Tag 2630 – Hotelzimmereinsicht.

Interieurtraum vs. Kundenwunsch.

Frage mich ernsthaft, wer auf solchen Thronen schlafen kann. Jetzt grade liege/sitze ich auf dem Thron und schreibe, und nicht mal dazu ist es bequem. Ich nehme jetzt also immer mein Reisekissen mit. So.

Außerdem heute in diesem Kino: ich bekomme die Levaxindose schon wieder nicht auf. Das ist eine neue Dose, die alte, die mir eine Narbe am Zeigefinger eingebracht hat, ist endlich leer. Aber das ist offenbar der selbe besch*ssene Dosenbatch, denn auch diese geht nicht auf. Gestern Abend hab ich mit nem Messer geprökelt, heute nach der Ankunft im Hotel hab ich es probiert und es ging (sonst hätte ich die Dose mit zum Essen genommen und meine Kollegin gebeten, sich die Finger aufzuschlitzen es mal zu probieren), jetzt liege ich im Bett und es geht wieder nicht. Beziehungsweise ging, dieses Mal habe ich mit der Nagelfeile geprökelt. Aber Prökeln kann doch keine Dauerlösung für die nächsten 96 Tage sein! (Und was machen alte Menschen mit Arthrose in den Händen, hypo werden wegen wehrhaften Dosen? Oder kommt da der Pflegedienst und flext die Dose auf?)

Hrmpf.

Von der Inspektion darf ich wie immer nichts erzählen, daher nur noch die Hotelzimmeraussicht:

Tag 2629 – Rotiertag.

Den ganzen Tag rotiert, wenn ich das aufschriebe, würde ich befürchten, es klingt nach Angeberei weil ich so eine unglaublich tolle Mutter bin, die alles regelt, macht, organisiert, durch die Gegend fährt und überhaupt und nebenher noch arbeitet, den Haushalt schmeißt und im Schulelternrat ist (und in der Politik, aber nicht heute). In echt hab ich ja einfach keine große Wahl und bin jetzt sehr platt und viel zu spät im Bett, aus dem ich in 6 Stunden und 12 Minuten schon wieder aufstehen muss.

Tag 2628 – Filtrationsprobleme und anderes.

Tagesaufgabe Gelee kochen ist erledigt! Genau genommen ist bis auf Apfelmus machen alles erledigt, was ich mir für heute grob vorgenommen hatte, auf der anderen Seite bin ich jetzt auch ganz schön alle und hatte bis auf eine Stunde Geige null Zeit nur für mich. Das ist anstrengend. Ich bin sehr froh, dass das hier nur ab und zu so ist.

Für den Gelee musste ich erst mal Saft haben, mein Ausgangspunkt heute Morgen war allerdings ausgekochte Beeren in Saft, abgekühlt immerhin. Erst fischte ich den Großteil der Beeren mit einem Schöpflöffel raus, dann goss ich den Rest durch ein Sieb. Dann hatte ich immerhin schon mal beerenfreien, aber immer noch ziemlich trüben Saft. Kaffeefilter haben wir hier nicht und ich wollte nicht unbedingt ein Holunderbeerfarbenes Geschirrtuch haben, also filtrierte ich den Saft durch eine doppelte Lage Zewa. Die Idee war nur so mittelgut, muss ich sagen, weil nach dem ersten halben Liter der Filter dicht war, wie wir in meinem Job sagen. Man kann da schon noch was machen, zum Beispiel Unterdruck anlegen (nutschen), Überdruck anlegen (pumpen), die Verteilung über die Filterfläche optimieren bei gleichzeitiger Auflockerung des Filterkuchens (rühren) oder halt den Filter wechseln. Filter wechseln fand ich doof und ich habe leider weder eine Pumpe noch eine Nutsche zu Hause (beides birgt außerdem die Gefahr, den Filter kaputt zu machen und so widerstandsfähig ist Zewa ja nun nicht), also rührte ich den ersten Liter geduldig durch, wechselte dann den Filter und rührte den zweiten Liter etwas weniger geduldig durch. Scheißarbeit. Nächstes Mal Kaffeefilter besorgen. Generell für das Projekt Holundergelee reichlich Zeit einplanen.

Ansonsten war ich heute mit Pippi im Schwimmbad und was gäbe es schöneres, als im Badeanzug und ungeschminkt Pippis Freund samt Vater gegenüberzuschwimmen? Den habe ich ja schon ein ganzes Mal gesehen, wir sind ja alte Bekannte von gestern. Pippi hat sich jedenfalls gefreut und die beiden haben dann voreinander angegeben, als wäre das ein Balztanz. Guck mal hier was ich kann und wer kann den größten Bauchplatscher und ich kann schon bis dahin schwimmen fast ohne abzusaufen! Mit Pippi im Schwimmbad ist auch kein Spaaufenthalt, weil die Kamikazemaus gern mal überschätzt, was sie kann und dann urplötzlich untergeht, voll darauf vertrauend, dass Mama schon da ist und sie rausfischt, auch wenn man grad in Windeseile vor Mama weggeschwommen ist. Aber mit meinen untrüglichen Mutterinstinkten konnte ich immer gerade rechtzeitig eine Hand unter den Bauch oder einen Arm um den Körper zaubern. Uff.

Michel vergnügte sich derweil allein zuhause. Das klappte gut, allerdings fand ich eben, als ich nur noch kurz zum Kompost wollte, nicht nur seine Schuhe sondern auch zwei unserer Sofakissen draußen nass auf dem Rasen. Muss ich also morgen doch noch mal meckern.

Der Rest des Abends bestand aus Care-Arbeit. Wäsche waschen, Stundenpläne ausdrucken, Rucksäcke durchgucken, Schwimmsachen für Michel zusammensuchen, Kochen, Spülen, Kinder ins Bett bringen. Aufräumen, Brotdosen machen und dann war es irgendwie auch schon wieder elf.

Tag 2627 – Wochenenddinge.

Also, Pippi hat mich ja zum Backen gezwungen und es ist gut, dass ich zu Herrn Rabes Geburtstag schon mal so nen Unfall mit Butter-Schoko-Ei-Masse hatte und jetzt weiß, dass man das mit zusätzlichen Eiern gerettet bekommt. Und wenn man den Zucker auch tatsächlich in den Teig tut, statt ihn daneben zu stellen, schmeckt der Teig auch gar nicht so komisch. Morgens schon backen sollte ich lieber lassen, glaube ich. Aber die Muffins waren lecker.

Pippi war sehr aufgeregt und zur Abwechslung mal nicht viel zu spät, sondern stand schon zehn Minuten vor Abfahrt drängelnd an der Tür. Pippi und ihr Freund – ein sehr norwegisch aussehender Drittklässler mit hellblondem Haar und blauen Augen – benahmen sich erstmal wie Hundewelpen, die sich auf der Wiese treffen, und hüpften wild umeinander rum, aber sie beruhigten sich irgendwann. Pippi packte ihre Muffins aus, ich unterhielt mich kurz mit dem Papa, sagte Pippi noch mal schnell, dass sie keinen Scheiß machen soll und dann fuhr ich zu einem Treffen im überparteilichen Frauennetzwerk, wo es um Kommunalpolitik und den Einfluss von Sitzungszeitpunkt und -Vergütung auf die Zusammensetzung der politischen Gruppen ging. Das war sehr nett, aber auch sehr ernüchternd. Mein Eindruck, dass Kommunalpolitik vorwiegend von Männern 50+ gemacht wird, trifft exakt zu. Frauen sind bis zu dem Zeitpunkt, wo sie Kinder bekommen, politisch aktiv, verschwinden dann 7-8 Jahre lang komplett aus den politischen Arenen und erholen sich von dieser Pause nie. Statistisch gesehen*. Da gibt es nämlich eine ganz frische kleine Untersuchung aus dem „Gleichstellungszentrum“ von Norwegen zu, die sich das für Norwegen angeschaut hat. Es gibt durchaus Kommunen, die Sitzungen am Tag abhalten, es gibt Kommunen, die die Politiker*Innen angemessen bis fürstlich entschädigen, es gibt Kommunen, die Babysitterkosten übernehmen (und auch da eine weite Spanne, was die Höhe der Kostenübernahme angeht). Aber all das entscheidet die einzelne Kommune und deshalb gibt es in diesen Punkten komplett absurde Unterschiede in Norwegens 356 Kommunen. Für mich nehme ich mit: das ist alles nicht gottgegeben, nicht mal gesetzlich geregelt, also ist es möglich, bessere, inklusivere Arbeitsweisen zu entwickeln. Tschakka.

Weil nach dem Treffen bei Pippi wohl noch alles rosig war, fuhr ich kurz nach Hause, machte eine Einkaufsliste und erntete den Holunder, bevor er überreif wird. Dann holte ich Pippi ab und wir fuhren einkaufen und Eier holen und Pippi vermisste ihren Freund gleich sofort ganz schrecklich. Nawwww.

Zu Hause machte ich direkt Essen, viel zu viel, weil die Kinder nicht wirklich Hunger hatten und Herr Rabe ja gar nicht da ist. Nach dem Essen spielte ich eine Weile Geige, dann brachte ich die Kinder ins Bett und dann wollte ich nur kurz die Holunderbeeren von den Rispen abmachen und Saft kochen und dann vorm Fernseher abhängen, aber dann dauerte das mit den Beeren irgendwie fast anderthalb Stunden. Nachdem ich die Beeren fertig gekocht hatte, bemerkte ich diesen blinden Passagier unten am Topf – viel zu spät. RIP.

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*Männerbeteiligung geht Anfang 30 kurz etwas zurück, ist aber nach 1-1,5 Jahren bereits auf dem vorherigen Niveau.

Tag 2626 – Allein zuständig.

Herr Rabe ist mit seiner Firma nach Rom gefahren. Also für Spaß, nicht zum arbeiten. Das wird bestimmt gut und sei ihm gegönnt. Ich habe dafür am Montag ein Meeting mit dem Titel „Namaste“, bei dem wir so sexy Dinge machen wie die indische Covid-Kontakttracing-App runterladen. Ha.

Übrigens kosten mobile Daten in Indien 4€/MB und der Mobilfunkanbieter der Jobtelefone hat kein Datenpaket für Indien im Angebot. Äh, ja. Könnte teuer werden.

[Hier stand ein langer Rant über das IT-Projekt. Eine Woche noch. Eine Woche noch niemanden erwürgen.]

Apropos IT und Mobilfunk: seit Tagen versuchte ich, Karten für die Philharmonie zu bekommen, nämlich ein Mal ein Filmmusikkonzert und ein Mal ein Konzert der „Jungen Philharmonie“ mit unter anderem Prokofievs 2. Violinkonzert. Das eine mit der ganzen Familie, das andere nur Herr Rabe und ich. Aber bezahlen mit Mastercard ging nicht. Seit Tagen stand da der selbe Bescheid auf der Homepage: Mastercard geht grad nicht, bitte warten oder andere Karte nehmen. Heute wurde es mir zu doof und ich fragte meinen Kollegen sehr lieb, ob ich ihm den Betrag Vippsen (also, äh, schnell transferieren nur mit Handynummer) könne und er kauft die Karten. Das war dann aus Gründen doch ein bisschen schwieriger, aber am Ende hat er mit seiner Visa-Card bezahlen können und jetzt haben wir Karten. Hurra. Was für ein Aufriss.

Ansonsten war ich kurz mit Pippi einkaufen, denn sie will unbedingt morgen Muffins backen und zu ihrem Freund (ja, das haben Sie richtig gelesen), den sie morgen besucht, mitnehmen. Einkaufen war kein Problem, aber als ich die Gurke (nicht für die Muffins, sondern für die Meerschweinchen) in den Kühlschrank räumen und gleich drei Eier zum Aufwärmen rausholen wollte, zerschmetterte ich erst mal zwei der Eier auf dem Boden. Rohes Ei lässt sich ja mal gar nicht so gut aufwischen.

Tag 2624 – 3/3 abgeschlossen.

Es ist vollbracht. Auf allen Seiten waren alle am Ende zufrieden, das ist ja auch immer schön. (Auch immer wieder verwunderlich für mich, dass sich Leute bedanken, dass wir tagelang deren Schlechtigkeiten ausgebuddelt haben und denen am Ende diese vor den Kopf knallen. Andererseits würde eine Consultant für die selbe Arbeit echt viel Geld nehmen, und da hätte man außer nem Knacks in der Krone noch nicht mal irgendwelche Konsequenzen zu befürchten.)

Danach fuhr ich ins Büro, wo im IT-Projekt alles brennt, wie ich erfuhr. Auch… schön. So unerwartet! Mir egal, wir sind durch, wir warten nur noch auf die gefixten Defects zum Re-Test.

Da ich Pippi zum Tanzen fahren wollte, ging ich früh und stand dann sehr lange am Bahnhof rum, weil schon wieder irgendwas war. Irgendwie ist da grad sehr der Wurm drin, in diesen Zügen. Pippi war trotzdem pünktlich beim Tanzen, allerdings ohne Schläppchen (weil sie die nicht dabei hatte), mit nur einer Socke (weil die andere „in der Schule einfach so abgefallen“ ist) und mit einem sehr dreckigen Fuß (war halt keine Socke mehr dran). Naja. Gut, dass die mich in dem Ballettsenter gar nicht kennen oder wissen, dass ich Pippis Mutter bin. Ach so, oh.

Danach Kopfschmerzen und null, was sage ich, minus 200 Lust, noch weiter zu arbeiten. Das deshalb auch gelassen.

Tag 2623 – Fast durch und ziemlich durch.

3/3 ist nahezu fertig. Morgen noch unsere Findings präsentieren, ein bisschen diskutieren und dann habe ich einen halben Bonus-Arbeitstag gewonnen, weil wir nicht damit gerechnet haben, so schnell fertig zu sein.

Haben wir also auch das überstanden. Um eine Erfahrung reicher, würde ich sagen. Aber im Großen und Ganzen eine positive Erfahrung, ich hab wieder ein paar Dinge über mich gelernt, das ist ja immer spannend.

Was ich allerdings vorher schon wusste: unerwartete Planänderungen werfen mich aus der Bahn. Auch wenn ich von außen betrachtet die Situation souverän manage, läuft mein Hirn und mein Nervenkostüm heiß und das frisst sehr viel Energie. Ich hätte also den Test heute Morgen gar nicht gebraucht, der entstand, als ich um 07:28 Uhr am Bahnhof ankam, dort kein Zug war und alle Züge, inklusive dem, der um 07:30 gehen sollte, gecancelt waren. Signalfehler. Ich hatte das kleine Auto, mit dem kommt man kaum bis zum Flughafen, also schwang ich mich in das erstbeste am Bahnhof stehende Taxi. Mein Plan war, zum Flughafen zu fahren um dort dann in den Zug zu steigen. Ich fragte noch die ratlos herumstehenden Pendler*Innen ob jemand mitfahren und das Geld teilen möchte, aber wurde nur angeguckt wie ein Auto. Tjanun. War für uns alle die erste Stunde und ich war ein wenig in Panik, also fuhr ich allein. Auf dem Weg fand ich heraus, dass der Signalfehler am Flughafen war und deshalb dort die Züge nicht hielten. Also bat ich den Taxifahrer, mich bis nach Lillestrøm zu fahren. Ka-Tsching, dachte der vermutlich. Eine Stunde später (es war Stau, natürlich, denn auf der Strecke ist morgens immer Stau) war ich 1366 Kronen auf der Kreditkarte im Minus, und noch mal 30 Minuten später hatte ich Rückerstattung von 1366 Kronen bei der Zugbetreibergesellschaft beantragt*. Noch mal 20 Minuten später war ich 20 Minuten zu spät statt 25 Minuten zu früh bei der Inspektion. Meine Kollegin hatte schon mal angefangen, Teams sei Dank konnte ich sie darauf vorbereiten, dass ich wohl zu spät kommen würde und mit ihr besprechen, womit sie schon mal anfangen kann. Aber puh, ey, so viel Aufregung am frühen Morgen macht mich echt gar im Kopf.

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*ich bleibe nicht auf den Kosten sitzen, aber habe auch keinen Nerv, dann im Zweifel was an meinen Arbeitgeber zurückzuzahlen. Ich mag geregelte und eingleisige Geldflüsse.

Tag 2622 – Lieber nix.

Müde, Migräne, Maul-Laune (für die Alliteration). Aus irgendwelchen Gründen war ich heute im Büro, im Nachhinein lässt sich das nicht mehr so genau sagen und es fühlt sich auch sinnlos an. Um zehn nach drei habe ich das Werk fluchtartig verlassen, weil ich dafür zuständig war, Pippi vom Hort zu holen und Michel zum Kornettunterricht zu fahren und da es seit über einer Woche in Oslo einen immer wieder auftauchenden Erdungs-Fehler gibt, der dann die Züge lahmlegt, war die Heimfahrt heute risky business. Hat aber alles geklappt.

Jetzt Licht aus, morgen ist auch noch ein (Inspektions-)Tag.