Tag 2220 – Frust, halber.

Also, so ne Schilddrüsenoperation kann ich niemandem wirklich empfehlen, die*er gerne singt, selbst wenn’s nur unter der Dusche ist. Heute versuchte ich im Auto ein bisschen Radiopop mitzuträllern, und… naja. Selbst ganz leise komme ich bei manchen Tönen – und wir reden nicht von Mariah Carey! – einfach nicht mehr an. Es kommt einfach gar kein Ton mehr, oder, wenn ich es wirklich mit Gewalt versuche, der höchste, den ich produzieren kann und der klingt ziemlich schrecklich. Es ist jetzt nicht so, als hätte ich vorher unfassbar gut gesungen, aber halt schon ok, für den Hausgebrauch. So würd ich nicht mal Happy Birthday singen wollen, weil ich vermutlich das dritte „birth-“ nicht erreichen würde. Ich finde das offen gestanden ziemlich scheiße.

Und da kommen wir zum nächsten Punkt. Ich muss ja noch zur Nachkontrolle der OP, also zur Endokrinologin im Krankenhaus. Wie das in Norwegen so ist, bekam ich gestern den Termin per digitaler Post – und er ist, wenn ich auf einer Inspektion bin. Das passt nun wirklich nicht so besonders gut, selbst für einen Videotermin. Inspektion ist nicht Kaffee bei Oma, wo ich mal grad „bin gleich wieder da“ sagen könnte. Man kann aber, das ist neu, direkt online um einen neuen Termin bitten. Was ich tat, woraufhin keine fünf Minuten später mein Handy klingelte. Was folgte kann ich auch mit einem Tag Abstand nicht anders beschreiben: die Sprechstundenhilfe setzte mich massiv unter Druck, den Termin zu behalten, ich könne doch sicher mal kurz während meiner Jobreise telefonieren, ich sei schließlich operiert worden und MÜSSE diesen Termin haben, aber wenn ich den jetzt nicht nähme, müsse ich bis nach Weihnachten auf einen neuen Termin warten. Ich bekam immerhin heraus, dass ich mich überrumpelt fühle, und nun ist der Termin erst mal so stehen geblieben und ich habe mir ein wenig Zeit erkauft aber bitte was sind denn das für Kommunikationsmethoden?

Ich habe jetzt mehrere Optionen und weiß nicht, was ich machen soll:

  • Ich behalte den Termin und habe immerhin zeitnah einen Termin. Unglücklich: ich bin da auf einer Inspektion, muss mit Kollege und Kollegin und der kompletten Firma dort absprechen, das irgendwie möglich zu machen. Besonders unglücklich: das ist der Tag, an dem wir normalerweise die Produktion inspizieren, das ist zeitlich nicht gut planbar. Es ist immerhin quasi zur Mittagessenszeit, also wenigstens nicht komplett unmöglich („Kann mich jemand ausschleusen und in 10 Minuten wieder einschleusen, ich müsste mal telefonieren!“ hahahaha nein.) Allergrößter Minuspunkt: ich bin ein bisschen bockig und will, dass das Krankenhaus lernt, dass sie nicht alles mit mir machen können.
  • Ich bitte meine Hausärztin um eine Überweisung in ein anderes Krankenhaus. Da bekomme ich dann innerhalb von, laut Webseite, 12 Wochen einen Termin. Unglücklich daran: das ist auch schon fast Weihnachten und meine Hausärztin müsste die Einstellung bis zum Spezialist*Innen-Termin allein managen und mich gegebenenfalls auch an HNO überweisen. Daran besonders unglücklich: allein nen Termin zur Blutabnahme muss man bei der Hausärztin am besten 3 Wochen im Voraus abmachen, von einem Termin um dann eine Überweisung zu bekommen ganz zu schweigen. Realistisch gesehen reden wir also auch hier von Mitte bis Ende Dezember, bis ich eine*n Spezialist*In zu Gesicht bekomme. Trostpflaster: ich glaube meine Hausärztin ist wirklich gut und lässt mit sich reden, was „meinen persönlichen Wohlfühlwert“ angeht, außerdem kann sie ja jederzeit im Krankenhaus anrufen und die Spezialist*Innen um Rat fragen, im Gegensatz zu mir Normalsterblicher.
  • Ich gehe damit in die Privatklinik. Vorteil: da kriege ich, wenn ich will, morgen einen Termin. Nachteil: der kostet mich dann 250€ und das jedes Mal, wenn ich hingehe (und da ist weder Massage noch Champagner mit inbegriffen, Frechheit). Ob die zum Beispiel wieder an die HNO des Krankenhauses (des ANDEREN Krankenhauses, denn in DIESES Krankenhaus möchte ich inzwischen nur noch im totalen Notfall einen Fuß setzen) überweisen können, weiß ich auch nicht. HNO in der Privatklinik dann halt wieder 250€. Und so weiter.

Tja, so sieht das aus, alles nicht so richtig einfach, ehrlich gesagt.

Warum der Frust dann nur halb ist? 1. ist Michel heute fast direkt nach der Entspannungs-CD, die die Babysittermama mir geliehen hat, eingeschlafen und 2. habe ich heute Nachmittag, nach ein paar Fingerbrechern mit zu vielen Vorzeichen (die Etüden sind in steigender Schwierigkeit im Buch und ich beackere grad die letzte und vorletzte in kombiniert 1. und 3. Lage) sowohl am Ende das Vivace in, naja, größtenteils lebendigem Tempo und größtenteils echt okayer Intonation gespielt und danach die zwei Kinderkonzerte so sauber durchgeorgelt, dass ich selbst erstaunt war. Aber G-Dur/D-Dur/e-Moll/h-Moll sind nach c-Moll, H-Dur und As-Dur ein bisschen wie Urlaub für Finger und Ohren. Besonders schön finde ich, dass meine Geige jeden Tag besser (voller, irgendwie „klingender“) klingt. Ist wohl doch was dran, dass Streichinstrumente „schlafen gehen“, wenn man sie lange nicht spielt und man sie danach erst wieder „öffnen“ muss.

Nur Vibrato kann ich nach wie vor nur mit 2,5 Fingern in akzeptabler Ausführung.

Tag 2200 – Lange her.

Neue Etüde, musste googeln was das x da heißen soll.

x???

Das x ist ein zusätzliches Kreuz wo schon ein Kreuz ist, also ein Doppel-kreuz. Es mangelt nicht an Kreuzen.

Geh du alter Esel hole. Uff.

Die x sind also alle Fisis-e, auch genannt G. Warum nicht einfach als G notieren? Aber egal, haben wir wieder was wieder gelernt (ich bin sicher, dass ich das schon mal wusste, man macht keine 15 Punkte in Musik schriftlich im Abi, wenn man sowas nicht weiß).

Generell H-Dur, sowas machen auch nur Leute, die Geigenschüler*Innen quälen wollen. Das muss ich mit nem Stimmgerät üben, weil ich kaum hören kann, ob ich sauber spiele (meine Geige hat bei vielen der Töne nur wenige oder gar keine Obertöne, oder wenigstens keine, die ich imstande bin, zu hören). Pfffft, Ais. Geh weg.

Wenigstens lenkt H-Dur davon ab, das ich heute Nachricht bekommen habe, dass der Chipsmann 1. noch lebt und 2. schon wieder Dinge tut, von denen ich naiv gehofft hatte, dass er sie nie wieder täte. Kriege ich direkt wieder Puls, wenn ich daran denke. Das einzig gute: er tut seine Chipsmann-Dinge an einem sehr weit entfernten und abgelegenen Ort. Möge er da für immer wegen flüssigem Durchfall festsitzen. Ohne Internet.

Tag 2183 – Nix neues.

Hier gibt es heute nichts spannendes zu erzählen. Das aufregendste, was passiert ist, ist, dass wir wieder Gemüse vom Bauern holen können (nach einem erst zu nassen und dann zu warmen Frühling begann die Erntesaison sehr spät) und ich eine andere Art der Bogenhaltung ausprobiere. Erster Eindruck: es ist halt lockerer, das hat Vorteile (mehr Flexibilität, weichere Bogenwechsel, potentiell schnellere Fingerbewegungen) und Nachteile (schwieriger Gewicht zu transportieren, potentiell schwieriger schnelle Bewegungen zu kontrollieren). Insgesamt ist es ein neues Konzept für mich, dass es nicht nur 1 Richtige Art(TM) gibt und ich probiere da gerne rum, alles, um nicht wieder in ein tiefes Stagnationsloch zu fallen.

Sonst war nix.

Tag 2168 – Endspurt.

Arbeit, Arbeit, zu viele Meetings, zu viel muss heute und morgen noch fertig werden. Tjanun. Danach sind 5,5 Wochen frei.

Ebenfalls Endspurt als Elternvertreterin der Grundschulklasse. Mache ich eher nicht noch mal, die Möglichkeiten, tatsächlich Einfluss zu nehmen erwiesen sich als minimal nicht existierend. Traurig, aber wahr. Sommerabschluss wird wie Weihnachtsfeier: nur die Kinder in der Schule, wir Eltern müssen zu Hause bleiben (für mich definitiv eh besser!). Es gibt ein Tütchen Süßkram und ein Trinkpäckchen für jede*n, das hat Familie Rabe heute in Teamarbeit gepackt. Als Dankeschön für die Lehrerinnen habe ich jeweils eine kleine Blumenampel mit Erdbeeren bepflanzt, weil ich wirklich was dagegen hab, sterbende Blumen (die in Norwegen halt auch einfach absurd viel Geld kosten) zu verschenken.

Noch nicht ganz Endspurt aber endlich etwas, das man vielleicht „Rohvibrato“ nennen kann, im Vibratoprojekt. Ich muss jetzt endlich nicht mehr nur Katzen quälen, sondern verkleinere die Bewegung, bis der jeweilige Finger an einem Punkt ist. Das funktioniert bei allen Fingern, außer dem 1. Der ist immer noch irgendwie steif, da ist ja auch kein Platz, da oben an der Schnecke, gnah (zugegebenermaßen geht es in den anderen Lagen auch nicht sonderlich viel besser). 4. Finger ist quasi kein Problem (den finden wohl viele sehr schwierig) aber der 1. verlangt mir sehr viel Konzentration ab um wenigstens ganz leicht… Hmpf. (Gut dass ich bald Ferien hab, da kann ich den 1. Finger zu mehr Lockerheit meditieren.) Mit meinem neu gewonnenen, noch nicht fein geschliffenen Skill habe ich dann die langsameren Sätze der zwei KinderSchülerkonzerte mal extra langsam und mit dem Ziel, auf jeder mindestens Viertelnote Vibrato zu benutzen, durchgespielt und das macht schon sehr sehr viel aus, jetzt schon. Ich freue mich auf den Feinschliff, ich glaube, der Grind wird sich am Ende wirklich auszahlen.

Noch eine etwas lustige Anekdote und ein Grund zur Freude: Herr Rabe (Jahrgang ’83) bekam heute seine Impf-SMS und hat nun einen Termin nächste Woche. Zwei Stunden später hatten sie sich zu Jahrgang ’85 durchgearbeitet und wenn ich wollte, könnte ich mich nächsten Dienstag gleich noch mal impfen lassen. Ich habe mich also tatsächlich nur um 1,5 Wochen vorgedrängelt, das ist ein bisschen beruhigend und das System benachrichtigt wirklich jede*n, das ist auch beruhigend, auch wenn’s bei mir jetzt unnötig war. (Ja, ich hab geguckt, ob es irgendwie möglich wäre, ein drei-Wochen-Intervall hinzumogeln, aber das haut mit der OP zeitlich nicht hin und 14 Tage nach dem OP-Termin waren noch keine Termine zu vergeben.)

Ich bin ja eh großer Fan von BankID.

Tag 2141 – Bloßkäse.

„Pippi, zieh ne Jacke an, bitte.“

„Nein, ich will nicht, mir ist nicht kalt.“

„Aber es regnet.“

„Wir können ja ne Jacke *mitnehmen*. Der Ordnung halber.“

(Warum man diesem Kind oft nichts abschlagen kann.)

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Michel: „Was ist das?“

„Tortellini.“

„Sind die gefüllt? Ich maaaaag nicht gefüllt!“

„Es ist bloß Käse, probier doch wenigstens erst!“

Michel: „Nein, ich mag das nicht, das weiß ich.“

Pippi: *probiert* „Hmmmmm, lecker, ich mag Bloßkäse!“

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Vibrato-Übung „Große Sirene“, im grunde Finger auf die Saite setzen und dann in großen, runden, weichen Bewegungen über das ganze Griffbrett schubbern. 1 Minute jede Saite jeder Finger, eine Woche lang geräuschlos, dann eine Woche mit Streichen. Dann in kleiner, eine Woche geräuschlos, eine Woche mit Streichen. Danach bin ich einem schönen Vibrato bestimmt schon viel näher, brauche aber sicher neue Saiten und vermutlich neue Fingerkuppen. (Ich hab mir das nicht so ausgedacht, ich mache da online so ein kleines Programm… fragen Sie nicht, es ist alles sehr rosa, aber klingt einleuchtend und hilfreich. Und wirkt tatsächlich schon ein wenig.)

Nein, die Finger sind nicht nass oder fettig, die sind nur blank poliert.

Tag 2128 – Gestern/heute.

Heute war nix, das ist schnell erzählt.

Gestern. Ich war, wegen meiner Bauchschmerzen, die mich immer noch immer mal wieder anfallsmäßig plagen (KEINE TIPPS!), beim Ultraschall. Leider hatte ich mich im Tag vertan (genau genommen sogar im Monat, ähäm) und musste fast drei Stunden warten, bis sie mich dazwischen schieben konnten. Das wäre nicht so schlimm gewesen, wenn ich nicht vorher nichts gegessen hätte – wie es im Infozettel zu dem Termin stand – und nicht einen Liter Wasser getrunken hätte – wie es auch in der Einladung stand – oder wenigstens aufs Klo gedurft hätte – raten Sie einfach. Als ich dann dran war, musste ich dem Arzt sagen, dass er bitte nicht so doll auf der Blase rumfahren soll, es sei denn, er möchte provozieren, dass ich auf die Liege pullere. Der Arzt war aber sehr vorsichtig und ich sehe innerlich komplett normal aus, bis auf eine grenzwertig große Milz (die aber, wie er meinte, nicht diese Schmerzen verursachen dürfte) und eine wenig überraschend absurd volle Blase und einen komplett leeren Magen. Auch die Blutwerte sind ok, insofern ist das vorläufige Fazit „Ursache nicht gefunden“, super, hab ich halt einfach so Schmerzen (KEINE, wirklich gar keine, Tipps bitte).

Ich wurde außerdem von einem Makler angeschrieben, ob das Haus, das wir Dienstag angeschaut hatten, denn wohl für uns in Frage käme. Meine Antwort war „hahaha Nein, das Haus entsprach nicht unseren Vorstellungen und der Standard rechtfertigt unserer Meinung nach nicht den veranschlagten Preis“ und damit wissen Sie jetzt auch so grob, wie diese Hausbesichtigung war. Neugierig darauf waren wir wegen der Lage geworden und weil die Bilder einiges versprachen, was dann aber der Realität nicht standhielt. Liebe Makler*Innen: Sie haben es selbst in der Hand, ob Leute realistische oder völlig überzogene Erwartungen an das Objekt haben. Zum Beispiel würde ich davon abraten, das Objektiv mit dem weitesten Winkel, das sie finden können, zu benutzen, damit der winzige Flur und die 60 cm breite Treppe aussehen wie eine herrschaftliche Eingangshalle oder das Klo, in das man rückwärts einparken muss, wie ein richtiges Badezimmer. Und vielleicht wäre es auch ratsam, Reparaturbedarf, Schäden und nicht zeitgemäße Kellertreppenlösungen nicht zu verschweigen.

Ich sehe es als erneute Übung im Justieren von Erwartungen und direktes Feedback geben.

Apropos Übung: ich habe mir ein einfaches Concerto runtergeladen und spiele das jetzt und das macht mich sehr sehr glücklich. Ich bin gar nicht so schlecht. Ok, es ist ein Stück für Schüler*Innen, die 2-3 Jahre Unterricht hatten und dementsprechend „unter meinem Niveau“, ähäm, aber ich finde, ich darf ein paar Erfolgserlebnisse haben. Außerdem gibt es auch da noch genug für mich zu tun, unter anderem ist mein Vibrato scheiße ausbaufähig und meine Dynamiken sind auch noch nicht differenziert genug (laut ist einfach. Leise hingegen… hmmmmmmnaja). Intonation mit dem 4. Finger ist auch nicht optimal. Was ich, das kann ich ja mal einfach so behaupten, gut kann sind Phrasierungen und generell Musikalität/Gefühl. Ist auch einfach, das Stück ist in h-Moll und voller Gefühl (Romantik halt) und ich wollte sowas immer spielen und meine Geigenlehrerin war aber eher so Team Telemann (schnarch). Kein Wunder, dass meine Motivation irgendwann sehr stark nachließ, diese Barockstücke klangen für mich alle gleich. Jetzt suche ich mir das selbst aus und Telemann ist da eher nicht dabei, fürs erste. (Hab ich erwähnt, dass ich auch im Blockflötenkreis der selben Lehrerin war? Noch mehr Barock, Hurra…)

Am liebsten würde ich an allen Ecken gleichzeitig bauen, reiße mich da aber am Riemen (ein wenig), mache Bogenübungen auf leeren Seiten und Vibratoübungen ganz ohne Instrument und übe Saite für Saite den Lagenwechsel zwischen 1. und 3. und kontrolliere brav mit leeren Saiten, die ich auch ständig nachstimmen muss, weil ich blöde Saiten hab vor allem das A halt. Und damit das halt nicht langweilig wird, ein kleines, schönes, einfaches Concerto.

Ich bin kurz davor, Herrn Rabe das E-Piano zu kaufen, das er sich wünscht, dann können wir zusammen spielen, das klingt dann (wenn ich irgendwann besser Vibrato kann) irgendwann so: Rieding op. 35. (Nehme an, auch Herr Rabe müsste da vielleicht erst mal ein bisschen üben.)

Tag 2124 – Du sollst nicht rückwärts finkeln!

Wir sind mit Käpt’n Blaubär jetzt in der Süßen Wüste angekommen und Michel wurde dementsprechend heute in die 12 Gesetze der Gimpel eingeweiht. Er findet das Buch immer noch sehr lustig und spannend und toll, hat jetzt aber ein bisschen Angst, versehentlich vorwärts oder rückwärts zu finkeln, weil er ja (genau wie die Gimpel, Käpt’n Blaubär und die Leser*Innen) nicht weiß, was finkeln sein soll.

Weiterhin ist Michel sehr sehr aufgeregt, weil er mit dem TranspirantAspirantkorps am 17. Mai mit dem richtigen Schulkorps mitmarschieren muss. Wir mussten gestern extra ein neues weißes Hemd kaufen (dieses Kind wächst so schnell und ist so ein Spargeltarzan, dass alles, was lang genug ist, breit genug für zwei Michels wäre) und ein T-Shirt für unten drunter, aus der Mädchenabteilung, weil Jungs offenbar keine unbedruckten, weißen T-Shirts tragen. Spielen muss er noch nicht, nur laufen, fragen Sie mich bitte nicht nach dem tieferen Sinn dieser Aktion, ich bin milde amüsiert und finde Michels Aufregung sehr putzig. Außerdem hab ich Ohrenstöpsel aus Wachs, falls, wovon ich ausgehe, der spielende Teil des Korpses seit 2019 nicht wesentlich besser geworden ist. Das Ganze findet natürlich ohne Publikum statt, es ist ja Corona. Keine Ahnung, ob wir uns überhaupt in der Nähe aufhalten dürfen.

Doktor Proktor lässt grüßen. (Ach guck, das könnten wir auch mal wieder lesen, das findet Michel bestimmt immer noch witzig.)

Ich selbst habe mir heute mit d-Moll in der 3. Lage einen abgebrochen, aber das ist ein anderes Thema. Ich sag es nur ungern, aber ein Klavier im Haus hat gewisse Vorteile, wenn man seit Ewigkeiten nicht mehr gezwungen war, Noten tatsächlich zu lesen oder harmonisch und melodisch Moll auseinanderzuhalten. Eieiei.

Tag 2118 – Und zurück.

Ich hab dann heute den Steg doch wieder einen Millimeter zurück platziert, weil mir der Klang nicht gefiel, der war nicht mehr so voll und warm und hatte was nasales. Jetzt glaube ich, einen guten Kompromiss gefunden zu haben, ich werde das aber weiter verfolgen. Kurzes Spielen ergab voll und warm auf den tieferen Seiten und einen klareren Ton (als vor den Umbauten) auf A und E. Und naja, als wär ich so gut, dass man das Maximum aus dem Instrument rausholen müsste, weil meine tausende Konzertbesucher*Innen sonst ihr Geld zurück fordern. Und ich hab dabei immerhin gelernt, welchen Effekt der Steg auf die Klangfarbe hat und welche Richtung was bewirkt. Ich habe ein paar Bogenübungen gemacht und es ist schon schön, etwas mehr Platz zum Streichen zu haben. Dritte Lage heute auch schon wieder besser als gestern.

Hach ja. Was war sonst? Nicht viel…

Wir haben, wie so Erwachsene, die ihr Leben im Griff haben, den Bezug der Matratze gewaschen und er ist tatsächlich wieder einigermaßen sauber geworden. Ein Hoch auf Dinge, die sich bei 60 Grad waschen lassen. Ein bisschen Angst hatte ich davor, den Bezug wieder auf die Matratze zu fummeln, das war aber überhaupt kein Problem.

Pippi und Michel waren auf je einem Geburtstag von Kindern aus ihren jeweiligen Kohorten. Während Pippi vollgefuttert mit Schokolade nach Hause kam, hatte Michel zu viel Spaß gehabt um zu essen und kam deshalb mit der Laune eines ausgehungerten Orks nach Hause. Wollte dann aber zum Abendessen nur Salat und einen Apfel – für ihn der Inbegriff gesunden Essens – wir sind also wieder in so einer Phase. Meist kommt ja kurz drauf eine Scheunendrescherphase und dann wächst das Kind wieder über Nacht aus der Hosengröße raus, aber ich finde, ein Kind darf durchaus ein paar mehr Reserven haben, als Michel das hat. Sonst weht der bei dem Wind hier noch irgendwann einfach davon. (Eine reellere Angst ist, dass ihn eine Magen-Darm-Grippe einfach aus den Latschen haut.)

Jetzt kam er soeben angetapst und legte sich zu uns ins Bett. Also auch so eine Phase ist immer noch/wieder. Mit Zähneknirschen und Bauchweh und es ist aber nichts. Sagt er. seufz.

Tag 2117 – Wagemut.

Also ein Gutes hat es ja, 1. erwachsen und 2. ohne Geigenlehrer*In zu sein. Ich verliere die Angst davor, sehr schnell irgendwas kaputt zu machen. Beispielsweise hat mir meine Geigenlehrerin damals neue Saiten aufgezogen, wenn es nötig war. Ich musste auch nie an den Wirbeln stimmen, sondern immer nur an den Feinstimmern und nur selten das A mit Stimmgabel stimmen – das hat sie mir immerhin beigebracht und dabei kann man ja auch nix kaputt machen, man muss nur echt gut hören können.

Da ja nach den Jahren die Saiten, die aufgezogen waren, hinüber waren, musste ich die ersetzen. Eine nach der anderen zog ich also neue Saiten auf und fühlte mich schon sehr mutig. Als ich fertig war, war aber der Steg ganz schief, das musste ich googeln, ob man den einfach beherzt-behutsam aufrichten kann (ja) und da fiel mir schon auf, dass mein Steg zu hoch steht.

Und wenn man das einmal gesehen hat, sieht man es ja immer wieder. Heute schaute ich zwei Videos über Bogentechniken und – Ja. Nee. Mein Steg steht viel zu hoch. Warum? Ich habe keine Ahnung. Ich hab da nicht so dran rumgefummelt, dass der gute 5 mm nach oben gerutscht sein kann, es sei denn, der ist halt mikrometerweise gewandert, aufgerichtet, gewandert, aufgerichtet… in den Jahren in denen ich aktiv gespielt habe? Und warum ist das meiner Lehrerin nicht aufgefallen? Oder ist das so ein Kinder-Ding, dass man denen den Steg höher stellt? Es ist seltsam.

Jedenfalls habe ich dann noch mal gegoogelt, gemessen, noch mal gemessen und dann hab ich die Saiten etwas gelockert und den Steg dahin gestellt, wo er hingehört. Schlimmstenfalls, dachte ich, muss ich danach zum Geigenbauer und mein Gemurkse korrigieren lassen, weil, keine Ahnung, der Stimmstock umgefallen ist oder so. Aber jetzt steht der Steg zwischen den inneren Kerben der F-Löcher, 33 cm vom Sattel und 5,5 cm von der Saitenaufhängung weg, deutlich näher am Stimmstock als vorher (ob das nun 3 oder 4 mm sind kann ich nicht messen). Morgen schaue ich noch mal nach dem Verhältnis zum Bassbalken, da habe ich nämlich hinterher erst einen Tipp gesehen, wie man das macht.

Nachher wieder gestimmt, Steg wieder ein bisschen aufgerichtet, wieder gestimmt. Jetzt bin ich sehr gespannt, wie sie morgen klingt, ich hab den Quatsch nämlich natürlich erst angefangen, nachdem ich bereits gute anderthalb Stunden geübt hatte… beim Stimmen klang sie nicht anders als sonst oder meine Ohren sind nicht gut genug, um einen Unterschied zu hören.

Insgesamt läuft es ok mit dem Spielen. Ich habe mich zu den Etüden in Es-Dur durchgeackert (das ist der Feind) und breche mir nicht mehr die Finger dabei, der rechte Arm tut auch wieder mehr, was er soll und ich kriege nur noch selten Krämpfe in der linken Hand. Alles in allem klingt es jetzt schon wieder viel besser als vor vier Wochen noch. Nachdem Pachelbel fast durchgehend im Originaltempo geht, ich aber noch das Angstgedächtnis vor den paar Tönen in der dritten Lage habe, wollte ich neulich mal „Einfache Etüden in der dritten Lage“ ausprobieren und – naja, Zahnarztbohrer klingen schöner, aber auch das ging heute beim 2. und intensiveren Versuch mit ständigem Kontrollieren und Korrigieren schon viel besser. Uff.

Leider ist da das Ende der Fahnenstange meines früheren Unterrichts dann bald erreicht. „Verbindung der 1., 2. und 3. Lage“ hatte ich noch, dann hab ich aufgehört. Aber vielleicht ist, bis ich da angekommen bin, ja auch Pandemie vorbei und ich kann mir eine*n Lehrer*In suchen. Bis dahin muss mir YouTube Dinge erklären und ich mich selbst korrigieren, das ist nicht optimal aber besser als gar nicht spielen.