Tag 2128 – Gestern/heute.

Heute war nix, das ist schnell erzählt.

Gestern. Ich war, wegen meiner Bauchschmerzen, die mich immer noch immer mal wieder anfallsmäßig plagen (KEINE TIPPS!), beim Ultraschall. Leider hatte ich mich im Tag vertan (genau genommen sogar im Monat, ähäm) und musste fast drei Stunden warten, bis sie mich dazwischen schieben konnten. Das wäre nicht so schlimm gewesen, wenn ich nicht vorher nichts gegessen hätte – wie es im Infozettel zu dem Termin stand – und nicht einen Liter Wasser getrunken hätte – wie es auch in der Einladung stand – oder wenigstens aufs Klo gedurft hätte – raten Sie einfach. Als ich dann dran war, musste ich dem Arzt sagen, dass er bitte nicht so doll auf der Blase rumfahren soll, es sei denn, er möchte provozieren, dass ich auf die Liege pullere. Der Arzt war aber sehr vorsichtig und ich sehe innerlich komplett normal aus, bis auf eine grenzwertig große Milz (die aber, wie er meinte, nicht diese Schmerzen verursachen dürfte) und eine wenig überraschend absurd volle Blase und einen komplett leeren Magen. Auch die Blutwerte sind ok, insofern ist das vorläufige Fazit „Ursache nicht gefunden“, super, hab ich halt einfach so Schmerzen (KEINE, wirklich gar keine, Tipps bitte).

Ich wurde außerdem von einem Makler angeschrieben, ob das Haus, das wir Dienstag angeschaut hatten, denn wohl für uns in Frage käme. Meine Antwort war „hahaha Nein, das Haus entsprach nicht unseren Vorstellungen und der Standard rechtfertigt unserer Meinung nach nicht den veranschlagten Preis“ und damit wissen Sie jetzt auch so grob, wie diese Hausbesichtigung war. Neugierig darauf waren wir wegen der Lage geworden und weil die Bilder einiges versprachen, was dann aber der Realität nicht standhielt. Liebe Makler*Innen: Sie haben es selbst in der Hand, ob Leute realistische oder völlig überzogene Erwartungen an das Objekt haben. Zum Beispiel würde ich davon abraten, das Objektiv mit dem weitesten Winkel, das sie finden können, zu benutzen, damit der winzige Flur und die 60 cm breite Treppe aussehen wie eine herrschaftliche Eingangshalle oder das Klo, in das man rückwärts einparken muss, wie ein richtiges Badezimmer. Und vielleicht wäre es auch ratsam, Reparaturbedarf, Schäden und nicht zeitgemäße Kellertreppenlösungen nicht zu verschweigen.

Ich sehe es als erneute Übung im Justieren von Erwartungen und direktes Feedback geben.

Apropos Übung: ich habe mir ein einfaches Concerto runtergeladen und spiele das jetzt und das macht mich sehr sehr glücklich. Ich bin gar nicht so schlecht. Ok, es ist ein Stück für Schüler*Innen, die 2-3 Jahre Unterricht hatten und dementsprechend „unter meinem Niveau“, ähäm, aber ich finde, ich darf ein paar Erfolgserlebnisse haben. Außerdem gibt es auch da noch genug für mich zu tun, unter anderem ist mein Vibrato scheiße ausbaufähig und meine Dynamiken sind auch noch nicht differenziert genug (laut ist einfach. Leise hingegen… hmmmmmmnaja). Intonation mit dem 4. Finger ist auch nicht optimal. Was ich, das kann ich ja mal einfach so behaupten, gut kann sind Phrasierungen und generell Musikalität/Gefühl. Ist auch einfach, das Stück ist in h-Moll und voller Gefühl (Romantik halt) und ich wollte sowas immer spielen und meine Geigenlehrerin war aber eher so Team Telemann (schnarch). Kein Wunder, dass meine Motivation irgendwann sehr stark nachließ, diese Barockstücke klangen für mich alle gleich. Jetzt suche ich mir das selbst aus und Telemann ist da eher nicht dabei, fürs erste. (Hab ich erwähnt, dass ich auch im Blockflötenkreis der selben Lehrerin war? Noch mehr Barock, Hurra…)

Am liebsten würde ich an allen Ecken gleichzeitig bauen, reiße mich da aber am Riemen (ein wenig), mache Bogenübungen auf leeren Seiten und Vibratoübungen ganz ohne Instrument und übe Saite für Saite den Lagenwechsel zwischen 1. und 3. und kontrolliere brav mit leeren Saiten, die ich auch ständig nachstimmen muss, weil ich blöde Saiten hab vor allem das A halt. Und damit das halt nicht langweilig wird, ein kleines, schönes, einfaches Concerto.

Ich bin kurz davor, Herrn Rabe das E-Piano zu kaufen, das er sich wünscht, dann können wir zusammen spielen, das klingt dann (wenn ich irgendwann besser Vibrato kann) irgendwann so: Rieding op. 35. (Nehme an, auch Herr Rabe müsste da vielleicht erst mal ein bisschen üben.)

Tag 2124 – Du sollst nicht rückwärts finkeln!

Wir sind mit Käpt’n Blaubär jetzt in der Süßen Wüste angekommen und Michel wurde dementsprechend heute in die 12 Gesetze der Gimpel eingeweiht. Er findet das Buch immer noch sehr lustig und spannend und toll, hat jetzt aber ein bisschen Angst, versehentlich vorwärts oder rückwärts zu finkeln, weil er ja (genau wie die Gimpel, Käpt’n Blaubär und die Leser*Innen) nicht weiß, was finkeln sein soll.

Weiterhin ist Michel sehr sehr aufgeregt, weil er mit dem TranspirantAspirantkorps am 17. Mai mit dem richtigen Schulkorps mitmarschieren muss. Wir mussten gestern extra ein neues weißes Hemd kaufen (dieses Kind wächst so schnell und ist so ein Spargeltarzan, dass alles, was lang genug ist, breit genug für zwei Michels wäre) und ein T-Shirt für unten drunter, aus der Mädchenabteilung, weil Jungs offenbar keine unbedruckten, weißen T-Shirts tragen. Spielen muss er noch nicht, nur laufen, fragen Sie mich bitte nicht nach dem tieferen Sinn dieser Aktion, ich bin milde amüsiert und finde Michels Aufregung sehr putzig. Außerdem hab ich Ohrenstöpsel aus Wachs, falls, wovon ich ausgehe, der spielende Teil des Korpses seit 2019 nicht wesentlich besser geworden ist. Das Ganze findet natürlich ohne Publikum statt, es ist ja Corona. Keine Ahnung, ob wir uns überhaupt in der Nähe aufhalten dürfen.

Doktor Proktor lässt grüßen. (Ach guck, das könnten wir auch mal wieder lesen, das findet Michel bestimmt immer noch witzig.)

Ich selbst habe mir heute mit d-Moll in der 3. Lage einen abgebrochen, aber das ist ein anderes Thema. Ich sag es nur ungern, aber ein Klavier im Haus hat gewisse Vorteile, wenn man seit Ewigkeiten nicht mehr gezwungen war, Noten tatsächlich zu lesen oder harmonisch und melodisch Moll auseinanderzuhalten. Eieiei.

Tag 2118 – Und zurück.

Ich hab dann heute den Steg doch wieder einen Millimeter zurück platziert, weil mir der Klang nicht gefiel, der war nicht mehr so voll und warm und hatte was nasales. Jetzt glaube ich, einen guten Kompromiss gefunden zu haben, ich werde das aber weiter verfolgen. Kurzes Spielen ergab voll und warm auf den tieferen Seiten und einen klareren Ton (als vor den Umbauten) auf A und E. Und naja, als wär ich so gut, dass man das Maximum aus dem Instrument rausholen müsste, weil meine tausende Konzertbesucher*Innen sonst ihr Geld zurück fordern. Und ich hab dabei immerhin gelernt, welchen Effekt der Steg auf die Klangfarbe hat und welche Richtung was bewirkt. Ich habe ein paar Bogenübungen gemacht und es ist schon schön, etwas mehr Platz zum Streichen zu haben. Dritte Lage heute auch schon wieder besser als gestern.

Hach ja. Was war sonst? Nicht viel…

Wir haben, wie so Erwachsene, die ihr Leben im Griff haben, den Bezug der Matratze gewaschen und er ist tatsächlich wieder einigermaßen sauber geworden. Ein Hoch auf Dinge, die sich bei 60 Grad waschen lassen. Ein bisschen Angst hatte ich davor, den Bezug wieder auf die Matratze zu fummeln, das war aber überhaupt kein Problem.

Pippi und Michel waren auf je einem Geburtstag von Kindern aus ihren jeweiligen Kohorten. Während Pippi vollgefuttert mit Schokolade nach Hause kam, hatte Michel zu viel Spaß gehabt um zu essen und kam deshalb mit der Laune eines ausgehungerten Orks nach Hause. Wollte dann aber zum Abendessen nur Salat und einen Apfel – für ihn der Inbegriff gesunden Essens – wir sind also wieder in so einer Phase. Meist kommt ja kurz drauf eine Scheunendrescherphase und dann wächst das Kind wieder über Nacht aus der Hosengröße raus, aber ich finde, ein Kind darf durchaus ein paar mehr Reserven haben, als Michel das hat. Sonst weht der bei dem Wind hier noch irgendwann einfach davon. (Eine reellere Angst ist, dass ihn eine Magen-Darm-Grippe einfach aus den Latschen haut.)

Jetzt kam er soeben angetapst und legte sich zu uns ins Bett. Also auch so eine Phase ist immer noch/wieder. Mit Zähneknirschen und Bauchweh und es ist aber nichts. Sagt er. seufz.

Tag 2117 – Wagemut.

Also ein Gutes hat es ja, 1. erwachsen und 2. ohne Geigenlehrer*In zu sein. Ich verliere die Angst davor, sehr schnell irgendwas kaputt zu machen. Beispielsweise hat mir meine Geigenlehrerin damals neue Saiten aufgezogen, wenn es nötig war. Ich musste auch nie an den Wirbeln stimmen, sondern immer nur an den Feinstimmern und nur selten das A mit Stimmgabel stimmen – das hat sie mir immerhin beigebracht und dabei kann man ja auch nix kaputt machen, man muss nur echt gut hören können.

Da ja nach den Jahren die Saiten, die aufgezogen waren, hinüber waren, musste ich die ersetzen. Eine nach der anderen zog ich also neue Saiten auf und fühlte mich schon sehr mutig. Als ich fertig war, war aber der Steg ganz schief, das musste ich googeln, ob man den einfach beherzt-behutsam aufrichten kann (ja) und da fiel mir schon auf, dass mein Steg zu hoch steht.

Und wenn man das einmal gesehen hat, sieht man es ja immer wieder. Heute schaute ich zwei Videos über Bogentechniken und – Ja. Nee. Mein Steg steht viel zu hoch. Warum? Ich habe keine Ahnung. Ich hab da nicht so dran rumgefummelt, dass der gute 5 mm nach oben gerutscht sein kann, es sei denn, der ist halt mikrometerweise gewandert, aufgerichtet, gewandert, aufgerichtet… in den Jahren in denen ich aktiv gespielt habe? Und warum ist das meiner Lehrerin nicht aufgefallen? Oder ist das so ein Kinder-Ding, dass man denen den Steg höher stellt? Es ist seltsam.

Jedenfalls habe ich dann noch mal gegoogelt, gemessen, noch mal gemessen und dann hab ich die Saiten etwas gelockert und den Steg dahin gestellt, wo er hingehört. Schlimmstenfalls, dachte ich, muss ich danach zum Geigenbauer und mein Gemurkse korrigieren lassen, weil, keine Ahnung, der Stimmstock umgefallen ist oder so. Aber jetzt steht der Steg zwischen den inneren Kerben der F-Löcher, 33 cm vom Sattel und 5,5 cm von der Saitenaufhängung weg, deutlich näher am Stimmstock als vorher (ob das nun 3 oder 4 mm sind kann ich nicht messen). Morgen schaue ich noch mal nach dem Verhältnis zum Bassbalken, da habe ich nämlich hinterher erst einen Tipp gesehen, wie man das macht.

Nachher wieder gestimmt, Steg wieder ein bisschen aufgerichtet, wieder gestimmt. Jetzt bin ich sehr gespannt, wie sie morgen klingt, ich hab den Quatsch nämlich natürlich erst angefangen, nachdem ich bereits gute anderthalb Stunden geübt hatte… beim Stimmen klang sie nicht anders als sonst oder meine Ohren sind nicht gut genug, um einen Unterschied zu hören.

Insgesamt läuft es ok mit dem Spielen. Ich habe mich zu den Etüden in Es-Dur durchgeackert (das ist der Feind) und breche mir nicht mehr die Finger dabei, der rechte Arm tut auch wieder mehr, was er soll und ich kriege nur noch selten Krämpfe in der linken Hand. Alles in allem klingt es jetzt schon wieder viel besser als vor vier Wochen noch. Nachdem Pachelbel fast durchgehend im Originaltempo geht, ich aber noch das Angstgedächtnis vor den paar Tönen in der dritten Lage habe, wollte ich neulich mal „Einfache Etüden in der dritten Lage“ ausprobieren und – naja, Zahnarztbohrer klingen schöner, aber auch das ging heute beim 2. und intensiveren Versuch mit ständigem Kontrollieren und Korrigieren schon viel besser. Uff.

Leider ist da das Ende der Fahnenstange meines früheren Unterrichts dann bald erreicht. „Verbindung der 1., 2. und 3. Lage“ hatte ich noch, dann hab ich aufgehört. Aber vielleicht ist, bis ich da angekommen bin, ja auch Pandemie vorbei und ich kann mir eine*n Lehrer*In suchen. Bis dahin muss mir YouTube Dinge erklären und ich mich selbst korrigieren, das ist nicht optimal aber besser als gar nicht spielen.