Tag 3959 – 3961 – Norwegischer Sommer.

Hier ist es feucht. Und warm. Nicht so warm wie in Deutschland (zum Glück!) aber dafür sind gefühlt zur Zeit dauernd 97% Luftfeuchtigkeit. So Kategorie man geht drei Meter in normaler, sommerlicher Kleidung und zack, hat man alles durchgeschwitzt. Sport macht da auch nur so lala viel Spaß, ehrlich gesagt, wenn es ab Minute drei einfach überall läuft.

Heute gab es aber dafür ein Gewitter und danach war es einfach wunderbar. So klare Luft! Immer noch schön warm! Aber nicht mehr so drückend! Hachz. Da musste ich direkt noch mehr Fotos machen, auch von den ganzen kleinen Schnecken, die dann alle raus kamen. Dürfen sie hier, es ist wahrlich genug Grünzeug da.

Die Kinder haben ab jetzt übrigens Ferien. Wir nicht, aber ich muss auch nur noch nächste Woche arbeiten, dann ist auch für mich Urlaub. Die Projekte stapeln sich bereits.

Nicht sichtbar, aber trotzdem im Bild: völlig eskalierende Singvögel.

Achtung, im übernächsten Bild sind meine nackten Füße im Gras zu sehen, weil ich nach dem Regen durch den Garten gelaufen bin, was total schön war. Also wirklich unironisch, wenn der Garten ein bisschen sichtgeschützter wäre, hätte ich mich in meiner Sportkleidung (wegen des Wetters eine sehr kurze Shorts und ein Sport-BH) direkt auf den Rasen in den Regen gestellt. So musste das waren, bis ich geduscht und wieder bekleidet war. Und da regnete es auch nicht mehr.

Aussicht am zweitlängsten (?) Tag des Jahres um halb eins. Da wo die Wolke hängt, ist der Fluss.

Es ist einfach so lächerlich schön hier!

So, hier Füße. Und Gras. Und Sonne.

Tag 3956 – 3958 – Ein paar Gartenbilder.

Ich habe sonst nicht soooo viel zu erzählen. Ein bisschen von allem, Sommerfest an der Grundschule (war laut und wuselig), Michel hat drülf Schulausflüge (Auto voller Teenager, die grad auf einen Berg geklettert sind, ist olfaktorisch auch eine Erfahrung), Manic Meeting Monday und alle irre, wie üblich. Wir werden außerdem wohl recht bald Michel eine Trompete kaufen, was eine Investition ist, die er hoffentlich zu schätzen weiß (oder irgendwann zu schätzen lernt).

Der Rhododendron wuchert so vor sich hin und ich könnte Stunden damit zubringen, den sicher drei verschiedenen Hummelarten dabei zuzugucken, wie sie sich die Pos pudern. Passender Weise steht der Rhododendron vor meinem Arbeitszimmerfenster.
Üppige Walderdbeerenernte. Kleiner Finger for scale. (Da kommt noch mehr, die Walderdbeeren sind hier, genau wie die Blaubeeren und die wilden Himbeeren, überall. Aber dürfen sie auch sein.)
Erste Pflücksalaternte, war lecker und ergab tatsächlich die Grundlage für einen Salat.

Tag 3947 und 3948 – Noch mehr Kultur(-schule) und Garten.

Gestern haben sich zwei tapfere Eltern voller Stolz ganze drei mal 10 Minuten Konzert von verschiedenen „Bands“ (=mehr oder weniger zusammengewürfelten Kindern aus der Kulturschule) angehört, in denen Pippi gesungen hat. Sie hat das prima gemacht, und wir sind sehr stolz auf sie, aber über Teile der restlichen musikalischen Leistung breiten wir den Mantel des Schweigens.

Am Nachmittag war Pippi dann auf einem Geburtstag mit anschließender Übernachtung eingeladen und nachdem ich erst mit Michel eine Kollektion weißer T-Shirts gekauft und ihn dann bei seinem Kumpel abgeladen hatte, hatten wir kinderfrei, sogar über Nacht. Das haben wir gefeiert indem wir gemütlich Essen gegangen sind (im Ort, support your local und so) und dann gemeinsam vor dem Fernseher abgehangen haben. Wir haben da sonst ja nicht super viel Zeit zu, und das war wirklich schön. Auch zu zweit frühstücken war sehr schön.

Den Rest des heutigen Tages haben wir im Garten zugebracht, mit kurzen Ausflügen zum Bauern (Pflanzen kaufen) und zum Gartencenter (Erde kaufen. Zwei mal, weil man immer zu wenig kauft). Wir haben jetzt wieder fünf benutzbare Rahmenbeete und nicht mehr vier plus ein leeres mit modrigem Holz. Und in allen ist auch was drin. Wir haben auch Beikraut gejätet, diverses Gestrüpp entfernt, Blümchen gepflanzt und den Rhododendron gedüngt. Es sind schon wieder zwei Säcke (riesige Säcke, die Herr Rabe bei so einem Versandhandel für Müllsäcke bestellt hat. Da gehen sicher ein paar hundert Liter jeweils rein. Wir haben vier Stück und Herr Rabe hat die gestern erst beim Recyclinghof geleert!) voller Gartenabfall, Unkraut und Gestrüpp. So einen großen Kompost kann man gar nicht haben. Es schießt ständig irgendwo Topinambur raus, der wächst beeindruckend schnell, aber lässt sich wenigstens gut aus dem Beet ziehen. Die Knollen müssen sehr tief in der Erde liegen, die finde ich nämlich nie. Es ist eben Frühsommer hier: alles wächst wie Hulle, auch das, was man gar nicht haben will. Und schwups, hat man überall Brennnesseln, Himbeeren, Blaubeeren, Schößlinge (Birken, Buchen, und das nervige Zeug, was hier überall wächst), Farn, und das andere nervige Zeug (Kraut? Staude?), das hier auch überall wächst.

Ein Ausschnitt aus dem Garten.

Tag 3911 – 3913 – Langes Wochenende.

Wir haben nicht sooooo viel gemacht. Freitag hatten die Kinder Auftrag, mit dem Korps beim Altersheim (unter anderem) zu spielen, und sie haben das wohl sehr gut gemacht. Ich fühlte mich nicht präsentabel (gar nicht) und war nicht mit. Ich habe derweil ein bisschen im Garten herumgegraben und kann vermelden, dass fast alles, was leben soll, noch lebt. Bis auf den Lavendel (keine Überraschung, der stirbt mir jedes Jahr, egal was ich mache) und das eine Hochbeet, aus dem ich die Erde rausgeschaufelt habe, um das sich in Auflösung befindende Unkrauttuch rauszuholen. Als ich so schaufelte, schaufelte ich auch versehentlich das halbe Holz weg, weil das total morsch ist. (Außerdem: wie kann in einem Hochbeet so viel Wurzelwerk von irgendwas sein? Ich sage es ja immer wieder, aber ich möchte den Vorbesitzern echt gerne nen Vortrag halten darüber wie sich naturnaher und ungepflegter Garten unterscheiden.)

Freitag haben wir dann auch auf der Terrasse gegrillt und gegessen, weil es richtig warm war. Vorher hatte ich auf der Terrasse in der Abendsonne Yoga gemacht (der verzweifelte Versuch, die Laune aufzuhellen, niemand soll sagen können, ich hätte nicht alle Hausmittelchen probiert!).

Samstag hatte ich dann eine Geigenstunde und danach bin ich zuuuuufällig beim Pop-Up-Gartencenter vorbeigekommen, als ich Eier holen war, und hoppalalala, zack, hatte ich diverse Pflanzen gekauft. Aber nur Nutzpflanzen, nämlich einige Küchenkräuter und Staudenselleriesetzlinge, und Erdbeerpflänzchen. Irgendwie müssen wir ja auch diese ganzen Beete füllen, wir haben jetzt etwa vier mal so viel Gemüse- und Kräuterbeetplatz wie im alten Haus. Das eine große Beet habe ich mit Kartoffeln befüllt, die wir mal im Keller vergessen hatten. In einem kleinen ist jetzt wieder ein Erdbeerbeet etabliert, und weil ein Drittel noch frei ist, werde ich da, China-Style*, Pak Choi hinsähen. Pak Choi ist ja schon auch sehr lecker. Und wächst wie hulle. Ich muss nur Samen bestellen. Im zweiten großen Beet wohnen jetzt Kräuter und heute habe ich auf gut Glück diverses Gemüse gesäht. Jaja, Eisheilige, diesdas, ich weiß, aber aus Gründen fahren wir hier knallharten Darwinismus im Gemüsebeet und was kaputt friert oder sich von Schnecken oder Kohlfliegen fressen lässt, hat halt Pech gehabt.

Die Reihenfolge der Ereignisse ist etwas falsch, weil ich die Gemüsesamen heute erst gekauft habe. Außerdem heute: Michel und Herr Rabe haben diverses totes Gestrüpp und unerwünschte Pflanzen entfernt. Sogar ich Feigling kann jetzt zu unserer Wäschespinne gehen und da Wäsche aufhängen, ohne Angst haben zu müssen, dass mich aus dem hohen Gras irgendwas anfällt, ne Kreuzsspinne oder so. Allerdings braucht die Wäschespinne erst noch neue Leine, sonst gibt es Rostflecken auf der Kleidung.

Hier ein paar Bilder:

Der aus dem alten Haus umgesiedelte Rhabarber lebt noch! (Der andere Rhabarber, der hier schon war, lebt auch.)
Bis auf die Wurst hat Herr Rabe alles das selbst gemacht und es war alles sehr lecker (das grüne, matschige ist Erbsen-Hummus).
Wespennest-Attrappe, weil eine sehr große Wespe sehr viel Interesse an unseren Balkonplanken gezeigt hat.

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*eins der faszinierendsten Dinge an China fand ich, dass die literally auf jedem Kreisverkehr Gemüse anbauen. Überall. Direkt an der Straße, an steilen Hängen, an einem Meter Grünstreifen zwischen Haus und Schuppen (Garage?). Also zumindest da in Sichuan, wo das Klima auch günstig zu sein scheint, denn es war ALLES grün. Und halt überall verschiedene Arten von Kohl und Salat, die man auch in jeder Mahlzeit isst, aber immer (!) gekocht. Ja, auch Salat. Ich fand das sehr lecker, muss ich sagen, wenn die in die Suppe, nachdem man die Fleischeinlage rausgegessen hatte, einfach noch so nen Arm voll verschiedenen Salat und Kohl reingeworfen haben, und dann gab es die noch mal kurz aufgekochte Brühe mit dem Gemüse. Ich habe das auch zu Hause mal ausprobiert und einfach nen halben Pak Choi mit in meine Packung Ramen geworfen und ja, das ist wirklich lecker. (Am besten ist es allerdings, wenn man den Pak Choi viertelt und dann ordentlich scharf anbrät. Dann geht der, wie angebratener, roher Grünkohl, zu allem. Die Kombination aus Röstaromen und dem fast süßlichen, aber recht frischen Kohl, ist super. Und beim Kochen kriegt Pak Choi ja sonst auch eine etwas schwierige Konsistenz. Die sich, btw, mit Stäbchen auch nur sehr unelegant essen lässt und sowohl schlürfen als auch kleckern sind unvermeidlich.)

Tag 3879 und 3880 – Allein daheim Tag 2 und 3.

Wie man sieht, klappt die Umstellubg auf Sommerzeit bei mir wie gewohnt einfach gar nicht. Tjanun.

Gestern war ich in Oslo bei meiner Geigenstunde. Wie immer hatte ich mir vorher eine Stunde ein Zimmer im Übungshotel gebucht, um mich warm zu spielen, dann ging ich runter, bezahlte, und wartete auf meinen Lehrer. Der kam aber nicht, also schrieb ich irgendwann eine SMS. Da rief er mich an und meinte, es täte ihm total leid, er hätte sich das falsch gemerkt, er dachte, ich sei NACH seinem 13-Uhr-Schüler dran, nicht DAVOR. Ob ich auch um 14 Uhr könnte?

Jaja, klar kann ich das, ich hab ja Urlaub. Aber jetzt musste ich fast zwei Stunden totschlagen. Im Übungshotel fragte ich, ob die ein gutes Café empfehlen könnten, und klar, die Hipster da kennen sich aus und schickten mich zu einem kleinen Hipster-Café um die Ecke. Da gab es tatsächlich ausnehmend guten Kaffee. Aber ansonsten nicht so viel, also ging ich noch beim Geigenbauer vorbei und probierte fancy Schulterstützen aus, mein Geigenlehrer sagt, ich solle die Geige nach Möglichkeit noch höher halten, aber dann kriege ich auf die Dauer Schmerzen im Nacken, weil ich dann irgendwas komisches mit meinem Kopf mache, um zu vermeiden, dass die Geige wegrutscht. Jetzt habe ich eine Bonmusica-Schulterstütze, die wirklich sehr bequem ist und mit der ich recht problemlos die Geige höher halten kann.

Die Geigenstunde selbst war dann auch sehr gut. Der Geigenlehrer war beeindruckt, wie weit ich doch mit der Etüde gekommen war und wir feilten nur ein bisschen an Feinheiten rum. Das mache ich jetzt noch ein bisschen so weiter und dann ist es auch gut gewesen mit dieser Etüde. Viel gelernt habe ich, unter anderem, dass die vierte Position auf Dauer echt unbequem wird, weil der Daumen da gegen den Knopf (keine Ahnung wie das heißt) oben am Korpus, wo der Hals ansetzt, gedrückt wird. Aber mit ein bisschen Übung „klingt“ die vierte Position fast genauso gut wie tiefere Positionen. Überraschend. Also eigentlich nicht, andere können das ja auch, aber ich konnte das vorher nicht. Die Fingergymnastik in der Etüde ist trotzdem fies. Weshalb ich es üben sollte. Genau wie eben spielen in der vierten Position, was sonst leicht zu vernachlässigen ist (genau wie 2. Position).

Hoppla, Nerding. Sorry.

Nach der Stunde fuhr ich nach Hause, kaufte noch ein paar Sachen ein und dann war es auch irgendwie schon 18 Uhr. Also machte ich mir was zu Essen und dann guckte ich ganz schnöde ein bisschen fern. Und machte den großen Fehler, ein kleines Bier dabei zu trinken.

Heute wachte ich mit Migräne auf. Siehe Bier. Manchmal ist das bei mir so. Die Menge spielt da gar keine Rolle. So bis zum Mittag brauchte ich um die Schmerzen in den Griff zu kriegen. Dann ging ich in den Garten, denn es war bestes Wetter.

Der Zustand unseres Gartens ist etwas betrüblich, muss ich sagen. Die Vorbesitzer waren irgendwie Fans davon, alles verwildern zu lassen und das „natürlich“ zu nennen (ja, super wie alles natürlich von Him-, Stachel- und Blaubeeren zugewuchert wird). Was die Vor-Vorbesitzer gemacht haben, weiß ich nicht. Aber ich bin relativ sicher, dass auch die sich zumindest nicht liebevoll um die Beete gekümmert haben, denn in einem zwei Sommern wuchert das nicht so dermaßen zu. Also habe ich heute sehr viel totes Gestrüpp vom letzten Jahr entfernt und dann die Beete (bis auf eines, wo ich nicht weiß, was da gepflanzt ist) umgegraben. Gut, den Kasten mit der großen Stachelbeere habe ich weitgehend in Frieden gelassen, weil die Stachelbeere sehr wehrhaft ist. Da habe ich nur Erde aufgefüllt, aus einem anderen Beet. Dieses Beet wiederum will ich leer machen, die halb vermoderte Unkrautmatte erneuern und dann mit frischer Erde wieder auffüllen.

Wer pflanzt jede Menge Topinambur an? Seltsame Leute.

Da ging der Nachmittag für drauf und seither bin ich überraschend platt. Das war mehr frische Luft, als ich die letzten 3 Monate insgesamt hatte, gefühlt.

Tag 3687 – Planleggingsdag.

Ich hatte heute bei der Arbeit nicht so viel zu tun, aber ich habe ausreichend Flexizeit. Gleichzeitig habe ich gestern nicht geschafft, zum Friseur (bei der Drop-In-Kette) zu gehen und das Gartencenter mit den auf norwegische Verhältnisse angepassten Pflanzen hat immer nur bis 17 Uhr, Samstags nur bis 15 Uhr auf. Wenn man hier was pflanzen will, sollte man das jetzt echt langsam machen, sonst geht es im Winter tot. Long Story Short – Ich fuhr heute mitten am Tag nach Jessheim, erst zum Gartencenter, dann zum Friseur. Im Gartencenter wohnte ich erst am Telefon Herrn Rabes Versuch, Karten für System of a Down zu bekommen, bei und leistete moralischen Support. Dann kaufte ich leicht impulsiv nicht nur einen (tiny!) Holunderstrauch, sondern auch einen Flieder und eine Clematis in lila. Was soll eine auch machen, wenn alles im Angebot ist? (Ja, ich weiß, nichts kaufen.)

Friseur ging dann auch ganz fix. Die heutige Friseurin war etwas grob, aber ansonsten gut. Jetzt ist alles wieder kurz. Weil aber fast alles von der vorherigen Färbung dabei abgeschnitten wurde, habe ich zu Hause noch blondiert. Erfolgreich. Morgen kommt dann pink drauf und dann bin ich wieder fresh und hip. Heute bin ich nur mittelhip und meine Kopfhaut juckt.

Tag 3674 – Axt.

Der Tag begann mit Streit. Ich bin der schlechteste Mensch der Welt, ist mein Schluss daraus. Gefühllos und herzlos und egozentrisch. Tja. Aber irgendwohin muss so Selbsthass ja, also wollte ich endlich den Rhabarber einpflanzen (Rhabarber überlebt echt erstaunlich gut nackt, ohne Erde, in einem Eimer). Aber dazu musste ich erst mal eine Ecke freiroden. Da passte es gut, dass ich gestern eine sehr große Astschere gekauft habe, weil wir den Wilden Wein die selbstkletternde Jungfernrebe für den Dachdecker vom Garagendach entfernen mussten. Das hat btw Michel gemacht. Schon praktisch, so große Kinder. Ich weiß jetzt auch, dass man im Normalfall in Europa keine Angst vor Mauerbegrünung haben muss und „Das sprengt das Gemäuer auf!“ ein Ammenmärchen ist, speziell bei Wein und Jungfernrebe und anderen Gewächsen, die Haftscheiben haben. Manche Schlingpflanzen können Regenrohre erwürgen und so, das ist dann schon ungünstig. Aber die Jungfernrebe tut gar nichts, außer hübsch aussehen und die Mauern kühl halten. Selbst vor Efeu muss man wohl weit weniger Angst haben, als man gemeinhin hat.

Anyway, ich habe heute sehr viel die Astschere benutzt. In meiner Wut und meinem Frust habe ich den halben Garten und den ganzen Wendeplatz vor der Garage freigerodet und mir sogar irgendwann eine Säge geholt um noch besser unerwünschtes Gestrüpp entfernen zu können – und weil ich die Axt nicht gefunden habe. Eine fette Kreuzspinne wurde dabei obdachlos, dass ich eine ausladende Bergfichte (?) komplett weggerodet habe. Ich habe noch ein bisschen die Jungfernrebe beschnitten, einen der hier überall wie die Pest wachsenden Bäume gefällt (der war schon deutlich über zwei Meter hoch) und zwei riesige Büsche unbekannter Art auf die Hälfte reduziert. Plus überall so invasive Arten und nervige Wucherpflanzen wie Himbeeren und Stachelbeeren rausreißen. Zum Glück haben wir ein großes Grundstück mit einem zu nichts sonst gutem, steilen Hang. Das ist jetzt mehr so ein Bio-Landfill. Aber viele Arten mögen ja totes Holz, sowohl als Essen als auch als Zuhause.

Danach war ich dreckig und schweißgebadet und hungrig und roch ein bisschen interessant. Nach Pizza von gestern und einer Dusche ging es viel besser. Mit dem Teilergebnis von heute bin ich auch zufrieden. Morgen geht es vielleicht weiter. Wütend im Garten Sachen wegschneiden ist wesentlich besser, als beim Anblick von Kisten in Tränen ausbrechen.

Der Rest des Tages ging für Einkaufen, mit Nachbarn reden, Pippi ins Bett verfrachten etc drauf. Ich bin echt platt jetzt.

Tag 3610 – Garten.

Wir haben heute noch mal das neue Haus besucht und dabei die Verkäufer kennengelernt. Sie sind sehr nett. Und was ich beim ersten, einzigen, kurzen Besuch übersehen hatte: es gibt

  • Schwarze Johannisbeeren
  • Rote Stachelbeeren
  • Jede Menge Walderdbeeren
  • Jede Menge Blaubeeren
  • Himbeeren
  • Rote Johannisbeeren
  • Rhabarber

Alles auf dem Grundstück. Und einen wunderschönen, riesigen Rhododendron. Ich wette, im Herbst gibt es auch Pilze, das Waldgebiet, in dem ich oft Pilze sammeln gehe, ist ja direkt hinterm Haus. Außerdem sind da noch ein paar Hochbeete, die man mal mit Erde füllen müsste und dann kann man da mit wenig Arbeit noch viel mehr pflanzen, zum Beispiel mehr Erdbeeren oder einen Teil von „meinem“ Rhabarber. Und einen Platz für einen Holunderstrauch finden wir sicher auch. Das wird fein.

Davon angespornt habe ich fertig Unkraut gejätet. Ich habe vieles, aber nicht alles, wegbekommen, aber es muss ja nur Mittwoch kurz gut aussehen. Ein paar Grashalme stehen halt noch und Baby-Disteln und Baby-Ringelblumen sehen halt auch sehr ähnlich aus, da habe ich bestimmt noch einiges übersehen. Aber jetzt sieht es wieder ordentlich(er) aus. Im Kräuterbeet habe ich auch den alles überwuchernden Estragon ordentlich ausgedünnt, jetzt sieht auch das wieder ganz ok aus. Halt mehr so Darwin als englischer Garten, weil im Kräuterbeet Schnittlauch, Oregano und eben Estragon einen erbitterten Kampf um die Ressourcen führen, aber ich mag es so. Im Beet nebenan passiert das gleiche mit Erdbeeren und Pfefferminze. Ansonsten müssen die Käufer Koriander mögen, der hat das Gewächshaus komplett eingenommen.

Hier ein Bild, weshalb ich den Holunder nicht ausgraben werde.

Kaum zu glauben, dass der vor 6 Jahren so ein kleines Stöckchen war.

Ich bin außerdem sehr zufrieden, dass der Garten alles gibt, um Mittwoch alles herzuzeigen, was er kann. Der Holunder blüht jetzt gerade fast, die Pfingstrosen blühen fast, der Schnittlauch blüht wie bekloppt (ähäm, ja, ich weiß, dass der das nicht soll. Aber die Blüten sind so hübsch und die Hummeln mögen die auch sehr gerne). Die Zierdistel blüht fast, die gelbe Blume und die blaue Blume an der Einfahrt blühen beide (auch wenn ich nicht weiß, was sie sind, aber sie sind hübsch). Die ersten Erdbeeren werden rot, der Johannisbeerstrauch und der Stachelbeerstrauch sind voller Beeren. Ich denke, am Mittwoch wird das alles super aussehen.

Hach.

Das war alles so schön heute, ich habe sogar alle Spinnen, die ich in meiner Jäterei aufgeschreckt habe, einfach ignoriert. Und da waren ein paar Oschis dabei.

Tag 3562 – Tanzshow und Rest vom Wochenende.

Heute hatte Pippi ihre Tanzaufführung und meine Güte, ist die groß geworden. Ich habe leider davon kein vernünftiges Foto machen können, weil die Zappelmaus ständig herumhampelt, aber mit so einem strengen Ballett-Dutt und einem Trägertopp mit Strickjäckchen drüber sieht sie einfach aus, wie ein richtiges Ballettmädchen. Da ich ihr außerdem meinen langen Hals vererbt habe und sie alterstypisch eigentlich nur aus Armen und Beinen besteht, nochmal extra doll. Natürlich hat sie auch am allerbesten von allen getanzt, da bin ich selbstverständlich ganz neutral und objektiv.

Was sie tatsächlich ist, ist die größte in ihrer Gruppe. Aber es steht ja auch an, dass sie die Gruppe wechselt, weil sie nach dem Sommer ja schon in die 5. Klasse geht. Meine Güte, wo ist die Zeit geblieben, die war doch neulich noch so (hier Andeutung von irgendwas in Oberschenkelhöhe vorstellen).

Ich sehe schon kommen, dass wir zum nächsten Semester schon wieder neue Ballettsachen kaufen müssen, weil sie da einfach rauswächst.

Auch der Rest der Show war sehr gut. Die haben da schon wirklich gute Tänzerinnen in der Ballettschule. Und eine nicht mal volle Hand Jungs, alle im HipHop und alle noch unter 12. Eine Schande.

Danach machten wir, also Herr Rabe und ich, Wochenenddinge, wie Sport, Bandprobe und Wechseln des Aquarienwassers. Wie immer halt.

Eine weitere wirklich gute Nachricht: der Frühling ist da. Besorgniserregend früh und viel zu trocken, Klimakrise sei dank, aber dass man ohne Winterjacke raus kann und alles wieder grün wird und die Vögel singen kann mich ja trotzdem freuen. Die dicken Hummeln sind auch wieder unterwegs (und sterben unter Linden, das macht mich traurig, warum sind Hummeln so dumm?). Ehrlich gesagt freue ich mich zu dieser Zeit über jedes Zeichen von Leben, selbst über die dicken Spinnen, die sich jetzt wieder auf den Terrassenplanken sonnen. (Solange die draußen bleiben, können die auch unter der Terrasse wohnen, da bin ich ja großzügig. Ich hätte nur gerne so nen Spinnen-Bannkreis etwa auf der Schwelle der Terrassentür.) Gartentechnisch bin ich gespannt, ob ich dieses Jahr die Weide zu starb beschnitten habe, auch wenn Herr Rabe sagt, das sei quasi nicht möglich.

Tag 3256 und 3257 – Bsssbssss.

Oh toll, in 7 Stunden muss ich im Zug sitzen. Naja, Kaffee wird’s schon richten, ne?

Dafür hab ich Geige gespielt, statt es sein zu lassen, und das ist auch gut. Schlafen wäre sicher besser, aber mir macht das Spielen grad sehr viel Freude. Also noch mehr als sonst irgendwie. Ich weiß auch nicht, woran das liegt, außer dass ich merke, wie viel besser ich geworden bin. Gestern habe ich geschafft, dass ich selber Gänsehaut beim Spielen bekommen habe. Nun ist das Accolay Violin Concerto in a Moll da auch dankbar, aber da habe ich mir vor zwei Jahren einigermaßen einen dran abgebrochen und jetzt habe ich so viel mehr Kontrolle und kann dann auch viel mehr loslassen und Spaß haben. Ich habe auch eine Etüde von vor zwei Jahren wieder ausgegraben und auch da – viel besser und dann auch mehr Spaß.

Ansonsten war auch nur eine Sache: wir haben gestern ein Wespennest unter der Terrasse gefunden. Das ist nicht akzeptabel. Bei aller Liebe zu Insekten und Natur und all dem. Jetzt geht es sogar noch, es sind wenige und sie sind friedlich, aber bis zum Ende des Sommers sind sie dann viele und Wespen haben nun mal die Tendenz, ziemlich aggro zu werden, wenn die Pflaumenkuchensaison losgeht. Früher hatte ich panische Angst vor Wespen, das haben aber zwei Jahre Arbeit im Biergarten kuriert. Gestern dachte ich tatsächlich an die armen Tiere und ob es wohl möglich wäre, sich mit einem Haufen Wespen unter der Terrasse (genau unterm Esstisch) zu arrangieren. Aber nein. Kammerjäger ist bereits kontaktiert, die Wespen sind angezählt. Keine Ahnung, wie die die da weg kriegen wollen, ich habe geschrieben, dass das Nest unter den Terrassenplanken ist und wir das nicht weg kriegen (selbst, aber ganz ehrlich: als ob ich freiwillig da selbst Hand anlegen würde!) ohne Planken zu entfernen. Der aufgerufene Preis ist aber dafür echt ok und es ist auch kein Kostenvoranschlag, sondern ein „das kostet soundosviel“-Preis.

Unter der Terrasse wohnt sicher noch anderes Gruselzeug, unter anderem die dicken Hausspinnen wohnen da ganz sicher, die sieht man nämlich oft, wenn sie sich auf den Terrassenplanken sonnen. Aber draußen können die von mir aus sein, da gilt für mich eigentlich leben und leben lassen. Mit der Einschränkung: keine aggressiven Stechinsekten dort, wo ich und Pippi gerne und häufig barfuß laufen. Und wo wir gerne essen würden, wenn das Wetter es zulässt.