in ihr eigenes Bett zu verfrachten, sie wird wach und schreit aber das ist jetzt nicht mehr mein Problem, einmal EInschlafbegleitung reicht dann auch pro Tag.

Bloggen im Bett, ich müsste eigentlich noch schreiben, das eine Unterkapitel, aber, ach, die Kopfschmerzen, die Müdigkeit, morgen ist auch noch ein Tag.

Aber ne Maschine Wäsche, die muss ich noch anwerfen, sonst habe ich zu wenig saubere Unterwäsche für knapp zwei Wochen Urlaub.

Urlaub. Das wird schön.

Tag 664 – WmDedgPfMo ’17

Heute ist nicht nur Pfingstmontag, sondern auch der allerletzte Feiertag vor Weihnachten in Norwegen! Und es ist der 5. und deshalb fragt Frau Brüllen: Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?

Tja. Ehrlich gesagt frage ich mich am Ende dieses Tages, ob es sowas wie PMS auch um den Eisprung rum gibt. Denn heute morgen gings mir noch richtig schlecht, jetzt nicht mehr. Komische Sache, aber lesen Sie selbst:

Ich wurde um 03:43 vom Spruch „Papaaaaa, ich hab mir ausepullert!“ Geweckt. Das ist putzigstes Nortsch a la Michel. Es folgte eine wache halbe Stunde.

Dann werde ich wieder geweckt, um 07:28. Eigentlich eine okaye Zeit für Familien mit Kleinkindern,  das weiß ich. Ich fühle mich trotzdem wie vom Laster überrollt. Und merke, dass ich in einer Pfütze liege. Die nächste viertel Stunde zähle ich nicht so grad zu den Sternstunden meiner Elternschaft, ich ranze Michel ziemlich grob an, schmeiße ihn (verbal) aus dem Bett, reiße schimpfend Bettlaken und Matratzenschoner vom Bett, stopfe alles in die Waschmaschine und schimpfe derweil wirklich grob mit Michel, weil ich so so sooooooo gerne noch eine Stunde geschlafen hätte, aber alle Betten, die in Frage kommen könnten, nass sind. Michel verzieht sich irgendwann lieber ins Wohnzimmer und spielt vor sich hin, ich schmolle auf dem nackten Bett und friere (die Bettdecke ist auch nass) und hasse alles und die Welt. Ich rolle mich zusammen und wäre am liebsten an Ort und Stelle wieder eingeschlafen, aber dazu bin ich zu, ja was eigentlich, kraftlos. Und mir ist auch zu kalt, aber ins Wohnzimmer zu gehen und mir eine Decke zu holen übersteigt wirklich alle meine Kräfte. Irgendwann kommt Michel und wir vertragen uns wieder. Ich heule mich via Telefon bei einer Freundin aus und irgendwann habe ich genug Kraft zusammengekratzt um aufzustehen. So nach… ner Stunde.

Ich stehe also auf und fange an, das Frühstück zu machen. Friere Brot ein und Brötchen. Mir fällt ein, dass wir ja Lammkeule machen wollten und ich nehme sie aus dem Gefrierfach und lege sie ins Bad, da ist es am wärmsten. Ich tue alles sehr mechanisch und freudlos, aber immerhin hab ichs gemacht. Herr Rabe und Pippi stehen auch auf und machen Kaffee. Dann Frühstück. Emotionslos. M. Geschrieben, dass wir jetzt wach sind (keine Lüge) und sie H. Gerne vorbeibringen kann (Lüge). H. wird gebracht und die Kinder nehmen direkt das Wohnzimmer auseinander. Ich stopfe den Matratzenschoner in den Trockner und die Bettdecke in die Waschmaschine. Derweil heule ich mich bei Herrn Rabe aus. Warum pullert Michel ins Bett? Er knirscht auch mit den Zähnen! Bestimmt ist er gestresst! Aus meiner Sicht gibt es dafür zwei mögliche Erklärungen: entweder ich übertrage meine Stress auf ihn, oder ich übertrage nur den angenommenen Stress auf ihn, sehe also Stress bei ihm, wo keiner ist. Diese Ansicht vertritt Herr Rabe und sagt: Michel schläft manchmal wie ein Stein, der wird einfach nicht wach, wenn er muss. Ich weiß es doch auch nicht. Wir schmieden jedenfalls einen groben Plan: da mich die Ungewissheit, was ab 19.08. passiert, offenbar an den Rande des Wahnsinns und darüber hinaus treibt, gehen wir einfach spaßeshalber davon aus, dass dann alles vorbei ist. Ich werde bis zum Juliurlaub versuchen, die ca. 60 Seiten Einleitung meiner Thesis zu schreiben. Ich werde die angefangenen Experimente noch fertig machen und dann keine neuen mehr, bis Geld „auf dem Tisch“ liegt. Und das werde ich morgen meinem Chef sagen. 

Danach gehe ich duschen, kombiniert mit Rasur und Babyfuß-vorbereitendem Fußbad. Ich bin zwar danach kein neuer Mensch, aber immerhin fühle ich mich schon nicht mehr ganz so wertlos. Ich stecke meine Füße in Babyfuß-Tüten. Michel und H. Kommen an, mit Erdbeerresten zwischen den Zähnen und behaupten, sie hätten nichts gemacht. Pippi kommt angelaufen, wie eine Erdbeere riechend und kräht freudestrahlend und schmatzend „Piiiist!“ (eigentlich „spist“ = gegessen). Wir lachen alle, haben sich die Rübennasen doch echt unbemerkt ne komplette Packung Erdbeeren reingezogen. 

M. Kommt zurück und wir wollen raus. Alles dauert ewig. Am Ende nimmt M. Schon mal H. Und Michel mit und wir packen unseren Kram zusammen. Mittendrin schläft Pippi ein. Herr Rabe legt sie ins Bett. Ich sehe sie an und brauche all meine Willenskraft, um mich nicht einfach danebenzulegen und nie mehr aufzustehen. Herr Rabe sagt, ich solle mit rauskommen, das täte mir sicher gut. Widerstrebend leiste ich dem Folge. Quasi auf dem Weg hole ich den Matratzenschoner aus dem Trockner, stecke die Bettdecke hinein und wasche den Bettbezug. Drei Maschinen Wäsche. Vier, wenn man die nächtliche mitrechnet. 

Im Flur ärgere ich mich sehr über die Holzspäne, die überall auf dem Kinderwagen liegen, weil die blöden Handwerker der blöden Nachbarin die Platten für deren blöden Fußboden da im Flur gesägt haben, ohne vorher irgendwas beiseite zu räumen.

Pippi wird wach, als wir sie ins Auto setzen. Im Endeffekt hat sie vielleicht 20 Minuten geschlafen. Wir fahren zur Ringvebukta. Es gibt kaum noch Parkplätze, so überlaufen ist es da. Gefühlt alle Familien mit Kindern sind da. Ich will nach Hause. Stattdessen schmeiße ich mit Pippi Steine ins Wasser. Nach zwei Kaffee aus der Thermoskanne fühle ich mich halbwegs imstande mit M. Zu sprechen. Wir lästern total unfein ein bisschen über ein paar andere Kindergarteneltern und deren Kinder. Das tut ein bisschen gut. Langsam fühle ich mich menschlich und nicht mehr wie ein unfähiger Haufen Rotz.

Auf dem Rückweg zum Auto bekommt H. Einen Trotz- und Wutanfall, der die Trotz- und Wutanfälle meiner eigenen Kinder für mich wieder in Perspektive setzt. Das ist bestimmt fies, das zu sagen, aber: Ich bin so froh, dass auch andere Kinder so sind (und schlimmer, manchmal), wie meine. Es sind Kinder. Die sind so. Selbst die, deren Eltern gefühlt viel bessere sind als ich.

Wir fahren nach Hause. Ich bin immer noch müde, aber nicht mehr so, dass ich mich einfach auf den Fußboden legen möchte. Stattdessen mache ich Waffelteig. Den von Kleine Fluchten (*wink*). Dazu gibt es Kaffee und einen leichten Knoblauchduft, weil ich nebenher die Marinade für die Lammkeule fertig mache. Herr Rabe schnippelt ein bisschen am Fleisch herum und wir schieben die Keule in den Ofen. Die Kinder gucken Sendung mit dem Elefanten und ich lackiere mir die Fingernägel. Dreifarbig. In apfelgrün (schön), orange (schön) und gelb, das nicht deckt und deshalb nicht so wirklich schön wird. Pippi schläft fast vor dem Fernseher ein und Herr Rabe versucht, sie ins Bett zu bringen. Michel ist sauer, weil er mit seinem Papa spielen wollte. Als Ablenkung lackiere ich ihm auch die Fingernägel. Herr Rabe kommt mit der schreienden Pippi wieder aus dem Kinderzimmer. Sie wolle von mir ins Bett gebracht werden. Hektisch schmiere ich Überlack auf die Nägel der rechten Hand und dirigiere dann Pippi zurück ins Bett, ohne irgendwas anzufassen. Es klappt einigermaßen und ich schaffe es sogar, sie unfallfrei zuzudecken. Wir gucken die Gute-Nacht-App an, danach erzählt sie mir noch was und dann schläft sie relativ fix ein. Ich denke über den Tag nach und habe Mühe, mein eigenes Verhalten vom Morgen nachzuvollziehen. 

Nachdem Pippi schläft, beziehe ich die Betten. Dann lege ich mir und den Kindern Anziehsachen raus. Ich packe meine Sportsachen und die Schwimmtasche für den Schwimmkurs von Michel. Und wundere mich selbst ein wenig über meine Energie.

Es gibt essen. Lammkeule und Bohnen, wegen der späten Waffelmahlzeit verzichten wir auf die Kartoffeln. Für die Erwachsenen gibts außerdem jeweils ein Becks. Michel ist sehr müde und es ist etwas anstrengend mit ihm. Er will auch wieder keine Nachtwindel anziehen. Ich schnaube nur innerlich, als Herr Rabe ihm das genehmigt.

Herr Rabe bringt Michel ins Bett, ich packe Papiermüll und Glasmüll zusammen. Die Sonne scheint. Herr Rabe kommt aus dem Kinderzimmer und ich mache mich auf den Weg, den Müll wegzubringen und Geld für die Putzhilfe zu holen.

Im Flur ärgere ich mich sehr über die Holzspäne, die überall auf meinem Fahrrad und in meinem Helm liegen, weil die blöden Handwerker der blöden Nachbarin die Platten für deren blöden Fußboden da im Flur gesägt haben, ohne vorher irgendwas beiseite zu räumen.

Ich bringe den Papiermüll und den Glasmüll zur Entsorgungsstation. Fahre zur Tankstelle und hole Geld. Kaufe Eis um kleinere Scheine herauszubekommen. Bekomme einen niegelnagelneuen 200-Kronen-Schein und frage mich, was das wohl für ein Fisch da drauf ist, bestimmt ein Dorsch, denke ich, die Norweger sind so, die drucken ihren Dorsch auch auf Geldscheine. 

Als ich über die Ampel fahre, fällt mein Fahrradschloss aus der Halterung. Die scheint nicht mehr zu halten. Damit hat sich wenigstens auch geklärt, wie ich mein altes Schloss verlieren konnte. Ich sinniere darüber, wieso es mir morgens (und gestern und vorgestern) noch so kacke ging und jetzt ist alles wie weggeblasen? Ich schiebe es auf Hormone, was besseres fällt mir einfach nicht ein.


Zu Hause esse ich Eis und lese über den Geldschein nach. Es tun sich ungeahnte Welten des Designwahnsinns auf: hinten auf den neuen Geldscheinen sind Balken. Diese symbolisieren in ihrer Länge die Skala der Windstärken, mit zunehmendem Geldwert werden die Balken länger. Das Oberthema der neuen Scheine ist „das Meer“. Der 200er trägt den Titel „Das Meer, das uns Nahrung gibt.“ Drauf ist tatsächlich ein Dorsch und ein paar Heringe, denn „dies sind die Fische, um die sich die meisten Mythen ranken“. Jaja, mystische Heringe hier. Außerdem ist drauf: ein Fischernetz und ein Fischerboot, hinten, also angeblich ist da eins, ich sehe es nicht. Der Papageientaucher (der Vogel) ist auf jedem neuem Schein als Wasserzeichen, und auch die Ankerkette ist auf jedem Schein. Ich habe Spaß. Und dann schreibe ich anderthalb Stunden lang den Tag auf. Das wird mir morgen früh möglicherweise leid tun.

Tag 633 – #WmDedgT Mai ’17

Oh, mein Opa hat heute Geburtstag und ich hab’s bisher vergessen. Kann man da jetzt noch anrufen? Vielleicht lieber morgen…

Jedenfalls ist ja der 5. und da will Frau Brüllen von der gemeinen Blogger*In wissen: Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?

Erstmal stehe ich zu spät auf. Irgendwie bin ich nach dem Weckerklingeln in einem Döse-Zustand, nur kleine Patschfüße und „Mama?“-Rufe aus der Küche reißen mich dann doch aus dem Bett. Dann Frühstück machen für die Kinder, Kaffee machen für die Großen. Nebenbei Twitter aufgemacht. Böser Fehler, weil schwuppdiwupp eine Diskussion über arm und reich und Verdienst und Abgaben und weiß nicht was gestartet. Vorm ersten Kaffee. Ich empfehle das nicht. Sowas regt auf und frisst Zeit. Und regt auf. 

Naja, irgendwann Dusche, Zähneputzen, Make-up in der Sparversion wegen keine Zeit, Kinder mit Frühstück versorgen, Kinder anziehen (das meiste davon hat aber Herr Rabe gemacht, genauso wie Zähne putzen und Eincremen) Kaffee trinken und los. Ach nee, erst noch merken, dass auf meinem Shirt Schokoflecken sind, also schnell ein anderes Shirt angezogen. Kinder in den Kindergarten gebracht, da erfahren, dass die Kitaleiterin die Schuhe von Pippi mitgenommen hatte – ihr Sohn hat welche die ganz ähnlich aussehen. Noch mit der Betreuerin abgeklärt, dass Pippi bei 15 Grad und strahlendem Sonnenschein nicht Wollunterwäsche, dicken Wollanzug UND Spielanzug anhaben muss. Sollte. 

Auf dem Weg zur Arbeit nur das Rad zu Hause abgestellt und dann zu Fuß gegangen. Kaffee und Banane als Ersatzfrühstück auf dem Weg. Ich Google nach Herrn Rabes Geburtstagswunsch und gucke in die Röhre. Weiter Twitterdiskussion, aber das geht alles viel besser (und macht mich nicht so aggressiv) nach Kaffee und den ersten Kalorien im Magen. Auf dem Weg überall grün. Es wird wirklich Frühling hier, kaum zu fassen. 


Dann Arbeit. Unheimlich stressig. Ich schachtele alles und rotiere sechs Stunden lang quasi ununterbrochen. Mein Mittagessen hole ich während eines Roboterprogramms von 14:32 Minuten (!) Länge beim vegetarischen Imbiss und esse es stehend im Flur vorm Labor. Leider sind Teile der Versuche nur von mäßigem Erfolg gekrönt und am Ende gehen mir auch noch die Materialien aus. Als letzte Amtshandlung bestelle ich also neuen Kram (von der Firma, deren Vertreter gestern da war – das hätten wir einfacher haben können…), exe 2 Gläser Wasser, amüsiere mich über den Titel der Doktorarbeit meiner Kollegin und gehe dann nach Hause. 


Ich spaziere nach Hause. Das Wetter ist „deilig“ (das g ist stumm), also wunderbar. Ich schwitze ein bisschen in meiner Jacke, die Sonne scheint, es ist einfach ganz toll und ich denke die ganze Zeit „DEILIIII!“. Alle Menschen, denen ich begegne, Lächeln. Was so ein bisschen Vitamin D mit den Leuten macht!

Zu Hause hole ich das Fahrrad und fahre in den Kindergarten. Hole zwei dreckige, aber glückliche Kinder ab, schnacke noch ein bisschen mit der KiTa-Leiterin, unterschreibe einen Wisch, dass in dem Altenheim, das Michel öfter mit den anderen großen Kindern besucht, eine Reportage über Kindergartenbesuche in Altenheimen gedreht werden darf und dass es ok ist, wenn Michel da mit auf den Bildern ist. Michel will unbedingt nach Hause laufen, also schiebe ich das Fahrrad und den Anhänger mit Pippi drin nach Hause. Ist egal, die Sonne scheint („DEILIIIII!“). 

Zu Hause Wäsche ich den gröbsten Dreck von den Kindern, dann dürfen sie essen. Beide Kinder wollen getoastetes Brot mit „nur Butter“. Meine Kinder halt. Nach dem Essen will Michel Peppa Wutz gucken. Pippi guckt mit und ich ergoogle mir ein Alternativgeschenk für Herrn Rabe. Dann habe ich es plötzlich eilig, Herr Rabe kommt nach Hause und ich sprinte quasi sofort los. Radle („DEILIIII!“) wo hin, erfülle meine geheime Mission und radle zurück. Wieder zu Hause sacke ich die Kinder ein und fahre kurz entschlossen zum Stoffladen. Mein Ersatzshirt von heute früh ist schuld. Das war mal mein Lieblingsshirt. Jetzt, nach nur 10 Jahren regelmäßigen Tragens selbst in zwei Schwangerschaften, ist es aber langsam hinüber. Der Stoff ist schon ganz dünn und nach ca. einer halben Stunde Tragen geht es total aus der Form. Vermutlich ist das Elasthan langsam tot. Aber ich hab ja noch schöne Jerseystoffe. Ich brauche nur noch was neutraleres, damit man vom gemusterten Kinderstoff nicht erschlagen wird. Und dann nehme ich einfach (haha) den Schnitt von dem jetzt langsam hinüberen Shirt. 

Im Stoffladen eskaliert alles ein bisschen. Wie immer. Dann erfüllen Michel, Pippi und ich unsere geheime Restmission, Michel muss aufs Klo, neben uns versucht eine Frau ihren Einkaufswagen mit in die Klokabine zu nehmen und lässt am Ende einfach die Tür auf. Michel ist beeindruckt. Beide Kinder grabbeln auf dem Supermarktklo alles an und das stresst mich sehr. Wir waschen alle sehr gründlich die Hände und kaufen dann noch Himbeeren. Etwa sechstausendmal sage ich „Nein, wir kaufen das jetzt nicht.“, beim sechstausendersten Mal mag ich nicht mehr und Michel kann seine Tüte Knusperfische haben. Stolz drückt er seine Trophäe im Auto an sich, bis er einschläft. Pippi fallen auch die Augen zu, aber irgendwie gelangt es mir, ihr Einschlafen zu verhindern. 

Zu Hause gibt es frisch erwachten Nörgelmichel und frisch gemachten Kirschmichel. Die Kinder wollen nicht so recht. Dann geht es erst für Michel ins Bett. Ich kleide derweil Pippi um, die sich sehr über die vielen kleinen „Bäsen“ auf ihrem Schlafanzug freut. Dann putze ich ihr die Zähne. Aus dem Schlafzimmer kommt die Meldung: Michel schläft noch nicht. Ich schaue mit Pippi Eule und dann noch zwei Mausclips. Michel schläft ein und ich bringe Pippi ins Schlafzimmer. 

Ich wasche alle dunklen Stoffe und lese ein bisschen im Internet herum. Ich höre Pippi brüllen. 

Deutlich später löse ich Herrn Rabe ab. Pippi möchte nicht ins Bett. Pippi möchte herumbrüllen. Nach einer halben Stunde trösten und kuscheln gebe ich auf. Pippi will nicht schlafen. Wir gehen aufs Sofa, wo ich diesen Beitrag schreibe und Pippi spielt. Irgendwann, Pippis Augen sind schon ganz klein, steckt Herr Rabe sie in die Manduca. Ich tippe. Ich döse weg. Ich wache auf und tippe weiter. Jetzt bin ich fertig. Und reif fürs Bett. 

Tag 603 – WmDedgT im April ’17

Whee, es ist der 05. und da braucht sich der Tagebuchbloggende Mensch nichts besonderes ausdenken, denn wir erzählen heute alle einfach Frau Brüllen, was wir so den ganzen Tag gemacht haben.

Aufgestanden bin ich. Jawohl. Sogar schon nach nur recht kurzem Rumgesnooze. Als ich Michel weckte, sagte er „Aber meine Augen sind doch noch ganz müde!“ das war sehr niedlich und ich kann das auch sehr gut verstehen. Meine Augen und auch der ganze Rest von mir waren heute morgen auch noch müde. Nach ner Dusche ging das aber schon besser, dann hab ich mich im Gesicht angemalt (mit ein bisschen Glitzer, Glitzer hilft gegen innerlich müde Augen enorm!), meinen Teil zum Kinder anziehen beigetragen (ich weiß nicht mehr genau, in was der bestand) und dann die Kinder zum Kindergarten gebracht, in der Praxis heute: Pippi im Anhänger mit dem Fahrrad gezogen und Michels Geheul wegen „Ich hab kein Cap mitgenommen, buhuhuuuuu!“ (Übersetzt: „Ich bin total müde weil ich gestern erst um neun im Bett war, buhuhuuuuuu!“) während des Fahrradfahrens ertragen. 

Kinder im Kindergarten abgeliefert, mit Zusatzinfo: Pippi war sehr früh wach heute morgen und Michel sehr spät gestern Abend noch, also haben beide Kinder potentiell schlechte Laune (Übersetzt: „Wenn die komisch drauf sind heute, steckt ihnen bitte nicht sofort ein Fieberthermometer in den Po.“). Kein Problem. Wieder nach Hause, das Fahrrad abgestellt. Da ist nämlich schon wieder was losgeruckelt und mit so einem laut klappernden Rad fahren macht viel weniger Spaß, als im Sonnenschein zur Arbeit zu spazieren.

Spaziergang zur Arbeit. Vor der Krankenhausapotheke meinen Co-Supervisor getroffen, bei dessen Anblick mir auch siedend heiß einfiel, dass wir später ein Meeting haben würden. Kurz Hallo gesagt und Bis später und dann öffnete auch schon die Apotheke und er ging rein. 

Noch auf dem Weg gedacht: hoffentlich geht es Frau Herzmolekül gut, die meldet sich gar nicht. Dann große Freude: sie hat sich gemeldet und die Twin-Moleküle sind jetzt da und da musste ich glatt ein Tränchen verdrücken und auch von hier sei noch mal ganz herzlich gratuliert!

Arbeit, Arbeit. Emails, Reisekostenabrechnung noch mal kontrollieren, kurz mit dem Chef gesprochen. Dann kurzes Motivationsloch, das ich durch Erledigen meiner Steuererklärung gestopft habe. Wie auch schon im letzten Jahr hat das ca. 5 Minuten gedauert, wovon der Größte Teil für das Einloggen mit gefühlter fünfzig-Phasen-Authentifizierung draufging. Fazit: meine Daten waren alle korrekt bei der Steuerbehörde eingegangen, im Juni werde ich dann etwas unter 8000 NOK an zuviel gezahlter Einkommenssteuer erstattet bekommen. Schön, schön. Beflügelt beim Hausarzt angerufen, ob ich einen Termin zur Blutabnahme brauche, das halbe Jahr seit der letzten Kontrolle der Schilddrüsenwerte ist schon wieder rum. Ich brauche keinen Termin und außer Freitags kann ich immer einfach vor elf Uhr vorbei kommen. Gut, das mache ich gleich morgen.

Dann Labor, Mittagessen, Labor. Verzweifelte Suche nach Glykogen, weil die *miieeep* Stoffkartothek der Uni mich nicht einloggen ließ. Irgendwann im anderen Stockwerk Glykogen gefunden, 12 mikroliter entnommen und zu meiner Probe gegeben, alles eingefroren und fertig. Auf dem Weg aus dem Gefrierschrankraum dem Typen in die Arme gelaufen, dem ich von meiner Glykogen-Suche berichtet hatte und der mir Glykogen geben wollte. Ihm stattdessen das Röhrchen zurück gegeben.

Mit einer Kollegin Kaffee geholt und dabei über Literatur gesprochen, sie mag Kafka, ich nicht so. 

Mit halb ausgetrunkenem Kaffee zum Meeting spaziert. Mein Chef hat jetzt so ein Hipster-Fahrrad ohne Gänge. Außerdem hat er ab nächstem Jahr eine Woche Urlaub mehr pro Jahr, weil er nächstes Jahr 60 wird. Ich war aber auf dem Weg hauptsächlich damit beschäftigt, mich über meine Fitness zu freuen, ich schnaufe nämlich jetzt nicht mehr wie eine Dampflock, wenn ich auf dem Hauptcampus der Uni (auf einem Berg) angekommen bin. Das war vor drei Jahren eine reine Katastrophe, mit meinen Schilddrüsenwerten musste ich teilweise 10 Minuten eher losgehen als alle anderen, weil ich immer wieder so aus der Puste war auf dem kurzen Weg, dass ich anhalten musste. Heute war das also gar kein Problem und ich sehe dem Termin morgen gelassen entgegen. Tatsächlich erwischte ich mich kurz bei dem Gedanken, dass es endlich mal normale Verhältnisse sind: Ich (Anfang 30) bin deutlich fitter als Mr. I trust you (Mitte 40), der wiederum ist deutlich fitter als der Chef (fast 60).

Meeting. Langweilig. Sehr. Es geht voran (gut), „wir“ (die PostDoc vom Co-Supervisor) schreiben fleißig an Artikeln (gut), für ein Journal mit hohem Impact-Factor brauchen wir aber noch dies und das und jenes und Mr. I trust You und ich haben da grad keine Kapazitäten für, so sad (natürlich ist das wirklich doof, aber ich nehme mir das nicht persönlich zu Herzen. Wenn ich ein Laboräffchen bekomme, mache ich das, ein nicht, mache ich das vielleicht in einem halben Jahr). Viel Gelaber über Impact Factors. Nervt mich unendlich ab, das ist echt der Schwanzvergleich der Wissenschaftler*Innen: alle wissen, es ist Quatsch und sagt eigentlich nichts aus, aber es wollen trotzdem alle den längsten, ähh, höchsten Impact Factor haben.

Nach dem Meeting in die Stadt spaziert um *ZENSIERT* zu kaufen. Ich scheiterte fast am Kauf von *ZENSIERT*, am Ende und im dritten Laden gelang es mir aber doch, etwas meine hohen Ansprüche halbwegs befriedigendes zu finden. Kurz durch die Sale-Artikel für mich geschaut, aber alles war entweder aus ekligem Plastik-Stoff, den ich nicht auf der Haut haben mag, oder unmöglich geschnitten oder grauslich gemustert. Meh. Weiter in Richtung Solsiden spaziert, da bei Clas Ohlsson eine größere Ferien-Box für die stark gewachsenen Schnecken gekauft, in die ich noch Löcher machen muss, die Schnecken werden in unserem Urlaub wieder bei meiner Kollegin und von ihren Kindern betreut. 

Nach Hause spaziert. 15.500 Schritte heute.

Kurz für ein halbes Stündchen auf dem Sofa versackt und mit Herrn Rabe geschnackt, während die Kinder Mausclips guckten. Dann gekocht, gespült, Spülmaschine ausgeräumt. Gegessen (Gefüllte Paprika* und dazu Vollkornreis mit Tomatensauße, sehr lecker das alles) und dann wollte auch schon Michel in Bett gebracht werden, der war auch einfach reichlich fertig. Pippi war beim Essen erst sehr zufrieden, dann kurz angestrengt und dann wollte sie mal wieder partout nicht ausgezogen werden, was zum Windeln wechseln aber nun mal unumgänglich ist. Entsprechend hörte ich sie noch aus Michels Bett im Bad kreischen. Armer Herr Rabe. Als Michel eingeschlafen war, las ich noch ein bisschen bei Twitter herum und kämpfte gegen den Schlaf an. 

Irgendwann dann doch wieder aufgestanden, etwas in der Küche gerödelt und jetzt sitze ich hier und tippe, auch schon seit einer guten Weile. Eigentlich wollte ich für das Geburtstagskind morgen noch eine Mütze nähen, aber vielleicht mache ich das zugunsten von Schlaf einfach nicht. Ich habe das Gefühl, das mit dem Schlafen könnte heute vielleicht sogar vor Mitternacht klappen, das sollte ich dann wohl nutzen.

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*Paprika-Füllung: ca. 4 Scheiben weißes Brot in kleine Würfelchen schneiden und in Olivenöl mit Knoblauch anrösten. Dazu ein ordentliches Stück Feta (in Würfeln) geben, ein bis zwei Esslöffel saure Sahne, vier in Ringe geschnittene Frühlingszwiebeln und das Ganze gut vermanschen. Mit weißem Pfeffer, Kräutern nach Gusto und Paprikapulver würzen und in entdeckelte Paprika stopfen (ca. 4). Den Paprika-Deckel wieder draufstehen, auf ein Tomatensoßenbett setzen und bei ca. 200 °C ca. 30 Minuten bei Umluft backen. Fertig. Lecker.