Tag 1936/1937 – Schön, schön.

Das Wochenende war tatsächlich so richtig rundum schön. Es hat sehr gut getan, mal wieder die Freunde zu sehen und lange zu quatschten. Es hat auch sehr gut getan, die Kinder nicht 24/7 bespaßen zu müssen, weil die noch ein weiteres Kind, einen Hund und drülfzig Tonnen Zeugs zur Beschäftigung hatten. Hach, hach. Es war wirklich gut. Auch wenn Pippi um zehn nach sieben neben meinem Bett stand und mich vorwurfsvoll fragte, warum wir Chips gehabt hätten.

Es war auch sehr schön, als Herr Rabe zurück kam und wir noch einen halben Sonntag und einen ganzen Apfelkuchen zusammen hatten.

Die Kinder wurden leider wohl doch beide bei den jeweiligen Geburten vertauscht und mögen keinen Apfelkuchen.

Ich ignoriere Twitter, Corona und Trump nach Kräften, weil ich da keine Kapazitäten für habe. Twitter und Trump klappt gut, Corona leider gar nicht. Alle saufen Lack, eine 2. Welle ist erst, wenn die Lage eskaliert und man appelliert jetzt an die Gefühle der Menschen. Wir wollen doch alle ein koseliges Weihnachten haben, ODER??? Ich befürchte, auch damit erreicht man wieder nur diejenigen, die eh schon vernünftig und vorsichtig sind („flink“, wie es auf Norwegisch heißt), die haben dann ein schlechtes Gewissen wegen dem wenigen, was sie noch tun und der Rest… tja. Scheißt drauf. Und dann machen am Ende eben doch wieder Schulen und Kindergärten zu, damit wenigstens die Eltern jüngerer Kinder mit dem Arsch zu Hause bleiben müssen, was dann ausgleicht, dass andere weiter Parties feiern und große Hochzeiten ausrichten. Aber das ignoriere ich alles, backe noch einen Apfelkuchen, koche eine Tonne Apfelmus, bügle im Meeting meine Blusen (ein Hoch auf Kamera aus!) und bereite mich auf die wahrscheinlich letzte Inspektion des Jahres vor. Schubidu.

Ich hab ja jetzt ein Wochenende, an das ich immer mal zurück denken kann.

Tag 1935 – Fehlt nur…

Wir sind bei den Corontänefreunden. Ich weiß jetzt, dass die nicht nur ein wunderschönes, riesiges Haus haben, sondern sogar eine komplette kleine Gästewohnung mit Bad und Schlagzeug. Ich habe Pippi mehrmals erklärt, dass ich nicht nach Hause fahren kann, obwohl sie doll Heimweh hatte, weil man von Wein lustig im Kopf wird und dann nicht mehr Auto fahren kann und auch nicht mehr Auto fahren darf. Jetzt schlafen alle drei Kinder im „mittleren Wohnzimmer“, ich schlafe im Gästetrakt, der Hund furzt schläft im Flur und die Corontänefreunde schlafen im Bett (nehme ich an).

Fehlt nur Herr Rabe.

Und Normalität, die fehlt halt auch.

Tag 1929 – Sonntag.

Geweckt worden – mehrmals! – vom heftigen Regen und Wind, der an den Rollos riss.

Trotzdem erst wieder eingeschlafen – mehrmals! – und dann um halb neun ausgeschlafen gewesen, wie so ein ganz normaler Mensch.

Den Tag über die Zyklusendmigräne ausgebrütet.

Mit den Freunden essen gewesen. Das war sehr schön. Wir sollten sowas öfter machen, denn 1. geht bei uns im Ort ja gern alles, was nett ist, pleite, 2. mögen wir die Freunde und 3. ist das Essen da gut, ich hatte Nudeln mit Gemüse-Carbonara* in einer Parmesanschale, Herr Rabe hatte Elchburger.**

Das Auto geparkt und endlich mehr gegen die Migräne tun können, als Ibuprofen gegen die schlimmsten 10% zu nehmen und literweise Wasser zu trinken.

Pippi ins Bett gebracht und ausgiebig gekuschelt. Dank Triptanen dabei gleich mit eingeschlafen.

Abends noch mal Muffin Medikamente gegeben. Muffin ist heute Mittag geschoren worden, die Haare sind einfach zu viele und zu lang, er kann sich nicht selbst sauber halten, weil es so viel ist. Jetzt sieht er etwas lustig aus, mit Bodenfreiheit, einem frech gestuften Bob am Po und einem Amelie-Pony. Es kam schon sehr viel runter, dabei ist das meiste noch dran. Vielleicht sollten wir doch erwägen, Muffin-Perücken anzufertigen.

Den Meerschwein-TÜV haben alle Schweine, lang- wie kurzhaarige, gut überstanden. Muffins Zähne sind nicht mehr schief abgefressen, alle Nähte sehen gut aus (ich hab noch mal überstehende Fäden gekürzt) und er nimmt weiter zu. Möge es einfach mal eine Weile so bleiben. Ich habe auch, glaube ich zum ersten Mal, bei Marshmallow, die nur schwarze Krallen hat, keine zu weit abgeschnitten. Schwarze Krallen bei Meerschweinchen sollten nur in der Wildnis, wo die sich die selbst ablaufen, erlaubt sein.

Sonst war nix, aber reicht ja auch für nen Sonntag.

___

*Das ist sicher Frevel. Es waren halt Nudeln in einer cremigen Ei-SoßeSchlonz aber mit Gemüse statt Speck

**man kann noch 4. wir alle müssen ab und an mal aus dem Haus kommen, für was anderes als Arbeiten, hinzufügen. Ist in einer Pandemie sicher zweitviertrangig, allerdings hat unser Ort immer noch keine nennenswerte Inzidenz (0/100.000 in den letzten 21 Tagen, wenn mich nicht alles täuscht), das wird alles noch wieder schlimmer werden und sich auch noch lange hinziehen. Es ist halt ein ständiges Abwägen*** und wir hatten heute unter den gegebenen Umständen das Gefühl, dass es gut machbar war. Kann morgen/mit anderen Leuten/in einem anderen Lokal komplett anders aussehen.

***Ich habe keine Lust mehr auf Abwägen und möchte sowas gerne wieder schreiben können ohne Verteidigungsstrategie im Hinterkopf. Seufz.

Tag 1804 – Schplorz.

Wir haben heute zum ersten Mal seit März die Babysitterfamilie getroffen, das war so super schön. Wir haben die alle so gern, nur leider ist S. so schlimm chronisch Lungenkrank, dass sie an Covid19 vermutlich sehr schwer erkranken und möglicherweise sterben würde, weshalb sie im Prinzip seit März völlig isoliert leben. Uff, uff, uff. Aber die großen und die kleinen Kinder hatten Spaß miteinander und wir Erwachsenen saßen mit Abstand im Garten und unterhielten uns und das war wirklich toll.

Da habe ich nahezu drüber vergessen, dass ich vorher mit Muffin beim Tierarzt gewesen war, wo sein kurz zuvor von selbst geplatzter Abszess geleert und gespült wurde (think pink: immerhin keine OP mehr nötig!), was… unschön war. Ich gehe mal nicht weiter ins Detail.

Morgen darf er dann die Mädels kennen lernen, und die ihn, das wird bestimmt sehr spannend für alle. Und dann wird ja auch Pippi schon 5! Die große Zwergmaus. Hach. Genau genommen fühlt es sich für mich grad gar nicht wie „schon fünf“ an, sondern wie „endlich offiziell fünf“, weil sie so weit für ihr Alter ist, dass ich gerne mal vergesse, dass sie erst vier ist.

(Mal gucken, wann sie morgen vorm Bett steht und feiern will. Es erscheint mir schon wieder unklug, dass ich noch wach bin.)

Tag 1754 – Übervolles Leben.

So ein wundervoller Tag. Sogar die Sonnencreme hat ihren Job getan. Hachz.

Eigener Garten.
Nicht der eigene Garten.
Herr Rabe hat gebacken, ich habe Hipsterkaffee gemacht.
Kleiner Ausflug zum Fluss.
… in den Fluss. Fünf Kinder und ein Hund hatten riesigen Spaß.
Matschküche Deluxe.
Esstisch (bevor alle da waren).

[Das mit den Kohorten muss ich vermutlich nicht noch mal erklären, alle Kinder sind über die Kohorten miteinander verbunden.]

Tag 1744 – Schöntag.

Bis auf eine sehr (!) vermackelte Felge war es ein ganz wunderbarer Tag bei A. und A. und M.M. in der Hauptstadt. Mit Kaffee, Eis und zwei kleinen Mädchen, die gleich ein Herz und ein Dickkopf waren. Erwachsenengesprächen. Lauter Musik auf dem Rückweg (und eingeschlafenem Kind). Hach, hach.

Abends Twitterkneipe, ein einzelner Quietscher von Muffin und viel zu spät ins Bett.

Dann nicht schlafen können und dem Regen zuhören.

Hach, hach.

Tag 1739 – Ja, vi elsker.

Die Nationalhymne können wir immer noch nicht, das meiste, was zum Nationalfeiertag normalerweise dazu gehört, war dieses Jahr verboten, aber ein bisschen gefeiert haben wir doch. Und es war, nach anfänglichen Reibereien, ein richtig schöner Tag.

Bei den Corontäne-Freunden.
Kaffee, Kuchen und eine selbstgebastelte Würstchenbude gab es auch. Weil das so muss.
Würstchen, Kuchen, Eis und Fahnen. Fast wie normal.
Eeeeeetwas mehr Platz beim Spielen als in anderen Jahren.

Wir haben den Nachmittag und Abend mit den Corontäne-Freunden (Familie C) und zwei weiteren Familien (Familie A und Familie B) verbracht, nach den Kriterien Sympathie und (wirklich nicht unerheblich):

  • E., die Tochter aus Familie A, ist Nachbarin von Familie C. und spielt jeden Tag mit B. aus Familie C und geht außerdem mit Michel in den Sport-Hort
  • A., die Tochter aus Familie B, ist in derselben Kohorte wie Michel und B. aus Familie C
  • I., der Sohn aus Familie B, ist mit Pippi in einer Kohorte

Wir Erwachsenen haben Abstand gehalten und wir alle waren die meiste Zeit draußen. Ich etwa eine Stunde ohne Mantel (es war eigentlich warm aber sobald Wind aufkam, dann doch frisch) und jetzt habe ich Sonnenbrand im Nacken. War ja klar.

Ich werde noch Nationalfeiertagsfanin. Das ist so schön, mit den Freunden und all den Kindern und ein bisschen Chaos und ein bisschen fein machen und viel Freundschaft und normale Gespräche. Und generell mal wieder soziales Beisammensein mit Erwachsenen. Hammer!

Der Vollständigkeit halber, antichronologisch unser Morgen: Mini-Kindergartenumzug.

Der kleinste Umzug der Welt, zwei mal um den Gedenkstein vorm Kindergarten.

Michel fand das zuerst total kacke, durfte dann aber Fotos mit Herrn Rabes Kamera machen. Dann war es „doch ein kleines bisschen gut“.

Foto von Michel gemacht.
In diesem Sinne: heia, Norge!

___

Disclaimer: die meisten Fotos hat Herr Rabe gemacht. Danke :*

Tag 1737 – Arbeit, Arbeit, und die Freuden des Homeoffice.

Den Großteil des Tages habe ich mit Arbeit zugebracht, da eskaliert eine Sache weiter fröhlich vor sich hin und ich werde langsam ungeduldig und hoffe, man liest das nicht aus meinen Mails raus. Eine Unterbrechung bei all der Ärgerlichkeit gab es aber, nämlich ein Teammeeting und das per Skype, was eh dauernd schlechten Sound hat, wenn man gleichzeitig die eigene Kamera an hat. Die Chefin präsentierte und, naja, das ist vielleicht der größte Vorteil an diesen online-Meetings: man kann nebenher Sachen machen. Zum Beispiel emails schreiben (erfreulichere als zur Eskalationssache) und, naja, auch Fingernägel lackieren geht gut.

Außerdem ist im Homeoffice der Kaffee sehr viel besser als im Büro.

Ansonsten wäre aber socializing inzwischen mal wieder ne schöne Sache. Also so in echt mit den Kolleginnen und Kollegen. Mal gucken, wann wir das wieder dürfen. Wer hätte gedacht, dass mir das mal fehlt?

Abends fern-socializing in zwei Konstellationen, das ist so viel wert in dieser nach wie vor seltsamen Zeit.

Tag 1711 – Corontäne Tag 38.

Finden Sie die Titel auch so schrecklich eintönig? Dann haben Sie eine grobe Ahnung davon, wie hier die Tage sind.

Ich stand um 9:30 auf, nachdem ich seit einer Stu de wach war und mich über die News aus aller Welt aufregte. Um mich nicht mehr aufzuregen tat ich folgendes:

  • Backen: Brötchen und drei Brote, dabei Podcast hören
  • Yoshi spielen und mich darüber aufregen
  • Duschen
  • Zu den Corontäne-Freunden fahren, ohne Herrn Rabe, der hatte diffuses Halskratzen
  • Grillen, Schnacken, Kopfschmerzen aus der Hölle in der Sonne bekommen (aber hey, Sonne!)
  • Nach Hause fahren
  • Brot einfrieren
  • Yoshi spielen

Jetzt werde ich noch eine Runde Yoshi spielen (ich bin möglicherweise hooked, tja) und dann ins Vett OHNE News aus aller Welt angucken. Lalalala, ich kann das alles gar nicht hören.

Tag 1697 – Corontäne Tag 24.

Michel hat heute Mittag das erste mal mit Kindern aus dem Internet Video-Konferiert, das war ein bisschen aufregend. Es ist für ihn offenbar anstrengend, nur Deutsch zu sprechen, aber niedlich ist es ja schon, ihm dabei zuzuhören. Auch, was er so meint, was relevante Infos für andere Kinder sind… ich hatte jedenfalls Spaß. Und er auch.

Heute besuchten wir wieder unsere Wochenends-Freunde. Mit Essen unterm Arm sozusagen. Erst mal: der Hefezopf mit der selbst hochgezüchteten Hefe ist mit etwas längerer Gehzeit super geworden.

Die Jungs haben draußen gespielt und Pippi drinnen Bilder gemalt. Das sind wir:

Wir schaukeln alle und haben dabei sehr viel Spaß. Pippi ist noch in meinem Bauch.

Und das ist unser Haus, auf das Escher stolz wäre:

Immerhin haben wir alle Türen in unseren Zimmern!

Und zu guter Letzt ein Einhorn auf einem Regenbogen (pink fluffy unicorns, dancing on rainbows…)

Ach, das war wieder schön. Und auch die haben immer mal Kacktage zwischendurch, das ist irgendwie beruhigend, das wir nicht die einzigen sind, die zeitweise am Rad drehen.