Tag 1532 – So aufregend!

Leute, ich liebe diesen Job, auch wenn er anstrengend ist, aber ich bin morgen wieder quasi live bei der Sendung mit der Maus dabei, es ist so spannend!!! Hoffentlich erwischt mich keiner, wie ich fasziniert mit leuchtenden Augen vor den Abfüllanlagen stehe und vor lauter BOAAAHHHH gar nicht weiß, was ich fragen soll.

Des Weiteren mache ich „lustige“ Ausflüge in die Hotels Norwegens, diese Woche sind wir in einer ehemaligen Kaserne und das sieht auch genau so aus. Nen Spiegel (außer im Bad) gibt es nicht, auch keinen Schrank und kein Bügeleisen, ich habe eben also extra heiß geduscht und dann meine leicht kofferzerknitterte Bluse in den Wasserdampf gehängt, auf das sie morgen wieder halbwegs glatt sei.

Jetzt liege ich sauber und warm im Bett und merke, dass ich gestern Nacht total beschissen geschlafen hab, also sage ich lieber gute Nacht!

Tag 1531 – Fertig. Und wach.

Ich! Habe! Einen! Mantel! Genäht!

Hat ja auch nur 10 Monate gedauert, obwohl man ja schon zugeben muss, dass von Januar bis Ende September da rein gar nichts dran passiert ist.

Foto gibt es noch nicht, Sie müssen mir das vorläufig einfach glauben. Vielleicht kriege ich im Hotel morgen was fotografiert, oder ich müsste meine Kollegen bitten (not gonna happen), wir werden sehen. Jedenfalls FERTIG!

Außerdem war heute Michels Kindergeburtstag in der Turnhalle, aber das war so entspannt, dass es sich kaum lohnt, darüber Worte zu verlieren. Mir graute davor wirklich, einfach wegen der Menge Kinder (11) aber die spielten und tanzten ganz zufrieden und es war wirklich einfacher als zu Hause, schon allein weil wir null geplantes Programm hatten (das dann ja auch durchgezogen werden will, bei den leicht zwanghaften Migranten).

Vielleicht wurde ich auch gehirngewaschen in den letzten sechs Jahren, schleichend vermutlich.

Gebügelt und gepackt ist für die nächste Woche, eine Woche Inspektion, eine Woche ohne Familie, seltsam, obwohl ich das ja im Mai auch schon mal gemacht hab. Trotzdem – halt seltsam.

Jetzt viel zu spät im Bett, also wirklich zwei Stunden zu spät aber der Mantel ist fertig und gebügelt ist, man kann nicht alles UND ausreichend Schlaf haben, ich jedenfalls nicht.

Tag 1529 – Mehr Alltag.

Viel Kleinscheiß bei der Arbeit weggerödelt, bevor ich zwei Wochen lang quasi nicht im Büro sein werde. Leider hört der Kleinscheiß nie ganz auf und ich und meine Kollegin werden trotz all meiner Bemühungen eben weil wir jetzt zwei Wochen lang nicht da sind eine Frist reißen. Das stresst mich, lässt sich aber nicht (mehr) ändern, die Kollegin hat halt heute ihren eigenen Kleinscheiß gehabt.

Abends mit Michel zusammen auf dem Sofa eingeschlafen, wir wollten uns nur ganz kurz hinsetzen und Zack… aber nur für ca. 30 Minuten, dann war Pippi, die kleine Dreckspatz, mit Baden fertig.

Apropos baden. Die Tage der Kinderklappbadewanne sind gezählt, sie hat einen Riss. Leider geht ja momentan jede Øre die übrig ist aufs Auto-Konto. Ich möchte immer noch so gerne eine Badewanne haben. Und einen Durchlauferhitzer. Und Starkstrom im Bad, für den Durchlauferhitzer. Und überhaupt.

Mit Herrn Rabe „Exit“ geguckt, also zwei Folgen, eine norwegische Serie über superreiche Banker. Das hatte uns die Babysittermama empfohlen, aber vor den ersten 5 Minuten gewarnt, die seien echt übel. Ich sag es mal so: die Norweger sind ja schon irgendwie putzig. Ernsthaft, Ja, also da bumsen zwei recht explizit und man sieht einen erigierten Penis. Huiuiuiuiui. Übel! Penis. Hihi. Die Serie ist auch… naja. Überzogen, dabei aber wenig lustig. Sorry, norwegisches Fernsehen.

Morgen „ausschlafen“. So wie man eben ausschlägt mit Kindern. Aber besser als um halb sechs vom Wecker geweckt werden allemal.

Tag 1528 – Alltag.

Jeden Morgen Einhorn-Eskalation des kleinen Mädchens, das meint, sie bestimme hier alles. Es strengt ein bisschen an. Sehr.

Im Zug geschminkt weil nicht aus den Federn gekommen.

Arbeit, Arbeit, dazwischen kurzes Telefonat mit der Finanzberaterin, so ein Hauskauf sollte bei diversen Dingen Änderungen nach sich ziehen und so ganz frisch gekauft ist das Haus ja nun nicht, ähäm.

Reagiere schon wieder aggressiv auf Nichtigkeiten, offenbar ist 2. Zyklushälfte. Habe also nach einem Jahr mit Spirale keine Periodenblutung mehr, aber literally allen anderen Scheiß, den eins im Laufe des Zyklus so haben kann, inklusive (!) Unterleibs-Krämpfe. Vielleicht rupfe ich das Kackteil auch noch vor dem Termin bei der Gynäkologin von Hand raus (SCHEEEHEEERZ!!!). Weil (tmi, Entschuldigung) mit der Blutung an sich habe ich wirklich keine Probleme, damit kann ich sehr gut leben aber der ganze Rest gibt mir den Rest. Und meiner Umwelt auch, wer will schon sehr regelmäßig mit einem Pulverfass zusammen leben.

Hrmpf.

Morgen noch, dann Wochenende.

Tag 1527 – Endlich wieder 4.

Herr Rabe ist wieder da!

[Hier stand ein langer, jammeriger Text darüber, dass sich dieses Leben im Moment oft anfühlt wie auf einem Ball balancierend mit laufenden Motorsägen zu jonglieren. Aber das wird dann wieder missverstanden und deshalb hab ich’s eben gelöscht. Jetzt ist ja Herr Rabe wieder da und der Ball weg und es sind nur noch brennende Fackeln.]

Heute hatte ich zwei wirklich gute Momente. Einer davon war bei der Arbeit (wir haben zu dritt nach einem echt langen Meeting in einem Raum, in dem wir allen Sauerstoff schon lange weggeatmet hatten, eine Checkliste angesehen, die… naja. Nicht so gut ist). Der andere war, wie sich Michel abends unter der Dusche mit Shampoohaaren einen Iro gestylt und sich ausgiebig Faxen machend in der Duschtür gespiegelt hat. Als wäre ich nicht da. Hach.

Tag 1526 – Kindkrankhomeoffice die 2.

Die guten Nachrichten vorweg: Michel geht es prima, nach einem weiteren halben Tag auf dem Sofa hopste er die zweite Tageshälfte rastlos darauf herum. Das muss ein komischer Kindervirus sein, der einen Tag Fieber und Abgeschlagenheit macht und das war’s dann auch. Aber besser so als drei Tage Fieber und dann noch zwei Wochen Schleimröchelhusten, was Kinder ja sonst auch gerne mal anschleppen. Jedenfalls freut sich Michel sehr auf die Schule und hat heute Abend „ssswei Sämuitsches“ gegessen „weil, Mama, morgen ist Schule und Sport und da muss ich Kraft haben und gestern hab ich ja auch nicht viel gegessen“. Ach, so große Kinder sind schon schön.

Ich freue mich auch auf Kindergarten Arbeit, in einem richtigen Büro, Hurra! Mein Skype-Meeting heute lief nämlich nur so lala, ich muss da mal eine kleine Schulung in online-Meeting-Tools anstoßen glaube ich. *Hüstel* nicht für mich *hüstel*. Dieses Homeoffice, selbst mit krankem Kind, muss ich weiter üben, es gefällt mir eigentlich gut, aber ich muss dann echt mein Handy weit weg legen und auch irgendwann das Ende finden. So habe ich die letzten zwei Tage halt mein normales Pensum durchgezogen, nur langsamer (das Handy). Und dann abends noch Guidelines im Bett lesen oder Spezifikationen am Küchentisch bis die Augen schon ganz klein werden – das ist nix. Das ist bestimmt auch total ungesund. Aber ich mag halt auch nicht morgens um neun unvorbereitet zum Meeting, ob on- oder offline, erscheinen und all die anderen Dinge müssen ja auch erledigt werden. Immerhin habe ich mir angewöhnt, Aufgaben, die mir so zugeworfen werden und die ich nicht sofort (also wirklich SOFORT) erledigen kann, in Outlook zu speichern. So habe ich den Überblick und habe (hoffentlich) am Ende des Tages eine hübsche Liste erledigten Kleinscheißes und kann mir auf die Schulter klopfen.

(Und weil ich halt ich bin, setze ich mich mit Fristen selbst unter Druck. Es ist schwierig in meinem Kopf.)

Aber ich sag Ihnen auch mal was: ich liebe diesen Job. Auch nach neuneinhalb Monaten noch. (Bin ich eigentlich inzwischen fertig eingearbeitet? Njaaaa. Inzwischen bin ich in der Phase angekommen, wo man denkt, man sei nie „fertig“ eingearbeitet, weil immer noch wie Karl aus der Kiste irgendwas neues springt.)