Tag 2143 – Der Preis der Planbarkeit.

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Kommando zurück, Meckern hilft, heute Morgen hatte ich einen digitalen Brief mit einem Termin Mitte Juli.

(Gut, dass das Feuerchen noch nicht brannte.)

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Mitte Januar dachte ich, meine Schilddrüse würde irgendwann im Februar, vielleicht März, entfernt (das dachte auch die Endokrinologin im selben Krankenhaus, in dem die Operation stattfinden soll, und lud mich zu einem „Post-operativen“ Termin Mitte März ein). Mitte März wurde das auf 2-3 Monate später verschoben, also sagen wir mal so grob und großzügig Ende Juni. Heute rief ich an, um zu fragen, ob sie mir schon was sagen können: jein. Irgendwann im August, nicht vorher. Sie operieren weiterhin nur Krebs. Ja, schön, könnte man dann vielleicht den Endokrinolog*Innen IM SELBEN KRANKENHAUS mal mitteilen, die gehen nämlich davon aus, das ihre Patient*Innen zeitnah operiert werden. Das wurde mir letzte Woche noch von der Endokrinologin bestätigt. Naja, und weil mir „August“ zu vage war, rief ich noch mal an und bettelte quasi drum, etwas Genaueres zu hören: Ende August, falls es „dringend“ ist. Von den Chirurg*Innen als dringend eingestuft wird. (Da würd ich dann halt schon fragen, warum man seit Januar schieben kann, wenn’s doch dringend ist.) Sonst später. Wann, weiß man nicht. Halt frühestens Ende August.

Mit dieser unbefriedigenden Antwort suchte ich die Wartezeiten der anderen Krankenhäuser für diese Operation raus und verwarf dann die Idee, einfach in ein anderes Krankenhaus zu gehen. Mit Ahus bin ich zwar echt durch, aber leider wohl erst nachdem sie meine Schilddrüse herausgenommen haben. Die anderen haben zwar zum Teil kürzere Wartezeiten, aber da müsste ich erst mal wieder von vorne anfangen mit Voruntersuchung und allem. Bis dahin ist dann auch woanders August.

In meiner Verzweiflung rief ich sogar die Privatklinik an, die machen diese Operation auch, ja, auch kurzfristig, kein Problem, kostet [sehr viel Geld]. Zu viel. Das will ich mir eigentlich so nicht leisten, nur weil das öffentliche Gesundheitswesen und speziell dieses eine Krankenhaus Planungs- und Kommunikationsdefizite hat. Hrmpf.

Also schwebt das Damoklesschwert noch ne Weile über mir. Denn es ist ja nicht so, als würde das Krankenhaus da irgendwas kommunizieren, bevor sie mir einen Termin zuteilen. Nein, der Termin kommt dann irgendwann mit der Post und dann ist der da. Und wenn ich verschiebe, weil ich zum Beispiel arbeiten muss, dann schicken sie mir einen neuen mit der Post. Und wenn ich den dann auch wieder verschiebe, bewerten sie meinen Bedarf für diese Operation neu. Kein Witz. Weil ich dann ja offenbar nicht will. Dabei will ich doch nur ein bisschen Planbarkeit. Meine Flexibilitätskapazitäten sind wirklich aufgebraucht, ich will nicht mehr dauernd kurzfristig alles über den Haufen werfen müssen. Man kann sich da ja auf nichts einstellen, selbst wenn ich jetzt für September alle Inspektionen ablehne (not gonna happen!), heißt das ja nicht, dass dann nicht Ende September ein Brief mit einem Termin Ende Oktober kommt. Zu meinen bisherigen Erfahrungen würde das leider zu gut passen. Was machen andere Erwachsene da? Andere erwachsene Norweger*Innen? [Rhetorische Frage, keine Tipps, bitte.] Ab 1. August wöchentlich anrufen und den Status erfragen? Frau Rabe sägt Nerven? Hrmpf!

Ich atme jetzt einfach in eine Tüte, schiebe meine Aufgeregtheit über die irgendwann im Herbst oder später auf Zuruf stattfindende Operation auf meine kaputte Schilddrüse und andere hormonelle Wetterlagen und mache wooozaaa. Ich bin ein Gänseblümchen im Sonnenschein und so weiter.

Memo to self: für Ende Juni einen Termin zur Blutabnahme bei der Hausärztin machen. Dann im 6-Wochen-Rhythmus weiter, bis die Schilddrüse raus ist. Morgen bei der Endokrinologin anrufen, die interessiert das bestimmt auch, dass die Chirurg*Innen zur Zeit nicht operieren und eine lange Warteliste haben, bei der außerdem sie entscheiden, welche Fälle dringend sind und welche nicht.

Frau Rabe legt kleine Feuerchen.

Tag 2130 – Langer Tag.

Nur ne Liste:

  • Michel beim Hort abgeliefert
  • Nach Oslo gefahren
  • Im Stau gestanden (LKW-Unfall)
  • Für die Meerschweinchen ein Häuschen gekauft (gebraucht), damit sie den Sommer über draußen wohnen können
  • Zum Krankenhaus gefahren
  • Im Stau gestanden (selber LKW-Unfall)
  • Mit Pippi ins Krankenhaus, denn die musste aufs Klo. Pippi wegen der nicht vorhandenen Maskencompliance im Krankenhaus einen Mundschutz verkleinert. Pippi absolut alle verzaubern lassen
  • Blutprobe abgeliefert, dank Pippi einen glibber-Gecko als Prämie bekommen, weil ich nicht geweint habe. Pippi hätte nicht durchgehen lassen, hätte ich keinen bekommen
  • Bei der Arbeit geparkt, zu dritt (Herr Rabe, Pippi und ich) mit der T-Bane nach Oslo gefahren
  • Auf 4 Haltestellen ca. 30 mal gesagt, dass Pippi bitte nichts anlecken und sich nicht auf den Boden setzen soll
  • Mit Pippi im Dauerschwafelmodus zum Instrumentenladen in der Drogi-Gruselgegend gelaufen. Fast taub geworden wegen Großbaustelle mit Steine schneidenen Bauarbeitern
  • Beim Instrumentenladen eine Bestellung abgeholt. Sozial schwierig, war sehr voll da, kann mich nur noch schlecht zu vielen Leuten gleichzeitig verhalten
  • Mit Pippi (immer noch im Dauerschwafelmodus) Richtung Oslo S gegangen, da in der Nähe Herrn Rabe getroffen, der seinen Anzug von der Reinigung abgeholt hatte
  • Eis(-Kaffee) für alle, draußen verzehrt
  • Zurück zur Arbeit gefahren, dort alle ein Mal aufs Klo, Passwort geändert und wieder ins Auto
  • Im Stau gestanden (nicht der LKW-Unfall, einfach ganz normaler Freitagsnachmittagsverkehr aus Oslo raus)
  • Michel vom Hort wieder abgeholt
  • Die Familie zu Hause abgeliefert und wieder losgefahren
  • Ein neues Gestell für meine Brille bekommen. Selbes Gestell wie vorher, nur neu, auf Garantie, weil ein Brillengestell eigentlich länger halten sollte als ein Jahr, bevor der eine Bügel irreparabel hängt und die ganze Brille deshalb schief sitzt. Wundert mich nicht, dass die die Marke inzwischen gar nicht mehr haben
  • Kein e-Piano gekauft. Das gibt‘s erst, wenn die Schweinchen sicher draußen und draußen sicher sind
  • Apotheke, ich komme mit den Schilddrüsenblockern sonst nicht übers lange Wochenende
  • Wochenendeinkauf im Supermarkt
  • Herrn Rabe nach draußen gejagt, auf dass er laufe. Leider mit dem Timing voll einen Wolkenbruch mitgenommen
  • Geige gespielt, Essen, Kinder ins Bett, Sofa. Kein Nerv mehr für soziale Interaktion (sorry, Twitterkneipe)

(Habe Pippi schrecklich lieb, aber nach 5 Stunden mit ihr bluten zur Zeit meine Ohren. Wie viele Worte in so einer Fünfjährigen sind!)

Tag 2119 – MMM.

Manic meeting monday. Und danach noch „echte“ Arbeit machen müssen. Den Lack gibt es inzwischen zu Schleuderpreisen, anders kann ich mir… Dinge nicht erklären, und überhaupt, Zyklusendlaune ist da auch keine Hilfe.

Schokolade hilft. Und Weingummi. Ich sehe schon ein neues Klamottenproblem auf mich zukommen, wenn die Pandemie irgendwann mal vorbei ist.

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Schon eine Woche nehme ich jetzt morgens Levaxin und warte danach brav mindestens 30, in der Realität eher 60-90 Minuten, bevor ich Kaffee trinke. Es ist ein seltsames Gefühl, dass ich das jetzt den Rest meines Lebens machen muss. Und ich freue mich schon auf das Pflegepersonal im Krankenhaus, das mich um sechs aus dem Bett wirft, um meine Tablette zu nehmen, damit ich um sieben frühstücken „darf“. Um solche Uhrzeiten spricht man mich besser gar nicht an.

(Bin trotzdem froh, wenn die Schilddrüse raus ist.)

Tag 2112 – Keine Worte mehr.

Ich bin leer geredet. Heute schon wieder Meeting auf Dänisch, meine Gügll diglll Sprache. Meine Theorie ist: die Dänen verstehen sich selbst gegenseitig nicht, besonders Zahlen sind willkürlich aneinander gereihte Silben, die individuell mit Wert bemessen werden. Kamelåså.

Morgen auch noch mal, mit der Dänischen Behörde. Lä-ämigglllstyrlll heißt die, echt wahr.

Generell ist Montag immer Meeting-Tag und ich fand das heute sehr nervig. Ich will nicht sieben Stunden lang nahezu ohne Unterbrechung in einen Bildschirm starren. Will nicht will nicht will nicht.

Nebenbei hab ich in der Weltgeschichte herumtelefoniert und beispielsweise Medikamentierungsfragen, die beim Lesen von Beipackzetteln so auftauchen können, beantwortet bekommen. Seit ich viel mit PharmazeutInnen zusammen arbeite, habe ich zwar eine gewisse Skepsis, was die Kenntnis von Mediziner*Innen über Wechselwirkungen angeht, aber dies war eine Frage, die sich mit Erfahrung >> 1 Patientin* sicher lösen lässt, nichts spezielles**. Eine Antwort bekam ich dann auch schnell und bin beruhigt.

Bitte lesen Sie immer die Packungsbeilage und bewahren Sie diese auch auf, bis das Medikament aufgebraucht oder abgelaufen ist. Abgelaufene Medikamente sollte man nicht mehr nehmen, die kann man zur nächsten Apotheke bringen, da werden sie entsorgt***.

Hilfe, alle Sätze sind schon ganz schief, ich muss die Augen zu machen.

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*also Leute vom Fach statt mir

Und Dr. Google hilft nur in seltensten Fällen überhaupt, aber bei Schilddrüsensachen noch mal weniger. Vielleicht ist das ja ein bisher unerkanntes Schilddrüsensymtom: nervtötender Diskutierdrang mit Schwurbelneigung.

***ohne Gewähr, dass sich in Deutschland diese Praxis nicht in den letzten 7,5 Jahren geändert hat oder dass wegen Corona alles nur in mehreren Lagen reinraumgerechten Einwegmaterials**** verpackt abgegeben werden kann.

***Ich bin heute über einen ISO-Standard zu Tests und Akzeptanzkriterien für die Überprüfung der Versiegelung schlusssterilisierter Medizinprodukte gestolpert. Wir leben in aufregenden Zeiten.

Tag 2107 – 2106 Absurditäten recap.

Außer der online-Konferenz waren gestern drei bemerkenswerte Dinge.

1. Online-Ärztinnentermin mit der Endokrinologin aus dem Krankenhaus. Endlich. Der Chirurgentermin ist ja inzwischen auch einen Monat her. Die gute Nachricht: ich bin nicht hypo. Ich fühl mich zwar so, aber es ist ja auch Frühling und Pandemie und Sommerzeit und all so Kram, da kann man schon mal müde sein bei ganz normaler Stoffwechsellage. Die schlechte Nachricht: die Chirurgie hat da halt mal einfach die Richtlinien geändert, ohne das der Endokrinologie mitzuteilen und will jetzt alle Patient*Innen mit Graves auf Block&Replace haben, bevor sie operieren. Ja gut, hätte die Endokrinologin das gewusst, hätte sie das ja schon viel früher eintüten können. Die Endokrinologin ist davon allerdings gar nicht mal so angetan, weil sie sagt, es gibt dazu keine guten Studien und ich bin ja auf einer Erhaltungsdosis Schilddrüsenblocker stabil euthyreot, warum also daran mehr herumdoktern, als sein muss? Naja, weil die Chirurgen das halt so wollen und deshalb machen wir das jetzt. Gestern habe ich die Dosis der Blocker verdoppelt, nächste Woche fange ich mit Thyroxin an, dann Mitte Mai wieder Termin mit der Endokrinologin, online. Online Sprechstunden topp, Rest – äh. Spitzen Kommunikation da in einem der größten Krankenhäuser Norwegens.

2. Mail- tüdelümm: „Hier die Polizei. Sie hatten einen Termin zur Abgabe Ihres Antrags auf norwegische Staatsbürgerschaft, der aufgrund der Pandemie abgesagt werden musste. Wir haben einen neuen Termin für Sie, bitte kommen sie nächsten Samstag.“ woraufhin ich ein wenig hektisch checkte, ob mein Polizeiattest eigentlich noch gültig ist, ich hätte nämlich keine Chance, bis Samstag ein neues zu organisieren. Aber ja, es ist noch gültig. (Fragen Sie mich bitte nicht, warum ich bei der Polizei ein Polizeiattest abgeben muss.)

3. Online-Vorbereitungstermin zum online-Elternabend von Michels Klasse. Man merkt, dass die Lehrerinnen nicht so viel Erfahrung mit Teams haben (hier haben ja aus politischen, ansonsten nicht nachvollziehbaren Gründen, die Schulen nahezu Inzidenzunabhängig auf und Fernunterricht in der Grundschule kommt nicht in die Tüte. Man merkt auch, dass die Schule das nicht hat – die Schulleitung hat vorgegeben, dass es keine Diskussion auf dem Elternabend geben soll, keine spontanen Wortmeldungen, das sei, bei der zu erwartenden Anzahl Teilnehmender, zu unübersichtlich. Ich sag mal so – wenn da 25 Leute kommen, wäre das viel. Warum soll man da denn nicht diskutieren oder generell was sagen können? Kann sich die Schule nach einem Jahr Pandemie immer noch nicht mal ansatzweise vorstellen, dass einige von uns den ganzen Tag zu Hause sitzen und da die selbe Arbeit machen wie vorher, nur in Socken und Jogginghosen??? Ich möchte behaupten, dass die Schnittmenge zu denjenigen, die an einem online-Elternabend teilnehmen möchten, relativ groß sein dürfte. Wobei das Interesse nach der Ansage auch ordentlich sinken dürfte, denn weshalb sollte man denn dann da auflaufen? Um sein Gesicht zu zeigen und zu signalisieren, dass man sich für sein Kind interessiert (hier Augenrollen denken. Selbiges kann ich auf hundert sinnvollere Arten tun, gleichzeitig kann ich prima Interesse heucheln, indem ich öffentlichkeitswirksam zum Elternabend gehe, mich aber zu Hause für das Kind nen Scheiß interessiere. Aber das nur am Rande.) und sich das ewig gleiche Geseier über das Anti-Mobbingkonzept anzuhören, das in der Praxis unterirdisch zu funktionieren scheint. Wäre ich nicht Elternvertreterin, ich würde den Abend wohl anders verbringen.

Nun denn, genug aus Absurdistan berichtet, jetzt fix schlafen.

Tag 2074 – Drei Monate.

Heute war ich im Krankenhaus, zur Vorbesprechung der Operation zur Schilddrüsenentfernung. Das war so lala, muss ich sagen. Erstens wird ja zur Zeit hier alles abgesagt, was planbar und, Zitat, „kein Krebs“ ist. Ich muss auch sagen, ich muss nicht gerade jetzt im Krankenhaus liegen, während dieses Krankenhaus keinerlei freie Intensivkapazitäten mehr hat. Aber das ist nur ein Teil des Problems, denn der Chirurg möchte gerne, dass ich vorher eine sogenannte Block and Replace-Therapie mache, damit meine Schilddrüse schon mal einschrumpelt. Bisher mache ich nur Block, nehme also Schilddrüsenblocker, damit meine Schilddrüse auf ein normales Maß gedrosselt wird. Replace wäre Einnahme von L-Thyroxin, damit meine Schilddrüse schon so richtig faul wird und gar nix mehr macht. Dann schrumpft sie (auf ein normales Maß zurück oder kleiner) und dann lässt sie sich auch besser operieren. Das heißt in meinem Laienohr aber: ich würde dann in eine Unterfunktion gehen, mit allem, was dazu gehört*. Schmöschte das nischt. Nun muss ich erst wieder mit der Endokrinologin sprechen, was die dazu meint. Der Chirurg meinte, er und ich sprechen uns in zwei Monaten wieder. Wenn sie dann „auf den roten Knopf drücken“, ist die Zeit bis zur OP drei bis vier Wochen. Das wäre am Anfang der Sommerferien. Genau, wie ich mir selbige vorgestellt hatte. Nicht!

Ansonsten wurde ich über mögliche Komplikationen aufgeklärt und es wurde ein Ultraschall der Schilddrüse gemacht. Meine Schilddrüse ist, laut Chirurg, geprägt von jahrelanger Entzündung, leicht vergrößert und stark durchblutet. Aber kein Krebs, keine Knoten, nix, wie im Morbus-Basedow-Bilderbuch.

Die beste Krankheit taugt nix, echt.

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*Müdigkeit, Gewichtszunahme, in meinem Fall auch Risiko auf Gollumaugenscheiße

Tag 2054 – Nicht vergessen.

Ich hab nicht so viel Lust zu Bloggen, es gibt auch eh nichts zu erzählen. Die Nachbarn tauen langsam wieder auf und man sieht jetzt tatsächlich hin und wieder wieder Leute draußen. Ich feuere den Schnee an, schneller zu tauen, ich möchte wieder im Garten buddeln. Herr Rabe hat Carona gewaschen, die hatte es sehr sehr dringend nötig (dass man das Nummernschild hinten nicht mehr erkennen kann ist in Norwegen ja im Winter fast üblich, aber mich macht es trotzdem nervös). Drei Maschinen Wäsche habe ich auch gewaschen, morgen werden noch einige folgen. Ich hab mich auch über einen Klimaabdruck-Test gewundert, der mehrere Maschinen Wäsche pro Woche (pro Haushalt!) als irgendwie schlimm ansah, aber was sollen wir denn machen, die dreckige Wäsche wegwerfen, statt sie zu waschen? Klar ist norwegisches Tauwetter und Kinder eine extreme Kombi was die Dreckwäsche angeht, aber mei, Wäsche wird dreckig und dann gewaschen, wenn eine volle Maschine des betreffenden Wäschetyps gesammelt ist. Oder halt erst, wenn es eigentlich schon 2 Maschinen sind, momentan sind wir eher da, leider.

Jetzt gehe ich ins Bett, vorher darf ich nicht vergessen, noch meine Schilddrüsentablette zu nehmen. Abends vergesse ich die gerne, weil ich sie nicht auf dem Tisch stehen haben will und sie im Küchenschrank parke (Medikamentenkiste ist nicht zweckmäßig bei Einnahme zwei mal täglich) und dann dort vergesse, wenn wir essen. Ist aber auch nicht so schlimm, der Spiegel hält ne Weile.

Tag 2015 – Here we go again.

Nun. Ich und meine FFP2-Maske waren sehr tapfer bei der Untersuchung bei der Endokrinologin im Krankenhaus. Die Endokrinologin trug auch einen Mundschutz. Immerhin.

Meine Schilddrüsenwerte sind jetzt ok, die Antikörper steigen aber unbeeindruckt weiter. Ich habe gegen die anhaltenden Symptome Betablocker bekommen, die nehme ich jetzt also wieder. Diesmal war ich schlau und hab die erste Dosis erst abends genommen, da macht es nichts, wenn ich plötzlich in Tiefschlaf falle.

Die Schilddrüse muss weg. Es hat keinen Zweck, bei so kurzen Intervallen zwischen den Rückfällen noch auf dauerhafte Remission zu hoffen und das hin und her ist belastend für mich und meinen Körper.

Radioaktives Jod kommt leider nicht in Frage. „So wie ihre Augen aussehen… da müssten wir hohe Dosen Steroide geben, glauben Sie mir, das wollen Sie noch weniger!“. Ich find gar nicht, dass ich jetzt besonders schlimm aussehe. Puffy halt. Und ungeschminkt, wegen furchtbarer Nacht. Vielleicht hab ich mich auch einfach an meinen verquollenen Look gewöhnt, immerhin hab ich jetzt seit ziemlich genau 7 Jahren immer wieder mit dem Scheiß zu tun.

Also Operation. Das Gute daran: da ist die Schilddrüsen-Aktivität sofort weg und nimmt nicht erst kurz massiv zu und dann langsam ab, wie bei Radiojodbehandlung. Die Endokrinologin hat gleich notiert, dass ich anschließend eine hohe Thyroxindosis kriegen soll, wegen, eben, der Augen. Die Augen, die Augen. Seufz. Aber dann muss ich auch nicht befürchten, ein ungeahnt müder Haufen zu werden. Weniger gereizt als jetzt wäre aber schon auch nett.

Nach dem Termin fuhr ich wieder nach Hause, stand im Stau, fuhr durch Schnee, Schneematsch und Matsch und als ich zu Hause ankam war ich völlig fertig, vom Termin, vom Fahren, von allem. Ich mache drei Kreuze, wenn dieses Kapitel in vier bis acht Wochen abgeschlossen wird. Das war eine doofe Staffel.

Leider gibt’s hier nix fröhlicheres zu berichten. „Die beste Krankheit taugt nix“, sagte mein Opa immer.

Tag 2013 – Kurz Frust ablassen.

Bitte keine Tipps. Danke.

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Ich mag nicht mehr. Ich liege im Bett und schwitze. Ich sitze am Tisch und schwitze. Es ist ein Vorgeschmack auf die Wechseljahre, was mein Körper grad abzieht, ich schwitze einfach permanent. Und zwar nicht so ein bisschen, sondern so, dass ich täglich meine Kleidung wechseln muss, weil sie durchgeschwitzt ist (und, ja, auch so riecht, dabei trage ich nur noch Baumwolle). Ich schwitze dicke Baumwollpullover durch, sodass die Achseln hinterher richtig nass sind. ich schwitze am Rücken, unter den und zwischen den Brüsten, im Gesicht, unter den Achseln, an Händen und Füßen, in den Kniekehlen, an den Hand- und Fußgelenken, am Po. Ich möchte in Deo baden, aber das Deo hilft ja schon an den dafür vorgesehenen Stellen nix. Nachts möchte ich, zum ersten Mal überhaupt, am liebsten alleine schlafen, weil Herr Rabe darauf besteht, dass das Fenster zu (und die Heizung an) bleibt, wenn draußen zweistellige Minusgrade herrschen. Ich will gar nicht wissen, wie viele Liter ich nachts zur Zeit ausschwitze, jedenfalls ist jeden Morgen mein T-Shirt nass und die Bettdecke feucht. Jeden Morgen. Ich möchte am liebsten ständig alles waschen und auch ständig duschen, weil ich mich vor mir selbst ekle. Dabei kenne ich ja übermäßiges Schwitzen (auch ohne körperliche Aktivität) seit der Pubertät und komme normalerweise ganz gut damit zurecht, aber das hier ist eine andere Dimension von Schwitzen. Es ist, als könne mein Körper Temperatur gar nicht mehr regulieren.

Es ist gar nicht mal so einfach, so viel zu trinken, dass diese permanente Schwitzerei ausgeglichen wird. Ich habe ziemlich oft Durst und wache morgens durstig auf. Kein Wunder.

Ich will das alles nicht mehr. Vor allem will ich nicht, dass mir bei solchen Symptomen erklärt wird, ich habe, laut Blutbild und wenn man nur einen von drei Werten ansieht, gar keine Hyperthyreose. Halb hoffe ich, dass meine Blutwerte morgen katastrophal sind, damit ich wenigstens dieser Diskussion entkomme. Natürlich käme ich nicht ganz um eine Diskussion herum, weil ich die Endokrinologin dann leider auch ganz ernsthaft fragen müsste, warum meine Einschätzung meiner eigenen körperlichen Symptome bei der Dosisfindung nur unzulänglich berücksichtigt wurde*. Ganz hoffe ich, dass es schnell ein Ende findet. Irgendwie. Es soll einfach aufhören. Raus damit, Zackzack. Ja, Corona, ja, hab ich Angst vor, ja, auch vor ner Vollnarkose hab ich furchtbare Angst. Aber das hier ist kein Zustand mehr.

Und dann wieder ist da diese schreckliche Angst, dass in 30-50 Jahren die Medikamentenversorgung eine einzige Blackbox ist, genau wie die Weltpolitik und die Wirtschaftssysteme, bedingt durch die Klimakrise. Vielleicht wünsche ich mir dann den Schweiß zurück, wenn ich für Thyroxintabletten mein letztes Hemd und zehn Flaschen illegal gebrannten Vodka geben muss.

Aber die Angst schiebe ich jetzt weg. Es reicht. Ich mag nicht mehr und es gibt eine Lösung.

Tschakka.

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Wirklich, bitte keine Tipps. Danke.

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*sich permanent über alles aufregen ist ja auch ein Symptom, ich weiß nicht, ob die wirklich möchten, dass ich in meinem momentanen Zustand mit denen diskutiere, ich höre dann nämlich nicht mehr auf. Ich könnte einfach permanent an die Decke gehen, das ist auch ein Symptom, und ich hab richtig Lust, das endlich an der richtigen Stelle abzulassen. Das wird aber für die Endokrinologin nicht schön.

Tag 1986 – Uffffffz.

Ich habe schrecklichen Hunger. Mein Blutergebnis konnte ich heute auf der Webseite des Analyselabors ansehen und, ja. Naja. Sagen wir es mal so: ich bin gespannt, was meine Hausärztin dazu sagt. Weil ft3 und ft4 grad noch so im Rahmen sind, (aber wirklich haarscharf), TSH aber wieder nicht mehr messbar. Antikörper hoch. Tjanun.

(Was nun, tja. Muss wohl raus, mit gehen die Argumente für Drinlassen einfach langsam aus.)

Ich werde also gleich noch was essen, meine zweite halbe Dosis der massiv erhöhten Schilddrüsenblockerdosis nehmen und dann einfach ins Bett plumpsen. Ich habe nämlich heute 8/11 von knapp 40 qm Stapelregaloberfläche geölt. Ich hab eine Blase (am gleichen Finger, an dem ich auch schon eine Blase vom zusammenbauen habe) und meine Arme sind leer gemalt.

Irgendwie hatte ich mir das mit den teuren Designermöbeln weniger arbeitsintensiv vorgestellt.

Apropos snobbish: heute war ein Maler da und hat unser Treppenhaus gestrichen. Yeah! (Im Ernst: sehr yeah. Wenn ich groß und/oder reich bin, lasse ich nur noch Profis ran, an alles.)

Herr Rabe streicht derweil immer noch Michels Zimmer. Das ist besser als PlayStation spielen, aber dafür liegt Michel jetzt in unserem Bett, das ist nicht so cool. Die Farben, die sich Michel ausgesucht hat, sind jedenfalls… intensiv:

Er wollte es so und er findet es gut.