Tag 2636 – Geärgert.

Irgendwie war im Tag der Wurm drin. Nichts lief wie geplant, und das wird jetzt auch so weiter gehen, weil Dinge, die heute nicht liefen, Konsequenzen für meine Planung bis, oh, Ende Oktober haben werden. Danke für nichts, Menschen mit denen ich hätte zusammen arbeiten müssen!

Ich atme einfach in eine Tüte und matrae vor mich hin, dass es dann echt nicht meine Schuld ist, wenn Fristen nicht eingehalten werden.

Außerdem ist es im Büro kalt. Dabei haben wir gar keine verordnete Stromspar-Temperaturabsenkung. Es ist einfach kalt da. Blödes Büro.

Gut war heute eine gute Stunde Geige spielen. Leider muss ich einsehen, dass ich nicht mehr ewig an den aktuellen Stücken herumüben kann*, andererseits fahre ich in einer guten Woche ja schon für über eine Woche weg und da lohnt es sich jetzt auch nicht mehr, was neues anzufangen. Ich merke weiterhin kontinuierlichen Fortschritt, üben hilft halt. Vielleicht hole ich zum Wochenende einfach noch mal was raus, was ich schon beiseite gelegt habe, poliere da ein bisschen dran rum, und nutze die Reise dann dazu, mir was cooles neues auszusuchen. Klingt doch nach nem Plan.

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Weil man in Antworten keine Fotos hochladen kann, hier meine Antwort an Sunni:

Ja, die meisten norwegischen Haushalte haben einen „Spotpris“-Vertrag, da bezahlt man den stundengenauen Börsenpreis plus irgendwelche festen Aufschläge plus Umsatzsteuer. Irgendwann am Abend werden die Preise für den nächsten Tag veröffentlicht. Für heute sieht das zum Beispiel so aus:

Sehen kann ich das in der App meines Stromanbieters, auf einigen Zeitungs-Webseiten hat der Strompreisgraph allerdings auch die Covid-Inzidenzen ersetzt.

Wir passen manche Verbrauche an den Strompreis an, zum Beispiel wann wir die Autos laden. Das kann man ja programmieren, entweder am Auto selbst (Tesla) oder an der Ladebox (Citroën). Und wenn am Wochenende dann mal eine Stunde lang am Nachmittag der Preis unter 100 øre/kWh liegt, kann man das ja für ein Bad nutzen, wenn man eh im Laufe des Tages baden wollte.

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*es ist kompliziert. Einerseits brauche ich kontinuierliche Herausforderung, andererseits mag ich gern Routine und bin sehr perfektionistisch, kann also problemlos Wochen- bis monatelang dasselbe spielen und immer noch was finden, was nicht perfekt ist.

Tag 2620 und 2621 – Party!

Gestern hab ich irgendwie nicht geschrieben. Ich fiel irgendwann ziemlich platt ins Bett, denn tagsüber hatten wir Kindergeburtstag vorbereitet. Wir hatten Pippi ja noch eine Nachfeier versprochen und das war also heute. Und weil Herr Rabe und Michel gestern bei einem „Military Tattoo“ waren, war ich mit Pippi alleine. Wir kauften gemeinsam ein, Ich backte und befüllte die obligatorische Piñata, abends dekorierten wir und Herr Rabe räumte die Bank und den Esstisch im Wohnzimmer frei. Das ist jetzt alles in einer Klappkiste, aber immerhin auf der richtigen Etage.

Heute war also die Feier, mit nahezu allen Mädchen aus der Klasse, weil das hier halt so ist, dass man alle einladen muss, das waren also neun eingeladene, davon kamen sieben. Ein lauter Haufen, aber ein netter, bei dem es bisher keine festen und/oder rivalisierenden Cliquen zu geben scheint. Drei Mütter blieben noch eine Weile hier, weil deren Kinder nicht so gern alleine hier bleiben wollten, das ist ja auch ok und ein Kaffee ist schnell gekocht. Es klappte alles, aber anstrengend war es für mich trotzdem. Pippi hat es aber in vollen Zügen genossen und das ist ja das wichtigste. Zum Geburtstag hat sie eine „Beauty-Maske“ und Nagellack bekommen, weshalb wir danach noch „Spa“ gemacht haben.

Blogfreundliches Kinderfoto.

Zum Stressabbau habe ich mich gestern und heute unnötig ausgiebig mit dem Strompreis beschäftigt und habe strategisch günstig die Autos geladen, Waschmaschine und Trockner getimet und gebadet. Und gestern zwei und heute etwas über eine Stunde lang Geige gespielt, was allerdings heute nach hinten los ging, weil eine neue Etüde, die ich probieren wollte, ein derart unbefriedigendes Ende hat, dass ich mich seither darüber aufrege. Ey, es muss ja nicht alles mit ner vollständigen Kadenz enden, aber man endet doch nicht ein Stück in C-Dur auf e. Das macht man einfach nicht. Das ist wie nen Marathon laufen und 100 Meter vorm Ziel einfach aufhören. Falls das so ein musikalischer Witz sein soll, verstehe ich ihn nicht und finde ihn auch nicht lustig. Diese Etüde hätte mich bestimmt ganz wichtige Dinge gelehrt, aber muss von mir ungespielt bleiben. Aus Protest und zum Schutz meiner Nerven.

Tag 2608 – Entspannt.

Herr Rabe hatte heute Java-Kinder-Konferenz und nahm Michel mit. Die beiden hatten es gut und Michel findet jetzt wohl, dass sein Papa der allergrößte ist. Hat er ja auch recht.

Pippi ging gegen Mittag (auf leichten Druck meinerseits) rüber zum Nachbarsmädchen.

Ich war vier Stunden lang alleine. Das war besser als Schlafen. Die Hälfte der Zeit habe ich Geige gespielt, bis mir die Fingerspitzen weh taten. Dann habe ich ein kleines Nickerchen gemacht, gelesen, die Meerschweinchen sauber gemacht, Wäsche gewaschen und dann war immer noch Zeit übrig. Jetzt habe ich auch noch meine eine Leinenhose repariert und die Taschen weiter nach oben gesetzt.

Es ist ganz schön, ab und zu seine eigenen Gedanken hören zu können.

(Leider kam Pippi wieder und klagte über Bauchschmerzen und Kopfschmerzen und das Fieberthermometer erklärte zumindest letzteres. Meh.)

Tag 2364 – Die Markgräfin.

Heute waren wir beim Lewes Castle, wo eigentlich ein Kinder-Flintstone-Event sein sollte, aber irgendwie dann doch nicht war. Es war da trotzdem sehr schön.

Suchbild mit Herrn Rabe und Pippi.
Blümels!

Lewes Castle ist eine mittelalterliche Burg aus (lokaltypischem) Feuerstein. Liebevoll bewahrt und eigentlich für Kinder auch sehr interessant gestaltet, unter anderem durch Verkleidungsmöglichkeiten. Dazu gibt es Informationstafeln zu mittelalterlichen Adelsscharmützeln. Michel fand trotzdem alles scheiße, Burg, Ort, Sonne, Wärme, Allergie (vielleicht müssen wir noch mal nach neuen Kreuzallergien auf irgendwelche Pollen schauen lassen) und Erkältung. Woozaa, bestimmt nur eine Phase (haha).

Wegen Ausflug und Nachbarn, die ungestört essen wollen (und der Schwägerin, die gern ein gutes Verhältnis zu den Nachbarn behalten will) blieb eine knappe halbe Stunde, um mich für einen Bogen zu entscheiden. Mit viel Durchringung durfte erst Herr Rabe und dann die Schwägerin was dazu sagen, und es wurde:

Die Markgräfin.

Die Müsing-Bögen wollte ich so gerne mögen und die haben auch durchaus Qualitäten (Herr Rabe beschrieb den C5 als klar(er) und die Bogenwechsel als weich(er) und überaus angenehm zu spielen sind sie durch das geringere Gewicht wirklich) aber der Marquise ist einfach insgesamt runder und voller. DISCLAIMER: Für mich. Mit meiner Spielweise, auf meinem Instrument, mit den Saiten, die da jetzt gerade drauf sind. Ich komme mit dem Marquise besser klar, weil er ist wie ein Holzbogen. Ich könnte mich an die Müsing-Bögen sicher auch gewöhnen, aber wenn ich nicht muss, muss ich ja nicht, ne? Müsing C5 (ein wirklich toller Bogen, nur eben nicht für mich) und C4 (ebenso, wenn auch tatsächlich ein deutlicher Unterschied zum C5 besteht, nicht in der Handhabung, aber im Klang) gehen zurück. Ebenfalls zurück geht doch der Coda Bow Luma. Der ist zwar wunderbar in der Handhabung, macht aber ein Nebengeräusch, was mich schnell nervt, ist mir bei kurzen, knackigen Noten zu weich in der Ansprache und klingt auch nicht so gut sobald man mit dem Ohr mehr als 15 cm von der Quelle weg ist, sagt das Publikum (N=2). Und für einfach so weil er mir sympathisch ist, ist er dann doch zu teuer, obwohl ich das ernsthaft erwägt hatte, ihn auch zu behalten. Es braucht auch niemand (der kein*e professionelle*r Musiker*In ist) drei Bögen. Alle probierten Bögen waren übrigens einfacher zu handhaben, als mein vermutlich billiger Holzbogen, obwohl ich den ja sehr gewöhnt bin. Ich hege die leise Hoffnung, dass der unbeabsichtigt hüpfende Bogen (beim Abstrich leicht oberhalb der Mitte, wenn ich mich nicht voll drauf konzentriere, das zu kontrollieren, was dann Schludrigkeiten an anderen Stellen mit sich bringt) der Vergangenheit angehört.

Und damit schließen wir das Kapitel Bogensuche ab.

Abends gab es noch einen eskalierenden Streit mit Michel und eine neue Episode in der Erfolgsserie „Frau Rabe verblutet durch die Nase“, aber beides ging gut aus, puh. Nervig ist es trotzdem beides.

Tag 2363 – Frühling, He Who Must Not Be Named und Erkältung.

Hier ist alles grün und blüht! Für uns aus dem hohen Norden ist das höchst faszinierend, bei uns ist alles braun und tot. Ich wünschte, ich würde übertreiben, aber die norwegische Natur sieht, wenn der Schnee wegtaut, jedes Jahr aus als würde nie wieder irgendwas da wachsen. Zur gleichen Zeit sind Wiesen in Deutschland grün. Hier fängt der Raps an zu blühen, die Osterglocken und Tulpen blühen, es gibt Gänseblümchen und Butterblumen und die Bäume blühen. (Schwenk nach Norwegen, am Sonntag hatten die Erdbeeren ca. 3 grünliche Blättchen, sie leben also, schön.)

Gestern waren wir mit Pippi am Strand und Pippi ist endlich der schon seit Tagen überreife zweite obere Schneidezahn ausgefallen. Jetzt hat sie also eine beeindruckend große Zahnlücke und kann wieder essen ohne zu meckern, dass der Wackelzahn dann wehtue. Abends waren wir noch shoppen, denn manche von uns (ich) haben ihre Schlafanzüge zu Hause vergessen, andere (Herr Rabe) haben den Kindern für den englischen Frühling norwegische Winterstiefel angezogen und keine Turnschuhe eingepackt und wieder andere (Michel) haben einen enormen Jogginghosenverschleiß durch Längenwachstum und unbewusstes Friemeln und Popeln an kleinen Löchlein, die dann schnell zu riesigen Löchern werden. Danach waren Kinder und Erwachsene wieder zu spät im Bett.

Heute waren wir in einem Shop namens Oliver‘s Brighton, das kann ich sehr empfehlen, wenn man Harry Potter mag, J.K. Rowling noch (wenn auch über einige Umwege und sicherlich anteilsmäßig nicht sonderlich viel) Geld in den Hals werfen mag oder Kinder hat, die trotz aller Toleranz nur ganz wenig Verständnis dafür haben, wenn man das eigentlich überhaupt nicht mehr will.

Geheim, geheim!

Das ist ein ganz liebevoll gemachter, kleiner Shop, in dem man hochwertigen Harry Potter-Krams kaufen kann. Unter anderem gibt es Nachbildungen der Film-Zauberstäbe, und zwar allen. Schwer sind die, wie die Film-Requisiten auch, kein Plastik. Michels erste Frage an den Shop-Besitzer (Oliver) dazu (nach schlechten Erfahrungen mit einem billigeren Plastik-Stab), in astreinem Englisch: Sind die hohl innendrin? Nein, sind sie nicht, die haben einen Metallkern, da drum ist ein „Resin“ und dann sind sie handbemalt. Also falls Sie mal in Brighton sein sollten, und, sagen wir mal, Molly Weasleys oder Katie Bells Zauberstab haben wollen, buchen Sie ruhig einen Termin bei Oliver. Man kann auch Butterbeer kaufen, die Marauders Map, Death Eater Masks oder oder oder. Was das Herz begehrt. Dabei kann man außerdem Oliver treffen, was ein Anlass für sich sein dürfte.

Leider plagt uns (Herrn Rabe, Michel und mich) weiterhin die Erkältung, aber ich habe das Gefühl, es geht jetzt wieder bergauf. Michel plagt außerdem Allergie. Gut, dass ich eine halbe Apotheke dabei habe.

Morgen, allerspätestens übermorgen, muss ich mich für einen Bogen entscheiden. Zwei (die, die vom anderen Laden in der Cello-Version ankamen) hatte ich über ein Trial-Program hier her bestellt und spätestens Donnerstag muss ich die zurückschicken, wenn ich sie nicht haben will. Ich möchte die gerne mögen, aber inzwischen bilde ich mir bei allen Bögen Nebengeräusche ein, die da vermutlich gar nicht sind oder sich mit optimalisiertem Kolophonieren beheben ließen und macht nicht der eine, dass die Geige auf den höheren Saiten metallisch und schrill klingt??? Ahhhhh. Vielleicht müssen morgen wirklich Herr Rabe und die Schwägerin was dazu sagen, aber dann müssen sie ja zuhören und über das nicht-Solisten-Qualität-spiel hinweghören… ahhhhh.

Tag 2355 – Kein Geigenbogen.

Heute kamen Bogen Nummer 5 und 6 an und traten ziemlich sofort den Rückweg wieder an, denn man hatte mir Cellobögen in Geigenbogenhüllen geschickt. Das klingt lustig, ist es aber eigentlich nicht.

In der Mitte ein Geigenbogen. Man sollte auch als Laie erkennen können, wie viel massiver die Spitze bei den Cellobögen ist.

Morgen in der Mittagspause (einer Inspektion, aber so what, auch Inspektørinnen haben ein Leben neben der Arbeit) rufe ich den Laden an und wenn sie nicht diese Woche noch Ersatz geliefert bekommen, können sie es einfach gleich lassen. Was für ein Saftladen.

(P.S. ich könnte das vielleicht noch verzeihen, wenn es sich um exotische Instrumente handelte, oder um spottbilliges Zeug. Es ist halt weder noch.)

Tag 2353 – Da waren’s nur noch zwei.

Nach einer weiteren Probesitzung mit den Bögen habe ich einen aussortiert, der, zusammen mit dem, der sich nicht entspannen lässt, nun die Rückreise an den Händler antreten wird. Ich will auch keine neue Ware für den, der sich nicht entspannen lässt, das ist jetzt halt Pech, Schicksal, ein Zeichen oder etwas dergleichen.

Bis jetzt gefällt mir (natürlich, wie sollte es auch anders sein) der teuerste am besten, aber es kommen ja noch zwei, in die ich auch große Hoffnung stecke. Zu denen dann später.

Zurück zum Laden fährt nun der Coda bow Joule. (Und der Diamond SX, aber den konnte ich ja nicht ausprobieren.) Das ist ein Bogen, der eigentlich für elektrische und/oder 5-saitige Violinen entwickelt wurde und aus solchen auf den tiefen Saiten leichter einen volleren Klang herausholen soll. Dazu ist er eher steif und vor allem hat man ein wenig Gewicht aus dem Frosch entfernt und in die Spitze gepackt, wodurch der Schwerpunkt des Bogens verschoben ist und man auf den tiefen Saiten nicht so sehr gegen die Schwerkraft anstreichen muss. Wobei man ja auch dazu sagen muss, dass wir bei Bögen generell nicht von Unterschieden von 150 g vs. 250 g sprechen, sondern eher so von 58 g vs. 62 g. Der Coda bow Joule wiegt 2,4 g weniger als mein Holzbogen (gemessen auf der Küchenwaage, die aber eine Genauigkeit von +- 0,2 g verspricht, aaaaaber die auch noch nie rekalibriert wurde), aber trotzdem hatte ich das Gefühl, mit dem Bogen schnell müde im Arm zu werden. Die ansonsten marginal einfachere Spielbarkeit im Vergleich zu meinem Holzbogen (Schroetter, übrigens, falls das wen interessiert, massenproduzierte, okaye Anfängerbögen) rechtfertigt für meine Bedürfnisse und mit meinem Blick auf meinen Geldbeutel die Ausgabe für den Joule nicht, also weg damit.

Ich habe übrigens Videoaufnahmen von allen Bögen, gespielt durch mich, die ich nicht anschaue, weil mich das gruselt. Angst, dem eigenen und komplett gnadenlosen Blick und Gehör zum Opfer zu fallen, ist ein Ding.

Begeistert bin ich von dem neuen Case, das ist mal ein wirkliches Upgrade von meinem alten. Da kann ich mir immerhin vorstellen, dass man in sowas eine Geige verschicken kann (was nicht heißt, dass ich das deshalb auch machen würde, solange ich nicht unbedingt muss).

Tag 2352 – Nicht die Terrasse.

Vier der Geigenbögen kamen heute an. Zwei sollten vorgestern angekommen sein, zwei gestern, alle kamen also heute. Nun gut. Jedenfalls hatte ich das Paket, das vorgestern hätte ankommen sollen, schon kritisch beäugt und es kam, wie es kommen musste: morgens im Zug, auf dem Weg zur Arbeit, begannen die SMS einzutrudeln, dass sich das Paket endlich bewege. Zoll hier, Transit da. Nun war ich ja leider auf dem Weg zur Arbeit und die Homeofficezeit der Nachbarn ist ebenfalls vorbei. Mit den Rentner-Nachbarn bekam ich keinen Kontakt, die schliefen bestimmt noch. Also gab ich bei DHL an, das Paket möge bitte „an einem sicheren Ort“ deponiert werden, nämlich auf der Terrasse. Unsere Haustür kann man nämlich aus allen möglichen Richtungen sehr gut sehen (teils aus 200 m Entfernung) und wir haben nicht mal die symbolische Hürde eines Gartenzaunes oder so, nichts, einfach reinmarschieren und das sauteure Paket mitnehmen, merkt keine*r. Ich schrieb zum Terrassenwunsch noch dazu, wie man auf die Terrasse kommt. Parallel nahm ich mir vor, nach dem Mittagessen nach Hause zu fahren, weil mir auch die Terrasse nicht so der allersicherste Ort zur Aufbewahrung wertvoller Gegenstände erscheint.

Nun ja, ich kam nach Hause, DHL hatte mir vorher eine freudestrahlende „Geliefert!“ Nachricht geschickt und gleich den Servicefragebogen hinterher. Mich erwartete das Paket auf der kleinsten Terrasse der Welt.

Man muss dazu sagen, dass das Auto ja erst mit mir gekommen war. Ich frage mich ja schon ein bisschen ob DHL nicht gleich noch ein Schild mit „Klau mich!“ hätte dranmachen können.

Nun ja, es ist ja alles noch mal gut gegangen und die Servicefragebogenmail hatte ich auch noch nicht geöffnet, das lief für DHL eher nicht so wie erwartet, würde ich sagen.

Michel war etwas irritiert, dass zwei Bögen (und ein Case) in einem derart riesigen Paket kommen. Die anderen zwei Bögen (geliefert an Post im Rema, weil, Überraschung! So Packboxen nicht dimensioniert für einen Meter lange Pakete sind) kamen aber in einem nicht wesentlich kleineren Karton.

Von den 4 Bögen ist einer nicht benutzbar, weil der schon „entspannt“ so gespannt ist, dass es mir zu viel ist. Weiter entspannen geht auch nicht, vermutlich ist einfach der Frosch falsch montiert.

Die anderen drei und meiner:

Zu den Bögen muss ich morgen mehr schreiben. Das Case ist aber auf jeden Fall ein Behalte-Gegenstand, das ist super.

Tag 2348 – Endlich.

Es ist mir gelungen, Geigenbögen zur Ansicht zu bestellen. Hallelujah. Bei einem ganz normalen Musikgroßhandel, der alle Modelle, die ich gern ausprobieren möchte, auf Lager hat. In verschiedenen Lagern zwar, sodass das nun in drei Lieferungen verschickt wird, aber immerhin. Kein Gehampel mit Zoll, kein Schwitzen beim Fahren über die Grenze, kein ewiges Warten auf Lieferung. Ich habe mir vorher noch mal per Mail und Telefon bestätigen lassen, dass das Rückgaberecht auch besteht, wenn an einem Bogen Kolophonium ist, weil man ohne halt nicht ausprobieren kann. Aus lauter Begeisterung (und weil sich in meinem 25 Jahre alten der Schaumstoff der Polsterung langsam auflöst) habe ich noch ein Case dazu bestellt. Und jetzt bin ich sehr gespannt.

Während ich abends (mit Mute) tapfer Kreutzer 8 übe, sitzt neuerdings Herr Rabe mit Bass und Kopfhörern im Wohnzimmer und spielt Akkorde und sagt dabei „Ceeehhhh… Effffff… Beeehhhhh…“, den Quintenzirkel rückwärts auf. Das ist ein Teil eines Bass-Übungsprogrammes, das er jetzt macht und es mutet seltsam an, soll aber helfen.

Ich beneide Herrn Rabe um Frets und versuche weiter, das zweigestrichene f im 2. Satz von Seitz Op. 15 mit dem dritten Finger auf der A-Seite auf Anhieb zu treffen, und am Ende des Satzes auch wieder da zu landen (und nicht irgendwie Richtung fis gewandert zu sein). Isoliert kann ich zwar schon sagen, ob ich grad eher f oder fis spiele, aber im Spiel und bei ständigen Lagenwechseln ist das nicht so einfach, wenn ich nicht zufällig direkt mit dem e vergleichen kann.

Geige (alle Instrumente, bei denen es derart leicht ist, „einen Tacken“ daneben zu hauen) spielen ist zu einem großen Teil auch das Gehör zu schulen.

Nun ja. Mit einem neuen Bogen wird bestimmt alles viel besser. Und einfacher. BESTIMMT.

Tag 2341 – Der neue Alltag.

Ich glaube noch nicht so recht dran, dass es jetzt so bleibt, aber montags fahre ich wohl nun ins Büro. Herr Rabe auch, was bedeutet, dass einer von uns sehr früh fährt. Im Büro suche ich mir einen Platz in Base 6B, das war bisher zwei mal der gleiche und „zufällig“ der Platz, an dem ich vorher auch saß, nur eine Etage höher. Überhaupt sitzen irgendwie alle „zufällig“ genau da, wo sie vorher auch saßen, nur eine Etage höher. Angekommen, streite ich ein wenig mit der Technik, oder auch ein wenig mehr, so wie heute. Dann habe ich den Tag über ein paar geplante und viele spontane Meetings und leiste IT-Hilfe, wo ich kann, weil alle mit der Technik streiten. Dann ist der Arbeitstag irgendwann vorbei und ich schlafe sozial gerädert im Zug ein, nachdem ich mich ausgiebig innerlich darüber geärgert habe, das es kein Einheitsparfum gibt, sondern alle meinen, sie müssen irgendwie individuell riechen und, besonders wichtig, auch stärker als die anderen. Gegeneinander anstinken in Reinkultur. Aber wahrscheinlich liegt das, dass ich mich ärgere, nur an einer zu dem Zeitpunkt bereits abgebrannten sozialen Lunte.

Zu Hause angekommen reicht der Tag grad noch so für Essen und Kinder ins Bett bringen und danach Geige ODER Sport, momentan gewinnt zu 95% die Geige (außer dienstags). Da so spät, in der Küche und mit Mute, weshalb ich manche Dinge nicht so gut üben kann, einfach weil ich nicht so gut höre, was ich treibe. Als neues Projekt habe ich mir jetzt vorgenommen, ein paar dieser Student-Concertos, an denen ich so herumübe (Seitz Op.15, Riedel Op.21 und Accolay a-Moll) nach und nach auch auswendig zu lernen. Ich hab mit dem Schwersten angefangen (Seitz), aber das übe ich auch schon am längsten und der erste Satz sitzt nach zwei Tagen mit dem Rücken zum Notenständer ganz ok. Ich erhoffe mir davon, freier spielen zu können, wenn ich nicht Hirnkapazität aufs Ablesen verschwenden muss. Vorteil an dieser Art üben: das geht gut auch mit Mute und sogar ohne Instrument, weil es in erster Linie drum geht, die Bewegungsabläufe zu trainieren und mit dem „gewünschten Ton“ zu verknüpfen. Nachteil: ewige Ohrwürmer.

Jedenfalls, ich schweife ab: danach ist eigentlich nur noch Bett angesagt. Wenig spannend, aber ich finde Zug fahren und schon wieder Leute in 3D sehen auch irgendwie schon spannend genug nach 2 Jahren Pandemie. Ich hab mir sogar noch ne Laugenstange gekauft, einfach weil ich’s konnte, weil ich ja in Oslo war, wo es eine Bäckereikette gibt, die allerlei „deutsches“ Gebäck verkauft, wie eben Laugenstangen oder Apfeltaschen. Wenn das nicht Spannung genug ist.