Tag 2511 – Mehr Arbeit.

Heute 1,5 Überstunden gemacht, für eine (1) Dokumentvorlage. Also die war nicht innerhalb von 1,5 Stunden gemacht, nicht dass Sie das falsch verstehen. Die hat den kompletten Arbeitstag gefressen und 1,5 Stunden mehr. Ich hasse das IT-Projekt gar sehr.

Dafür war zur Belustigung, was norwegischer nicht sein könnte: ein Freizeitpark hat gestern lanciert, dass man für x Geld demnächst einen „Expresspass“ kaufen können soll, mit dem man dann nicht so lange anstehen muss. Das ist Kapitalismus, möchte ich sagen, Geld regiert die Welt, wer seine Kinder wirklich liebt (oder das „WIE LAAAAANGE NOCH???“-Genöl nicht dauerhaft erträgt), greift doch gerne noch ein bisschen tiefer in die Tasche als eh schon. Der Kapitalismus will das so. Sehr viele Norweger*Innen haben bei der letzten Stortingswahl kapitalistische Parteien gewählt, die ganz überwiegende Mehrheit sogar. Das Konzept ist jetzt auch nicht neu, nicht mal in Norwegen, ich sage nur Fast Track am Flughafen, und auch der Tierpark in Kristiansand hatte sowas letztes Jahr, meine ich mich zu erinnern. Aber DER SHITSTORM! Wie es hier abging! Vordrängeln geht gar nicht, da sind sich die Norweger*Innen einig, das verletzt alle grundnorwegischen (eingebildeten) Gleichheitsprinzipien, und entsprechend war das Medienbild ein ganz kleines bisschen aggressiv (DER SHITSTORM!) und heute ist der Freitzeitpark eingeknickt und hat die Pläne auf Eis gelegt. Tadaaaa. Sozialismus rules. Nur dass wir keinen haben, sondern wachsende soziale Ungleichheit, vor der wir aber da, wo es wirklich drauf ankommt (also eher so Gesundheit und Bildung und nicht eh schon sauteure Freizeitparks), fleißig die Augen verschließen, weil nicht sein kann was nicht sein darf. Lieber wegen Expresspässen im Freizeitpark alles anzünden und mit der Moralkeule um sich schlagen. Die finanziell schlecht gestellten Kinder können ja einfach ein bisschen näher an der Tafel sitzen, wenn sie nicht gut sehen.

Tag 2497 – Hipp Hipp Hurra!

17. Mai überstanden. Gut überstanden, würde ich sagen. Das Wetter war herrlich, Corona ist abgeschafft, ich habe zu Hause noch mehrere Packungen Kinderpflaster gefunden und zur Schule mitgenommen, weil der Schulelternrat vergessen hatte, welche zu besorgen. Benutzt wurden keine. Die Muffins kamen fast alle weg, die Kinder haben jedes ca. 5 Würstchen und 3 Eis verdrückt, und die Kinder haben keinen Sonnenbrand bekommen und trotzdem kann man die Hemden noch mal tragen, weil sie keine gelben Ränder haben, danken wir Clin*que für ihre Sonnencreme! Die bei mir im Nacken leider nicht gereicht hat, aber ich habe auch ne Weile in praller Sonne Kinder in riesige Bälle verpackt, damit sie darin dann Fußball spielen. Man muss ich das so vorstellen, dass unten nur die Beine ab dem Knie rausgucken, der Rest vom Menschen steckt in dieser Blase, man sieht schlecht, hat plötzlich einen absurd großen, bouncy Umfang und wenn man einmal aus der Balance geraten ist, weil man mit einem anderen Blasenmenschen zusammengerummst ist (tut man ja beim Fußball ab und an), rollt man gerne erst mal ein wenig herum wie ein sehr großer Käfer. Das ist sehr lustig anzuschauen, aber für an- und ausziehen der Bälle braucht man die Hilfe einer anderen Person. Manchmal muss man einzelne Bälle auch wieder aufrichten, und die besonders begabten Kinder schafften es auch, auf dem Kopf zu landen, sodass sie mit zappelnden Beinen kopfüber im Ball hingen. Da stand ich also eine Weile, weil sich der Betreuungsbedarf dieser Aktivität als überraschend groß herausstellte.

Nach dem Marschieren fragten wir Pippi, welches Lied sie denn am besten findet und den Wergelandsmarsch-Ohrwurm werde ich wohl erst mal eine Weile behalten. Abends fragte ich Michel, was an seinem Tag besonders gut war und es war (Trommelwirbel, Fanfarenstoß) das Marschieren (pun intended). Ich bin sehr froh, dass er in dieser ungemein norwegischen Institution „Korps“ so einen Spaß hat und sich so wohl fühlt in dieser Gruppe. Da kann ich ne ganze Menge Marschmusik für ertragen, wenn es die Kinder glücklich macht.

Keine Bilder, da auf allen Bildern zig fremde Menschen, alternativ die Rübennasen im Portrait, zu sehen sind.

P.S. ja, ich war sozial danach ziemlich platt, mit Ohrenklingeln und allem und wäre am liebsten einfach ins Bett gegangen. Habe ich aus Gründen nicht gemacht, aber jetzt, endlich, Augen zu.

Tag 2488 – Kaputt.

Ich hab mir irgendwie den Nacken verlegen und kann nur mäßig gut nach links schauen. Morgens wachte ich außerdem oder deshalb mit Migräne auf und hatte dann den Rest des Tages Kreislauf. Herr Rabe musste Pippi zum Kindergeburtstag fahren und hat den Rest des Tages zum Reifenwechsel genutzt. Wir müssen neue Reifen kaufen, für den Tesla, tschüss Geld.

Wegen Nacken hatte ich befürchtet, nicht Geige spielen zu können, ging dann aber doch (nach den ersten 2 Minuten) und ich habe festgestellt, dass mein vierter (kleiner) Finger entweder gewachsen ist oder gar nicht mal so kurz ist, wie ich dachte. Im Gegenteil, ich greife den gerne zu hoch, wer hätte das gedacht. Ich mache zum Aufwärmen gerne eine Fingerübung, die die Balance in der linken Hand fördern soll (Dounis Fundamentals) und da kann ich inzwischen fast immer den vierten Finger rund aufsetzen, das hielt ich bisher aufgrund meiner Anatomie nicht für möglich. Wahrscheinlich ist meine Technik einfach scheiße nicht besonders gut und so fundamentale Übungen helfen tatsächlich. Ich probiere außerdem eine andere Bogenhaltung aus, nämlich mit dem Daumen vor dem Frosch statt darin. So kann ich den Daumen runder lassen, die Hand ist entspannter und ich kann das Gewicht besser steuern. Nachteil: wenn meine Geigenlehrerin von früher das wüsste, gäbe das Ärger. (Man kann die Unterschiede hier sehen.)

Weiterhin habe ich nach der Butterkatastrophe (die gestern noch weiter ging, weil, wie ich leider erst merkte, als ich morgens Brötchen aufbacken wollte und den Backofen vorheizte, unter den Backstein ebenfalls Butter gelaufen war) einen neuen Versuch gestartet, den Tipp des Pharmazeuten meines Vertrauens befolgend mit mehr Eigelb. Und diesmal wurde der Kuchen so wie er sein soll.

Kladdkaka as if it’s 2008.

Fähnchen wegen Geburtstag. Obwohl der 8. Mai ja auch ein Flaggentag ist, nämlich der „Befreiungstag“, das Ende des 2. Weltkrieges und das Ende der Besetzung Norwegens. Als gebürtige Deutsche flaggen wir allerdings nicht, das fühlt sich falsch an. (Wir flaggen ja eh nicht so oft, weil wir die Flaggenallergie nicht abgeschüttelt kriegen.) (Beim nochmaligen Lesen merke ich, dass man das falsch verstehen kann: ich würde das Ende des 2. Weltkrieges auch feiern, fühle aber immer noch eine, wie ich finde, berechtigte, Scham, dass „mein“ Land, meine Heimat, meine Vorfahren, das überhaupt erst alles losgetreten und zu verantworten haben. Ohne Deutschland gäbe es den „Befreiungstag“ nicht und eine Welt, in der solche Tage nicht nötig sind, wäre eine bessere.)

Ach so, am Rande: unser Muttertag ist im Februar, insofern war hier heute nix mit Muttertag. Ich lege darauf allerdings auch keinen Wert, weder im Mai noch sonstwann.

So, jetzt Augen zu. Es ist schon fast wieder Montag. Ächz.

Tag 2354 – Schlechte Ideen für 9000.

Ich wäre jetzt bereit für eine Fanfare, Trommelwirbel und Champagnerdusche, denn ich habe die Steuererklärung fertig und abgeschickt. Deshalb werde ich jetzt zu wenig Schlaf bekommen, aber dafür ist die Nachzahlungskuh vom Eis und zu einer Rückzahlungskuh geworden.

So richtig die Korken knallen noch nicht, Herr Rabe muss nämlich noch.

Lessons learned:

  • Man kann nur 10 Belege pro Eintrag hochladen (blöd bei 11 bezahlten Monaten Hort/Kindergarten. Müssen sie halt jetzt so glauben oder Belege nachfordern.)
  • Aus irgendeinem lustigen Grund habe ich alle Schulden und Herr Rabe keine. Dafür habe ich auch alles Vermögen, bis auf Cardos. Man könnte das sicher irgendwie beides aufteilen, aber ehrlich gesagt ist mir das dann doch zu viel Gehampel. Bei den Banken sind wir beide auf beidem registriert und gemeinsam veranlagt werden wir bei der Steuer ja auch, insofern… pfft. (Leider habe ich netto dann ganz schön viele Schulden. Tja.)
  • Der eine Punkt ist „verdipapirfonds“ und der andere „IPS/IPA“
  • Man muss zwar alle Fonds einzeln eintöckeln, die werden dann aber eh zu einem Eintrag zusammengezogen, weil sie ja alle in der gleichen Bank liegen. Vielleicht 2023 mal probieren, ob wer meckert, wenn man nur die Gesamtsumme angibt.
  • IPS: Beträge zusammenrechnen. Außerdem nach dem Eingeben „flere opplysninger“ anklicken. Dann kann man auch andere Länder angeben. (Früher gab es sowas wie „IPS i utlandet“, aber das ist der neuen Selvangivelse wohl zum Opfer gefallen. Ich meckere nicht, die neue ist im Grunde schon besser, weil zugänglicher und aufgeräumter. Aber dafür sind halt diese ganzen Unterpunkte weg, bei denen man, so lange man des Lesens und Verstehens des veileders mächtig war, jeden mehr oder weniger seltsamen Fall angeben konnte.)

Tag 2347 – Altes und neues Genörgel.

Alljährlich muss ich kurz mal meckern über die immer noch nicht abgeschaffte Uhrzeitumstellung. Dieses Jahr hatte ich auch wieder versäumt, die Aufstehzeit allmählich nach früher zu verschieben, also hatte ich mir heute „einfach“ einen Wecker auf 8 Uhr gestellt, damit ich heute Abend trotzdem halbwegs ok ins Bett komme. Mein Plan war auch, dann die Kinder zu wecken. Naja, die Kinder waren schon wach, ich hörte sie rödeln, als der Wecker klingelte. Ich hingegen dachte „was zum… es ist Wochenende, Herrschaftszeiten!“ und stellte den Wecker 1 h weiter. Döste noch die Stunde weiter, daddelte etwas am Handy und quälte mich um halb zehn aus dem Bett. Also eigentlich halb neun, an einem Sonntag, an dem nichts ansteht. Das ist doof, ich möchte das nicht.

So, bis in einem Jahr, wenn es wieder heißt „Wer hat an der effing Uhr gedreht, hatte die EU nicht irgendwie vor, den Kack abzuschaffen, warum passiert da nichts, HMMMMM?“

Neues Gemecker: Steuererklärung. Ja eigentlich in Norwegen super einfach. Außer man hat Konten im Ausland, Rentenversicherungsverträge im Ausland, einen Kindergarten, dessen Buchhaltungsbüro aufgrund Konkurs des Kindergartens kurz vor Weihnachten hingeschmissen hat (und der deshalb nicht zu Neujahr automatisch die Betreuungskosten gemeldet hat) und einen Sport-Hort, der aus unbekannten Gründen nicht automatisch an die Behörde gemeldet hat. Dann muss man ziemlich viele Belege zusammensuchen. Besonderer Spaß, wenn man im Vorjahr mittendrin die Bank gewechselt hat und dementsprechend Belege in drei Banken (ausländische mitgerechnet) und einem e-mail-Fach liegen. Immerhin ist das meiste eh elektronisch, außer dem Kram von der Rentenversicherung, die mögen Papier und mögen auch, das ins Ausland zu schicken.

Einziger Pluspunkt: ich habe festgestellt, dass ich bei der Bank in Deutschland offenbar inzwischen als Steuerausländerin geführt werde, steht zumindest so auf einer Bescheinigung. Dann hat das also geklappt, gut. Ich war etwas in Zweifel, weil mir wenige Tage nach Hochladen der norwegischen Bescheinigung, dass ich wirklich hier lebe und ganz viele* Steuern zahle, ein Brief ins Haus flatterte, in dem ich in scharfem Behördenton dazu aufgefordert wurde, eben jene Bescheinigung hochzuladen, aber zackig.

___

*naja naja, eigentlich nicht, ich beschwere mich nicht. In Deutschland zahlte ich anteilig deutlich mehr von meinem Gehalt (Umsatzsteuer nicht mit einbezogen, das ist mir jetzt zu kompliziert).

Tag 2340 – Gotta love norwegischen Spätwinter.

Gestern hatte ich ja schon über das tote Braun überall genölt. Heute muss ich mich mal kurz über einen weiteren echt doofen Nebeneffekt dieses Wetters beklagen: meine Haut und meine Schleimhaut sind eine einzige Problemzone, von Kopf bis Fuß. Pickel, trockene Stellen, juckende Füße, aufreißende Fingerknöchel, aufblühende Candida-Flecken, noch mehr Pickel, nachts trockener Hals, ständiges Nasenbluten wegen „Traumata“ wie „beim Gesicht waschen den Nasenflügel von außen berührt“, und hatte ich die Pickel erwähnt? Arrrgh. Dabei ist die Luftfeuchtigkeit gar nicht so niedrig, das Handy behauptet 84% draußen, die Wetterstation in der Küche sagt was von 40%. Ich will auch keine Luftbefeuchter im Haus haben, dazu habe ich viel zu viel Angst vor Schimmel (hatten wir mal in einer Wohnung, brauche ich nicht noch mal). Mehr als Wäsche im Wohnzimmer trocknen machen wir da nicht. Aber es ist ätzend hoch 10. Hoffentlich geht es bald wieder vorbei.

Immerhin konnte ich heute Abend durch sorgsame Vermeidung des echt schlimmen Nasenloches und dafür extra gründlichen Rachenabstrich (würgi!) eine nicht-blutige Schnelltest-Probe generieren und bin weiter Schnelltest-negativ. Ich stelle mir mein Immunsystem als bis an die Zähne bewaffnete, bullige Gladiatoren vor, die die Coronaviren durch bloße Präsenz schon in die Flucht schlagen. Hurr hurr hurr.

Positiver Nebeneffekt des späten Frühlings: es war heute noch nicht zu spät, den Apfelbaum und den Holunder zu beschneiden. Hier kann man das gut „vor Ostern“ machen, wie ein Gartenblog schrieb. Beides wurde recht brutal beschnitten, vor allem der Holunder, der erst mal nach oben wachsen soll und nicht so sehr in die Breite, letztes Jahr hingen die Zweige mit den schweren Fruchtdolden bis auf den Boden.

Und jetzt noch ein Hieb aus dem schleimhautbefeuchtenden Nasenspray mit Hyaluronsäure und dann Licht aus. Morgen muss ich wieder unter Leute, gruselig, bin dazu noch gar nicht wieder bereit.

Tag 2339 – Warm.

Mein Gesicht fühlt sich sehr warm an, das kann mehrere Gründe haben. Wahrscheinlich ist, dass es an einem Samstagabendbier liegt, genossen in Fleecejacke und unter einer Sofadecke (mir war kalt, als wir uns zum Film gucken setzten). Michel wollte nämlich unbedingt mal Fluch der Karibik gucken (hatte vergessen, wie, äh, wenig subtil tiefsinnig der ist, meine Güte…). Vielleicht habe ich aber auch zu viel Sonne bekommen, wir haben nämlich die 10 Grad plus bei strahlendem Sonnenschein für einen langen Spaziergang genutzt. Im Garten kann man eh noch nichts machen, oder kaum was, es ist alles braun und tot und zu großen Teilen mit altem Schnee und Eis bedeckt. Die furchtbarste Jahreszeit, wie ich finde. Laut Kalender ist (fast) Frühling, aber bis hier tatsächlich Frühling ist, wie man sich Frühling vorstellt, mit blühenden Narzissen und Forsythien, grünen Trieben und Weidenkätzchen, gehen noch vier bis sechs Wochen ins Land. Kotzi.

Aber, wie gesagt, immerhin scheint die Sonne, da ist der tauende (und nachts wieder überfrierende), dreckige, braungraue Schneematsch und das hier und da hervorlugende braune, tote Gras schon viel besser zu ertragen.

Ansonsten wie in jedem Jahr ein Hoch auf Vitamin-D-Tabletten. Ohne würde ich zu dieser Zeit nur noch lustlos in der Ecke hängen. Mit geht’s. Und ich bilde mir auch ein, dass viel viel hilft. Nach der Schilddrüsen-OP bin ich zur Sicherheit auf 2000 IE pro Tag umgestiegen und fühle mich tatsächlich besser damit, als den „normalen“ 800. [Dies ist keine Empfehlung, nur eine Aussage, was bei mir gefühlt funktioniert! Außerdem habe ich belegt nicht optimal funktionierende Nebenschilddrüsen und mein Körper kann jede Hilfe, Kalzium zu verwerten, gebrauchen.]

Tag 2327 – Lachs.

Neue Sitzplatzordnung (aka „feste Base, freie Platzwahl“) ausprobiert. War so geht so. Technische Schwierigkeiten, ich will meinen Stuhl wirklich WIRKLICH gerne behalten, und permanentes Umstellen des PC von lautlos (im Großraumbüro) auf Ton (in Gesprächen über Teams) nervt und wird dauernd vergessen. Wir werden sehen, was das für eine neue Routine wird.

Dafür aber gut: kein Gemecker wegen normalen Gesprächen zwischen Kolleg*Innen. Ich hege die leise (no pun intended) Hoffnung, dass Atmen und gelegentliches Frustschnauben über die Technik auf unserer neuen Etage erlaubt sein wird. Auch gut, dass ich den ganzen Tag über produktiv war, unter den Augen der Kolleg*Innen.

Die Lieblingskollegin hat Covid und es geht ihr schlecht. Wir haben nächste Woche Inspektion zusammen geplant, da weiß ich jetzt auch nicht so ganz, was ich machen soll. Die Lieblingskollegin hat es außerdem entweder aus dem Büro oder vom Weg ins Büro, weil sie sonst niemanden trifft. Das ist natürlich extra bitter. Immerhin war es nicht ich, weil ich ja letzte Woche aus Trotz gar nicht im Büro war.

Zu Hause erwartete mich mein neuer Pass. In einer Farbe, die ich irgendwie nicht erwartet hatte. Aber man kann wohl kaum den Pass (und alles damit zusammenhängende) zurückgeben, weil einer die Farbe nicht gefällt?

Auf dem Bild kommt es nicht so ganz rüber, aber die Farbe ist die von ordentlich mit Farbstoff gefüttertem, norwegischen Zuchtlachs.

Von der Farbe abgesehen: wie effizient ist bitte die norwegische Passproduktion? Von Antrag bis ID-Karte im Briefkasten waren es 4 Werktage, bis zum Pass 6 Werktage. Man muss halt erst mal nen Termin kriegen, aber da ist es ja fast echt eine Option, in irgendeine Distriktskommune zu gurken, statt mehrere Monate auf einen Termin in Oslo zu warten. Das soll jetzt nicht heißen, dass Hamar ein Kaff ist! Von uns aus gesehen ist Hamar eine große Stadt. Hat immerhin mit seinen 31500 Einwohnenden fast 1/5 mehr als wir und es hat eine Uni! Quasi eine Metropole.

Tag 2316 – Zerschlagen.

Ich wachte auf mit dem Gefühl, vom Traktor überfahren worden zu sein. Mein Körper macht offenbar irgendwas mit der Impfung, es scheint viel Kraft zu kosten und führt zu Kopfschmerzen. Weil es aber absurd schwer ist, Termine zu bekommen, um einen norwegischen Pass zu beantragen, nahm ich meinen heutigen Passtermin trotzdem wahr. Weil der sonst nur YouTube guckt, nahm ich Michel mit. Und weil wir danach gut drauf und eh in der Nähe waren und mein Körper sich wieder dazu in der Lage anfühlte, waren wir dann noch bei IKEA. Und ich weiß nicht, ob es noch an der Impfung liegt oder an den Blumenbällchen, die ich da gegessen habe, aber zu Hause plumpste ich im Grunde nur noch aufs Sofa, schlief dort ein (zu den lieblichen Klängen von Minecraft) und wachte immer noch groggy, aber jetzt auch noch mit Magenkrämpfen auf. Ich habe schon länger den Verdacht, dass ich manche Fleischersatzprodukte nicht vertrage, ich muss das mal beobachten und schärfer eingrenzen.

Jedenfalls – Pass beantragen war total unspektakulär und irritierender Weise wurde nicht mal mein deutscher Pass entwertet. Vielleicht ist dafür die Bundesrepublik zuständig? Meine Daten wurden eingetöckelt, Pass kommt in der Post, bitte bezahlen, schönen Tag noch. Fun fact: ein norwegischer Pass ist wesentlich billiger als ein deutscher. In meinem neuen Pass werde ich nun auch nicht mehr bei meiner Größe lügen (Überbleibsel der Fehlannahme mit 15, dass ich sicher noch wachsen würde) und auf dem Bild sehe ich aus, als würde ich mich fühlen, wie vom Traktor überfahren. Tjanun. Dafür hatte ich mit Michel einen guten Tag, das muss ich ja auch mal sagen. War richtig schön, der Ausflug mit ihm.

___

All das wirkt angesichts des russischen Angriffs auf die Ukraine komplett irrelevant (ist es ja auch), aber ich weiß einfach gar nicht, was ich dazu sagen soll. Es macht mich sprachlos, dieser morallose Lügner und spätestens jetzt auch Mörder.

Weil ich das eben gegoogelt habe und Michel das ständige Welt erklären und droppen von random facts ja auch nicht von ungefähr hat: die Grenze zwischen Norwegen und Russland ist 198 km lang.

(Jetzt werd ich bestimmt für immer überwacht.)

Tag 2306 – Erholungstag.

Euphemismus für „hab bei der Arbeit nicht viel auf die Reihe bekommen“. War einfach viel letzte Woche und heute wäre frei nehmen vermutlich sinnvoll gewesen.

Michel geht es den Umständen entsprechend gut. Bisher hat er Husten und Kopfschmerzen. Gestern glaubte er, Fieber zu haben, aber zwei verschiedene Thermometer waren anderer Meinung. Er kann seine kleine Schwester und sein Lego mit unverminderter Kraft anschreien, insofern geht es ihm wohl nicht allzu schlecht. Wenn Sie ihn allerdings fragen, ist er mindestens dem Tode nah.

Pippi und ich haben weiterhin nichts und Herr Rabe hat Schrödingers Corona offenbar auch niedergerungen.

Mehr gibt es von heute eigentlich nicht zu erzählen. Die übermäßige Olympia-Berichterstattung in den norwegischen Medien nervt mich kolossal und ich hoffe, es ist bald vorbei. Schlittschuhlaufen können wir (leider) auf dem eigenen Parkplatz, wo sich eine zentimeterdicke Eisschicht gebildet hat, die durch immer wieder antauen, drauf regnen und dann wieder überfrieren wirklich spiegelglatt ist. Gestern habe ich Müll rausgebracht und – mein lieber Scholli. Wenn man wirklich gar keinen Halt mehr hat und aus dem Stand wegen ganz leichter Abschüssigkeit anfängt zu rutschen, ist das nicht mehr lustig. Jedenfalls nicht, wenn man mehr als 6 Jahre alt ist und fürchtet, sich Steißbein oder ähnliches zu brechen. Jetzt schneeregnet es erst mal auf die Eisbahn, mal sehen, was sich dann morgen für ein Bild ergibt.