Tag 2110 – Kleine Rundreise.

Der Antrag auf norwegische Staatsbürgerschaft liegt jetzt bei den zuständigen Behörden. Die Kopien wurden alle auf ihre Korrektheit geprüft, ich wurde sehr eingehend gemustert, ob ich wirklich die Person auf dem Passbild bin (ich hätte mich vielleicht schminken sollen…) und ich musste kurz das mit dem „Geburtsnamen“ erklären und dass ich jetzt wirklich nicht mehr so sondern nur noch Rabe heiße. Für den Notfall hatte ich auch unser Stammbuch dabei, um solche Dinge, wenn auch auf deutsch, belegen zu können, das war aber nicht nötig. Insgesamt dauerte der Termin ca. 10 Minuten und war Infektionsschutzmäßig so gut wie sowas sein kann. Es waren 2 Beamtinnen bei der Arbeit, jede in ihrer Luke, dazu waren die am weitesten voneinander entfernten Luken ausgewählt worden. Es durften nur 2 Personen in das wirklich geräumige Lokal, eine Sicherheitspersonal achtete darauf, dass der Rest draußen wartete, dass alle einen Termin hatten, dass man die Maske trug, die Hände desinfizierte und Abstand hielt. Alle Angestellten trugen Maske, trotz Plexiglasschutz (looking at you here, Ahus) und als mir die Beamtin meine Originaldokumente zurückgegeben hatte und ich alles eingepackt hatte, desinfizierte sie ihren Schreibtisch und die Ablage, auf der ich meinen Kram gehabt hatte. Besser wäre vielleicht noch draußen gewesen, aber das macht bei 5 Grad jetzt eher nicht so viel Spaß für die Angestellten.

Weil ich dann ja eh fast in Oslo war, fuhr ich noch die reparierte Felge abholen. Sieht aus wie neu, war aber teuer genug, als dass ich in Zukunft besser aufpasse. Dann können wir tatsächlich planmäßig Anfang Mai auf Sommerreifen wechseln.

Und weil ich dann ja eh in Oslo war, fuhr ich kurz zur Arbeit, um im dortigen W-LAN vom Auto aus ein Passwort zu ändern, das hatte ich letzte Woche vergessen und nichts ist schlimmer, als wenn 3 von 4 Passwörtern (planmäßig) gleich sind, nur eines ist noch das alte.

Auf dem Rückweg fuhr ich in Jessheim ab, denn der Lieblings-Blumenmarkt/-Pflanzschule hat seine Fläche verkleinert um wenigstens die nicht haltbaren Frühlingsblumen verkaufen zu dürfen. Und alles, worüber ich mich bei der Polizei gefreut hatte, wurde durch winzige Mundvisiere bei den Angestellten zunichte gemacht. Danke, Merkel FHI, dafür dass du weiterhin Aerosole leugnest, was solche schlechten Witze von Infektionsschutz in der Vorstellung einiger Leute okay macht. FU.

Nun ja und weil ich dann ja eh in Jessheim war und es inzwischen drei war und ich zur Apotheke musste, die in unserem Kaff aber um drei schließen, ging ich im pseudo-geschlossenen Einkaufszentrum (das Zentrum selbst hat auf, aber die meisten Geschäfte nicht, außer für Click&Collect. Apotheken aber schon.) in die Apotheke und weil ich dann eh im Einkaufszentrum war und es da einen Drop-In-Friseur gibt, der quasi in einem Flur liegt, ging ich 15 Minuten später von einem guten Teil der Haarmassen auf meinem Kopf befreit zurück zum Auto.

Man muss echt nicht lächerliche Menschenwürde-Argumente dafür heranziehen, aber sich frisiert fühlen ist schon sehr schön, muss ich sagen. Herr Rabe hat grad nicht so viel Zeit und Muße mir die Haare zu schneiden, der braucht auch ein bisschen mehr als 15 Minuten dafür (hat das ja auch nicht gelernt, im Gegensatz zu den Friseur*Innen dort). Was aber nicht so schön war: Haare überall, jetzt neu auch auf der Maske und am Rand zwischen Maske und Gesichtshaut pieksend. Ich war froh, als ich wieder am Auto war und mir das jetzt juckende Ding vom Gesicht reißen konnte.

Abschweifung: ich bin ja generell ein ehrlicher Mensch und ich kann das nicht beschönigen: ich finde das Maske tragen nicht sonderlich schön. Und zwar im Grunde egal welche, aber FFP2 ist noch nen Tacken unangenehmer. Ja, ich mache es natürlich trotzdem, immer und ordentlich, aber ich glaube nicht, dass ich zu denen gehören werde, die Post-Pandemie einfach weiter Maske tragen werden, weil das ja überhaupt gar kein Problem ist und vor allem und weiß nicht was schützt. Hmm, ja, vielleicht im Flugzeug, aber nicht in jedem Laden, in jedem Café, im Bahnhof während ich versuche, den Zug zu erwischen… da brauche ich widerstandsfreien Luftfluss in meine Lungen. Alternativ brauche ich deutlich mehr Zeit, damit ich nie schneller Atmen muss als sagen wir mal im Wartezimmer sitzend, bessere Ohren, damit ich Leute auch trotz Maskenuscheln noch verstehe, sowie eine Augenoperation, bei der mir automatisch verdunkelnde Linsen eingesetzt werden, weil auch Sonnenbrillen beschlagen, durfte ich lernen.

Das alles entschuldigt keine Maskenverweigerung und Kinn-Spuckschütze WÄHREND der Pandemie. JETZT GRAD ist es das mindeste, was man tun kann, um nicht mit etwas Pech am viel viel unangenehmeren Respirator zu landen. Aber ich bin froh, wenn man das nicht mehr muss. Ich bin auch froh, wenn man wieder ins Café gehen und dort seinen Kaffee trinken darf, statt ihn draußen frierend zu trinken oder das ganze gleich ganz zu lassen und damit dafür zu sorgen, dass die Cafés endgültig pleite gehen.

Pandemie stinkt und soll weggehen.

Tag 1961 – Neuigkeiten.

1. Michel hat heute (japp, nach 1,5 Tagen Benutzung) seine Brille kaputt bekommen, weil er im Sport-Hort mit einem anderen Kind zusammengestoßen ist. An ungünstiger Stelle ist der Rahmen gebrochen. Ich weiß jetzt, dass man für Reparaturen auch noch mal Unterstützung beim NAV beantragen kann. Kommt bestimmt gut, bevor der erste Antrag überhaupt bearbeitet ist. Michel ist am Boden zerstört und hat heute mehrmals deshalb geweint, weil das jetzt wieder ziemlich lange dauern wird, bis er seine Brille wieder hat.

2. Hier war heute ein Elektriker und hat die Kabelage geändert und den Lichtschalter und die Steckdose versetzt, auf die richtige Seite der Wand und an die richtige Wand.

Morgen kann es also weiter gehen. Hoffentlich haben wir dann bald wieder eine Tür.

3. Das Pensum ist noch mal durchgelesen, Glomma ist 611 km lang, Sognefjorden ist an der tiefsten Stelle 1308 m tief und die UN hat 193 Mitgliedsstaaten und morgen um ca. 13:15 Uhr kann ich das alles wieder vergessen (as if) und im Februar dann den Antrag abgeben und Norwegerin werden. So 14 Monate später dann. (Wohl nicht rechtzeitig zur Stortingswahl. Schade. Ich bin, auch wegen Kinderbrillen, sehr bereit endlich linksgrünversifft und mit der brennenden Fackel des Feminismus in der Hand meine Stimme abzugeben.)

Tag 1947 – Mal wieder Dugnad, Geld, Onesies.

Erstmal bitte ich um Entschuldigung, dass ich gestern im Volltran spät abends von HMS gefaselt habe. Ich dachte, die Abkürzung sei ja auf Englisch die gleiche, und die kennt man ja. HMS ist SHE, wie wir sehen, quasi die gleiche Abkürzung. Die Abkürzung steht für Helse, Miljø, Sikkerhet, also Gesundheit, Umwelt, Sicherheit. Arbeitsschutz. Wir sollen auch im Homeoffice die Arbeitsschutzrichtlinien einhalten, ich nehme ganz stark an, dass den Arbeitgeber*Innen langsam aufgeht, dass sie da eine Verantwortung haben, so lange wie das schon dauert. Da hilft ein unter völlig anderen Prämissen (nämlich „Homeoffice gelegentlich, nicht mehr als 25 Tage im Jahr“) unterschriebener Wisch aus dem Januar leider wenig, wenn wir uns auf Küchenstühlen grad alle den Rücken ruinieren. Meine Chefin war leider nicht sonderlich offen für Übernahme von Kosten für bessere Ausstattung. Mal sehen, was das noch gibt.

Wir hatten heute den letzten Termin mit der Finanzberaterin, jetzt ist unsere Umstellung erst mal abgeschlossen. Uff. Das war ein ziemlicher Aufriss. Aber es hat sich gelohnt, wir werden jetzt weniger als vorher sparen und anlegen und damit mehr erreichen. Niemand wird im Alter am Hungertuch nagen müssen und wir können in ein paar Jahren die Küche renovieren, ohne dafür noch mal den Kredit erhöhen zu müssen. Das ganze System ist deutlich verschlankt, wir müssen nur noch eine Überweisung im Monat nach Deutschland tätigen und vor allem haben wir keine unnötigen Versicherungen mehr, die im Fall der Fälle eventuell eh gar nicht zahlen würden, sofern wir nicht zum Beispiel Gutachterpersonen einfliegen wollen um z.B. einen deutschen Pflegegrad zu bekommen. Ich freue mich vor allem drauf, mich jetzt wieder eine Weile nicht groß darum kümmern zu müssen.

Am Nachmittag war hark-Dugnad [Gemeinschaftsarbeit] im Kindergarten. Unser Kindergarten hat grad wegen Krankheit echte Personalprobleme und da harken die nicht auch noch nebenher. Verständlich. Aber es stehen riesige, alte Linden überall auf dem Gelände und das ganze Laub kann da nicht bleiben. Also harkte ich und fuhr auch noch einige Schubkarren voll Laub weg, dann wurde es aber zu dunkel. Pippi hat natürlich sehr kräftig mitgeholfen und war sehr stolz, dass Mama auch Dugnad macht. Integrierter geht kaum.

Lauter Haufen.

Tatsächlich war es ganz schön, sich bei Tageslicht draußen zu bewegen und auch (mit sehr viel Abstand) ein paar Worte mit den anderen Kindergarteneltern zu wechseln.

(Homeoffice ist echt nicht gut für mich.)

Apropos Homeoffice: Herr Rabe und ich haben uns gestern Onesies bestellt. In einer eeeeetwas anderen Qualität als die in großen Kindergrößen von Lindex, die wir haben. Diese Homeofficescheiße geht ja vermutlich noch den ganzen Winter so weiter, dann bald stilecht und leicht peinlich obendrein im Partnerlook.

Michel hat sich auch einen weiteren Onesie gewünscht und hat jetzt einen im Schneeleopardenlook. Es ist sehr niedlich.

Er wollte ihn eigentlich heute zur Schule anziehen, aber das konnten wir abwenden.

Tag 1934 – Gamifisering.

Aus Gründen machen Herr Rabe und ich ja in, oh, vier Wochen schon, den Einbürgerungstest. Allerdings macht niemand einen Sprachtest, auch das aus Gründen. Jedenfalls sollte man für den Einbürgerungstest doch ein bisschen üben und so haben wir uns eine App dafür heruntergeladen und je 99 Kronen für die Vollversion bezahlt. Weil ich, wieder aus Gründen, Twitter grad nicht ertrage, brauche ich eh eine Ersatzhandlung und was bietet sich da besser an, als ein bisschen Wissen zu daddeln. Der Test, den ich machen werde – aus, Sie ahnen es, Gründen ein anderer als der, den Herr Rabe machen wird – besteht aus 38 Multiple Choice Fragen, von denen 29 richtig beantwortet werden müssen. Ich kann also so Fragen wie nach dem Gründungsdatum der UN (24.10.1945) oder der Unterzeichnung des Schengenvertrags (14.6.1985) ruhig verkacken, wenn ich dafür weiß, wie viele Kinder das aktuelle Königspaar hat (2) oder wie hoch Galdhøpiggen ist (2469 Meter). Oder halt weiß, was Religionsfreiheit bedeutet oder Demokratie.

Letzteres ist natürlich für mich Pipifax, aber es deprimiert auch ein wenig, zu wissen, dass das für manche Erwachsene, die nach Norwegen einwandern wollen, ganz neue Erfahrungen sind. Dass es Länder gibt, wo „Gewaltenteilung“ höchstens ein nettes Konzept ist, das auf dem Papier existiert, wenn überhaupt, aber die Lebensrealität sieht anders aus. Andererseits braucht man sich gar nicht mal so weit aus „unserem“ Kulturkreis herausbegeben und schon ist man in einem Land mit nur 2 politischen Parteien, in dem der Staatschef die obersten Richter*Innen aussucht und versucht, die Medien zu kontrollieren, und in dem unliebsame Wähler*Innengruppen aktiv an der Ausübung ihrer demokratischen Grundrechte gehindert werden. Ab nächster Woche dort dann echte Diktatur.

Herr Rabe ist nicht da, der macht gruselige Sachen: Präsenzveranstaltung in einem Hotel, mit Übernachten, mit Leuten aus ganz Norwegen. Es gibt ein Hygienekonzept (und wie man weiß, verhindert das allein schon jede Ansteckung) und solche Veranstaltungen sind in Norwegen (noch) nicht (wieder) verboten, also kann die Buchung auch nicht gecancelt werden, ohne dass man auf den Kosten sitzen bleibt. Es ist alles wunderschön.

Tag 1907 – Aberglaube.

Ich würde mich als einen überaus rationalen Menschen bezeichnen, der nicht abergläubisch ist, aber eine Sache lässt mich immer noch zucken: Geburtstage vorfeiern. Das geht einfach gar nicht, macht man nicht und ich erinnere mich noch, dass ich als relativ kleines Kind, vielleicht so mit 5 oder 6, meine Oma gefragt habe, warum man das denn nicht macht und sie sagte „nä, nachher erlebste den Geburtstach dann gar nicht mehr!“.

Problem ist nur, dass die Norweger*Innen damit überhaupt kein Problem haben. Wenn man zum Beispiel in den Ferien Geburtstag hat, kann man entweder nachfeiern oder man feiert eben vor. Da machen die sich gar keine Gedanken drum, das ist ganz normal.

Deshalb war es auch kein Frevel, dass die Eltern von Michels Freund M. letzte Woche fragten, ob wir nicht heute mit M. feiern wollen, im Garten, es sollen eh alle Jungs aus der Klasse eingeladen werden. Ich schluckte kurz, aber dann dachte ich: so what. Sei norwegisch. Einfache Lösung vieler Herausforderungen (wen einladen? 12 Jungs hier… nein!) auf einmal, Arbeit auf 4 Erwachsene aufgeteilt!

Also feierten wir heute und es war auch gut, Fotos… gibt’s dann nächste Woche. Zum Geburtstag, denn ich bin ja nicht abergläubisch, aber.

Tag 1839 – Tagwerk.

Ich habe gedugnad-et. Es ist ja das immer wiederkehrende norwegische Lied, dass wir zu irgendwelchen Gemeinschaftsaktionen antanzen dürfen und heute war es im Kindergarten wieder so weit. Da finde ich das ok, weil wir was direkt für den Kindergarten tun, das dringend nötig ist, man wirklich gut selbst kann und sonst eben irgendwer bezahlen müsste. Weil ich keinen Spaten dabei hatte (aber dafür zwei Kinder) kam der ursprüngliche Plan „Sand im Sandkasten wenden und gegebenenfalls auffüllen“ nicht zur Anwendung. Stattdessen habe ich zwei Stunden lang auf den Knien in dieser Spielhütte herumrobbend den Boden mit einem Buttermesser und einer Wurzelbürste von Dreck und zwischen den Bohlen festgetrampelten Kieststeinchen befreit, damit er morgen gestrichen werden kann:

Danach noch zwei mal mit Grønnsåpe drüber und gründlich ausgespült.

Das war ziemlich anstrengend. Aufgelockert immer wieder durch meine liebreizenden Kinder.

KiTa-Leiterin: wer ist das denn [Kind mit Kopfhörern auf Wiese vor Kindergarten] da?

Ich: Ach, das ist Michel, der große Bruder von Pippi, der spielt Pokémon Go.

KiTa-Leiterin: ist er ganz alleine unterwegs?

Ich: Ja.

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Pippi: Mama? Kann ich Farbe auf meine Jacke kriegen?

Ich: Pass bitte ein bisschen auf, dass nicht soooo viel Farbe auf die Jacke kommt.

Pippi: Ok! (Kam mit fleckenfreier Jacke zurück.)

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Michel, mit leerem Handyakku: packt sein Kornett aus und marschiert glücklich tutend über den Kindergartenhof

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Überhaupt hatten wir schon einen Loriotesken Kornett-Zwischenfall, als die Innenarchitektin und der Handwerker da waren um den Einbau des Dachfensters (aus Gründen wird es doch nur eines, schade) zu besprechen. Michel meinte nämlich mittendrin, er müsse jetzt üben, packte sein Kornett aus und marschierte damit über den Flur. Prööt Prööt Prööt während vier Erwachsene versuchten, sich einig zu werden über Fenster und Tür und sichtlich bemüht, sich nicht allzu offensichtlich totzulachen über diesen kleinen niedlichen Knirps der wichtig mit seiner Tute herummarschiert und klugscheißert „Das ist keine Klarinette!“

Tag 1739 – Ja, vi elsker.

Die Nationalhymne können wir immer noch nicht, das meiste, was zum Nationalfeiertag normalerweise dazu gehört, war dieses Jahr verboten, aber ein bisschen gefeiert haben wir doch. Und es war, nach anfänglichen Reibereien, ein richtig schöner Tag.

Bei den Corontäne-Freunden.
Kaffee, Kuchen und eine selbstgebastelte Würstchenbude gab es auch. Weil das so muss.
Würstchen, Kuchen, Eis und Fahnen. Fast wie normal.
Eeeeeetwas mehr Platz beim Spielen als in anderen Jahren.

Wir haben den Nachmittag und Abend mit den Corontäne-Freunden (Familie C) und zwei weiteren Familien (Familie A und Familie B) verbracht, nach den Kriterien Sympathie und (wirklich nicht unerheblich):

  • E., die Tochter aus Familie A, ist Nachbarin von Familie C. und spielt jeden Tag mit B. aus Familie C und geht außerdem mit Michel in den Sport-Hort
  • A., die Tochter aus Familie B, ist in derselben Kohorte wie Michel und B. aus Familie C
  • I., der Sohn aus Familie B, ist mit Pippi in einer Kohorte

Wir Erwachsenen haben Abstand gehalten und wir alle waren die meiste Zeit draußen. Ich etwa eine Stunde ohne Mantel (es war eigentlich warm aber sobald Wind aufkam, dann doch frisch) und jetzt habe ich Sonnenbrand im Nacken. War ja klar.

Ich werde noch Nationalfeiertagsfanin. Das ist so schön, mit den Freunden und all den Kindern und ein bisschen Chaos und ein bisschen fein machen und viel Freundschaft und normale Gespräche. Und generell mal wieder soziales Beisammensein mit Erwachsenen. Hammer!

Der Vollständigkeit halber, antichronologisch unser Morgen: Mini-Kindergartenumzug.

Der kleinste Umzug der Welt, zwei mal um den Gedenkstein vorm Kindergarten.

Michel fand das zuerst total kacke, durfte dann aber Fotos mit Herrn Rabes Kamera machen. Dann war es „doch ein kleines bisschen gut“.

Foto von Michel gemacht.
In diesem Sinne: heia, Norge!

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Disclaimer: die meisten Fotos hat Herr Rabe gemacht. Danke :*

Tag 1687 – Corontäne Tag 14.

Huff, schon 2 Wochen! Erst 2 Wochen!

Heute war wenig los. Ich hab für die Nachmittagsarbeit den Bildschirm aufgebaut, jetzt haben wir quasi zwei Arbeitsplätze (der Stuhl ist da aber ganz und gar nicht ideal, vielleicht hole ich doch noch meinen Stuhl aus dem Werk).

Solange Kaffee da ist, ist alles gut.

Ansonsten heute aus Gründen rausgefunden, wie das mit Kindkrank-Tagen dieses Jahr läuft und wie mit Kurzarbeit* und vielleicht ist doch kein so guter Zeitpunkt, um ein neues gebrauchtes Auto zu kaufen. Hmmseufz.

Die Arbeitssache eskaliert weiter ein wenig. Immerhin heißt das, dass ich was zu tun hab, insofern keine Klagen hier.

Sonst war nix.

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*anders** als sonst, wegen Corona. Coronhier, Coronda, Coronüberall.

**sozialer, großzügiger, den Staat mehr kostender***

***I <3 den Sozialstaat hier grad so hart

Tag 1573 – Baum anzünden.

Norwegische Weihnachtstraditionen sind mitunter gar wunderlich. Zum Beispiel muss man Anfang Dezember überall zum „Julegrantenning“, also den Weihnachtsbaum anzünden. Es dauerte wirklich ein bisschen, bis ich verstanden hatte, dass da mitnichten der ganze Baum angezündet wird, sondern man nur die Beleuchtung anschaltet. Donnerstag waren wir bei einer Julegrantenning (ich hab’s verpasst wegen Zugodyssee), heute waren wir bei einer Julegrantenning und morgen werden wir auch auf einer Julegrantenning sein. Das läuft immer nach dem gleichen Schema ab: Man macht unter einigermaßen großem Buhei den Baum an, dann laufen alle (alle!) im Kreis mit Händchen halten drum rum und singen, am Ende kommt der Weihnachtsmann und die Kinder kriegen kleine Süßigkeitentütchen. So einfach, so schwer. Denn natürlich kann niemand alle gefühlt 25 Strophen von der Musevisa oder Julepresangen, und auch das (echt doofe) Lied mit dem Wachholderbusch scheint schwer zu erinnern zu sein. Meine Aufgabe für morgen ist Auswendiglernen der kompletten Musevisa, dann kann ich schon mehr als die meisten Norweger*Innen. Haha! Der goldene Muttiorden am Band ist mir sicher.

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1. Weihnachtsgeschenk ist bestellt. 2. gekauft.