Tag 1940 – Im Eimer.

Jöss, ich bin so müde. Inspektion ist anstrengend. Auch interessant. Wieder was anderes. Aber – uff.

Ich vermisse die Kinder, eins ist krank (natürlich, denn es ist immer ein Kind krank, wenn ich auf Inspektion bin) und schreibt mir süße Nachrichten, es ist zum Knutschen.

Hotelbett ist schon auch nice, aber wohl für ne Weile wieder das letzte Mal. Maaaaann. Scheiß Corona.

Tag 1939 – Die Illusion von gerade.

Das Hotel, in dem ich grade bin, heißt Zollhaus. Ich nehme mal ganz stark an, es ist in einem alten Zollhaus. Jedenfalls ist das Haus sehr alt, auch wenn das Hotel darin sehr modern ist. Und da muss man sich eben was einfallen lassen, damit die Gäste nicht nachts aus dem Bett plumpsen.

Das mit der Spiegelleiste ist halt schon klug gemacht.

Morgen Corona-Pressekonferenz. März wiederholt sich tatsächlich.

Tag 1938 – Hotelzimmeraussichten Teil 5.

Pittoresk.

Es ist wirklich richtig hübsch hier. Vielleicht ist meine Wahrnehmung auch gefärbt davon, dass es das erste mal seit März ist, dass ich in einem Hotelbett liege und nach Hotelshampoo rieche. (Habe ich eigentlich mal erwähnt, wie toll ich es finde, dass ich kurze Haare habe? Es ist super gut, einfach färben, bleichen, schneiden und weirde Shampoos ausprobieren zu können, weil alles maximal ein paar Monate hält. Ich ruiniere nicht durch Haarfarbe meine Spitzen und damit die durch jahrelange, mühselige Pflege erreichte Länge, und wenn die Spülung die Haare schwer macht, so what, sie sind ja kurz und kleben nicht am Kopf. Kurze Haare for life!)

Im März, beim letzten Hotelaufenthalt, waren wir am Anfang der 1. Welle und die Inspektion wurde wegen sehr spontanem Lockdown hauruckmäßig in drei statt vier Tagen durchgezogen. Jetzt sind wir am Anfang mittendrin in der 2. Welle, es wird endlich auch so benannt Hallelujah und der Gesundheitsminister kündigt neue Maßnahmen noch diese Woche an. Mal sehen, ob wir diese Inspektion wie geplant fertig machen dürfen.

Ich wollte echt nie in spannenden Zeiten leben. März fühlt sich an wie hundert Jahre her und was ich an meinem Geburtstag schrieb wie die total weltfremde Einstellung einer 15-Jährigen. 2020 könnte meinetwegen jetzt vorbei sein. 2021 auch, wenn wir schon dabei sind, ich sage nämlich schon mal gewohnt positiv voraus, dass die spannenden Zeiten noch so ein Jährchen dauern dürften.

Tag 1933 – (sehr) müde.

Also die Inspektion, die ganz anders geplant war, haben der Kollege und ich heute gut hinter uns gebracht. Die Firma natürlich auch. Zur Abwechslung war es auch mal ganz ok, in einer sehr sehr kleinen Firma, in einem Tag durch und um viertel vor fünf dort raus zu sein.

Trotzdem bin ich sehr urlaubsreif. Vielleicht nehme ich mir übernächste Woche einen Tag frei (dann wird bestimmt ein Kind krank, lieber nicht zu laut drüber nachdenken).

Müde bin ich auch, sehr sogar. Zeit für Licht aus. Morgen Report schreiben. Zwei Reports schreiben. Und tausend andere Dinge. Eieiei.

Tag 1926 – Uncool.

Die Inspektion ist vorbei und das heißt:

  • morgen im Pandaonesie/Jogginganzug/jedenfalls ohne Inspektørinnendress und ohne Schuhe (!!!) arbeiten (wie sehr man sich im Homeoffice an das Arbeiten in Socken gewöhnt, ist etwas beängstigend)
  • Erst in einer Woche wieder mit dem Auto nach Oslo fahren (fun fact: quasi an den gleichen Ort)

Der Pendelhass hat sich heute noch mal zu ungeahnten Höhen aufgeschwungen. Morgens Stau, Abends Stau, je Weg eineinhalb Stunden statt 55 Minuten. Irgendwann hätte ich das Auto gerne einfach stehen gelassen und wäre zu Fuß gegangen.

Weil Donnerstags HipHop ist und es zeitlich gerade so hinhaute, fuhr ich direkt vom Auto abliefern dorthin. Nicht ganz direkt, weil ich den Zug um eine Minute verpasste, aber wie ich ja weiß gibt es in Gardermoen große, saubere und kostenfreie Toiletten im öffentlichen Bereich und deshalb konnte ich die Wartezeit nutzen und mich dort aus meinem Inspektørinnenkleid und der Strumpfhose pellen und gegen Leggings, Sport-BH und T-Shirt tauschen. Leider hatte ich vergessen, andere Schuhe mitzunehmen, und hatte dann eben Sportleggings (als solche sehr deutlich zu erkennen wegen Reflexstreifen überall und Belüftungsgewebe in den Kniekehlen) zu hochhackigen Wildlederstiefeletten an. Tjanun.

HipHop war cool, nur was wir heute machten, sah an mir und den anderen Teilnehmerinnen (der eine Mann ist mitgemeint) eher nach „Mama, du bist peinlich, lass das mal lieber“ aus als nach cool. Oskar, der Trainer, findet uns trotzdem toll. Ich finde schwitzen und rhythmisches Herumzappeln zu Musik toll. Nur die 16 Jährigen Mädels, die zeitlich leicht überlappend Ballett haben und sich feixend vor unserem Raum auf dem Flur verknoten, die muss ich nicht haben. Generell muss ich die klischeehafte Version von Ballettmädels nicht haben, egal welchen Alters. Ich weiß, dass viele anders sind, aber die Klischeeversion hab ich nach reichlicher Erfahrung gefressen. Und die stirbt nicht aus und ist offenbar auch länderübergreifend anzutreffen.

Abends kuschelte ich lange mit den Kindern. Die sind sehr groß geworden in den letzten drei Tagen. Vor allem Michel. Michel ist auch ganz begeistert dabei, Muffin das Sorgenschwein zu versorgen. Dabei ist er auch ganz ruhig und entspannt und liebevoll. Das ist sehr schön zu sehen.

Muffin muss weiter Antibiotika nehmen, diesmal ziehe ich das durch, bis da alles 100%ig verheilt ist, und vor allem muss Muffin zunehmen. Deshalb kriegt er nach dem Antibiotikum immer eine gute Dosis extra Snacks, wie zum Beispiel Sonnenblumenkerne. Die nimmt er gerne auch direkt aus den Fingern, Michel reicht ihm das gerne an und so freunden sich die beiden an. Muffin hat sich an die Antibiotikagabe soweit gewöhnt, dass er sich ohne auch nur noch wegzulaufen aus dem Käfig angeln lässt, und obwohl er zwar versucht, den Kopf wegzuziehen, geht es doch meist recht fix, Schwein packen, Kopf leicht fixieren, Spritze seitlich ins Maul, langsam schieben, fertig. Dann schmatzt Muffin angewidert vor sich hin aber ich glaube in dem kleinen Meerschweingehirn wird das Unangenehme recht schnell mit „geil, Sonnenbumenkerne!“ verbunden und teilweise überschrieben. Pawlow ist schon echt klug gewesen. Die Snacks zeigen auch erste Erfolge: 50 g hat Muffin zugenommen, in einer Woche. Superschwein! Wir drücken weiter die Daumen.

Tag 1924 – Grenze.

Wenn ich mal in Erwägung ziehen sollte, wirklich regelmäßig mit dem Auto nach Oslo zu pendeln, erinnern Sie mich einfach an den heutigen Tag. Ich hatte mir ja schon mal geschworen, das nie mehr zu tun, aber das war vor Corona und den hanebüchenen Restriktionen meines Arbeitgebers gegenüber dem ÖPNV. Aber heute habe ich auf die eh schon besch***ene Kombi Früh, Dunkel, Rush Hour noch das Sahnehäubchen „1. Schnee“ draufgesetzt. Im Ergebnis kroch ich die erste Hälfte mit 60 km/h auf der E6 herum, weil die Wetterverhältnisse echt nicht mehr hergaben und die 2. Hälfte kroch ich im Stau herum, aber ohne „Stauassistenten“ im i3, weil das Wetter zu schlecht war. Und, habe ich schon mal erwähnt, dass die Norweger*Innen mit ihren gefühlt 3 km 3-Spuriger Autobahn überhaupt nicht zurecht kommen und fahren, wie sie wollen, links überholend, rechts überholend, links rumkriechend, rechts drängelnd, hu hei und das alles in der Dämmerung und im Schneetreiben. KOM-PLETT zum Abgewöhnen.

Ehrlich, erinnern Sie mich dran: da geht meine Grenze. Mal als Ausnahme, ok. Regelmäßig, nein. AUF GAR KEINEN FALL.

Danach Inspektion, danach Rückfahrt. 350 Kronen fürs Parken gelatzt (wer hat denn da schon wieder Lack gesoffen?). Aus unerfindlichen Gründen ging das Laden an der Ladestation nicht und jetzt lade ich eben zu Hause und sehe das Geld nie wieder.

Danach weiter arbeiten.

Kein Sport. 90 Tage in Folge habe ich alle meine Aktivitätsziele erreicht, heute nicht. Genug getan. Ende, aus.

Tag 1912 – Nicht wirklich weniger müde.

Wirklich einfach platt wie ein Brötchen. Aber mit Bloc Party-Ohrwurm.

Manchmal vermisse ich es, 22 und relativ sorglos zu sein. Sehr.

Wenn ich jetzt auf nem Mittwoch Abend in die Disco gehen und bis 3 Uhr feiern würde, wäre ich vermutlich anschließend drei Tage lang im Eimer.

Ich finde Inspektionen rund um Oslo langsam echt doof. Dann lieber irgendwo anders sein und im Hotel übernachten, aber nicht noch täglich stundenlang Auto fahren. Abgesehen von der Gelegenheit, sehr laut Musik zu hören, finde ich am Konzept „mit dem Auto zur Arbeit“ bisher nichts ansprechend.

Tag 1910 – Uffzi.

Wie ich immer wieder vergesse, dass Inspektionen ganz schön anstrengend sind. Jøss, wie man auf Norwegisch sagt. Dabei natürlich auch spannend, keine Frage, und ich lerne wieder ganz viel und bin gleichzeitig ein bisschen in meinem Element, was das Produkt angeht, auf das ich mich fokussiere.

Aber abends ist dann eben nicht mehr so viel los mit mir. Essen, Bett. Dem verschnupften Meerschwein seine Dosis Antibiotikum verabreicht und geduscht habe ich auch noch, aber jetzt fallen meine Augen auch schon fast zu.

Seltsamstes Kompliment: ich sähe gar nicht aus wie eine Inspektørin. Wegen der Haarfarbe, die sei „stilig“. Vielleicht muss ich doch endlich mal so einen Inspektørausweis bekommen.

Bester Tipp: Regenjacke mitnehmen wegen langem Weg auf dem Gelände. Danke, Kollegin! Es hat nämlich den ganzen Tag geregnet und wird das wohl den Rest der Woche weiter tun.

Schnellste Gesundung: Pippi. Wegen gestern war sie heute noch zu Hause, aber topfit ohne Halsschmerzen. Morgen geht sie wieder in den Kindergarten.

Tag 1906 – Gar nicht müde (leider).

Familie Eule meldet sich wieder zum Dienst. Heute immerhin produktiver. Memo an mich: normalen Alltag simulieren durch Schminken steigert das Wohlbefinden und damit auch die Produktivität bei der Arbeit ungemein. Auch im Homeoffice. Nicht rumschlunzen, das ist nicht gut.

In einem Monat habe ich die erste Inspektion seit März mit Übernachtung in einem Hotel. Abgefahren! Wir haben deshalb heute das Hotel gebucht, und eine Verkettung unglücklicher Umstände führte am Ende dazu, dass ich versehentlich ein Zimmer in einem Hotel buchte, gegen das wir uns eigentlich schon entschieden hatten. Geschickt von dem Hotel, die Seite so seltsam zu gestalten, dass man sich kaum darauf zurecht findet, und dann sofort eine Buchungsbestätigung zu verschicken, wenn man seine E-Mail-Adresse irgendwo eingetragen hat, z.B. um zu erfahren, wie denn so die Zahlungsmodalitäten sind.

Jetzt müssen wir nur noch hoffen, dass die Inspektion auch stattfindet und nicht aus irgendwelchen Gründen verschoben werden muss. Das Hotel sieht nämlich schon ganz schick aus! Wer weiß, vielleicht ein Glückstreffer?

Pippi mag kein Apfelmus. Ich glaube, sie wurde bei der Geburt vertauscht. Ich hätte am liebsten meinen ganzen Kopf in den Topf gesteckt, wie Pu der Bär. Herr Rabe sagte, das müssen meine westfälischen Gene sein. Aber Kartoffelpuffer mit Apfelmus sind doch einfach eine grandiose Kombination, wie kann man das denn nicht mögen??? Immerhin fand sie Kartoffelpuffer an sich gut, und mit Räucherlachs noch besser. Vielleicht doch wenigstens verwandt. (Michel hatte bei seinem Freund E. schon Pizza gegessen.)

Ein Abend in der Twitterkneipe, heute besonders tröstlich. Hach, hach! <345