Tag 1741 – Schnipsel.

Michel klagt seit Wochen über Übelkeit nach dem Essen und ich bin langsam nicht mehr sicher, ob das echt „nur“ zu schnell zu viel gegessen ist oder mehr dahinter steckt also gingen wir heute zur Hausärztin. Die hat wieder eine Vertretung und auch diese Vertretung ist sehr nett, auch zum sehr aufgeregten und deshalb etwas quatschigen Michel. Als sie dann aber ankündigte, dass wir Blut abnehmen müssten war das Quatschige komplett weg und zehn Minuten später hatte ich einen sehr kleinen, weinenden und dann schreienden Michel auf dem Schoß, mit Nadel im Arm. Mein armes, armes Baby. Gut fand ich, dass niemand ankam mit „das tut doch gar nicht weh“ oder ähnlichem Stuss. Michel wurde von allen Seiten gelobt, dass er das gemacht hat, obwohl er so Angst hatte und es ihm so weh getan hat. Uff. Aber – mein armes Baby. Hinterher gab es ein Eis, für seine und meine Nerven. Bis zur Schule waren auch die Tränen getrocknet, aber ich war dann froh, zu Fuß nach Hause zu müssen um ein bisschen runter kommen zu können.

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Die norwegische Bezeichnung „Kartoffel“ für Menschen ist ein Kompliment. Kartoffeln gehen nämlich zu allem, sind vielseitig und nahrhaft. Ha.

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Wir kriegen einen neuen Inspektør, er ist 29 und Biomediziner. Da er ein Mann ist, ist er vermutlich nicht so stark vom Impostorsyndrom betroffen, aber ich werd ihn trotzdem ein bisschen extra herzlich willkommen heißen. Wir molekulare-Irgendwas-Menschen müssen zusammenhalten.

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Pippi kam heute aus dem Kindergarten wieder so dreckig nach Hause, dass ein Bad kein Diskussionsgegenstand mehr war. Irgendwann sagte ich zu ihr, dass wir dann jetzt mal ihre Haare waschen müssen und sie dann raus kommen soll, da sagte sie „Moment, Mama, ich rieche kurz an meinem Fuß… nein, der stinkt noch, ich muss noch drin bleiben.“ Diese kleine Rübennase, ey. Quatschkind. Aber jetzt mit sauberen Füßen (und Ohren und Hals und überhaupt allem).

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Herr Rabe hat sich heute einen Rasenmäher gekauft und ich habe zwei mal sagen müssen, dass der nicht im Haus benutzt wird. Corona macht seltsame Sachen mit uns.

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Donnerstag zieht hier ein Meerschwein namens Muffin ein. Erstmal eins, weil es ein alleinstehender Herr ist. Sobald der kastriert ist und die Karenzzeit danach rum ist, dürfen dann noch Damen dazu kommen. Ich freu mich – und Michel sich auch. Dem hatten wir das ja versprochen für „nach dem Umzug“. Wir sind vor fast zwei Jahren umgezogen.

Tag 1736 – A List.

Ich denke, Tesla Signature Red entspricht ziemlich genau Essie A List. Ich werde das morgen mal verifizieren.

Meine Fingernägel vertragen echt keinen Lack. Sie nehmen mir immer noch übel, dass ich sie zu Weihnachten drei mal hintereinander lackiert habe. Wie konnte ich es wagen. Ich würde ja gerne voll cool sagen, dass mir das egal ist, ist es aber nicht. Ich möchte auch ohne Lack Fingernägel haben, die halbwegs vorzeigbar sind. Und wirklich immerimmerimmer lackiert haben (weil die Nägel eben nackt nicht mehr ansehnlich sind) will ich auch nicht. Seufz.

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17. Mai-Planung verläuft schleppend. Seufz.

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Ich bin tierisch müde, weil ich bis vor einer halben Stunde gearbeitet habe. Jetzt bin ich nach der gestrigen Eskapade wieder einigermaßen im Soll. Aus Gründen habe ich aber die zuletzt verfassten Mails alle noch nicht abgeschickt, nicht dass ich morgen früh ausgeruht da drauf gucke und mich in Grund und Boden schäme. Seufz.

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Es ist noch gar nicht richtig dunkel. Es sind ja aber auch nur noch 5 Wochen bis Sommersonnenwende. Wenn es jetzt noch wieder wärmer würde, wäre alles super. (Die Eisheiligen sollen weggehen!)

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Ich habe die Kinder ins Bett gebracht und das ist grade so eine Sache: währenddessen ist es super nervig, Pippi steht gerne noch mal auf wegen HungerDurstKuscheltierfehlt und hampelt eh rum, Michel beschwert sich darüber und Friede Freude Eierkuchen ist anders. Aber wenn sie dann schläft und schnarcht und Michel schläft und schnauft und beide zucken beim Einschlafen genau wie ihr Vater, hach, dann geht mein Herz immer ganz weit auf und meine Augen werden ganz schwer.

Tag 1734 – Michel langweilt sich.

Michel fühlte sich heute morgen auch nicht ganz fit und da sind die neuen Regeln streng – auch 90% fitte Kinder dürfen nicht zur Schule. Michel blieb also zu Hause, aber unter der Bedingung, dass er kein Fernsehen und kein iPad guckt.

Das erste mal kam er um halb zehn: er habe jetzt alles(TM) gemacht, was er jetzt machen solle?

Ab zwölf wurde er penetrant mit dem Nerven, was er machen solle.

Und um halb zwei, während Herr Rabe neben mir stand, bekam ich eine SMS von Herrn Rabe:

Michel sol(l) also (ein) bis(sch)en Fe(r)ns(ehe/i)n (kokguck)en.

Soso.

(Da hat der glatt geschafft, über Herrn Rabes Arbeitsrechner eine SMS an mich zu schicken. Kluges Kind. Jetzt halt noch Rechtschreibung lernen und vor allem besseres Timing, dann kaufe ich ihm das sogar ab.)

Rübennase, der.

Tag 1729 – Heiße Phase.

Der Autokauf nähert sich seiner Abschließung. Heute haben wir eines angeguckt, mehr angeguckt, probegefahren und dann haben wir Pippi damit abgeholt und dann hat das Auto getanzt und jetzt will Pippi es haben. Kein Problem, liebes Kind, wir verschulden uns doch gerne noch mehr für dich!

Jedenfalls hab ich dann heute auch noch für morgen früh ein Meeting abgeblasen und wir gucken uns ein weiteres an, das wäre das bessere Angebot in einer Farbe, die mir besser gefällt, ich suche den Haken, mal gucken, ob wir ihn morgen finden.

Und dann kaufen wir ein Auto, das von außen schon groß ist, von innen aber noch viel größer und es muss sich nie mehr wer zwischen die Kindersitze quetschen, wenn mal mehr als wir vier fahren. (Und es hat mehr Computerschnickschnack als alle Computer hier im Haus zusammen und japp, das finde ich super.)

Ein wenig damit im Zusammenhang steht: die norwegische Wirtschaft ist am Arsch. Heute wurde der Leitzins auf 0 gesenkt. Ab 25.5. wird dann auch unser Kreditzins fürs Haus gesenkt – zum 3. mal in 2 Monaten. Vermutlich muss ich, als Staatsbedienstete, schon froh sein, wenn mir bei der nächsten zentralen Gehaltsverhandlungsrunde, die schon wegen Covid19 verschoben wurde, nicht der Lohn gekürzt wird.

Die aktuellen Zahlen lassen sehr hoffen. Auf vieles. Aber die Wirtschaft wird brauchen, um sich von Covid19 zu erholen. Trotz Ölfonds und allem. Auch wenn wir hier jetzt auch wieder aufmachen, langsam und hoffentlich sicher.

Ich hoffe, alles was wir in den letzten zwei Monaten gelernt haben, reicht, um eine zweite Welle zu verhindern. Dass das Testen und das Tracen und das konsequente in-Quarantäne- Stecken reicht.

Ich hoffe, wir können ab Herbst wieder Inspektionen durchführen.

Ich hoffe, wir kommen ohne Babysitterfamilie zurecht, bis es einen Impfstoff oder eine wirklich gute Behandlung gibt. Ich baue auf zweiteres, ehrlich gesagt. Bauchgefühl, kein Insiderwissen. Irgendwas, das eine Infektion im Keim erstickt (ungleich Impfung). Sowas wie die Behandlungen gegen HIV. Aber auch das wird dauern.

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Was ganz anderes: das bekommt morgen Michels Corontänefreund zum Geburtstag:

Und das ist Michels:

Das hat sich Michel quasi komplett selbst ausgedacht, weil jetzt wieder Kulturschule ist (in Mini-Gruppen und draußen) und die Lehrerin die einfache Version davon hatte: eine kleine Gemüsedose (hier: Mais) gefüllt mit was klapperndem (hier: getrocknete Erbsen) und einem aufgeklebtem Deckel (hier: Hut/Caps). Michel hat erfunden, Herr Rabe hat umgesetzt. Die sind ein tolles Team und ich hab die alle sehr lieb.

(Nicht dass Sie denken, Pippi käme hier nicht mehr vor: die arme Maus hat dank ständiger Händewascherei so trockene Hände, dass es aussieht wie Neurodermitishaut. Ist es nicht und es juckt auch nicht, aber es sieht wirklich schlimm aus und fühlt sich auch schlimm an und weil das alles gereizt ist, ist es auch sonnenempfindlich und das ist wegen Covid19 auch schlecht, weil die ja dauernd Draußenlegionäre sind. Arme, arme Maus.)

Tag 1719 – 18 Eier.

Juhu, wir haben seit heute einen zweiten Eieranteil, weil wir ja viel zu Hause rumhocken gehen Eier momentan extrem durch und ich hab keine Lust, immer am Ende des Monats zu denken „nee, noch mal Pfannkuchen geht aber nicht, gibt ja am Freitag erst wieder Eier!“. Zur Feier des Tages habe ich dann gleich mal 18 Eigelb in Lemon Curd versenkt, das trotzdem nicht wirklich fest werden wollte. Hrmpf. Jetzt habe ich auch 18 Eiweiß übrig und weiß nicht, was ich damit soll. Hrmpf Hrmpf. Einen Finger hab ich mir auch verbrüht. Hrmpf hrmpf Hrmpf.

Ansonsten: Michel war heute wieder in der Schule und danach kurz im Hort. Kurz weil es so geregnet hat, dass ich beide Kinder aus Mitleid zwischen zwei Meetings um zwei schon abgeholt hab. Da waren zwei Kinder sehr froh.

Michel war heute morgen wegen der Schule etwas durch den Wind. Ganz aufgeregt und ganz „klein“. Brauchte viel Hilfe, versteckte das hinter Grummeligkeit. Kam nicht aus dem Quark und nicht ins Auto, war dann spät dran und dann eben hilflos und das alles nur wegen Aufregung und Unsicherheit und einer plötzlichen Änderung aller Abläufe. Ach, Zwergi. Von wegen „die Eltern dürfen nicht mehr in den Flur vorm Klassenzimmer“ – ich musste Michel die Regenhose ausziehen weil seine Anpassungsfähigkeit schon bei „wir treffen uns woanders, sind in einem anderen Raum und haben andere Garderobenhaken und eine ganz andere Sitzordnung mit der halben Klasse“ erschöpft war und er sich immer die Jeans mit der Regenhose auszog. Dafür, eine andere Strategie beim Ausziehen zu probieren, reichte dann seine Flexibilität offenbar nicht mehr und nach drei Versuchen und fast weinendem Kind weil die Klasse eben schon drin war, half ich ihm dann. Bringt ja auch nix, ihn da auflaufen zu lassen.

In der Schule war es dann aber wohl gut. Und im Hort auch. Und Minecraft blablabla Minecraft bla spawnen bla craften Blablahabdichliebmama. (Kurzer Ausschnitt aus Leben mit Michel.)

Tag 1704 – Corontäne Tag 31.

Frohe Ostern Ihnen allen! Nach einem holprigen Anfang (Lagerkoller trifft PMS) war es hier noch sehr schön, mit dem sonntäglichen Besuch der Corontäne-Freunde und einem Bier am Abend mit Freunden via Zoom. Ohne Corona-Talk (naja, mit wenig).

Michel ist heute alleine eingeschlafen. Schon wieder! Ich verließ ihn noch halb wach, um telefonieren zu gehen, er fand das nicht gut, aber nachdem ich versprochen hatte, dass er uns zuhören kann, wenn ich die Tür auflasse und er sich anstrengt beim zuhören, war es ok. Da er nicht noch mal runter kam, gehe ich fest davon aus, dass er recht schnell eingeschlafen ist. Vielleicht, ganz vielleicht, lernt Michel ja doch endlich das allein einschlafen. Das wäre sehr schön, ehrlich gesagt.

Michel ist übrigens nach eigener Aussage „sehr großer Fan von din* Sendung mit din Maus zum Hören“ und ich könnte den manchmal einfach fressen vor Süßigkeit. Immer noch.

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*Universalartikel, für der/die/das und in allen Fällen. Praktisch, nicht?

Tag 1622 – Approved!

Heute war Homeoffice-unterbrochen-von-Kinder-TÜV-Tag. Erst mit Pippi zur Helsestasjon, dann mit Michel zum Entwicklungsgespräch in der Schule.

Pippi ist eine kleine Rübennase und hat viel Quatsch gemacht, zum Beispiel „schreibt“ sie ihren Namen in erfundenen Buchstaben und sagte aus Jux und Dollerei grundsätzlich die falschen Farben. Sie hört super und sieht vielleicht nicht ganz so gut, das testen wir dann in ein paar Wochen nochmal, weil es ja auch gut sein könnte, dass sie einfach aus Jux und Dollerei irgendwann anfing, Häuser, Vierecke, Kreise und Äpfel eher random zu benennen. Und ich vorher noch so „Pippi ist sehr schlau.“ (Wozu Pippi übrigens reinkrähte „Ja, ich bin ein Geni!“ und ich leider vor Lachen fast vom Stuhl fiel.) Zählen, Reden, Motorik ist alles prima, sie wiegt exakt durchschnittlich viel und ist exakt durchschnittlich groß für ihr Alter und zum Abschied gab sie der Helsesøster eine dicke Umarmung, das war schon sehr niedlich. Jedenfalls hab ich da eine kleine schlaue Quatschnase, eventuell halt bald mit Brille. Mal, haha, sehen.

Zum Abschied im Kindergarten sagte ich dann „Ha det, lille venn.“, wie immer, und sie sagte „Ha det, lille Mamma-Rübennase!“ und ja, ich hab die schrecklich doll lieb.

Intermezzo

Dann ging ich zum Optiker und jetzt kriege ich bald eine neue Brille, die hoffentlich dagegen hilft, dass ich nachts offenbar weniger kurzsichtig bin als tagsüber, was mit der Pupillenweite zusammenhängt, wenn ich das richtig verstanden habe. In your Face, Oma, die immer gesagt hat, vom Lesen im Dunkeln bekäme man schlechte Augen! Jedenfalls gebe ich jetzt viel Geld aus und kriege dann eine Brille mit supertollen Gläsern die „das berücksichtigen“, ich will nicht wissen, wie geschliffenes Glas das tun soll, ist mir egal, lalala, ich will einfach nur im Winter Auto fahren ohne mich wie ein Verkehrsrisiko zu fühlen.

Intermezzo Ende

Etwas Arbeit

Korrektur: Herr Rabe war ab hier dabei, das heißt, er wollte eigentlich den Schultermin allein machen und ich war dann nur mit wegen der Brillensache.

Entwicklungsgespräch in der Schule und Michel wollte unbedingt mit. Und ich muss echt sagen: ich liebe Michels Klassenlehrerin. Hach! Michel war während des ganzen Gesprächs (und vorher) total aufgekratzt und, wie man so schön sagt, „all over the place“. Hampelte rum, fummelte rum, grinste unpassend rum und antwortete erstmal auf alles mit „weiß nicht, hihi!“. Puh ey. (Und ich noch beim letzten Gespräch „Michel ist so klug!“) Aber ein klarer Satz von der Lehrerin, gar nicht scharf oder unfreundlich, sondern ganz ruhig und Zack – Hampeln um 50% reduziert und Michel antwortet vernünftig. Halleloo. Die Lehrerin hat auch total viel Verständnis für all die Dinge, die in einer Gruppe von 23 Siebenjährigen eben total normal sind. Ich möchte bitte, dass Pippi auch so eine Lehrerin bekommt. Jedenfalls ist Michel in der Schule in allem gut, erzählt viel und will alles immer ganz genau wissen, er will immer noch Erfinder werden und wenn er jemanden auf der „Freundschaftsbank“ sitzen sieht, fragt er, ob derjenige (ich fürchte auf Mädchen erstreckt es sich nicht, die findet er im Moment ganz doof) mitspielen will. Das ist nämlich eine Bank, da kann man sich hinsetzen, wenn man niemanden zum Spielen hat, aber sich jemanden wünscht. Hach! Mein großer, toller Sohn mit seinem großen Herz. Auch den habe ich ganz furchtbar doll lieb.