Tag 2631 – Platt.

Heute gutes Sushi und einen Haufen Edamame gegessen, ansonsten nicht wirklich viel positives zu berichten.

Anekdote: mitten in der Inspektion, während ich grad im Labor stand und meine Kollegin sich was zeigen ließ, klingelte mein Handy. Das stand auf nicht stören und das heißt, man muss mindestens zwei mal direkt nacheinander anrufen um überhaupt durchzukommen. Und es war Michel, also ging ich ran, vermutend, dass mindestens das Haus brennt oder Herr Rabe mit gebrochenem Genick am Fuß der Treppe liegt. „MAMA?“ brüllte er ins Telefon. „Ich kann grad wirklich nicht, du musst bitte Papa anrufen!“ „Aber Papa kann auch nicht und ich muss was ganz wichtiges sagen!“ [also brennt das Haus, dachte ich] „Hm ok, was ist denn?“ „Ich sehe den Kronprinzen!“ „Was?“ „Den Kronprinzen! Ich sehe den Kronprinzen!“ „Äh, ok?“ sagte ich, aber da hatte Michel schon aufgelegt.

Tag 2606 und 2607 – Tröt in krass.

Die Geschichte von gestern ist schnell erzählt: ich hab insgesamt 10 Stunden gearbeitet und bin dann auf dem Sofa eingepennt.

Heute mussten wir auch alle halbwegs früh aufstehen, was so mittel gut geklappt hat, denn mein Wecker hat nicht geklingelt und weil ich in Michels Bett geschlafen habe, weil Michel, als ich vom Sofa ins Bett kroch, in unserem Bett lag und Herr Rabe unter Michels Bettdecke nicht schlafen kann, bin ich auch nicht von Herrn Rabes Wecker aufgewacht. Gab dann einen Kaltstart und ich war den ganzen Tag ungeschminkt mit fettiger Haut und einem Schlafstrubbel am Hinterkopf unterwegs – zwischen tausend Leuten und man kennt sich hier ja auch. Uff, naja. Egal.

Jedenfalls war heute „Musikfest im Park“, was vom Titel her vielleicht ein falsches Bild vermittelt, denn es war Korpsmusik am Eidsvollbygningen. Das ist ja ein sehr ehrenwürdiges Gebäude, in dem 1814 die norwegische Verfassung unterschrieben wurde und da ist es schon auch schön, man kann da unter anderem überaus gut spazieren gehen und/oder Pokémon fangen. Wir allerdings MUSSTEN da hin, weil der Schulkorps da hin musste. Unsere Kinder sind ja „nur“ Aspirant und Rekrut, spielen also noch nicht mit, marschieren aber und stehen, während der Hauptkorps spielt, dekorativ rum (Pippi tanzend und ihre Troddel an der Mütze propellern lassend, Michel mit dem Gesichtsausdruck eines routinierten Begräbnisunternehmers). Trotzdem mussten sie hin. Außerdem hatte mein Lieblingskollege gesagt, wenn ich mal nen richtig guten Korps sehen Wolle, solle ich auf jeden Fall die Garde anschauen. Nach den ganzen Eidsvoller Schulkorpsen und Erwachsenenkorpsen spielte nämlich die 3. Kompanie der Königlichen Garde, was, wie Wikipedia verrät, eine der weltweit besten Marsch-, Drill- und Konzertkapellen ist. Jaha. Wie, Drill sagt ihnen nichts? Mir auch nicht, bis vorhin.

Also erstmal war natürlich Marschieren mit den Kindern angesagt und das haben die prima gemacht. Michel wird langsam nölig, weil er in den Hauptkorps will, und wenn ich den Hauptkorps so höre, denke ich, da passt er von der Leistung her auch rein. Ähäm. Ansonsten habe ich heute gelernt, dass es einen Eidsvoller „Bonuskorps“ gibt, der nur einmal im Monat probt und ich bereue jetzt, kein Trötinstrument zu spielen, die hatten nämlich offenbar eine Menge Spaß und waren musikalisch ein echtes Highlight.

Was dann aber echt krass war, war die Garde. Die sehen zum Großteil aus wir halbe Kinder, was kein Wunder ist, denn das sind Wehrpflichtige. Das, was wir jetzt sehen, sind die letzten Aufführungen der Truppe, jetzt im September tritt der nächste Jahrgang seinen Dienst an. Hence the Pickel. Ich habe auch messerscharf aus den Anwesenden geschlossen, dass zwei Frisuren ok sind (geschlechtsunabhängig): ganz kurz oder langes Haar stramm im Nacken zusammengebunden, im geflochtenen Knoten.

Janitsjar- und Signalkorps.

Es ist natürlich alles ein einziges Pimmelgewedel. Ich teile durchaus Michels Verwunderung, dass man Soldat*In und Musiker*In gleichzeitig sein kann und dass das Militär ganz eigene Musiker*Innen hat, aber ich hake das unter Seltsamkeiten des Patriarchats ab. Und aus künstlerischer Perspektive ist das halt schon sehr beeindruckend, sowohl musikalisch als auch choreographisch und vor allem in Kombination.

Erst mal gab es eine Drillvorführung, und zwar einen kompletten „Oladrill“, das ist wohl was besonderes. Die Kompanie besteht aus drei Divisionen: Korps, Drilltruppe und Kampaniestab (Zeugwarte etc.). Das Korps (der?) spielt, die Drilltruppe wirbelt und wirft mit ihren Gewehren mitsamt Bajonetten rum und schießt auch (zu Pippis Schock) und alle marschieren, aber schon sehr fortgeschritten, wenn ich so dran denke, wie viele wenige Schritte es brauchte, bis Vilberg Skolekorps nicht mehr so ganz im Gleichschritt war, und die mussten nur geradeaus laufen.

Sehen Sie hier:

Danach spielten die Korpse (das sind eigentlich 2, ein Janitsjar-[Jah-nitt-schah]Korps und ein Signalkorps, der aus Trommeln und Fanfaren [oder zu Konzertzwecken Kornetten, im Drill aber tatsächlich Fanfaren] besteht) noch ein Konzert, fast eineinhalb Stunden lang. Da zeigten sie auch, dass sie durchaus nicht nur Marschmusik können (eins der Videos ist leider zu groß, da spielen sie ein arabisch-amerikanisches Stück und als Gimmick läuft Pippi mehrmals durchs Bild, erst marschierend und dann „arabisch“ tanzend).

Alles in allem ein leicht absurder, aber interessanter und schöner Tag. Und nicht nur ich habe hinterher 2 Stunden lang geübt, sondern auch Michel und sein Kumpel haben Kornett und (Pippis) Trommel gespielt. Yeah.

Jetzt nur noch verhindern, dass eins meiner Kinder deshalb zum Militär gehen möchte.

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Edit: ich hatte ein bisschen technische Probleme beim Hochladen, aber jetzt sollte es eigentlich gehen. Sorry.

Tag 2582 – Holziholz.

Noch im Urlaub orderte ich einen Kubikmeter Holz. Denn diese irrwitzigen Strompreise* sind ja gekommen um zu bleiben, der Winter ist kalt hier und wie nahezu alle norwegischen Haushalte heizen wir mit Strom. Die einzige Alternative ist der Kamin, der eigentlich eher zur Zierde und Gemütlichkeit da ist. Ich fühle mich schlecht deshalb, weil Feinstaub und CO2 und die armen Menschen mit Asthma, aber weder frieren noch den Winter über nur Haferflocken mit Wasser essen, ist eine Option. Daher kam heute recht spontan („Kann ich das Holz so… in ner Stunde liefern?“ – „Äh…“) der Mann mit dem Traktor und einem Kubikmeter Holz auf einer Palette.

Ich hatte ja ne ganze Stunde Zeit bekommen und Herr Rabe ist für so körperliche Dinge noch nicht wieder fit genug, also bereitete ich in Windeseile alles vor. Cardos umgeparkt, Schuppen aufgeschlossen, hart geseufzt, einen Haufen loser Spielzeuge und halb aufgeblasener Planschbecken auf dem Rasen verteilt, Rasenmäher rausgefahren, einen kleinen Wurmkompost in Einzelteilen (derzeit nicht im Gebrauch), zwei Roller, drei Skateboards, einen Schlitten, ein Fahrrad (drei konnten im Schuppen stehen bleiben) und ein paar Skier rund um den Schuppen zwischengelagert und dann das Restholz rausgeholt und neben der Haustür aufgestapelt. Nut für den Holz-vor-der-Hütte-Witz. Da waren 45 Minuten um, also ließ ich noch die Luft aus den Planschbecken und Wasserspielzeugen ab und steckte alles in die Kisten im Schuppen, in denen ich solche Dinge lagern würde. Steht zu hoffen, dass auch Herr Rabe sie da lagern würde.

Und da war er auch schon, der Mann mit dem Traktor. Die nächsten anderthalb Stunden hatte ich dann gut zu tun, das ganze Holz aufzustapeln. Aber wie auch schon beim letzten Mal, passt ein Kubikmeter da sehr gut hin.

Holziholziholz.

In der Ikeatüte oben drauf ist so kleingeschnetzteltes, mit dem man den Ofen gut anbekommt.

Dann nur noch Rasenmäher, Wurmkompost, zwei Roller, drei Skateboards, einen Schlitten, ein Fahrrad und ein paar Skier wieder in den Schuppen getetrist und dann war ich eigentlich bereit für eine Massage. Vor allem eine Gehirnmassage, weil ich die ganze Zeit den sehr schlimmen „Ich und mein Holz“-Ohrwurm nicht loswurde.

Da braucht eine auch keinen Sport mehr.

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* heute 100 mal (!!!) so hoch wie als wir Carona gekauft haben. Im Winter gehe ich von bis zu 1000 Öre pro Kilowattstunde aus, vor Förderung (weil sich 1 € pro Kilowattstunde kaum wer leisten kann DER MIT STROM HEIZT, WIE ALLE, ZU UNSEREM HAUS UND DER GANZEN SIEDLUNG GIBTS NICHT MAL IRGENDWELCHE ROHRE FÜR FERNWÄRME, HERRSCHAFTSZEITEN), falls wir nicht wie durch ein Wunder unsere Magazine innerhalb der nächsten zwei, maximal drei Monate voll bekommen und wir trotzdem einen Exportstopp verhängen, und dann sitzt halt Deutschland im Dunkeln. Andererseits hat es Deutschland wenigstens trotzdem warm und kann mit warmem Wasser duschen, weil unser Gas könnt ihr gerne alle haben. Also, ihr duscht warm im Dunkeln, dafür müssen wir nicht jeder mit drei Mariuspullis aus kratziger norwegischer Wolle um den Weihnachtbaum sitzen? Deal?

Tag 2580 – Tröööt!

So, alle Ehre heute den Organisator*Innen und Instruktor*Innen dieser Korpsfreizeit(en). Das war rundum wirklich beeindruckend. Nicht nur haben sie (sicher nicht nur meines) auch die etwas ängstlichen Kinder abgeholt und voll mitgenommen und allen eine gute Zeit gegeben, sondern sie haben auch echt musikalisch was auf die Beine gestellt. Heute war das Abschlusskonzert, da spielte jede Instrumentengruppe erst ein Stück einzeln, und dann spielten alle zusammen noch mal vier Stücke. Das Konzert dauerte eine Stunde. Und man brauchte wirklich nicht mal viel elterliches Wohlwollen, um das musikalisch gut zu finden! Bei unserem Schulkorps braucht man das ja schon hin und wieder, aber das heute war objektiv richtig gut und würde auf so einem Wettbewerb, wie Michel ihn im Frühjahr mitgemacht hat, alle Preise einfach konkurrenzlos abräumen. Nach drei Tagen! Gut ausgewählte Stücke für das Niveau (oder wie Michel am ersten Tag meinte: VIEL ZU SCHWER OMG WIE SOLL DAS GEHEN!!! Woraufhin ich ganz achtsam, aus dem Fundus meiner langjährigen Musiklernerfahrung schöpfend, schrieb, dass er das schon schaffe, wenn übt. Was er, so unglaublich das klingen mag, so akzeptierte und offenbar umsetzte) und wirklich viel Einsatz von Instruktor*Innen und Kindern. Und alle hatten sichtlich Spaß und waren stolz, zu zeigen, was sie geschafft haben. Wirklich richtig, richtig toll.

Blaskapellenmusik kann echt ok sein! Mind blowing.

Auf Michel bin ich doppelt stolz, weil er sich durchgerungen und viele Ängste überwunden hat. Und ich hab jetzt ein Video, wo er sichtbar mit-swingend das UNGLAUBLICH SCHWERE Stück spielt. Hach!

Gerne wieder. Dass das das zweitniedrigste Niveau war, das man bei diesen Sommerkursen machen kann, lässt einiges erwarten für zukünftige Abschlusskonzerte.

Tag 2576 – Drama mit Cliffhanger.

Die Matratze ist, naja, äh, überraschend hart. Verblüffend, bei einer harten Matratze. Mal gucken, wie und ob ich mich daran gewöhnen kann, oder ob wir doch noch eine Übermatratze drauf legen. Immerhin sind wir ja in Übermatratzenland, wo man SELBSTVERSTÄNDLICH immer eine Übermatratze auf seiner sauteuren extra atmungsaktiven 65-Zonen ergonomischen High-Tech-Matratze mit kühlendem Gel im Bezug liegen hat. Beziehungsweise hat man die auf seiner Rahmenmatratze oder auf dem Kontinentalbett (mit allen oben genannten Eigenschaften). Unsere Freundin hat ernsthaft gestern ganz erstaunt (als sähe sie sowas zum ersten Mal) gesagt, dass es ja ganz schön schlau ist, eigentlich, ein Bett zu haben, bei dem man einfach die Matratze austauschen kann. JA! Ist es! Genauso wie man nicht das Sofa wegschmeißen muss, wenn der Bezug oll ist. Manchmal haben die Norweger*Innen echt nen Konsum-Hau. Zu viel Geld, zu viel Natur.

Morgen soll Michel ins Korpslager fahren, die Aussicht führte aber heute zu diversen Dramen, Streits, Diskussionen und allgemeiner Bockigkeit. Größtes Problem ist der innere Konflikt, dass man auf gar keinen Fall von Mama und Papa weg sein will, aber auch auf gar keinen Fall einen Rückzieher machen will und am Ende als Feigling da steht. Die Abmachung ist jetzt, dass ich ihn hinfahre, wir gucken uns das an, Zimmer, Bett, Kameraden usw., wir machen ganz klar, dass Michel uns jederzeit anrufen kann und wenn das alles nicht reicht, fahren wir wieder zurück, und wenn er bleibt und es doch nicht geht, hole ich ihn halt wieder ab. Es bleibt also spannend.

Pippi war übrigens wie erwartet gleich neidisch, dass Michel auf sowas fahren darf und sie aber noch nicht lange genug im Korps spielt. UNGERECHT! Die Kinder könnten wirklich nicht unterschiedlicher sein.

Tag 2511 – Mehr Arbeit.

Heute 1,5 Überstunden gemacht, für eine (1) Dokumentvorlage. Also die war nicht innerhalb von 1,5 Stunden gemacht, nicht dass Sie das falsch verstehen. Die hat den kompletten Arbeitstag gefressen und 1,5 Stunden mehr. Ich hasse das IT-Projekt gar sehr.

Dafür war zur Belustigung, was norwegischer nicht sein könnte: ein Freizeitpark hat gestern lanciert, dass man für x Geld demnächst einen „Expresspass“ kaufen können soll, mit dem man dann nicht so lange anstehen muss. Das ist Kapitalismus, möchte ich sagen, Geld regiert die Welt, wer seine Kinder wirklich liebt (oder das „WIE LAAAAANGE NOCH???“-Genöl nicht dauerhaft erträgt), greift doch gerne noch ein bisschen tiefer in die Tasche als eh schon. Der Kapitalismus will das so. Sehr viele Norweger*Innen haben bei der letzten Stortingswahl kapitalistische Parteien gewählt, die ganz überwiegende Mehrheit sogar. Das Konzept ist jetzt auch nicht neu, nicht mal in Norwegen, ich sage nur Fast Track am Flughafen, und auch der Tierpark in Kristiansand hatte sowas letztes Jahr, meine ich mich zu erinnern. Aber DER SHITSTORM! Wie es hier abging! Vordrängeln geht gar nicht, da sind sich die Norweger*Innen einig, das verletzt alle grundnorwegischen (eingebildeten) Gleichheitsprinzipien, und entsprechend war das Medienbild ein ganz kleines bisschen aggressiv (DER SHITSTORM!) und heute ist der Freitzeitpark eingeknickt und hat die Pläne auf Eis gelegt. Tadaaaa. Sozialismus rules. Nur dass wir keinen haben, sondern wachsende soziale Ungleichheit, vor der wir aber da, wo es wirklich drauf ankommt (also eher so Gesundheit und Bildung und nicht eh schon sauteure Freizeitparks), fleißig die Augen verschließen, weil nicht sein kann was nicht sein darf. Lieber wegen Expresspässen im Freizeitpark alles anzünden und mit der Moralkeule um sich schlagen. Die finanziell schlecht gestellten Kinder können ja einfach ein bisschen näher an der Tafel sitzen, wenn sie nicht gut sehen.

Tag 2497 – Hipp Hipp Hurra!

17. Mai überstanden. Gut überstanden, würde ich sagen. Das Wetter war herrlich, Corona ist abgeschafft, ich habe zu Hause noch mehrere Packungen Kinderpflaster gefunden und zur Schule mitgenommen, weil der Schulelternrat vergessen hatte, welche zu besorgen. Benutzt wurden keine. Die Muffins kamen fast alle weg, die Kinder haben jedes ca. 5 Würstchen und 3 Eis verdrückt, und die Kinder haben keinen Sonnenbrand bekommen und trotzdem kann man die Hemden noch mal tragen, weil sie keine gelben Ränder haben, danken wir Clin*que für ihre Sonnencreme! Die bei mir im Nacken leider nicht gereicht hat, aber ich habe auch ne Weile in praller Sonne Kinder in riesige Bälle verpackt, damit sie darin dann Fußball spielen. Man muss ich das so vorstellen, dass unten nur die Beine ab dem Knie rausgucken, der Rest vom Menschen steckt in dieser Blase, man sieht schlecht, hat plötzlich einen absurd großen, bouncy Umfang und wenn man einmal aus der Balance geraten ist, weil man mit einem anderen Blasenmenschen zusammengerummst ist (tut man ja beim Fußball ab und an), rollt man gerne erst mal ein wenig herum wie ein sehr großer Käfer. Das ist sehr lustig anzuschauen, aber für an- und ausziehen der Bälle braucht man die Hilfe einer anderen Person. Manchmal muss man einzelne Bälle auch wieder aufrichten, und die besonders begabten Kinder schafften es auch, auf dem Kopf zu landen, sodass sie mit zappelnden Beinen kopfüber im Ball hingen. Da stand ich also eine Weile, weil sich der Betreuungsbedarf dieser Aktivität als überraschend groß herausstellte.

Nach dem Marschieren fragten wir Pippi, welches Lied sie denn am besten findet und den Wergelandsmarsch-Ohrwurm werde ich wohl erst mal eine Weile behalten. Abends fragte ich Michel, was an seinem Tag besonders gut war und es war (Trommelwirbel, Fanfarenstoß) das Marschieren (pun intended). Ich bin sehr froh, dass er in dieser ungemein norwegischen Institution „Korps“ so einen Spaß hat und sich so wohl fühlt in dieser Gruppe. Da kann ich ne ganze Menge Marschmusik für ertragen, wenn es die Kinder glücklich macht.

Keine Bilder, da auf allen Bildern zig fremde Menschen, alternativ die Rübennasen im Portrait, zu sehen sind.

P.S. ja, ich war sozial danach ziemlich platt, mit Ohrenklingeln und allem und wäre am liebsten einfach ins Bett gegangen. Habe ich aus Gründen nicht gemacht, aber jetzt, endlich, Augen zu.

Tag 2488 – Kaputt.

Ich hab mir irgendwie den Nacken verlegen und kann nur mäßig gut nach links schauen. Morgens wachte ich außerdem oder deshalb mit Migräne auf und hatte dann den Rest des Tages Kreislauf. Herr Rabe musste Pippi zum Kindergeburtstag fahren und hat den Rest des Tages zum Reifenwechsel genutzt. Wir müssen neue Reifen kaufen, für den Tesla, tschüss Geld.

Wegen Nacken hatte ich befürchtet, nicht Geige spielen zu können, ging dann aber doch (nach den ersten 2 Minuten) und ich habe festgestellt, dass mein vierter (kleiner) Finger entweder gewachsen ist oder gar nicht mal so kurz ist, wie ich dachte. Im Gegenteil, ich greife den gerne zu hoch, wer hätte das gedacht. Ich mache zum Aufwärmen gerne eine Fingerübung, die die Balance in der linken Hand fördern soll (Dounis Fundamentals) und da kann ich inzwischen fast immer den vierten Finger rund aufsetzen, das hielt ich bisher aufgrund meiner Anatomie nicht für möglich. Wahrscheinlich ist meine Technik einfach scheiße nicht besonders gut und so fundamentale Übungen helfen tatsächlich. Ich probiere außerdem eine andere Bogenhaltung aus, nämlich mit dem Daumen vor dem Frosch statt darin. So kann ich den Daumen runder lassen, die Hand ist entspannter und ich kann das Gewicht besser steuern. Nachteil: wenn meine Geigenlehrerin von früher das wüsste, gäbe das Ärger. (Man kann die Unterschiede hier sehen.)

Weiterhin habe ich nach der Butterkatastrophe (die gestern noch weiter ging, weil, wie ich leider erst merkte, als ich morgens Brötchen aufbacken wollte und den Backofen vorheizte, unter den Backstein ebenfalls Butter gelaufen war) einen neuen Versuch gestartet, den Tipp des Pharmazeuten meines Vertrauens befolgend mit mehr Eigelb. Und diesmal wurde der Kuchen so wie er sein soll.

Kladdkaka as if it’s 2008.

Fähnchen wegen Geburtstag. Obwohl der 8. Mai ja auch ein Flaggentag ist, nämlich der „Befreiungstag“, das Ende des 2. Weltkrieges und das Ende der Besetzung Norwegens. Als gebürtige Deutsche flaggen wir allerdings nicht, das fühlt sich falsch an. (Wir flaggen ja eh nicht so oft, weil wir die Flaggenallergie nicht abgeschüttelt kriegen.) (Beim nochmaligen Lesen merke ich, dass man das falsch verstehen kann: ich würde das Ende des 2. Weltkrieges auch feiern, fühle aber immer noch eine, wie ich finde, berechtigte, Scham, dass „mein“ Land, meine Heimat, meine Vorfahren, das überhaupt erst alles losgetreten und zu verantworten haben. Ohne Deutschland gäbe es den „Befreiungstag“ nicht und eine Welt, in der solche Tage nicht nötig sind, wäre eine bessere.)

Ach so, am Rande: unser Muttertag ist im Februar, insofern war hier heute nix mit Muttertag. Ich lege darauf allerdings auch keinen Wert, weder im Mai noch sonstwann.

So, jetzt Augen zu. Es ist schon fast wieder Montag. Ächz.

Tag 2354 – Schlechte Ideen für 9000.

Ich wäre jetzt bereit für eine Fanfare, Trommelwirbel und Champagnerdusche, denn ich habe die Steuererklärung fertig und abgeschickt. Deshalb werde ich jetzt zu wenig Schlaf bekommen, aber dafür ist die Nachzahlungskuh vom Eis und zu einer Rückzahlungskuh geworden.

So richtig die Korken knallen noch nicht, Herr Rabe muss nämlich noch.

Lessons learned:

  • Man kann nur 10 Belege pro Eintrag hochladen (blöd bei 11 bezahlten Monaten Hort/Kindergarten. Müssen sie halt jetzt so glauben oder Belege nachfordern.)
  • Aus irgendeinem lustigen Grund habe ich alle Schulden und Herr Rabe keine. Dafür habe ich auch alles Vermögen, bis auf Cardos. Man könnte das sicher irgendwie beides aufteilen, aber ehrlich gesagt ist mir das dann doch zu viel Gehampel. Bei den Banken sind wir beide auf beidem registriert und gemeinsam veranlagt werden wir bei der Steuer ja auch, insofern… pfft. (Leider habe ich netto dann ganz schön viele Schulden. Tja.)
  • Der eine Punkt ist „verdipapirfonds“ und der andere „IPS/IPA“
  • Man muss zwar alle Fonds einzeln eintöckeln, die werden dann aber eh zu einem Eintrag zusammengezogen, weil sie ja alle in der gleichen Bank liegen. Vielleicht 2023 mal probieren, ob wer meckert, wenn man nur die Gesamtsumme angibt.
  • IPS: Beträge zusammenrechnen. Außerdem nach dem Eingeben „flere opplysninger“ anklicken. Dann kann man auch andere Länder angeben. (Früher gab es sowas wie „IPS i utlandet“, aber das ist der neuen Selvangivelse wohl zum Opfer gefallen. Ich meckere nicht, die neue ist im Grunde schon besser, weil zugänglicher und aufgeräumter. Aber dafür sind halt diese ganzen Unterpunkte weg, bei denen man, so lange man des Lesens und Verstehens des veileders mächtig war, jeden mehr oder weniger seltsamen Fall angeben konnte.)

Tag 2347 – Altes und neues Genörgel.

Alljährlich muss ich kurz mal meckern über die immer noch nicht abgeschaffte Uhrzeitumstellung. Dieses Jahr hatte ich auch wieder versäumt, die Aufstehzeit allmählich nach früher zu verschieben, also hatte ich mir heute „einfach“ einen Wecker auf 8 Uhr gestellt, damit ich heute Abend trotzdem halbwegs ok ins Bett komme. Mein Plan war auch, dann die Kinder zu wecken. Naja, die Kinder waren schon wach, ich hörte sie rödeln, als der Wecker klingelte. Ich hingegen dachte „was zum… es ist Wochenende, Herrschaftszeiten!“ und stellte den Wecker 1 h weiter. Döste noch die Stunde weiter, daddelte etwas am Handy und quälte mich um halb zehn aus dem Bett. Also eigentlich halb neun, an einem Sonntag, an dem nichts ansteht. Das ist doof, ich möchte das nicht.

So, bis in einem Jahr, wenn es wieder heißt „Wer hat an der effing Uhr gedreht, hatte die EU nicht irgendwie vor, den Kack abzuschaffen, warum passiert da nichts, HMMMMM?“

Neues Gemecker: Steuererklärung. Ja eigentlich in Norwegen super einfach. Außer man hat Konten im Ausland, Rentenversicherungsverträge im Ausland, einen Kindergarten, dessen Buchhaltungsbüro aufgrund Konkurs des Kindergartens kurz vor Weihnachten hingeschmissen hat (und der deshalb nicht zu Neujahr automatisch die Betreuungskosten gemeldet hat) und einen Sport-Hort, der aus unbekannten Gründen nicht automatisch an die Behörde gemeldet hat. Dann muss man ziemlich viele Belege zusammensuchen. Besonderer Spaß, wenn man im Vorjahr mittendrin die Bank gewechselt hat und dementsprechend Belege in drei Banken (ausländische mitgerechnet) und einem e-mail-Fach liegen. Immerhin ist das meiste eh elektronisch, außer dem Kram von der Rentenversicherung, die mögen Papier und mögen auch, das ins Ausland zu schicken.

Einziger Pluspunkt: ich habe festgestellt, dass ich bei der Bank in Deutschland offenbar inzwischen als Steuerausländerin geführt werde, steht zumindest so auf einer Bescheinigung. Dann hat das also geklappt, gut. Ich war etwas in Zweifel, weil mir wenige Tage nach Hochladen der norwegischen Bescheinigung, dass ich wirklich hier lebe und ganz viele* Steuern zahle, ein Brief ins Haus flatterte, in dem ich in scharfem Behördenton dazu aufgefordert wurde, eben jene Bescheinigung hochzuladen, aber zackig.

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*naja naja, eigentlich nicht, ich beschwere mich nicht. In Deutschland zahlte ich anteilig deutlich mehr von meinem Gehalt (Umsatzsteuer nicht mit einbezogen, das ist mir jetzt zu kompliziert).