Tag 2355 – Wehwehchen.

Michel trägt seine (wie immer hier) aufblühende Allergie mit Fassung. Wie ebenfalls immer verfolgen wir da einen pragmatischen Ansatz und das ist nun die eine Woche in anderthalb Jahren, in der er gut schläft, weil er Cetirizin bekommt. Er hat außerdem etwas wichtiges gelernt seit dem letzten Bielefeld-Urlaub: Augen reiben macht es nur schlimmer. Also lässt er es. Ja, tatsächlich, er hat es oft genug gesagt bekommen und selbst verifiziert dass wir recht haben und das reicht, um den Impuls, die juckenden Augen zu reiben, unterdrücken zu können. Dieses Kind ist faszinierend.

Ich habe Nackenschmerzen von der Schädelbasis bis zu den Schultern und kann mich kaum rühren. Keine Ahnung, woran das jetzt schon wieder liegt, verlegen, zu wenig bewegt, Handynacken… jedenfalls nicht am Schreibtischstuhl, auf dem habe ich seit einer Woche nicht gesessen. Ich trage das mit etwas weniger Fassung und versuche, mit warmem Duschen und Ibuprofen dagegen anzukommen, aber unbedarfte Bewegungen führen trotzdem zu wärmepflasterwerbungswürdigen Gesichtsausdrücken und Schmerzgeräuschen.

Ansonsten heute: sehr gut gegessen, sehr gewundert über das mit der Risikogruppe bis zum Rand gefüllte Restaurant. Ungetestet, weil 2G. „Man“ fühlt sich so sicher, ich denke nach dem Osloer Julebord: hoffentlich geht das gut. Mit Michel sein Magitrax aufgebaut, eine Art fancy Murmelbahn für größere Kinder, die man immer wieder anders zusammenpuzzeln kann. Ich will jetzt auch ganz viel Magitrax und den 48-Stunden-Tag. Außerdem hab ich ein echt schlaues Kind, das sich, nachdem es das System kapiert hat, sehr schnell gute Lösungen für auftauchende Probleme (zum Beispiel unterwegs verhungernde Kugeln) ausdenken kann. Wie gesagt, dieses Kind ist faszinierend. Wissenshungrig, logisch denkend, schnelle Auffassungsgabe und wenn er will, auch große Selbstdisziplin. Aber wehe, er kann etwas Neues nicht sofort, ohne lernen und ohne üben.

(Ich habe ein dumpfes Gefühl, dass ich auch so war. Minus das Wüten. Ich hab, glaube ich, nur in mir selbst gewütet und mich selbst runtergemacht. Ist das besser? Nein. Nur weniger auffällig. Weniger nervig für die Umwelt.)

Tag 2354 – Frohe Weihnachten!

Wir sind alle gut angekommen, zertifiziert mit 92,1%iger Sensitivität coronafrei. Der Baum ist geschmückt von zwei eifrigen Kindern, die inzwischen auch (zumindest 50% davon) groß genug sind, damit nicht nur das untere Drittel geschmückt ist. Keine Bilder, trotzdem wahr. Wir sind alle satt, müde und happy über unsere jeweiligen Geschenke.

Ich habe bekommen, was ich mir gewünscht habe – Socken und einen Satz Luxussaiten. Michel hat bekommen, was er sich gewünscht hat – ein Mikroskop und noch ca. tausend weitere Dinge. Pippi hat bekommen, was sie sich gewünscht hat* – ein Halbedelsteinausgrabeset, ein Mikrofon und ca. 999 weitere Dinge. Herr Rabe hat hoffentlich bekommen, was er sich gewünscht hat – einen Klavierhocker und Konzertkarten (hahaha, wie lustig wir sind, Konzert, im April, haha).

Jetzt schnorcheln die Kinder in ihren Betten, wir Erwachsenen sind auch gar und ich freue mich tatsächlich auf Weihnachtsessen mit schick machen und so weiter im Kreuzkruuuuch morgen. Ich wär soweit, mir dafür noch mal ein 92,1% sensitives Teststäbchen in die Nase stecken zu lassen. Dieser Heiligabend war eben doch ziemlich anders, und ich bin noch nicht so ganz entschieden, ob die Vorteile wettmachen, dass es anders war als die letzten 36 mal.

*und eine ganz neue Zahnlücke, die hat sie auch. Es wurde auch Zeit, nachdem sie gestern gegen elf noch mal wach wurde und sehr erschrocken darüber war, dass sie den Zahn um 180 Grad drehen konnte. Heute Morgen zappelte sie ihn dann los, er kann eh nur noch an einem winzigen Hautfitzel festgehangen haben.

Tag 2342 – Jahresendspurt.

Noch eine Woche arbeiten, uff uff.

Heute war ein motivationsloser Tag. Immerhin verkaufsoffen, also nutzten wir ihn zu einem schnellen Ausflug nach Jessheim, kurz vor Ladenschluss, um die nahezu leergefegten Läden zum Kauf diverser notwendiger Dinge für Groß und Klein zu nutzen (sexy Zeug wie Tackerklammern und Winterschuhe). Außerdem ließ ich mich scheren und fühle mich jetzt wieder ordentlicher obenrum. Ich stellte aber wieder fest, dass man die FFP2-Masken nach einem Friseurbesuch nur noch wegwerfen kann, weil sich die ganzen abgeschnittenen kleinen Haare überall reinsetzen und dann pieken. In Zukunft also eine alte Maske dafür nehmen, die man eh nicht noch mal verwenden wollte.

Es nähert sich Weihnachten, mit großen Schritten, ohne dass sich Weihnachtsstimmung einstellen will. Pippi findet, das dauere alles noch viel zu lange, während ich langsam Panik schiebe, weil nichts noch viel zu wenig organisiert ist. Aber wie denn auch, wir wissen ja noch nicht mal, ob wir wirklich nach Deutschland fahren können. Ursprünglich wollten wir alle Geschenke direkt da hin bestellen, das erscheint jetzt etwas riskant.

Corona soll jetzt endlich weggehen.

Tag 2341 – Besinnlich.

Faules Wochende, Advents-Version.

Michel hat weiterhin YouTube-Entzug (und Minecraft, und Roblox und überhaupt alles, was Spaß macht) und nörgelt darüber nach Kräften, auch laut und auch mit körperlichem Protest, aber aus lauter Langeweile hat er heute unter anderem mit Pippi Schach gespielt.

Mittags rannte er aufgeregt aus dem Haus und kam direkt wieder rein „ES IST KRAMSNØ!!!“. Hier gibt es ja viele Begriffe für Schnee, mein Lieblingsschnee ist Knirkesnø, Knirscheschnee, den gibt es erst so ab -10 Grad. Mit Knirkesnø kann man aber, im Gegensatz zu Kramsnø, nichts bauen, der ist nicht pappig genug. Es ist aber jetzt nur noch -1 Grad und da kann man Schneemänner und Iglus bauen und kommt nass aber glücklich wieder rein, während die Eltern noch Schnee schippen, damit sich keine Eisplatte auf den Pflastersteinen bildet, wenn es jetzt taut und dann wieder friert.

In unserem Fall schippte Herr Rabe, weshalb mich die Kinder überfallartig zum Kekse backen zwangen (schrecklich, dieser Bildschirmentzug). Wohl denen, die eine Packung Pepperkaketeig im Kühlschrank haben! Die Kinder waren Feuer und Flamme und es war das erste mal überhaupt, dass es weder Sauerei noch nach 5 Minuten langweilig war. Wir haben jetzt allerlei weihnachtliche Kekse, wie Igel, Hummer, Schnecken, Eulen und Lokomotiven. Dazu ein Haufen sehr kleiner Sterne, die alle Michel ausgestochen hat, weil er die gut findet. Derweil erzählte er jede Menge, zum Beispiel dass er kleine Kekse besser findet als große, dicke besser als dünne und selbstgemachte besser als gekaufte. Wir hörten sogar Weihnachtslieder beim backen, norwegische Weihnachtslieder, die Pippi alle und Michel zum Teil mitsingen kann, während ich mich auf Melodie summen* beschränken muss. Wirklich schrecklich, dieser Bildschirmentzug.

Abends machten wir Popcorn für Harry Potter 3. Pippi guckt seit dem zweiten Teil auf eigenen Wunsch nicht mehr mit und wurde von Herrn Rabe ins Bett gebracht, während Michel und ich uns am Popcorn versuchten, was grad noch so gut ging.

Merke: 3/4 volles kleines Glas Popcornmais ist in diesem Topf etwas zu viel.

Film schauen war gut, auch wenn Herr Rabe eeeeetwas genervt davon ist, dass Michel sehr aktiv mitgeht, wenn es spannend wird, und klatscht, johlt oder mit dem Fernseher spricht. Mir ging wieder auf, dass ich gar nicht das dritte Buch nicht gut finde, sondern den dritten Film. Michel reagiert darauf wie ich, nämlich mit „DAS IST ABER IM BUCH ALLES ANDERS!“ und „ICH MAG NICHT DASS DIE ALLES AUSLASSEN!“, nur sage ich das halt nicht (mehr?) während des Films laut in den Raum.

Geradezu üdüllüsch heute.

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*Herr Rabe hat sich ein Weihnachtsliederbuch fürs Klavier gekauft, ich kann schon fast drei Lieder und lerne langsam Bassschlüssel lesen und vielleicht hab ich echt nen mächtigen Dachschaden, das jetzt auch noch anzufangen. Aber es macht Spaß, so ein bisschen rumzuklimpern und nebenbei grabe ich sehr alte Kenntnisse über Musiktheorie wieder aus meinen Hirnwindungen aus.

Tag 1987 – Ufffffffz die 2.

Wieder Hunger, aber das kann gar nicht sein, also ignoriere ich das.

Wir haben Weihnachtsvorbereitungsmäßig alle Hände voll zu tun. Und da ich immer Hunger habe und hungrig bestellen genauso blöd ist wie hungrig einkaufen, platzt unser Kühlschrank bald aus allen Nähten. Heute war ich auf zwei Einkaufstouren, erst in Oslo, das vor einem Monat bestellte Fleisch vom Hipsterfleischer kontaktarm abholen (zur Abholzeit hin, mit viel Abstand draußen in eine 3-Menschen-Schlange stellen, Nummer sagen, 30 Sekunden warten, Karton in Empfang nehmen, nach Hause fahren. Alle trugen Masken.), dann in Råholt, beim „Reko-Ringen“ bestellte Eier und, naja, noch mehr Fleisch (von freilaufenden Bergschweinen!) auf die gleiche Art und Weise abholen. Normalerweise haben wir ja Eier vom quasi eigenen Huhn (über unseren Gemeinschaftsbauernhof), aber da machen die Hühner grad Winterlegepause und das heißt, da gibt es grad keine Eier. Gut, dass es da eben andere Bauern bei uns in der Nähe gibt, auf deren Eier man ausweichen kann. Beim Reko-Ringen tun sich da mehrere Bauern aus der Region zusammen und liefern ein- bis zweimal im Monat auf einem Parkplatz vorbestellte Waren aus. Ich gucke also vorher mal in die Facebook-Gruppe, was es so gibt, und schreibe dann die entsprechenden Händler an, „ich hätte gerne ein Brett Eier“ oder „ich möchte ein kleines Stück geräucherten Schinken bestellen“.

Weil ich dann eh in Råholt war und unser Lieferslot für den Großeinkauf über „Kolonial“ leider wegen zu zögerlichem Bestellverhalten verloren ging, habe ich noch den Weihnachtseinkauf drangehängt. Hungrig. Wir können jetzt also so bis Februar eingeschneit werden, wir kommen klar.

Ich empfehle übrigens ausdrücklich Michel als Begleitung auf solchen Touren. Der möchte im Auto „All I want for Christmas“ hören und singt mit. Das ist sehr niedlich. Was ich nicht empfehlen kann, ist, auch noch seinen Kumpel mitzunehmen, denn dann wird man konstant vollgelabert und aus den Handys der Jungs schallen auch noch unterschiedliche Spiel- und Musikklänge. Das ist, in Verbindung mit Auto fahren, etwas herausfordernd.

Zwischen den ganzen Einkaufsaktionen habe ich noch Michels neuen Schrank aufgebaut. Ein Loblied auf I*ea, echt mal. Die stecken offenbar echt viel Hirnschmalz in ihre Produkte, sodass sie inzwischen super einfach aufzubauen sind. Einen Schrankkorpus ohne Schrauben! Ich bin begeistert! Da man sich inzwischen schon ein bisschen Mühe geben muss, um die Einzelteile falsch zusammenzusetzen, habe ich einen gefühlten persönlichen Rekord aufgestellt, indem ich nur bei einer Schublade die Seitenteile falsch herum eingesetzt habe sowie eine Schubladenlaufschiene (von 16!) seitenverkehrt angebracht habe. Da man aber spätestens beim übernächsten Teil merkt, dass irgendwas nicht stimmen kann, ist das gar nicht dramatisch und schnell behoben. Hach! Ich finde, „Nachmacherprodukte“ kommen da noch lange nicht ran. Da geht noch was – und in der Zeit geht I*ea weiter und macht noch was noch einfacher, so jedenfalls mein Eindruck. Wer das Gegenteil behauptet, die*er hat noch keinen Platsa-Korpus aufgebaut.

Was ich mir von I*ea wünsche, ist, die Anleitungen nur noch ins Netz zu stellen, und gegebenenfalls im Möbelhaus auszudrucken für die die das möchten. Aber ich brauche wirklich nicht 16 mal die Anleitung für das Anbringen der Laufschienen für die Schubladen. Das spart vielleicht nicht viele Ressourcen, aber vielleicht ein paar.

Tag 1597 – Frohe Weihnachten die 3.

(Morgen geht es noch weiter.)

Also heute startete der Tag bei mir mit schrecklichem Kater, ging dann weiter mit Besuch von D. (dem Bürokollegen von Herrn Rabe aus einem anderen Leben Diplomarbeitszeiten), dann Besuch bei J. und A. in der neuen Wohnung (schick! Ich bin auf die Küche ein wenig neidisch), dann Besuch mit J. bei den Ponies und dann ein sehr langes Essen (weil sehr viel Warten) im Kreuzkruuch, weil Tradition. Das war lecker, allerdings schlief Michel auf meinem Schoß ein und nun findet er nicht in den Schlaf, dabei wollte ich doch früh schlafen. Tjanun.

Lustigster Moment: als wir im Kreuzkruuch grade gehen wollten und uns Unni vom Nachbartisch ansprach, die Kinder sprächen ja Norwegisch und sie sei aus Holmestrand, und wie sich Unni und Pippi dann unterhielten, Pippi sichtlich froh, dass mal jemand (im wahrsten Sinne) ihre Sprache sprach.