Tag 1035 – #12von12 im Juni ‘18.

Heute ist der 12. des Monats und wie immer heißt das: wer mag macht 12 Bilder von seinem Tag und wirft sich in die Sammlung bei Caro von Draußen nur Kännchen.

Joa, also der Tag fing sehr früh an, ich hatte ja ein wenig befürchtet, dass wir Michel nicht aus den Federn kriegen würden, aber die magischen Worte „Es ist Førskoletur!“ ließen ihn förmlich wie so einen Jack-in-the-box aus dem Bett hüpfen. Er war dann furchtbar aufgeregt, dass er den Zug verpassen könnte und sprang herum, das war eeeetwas nervig vorm ersten Kaffe und um kurz nach sechs, aber Nunja. Zur Verabschiedung weckten wir Pippi, es gab noch eine kleine Umarmungs-Eskalation und dann zog er mit Herrn Rabe von dannen:

Ich machte Pippi, die sehr traurig war, nicht mit zur Førskoletur zu fahren, fertig und das Fieberthermometer bestätigte mir, was ich auch schon vermutet hatte: die erhöhte Temperatur von gestern früh hatte sich über Nacht endgültig verzogen und da sie gestern auch eigentlich fröhlich und fit war und gern in den Kindergarten wollte, durfte sie auch. Aber natürlich muss alles selbst gemacht werden.

Wir waren um viertel vor acht in der KiTa, das ist das letzte mal auch… ich glaub das ist noch nie passiert. Pippi ist auf dem Laufrad aber inzwischen auch echt fix unterwegs.

Auf dem Rückweg fotografiere ich im Park die zunehmende Verwahrlosung da. Es waren drei Bilder, die ich bei Instagram und dann auch bei der Kommune hochlud (wer weiß, vielleicht ist denen das ja auch alles gar nicht bewusst, Norweger sind ja jetzt eher nicht so die, die bei Unannehmlichkeiten direkt losmotzen), ich erspare Ihnen mal das Bild von der vollgekotzten Rutsche und die wuchernden Puste- und Butterblumen sind ja eigentlich sogar ganz hübsch, aber wenigstens in den Brunnen könnten sie mal wieder Wasser machen, finde ich.

Zu Hause habe ich dann etwas getrödelt und dann ein Workout herausgesucht. Ich war in letzter Zeit zwar viel zu Fuß unterwegs, aber wegen allem möglichen fiel das Workout öfter aus als das es stattfand. Da muss wieder Grund rein und heute startete ich mit 25 Minuten HIIT. Das war schön. Vor allem hinterher.

Danach Duschen, Kaffee machen, Arbeiten. Ich betrachte Bewerbungen schreiben als Arbeit. Als Highlight des Tages hat sich der Mann neben der Chipsfabrik endlich gemeldet, wann ich morgens frühestens in Oslo sein könnte, sie würden nämlich gern ein ausführlicheres Interview mit mir führen und danach zu der Chipsfabrik fahren, die ist aber eine Stunde entfernt und wenn ich nachmittags wieder zurückwolle, müssten wir eben früh starten. Ich Morgenmensch (NICHT!!!) werde also nächste oder übernächste Woche mit dem ersten zweiten Flieger des Tages mal wieder nach Oslo fliegen. Die Vorstellung trübt nur ein ganz kleines bisschen die Freude über die Nachricht.

Nach einiger Zeit brauche ich eine Pause und die Apotheke hat mir eine SMS geschrieben, dass meine Medikamente abholbereit seien. Ich wundere mich ein wenig, letzte Woche kam mir das noch alles totaaaaaaal kompliziert vor, das eine Medikament aus dem Ausland zu bestellen. Und das andere Medikament habe ich inzwischen bei einer anderen Apotheke abgeholt, weil ich mit meinem Vorrat nicht übers Wochenende gekommen wäre und diese andere Apotheke hatte die erste extra angerufen, um „das Rezept freizugeben“ (was auch immer das heißt). Naja, jedenfalls hätte ich letzteres Medikament dann heute haben können, das andere dauert noch etwa eine Woche. Damit der Ausflug nicht ganz ziellos war, mache ich noch einen Frisörtermin aus, bevor mein Frisör in zwei Wochen in seinen vierwöchigen Sommerurlaub aufbricht. Und weil das Wetter grad ganz schön ist (lies: es regnet nicht und in der Sonne muss ich die Windjacke überm Pulli doch aufmachen) gehe ich noch eine kleine Extra-Runde. Und stelle wieder einmal fest: Ich liebe meine Chucks.

Zu Hause arbeite ich weiter, ich schreibe insgesamt vier Bewerbungen und schlage mich mit drei verschiedenen Bewerbungsportalen herum. Man könnte meinen, man erreicht da irgendwann so einen gewissen Stoizismus, bei mir haben 33 Bewerbungen seit Januar (plus Chipsfabrik) da aber noch nicht genug Aggression weggeschliffen.

Herr Rabe und Pippi kommen nach Hause und ich koche. Also Essen.

Und dann gibt es essen. nämlich Zucchini-Pilze-Frischkäse-Pasta. Ist ganz lecker, aber jetzt keine mega Erleuchtung. Halt ne cremige Sahnesoße ohne Sahne. Und Foodbloggerin werde ich in diesem Leben auch nicht mehr.

Pippi ist zum Umfallen müde und ich bringe sie nach dem Essen direkt ins Bett. Vorher höre ich bei Herrn Rabe noch mal nach, ob die im Kindergarten vielleicht was von der Førskoletur gehört haben…? Herr Rabe sagt, Zitat, „Ich habe mich beherrscht und nicht nachgefragt.“ Gut, ich bin also nicht das einzige Helikopterelter hier.

Im Bad kriege ich endlich eins meiner grauen Haare gepackt. Das habe ich schon öfter versucht, ich hab nämlich einige davon. Zuerst habe ich sie bemerkt, als ich meine Haare das letzte Mal blau gefärbt habe, da waren nämlich ein paar Haare nicht nur in den Spitzen blau, sondern komplett gefärbt. Ich freue mich, zumindest noch, endlich ein bisschen Weis(s)heit.

Pippi schläft, es ist noch früh, vier Bewerbungen reichen für den Rest der Woche mehr als dicke, also schneide ich Stoff zu, trinke dabei sehr langsam ein Glas Wein und sehr viel schneller einen Liter Wasser und probiere auch gleich mal den Stoffkleber aus. Die Streifen auf dem Stoff sollen nämlich beim Nähen wirklich genau aufeinandertreffen und da darf nix verrutschen. Der Kleber riecht nach Hubba Bubba, funktioniert aber einwandfrei. Bin gespannt, wie sich das morgen nähen lässt.

Wegen der Streifen und weil ich mir echt Zeit lasse dauert das alles ganz schön lange, aber egal, ich hab ja nix mehr vor heute. Beim Küche aufräumen und bettfetig machen schaue ich noch eine Folge Lemony Snicket zu Ende. Die Socken lasse ich heute zum Schlafen lieber an, es ist echt fies kalt.

(Fun Fact: beim Zehen-Hampeln habe ich mir außen am linken kleinen Zeh was gezerrt. Autsch.)

Jetzt Bett, es wird auch echt Zeit. Vielleicht haben sich ja morgen früh mal die von der Førskoletur gemeldet.

Tag 1034 – Zeittunnel!

Nicht nur habe ich mich seit Tag 1028 grob verzählt – zwei mal! – nein, mein kleines Baby ist irgendwie mal kurz zu einem großen Jungen geworden, der morgen auf seine erste richtige Übernachtungsfahrt geht. Morgen wird Michel, der doch eben noch in seiner grotesk dicken Stoffwindel durch die Gegend rollte, auf Førskoletur (Vorschulausflug) fahren. Er freut sich unglaublich und ist tierisch aufgeregt, was man an der gesteigerten Häufigkeit von durch ihn provozierten kleineren und größeren Dramen ganz gut ablesen kann. Heute haben wir gepackt, was gar nicht so einfach war mit nöliger, leicht fiebriger Pippi und unglaublich aufgekratztem Michel, der einen mittleren Nervenzusammenbruch bekam, weil wir die Packliste im Kindergarten vergessen haben. Nicht, dass wir die nicht auch als Mail hätten, das zählt eigentlich nicht, das ist ja nicht der Zettel und buuuhuhuhuhuuuuuu, alles schlimm. Nun ja. Nach längerem Gesuche hatten wir dann das Wichtigste zusammen, nämlich Herrn Rabes Isomatte (die ist kleiner als meine, meine ist riesig), meinen Schlafsack (Michel hat ja so einen Kinderschlafsack von Decathlon, zum Übernachten in einer Hütte ist der super, aber die schlafen in einem Lavvo (ähh, Jurte? So ein festeres Zelt halt) und in der Nacht sollen die Temperaturen bis auf 1 Grad (!!!) runtergehen, da finde ich dann meinen dicken Schlafsack mit Comfort-Temperaturbereich bis -3 Grad doch angebrachter. Wir haben dann voll professionell noch das Fußende mit einem alten Haargummi von mir abgeschnürt, damit das Kind keine kalten Füße kriegt und nicht drin verschwindet, ich habe Michel die Geheimtasche gezeigt und spätestens seit Pippi unbedingt auch reinwollte, war Michel dann vom Schlafsack überzeugt) und sogar die vermaledeite Sitzunterlage, die ich in der ganzen Wohnung gesucht habe und schlussendlich bei den Schlittschuhen im „Keller“*fand. Memo an mich: Schlittschuhe da wegräumen, Sitzunterlagen in den Flur in die Box WO SIE HINGEHÖREN. Wir haben Wechselsachen und Schlafanzug eingepackt, Michel mit Engelszungen zum wenigstens Mitnehmen einer Fleecehose überredet, die Anziehsachen für morgen früh liegen bereit, Michel hat noch etwa dreitausendmal kundgetan, dass er seinen „Parkdress“ echt scheiße findet (wie ein Winteranzugeinteiler, nur ohne Futter, schützt also gegen Wasser von oben und Wind und NUR BABYS TRAGEN DAS!!!), ich habe drei Packungen Maoam** verpackt und in den Rucksack geschmuggelt, Pippi hat mit ihrem Plastik-Telefon „Bilder“ von Michel (und Selfies, Öhömm) gemacht, es ist quasi alles bereit. Morgen noch die Brotdose aus dem Kühlschrank und die Toilettensachen aus dem Bad in den Rucksack verfrachten und dann schauen wir um ca. viertel vor sieben mal, ob ich wirklich schon bereit bin, mein Baby einfach so mit einem Zug in einen hunderte Kilometer entfernten Wald fahren zu lassen. Schnüff.

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Auto-Lobhudelei: die durch das leichte Fieber „gewonnene“ Pippi durch die Gegend geschoben (2 Stunden, ca. 15.000 Schritte, eine halbe Flasche Pustefix und ein Kaffee in der Thermotasse) und mit ihr viel Spaß gehabt. Dabei nur wenig Sorgen gemacht. Aber Spatzen Croissantkrümel*** aus meiner Hand holen lassen. Hachz.

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*Nicht der richtige Keller, sondern ein Lagerraum von ~2qm auf unserer Etage und da haben die Schlittschuhe auch einfach gar nix verloren. Seit wir mal in einer Kellerwohnung gewohnt haben, die logischerweise keinen Keller hatte, nennen wir diese Art Lagerräume „Keller“. Mit Luftkommata.

**In der Vorschulgruppe sind ja nur zwei andere Kinder und Michel hatte sich heute morgen überlegt, dass er morgen gerne den anderen beiden eine süße Kleinigkeit schenken möchte. Und sich, natürlich. Nämlich „Am liebsten Kaugummi, oder ein Überraschungsei, oder Smarties. Da kannst du eins von aussuchen, Mama!“. Die Idee fand ich gut, das Bestimmerische daran aber nicht, also gibt es jetzt halt für jeden so ein kleines Maoam-Päckchen. Eingepackt, damit es auch für Michel eine Überraschung ist.

***So eine bin ich nämlich. Füttere Wildtiere mit insgesamt ca. 2 g Feingebäck und bringe meinem Kind dabei „Erpel“, „Spatz“, „Krähe“ und „Möwe“ bei. Und dass man ganz still sein muss, wenn man will, dass die Spatzen sich trauen, was aus der Hand zu holen.

Tag 1026 – Juba Juba Festival 2018.

Nach einem sehr warmen und einem langsam immer kälteren bis wirklich frischen Tag (und bevor der ganze Kram jetzt gleich wieder abgebaut werden muss), hier das Resümee zum Juba Juba Kinder-Festival 2018: toll war’s. Und das sag ich nicht nur meiner Freundin zuliebe. Es gab wie immer jede Menge ganz unterschiedliche Aktivitäten für Kinder, Kunst, Handwerkliches, Wissens-Dinge… von allem was dabei. Manches war eher so mittelmäßig durchdacht, aber dann am zweiten Tag geändert, zum Beispiel gab es dann heute eine zweite Kinderschminkstation, nachdem man da gestern eine

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Schwups, da hieß es „könnt Ihr zwei *jetzt* mitkommen?“ (Ja klar, dafür bin ich ja gekommen, ne?) und dann haben wir die Bühne abgebaut. Faszinierend und schweißtreibend und ich habe neue Sachen gelernt und so ein bisschen geil ist Arbeit, deren Ergebnis man buchstäblich sofort sieht, ja schon. Aber egal, wo war ich? Ach ja.

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Also jedenfalls war da gestern eine gefühlt kilometerlange Schlange beim Kinderschminken und heute dann eine weitere Station. Es gab ein ganz tolles Zelt für die Kleinsten, einen Bücherbus mit Literaturbühne dran, zwei Bühnen und die Turnhalle mit eher Theater-Bühnen und halt ganz viel Zeug zum machen, von dem wir auch in zwei Tagen nur einen kleinen Teil geschafft haben. Die Stimmung war überall entspannt, die meisten freundlich (Herr Rabe hat heute einem Mädchen den Todesblick verpasst, das Pippi unabsichtlich geschubst hat, sodass Pippis Lolli in den Dreck fiel und die aber, nachdem Pippi entrüstet zu brüllen anfing, nur doof glotzte und keine Anstalten machte, sich zu entschuldigen. Den Blick habe ich bei Herrn Rabe selbst noch nie gesehen, der lässt kochendes Wasser gefrieren. Aber alle anderen sonst waren schon wirklich entspannt!) und manche haben sich noch nicht mal vorgedrängelt, wenn man irgendwo in einer unförmigen Schlange anstehen musste. Wie das eben so ist, mit ganz vielen Kindern und Familien auf einem Haufen.

Wie gesagt, wir haben nicht alles geschafft, aber wir haben

  • Boote gebaut
  • Buttons gemacht
  • Jonglierbälle gemacht
  • Einen Skifahrenden Roboter gebastelt
  • Ballontutafone (it’s a thing! Und es klingt wie so ne Enten-Locktröte.) gebaut
  • Noch viel mehr Buttons gemacht
  • Origami gebastelt (da hat Michel vieeeeel mehr Talent für als ich. Und entspannt hat es mich auch nicht, im Gegensatz zu „Schlepp mal diese drülfzigtausend Metallstangen da hin und leg sie alle auf den Ständer da.“)
  • Und Michel hat eine Miesmuschel probiert, dafür einen Muschelorden bekommen und ganz viele (tote) Speisefische haben wir uns auch angeguckt

(Eins vorweg: was ich wirklich großartig finde, ist, dass alles auf allen Bühnen in Gebärdensprache gedolmetscht wird. Viele Daumen hoch dafür!)

Dann haben wir natürlich Musik gehört, super gut fand ich ja Hopalong Knut, Reggae und Ska für Kinder, und das Trondheimer Symphonieorchester mit Rasmus Rohde (norwegischer Kindermusiker), den Knabenchor des Doms haben wir uns dann lieber geschenkt (Knabenchor finde ich maximal gruselig, egal wie schön die singen, Gru-Se-Lig ist das in meinen Ohren) und die Physik-Show haben wir leider verpasst. Was ich aber (und die Kinder auch) noch viel besser fand, waren einerseits die Lesungen von Jørn Lier Horst, der sehr schön und Kindergerecht echte Fälle aus seiner Zeit als Polizeikommissar erzählt hat und wie er die in seiner Kinderkrimireihe verwurstet hat, mit ganz viel Raten von den Kindern (manch Achtjährige hat echt schon morbide Phantasien, in denen in einer Truhe unbekannten Inhalts auf dem Dachboden eines gefassten Bankräubers zerstückelten Leichen liegen. Würde ich dann aber doch eher in den Erwachsenenbüchern von Horst vermuten.) und ganz schön-gruseligen Geschichten (fand Michel auch. Der steht ja auch total auf die „Detektivbüro Nummer 2“-Bücher) ohne Mord und Totschlag, selbst wenn ein echtes Skelett darin vorkam. Mit Fotos! Von einem echten Skelett! Auf einer Lesung für Kinder! Kriegt manche vielleicht Schnappatmung von, die Kinder fanden das alle toll. Die zweite „Lesung“, die ganz ganz toll war, war von Ståle Gerhardsen. Der ist Künstler, Maler, Illustrator, Dings… und hat ganz mitreißend erzählt und die Kinder entertaint und die Erwachsenen gleich mit. Sein neueres Buch heißt „Hva som helst“ [irgendwas/alles mögliche] und handelt von Thea, die rausfinden möchte, was alles in einen Bleistift passt. Nachdem Aufsägen nicht besonders aufschlussreich war, malt sie also alles mögliche, großen Quatsch meist, und in den Bleistift passt das alles rein, sogar ein Pottwal auf einem Mond. Am Ende zeichnete er dann auch noch auf seinem iPad auf Kinderzuruf die quatschigen Kinderideen und Michel war kaum zu bremsen vor lauter Ideen, hat aber sich immer ganz brav gemeldet, mit „Æ! Æ!“ zwar, aber, eben, bis auf einmal. Da hatte Ståke grad eine Brille gemalt und gefragt, wer denn die Brille aufhat („wer benutzt Brillen?“), da rief Michel einfach ganz selbstverständlich „Meine Mama!“ und so kam es, dass ich mit einem „Mø!“-sagenden Vikinger in einem Drachenboot saß, über dem ein Elefantenbusflugzeug, das von einer Riesenameise mit Zylinder gesteuert wurde… aber das geht alles zu weit. Jedenfalls haben wir das Buch dann gekauft. Mit Widmung. Michel ist hin und weg.

Wovon Michel auch hin und weg war, und ich ehrlich gesagt auch, (und Pippi auch, die hat die eine Show sogar zweimal angeguckt, weil sie die so toll fand) waren die Shows und Aktionen vom Flying Seagull Projekt. Das ist eine Organisation von Artist*Innen und Clowns, die mit solchen Aktionen wie dem Juba Juba Festival finanzieren, was sie sonst tun, nämlich: herumreisen und Quatsch machen für Kinder, die flüchten mussten. Sie gehen in die Auffanglager und machen mit einfachen Mitteln halt Blödsinn für die Kinder und bringen sie zum Lachen, in einer Situation, in der normalerweise nicht viel zu Lachen ist. Sie spielen auch in Slums, Krankenhäusern und überall da, wo Kinder nicht viel zu Lachen haben. Ich finde das großartig und werde deshalb auch (sobald neues Geld vom NAV da ist) etwas für das Projekt spenden. Dass das mit dem Lachen definitiv klappt, davon konnten wir uns dieses Wochenende sehr ausführlich überzeugen, Michel und Pippi und eigentlich alle Kinder haben sich ausgeschüttet vor Lachen über die wirklich quatschigen und redundanten und komplett albernen Witze der Truppe. Wohlgemerkt, eigentlich ohne Sprache. „Uhlala!“ kann Pippi jetzt jedenfalls auch sagen. Und – für mich – unvergessen: der Witz des Truppenchefs, als sich eine andere Clownin anschickte, mit „Säbeln“ zu jonglieren, natürlich nachdem vorher immer alles schief gegangen war und sie auch gar nicht jonglieren kann, jedenfalls sagte der Chef, gewichtig und mit erhobenem Zeigefinger: „HMS“ [Helse, Miljø, Sikkerhet, also Safety, Environment, Health] und setzte sich einen Bauhelm auf. „Farlig!“ [Gefährlich]. Und dann konnte die wilde Messerjongliererei losgehen, Michel hat sich fast ein paar Nägel abgekaut vor Spannung. Hachja.

So, und jetzt noch Bilder.

was ich so bastle…und was Michel in der selben Zeit (mit Hilfe, aber nicht viel!) bastelt. Tjanun.

Abgebaut! Hurra! (Und Schleichwerbung. Wenn Sie mal zufällig in Trondheim und Umgebung ne mobile Bühne brauchen, melden Sie sich doch!)

Tag 1012 – „Mama, weißt du was?“

„Zum Geburtstag wünsche ich mir ein Tellifon. Oder einen Roboter. Mit Fernsteuerung. Wenn ich kein Tellifon oder einen Roboter kriege, werde ich ganz sauer. Man kann auch einen Roboter haben, der mit dem Tellifon gesteuert wird. Dann drückt man auf das Tellifon und dann geht der Roboter los. Gibt es dass, Mama? Das wünsche ich mir. Und der Roboter, der muss drei Knöpfe haben. Wenn man auf einen Knopf drückt, dann verwandelt der sich. In ein Flugzeug. Und dann fliegt der so rum, fju fju, und dann, wenn man wieder auf den Knopf drückt, dann fliegt der so ganz nah am Boden und blüpdiblübbediblüp, ist der wieder ein Roboter. Und der Roboter muss auch aufgeladen werden, aber nicht mit einer Bratterie. Und dann, wenn der aufgeladen ist, dann macht der so „Miep Mop!“ und dann blinkt das auch. Miep Mop! Hehehe. Und wenn man auf einen anderen Knopf drückt, dann soll sich der Roboter in was anderes verwandeln. In einen T-Rex! Wääuuu! Wäääuuuuu! Und der muss auch, wenn gemeine Leute oder Kinder kommen, dann muss der so böse Augen kriegen. Und dann erschreckt der alle bösen Kinder. Alle die ich nicht kenne. Nicht M. und M. Und H. auch nicht. Aber K. und I. Weißt du was K. gemacht hat? Die hat mich gekniffen und getreten. Und dann kann der Roboter die erschrecken und dann so fju fju, kommen da Schießraketen aus den Armen, aber der schießt damit nicht, der erschreckt die nur und dann rennen die weg. Das ist cool. Das möchte ich haben. Kannst du das für mich finden, Mama? Du kannst das im Internet finden. In dein‘ Tellifon.“

Ich habe also noch knapp fünf Monate, um einen ferngesteuerten Flugzeug-T-Rex-Wachhund-Roboter zu finden, der „Miep Mop“ macht, wenn er aufgeladen ist. Aber ohne Batterie. Kein Ding.

Tag 998 – Legevakt die 578.

Herr Rabes Geburtstag (heute ist er Mitte 30) verlief eigentlich sehr entspannt, wir waren am Vormittag faul* und am Nachmittag am Staudamm, um den wir gehen wollten. Pippi war es dann doch zu weit, Herr Rabe ging also direkt mit ihr zum Spielplatz, während ich mit Michel weiterging. Michel auf dem Rad und ich hinterher. Das war sehr schön, wir haben eine Schnecke gefunden und aus dem Moor in ein trockeneres Fleckchen Klee umgesetzt (gut versteckt, aber Michel hat trotzdem sämtliche Vögel im Umkreis verscheucht) und herausgefunden, dass der Stauteich geleert wird, weil irgendwelche Klappen nicht mehr tun was sie sollen. Man soll in der Zeit bitte die Biber nicht stressen. Dann hätten wir noch eine schöne Unterhaltung über Orientierungsläufe (weil da auch Schilder hingen) und Michel möchte jetzt gern zu den Pfadfindern. Vielleicht hab ich ihm das auch sehr schöngeredet, aber ich hätte das als Kind voll super gefunden und ich bin sicher, das würde er auch. Er plante jedenfalls schon, was er alles auf Zelttouren mitnehmen will (Taschenlampe und Triceratops).

Leider kamen wir zum Spielplatz zu einer heulenden Pippi, die „Aua, Aua!“ brüllte und sich die Hand hielt. Von Herrn Rabe verstand ich nur, sie habe irgendwas gemacht und dann hätte das Gelenk irgendwie Knacks gemacht, Pippi hatte jedenfalls offenbar große Schmerzen und als ich ihr die Jacke auszog, um das gewünschte Placebo-Pflaster aufzukleben, brüllte sie wie am Spieß. Damit war der Ausflug beendet, ich rief vom Auto aus die Legevakt an und äußerte die Vermutung „Ellenbogengelenk ausgerenkt“, es wurde gefragt, ob wir Schmerzmittel gegeben hätten (nein, wie denn, im Wald?) und sollten dann vorbei kommen. Wir waren dann auch schon 5 Minuten später da und während Herr Rabe noch das Auto parkte und uns für die Wartezeit mit Kaffee versorgen sollte, ging ich mit den Kindern rein. Da kamen wir unerwarteter Weise direkt ins Vorzimmer dran, ich erklärte, was passiert sei (die genauere Geschichte war: sie ging an Herr Rabes Hand und ließ sich ganz plötzlich fallen), Michel erklärte, Pippi habe ein Eulenpflaster bekommen, Pippi zeigte ihren Arm nicht sehr freiwillig her und brüllte herum, ich wurde wieder gefragt, ob wir Schmerzmittel gegeben hätten und dann sollten wir warten. Also setzten wir uns hin aber kaum saßen wir, wurden wir schon aufgerufen. Die Krankenpflegerin fragte, ob Pippi Schmerzmittel bekommen habe, Michel erklärte, sie habe ein Eulenpflaster, Pippi murmelte „skikkelig vondt!“ [ordentlich weh] und dann bekam Michel einen Flummi und Pippi ein Radiergummi und eine Haarspange (und keine Schmerzmittel) und wir sollten warten. Dort hatten wir dann eben genug Zeit um ein bisschen die Mitwartenden zu unterhalten „Ich bin Michel und ich bin Fünfeinhalb Jahre alt und das ist Pippi, die hat ein Aua am Arm und ein Eulenpflaster bekommen, ich hab einen Flummi, guck?“ „Ich bin auch fünfeinhalb!“ „Nein, Pippi, du bist nicht fünfeinhalb.“ „Wie alt ist Pippi? Zweieinhalb?“ „Fast drei**.“ „Also zweieinhalb.“ „Ich hab ein Eulenpflaster. Und skikkelig vondt.“ Und grade als sich die übrigen Wartenden überlegten, welches dieser putzigen Kinder sie wohl als erstes klauen wollen würden, waren wir auch schon dran. Der Arzt besah sich den Arm, drehte daran herum, Pippi brüllte wie angestochen und trat dem Arzt ordentlich vors Schienenbein und dann machte der Arm knack und alles war wieder gut. Zum Abschluss schaute der Arzt, ob Pippi den Arm schmerzfrei bewegen könne und zeigte mir die Einrenkbewegung. Und schwups, fertig. Pippi öffnete dann mit dem eben noch bewegungslosen Arm die Tür und wir trafen Herrn Rabe im Vorraum, der grad mit Kaffee, Eis und Gebäck eingetrudelt war. Der ganze Besuch hatte keine 20 Minuten gedauert, das muss Rekord sein. Im Vorraum saßen noch dieselben Leute, wie als wir gekommen waren, und während Pippi ihr Eis schleckte, schwafelte Michel die Wartenden voll „Ich war bei der Schulanmeldung, meine Mama findet keine Arbeit, wir ziehen vielleicht in ein anderes Land, meine Freunde M. und H. sind aber auf der Schule und nächste Woche fliegen wir im Flugzeug, da ist es so warm, dann kann ich Shorts anziehen und Sandalen, ich hab neue Schuhe, aber dafür ist es noch zu kalt und ich bin fünfeinhalb Jahre alt, mein Freund H. ist schon sechs, …“ Datenschutz? Kann man mit solchen Kindern auch vergessen. Wenn der meine Telefonnummer wüsste, würde er die auch jedem auf die Nase binden. Und dann diese Sommersprossen und dieser Wuschelkopf, der ist so niedlich, ich könnte den fressen.

Und dann rastet dieses niedliche Kind beim Abendessen komplett aus, weil die alte Blase an seiner Ferse juckt. Meine Güte. Aber so ist das vermutlich. Mit Fünfeinhalbjährigen.

Jedenfalls lassen Herr Rabe und ich jetzt den Abend noch ausklingen (Herr Rabe mit seiner neuen, total männlich-schwarzen Maske im Gesicht) und gehen dann ins Bett. Die nächste Vier-Tage-Woche ruft.

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Auto-Lobhudelei: mit der Armsache total cool geblieben.

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*Anekdote zum Aufwachen: beide Kinder haben in ihren eigenen Betten durchgeschlafen. Um sieben wurde ich deshalb (?) panisch wach, sicher, beide seien tot. Um zehn nach sieben war mir klar, dass ich eh nicht würde weiterschlafen können, wenn ich nicht gucken gehe. Um zwölf nach sieben lag ich wieder im Bett, mit doppeltem Kinderschnaufen im Ohr und einer kleinen Stimme, die sagte: haha, du Helikoptermutter.

**Am 1. Mai war Pippi exakt so alt, wie Michel am Tag von Pippis Geburt. Das ist auch einigermaßen verrückt.

Tag 961 – Pokus, Pokus.

Michel: „Kan dokk trille?“

Ich: „Was? Was ist denn dokktrille?“

Michel: „Kannj dokk trille?“

Ich: „?“

Michel: „Trille! Kannj dokk det?“

Ich: „Hä? Ob wir rollen können?!?“

Michel: „Nein, so Pokus Pokus… *wedelt wild in der Gegend rum*“

Ich: „Ach zaubern! Nee, das kann ich nicht.“

Michel: „Ich kann das aber! Ihr müsst nur die Augen zumachen.“

Herr Rabe: *unterdrückt mühsam Lachen*

Michel: „Augen zumachen!“

Wir: *machen die Augen zu*

Michel: „Pokus Pokus, Fidebokus, Bärchen soll weg sein! *Gekruschel, etwas, das sich verdächtig nach dem Plüschbärchen anhört, fällt auf den Boden* Jetzt Augen aufmachen!“

Wir: *bemühen uns um ernsthafte Gesichter und öffnen die Augen*

Michel: „Tadaaaa!“

Ich: „Nein, ist das Bärchen weg? Sowas.“

Herr Rabe: *lachschnaubt durch die Nase*

Michel: „Augen zumachen!“

Wir: *machen Augen zu, lachend*

Michel, aufgeregt: „Pokus Pokus Fidebokus, Salebim, *Gekruschel* Waschlecken soll wapp sein!“

Ich: *Lachtränen quellen aus meinen geschlossenen Augen*

Michel: „Augen aufmachen! Tadaaa! Der Waschlappen ist weg!“

Wir: *mühsam unterdrückte Lachkrämpfe*

Pippi: „Auge sssumachen! Mama! Papa! Auge ssumachen!“

Wir: *schließen die Augen*

Pippi: „Bogüs, bogüs, fertig Auge sssumachen!“

Wir: *liegen vor Lachen fast unter dem Tisch*

Pippi: „Tadaaa!“

Michel: „Warum lacht ihr?“

Tag 884 – So groß.

Michel kommt dieses Jahr in die Schule. Jedenfalls, wenn wir in Norwegen bleiben. Jeden Tag erinnert mich ein Zettel am Kühlschrank daran. Darauf steht: Du, Michel Rabe, hast einen Platz in der Schule um die Ecke.

Pippi macht wieder einen Entwicklungsschub durch. Dieses Mal wohl sprachlich. Sie reden in ganzen Sätzen (mit konfusem Satzbau, aber so what) und kann Vergangenheit und Zukunft benennen, und elementare Gefühle von anderen beschreiben. Leider geht auch dieser Entwicklungsschub mit Brüllerei und Trotzanfällen allererster Güte einher, aber das kennen wir ja auch schon.

Michel hat jetzt schon zwei mal bei seinem besten Freund übernachtet.

Pippi zählt. Ein, fei, dei, sju, åtte, ni.

Michel liest, ein bisschen jedenfalls. Auf jeden Fall sitzt er schon gerne irgendwo und guckt sich Bücher an. Und er kann die meisten Großbuchstaben erkennen und sehr, sehr langsam auch Wörter daraus zusammenbasteln. Auch diese Entwicklungen: Lesen, woanders schlafen, bald Schule (und die Sache mit dem Umzug macht ihm auch jetzt schon riesige Sorgen), sind nicht ohne Nebenwirkungen und wir waschen jetzt wieder öfter mal Bettwäsche, halten mehr oder weniger gut Wutanfälle und Gebrüll und Trotz und Verzweiflung aus und haben nur wenig Platz in unserem Bett.

Ach ja. Same, same, but different.

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Auto-Lobhudelei: im Bewerbungs-Soll, noch nichts angezündet, sogar wo angerufen (aber die Dame war nicht da). Aber angerufen! Mit einem Telefon! Bereit, mit richtigen, echten Menschen zu sprechen!