Tag 851 – Partey!

Ich gebe ja zu, nach den Schilderungen der letztjährigen Feier hatte ich etwas Angst. Weil, also, meine Kinder sind noch recht klein und ich wohne in dem Land, in dem jedweder Alkohol absurd hoch besteuert wird, ich vertrage echt fast nix und richtig lange feiern schaffe ich auch gar nicht mehr, glaube ich.

Im Endeffekt war es dann aber wirklich sehr sehr schön, ganz entspannt, lustig und es gab echt viel leckeres Essen, das eine sehr gute Grundlage für Wein und Sekt und Co. bildete. Pippi war am Anfang der Party nach Verweigerung eines Mittagsschlafs zu zivileren Zeiten an Little L.s Schulter eingeschlafen und hielt echt gut durch, bis sie sich irgendwann in den Kopf gesetzt hatte, dass sie meinen Bauch sehen wolle, „Mama Bauch zeigen! Mama Bauch zeigen jeeeeetzt!!!“, ich das aus diversen Gründen nicht wollte und wir so einen kleinen Disput hatten. Am Ende zeigte ich ihr meinen Bauch auf dem Klo. Dann brachte ich sie (eine anstrengende dreiviertel Stunde lang) ins Bett und als ich wieder kam, gingen leider kurz drauf die meisten Gäste, aber wir räumten noch bei Wein und Unterhaltung auf, starteten die Spülmaschine zum sicher 15. mal seit gestern morgen und arbeiteten Glitzerstaub noch ein bisschen tiefer in die Maserung des Holztisches, statt ihn wie geplant wegzuwischen (ok, letzteres war ich ganz allein). Dann erfuhr ich noch ein paar Sachen über Herrn (und Frau) Brüllen, ich sach mal… life goals. Jetzt bin ich ganz aufgeräumt und liege im Bett neben dem Schnorchelmädchen und denke mir: doch, ich hatte schon viel viel schlechtere Ideen, als diesen Kurztrip.

Anekdote: wie Pippi das Glas mit den Kuchen-Dekokügelchen in die Finger bekam und anschließend zwei Frauen auf dem Boden rumrobbten um die Kügelchen aufzusammeln und wegzufegen. Mein educated guess lautet: bis März werden hier noch ab und an Dekokügelchen auftauchen, bis Juni werden Dinge glitzern.

Andere Anekdote: wie Pippi beim Malen mit einem Filzstift über das Buch hinaus malte, auf den Tisch und die Brüllen-Kinder schon gleich die Luft zwischen den Zähnen reinzogen und meinten „Das war jetzt gar nicht gut!“ und ich das Übergemalte einfach wegwischte, weil ich mir kaum vorstellen kann, dass jemand wie Frau Brüllen Stifte im Haushalt zulassen würde, die nicht abwaschbar sind.

Auto-Lobhudelei: echt wenig geschimpft heute, obwohl Pippi zwischenzeitlich im Übermüdet-Modus war.

Tag 850 – Voila!

Oder wie wir hier in relativer Nähe zu Frankreich sagen: je ne regrette rien.

Es war vielleicht eine relativ Banane Idee, hier jetzt grad herzukommen. Und der Gedanke kam mir oft in den letzten drei Wochen, herrje, ich habe da gar keine Zeit für. Jedes Mal folgte aber der Gedanke: und deshalb erst recht, du brauchst diese Minipause. Die zweite Stimme hatte sehr recht. Schon lange nicht mehr so viel gelacht, und das nicht nur wegen meiner absoluten Unfähigkeit, Augen auf Marshmallows zu kleben. Pippi fühlt sich auch pudelwohl, spielt viel mit Lego (die Star Wars-Sets und die Hubschrauber haben es ihr angetan, und Q. erklärt natürlich bereitwillig, wo welche Klappen aufgehen und welche Hebel man drücken muss, damit Männchen hoch und runter fahren. Mein Ziel ist es, bis zur Abfahrt herauszubekommen, zu welchem Set die Prostituierte gehört, die heute von Pippi als Fahrerin des Polizeitrucks eingesetzt wurde), futtert Mandarinen und verfolgt die Katze.

Mit Frau Brüllen macht auch Glitzernagellack entfernen mehr Spaß als alleine. Morgen dann noch mehr Essen vorbereiten (freuen Sie sich auf essbaren Glitzerstaub, das wird sicher super… messy) und dann: Partaaayyy. Wir gönnen uns hier.

Auto-Lobhudelei: (gestern vergessen, tjanun) ich habe die Schweden angerufen und auch noch bei einer anderen Firma angerufen. Das Gespräch mit der anderen Firma war sehr gut, das mit den Schweden eher enttäuschend, denn deren Einstellung ist am ehesten mit „musste halt wissen, was dir das wert ist, herkommen zu dürfen“ zu beschreiben. Hab deshalb 18% auf deren Xtausend draufgeschlagen und mich noch hinterher geärgert. Ich hätte noch mehr verlangen sollen. Pfft. Aber, hey, angerufen und freundlich, aber sachlich verhandelt. Jetzt weiter warten.

Tag 849 – Ich kann nicht, wenn wer zuguckt.

(Frau Brüllen, das Geburtstagskind, sitzt hier am gleichen Tisch, das ist zu aufregend.)

Ich kann ja die Reise beschreiben.

Aufregend wars!

Erst verpassten wir den Flugbus, Pippis Beine sind eben echt kurz und manche Busfahrer warten auch nicht auf kurzbeinige Menschen. Im Bus fiel mir dann aber noch ein, dass der erste Flug ja nur nach Oslo geht, und national sind die Gepäckaufgabezeiten echt entspannt. Es war dann auch kein Problem, wir hatten ja auch nur den „da kann absolut nix schief gehen, selbst wenn der Bus doppelt so lange braucht wie geplant, reicht es noch“ Bus verpasst und der nächste kam 10 Minuten später.

Dann wurden wir zwar an der 13 Minuten langen Schlange bei der Sicherheitskontrolle vorbeigelassen, aber zu dem Preis dass uns alle regulär Wartenden mit Blicken töteten und dann auch jede meiner drei Boxen auf Sprengstoffdrogenmesseranthrax gefilzt wurde. Dabei war da nun wirklich nix „falsch“ dran, die Flüssigkeiten waren im Tütchen, die Elektronikdinge gesondert gepackt, wir hatten keine üppigen Schals oder Kragen an und Pippi ging brav alleine durch den Metalldetektor. Nicht mal die Piepse-Schuhe hatte ich an.

Am Gate gab es dann ein kleines bisschen Trara, weil Pippi den Flughafen-Buggy, mit dem sie ihre Wasserflasche herumfuhr, absolut nicht zurücklassen wollte. Und als ich sie packte und trug, mussten wir noch durch eine andere Schranke, weil halt und es gab noch mehr Trara. Im Flugzeug war dann aber wieder alles ok. Bis auf, dass wir nicht starten durften, wegen Nebel in Oslo. Und sich das zog. Und ich nervös wurde, weil die Umsteigezeit mit 1 h 20 zwar ok, aber nicht üppig bemessen war. Im Endeffekt starteten wir mit 30 Minuten Verspätung und kreisten nochmal 15 Minuten irgendwo vor Oslo herum, die Landung ging nicht so schnell wie geplant und die Umsteigezeit war auf 23 Minuten zusammengeschrumpft. Ich hatte eine Stewardess nach dem Anschlussflug gefragt und sie hatte „det ordner seg sikkert“, also „Das klappt bestimmt“ geantwortet. Ich sags mal so: hätte ich die Stewardess irgendwo in Gardermoen nochmal erblickt, ich hätte sie erwürgt. Oder doch nicht, weil keine Zeit, ich rannte mit Pippi auf dem Arm von Terminal B nach Terminal D, es wurde die ganze Zeit schon „gate closing“ angezeigt, ich sah _0_ Flughafenpersonal, das nicht in Shops angestellt war, kurz: es war unschön. Und ich bekam, als ich im Flugzeug angekommen war, Wasser angeboten, weil meine Rübe knallrot und mein Gesicht auf Panik eingestellt war. Dann wollte sich Pippi nicht anschnallen und ich fluchte so dermaßen, dass vom älteren Herrn hinter mir „Tztztz“ zu hören war. Pippi war eben auch um halb sechs aufgestanden und jetzt um zehn wieder müde. Als das Flugzeug dann (mit Verspätung, haha, „det ordner seg“ in Wettersprache) in der Luft war, gingen Pippi und ich einmal aufs Klo und dann schlief sie wie ein Stein ein und ich musste sie zur Landung wieder wecken.

(Kein Pulli mehr, viel zu warm!)

Dann war nach der Landung unser Koffer wirklich der allerletzte auf dem Band und ich war kurz besorgt, ob unser Weihnachtskäse und das Erbsilber jetzt irgendwo in Gardermoen herumlägen, aber ab dann war alles ganz wunderbar. Hui, so ein Tesla beschleunigt fix, Pippi kann sich mit den Armen aus den Kindersitzgurten wursten, aber mal ehrlich: Leute, die einem beim Abholen Kaffee in die Hand drücken, die! DIE! <3

Anekdote: Wie wir Little L. Von der Schule abholen wollten und Pippi ca. 5 Jungs in L.s Alter auf dem Bolzplatz sah und einfach losstiefelte, in ihrem knallroten Onesie in Größe 92, um mit den Jungs Fußball zu spielen. Die waren etwas irritiert, kickten dann aber ein bisschen mit ihr und am Ende durfte „Er“ den Ball sogar behalten, den hatten die Jungs nämlich auch nur gefunden. Pippi war stolz wie Oscar und knutschte ihren Ball ordentlich ab, aber unsere geballte Mütterpower und der magische Satz „sollen wir mal gucken ob die Katze noch da ist?“ Überzeugten Pippi dann doch, ohne den Ball wieder mit nach Hause zu kommen. Dieses Kind! Hachz.

Ansonsten habe ich einer Brüllenschen Listenaufschreibung beigewohnt und die Katze gestreichelt und Pippi mag Frau Brüllen gern genug, damit ich allein aufs Klo gehen kann. Doch, doch, ganz wunderbar :)

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Halbe Betablocker sind gute Betablocker!

Tag 811 – Von Freundschaft.

Hier stand eben ein fast 800 Wörter langer Text über meine beste Freundin und mich. Und dann hab ich das alles wieder gelöscht.

Freundschaft hat viele Gesichter. Manche brauchen regelmäßige Treffen.. Mit manchen ist es, egal wie lange man sich nicht gesehen oder gesprochen hat, immer sofort wieder wie früher. Manche machen ab und zu mal piep. Manche kann man nachts um drei anrufen. Mit manchen macht man das auch. Manchen verzeiht man alles. Manche sind wie eine wilde Romanze und fangen stürmisch an und blasen sich dann sehr schnell müde. Manche gehen kaputt. Manche dramatisch. Manche schlafen ein. Machen heult man noch lange nach. An manche kann man sich kaum noch erinnern.

Und dann gibt es solche, die man eigentlich kaum kennt, zum Großteil noch nie gesehen hat und die einen selbst auch nur vom täglichen Geschreibsel kennen und die sehen: da geht es wem sehr schlecht. Eine Umarmung per Internet verschicken wird schwer, aber ein bisschen Geld, um ein bisschen Druck aus der Lage zu nehmen*, das kann man zusammen sammeln. Und dann leiern die das an**, einfach so. Und die Person mit dem Geschreibsel ist total überwältigt und ihr fällt nichts ein, als

Danke
.***
Sie machen das hier grade sehr viel erträglicher. Sie sind echte Freunde. 

(Wer wissen will, von wem ich genau rede:

Mademoiselle ReadOn
Drehumdiebolzeningenieurin
Herrpaul_
Übrigens auch allesamt sehr empfehlenswerte Blogs!)

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*Marry Poppins wird aller Voraussicht nach Karri heißen.  Fragen Sie nicht, wie ich das organisiert hab und woher ich die Kraft genommen hab, ich weiß es grad auch nicht mehr. Und Marry Poppins ist übrigens einer meiner Lieblingsfilme, ich kann den komplett mitsingen und -sprechen und -tanzen und ich fand die Mutter, die eine Nanny braucht, weil sie selbst mit den Sufragetten für das Frauenwahlrechtkämpft, auch immer schon super.

**Aus rechtlichen Gründen steht da mein Vorname. Ja, ich finde den auch sehr schön. Der bleibt aber trotzdem unter uns, ja?

***Das müsste da eigentlich in blinkend mit rosa Herzchen drumrumfliegend stehen. Aber dafür reichen meine HTML-Kenntnisse nicht aus.

Tag 793 – Mehr Schnipsel.

Heute früh mit Pippi beim Arzt gewesen, ein Follow-Up-Termin der „alle drei Wochen Fieber“-Geschichte. Folgendes geschah:

  • Geschrei schon beim Aufkleben des Pipibeutels, diese Dinger müssen echt unangenehm sein. Aber in einen Becher pullern hatte halt leider auch nicht geklappt.
  • Michel wollte unbedingt mit, einerseits sicher aus Neugierde, andererseits wollte er seine Schwester begleiten.
  • Vor der Arztpraxis: Pippi ruft begeistert „Trinken!“. Leute, vergesst Kinderspielzeug im Wartezimmer, stellt einen Wasserspender auf. Kinder happy.
  • In der Arztpraxis Urinbeutel weiterhin leer, Pippi weiterhin wegen des Beutels sauer.
  • Probennahme für CRP: Pippi ist echt das geduldigste Kind der Welt. Kein Mucks. Nur „Plaster?“ Und Michel gab ihr einen fetten Kuss und pustete den gepiekten Finger und ich war ganz gerührt.
  • Nach der Probennahme (mit Pflaster). Die Arzthelferin will uns rausscheuchen. Pippi marschiert schnurstracks zur Prämien-Schublade und sagt „Denne Ball.“. Ich war schon peinlich berührt (gierige Kinder…) aber Pippi ist so niedlich, die durfte dann sogar einen Flummi für die Arztpraxisflummisammlung UND ein Mammut („Elefant!“) haben. Und Michel einen Tiger. Seufz.
  • Die Ärztin bekam daraufhin von Pippi „En Elefant kom marsjeeeerende“ vorgesungen, Michel erzählte derweil, dass er morgen Geburtstag hat und dass er aber keinen Besuch bekommt und dass dafür an einem anderen Tag ein richtiges Fest ist und überhaupt sind die Kinder manchmal zum Fressen niedlich. Groß untersucht wurde nix, CRP unauffällig, Hämoglobin ein bisschen gestiegen seit dem letzten Termin (mein Plan, süß schmeckende Eisen-Kautabletten zu kaufen, damit Pippi die auch nimmt, ist voll aufgegangen) und eigentlich alles tutti. Pipiprobe: naja, nicht schlimm, sie ist ja grad eh gesund.

Dann in den Kindergarten gefahren. Michel direkt draußen abgeliefert, aber Pippi hatte 1. noch den Pipibeutel dran und 2. keinen Draußenanzug an. Also mit Pippi hoch gelaufen, wo noch alle (!) Babys waren. SIEBEN Einjährige. Plus Pippi und ihre Freundin, die schon zweieinhalb ist. Das Urinbeutelentfernen traf auf ungefähr so viel Gegenliebe wie das Kleben, aber wie ich das so abzog von der ja doch empfindlich dünnen Haut… Au. Ja. Arme Maus. Übrigens weiterhin leer. Ich glaube, die hat das echt hochgezogen, weil ihr der Beutel so unangenehm war. Wie dem auch sei, mit Pippi zu den Babys zurückgekehrt und Pippi angezogen, die zwei Betreuer*Innen die da waren waren ein bisschen überfordert. Und KEIN WUNDER. Was für ein wuseliger Haufen so Minis sind. Ich hatte ja nur Pippi, die ja auch schon viel selbst kann, aber in einer Tour zogen sich Zwerge an mir hoch, plumpsten wieder um, sabberten mich an, krabbelten und tapsten herum, stießen zusammen, wankten auf das seit einer Nanosekunde offene Treppengitter zu… ich würde, ganz ehrlich, irre werden, müsste ich das täglich mehrere Stunden am Kopf haben. Ich kam mir vor wie in einem dieser Filmchen, wo ein Tierpfleger versucht, einen Pandakäfig auszumisten, während zwei bis vier Pandas herumwuseln und Quatsch machen. Der eine Betreuer meinte auch nur, während er lauter Schuhe in Größen 19-22 an zappelige Füßchen zog, dass es schon ganz gut sei, dass er nur selten für die Kleinsten zuständig sei. Pippi nahm das Gewusel übrigens recht gelassen hin, bis eins der Babys ihre Wasserflasche mopste und direkt anfing, am (geschlossenen) Deckel zu nuckeln. Da schimpfte sie und rupfte dem Baby die Wasserflasche unter „Nei! Min!“-Gekreische aus den Händen. Und ich war froh, als ich endlich zur Arbeit fahren konnte.

Ex-Chef* angerufen. Wir waren dafür ja verabredet. Deshalb war ich auch ein bisschen irritiert, als er nicht dranging. Wiederholt. Aber tjanun, ich schrieb ihm also eine Nachricht, dass niemand ranginge und setzte mich an die Cleanbench. Eine halbe Stunde später rief er zurück. Er geht nicht an ausländische Nummern (jaja, weiß ich sogar, war schon immer so, bzw. manchmal ging er ran und sagte dann so Sachen wie „No, sorry, we are not interesting in sis conference.“, aber Herrgott, Norwegen ist ja nicht Indien…) An der rauschenden Cleanbench telefoniert es sich aber auch nur schlecht, also machte ich meinen Kram erst fertig und rief ihn dann auf dem Weg zum Kaffee holen zurück. Es folgte ein sehr nettes Gespräch, wirklich wie früher und ach, ach, ach, wieso bin ich da weg gegangen? Ich brachte mein Anliegen vor („Ich hab mich auf was beworben, wo ich viel Validieren und Qualifizieren müsste und jetzt, wonach das Vorstellungsgespräch bald hab, ist mir leider aufgefallen, dass ich das alles total vergessen hab!“) und er sagte die richtigen Worte („Richtigkeit, Robustheit, LoD, LoQ…“) um meine verschollenen Erinnerungen zu reaktivieren und nannte noch die EMA-Richtlinie dazu, genau, dachte ich, die war das. Lang ist’s her. Dann noch ein bisschen Klatsch und Tratsch und allgemeines Palaver über welche Projekte grade so laufen (zum Teil die Selben wie vor 4 Jahren, ich könnte vermutlich morgen wieder… aber lassen wir das) und „Wieso sitzt du denn noch an der Cleanbench, ich dachte du schreibst zusammen?“ und dann musste ich ihn auch mal wieder arbeiten lassen. Hachseufz. Das hatte schon Gründe, weshalb ich damals, als ich mich da verabschiedet habe, Rotz und Wasser geheult habe. Vor allen. Und es war mir auch nur ein ganz klein bisschen peinlich und im Nachhinein gar nicht mehr.

Ziemlich genau jetzt vor fünf Jahren ging ich ins Bett. Und in ca. 30 Minuten vor fünf Jahren platzte dort auch die Fruchtblase und das war nicht nur viel wegen hohem Stand, sondern auch noch dunkelgrün wegen Mekonium und keine Unterlage der Welt (auf denen ich ja schon seit Wochen schlief) hätte das aufsaugen können. Weshalb Herr Rabe auch schon am 1. Tag einen Abstecher nach Hause machte, um Laken, Matratzenschoner und meinen Thron aus Handtüchern, auf dem ich die Ankunft der Sanitäter erwartete, zu waschen. Dafür bin ich Herrn Rabe immernoch sehr dankbar.

Tag 727 – WmDedgT August ’17. 

Heute ist der fünfte, das heißt, Frau Brüllen will wissen: Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?

Erstmal durfte ich verhältnismäßig lange schlafen, nachdem ich Pippi um halb acht noch eine Banane geholt hatte, war sie natürlich wach, aber Herr Rabe stand mit ihr auf. Dann weckten sie mich wieder um viertel nach neun. Mit Kaffee. So lobe ich mir das. Ich schrieb dann direkt eine SMS an unsere Freundin M., die ihren Sohn (Michels besten Kumpel) vormittags vorbeibringen wollte. 

Dann Frühstück und nach dem Frühstück standen auch schon M. und H. vor der Tür. Pippi war ganz aus dem Häuschen, durfte aber nur mittelviel mitspielen. Michel und H. verschwanden quasi sofort und ich konnte duschen. 

Es ist viertel vor drei. Deshalb: fast forward

  • Nägel lackiert (rosa)
  • Michel Nägel lackiert (blau und Gold)
  • Pippi zum Mittagsschlaf hingelegt
  • Michels Innenbeinlänge ausgemessen (48 cm bis zum Knöchel)
  • Losgefahren und Dinge gekauft:
  1. Hosen für Michel (Größe 122)
  2. Ein Geschenk für das frisch geborene Baby meiner Cousine
  3. Wollunterwäsche für Michel (Größe: 6 Jahre)
  4. Gratulationskarten für das Cousinenbaby und I.
  5. Vier Bücher für mich (Hupsi, naja, war halt im Angebot)
  6. Einen Farn
  7. Nach elendig langer Suche in zwei Plantasjen-Filialen: einen Sack nicht mineralisch* gedüngte Blumenerde und das kleinste erhältliche Gebinde Kalk (25 kg), ohne Wagen, weil keine Münze dabei, zur Kasse und zum Auto geschleppt, ich sach mal so: ungeil. 
  • Nach Hause gefahren, Zeug ausgeladen, Zeug für I. und das Cousinenbaby eingepackt, Karten  geschrieben, alles in zwei Päckchen verpackt
  • Mit Pippi und Herrn Rabe (Michel war mit zum besten Freund gegangen) zu Clas Ohlsson getrabt
  • Gepresste Kokosfasern* gekauft
  • Festgestellt, dass es die Post im Meny Solsiden nicht mehr gibt
  • Zum Rema gegangen, dabei ca. 50 mal Pippi fliegen lassen
  • Zwei Paprika gekauft, weil Michel und H. die aufgegessen haben
  • Zum Bunnpris gegangen und das Cousinenbabypäckchen und das an I. aufgegeben, dabei aufgepasst, dass Pippi „Ich kann meinen Kinderwagen selbst schieben!“-Rübennase selbigen nicht auf die Straße oder in anderer Leute Hacken schiebt
  • Nach Hause gegangen, auf dem Weg noch Löwenzahn für die Schnecken gepflückt
  • Aufs Essen gewartet (das Herr Rabe kochte), derweil
  • Terrarienzeug wegen Schimmel in den Backofen gestellt
  • Farn geteilt
  • Gepresste Kokosfaser mit Wasser begossen
  • Gegessen (Nudeln mit Lachssauce)
  • Aufgeräumt (die Wohnung sah nach dem Kinderbesuch aus wie ein Schlachtfeld inklusive Lazarett)
  • Einen Eimer geschnappt und mit Pippi und Herrn Rabe losgefahren, Michel abzuholen. 

Und dann begann der Teil des Abends, der dazu führte, dass ich jetzt ein bisschen tüderich bin. Ich blieb nämlich einfach bei M., um Wein zu trinken und Johannisbeeren zu ernten. Ich erntete einen Teil von 2 ihrer 12 (!!!) Sträucher. Danach war mein Eimer zu drei Vierteln voll. M. findet die ganze Sache mit „Arme zwischen Zweige stecken, dahin, wo man nicht mehr gut gucken kann“ ziemlich eklig und deshalb hat sie auch nur ein paar gut zugängliche Alibi-Beeren geerntet. Meine Fotos von auf dem Busch gefundenen Weichtieren waren da wohl auch nicht so recht hilfreich. Als sie H. ins Bett brachte, erntete ich noch ein bisschen und fing dann den Beitrag hier an. 


Im Anschluss saßen wir noch sehr lange auf der Terrasse, reinigten den Haufen Johannisbeeren, tranken Wein, aßen Käse, Schokolade, Chips und Johannisbeeren und unterhielten uns. Ich weiß jetzt einiges über ihren neuen Job, ihren Freund, ihren Ex und sie**, was ich vorher nicht wusste. Und umgekehrt. Irgendwann kam dann noch ihr Freund vorbei und ich weiß jetzt, was das Wort „Klemmekar“*** bedeutet. Irgendwann noch später war es sehr spät, der Freund im Bett, die Johannisbeeren im Kühlschrank und ich sehr müde, da brachte mich M. noch zur Straße, weil sie nicht wollte, dass ich des Nachts alleine am Friedhof lang gehe und von da wanderte ich, immer wieder reichlich verzaubertem Jungfolk ausweichend, in 10 Minuten nach Hause. 


Doch, es war ein richtig gelungener Tag. 

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*Terrariensubstrat. Eine Wissenschaft für sich. 

**zum Beispiel ekelt sie sich noch mehr vor Spinnen, als ich. 

***Umarmungskerl