Tag 1987 – Ufffffffz die 2.

Wieder Hunger, aber das kann gar nicht sein, also ignoriere ich das.

Wir haben Weihnachtsvorbereitungsmäßig alle Hände voll zu tun. Und da ich immer Hunger habe und hungrig bestellen genauso blöd ist wie hungrig einkaufen, platzt unser Kühlschrank bald aus allen Nähten. Heute war ich auf zwei Einkaufstouren, erst in Oslo, das vor einem Monat bestellte Fleisch vom Hipsterfleischer kontaktarm abholen (zur Abholzeit hin, mit viel Abstand draußen in eine 3-Menschen-Schlange stellen, Nummer sagen, 30 Sekunden warten, Karton in Empfang nehmen, nach Hause fahren. Alle trugen Masken.), dann in Råholt, beim „Reko-Ringen“ bestellte Eier und, naja, noch mehr Fleisch (von freilaufenden Bergschweinen!) auf die gleiche Art und Weise abholen. Normalerweise haben wir ja Eier vom quasi eigenen Huhn (über unseren Gemeinschaftsbauernhof), aber da machen die Hühner grad Winterlegepause und das heißt, da gibt es grad keine Eier. Gut, dass es da eben andere Bauern bei uns in der Nähe gibt, auf deren Eier man ausweichen kann. Beim Reko-Ringen tun sich da mehrere Bauern aus der Region zusammen und liefern ein- bis zweimal im Monat auf einem Parkplatz vorbestellte Waren aus. Ich gucke also vorher mal in die Facebook-Gruppe, was es so gibt, und schreibe dann die entsprechenden Händler an, „ich hätte gerne ein Brett Eier“ oder „ich möchte ein kleines Stück geräucherten Schinken bestellen“.

Weil ich dann eh in Råholt war und unser Lieferslot für den Großeinkauf über „Kolonial“ leider wegen zu zögerlichem Bestellverhalten verloren ging, habe ich noch den Weihnachtseinkauf drangehängt. Hungrig. Wir können jetzt also so bis Februar eingeschneit werden, wir kommen klar.

Ich empfehle übrigens ausdrücklich Michel als Begleitung auf solchen Touren. Der möchte im Auto „All I want for Christmas“ hören und singt mit. Das ist sehr niedlich. Was ich nicht empfehlen kann, ist, auch noch seinen Kumpel mitzunehmen, denn dann wird man konstant vollgelabert und aus den Handys der Jungs schallen auch noch unterschiedliche Spiel- und Musikklänge. Das ist, in Verbindung mit Auto fahren, etwas herausfordernd.

Zwischen den ganzen Einkaufsaktionen habe ich noch Michels neuen Schrank aufgebaut. Ein Loblied auf I*ea, echt mal. Die stecken offenbar echt viel Hirnschmalz in ihre Produkte, sodass sie inzwischen super einfach aufzubauen sind. Einen Schrankkorpus ohne Schrauben! Ich bin begeistert! Da man sich inzwischen schon ein bisschen Mühe geben muss, um die Einzelteile falsch zusammenzusetzen, habe ich einen gefühlten persönlichen Rekord aufgestellt, indem ich nur bei einer Schublade die Seitenteile falsch herum eingesetzt habe sowie eine Schubladenlaufschiene (von 16!) seitenverkehrt angebracht habe. Da man aber spätestens beim übernächsten Teil merkt, dass irgendwas nicht stimmen kann, ist das gar nicht dramatisch und schnell behoben. Hach! Ich finde, „Nachmacherprodukte“ kommen da noch lange nicht ran. Da geht noch was – und in der Zeit geht I*ea weiter und macht noch was noch einfacher, so jedenfalls mein Eindruck. Wer das Gegenteil behauptet, die*er hat noch keinen Platsa-Korpus aufgebaut.

Was ich mir von I*ea wünsche, ist, die Anleitungen nur noch ins Netz zu stellen, und gegebenenfalls im Möbelhaus auszudrucken für die die das möchten. Aber ich brauche wirklich nicht 16 mal die Anleitung für das Anbringen der Laufschienen für die Schubladen. Das spart vielleicht nicht viele Ressourcen, aber vielleicht ein paar.

Tag 1597 – Frohe Weihnachten die 3.

(Morgen geht es noch weiter.)

Also heute startete der Tag bei mir mit schrecklichem Kater, ging dann weiter mit Besuch von D. (dem Bürokollegen von Herrn Rabe aus einem anderen Leben Diplomarbeitszeiten), dann Besuch bei J. und A. in der neuen Wohnung (schick! Ich bin auf die Küche ein wenig neidisch), dann Besuch mit J. bei den Ponies und dann ein sehr langes Essen (weil sehr viel Warten) im Kreuzkruuch, weil Tradition. Das war lecker, allerdings schlief Michel auf meinem Schoß ein und nun findet er nicht in den Schlaf, dabei wollte ich doch früh schlafen. Tjanun.

Lustigster Moment: als wir im Kreuzkruuch grade gehen wollten und uns Unni vom Nachbartisch ansprach, die Kinder sprächen ja Norwegisch und sie sei aus Holmestrand, und wie sich Unni und Pippi dann unterhielten, Pippi sichtlich froh, dass mal jemand (im wahrsten Sinne) ihre Sprache sprach.

Tag 1573 – Baum anzünden.

Norwegische Weihnachtstraditionen sind mitunter gar wunderlich. Zum Beispiel muss man Anfang Dezember überall zum „Julegrantenning“, also den Weihnachtsbaum anzünden. Es dauerte wirklich ein bisschen, bis ich verstanden hatte, dass da mitnichten der ganze Baum angezündet wird, sondern man nur die Beleuchtung anschaltet. Donnerstag waren wir bei einer Julegrantenning (ich hab’s verpasst wegen Zugodyssee), heute waren wir bei einer Julegrantenning und morgen werden wir auch auf einer Julegrantenning sein. Das läuft immer nach dem gleichen Schema ab: Man macht unter einigermaßen großem Buhei den Baum an, dann laufen alle (alle!) im Kreis mit Händchen halten drum rum und singen, am Ende kommt der Weihnachtsmann und die Kinder kriegen kleine Süßigkeitentütchen. So einfach, so schwer. Denn natürlich kann niemand alle gefühlt 25 Strophen von der Musevisa oder Julepresangen, und auch das (echt doofe) Lied mit dem Wachholderbusch scheint schwer zu erinnern zu sein. Meine Aufgabe für morgen ist Auswendiglernen der kompletten Musevisa, dann kann ich schon mehr als die meisten Norweger*Innen. Haha! Der goldene Muttiorden am Band ist mir sicher.

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1. Weihnachtsgeschenk ist bestellt. 2. gekauft.

Tag 1231 – Befreit.

Habe tatsächlich das FitBit abgelegt. Zumindest tagsüber. Bin grad unsportlich. Was soll’s, in einer Woche ist das süße Nichtstun vorbei, da muss ich mich jetzt nicht jede Stunde dran erinnern lassen, dass ich nichts tue.

Habe heute einen größeren Punkt von der To-Do-Liste (wenigstens vorläufig) gestrichen. Denn heute war ein Junge hier, ein waschechter Wikinger mit Götternamen und Seitenscheitel und Zahnspange. Der Wikinger wird probehalber am Samstag hier Babysitten*. Und wenn das gut läuft, werden wir das ausbauen, bis zu einem richtigen Nebenjob für ihn und einer richtigen Entlastung für uns, sodass ich kein schlechtes Gewissen haben muss, wenn ich im neuen Job durch Wikingerland gondle und Herr Rabe den Bring-Pendel-Vollzeitjob-Pendel-Abhol-Spagat alleine schaffen muss. Weil unser Wikinger eben noch sehr jung ist, wird ihn seine Mama unterstützen und vor allem das Taxi sein, aus dem Grund war die Mama auch mit und die ist sehr nett. Der Wikinger ist ziemlich schüchtern, aber Michel und Pippi haben ihn gleich um ihre Finger gewickelt und ich bin sicher, ohne Mama ist der auch gesprächiger. Natürlich ist das nicht so ganz, wie wir uns das vorgestellt hatten, andererseits ist es nen Versuch wert, wir brauchen Hilfe, er braucht nen Job, Mama ist im Zweifel ein zusätzliches Backup, wenn er zuverlässig ist: warum denn nicht. Ich hab schließlich auch mit 14 schon Babygesittet. Mir fällt jedenfalls ein Stein vom Herzen, wenn das klappt.

Sonst hier weiterhin tiefenentspannte Weihnachtsidylle. Ich genieße das dieses Jahr wirklich sehr und zelebriere das richtig, mit Der Besten geht sowas auch, auch mit M. und H., die morgen kommen und über Nacht bleiben. Ich frage mich manchmal, warum das mit Freunden oft so viel einfacher ist, als mit Familie**, aber dann will ich wieder gar nicht drüber nachdenken und schiebe das weg und genieße weiter mein entspanntes, terminloses, nicht emotional überfrachtetes Weihnachten 2018.

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*keine Ahnung, was Herr Rabe und ich dann machen. Das wird unsere erste gemeinsame freie Zeit seit dem 31.07., wo wir hektisch und schwitzend und mehr oder weniger verzweifelt restlichen Kram in Kisten packten, dann beim Verladen in den LKW halfen und am Ende bis weit nach Mitternacht die Wohnung in Trondheim putzten. Paarzeit. Hahaha.

**Ist hier ja auch ein heikles Thema. Schlimmer als 2015 geht es zwar nicht mehr, aber irgendwie ist das ja auch keine Aussicht. (Ich möchte das hier nicht ausbreiten. Aber es war für mich kaum auszuhalten, aus ganz vielen Gründen. Vorgestern erzählte ich der Besten davon und brach fast in Tränen aus. Das Weihnachten war halt was passiert, wenn in einer eh… belasteten Familie unzureichend abgegrenzt auf notjustsad trifft.)

Tag 1229 – Frohe Weihnachten!

Ich lasse hier mal Bilder sprechen. Wir hatten alle 5 einen ganz wunderbaren Tag und Abend und sind jetzt rechtschaffen im Eimer. Und vollgefuttert.

Alberner Mann.

Bestes Geschenk: endlich fertig! (Bis auf den einen Würfel, der ausverkauft war)

Absoluter Hammer. Wenn Sie mal Krustenbraten machen wollen und es noch nicht kennen, Frau Brüllens Rezept ist echt uneingeschränkt super. Vor allem die Soße. Und falls Sie sich mal unklar ausgedrückt haben sollten und in der Küche plötzlich feststellen, dass da in ihrem Braten noch Knochen sind, und auf dem Kassenzettel stehen auch „1,5 kg Kotelett“ – keine Panik, einfach machen wie geplant, wenn der Braten gar ist, geht der Knochen gut raus und das Fleisch bleibt unglaublich saftig.

Die Kinder haben halt den Weihnachtsbaum geschmückt. Dieses Jahr ohne echte Kerzen, zum ersten Mal, denn der Baum ist einfach zu dicht und die Zweige zu dünn.

Weihnachtszeit ist Schichtdessertzeit! Hier: Creme aus Mascarpone, Magerquark, Schlagsahne und Baileys, Kirschen und zerbröselten Keksen Marke Wasdais. Sehr lecker, sehr mächtig. (Und für Kinder eine Portion Creme abnehmen, bevor der Baileys reingekippt wird!)

Feiern Sie alle schön oder genießen Sie die freien Tage (falls sie denn frei sind), ganz wie Sie mögen!