Tag 1071 – Ferientag 9. Von Erleichterung.

Drei Banken gegeneinander ausgespielt, wie so ein erwachsener Mensch mal wieder. Dabei herausgekommen ist:

  • ein Zinssatz knapp unter dem, was ich für die allerbilligste Bank in so einem Banken-finder gefunden hatte (die allerbilligste Bank war eine der dreien)
  • Eine große, renommierte Bank mit echten Filialen (da flog die allerbilligste Bank)
  • Keine Einrichtungsgebühr
  • Erster Monat abschlagsfrei (wegen der Miete, die wir eventuell bis September weiter zahlen müssen, während leider zeitgleich mein Gehalt erst Mitte September kommt)
  • Super günstige Versicherungen, viel günstiger als das, was unsere bisherige Versicherung uns kostet und angeboten hat* (da flog eine andere große Bank trotz nettem Kontakt und großer Bemühungen um uns raus)

Ich bin damit sehr zufrieden.

  • Dazu kommt
    • Sondertilgung bis zu einem gewissen Betrag jederzeit und kostenlos möglich
      Laufzeitänderung/Änderung der Höhe des Abschlags/Änderung des Datums des Geldeinzugs jederzeit und kostenlos online möglich
  • Und ehrlich, nicht nur wegen der Ultra schnellen Bearbeitung mag ich Norwegen ja dann doch manchmal sehr.
  • Heute Nachmittag haben wir also diesen Vertrag unterschrieben und damit zugesichert, dass wir bis nächsten Mittwoch die Anzahlung auf das Konto überweisen werden. Da war das noch… naja, möglich, indem wir die Kinderkonten leerräumen und den Rest des Monats halt von Dosenfisch und den 2,5 kg Weizenvollkornmehl aus dem Vorrat leben. Aber dann trudelte am Nachmittag die Unterstützung seitens der Familie ein. Puh. Die Freude über den absurd hohen Kontostand währte nur kurz, dafür ist das Konto für das Eigenkapital jetzt gefüllt. Wir können auch am 31. noch essen und morgen bestelle ich einen Kühlschrank. Uff. Uff, uff, uff.
  • Als Tagesabschluss waren wir heute Abend dann noch mit meiner Ex-Kollegin N. angeln, denn das hatte sich Michel immer gewünscht, aber sie fährt am Samstag für zwei Wochen nach Grönland und deshalb drängte die Zeit. Wir haben nichts gefangen, aber schön war es trotzdem. Vielleicht auch grade weil wir nichts gefangen haben, denn irgendwas töten und dann ausnehmen und so, hmm, das ist nicht so mein Ding. Mir ist sehr bewusst, dass das passieren muss, bevor man Tiere essen kann, ich bin aber dankbar, dass ich das im Normalfall eben nicht selbst erledigen muss sondern Profis das für mich machen. Aber das nur am Rande, Michel war jedenfalls unheimlich glücklich, dass er ENDLICH angeln war. Außerdem wackelt jetzt sein Zahn schon recht doll. Da kann man schon mal sehr stolz sein, so als Fünfjähriger.
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  • Auto-Lobhudelei: Innerhalb von 40 Stunden einen Hauskredit klargemacht. Ich brauche heute nicht lobhudeln, ich *bin* die fierceste Queen heut.
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  • *die Versicherung hat mir auch eiskalt und ohne Absprache einfach eine zweite Hausratversicherung in mein Online-Portfolio gepackt. Also zusätzlich zu der, die wir schon haben, ohne die alte zu löschen. Das ist jetzt nicht so ganz tolle Kundenbindung, liebe Versicherung.
  • Tag 1070 – Ferientag 8. Vom Telefonieren.

    Dafür dass ich nicht gern telefoniere, mache ich das grad echt viel. Mit Banken, mit dem NAV, mit meiner Mutter, mit der Umzugsfirma, mit der Versicherung. Vor allem die Gespräche mit Banken sind so… hmm. Uff. Uffuffuff. Was ich nämlich bei der ganzen Kreditsache nicht bedacht hatte: die Pfanddokumente (wie auch immer das auf Deutsch heißen würde) müssen am Tag der Übernahme schriftlich beim Ting (äh, Gemeindeverwaltung?) vorliegen, dafür müssen sie bei großen Banken halt erst per Post zur Zentralen Pfanddokumenteabteilung, die macht nen Stempel drauf und dann schickt die es halt weiter an den Ting. Ergo: zwei mal Postlaufzeit. Normalerweise braucht Post hier nicht lange, 2 Tage maximal, aber der Kaufvertrag fürs Haus hat zum Beispiel jetzt eine Woche gebraucht. Es eilt also, es brennt geradezu, gar nicht mal dass das Eigenkapital da ist (da haben wir noch ne Woche Zeit), sondern dass der Kreditvertrag unterschrieben werden muss. Asap, am besten eigentlich vor ner Woche schon. Hoppala.

    Nun ja, morgen könnten wir einen Vertrag unterschreiben, ob wir das tun, hängt davon ab, ob wir bis morgen 14:00 Uhr noch konkrete, bessere Angebote* kriegen und ob diese besseren Angebote von der betreffenden Bank eventuell gematched oder unterboten werden können. Die Wahrscheinlichkeit, dass wir morgen irgendwas unterzeichnen ist jedenfalls hoch.

    Es bleibt alles spannend hier, etwas zu spannend für meinen Geschmack, aber tjanun. So ist das eben. Die Kinder freuen sich jedenfalls darüber, wenn ich viel telefonieren muss, dann passt nämlich Peppa Pig auf sie auf. Jaja, Asche auf mein Haupt.

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    Auto-Lobhudelei: s.o.

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    *Sie dürfen mir (und auch Herrn Rabe, das klingt hier alles immer so als wäre der total passiv in der Geschichte und: ist er nicht) schon ein bisschen gesunden Menschenverstand zutrauen. Wir haben das alles vorwärts und rückwärts durchgerechnet, wir wissen, dass der reine Zinssatz nicht hundertprozentig aussagekräftig ist, wir wissen, dass es in Deutschland Sondertilgungsrechte gibt und dass das manchmal Trara geben kann, und vor allem: wir wissen, dass vieles in Norwegen anders läuft. Gerade diese Bankgeschichten sind hier anders gelagert. Jetzt eilt es sehr, das ist keine tolle Verhandlungsbasis, wir können nicht in Seelenruhe 20 Banken gegeneinander ausspielen, aber das wollen wir auch gar nicht. Drei reichen.

    Tag 1069 – Ferientag 7. Vom Heulen.

    Ich habe heute zwei mal geheult. Einmal, weil das hier alles zu viel für meine Nerven ist. Diese „Wird das Geld rechtzeitig hier sein? Werden Banken sich auf „Rufen Sie halt die blöde sich jeglicher Kommunikation per mail verweigernde Bank meiner Oma an und fragen Sie selbst, warum das alles so lange dauert wann mit dem Geldeingang zu rechnen ist.“ einlassen? Ist eine Woche, gerechnet von Freitag, denn da soll angeblich das Geld von meiner Oma hier sein, überhaupt genug um den ganzen finanziellen Kram abzukaspern? Werden wir Nachmieter haben? Ab wann? Wird das Arbeitsamt die Umzugskosten übernehmen? Wenn nicht, und wenn sie das echt erst in drei Wochen entscheiden – WAS DANN??? Ahhhhhhh…“, das ist jedenfalls alles zu viel und deshalb musste ich heute mitten am Tag Herr Rabe viele Panik-SMS schreiben und als er mich dann anrief musste ich leider Rotz und Wasser heulen, zu viel alles, zu viel Verantwortung auch und Warten kann ich eh nicht gut. Det ordner seg bestimmt, jaja, das geht alles gut, aber HERRJE, es ist krass. Plötzlich Prinzessin würde ich ja vielleicht noch halbwegs meistern, dank Selbstironie, aber Plötzlich Erwachsen ist nicht so meins und da hilft es auch nicht, sich nicht so ernst zu nehmen.

    Aber ich hab ja auch noch eine Freundin (M.) und wir waren eh verabredet und der hab ich dann mein Herz auch nochmal ausgeschüttet und dann ging es schon viel besser. Michels bester Freund H. ist ja ihr Sohn und der war bis Sonntag Abend auf Papa-Urlaub und fliegt morgen zu seinen Großeltern, wo er dann bleibt, bis wir umgezogen sind. Dieser letzte Zusammen-Tag war für die Kinder wohl ein Traum – Sonnenschein, Spielen im Rasensprenger, Eis, Pizza und dann noch ein echter warmer Sommerregen, währenddessen die Kinder jauchzend auf dem Trampolin hüpften, klatschnass wurden und dann in Handtücher gemummelt irgendeine Natursendung schauen durften. Mehr Bullerbü geht quasi nicht ohne kratzende Kleider aus Wolle und Leinen. Und als wir gefahren sind, musste ich weinen und jetzt auch schon wieder wo ich das aufschreibe weil wäääähähähä, meine einzige Freundin hier und der beste Freund von Michel und Pippi findet den auch so toll und was wird der arme Kerl ohne Michel machen, es ist alles traurig.

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    Auto-Lobhudelei: sehr erwachsen gewesen und 6 (!!!) Banken wegen Kredit angeschrieben. Mit dem Makler telefoniert und klargemacht, dass wir den Kredit frühestens Freitag klarmachen können, mit der Bank meiner Oma telefoniert, mit meiner Oma telefoniert, mit dem Geschäftsführer meiner neuen Arbeit telefoniert und meiner Mutter bisher nicht Inkasso-Igor auf den Hals gehetzt.

    Tag 1067 – Aufregend.

    Der Umzug und der neue Job sind für mich furchtbar aufregend. Positiv meist, aber auch ein bisschen angespannt. Für den Umzug ist einfach noch viel zu tun, ich muss ja auch noch den tatsächlichen Kredit mit Banken aushandeln und dafür muss das Geld aus Deutschland endlich hier ankommen*. Dann habe ich keine Ahnung**, wie wir die ersten sechs Wochen über die Bühne bringen sollen, in denen ich noch kein Gehalt aber logischerweise auch kein Geld vom NAV mehr kriege. Ob Michel einen Hortplatz kriegt, wissen wir ja auch noch nicht, die Schule hat offenbar Ferien und da erreicht man niemanden***. Aber es werden so viele Dinge gut, dass es das einfach wert sein muss. Keine Wäsche mehr im Wohnzimmer trocknen zum Beispiel, das wird super. Einen Garten haben. Endlich den grünen Schrank und all die Bücher, die noch bei meiner Oma auf dem Dachboden liegen, aus Deutschland holen. Ein Gästezimmer haben und viel besseren Gewissens Leute einladen können. All das wird einfach toll. Aber dann ist da halt auch der neue Job und so spannend das alles ist, fühle ich mich, als hätte ich einfach gar keine Ahnung. Vermutlich, weil ich gar keine Ahnung habe. Ähäm. Naja, ich kann das ja lernen, ne? (Uiuiui.)

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    Auto-Lobhudelei: Mir eine lange Weile im Bad genommen und fast ohne schlechtes Gewissen ausführliches Körperpflegeprogramm gemacht. Meine Haare sind jetzt wieder silbrig-blau. Und abends endlich den Antrag geschrieben, den ich das ganze Wochenende schon wegen „Ich habe aber doch gar keine Ahnung!“ vor mir hergeschoben habe.

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    *Ich frage mich ja, was mit dem Geld zwischen „Bank in Deutschland schickt es ab“ und „Bank in Norwegen nimmt es in Empfang“ passiert, das rechtfertigt, dass das gerne mal ne Woche dauert.

    **Naja, doch, die Lösung heißt „Zahlungsaufschub“ und könnte man zum Beispiel beim Möbelschweden machen, aber schön fühlt sich das nicht an.

    ***also Sonntags eh nicht, aber auch die ganze letzte Woche war niemand zu erreichen.

    Tag 1066 – Schränke weg, Backenzähne da.

    Wir haben den ganzen Tag lang gepackt, vornehmlich im Schlafzimmer. Herr Rabe und ich schwanken beide zwischen „SO VIEL ZEUG OH MEIN GOTT!“ und „Ach, so viel ist das echt gar nicht.“ sowie „NUR NOCH ZWEIEINHALB WOCHEN ACH DU SCHEISSE WIE SOLLEN WIR DAS SCHAFFEN!“ und „Ach, eigentlich sind wir schon echt weit und zweieinhalb Wochen recht viel Zeit.“. Jedenfalls wurde heute weiter reduziert, ich habe drei riesige Taschen voll Zeug zum Fretex-Container geschleppt und einen Kinderschlafsack und zwei Schränke verschenkt. Jetzt sieht unser Schlafzimmer voll groß aus.

    Die Kinder sind entsprechend der Situation gelangweilt, Eltern, die den ganzen Tag Sachen in Tüten und Kisten stecken sind keine gute Unterhaltung. Michel wird dann gern extra anhänglich und sitzt zum Beispiel oben auf der Leiter und nölt vor sich hin. „Orrrrr, was soll ich machen? Mir ist soooooo langweilig! Mama! Was. Soll. Ich. Machen??? MAMA! LAAANGWEILIG!“. Heute kroch er mir auf den Schoß. „Mama? Was machen wir noch?“ „Ich weiß nicht, kitzeln vielleicht?“ sagte ich und kitzelte ihn durch und wie er da so lachte sah ich mehr Zähne als ich erwartet hatte. Er hat sich nämlich klammheimlich zwei bleibende Backenzähne oben wachsen lassen und unten guckt auch einer schon raus. Hatte ich gar nicht bemerkt. Und der Schneidezahn wackelt auch nach wie vor, jetzt aber der daneben auch. Schwupps, großes Kind mit Wackelzähnen. Apropos großes Kind: er hat von seiner Kindergartenfreundin so eine Art Liebesbrief bekommen und es gar nicht geschnallt. Sie hat sich und ihn gemalt, wie sie im Bett liegen und Händchen halten und um sie rum ist ein Haus und obendrüber steht „Kjærestehus“, also „Pärchenhaus“. So niedlich, ich falle um. Und bald Schule. Der kleine große Zwerg*.

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    Auto-Lobhudelei: klar kommuniziert, dass ich vor Überforderung schreiend im Kreis laufen möchte und Anweisung brauche, was ich tun soll.

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    *Nach all dem Genöl über die Wut des Wutzwerges muss ich ja jetzt auch mal loswerden: es ist grad viel viel besser. Als wäre es für ihn auch einfacher mit dem konkreten „in drei Wochen ziehen wir daundda hin“ umzugehen als mit dem Rumgeeier und dem Damoklesschwert davor. Wer kann’s ihm verdenken, ich jedenfalls nicht. Aber ich freue mich, auch vor allem für ihn, dass er jetzt entspannter ist.