Tag 2018 – Interesting times.

Zuerst einmal: vielen Dank für all die Beileidsbekundungen. Es ist wie es ist, ausgesucht hat sich das niemand so.

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Norwegen dreht frei, denn, nachdem zunächst erschreckend wenig und noch viel erschreckender langsam sequenziert wurde, ist heute klar geworden: B.1.1.7 ist da. Surprise*! Drei meiner Kolleginnen sind nun downgelockt. Also so richtig, so mit Schulen und Kindergärten und alles außer Lebensmitteleinzelhandel und Apotheken zu. Für Oslo wird Ähnliches möglicherweise morgen früh folgen. Und wenn es in Oslo ist, (wovon auszugehen ist) ist es hier auch bald. Oh the joys.

Ich erwähnte es bereits, aber ich sage es noch mal: ich mag nicht mehr. Wirklich gar nicht. Auch zwei Gläser Wein helfen da nur bedingt.

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*Überhaupt gar nicht. Wonach man nicht sieht, das sieht man halt nur wenn man drüber fällt.

Tag 2017 – An oder mit.

Herrn Rabes Mutter ist heute nicht unerwartet aber doch überraschend gestorben. Sie war ja seit einigen Jahren Demenz (obwohl noch nicht so alt) und in den letzten Monaten kam immer wieder dies und das hinzu, Knochenbrüche nach Stürzen, Infektionen, zuletzt vor zwei Wochen und direkt nach der ersten Impfung eine Coronainfektion. Die hatte sie eigentlich überstanden, dachten wir alle, und dann rief heute Vormittag das Pflegeheim meinen Schwiegervater an, es ginge zu Ende. Dann ging es schnell, was ja irgendwie gut ist, aber auch traurig, denn Herr Rabes Vater ist nun so richtig allein.

Herr Rabe trägt es mit Fassung. Demenz ist ja speziell, letztlich war seine Mutter schon lange nicht mehr da.

Nur ist sie jetzt ganz weg.

Nun muss noch geklärt werden, wann die Beerdigung stattfinden kann. Wegen Corona ist ja vieles auch extra kompliziert und nein, es ist auch dieses Mal keine Option, mit den Kindern hinzufliegen, weil alle hinterher in Quarantäne müssen. (Nicht bei Einreise, ich sag da jetzt mal nix zu…)

Ach, es ist alles blöd.

Tag 2016 – Eingeweiht.

Meine Nähecke ist fertig und ich bin heute seicht eingestiegen mit einer Schlafanzughose aus dem Rest grauen Bettwäscheflanell. An die Hosenbeine müssen noch Gummizüge, aber ansonsten bin ich sehr zufrieden, sie ist flauschig und warm und bequem und die Gummizüge sind morgen schnell gemacht. Heute muss ich schlafen.

Hier schneit es übrigens seit vorgestern sehr viel, also wirklich viel, ich schätze, es sind noch mal 30-40 cm dazu gekommen. Morgen und Freitag soll es dann sehr, sehr viel regnen, obendrauf auf den Schnee, bei 3-4 Grad. Freitag dann auch Sturm und danach wieder Minusgrade, in einer Woche wieder -11. Wir werden hier also vermutlich einfach glasiert. Da fällt das Social distancing auch extra leicht, wenn man sich vor der Haustür den Hals bricht.

(Bin übrigens heute zum ersten Mal in diesem Winter hingefallen. Ich will sofort den Knirscheschnee zurück.)

Tag 2015 – Here we go again.

Nun. Ich und meine FFP2-Maske waren sehr tapfer bei der Untersuchung bei der Endokrinologin im Krankenhaus. Die Endokrinologin trug auch einen Mundschutz. Immerhin.

Meine Schilddrüsenwerte sind jetzt ok, die Antikörper steigen aber unbeeindruckt weiter. Ich habe gegen die anhaltenden Symptome Betablocker bekommen, die nehme ich jetzt also wieder. Diesmal war ich schlau und hab die erste Dosis erst abends genommen, da macht es nichts, wenn ich plötzlich in Tiefschlaf falle.

Die Schilddrüse muss weg. Es hat keinen Zweck, bei so kurzen Intervallen zwischen den Rückfällen noch auf dauerhafte Remission zu hoffen und das hin und her ist belastend für mich und meinen Körper.

Radioaktives Jod kommt leider nicht in Frage. „So wie ihre Augen aussehen… da müssten wir hohe Dosen Steroide geben, glauben Sie mir, das wollen Sie noch weniger!“. Ich find gar nicht, dass ich jetzt besonders schlimm aussehe. Puffy halt. Und ungeschminkt, wegen furchtbarer Nacht. Vielleicht hab ich mich auch einfach an meinen verquollenen Look gewöhnt, immerhin hab ich jetzt seit ziemlich genau 7 Jahren immer wieder mit dem Scheiß zu tun.

Also Operation. Das Gute daran: da ist die Schilddrüsen-Aktivität sofort weg und nimmt nicht erst kurz massiv zu und dann langsam ab, wie bei Radiojodbehandlung. Die Endokrinologin hat gleich notiert, dass ich anschließend eine hohe Thyroxindosis kriegen soll, wegen, eben, der Augen. Die Augen, die Augen. Seufz. Aber dann muss ich auch nicht befürchten, ein ungeahnt müder Haufen zu werden. Weniger gereizt als jetzt wäre aber schon auch nett.

Nach dem Termin fuhr ich wieder nach Hause, stand im Stau, fuhr durch Schnee, Schneematsch und Matsch und als ich zu Hause ankam war ich völlig fertig, vom Termin, vom Fahren, von allem. Ich mache drei Kreuze, wenn dieses Kapitel in vier bis acht Wochen abgeschlossen wird. Das war eine doofe Staffel.

Leider gibt’s hier nix fröhlicheres zu berichten. „Die beste Krankheit taugt nix“, sagte mein Opa immer.

Tag 2014 – Schieres Glück.

Norwegen schippert ja weiterhin relativ unberührt durch die Coronakrise. Wir haben knapp über fünfhundert Todesfälle bisher, davon nur 3 unter 40 Jahren und 9 unter 50 Jahren, über 85% waren über 70. Wir können noch gut behaupten, es stürben hauptsächlich „die Alten“ und „die Kranken“ und selbst da eigentlich nur „die Alten unter den Kranken“. Bei uns ist das so. Wir testen Kinder einfach nicht, dann werden sie auch nicht krank. Wir testen Familienmitglieder von Menschen in Quarantäne ohne Symptome nicht, die werden also auch nicht krank. Und seit heute möchte ich nur noch schreien. Es ist so weit, ich bin Corona-panisch geworden. Wie das kam? Ich war in einem Krankenhaus.

Morgen habe ich den Termin bei der Endokrinologin. Heute musste ich deshalb eine Stunde pro Weg zum Krankenhaus fahren, um eine Blutprobe nehmen zu lassen. Schon auf dem Weg fiel mir signifikante Rush-Hour-Problematik auf, also fahren wohl doch recht viele zur Arbeit, aber das ist vielleicht auch einfach ein Effekt der norwegischen Gemeinschaftspanik vorm ÖPNV, denn DA! DA steckt man sich an! ÖPNV IST FURCHTBAR GEFÄHRLICH. (in norwegen). Insofern: Schwamm über den Stau.

Aber im Krankenhaus empfing mich eine Dame mit Gesichtsschild und befragte mich zu meinem Coronastatus. Gesichtsschild mit Maske? Nein. Gesichtsschild ohne Maske. Die anderen Kontrolleur*Innen hatten Masken auf, diese nicht. Ich verkniff mir den „Sie wissen, dass das gar nichts bringt, weder Ihnen noch mir?“-Kommentar mit Mühe. Ich wollte nur rein, Nadel in den Arm, wieder raus. Reden macht Aerosole, also wenig reden.

Dann ging es weiter. Frau an der Blutentnahmerezeption: keine Maske, halbe Plexiglasscheibe. Viele Patient*Innen dort, wenige Sitzgelegenheiten, Abstand so lala, manche achten drauf, andere… naja halt nicht so. Manche Patient*Innen und deren Betreuende ganz ohne Maske (in meinem Brief stand, das Maske tragen sei Pflicht während des gesamten Aufenthalts in der Klinik). Ein paar schlecht sitzende Masken und mehrere Pimmelnasen. Niemand, der irgendwas zu irgendwem sagt, zum Beispiel „Nase rein!“ oder „das ist kein Kinnschutz!“. Nach einer Viertelstunde bin ich dran, Bioingenieurin holt mich ab – keine Maske. Niemand trägt dort Maske. NIEMAND. KEINE. EINZIGE. ANGESTELLTE.

In dem winzigen Entnahmeräumchen ist an einer Seite des Stuhls eine kleine Plexiglasscheibe angebracht. Aus Gründen will ich aber, dass am linken Arm Blut abgenommen wird. Die Bioingenieurin ohne Maske geht also um die Plexiglasscheibe rum und nimmt mir Blut ab. Blut abnehmen geht nicht ohne sich relativ nahe zu kommen. Wir haben weder Abstand noch Maske (also die, ich schon) und sind in einem winzigen Raum mit geschlossener Tür.

So schnell war ich nach der Probe noch nie aus dem Raum. Die Bioingenieurin lächelt, als ich unbeholfen und noch den Wattebausch auf meinen Arm pressend mit dem Ellenbogen die Tür aufmache. Auf dem Weg raus durch den engen Flur kommt mir ein älterer Herr mit Gesichtsschirm OHNE MASKE entgegen. Es ist nicht ansatzweise Platz genug um aneinander vorbei zu kommen und dabei noch den norwegischen mickrigen Meter Abstand zu halten. Ich drehe mich mit dem Gesicht zur Wand und atme flach. Der ältere Herr und danach noch drei Patient*Innen schlurfen an mir vorbei, dann ist endlich eine Lücke im Gegenverkehr, die groß genug ist, damit ich raus kann ohne irgendwelchen Pimmelnasen zu nah zu kommen.

Im Laufschritt gehe ich Richtung Ausgang. In der Krankenhausapotheke frage ich nach FFP2-Masken und werde von maskenlosen PTAs hinter kleinen Plexiglasscheibchen angeschaut, als hätte ich grad gefragt, ob sie zufällig das Bernsteinzimmer irgendwo liegen hätten.

Wieder im Auto möchte ich am liebsten in Tränen ausbrechen. Kann aber nicht, weil ich 10 Minuten später ein Meeting habe. Wegen warten vor der Blutentnahme, warten auf sich anziehende Kinder und Stau ist die Chance, bis 10 Uhr wieder zu Hause zu sein, vertan. Ich nehme mein Meeting also auf einem Mc Donalds-Parkplatz wahr. Oh the glory.

Alles an diesem Bild war vor einem Jahr noch undenkbar.

Auf dem Rückweg kaufe ich mir dann in Jessheim bei Clas Ohlson eine Packung FFP2-Masken. Niemand schaut mich schräg an. Alle haben Masken auf.

Für morgen. Und wann immer ich da noch mal hin muss.

Long story short: dass Norwegen bisher gut klarzukommen scheint, ist reines Glück. Ich bastle mir für morgen vielleicht noch ein Schild mit „40% ASYMPTOMATISCHE INFEKTIONEN! ATTACK RATE PRÄSYMPTOMATISCH 1,25! DAS SIND EURE EIGENEN ZAHLEN ZUM FICK NOCHMAL!!!“

Ich fasse es immer noch nicht. In einem effing Krankenhaus ist das komplette Personal ohne Maske unterwegs, im Laden nebenan aber mit Mundschutz. Wenn die Bioingenieurin morgen nen positiven Test hat – was dann? Gehen wir dann davon aus, weil es ja in Norwegen weiter keine Aerosole gibt, dass ich die Klinke ja nicht angefasst hab und deshalb safe bin? Ist es der Laden, aus dem ich dann Covid habe, weil da ja ne Plexiglasscheibe irgendwo in dem Blutabnahmeräumchen installiert war?

Ich möchte schreien. Einfach nur noch alle anschreien, die sich derart unverantwortlich verhalten. Die so unverantwortliche Richtlinien rausgeben. Es ist ne Pandemie, immer noch, wollen wir wirklich warten, bis irgendeine Mutation auch durch uns einmal durcheskaliert? Es kann doch nicht sein, dass sich im Krankenhaus Leute infizieren und sterben (nachzulesen hier) und die Leitung des Krankenhauses sagt ERNSTHAFT „Wir machen alles, was wir müssen, das Wichtigste ist Abstand.“ UND ES WERDEN WEITERHIN KEINE MASKEN GETRAGEN WEIL ES JA KEINE AEROSOLE GIBT AHHHHHHHH.

Entschuldigen Sie den Ausbruch. We are doomed. Bisher hatten wir einfach nur unwahrscheinliches Glück.

Tag 2013 – Kurz Frust ablassen.

Bitte keine Tipps. Danke.

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Ich mag nicht mehr. Ich liege im Bett und schwitze. Ich sitze am Tisch und schwitze. Es ist ein Vorgeschmack auf die Wechseljahre, was mein Körper grad abzieht, ich schwitze einfach permanent. Und zwar nicht so ein bisschen, sondern so, dass ich täglich meine Kleidung wechseln muss, weil sie durchgeschwitzt ist (und, ja, auch so riecht, dabei trage ich nur noch Baumwolle). Ich schwitze dicke Baumwollpullover durch, sodass die Achseln hinterher richtig nass sind. ich schwitze am Rücken, unter den und zwischen den Brüsten, im Gesicht, unter den Achseln, an Händen und Füßen, in den Kniekehlen, an den Hand- und Fußgelenken, am Po. Ich möchte in Deo baden, aber das Deo hilft ja schon an den dafür vorgesehenen Stellen nix. Nachts möchte ich, zum ersten Mal überhaupt, am liebsten alleine schlafen, weil Herr Rabe darauf besteht, dass das Fenster zu (und die Heizung an) bleibt, wenn draußen zweistellige Minusgrade herrschen. Ich will gar nicht wissen, wie viele Liter ich nachts zur Zeit ausschwitze, jedenfalls ist jeden Morgen mein T-Shirt nass und die Bettdecke feucht. Jeden Morgen. Ich möchte am liebsten ständig alles waschen und auch ständig duschen, weil ich mich vor mir selbst ekle. Dabei kenne ich ja übermäßiges Schwitzen (auch ohne körperliche Aktivität) seit der Pubertät und komme normalerweise ganz gut damit zurecht, aber das hier ist eine andere Dimension von Schwitzen. Es ist, als könne mein Körper Temperatur gar nicht mehr regulieren.

Es ist gar nicht mal so einfach, so viel zu trinken, dass diese permanente Schwitzerei ausgeglichen wird. Ich habe ziemlich oft Durst und wache morgens durstig auf. Kein Wunder.

Ich will das alles nicht mehr. Vor allem will ich nicht, dass mir bei solchen Symptomen erklärt wird, ich habe, laut Blutbild und wenn man nur einen von drei Werten ansieht, gar keine Hyperthyreose. Halb hoffe ich, dass meine Blutwerte morgen katastrophal sind, damit ich wenigstens dieser Diskussion entkomme. Natürlich käme ich nicht ganz um eine Diskussion herum, weil ich die Endokrinologin dann leider auch ganz ernsthaft fragen müsste, warum meine Einschätzung meiner eigenen körperlichen Symptome bei der Dosisfindung nur unzulänglich berücksichtigt wurde*. Ganz hoffe ich, dass es schnell ein Ende findet. Irgendwie. Es soll einfach aufhören. Raus damit, Zackzack. Ja, Corona, ja, hab ich Angst vor, ja, auch vor ner Vollnarkose hab ich furchtbare Angst. Aber das hier ist kein Zustand mehr.

Und dann wieder ist da diese schreckliche Angst, dass in 30-50 Jahren die Medikamentenversorgung eine einzige Blackbox ist, genau wie die Weltpolitik und die Wirtschaftssysteme, bedingt durch die Klimakrise. Vielleicht wünsche ich mir dann den Schweiß zurück, wenn ich für Thyroxintabletten mein letztes Hemd und zehn Flaschen illegal gebrannten Vodka geben muss.

Aber die Angst schiebe ich jetzt weg. Es reicht. Ich mag nicht mehr und es gibt eine Lösung.

Tschakka.

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Wirklich, bitte keine Tipps. Danke.

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*sich permanent über alles aufregen ist ja auch ein Symptom, ich weiß nicht, ob die wirklich möchten, dass ich in meinem momentanen Zustand mit denen diskutiere, ich höre dann nämlich nicht mehr auf. Ich könnte einfach permanent an die Decke gehen, das ist auch ein Symptom, und ich hab richtig Lust, das endlich an der richtigen Stelle abzulassen. Das wird aber für die Endokrinologin nicht schön.

Tag 2012 – Winter in seiner schönen Form.

Heute war Pokémon Community day und ich spiel das ja nicht, aber dafür Harry Potter Wizards Unite und beim Eidsvollbygningen kann man auch so einfach schön rumlaufen und im Café gibt es guten Kaffee und Waffeln, wenn’s dann doch irgendwann arg kalt wird.

Ein neuer Teams-Hintergrund!
Hohe Luftfeuchtigkeit wegen eines kleinen Wasserkraftwerks direkt dort macht sehr hübsche und beeindruckend große Eiskristalle.

Hach ja. So mag ich den Winter. Mit „Knirscheschnee“ (gibt’s erst mit ordentlichen Minustemperaturen) und überfrorenen Bäumen, rot gefrorenen Nasen und Wangen und Kindern, die sich zwischen Schlitten und Ski nicht entscheiden können und dann mit Skischuhen (Langlauf) an Schlitten fahren.

Abends dann in eine heiße Badewanne gehen ist da extra schön. Jetzt wirken meine Füße in einer Feuchtigkeitsmaske ein und ich bewundere meine schneeweißen Beine.

Wir lassen jetzt den Abend ausklingen, indem Herr Rabe ein paar Wikinger auf der PlayStation tötet und ich ihm dabei zugucke, das ist sehr viel gemütlicher, als man meinen könnte. Und wenn meine Füße gleich babyweich sind, gehe ich ins Bett. So viel Sauerstoff und sogar Sonnenlicht hatte ich lange nicht mehr, das macht müde.

Tag 2011 – Nichts zu erzählen, die drülfzigste.

Diese Homeofficetage gehen halt einfach an mir, an uns, vorüber. Aufstehen, Kinder wegbringen, Arbeit, Michel kommt zurück [ggf. Hausaufgaben, freitags aber nicht], Arbeit, Pippi abholen, Arbeit, Essen machen, Kinder ins Bett, vorm Fernseher/der Playstation/Medien versacken, Bett, repeat. Eintöniger geht es kaum.

Montag sagen sie, wie es weiter geht ab… naja Montag. Sehr seltsam. Da ihnen am 3.1. abends aber die Student*Innen aufs Dach gestiegen sind, die bis dahin dachten, sie müssten ab dem 4. morgens wieder zur Uni (und die deshalb von ihren Familien in die Unistädte gereist waren), deuten sie jetzt schon mal mit Zaunpfählen winkend an, dass die jetzigen Maßnahmen fortgesetzt werden. Ich bin gespannt, ob national und für wie lange. Spielt für uns ja durchaus eine Rolle, weil ich das durchzuziehen gedenke, dass Michel so lange nicht zum Sporthort geht. Und Pippi auch nicht zum Tanzen oder zur Kulturschule. Ende.

Im Michels Klasse sind zwei Kinder in Quarantäne. Schon allein deshalb halte ich es für eine komplett hirnrissige Idee, Kohorten mehr als unbedingt nötig zu mischen.

(Dass die Kinder getestet werden ist übrigens unwahrscheinlich, es sei denn sie bekommen Symptome. So kann man halt auch dafür sorgen, dass Kinder „sich nicht so oft anstecken“.)

Ach ja. Bald ist wieder Zyklustag 1 und alles viel rosiger.

Tag 2010 – Unsichtbar weiß.

Meine Haare werden in rapidem Tempo weiß. Das ist schon ok so, ich erhoffe mir ja mit sichtbar fortschreitendem Alter eine entsprechend seriösere Erscheinung, das kann als Inspektørin definitiv nicht schaden. Was mich allerdings ein bisschen betrübt, ist dass das auf Bildern nicht sichtbar ist, Sie müssen mir das also einfach glauben. Es sind jedenfalls inzwischen ziemlich viele weiße Haare zwischen den blonden. Bei Herrn Rabe auch, bei dem fällt das nur natürlich gegen die dunkelbraunen Haare viel mehr auf.

Michel haben wir heute versucht weiszumachen, dass man vom Durchmachen graue Haare und Falten bekommt. Er wollte nämlich wissen, ob wir schon mal durchgemacht hätten. „Früher, als wir noch jünger und cooler waren, da ja.“ sagten wir, „Und jetzt guck uns an, jetzt sind wir alt!“, „Ja, das kommt alles vom Durchmachen!“ Aber Michel wäre nicht Michel, wenn er uns das wirklich abkaufen würde. Wir hoffen mal stark, dass wir noch acht bis zehn Jahre Zeit haben, bis unsere Kinder die Nächte durchmachen.

Ich denke, die grauen Haare kommen hauptsächlich vom Alter. Die Falten auch. Und vielleicht ein bisschen von Kindern, Covid und Co. Schon ok so.

Tag 2009 – Viel zu spät!

Wir wollten nur eine Folge Discovery gucken und dann wurden es die letzten drei der dritten Staffel. Spannend war’s, und schön auch. Am Ende wird alles gut, hach. (Ich geb’s zu, ich hab einen schlimmen Happy End-Drang und Geschichten mit traurigem oder gar offenem Ende verfolgen mich ewig.)

2009 haben Herr Rabe und ich geheiratet und jetzt, äh, drei Jahre später, versacken wir immer noch zusammen vorm Fernseher.

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Ansonsten war heute Entwicklungsgespräch mit Michels Lehrerin und Michel, über Teams und Michel ist schon ein super Kerl. Und ich werd nicht müde, die Lehrerin zu lobhudeln, aber die hat so eine nette und trotzdem verbindliche Art, mit Michel zu kommunizieren, das ist ganz faszinierend zu sehen. Da hört er zu, ohne bei Kritik gleich auszuflippen und dicht zu machen. Es ist Zauberei! Anders kann ich mir das nicht erklären. Michel ist jedenfalls in ungefähr allem total gut in der Schule, muss nur noch aufpassen, dass er „wenn viele Gedanken aus seinem Kopf wollen“ nicht beim Schreiben schludert („dann fliegen die Buchstaben in voller Fahrt von der Linie“). Das habe ich auch schon bemerkt, hätte das aber eher als Sauklaue bezeichnet oder halt als Schludrigkeit, und deshalb bin ich auch nicht Grundschullehrerin, sondern sie.