Tag 2630 – Hotelzimmereinsicht.

Interieurtraum vs. Kundenwunsch.

Frage mich ernsthaft, wer auf solchen Thronen schlafen kann. Jetzt grade liege/sitze ich auf dem Thron und schreibe, und nicht mal dazu ist es bequem. Ich nehme jetzt also immer mein Reisekissen mit. So.

Außerdem heute in diesem Kino: ich bekomme die Levaxindose schon wieder nicht auf. Das ist eine neue Dose, die alte, die mir eine Narbe am Zeigefinger eingebracht hat, ist endlich leer. Aber das ist offenbar der selbe besch*ssene Dosenbatch, denn auch diese geht nicht auf. Gestern Abend hab ich mit nem Messer geprökelt, heute nach der Ankunft im Hotel hab ich es probiert und es ging (sonst hätte ich die Dose mit zum Essen genommen und meine Kollegin gebeten, sich die Finger aufzuschlitzen es mal zu probieren), jetzt liege ich im Bett und es geht wieder nicht. Beziehungsweise ging, dieses Mal habe ich mit der Nagelfeile geprökelt. Aber Prökeln kann doch keine Dauerlösung für die nächsten 96 Tage sein! (Und was machen alte Menschen mit Arthrose in den Händen, hypo werden wegen wehrhaften Dosen? Oder kommt da der Pflegedienst und flext die Dose auf?)

Hrmpf.

Von der Inspektion darf ich wie immer nichts erzählen, daher nur noch die Hotelzimmeraussicht:

Tag 2624 – 3/3 abgeschlossen.

Es ist vollbracht. Auf allen Seiten waren alle am Ende zufrieden, das ist ja auch immer schön. (Auch immer wieder verwunderlich für mich, dass sich Leute bedanken, dass wir tagelang deren Schlechtigkeiten ausgebuddelt haben und denen am Ende diese vor den Kopf knallen. Andererseits würde eine Consultant für die selbe Arbeit echt viel Geld nehmen, und da hätte man außer nem Knacks in der Krone noch nicht mal irgendwelche Konsequenzen zu befürchten.)

Danach fuhr ich ins Büro, wo im IT-Projekt alles brennt, wie ich erfuhr. Auch… schön. So unerwartet! Mir egal, wir sind durch, wir warten nur noch auf die gefixten Defects zum Re-Test.

Da ich Pippi zum Tanzen fahren wollte, ging ich früh und stand dann sehr lange am Bahnhof rum, weil schon wieder irgendwas war. Irgendwie ist da grad sehr der Wurm drin, in diesen Zügen. Pippi war trotzdem pünktlich beim Tanzen, allerdings ohne Schläppchen (weil sie die nicht dabei hatte), mit nur einer Socke (weil die andere „in der Schule einfach so abgefallen“ ist) und mit einem sehr dreckigen Fuß (war halt keine Socke mehr dran). Naja. Gut, dass die mich in dem Ballettsenter gar nicht kennen oder wissen, dass ich Pippis Mutter bin. Ach so, oh.

Danach Kopfschmerzen und null, was sage ich, minus 200 Lust, noch weiter zu arbeiten. Das deshalb auch gelassen.

Tag 2623 – Fast durch und ziemlich durch.

3/3 ist nahezu fertig. Morgen noch unsere Findings präsentieren, ein bisschen diskutieren und dann habe ich einen halben Bonus-Arbeitstag gewonnen, weil wir nicht damit gerechnet haben, so schnell fertig zu sein.

Haben wir also auch das überstanden. Um eine Erfahrung reicher, würde ich sagen. Aber im Großen und Ganzen eine positive Erfahrung, ich hab wieder ein paar Dinge über mich gelernt, das ist ja immer spannend.

Was ich allerdings vorher schon wusste: unerwartete Planänderungen werfen mich aus der Bahn. Auch wenn ich von außen betrachtet die Situation souverän manage, läuft mein Hirn und mein Nervenkostüm heiß und das frisst sehr viel Energie. Ich hätte also den Test heute Morgen gar nicht gebraucht, der entstand, als ich um 07:28 Uhr am Bahnhof ankam, dort kein Zug war und alle Züge, inklusive dem, der um 07:30 gehen sollte, gecancelt waren. Signalfehler. Ich hatte das kleine Auto, mit dem kommt man kaum bis zum Flughafen, also schwang ich mich in das erstbeste am Bahnhof stehende Taxi. Mein Plan war, zum Flughafen zu fahren um dort dann in den Zug zu steigen. Ich fragte noch die ratlos herumstehenden Pendler*Innen ob jemand mitfahren und das Geld teilen möchte, aber wurde nur angeguckt wie ein Auto. Tjanun. War für uns alle die erste Stunde und ich war ein wenig in Panik, also fuhr ich allein. Auf dem Weg fand ich heraus, dass der Signalfehler am Flughafen war und deshalb dort die Züge nicht hielten. Also bat ich den Taxifahrer, mich bis nach Lillestrøm zu fahren. Ka-Tsching, dachte der vermutlich. Eine Stunde später (es war Stau, natürlich, denn auf der Strecke ist morgens immer Stau) war ich 1366 Kronen auf der Kreditkarte im Minus, und noch mal 30 Minuten später hatte ich Rückerstattung von 1366 Kronen bei der Zugbetreibergesellschaft beantragt*. Noch mal 20 Minuten später war ich 20 Minuten zu spät statt 25 Minuten zu früh bei der Inspektion. Meine Kollegin hatte schon mal angefangen, Teams sei Dank konnte ich sie darauf vorbereiten, dass ich wohl zu spät kommen würde und mit ihr besprechen, womit sie schon mal anfangen kann. Aber puh, ey, so viel Aufregung am frühen Morgen macht mich echt gar im Kopf.

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*ich bleibe nicht auf den Kosten sitzen, aber habe auch keinen Nerv, dann im Zweifel was an meinen Arbeitgeber zurückzuzahlen. Ich mag geregelte und eingleisige Geldflüsse.

Tag 2619 – 3/3 Tag 2.

Die Inspektion ist weiterhin nicht so schlimm wie befürchtet. Allerdings ist sie sehr, sehr anstrengend, schon allein, weil wir nicht wie furchteinflößende Monster rüberkommen sollten, sondern freundlich, kompetent, und mit offenen Karten spielend.

Damit zusammenhängend habe ich heute Morgen eine dummy-Batchdokumentation runtergekippt, die in groben Zügen umreißt, wie wir uns sowas vorstellen. Man kommt nämlich irgendwann an den Punkt, an dem einer klar wird, dass sie nur mit „das ist nicht gut genug“ nicht weiter kommt und sagen muss, was gut genug ist.

Beste Entscheidung war, kürzere Tage anzukündigen. Dadurch war ich gestern und heute noch vor der Kinder-Bettzeit zu Hause.

Jetzt bin ich platt. Gute Nacht.

Tag 2590 – Weich gekocht.

Heute musste ich doch noch mal ins Büro. Eigentlich habe ich mit meiner Chefin besprochen, dass ich im August nur selten komme, wegen des vermaledeiten „buss for tog“, also Bus statt Bahn auf der Strecke von uns bis zum Flughafen. Tatsächlich ist es für mich am praktischsten und schnellsten, dann am Flughafen statt in den Zug in den Flugbus zu steigen, aber das ist auch die Option, bei der ich pro Weg eineinviertel bis anderthalb* Stunden im Bus sitze. Im Bus kann ich nicht arbeiten, da kann ich nicht mal lesen oder auf dem Handy daddeln, weil mir dann schlecht wird. Ich setze mich schon immer nach ganz vorne, quasi beim Busfahrer auf den Schoß, aber es hilft nicht. Also gucke ich achtsam zweieinhalb bis drei Stunden aus dem Fenster, wenn ich ins Büro fahre. Das finde ich nicht akzeptabel, deshalb halt mehr Homeoffice. Eigentlich.

Für heute hatte ich aber ein Meeting arrangiert, zu dem Leute aus Bergen anreisten. Da kam es mir dann doch, ähm, uncool vor, zu sagen, dass ich keine Lust habe, aus Eidsvoll nach Oslo zu fahren. Und das Meeting war auch wirklich gut und sinnvoll, ich mag das ja, wenn Leute sich Gedanken machen und lieber drei mal nachfragen, BEVOR sie anfangen, irgendeinen Sch…ß zu machen. Grüße, die Behörde Ihres Vertrauens.

Allerdings haben wir das Meeting auch grob überzogen. Statt zwei Stunden waren es drei. Drei Stunden professionell sein, freundlich, sachlich und klar. Und dabei das Kunststück vollbringen, zu beraten ohne zu beraten. Wir dürfen ja nur zur Auslegung des Regelwerkes informieren, aber nicht sagen „macht es so und dann werden wir es schon durchgehen lassen“. Meine Kollegin meinte hinterher, ich hätte das sehr gut gemacht und sei total souverän und seriös. Das mag sein, dass das nach außen hin so wirkt, das ist ja auch mein Ziel. Aber nach dem Meeting war ich total matsche und ging auch recht schnell danach einfach nach Hause.

Uffz ey, nach den Ferien ist immer schlimm.

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*heute extra bescheiden, weil morgens kein Bus kam, der direkt zum Flughafen fährt, sondern nur der, der die dazwischen liegende Haltestelle auch anfährt. Also Gejuckel über die Dörfer. Und dann ist auch noch eine Brücke in Norwegen zusammengekracht und solange man nicht weiß, weshalb genau das passiert ist, sind alle Brücken der gleichen Bauart gesperrt. Von den 14 gesperrten Brücken liegen 5 in Eidsvoll (was sind wir für Glückspilze!) und die eine davon ist sozusagen der Autobahnzubringer. Was für den Bus hieß: noch mehr Gejuckel über die Dörfer, um die nächste Auffahrt auf die Europastraße zu nehmen. Mein armer Magen. Der ist ansonsten ja sehr robust aber motion sickness ist ein echtes Problem.

Tag 2541 – Auf dem Heimweg.

Ich wusste bis letzte Woche nicht, dass es im Flugzeug Dreipunktgurte gibt, und ich wüsste auch nicht so richtig, wozu das gut sein soll, aber egal. Nach einer Woche freue ich mich auf zu Hause, freue mich auf die Horizontale und freue mich auf Temperaturen unter 30 Grad. Mein Plan ist, zwischen den Mahlzeiten im Flugzeug durchzuschlafen. Mal sehen, ob das klappt. Cheers jedenfalls!

Ich sehe etwas mitgenommen aus, so schlimm ist es eigentlich gar nicht.

Übrigens haben wir aus Gründen etwas vom Hersteller geschenkt bekommen. Jeder und jede von uns eins:

Bestes Fidget-Toy.

Insgesamt war das alles sehr spannend und sehr gut. Hach. Den besten Job, den ich mir wünschen könnte, habe ich!

Tag 2540 – Cheers!

Abendessen gewesen, unglaublich viel Geld verballert, aber extrem leckere Linguini mit Meeresfrüchten gegessen. Als Nachtisch gab es ein Key Lime Dingens, in das ich mich hätte reinlegen können. Dazu zwei Gläser Wein. Was macht man nicht alles auf so Inspektionen, ne?

Der Koffer ist gepackt und der Pilotenstreik verschoben. Morgen geht es nach Hause. Ich freue mich, auch wenn das hier wirklich eine gute und spannende und lehrreiche Erfahrung war.

(Lehrreich auch: ich mache das im großen und ganzen schon echt ok und auch wir als Popel-Norwegen-Miniland sind echt nicht schlecht dabei in diesem Spiel.)