Tag 2169 – Noch ein bisschen Magie.

In Norwegen gibt es ja keine Aerosole. Deshalb reicht ein Meter Abstand, auch wenn man keine Maske trägt.

Es gibt hier auch nicht wirklich Long Covid.

Kinder werden nicht krank. (Von Long Covid mal ganz zu schweigen!)

Eine vierte Welle gibt es nicht.

Delta wird nicht gefährlich.

Eine Impfdosis reicht für den „grünen Coronapass“, auch in Zeiten von Delta.

Reisende schleppen kein Corona ein (außer osteuropäische Gastarbeiter*Innen. Die schon. Aber die Wikinger doch nicht, die sind ja (mit einer Dosis) geimpft).

… ist schon doll, hier in Andersland.

P.S. Ich wünschte ich würde mir das ausdenken oder das wären nur Verschwörungsschwurbeleien auf Telegram oder Wahlkampfgesülze. Aber nein, das sind offizielle Empfehlungen einer (nicht meiner) Gesundheitsbehörde.

Tag 2164 – What a day.

Ich gewann den Augenarzttermin. Das war etwas chaotisch alles und ich die schlimme Karrieremutti, die nebenher an Meetings teilnimmt, weil ich nicht mit dem Verabreichen von Augentropfen inklusive Zeit, bis die wirken, gerechnet hatte. Fazit des Augenarztes: weiter Brille tragen, Stärke passt noch, und „Sie ist sehr bereit für Schule, oder?“. Hmmja, ist sie.

Arbeit, da IT-Dings und überaus schlecht gelaunter Kollege.

Zwischendrin (also wirklich quasi im Wortsinn, Meeting zu Hause angefangen, im Auto und in der Schlange weiter geführt, kurz ausgemacht und beim anschließenden Warten im Wartezimmer und auf der Rückfahrt weiter teilgenommen) Dinge getan, von denen ich den Eindruck habe, dass sie nicht passiert sind, wenn man keine Bilder davon postet:

1. Impfdosis.

Ich hatte meine Hausärztin nämlich angeschrieben, nachdem ich herausgefunden hatte, dass man besser nicht zeitlich rund um eine OP geimpft werden sollte, eine OP aber gleichzeitig das Risiko, schwer an Corona zu erkranken, erheblich (wenn auch vorübergehend) steigert. Meine Hausärztin hat dann beim Impfzentrum angerufen, die bestätigt haben, dass ich damit sozusagen der Gruppe „18-44 mit Vorerkrankungen“ zugerechnet würde, die… schon fertig ist mit Impfen. Das Impfzentrum rief mich also an und gab mir einen Termin, aber so richtig konnte ich das erst glauben, als mein Arm anfing, weh zu tun.

Anekdote: unerwartete Fragen, die mir gestellt wurden. 1. „Nehmen Sie Betablocker?“ 2. „Sind Sie Links- oder Rechtshänderin?“, 3. „Schlafen Sie auf dem linken Arm?“

Den Termin zur Zweitimpfung nehme ich erst ernst, wenn sich der Tag nähert. In den letzten Wochen wurden hier mehrmals die Impfintervalle geändert und Termine verschoben und weiß nicht was… kann ja auch gut sein, dass, wenn im Juli alle außer uns verreist sind, Leute zur Zweitimpfung nicht auftauchen und sie dann andere terminlich vorziehen. Who knows, insofern beschäftige ich mich mit dem Termin noch nicht wirklich.

Naja, danach jedenfalls weiter Arbeit, dann Kindergartenabschlussfest. Die Vorschulkinder bekamen ihre Mappen mit ausgewählten Kunstwerken ausgeteilt, es gab Pølse, Kuchen und Eis und 6 (Vorschulgruppe plus Michel) aufgekratzte Kinder, die auf Zucker und Aufregung durch den „Apfelgarten“ sprangen. Pippi tanzte und sang ein improvisiertes Stück vor und auch in der kurzen Rede für jeden erwähnte Tante E. Pippis große Kreativität. Die schäumt halt den ganzen Tag vor Ideen, es kommt immer Geräusch aus dem Kind und still sitzen ist auch nicht so ihres, aber sie kann die Energie wirklich gut in Kunst aller Art kanalisieren, ist Melodie-, Text- und Choreografiesicher (alles keine Selbstverständlichkeit mit 5, 15 oder 50!) und liebt es, eine Bühne zu haben. Hoffentlich kann sie sich das bewahren.

Ich werd den Kindergarten ein bisschen vermissen, aber ich freue mich auch drauf, kein Kindergartenkind mehr zu haben.

<3 bester Kindergarten.

Nach Hause, 18 Minuten Geige Kurzprogramm (16 Minuten Vibrato-Übung „Katze quälen“ und Rieding op. 35 2. Satz zum Anwenden) und auf zum Tanzen. Ja, das soll man nicht, und liebe Kinder, do not try this at home or at all, man soll sich schonen nach der Coronaimpfung. Aber außer Aua im Arm und absurdem Durst fühlte ich mich ok, und ich bin sehr unflexibel und das Tanzen war geplant, also fuhr ich wieder zum Kindergarten und wir tanzten auf der Wiese und drehten davon ein Video. Derweil regnete es. Doll.

Beweisfoto „Wir sind härter als das Wetter, WIR SIND MODERNE VOKSEN“.

Voll dramatisch so, im Regen. Aber immerhin hielt das Make-up, bis auf den Maskara hatte ich eigentlich nicht damit gerechnet. Und eigentlich war das so sogar besser als zum Beispiel Sonne bei 30 Grad, wo man sich dann auch um neun Uhr abends noch kaputt schwitzt und auf dem Video alle gegen die Sonne blinzeln.

Danach Dusche, ein wohlverdientes Eis im Bett, und jetzt gedenke ich mich der impf- oder Uhrzeitbedingten Müdigkeit hinzugeben. Auf meinem linken Arm schlafe ich eher nicht, denke ich, aber sonst geht’s echt grad. Und nicht mehr so viel Angst davor haben müssen, dass ich mich im Krankenhaus (wir erinnern uns, die Krankenhausangestellten tragen nicht alle immer Maske) mit Covid anstecke und postoperativ richtig fett krank werde, das ist auch sehr viel wert. Husten ist bestimmt auch nicht toll für ne Wunde oder frische Narbe am Hals. Jetzt noch Daumen drücken, dass Delta nicht einmal durch Norwegen eskaliert.

Tag 2156 – Schon wieder nichts zu erzählen.

So ist das manchmal, und eigentlich gibt es ja auch definitiv schlimmeres.

Ich kann mich ja auch nicht dauernd aufregen, zum Beispiel über den europäischen Impfausweis, inzwischen bin ich bei den meisten Dingen sehr abgestumpft. Sind halt bald/demnächst/irgendwann überall Wahlen, ne?

(Ach, was wird das schön, wenn wir dann demnächst wieder versuchen können, das Klima zu retten.)

Tag 2155 – Kurz-vor-Ferien-Alltag.

Ach so, ja, vielleicht sollte ich auch auf Veröffentlichen klicken, das könnte helfen.

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Hier passiert nichts spannendes. Wir arbeiten so herum, dann holt Herr Rabe die Kinder ab, wir fahren sie (dienstags) beide zeitgleich zu unterschiedlichen Aktivitäten, ich gehe in der Zeit einkaufen und manchmal zur Apotheke (heute wieder, weil bei 4 Tabletten am Tag eine 100er-Packung halt nur für 25 Tage reicht). Besonders war heute, dass Michel noch Sommerabschluss mit dem Korps hatte (und da Cola trank, und dann schlecht schlafen konnte) und Pippi beim Tanzen gefilmt wurde. Alle Kurse filmen diesen Sommer ihre Choreografien, und zwar draußen. Statt Show im Theater mit Publikum* – ich begrüße das sehr, aus verschiedenen Gründen.

Weiterhin war für heute Gewitter angekündigt, mein Kopf möchte auch gerne, dass das endlich runter kommt, der ist nämlich seit heute Mittag schon kurz vor Migräne, aber es kommt einfach nicht.

Geige gespielt, deutliche Fortschritte bemerkt. Viel bessere Klangqualität, und ich beginne zuversichtlich zu werden, dass auch mein 1. Finger irgendwann in der Lage sein wird, ein Vibrato zu erzeugen. Möglicherweise sollte ich mir aber tatsächlich mal langsam nen neuen Dämpfer anschaffen (mein alter war Kolophonium-verkrustet), meinem linken Ohr zuliebe.

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*ich glaube nicht, dass Infektionsschutz seitens der Veranstaltenden eine große Rolle bei der Entscheidung zu Film statt Show gespielt hat, muss ich leider sagen. Der Infektionsschutz da ist nach wie vor ein schlechter Witz. Aber wir sind ja auch in Norwegen, wo es keine Aerosole gibt und am Wochenende die Pandemie – die hier auch gerne mal Epidemie genannt wird – schon quasi abgeblasen wurde, bevor dann hektisch zurückgerudert und richtig gestellt wurde, weil nix vorbei ist, auch wenn wir zur Zeit auf einem guten Weg sind (was wiederum nichts mit überragendem Infektionsschutz zu tun haben kann, denn der ist hier einfach nicht allzu dolle. Das einzige was wir sehr konsequent haben ist Homeoffice. Alles andere haben wir nicht/nur lokal/nur eingeschränkt.)

Tag 2144 – Feste feiern wie sie fallen.

Norwegen hat Hitzewelle jahreszeitangemessene Temperaturen, Hurra, Hurra, Hurra! Da kommen ja wie immer alle Nachbarn aus ihren Häusern, auf der Straße spielen plötzlich Kinder und alle haben Frühlingsgefühle (= Lust auf Grillen und Rosé). Und so habe ich den Abend auf der Terrasse der Nachbarin verbracht, mit einem Glas Rosé in der Hand. Hach!

(Vorher war ich voll die super Mutter und hab alleine die Kinder versorgt, man huldige mir, ach nee, ich bin ja kein Vater. Noch vorher habe ich mit meinen KollegInnen den Inspektionsplan fürs nächste halbe Jahr gemacht, wo wir versuchen werden, den durch Corona aufgestauten Haufen abzuarbeiten, mit den selben Kapazitäten, die auch schon vor Corona nur ganz knapp reichten. Das wird toll.)

Jetzt Bett, ich hab ganz schön einen im Tee, merke ich.

Tag 2134 – Fairness, Geduld, Neid, usw.

Seit ein paar Wochen beobachte ich unter meinen deutschen Freund*Innen seltsames Verhalten. Die allermeisten reißen sich nämlich ein Bein aus, um möglichst schnell gegen Corona geimpft zu werden. Da betreut man plötzlich den Opa, bekniet die schwangere Freundin, hilft in der Elterninitiative, hat einen super systemrelevanten Job, eine schwere Krankheit, einen hohen BMI, und wenn das alles nicht hilft, meldet man sich als Wahlhelfer*in. Auf der einen Seite kann ich das verstehen. Wenn ich nach Deutschland schaue, sehe ich ein maximal intransparentes und chaotisches Impfprogramm voller Ausnahmen und Lobbyarbeit (Steuerberater*Innen? Ernsthaft???), in dem der Zeitpunkt, zu dem man geimpft wird, maßgeblich davon abzuhängen scheint, wie sehr man sich reinhängt, nen Termin zu kriegen. Viele packt da offenbar und verständlicher Weise die Angst, vergessen zu werden, wenn sie die Ellenbogen nicht ebenfalls ausfahren. Dazu gesellt sich der Druck, sei es durch Aussagen wie „wer sich nicht impfen lässt, wird Corona bekommen“ (kommt halt nach über einem Jahr Pandemie bei vielen an wie „wer sich nicht JETZT impfen lässt, wird morgen Corona bekommen“), sei es durch Freiheiten für Geimpfte, sei es, weil man einsam ist und/oder wenigstens keine Angst mehr vor einer potentiell tödlichen Krankheit haben will, wenn man irgendwen umarmt. Ich verstehe gut, dass jede einzelne den Druck spürt und Angst hat und alles tut, was sie kann, um nicht vergessen zu werden.

Auf der anderen Seite lässt mich das hart mit dem Kopf schütteln. dazu muss ich kurz ausholen, aber wirklich nur sehr kurz, es ist nämlich schnell erzählt, wie die norwegische Impfpriorisierung ist:

Es gibt neun Prio-Gruppen. Das klingt viel, ist aber eigentlich einfach.

  1. Bewohnende von Pflegeeinrichtungen
  2. (Fest) Angestellte im (öffentlichen) Gesundheitswesen (mit Patientenkontakt)
  3. Ü85
  4. 75-84
  5. 65-74 und 18-64 mit sehr hohem Risiko (der Sorte Blutkrebs, Down Syndrom, Organtransplantation…)
  6. 55-64 mit hohem Risiko (z.B. Diabetes, BMI über 35, Autoimmunerkrankungen, die mit Immunsuppressiva behandelt werden, chronische Lungenerkrankungen…)
  7. 45-54 mit hohem Risiko
  8. 55-64
  9. 45-54

Mit Ausnahme von Gruppe 2, die kontinuierlich nebenher läuft, wird ganz streng von oben nach unten geimpft. Die Hausarztpraxen haben ihre Patient*Innen mit hohem oder sehr hohem Risiko zum allergrößten Teil Anfang Januar an die Impfzentren gemeldet. Bis auf wenige Fehler, bei denen Leute, die gar keiner Priogruppe angehören, jetzt schon geimpft wurden, klappt das wohl recht gut (solange die Medien noch über jeden Fall von „Johanne, 18 und gesund, wurde geimpft!“ berichten, scheint das kein gewöhnliches Phänomen zu sein). Jede*r einzelne wird kontaktiert, wenn sie*r an der Reihe ist. Wir stehen also alle in der Schlange und warten auf den Anruf/die SMS. Punkt. Mehr Einsatz braucht es nicht. Ich und Herr Rabe und 1,2 Millionen weitere Menschen sind in keiner Prio-Gruppe, und das ist ja auch schön, heißt es doch, dass wir kein großes Risiko haben, an COVID schwer zu erkranken. Wir sind am Schluss dran, wenn Leute mit höherem Risiko durch sind.

Und hier, wen wunderts, gibt es diese Ellenbogenmentalität einfach mal nicht. Ab und zu melden sich Berufsgruppen zu Wort (denn außerhalb des Gesundheitswesens ist ja *niemand* beruflich priorisiert) und „bitten“ darum, in der Schlange nach vorne zu rücken, dann sagt das FHI „nope, Steuerberater*Innen haben kein erhöhtes Risiko, schwer zu erkranken“ und dann wird sich murrend wieder hinten angestellt. Das größte Drama, was hier passiert, ist, dass nun sehr laut überlegt wird, Oslo und Umgebung für einen überschaubaren Zeitraum wesentlich mehr Dosen zu liefern, auf Kosten von weniger dicht besiedelten Kommunen mit wesentlich geringerer Inzidenz und wesentlich weniger langen und harten Einschränkungen. Das Ziel dabei ist, alle Regionen Norwegens ungefähr gleichzeitig öffnen zu können. Finden die Kommunen, die dadurch im Schnitt 3,5 Tage (!!!) Verzögerung bei den Impfungen der letzten Gruppe (die nicht mehr priorisiert ist) bekommen würden, medienwirksam nicht so gut.

Nun, das wurde jetzt doch lang. Langer Rede kurzer Sinn: wir impfen bis auf wenige transparent kommunizierte Ausnahmen, die alle in einem erhöhten Risiko, schwer zu erkranken, begründet sind, stumpf nach Alter und die allermeisten sind damit ok und warten brav auf den Tag des Anrufs.

Und deshalb mein Kopfschütteln. Mein Geburtsland veranstaltet da ein Chaos sondergleichen und stresst alle meine Freund*Innen total unnötig. Das führt dann dazu, dass die mit einem erhöhten Risiko noch nicht so konsequent durchgeimpft sind wie hier, Glückwunsch dazu, Slow clap. Leute, die nicht so viel Kraft haben, sämtliche Fach- und Hausärzte, bei denen sie mal waren, durchzutelefonieren, fallen zwischen die Stühle. Und so weiter und so fort.

Das norwegische System ist da einfach einfacher, fairer, strukturierter. Und wir sind keine Insel und keine Diktatur. Ok, wir sind nicht viele. Aber wo bleibt die deutsche Effizienz und Organisiertheit???

By the way kann ich das alles so sehen und völlig richtig finden, dass diejenigen mit einem höheren Risiko als ich, schwer zu erkranken, vor mir vor der Krankheit geschützt werden und gleichzeitig ungerecht finden, dass man dann für diese geimpften Leute Bereiche des öffentlichen Lebens wieder öffnen will, die im Wesentlichen von noch nicht geimpften Personen betrieben werden. Das ist einfach himmelschreiend ungerecht und das hat wenig mit Neid zu tun oder „nicht gönnen wollen“ sondern mit ethischem und pandemiegerechtem Verhalten. Wir werden mit der Pandemie nicht fertig, bevor die meisten von uns geimpft sind, und es ist kontraproduktiv, Cafés und Restaurants zu betreiben, bevor auch die Bedienungen dort und die Busfahrerin, die die Bedienung zur Arbeit fährt, geimpft ist. Wir werden sonst mit großer Wahrscheinlichkeit Ausbrüche unter eben diesen Gruppen haben, und was hat‘s dann gebracht? Die Wirtschaft ein paar Wochen eher angekurbelt, als wenn man einfach die paar Wochen noch gewartet hätte. Jojo-auf-zu-Spiel wegen lokalen Ausbrüchen. Klingt doch irgendwie für alle blöd, oder nicht? Und da hab ich vom Verteilen von Mutanten wegen erhöhtem internationalen Reiseverkehr (ungeimpfte Stewardessen, Piloten, Bodenpersonal, die gesamte Tourismusbranche, usw.) noch nicht mal angefangen. Ich finde unethisch, wenn Menschen, die, sobald ihr eigenes erhöhtes Risiko, schwer zu erkranken, per Spritze eingedämmt ist, andere, die die Spritze noch nicht bekommen können, einem höheren Risiko aussetzen. Wenn genug Leute mit geringem Risiko erkranken, werden da auch wieder schwere Fälle bei sein, Gesetz der großen Zahlen und so. Ich frage mich, wie Staaten sowas fördern können, statt dafür zu sorgen, dass möglichst wenig Menschen überhaupt erkranken.

Ich frage mich, warum in Deutschland das Hauen und Stechen und Gerempel und Schlupfloch suchen politisch offenbar gewollt ist. Ich frage mich, warum die Panik noch angestachelt wird.

Noch ein paar Wochen.

Tag 2113 – Piep.

Bin bei Michel eingeschlafen.

Heute:

  • Der Schrank ist jetzt fertig mit Licht und Leisten und Griffen und Spiegel innen und – hach! Bilder morgen.
  • Wir haben auch noch ein Waschmaschinen-Trockner-Dings bekommen, mit Schubladen zum Bedienen mit den Füßen.
  • Ich habe Lust, das ganze Haus innen tischlern zu lassen, muss aber erst im Lotto gewinnen.
  • Michel liest laut Lesebuch prima, muss ich mir wohl doch keine Gedanken machen.
  • Es ist wieder Kindertanzen (mal sehen wie lange) und in dem Einkaufszentrum, in dem die Tanzschule liegt, haben seit gestern wieder alle Geschäfte auf und es war bumsvoll dort. Ich fand nicht mal einen Parkplatz, bevor ich nicht drei mal im Kreis herumgekurvt war – mit Cardos, für den man ja nun keine große Lücke braucht. (Ja, wir lassen Pippi da hin gehen. Ja, wir töten damit sicher irgendwen oder züchten die neue Supermutation, aber meine/unsere Kraft, die einzigen superultrastrengen Eltern der Welt zu sein, war begrenzt und ist aufgebraucht. Unsere Inzidenz ist ok, wir ohne Impfberechtigung in den nächsten Wochen sind eh allen egal*, ich bin bei lmaa und lalala angekommen.)

*ja, macht für Geimpfte alles auf, was geht, viel Spaß, wir warten so lange draußen auf die Schnelltests, die man angeblich statt Impfung vorweisen kann (Sinn davon mal dahin gestellt) und von denen ich in Norwegen aber noch keine Spur gesehen hab, oder auf die Impfung halt, für die wir uns noch nicht mal auf Restelisten, die es auch nicht gibt, registrieren lassen können, weil wir alles dafür tun müssen, die Risikogruppen zu schützen, machen wir ja, seit über einem Jahr, und kriegen dafür noch in die Fresse. Doppelt und Dreifach. Wo die keine Angst mehr haben müssen, draufzugehen, kann der Rest sehen wo er bleibt, YOLO und „es ist rechtlich nicht haltbar, wenn Geimpfte weiter Einschränkungen erleben“ – guess what, genauso könnte man argumentieren, dass es rechtlich nicht haltbar war, dass wir alle letztes Jahr im März, April, Mai und ab Herbst wieder volle Möhre Einschränkungen erlebt haben, wo wir doch gar kein so hohes Risiko für Tod durch Covid19 haben. HABEN WIR TROTZDEM EINFACH GEMACHT DAMIT WIR KEINEN ANSTECKEN DER DANN DRAUF GEHT. Und jetzt wollt ihr ernsthaft die Arbeitsplätze in den Restaurants retten indem ihr sie öffnet? Verlogene Sch***e, man könnte ja zum Beispiel die Betriebe, insbesondere auch die Kulturbranche, denen wegen Corona Einnahmen entgangen sind, wirklich sinnvoll finanziell entschädigen. Stattdessen wird es nun auf den einzelnen Geimpften abgewälzt, den Konsum möglichst rasch wieder anzukurbeln, damit diejenigen, die hart an der Pleite langschrammen, aufhören zu nörgeln. Während der Großteil der Bedienungen in Restaurants, in Cafés, in Bars, Biergärten, und Verkäufer*Innen aller Art noch laaaaaaaaange nicht impfberechtigt sind. Wann fahren die in den „wohlverdienten Urlaub“? Ach ja, richtig, gar nicht, weil keine Impfung und seit über einem Jahr in Kurzarbeit oder Arbeitslos und gar keine Kohle dafür da.

Manchmal möchte ich allein im Wald leben, Gesellschaft ist nicht so meins, scheint mir. Zumindest die kapitalistische.

Rant over.

Tag 2110 – Kleine Rundreise.

Der Antrag auf norwegische Staatsbürgerschaft liegt jetzt bei den zuständigen Behörden. Die Kopien wurden alle auf ihre Korrektheit geprüft, ich wurde sehr eingehend gemustert, ob ich wirklich die Person auf dem Passbild bin (ich hätte mich vielleicht schminken sollen…) und ich musste kurz das mit dem „Geburtsnamen“ erklären und dass ich jetzt wirklich nicht mehr so sondern nur noch Rabe heiße. Für den Notfall hatte ich auch unser Stammbuch dabei, um solche Dinge, wenn auch auf deutsch, belegen zu können, das war aber nicht nötig. Insgesamt dauerte der Termin ca. 10 Minuten und war Infektionsschutzmäßig so gut wie sowas sein kann. Es waren 2 Beamtinnen bei der Arbeit, jede in ihrer Luke, dazu waren die am weitesten voneinander entfernten Luken ausgewählt worden. Es durften nur 2 Personen in das wirklich geräumige Lokal, eine Sicherheitspersonal achtete darauf, dass der Rest draußen wartete, dass alle einen Termin hatten, dass man die Maske trug, die Hände desinfizierte und Abstand hielt. Alle Angestellten trugen Maske, trotz Plexiglasschutz (looking at you here, Ahus) und als mir die Beamtin meine Originaldokumente zurückgegeben hatte und ich alles eingepackt hatte, desinfizierte sie ihren Schreibtisch und die Ablage, auf der ich meinen Kram gehabt hatte. Besser wäre vielleicht noch draußen gewesen, aber das macht bei 5 Grad jetzt eher nicht so viel Spaß für die Angestellten.

Weil ich dann ja eh fast in Oslo war, fuhr ich noch die reparierte Felge abholen. Sieht aus wie neu, war aber teuer genug, als dass ich in Zukunft besser aufpasse. Dann können wir tatsächlich planmäßig Anfang Mai auf Sommerreifen wechseln.

Und weil ich dann ja eh in Oslo war, fuhr ich kurz zur Arbeit, um im dortigen W-LAN vom Auto aus ein Passwort zu ändern, das hatte ich letzte Woche vergessen und nichts ist schlimmer, als wenn 3 von 4 Passwörtern (planmäßig) gleich sind, nur eines ist noch das alte.

Auf dem Rückweg fuhr ich in Jessheim ab, denn der Lieblings-Blumenmarkt/-Pflanzschule hat seine Fläche verkleinert um wenigstens die nicht haltbaren Frühlingsblumen verkaufen zu dürfen. Und alles, worüber ich mich bei der Polizei gefreut hatte, wurde durch winzige Mundvisiere bei den Angestellten zunichte gemacht. Danke, Merkel FHI, dafür dass du weiterhin Aerosole leugnest, was solche schlechten Witze von Infektionsschutz in der Vorstellung einiger Leute okay macht. FU.

Nun ja und weil ich dann ja eh in Jessheim war und es inzwischen drei war und ich zur Apotheke musste, die in unserem Kaff aber um drei schließen, ging ich im pseudo-geschlossenen Einkaufszentrum (das Zentrum selbst hat auf, aber die meisten Geschäfte nicht, außer für Click&Collect. Apotheken aber schon.) in die Apotheke und weil ich dann eh im Einkaufszentrum war und es da einen Drop-In-Friseur gibt, der quasi in einem Flur liegt, ging ich 15 Minuten später von einem guten Teil der Haarmassen auf meinem Kopf befreit zurück zum Auto.

Man muss echt nicht lächerliche Menschenwürde-Argumente dafür heranziehen, aber sich frisiert fühlen ist schon sehr schön, muss ich sagen. Herr Rabe hat grad nicht so viel Zeit und Muße mir die Haare zu schneiden, der braucht auch ein bisschen mehr als 15 Minuten dafür (hat das ja auch nicht gelernt, im Gegensatz zu den Friseur*Innen dort). Was aber nicht so schön war: Haare überall, jetzt neu auch auf der Maske und am Rand zwischen Maske und Gesichtshaut pieksend. Ich war froh, als ich wieder am Auto war und mir das jetzt juckende Ding vom Gesicht reißen konnte.

Abschweifung: ich bin ja generell ein ehrlicher Mensch und ich kann das nicht beschönigen: ich finde das Maske tragen nicht sonderlich schön. Und zwar im Grunde egal welche, aber FFP2 ist noch nen Tacken unangenehmer. Ja, ich mache es natürlich trotzdem, immer und ordentlich, aber ich glaube nicht, dass ich zu denen gehören werde, die Post-Pandemie einfach weiter Maske tragen werden, weil das ja überhaupt gar kein Problem ist und vor allem und weiß nicht was schützt. Hmm, ja, vielleicht im Flugzeug, aber nicht in jedem Laden, in jedem Café, im Bahnhof während ich versuche, den Zug zu erwischen… da brauche ich widerstandsfreien Luftfluss in meine Lungen. Alternativ brauche ich deutlich mehr Zeit, damit ich nie schneller Atmen muss als sagen wir mal im Wartezimmer sitzend, bessere Ohren, damit ich Leute auch trotz Maskenuscheln noch verstehe, sowie eine Augenoperation, bei der mir automatisch verdunkelnde Linsen eingesetzt werden, weil auch Sonnenbrillen beschlagen, durfte ich lernen.

Das alles entschuldigt keine Maskenverweigerung und Kinn-Spuckschütze WÄHREND der Pandemie. JETZT GRAD ist es das mindeste, was man tun kann, um nicht mit etwas Pech am viel viel unangenehmeren Respirator zu landen. Aber ich bin froh, wenn man das nicht mehr muss. Ich bin auch froh, wenn man wieder ins Café gehen und dort seinen Kaffee trinken darf, statt ihn draußen frierend zu trinken oder das ganze gleich ganz zu lassen und damit dafür zu sorgen, dass die Cafés endgültig pleite gehen.

Pandemie stinkt und soll weggehen.