Tag 646 – Der moderne Neandertaler.

Seit längerem nagt etwas an mir. Ich mache zu wenig Sport. Ich bin unfit, das stört mich am meisten und meine komplette Körpermitte ist… weich. Das gefällt mir so nicht. Das soll wieder fest sein und ich möchte auch bitte nicht mehr schnaufend im vierten OG ankommen, wenn der Fahrstuhl mal wieder vom Roboter belegt ist. Nun ja, man weiß, aus dieser Situation gibt es drei potentielle Auswege:

  1. Mehr Sport
  2. Weniger oder anders essen
  3. Akzeptieren, dass der Körper nicht mehr 20 ist (der Geist natürlich schon! Nur müder.)

Das Zweite kommt gar nicht in die Tüte. Ich esse gerne und noch viel lieber gut und Hunger ist für mich das absolut am schwersten zu ertragende Gefühl überhaupt. Diät wäre gar nicht mein Fall, egal welche. Ernährungsumstellung hin zu, keine Ahnung, low carb, low fat, Mediterranean blabla, wäre schon eher möglich, aber, haha, doch nicht mit kleinen Kindern. Oder ich koche demnächst immer zwei Mahlzeiten: eine für mich und eine für den Rest der Familie. Haaaahahaha. Nein. Also der Punkt ist für die nächsten 6-13 Jahre (je nachdem, wann hier welches Kind kochen lernt) raus. Bleibt ein Balanceakt zwischen 1. und 3. Und da kippte der Zeiger eben immer mehr zum Sport, bis meine Kollegin mir am Dienstag erzählte, sie habe vor Dienstags und Donnerstags zum Sport zu gehen, da sei Sport für Angestellte auf dem Hauptcampus. Das steht uns ja eh zu, zumindest einmal die Woche jedenfalls. Bisher ging ich zum Yoga, aber, wie soll ich sagen: morgens um acht in irgendeinem Raum auflaufen und nicht total abgehetzt sein, das klappt höchstens einmal im Monat. Deshalb erschien mir Sport am anderen Ende des Arbeitstages irgendwie praktikabler und ich sagte meiner Kollegin, dass ich heute gerne mitkäme. Und startete den Tag damit, hektisch meinen Sport-BH zu suchen*.

Meine Kollegin hatte keine Sportsachen dabei, weil sie vor Muskelkater von Dienstag kaum laufen konnte. Ich ging also allein. (Memo to self: nächstes Mal ein Vorhängeschloss mitnehmen. Und ne Wasserflasche.)

Heute war „Krafttraining“, da denke ich ja immer an Bankdrücken, aber schon in der Beschreibung hatte es geheißen, man benutze sein Körpergewicht für das Training. Der Raum war recht gut gefüllt mit mittelalten (45), mitteljungen (28) und ein paar ziemlich alten (65) Universitätsangestellten. Der Frauenanteil überwog deutlich. Fitnessstufen waren allesamt vertreten, von der ziemlich alten, hardcore durchtrainierten Frau bis zum Mann mit 9. Monats-Wohlstandswampe (Ich verzichte hier für die Fallbeschreibung mal auf Sternchen und so, die wirkten alle sehr im Einklang mit ihrer Geschlechtsidentität.). Das Training an sich sah so aus: 5 Minuten Aufwärmen mit Aerobic, dann immer so Intervalldinger: 25 Sekunden irgendwas tun (Liegestützen, Planking, Bauchmuskelzeug), 10 Sekunden Pause und Stellungswechsel, dann wieder 25 Sekunden irgendwas tun (Kniebeugen, Burpees, Telemarkhopp), das ganze vier mal, dann neue Übung. Am Ende gab es das kürzeste Dehnprogramm ever und es wunderte mich danach auch nicht mehr, dass meine Kollegin so üblen Muskelkater bekommen hat. Ich dehnte jedenfalls noch ein bisschen extra, so viel Zeit muss sein. Soweit ich das beurteilen kann, ist das Trainingsprogramm so aufgebaut, dass sich alle verausgaben können, die wollen. Es gibt genug „Extras“ für die besonders fitten und genug „Schonendes“ für Leute mit Zipperlein oder einfach keinem so hohen Trainingsanspruch an sich selbst. (Eigentlich war es ziemlich genau wie der Muttisport**, nur mit einer anderen Zielgruppe und ohne Babys und nicht in rosa. Und ohne Singen!) Ich verausgabte mich vorsichtig (hier Smiley mit Sonnenbrille denken) und beobachtete die Menschen um mich rum. 

Nun ist es ja so, dass ich seit der Schule seit der späten Uni-Zeit mit latenter Fitnesssucht nur noch tanzender und Yoga machender Weise unterwegs war. Yoga ist kein Wettbewerb (Naja… meistens nicht. Da fällt mir immer das Lied Wettentspannen von Peter Licht ein.) und beim Tanzen soll ja alles federleicht und einfach gaaaar nicht anstrengend wirken. Außerhalb des von mir gewohnten Kontexts war ich deshalb echt überrascht vom Trainingsverhalten erwachsener Männer. Vor allem im Kontrast zu den Frauen. Achtzehn von Achtzehn Frauen (ja, ich hab nachgezählt) schienen mittelmäßig angestrengt. Keine wirkte wirklich kaputt, obwohl viele das volle Programm ohne zu Murren durchgezogen hatten. Gegen Ende entwich manchen ein „Puh.“ und man konnte verstohlenes Handtuchtupfen und vermehrtes Trinkflascheansetzen beobachten.

Fünf von sechs Männern führten sich auf, als müssten sie grade mit bloßen Händen einen Bären erwürgen. Und zwar von Anfang an. Da wurde lautstark geächzt, gestöhnt, geflucht. Das Gesicht Todeskampfgleich verzerrt. Dem Kumpel in den Pausen zwischen den Übungen anerkennend-mitfühlend auf die Schulter geklopft, während der Kumpel vornübergebeugt, die Hände auf den Knien abgestützt den Kopf hängen lasst und „Gläääärchchchch“-machend die Lefzen hochzieht. Es war faszinierend. Wie im Discovery Channel! „Hier ein männliches Exemplar der Gattung Mensch. Um die Jagd nach Beute und die Flucht vor Feinden zu simulieren, trainiert er im Spiel mit seinen Artgenossen seine Ausdauer und Kraft. Erkennbar ist dieses Verhalten an den neonfarbenen Fußkleidern, die extra zu diesem Zweck angelegt werden. Das Ausstoßen gutturaler Grunzlaute während des Spiels ist ein nicht unerheblicher Bestandteil der sozialen Interaktion.“

Ich habe für die Diskrepanzen zwischen dem männlichen und dem weiblichen Trainingsanstrengungskommmunikationsverhalten folgende Erklärungsansätze:

  • Die Männer haben sich einfach echt viel viel mehr angestrengt.
  • Die Frauen waren alle viel fitter als die Männer.
  • Frauen fallen die Übungen leichter.
  • Frauen untertreiben sehr stark wenn sie angestrengt sind und lassen sich nichts anmerken.
  • Männer übertreiben sehr stark wenn sie angestrengt sind um Weibchen anzulocken und konkurrierende Männchen mit ihrem Imponiergehabe zu verscheuchen.

Ich werde das in der nächsten Zeit etwas beobachten. Ganz neutral, versteht sich.

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*war in der Schublade mit den Sportsachen. Überraschung.

** Meine Güte, war Pippi da noch klein! Keine sechs Wochen!

Tag 576 – Wheeeeee und oh. 

Heute hier was unterhaltsames und was trauriges. Das Traurige zuerst.

Letzte Woche bekamen wir eine Mail vom Kindergarten, in der für heute ein „außerordentlicher Elternabend“ anberaumt wurde. Es solle um den Mietvertrag und die nächsten Schritte gehen. Tja und leider klingt das fast so bescheiden wie es ist: der Mietvertrag des Kindergartens läuft am 1.7.2018 aus und wird nicht verlängert werden. Die Schule braucht nämlich wegen der vielen neuen Wohnungsbauprojekte in unserer Gegend die drei verwinkelten Räumchen selbst. Angeblich. Die Kommune möchte aber auch die Form des Kindergartens (eine altersübergreifende Gruppe) aus ökonomischen Gründen nicht weiter unterstützen und ist deshalb keine Hilfe bei der Suche nach neuen Räumlichkeiten. Dass das alles total hirnrissig ist, in einem schnell wachsenden Stadtteil mit vielen Familien KiTas nicht nur nicht auszubauen sondern sogar noch zu schließen, scheint auch weder bei der Kommune noch bei den Bauträgern irgendwem aufzufallen. Damit bleibt dem Kindergarten die (aussichtslos erscheinende) Suche nach neuen Räumlichkeiten in der Nähe, oder vielleicht auch nicht ganz so in der Nähe, oder am anderen Ende der Stadt. Oder sie lassen sich von einem größeren Träger übernehmen, müssten dann aber vermutlich das Konzept aufgeben. Und obwohl das uns nicht mehr betreffen wird (Michel eh nicht, der kommt im August 2018 in die Schule), weil wir höchstwahrscheinlich dann nicht mehr hier wohnen werden, war die ganze Situation so traurig, dass ich am Ende mindestens so viel Pipi in den Augen hatte, wie die Leiterin der KiTa. Die hatte schon den Redepart dem „Busfahrer“ (der arbeitet Teilzeit da als Pädagoge mit Busführerschein und fährt eben den KiTa-Bus wenn die Kinder Ausflüge machen: mindestens Mittwochs, manchmal auch Montags und/oder Freitags) überlassen und saß die meiste Zeit nur wie ein Häufchen Elend auf dem Stuhl. Am Ende rang sie sich zu einem „das ordnet sich bestimmt“ durch, aber, ach. Ich glaube, sie weiß ziemlich genau, dass das mindestens schwer wird oder Lottogewinn-Level Glück braucht. Sehr traurig eben, das ganze. Es ist ein toller Kindergarten. So. 

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Zur Aufmunterung: ich war am Dienstag Abend Ski fahren. Ja, wirklich. Ich. Ski. Das kam so:

Ich fragte am Montag meine Kollegin L., deren jüngere Tochter etwas älter ist als Michel, ob sie zufällig Ski in Michels Größe hätten, weil der Kindergarten am Mittwoch einen Skiausflug machen wollte. Hatte sie und brachte sie am Dienstag mit. Wir plauderten ein bisschen darüber* und sie fragte mich, wieso wir denn Michel nicht selbst Skifahren beigebracht hätten. Ich sagte, dass wir nicht Skifahren können. Zumindest ich nicht, Herr Rabe fast nicht, aber ich, so erzählte ich auch ihr wahrheitsgemäß, habe mich bei meinem bisher einzigen Versuch mit Langlaufskiern so dermaßen an einem vereisten Hügel auf die Fresse (leider wörtlich, ich bin aufs Gesicht gefallen und wegen der lächerlich langen Stöcker konnte ich mich leider auch fast gar nicht abfangen) gelegt, dass mir die Luft wegblieb und ich kurz dachte, ich hätte mir mindestens alle Knochen gebrochen oder schlimmeres und daraufhin habe ich dem norwegischen Volkssport Langlauf für immer abgeschworen. Und sie, was macht sie? Fragt „Hast du Lust, heute Abend mitzukommen? Ich will eh Ski fahren, ich bin die schlechteste norwegische Skifahrerin, du kannst Ski von mir leihen, die sind ganz langsam und ich brings dir bei.“ Und ich sagte zu. Schlafmangel macht mich unzurechnungsfähig, sage ich Ihnen! 

Abends machte ich mich, als alle im Bett waren, auf den Weg. Die Loipen sind hier beleuchtet, ist also egal, wann man losgeht. Ich holte L. von zu Hause ab, das war alles recht chaotisch wegen WosindnochmaldieStöckerOhichmussjaWachsmitnehmenVerdammtwoistderAutoschlüssel, aber irgendwann waren wir dann doch unterwegs zum Nissebyen. L. wachste noch grad ihre Skier (es war -8 Grad und das Wach was drauf war war -2 – 4 Grad oder so.), ich schaute den ganz leichten Polarlichtern zu und dann machten wir los. 

Die Loipe war extrem gut gepflegt und wegen der späten Uhrzeit auch kaum Leute unterwegs. Soviel zum positiven. 

Viel zu lange Ski, für meinen Geschmack.

Puh. Langlauf ist sehr anstrengend, soviel vorweg. Und auch eine angeblich super schlechte Skifahrerin aus Stavanger ist erstaunlich flott unterwegs. 

Den ersten Kilometer oder so ging es flach voran, ich übte also geradeaus fahren. Peinlicher Weise scheiterte ich erstmal an der Arm-Bein-Koordination. Man sollte meinen, eine Tänzerin kann das. Hahaha. Nein. 

Dann kam ein Hügel. Ein langer. Relativ flach zwar, aber für mich mit meinen negativen Erfahrungen sehr angsteinflößend. L. zeigte mir, wie man bremst. Und wie man fällt, wenn man fällt. Wie man vermeidet, zu fallen. Ich tat wir mir geheißen und fiel nach etwa 30 Metern ziemlich Sackmäßig auf meinen Po. Die Knie in einem mörderisch unbequemen Winkel und völlig unfähig, aus der Position wieder aufzustehen. Aber laaaaaaaaaange nicht so schlimm wie beim ersten Mal. L. zeigte mir, wie ich über die Seite aufstehen muss (einfacher gesagt als getan mit 1,80 m langen Dingern an den Füßen) und ich hievte mich elegant wie eine Seekuh zurück in den Stand. Dann fuhr ich in Zeitlupe den restlichen Berg herunter. 

Leider kam nach dem Bergab direkt ein Bergauf. L. zeigte mir also, wie man den Berg heraufklettert. Das sieht im Fernsehen immer so einfach aus und auch L. schien sich nicht allzu sehr anstrengen zu müssen. Ich, naja, ich wahr, als ich endlich oben war, komplett durchgeschwitzt, aus der Puste und meine Knie taten weh vom Kippen der Skier. Und schon ging es wieder bergab. Diesmal fiel ich schon viel eleganter auf die Seite. Beim dritten Mal fiel ich gar nicht mehr. Beim vierten Hügel aufwärts hatte ich den Dreh mit der Gewichtsverlagerung raus und kam nicht mehr total fertig oben an. Geradeaus war zwar mit den stumpfen Skiern wirklich anstrengend, ging aber irgendwann auch. Und am Ende schaffte ich den steilen Hügel bergab mit Linkskurve ohne Hinfallen und hatte fast sowas wie Spaß. Fast. 

Gestern ging es mir übrigens überraschend gut. Nur im Po und im Nackenbereich hatte ich Muskelkater. Heute hingegen möchte ich am liebsten sterben. Po, der ganze Rücken, die Oberschenkel, die Trizepse (halleluja, die Trizepse!), alles ist Muskelverkatert. Aua. 

Aber insgesamt war’s schön. Mit L. etwas unternehmen, hat Spaß gemacht und das Meisterungsgefühl war am Ende einfach gigantisch. Vielleicht machen wir das ja nochmal…

Tag 549 – Tango!

Wegen der fiesen Blasen an meinen Fersen bin ich heute nicht richtig Spazieren gegangen, sondern zu einem See gefahren. Ich wollte aufs Wasser gucken. Haha. Nachdem seit über einer Woche deutliche Minusgrade herrschen. Hahahahahaha. (Manchmal denke ich nicht für fünf Cent nach.)

Wasser, Aggregatzustand: anders als erwartet.


Nun gut. Ich guckte also ein bisschen auf Schnee und dann packte ich mein Buch aus und las. Wenn man nämlich gegen die Sonne auf Schnee guckt, sieht man ziemlich schnell nichts mehr. So war es dann doch ganz schön, in der Sonne, lesend. Ich ging auch einmal auf den See raus, aber dann wegen „Ohgottogott, gefährlich, schlimm, niemand da, wenn ich einbreche bin ich SOFORT TOT!“ ganz schnell wieder zurück. Ja, da bin ich ein Schisser sondergleichen. 

Worüber ich auch nicht nachgedacht hatte: der Rand meiner Ballettschuhe sitzt ganz genau auf den Blasen. Ich sage es mal so: nach zwei Monaten nix wieder Ballett machen war eh schon ne Herausforderung und, ja, auch ne kleine Überwindung. Und dann diese Schuhe… und läääääächeln! Aua. Das war echt schwer. Miese Sache, so Blasen. Aber gelohnt hat es sich trotzdem. Nicht nur die körperliche Betätigung an sich, so nen Körper mal wieder komplett spüren hat schon was. Ich mag auch die Musikauswahl, ein Stück (zu dem wir Grande Battements machten) hatte ich mal in einer Musik-Klausur und mir fällt uns Verrecken der Komponist nicht ein. Vielleicht aus ‚Bilder einer Ausstellung‘ von Mussorgsky. Auf jeden Fall Romantik. Vor allem ist aber das neue Choreografie-Stück eins meiner liebsten Tanzmusikstücke überhaupt. Nämlich dieses hier.  Hier kann man das nicht so gut hören, aber dafür tanzen da Menschen schön. Hachja. Also jetzt Tango. Große, starke Gesten. Mag! (Und, vielleicht können Sie es sich schon denken: ich kann das auch um Längen besser als den Zuckerfeegiselleschwan.)

Tag 385 – Namaste!

Hurra! Endlich wieder Yoga! Hurra!

Morgens um acht kann ich mir zwar eigentlich schöneres vorstellen, als Sport zu machen, nachdem ich wie eine gesengte Sau zur Arbeit geradelt bin, damit ich auch ja pünktlich bin. Um dann im völlig überfüllten, fensterlosen Kellerraum (ich war pünktlich!) über ca. fünfzehn Frauen drübersteigen zu müssen und den letzten freien Platz für meine Yogamatte zu kriegen: ganz vorne, direkt neben der Lehrerin. Wunderbar, ne Showtreppe hat so einen ganz ähnlichen Effekt.

Aber egal, ich schweife ab. Also Yoga. Das mache ich schon seit ich mit Michel schwanger war, damals war das so ein Krankenkassen-Bonusheft-Ding und ich sehr skeptisch, und als wir das erste Mal „Oooohhhhhhhmmmmmm!“ singen sollten, kriegte ich fast einen Lachkrampf, aber mir gefiel die Kombi aus Kraft- und Stretchtraining echt gut. Und nach ner Weile mochte ich auch das Meditative und das Ommm und den ganzen Kram mit der Atmung (wobei ich es immer noch schlimm finde, wenn ich andere so herumschnaufen höre), dass alle Übungen so ihren eigenen Rhythmus bekommen indem man beim Einatmen dies und beim Ausatmen das tut, doch, das ist sehr angenehm. 

Bei der von der Arbeit organisierten Yoga-Klasse liegt der Fokus noch mal mehr auf dem geistigen Aspekt um es mal neutral auszudrücken. Die Frau die das macht ist sehr sehr… achtsam (ahhhh, ich hasse das Wort, das erzeugt bei mir instantan Aggressionen) und sagt dann auch so Dinge wie „achte auf deinen Körper, was er tut, wie er sich anfühlt und nimm es an… lass die Emotionen dazu im Körper… Mach keine große Sache draus… Don’t judge… Lass es einfach wieder ziehen… Das nächste Mal, wenn du mit deinem Partner streitest, versuch mal, keine große Sache draus zu machen, anzunehmen, aber nicht zu bewerten…“ Ja, also das nehme ich dann so an und dann lasse ich es auch direkt durch mein anderes Ohr wieder herausziehen, damit ich mich nicht aufrege, aber ansonsten finde ich Yoga einfach immer noch wunderbar. 

Was ich aber wohl nie mehr lerne, ist, es nach längeren Pausen langsam angehen zu lassen. Und mehr als ein Jahr ist eine lange Pause. Aber ich kanns einfach nicht lassen und ich mag auch einfach gerne den Dehnungsschmerz und so ein Rückentwist ist ja erst richtig schön am absoluten Maximum der Drehbarkeit der Rückenwirbel und wenn sämtliche Bauchorgane gegeneinander gedrückt werden. Dazu kommt noch, dass ich so gewisse Ansprüche an mich selbst hab und wenn ich eben schon weiß, dass man beim Aufstehen von der Bauchlage in den nach unten schauenden Hund mit dem Po zuerst und möglichst geradem Rücken hochkommen soll, tja, das ist dann so drin, das wird dann so gemacht. Jetzt hab ich eben Muskelkater in Brust- Oberarm- Schulter- und Pomuskulatur und das wird mir morgen, wenn es auch endlich wieder mit dem Ballett losgeht, sehr leidtun. Und dann werde ich es da genauso machen. 

Namaste!

Tag 308 – Was wurde eigentlich aus…?

Stoffwindeln?
Tja, hmm, sagen wir mal so: Pippis Po hat entschieden, dass er Stoffwindeln nicht gut findet. Es gehen nur die FuzziBunz (Microfaserfleece innen, die alles was nass ist zum Saugkern ableitet), (nasse) Baumwolle direkt auf der Haut geht überhaupt nicht, die FuzziBunz halten aber keine 3 Stunden dicht, also für nachts sind die definitiv nichts. Nun ja, mir geht die Gesundheit der Haut meines Kindes vor einer gefühlten Weltrettung, also probieren wir nicht weiter rum sondern es gibt eben nachts und unterwegs und wenn wir mal wieder zu faul zum Wäsche zusammenlegen waren Wegwerfwindeln.

… dem E-Rad?
Ist unterwegs, auf einem LKW. Gestern bekam ich einen Anruf vom Zoll in Oslo, heute eine Email mit der Rechnung für Umsatzsteuer und Zollgebühr (wie erwartet). Das habe ich dann überwiesen, dann vergessen, denen den Überweisungsbeleg zu schicken, das aber heute Abend nachgeholt. Es sollte also bald weiterfahren, mein Fahrrad. 

… der Haut?
Ich teste fleißig neue Produkte, im Moment die Paulas Choice „Clear“-Serie (normal stark). Wenn das alle ist (soll etwa zwei Wochen reichen, ich glaube es wird deutlich länger reichen, scheinbar bin ich sparsam. Dabei lässt mein innerer Monk mich immer sehr genau mit der Abschätzung von ca. 1 mL pro Portion sein. Vielleicht ist 1 mL doch mehr, als ich bisher glaubte (und aus meiner Pipette kommt).) habe ich noch die „Resist“-Serie zum Testen da (normale bis ölige Haut). Bisher bin ich von der Clear-Serie nicht so ganz überzeugt, aber ich brauche die Tester auf jeden Fall auf, bevor ich mich entscheide.

Babyfüßen?
Voll supi. Machen Sie Babyfüße! Es schuppte und futzelte und machte und tat zwar geschlagene zwei Wochen, aber das Ergebnis spricht echt für sich. Hornhaut ist zwar noch da, also mit Pippis Füßen kann ich nicht mithalten, aber mit Michels durchaus. Und ein bisschen Hornhaut unter den Füßen hat ja durchaus auch einen Sinn. Rissige, trockene Hornhaut braucht aber kein Mensch und die ist jetzt komplett weg. Jetzt versuche ich immer nach dem Duschen eine gute Portion Handcreme auf die Füße zu machen, um den Status längstmöglich zu erhalten.

Laufen und anderem Sport?
Ja, also Laufen ist nach wie vor nicht mein Ding. Obwohl die Schuhe echt unglaublich bequem sind. Bei anderem Sport war ich in den letzten Monaten sehr faul. Leider weiß ich mir aber auch keinen Ausweg, außer einer Wieder-Anmeldung beim rosa Fitnessstudio und dann da zu den Abend-trainings gehen. Ich würde auch gerne ab Sommer wieder Ballett machen, aber das ist außerhalb der Uni sehr sehr teuer und in der Uni gefiel mir der starke Fokus auf die Vorführung nicht. Kurz: ich weiß es nicht. Muss aber was machen, sonst roste ich ein.

Migräne?
Ich werde nicht schreiben, dass ich seit Ewigkeiten keine Triptane nehmen musste. Ich werde nicht schreiben, dass ich seit Ewigkeiten keine Triptane nehmen musste. Ich werde nicht schreiben, dass ich seit Ewigkeiten keine Triptane nehmen musste. Ich werde nicht schreiben, dass ich seit Ewigkeiten keine Triptane nehmen musste. Ich werde nicht…

Pippis Bett?
Haha. Pippi schläft weiterhin in unserem Bett. Michel meist auch etwa die Hälfte der Nacht. Das Babybett wird verschmäht, obwohl es direkt an unserem steht. Es ist sehr eng bei uns nachts. Vielleicht probieren wir es noch mal mit einem eigenen Bett, das eben nicht direkt an unserem steht, sobald sie halbwegs durchschläft. Wovon wir im Moment noch weit entfernt sind. Ich bemühe mich aber, das nächtliche Stillen und vor allem das Nuckeln ohne Stillen stark einzuschränken und hoffe, mir langfristig eine siebenstündige Stillpause schaffen zu können. Da Pippi aber ja noch nicht mal ein Jahr alt ist, will ich sie nicht einfach abrupt entwöhnen, sondern mache das so sanft wie möglich. Wir sind jetzt bei nur noch einem kurzen Meckerer, wenn ich sie nach kurzem Genuckel (ohne Trinken) wieder abdocke. Gefühlt schläft sie dann auch besser, wenn sie ohne Brust im Mund einschläft und das dann beim Aufwachen ja auch so ist.

Michels Bett?
Gute Frage. Wir haben Entscheidungsschwierigkeiten, wie eigentlich immer. Kaufen wir lieber ein Modulbett, zu dem es neue „Teile“ auch in ein paar Jahren noch geben wird, das man dann zum Beispiel zum Etagenbett umbauen kann, oder zum Hochbett, oder zu zwei einzelnen Betten? Man könnte da sogar ein Spezialmaß bekommen, vielleicht passt ja doch was zu der runden Ecke? Aber das kostet natürlich, leider auch nicht zu knapp. Oder kaufen wir lieber zwei IKEA-Betten, und machen so fancy-schmancy „einfach mal“ ein Etagenbett draus, das Internet ist ja voll von Beispielen? Aber das braucht dann Zeit und Hingabe und hahaha, haben wir ja beides grade nicht. Und dann ist das auch wieder nicht mehr ganz so billig, mit extra Material und so. Es gibt sogar eine Excel-Tabelle mit allen möglichen Kombinationen und Preisen dazu und Pro und Contra. Hilft trotzdem nicht. Sie sehen: es ist schwierig. 

Pippis Schielen?
Pippi schielt nicht. So wurde es Herrn Rabe beim Augenarzt bestätigt. Wahrscheinlich ist sie aber auf einem Auge kurzsichtig. Wie soll ich sagen: es würde mich nicht wundern. Sorry, Pippi, für die Gene. Nächste Kontrolle ist in ein paar Monaten, bis dahin müssen wir ihr beigebracht haben, auf die Katze zu zeigen, das konnte sie nämlich beim Sehtest nicht, weil sie halt einfach noch nicht zeigen kann, egal ob Katze oder Hund.

Baby Led Weaning?
Super gut, kann ich nur empfehlen, man sollte sich aber vor Dreck und Sauerei beim Essen und danach jedes Mal über Kind, Tisch, Stuhl und Boden wischen müssen nicht scheuen. Dafür kenne ich kein anderes Kind in dem Alter, das so klar machen kann, was sie will und das derartige Mengen an ganz normalem Essen isst. Wir achten eigentlich nur noch darauf, dass es nicht zu heiß ist und dass sie es irgendwie klein kriegt (erstaunlich, was zwei halbe und zwei viertel Zähne da ausrichten!), den Rest macht sie selbst. Und beim Trinken müssen wir noch helfen.

… Stillen?
Machen wir trotzdem noch. Hauptsächlich nachmittags und abends. Sie hat aber nach dem Stillen schnell wieder Hunger und will was anderes.

… den Wartepflanzen?

Leicht übergriffige Minigurke. (Foto von 22 Uhr.)

Wachsen und gedeihen. Seit heute auch die Minigurken und die extrem schnell gewachsenen Zuckererbsen draußen (nachdem die Minigurke schon seit ein paar Tagen versuchte, das kleine Sukkulentenbäumchen auf der Fensterbank mit ihren Festhalteschnurpseln zu erwürgen).


Hab ich noch was vergessen? Fragen Sie mich ruhig, wenn Sie noch lose Fäden irgendwo aufgesammelt haben!

 

Tag 192 – Adieu, rosa Fitnessstudio

Die Tage des Muttisports sind gezählt (für mich). Aus mehreren Gründen. Erstens bin ich quasi austrainiert (Muhahaha), nein, im Ernst jetzt, ich habe schon länger nicht den Eindruck, als hätte das Training irgendeinen Trainingseffekt, weder komme ich großartig aus der Puste noch werden meine Muskeln müde. Heute wurde ich dann auch noch einer Partnerin zugeteilt, die ich da auch schon oft gesehen habe, also auch keine „Neue“, die hätte ich wahrscheinlich einfach umpusten können oder einhändig wegtragen. Und nach den Übungen war die komplett fertig und ich eben mal so gar nicht. 

Zweitens war da heute eine neue Trainerin, ich nehme mal an, die hat selbst keine Kinder, jedenfalls hatte die für 20 Babies ganze fünf Matten ausgelegt, da sollten alle Babies friedlich liegen. Die Babies, allen voran Pippi, hielten sich natürlich nicht daran, Pippi mähte die kleineren und/oder immobileren Babies einfach um und grabschte einem vielleicht 8 Wochen alten Säugling unsanft ins Gesicht, weil der unter einem Spieltrapez liegen durfte.  Um solche Übergriffigkeiten zu verhindern, setzte ich sie deshalb ins Laufgitter, das fand sie aber ziemlich blöd und ich auch, sie sah darin ein bisschen aus wie ein Löwe im Käfig und deshalb nahm ich sie auch da nach ein paar Minuten wieder raus und setzte sie einfach vor mir auf den Boden. Da krabbelte sie dann herum und ich hatte gut zu tun, sie davon abzuhalten, Fitnessequipment anzulutschen. Ich bin ja echt entspannt, was vieles angeht, aber  diese Therabänder und Gymnastikmatten und so, die werden selten saubergemacht und da springen täglich Menschen mit ihren nackten Füßen drauf rum. Bah. Genauso die Spielzeugkiste. Ich nehm immer eigenes Spielzeug mit. Ist wahrscheinlich ne Berufskrankheit. So ein klebrig-schweißiges Theraband oder ein ordentlich durchgelutschter Oball ist doch der ideale Nährboden für Keime aller Gruselstufen. Aber da Pippi jetzt ja ziemlich fix unterwegs ist, wird das deshalb zunehmend unentspannt mit dem Sport. 

Und drittens bin ich ja eh im April weg und ab Mai arbeite ich dann wieder. Bleibt noch der März, in der Woche vor Ostern (also der mit Gründonnerstag und Karfreitag) ist Norwegen aber eh geschlossen, also bleibt der halbe März. Und da hab ich noch Geburtstag und Besuch. Vielleicht sollte ich mir schon mal so YouTube-Fitness-Übungen suchen, weil eigentlich isses  schon ganz geil, so rundum trainiert zu sein, man (also ich) hat dann viel weniger Rücken und auch, aber das kann auch drölfzig andere Gründe haben, weniger Migräne. Und für weniger Migräne würde ich fast alles tun. Sogar zu Hause (womöglich noch im Beisein von Herrn Rabe) alberne Fitnessübungen machen. 

Tag 167 – Schnauf, schnauf

Ich bin sehr geräuschempfindlich. Nich lärmempfindlich, Lärm geht klar, außer es ist zu viel unterschiedlicher Lärm (Kind labert, Radio dudelt, Baby haut mit irgendwas auf den Boden und das ganze während ich versuche, mit Herrn Rabe den Einkaufszettel abzustimmen), da setzt mein Gehirn aus. Nein, es sind spezielle Geräusche, die mich wahnsinnig machen. Essgeräusche zum Beispiel. Schmatzen und Schlürfen geht überhaupt gar nicht, aber glücklicherweise untersagen das ja auch die (europäischen) Tischmanieren. Was nicht ganz so Gesellschaftskompatibel ist, ist dass ich auch normale Kaugeräusche kaum ertragen kann. Fast hätte ich mal eine Klassenkameradin umgebracht, weil die in der Bio-LK-Abiklausur meinte, rohe Möhren essen zu müssen. Inzwischen hab ich das meistens einigermaßen im Griff und alle die mich gut kennen, wissen auch, dass man nicht unbedingt direkt neben meinem Ohr Tortillachips essen sollte. Als eh wütender Teenie war es aber zeitweise so schlimm, dass ich rasend vor Zorn (ja, die Essgeräusche anderer machen mich richtiggehend aggressiv) vom Familienesstisch aufgesprungen bin, mein Essen gepackt hab, irgendwas von „total ekelhaft, wie ihr alle ESST!!!“ gebrüllt hab und in meinem Zimmer fertig gegessen hab. Sie können sich vorstellen, dass meine Toleranz in einem Land, in dem tatsächlich sehr viel Knäckebrot gegessen wird, jeden Tag auf die Probe gestellt wird. 

Was allerdings relativ neu ist, ist meine Abneigung gegenüber Atemgeräuschen. Ich meine, klar, Schnarchen kann ich nicht gut ab, aber wer kann das schon. Herr Rabe schnarcht eh nur, wenn er erkältet ist, sonst schnauft er eher, oder eher: er atmet laut durch dem Mund mit sehr losen Lippen. Aber da weiß ich, wie ich das ändern kann und dann ist Ruhe. Blöd finde ich Orte des kollektiven Geschnaufes: Sauna und Yoga (und Geburtsvorbereitungskurse). Ich verstehe ja, dass Atemübungen total gut sind für die Entspannung und so, leider brauche ich zum Entspannen dann eine schallisolierte Kammer in der ich die ujjayi-Atmung der anderen nicht hören kann. Oder ich versuche, durch eigenes Geschnaufe das Atmen der Anderen zu übertönen. Unvergessen die Yoga-Stunde, in der der Yogalehrer sagte „wer jetzt so n bisschen Schnupfen hat, das kommt gleich wahrscheinlich raus, nicht wundern. Frau Rabe ist ja schwanger, die darf das leider nicht mitmachen.“. Ich wünschte mir damals sehr plötzlich einsetzende und vorübergehende Taubheit. Aber gut. Zum Yoga gehört das halt dazu. 

ABER NICHT ZUM BALLETT! Heute war endlich wieder Ballett und ein Mädel hat mir die ersten 15 Minuten echt gründlich durch übertriebenes Geschnaufe versaut. Schon während der ersten Übung – demi Plié *Fffffffff* – hab ich ca 17 mal – demi Plié *Ppfffffffttttttttt* – überlegt, ob ich diese Tussi – grande Plié *FFFFFFFFSSSSSSSSSS* – mit meinem Pulli strangulieren soll. Einzig und allein die Schwierigkeit der nachfolgenden Übungen und mein Fokus darauf hat der das Leben gerettet. 

Und dann auch noch das hier, aber das war ne andere Trulla mit ihrer doofen Bling-Bling-Svarovskisteinchen-Armbanduhr. SOWAS NIMMT MAN ZUM SPORT AB, ALTER! Grrrrrr. 

  
Sonst war übrigens gut. Aber davon berichte ich morgen mehr, wenn ich mich abgeregt habe. Durch Atemübungen.

UPDATE: es hat einen Namen und ich bin nicht allein. Dafür ist mein Gehirn anormal: Misophonie