Tag 1152 – Rückfahrt.

Wir haben unser Fährenzimmer bezogen, dieses Mal ist es leider das ganz normale gebuchte Innenkabinen-Vier-Einzelbetten-Zimmer, das Schiff ist auch sehr leer, aber morgen ist ja auch wieder normaler Arbeitstag, ich habe mir frei genommen, Herr Rabe hat Urlaub und Michel haben wir von der Schule abgemeldet (ja, das geht so einfach, ja, auch im Anschluss an Ferien). In den Prius passte wider Erwarten alles rein, es muss nicht mal wer auf dreckigen Socken sitzen. Letzte Besorgungen wurden gemacht: drei Brote vom Bäcker* und ein Sixpack Bier** an der Tanke und auch die konnten problemlos untergebracht werden. Es lief alles so glatt, dass Michels ultra krasser Wutanfall im Auto ja schon irgendwie vorprogrammiert war, aber nach der dritten „Wenn ihr euch um das iPad streitet, nehme ich es euch gleich weg“-Warnung folgt halt die Konsequenz. Michel hat immerhin insofern draus gelernt und das sinnlose „WARUM SIND WIR NOCH NICHT DA ICH WILL JETZT SOFORT DA SEIN WARUUUUUUM DAUERT DAS SO LANGE???“-Geheul nach der recht deutlichen Drohung, dass er so wütend ganz sicher nicht mit in das Boot-Schwimmbad könne, einigermaßen schnell beendet. Pippi ist auf den letzten Metern der Fahrt noch eingeschlafen, war aber bis dahin eine verträglichere Mitfahrerin als auf der Hinfahrt, da hat sie nämlich permanent ihren Kram runtergeworfen und dann Terz gemacht, bis wir ihn aufgehoben haben. Selbst kommt sie halt nicht dran, erstens weil sie einfach noch so klein ist, zweitens schränkt so ein Kindersitz mit Fangkissen die Bewegungsfreiheit aber doch auch ein. Wie gesagt, das ging aber heute.

Und weil so ein handyfreier Nachmittag und Abend ja auch ganz nett ist*** und ich auch noch recht viel zu lesen habe, lasse ich heute das schweineteure WLAN einfach schweineteuer sein und blogge halt schon mittags. Morgen sind wir dann schon wieder zu Hause, darauf freue ich mich, auch wenn der Heimatbesuch dieses Mal selbst für mich etwas kurz war.

Bis bald, Deutschland. Mach kein‘ Scheiß.

___

*Ist teuer geworden. Fast so teuer wie im norwegischen Supermarkt. Hoffentlich ist dann die Qualität wenigstens besser als im norwegischen Supermarkt.

**Wir importieren ja längst nicht mehr so viel Zeug nach Norwegen wie vor fünf Jahren noch, eigentlich fast nur noch Sachen, die wir da eben gar nicht kriegen, dieses Mal: Hygienespüler, Reinigungsöl, Deo, Rübenkraut, Pflaumenmus, Kinderzahnpasta und hefefreie Gemüsebrühe. Und drei kleine Flaschen Bielefelder Wasser-Ethanol-Gemisch mit Geschmack (Gin Lossie), die kriegen wir im Leben nicht in Norwegen. Und dann noch zwei riesige Gläser Nutella zum Preis eines halben kleinen in Norwegen. Tatsächlich habe ich mir auch noch einen Blush (von The Balm und der ist mal… hui. Erst passiert gefühlt nix und dann sehe ich plötzlich aus wie reingefallen. Muss ich noch üben) gekauft, einiges an Nagellack geschenkt bekommen (Vielen lieben Dank nochmal, liebe Tanja!) und bin jetzt im Besitz einiger neuer Schminkpinsel.

***hahaha. Ich versuche mir das einzureden, aber mal ehrlich: ganz ohne Handy fühle ich mich nackt und einigermaßen hilflos. Weiß noch nicht, wie ich das finde.

Tag 1150 – WmDedgT im Oktober ‘18.

Heute ist wieder der 5. des Monats und es ist schon Oktober, das ist schockierend, aber wie dem auch sei – Frau Brüllen fragt: Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?

Stichwort: Freizeitstress. Aber ironisch, weil es eigentlich ein ganz wunderbarer Tag war.

Nach dem Aufstehen – Pippi weckte mich um halb acht – machte ich gemütlich die Kinder fertig und mich so halb, also ich duschte, zog mich an und machte alles außer schminken. Wir übergingen gekonnt das „Aber ich hab noch Croissants*!“ meines Schwiegervaters und gingen Brötchen holen. Wir frühstückten dann frische, knusprige, duftende, raumtemperierte Brötchen, und die Kinder aßen auch noch die Croissants auf. Dann machte ich einen Haufen Farbe in mein Gesicht und dann war es auch schon an der Zeit, Flavius und Brutus, J., N. und deren bezaubernd wonneproppiges K3 auf dem Spielplatz zu treffen. Flavius und Brutus brauchten etwas Anlaufzeit, dafür war Michel so stürmischforderndbefehlend drauf, dass Flavius das mit „Der Michel ist ganz schön unhöflich!“ quittierte. Tjanun. Sie freundeten sich dann doch noch an und kletterten allesamt (ok, das Baby nicht) drülfzig mal auf das Klettergerüst. Auch Pippi, die dann aber nicht mehr runter kam und deshalb kletterte ich auch drülfzig mal halb auf das Klettergerüst, um Pippis Abstieg zu begleiten (hier achtsames Flöten vorstellen). Pippi verschlürte auch zwei mal einen Elefanten und ein Kaninchen, winzige Plastikkleinteile, die sie eigentlich gar nicht dabei haben sollte, aber im Endeffekt suche ich lieber drei Minuten lang zwei hässliche Plastikteile, als zwei Stunden lang Geheul zu begleiten, weil sie weg sind. Pick your battles. Jedenfalls war es herrlich entspannt mit Familie Jenni und ich bin froh, dass Michel sich am Ende doch noch einigermaßen benommen hat und nicht die Jungs verschreckt hat wie beim letzten mal.

Als ich irgendwann ordentlich Hunger hatte, gingen wir wieder zum Opa zurück und ich aß ein paar Reibekuchen. Die Kinder hatten keinen Hunger. Pippi schlief ein. Ich disponierte kurz um, schulterte Pippi und dann gingen wir drei zur Bahn statt zu Fuß zum Siggi, wo wir mit unseren Freunden M. und A. Und deren Tochter I. verabredet waren. Am Hauptbahnhof wurde Pippi beim Umsteigen wach und ich war einigermaßen irritiert, dass jetzt zwei Linien zur Uni fahren, nämlich eine nur bis zur Uni und eine nach Lohmannshof. Weird. Wir stiegen dann auch spontan in die Falsche, die nämlich drei Minuten nach der anderen fuhr.

Treffen mit Familie M., das war auch ganz toll. Erst spielten die Kinder auf dem Siggi-Spielplatz und wir Erwachsenen tranken Kaffee, bis Michel ankam und meinte „Mama, Pippi hat Scheiß gemacht.“ und M. gleichzeitig meinte „Ist das dein Kind da, das keine Hose anhat?“. Da musste ich Pippi dann die Hose wieder anziehen und ihr erklären, dass bloß weil ein anderes Kind eine kurze Hose anhat, das nicht heißt, dass sie gar keine Hose mehr anhaben muss. Wir beschlossen, Hosen-Gate durch Eis und Rückzug zu entschärfen und holten uns ein Eis beim Koch (auch wieder keine Werbung sondern eine Empfehlung, gehen Sie alle zum Koch, das ist da sehr sehr gut). Glückliche drei Erwachsene und drei Kinder aßen Eis und wir schlenderten zu M. und A.s Wohnung. Pippis Eis fiel runter und ich rettete es grade so vorm totalen Ungenießbarwerden, indem ich es aufhob und die Boden-Seite beherzt mit dem Finger abwischte. Tag für Pippi gerettet. M. und A. Zeigten uns ihre neue Wohnung und ich war geschockt, was da im Viertel inzwischen für Preise aufgerufen werden. Über 900 Euro kalt für eine Wohnung, die außer der Lage und einer relativen Größe nicht unbedingt der Knüller ist, finde ich schon happig. Aber es war sehr schön, einen längeren Plausch mit M. Und A. Zu halten, während die Kinder drinnen spielten. Ich bin jetzt Up-to-date, was Teile der alten Impro-Crew angeht und, ach, man sieht die ja auch viel zu selten. Und auch zu kurz, denn wir mussten um halb sieben schon wieder weiter, unsere ehemaligen Nachbarn im Koch treffen.

Dort: super Essen, nette Gespräche, lustiges Kindergequatsche bis… echt spät, nämlich bis Herr Rabe auch noch kam und mich auslöste. Ein toller Abend. Pippi schlief am Ende auf meinem Arm ein und Herr Rabe trug sie dann nach Hause, während Michel tapfer selbst lief, den ganzen Weg vom Siggi bis zum Nordpark. Beim Opa angekommen brachte ich Pippi ins Bett, schminkte mich ab und dann schlief unten Michel auch noch auf meinem Arm ein und das war alles so gemütlich, fast hätte es diesen Beitrag gar nicht gegeben. Aber, phew, noch geschafft.

Wirklich ein voller, voll toller Tag.

___

*Von vorgestern, aus einer Tupperdose im Kühlschrank, das mag ja Zeit und Mühe am Morgen sparen aber für mich tötet es auch all das schöne an frischen Brötchen.

Tag 1148 – Luft!

Zuerst: Michel hat wie ein Stein geschlafen, hat keine Hustenanfälle gehabt und war bis heute Nachmittag allergiesymptomfrei. Puh. Ich freue mich auf zu Hause, wo wir uns um Bettzeugfüllungen und co. gar nicht erst Gedanken machen müssen und singe bis dahin ein Loblied auf die Pharmaindustrie. Natürlich weiß ich, dass die Allergie da ist und eine Desensibilisierung wirklich angedacht werden sollte, aber so ganz akut bin ich froh, dass es Chemie gibt, die das Kind von den Symptomen befreit, schnell und zuverlässig, damit es atmen kann und gucken kann und schlafen kann (gut, dafür braucht’s nicht gucken können). Mit nem einleuchtenden Wirkmechanismus, mit (Prä-/post-)klinischen Studien in denen Effektivität und Sicherheit belegt sind, in denen sogar Nebenwirkungen und ihre Häufigkeit beschrieben werden, sodass ich als mündiger Patient darauf fußend eine Entscheidung treffen kann. Ganz ohne Erstverschlechterung und in diesem Fall sogar ohne Lag-Zeit in der Wirkung. Hurra!

Heute haben wir dann meine Tante besucht und da gefrühstückt, kürzer als angedacht, was sehr schade war, aber für die Kürze der Zeit war es ein sehr schöner Besuch und ich hoffe, meine Tante und mein Onkel kommen uns wirklich mal in Eidsvoll besuchen, wir haben Steine und sehr viel sehr frische Luft! Ich kann ja immernoch nicht so ganz fassen, dass mein kleiner Cousin demnächst 17 wird und meine Cousine 19, das waren echt vor höchstens sechs Jahren noch Babies!

Nach dem Frühstück trafen wir relativ spontan (also: gestern abgemacht, ich wusste gar nicht dass die nach Bielefeld kommen würden, ich wusste ja noch nicht mal hatte gar nicht mehr auf dem Schirm, dass die Schwiegeroma wieder in Bielefeld wohnt!) meine Freundin C. samt Familie im Tierpark Olderdissen, das Olladissen ausgesprochen wird und wer was anderes sagt, der lügt. Das war ganz wunderbar, auch wenn ich Pippi viel durch die Gegend tragen musste, weil sie das einfach wollte, und auch obwohl es tierisch (hahaha) voll dort war, erwartbar, am Feiertag und bei trockenem Wetter. C. und ich plauschten nett und, hach, es wäre ja doch schön, könnten wir öfter herkommen.

Weil Herr Rabe uns am Tierpark nur abgesetzt hatte und dann zu seinem Vater fuhr um seinen Koffer für seine Firmenkonferenz zu packen (und dann auch dorthin aufzubrechen), nahm ich mit den gut gelüfteten Kindern den Bus und dann die Bahn zum Nordpark. Natürlich kamen wir nicht durch den Park zum Opa, denn da ist ein ganz toller Spielplatz, auf dem wir hängen blieben und wo sich die Kinder die Restenergie aus den Beinen turnten. Dass die Kinder danach ordentlich in den Seilen hingen konnte ich wirklich gut verstehen, während sie je eine Folge Peppa Wutz und Canimals guckten, döste ich auch fast auf dem Sofa ein, so viel frische Luft bin ich gar nicht mehr gewohnt.

Hach, doch, ein schöner Tag. Mehr Abstand zum norwegischen Chipsfabrik-Wahnsinn wirkt tatsächlich Wunder für meine allgemeine Gemütslage. Und viel entspannte Zeit mit den Kindern verbringen ist auch einfach schön. Schön, schön, schön!

Tag 1144 – Reisen mit Schnecken.

Für nur 70 Kronen kriegt man auf dem Boot hier drei Stunden lang Internet, juchhei, das gilt es jetzt also zu verprassen. Wir sind heute tatsächlich mit nur kleiner Verspätung losgekommen, es hat alles hingehauen, ich habe nur mein Retinol und eine Flasche Nurofen* im Kühlschrank vergessen. Aber meine Haut kommt auch mal ne Woche ohne Retinol aus, ganz bestimmt**. Ich habe sogar noch an die Schnecken*** gedacht, fast hätte ich sie vergessen, aber dann fielen sie mir noch siedend heiß ein. Die Zeit reichte noch, um in der Bibliothek für Michel das magische Baumhaus mit 52 Etagen zu holen und das hat einen kleinen Zwerg sehr glücklich gemacht. An der Fähre standen wir dann noch so lange rum, bis wir drauf durften, dass ich noch eine Amazon- und eine Online-Apotheken-Bestellung aufgeben konnte. Bei dm hätte ich auch gern noch bestellt, aber 4-5 Werktage bis Lieferung waren mir dann doch zu heikel, also werden wir wohl Montag früh da unseren 150€ Großeinkauf tätigen. Aber immerhin ist da die Einkaufsliste fertig und wenn ich im Laden bin, kann ich auch guten Gewissens noch durch die Glitzerschminke-Abteilung stöbern****.

Auf dem Boot kam dann eine kleine Überraschung, weil wir (kostenlos) upgegradet wurden und jetzt eine Luxuskabine mit richtigem Doppelbett haben. Ein Riesenfenster gehört auch dazu. Schon nett.

Im Duty-Free-Shop waren wir auch schon. Erst in dem für Parfüm, wo ich nach ausgiebiger Preisrecherche neue Wimperntusche***** kaufte, in Kaufrausch geriet und einen Pott „Take The day off“ kaufte, was quasi die Luxus-Version von Reinigungsöl sein soll. Ich bin gespannt. Es kostet halt das Zehnfache von Reinigungsöl, die Latte hängt entsprechend hoch. Und ganz vielleicht ziehe ich gleich nochmal los und kaufe mir einen Lipgloss, weil Yolo oder so. Später war ich dann noch allein im Alkohol-Süßkram-Laden und habe Herrn Rabe und mir je ein Bier und für uns vier einen Haufen Kaugummi gekauft.

Ansonsten sind die Kinder ja schon Fährenerfahren und wussten noch, dass es ein Schwimmbad und zum Abendessen Pølse und Pommes gibt. Michel war nach dem Schwimmbad wegen doch mehr Seegang als bei den bisherigen Überfahrten schlecht und nach kurzem Check hab ich ihm eine von meinen in den USA gekauften Tabletten gegen Reiseübelkeit. Die half wohl, jedenfalls schon sich Michel eine beeindruckende Portion Pommes und Pølse und zum Nachtisch Eis rein… und schlief dann sang- und klanglos auf meinem Schoß ein. Versehentlich das Kind medikamentös ausgeknockt. Hoppla. Also, wenn Sie auch im Besitz amerikanischer „Motion Sickness Relief“-Tabletten sind: bei knapp Sechjährigen tuts vermutlich ne halbe dicke, auch wenn auf der Packung steht 1/2-1.

Pippi freute sich, dass Michel seinen Eisteller nicht ausgetrunken hat.

(Wenn die Rabenkinder mit Essen fertig sind, ist die Tischdecke leider auch fertig. Die Rabeneltern geben dafür großzügig Schmerzens-, äh, Trinkgeld.)

Etwas anstrengend fand ich eine komplette Schulklasse, ich schätze so 9./10., am Buffet. Die haben zwar alle auch nur Pommes und Pølse gegessen, aber sich brav am kompletten Buffet vorbeischieben lassen, sodass ich sehr, sehr lange brauchte um meinen Teller zu füllen. Und ich bin doch hangry! Orr.

Ach, ich mag diese Art zu reisen. Jetzt noch eine Maske, das Bier und ein bisschen lesen und dann in den Schlaf geschaukelt werden. Es gibt echt schlimmeres.

___

*Murphy sagt: wir werden also welches kaufen müssen. Nurofensaft ist übrigens gar nicht so lange haltbar, habe ich letztens gemerkt. Wir kaufen nämlich auf jeder Reise eine Flasche, was dazu führt, dass wir sehr viele angebrochene Flaschen haben und die werden dann nie leer.

**Die Fältchen um die Augen sagen: wir sehen sehr seriös aus und werden dafür sorgen, dass du demnächst ganz viel Erfahrung u d Autorität ausstrahlst.

***Die haben wir auf der Fähre dann erstmal wieder etwas ausgepackt, die sollen ja nicht länger als nötig so fest in Erde gepackt sein, dass sie nicht herumpurzeln können.

****Ich brauche einen Blush, der wirklich rot ist. Nicht Peach, nicht Pink, nicht Rose, das habe ich alles. Idealerweise passt er zum Beispiel zum Bossy Lippie-Stix (siehe Bild). Tipps willkommen.

*****Immer die gleiche, immernoch Clinique High Impact Curling Maskara in schwarz. Ich hatte ja mal so ein Experiment gewagt mit so einem einstellbaren Clinique-Maskara, aber das war nix. Also nicht schlecht, aber auch nicht so doll, dass es mir die 30 Kronen mehr wert wäre.

Tag 1143 – Schwuppdiwupp.

Heute unheimlich viel gemacht. Zum Beispiel fast* das ganze Haus geputzt und Unmengen Wäsche gewaschen. Das war ein wenig schlechter Planung und schlechtem Zeitmanagement (wenn auch verständlicherweise) in den letzten Tagen geschuldet. Es steht ja schon etwas länger fest, dass wir morgen nach Deutschland fahren. Morgen. Da ist gestern mit Waschen anfangen… knapp kalkuliert. Nun ja. Es war ja auch irgendwie nicht ganz klar, wer wie warum nach Deutschland fährt, ich hatte das mit dem Chipsmann zwar abgeklärt aber er schien es einfach vergessen zu haben oder vielleicht hat er es auch absichtlich übergangen, wer weiß das schon. Jedenfalls hatte ich dann heute noch eine Runde Rennerei, damit mir nicht für die Zeit in Deutschland das Krankengeld** flöten geht. Es kann immernoch gut passieren, dass es mir eben doch flöten geht, aber ich bin eben so, es gibt eine Regel, also befolge ich sie. Anderenfalls hätte ich in der Woche und danach noch ne Weile permanent Angst gehabt, dass wer rausfindet dass ich nicht zu Hause Däumchen drehe und dann wäre vermutlich nicht nur das Geld nachträglich flöten gegangen sondern möglicherweise richtig die Wurst warm. Neenee. Dann lieber wegen verpasster Frist einen drüber kriegen, als wegen Schummelei. Nun denn. Jedenfalls Rennerei.

Mit Pippi den neuen Kindergarten angeschaut. Ich finde ihn super schön. Pippi sagt „Will nich anna kinnergaten gehn.“ und dann macht sie ihr böses Gesicht. Aber Pippi war auch müde und fror als wir da waren, das waren also nicht so tolle Voraussetzungen. Ich denke, wenn sie erstmal rausfindet, dass die da richtige Schaukeln haben und nicht nur so Netz-Dinger, dann sieht das schon anders aus. Ich finde schön, dass der ein wenig so wirkt wie der alte Kindergarten in Trondheim, mit wenigen Kindern, alles (also Erwachsene, Kinder und Spielzeug) ist gut eingespielt und irgendwie familiärer als der hypermoderne Kindergarten, in dem Pippi jetzt ist. In Pippis Gruppe (Der Fuchs-Ecke) sind neun Kinder und drei Erwachsene, das ist schon was anderes als knapp zwanzig Kinder und drei Erwachsene (plus eine Aushilfe). Ich freue mich drauf, nicht nur weil wir dann nicht mehr dreißig Minuten zum Kindergarten fahren müssen.

Pippi war heute morgen soooooo niedlich. Wir haben im Auto Billy Talent gehört. Ich weigere mich ja, im Auto Kindermusik*** anzumachen, mein Auto, meine Regeln, also hören wir irgendwas aus dem CD-Wechsler oder von meinem Telefon. Heute also Billy Talent. Und wie ich so fahre ruft Pippi von hinten „Dead Silence… Mama, lauter! …Ieeeaaahooooo! Dead Silence! Oooooeeeiiieeeeaaahhoooo!“. Melodiesicher. Ich habe ein Video gemacht, sie sang das noch bis in die Kita-Gruppe immer weiter und auch nachmittags sagte sie, kaum dass wir am Auto waren: „Ich will Dead Silence!“ Hachz.

Michel war auch sehr niedlich und hat ein Bügelperlen-Dings für Opa gemacht. Im Hort. Ganz geduldig und ausdauernd. Während ich ihn eigentlich abholen wollte. Pippi hat sich derweil mit A. angefreundet, die geht in Michels Parallelklasse und hat ein extra Chromosom, Pippi und sie schütteten gemeinsam begeistert Bügelperlen aus und sammelten sie dann wieder ein. Ist ja schön, aber: können die Kinder sowas nicht an Tagen machen, wo ich nicht noch ganz viel zu tun habe?

Jetzt Bett und hoffen, dass die Wäsche bis morgen trocken ist.

___

*bis auf die Küche, denn Herr Rabe hat gekocht. Das ist immer sehr lecker aber Herr Rabe und Ich kommen an dem Punkt „Wie sauber und aufgeräumt sollte die Küche während des Kochens und unmittelbar nach dem Kochen sein?“ einfach nicht überein und deshalb muss Herr Rabe seine Sauerei selbst beseitigen hinter sich selbst herräumen.

**Wenn Sie jetzt denken „aber sie kann doch einfach Urlaub nehmen, ist doch Wurscht“: ja, könnte ich. Und hätte ich unter normalen Umständen ja auch. Aber der wäre, wie in Norwegen üblich, unbezahlt****. Und das Krankengeld steht mir ja zu. Eigentlich. Jedenfalls wenn ich mich eher drum gekümmert hätte.

***Herr Rabe hat mir letztens Bummelkasten gezeigt. Ich lache immernoch, wenn auch ein wenig ertappt.

****Es ist kompliziert.

Tag 606 – Erste Etappe geschafft. 

Hurra, wir sind in Oslo! Natürlich kamen wir nicht ganz so früh von zu Hause los wie geplant, aber immer noch früh genug. Auch das Fahren war weitgehend problemlos, aber auch unendlich öde. 600 km durch den Wald. Mit 80 km/h. Schnaaaaaaaaaaaarch. Die Kinder verhielten sich altersentsprechend, Michel guckte auf dem iPad heruntergeladene Maus/Elefant/Dinotrux-Folgen bis er viereckige Augen hatte, Pippi schlief erst lange, sah sich dann lange und niedlich laut kommentierend ihre Bücher an und verkrümelte Unmengen Kekse in ihrem Sitz. Dann wurde sie zunehmend ungehalten. Die letzte Dreiviertel Stunde war dann deswegen nicht mehr ganz so schön. 

Was aber sehr schön war, war dann in Oslo direkt bei Freunden anzukommen und mit warmem Essen empfangen zu werden. Noch dazu mit unfassbar niedlichem fast Einjährigem, den wir das letzte Mal als neu geborenes Minibaby gesehen haben. Heute lernte er während wir da waren (!!!) Laufen. Pippi und Michel waren wohl Ansporn genug um mal damit loszulegen. Unsere Kinder hatten auch noch genug Möglichkeit sich nach dem Sitz-Tag noch richtig auszutoben und waren entgegen meiner Befürchtungen nicht überreizt-nervig sondern aktiv und putzig. Und auf dem Weg in die Wohnung, in der wir übernachten (die unserer Freunde, die aber noch im Urlaub sind) schliefen beide sang- und klanglos im Auto ein und ließen sich auch problemlos schlafend ins Bett verfrachten. 

Langsam kommt sogar bei mir Urlaubsstimmung auf! Der Stress lässt nach, das Hachz setzt ein. Hachz. 

(Ach ja: morgen auf dem Boot gibt’s wohl kein oder nur sehr teures W-LAN. Und vielleicht sehr schlechten Mobil-Empfang. Wenn Sie also nichts hören sind wir vielleicht abgesoffen, vermutlich aber nicht.)

Tag 566 – Heimaturlaub in Planung. 

Wir wollten die ganze Zeit, als meine Schwägerin da war, unseren Heimaturlaub über Ostern planen. Wie das so ist, klappte das natürlich nicht. Aber als sie heute Nachmittag gefahren war, da setzten wir uns endlich daran. 

Diese Flug-Geschichte mit Norwegian regt mich immer noch sehr auf. Deshalb musste Herr Rabe mitentscheiden und mitmachen bei der Planung, so Frust-induzierende Dinge kann ich gerade nicht alleine tun. Es wurden also gemeinsam Dinge beschlossen:

  • Wir fahren mit dem Auto. (Ja. Hahaha.) 
  • Wir fahren mit der Oslo-Kiel-Fähre, lieber 20 h auf dem Boot als 10 h Gegurke durch Dänemark. 
  • Wir fahren am 9. April mit dem Boot. Am 8. April fahren wir hier los und übernachten bei unseren Freunden in Oslo*.
  • Am 20. April geht es zurück, am 21. übernachten wir wieder in Oslo. 
  • –> praktisch: so können wir es vielleicht so hinbekommen, dass ein Großteil der Bauarbeiten am Wassertank, den Rohren, der Elektrizität und dem ganzen illegalen Mist noch in unserer Abwesenheit erledigt wird. 

Glauben Sie’s oder nicht, aber fliegen wär fast genauso teuer gewesen, erst recht wenn wir dann noch ein Auto samt Kindersitzen hätten mieten müssen. Und dafür haben wir das Auto ja auch. 

Trotzdem brauche ich ob des Preises für den Spaß gleich noch einen Gute-Nacht-Tee mit Schuss. 

*den Plan hatten wir leider ohne die Freunde gemacht, die sind da nämlich noch gar nicht wieder da. Aber wir dürfen trotzdem in ihrer Wohnung übernachten (Danke :*) und besuchen dann halt zwecks Schlüsselübergabe am Nachmittag/Abend unsere anderen Freunde in Oslo. Und auf dem Rückweg sind sie dann ja wieder da.