Tag 1011 – Home, Sweet Home.

Wir sind wieder zu Hause. Die Abreise hat sehr gut geklappt und der Flug war auch bis auf die Landung echt ok, allerdings das „dazwischen“, nämlich der etwa einstündige Aufenthalt jenseits der Sicherheitskontrolle im Flughafen Split, das war recht schrecklich. Der Flughafen ist winzig klein, es gibt laaaaaaaaange nicht genug Sitzmöglichkeiten, und es war hoffnungslos überfüllt. Also so, dass mir der Gedanke durch den Kopf zuckte „Wenn’s hier ne Massenpanik gibt, dann gute Nacht“. Und dabei war es ja noch lange nicht Hauptsaison. In der Hauptsaison kann ich mir gar nicht vorstellen, wie das gehen soll, ich stand so schon je 10 Minuten in der Klo-, der Kaffee- und der DutyFree-Shop-Schlange. Nun ja, wir haben es ohne Massenpanik und mit der korrekten Anzahl Kinder, die auch aussehen wie unsere, aus dem Flughafen und ins Flugzeug geschafft. Hurra.

Daheim in Trondheim dann auch endlich mal Frühling.

Und hier ist es auch jetzt, um fast halb elf, noch taghell.

Dafür überhaupt nicht drüber nachgedacht, dass hier ja am Donnerstag schon Feiertag war und am Montag auch Feiertag sein wird und was läge da näher, als heute (gestern auch) die Geschäfte einfach mal am Nachmittag schon zu schließen? Ja, alle. Da stand ich da mit meiner ausgetüftelten „Wir müssen jetzt echt wieder die Kröten zusammenhalten“-Einkaufsliste, vorm geschlossenen Supermarkt, und guckte doof. Beim zweiten Supermarkt guckte ich noch doofer. Beim dritten wurde ich langsam wütend und beim sechsten war ich so weit, alles in meinem heiligen Zorn niederzubrennen. Ich wollte doch keinen fancy Kram, ich wollte Milch, Eier und Käse kaufen, wir brauchen doch was zu essen die nächsten Tage. Herrje. Am Ende kaufte ich das Nötigste im einzigen geöffneten Laden weit und breit, einem wirklich winzig kleinen Joker der heute den Reibach schlechthin macht, indem er „das Nötigste“ an sämtliche verplanten Einkaufenden der Umgebung zu deutlich höheren Preisen als die großen Supermärkte es können verkauft. Aber hey, wir haben jetzt Milch und Eier, das Frühstück ist also gerettet. Und auch abends werden wir voraussichtlich nicht verhungern.

Ansonsten: getan, was man halt nach dem Urlaub tut. Wäsche gewaschen*, Schnecken**, Kaffeemaschine, Bett begrüßt***, sehr viel Blubberwasser ohne salzigen Geschmack getrunken, Zeug verräumt, Blumen gegossen. Jetzt Bett, in vollen Zügen genießend dass hier niemand auf die Idee käme, Raumbedufter zu verwenden****.

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*wir haben gar nicht mal so viel Dreckwäsche mitgebracht, weil wir Füchse nämlich schon im Urlaub zwei Maschinen gewaschen haben. Das nächste mal nehme ich ein bisschen von unserem Waschmittel mit, dann riecht die Wäsche auch nicht hinterher nach der kroatischen Auffassung von „angenehm blumig“.

**Die haben die Woche super überstanden, hatten ihren Apfel noch nicht ganz, den Arm voll Löwenzahn aber schon aufgefressen und die Erde war auch noch gut feucht. Es hatte sich noch nicht mal eine eingegraben.

***Hach, mein Bett, meine Matratze, mein Teddybär, meine Bettdecke, hachhachhach.

****Die Ferienwohnung war durchaus ok, vor allem für den Preis und in der Umgebung, aber die Gerüche waren schon nicht angenehm zum Teil. Ein Küchenschrank roch extrem muffig und selbst Gläser aus diesem Schrank rochen danach. Und in Kroatien stehen die Leute offenbar total auf alle Sorten von Beduftung. Raumsprays, Duft-Dingsis, die vor sich hinriechen, sehr stark parfümiertes Klo-Zeug, Wunderbäumchen in jedem (!) Auto. Die Vermieterin unserer Ferienwohnung beduftete den Flur mit penetrant vanillig riechendem Zeug, das löste bei mir schon fast Übelkeit aus. Nur die Handseife, die roch nach Klostein.

Tag 978 – Gemischtes.

Heute war ich beim NAV. Das kam so:

Ich habe seit inzwischen 5 Wochen kein Arbeitslosengeld bekommen. Es wurde mir ja von Anfang an klargemacht, dass ich in den zwei Wochen vor der Disputation kein Arbeitslosengeld bekäme, weil ich in der Zeit „in Ausbildung“ sei und deshalb ja keine Jobsuche betreiben könne (dass ich auch in der Zeit Bewerbungen abgeschickt hab: Schwamm drüber, ne?). Ich müsse das dann in den „Meldekarten“ entsprechend angeben. Die Meldekarten muss man alle zwei Wochen ausfüllen, aber online dauert das keine fünf Minuten, ist also echt kein großes Ding. Und normalerweise geht das dann auch fix, dass man das Geld bekommt, also so etwa 2-3 Tage. Nun. Ich füllte diese Meldekarten rund um die Disputation also entsprechend aus und halte für den Zeitraum zwei Wochen vor der Disputation „in Ausbildung“ an. Und dann gingen die zwei Meldekarten zur „manuellen Behandlung“. Ganz toll, vielen Dank auch, dachte ich mir, aber sonst auch nix weiter. Bis dann jetzt für die neue, ganz stinknormale Meldekarte auch kein Geld kam. Da sah ich heute morgen nach und fand heraus, dass die quasi in der Pipeline hinter den anderen beiden feststeckt, die nicht bearbeitet wurden. Ich grmpfte also und rief die Hotline an. Die Dame bei der Hotline teilte mir dann freundlich mit, dass die zwei Meldekarten „durchgefallen“ seien und deshalb auch die dritte nicht bearbeitet wurde. Moment, durchchgefallen? Ja, weil ich „in Ausbildung“ angekreuzt hatte. Das „in Ausbildung“ gilt nur für „vom NAV aberkannte Kurse und Studien“. AHA! Das hätte mir ja auch mal wer sagen können, nicht wahr? Ich hätte da, so die Dame weiter, „Abwesend“ anhaken müssen. Obwohl ich ja sehr anwesend war. Tjanun. Und da gäbe es jetzt leider nur die Möglichkeit, das zu korrigieren, indem ich persönlich da hinginge und mit meiner Betreuerin spräche. Ich grmpfte noch viel mehr, ging aber heute Mittag da hin. Und war schockiert. Ich kam direkt von der Eingangstür in einen Raum voller Leute, die scheinbar ungeordnet herumstanden. Einige sag ich an Computern mitten im Raum stehend Dinge tun, einige sitzend auf Sofas, zwischendrin auch welche am Drucker, und hier und da Leute mit roten Westen. Ich dachte zuerst, ich wäre in den abschließenden Mingling-Teil irgendeines Seminars geraten und wollte schon wieder umdrehen, aber irgendwie kam mir seltsam vor, dass die Leute so scheinbar gar nicht mingelten. Und auch nichts offenkundig gemeinsam hatten. Ich blieb also unentschlossen einfach stehen und besah mir das ganze. Die roten Westen (mit dem Charme einer Bauarbeiterkluft) hatten eine Aufschrift mit „NAV.no – 24/7 geöffnet“ (oder so), die schienen also hierher zu gehören. Und wuselten manchmal zielgerichtet herum, dann aber wieder nicht und guckten aufmerksam Leute an. An einem Ende des Raumes war so eine Art Tresen, an dem mehrere Leute standen und dahinter mehrere rote Westen, also schien es mir ratsam, mal zu schauen, ob das ein Empfang oder sowas war (ich suchte die ganze Zeit nach einer Gelegenheit, eine Nummer zu ziehen, weil das in Norwegen ja immerimmerimmer so ist, dass man einfach eine Nummer zieht und dann die Nummer aufgerufen wird und fertig). Und wie ich da so versuchte, die Schlange am Tresen zu erkennen, rief eine der roten Westen „Wir haben hier keine Schlangenordnung!“. WHAAAAAT? Keine Nummer, keine Schlange, soll man die im Ernst einfach ansprechen? Bis ich mich gesammelt hatte, war die rote Weste natürlich besetzt. Dann drängelte sich jemand vor (oder so, gab ja keine Schlange, aber ich bin ganz sicher, dass die nach mir gekommen sind) aber die nächste rote Weste war dann meine. Der erzählte ich also – mitten im Raum, umgeben von Leuten (!!!) – meine Geschichte und sie fragte nach meinem Ausweis. Ich habe keinen Lichtbildausweis mit meiner Personnennummer drauf, also zog sie dann mit meinem Führerschein plus Krankenversicherungskarte (meinem einzigen Ding mit der Personnennummer drauf, abgesehen vom offiziellen Registrierungsbeweis) von dannen. Bis sie wiederkam, hörte ich unfreiwillig die komplette Geschichte des sehr laut sprechenden, älteren Rumänen mit, der vorgestern erst angekommen ist und noch eine Personnennummer braucht. Weil er noch keine Arbeit hat, hat ihn der Skatteetaten schon weggeschickt und er verstand nicht, wieso ihm niemand eine Nummer zuteilen wollte, ohne die doch in Norwegen nichts funktioniert. Kurz bevor er wirklich sauer wurde, kam meine rote Weste zurück, mit zwei Zetteln zur Korrektur der zwei Meldekarten. Die füllte ich auf der Sitzfläche eines Stuhls aus und gab sie ihr unterschrieben und mit der falschen Jahreszahl (Hupsi, aber ist ja auch noch so neu, das Jahr…) versehen zurück, sie sagte Danke und dass das jetzt korrigiert wäre und das war’s. Dann war ich wieder draußen. Auf der Pro-Liste also eindeutig: Geht fix, deren System.

Trotzdem, liebes NAV: warum?!? Warum keine Nummern? Wir mögen Nummern ziehen! Das ist fair, das kann wirklich fast jede*r, selbst Leute mit richtig schlechter Sozialkompetenz schaffen es, ne Nummer zu ziehen und im Zweifel eben draußen oder in der Ecke eines der schicken Sofas sich unsichtbar machend darauf zu warten, dass sie dran sind. Dieses System, was ihr da habt, ist echt (wie jemand auf Twitter sagte) Apple Store gone wrong. Für Leute mit psychosozialen Problemen ein echtes Hindernis, für alle anderen mindestens unfair und total unübersichtlich, keine Privatsphäre, und dass die Mitarbeiter*Innen da nicht komplett irre werden, ist echt ein Wunder.

So.

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Pippi wollte heute nach der KiTa nicht nach Hause laufen. Aber auch nicht Laufrad fahren. Was ich also tragen musste. Plus die schwere und volle Tasche Kram aus der KiTa (unter anderem der Winteranzug, mit dem Michel, als ich kam, auf den Knien über den gestreuten Asphalt robbte und meine Fresse, das Ding hat über 100€ gekostet und hat jetzt Löcher in den Knien. War. (und bin) ich. sauer.). Also beide Arme voll und bockige Pippi, die einfach stehen blieb. Viele unserer Nachbarn aus dem Viertel kennen jetzt die deutsche Mutti, die ihr Kind anschreit. Und ein paar deutsche Flüche.

Nach sowas möchte ich echt immer gern aufn Arm oder direkt ins Bett.

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Sport gemacht und, weil ich ein neues Sportprogramm angefangen habe, den „Physical Fitness Test“ wiederholt, allerdings ohne Laufen, ich laufe ja nicht. (Ich gehe. 19256 Schritte heute.) Und ich muss schon sagen: ich bin stolz auf mich. Die >-Zeichen heißen, dass noch ein paar mehr gegangen wären, aber es mir zu blöd wurde.

(Ach ja: Push-ups sind Liegestütze, in dem Fall ganz normale und nicht auf den Knien, sondern auf den Füßen, Squats sind Kniebeugen, Plank heißt, dass man sich auf Unterarme und Zehen aufstützt und den Rest halt wie ein Brett macht, also vom Boden weg, aber flach, in einer Linie von den Schultern bis zu den Fersen abfallend ohne, dass der Po angehoben wird. Flexibility wird da bestimmt, indem man quasi eine Klappmesser-Übung macht und musst, wie weit man mit den Händen an den Fersen vorbei strecken kann (oder, wenn man nicht bis zu den Füßen kommt, halt -x cm). Ich glaube, das ist bei mir nah am maximal erreichbaren, bei dieser Übung bin ich schon sehr flexibel, ich lege den kompletten Oberkörper auf meinen Beinen ab und die Unterarme auf den Boden neben die Waden, was soll da noch groß gehen, wenn meine Arme nicht durch gewisse Laufradtragereien noch deutlich länger werden?)

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Ein lustig aussehendes Brot gebacken, nach einem Rezept von Ketex.

(Ich glaube, die Teiglinge lagen ein bisschen sehr nah aneinander, deshalb haben die beim Aufgehen im Ofen so eine Art Brücke gemacht und sich gegenseitig hochgedrückt. Aber sonst tadellos, wir werden sehen, wie es schmeckt, so schwierig, wie’s im Rezept klingt, fand ich es jetzt nicht.

Tag 965 – Leuchtende Augen.

Am Samstag waren wir Einkaufen. Hier ist ja über Ostern immer superlanges Wochenende, der Mittwoch ist schon nur noch Larifari-Arbeitstag, Gründonnerstag ist Feiertag, Karfreitag eh, Samstag ist dann halber Feiertag mit eingeschränkten Öffnungszeiten und dann eben Sonntag und Montag wieder Feiertag. Aber da sämtliche Norweger ihre Osterferien auf der Hütte* verbringen und Ski fahren, ging es eigentlich sogar mit dem Samstagseinkauf, bis auf eine Aubergine habe ich alles bekommen. Für die Aubergine wollte ich dann aber nochmal in den Meny, wir kaufen ja sonst alles beim Rema, der ist ein bisschen wie Aldi, der Meny eben eher so Edeka. Viel mehr Auswahl, aber halt auch alles teurer und bei 5 Litern Milch pro Woche merkt man das eben schon irgendwann, ob die 19,80 oder 20,90 kostet und hey – hier ist eh alles pseudo-monopolisiert, man kriegt zu 90% im Meny halt die gleichen Produkte wie im Rema. Für die anderen 10% fahren wir dann doch hin. Und wie das dann so ist, kauft man noch dies und das und bleibt nochmal an der Fisch- oder Käsetheke stehen. Die gibt’s im Rema nämlich nicht. Und wie ich da so stehe, am Karsamstag eine Stunde vor Ladenschluss, und in die Käsetheke starre, spricht mich ein sicher 2 Meter großer und recht beleibter Herr an, wonach ich denn suchen würde. Erst erschrecke ich mich fast zu Tode, denn Norweger sprechen eine nicht einfach so an der Käsetheke an. Aber der Herr arbeitet da. Trotzdem sage ich nur „ach, ich suche nur mal was, was ein bisschen besonders ist…“ und will schon zum Brie** greifen, da sagt der Herr „Haben Sie den hier schon mal probiert?“ und reicht mir Chambre. Sieht lecker aus. Und da fährt der Herr auch schon fort: „Wissen Sie, was Sie damit machen können? Wir hatten mal welche davon, die waren kurz vorm Ablaufen. Und dann haben wir die einfach in den Ofen getan! Das ist ganz toll, geht ganz einfach und schmeckt herrlich, einfach Cräcker reindippen und mhhhhh! Wunderbar!“ und dabei hat er ganz leuchtende Augen, ganz niedlich ist der 2-Meter-150-kg-Mann, dass ich es weder übers Herz bringe ihm zu sagen, dass das Konzept Ofenkäse in Deutschland jetzt nicht grad neu ist, noch den Käse nicht zu kaufen.

Heute gab’s deshalb Ofenkäse.

Dinge, die wir am Wochenende nicht mehr geschafft haben, aber wegen „hui, der Käse stinkt ziemlich den Kühlschrank voll“ jetzt schnell nachholen müssen. Mit selbst erfundenem Brotbällchen-Teig. Sehr gut selbst erfundenem Brotbällchen-Teig. Der geht so: – 21 g Hefe (1/2 deutscher Würfel) in 150 mL lauwarmem Wasser mit einer Prise Zucker auflösen und dann mit – 500 g Mehl, – 2 guten Teelöffeln Salz, – 1 guten Esslöffel sehr weicher Butter, – 2 guten Esslöffeln griechischem Joghurt und – nochmal ca. 100 mL Wasser einen relativ weichen Teig kneten (so ~7 Minuten auf mittlerer Stufe in der Knetmaschine) – etwa 1 Stunde gehen lassen, bis das Volumen verdoppelt ist – 16 (20 wären besser gewesen) gleich große Teile abstechen und rund formen (ich hab sie geschliffen) – mit Kernen versehen, wer mag (dazu erst in Wasser tauchen, dann in die Kerne drücken) – um den Ofenkäsedeckel drapieren und abgedeckt nochmal gehen lassen (ich habe das kalt gemacht, für 1,5 Stunden) – Käse rein und dann so backen, wie man halt den Ofenkäse backt. #lecka #börpserchen #ofenkäse #mitbrötchen

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Michel fummelte sich beim Abendessen dauernd im Mund rum und beschwerte sich, dass der Zahn wehtue. Ich besah mir das also und sah ordentlich abgenutzte Milchzähne, Michel knirscht ja auch nachts mit den Zähnen (jetzt nicht mehr so stark wie auch schon mal, aber immernoch manchmal), ich sah auch hinter den Milchzähnen unten gerötete und geschwollene Kauleisten, da warten wohl die bleibenden Backenzähne auf ihren Durchbruch, und dann konnte ich nach ein bisschen Gefühle meinerseits endlich die heiß ersehnte Nachricht überbringen: „Der eine Schneidezahn unten, der sitzt nicht mehr ganz fest.“. Michel hat quasi komplett geleuchtet vor Stolz. Hachz.

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Auto-Lobhudelei: auf einigermaßen merkwürdige Mails einigermaßen sachlich geantwortet.

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*Anekdote: am Sonntag fragte die S. die M., ob der Sohn (H.) denn beim Papa auf dem Bauernhof sei. Ja, sagte die M., obwohl es erst geheißen hatte, „sie wollen auf die Hütte, aber da muss man 30 Minuten Ski laufen und das macht H. nicht mit“. Und da musste ich echt sehr lachen, das ist so klischeemäßig, Ylvis haben ein Lied darüber gemacht.

**Traurig, wie man hier gemainstreamed wird, aber Brie, Camembert, alter Gouda, echter Feta oder echter Parmesan sind für mich schon besondere Käsesorten geworden.

Tag 841 – Endlich ein neues Fass!

Nein, Spaß.

Aber eigentlich hätte ich ein bisschen Lust drauf, wenn ich grad Nerven und Zeit übrig hätte, würde ich vielleicht nen Aufständchen machen, jetzt muss es eben reichen, dass ich hier mal drüber motze.

Ich habe ja letztes Jahr dem Herrn Rabe einen Whisky-Adventskalender geschenkt (und alle so moaaaa, macht die denn echt alles wie Frau Brüllen?!? Aber ich habe das erst nach dem Bestellen geschnallt, echt, und Herr Brüllen hat auch einen anderen als Herr Rabe). Das war ein spontaner Einfall, nachdem durch den Brexit das Pfund abstürzte und Herr Rabe ja sehr gerne Whisky mag und dann poppte so ne Werbung bei Amazon auf und dann hab ich im Endeffekt aber doch nicht da bestellt sondern in einem Britischen Onlineshop. Weil die nämlich eine recht problemarme Lieferung nach Norwegen versprachen. Und problemarm war es letztes Jahr auch, ich musste eine Bestätigung schicken, dass ich in jedem Fall anfallende Zollkosten übernehmen werde und daraufhin wurde das Paket abgeschickt, ein paar (überraschend wenige) Tage später rief der Postmann an, ich nahm das Paket in Empfang, die Zollrechnung kam wie immer per Post, das überwies ich und fertig.

Dieses Jahr hingegen habe ich das dumpfe Gefühl, dass ich irgendeine Janteloven-Regel übersehen hab: „Du sollst nicht meinen, dass du einfach Alkohol von sonstwo her bestellen kannst, trink gefälligst Karsk*, du blöde Kuh!“. Ich bestellte den Kalender vor ca. 2 Wochen und schickte die „Jaja, ich bezahl alles was die sich hier einfallen lassen“-Mail direkt hinterher. Dann passierte ein paar Tage nichts. Dann wurde ich vorletzte Woche Freitag um kurz vor halb vier von DHL angerufen: das Paket läge jetzt beim Zoll und die bräuchten eine Bestellbestätigung. Und, das müssten sie mir sagen, ab dem vierten Tag, dass es beim Zoll liegt, kostet es 35 NOK pro Tag. Also, weil beim Zoll Freitags ab halb vier keiner mehr arbeitet und das Wochenende den Norwegern ja heilig ist, ab Montag. Ich reagierte recht… ungehalten auf diese Information und motzte die Dame am Telefon an, ob sie das fair fände, dass ich also egal wie schnell ich jetzt diese Mail mit der Bestellbestätigung schicke in jedem Fall 35 Kronen bezahlen müsste. Nee, fand sie auch nicht richtig, aber den Boten hängen ist ja auch nicht grad die feine Art und den Rest vom Groll schluckte ich herunter, 35 Kronen sind ja nun auch nicht sooooo viel Geld. (ABER AUS PRINZIP! schreit da mein Gerechtigkeitsempfinden und ich habe Mühe, es wieder zu beruhigen.) Und natürlich schickte ich auch sofort die Bestellbestätigung an die DHL-Frau, die mir noch am Telefon den Eingang bestätigte und dass sie das sofort an den Zoll weiterleite.

Dann passierte wieder ein paar Tage nichts.

Mittwoch rief ich DHL an. Natürlich hatte ich keine Sendungsnummer, die arme Frau (Ich glaube, es war die selbe, Silje ist zwar ein recht gewöhnlicher Name hier aber so schlecht ist mein Stimmengedächtnis nicht) musste also tatsächlich nach meinem Namen suchen. Ein Whisky-Adventskalender? Ja, genau. Hmm, der liege noch beim Zoll. Sie werde da drauf drängen, dass das schnell bearbeitet würde, das wäre ja ärgerlich, wenn das nicht bis zum 1. hier wäre. Ja, stimmt ja auch, klar, äh, mir ging’s natürlich nur um den Mann *hust*. Zähneknirschend legte ich auf. 3 x 35 NOK.

Auch am nächsten Tag passierte nichts.

Am Freitag rief ich, einigermaßen geladen, wieder an. Silje musste wieder nach meinem Namen suchen, ach ja, der Adventskalender, ja, der sei heute morgen vom Zoll behandelt worden. Müsste also Montag ausgeliefert werden (auch DHL arbeitet am Wochenende hier nicht). 5 x 35 NOK werde ich also, zusätzlich zur Einfuhrsteuer und zur Bearbeitungsgebühr, berappen dürfen. Weil wegen isso und weil der Zoll da eben am sehr viel längeren Hebel sitzt.

Die können froh sein, dass ich keine Kapazitäten für so Nervzeug habe.

Das Paket kam jedenfalls heute heile an und ich hab zum ersten Mal so eine Postbox benutzt, da musste man nur eine SMS-Pin eingeben und plopp – ging die Klappe auf. Spannend sowas.

Auf den Brief vom Zoll warte ich jetzt mittelmäßig gespannt.

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*Sprich: Kaschk, Kaffee mit Selbstgebranntem. Sehr Trøndersk. Man macht das so: man nimmt eine Tasse und legt eine Münze rein, dann tut man so viel Kaffee in die Tasse, bis man die Münze nicht mehr sieht. Dann kommt so viel Klarer „Hjemmebrennt“ drauf, bis man die Münze wieder sieht. Wieviele Leute im Jahr blind davon werden, ist nicht überliefert, ich weiß aber, das selbst brennen auch zu den Hobbys von ein paar meiner Kollegen gehört, das ist hier (illegaler) Volkssport. „Die Familie von Stein-Even, die brennen schon in der vierten Generation in der Hütte im Wald, da is‘ nie was passiert, kannste ruhig trinken!“ Alle irre.

Tag 710 – Berge, Bäume, Berge, Bäume…

Also ich kann mich daran ja quasi nicht sattsehen. Michel schon. Heute hat er schon ganz von selbst beim Spülen geholfen, weil ihm langweilig war. Aber morgen gehts ja auch nach Hause, dann hat auch für ihn die Sitzerei ein Ende. 

Heute gings von „Häh, wieso hab ich mir denn die ganze Zeit eingebildet, wir fahren auf dem Rückweg über Flåm?“*, nämlich Høyanger, wieder nach Dønfoss. Mit einem kleinen Abstecher, um einen Wasserfall mit besonders hübscher Brücke drüber zu besichtigen. Im strahlenden Sonnenschein und bei >20 Grad war das einfach ganz wunderbar. Wir haben wieder viel Gegend gesehen, viele freilaufende Ziegen und Schafe auf der Straße getroffen, dann aber doch keine „lokal produzierte“ Ziegenwurst gekauft, uns darüber und über die räumliche Nähe von Elchwarnschildern und Elchburgerbratereien amüsiert, haben Biowürstchen und eine Bio-Salami** gekauft und am Ende waren wir so spät am Campingplatz, dass es grad noch für ein ganz kurzes Eintauchen reichte, bevor das Schwimmbad schloss. Dafür haben wir dafür alle zusammen auch nur 50 Kronen bezahlt, statt 50 Kronen pro Person. Dann Würstchen vom Grill und Ramen-Salat***. Schon schön. 

*Das weiß ich wirklich nicht mehr, wie das kam, aber ich war mir totsicher, bis ich gestern dann beim Navigieren den Campingplatz erst gar nicht und dann in der anderen Richtung fand. Das war… interessant. Mit sowas kann ich auch nur im Urlaub halbwegs umgehen. 

**Da stand kein Preis am Regal und ich sag mal so: das ist jetzt mein Andenken an den Urlaub. 

***Man nehme: „Das schmeckt anders als zu Hause, das mag ich nicht.“ (Gebratene Ramen-Nudeln mit Ei, anders weil Sojasauce dran) von gestern, kalt, rühre „bläh“ (Cocktailtomaten) und „das mag ich nicht, obwohl, doch, wenn’s Käse ist vielleicht schon?“ (Schafskäse) ein, würze mit „was ist das hier für grünes Zeug, das ist eklig“ (Pizzakräuter) und schon hat man einen wirklich erstaunlich schmackhaften Nudelsalat. 

Dieser kleine Wasserfall ist eigentlich ein überlaufender See, was man leider auf dem Bild nicht gut erkennt. Ist aber trotzdem hübsch.


Likholefossen bru. Danach war irgendwie mein Schuh nass, dummdidumm.

Von der anderen Seite. Zu Hause lade ich auch ein Video hoch, das ist mir grad zu teuer mit mobilen Daten.

Voll super Viewpoint mit voll super hohen Bäumen vor der Aussicht.

Endlich angekommen. Ich war schon drin, es war wirklich sehr sehr frisch. Aber schön!

Mit Untertauchen (Beweisfoto). Man sieht auch schön den momentanen Zustand von „Matschauge“. So tuts jetzt immerhin nicht mehr weh, das ist schon die halbe Miete.

Tag 706 – Nynorskland. 

Heute wird’s etwas fotolastig. Da müssen Sie jetzt durch. Ich mache das (der Übersichtlichkeit halber) mal chronologisch und fange auf unserem Campingplatz von gestern an. 

Überaus hübsch am Fluss gelegen.

Und mit „Naturbad“. Auf dem Rückweg sind wir nochmal eine Nacht hier und die Wettervorhersage sagt, da soll es richtig sonnig sein, dann können wir hier baden.


Heute fuhren wir gegen Mittag recht entspannt los, mit einer Gesamtfahrzeit von dreieinhalb Stunden vor uns. Und tatsächlich waren wir so entspannt, dass wir hier und da einfach Sightseeing machten, statt stumpf geradeaus zum Ziel zu fahren. Das war schlau, so doll ist nämlich der jetzige Campingplatz nicht.

Erstes „Oh, schau mal!“ war ein kleinerer Wasserfall. 

Ein wenig windig war’s…

… und laut auch.

Aber schön.

Andere Seite.


Dann fuhren wir weiter und kurz vor einem laaaangen Tunnel ging es rechts ab zum „Trollstigen“. Und Herr Rabe so „Das ist eins DER norwegischen Sights, komm, da fahren wir jetzt hin!“. Und so waren wir dann „am höchsten Fjordaussichtspunkt Norwegens (von einer Straße aus)“. Das war, äh, hoch. Ja. UPDATE: Herr Rabe sagte grade, das war noch gar nicht der Trollstigen, sondern bloß Dalsnibba. Nicht, dass Sie am Ende herkommen und dann merken, dass Sie für den Trollstigen noch mal 40 km oder so fahren müssen. 

Hui. Da unten ist Geiranger.

Lauter kleine Steinhaufen…

Und Miniblümchen gab’s auch. Beeindruckend: die trotzen nicht nur dem Wind und dem Wetter da oben, sondern auch einer Menge trampelnden Touristen.

„Bleib mal stehen, ich wollte ein Foto von dir machen!“ Sagte ich zu Michel, woraufhin er sich so hinstellte.

Kurz stand ich versehentlich auf diesem Gitter.

Gitter von unten. Hahahahahaha. Ha.

Noch ein bisschen mehr Ausblick.

Und noch mehr.


Dann fuhren wir durch ca. Drölfzigtausend Tunnel. Die waren alle komplett schwarz innendrin und mit so funzeligen Lämpchen ausgestattet. Voll schön für Leute mit latenter Panik in langen Schläuchen unter ABERWITZIG VIELEN TONNEN VON GESTEIN. Aber es ist wider Erwarten nichts über uns eingekracht und so konnten wir noch ein bisschen mehr Aublick fotografieren.

Ausblick mit hübscher Spiegelung.


Gegen sechs (nach einem kurzen Einkauf) kamen wir dann auf unserem heutigen Campingplatz an und… naja. Es ist halt alles auf Nynorsk hier. Bekloppte Norweger. Zwei offizielle Sprachen.

Der Campingplatz hier hat zwar kein so tolles Badebecken, aber immerhin einen großen Spielplatz, auf dem ich auch nur bei der Hälfte einem Viertel der Spielgeräten etwas Angst habe, sie könnten spontan das zeitliche segnen, während eins meiner Kinder damit oder darauf spielt. 

Pippi lässt hüpfen.

Und auch hier wieder: Fluss.

Tag 705 – Grüße aus in der Nähe von Jotunheimen!

Es sah zwar heute lange nicht so wirklich aus, als würden wir fahren, aber dann haben wir es doch geschafft. Mit Hängen und uns gegenseitig fast Erwürgen. Aber geschafft. 

Nun sind wir ja noch nie* im Sommer durch Norwegen gefahren. Immer nur im Winter, Herbst oder Frühjahr. Und im Sommer, also, es ist schon schön hier. Es ist wundervoll. Der reinste Naturporno überall. Morgen mache ich mehr Fotos, versprochen, da haben wir auch mehr Zeit und „müssen“ nicht spätestens um Dings irgendwo sein. Heute müssen Sie sich mit aus-dem-Auto-Fotografiertem begnügen. 


Elchkuh mit Baby I

Elchkuh mit Baby II



Kurzer Schockmoment heute: wie ich so die Campingplatzbuchungen nochmal per Mail gegencheckte und der für Dienstag Abend geplante Stop mir mit „bis Mittwoch dann!“ antwortete. Aber er hatte sich einfach vertan. Nicht ich. Puh. 

(P.S. Wir sind packmäßig übrigens die Antithese zu Frau Brüllen. Ich habe heute Früh und Mittag alles gepackt, spontan und gen Ende Dinge vor mich hinmurmelnd wie „Salz, Duschgel, Ladekabel“. Bisher ist uns zwar nichts aufgefallen, das wir vergessen haben, aber ich wär echt gerne einmal (wieder) so organisiert. Vor den Kindern ging das irgendwie immer noch alles, seit den Kindern… eher nicht so.)

(P.P.S. das mit dem heutigen Gegenchecken ist halt auch wieder so ein Ding. Das hätte man ja vielleicht auch schon vor nem Monat machen können und vermutlich auch sollen.)

*Einmal, es muss ca. 1997 gewesen sein, habe ich mit meiner Familie Urlaub in Norwegen gemacht. Da waren wir wandern im Jotunheimen. Meine Erinnerung ist nur eine: es gab sehr viele Berge. Überall. Ich hätte hinterher Stein und Bein geschworen, dass Norwegen nur aus Bergen besteht.)