Tag 2260 – Noch platter.

Sport, also, warum macht man das überhaupt. Au Füße. Au alles.

Ich hoffe wenigstens auf guten Schlaf zur Belohnung.

Ansonsten ist Homeoffice ja auch ganz schön, Homeoffice alleine hat auch was für sich. Das muss alles in die Planung der teilweisen Rückkehr ins Büro mit einfließen.

Michel hatte heute wie jeden Dienstag Korps und fand das zwar nach dem Hort erst eine totale Zumutung, nachdem er was gegessen hatte gar nicht mehr so schlimm und dann war es wie immer gut. Was haben sie gemacht? „Na Musik.“ Ja, ach so. Hinterher meinte er zu mir, ich könne mich doch auch beim Korps anmelden, einem für Erwachsene und mit Geigen. Das gäbe es nämlich. „Meinst du ein Orchester?“ Ja, das meinte er. Aber Korps für Erwachsene mit Geigen find ich auch gut.

(Tatsächlich hab ich da schon öfter drüber nachgedacht, aber ich hab so unregelmäßig Zeit, das macht mich als Ensemblespielerin nun nicht sonderlich attraktiv. Naja, mal gucken.)

Mehr war heute nicht. Doch – ich hab eine Erinnerung bekommen, doch bitte mal wieder zur Gebärmutterhalskrebsvorsorge zu gehen. Sind schon wieder drei Jahre rum, na sowas. Mache ich natürlich, man muss hier in Norwegen jede Vorsorge mitnehmen, die man kriegen kann.

Tag 2213 – Bloß schnell schlafen.

Hurra, ich darf ganz offiziell wieder baden! Ich habe mich also in sehr warmem Wasser gründlich eingeweicht, die Haare mit Silbershampoo einwirken lassen und leider keine Tuchmaske gemacht, weil die ne halbe Stunde hätte drauf liegen müssen und ich befürchtete, dann dabei einzuschlafen. Nach der Badewanne war das Tape am Hals gut aufgeweicht und ging ganz leicht ab, darunter saß einiges an tote-Hautschüppchen-Schmodder, den ich erst mal wegrubbelte, bevor neues Tape draufkam. Nur noch 50 mal üben und dann ist das Tape der Woche bestimmt auch nicht mehr schief oder zu breit oder zu hoch oder zu tief.

Morgen machen wir einen Familienausflug nach Oslo, um Pippis neuen Pass zu beantragen. Aus Gründen fahren wir alle, yeah, das wird super, um 08:30 Uhr im Zug zu sitzen mit Allemann. Pippi wird einen richtigen Reisepass kriegen, weil, wie ich heute las, nach dem 1.1.21 ausgestellte Kinderreisepässe nur noch ein Jahr lang gültig sind, danach kann man die jetzt um jeweils ein Jahr verlängern, wenn man ein neues Foto mitbringt. Was ja sinnvoll ist, weil so sieht Pippi wirklich gar nicht mehr aus:

Oh! Kein Hals.

Jedenfalls ist mir das zu doof, jedes Jahr mit Mann und Maus zur Botschaft zu gondeln, deshalb gibt es jetzt einen normalen Reisepass für sie, mit 5 Jahren Gültigkeit. Einziger Nachteil: höhere Passgebühr und wir können den neuen Pass nicht gleich mitnehmen, weil den, im Gegensatz zum Kinderreisepass, die Botschaft nicht selbst drucken kann. Wir müssen also morgen auch noch irgendwo einen Haufen Briefmarken auftreiben, weil ich ebenfalls keine Lust habe, fürs Ausweis abholen in drei bis vier Wochen wieder nach Oslo zu fahren. Noch ist ja reines Homeoffice – und wenn kein Homeoffice mehr ist, sind unsere Büros nicht mal eben nebenan und so gloriose Öffnungszeiten hat die Botschaft leider nicht, dass man mal schnell vor oder nach der Arbeit da vorbei geht.

Deshalb mache ich jetzt das Licht aus. Die erste Arbeitswoche nach den „großen Ferien“ war ganz schön anstrengend.

Tag 2187 – Freizeit.

Wir waren ja nun zwei Tage im Freizeitpark, beziehungsweise einen Tag im Freizeitpark, einen Tag im Kinderbauernhof. Das war der Hunderfossen Park in Lillehammer, wenn Sie zufällig mal da sind und Kinder so im Alter von 3-10 Jahre haben, fahren sie da ruhig vorbei, das ist sehr schön da. Für größere Kinder ist es glaube ich zu lahm, aber für die Altersklasse von Pippi und Michel jetzt (also fast sechs und bald neun) gibt es ganz viel zu sehen, zu machen und zu erleben, aber angenehm ruhig (für einen Freizeitpark). Es laufen KEINE Gestalten in Kostümen rum und auf Kinder zu, es ist nicht überall ständig Musik und der Park ist groß genug, dass sich die Menschen darin recht gut verteilen*.

Wir konnten mal wieder sehr schön beobachten, wie unterschiedlich unsere Kinder sind. Während Pippi ihren „Führerschein“ machte (auf einem kleinen Elektro-Mercedes AMG, wenn schon, denn schon!) war ich mit Michel erst mal im Energisenteret, einer Art Mitmachausstellung zu verschiedenen Aspekten von Energie – Licht, Wasser, Wärme, Biomasse, smarte Häuser und Tierhaltung, inklusive „Wie man sich in einen Schweinestall einschleust“

Mit Dusche! (Man musste aber nicht in echt duschen.)

Dort konnte man an einer Umfrage teilnehmen, bei der man auch was gewinnen konnte. Michel ist unter anderem der Meinung, dass wir alle der Umwelt zuliebe weniger Fleisch essen sollten und dass Erwachsene in Klimafragen mehr auf Kinder hören sollten, weil die es schließlich in vollem Umfang ausbaden müssen, was heute so verzapft wird. Ich finde, ich habe ein sehr kluges Kind.

Anekdote: Michel wird in absoluter Dunkelheit leicht panisch, auch wenn er die ganze Zeit Körperkontakt zu mir hat. Außerdem fand er völlig unerhört, dass ich, um den Umfragezettel an der richtigen Stelle wieder abzugeben, einfach an der Schlange am Eingang des Energisenterets vorbei gegangen bin, er fand, wir sollten uns lieber anstellen, auch wenn wir mit dem senter an sich ja schon durch waren.

Als nächstes wollten wir dann gerne Achterbahn fahren. Alle zusammen. Der Park hat genau eine richtige Achterbahn, die recht harmlos** ist, alles das, was bei mir zu grenzwertigem Grusel, auch wenn der ja das Schöne an der Sache ist, führt – Loopings, Holzgerüste, nahe 90 Grad-Gefälle, frei baumelnde Beine – hat die nicht. Michel befürchtete aber in der Schlange stehend zusehends immer mehr. Dass die Achterbahn kaputt gehen könnte und entgleist. Dass die Sicherungen an den Sitzen aufgehen könnten und man rausfliegt. Dass die Sonnencreme macht, dass er zu flutschig wird. Trotz Versicherungen, dass all das sehr unwahrscheinlich ist, wollte er dann, als wir an der Reihe gewesen wären, doch einfach lieber nicht, also setzte ich mit ihm aus und wartete auf Pippi und Herrn Rabe, die ohne uns fuhren. Pippi hatte jedoch die Kräfte, die auf einen wirken, nicht vorhergesehen und will jetzt nie wieder Achterbahn fahren. Nach einigen Minuten auf dem Arm ging es wieder bei ihr und wir spazierten weiter.

Den Kindern hat glaube ich am besten gefallen, dass es da ein kleines Schwimmbad gibt, mit in erster Linie viel Wasserspielzeug. Das wussten wir vorher und hatten deshalb auch Badesachen dabei, und während Pippi und Michel in maximal knietiefem Wasser plantschten***, aßen Herr Rabe und ich das einzige vegetarische Essen, das ich weit und breit auftreiben konnte. Ach, Norwegen, du und dein Schinken-und-Hühnchen-Wahn. Es war eine Focaccia mit Tomaten, Pesto und Mozarella, an sich lecker aber etwas sehr fettig.

Bei den Kindern stand ebenfalls hoch im Kurs der kleine „Aussichtsturm“, auf den man sich selbst hochziehen muss (maschinell unterstützt). Dadurch hat das höhenängstliche Kind selbst in der Hand, wie schnell es wie hoch geht, unter „HÖHER! HÖHER!“-Rufen der kleinen Schwester zwar, aber auch die ist ja noch drei bis sieben mal mit ihm mit gefahren.

Fast zum Schluss nahmen wir noch die „Rafting“-Bahn, bei der alle, Kinder wie Erwachsene, einen Heidenspaß hatten.

Eigentlich waren dann alle schon ziemlich gar, Michel wurde zappelig und motzig und Pippi weinerlich, und wir tauschten den Märchenzug gegen „4D“-Kino ein. Das soll so viel heißen, wie „Kino mit visuellen Tiefeneindrücken durch polarisiertes Licht und entsprechende Brillen plus Wind-, Sprühnebel- und Seifenblasenerzeugung über in das Mobiliar integrierte Düsen“. Der Film war eine Art Fortsetzung von „Der kleine Prinz“ und sehr niedlich und nett gemacht, aber am Ende mit dem größten Plothole aller Zeiten****. Den Kindern fiel das nicht weiter auf und sie waren danach auch entspannter und bereit, zum Campingplatz zu fahren. Das nächste mal machen wir dann auch noch das 5D-Dings mit, einfach um zu erfahren, was die 5. Dimension sein soll. Vermutlich Bewegung, aber herrje, so viele seltsam verwendete Ds!

Zu dem Bauernhof gibt es nicht soooo viel zu sagen, außer, dass mir die meisten Tiere da ziemlich leid tun*****, und wenn ich eine Streichelzooziege wäre, würde ich mich auch sehr schnell darauf spezialisieren, kleinen, unbedarften Menschenkindern die Futtertüte im Ganzen zu entreißen. Volle Soli mit den Ziegen! Michel fand die Minischweine gut, Pippi die Kaninchen, beide die Truthähne, die haben nämlich sehr hübsche Federn. Und die „Försterautos“, mit denen Kinder eine Runde durch den Wald drehen können, inklusive dicker Pfütze, durch die man fahren muss. Ich hab mich mit einem Esel angefreundet und ein fremdes Kind zurechtgewiesen, das die Pferde mit den Futterpellets fütterte, obwohl jedem mit Kauf der Tüte mehrmals gesagt wird, dass man alle Tiere damit füttern darf, AUSSER PFERDE UND ESEL. Man bekommt dann auch noch einen Zettel, auf dem genau das steht. Aber die Eltern dieses speziellen Kindes waren auch nirgends zu sehen, sonst hätte ich denen das auch noch mal gesagt.

Insgesamt hatten wir 2 gute Tage alle zusammen, das war nötig und richtig.

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So langsam setzt bei mir Erholung ein, nach zweieinhalb Wochen Ferien. Interessant, auch im Hinblick auf zukünftige Ferien.

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* nun ist natürlich grad Corona und laut Webseite sind die Besucherzahlen beschränkt worden, also vielleicht ist es da sonst brechend voll und superlaut und es gibt ständig Feuerwerk. Ich glaube es aber nicht.

** also wenn man die Maßstäbe von Heidepark Soltau und co. anlegt

*** ein Hoch auf Kinder, bei denen man wenigstens in der Tiefe keine Angst mehr haben muss, dass sie sofort ertrinken, wenn sie nur umkippen

**** vielleicht war der Film eigentlich wesentlich länger und wurde auf 15 Minuten amputiert, es wirkte etwas so

***** welche Tiere mögen schon ständig von random Menschenkindern begrabbelt werden

Tag 2149 – Fleißbienchen.

Ich hab heute bei der Arbeit viel Kleinscheiß weggearbeitet und wieder festgestellt, dass einige auf das Empfangen von Mails reagieren, indem sie der Absenderin sofort weitere Dokumente schicken, mit dem Hinweis, weiteres käme in den nächsten Tagen. (Falls Sie mir mal viele Donumente schicken wollen: ich bevorzuge, alles auf einmal zu bekommen. Übersicht über lauter halb fertige Dinge zu behalten, fällt mir schwer. Andere Sachbearbeiter*Innen mögen anders ticken, aber ich sag das schon immer, dass ich bitte nicht kleckerweise Dokumentation haben will, sondern in großen Stapeln. Vielleicht hört mir aber auch nie wer zu, auch möglich.) So richtig viel kleiner wird mein Kleinscheißstapel dadurch leider nicht, aber vielleicht der der anderen Seite? Ich weiß es nicht.

Morgen spaziere ich einen halben Tag ab, vielleicht komme ich diese Woche dann bei null Flexizeit-Stunden raus. Ich soll aufpassen, dass es nicht zu viele werden, weil alle über 50 zum 1. September gestrichen wird. Jaja, schön, und welche meiner Arbeitsaufgaben soll ich dann lassen?

Um das Abspazieren richtig zu genießen nehme ich den Zug um vier vor acht in die Großstadt und gehe zum Arzt, damit ich Hypochonder nicht schon wieder mit irgendwas bei der Hausärztin auftauche. Danach gehe ich zum Instrumentenbauer und hoffe, dass der Kinnstützen hat, die mir keine Druckstellen am Kiefer machen. Danach Update im Büro, wir wurden, wie letztes Jahr, dorthin einbestellt, weil wir dieses Update nur da machen können: nach sage und schreibe 15 Monaten Homeoffice bekommen wir nämlich endlich VPN damit wir demnächst Updates auch zu Hause machen können. Tadaaa! Japp, wir sind von der ganz fixen Sorte, kann man anders nicht sagen.

Status potentielle Steuerverbrechen: unser Sachbearbeiter ist sehr nett, wir haben beide den gleichen und wir sind keine Steuerverbrecher, im Gegenteil. Ich mag den Dialekt des Sachbearbeiters und dessen entspannte Grundhaltung und dass man ihn auch mal im Auto erwischt, während im Hintergrund Kinder „PAPAAAAA WER IST DAS???“ krähen. Insgesamt mag ich Norwegen halt schon.

Tag 2133 – Hipp Hipp Hurra!

Grunnlovsdagen, 205 Jahre lang hat Norwegen nun ein Grundgesetz. Unser 7. 17. Mai und der erste, an dem so richtig besch… Wetter war. Leider auch der erste, an dem wir nicht zu Hause bleiben konnten. Stellen Sie sich einfach nach zweieinhalb Stunden im Regen durchgefrorene, durchgeweichte Kinder und Jugendliche im Korps vor, die zitternd „Ja, vi elsker“ spielen, Instrumente ausleeren dass es nur so schwappt, und ihre Noten trotz Hülle nicht mehr lesen können, sowie einen winzigen Kindergartenumzug, eine Runde um den Platz vor der Kirche, Eis für alle Kinder und ab nach Hause, weil man wirklich keine unnötige Minute draußen verbringen will*. So war das. Traurige Flaggen hängen klitschnass im Regen. Willkommen in Norwegen.

Erst mal alles wieder trocken bekommen.

Michel hat das Marschieren tapfer durchgezogen, brach aber danach in Tränen aus, weil es, bei Licht betrachtet, eigentlich ziemlich scheiße war, da im Regen. Eine lange, warme Dusche und ein Wärmekissen im Bett später war aber alles wieder gut und naja, scheißerer geht’s ja kaum, er ist jetzt also quasi Korpsgetauft. Erstaunlicherweise ist bisher keine Rede davon, das in Zukunft zu lassen.

Nachdem Michel wieder warm und trocken war, fuhren wir zu unseren Corontänefreunden und feierten mit denen und der Nähmutterfamilie (unsere Familien überschneiden sich ohnehin an mehreren Stellen kohortenmäßig) 17. Mai, mit spielenden Kindern, jede Menge gutem Essen und Menschen in 3D, hui, so aufregend.

Mein inniger Wunsch: dass das der letzte Corona-17. Mai war.

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*Pippi bekam von der Babysittermama, die vollständig geimpft ist und extra und trotz des Wetters zu dem Kindergartenumzug gekommen war, eine Umarmung. Hach.

Tag 2110 – Kleine Rundreise.

Der Antrag auf norwegische Staatsbürgerschaft liegt jetzt bei den zuständigen Behörden. Die Kopien wurden alle auf ihre Korrektheit geprüft, ich wurde sehr eingehend gemustert, ob ich wirklich die Person auf dem Passbild bin (ich hätte mich vielleicht schminken sollen…) und ich musste kurz das mit dem „Geburtsnamen“ erklären und dass ich jetzt wirklich nicht mehr so sondern nur noch Rabe heiße. Für den Notfall hatte ich auch unser Stammbuch dabei, um solche Dinge, wenn auch auf deutsch, belegen zu können, das war aber nicht nötig. Insgesamt dauerte der Termin ca. 10 Minuten und war Infektionsschutzmäßig so gut wie sowas sein kann. Es waren 2 Beamtinnen bei der Arbeit, jede in ihrer Luke, dazu waren die am weitesten voneinander entfernten Luken ausgewählt worden. Es durften nur 2 Personen in das wirklich geräumige Lokal, eine Sicherheitspersonal achtete darauf, dass der Rest draußen wartete, dass alle einen Termin hatten, dass man die Maske trug, die Hände desinfizierte und Abstand hielt. Alle Angestellten trugen Maske, trotz Plexiglasschutz (looking at you here, Ahus) und als mir die Beamtin meine Originaldokumente zurückgegeben hatte und ich alles eingepackt hatte, desinfizierte sie ihren Schreibtisch und die Ablage, auf der ich meinen Kram gehabt hatte. Besser wäre vielleicht noch draußen gewesen, aber das macht bei 5 Grad jetzt eher nicht so viel Spaß für die Angestellten.

Weil ich dann ja eh fast in Oslo war, fuhr ich noch die reparierte Felge abholen. Sieht aus wie neu, war aber teuer genug, als dass ich in Zukunft besser aufpasse. Dann können wir tatsächlich planmäßig Anfang Mai auf Sommerreifen wechseln.

Und weil ich dann ja eh in Oslo war, fuhr ich kurz zur Arbeit, um im dortigen W-LAN vom Auto aus ein Passwort zu ändern, das hatte ich letzte Woche vergessen und nichts ist schlimmer, als wenn 3 von 4 Passwörtern (planmäßig) gleich sind, nur eines ist noch das alte.

Auf dem Rückweg fuhr ich in Jessheim ab, denn der Lieblings-Blumenmarkt/-Pflanzschule hat seine Fläche verkleinert um wenigstens die nicht haltbaren Frühlingsblumen verkaufen zu dürfen. Und alles, worüber ich mich bei der Polizei gefreut hatte, wurde durch winzige Mundvisiere bei den Angestellten zunichte gemacht. Danke, Merkel FHI, dafür dass du weiterhin Aerosole leugnest, was solche schlechten Witze von Infektionsschutz in der Vorstellung einiger Leute okay macht. FU.

Nun ja und weil ich dann ja eh in Jessheim war und es inzwischen drei war und ich zur Apotheke musste, die in unserem Kaff aber um drei schließen, ging ich im pseudo-geschlossenen Einkaufszentrum (das Zentrum selbst hat auf, aber die meisten Geschäfte nicht, außer für Click&Collect. Apotheken aber schon.) in die Apotheke und weil ich dann eh im Einkaufszentrum war und es da einen Drop-In-Friseur gibt, der quasi in einem Flur liegt, ging ich 15 Minuten später von einem guten Teil der Haarmassen auf meinem Kopf befreit zurück zum Auto.

Man muss echt nicht lächerliche Menschenwürde-Argumente dafür heranziehen, aber sich frisiert fühlen ist schon sehr schön, muss ich sagen. Herr Rabe hat grad nicht so viel Zeit und Muße mir die Haare zu schneiden, der braucht auch ein bisschen mehr als 15 Minuten dafür (hat das ja auch nicht gelernt, im Gegensatz zu den Friseur*Innen dort). Was aber nicht so schön war: Haare überall, jetzt neu auch auf der Maske und am Rand zwischen Maske und Gesichtshaut pieksend. Ich war froh, als ich wieder am Auto war und mir das jetzt juckende Ding vom Gesicht reißen konnte.

Abschweifung: ich bin ja generell ein ehrlicher Mensch und ich kann das nicht beschönigen: ich finde das Maske tragen nicht sonderlich schön. Und zwar im Grunde egal welche, aber FFP2 ist noch nen Tacken unangenehmer. Ja, ich mache es natürlich trotzdem, immer und ordentlich, aber ich glaube nicht, dass ich zu denen gehören werde, die Post-Pandemie einfach weiter Maske tragen werden, weil das ja überhaupt gar kein Problem ist und vor allem und weiß nicht was schützt. Hmm, ja, vielleicht im Flugzeug, aber nicht in jedem Laden, in jedem Café, im Bahnhof während ich versuche, den Zug zu erwischen… da brauche ich widerstandsfreien Luftfluss in meine Lungen. Alternativ brauche ich deutlich mehr Zeit, damit ich nie schneller Atmen muss als sagen wir mal im Wartezimmer sitzend, bessere Ohren, damit ich Leute auch trotz Maskenuscheln noch verstehe, sowie eine Augenoperation, bei der mir automatisch verdunkelnde Linsen eingesetzt werden, weil auch Sonnenbrillen beschlagen, durfte ich lernen.

Das alles entschuldigt keine Maskenverweigerung und Kinn-Spuckschütze WÄHREND der Pandemie. JETZT GRAD ist es das mindeste, was man tun kann, um nicht mit etwas Pech am viel viel unangenehmeren Respirator zu landen. Aber ich bin froh, wenn man das nicht mehr muss. Ich bin auch froh, wenn man wieder ins Café gehen und dort seinen Kaffee trinken darf, statt ihn draußen frierend zu trinken oder das ganze gleich ganz zu lassen und damit dafür zu sorgen, dass die Cafés endgültig pleite gehen.

Pandemie stinkt und soll weggehen.

Tag 1961 – Neuigkeiten.

1. Michel hat heute (japp, nach 1,5 Tagen Benutzung) seine Brille kaputt bekommen, weil er im Sport-Hort mit einem anderen Kind zusammengestoßen ist. An ungünstiger Stelle ist der Rahmen gebrochen. Ich weiß jetzt, dass man für Reparaturen auch noch mal Unterstützung beim NAV beantragen kann. Kommt bestimmt gut, bevor der erste Antrag überhaupt bearbeitet ist. Michel ist am Boden zerstört und hat heute mehrmals deshalb geweint, weil das jetzt wieder ziemlich lange dauern wird, bis er seine Brille wieder hat.

2. Hier war heute ein Elektriker und hat die Kabelage geändert und den Lichtschalter und die Steckdose versetzt, auf die richtige Seite der Wand und an die richtige Wand.

Morgen kann es also weiter gehen. Hoffentlich haben wir dann bald wieder eine Tür.

3. Das Pensum ist noch mal durchgelesen, Glomma ist 611 km lang, Sognefjorden ist an der tiefsten Stelle 1308 m tief und die UN hat 193 Mitgliedsstaaten und morgen um ca. 13:15 Uhr kann ich das alles wieder vergessen (as if) und im Februar dann den Antrag abgeben und Norwegerin werden. So 14 Monate später dann. (Wohl nicht rechtzeitig zur Stortingswahl. Schade. Ich bin, auch wegen Kinderbrillen, sehr bereit endlich linksgrünversifft und mit der brennenden Fackel des Feminismus in der Hand meine Stimme abzugeben.)

Tag 1947 – Mal wieder Dugnad, Geld, Onesies.

Erstmal bitte ich um Entschuldigung, dass ich gestern im Volltran spät abends von HMS gefaselt habe. Ich dachte, die Abkürzung sei ja auf Englisch die gleiche, und die kennt man ja. HMS ist SHE, wie wir sehen, quasi die gleiche Abkürzung. Die Abkürzung steht für Helse, Miljø, Sikkerhet, also Gesundheit, Umwelt, Sicherheit. Arbeitsschutz. Wir sollen auch im Homeoffice die Arbeitsschutzrichtlinien einhalten, ich nehme ganz stark an, dass den Arbeitgeber*Innen langsam aufgeht, dass sie da eine Verantwortung haben, so lange wie das schon dauert. Da hilft ein unter völlig anderen Prämissen (nämlich „Homeoffice gelegentlich, nicht mehr als 25 Tage im Jahr“) unterschriebener Wisch aus dem Januar leider wenig, wenn wir uns auf Küchenstühlen grad alle den Rücken ruinieren. Meine Chefin war leider nicht sonderlich offen für Übernahme von Kosten für bessere Ausstattung. Mal sehen, was das noch gibt.

Wir hatten heute den letzten Termin mit der Finanzberaterin, jetzt ist unsere Umstellung erst mal abgeschlossen. Uff. Das war ein ziemlicher Aufriss. Aber es hat sich gelohnt, wir werden jetzt weniger als vorher sparen und anlegen und damit mehr erreichen. Niemand wird im Alter am Hungertuch nagen müssen und wir können in ein paar Jahren die Küche renovieren, ohne dafür noch mal den Kredit erhöhen zu müssen. Das ganze System ist deutlich verschlankt, wir müssen nur noch eine Überweisung im Monat nach Deutschland tätigen und vor allem haben wir keine unnötigen Versicherungen mehr, die im Fall der Fälle eventuell eh gar nicht zahlen würden, sofern wir nicht zum Beispiel Gutachterpersonen einfliegen wollen um z.B. einen deutschen Pflegegrad zu bekommen. Ich freue mich vor allem drauf, mich jetzt wieder eine Weile nicht groß darum kümmern zu müssen.

Am Nachmittag war hark-Dugnad [Gemeinschaftsarbeit] im Kindergarten. Unser Kindergarten hat grad wegen Krankheit echte Personalprobleme und da harken die nicht auch noch nebenher. Verständlich. Aber es stehen riesige, alte Linden überall auf dem Gelände und das ganze Laub kann da nicht bleiben. Also harkte ich und fuhr auch noch einige Schubkarren voll Laub weg, dann wurde es aber zu dunkel. Pippi hat natürlich sehr kräftig mitgeholfen und war sehr stolz, dass Mama auch Dugnad macht. Integrierter geht kaum.

Lauter Haufen.

Tatsächlich war es ganz schön, sich bei Tageslicht draußen zu bewegen und auch (mit sehr viel Abstand) ein paar Worte mit den anderen Kindergarteneltern zu wechseln.

(Homeoffice ist echt nicht gut für mich.)

Apropos Homeoffice: Herr Rabe und ich haben uns gestern Onesies bestellt. In einer eeeeetwas anderen Qualität als die in großen Kindergrößen von Lindex, die wir haben. Diese Homeofficescheiße geht ja vermutlich noch den ganzen Winter so weiter, dann bald stilecht und leicht peinlich obendrein im Partnerlook.

Michel hat sich auch einen weiteren Onesie gewünscht und hat jetzt einen im Schneeleopardenlook. Es ist sehr niedlich.

Er wollte ihn eigentlich heute zur Schule anziehen, aber das konnten wir abwenden.

Tag 1934 – Gamifisering.

Aus Gründen machen Herr Rabe und ich ja in, oh, vier Wochen schon, den Einbürgerungstest. Allerdings macht niemand einen Sprachtest, auch das aus Gründen. Jedenfalls sollte man für den Einbürgerungstest doch ein bisschen üben und so haben wir uns eine App dafür heruntergeladen und je 99 Kronen für die Vollversion bezahlt. Weil ich, wieder aus Gründen, Twitter grad nicht ertrage, brauche ich eh eine Ersatzhandlung und was bietet sich da besser an, als ein bisschen Wissen zu daddeln. Der Test, den ich machen werde – aus, Sie ahnen es, Gründen ein anderer als der, den Herr Rabe machen wird – besteht aus 38 Multiple Choice Fragen, von denen 29 richtig beantwortet werden müssen. Ich kann also so Fragen wie nach dem Gründungsdatum der UN (24.10.1945) oder der Unterzeichnung des Schengenvertrags (14.6.1985) ruhig verkacken, wenn ich dafür weiß, wie viele Kinder das aktuelle Königspaar hat (2) oder wie hoch Galdhøpiggen ist (2469 Meter). Oder halt weiß, was Religionsfreiheit bedeutet oder Demokratie.

Letzteres ist natürlich für mich Pipifax, aber es deprimiert auch ein wenig, zu wissen, dass das für manche Erwachsene, die nach Norwegen einwandern wollen, ganz neue Erfahrungen sind. Dass es Länder gibt, wo „Gewaltenteilung“ höchstens ein nettes Konzept ist, das auf dem Papier existiert, wenn überhaupt, aber die Lebensrealität sieht anders aus. Andererseits braucht man sich gar nicht mal so weit aus „unserem“ Kulturkreis herausbegeben und schon ist man in einem Land mit nur 2 politischen Parteien, in dem der Staatschef die obersten Richter*Innen aussucht und versucht, die Medien zu kontrollieren, und in dem unliebsame Wähler*Innengruppen aktiv an der Ausübung ihrer demokratischen Grundrechte gehindert werden. Ab nächster Woche dort dann echte Diktatur.

Herr Rabe ist nicht da, der macht gruselige Sachen: Präsenzveranstaltung in einem Hotel, mit Übernachten, mit Leuten aus ganz Norwegen. Es gibt ein Hygienekonzept (und wie man weiß, verhindert das allein schon jede Ansteckung) und solche Veranstaltungen sind in Norwegen (noch) nicht (wieder) verboten, also kann die Buchung auch nicht gecancelt werden, ohne dass man auf den Kosten sitzen bleibt. Es ist alles wunderschön.

Tag 1907 – Aberglaube.

Ich würde mich als einen überaus rationalen Menschen bezeichnen, der nicht abergläubisch ist, aber eine Sache lässt mich immer noch zucken: Geburtstage vorfeiern. Das geht einfach gar nicht, macht man nicht und ich erinnere mich noch, dass ich als relativ kleines Kind, vielleicht so mit 5 oder 6, meine Oma gefragt habe, warum man das denn nicht macht und sie sagte „nä, nachher erlebste den Geburtstach dann gar nicht mehr!“.

Problem ist nur, dass die Norweger*Innen damit überhaupt kein Problem haben. Wenn man zum Beispiel in den Ferien Geburtstag hat, kann man entweder nachfeiern oder man feiert eben vor. Da machen die sich gar keine Gedanken drum, das ist ganz normal.

Deshalb war es auch kein Frevel, dass die Eltern von Michels Freund M. letzte Woche fragten, ob wir nicht heute mit M. feiern wollen, im Garten, es sollen eh alle Jungs aus der Klasse eingeladen werden. Ich schluckte kurz, aber dann dachte ich: so what. Sei norwegisch. Einfache Lösung vieler Herausforderungen (wen einladen? 12 Jungs hier… nein!) auf einmal, Arbeit auf 4 Erwachsene aufgeteilt!

Also feierten wir heute und es war auch gut, Fotos… gibt’s dann nächste Woche. Zum Geburtstag, denn ich bin ja nicht abergläubisch, aber.