Tag 2093 – Zu müde für Gefühle.

Norwegen hat einen Öffnungsplan. Und man kann sich da über Einzelheiten aufregen aber im Großen und Ganzen ist der ok. Wirklich ok.

Coronapässe* hingegen oder das vorgezogene Impfen von Jugendlichen, weil die noch nicht mal ne Woche Osterferien überleben ohne zusammen Coronaparties zu feiern ja so schlimm leiden unter der Pandemie. Da könnte ich mich drüber ärgern, hab ich auch schon heute, aber jetzt ist es spät und ich bin müde und hab Kopfschmerzen.

Corona soll endlich weggehen.

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*an sich ja gar nicht mal verwerflich und für andere Impfungen ja längst Realität: ohne Gelbfieberimpfung kann man ja auch nicht in manche Länder reisen. Aber es gibt keine strenge Rationierung von Gelbfieberimpfungen und eine Reise nach Uganda ist ja auch irgendwie was anderes als in ein Café zu gehen und den Kaffee dort *drinnen* zu trinken. Zudem ist die Wahrscheinlichkeit, in Norwegen Gelbfieber zu bekommen vernachlässigbar klein, die Wahrscheinlichkeit, Corona zu bekommen, hingegen,.. naja. Lassen wir das. Ich will mich ja gar nicht aufregen.

Tag 2092 – Ausgefranst.

„Wie geht es euch?“ fragte die Nähmutter neulich (coronakonform per Messenger). „Naja“, schrieb ich, „Gut, aber die Ferien sind jetzt echt nötig, wir haben schon ne Woche Quarantäne hinter uns.“ „Oh“, schrieb sie zurück, „Quarantäne ist blöd. Ich fühl mich ja schon ohne Quarantäne ganz ausgefranst.“

Ausgefranst trifft es sehr gut. Die Kanten sind nicht mehr glatt, die Enden hängen lose rum und zum Vernähen, stopfen, umnähen, wasauchimmer fehlt inzwischen jede Kraft.

Man macht irgendwie weiter, immer weiter, tunnelblick und ab dafür, bloß nicht anhalten, bloß nicht zu viel nachdenken, es muss doch irgendwann mal vorbei sein, dieser März 2020.

Die einen lenken sich mit Belanglosigkeiten ab, die anderen haben nicht mal mehr dafür Energie.

Ich rede hier ausdrücklich nicht nur von mir. Ich sehe das um mich rum bei immer mehr Leuten. Selbst coronakonform per Messenger werden die Kontakte weniger. Die Fransen bei allen länger und verknoteter. Den fransigsten Eindruck machen auf mich (keine Statistik hier, rein Bauchgefühl) Mütter von Kindern unterhalb des Teenie-Alters. Ich hätte da Theorien, weshalb das so ist, stellen sie sich hier einfach einen fulminanten Rant auf das Patriarchat vor, aber selbst für den bin ich grad zu ausgefranst.

Passen Sie bitte alle auf sich auf. Das hier wird noch dauern* und danach werden keine Psychotherapieplätze vom Himmel regnen, um uns wieder zusammen zu flicken, im Gegenteil, dann können wir ja endlich alle wieder schön produktiv die Wirtschaft ankurbeln. (Hier Kapitalismus-Rant denken.)

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Etwas ganz anderes: ich wusste immer, dass es das geben muss, habe aber noch nie eins gesehen. Heute kitzelte es mich im Nacken:

Ein Haar, an der Spitze noch pigmentiert, an der Wurzel farblos.

Ich freu mich, als hätte ich grad eine wissenschaftliche Theorie bewiesen. Bester Moment des Tages, was sag ich, der Woche.

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*ich las da heute was, das war so desillusionierend (und auf Norwegisch), das zeige ich Ihnen nicht, um Ihre Fransen zu schonen.

Tag 2091 – Ostern rum.

Puh. Das waren die Osterferien 2021. Genauso Lockdown-öde wie 2020. Fast noch öder, letztes Jahr habe ich in der Karwoche ja Montag bis Mittwoch noch gearbeitet und mich schrecklich beliebt gemacht (lies: alles andere als das) mit einer Art Fern-Inspektion. Außerdem hatte Herr Rabe Kurzarbeitsstress. Dieses Jahr hatten wir einfach frei, was auch schön ist, und auch nötig war, und ich hab auch keine Lust, morgen wieder an meinen Homeofficearbeitsplatz zurückzukehren, aber keinen treffen dürfen ist halt schon langweilig.

Ich glaub auch langsam, wir sind eher die Ausnahme als die Regel, was das weitere Befolgen der Empfehlungen und Regeln und Vorschriften angeht. Nachdem selbst Erna (Solberg, norwegische Staatsministerin) ihren 60. mit 14 Personen (erlaubt wären zu dem Zeitpunkt und dort 10 gewesen) auf der Hütte gefeiert hat, nimmt das alles keiner mehr so richtig ernst, fürchte ich.

Noch ein paar Monate.

Ich fürchte, danach muss ich mal zum Zahnarzt und mir ne Knirscherschiene anpassen lassen. Ich beiße scheinbar nicht nur metaphorisch die Zähne zusammen, zumindest ist mein Kiefer immer öfter immer verspannter und ich merke, dass mir das locker lassen zunehmend schwer fällt.

Es ist zum Mäuse melken. Alles.

Tag 2090 – Geduld.

Aus verschiedenen Richtungen über das Impfen nachgedacht. Nicht generell, sondern das gegen Corona. In Drammen war es eine kurze Zeit möglich, die verschickten Log-In-Codes zur Anmeldung zum Impfen mehrmals zu nutzen, also zum Beispiel an jemanden weiterzuleiten, die*er eigentlich noch lange nicht an der Reihe ist. Ist es verwerflich, so eine technische Lücke auszunutzen? Ja. Würde ich es machen? Nein, aber nur aus der Panik raus, erwischt zu werden. Und schlecht fühlen würde ich mich auch, denn die Leute, die jetzt dran sind, sind das aus gutem Grund und ich bin aus genauso gutem Grund noch nicht dran.

Wenn ich jetzt ne Chance hätte, sagen wir mal über meinen Arbeitgeber (habe ich nicht, nur dass das klar ist, an Berufsgruppen sind hier nur Mitarbeitende im Gesundheitssystem priorisiert), doch schon jetzt oder wenigstens bald eine Impfung zu bekommen, wäre das verwerflich? Njaeee. Hmm. Käme drauf an? Eine Person, die Patientenkontakt hat, klar, die sollte geimpft werden. Andererseits – bei den Zahlen wie sie in Oslo sind, sind doch alle Menschen, die beruflich viel Kontakt zu anderen Menschen haben, ob nun die Verkäuferin im Supermarkt oder die Krankenschwester in, sagen wir mal, der orthopädischen Chirurgie (um was zu nennen, das kein erhöhtes Covid-19-Risiko mit sich bringt) etwa dem gleichen Risiko ausgesetzt. Von Lehrpersonen in vollen Klassen (hier: ohne Masken und ohne Tests) mal ganz zu schweigen. Würde ich also als Krankenschwester in der orthopädischen Chirurgie versuchen, eine Impfung zu ergattern, oder würde ich aus Solidarität mit meinen Verkäuferinnensistas und Lehrerbros drauf verzichten, bis ich altersmäßig dran bin? Weiß ich ehrlich gesagt nicht.

Und wie sieht es mit der Krankenhausverwaltung im Homeoffice aus? Den Mitarbeitenden in Forschungslaboren? Würde ich, wäre ich noch Doktorandin, mich so schnell wie möglich impfen lassen, bloß weil ich formell gesehen im Krankenhaus arbeitete (zur Erinnerung: ich habe nie eine*n Patient*In auch nur von Weitem gesehen, selbst die RNA aus Mäuseorganen kam schon fertig extrahiert)? Ich weiß auch das nicht.

Ich allein mache doch keinen Unterschied, würde ich vermutlich denken. Auch 10 Leute in Drammen mit weitergeschickten Codes machen keinen wesentlichen Unterschied, für die Menschen aus der Gruppe, die zur Zeit dran ist, bedeutet das allerhöchstens einen Tag später geimpft zu werden. Für mich wären es drei Monate. Drei Monate sind viel wert, nach 13 Monaten Zwangshomealles.

Vielleicht wäre ich zu feige, wenn es um echtes Vordrängeln ginge. Aber wenn mein Arbeitgeber nun käme und sagte: wir haben einen Weg gefunden, euch alle als Mitarbeitende im Gesundheitssystem zu definieren, nächste Woche gibt’s Impfung für alle, Alter egal… würde ich dann aufstehen und sagen, Leute, ich bin 36 und gesund und dingens und ich bleibe liebend gerne noch drei Monate zu Hause, während meine Kinder täglich das Haus verlassen (müssen) und Urlaub in Deutschland machen wir dann eben 2022 wieder, gebt meine Impfung lieber jemandem, dem es aller Wahrscheinlichkeit mit Covid19 schlimmer erginge als mir…? Ich bin nicht sicher. Vermutlich nicht. Was sind 330 Menschen schon gegen 3,8 Millionen zu Impfende.

Nun wird das aber ja wahrscheinlich nicht passieren, dass mein Arbeitgeber mit sowas kommt (im Gegensatz zu den Spuckschützen im Büro wären Impfungen ja immerhin tatsächlich zum Infektionsschutz geeignet). Dafür sieht es so aus, als sei meine ganz persönliche Chance, die wirklich letze geimpfte Person in Norwegen zu werden (abgesehen von Menschen, die aus irgendwelchen Gründen zur Zeit nicht, aber irgendwann später, geimpft werden können) gar nicht mal so klein. Denn nun denkt man offen darüber nach, was ich schon länger vermute: wenn alle über 45 geimpft sind, mit den Jugendlichen und jungen Erwachsenen weiterzumachen, statt weiter wie bisher sich altersmäßig von oben nach unten durchzuackern. Mein Tipp ist, dass sie an beiden Enden gleichzeitig anfangen, mit Übergewicht bei den jüngeren. Denn da findet viel Ansteckung statt. Was ja richtig ist. Bei uns homeofficenden, Teil-homeschoolenden, quarantänebingospielenden Mittdreißiger-Eltern findet nicht so viel Ansteckung statt, wie denn auch, dafür müssten wir ja in signifikantem Maß andere Menschen treffen. Manche von uns werden über die Kinder angesteckt, Tjanun, aber da stoppt es dann ja, weil wir ja brav seit einem Jahr unser komplettes Leben auf Pause gestellt haben. Bis auf den Teil mit den Kindern, da herrscht Bandsalat. Aus epidemiologischer Sicht ist es deshalb ganz logisch, die Jugendlichen und jungen Erwachsenen vor uns zu impfen.

Aber herrje, wie scheiße ich das ganz persönlich finde. Wir irrational lang mir die vier Wochen, die das laut aktuellem Plan ausmachen könnte, grade vorkommen. Wie unfair ich es finde, dass höchstwahrscheinlich Menschen, die diesen ganzen Beinausriss, der es ist, mit kleinen Kindern im Boot durch die Pandemie zu schippern, gar nicht nachvollziehen können, wieder in Cafés sitzen, während es für uns wochen-, vielleicht monatelang weiter nur To-go gibt, dass Jugendliche Partys feiern dürfen, dass wirklich jede*r wieder ins Ausland reisen darf AUSSER UNS, das kann ich gar nicht richtig ausdrücken. Sehr unfair. (Man könnte jetzt sagen, ach, dann muss die Oma und der Opa halt in den Sommerferien hier her kommen, aber das wird wohl aus Gründen nicht passieren, und zum Beispiel Freunde in Deutschland besuchen wird ja auch nix, die sind ja, wie wir, jung und gesund und bis dahin ungeimpft.)

Geduld ist nicht meine starke Seite und bis Mitte Juli geduldig bleiben ohne jemandem aus Impfneid im Restaurant das Gesicht in den Pastateller zu drücken oder die erstbeste Gelegenheit zum Vordrängeln in der Impfreihenfolge schamlos auszunutzen, wird hart. Richtig knüppelhart.

Die nächste Pandemie bitte erst, wenn die Kinder aus dem Haus sind. Danke.

Tag 2080 – Corontäne v3 Tag 4.

Michels Test ist auch negativ. Hurra.

Wir werden Pippi nicht noch mal testen lassen. Die Wahrscheinlichkeit, dass das Testergebnis vor Sonntag Abend kommt, wenn die Quarantäne eh endet, ist gering und das ist es nicht wert, sie da hin zu schleppen und, man muss es ja auch mal so sehen, in einem Raum in dem sich am selben Tag auch maskenlose positive Menschen aufhalten (zur Zeit so etwa 10 über den Tag verteilt) die Maske runterlassen, erscheint ohne großen Bedarf auch wenig verlockend.

Michel geht morgen nicht zur Schule. Auch das ist es nicht wert. Es ist ein Tag, dann sind sowieso Ferien, Pippi ist auch zu Hause und die Klassenlehrerin ist schon im Urlaub. Es ist einfach wurscht, ob er morgen hingeht oder nicht. Außer für die Pandemie. Sagen Sie ihm das nicht, denn eigentlich war die Bedingung dafür, dass er morgen nicht zur Schule gehen muss, dass er heute (und morgen) Mathe macht, das hat er nämlich die ganze Woche schon vor sich hergeschoben. Heute hat er es auch gemacht, aber nur unter Geschrei als würde er dabei gefoltert. Die Schulbuchmacher sind schuld, denn die denken sich aus, dass Achtjährige Aufgaben machen müssen, die eher in der fünften Klasse kommen sollten. Schreit Michel. Glauben Sie ihm das ruhig, er muss es wissen, unschaffbar schwer sind die Aufgaben nämlich, völlig unmöglich zu lösen.

Wir danken Herrn Rabes Engelsgeduld und pädagogischer Ader sowie den Erfindern der Noise Cancelling-Funktion der Air Pods Pro (die wirklich überragend ist), dass hier heute niemand Amok gelaufen oder ausgezogen ist.

Die Schweinchen hatten heute auch irgendwie Stress. Nach dem Abendessen war alles noch gut, als wir die Kinder im Bett hatten, dachte ich, die Schweinchen nehmen die Kiste auseinander. Pølse hat offenbar die Schnauze voll davon, sich Muffin unterzuordnen und jagte die beiden anderen durch den Käfig. Alle drei quiekend und schnatternd, dabei immer wieder Herumgepolter vom Rennen, neues Qieken, wildes Schnattern. Marshmallow wollte offenbar am liebsten da rausgehalten werden und steckte ihren Kopf ins Heu, vermutlich glaubend, dass man sie dann nicht mehr sehen kann. Allerdings wurde sie in ihrem Heuhaufen dann einfach von den anderen beiden über den Haufen gerannt. Pølse versucht, Muffin zu unterwerfen, indem sie ihm bespringt, Muffin versucht sie abwechselnd abzuschütteln und wiegt sich brommselnd hin und her. Das ging sehr geräuschintensiv etwa zwei Stunden so, jetzt scheint aber zumindest so weit Ruhe eingekehrt zu sein, dass ich es schnurpsen und gurren (und sonst nichts) höre.

Ich war ehrlich gesagt nicht auf solcherlei Rangordnungskämpfe vorbereitet, als ich die Schweinchen zu uns holte. Die sind so niedlich und eben so gefährlich wie eine sehr haarige, dicke Wurst mit sehr kurzen Beinchen, aber holla die Waldfee, wenn da eine die Faxen dicke hat, dann geht’s rund. Und Wurst gegen Wurst ist dann auch nicht schön, vor allem wenn die Würste lange und kräftige Zähne haben.

Tag 2079 – Corontäne v3 Tag 3.

Das wichtigste zuerst: Pippi und Herr Rabe haben heute ein negatives Testergebnis bekommen. Herr Rabe und ich dürfen demnach das Haus wieder verlassen. Michels Ergebnis ist noch nicht da, der bleibt also auch morgen noch zu Hause.

Ich habe pandemiebedingt überhaupt keine Bullshittoleranz mehr. Sie war nie toll, jetzt ist sie nicht mehr existent. Twitter lese ich ja nun schon gar nicht mehr (wirklich gar nicht), aber egal welches Törchen zur Welt da draußen ich öffne, ich möchte Leute unsanft darauf hinweisen, dass das, was sie erzählen, Quark ist. Heute war ich kurz davor, einen Leserinnenbrief an NRK zu schreiben, weil sich dort einer der Statistiker des FHI hinstellt und sagt: wir können den R-Wert nicht unter 1 drücken. Es sei nicht möglich, wegen Mutante. Und da möchte ich schreien, weil es einfach nicht stimmt und reine Meinungsmache ist, denn: das FHI WILL nicht die Maßnahmen ergreifen, die in dieser Phase der Pandemie nötig wären, um den R-Wert unter 1 zu drücken. Natürlich ist es MÖGLICH, und anderen Ländern ist es auch schon gelungen, Stichwort: harter (WIRKLICH harter) Lockdown. Extremfall: alle bleiben 14 Tage zu Hause, einzeln isoliert. Das ist praktisch nicht durchführbar, würde aber zu einer sicheren Unterbrechung aller Infektionsketten führen. Wie gesagt, praktisch nicht durchführbar, das ist aber was anderes als nicht möglich. Und wenn man die Schulen und Kindergärten partout nicht schließen WILL, muss man die Eier haben, zu sagen: mit den Werkzeugen, die wir benutzen wollen, wird R vermutlich nicht unter 1 sinken. Aber doch nicht, dass es einfach gar nicht geht, als gäbe es ein Naturgesetz, das heißt „die dritte Welle ist nicht aufhaltbar“.

Bitte verstehen Sie mich nicht falsch, ich bin nicht für komplett geschlossene Schulen und Kindergärten. Schon mal gar nicht, wenn man dafür dann andere Werkzeuge links liegen lässt, wie Homeofficepflicht (looking at you, Deutschland). Aber ich bin für Ehrlichkeit und offene, klare Kommunikation. Verarschen kann ich mich nämlich auch alleine, aber ich habe zu viel Selbstrespekt, das zu tun.

Noch ein Beispiel: ich habe heute einen Podcast ausgemacht, nachdem einer zum Thema „Wie hast Du 2020 gemeistert?“ meinte „2020 war das allerbeste Jahr meines Lebens, denn da wurde mein erstes Kind geboren“. Ja, Manfred*, das ist ja schön für dich, aber nicht so ganz praktikabel für die Allgemeinheit, nicht wahr?

In echt möchte ich unflätig beleidigen. Leute schütteln ist ja nicht erlaubt zur Zeit.

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*Name von der Redaktion geändert

Tag 2078 – Corontäne v3 Tag 2.

Zuallererst: es gibt noch keine Testergebnisse. Ich hatte damit heute gerechnet, aber es scheint tatsächlich, als sei die Testkapazität am Limit, zumindest für das Krankenhaus, das komplett Oslo Ost und alles nördlich davon bis hoch zu uns versorgt. Hier Lorioteskes Ach denken. Es geht uns aber allen gut, bzw. so gut wie es uns halt geht, so alle aufeinander hockend und dabei versuchend, zwei systemrelevanten Vollzeitjobs im Homeoffice nachzugehen.

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Es gibt angeblich kein Bier auf Hawaii, in Norwegen gibt’s aber auch keins, jedenfalls nicht in Restaurants, Kneipen etc., bis zum 12. April. Außerdem ist der Meter verdoppelt worden, wir dürfen keinen treffen, auf die Hütte können wir, aber dort dürfen wir auch keinen treffen und zur Strafe (klang jedenfalls so, als sei das alles irgendwie Schuld der Bevölkerung) gibt’s den Plan zur Öffnung noch nicht nächste Woche sondern erst nach dem 12. April irgendwann. Nämlich!

Ich bin dessen so müde und einfach nur froh, dass wir uns hier zu Hause einigeln können, mit Homeoffice und Kinder überhaupt betreuen können und der Möglichkeit für ein paar Taler mehr alles zu bestellen, wonach uns der Sinn steht. Sogar Bier. (Wein nicht, aber Vinmonopolet hat noch auf und bietet sicher auch Click&Collect an.)

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Es könnte endlich Frühling werden, da kann man die Kinder aufs Trampolin jagen. Noch können wir es nicht mal aufbauen, die Erdanker sind irgendwo unterm Schnee.

Tag 2077 – Corontäne v3 Tag 1.

Eine neue Version von Corontäne, die, die man vermutlich am wenigsten braucht. Heute morgen, eine halbe Stunde nachdem ich Pippi im Kindergarten abgeliefert hatte (in ihrer Draußen-Kohorte, was sie total blöd fand, weil da ihre Freunde nicht sind), rief die Dame vom Kulturhjulet an. Ich wollte sie erst abwürgen, weil ich in einem Meeting saß und dachte, sie riefe an, weil ich zu fragen geplant hatte, ob ich am Orchester teilnehmen kann (ja, geplant hatte. Nicht umgesetzt, aber so schnell habe ich nicht geschaltet). Sie sagte dann aber „hör erstmal an, worum es geht, dann erledigt sich ein Rückruf vermutlich von selbst“. Tja, also, wie soll ich sagen, es ist die gerechte Strafe dafür, dass wir Pippi zu der einzigen noch erlaubten Freizeitaktivität haben gehen lassen. Dort war am Donnerstag ein Kind (eines der drei anderen, die zusammen mit viel Abstand in einem Raum stehen und, zur Zeit, Geige ausprobieren), das heute ein positives Testergebnis bekommen hat.

Das war ein sehr kurzes Meeting für mich und ein sehr kurzer Aufenthalt für Pippi im Kindergarten.

Mittags kam dann der Anruf vom „Smittesporingsteam“. Pippi ist in Quarantäne, aus der sie sich frühestens Freitag (7 volle Tage nach Kontakt, plus einen halben Tag, weil nach 18 Uhr keine Tests mehr gemacht werden) freitesten kann. Uns Familienmitgliedern wird „Wartequarantäne“ empfohlen, die so lange gilt, bis Pippi einen negativen Test gemacht hat (dann sind wir raus) oder Symptome bekommt (dann sind wir in echter Quarantäne). Der Unterschied ist: Quarantäne für Erstkontakte ist gesetzlich verankert, Quarantäne für deren Haushaltsmitglieder aber nicht. Zwingen können sie uns nicht, es gibt keine rechtliche Handhabe („hjemmel“, damit kenne ich mich beruflich aus).

Nun ist es ja aber so, dass wir vernünftige Menschen sind und Herr Rabe und Michel eh nach dem Test heute Nachmittag bis zum Ergebnis in (echter) Quarantäne sind. Wir haben also eine sehr große Bestellung beim Lieferdienst aufgegeben, ich habe kontaktlos Michels Schulsachen abgeholt und jetzt bunkern wir uns ein. Herr Rabe hat beim Testzentrum angerufen und gefragt, ob er seinen Termin an Pippi abtreten könne (denn dann könnte Michel, wenn sein Test auch negativ ist, etwa ab Mittwoch wieder zur Schule), er konnte sie dann aber einfach mitbringen und sie wurden alle drei getestet. Natürlich kratzt es bei mir seither auch hypochondrisch im Hals, aber das kriegen wir auch alles hin, alles wird gut, wooozaaaa. Pippi hat jetzt halt zwei statt einer Woche Osterferien und Michel… mal sehen, eventuell auch.

Bestimmt hat niemand Corona und wenn geht es glimpflich ab.

Jetzt ein Schnaps und Atmen.

Tag 2076 – Bad Rothenfelde.

Heute:

– Alles brennt. Schulen und Kindergärten in unserem Kaff auf rotem Niveau, Alarm, Alarm, Krise*. Michel geht morgen nicht zur Schule, er hat Halsschmerzen und er und Herr Rabe gehen nachmittags zum Coronatest.

– Ich hab mir, ein Jahr into Pandemie und so late to the Party, dass alle schon nach Hause gegangen sind, ein RingFit gekauft. Jetzt also Training mit Gamification. Zuerst hat Michel exzessiv gespielt und es als „bestes Spiel EVER!“ bezeichnet, bis er Blasen und Muskelkater hatte. Dann durfte ich auch mal und es macht schon Spaß, muss ich sagen.

– Michels noch fehlender Schneidezahn guckt endlich raus. Ich hatte schon ernsthaft befürchtet, dass da keiner kommt. Aber doch, eindeutig ein Zahn.

– Pippi vergesse ich demnächst an der Tankstelle Ladesäule. Vorschulphase ist Scheißphase. Wo Michel eher wütend war, ist Pippi weinerlich. Wegen jedem Scheiß wird hier hundertmal am Tag losgeheult, als würden wir vor ihren Augen Einhornbabies schlachten. Bevorzugt in Situationen, in denen niemand Kapazitäten hat, das zu ~begleiten~, zum Beispiel weil sehr hektisch Mails geschrieben werden müssen, man sei systemrelevant und könne wirklich wirklich gar nicht komplett auf Kindergarten verzichten, echt wirklich nicht schon mal gar nicht in der Vorschulphase.

– (Full disclosure: das war eigentlich schon letzte Woche) Wir haben den einen Wandbehang meiner Omi endlich aufgehängt. Hinten ist ein Schild drauf mit Informationen zu dem Werk, unter anderem der Name, Bad Rothenfelde. Dort war mein Opi immer mal wieder zur Kur, die Salinen, Sie wissen schon. Ich nehme an, das Stück ist entweder dort oder in einer solchen Zeit entstanden. Und weil Michel zwar neugierig ist, gut englisch kann, aber mehr rät als liest, „las“ er den Titel vor: „Bad rotten flesh?“ Wir haben darüber sehr gelacht.

Bad rotten flesh.

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*This escalated quickly. Vor ein paar Tagen hieß es noch ganz überzeugt „die Lage ist übersichtlich und wir haben Kontrolle“. Jetzt „wir haben keine Kontrolle und die Testkapazitäten reichen nicht mehr aus“. Wenn ich ersteres nicht schon länger für eine grobe Fehleinschätzung gehalten hätte, käme ich mir jetzt wohl verarscht vor. So ist es nur ein Lorioteskes „Ach.“

Tag 2073 – Nichts los hier.

Alltag eben. Bestes Event: endlich mit der Kollegin und dem Lieblingskollegen ein virtuelles Mittagessen abgehalten. Nach einem Jahr Homeoffice und der Aussicht auf weitere mindestens 4 Monate.

Ich hab die Schnauze voll von Homeoffice, das ist ja aber auch nichts Neues.

Wenn mir dann wer sagt „aber im Juni sind wir doch alle geimpft“ möchte ich der die Impfpläne um die Ohren hauen, die besagen, dass man im Juli mit meiner Gruppe überhaupt erst anfangen wird. Was ja gut ist, weil es heißt, dass ich jung und gesund bin und mein Risiko, schwer an Covid19 zu erkranken, gering. Das heißt aber nicht, dass ich ab erstem Juli dann wieder in knallvollen Büros sitzen will, ungeimpft.

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Ach ja, Covid und Impfstoff. PRAC hat gesprochen und sagt, die Vorteile des Impfens überwiegen gegenüber den sehr seltenen Fällen von Sinusvenenthrombosen in Verbindung mit Thrombozytopenie, deren Zusammenhang mit den Impfungen zum jetzigen Zeitpunkt nicht ausgeschlossen werden kann.

Gleichzeitig haben norwegische Ärzte im Blut der Patient*innen Antikörper gegen deren eigenes Blut gefunden, das sieht man sonst nur ganz selten nach Heparin-Gabe. (Heparin wird nicht gesunden Menschen gegeben, sondern kranken. Da ist die Basis für die Nutzen-Risiko-Abwägung eine andere. Aber ich schweife regulatorisch ab.)

Auch gleichzeitig sind zwei weitere Patient*Innen mit Thrombosen und Thrombozytopenie in Oslo eingeliefert worden. Ingesamt jetzt also sechs in Norwegen.

Jeder Mitgliedsstaat hat das Recht, eigene Entscheidungen zu treffen. Ein Entzug der Zulassung hingegen hätte für alle Mitgliedstaaten bedeutet, dass sie diesen Impfstoff nicht mehr einsetzen können (also, naja, schon, aber dann würden sie gegen EU-Recht und -Verträge verstoßen).

Ich lasse das mal so unbewertet stehen, ich will mich da nämlich wirklich nicht streiten, es bringt nichts, außer Sie sitzen zufällig im PRAC oder der Europäischen Kommission, dann vielleicht, aber selbst dann könnten Sie ja nicht allein bestimmen – Demokratie eben.

Ich hab jedenfalls das Gefühl, dass uns das noch eine Weile beschäftigen wird.