Tag 2329 – Kurzgeschichten.

In Deutschland, zumindest in manchen Ecken auf Twitter, scheint der Lack weiter im Angebot zu sein. Manchmal schicken mir Leute da was aus Absurdistan (ich lese immer noch nicht aktiv da, genau wegen solcher Leute, wenn ich mich sowas dauerhaft aussetze, ist es nicht mehr lustig sondern macht mich regelrecht fertig), wie zum Beispiel, dass Leute sich nicht gut damit fühlen, ihre Kinder off-Label (doppelt off-label, weil U5 und mit Erwachsenenimpfstoff) auf einem Parkplatz von einer Person impfen zu lassen, die nicht mal ihren Namen nennt. Die Impfperson beteuert, Ärztin zu sein, und ein Account aus dem Internet beteuert das auch. Legit! Dass die Elternperson unter diesen Bedingungen doch lieber nicht mit ihrem Kind an dem Experiment „ist es Comirnaty, Kochsalz oder aufgelöstes Backpulver?“ teilnimmt, finde ich überhaupt nicht verwunderlich, das kam jetzt vielleicht falsch rüber. Nein – Da machen random Menschen aus dem Internet diese Elternperson runter, als würde sie ihr Kind in der Wüste in einer Schlucht voller hungriger Koyoten zurücklassen. Die Kirche im Dorf lassen ist da schon lange nicht mehr.

Kurzes Update zum Stand der Gesundheit: ich möchte am liebsten nur schlafen und meine Nase tut immer noch weh. Heute musste ich in einem Meeting Protokoll schreiben und das war ein ernüchterndes Erlebnis – ich kann mich einfach nicht konzentrieren. Völlig unmöglich: einen Satz zum vorherigen Agendapunkt zuende schreiben und gleichzeitig dem nächsten Agendapunkt zuhören. Haha, nice try. Einzige Beruhigung (Spaß, überhaupt gar nicht beruhigend sondern überaus beängstigend), ist, dass es allein in unserem Kaff allein aus der letzten Woche vermutlich ca. 75 Personen so gehen wird, denn so viele voll geimpfte haben letzte Woche allein hier Covid nachgewiesen bekommen. Dass sich Hausstandsmitglieder von infizierten (meist Kindern) testen lassen müssen, ist ja noch neu, also vermutlich ist die Dunkelziffer immer noch hoch. 75, in unserem Kaff, sind viele. Wir haben halt eine Pandemie. Trotzdem tun alle so, als wäre das alles kein Problem, easy peasy bisschen Corona haben ist doch nicht schlimm, wenn man geimpft ist… doch. Ist es. Ich hatte noch Glück, ich kenne auch Leute, die liegen nach zwei Wochen immer noch im Bett und sind schon froh, dass sie inzwischen wieder selbst das Hörbuch am Handy wechseln können. [This is fine-gif]

Ich hab mir nahtlose, bügellose, verschlusslose BHs gekauft. Homeoffice-BHs. Ich erhoffe mir größtmögliche Bequemlichkeit, beim gleichzeitigen Vermeiden von Haut auf Haut und leichten Entgegenwirken der Schwerkraft. Ich werde berichten. Vom Anprobieren bin ich erst mal sehr angetan, ich glaub das sind so Dinger, die manche Menschen nachts tragen (da hab ich keine Meinung zu, macht man, wie man mag, ne? Es ist mir auch egal, ob Sie überhaupt BHs tragen oder nicht, wirklich).

Für die Weihnachtsferien ist ein Schweinesitter organisiert. Vermutlich rentiert sich das sogar (leider kein Scherz), denn dann können wir eine Woche lang die Heizung runterdrehen. Strompreise sind DAS Gesprächsthema. Jeden Tag neue Rekorde, heute waren wir bei 53 Cent/kWh, das ist… absurd teuer für unsere Verhältnisse. Es wird dann gerne gesagt, wir müssten uns an „europäische“ Strompreise gewöhnen, ich kann mich aber aus Deutschland nicht an 500€-Stromrechnungen (im Monat) erinnern, irgendwie, was aber diesen Winter so das ist, auf das wir uns einstellen müssen (und mehr, wenn es so weitergeht, zahlen wir im Januar/Februar ca. 1000€ für Strom). Winter geht bis einschließlich März, mit Pech muss man bis weit in den Mai rein viel heizen. Lustige Anekdote: im Büro ging heute aus unerfindlichen Gründen kurz das Licht aus, was jemand trocken mit „Tja, Strom ist halt teuer“ kommentierte.

Galgenhumor können wir, auf allen Gebieten.

Tag 2328 – Hier gibt es nichts zu sehen.

Erster Advent, vermutlich glauben Sie mir nicht, dass wir einen Adventskranz haben, wenn ich davon kein Bild habe, wie alle Jahre wieder sind wahrscheinlich Instagram und Twitter voll damit, aber ich muss Sie enttäuschen, es gibt kein Bild. Es gibt aber einen Adventskranz. Dieses Mal habe ich ihn nicht selbst gebunden, sondern wir haben einen schlichten, hübschen Türkranz aus dem Supermarkt umfunktioniert. Man muss haushalten mit den Kräften.

Draußen ist es kalt, aber es schneit nicht. Dafür ist Sonnenuntergang um zwanzig nach drei. Winter, wie ihn wohl niemand mag. (Ok, es könnte noch bei 2 Grad plus regnen. Das wäre noch ätzender.)

Omicron bekümmert, aber nur mich. Politik und FHI sind tiefenentspannt, bzw. sehen der baldigen, raschen Durchseuchung mit einer „weniger krank machenden“ Variante (bevor man das weiß, bevor man Spätfolgen weiß… aber erst mal rausblasen, was man sich feucht zusammenträumt) freudig entgegen. Ich möchte echt nicht mehr, außer alle schütteln.

Tag 2326 – Windmühlen.

Der Schulelternrat hat von der Schulleitung den Auftrag bekommen, zu diskutieren, ob Weihnachtsfeiern mit den Eltern und sonstigen Interessierten stattfinden sollten. Ja, das lesen Sie richtig, die Schulleitung selbst hat offenbar keine Lust, das zu entscheiden. Wir haben das also heute diskutiert und ich bin jetzt sehr müde, weil das hier halt Norwegen ist. Ich hab mir den Mund fusselig geredet bzw. die Finger wund getippt, aber niemanden überzeugt. Ich hoffe, die Leiterin vermittelt wenigstens unseren Dissens weiter, und sagt nicht „Wir finden Weihnachtsfeiern alle supi!“ zur Schulleitung.

Unsere 7-Tages-Inzidenz in unserem Kaff ist derweil bei 550, norwegenweit ist sie bei 350 (das schließt ja immer auch die dünn besiedelten Gebiete mit ein), die Krankenhäuser füllen sich, aber weil die Regierung nicht aus dem Quark kommt mit Regeln, kommen die Kommunen nicht aus dem Quark mit Regeln und damit kommen auch Schulelternräte nicht aus dem Quark mit Regeln. Denn „die Kommune ist auf grünem Niveau“* „die Kinder kriegen es doch eh irgendwann“** und „die Kinder sind doch eh schon den ganzen Tag in Schule und Hort“***.

Ach ja, Boosterdosen für alle ab 45 und Kinder werden erst mal nur geimpft, wenn sie schwere Vorerkrankungen (Krebs, Immunschwäche, Organtransplantationen) haben, „damit diese Kinder ein normales Leben leben können“. Will ich sehen, wie ein beispielsweise organtransplantiertes Kind ein normales Leben lebt, während außer Covid auch noch RS-Virus, Noro, Grippe und (in Pippis Stufe) Windpocken umgeht. Und Krätze.

Was ganz anderes: diese Weihnachtskonzerte, auf die man als Eltern muss, das ist auch sowas wie ein Generationenvertrag, oder? Wir hatten da heute ein recht lorioteskes Erlebnis. Ich glaube nicht, dass meine Schulkonzerte damals so… äh… herausfordernd für die Selbstbeherrschung waren. Ich glaube, lachen kommt nicht gut bei sowas, aber das ist nicht so einfach, wenn jede Instrumentengruppe in einem ganz eigenen Tempo vor sich hintutet, während jemand völlig random ab und zu mit Klanghölzern dazwischenklönkt. Drei Haselnüsse für Aschenbrödel kriegt dadurch ganz interessante Dimensionen, fast wie Jazz, sage ich Ihnen. Ja, ich verstehe ja, dass viele dieser klassischen Kirchen-Weihnachtslieder auch noch in wenig gefälligen Rhythmen und heutzutage komischen Melodieführungen geschrieben sind, mit 6 bis 13 Jahren ist „Es ist ein Ros‘ entsprungen“ sicher nicht ohne, aber Jingle Bells fällt für mich jetzt nicht unter diese Kategorie. Michel hat das eine Stück, was er mitgespielt hat, aber super gemacht und ist einen Meter gewachsen.

Und ja, ich denke eigentlich gehört auch sowas abgesagt, bei einer Inzidenz von über 500.

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*sollte sie aber vielleicht nicht sein

**ja, aber das muss man doch deshalb nicht unnötig befeuern, und dann auch noch direkt vor Weihnachten, wo man vielleicht ältere Verwandschaft treffen möchte

***ja, aber zusätzliches Risiko kann man doch trotzdem meiden? Man macht doch auch nicht auf der trockenen Wiese Lagerfeuer, bloß weil der Wald daneben eh schon brennt? Außer man will kontrolliert abbrennen, aber das traue ich den Schulelternratsmitgliedern nicht zu, so weit zu denken. Der Politik (Immunitätslücken schließen, bevor die Eltern anfangen, ernsthaft nach Impfungen für ihre Kinder zu verlangen) hingegen schon.

Tag 2325 – Verbittert.

Fun fact, in Norwegen redet keine Sau darüber, dass „die EMA“ heute „den Kinderimpfstoff“ „freigegeben“ hat. Liegt vermutlich dran, dass wir ihn nicht kriegen werden (im Sinne von: Norwegen wird die breite Masse der Kinder nicht impfen, wenn ich das Stimmungsbild in den Medien richtig lese und deute) aber das ist jetzt Geunke.

Kurz bloß weil es mich kolossal nervt: Das CHMP (Comittee for Medicinal Products for human use), das ein ständiges Komitee der EMA ist, hat empfohlen, dass die Europäische Kommission die Zulassung für Comirnaty mit einer neuen Formulierung zur Anwendung an Kindern von 5-11 Jahren erweitert.

Nach viel Gesuche fand ich auch raus, was an dem Impfstoff denn nun anders ist, es ist die Konzentration, damit man 0,2 mL statt 0,1 mL injizieren kann um 10 Mikrogramm Wirkstoff zu bekommen, was ein wenig mehr Kontrolle und Genauigkeit bei der injizierten Dosis bietet. Ansonsten ist noch die Farbe vom Gummipröppel anders, nämlich orange. Es gibt noch lila (Konzentrat zur Herstellung einer Dispersion zur Injektion für Erwachsene) und graue (fertige Dispersion zur Injektion für Erwachsene) Gummipröppel.

Ob es nun quasi unmöglich ist, 0,1 mL zu injizieren oder nicht, das müssen andere beantworten (ich nehme an, jeder Kleintierveterinär kichert leise in seine Minispritzensammlung), aber bitte gehen Sie nicht hin und verdünnen den Erwachsenenimpfstoff runter, oder „spülen“ die Spritze vorher mit NaCl oder sonstige Späße, die nämlich alle nicht im SmPC stehen, weil sie niemals koordiniert und dokumentiert erprobt wurden. Machen Sie das bitte nicht. Alle Pharmazeut*Innen Europas und so Pseudopharmazeut*Innen wie ich kriegen Schluckauf, Ausschlag und Augenzucken, wenn Sie das machen. Ob Sie 0,1 oder 0,2 mL injizieren ist mir persönlich verhältnismäßig wurscht (es ist immer noch off label, wenn Sie aus den Vials mit den lila oder grauen Kappen nicht 0,3 mL aufziehen und nicht Menschen >11 Jahre verabreichen), aber ob sie mit einer mit Flüssigkeit aus Töpfchen A gefüllten Nadel noch mal in Töpfchen B pieken, und das Ganze dann ca. 50 mal, das ist eine andere Sache. Sterilität! Ahhh! Und der Proppen ist sicher nicht für 50 mal Reinpieken validiert! Ahhhhh! Gummiteilchen im unsterilen Injektionspräparat, ungenaue Dosis, inhomogenes Präparat, ahhhhhhh!

Man kann alles über Comirnaty nachlesen, wenn man möchte. Infoseite Comirnaty: https://www.ema.europa.eu/en/medicines/human/EPAR/comirnaty#assessment-history-section, sämtliche Änderungsanträge: https://www.ema.europa.eu/en/documents/procedural-steps-after/comirnaty-epar-procedural-steps-taken-scientific-information-after-authorisation_en.pdf, SmPC: https://www.ema.europa.eu/en/documents/product-information/comirnaty-epar-product-information_en.pdf. Zu bestimmten Änderungsanträgen kann man auch die Scientific Communication nachlesen, einfach zu finden durch Google.

Aber, Achtung, jetzt wird’s zynisch. Vielen ist ja scheinbar egal, was überhaupt vom CHMP evaluiert wurde und was nicht, dann ist das sicher auch nicht so tragisch, wenn sich der Kinderarzt selbst ausdenkt, wie er das macht und im über hundertseitigen SmPC steht auch so viel Zeug, wer soll da schon noch durchfinden und überhaupt, wozu diese ganzen Prozesse, die nur alles verlangsamen. Und wie kann sich überhaupt irgendwer erdreisten, nicht schon mal auf gut Glück die Lager mit Vials mit orangenen Kappen vollzupacken (von Hersteller/MAH über EU-Einkaufsallianz bis zum einzelnen Staat). Dass das CHMP keine Empfehlung zur Zulassungserweiterung ausspricht, war ja nie wirklich eine Möglichkeit, nicht wahr. [irgendwas mit „unabhängiges“ Gremium mit sehr großen Anführungszeichen.]

Jetzt kann man dann noch eine Weile toben, dass die STIKO sich Zeit lässt mit ihrer Entscheidung und dass die Friseurin der Kindergärtnerin der ihre Schwester ihre Kinder nicht beim Kinderarzt von Tante Jutta impfen lässt, obwohl der doch nur ne Stunde entfernt ist und weder auf die Vials mit den orangenen Kappen noch die Entscheidung der STIKO wartet, im Gegensatz zum absolut unmöglichen, verantwortungslosen Kinderarzt von der Friseurin der Kindergärtnerin der ihre Schwester.

Entschuldigen Sie die Bissigkeit, ich bin müde von all dem. Es macht mich bitter. Wahrscheinlich reiner Neid, siehe 1. Absatz.

Insofern gut, dass hier niemand davon spricht.

P.S. ja, es heißt nicht Pröppel, nicht Pijaukel, nicht Pömpel, Kappe auch nicht, Kapsel ist das, was gegebenenfalls noch drum rum ist (Metall oder Schrumpfplastik), wie heißt das Gummidingen denn? Schön, dieses Covid brain.

P.P.S. Stopfen? Gummistopfen klingt besser als Pröppel.

Tag 2319 – Glückwunsch!

Wir sind nicht mehr isoliert. Da wir kein Fieber haben oder in den letzten 24 Stunden hatten, hat uns die nette Frau vom Smittesporing heute „abisoliert“. Herr Rabe hat das mit einem Besuch bei der Post gefeiert, wo seit Montag ein Paket von ihm lag.

Ich war den Tag über auf dem Sofa statt im Bett, yeah, Fortschritt. Dort habe ich gearbeitet, weil halt, das meiste waren aber „nur“ Meetings, die Teilnehmenden wissen jetzt auch alle, wie ich ungeschminkt und halb krank aussehe, mir alles egal. Das IT-Projekt brennt demnächst, wenn’s nach mir geht, lichterloh, davor brennt aber bitte ein anderer Teil des selben Projektüberbaus (FRES im Gegensatz zu DELE, nämlich), weil ich wirklich, WIRKLICH allergisch drauf reagiere, wenn mir Schulungen (in Präsenz! 7 Stunden, verteilt auf zwei Tage, damit man vier mal in den Genuss von ÖPNV kommt, in einer wieder mal aufflammenden Pandemie!) aufgedrückt werden, in etwas, das ich mir im März 2020 zwangsweise selbst aneignen musste, das aber so erfolgreich getan habe, dass ich meine Kolleg*Innen darin dann auch gleich noch eingewiesen hab. Auch meine Kolleg*Innen haben diese Schulung deshalb zum größten Teil meiner Meinung nach nicht nötig. Die Schulung ist aber obligatorisch für alle und da klinken bei mir diverse Sicherungen aus, ehrlich gesagt. Wir sind alle heillos überlastet, rotieren, machen Überstunden noch und nöcher und sollen plötzlich noch vor Weihnachten eine 7-stündige Schulung zum Speichern und Teilen* von Daten** (!!!!!!!!!!!) machen??? 

Es ist zum Haare raufen. Wir sind doch keine Staffage für die Existenzberechtigung anderer Stellen im Werk.

Ich glaube, bei mir ist schlechte Laune ein Coronasymptom. Oder Gereiztheit. Und Lippenherpes und eine Aphte unter der Zunge hab ich obendrein auch noch bekommen, danke für nichts, Körper.

(Entschuldigen Sie bitte meine Motzigkeit, ich kann mich selbst so am wenigsten leiden.)

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*zum Zwecke der Zusammenarbeit, rein intern. In drei Systemen, von denen zwei eigentlich jeweils das gleiche in grün und außerdem miteinander integriert sind. Das dritte ist… ein Filehosting-Dienst, also eine… Dateimappe? Ok, in der Cloud, aber im Grunde… ist es… eine Dateimappe? Ich kann gar nicht so viel Unverständnis ausdrücken, wie ich dafür habe. 7 Stunden Schulung in der Benutzung einer Dateimappe.

**Word, Excel, PowerPoint, pdf. Vielleicht, wenn wir ganz wild sind, ein paar Fotos.

Tag 2318 – Langweilig.

Eigentlich bin ich hauptsächlich schlapp, leider kann ich mich darüber hinaus auch nicht auf irgendwas sinnvolles und intellektuell mehr herausforderndes als Äpfel schälen konzentrieren, weshalb ich hauptsächlich YouTube und Netflix schaue, während sich meine Arbeitsverpflichtungen meterweit aufstapeln.

Das ist langweilig und macht schlechtes Gewissen und ein gewisses Grauen davor, dass ich irgendwann wieder arbeiten muss. Haha.

Tag 2317 – Schlapp.

Im Grunde fühle ich mich wie wenn ich ne richtig fette Erkältung kriege. Schlapp, Kopfschmerzen, Gliederschmerzen, Nase zu. Heute hab ich zwei Meetings wahrgenommen, eins davon aber weitgehend nur hörend und dabei im Bett liegend. Ansonsten lag ich den Großteil des Tages im Bett. Abends konnte ich mich lange genug auf den Beinen halten, um Milchreis aufzusetzen und Apfelmus zu kochen, danach war aber auch gut mit Action und ich musste wieder ins Bett.

Ein Scheiß ist das.

Die Schule hatte heute Plantag, deshalb waren auch beide Kinder den ganzen Tag hier. Nicht ganz, denn Michel (der ja von uns der einzige ist, der sich wieder frei bewegen darf) war am Nachmittag drei Stunden beim „Juniorclub“, einem Freizeitclub für 4.-6.-Klässler*Innen. Michel gefällt es da sehr gut und viele seiner Freunde gehen auch jeden Mittwoch da hin. Man kann dort Musik machen, basteln, werkeln, Billard und Ähnliches spielen und zusammen an Konsolen zocken. Außerdem gibt es Mittagessen, das ist aber bei Michel vergebliche Liebesmüh, der hat ja einen sehr eingeschränkten Speiseplan. Ich finde das Angebot super, in unserem Kaff ist ja sonst die Auswahl eher so „Fußball oder Marschkapelle?“.

Ansonsten möchte Michel jetzt ein gesünderes Leben führen. Er trainiert und meditiert jetzt täglich, seit gestern, die Routine ist also noch nicht so ganz eingeübt. Mit der Meditation möchte er seine Wut in den Griff bekommen, mit dem Training „halt stärker werden“. Ich finde es sehr niedlich, wie das dürre Kind mit seinen Spargelärmchen meine 2 kg-Hanteln hebt, oder mich wütend anherrscht, weil ich es gewagt habe, unser Schlafzimmer zu betreten, obwohl es im Schneidersitz auf dem Bett thront und seine innere Ruhe sucht. Ich glaube zwar nicht, dass das nötig ist, aber beides wird wohl erst mal nicht schaden und im besten Fall tatsächlich zu größerer Ausgeglichenheit beitragen. Das wünsche ich in erster Linie ihm, aber auch uns als Familie.

Tag 2316 – Warten.

Ist schlechte Laune ein Coronasymptom? Oder ist das ein Symptom von productownership? Vermute letzteres, glaube aber auch, dass das eher eine Folge von Fehlanwendung ist. (Aus der Reihe „Dumme Entscheidungen von Frau Rabe“ ist eine aktive Rolle im IT-Projekt anzunehmen eine neue, spannende Staffel. Am Ende der Staffel, nach einigen Plottwists á la „Wir verlängern das Projekt um ein halbes Jahr, sagen es aber keinem“ brennt vermutlich alles, wie immer.)

Corona-Raben-Update: Pippi weiterhin fit, Herr Rabe langsam auf dem Weg der Besserung, ich müde, verstopfte Nase rechts, Kopfschmerzen und seit heute Abend auch Halskratzen. Alles nicht dramatisch schlimm, aber lästig.

Optiker und Augenarzt sind informiert und reagierten gelassen. „Kommt jetzt aus allen Richtungen, danke fürs Bescheid sagen“, war der Tenor. Es bedeutet bei denen keine Quarantäne, denn die kriegen nur Ungeimpfte nahe Kontakte – 10 Minuten mit Abstand und Maske in einem Raum sein, reicht in norwegischen Maßstäben nicht, um als solcher zu gelten.

Mit meinen Symptomen habe ich jetzt trotzdem Isolation bis mindestens Freitag gewonnen, was ja auch ok und richtig ist, aber mich zum Nachdenken gebracht hat. Denn, obwohl ja inzwischen hinreichend bekannt ist, dass auch Geimpfte sich infizieren und das Virus (wenn auch in geringerem Maß und kürzer und so weiter) weitergeben können, auch wenn sie keine Symptome haben – warum empfiehlt man dann hier in Norwegen voll geimpften, symptomlosen Nahkontakten (zum Beispiel Familienmitgliedern) ausdrücklich keine Tests, und ordnet, falls sie doch positiv getestet werden, nur 2 Tage Isolation ab Test an? Das macht für mich keinen Sinn, außer man möchte gerne, dass voll geimpfte, symptomlos Infizierte durch die Gegend laufen und Virus verteilen. Ganz so, als wolle man Immunitätslücken durch breite Streuung der Infektion schließen. Aber sowas würde ja ein verantwortungsvoll handelnder Staat nie tun, das wäre ja viel zu riskant, sowohl in Anbetracht der Auslastung des Gesundheitssystems, als auch unzureichend abschätzbaren Nachwirkungen der Erkrankung, als auch der Entwicklung von Immune-Escape-Varianten.

Ich für meinen Teil habe jedenfalls heute noch mal bei Oda bestellt und mich vor dem Schlafengehen an den Tipp von der Impfung erinnert und zwei Paracetamol genommen, in der Hoffnung, dass ich mich morgen besser und nicht schlechter fühle. Abwarten, hilft ja eh alles nix.

Ach, um es gesagt zu haben: hier in Norwegen ist Quarantäne = zu Hause bleiben, bei Symptomen testen, keinen Besuch empfangen, man darf aber z.B. in den Garten und im eigenen Haus leben wie immer. Das wird Nahkontakten empfohlen. Isolation = wenn man PCR-positiv ist. Zu Hause bleiben, keinen Besuch, zu Haushaltsmitgliedern nach Möglichkeit 2 Meter Abstand halten, man darf aber seine Kinder schon noch versorgen (ausdrücklich auch Fürsorgebedürfnisse erfüllen). Nur Isolation ist im norwegischen Corona-Infektionsschutzgesetz (Paragraf 8) verankert und infolge Paragraf 24 ist Übertretung dessen auch strafbar. Quarantäne kann nur empfohlen werden (keine gesetzliche Handhabe), außer Einreisequarantäne, die ist sehr genau reguliert. Sowas interessiert mich ja inzwischen aus beruflichen Gründen immer brennend: wo ist das „hjemmel“?

Tag 2315 – Wie wir mal alle Corona hatten.

Pippi, Herr Rabe und ich sind alle Covid19-positiv, die Nachricht kam heute spätnachmittags. Michel ist aus der Isolation raus und geht wieder zur Schule. Beim Rest der Familie ist der Status folgender:

– Pippi, ungeimpft, hat wenige Symptome. Ich glaube, heute Nacht hatte sie Fieber, jedenfalls hatte sie sehr heiße Füße im Bett. Sie klagt über nichts, hustet kaum, ist aber verdächtig zufrieden damit, sich den ganzen Tag keinen cm zu bewegen.

– Ich, doppelt geimpft (2 x Pfizer) hatte gestern Magengrummeln und sonst habe ich nichts. Des Weiteren hatte ich fünf zweifelsfrei negative Schnelltests drei verschiedener Marken im Laufe des Wochenendes und zuletzt heute morgen. (Und deshalb war ich auch mit Michel beim Augenarzt und beim Optiker, Asche auf mein Haupt. Wenigstens die ganze Zeit mit FFP2-Maske und Abstand und nur so kurz wie möglich drinnen. Auf die Wirkung der Augentropfen haben wir im Auto gewartet, ich habe mich „gesetzeskonform“ verhalten, aber unvorsichtig und im Nachhinein dämlich war es trotzdem. Das bade ich dann also morgen aus, wenn ich Optiker und Augenarztpraxis anrufen und das erklären muss. Die Infektionsnachverfolgenden machen das hier nicht mehr, das muss man selbst tun und die, die man benachrichtigt, müssen selbst wissen, ob sie sich deshalb testen lassen.)

– Herr Rabe, doppelt geimpft (Pfizer/Moderna, das ist nichts, was man sich hier groß aussuchen konnte), hatte heute Nacht und heute Vormittag Fieber, hat fetten Schnupfen und fühlt sich insgesamt sehr unfit.

Hoffen wir mal, dass Pippi und ich da weiter so durchschippern, sich Herr Rabe schnell erholt und ich heute niemanden umgebracht habe. Und natürlich, dass da nichts nachkommt.

Tag 2314 – Weiter geht’s.

Pippi hat keine Symptome, aber einen wirklich eindeutigen Schnelltest. PCR-Ergebnis von ihr, mir und Herrn Rabe kommt vermutlich morgen oder Dienstag. Herr Rabe und ich hatten heute negative Schnelltests, Herr Rabe ist aber verschnupft und ich habe ziemliches Magengrummeln und Bauchkrämpfe. Wenn ich was falsches gegessen hab, wäre es komisch, dass nur ich das habe, wenn ich irgendwas nicht vertragen habe, wäre das eine neu entwickelte Unverträglichkeit von irgendwas, das ich regelmäßig zu mir nehme. Beides kann natürlich trotzdem sein. So oder so ist es unangenehm.

Weil ja vermutlich auch nächste Woche unsere Putzhilfe nicht kommen kann und wir langsam im Chaos versinken, haben wir heute gemeinschaftlich aufgeräumt und wenigstens das nötigste (Küche und Bäder) geputzt. Ein sauberes und aufgeräumtes Haus haben ist sehr schön, aber der Weg dahin so lästig. Die Putzhilfe ist hier wirklich jede Øre wert, denn letztlich erkaufe ich mir damit Freizeit, Herr Rabe erkauft sich Freizeit und wir beide erkaufen uns erleichterte Harmonie, weil ein Punkt, der in allen Zeiten, in denen wir selbst putzen mussten, regelmäßig zu Streit geführt hat, wegfällt. Freizeit und Harmonie sind eigentlich unbezahlbare Güter. Hoffentlich ist das hier alles bald vorbei, damit wir unsere normalen Routinen wieder aufnehmen können.

Apropos Routinen: morgen dann weder für mich noch für Herrn Rabe Office-Tag. Falls mein PCR-Test positiv sein sollte, freue ich mich auch schon drauf, eine sehr bissige Nachricht ans Werk zu schreiben, weshalb ich leider, leider Dienstag nicht am Hurra-Pandemie-vorbei-Tag teilnehmen kann. (Falls er negativ ist, kann ich trotzdem bissig schreiben, immerhin scheinen meine beiden Kinder diese Krankheit, die wir ja jetzt nicht mehr bekämpfen müssen, genau jetzt durchzumachen und ich kann mich die nächsten Wochen als Bonus noch ein bisschen vor PIMS und LongCovid gruseln.) Ich könnte natürlich trotzdem hingehen, wenn ich keine Symptome habe, auch ohne Test, und gegebenenfalls ein paar meiner älteren Kolleg*Innen anstecken. Mal gucken, ob ich die Impfgegner*Innen ausfindig machen kann, indem ich alle gezielt anatme und dann Buch drüber führe, wer übernächste Woche krank ist. 5 Stunden Seminar, 2 Stunden „Vorspiel“ (norwegische Bezeichnung fürs Fest vor dem Fest, kann ich ja auch nichts für, dass das so heißt) und 3 Stunden Essen im Restaurant, alles mit Hunderten von Leuten in geschlossenen Räumen ohne Masken klingt für mich wie das Rezept für ein Superspreadingevent.

So müde von allem.