Tag 1432 – Unzufrieden wegen Aufschieberei.

Hier heute super Sommertag und irgendwie hab ich nichts gebacken bekommen sondern nur ziellos rumgerödelt und Zeit verplempert. Nicht mal den 12von12 von gestern hab ich gemacht. Und morgen fahren wir früh nach Trondheim (immerhin hab ich da Zeit für eben 12von12), gefühlt ist aber nix fertig, ich kriege die Krise. Michel ist aufgeregt und turnt hier noch rum, das macht es nicht besser.

Tag 1430 – Ferientag 9.

Pippi und ich waren heute ernten. Auf dem Gemeinschafts-Bauernhof. Es war schon das zweite mal aber beim letzten Mal war Herr Rabe allein mit den Kindern und ich bei meiner Chefin im Garten. Dieses Mal also ich. Michel hatte keine Lust, Herr Rabe arbeitete noch zu Hause, aber Pippi nahm ich mit. Beste Entscheidung, obwohl sie erst nörgelig war und getragen werden wollte. Aber dann machte ich eigentlich nur noch gedankliche Schnappschüsse für mein Erinnerungsbuch:

  • Pippi, die sich den Salat direkt vom Feld reinschiebt, mitsamt Erde und sicher der ein oder anderen Raupe dran
  • Pippis dreckige, nackte Füße* im Gras zwischen den Gemüsereihen
  • Pippi, die freudestrahlend Fäuste voll Zuckerschoten präsentiert
  • Pippi und ich, wie wir einträchtig Zuckerschoten direkt auf dem Feld essen
  • Pippi, die sich vor einem sich aufplusternden Huhn erschreckt
  • Pippi, die mir den frisch geernteten Blumenkohl direkt aus der Hand reißt
  • Pippi, im Supermarkt**, ihren Blumenkohl wie Apfel essend

Ach, das war einfach super schön. Wunderbarstes Wetter, alles grünt und wächst und die Bienen summen um die Himbeersträucher, mittendrin dieses Bilderbuchkind*** und ein Lamm kommt angehoppelt und hach. Dieser Hof, dieses ganze Landwirtschaftsding, gibt mir ein Fünkchen Hoffnung, dass wir Landeier zumindest nicht als allererste draufgehen, wenn die Klimakatastrophe eintritt. (Ok, jetzt ist Sommer, im Winter trifft man auch die Bauern selbst im Supermarkt. Wir gehen also „erst“ im ersten Winter drauf. [Nicht drüber nachdenken, nicht drüber nachdenken, nicht drüber nachdenken.])

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*dieses Kind mag keine Schuhe. Und ich zwinge sie auch nicht. Auf dem Bauernhof nicht, wo das schlimmste sein könnte in Brennnesseln oder Schafkacke zu latschen, aber auch nicht in der Stadt. Sie wird entweder lernen, aufzupassen, wo sie hintritt, oder dass Schuhe halt doch einen Zweck erfüllen.

**Knoblauchbaguette wächst halt leider nicht auf dem Feld

***heute halt mal, für ein paar Stunden, aber man muss das ja genießen

Tag 1429 – Ferientag 8.

Pippi und ich haben heute einen Ausflug gemacht. Es war wahnsinnig spannend, quasi Ferienentertainment in Reinkultur. Wir waren in Oslo und haben unsere Winterbettdecke gewaschen (ehrfürchtiges Raunen vorstellen).

Es ist ja so: die Winterbettdecke, das wissen wir durch ein sehr spät nachts trocken werdendes Kind, liegt knapp über der Leistungsgrenze unserer Waschmaschine. Sie passt zwar rein, aber wenn sie dann richtig vollgesogen ist, schafft die Maschine das Schleudern nicht mehr, sie müht sich schrecklich ab aber die Unwucht ist zu groß und irgendwann gibt sie auf und man muss irgendwie versuchen, ein klatschnasses, tonnenschweres Stück Stoff trocken zu bekommen. In Trondheim kam ich deshalb irgendwann auf die geniale Idee, dafür in einen Waschsalon zu fahren, denn da gibt es bekanntlich deutlich größere Waschmaschinen. Nun ist Eidsvoll halt Eidsvoll und hier gibt es selbstverständlich keinen Waschsalon. Auch Jessheim hat keinen, Lillestrøm auch nicht, in Oslo gibt es ganze 2. Ich weiß nicht warum, aber Waschsalons sterben aus. Jedenfalls fuhren wir also dafür nach Oslo.

105 Kronen hin,

122 Kronen Waschmaschine,

115 Kronen Trockner,

105 Kronen zurück.

Hmmhmm. Würde ich nicht Reinigungen zutiefst misstrauen, nachdem wir mal Kissen (Daunengefüllt) haben reinigen lassen und das ewig dauerte und die Kissen danach sogar noch rochen wie vorher, würde ich sagen: das ist es ganz und gar nicht wert.

Aber so war es tatsächlich ganz lustig. Auch wenn die Besitzer*Innen des Waschsalons sehr hektisch herumsprangen und permanent irgendwelche Knöpfe drückten und mich anherrschten, weil ich zu langsam am Automaten bezahlte. Immerhin konnte ich mit meinem eigenen Waschmittel waschen, in der Dosierung, die ich möchte (da bin ich eigen) und ich weiß, die Bettdecke war immerhin einmal nass und dann einmal sehr warm, also dürften auch tatsächlich die meisten winterlichen Schlechtigkeiten nun raus sein.

Im Waschsalon hatten wir noch ein bisschen extra Unterhaltung, weil plötzlich, während ich die Wäsche von der Riesenwadchmaschine in den Riesentrockner umstopfte, die Tür aufging und ein (westlich-weiß aussehendes) Mädel im Sari hereinkam. Und dann noch eins. Und dann noch ca. 30, nicht alle davon westlich-weiß, aber alle in Saris oder gebatikten Tuniken, mit Punkten auf der Stirn und einige hatten Trommeln dabei. An der Bushaltestelle hatte ich von einem Hare-Krishna-Camp gelesen und mein durch Krimibücher geschulter Verstand schlussfolgerte, dass die bunte (Muhahaha) Truppe wohl daher kommen musste. In dem kleinen Salon war es schlagartig sehr eng, niemand sprach Norwegisch und ich war sofort von der Gesamtsituation überfordert. Die Mädels (und einige ganz wenige Jungs) hatten jede ein kleines Wäschenetz dabei und planten offenbar, jede für sich zu waschen. Schon eine normale Maschine hätte drei, vier dieser Netze gefasst, die Riesenmaschine bestimmt 8-10. Auf die Idee kamen aber diese ganzen Menschen nicht, stattdessen warteten die einfach alle, manche setzten sich hin und fingen an zu trommeln, bis eine Art Betreuer kam, der einen weißen Punkt auf der Stirn trug und ca. doppelt so alt wie der Rest war. Der handelte dann mit dem Waschsalonbesitzer, da trafen Welten aufeinander, es war geradezu lustig, bis es mir unangenehm wurde, denn der Waschsalonbesitzer nahm die wirklich arglosen und friedfertigen Hippies gnadenlos aus, verschwieg die großen Maschinen in der Ecke gekonnt und konnte sogar einen Teil davon überzeugen, für 120 Kronen das Kilo (!) die Wäsche von ihm waschen zu lassen. Vorteil: dann können sie die in anderthalb Stunden gewaschen und getrocknet abholen. 120 Kronen das Kilo, in der 10 Kilo Waschmaschine und dem entsprechenden Trockner (Preise siehe oben)… da hat der gute Mann echt ganz netten Umsatz gemacht, an einem Haufen Batikhemden-Jugendlicher, die, so schien es mir, die anderthalb Stunden trommelnd vor dem Waschsalon warten würden. Ich holte unangenehm berührt von dieser Raffgier Geschäftstüchtigkeit die Decke aus dem Trockner und zog mit Pippi und einer noch warmen, nach nichts duftenden Bettdecke von dannen.

Tag 1428 – Ferientag 7 (verschenkt).

Morgens aufgewacht mit einem Migräneanfall, der der Sorte angehörte, die ich glücklicherweise nur noch ganz selten habe: mit Übelkeit, Lärmempfindlichkeit, dem Bedürfnis was in meine linke Schläfe zu bohren und Resistenz gegen eine normale Dosis Triptane. Es ließ sich alles organisieren, Herr Rabe blieb etwas länger zu Hause, übergab Michel der Freundesmutter, die ihn mitnahm zu den Ferienspielen und Pippi guckte halt heute echt exzessiv Tablet. Nach einer zweiten Tablette gegen Mittag ließ sich der Restschmerz aushalten, dafür war halt mein Kreislauf ein schlechter Witz und dieses seltsame Ziehen im Hals ist auch unangenehm aber alles besser als Migräneschmerz! Trotzdem war mit mir halt nix anzufangen, ich konnte nicht mal irgendwo anrufen, weil ich das Gefühl hab, meine Zunge ist schwer und ich lalle so leicht rum. Vielleicht war es für Pippis Rotznase aber auch ganz gut, wer weiß. Jedenfalls: halt nix, aber auch wirklich gar nix von meiner langem To-Do-Liste auf die Reihe bekommen heute. Völlig verschenkter Tag.

Herr Rabe versorgte mich zwischendrin mit Unterhaltung. Wenn Simone Giertz mit Laura Kampf einen Tesla zersägt, bin ich doch dabei!

Pippi ging heute sehr viel besser ins Bett. Erst meinte sie zwar zu mir, ich solle doch den Stuhl einfach neben ihr Bett stellen (schlaues Mädchen) aber das lehnte ich liebevoll aber bestimmt ab. Mehr Abstand, liebes Kind, ich brauche mehr Abstand. (Die ist so putzig, und gleichzeitig so anstrengend. Die große Maus.)

Abends dann noch mein neues Spielzeug mit meinem neuen Abenteuer zusammengebracht. Ja, das ist ein total überteuertes Technikdingsi, ich möchte nicht darüber reden.

So hübsch!

Dass ich seit ich die Uhr bestellt hab, versucht habe, den allerbesten Bildschirmschutz zu bekommen, sagt viel über mein Vertrauen in meine Vorsicht meine Erfahrung mit Touchscreens. Mein FitBit hatte ja auch nach einer Woche schon einen Kratzer am Display, weil ich die Uhr beim Putzen umgelassen hatte und damit unterm Küchenoberschrank langschrappte. Da war lackierte Pressspanplatte härter als das Display. Aber die Uhr soll so schön bleiben und deshalb suchte ich. Weil ich ein YouTube-Influencer-Opfer bin kaufte ich nach dem Ansehen dieses Videos dann Liquid Glass. Ich bin skeptisch. Man wischt mit dem einen Tuch, dann mit dem anderen Tuch und am Ende mit einem dritten Tuch und dann soll das besser sein als Panzerglas zum Draufkleben (es gibt für dieses Modell der Apple Watch leider noch kein Glas von meiner bevorzugten Marke). Nun. Es fühlt sich an wie Magie, vielleicht ist es Magie, aber wer heilt hat Reicht wenn’s trotzdem funktioniert soll’s mir recht sein.

Und nun ins Bett. Der Kopf geht immer noch nicht wieder richtig.

Tag 1427 – Ferientag 6 und Tschüss, Besuch.

Heute war der erste Tag von Michels viertägigen Ferienspielen und gleichzeitig Abreisetag für meinen Bruder. Die Ferienspiele sind eine „Balanceschule“ mit Parcouring, Trapez- und Seilartisterie und Balance/Koordination. Oder wie Michel sagt „wir haben Aufwärmen gemacht und Stretching und ein Mädchen [die eine Trainerin, die dem Mädchenalter auch schon gut entwachsen sein dürfte] kann gefährliche Sachen an einem Seil machen, das von der Decke baumelt, sonst weiß ich auch nicht mehr“. War wohl aber gut. Was auch immer sie da taten.

Pippi ist ein wenig überdreht ohne Michel. Das werden spaßige 3 Tage noch.

Michels Uhr fiel gestern am See auf die Steine und das Uhrglas brach. Die Reparatur des Glases wird mehr kosten als eine neue Uhr und ca. drei Wochen dauern, weil Ferien sind. Trotzdem machen wir das und kaufen nicht einfach eine neue Uhr, denn ich kriege bei der Wegwerfeinstellung der Gesellschaft in Anbetracht der Müllberge auf fernöstlichen Inseln echt zu viel und hoffe, Michel lernt so mehr draus. Dass das Geld für die Reparatur oder halt eine neue Uhr von seinem Sparkonto kommt, kriegt er ja so noch nicht mit, das Konto ist für ihn ganz abstrakt. Drei Wochen ohne die neue Uhr sind da eindrücklicher.

Projekt „Kinder schlafen alleine ein“ läuft heute eher mäßig. Seit gestern sitze ich nicht mehr neben dem Bett sondern 2 Meter weiter am Kinderschreibtisch. Pippi findet das total kacke und boykottiert das Einschlafen. Durst, Pipi, Nase läuft, Spieluhr, Kuscheltier, dies, das, jenes. Bloß nicht einschlafen. Hoffentlich ist das jetzt nur ein kurzes Aufbäumen gegen diese schier unmenschliche Behandlung durch uns, jeden Abend diskutiere ich nicht mit so einem laufenden Meter herum. Davon abgesehen: 10 Minuten mit dem Kind kuscheln vs 60 Minuten mit dem Kind diskutieren und es immer wieder ins Bett schicken – wenn es so bliebe sähe ich da null Vorteil.

Außerdem ist mein Bruder heute nach Hause gefahren und ich bin ein bisschen traurig. Das war eine schöne Woche. Schnüff.