Tag 2170 – Geschafft.

Einen entspannten Arbeitstag hinter mich gebracht, jetzt fertig und bereit für Urlaub. (Ok, Freitag arbeite ich ein bisschen, aber echt nur ein bisschen und ich möchte da nicht reingeredet bekommen, danke.)

Heute Abend hätte ich deshalb gerne ein Bier aus dem Norden in Regenbogendesigndose auf der Terrasse getrunken, wegen Kopfschmerzen (natürlich, ist ja jetzt Urlaub) wurden es aber nur YouTube-Videos im Bett. Tjanun. Es wird schon noch genug Entspannung geben, bis auf kurz Freitag sieht mich die Arbeit erst im August wieder.

Tag 2169 – Noch ein bisschen Magie.

In Norwegen gibt es ja keine Aerosole. Deshalb reicht ein Meter Abstand, auch wenn man keine Maske trägt.

Es gibt hier auch nicht wirklich Long Covid.

Kinder werden nicht krank. (Von Long Covid mal ganz zu schweigen!)

Eine vierte Welle gibt es nicht.

Delta wird nicht gefährlich.

Eine Impfdosis reicht für den „grünen Coronapass“, auch in Zeiten von Delta.

Reisende schleppen kein Corona ein (außer osteuropäische Gastarbeiter*Innen. Die schon. Aber die Wikinger doch nicht, die sind ja (mit einer Dosis) geimpft).

… ist schon doll, hier in Andersland.

P.S. Ich wünschte ich würde mir das ausdenken oder das wären nur Verschwörungsschwurbeleien auf Telegram oder Wahlkampfgesülze. Aber nein, das sind offizielle Empfehlungen einer (nicht meiner) Gesundheitsbehörde.

Tag 2168 – Endspurt.

Arbeit, Arbeit, zu viele Meetings, zu viel muss heute und morgen noch fertig werden. Tjanun. Danach sind 5,5 Wochen frei.

Ebenfalls Endspurt als Elternvertreterin der Grundschulklasse. Mache ich eher nicht noch mal, die Möglichkeiten, tatsächlich Einfluss zu nehmen erwiesen sich als minimal nicht existierend. Traurig, aber wahr. Sommerabschluss wird wie Weihnachtsfeier: nur die Kinder in der Schule, wir Eltern müssen zu Hause bleiben (für mich definitiv eh besser!). Es gibt ein Tütchen Süßkram und ein Trinkpäckchen für jede*n, das hat Familie Rabe heute in Teamarbeit gepackt. Als Dankeschön für die Lehrerinnen habe ich jeweils eine kleine Blumenampel mit Erdbeeren bepflanzt, weil ich wirklich was dagegen hab, sterbende Blumen (die in Norwegen halt auch einfach absurd viel Geld kosten) zu verschenken.

Noch nicht ganz Endspurt aber endlich etwas, das man vielleicht „Rohvibrato“ nennen kann, im Vibratoprojekt. Ich muss jetzt endlich nicht mehr nur Katzen quälen, sondern verkleinere die Bewegung, bis der jeweilige Finger an einem Punkt ist. Das funktioniert bei allen Fingern, außer dem 1. Der ist immer noch irgendwie steif, da ist ja auch kein Platz, da oben an der Schnecke, gnah (zugegebenermaßen geht es in den anderen Lagen auch nicht sonderlich viel besser). 4. Finger ist quasi kein Problem (den finden wohl viele sehr schwierig) aber der 1. verlangt mir sehr viel Konzentration ab um wenigstens ganz leicht… Hmpf. (Gut dass ich bald Ferien hab, da kann ich den 1. Finger zu mehr Lockerheit meditieren.) Mit meinem neu gewonnenen, noch nicht fein geschliffenen Skill habe ich dann die langsameren Sätze der zwei KinderSchülerkonzerte mal extra langsam und mit dem Ziel, auf jeder mindestens Viertelnote Vibrato zu benutzen, durchgespielt und das macht schon sehr sehr viel aus, jetzt schon. Ich freue mich auf den Feinschliff, ich glaube, der Grind wird sich am Ende wirklich auszahlen.

Noch eine etwas lustige Anekdote und ein Grund zur Freude: Herr Rabe (Jahrgang ’83) bekam heute seine Impf-SMS und hat nun einen Termin nächste Woche. Zwei Stunden später hatten sie sich zu Jahrgang ’85 durchgearbeitet und wenn ich wollte, könnte ich mich nächsten Dienstag gleich noch mal impfen lassen. Ich habe mich also tatsächlich nur um 1,5 Wochen vorgedrängelt, das ist ein bisschen beruhigend und das System benachrichtigt wirklich jede*n, das ist auch beruhigend, auch wenn’s bei mir jetzt unnötig war. (Ja, ich hab geguckt, ob es irgendwie möglich wäre, ein drei-Wochen-Intervall hinzumogeln, aber das haut mit der OP zeitlich nicht hin und 14 Tage nach dem OP-Termin waren noch keine Termine zu vergeben.)

Ich bin ja eh großer Fan von BankID.

Tag 2167 – Mag nicht.

Ich hab Laune, und verpeste schon den ganzen Tag über die Luft um mich rum mit selbiger. Wäre ich zur Zeit auf Twitter, würde ich vermutlich dort herumtrollen und Leute ankacken, bin ich aber nicht, also wurde es… Facebook. Man könnte das jetzt als voll supi Aktivismus erklären, wie ich immer so aufstehe und mich positioniere und yeahhhh Pride und Feminismus und überhaupt. Aber mal ehrlich: manchmal habe ich einfach meinen Drang, Leuten zu sagen, dass und warum sie Pech beim Denken (und Posten) haben, nicht gut unter Kontrolle. Someone is wrong on the internet. Klugscheißerin for life.

Man könnte jetzt auch irgendwas zusammenfabulieren von wegen „besser Erwachsene auf Facebook als die eigenen Kinder“ aber auch die bekamen es heute ab. Mit denen vertrage ich mich aber hinterher wieder, bei Facebook diskutiert keine*r mit mir. Ist auch besser so. Ich hab ja auch recht.

Morgen ist bestimmt schon wieder alles besser. Zumindest sind die Kinder tagsüber nicht hier und streiten sich auch nicht miteinander. Uff.

Tag 2166 – Happy happy.

Hochzeitstag, 12.

Wurde begangen wie wir das gemeinhin tun, nämlich nicht besonders, übergangen könnte man auch sagen. Das ist bei Weitem nicht traurig, das ist halt einfach so hier im Rabenhaus. Wir haben uns trotzdem lieb. Ich meine, wir waren auch erst ein Jahr nach unserer Hochzeit auf Hochzeitsreise. Wir machen einfach bei Gelegenheit was schönes (müssen halt die Kinder dafür wegorganisieren) und nennen es Hochzeitstag. Ansonsten über alles reden können, Konflikte ansprechen und gemeinsam lösen und sich gegenseitig einfach sein lassen und Raum geben die deutlich besseren Geschenke als ein Mal im Jahr Blümchen und Schmuck (Ohrringe schenkt mir Herr Rabe sowieso eher zwischendurch und anderen Schmuck trage ich quasi nicht).

Zur Feier des Tages Weil Michel das unbedingt wollte, waren wir heute im Schwimmbad. So wie ca. ganz Eidsvoll, aber wenn man schon mit zwei Kindern mit leuchtenden Augen im Schwimmbad steht, ist umdrehen, weil „zu voll für immer noch Corona“ keine reale Option. Nächstes Mal wieder jenseits der Familien-Rush-Hour, das heute war nicht wirklich vertretbar. (Ausrede: mir war entgangen, oder vielleicht habe ich es auch verdrängt, dass es keinerlei Zugangsbeschränkungen mehr gibt. Keine maximale Besucherzahl, keine Beschränkung auf Leute, die in der Kommune wohnen. Nix. Nur ne Liste am Eingang, in die man sich eintragen soll.) Immerhin ums Baby-Becken kamen wir drum rum, nachdem eine Durchsage kam, das sei wegen Kot im Wasser gesperrt. Michel schwimmt schon ein wenig besser und Pippi kann man mit Bienchen um tatsächlich einfach plantschen lassen, die schwimmt damit kreuz und quer durchs Becken und hat Spaß. Sie wollte auch nicht, dass ich immer neben ihr herschwimme und ich musste ihr erklären, dass ich das aber möchte und auch muss, weil die Bademeister*Innen (und der Gesetzgeber) das sagen. Danach ist sie etwa 2000 mal gerutscht und hat dabei ganz nebenher große Jungs, die sich vordrängeln wollten, zurechtgewiesen. Sie kann sich behaupten, auch wenn sie den Jungs nur bis zur Brust ging.

Nach dem Schwimmen waren alle müde und hungrig und wir feierten den Tag weiter mit Döner für die Erwachsenen (kein echter Döner, dafür muss man nach Oslo) und Pizza für die Kinder. Zubereitet von Kebabish, was wirklich so heißt und der Name ist auch Programm, aber es ist für ab und zu nicht selbst kochen müssen ok.

So, und damit ist der Tag auch vorbei. Herr Rabe tötet feierlich ein paar virtuelle Wikinger, (Halb-)Götter, Wölfe, Bären und zwischendurch trinkt er wen untern Tisch oder angelt. (Falls irgendwer ne PS5 rumliegen hat, das wäre doch mal ein angemessenes Geschenk zum 12. Hochzeitstag.)

Tag 2165 – Nur noch ein paar Tage.

Ein bisschen noch durchhalten, dann ist Urlaub. Ich bin ganz schön platt insgesamt, muss ich sagen. Also einfach urlaubsreif.

Wir haben unsere Arbeit zur Arbeitsplatzverteilung wieder aufgenommen, nach den Ferien dürfen wir vermutlich alle wieder zurück ins Büro, aber es gibt neue Regelungen zum mobilen Arbeiten* und die sind überraschend flexibel. Damit hat sich eine meiner Prophezeiungen schon mal nicht erfüllt. Trotzdem oder grad deshalb wäre es irgendwie schon nett, wenn sich unsereins irgendwie auf irgendwas vorbereiten könnte, das nicht unglaublich vage ist.

Impfnebenwirkungsstatus: alles gut, sogar der Arm tut nur noch weh, wenn ich drauf drücke. Das Aua ging genauso schnell wieder weg, wie es gekommen war.

Kinderstatus: Michel hat heute seine Schulmappen mit nach Hause gebracht und dass ein Drittklässler über Tröpfcheninfektion Bescheid weiß und mit „Amungus“ erklärt, hätte man ja vor 2 Jahren auch noch nicht gedacht.

Wir können dann später immer bei Familienfeiern peinliche Geschichten auspacken. „Als wir jünger waren, haben wir noch allen möglichen Leuten die Hand gegeben. Der Reihe nach und ohne desinfizieren! Und es war ganz wichtig, kräftig zuzudrücken, aber nicht zu hart!Wenn man irgendwen wichtiges falsch begrüßt hat, konnte das richtig Ärger geben.“

So, ab ins Bett jetzt. Wird Zeit für ein bisschen Schlaf, die letzte Nacht war eher unruhig (unter anderem wurde ich um zwei davon wach, dass ein Kind, dessen Ankunft dort ich nicht bemerkt hatte, unser Bett verließ. Momentan muss man leider ein bisschen dahinter her sein, dass die Kinder dann nicht mitten in der Nacht aufstehen, also ging ich gucken, ob alle in ihren Betten lagen. Taten sie und schliefen selig, vielleicht hab ich mir das Aufwachen auch nur eingebildet…)

Tag 2164 – What a day.

Ich gewann den Augenarzttermin. Das war etwas chaotisch alles und ich die schlimme Karrieremutti, die nebenher an Meetings teilnimmt, weil ich nicht mit dem Verabreichen von Augentropfen inklusive Zeit, bis die wirken, gerechnet hatte. Fazit des Augenarztes: weiter Brille tragen, Stärke passt noch, und „Sie ist sehr bereit für Schule, oder?“. Hmmja, ist sie.

Arbeit, da IT-Dings und überaus schlecht gelaunter Kollege.

Zwischendrin (also wirklich quasi im Wortsinn, Meeting zu Hause angefangen, im Auto und in der Schlange weiter geführt, kurz ausgemacht und beim anschließenden Warten im Wartezimmer und auf der Rückfahrt weiter teilgenommen) Dinge getan, von denen ich den Eindruck habe, dass sie nicht passiert sind, wenn man keine Bilder davon postet:

1. Impfdosis.

Ich hatte meine Hausärztin nämlich angeschrieben, nachdem ich herausgefunden hatte, dass man besser nicht zeitlich rund um eine OP geimpft werden sollte, eine OP aber gleichzeitig das Risiko, schwer an Corona zu erkranken, erheblich (wenn auch vorübergehend) steigert. Meine Hausärztin hat dann beim Impfzentrum angerufen, die bestätigt haben, dass ich damit sozusagen der Gruppe „18-44 mit Vorerkrankungen“ zugerechnet würde, die… schon fertig ist mit Impfen. Das Impfzentrum rief mich also an und gab mir einen Termin, aber so richtig konnte ich das erst glauben, als mein Arm anfing, weh zu tun.

Anekdote: unerwartete Fragen, die mir gestellt wurden. 1. „Nehmen Sie Betablocker?“ 2. „Sind Sie Links- oder Rechtshänderin?“, 3. „Schlafen Sie auf dem linken Arm?“

Den Termin zur Zweitimpfung nehme ich erst ernst, wenn sich der Tag nähert. In den letzten Wochen wurden hier mehrmals die Impfintervalle geändert und Termine verschoben und weiß nicht was… kann ja auch gut sein, dass, wenn im Juli alle außer uns verreist sind, Leute zur Zweitimpfung nicht auftauchen und sie dann andere terminlich vorziehen. Who knows, insofern beschäftige ich mich mit dem Termin noch nicht wirklich.

Naja, danach jedenfalls weiter Arbeit, dann Kindergartenabschlussfest. Die Vorschulkinder bekamen ihre Mappen mit ausgewählten Kunstwerken ausgeteilt, es gab Pølse, Kuchen und Eis und 6 (Vorschulgruppe plus Michel) aufgekratzte Kinder, die auf Zucker und Aufregung durch den „Apfelgarten“ sprangen. Pippi tanzte und sang ein improvisiertes Stück vor und auch in der kurzen Rede für jeden erwähnte Tante E. Pippis große Kreativität. Die schäumt halt den ganzen Tag vor Ideen, es kommt immer Geräusch aus dem Kind und still sitzen ist auch nicht so ihres, aber sie kann die Energie wirklich gut in Kunst aller Art kanalisieren, ist Melodie-, Text- und Choreografiesicher (alles keine Selbstverständlichkeit mit 5, 15 oder 50!) und liebt es, eine Bühne zu haben. Hoffentlich kann sie sich das bewahren.

Ich werd den Kindergarten ein bisschen vermissen, aber ich freue mich auch drauf, kein Kindergartenkind mehr zu haben.

<3 bester Kindergarten.

Nach Hause, 18 Minuten Geige Kurzprogramm (16 Minuten Vibrato-Übung „Katze quälen“ und Rieding op. 35 2. Satz zum Anwenden) und auf zum Tanzen. Ja, das soll man nicht, und liebe Kinder, do not try this at home or at all, man soll sich schonen nach der Coronaimpfung. Aber außer Aua im Arm und absurdem Durst fühlte ich mich ok, und ich bin sehr unflexibel und das Tanzen war geplant, also fuhr ich wieder zum Kindergarten und wir tanzten auf der Wiese und drehten davon ein Video. Derweil regnete es. Doll.

Beweisfoto „Wir sind härter als das Wetter, WIR SIND MODERNE VOKSEN“.

Voll dramatisch so, im Regen. Aber immerhin hielt das Make-up, bis auf den Maskara hatte ich eigentlich nicht damit gerechnet. Und eigentlich war das so sogar besser als zum Beispiel Sonne bei 30 Grad, wo man sich dann auch um neun Uhr abends noch kaputt schwitzt und auf dem Video alle gegen die Sonne blinzeln.

Danach Dusche, ein wohlverdientes Eis im Bett, und jetzt gedenke ich mich der impf- oder Uhrzeitbedingten Müdigkeit hinzugeben. Auf meinem linken Arm schlafe ich eher nicht, denke ich, aber sonst geht’s echt grad. Und nicht mehr so viel Angst davor haben müssen, dass ich mich im Krankenhaus (wir erinnern uns, die Krankenhausangestellten tragen nicht alle immer Maske) mit Covid anstecke und postoperativ richtig fett krank werde, das ist auch sehr viel wert. Husten ist bestimmt auch nicht toll für ne Wunde oder frische Narbe am Hals. Jetzt noch Daumen drücken, dass Delta nicht einmal durch Norwegen eskaliert.

Tag 2163 – Zu müde.

Heute: Arbeitarbeit (blöde, sinnlose Aufgabe ist fast fertig, ehrlich, so 95%), am Ende ein wichtiges Meeting. Ein neues Schülerkonzert (Seitz op. 13), das ich gestern schon mal zur Orientierung durchgespielt hatte, angefangen, ordentlich zu bearbeiten. Abendspaziergang mit Sammeln von allerlei Grünzeug für die Schweinchen, die jetzt wieder täglich gefühlt ihr Körpergewicht an verschiedenen UnKräutern und Gräsern verdrücken und mich gierig anquietschen, sobald ich zur Haustür reinkomme. Badewanne, Steuer 2018 und 2019 und dann 2018 noch mal, weil ich den falschen Umrechnungskurs genommen hatte. Jetzt ist aber mal gut mit Steuer, echt mal.

Einer von uns muss morgen um 8 mit Pippi beim Augenarzt sein und wir haben noch nicht besprochen, wer das übernimmt, morgen früh um sieben können sich also zwei müde Eltern darum prügeln. Yeah.

Tag 2162 – Schon wieder nix zu erzählen.

Ich prokrastiniere heftig eine Aufgabe, die ich schon seit einem Jahr machen muss. Sie fühlt sich sinnlos an, deshalb landet sie auf der Prioritätenliste immer wieder ganz hinten, aber meine Chefin drängelt und es wär ja auch schön, das endlich abzuhaken… aber es ist so sinnlos. Hrmpf.

Ansonsten gibt’s nicht neues. Tote Hose, Neuigkeitsmäßig. Selbst die Pandemie, so sagt man, ist in Norwegen vorbei. Keine MNS mehr, man darf wieder bis 24 Uhr Alkohol trinken und das VERBOT, mehr als 10 Leute zu sein, ist zu einer Empfehlung heruntergestuft. Ich scherze nicht. Nur Homeoffice bleibt, aber es sind ja eh fast Ferien.