Tag 2098 – 5 Tipps bei Spring Skin!

Es ist Frühling und nicht nur die Natur sprießt, sondern leider auch die Haut. Gerade jetzt, wo die Frühlingsgefühle uns aus dem Haus treiben und wir gerne jung und frisch wie ein Schneeglöckchen auf der frühlingsgrünen Wiese strahlen würden, macht die Haut uns einen Strich durch die Rechnung und präsentiert sich von der Schattenseite junger Haut: Pickel, Mitesser, Rötungen, Ölglanz. Hier präsentiere ich euch meine 5 wirkungsvollsten Tipps bei Spring Skin.

  1. Vitamin D. Die Haut bildet Vitamin D durch Sonneneinstrahlung. Das Vitamin beugt der Frühlingsmüdigkeit vor und macht auch irgendwas gutes mit der Knochendichte. Vor allem macht Sonnenlicht generell aber bessere Laune. Nachteil: Sonnenlicht beschleunigt die Hautalterung, freie Radikale, Falten, dingens und am Ende Krebs. Pro-Tipp also: nur mit Sonnenschutz raus, aber raus, davon gute Laune kriegen und falls Sie in Norwegen wohnen, nehmen Sie Vitamin D-Tabletten (möglichst vegetarischen Ursprungs) von Oktober bis Mai. Die gute Laune von der Sonne hilft dabei, dass einer die Pickel egaler sind.
  2. Homeoffice. Ach, Sie haben den ganzen Tag Videomeetings? Kamera aus. Ach, das schickt sich nicht? Weichzeichner-Effekt, alternativ setzen Sie sich mit dem Rücken zu einer starken Lichtquelle, zum Beispiel einem Fenster. Das macht dann auch eine schöne Glorie.
  3. Sex. Hilft gegen alles, warum also nicht auch gegen schlechte Haut. Genauere Begründung: Orgasmen entspannen die Gesichtszüge, dann kann der Talg besser aus den Poren abfließen. Außerdem wirken die beim Sex ausgeschütteten Pheromone entzündungshemmend. Rosige Wangen und leicht zerzaustes Haar führen zudem dazu, dass Sie sich schön fühlen und ihr Gegenüber sich fragt, ob Sie wohl gerade Sex hatten, was von Ihrer Spring Skin ablenken dürfte.
  4. Masken mit Aktivkohle. Keine Ahnung ob die irgendwas bringen, aber während so eine Maske drauf ist, sieht man garantiert keinen Pickel.
  5. Viel trinken. Siehe 3 – hilft gegen alles. Außerdem heißt es ja Spring Skin, Abwarten und (ungesüßten Kräuter- oder Früchte-) Tee trinken ist also der Schlüssel zur sommerbereiten Haut. (Sehen Sie hierzu auch mein dann erscheinendes Feature „Hups, Hummer! Was tun bei Sonnenbrand“)

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Ich hoffe, Sie haben das nicht ernst genommen. Also hier jetzt noch mal ganz deutlich: ich habe mir all das ausgedacht. Inklusive des Begriffes Spring Skin und dass das ein Ding ist, das mehr Menschen als mich betrifft. Wenn Sie Hautprobleme haben, unter denen Sie ernsthaft leiden (körperlich oder psychisch), gehen Sie bitte zu einer*m Dermatolog*In Ihres Vertrauens. Wenn sie sich phasenweise fragen, wie man gleichzeitig Pickel und Falten haben kann: willkommen im Club, sinnvolle Tipps hab ich keine, außer: is halt so, wird auch wieder anders. Bis dahin trinke ich Wasser, warte auf den Sommer und übe mich in Akzeptanz meiner Sperenzchen machenden Haut, da können Sie gerne mitmachen.

Und glauben Sie niemals alles, was im Internet steht.

Tag 2097 – Kunst.

In Oslo gibt es eine Galerie. Diese Galerie bietet Gemälde und Fotografien verschiedener Künstler*Innen an. Die Werke eines dieser Künstler kosten dort zwischen 10 und 40 tausend Kronen (große, bunte, abstrakte Gemälde. Ich finde so was ja schön, aber 10.000 Kronen aufwärts? Äh, naja.) und offenbar finden genug Leute diese Bilder schön genug, als dass sie das dafür hinblättern. Seit 25 Jahren.

Natürlich hat die Galerie auch Hintergrundinfo zu dem Künstler, er lebt in Berlin und war auf irgendwelchen berühmten Kunstschulen und so weiter, als wär das irgendwie ausschlaggebend dafür, ob man sich was an die Wand hängen will oder nicht, aber vielleicht bin ich da auch seltsam denn…

… diesen Künstler, der in Berlin lebt, den gibt es nicht. Die Bilder malt der osloer Galerist selbst, unter Pseudonym, und der CV des Künstlers ist frei erfunden. Er malt auch noch unter einem anderen Pseudonym in einem anderen Stil und fotografiert unter einem dritten Pseudonym.

Und das hat die Polizei jetzt rausbekommen und es werden jetzt ganz viele Gemälde vernichtet und der Galerist/Künstler wird wegen Betruges angeklagt. Weil er kein in Berlin lebender Künstler ist, sondern ein in Oslo lebender Künstler.

Als wären die Bilder dadurch irgendwie weniger schön anzusehen.

Bevor die verbrannt werden, würde ich sie mir zum Teil schon hinhängen, ob ich mich da irgendwo melden kann? (Wie kann man Kunst vernichten???)

Manche Dinge werde ich wohl nie verstehen.

(Nachzusehen auf Norwegisch ist die Geschichte unter folgendem Link, und wäre der 1. April, hätte ich „haha“ gedacht. https://www.nrk.no/video/c98e5d9d-a676-4b93-9d98-2e34391c6162)

Tag 2095 – Endlich da.

Der Schrank, auf dessen Scharniere und Schubladenauszugsleisten wir gefühlt ewig gewartet haben, ist endlich da und zu 95% fertig. Es fehlen noch Türgriffe (ups, vergessen), Beleuchtung von innen, eine Schublade muss etwas weniger tief gemacht werden, weil dahinter eine Steckdose ist und die ganzen Leisten müssen wieder dran. Für all das kommt der Tischler also noch mal wieder. (Im Rahmen unserer Coronaregeln war das alles komplett legal, fühlt sich trotzdem seltsam an, aber es fühlt sich auch nicht gut an, zugesagte Aufträge an Selbständige rauszuschieben. Momentan macht man es halt immer irgendwie falsch. Das darf bald auch mal wieder anders werden.)

Ein Teil des Innenlebens.

Ich bin bisher schon mal sehr zufrieden.

Arbeit und Kinder waren heute auch, reden wir einfach nicht drüber. (Vorschulphase. Hurra.)

Tag 2094 – Im Eimer.

Es war ein Tag. Aus Gründen war er in weiten Teilen scheiße.

Dieses ganze erwachsen-sein-Ding: ich tauge nicht dazu, glaube ich. Aber muss ja. Wie Corona. Muss ja weiter gehen. Muss erwachsene Dinge tun.

Innendrin will ich nicht und – Millennial durch und durch – mein Körper will das auch nicht und macht lauter lustige Dinge, damit ich mich ins Bett lege und betuddeln lasse*, aber – flink pike durch und durch – ich mache es halt trotzdem.

Es ist nicht einfach mit mir.

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*as if, ich werde aggressiv, wenn ich krank bin und mich betuddeln kommt überhaupt nicht in Frage, dann beiße ich, mindestens verbal

Tag 2093 – Zu müde für Gefühle.

Norwegen hat einen Öffnungsplan. Und man kann sich da über Einzelheiten aufregen aber im Großen und Ganzen ist der ok. Wirklich ok.

Coronapässe* hingegen oder das vorgezogene Impfen von Jugendlichen, weil die noch nicht mal ne Woche Osterferien überleben ohne zusammen Coronaparties zu feiern ja so schlimm leiden unter der Pandemie. Da könnte ich mich drüber ärgern, hab ich auch schon heute, aber jetzt ist es spät und ich bin müde und hab Kopfschmerzen.

Corona soll endlich weggehen.

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*an sich ja gar nicht mal verwerflich und für andere Impfungen ja längst Realität: ohne Gelbfieberimpfung kann man ja auch nicht in manche Länder reisen. Aber es gibt keine strenge Rationierung von Gelbfieberimpfungen und eine Reise nach Uganda ist ja auch irgendwie was anderes als in ein Café zu gehen und den Kaffee dort *drinnen* zu trinken. Zudem ist die Wahrscheinlichkeit, in Norwegen Gelbfieber zu bekommen vernachlässigbar klein, die Wahrscheinlichkeit, Corona zu bekommen, hingegen,.. naja. Lassen wir das. Ich will mich ja gar nicht aufregen.

Tag 2092 – Ausgefranst.

„Wie geht es euch?“ fragte die Nähmutter neulich (coronakonform per Messenger). „Naja“, schrieb ich, „Gut, aber die Ferien sind jetzt echt nötig, wir haben schon ne Woche Quarantäne hinter uns.“ „Oh“, schrieb sie zurück, „Quarantäne ist blöd. Ich fühl mich ja schon ohne Quarantäne ganz ausgefranst.“

Ausgefranst trifft es sehr gut. Die Kanten sind nicht mehr glatt, die Enden hängen lose rum und zum Vernähen, stopfen, umnähen, wasauchimmer fehlt inzwischen jede Kraft.

Man macht irgendwie weiter, immer weiter, tunnelblick und ab dafür, bloß nicht anhalten, bloß nicht zu viel nachdenken, es muss doch irgendwann mal vorbei sein, dieser März 2020.

Die einen lenken sich mit Belanglosigkeiten ab, die anderen haben nicht mal mehr dafür Energie.

Ich rede hier ausdrücklich nicht nur von mir. Ich sehe das um mich rum bei immer mehr Leuten. Selbst coronakonform per Messenger werden die Kontakte weniger. Die Fransen bei allen länger und verknoteter. Den fransigsten Eindruck machen auf mich (keine Statistik hier, rein Bauchgefühl) Mütter von Kindern unterhalb des Teenie-Alters. Ich hätte da Theorien, weshalb das so ist, stellen sie sich hier einfach einen fulminanten Rant auf das Patriarchat vor, aber selbst für den bin ich grad zu ausgefranst.

Passen Sie bitte alle auf sich auf. Das hier wird noch dauern* und danach werden keine Psychotherapieplätze vom Himmel regnen, um uns wieder zusammen zu flicken, im Gegenteil, dann können wir ja endlich alle wieder schön produktiv die Wirtschaft ankurbeln. (Hier Kapitalismus-Rant denken.)

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Etwas ganz anderes: ich wusste immer, dass es das geben muss, habe aber noch nie eins gesehen. Heute kitzelte es mich im Nacken:

Ein Haar, an der Spitze noch pigmentiert, an der Wurzel farblos.

Ich freu mich, als hätte ich grad eine wissenschaftliche Theorie bewiesen. Bester Moment des Tages, was sag ich, der Woche.

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*ich las da heute was, das war so desillusionierend (und auf Norwegisch), das zeige ich Ihnen nicht, um Ihre Fransen zu schonen.

Tag 2091 – Ostern rum.

Puh. Das waren die Osterferien 2021. Genauso Lockdown-öde wie 2020. Fast noch öder, letztes Jahr habe ich in der Karwoche ja Montag bis Mittwoch noch gearbeitet und mich schrecklich beliebt gemacht (lies: alles andere als das) mit einer Art Fern-Inspektion. Außerdem hatte Herr Rabe Kurzarbeitsstress. Dieses Jahr hatten wir einfach frei, was auch schön ist, und auch nötig war, und ich hab auch keine Lust, morgen wieder an meinen Homeofficearbeitsplatz zurückzukehren, aber keinen treffen dürfen ist halt schon langweilig.

Ich glaub auch langsam, wir sind eher die Ausnahme als die Regel, was das weitere Befolgen der Empfehlungen und Regeln und Vorschriften angeht. Nachdem selbst Erna (Solberg, norwegische Staatsministerin) ihren 60. mit 14 Personen (erlaubt wären zu dem Zeitpunkt und dort 10 gewesen) auf der Hütte gefeiert hat, nimmt das alles keiner mehr so richtig ernst, fürchte ich.

Noch ein paar Monate.

Ich fürchte, danach muss ich mal zum Zahnarzt und mir ne Knirscherschiene anpassen lassen. Ich beiße scheinbar nicht nur metaphorisch die Zähne zusammen, zumindest ist mein Kiefer immer öfter immer verspannter und ich merke, dass mir das locker lassen zunehmend schwer fällt.

Es ist zum Mäuse melken. Alles.

Tag 2090 – Geduld.

Aus verschiedenen Richtungen über das Impfen nachgedacht. Nicht generell, sondern das gegen Corona. In Drammen war es eine kurze Zeit möglich, die verschickten Log-In-Codes zur Anmeldung zum Impfen mehrmals zu nutzen, also zum Beispiel an jemanden weiterzuleiten, die*er eigentlich noch lange nicht an der Reihe ist. Ist es verwerflich, so eine technische Lücke auszunutzen? Ja. Würde ich es machen? Nein, aber nur aus der Panik raus, erwischt zu werden. Und schlecht fühlen würde ich mich auch, denn die Leute, die jetzt dran sind, sind das aus gutem Grund und ich bin aus genauso gutem Grund noch nicht dran.

Wenn ich jetzt ne Chance hätte, sagen wir mal über meinen Arbeitgeber (habe ich nicht, nur dass das klar ist, an Berufsgruppen sind hier nur Mitarbeitende im Gesundheitssystem priorisiert), doch schon jetzt oder wenigstens bald eine Impfung zu bekommen, wäre das verwerflich? Njaeee. Hmm. Käme drauf an? Eine Person, die Patientenkontakt hat, klar, die sollte geimpft werden. Andererseits – bei den Zahlen wie sie in Oslo sind, sind doch alle Menschen, die beruflich viel Kontakt zu anderen Menschen haben, ob nun die Verkäuferin im Supermarkt oder die Krankenschwester in, sagen wir mal, der orthopädischen Chirurgie (um was zu nennen, das kein erhöhtes Covid-19-Risiko mit sich bringt) etwa dem gleichen Risiko ausgesetzt. Von Lehrpersonen in vollen Klassen (hier: ohne Masken und ohne Tests) mal ganz zu schweigen. Würde ich also als Krankenschwester in der orthopädischen Chirurgie versuchen, eine Impfung zu ergattern, oder würde ich aus Solidarität mit meinen Verkäuferinnensistas und Lehrerbros drauf verzichten, bis ich altersmäßig dran bin? Weiß ich ehrlich gesagt nicht.

Und wie sieht es mit der Krankenhausverwaltung im Homeoffice aus? Den Mitarbeitenden in Forschungslaboren? Würde ich, wäre ich noch Doktorandin, mich so schnell wie möglich impfen lassen, bloß weil ich formell gesehen im Krankenhaus arbeitete (zur Erinnerung: ich habe nie eine*n Patient*In auch nur von Weitem gesehen, selbst die RNA aus Mäuseorganen kam schon fertig extrahiert)? Ich weiß auch das nicht.

Ich allein mache doch keinen Unterschied, würde ich vermutlich denken. Auch 10 Leute in Drammen mit weitergeschickten Codes machen keinen wesentlichen Unterschied, für die Menschen aus der Gruppe, die zur Zeit dran ist, bedeutet das allerhöchstens einen Tag später geimpft zu werden. Für mich wären es drei Monate. Drei Monate sind viel wert, nach 13 Monaten Zwangshomealles.

Vielleicht wäre ich zu feige, wenn es um echtes Vordrängeln ginge. Aber wenn mein Arbeitgeber nun käme und sagte: wir haben einen Weg gefunden, euch alle als Mitarbeitende im Gesundheitssystem zu definieren, nächste Woche gibt’s Impfung für alle, Alter egal… würde ich dann aufstehen und sagen, Leute, ich bin 36 und gesund und dingens und ich bleibe liebend gerne noch drei Monate zu Hause, während meine Kinder täglich das Haus verlassen (müssen) und Urlaub in Deutschland machen wir dann eben 2022 wieder, gebt meine Impfung lieber jemandem, dem es aller Wahrscheinlichkeit mit Covid19 schlimmer erginge als mir…? Ich bin nicht sicher. Vermutlich nicht. Was sind 330 Menschen schon gegen 3,8 Millionen zu Impfende.

Nun wird das aber ja wahrscheinlich nicht passieren, dass mein Arbeitgeber mit sowas kommt (im Gegensatz zu den Spuckschützen im Büro wären Impfungen ja immerhin tatsächlich zum Infektionsschutz geeignet). Dafür sieht es so aus, als sei meine ganz persönliche Chance, die wirklich letze geimpfte Person in Norwegen zu werden (abgesehen von Menschen, die aus irgendwelchen Gründen zur Zeit nicht, aber irgendwann später, geimpft werden können) gar nicht mal so klein. Denn nun denkt man offen darüber nach, was ich schon länger vermute: wenn alle über 45 geimpft sind, mit den Jugendlichen und jungen Erwachsenen weiterzumachen, statt weiter wie bisher sich altersmäßig von oben nach unten durchzuackern. Mein Tipp ist, dass sie an beiden Enden gleichzeitig anfangen, mit Übergewicht bei den jüngeren. Denn da findet viel Ansteckung statt. Was ja richtig ist. Bei uns homeofficenden, Teil-homeschoolenden, quarantänebingospielenden Mittdreißiger-Eltern findet nicht so viel Ansteckung statt, wie denn auch, dafür müssten wir ja in signifikantem Maß andere Menschen treffen. Manche von uns werden über die Kinder angesteckt, Tjanun, aber da stoppt es dann ja, weil wir ja brav seit einem Jahr unser komplettes Leben auf Pause gestellt haben. Bis auf den Teil mit den Kindern, da herrscht Bandsalat. Aus epidemiologischer Sicht ist es deshalb ganz logisch, die Jugendlichen und jungen Erwachsenen vor uns zu impfen.

Aber herrje, wie scheiße ich das ganz persönlich finde. Wir irrational lang mir die vier Wochen, die das laut aktuellem Plan ausmachen könnte, grade vorkommen. Wie unfair ich es finde, dass höchstwahrscheinlich Menschen, die diesen ganzen Beinausriss, der es ist, mit kleinen Kindern im Boot durch die Pandemie zu schippern, gar nicht nachvollziehen können, wieder in Cafés sitzen, während es für uns wochen-, vielleicht monatelang weiter nur To-go gibt, dass Jugendliche Partys feiern dürfen, dass wirklich jede*r wieder ins Ausland reisen darf AUSSER UNS, das kann ich gar nicht richtig ausdrücken. Sehr unfair. (Man könnte jetzt sagen, ach, dann muss die Oma und der Opa halt in den Sommerferien hier her kommen, aber das wird wohl aus Gründen nicht passieren, und zum Beispiel Freunde in Deutschland besuchen wird ja auch nix, die sind ja, wie wir, jung und gesund und bis dahin ungeimpft.)

Geduld ist nicht meine starke Seite und bis Mitte Juli geduldig bleiben ohne jemandem aus Impfneid im Restaurant das Gesicht in den Pastateller zu drücken oder die erstbeste Gelegenheit zum Vordrängeln in der Impfreihenfolge schamlos auszunutzen, wird hart. Richtig knüppelhart.

Die nächste Pandemie bitte erst, wenn die Kinder aus dem Haus sind. Danke.

Tag 2089 – Streichen und Kultur.

Das Schlafzimmer ist fertig gestrichen. Der Schrank kann dann jetzt bitte langsam mal kommen.

Vor dem Streichen, zwischen den Arbeitsschritten und zum Teil auch während des Streichens war hier heute Kultur-Tag, mit zwei mal Impro-Theater (selbst gekaufte Karten) und gestreamtem modernen Ballett. Eines der Kinder fand die Kinder-Vorstellung Impro-Theater gut, nicht das, das ich erwartet hätte. (Schön war allerdings die Reaktion auf „Was denkt ihr, was euer Spielzeug macht, wenn ihr nicht da seid?“ – „Ich benutze kein Spielzeug.“ – „Lego?“ – „Das ist kein Spielzeug.“ – „Was macht denn Bunti, wenn du in der Schule bist?“ – „Schlafen.“ und dann schrieb er „slafen“ in den Chat. [s-l bildet im Norwegischen einen sch-Diphtong, Anm. d. Red.] Er schrieb auch „Measvainsn“, auf die Frage, was für Haustiere Leute denn so haben. Es ist so niedlich!) Ich fand alles gut. Boléro besser als Faun. Modernes Ballett muss man mögen, hautfarbene Unterwäsche (und sonst nix an) ftw und so, immerhin schreit niemand, das ist ja mein zeitgenössischer-Tanz-Bullshit-Bingo-Joker schlechthin. Impro muss man halt auch mögen, ich erwähnte es bereits.

Ich würde für so Streams aus der Oper ja auch bezahlen, immerhin war ich ja auch im Kino und hab da einen Ballett-Stream geguckt. Für so Leute wie uns, die ein bisschen weiter außerhalb wohnen und nach einer Theatervorstellung noch eine Stunde nach Hause gondeln müssen und/oder nicht unbedingt Babysitter haben, wäre das auch Post-Pandemie eine gute Sache, die uns mehr Kulturteilhabe ermöglichen würde. Für Leute, die gerne Theatervorstellungen (oder Oper oder Ballett oder ein klassisches Konzert oder… sowas eben) sehen würden, aber ungern unter Leuten sind oder sich vielleicht auch einfach dort aus verschiedenen Gründen fehl am Platz und unwohl fühlen, wäre es sowieso gut. Mehr Kultur-Streaming zu okayen Preisen, bitte.

Jetzt werde ich bestimmt geschlachtet, weil es natürlich GANZ WAS ANDERES ist, im Opernhaus selbst ne Oper zu hören. Es ist aber halt auch ziemlich elitär wenig inklusiv, das so zu sagen und noch viel elitärer 50€ Aufwärts für das total besondere Erlebnis zu verlangen. (Plus Anfahrt, plus Babysitter, wenn wir zu zweit gehen, können Sie sich ausrechnen, was so ein Abend uns kosten würde. Plus sich schräg angeguckt fühlen, weil was zieht man überhaupt an in so ner Oper? ~Unbezahlbar!~)