Tag 2201 – Luft raus.

Müde und schlapp hier. Es ist warm, sehr, und wir hatten jetzt drei Tage Besuch und so entspannt und schön der Besuch auch ist – mich schlaucht das, 24/7 von „fremden“ Menschen umgeben zu sein.

Morgen „muss“ ich auch relativ früh aufstehen, weil ich dringend Unkraut jäten muss, wirklich sehr dringend, und das ist nicht schön, wenn man das in der prallen Mittagssonne machen muss. Hier wird es ja den Tag über nur immer wärmer, wenn es denn warm ist, früh ist also die einzige Lösung.

(Jaha, ich strenge mich nicht doll an und heile so vor mich hin, aber mir geht es bis auf dieses furchtbare Jucken unter dem Pflaster wieder wirklich gut. Ob das Pflaster aber echt zwei Wochen dran bleiben kann, bezweifle ich inzwischen stark, es löst sich schon an den Kanten.)

Tag 2188 – Sommerferien in Zeiten von Corona.

Heute haben wir mit (Teilen) der Babysitterfamilie gegrillt, nachdem wir uns seit… ewig ja fast gar nicht gesehen haben und wenn, dann immer nur mit riesigem Abstand. Nun ist S. aber schon eine ganze Weile wegen ihrer Vorerkrankungen voll geimpft und das Wetter ist gut genug, um die ganze Zeit draußen zu sitzen und sogar – dank Wind – im Haus für Durchzug zu sorgen. Man muss ja auch mal aufs Klo.

Das war sehr schön, wir schnackten einfach ewig lang und holten ein bisschen auf, was in den letzten anderthalb Jahren einfach nicht ging.

Dabei wieder festgestellt, dass ich wirklich keine Lust mehr auf diese Dreckspandemie habe. Für mich und viele andere ist sie nicht vorbei, es läuft immer im Hinterkopf ne ganze Menge Coronakram mit und das nervt. So. Uff.

Etwas lustig war, S. und A. Schnelltests zum Selbstgebrauch zu erklären. Die kann man hier zwar für nichts offizielles gebrauchen, aber sie sind ein gutes Mittel zur Beruhigung bei unspezifischen, leichten Erkältungs- oder auch Heuschnupfensymptomen, die „allerhöchstwahrscheinlich nicht Corona sind, aber man weiß ja nie“. Schnelltests kommen hier überhaupt grad erst auf, seit kurzem kann man sie in einer Art Drogeriekette und wohl auch einer Baumarktkette für Profibedarf kaufen. Wenn man nen offiziellen Test braucht, kann man zu einer Privatklinik fahren, die dann genau so einen Schnelltest mit einem machen und dafür 120€ (!!!) kassieren. Mit dem Ergebnis kann man dann aber beispielsweise verreisen. Und dann werden ständig die Farben von allem geändert und man kommt nicht mehr problemlos zurück, aber das ist eine ganz andere Geschichte.

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Weiterhin haben wir Michel heute erklärt, wie wir uns das mit meiner Operation vorstellen, dass nämlich die Babysittertochter bei uns schlafen wird, damit sie da ist, wenn die Kinder aufwachen, bevor Herr Rabe wieder da ist. Davon war Michel ganz und gar nicht begeistert, nach einigem Getobe und Gemotze bekam ich aus ihm raus, dass er wohl schlimm fand, dass ein mal morgens Oma in unserem Bett lag statt uns. Das war, als Pippi geboren wurde, da war er also noch nicht mal drei Jahre alt und wir dachten eigentlich damals, dass das alles recht gut geklappt hätte – hoppla, Kind traumatisiert. Für die Operation einigten wir uns dann darauf, dass wir Bescheid sagen, wenn wir fahren und ihn dafür auch wecken, damit er Bescheid weiß. Damit konnte er sich anfreunden und nun hat er ja auch noch ein paar Tage Zeit, um das sacken zu lassen und auf seine Art zu planen. (Beim ins Bett bringen kam dann noch die Frage auf, wie wir das machen, wenn Herr Rabe mich aus dem Krankenhaus wieder abholt. Da haben wir noch gar nicht groß drüber nachgedacht, ich denke, Herr Rabe nimmt die Kinder einfach mit. Auch damit war Michel zufrieden.) Generell scheint seine Art der Vorbereitung, was ja auch Bewältigung von Ängsten* ist, auf „alles wissen“ hinauszulaufen, was ich gut verstehen kann, ich bin und war immer schon genau so. Vermutlich mochte er auch schon als Kleinkind keine Überraschungen und hat es einfach noch nicht so mitteilen können. Und wir dachten damals halt, wenn wir fahren, wenn er noch wach ist (ich hatte mich ja extra aufs Sofa gesetzt, um die wirklich ordentlich anziehenden Wehen zu veratmen, während Herr Rabe ihn ins Bett brachte), kommt er sicher nicht zur Ruhe und wenn er die Oma morgens erst suchen muss und das Bett ganz leer ist, wäre er sicher verwirrt. Tjanun, jetzt im Nachhinein können wir es auch nicht ändern.

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* das ist grad eh ein Thema, ganz alterstypisch passiert da bei ihm grad viel und jetzt glaubt er, seine kleine Schwester sei „tougher“ als er. Ich habe ihm dann erklärt, dass Pippi solche Ängste (vor Tod etc.) einfach noch nicht hat, weil sie noch zu klein ist und sich das erst später im Gehirn entwickelt, nicht weil sie tougher ist. Das fand er spannend und scheinbar auch einleuchtend und ich hoffe, damit konnte ich ihm einen Teil der Angst vor der Angst nehmen. Und ich muss jetzt vermutlich erst mal kindliche neurologische Entwicklung studieren, um Michel das alles erklären zu können.

Tag 2182 – Ausflug in die Großstadt.

Heute war noch einmal eine Vorbesprechung für die Chirurgie. Ich wurde über Risiken aufgeklärt, die ich eigentlich gar nicht so super dringend wissen wollte, mir wurde ein Haufen Fragen zu Medikamentenallergien etc. gestellt und ob ich herausnehmbaren Zahnersatz habe (nein, alles selbst gewachsen und alles fest, danke der Nachfrage). Es wurde erklärt, was danach passiert, welche Tabletten ich vorher noch nehmen soll, wie lange ich nicht baden darf, wie lange ich am besten ein Narbenpflaster tragen sollte und so weiter und so fort. Ich hoffe, die geben mir so Scheißegalmedizin, sonst werde ich leider ein nervöses Wrack sein, ich finde Vollnarkose so schrecklich gruselig. Und es darf ja keiner mit, ich muss da also irgendwie alleine durch. Befürchtend, für immer stumm und mit einem Rohr im Hals zum Atmen aufzuwachen, auch wenn das laut dem Chirurgen in diesem Krankenhaus noch nie vorgekommen ist und es auch Sicherheitsmaßnahmen gibt, die verhindern sollen, dass das passieren kann, „aber ich muss Ihnen das sagen“ ja toll, lalala, ich kann Sie gar nicht hören!

Um dem Tag noch was positives abzugewinnen, besuchte ich danach noch meine Freundin A., wir holten uns Eis und Kaffee und machten einen langsamen, wetter- und schwangerschaftskonformen (nicht ich!) Spaziergang mit Abstand und viel Schnacken. Das war wirklich sehr schön und wir vergaßen ein wenig die Zeit. Ich bin auch gar nicht so kaputt jetzt, Eins-zu-Eins funktioniert offenbar ganz ok.

In Oslo selbst nicht so arg, aber sonst überall ist Pandemie anscheinend vorbei, auch wenn jetzt gar nicht mehr behauptet wird, Delta würde hier nicht so schlimm. Delta wird kommen, sagt man jetzt, schon im Sommer, und kann im Spätsommer/Herbst auch eine 4. Welle verursachen, nämlich „unter 15-18-Jährigen“. Jüngere Kinder kriegen also weiter kein Corona, so ein Glück aber auch. Es gibt auch weiter keine Aerosole, langsam* wird das ein wenig** lächerlich. Wegen Delta wurde jetzt sogar die letzte Öffnungsstufe verschoben, allerdings ist gar nicht so mega viel übrig, was man noch öffnen kann, das ist also reine Symbolpolitik. Wahlkampf eben. Bloß keinem mehr so richtig an den Karren pissen auf den letzten Metern.

Fun fact: über… Wege erfuhr ich heute, dass unser Arbeitgeber wohl gesagt hat, auch wenn jetzt keine Homeofficepflicht mehr herrscht, sollten wir unnötige Reisen vermeiden und deshalb weiter nicht ins Büro kommen. Zur Arbeit kommen*** ist also per Definition unnötig, das ist ja gut zu wissen. (Meine Quelle stimmt dieser Deutung der Botschaft zu, ich bin da also nicht alleine.)

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* seit einiger Zeit ist es

** vollständig

*** tatsächlich, Spaß beiseite: ich werde genau das, genau diesen Satz, nutzen, um für ausgedehntes Post-Pandemisches Homeoffice zu argumentieren. Da kann man „oben“ noch so sehr „wünschen“****, dass wir „so viel wie möglich“ im Büro arbeiten. Unnötige Reisen tätigen widerstrebt mir, außerdem hab ich zwei recht kleine Kinder, pendle ne Stunde pro Weg und reise im normalen Berufsalltag schon rollenbedingt sehr viel mehr als die allermeisten im Werk. Ich hab, wie so viele, im Homeoffice eher mehr gearbeitet als im Büro, eben wegen des Pendelns. Mehr als zwei Tage die Woche sehe ich meine Anwesenheit im Büro nicht als notwendig an. Da spare ich mir diese unnötige Reise doch gerne.

**** wie ich immer gerne sage: jaja, und ich wünsch‘ mir ein Pony.

Tag 2146 – Hach! (Pizza.)

Erstmal: Michel geht es gut, der konnte heute sowohl Trampolin springen als auch im Wald rumklettern.

Unsere Freunde oben auf dem Berg (formerly known as Nähmutter und Familie, aber das erscheint mir nicht mehr richtig) hatten uns heute spontan zu Pizza eingeladen. Die haben nämlich einen holzbefeuerten Pizzaofen aus Italien auf der Terrasse, und reichlich Teig aus Sauerteig im Keller. Außerdem ist es ja endlich warm genug, dass man sich dauerhaft draußen aufhalten kann (in unmittelbarer Nähe des Pizzaofens war es dann ein bisschen sehr warm). Die Kinder sind ebenfalls in den gleichen Kohorten und verstehen sich gut, und so kam es, dass wir die Kinder eigentlich kaum zu Gesicht bekamen, außer, als das Essen fertig war. Michel und A. nähten zusammen kleine Täschchen und schnitzten dann auf dem Baumhaus sitzend irgendwelche Dinge, Pippi und I. bauten einen Parcours aus Wäscheständern und statteten den mit allem möglichen aus, und fuhren sehr viel Spielzeugtraktor und Kettcar. Wir Erwachsenen unterhielten uns einfach. Das war sehr schön. Die Pizza war auch sehr lecker, und ich möchte jetzt einen Holzfeuer-Pizzaofen draußen. Alternativ müssen wir uns da öfter zu Pizza einladen.

Meine Freundin M. zeigte mir ein Buch über Sandalen machen, scheinbar macht das halbe DIY-Internet nun Sandalen selbst und wenn man das Buch so liest, kommt einer das auch verblüffend leicht vor. Ist es bestimmt nicht, aber das wird sich zeigen, ich bin erst mal fasziniert und wäre ja grundsätzlich immer für gute Sandalen (vor allem mit einem wirklich guten Fußbett für meine Spreizsenkknickfüße, die eigentlich gerne in allem orthopädische Einlagen hätten) zu haben. Ich lasse M. da mal ein bisschen experimentieren mit Kork und Leder und partizipiere dann von ihrem Können. Wer weiß, vielleicht zeige ich dann hier demnächst stolz meine selbstgemachtem Sandalen rum.

Tag 2144 – Feste feiern wie sie fallen.

Norwegen hat Hitzewelle jahreszeitangemessene Temperaturen, Hurra, Hurra, Hurra! Da kommen ja wie immer alle Nachbarn aus ihren Häusern, auf der Straße spielen plötzlich Kinder und alle haben Frühlingsgefühle (= Lust auf Grillen und Rosé). Und so habe ich den Abend auf der Terrasse der Nachbarin verbracht, mit einem Glas Rosé in der Hand. Hach!

(Vorher war ich voll die super Mutter und hab alleine die Kinder versorgt, man huldige mir, ach nee, ich bin ja kein Vater. Noch vorher habe ich mit meinen KollegInnen den Inspektionsplan fürs nächste halbe Jahr gemacht, wo wir versuchen werden, den durch Corona aufgestauten Haufen abzuarbeiten, mit den selben Kapazitäten, die auch schon vor Corona nur ganz knapp reichten. Das wird toll.)

Jetzt Bett, ich hab ganz schön einen im Tee, merke ich.

Tag 2053 – Gechillt.

Ich hatte heute theoretisch frei, praktisch habe ich ca. 2,5 Stunden gearbeitet, aber war als „hat frei“ eingetragen, was der Produktivität in diesen 2,5 Stunden wesentlich Vorschub geleistet hat. Endlich eine monströse Kuh vom Eis geschafft, die da schon seit… 6 Wochen stand. Hupsi.

(Nur noch drei weitere Kühe.)

Nachmittags war ich mit den Kindern einkaufen, eigentlich wollten wir nur Michels Brille „fixen“ lassen, Optiker 1 hatte aber das notwendige Gerät (=Klebepads für den Nasenbügel) nicht da und schickte uns zu Optiker 2. Dort waren wir dann, außerdem in der Apotheke und Essen einkaufen. Der Ausflug war, dank einer kleineren Rübennase, die unbedingt mitwollte, nicht so gechillt, man könnte auch sagen, ziemlich anstrengend.

Abends war dann aber wieder gechillt, dank online-Spieleabend mit online-Freunden und Freundinnen. Sehr schön, sehr entspannt und entspannend.

Insgesamt ein okayer Tag. Richtig frei haben wäre auch mal wieder nett.

Tag 1964 – Kurze Meldung.

Wir hatten einen sehr schönen Tag, haben in 3-D echte Menschen gesehen (sogar ein ganz ganz niedliches, 3 Monate altes Baby) und ich trau mich kaum das zu schreiben.

2020 kann echt langsam weg, meiner Meinung nach. Auf ganz vielen Ebenen hab ich die Schnauze voll davon. Zum Beispiel ein schlechtes Gewissen haben, weil man völlig normale Dinge tut.

Tag 1936/1937 – Schön, schön.

Das Wochenende war tatsächlich so richtig rundum schön. Es hat sehr gut getan, mal wieder die Freunde zu sehen und lange zu quatschten. Es hat auch sehr gut getan, die Kinder nicht 24/7 bespaßen zu müssen, weil die noch ein weiteres Kind, einen Hund und drülfzig Tonnen Zeugs zur Beschäftigung hatten. Hach, hach. Es war wirklich gut. Auch wenn Pippi um zehn nach sieben neben meinem Bett stand und mich vorwurfsvoll fragte, warum wir Chips gehabt hätten.

Es war auch sehr schön, als Herr Rabe zurück kam und wir noch einen halben Sonntag und einen ganzen Apfelkuchen zusammen hatten.

Die Kinder wurden leider wohl doch beide bei den jeweiligen Geburten vertauscht und mögen keinen Apfelkuchen.

Ich ignoriere Twitter, Corona und Trump nach Kräften, weil ich da keine Kapazitäten für habe. Twitter und Trump klappt gut, Corona leider gar nicht. Alle saufen Lack, eine 2. Welle ist erst, wenn die Lage eskaliert und man appelliert jetzt an die Gefühle der Menschen. Wir wollen doch alle ein koseliges Weihnachten haben, ODER??? Ich befürchte, auch damit erreicht man wieder nur diejenigen, die eh schon vernünftig und vorsichtig sind („flink“, wie es auf Norwegisch heißt), die haben dann ein schlechtes Gewissen wegen dem wenigen, was sie noch tun und der Rest… tja. Scheißt drauf. Und dann machen am Ende eben doch wieder Schulen und Kindergärten zu, damit wenigstens die Eltern jüngerer Kinder mit dem Arsch zu Hause bleiben müssen, was dann ausgleicht, dass andere weiter Parties feiern und große Hochzeiten ausrichten. Aber das ignoriere ich alles, backe noch einen Apfelkuchen, koche eine Tonne Apfelmus, bügle im Meeting meine Blusen (ein Hoch auf Kamera aus!) und bereite mich auf die wahrscheinlich letzte Inspektion des Jahres vor. Schubidu.

Ich hab ja jetzt ein Wochenende, an das ich immer mal zurück denken kann.

Tag 1935 – Fehlt nur…

Wir sind bei den Corontänefreunden. Ich weiß jetzt, dass die nicht nur ein wunderschönes, riesiges Haus haben, sondern sogar eine komplette kleine Gästewohnung mit Bad und Schlagzeug. Ich habe Pippi mehrmals erklärt, dass ich nicht nach Hause fahren kann, obwohl sie doll Heimweh hatte, weil man von Wein lustig im Kopf wird und dann nicht mehr Auto fahren kann und auch nicht mehr Auto fahren darf. Jetzt schlafen alle drei Kinder im „mittleren Wohnzimmer“, ich schlafe im Gästetrakt, der Hund furzt schläft im Flur und die Corontänefreunde schlafen im Bett (nehme ich an).

Fehlt nur Herr Rabe.

Und Normalität, die fehlt halt auch.