Tag 1581 – Aufholen.

Tja, wer das Wochenende über gefeiert und Weihnachtsschmuck bei Freunden gebastelt hat, der muss den Haushaltskram eben unter der Woche erledigen. Deshalb habe ich heute eine Maschine Wäsche abgenommen und gefaltet, eine aufgehängt, eine in den Trockner geworfen und danach zusammengelegt und noch eine gewaschen und auch wieder aufgehängt. Dann habe ich Michels Luciahemd gebügelt und eingepackt, seinen Schneeanzug an den Beinen verlängert und Herr Rabe hat Schlitten und Anzug zum Sport-Hort gefahren. Pippi hat gebadet und ich habe in der Küche herumgeräumt und Müll raus gebracht. So wie sonst halt am Wochenende.

Morgen mache ich vielleicht etwas verrücktes, nur für mich, mal gucken. Wenn ja werde ich berichten (und den Rest der Woche meckern, wie müde ich bin, weil das so spät war).

Tag 1580 – War voll gestern.

Voll lustig.

Voll gut.

Voll interessant.

Und ich war wohl auch voll ein kleines bisschen angeheitert.

Also gestern war ja die Weihnachtsfeier von Herrn Rabes Firma und weil wir ja die beste Babysitterfamilie der Welt haben hatten wir kinderfrei UND haben im Hotel übernachtet wo auch die Weihnachtsfeier war.

Zweimal im Jahr für 20 Stunden nur Paar sein, nicht Eltern. Ich möchte das als absolutes Minimum beibehalten. Mag anderen anders gehen (die blocke ich halt kommentarlos auf Twitter), aber wir brauchen das. Das Paarleben mit allem was dazu gehört bleibt hier im Alltag sowas von auf der Strecke, dass es traurig ist. Orga frisst Zuneigung auf. Zusammenhalt. Zu wissen, da ist immer noch der eine, in den man sich damals verliebt hat, der ist aber auch weiter gekommen und hat sexy graue Haare und noch viel mehr sexy Einstellungen dazu gewonnen. All das kommt hier zu kurz.

Es braucht meiner Meinung nach nicht zwingend ein Dorf* um ein Kind großzuziehen, aber es hilft ungemein um die Elternbeziehung am Leben zu erhalten.

So und nun ganz schnell schlafen. Wer erst um viertel vor vier ins Bett kommt und um neun beim Frühstück sein will, hat ein gewisses Schlafdefizit.

___

*das andere Extrem „wir erziehen nur zu zweit, fuck everyone else“ finde ich aber auch bedenklich

Tag 1578 – Zu aufregend.

Es ist ja einigermaßen faszinierend, dass ich am einen Tag noch voll Businessmäßig mit vielen sehr seriösen Leuten rede und über Zertifikate für Fabriken am anderen Ende der Welt fachsimple und am nächsten Tag sitze ich erst fluchend im Auto weil Google Maps mit den ganzen Baustellen nicht klar kommt und fange dann in der Röhre vor lauter Angst an zu weinen.

Im Ernst, das ist nichts für mich. Erst der Stress mit dem Piercing, dann der Stress mit der Fahrt, dann weiter Stress mit Piercing und ohgottogott da ist ja auch ein Draht hinter meine Zähne geklebt, ohgott! und am Ende fixieren sie einen auf einem Dings, montieren einen Käfig um den Schädel und schieben einen in ein weiteres Dings, das eng ist und hell und laut und überhaupt, man kann nicht raus und was ist wenn das Piercing doch magnetisch ist, oder der Draht, hab ich wirklich den BH ausgezogen, hab ich wirklich die Ringe abgemacht, die Uhr abgelegt, bestimmt hab ich was vergessen und bin gleich sofort tot, oder es bricht ein Feuer aus und ich kann nicht aus diesem Dings raus, Hilfe ich will bitte sofort raus aber ich will auch das die Bilder gemacht werden, Hilfe Hilfe.

War scheiße.

Ja.

Und ach so: das ABS am Auto piept wenn man in einer Kurve einfach wegrutscht, das wusste ich noch gar nicht. Das war auch scheiße.

Tag 1577 – Hab dich!

Ok, dass Herr Rabe am Abend vor meinem MRT-Termin nicht da sein würde war so nicht geplant. Und ich sag es mal so: der neue Ohrring, der „ganz leicht“ auf und zu geht, geht überhaupt gar nicht leicht auf und zu. Ich musste erst ein paar Verzweiflungstränen darüber vergießen, bis ich auf die Idee kam, ihn mit der Spreizzange aufzubiegen. Dann ging er auf, aber zu bekam ich ihn trotzdem wieder nicht, obwohl ich ihn dann ja in der Hand hatte. Das muss ich wohl noch ein paar mal üben. Aus Spaß guckte ich dann mal, ob der Ring denn nun überhaupt magnetisch ist und Überraschung:

Ja.

Der Ring an sich ist aus Chirurgenstahl und nicht magnetisch, aber das Schließsegment ist mit einem winzigen Scharnier angebracht und das ist offenbar aus einem magnetischen Metall. Das hätte morgen echt weh tun können.

Das Zungenpiercing hingegen ist immer noch drin. Ich hab da keine Chance, auch mit zwei Zangen nicht. Keine Ahnung, was ich noch machen soll, ein Piercingstudio das morgens auf hat, gibt’s in Hamar, wo das MRT-Labor ist, nicht. Vielleicht haben sie einen Dremel da oder so.

Wie sehr ich keine Lust hab, mir morgen den Hohn der Praxis anzuhören, kann man sich vermutlich in etwa vorstellen.

___

Was war sonst? Letzte Inspektion des Jahres gut überstanden. Möchte meine Kollegen aber irgendwie gern ein bisschen schütteln, weil ich Montag noch fragte, was wir antworten sollen, wenn Die Frage(TM) der Qualitätschefin kommt und keine Antwort bekam und heute als Die Frage(TM) kam, guckte mich dann nicht nur die Qualitätschefin erwartungsvoll an sondern auch die Kollegen. Hallo? Bin ich hier die mit Ahnung oder die? Ich hab schon auch was geantwortet aber meine Güte wir hatten zu dem Thema Meetings in verschiedenen Zusammensetzungen und haben keine Antwort gefunden. Was sagt man da, so als Behörde? „Keine Ahnung“ ist nicht gut, rumeiern auch nicht, schwafeln erst recht nicht. Meh.

Manchmal, da möchte ich allein auf einer einsamen Insel leben.

___

Wir haben mal wieder Bettzeug gewaschen und aus irgendeinem Grund riecht der Trockner innerlich wie schlecht gewordene Nudeln. So roch dann auch das Bettzeug. Das ist sehr eklig. Gut, dass ich seit Stoffwindeltagen weiß, dass Teebaumöl absolut jeden Geruch übertüncht killt, also ein paar Tropfen Teebaumöl auf einen Waschlappen getropft und noch mal 10 Minuten den Trockner samt Bettzeug laufen lassen und jetzt erinnert mich mein Bett zwar an picklige Teenager-Tage aber immerhin riecht es nicht mehr nach gammligen Nudeln.

Tag 1576 – 43/44.

Morgen noch und dann sind alle Inspektionen für dieses Jahr rum. 14 Stück. 44 Tage.

Mehr hab ich leider heute nicht zu erzählen, bzw. darf ich nicht erzählen. Doof ist dass Pippi heute mit Ohrenschmerzen aus dem Kindergarten abgeholt werden musste, Herr Rabe ab morgen Workshop hat und generell krankes Kind doof ist. Der angerufene Hausarzt sagt auch, was zu erwarten war, nämlich: Schmerzmittel und Nasenspray, wenn’s schlimmer wird oder Fieber dazu kommt, vorbei kommen. Also keine antibiotische Wunderheilung. Hoffen wir mal, dass Herr Rabe zu seinem Workshop kann.

Kopfschmerzen habe ich leider auch. Ich muss mehr drauf achten, regelmäßig zu essen.

Tag 1575 – Zwei Mäntel.

So, ich sitze im Zug [Update: 12,5 Stunden später sitze ich wieder im Zug, aber in die andere Richtung] und habe einen einigermaßen apokalyptischen Artikel zur Klimakatastrophe gelesen, habe jetzt Lust wirklich nachdrücklich unbequem zu werden und in Schule, Hort und Kindergarten den Fleischkonsum anzusprechen zu kritisieren zu shamen, irgendwo müssen wir alle anfangen und da macht es tatsächlich einen Unterschied. Die Alternative ist dass unsere Kinder in 30 Jahren vielleicht gar nichts mehr zu essen haben, das muss man einfach mal so plump sagen.

Aber zu etwas positiverem: wir kaufen auch alle viel zu viele Klamotten aus Niedriglohn- und Hochausstoßländern und als wäre das ein großer Unterschied, wenn man industriell hergestellte, gefärbte, bedruckte usw. Stoffe kauft statt ganze Kleidungsstücke.

Meine Güte die Sonne scheint mir aus dem A…Hintern, merkt man, ne? Die gute Italienische Seide gibt’s dann auch in 30 Jahren nicht mehr, weil es Italien nicht mehr gibt. Aber vielleicht lerne ich einfach spinnen und weben, in Norwegen gibt’s vielleicht weiter Schafe. Oder ich leg mir ne Alpaca-Herde zu, das hat eine andere Inspektørin auch gemacht, ganz bei uns in der Nähe. Dann kann ich meinen Kindern (die dann erwachsen sind, aber oh je meine armen Babies was habe ich getan) wenigstens was zum Anziehen beschaffen. Dann reaktiviere ich noch Grundschulwissen über Flachsspinnerei und schon sind wir immerhin nicht nackt.

Nun ja. Neuer Anlauf: ich bin zur Zeit nicht nackt. Ich habe mir nämlich zwei Mäntel genäht. Erst den einen, der dauerte ein Jahr, dann noch einen, der dauerte keine zwei Wochen wenn man davon absieht dass ich die zweite Knopfleiste immer noch nicht angenäht habe. Ich fange aus Bildgründen mit dem zweiten Mantel an, nämlich Ingvild:

Ingvild hat Taschen (Liebe für Taschen) und das sogar innen, weil man Ingvild nämlich wenden kann. Ich liebe Ingvild sehr, das Muster ist super gut beschrieben (gibt’s auch auf Englisch) und es war einfach zu nähen und (am Wichtigsten) Ingvild passt gut und sitzt ohne großes Anpassungstralala. Wer aber gerne anpassen will, findet IN DER ANLEITUNG eine Anleitung dazu. Ein Hoch auf die Nähmutter Melilot. (Werbung aus Überzeugung, ich kriege da nix für, ok vielleicht nen Kaffee beim nächsten Treffen aber Werbung müsste eventuell vorher ja abgesprochen sein und das ist sie nicht, nicht mal Kaffee.)

Bei Ingvild habe ich mich zur Abwechslung mal ans Muster gehalten, das mache ich ja oft nicht und ärgere mich dann. Vielleicht mache ich mir wirklich noch eine dünnere Version mit Kapuze, Kapuzenmäntel sind einfach noch einen Tacken praktischer bei Regen. [Mir fällt grad ein: ich hab ja die Ärmel länger gemacht, damit ich sie umschlagen kann. Soviel zu ans Muster gehalten. Und ich hab keine Knopflöcher gemacht sondern Knopfschlaufen.]

Ich habe zwei Wollstoffe verwendet, deshalb ist der Mantel wirklich schön warm. Auch um die Beine ist so viel Stoff, dass ich da auch bei Minus 10 Grad (für Sie getestet) nicht friere. Auf dem Bild habe ich im Übrigen zwei Strumpfhosen übereinander an, dann Wollsocken und gefütterte Stiefel und so kam ich bis auf die letzte Viertelstunde ohne taube Zehen durch das Baumanzünden. Zurück zu den Wollstoffen: der innere ist ein grün gestreifter angeblicher Loden, für Loden ist er aber zu flexibel und Brennprobe ergab einen deutlichen Synthetikanteil (schmurgel) aber er ist warm und war ein Rest, also hab ich mich immerhin nicht dumm und dämlich gezahlt. Der karierte Stoff außen ist reine Wolle in hellblau-erdfarbenem (Senf, Oliv, äh… Lehm?) Schottenkaro vom Wollhändler meines Vertrauens, den ich seit dem anderen Mantel habe (in Norwegen).

Also insgesamt super Mantel, 10/10 Punkten. Aber warum habe ich diesen Mantel zusätzlich zum Jahresmantel genäht? Tjanun. Der Jahresmantel ist kein Alltagsmantel und kriegt trotz stolzem Preis für die Rohmaterialien höchstens 7/10 Punkte. Aber erstmal zeigen:

Das ist Berga von Schnittquelle. Wie man sieht eher schick und deshalb auch mein Businessmantel. Hier habe ich mich nicht ans Muster gehalten, nämlich:

  • Ich habe den Mantel gefüttert, in Norwegen ist es kalt.
  • Ich habe Taschen aufgesetzt (wer erfindet taschenlose Mäntel???). Einfach zwei rechteckige Stoffstücke aufgesetzt, mit „offenen“ Nähten.
  • Ich habe Schulterpolster und Ärmelfische eingesetzt.
  • Der Kragen hat einen Druckknopf bekommen, weil der sonst immer offen steht.

Ich habe für Berga außen Vadmel (echten Loden) genommen und weil mir das wirklich für den norwegischen Winter nicht gereicht hätte ihn noch mit einem dünneren Wollflanell gefüttert. Das Futter war im Muster nicht vorgesehen (wie auch einiges mehr) und da habe ich mehr oder weniger drauflos gebastelt. Das hat gut geklappt, aber so richtig erklären was ich da gemacht habe kann ich leider nicht.

Warum ist das nun kein Alltagsmantel? Nun, mein Hauptmanko ist, dass die Ärmel so eng sind, dass wirklich ein dickerer Pulli drunter einfach nicht mehr geht. Wenn ich den Mantel *und* einen Blazer anziehen will, muss ich den Blazer in einer Jutetüte mit mir rumtragen. Auch ohne dicken Pulli sind die Ärmel so eng, dass es anstrengend ist, die Arme anzuwinkeln. Natürlich kommt ein Teil der Ärmelenge vom im Muster nicht vorgesehenen Futter, aber bei weitem nicht alles und ich sag mal so, ich hab ja schon mal ein Schnittquelle-Muster genäht und da sind die Ärmel auch eher… eng anliegend. Was alles kein Problem ist, wenn man in Jersey oder Wollwalk näht, aber bei Stoffen, die nicht nachgeben… tja. Hat man halt nun einen Mantel mit sehr engen Ärmeln. Und ein Kleid mit recht engen Ärmeln. (Und dabei hab ich beim Mantel an den Ärmeln schon alles an Nahtzugabe rausgelassen :/)

Schwachstellen am Muster (meiner Meinung nach):

  • Der Beleg vorne und der Kragen werden laut Muster nicht verstürzt. Weiß nicht, wie das gehen soll ohne dass es ömmelig aussieht, sobald man den Mantel auszieht. Hab ich mit dem Futter gelöst.
  • Der Kragen stand ohne den Druckknopf auf wie bei Sherlock.
  • Ärmel zu eng.
  • Keine Taschen.

Aber sonst schon sehr schön.

Jetzt haben Sie also meine Mäntel gesehen. Die Welt geht trotzdem unter, aber was soll’s, wenigstens ist mir warm dabei.