Tag 881 – So war’s auf der Hurtigruten.

Ich hatte ja einen abschließenden Bericht zu unserer Fahrt mit der MS Trollfjord versprochen. Und so sei es denn!

(Awwww… Ja, hübsch ist es stellenweise schon. Aber: Sonnenuntergang um halb drei.)

Erst mal, wie es dazu kam.

Herr Rabes Vater ist im November 80 geworden. Da gab es natürlich eine große Feier und ich war mit den Kindern allein daheim und drehte am Rad größere Geschenke als gewöhnlich. Ein paar Wochen vorher kam meine Schwägerin mit der Idee, doch im Januar mit der Hurtigrute von Bergen nach Kirkenes zu fahren. Da gäbe es nämlich Sonderangebote. Wir hätten dann in Trondheim zusteigen und bis Kirkenes mitfahren könnendürfensollen. Ich war aus mehreren Gründen dagegen, mitzufahren und eigentlich auch gegen die Sache an sich, denn

  • Das war immer noch sehr weit entfernt von billig, für den Preis von einer Woche Kreuzfahrt waren wir 4 Wochen auf Korfu, und da waren die Flüge von Kirkenes zurück noch nicht mit drin
  • Im Januar geht ab 400 km nördlich von hier die Sonne gar nicht mehr auf man sieht von der tollen Küstenlandschaft (die auch nicht sooooo abwechslungsreich ist) herzlich wenig
  • Es ist saukalt. Man möchte nicht im Januar im Schnee(-matsch) Norwegische Kleinstädte besichtigen. Ich möchte das jedenfalls nicht

Die Familie entschied das aber ohne mich und so ging es für den Schwiegervater und meine zwei Schwägerinnen und meinen Schwager am 1. Januar in Bergen los. Eine Kollegin von mir hatte gesagt, dass die Preise last Minute oft noch mal reduziert sind (das Boot fährt ja eh, ob nun leer oder nicht ist ne wirtschaftliche Frage) und so entschieden wir uns Ende Dezember, doch mitzufahren, aber nur eine Nacht. Dabei hatten wir uns noch einen in die Tasche gerechnet, weil zwar die Mitfahrt deutlich günstiger ist, aber die Vollpension natürlich nicht. Mööp. Michel zahlt auch keinen krass reduzierten Preis mehr. Dadurch war das Ganze eben doch… nicht gerade günstig. (Ich war auch gar nicht voreingenommen, merkt man, ne?)

Aber vielleicht war’s ja ganz toll?

Najaaaaa…

Auf dem Boot sind halt zu 70% deutsche Rentner*Innen, zu 25% norwegische Rentner*Innen und die restlichen 5% verteilen sich auf Familienmitglieder von Rentner*Innen und Deutsche, die „ICH WILL NORDLICHTER SEHEN“ genauso gut auf ihre Jack-Wolfskin-Outdoorjacken drucken könnten, würde das nicht die wasserabweisende High-Tech-Membran (mit breathable Dings und schau mal, ne Innentasche!) zerstören.. Die Crew war zwar überaus kinderfreundlich, und die Rentner*Innen eigentlich auch alle, aber so richtig Funfunfun ist das eben nicht, weder für die Kinder noch für die Eltern der gelangweilten Kinder. Wenn ich das so mit den großen Color Line Fähren vergleiche… mega lahm. Es gibt zwei Whirlpools – auf dem Aussichtsdeck. Draußen. Wir erinnern uns? Saukalt. Also auch das jetzt eher nix für Kinder. Eine 2 qm Spielecke. Eine Bar, die selbst für Norwegen extrem hohe Preise hat (200 Kronen für 2 Bier). Es gibt ein Unterhaltungsprogramm mit so unfassbar witzigen Dingen wie der Polartaufe (eine Kelle Eiswasser in den Nacken, IN DEN KRAGEN, ich hätte sie wohl ernsthaft mit der Eiswasserkelle erschlagen, wäre ich da gewesen. Es wundert mich auch, dass da noch nie ne Omi mit Kreislauf zusammengebrochen ist) beim Überqueren des Polarkreises. Für den wirklich saftigen Preis der Vollpension bekommt man: Mittagessenbuffet (ok), Abendessen a la Carte (gut, aber recht wenig für Leute mit Schilddrüsenproblemen etwas größerem Hunger), keinen Wein dazu (geschenkt, obwohl im Preis ruhig noch was anderes als seltsam schmeckendes stilles Wasser hätte inbegriffen sein können, auch für die Kinder) und Kaffee-/Tee-Flatrate, aber nur der eklige Brühkaffee! Richtiger Kaffee ist nur im Premiumpaket mit drin, das eine Fantastilliarde Euro und dein erstgeborenes Enkel-Kind kostet. Und wenn du nicht 4000 Kronen PRO NACHT für ne Suite drauflegst, sieht die Aussicht aus dem Zimmer unter Umständen eben so aus…

(Wetter war auch supi!)

… und man teilt sich ein 90 cm-Bett mit einer wild fuchtelnden Zweieinhalbjährigen.

UND DANN WIRD MAN NOCH MITTEN IN DER NACHT VOM NORDLICHTALARM GEWECKT!

Abschließendes Fazit: Kann man machen, wenn man Rentner*In ist, Rentner*Innen sehr gern mag, sehr viel Geld übrig hat und unbedingt die Norwegische Küste in all seiner Eintönigkeit rauhen Schönheit sehen möchte. Ich war danach sehr froh, dass wir nur eine Nacht auf dem Boot waren und in Bodø das Spaßbad gefunden hatten, in dem sich die Kinder noch mal richtig austoben konnten. Die Kinder fanden super, der Opa fand es super, dass wir noch ein Stückchen mitgefahren sind, statt uns nur in Trondheim zu treffen, insofern: passt schon. Mache ich aber sicher nicht nochmal. Ach, und wenn Sie Nordlichter sehen wollen: Fliegen Sie direkt nach Tromsø, das ist ein ganz bezauberndes Städtchen, bleiben Sie da ne Woche, vielleicht eher im März und nicht im Januar, dann ist es wenigstens zwischendurch mal kurz hell. Nordlichter sieht man eh fast nur in der (zeitlichen) Nacht.

Tag 876 – MS Trollfjord.

Ein ausführlichere Bericht folgt, wenn wir stabiles W-LAN oder mehr mobiles Netz als Edge haben. Jetzt muss Ihnen reichen, dass wir alle wohlauf sind, der Seegang ist auszuhalten und die Betten könnten eins mehr sein. Das Bier könnte auch billiger sein und unsere brilliante Idee, per FaceTime ein Babyphon zu improvisieren hätte geklappt haben können (das W-LAN, Sie verstehen?), aber es ist schon alles ganz in Ordnung.

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Ich überlege, meine ja eh fehlgefärbten Haare silbrig-blau* zu färben. Tipps sind sehr willkommen.

So, und jetzt mal sehen, ob der Beitrag heute noch hochgeladen wird.

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*rot steht mir nicht, wäre mir auch zu „normal“. Alle dunklen Brauntöne, Aubergine etc. lassen mich noch viel bleicher erscheinen, als ich eh bin. Lila beißt sich mit 2/3 meines Kleiderschranks, genau wie Pink. Grün ginge noch. Aber ich möchte was kühles. Eiskalt. Bitte.

Tag 852 – Wiedada.

Pippi und ich sind gut wieder nach Hause gekommen. Der Start in Zürich war zwar wie befürchtet wegen des Wetters (Schnee, Wind, bah) wirklich furchtbar holprig, aber Pippi versteht das ja zum Glück noch nicht und guckt unbeirrt Peppa Wutz. Da wir wieder eine halbe Stunde Verspätung hatten, investierte ich in Pizza im Flugzeug, statt nervös mit Pippi unterm Arm in Gardermoen irgendwas zu Essen zu jagen, wäre dann am Ende fast wurscht gewesen, weil wir in Gardermoen grenzwertig lange drauf warten mussten, dass unser aufgegebenes Gepäck vom Zoll kontrolliert wurde und wir in den national transfers Bereich durften, aber sowas kann man ja vorher nicht wissen. So nutzte ich die Zeit, um Wein und Mascara* zu kaufen und Foundations zu swatchen, war auch schön.

„Jaaaa! Baby Peppa Wutz drückt!“

Dann große Wiedersehensfreude mit Michel und Herrn Rabe, nach Hause kommen, Pippi ins Bett bringen und dann endlich meine Omi anrufen, denn, das ist traurig und leider nicht unerwartet, aber dann doch überraschend: mein Opi ist gestorben. Ich denke da noch dran rum und möchte das auch nicht breittreten. Aber nach dem Gespräch mit meiner Omi müsste ich dann doch nochmal meine Mutter anrufen und das war, also, äh, interessant. Jedenfalls, falls auf Ihrer Terrasse zufällig eine Packung Pinnekjøtt herumliegt, so bereiten Sie das zu:

  1. Das Fleisch über Nacht einweichen (bei Zimmertemperatur, es geht natürlich auch gekühlt, aber dann dauert es eben länger). Einfach die Folie abziehen und die Packung mit Wasser auffüllen, unter anderem deshalb ist das Fleisch da so locker drin gepackt. Ich schütte nach ein paar Stunden einmal das Wasser weg und nehme frisches, das muss man aber nicht zwingend machen.
  2. Die Pinnekjøtt-Pinne in einem großen Topf wie ein Rost oder ein Gitter auslegen. So drei Lagen Pinne reichen dicke. Darauf das eingeweichte Fleisch stapeln. Dann so viel Wasser in den Topf gießen, dass es grad so nicht an das Fleisch herankommt.
  3. Deckel drauf und köcheln lassen, bis das Fleisch von den Knochen fällt. Das dauert, mindestens 2 Stunden, ich rechne eher mit 4. Natürlich wenn das Wasser verkocht ist, welches nachfüllen.
  4. In der Zwischenzeit kann man Beilagen vorbereiten, klassisch wäre Kålrotstappe, also Steckrübenpürree. Dazu eine halbe Steckrübe, zwei Kartoffeln und zwei, drei große Möhren schälen, in Stücke schneiden, in Salzwasser kochen, abgießen und stampfen. Mit (Trick 17) dem salzigen, fettigen Sud unten aus dem Pinnekjøtttopf, Pfeffer und eventuell einem Schluck Sahne oder Milch abschmecken. Wer ein Problem mit stückigem Brei hat, kann auch einfach Kartoffeln und Knäckebrot/Baguette dazu machen.
  5. Das Fleisch kann man, wenn man mag, nochmal kurz im Ofen grillen, dann ist es weniger schlonzig und etwas knusprig, ich finde es so am leckersten.
  6. Nö, keine Soße und das Fleisch wird auch nicht noch mal gewürzt.

Voila! Sie haben ihr erstes norwegisches Weihnachtsessen zubereitet!

Dazu passt Arvesølvet, hinterher, zum Verdauen. Der muss übrigens nicht kalt sein, kann aber.

Auto-Lobhudelei: Entspannt geblieben. Vorm Fliegen, beim Fliegen, am Telefon.

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*den Clinique-Mascara kaufe ich immer im Duty-Free Shop, weil der hier sonst noch teurer wär als eh schon. Heute war ich mal mutig und hab einen anderen gekauft als sonst. Aber trotzdem von Clinique, bei Mascara bin ich echt eigen. Vorher war ich bestimmt 5 Jahre lang dem Manhattan-Mascara „Volcano explosive Volume waterproof“ treu. Hachja.

Tag 849 – Ich kann nicht, wenn wer zuguckt.

(Frau Brüllen, das Geburtstagskind, sitzt hier am gleichen Tisch, das ist zu aufregend.)

Ich kann ja die Reise beschreiben.

Aufregend wars!

Erst verpassten wir den Flugbus, Pippis Beine sind eben echt kurz und manche Busfahrer warten auch nicht auf kurzbeinige Menschen. Im Bus fiel mir dann aber noch ein, dass der erste Flug ja nur nach Oslo geht, und national sind die Gepäckaufgabezeiten echt entspannt. Es war dann auch kein Problem, wir hatten ja auch nur den „da kann absolut nix schief gehen, selbst wenn der Bus doppelt so lange braucht wie geplant, reicht es noch“ Bus verpasst und der nächste kam 10 Minuten später.

Dann wurden wir zwar an der 13 Minuten langen Schlange bei der Sicherheitskontrolle vorbeigelassen, aber zu dem Preis dass uns alle regulär Wartenden mit Blicken töteten und dann auch jede meiner drei Boxen auf Sprengstoffdrogenmesseranthrax gefilzt wurde. Dabei war da nun wirklich nix „falsch“ dran, die Flüssigkeiten waren im Tütchen, die Elektronikdinge gesondert gepackt, wir hatten keine üppigen Schals oder Kragen an und Pippi ging brav alleine durch den Metalldetektor. Nicht mal die Piepse-Schuhe hatte ich an.

Am Gate gab es dann ein kleines bisschen Trara, weil Pippi den Flughafen-Buggy, mit dem sie ihre Wasserflasche herumfuhr, absolut nicht zurücklassen wollte. Und als ich sie packte und trug, mussten wir noch durch eine andere Schranke, weil halt und es gab noch mehr Trara. Im Flugzeug war dann aber wieder alles ok. Bis auf, dass wir nicht starten durften, wegen Nebel in Oslo. Und sich das zog. Und ich nervös wurde, weil die Umsteigezeit mit 1 h 20 zwar ok, aber nicht üppig bemessen war. Im Endeffekt starteten wir mit 30 Minuten Verspätung und kreisten nochmal 15 Minuten irgendwo vor Oslo herum, die Landung ging nicht so schnell wie geplant und die Umsteigezeit war auf 23 Minuten zusammengeschrumpft. Ich hatte eine Stewardess nach dem Anschlussflug gefragt und sie hatte „det ordner seg sikkert“, also „Das klappt bestimmt“ geantwortet. Ich sags mal so: hätte ich die Stewardess irgendwo in Gardermoen nochmal erblickt, ich hätte sie erwürgt. Oder doch nicht, weil keine Zeit, ich rannte mit Pippi auf dem Arm von Terminal B nach Terminal D, es wurde die ganze Zeit schon „gate closing“ angezeigt, ich sah _0_ Flughafenpersonal, das nicht in Shops angestellt war, kurz: es war unschön. Und ich bekam, als ich im Flugzeug angekommen war, Wasser angeboten, weil meine Rübe knallrot und mein Gesicht auf Panik eingestellt war. Dann wollte sich Pippi nicht anschnallen und ich fluchte so dermaßen, dass vom älteren Herrn hinter mir „Tztztz“ zu hören war. Pippi war eben auch um halb sechs aufgestanden und jetzt um zehn wieder müde. Als das Flugzeug dann (mit Verspätung, haha, „det ordner seg“ in Wettersprache) in der Luft war, gingen Pippi und ich einmal aufs Klo und dann schlief sie wie ein Stein ein und ich musste sie zur Landung wieder wecken.

(Kein Pulli mehr, viel zu warm!)

Dann war nach der Landung unser Koffer wirklich der allerletzte auf dem Band und ich war kurz besorgt, ob unser Weihnachtskäse und das Erbsilber jetzt irgendwo in Gardermoen herumlägen, aber ab dann war alles ganz wunderbar. Hui, so ein Tesla beschleunigt fix, Pippi kann sich mit den Armen aus den Kindersitzgurten wursten, aber mal ehrlich: Leute, die einem beim Abholen Kaffee in die Hand drücken, die! DIE! ❤

Anekdote: Wie wir Little L. Von der Schule abholen wollten und Pippi ca. 5 Jungs in L.s Alter auf dem Bolzplatz sah und einfach losstiefelte, in ihrem knallroten Onesie in Größe 92, um mit den Jungs Fußball zu spielen. Die waren etwas irritiert, kickten dann aber ein bisschen mit ihr und am Ende durfte „Er“ den Ball sogar behalten, den hatten die Jungs nämlich auch nur gefunden. Pippi war stolz wie Oscar und knutschte ihren Ball ordentlich ab, aber unsere geballte Mütterpower und der magische Satz „sollen wir mal gucken ob die Katze noch da ist?“ Überzeugten Pippi dann doch, ohne den Ball wieder mit nach Hause zu kommen. Dieses Kind! Hachz.

Ansonsten habe ich einer Brüllenschen Listenaufschreibung beigewohnt und die Katze gestreichelt und Pippi mag Frau Brüllen gern genug, damit ich allein aufs Klo gehen kann. Doch, doch, ganz wunderbar 🙂

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Tag 374 – Baba Wien!

Mit W-Lan sitzen wir wieder im Bus vom Flughafen nach Hause. Michel sitzt neben mir und ist erstaunlich wach, Pippi sitzt vor mir und schläft. 

Heute morgen trafen wir meinen „kleinen“ Cousin, der zwar drei Jahre jünger als ich, aber einen guten Kopf größer und inzwischen Pilot bei Austrian Airlines ist. Mit ihm und seiner Freundin gingen wir frühstücken und dann fuhr er uns zum Flughafen (und auf dem Rückweg noch die Kindersitze zurück). Wir schrieben noch vom Flughafen aus eine Postkarte, weil es Briefmarken nur im Viererpack gegeben hatte und noch eine übrig war und dann war es auch schon Zeit zu Boarden. Eine kleine Katastrophe war dann, dass Michel (!) Leibesvisitiert werden musste, der sich mit Händen und Füßen wehrte und den wir leider zwingen mussten (Stichwort ‚Nein heißt Nein‘, haha, vielen Dank, Wiener Flughafensecurity). Tjanun, auch das überstanden wir und es war sogar noch ein bisschen Zeit für einen Kaffee. 

Flug eins war dann grauslich, ruckelig die ganze Zeit und mit Luft-Hopser kurz vor der Landung (und dass wo man ja weiß, dass die meisten Unfälle kurz vor der Landung und kurz nach dem Start sind) und naja, wasser- (schwitze- und Tränen-) festes Make-Up ist schon sinnvoll für manche (also mich). 

Fast fünf Stunden Aufenthalt in Amsterdam, Kinder müde gespielt (dachten wir, war aber dann ja nur bei 50% so), bisschen Kram gekauft, ultra lange am Wok-Stand angestanden, dabei den Feed-Reader leer gelesen, danach was gegessen, huch, Zeit schon rum, wieder Boarding. 


Flug zwei dann quasi Bilderbuchmäßig, Gepäck ist auch angekommen, jetzt gleich zu Hause. Puh. 

Schön wars.