Tag 1517 – Örgs.

Hässliche Zahl. Dachte, vielleicht wird’s mit der Quersumme besser, aber die ist 2×7, die 7 ist einfach immer da, Irgs.

Aber so fühle ich mich generell heute. Machste nix. Depri-PMS-Tag, kein Antrieb, keine Wut mehr dafür grundlos traurig, alles Käse. Es wurde erst besser, als ich zweieinhalb Stunden gearbeitet hatte, der Batzen „Muss unbedingt noch!“ schabte fies im Unterbewusstsein herum. Jetzt ist es erledigt.

Ich hab die Kinder so lieb. An so Tagen wie heute, wo ich gleichzeitig alleine irgendwo rumliegen und mich genüsslich bedauern will und mir eine Bullerbü-Welt wünsche, in der die Kinder der (ja schon irgendwie) kranken Mutter Tee und Zuckergebäck ans Bett bringen, fällt mir das immer noch mal extra auf.

Michel kann jetzt langsam flüssig lesen. Man merkt, dass er nicht mehr jeden Buchstaben einzeln erfasst sondern langsam ganze Silben oder kurze Worte auf einmal. Das macht mich sehr glücklich, weil das ja eine Grundvoraussetzung dafür ist, dass ich nicht noch fünf mal Jungelens Dronning vorlesen muss er selbst auch Bücher lesen kann. Bisher liest er am liebsten Comics und die sauteuren Kinder-Quengel-Hefte mit Spielzeug von der Supermarktkasse. Gestern hat er sich selbst eine Lego-Ninjago-Masters-of-Spinjitzu-JETZT NEU MIT FEUER UND EIS!!!-Zeitschrift gekauft und ist sehr glücklich damit. Hach, hach. Ich sehe da eine große Karriere als Leseratte voraus.

Apropos (weiter oben) Zuckergebäck: ich fühle mich stark zurückversetzt in die beiden Schwangerschaften, als mich fieses Sodbrennen plagte, weil die Rübennasen gerne ihren Kopf gegen meinen Magen drückten. Nur ist dieses Mal kein extra Mensch in mir, sondern nur nach wie vor die Schulter kaputt und die Ärztin hat die Dosis des Schmerzmittels erhöht. Sie hat mir sogar extra Protonenpumpenhemmer dazu verschrieben, die ich auch brav nehme, nur scheinen die nicht so mega viel zu bringen. Und anders als in den Schwangerschaften helfen auch weder Mandeln noch kalte Milch in kleinen Schlucken. Muss mich also wohl entscheiden zwischen zwei Auas. Super.

Hatte mir das mit dem älter werden anders vorgestellt. Weniger Au und weniger wäh und dafür mehr graue Haare.

Tag 1504 – Grüße aus dem hohen Norden.

Absolut bescheiden geschlafen. Warum möchten Kinder immer ihre Beine auf eine*n drauflegen?

Dafür hab ich mich heute wahrlich wacker geschlagen. Ich war fast pünktlich aus dem Haus und mit einem kleinen Rollkoffer-Hochhackige-Stiefeletten-Sprint habe ich noch den Bus erwischt. Der Zug von Lillehammer nach Oslo war 3 Minuten zu spät, den habe ich also auch noch bekommen. Dann stand ich überraschend lange am Bag-Drop-Off-Label-Print-Automaten, dann überraschend lange in der Sicherheitskontrollenschlange, dann überraschend lange in der Kaffeebarschlange und dann war das Gate in Terminal B und da muss man ein Stückchen weiter hinlaufen als zu A und als ich dann am Gate ankam, hatte das Boarding grad begonnen und meine Kollegin sah sich schon leicht hektisch nach mir um. Ich war aber weiterhin hundemüde tiefenentspannt und boardete so vor mich hin, als ich plötzlich einen Krümel im Mund hatte, der sich anfühlte wie ein Sandkorn und der eine Miniecke meines rechten oberen Schneidezahns war. Super. Aber nicht zu ändern. Ich inspizierte mit meiner Handykamera den Zahn auf weitere Schäden, fand aber keine und beschloss dann, dass es nicht so schlimm ist. Passiert.

Im Flugzeug dann auch entspannt und gegen die Müdigkeit zum Zeitvertreib die Präsentation so weit überarbeitet, dass jetzt alle Schriften einheitlich groß sind und Überschrift und Fußzeile immer an der selben Stelle. Eigentlich PowerPoint 101 aber die Präsentation ist ja quasi geerbt und vorher „natürlich gewachsen“, sprich, etwa 5 verschiedene Leute haben hier und da dran rumgepfuscht gearbeitet. Aber jetzt ist alles hübsch und wenn meine Kollegen lieb bitte sagen, leg ich meine Version sogar auf den Server, da bin ich ja nicht so.

Dann Inspektion. So ein schöner Dialekt hier. Love it. Ansonsten – neuer Hersteller, neue Seltsamkeiten. Love that one too.

Abends dann unverantwortlich viel Knoblauch gegessen, sorry Mitmenschen morgen. Aber lecker war’s und voll im Tagessatz. Hotel auch sehr schön, alles ganz neu, das ist schon cool, und ich hab mega viele und dicke Kissen, zu viele sogar, dass ich das noch mal sage. Dabei hab ich sogar meinen Teddy vergessen.

Leider Nacken-Schulterschmerzen aus der Hölle. Deshalb abends erst 35 Minuten bei kurz-vor-laufen-Geschwindigkeit (und mit mitgebrachten Sportschuhen) auf dem Laufband gegangen, dann noch 15 Minuten Krafttraining für Schultern, Arme und Bauch. Seither schmerzfrei, aber ich kann jetzt echt nicht täglich eine Stunde Sport einschieben damit mein Schmerzlevel unter Ich-beiß-gleich-wen kommt. Das kann’s echt alles nicht sein.

Aber echt ein guter Tag, so insgesamt. Trotz müde und aua.

Tag 1488 – Schläfriger Samstag.

Heute ausgeschlafen, sehr gründlich, das war schön. Dann den Tag irgendwie zum Großteil mit im Nachhinein nicht mehr nachzuvollziehenden Tätigkeiten verdödelt, Ernten, Einkaufen und nach 30 Minuten Autofahrt solche Schmerzen in der Schulter, dass auf dem Rückweg Herr Rabe fahren musste, ich motzend das Auto ausgeräumt habe (während der Rest der Familie herumstand), wütend Salbe auf die Schulter geschmiert habe und wütend ins Bett gegangen bin. Bei Michel entschuldigt, der irgendwann kam, weil ich ihn so angeranzt hatte (beide Kinder waren heute wieder im „ICH WILL JETZT SOFORT, MAMA, WIESO SPRINGST DU NICHT SOFORT???“-Modus und das kombiniert mit Schmerzen geht bei mir nicht so gut. Michel ist ein sehr empathischer kleiner Zwerg und lieg mir seine Eule, die Herr Rabe in der Mikrowelle warm machte. Michel kam dann mit der Eule, streichelte meine Schulter („tut das weh, wenn ich das anfasse?“) und sagte, er hoffe, dass es mir bald wieder gut ginge. Hach, hach, ich hab schon tolle Kinder.

Dann bin ich halt auf dem Wärmekissen eingeschlafen.

Hoffentlich hilft’s, gegen was auch immer.

Tag 1484 – Gepuzzel.

Follow-up Schulter und Daumen. Ich habe heute meine tatsächliche Hausärztin kennen gelernt, die war jetzt ein Jahr in Elternzeit. Mein Stoffwechsel ist grad ok, das ist das Gute, die Ärztin ist auch nett, das ist auch gut, die Ärztin war auch nicht so alarmiert, dass bildgebendes Tralala angeleiert wird, das ist wohl auch gut. Dafür habe ich jetzt eine Packung von dem Zeug, was auch in der wohlriechenden Salbe ist, in Tablettenform zur Behandlung von innen und obendrein Physiotherapie gewonnen. Ich wurde sehr gelobt für mein Training und meine Gesamtfitness, ich soll aber erst mal die Arme generell nicht über Schulterhöhe und nicht unter Belastung vor dem Körper heben. Das muss eben die Physiotherapie richten. Das wird unter Umständen ganz schön teuer aber vor allem wird es ein lustiges Gebastel, das in meinen Terminkalender einzubauen. Also, wenn ich dann mal nen Termin hab, denn die Physiotherapeuten, die ich nicht komplett selbst bezahlen muss, haben wohl ganz ordentliche Wartelisten. (Aber ist es mir das wert, sofort einen Termin zu kriegen, dafür aber das Dreifache für jeden Termin zu zahlen? Hahaha, nein.) Aber egal, Hauptsache es hilft.

Und wenn der Daumen irgendwie anders wird, egal wie, soll ich sofort wieder kommen, das ist ja halbwegs erfreulich. Vor allem finde ich überaus sympathisch, dass die Ärztin da geradeheraus sagt: ich weiß nicht, was das ist, es kommt mir komisch vor und ich höre mich mal ein bisschen um, ich melde mich wenn ich ne Idee hab.

(Hoffentlich hat sie keine Idee, die dann wieder weitere drülfzig Termine nach sich zieht.)

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Ansonsten heute traurig. Das schöne Wochenende ist halt vorbei. So schön es war, hab ich aber auch zu wenig geschlafen und eventuell will mein Körper nach nur drei Wochen schon wieder einen Zyklus beenden, das schlägt alles auf die Laune.

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Michel hat Sportzeug vom Sport-Hort bekommen. Hier ist jemand sehr sehr stolz und jemand anderes ist sehr verwundert, wie groß ihre Kinder plötzlich beide geworden sind. Hammer.

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Pippi hat heute meine Zugangskarte von der Arbeit „vorgelesen“. Da steht drauf: „MAMA GEHT ZUR ARBEIT“. Nämlich. (Die kleine Zwergmaus kann ein astreines gekratztes R. Nämlich am Anfang meines Vornamens. Aber auch nur da. Faszinierend.)

Tag 1477 – Warm. Und au.

Ja, also Wärme hilft bei der Schulter ganz gut anscheinend. Heute jedenfalls war es sehr warm und in voller Schutzkleidungsmontur mit Helm und Sicherheitsschuhen und all dem neben kuschlig warmen Reaktoren stehen… naja. Meine Uhr dachte, ich würde trainieren.

Apropos au: was ja auch hilft auch gegen Schulterschmerzen ist Gehen. Schnelles gehen kann man, wenn man in einem Ort ist, den man nicht kennt und in dem man deshalb nicht unbedingt im Dunkeln herumlaufen will, auch auf einem Laufband im Hotel. Barfuß gehen ist gesund, sagen immer alle. Schnell barfuß gehen auf einem Laufband hat mir aber soeben die zweitschlimmsten* Blasen meines ganzen Lebens eingebracht und morgen muss ich wohl im Rollstuhl inspizieren.

Aber immerhin sind die Schulterschmerzen ganz ohne Medikamente grad fast weg. Nur der Daumen, der ist immer noch taub.

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*die schlimmsten waren, als ich als Kind mal barfuß sehr weit über sehr heißen Asphalt gelaufen bin. Aber das jetzt ist da gar nicht mal so weit entfernt von.

Tag 1476 – Muffelgrummel.

Die Schulter/der Daumen/inzwischen, seien wir mal ehrlich, der halbe obere Rücken plus Nacken macht derbe schlechte Laune auf Dauer. Ich kann nicht so ganz wie ich will, zudem ziehen die Schmerzen nach oben in den Kopf und das ist alles sehr ungünstig, denn morgen und übermorgen ist Inspektion. Heute habe ich gepackt, Reiseportiönchen von Shampoo, Haarwachs, Abschminkzeug etc. neu abgefüllt und beschlossen, meine Kollegin morgen zu schocken, indem ich einen Rock anziehe. Es sollen nämlich 28 Grad werden, da habe ich null Lust auf lange Hosen den ganzen Tag, aber es ist ja auch Inspektion und eher eine von der Bauarbeiterhelm-Sorte, also nix mit Röcken, Sicherheitsschuhe sind angesagt. Natürlich werde ich aus dem Grund eine Hose griffbereit haben, aber ich will gern meine Kollegin ein bisschen ärgern und bin auch mal gespannt, was die beim Hersteller machen oder sagen.

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Ich werd die Kinder vermissen.

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Heute vier Liter Wasser getrunken, aber im Leben nicht so viel auf dem Klo gewesen. Ich sehe aus, als wär ich im 5. Monat schwanger. Trägt auch nicht grad zum allgemeinen Wohlbefinden bei.

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Im Meeting heute gelernt: ich hab unsere seltsame Unternehmensstruktur immer noch nicht so richtig kapiert. Direkt danach eine Checkliste zum Thema „Grundsätzliches Qualitätsmanagement“ erstellt und da ist einer der allerersten Punkte „Verantwortungen müssen klar verteilt sein“. Hmmhmmhmm. (Bestimmt bin ich nur zu doof.)

Tag 1472 – Ein Hoch auf die Pharmaindustrie!

Nicht nur sorgt sie indirekt für Brot auf unserem Tisch, nein, sie hat COX-Hemmer hervorgebracht. COX-Hemmer sind nichtsteroidale Analgetika und ich hänge vielleicht zu viel mit Pharmazeut*Innen ab, merke ich gerade. Jedenfalls, die meisten von Ihnen kennen bestimmt den Geruch dieser geligen Sportsalbe, so ein bisschen alkoholisch…? Es erinnert mich direkt an früher, als ich noch Leistungssport machte und mir dauernd die Oberschenkeladduktoren zerrte oder meine Brustwirbel in der Trainingspause im Sommer herausflogen. Hach. Eigentlich hab ich das gar nicht vermisst, aber die gute Nachricht ist: die Salbe wirkt, ich bin grad nahezu schmerzfrei und solange ich mich bewege oder den Arm senkrecht nach oben strecke, hab ich auch Gefühl im Daumen.

Trotzdem muss da was passieren, jaja, schon klar, ich hab ja auch nen Termin beim Arzt aber sowas dauert halt immer.

Arbeit heute: ein wenig über jemanden geärgert, mit dem Terminabsprache eher eine Herausforderung ist und nun müssen eventuell Flüge und Hotels umgebucht werden, weil es wohl schwer ist rechtzeitig mitzuteilen, dass eine wichtige Person halt ab mittwochs mittags leider nicht da ist. Let the Kalendertetris begin… again. Meh.

Kinder heute: Michel hatte seine erste Stunde bei der Kulturschule, da werden Musik und bildende Kunst den Kindern nähergebracht. Das macht er mit seinem besten Freund und ich glaube, das wird gut, auch wenn er das heute „kindisch“ fand, weil „Rhythmus, Rhythmus, Rhythmus, ich will Gitarre spielen!“ Tja, gut dass er zwei Eltern hat, die ihm glaubhaft machen konnten, dass Rhythmus aber nun mal die absolute Grundlage für jede Art von Musik ist und man das halt üben muss, Rhythmus zu halten. Also, ich sage das, ich bin da bestimmt auch glaubhaft, aber das gehört ja zu den Dingen, die ich irgendwie immer schon konnte. Aber seit den entgeisterten Blicken in der Tanzgruppe, die meinem Ausruf „Aber hört ihr denn nicht die Triolen???“ folgten, sage ich sowas nicht mehr laut. Also seit ca. 20 Jahren.

Ich bin schon sehr gespannt, ob Michel am Ende ein Instrument spielen will und wenn ja, welches. Gitarre wär schon ok, aber da indoktriniere ich natürlich nur ein bisschen, nämlich weg von Schlagzeug und TrompetePosauneTuba nicht.