Tag 1578 – Zu aufregend.

Es ist ja einigermaßen faszinierend, dass ich am einen Tag noch voll Businessmäßig mit vielen sehr seriösen Leuten rede und über Zertifikate für Fabriken am anderen Ende der Welt fachsimple und am nächsten Tag sitze ich erst fluchend im Auto weil Google Maps mit den ganzen Baustellen nicht klar kommt und fange dann in der Röhre vor lauter Angst an zu weinen.

Im Ernst, das ist nichts für mich. Erst der Stress mit dem Piercing, dann der Stress mit der Fahrt, dann weiter Stress mit Piercing und ohgottogott da ist ja auch ein Draht hinter meine Zähne geklebt, ohgott! und am Ende fixieren sie einen auf einem Dings, montieren einen Käfig um den Schädel und schieben einen in ein weiteres Dings, das eng ist und hell und laut und überhaupt, man kann nicht raus und was ist wenn das Piercing doch magnetisch ist, oder der Draht, hab ich wirklich den BH ausgezogen, hab ich wirklich die Ringe abgemacht, die Uhr abgelegt, bestimmt hab ich was vergessen und bin gleich sofort tot, oder es bricht ein Feuer aus und ich kann nicht aus diesem Dings raus, Hilfe ich will bitte sofort raus aber ich will auch das die Bilder gemacht werden, Hilfe Hilfe.

War scheiße.

Ja.

Und ach so: das ABS am Auto piept wenn man in einer Kurve einfach wegrutscht, das wusste ich noch gar nicht. Das war auch scheiße.

Tag 1577 – Hab dich!

Ok, dass Herr Rabe am Abend vor meinem MRT-Termin nicht da sein würde war so nicht geplant. Und ich sag es mal so: der neue Ohrring, der „ganz leicht“ auf und zu geht, geht überhaupt gar nicht leicht auf und zu. Ich musste erst ein paar Verzweiflungstränen darüber vergießen, bis ich auf die Idee kam, ihn mit der Spreizzange aufzubiegen. Dann ging er auf, aber zu bekam ich ihn trotzdem wieder nicht, obwohl ich ihn dann ja in der Hand hatte. Das muss ich wohl noch ein paar mal üben. Aus Spaß guckte ich dann mal, ob der Ring denn nun überhaupt magnetisch ist und Überraschung:

Ja.

Der Ring an sich ist aus Chirurgenstahl und nicht magnetisch, aber das Schließsegment ist mit einem winzigen Scharnier angebracht und das ist offenbar aus einem magnetischen Metall. Das hätte morgen echt weh tun können.

Das Zungenpiercing hingegen ist immer noch drin. Ich hab da keine Chance, auch mit zwei Zangen nicht. Keine Ahnung, was ich noch machen soll, ein Piercingstudio das morgens auf hat, gibt’s in Hamar, wo das MRT-Labor ist, nicht. Vielleicht haben sie einen Dremel da oder so.

Wie sehr ich keine Lust hab, mir morgen den Hohn der Praxis anzuhören, kann man sich vermutlich in etwa vorstellen.

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Was war sonst? Letzte Inspektion des Jahres gut überstanden. Möchte meine Kollegen aber irgendwie gern ein bisschen schütteln, weil ich Montag noch fragte, was wir antworten sollen, wenn Die Frage(TM) der Qualitätschefin kommt und keine Antwort bekam und heute als Die Frage(TM) kam, guckte mich dann nicht nur die Qualitätschefin erwartungsvoll an sondern auch die Kollegen. Hallo? Bin ich hier die mit Ahnung oder die? Ich hab schon auch was geantwortet aber meine Güte wir hatten zu dem Thema Meetings in verschiedenen Zusammensetzungen und haben keine Antwort gefunden. Was sagt man da, so als Behörde? „Keine Ahnung“ ist nicht gut, rumeiern auch nicht, schwafeln erst recht nicht. Meh.

Manchmal, da möchte ich allein auf einer einsamen Insel leben.

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Wir haben mal wieder Bettzeug gewaschen und aus irgendeinem Grund riecht der Trockner innerlich wie schlecht gewordene Nudeln. So roch dann auch das Bettzeug. Das ist sehr eklig. Gut, dass ich seit Stoffwindeltagen weiß, dass Teebaumöl absolut jeden Geruch übertüncht killt, also ein paar Tropfen Teebaumöl auf einen Waschlappen getropft und noch mal 10 Minuten den Trockner samt Bettzeug laufen lassen und jetzt erinnert mich mein Bett zwar an picklige Teenager-Tage aber immerhin riecht es nicht mehr nach gammligen Nudeln.

Tag 1563 – Einer dieser Tage …

… an denen ich abends nachgucken muss, welche Zahl wohl dran ist, weil mein Hirn nicht mehr will, auch keine einfachen Sachen wie zählen.

Seit 21:45 Uhr bin ich wieder zu Hause. Hier ist es ja doch am Schönsten. Auch wenn so ne Nacht allein in einem großen Hotelbett schon auch was für sich hat. Ab und an.

Mein Ohr tut nicht mehr so doll weh. Ich vermute, es hat geholfen, dass ich es gestern Abend (ich konnte tagsüber schon nicht mehr lächeln, ohne dass es im Ohr zog) mit heißem Wasser gründlich ausgespült habe. Jedenfalls war es danach zwar warm aber schon viel besser. Und die Nacht auf dem weichen Hotelkissen hat ihr übriges getan. Puh.

Morgen wieder Physiotherapie. Passt mir eigentlich zeitlich gar nicht in den Kram aber was will man machen.

Jetzt Bett. In 6 Stunden und 9-36 Minuten klingelt der Schlafphasenwecker.

Tag 1550 – Hals, Nase, Ohr.

Heute war ich ENDLICH mit meiner Schulter bei der Physiotherapie. Das hat ja auch bloß 2 Monate gedauert, keine 4 wie der Termin bei der Gynäkologin. Wow. Wenig überraschend möchte die Physiotherapeutin aber gerne ein Bild von den festen und nicht ganz so festen Teilen meiner Halswirbelsäule haben, es können also Wetten abgegeben werden, wie lange das nun wieder dauert. Wir fangen trotzdem schon mal an mit der Behandlung, die im Wesentlichen aus Training und dem Versuch, das was da eingeklemmt ist zu befreien, bestehen wird. Das Bild ändert höchstens die Prognose.

Mein rechter Arm ist bei manchen Bewegungen der reinste Pudding und ich wusste es nicht.

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Herr Rabe und ich haben weiter die seltsame norwegische Serie über die Finanztypen geschaut. Es ist ein bisschen wie ein Autounfall. Wir fragen uns, wer da seine Sex- und Drogenexessphantasien filmisch festgehalten hat. Ich tippe auf ne Horde 16-Jähriger. Noch drei Folgen, dann ist es vorbei. Drei Folgen, also etwa 30 Nasen Koks und 6 Bumsszenen, davon 5 mit Prostituierten und 1 mit abgeschnittenem Ohr (fragen Sie nicht). Falls Sie mal in Versuchung geraten „Exit“ zu gucken, sind Sie hiermit gewarnt.

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Auf Twitter bedankt sich Frau grad bei 10 Frauen. Ich bin ge- und peinlich be-rührt. Ich hab nicht so mega viele Frauen die mich so berühren (man könnte auch sagen: ich lasse ja keine an mich ran), manche kenne ich gar nicht persönlich, eine ist schon lange tot. Ich lecke noch eine Wunde, die wer gerissen hat und bin wie üblich Misanthrop for life.

Vielleicht kriege ich 10 zusammen, vielleicht auch nicht, eine würde ich jedenfalls über Twitter nicht erreichen und das ist Sunni, die weiß wofür. Und noch wer ist dort nicht mehr, nämlich „Dorothea Regina“. Danke euch beiden.

Tag 1517 – Örgs.

Hässliche Zahl. Dachte, vielleicht wird’s mit der Quersumme besser, aber die ist 2×7, die 7 ist einfach immer da, Irgs.

Aber so fühle ich mich generell heute. Machste nix. Depri-PMS-Tag, kein Antrieb, keine Wut mehr dafür grundlos traurig, alles Käse. Es wurde erst besser, als ich zweieinhalb Stunden gearbeitet hatte, der Batzen „Muss unbedingt noch!“ schabte fies im Unterbewusstsein herum. Jetzt ist es erledigt.

Ich hab die Kinder so lieb. An so Tagen wie heute, wo ich gleichzeitig alleine irgendwo rumliegen und mich genüsslich bedauern will und mir eine Bullerbü-Welt wünsche, in der die Kinder der (ja schon irgendwie) kranken Mutter Tee und Zuckergebäck ans Bett bringen, fällt mir das immer noch mal extra auf.

Michel kann jetzt langsam flüssig lesen. Man merkt, dass er nicht mehr jeden Buchstaben einzeln erfasst sondern langsam ganze Silben oder kurze Worte auf einmal. Das macht mich sehr glücklich, weil das ja eine Grundvoraussetzung dafür ist, dass ich nicht noch fünf mal Jungelens Dronning vorlesen muss er selbst auch Bücher lesen kann. Bisher liest er am liebsten Comics und die sauteuren Kinder-Quengel-Hefte mit Spielzeug von der Supermarktkasse. Gestern hat er sich selbst eine Lego-Ninjago-Masters-of-Spinjitzu-JETZT NEU MIT FEUER UND EIS!!!-Zeitschrift gekauft und ist sehr glücklich damit. Hach, hach. Ich sehe da eine große Karriere als Leseratte voraus.

Apropos (weiter oben) Zuckergebäck: ich fühle mich stark zurückversetzt in die beiden Schwangerschaften, als mich fieses Sodbrennen plagte, weil die Rübennasen gerne ihren Kopf gegen meinen Magen drückten. Nur ist dieses Mal kein extra Mensch in mir, sondern nur nach wie vor die Schulter kaputt und die Ärztin hat die Dosis des Schmerzmittels erhöht. Sie hat mir sogar extra Protonenpumpenhemmer dazu verschrieben, die ich auch brav nehme, nur scheinen die nicht so mega viel zu bringen. Und anders als in den Schwangerschaften helfen auch weder Mandeln noch kalte Milch in kleinen Schlucken. Muss mich also wohl entscheiden zwischen zwei Auas. Super.

Hatte mir das mit dem älter werden anders vorgestellt. Weniger Au und weniger wäh und dafür mehr graue Haare.

Tag 1504 – Grüße aus dem hohen Norden.

Absolut bescheiden geschlafen. Warum möchten Kinder immer ihre Beine auf eine*n drauflegen?

Dafür hab ich mich heute wahrlich wacker geschlagen. Ich war fast pünktlich aus dem Haus und mit einem kleinen Rollkoffer-Hochhackige-Stiefeletten-Sprint habe ich noch den Bus erwischt. Der Zug von Lillehammer nach Oslo war 3 Minuten zu spät, den habe ich also auch noch bekommen. Dann stand ich überraschend lange am Bag-Drop-Off-Label-Print-Automaten, dann überraschend lange in der Sicherheitskontrollenschlange, dann überraschend lange in der Kaffeebarschlange und dann war das Gate in Terminal B und da muss man ein Stückchen weiter hinlaufen als zu A und als ich dann am Gate ankam, hatte das Boarding grad begonnen und meine Kollegin sah sich schon leicht hektisch nach mir um. Ich war aber weiterhin hundemüde tiefenentspannt und boardete so vor mich hin, als ich plötzlich einen Krümel im Mund hatte, der sich anfühlte wie ein Sandkorn und der eine Miniecke meines rechten oberen Schneidezahns war. Super. Aber nicht zu ändern. Ich inspizierte mit meiner Handykamera den Zahn auf weitere Schäden, fand aber keine und beschloss dann, dass es nicht so schlimm ist. Passiert.

Im Flugzeug dann auch entspannt und gegen die Müdigkeit zum Zeitvertreib die Präsentation so weit überarbeitet, dass jetzt alle Schriften einheitlich groß sind und Überschrift und Fußzeile immer an der selben Stelle. Eigentlich PowerPoint 101 aber die Präsentation ist ja quasi geerbt und vorher „natürlich gewachsen“, sprich, etwa 5 verschiedene Leute haben hier und da dran rumgepfuscht gearbeitet. Aber jetzt ist alles hübsch und wenn meine Kollegen lieb bitte sagen, leg ich meine Version sogar auf den Server, da bin ich ja nicht so.

Dann Inspektion. So ein schöner Dialekt hier. Love it. Ansonsten – neuer Hersteller, neue Seltsamkeiten. Love that one too.

Abends dann unverantwortlich viel Knoblauch gegessen, sorry Mitmenschen morgen. Aber lecker war’s und voll im Tagessatz. Hotel auch sehr schön, alles ganz neu, das ist schon cool, und ich hab mega viele und dicke Kissen, zu viele sogar, dass ich das noch mal sage. Dabei hab ich sogar meinen Teddy vergessen.

Leider Nacken-Schulterschmerzen aus der Hölle. Deshalb abends erst 35 Minuten bei kurz-vor-laufen-Geschwindigkeit (und mit mitgebrachten Sportschuhen) auf dem Laufband gegangen, dann noch 15 Minuten Krafttraining für Schultern, Arme und Bauch. Seither schmerzfrei, aber ich kann jetzt echt nicht täglich eine Stunde Sport einschieben damit mein Schmerzlevel unter Ich-beiß-gleich-wen kommt. Das kann’s echt alles nicht sein.

Aber echt ein guter Tag, so insgesamt. Trotz müde und aua.

Tag 1488 – Schläfriger Samstag.

Heute ausgeschlafen, sehr gründlich, das war schön. Dann den Tag irgendwie zum Großteil mit im Nachhinein nicht mehr nachzuvollziehenden Tätigkeiten verdödelt, Ernten, Einkaufen und nach 30 Minuten Autofahrt solche Schmerzen in der Schulter, dass auf dem Rückweg Herr Rabe fahren musste, ich motzend das Auto ausgeräumt habe (während der Rest der Familie herumstand), wütend Salbe auf die Schulter geschmiert habe und wütend ins Bett gegangen bin. Bei Michel entschuldigt, der irgendwann kam, weil ich ihn so angeranzt hatte (beide Kinder waren heute wieder im „ICH WILL JETZT SOFORT, MAMA, WIESO SPRINGST DU NICHT SOFORT???“-Modus und das kombiniert mit Schmerzen geht bei mir nicht so gut. Michel ist ein sehr empathischer kleiner Zwerg und lieg mir seine Eule, die Herr Rabe in der Mikrowelle warm machte. Michel kam dann mit der Eule, streichelte meine Schulter („tut das weh, wenn ich das anfasse?“) und sagte, er hoffe, dass es mir bald wieder gut ginge. Hach, hach, ich hab schon tolle Kinder.

Dann bin ich halt auf dem Wärmekissen eingeschlafen.

Hoffentlich hilft’s, gegen was auch immer.