Tag 1089 – WmDedgT im August ‘18.

Heute Gestern war der 5. und wie jeden Monat fragt Frau Brüllen da: Was machst Du eigentlich den ganzen Tag? Und weil das eben irgendwie schon gestern war und ich morgen früh aufstehen muss in der absoluten Zeitraffer-Version.

  • Ich werde von einer Fliege geweckt und habe schwere Fliegenmordgelüste.
  • Aufstehen und Frühstück machen. Mit Pippi, die frühstückt schon mal Banane. Michel kommt an und ist stolz, dass er die ganze Nacht in seinem Bett geschlafen hat. Beide bewundern den neuen Tisch. Unser „Eierkochtopf“ ist leider nicht Induktionsherd-geeignet und wird zum Campingtopf degradiert.
  • Frühstück mit (gekauften TK-)Brötchen und Eiern und danach Maus. Fast normal, sieht man vom Chaos ab, das um uns rum herrscht.
  • Kisten auspacken. Überall Kisten. So viele Kisten.
  • Disput: Ich will einen der Kleiderschränke aus dem Kinderzimmer ins Erwachsenenschlafzimmer stellen. Michel ist der Meinung, das sei SEIN SCHRANK UND ER BESTIMMT WAS WIR DAMIT MACHEN. Michel und ich schreien, Herr Rabe versucht zu vermitteln.
  • Michel und ich malen eine mögliche Lösung auf, wie sich Michel und Pippi doch einen Kleiderschrank teilen können und dann dürfen wir auch den Schrank entfernen. Das machen wir. Der Schrank ist sehr schwer.
  • Unsere toll ausgedachte Lösung funktioniert aus Gründen nicht. Michel trägt es mit Fassung.
  • Ich bastele gefühlte drei Tonnen Kinderkleidung in den Kleiderschrank. Das dauert überraschend lange und der Schrank ist jetzt voll.
  • Pippi schläft einfach im Bett beim Spielen ein.
  • Ich brauche eigentlich dringend Kaffee, bin aber irgendwie im Flow und behelfe mir mit Cola.
  • Badezimmer einräumen. Wir haben jetzt ja 2 Badezimmer, mein Schminkkram wird aber eben nicht im Familienbad sein, sondern unten. So stehen wir uns hoffentlich morgens. nicht ganz so auf den Füßen.
  • Herr Rabe hat das Gästebett aufgebaut und geht nun mit den Kindern raus.
  • Zuerst räume ich alle Pappe auf die Terrasse. Herr Rabe hat gestern ein ganzes Auto voll Pappe weggebracht und es ist schon wieder so ein riesiger Haufen.
  • Ich rödele im Lagerraum herum. Alle Kisten raus, Regale rein, ein Regal zusammenbauen, manche Kisten komplett wieder rein, manche Kisteninhalte wieder rein.
  • Die Kinder sind wieder da und haben Hunger. Ich mache Pfannkuchen und rödele nebenbei in der Küche herum. Herr Rabe baut das Mülltrennsystem unter die Spüle.
  • Wir essen Apfelpfannkuchen. Lecker. Herr Rabe fragt, wer den jetzt das Regal abholen fährt? Oh, ja, das hatte ich vergessen, ich wollte ja ein geschenktes Badregal abholen.
  • Vorher duschen ist nötig. Ich mache mir noch einen Espresso.
  • Die Kinder haben ihr liebevoll eingerichtetes Zimmer verwüstet, indem sie die einzige noch nicht ausgepackte Kiste ausgepackt und deren Inhalt – Puzzleteile und Spiele – überall verteilt haben. Nach einer sehr deutlichen Ansage von mir gehen sie wenigstens ins Kinderzimmer um Herrn Rabe beim Aufräumen zu helfen. Ich kühle meinen Kopf unter der Dusche.
  • Lilashampoo und Beine rasieren. Meine Beine sind jetzt stoppelfrei, aber übersäht mit Kratzern und blauen Flecken. Tjanun.
  • Ich ziehe mich wieder an und fahre das Regal holen.
  • Auf dem Hinweg sind die ganzen Korn- und Stoppelfelder in goldenes Licht getaucht, das Romerike präsentiert sich von einer sehr hübschen Seite, ich hachze so vor mich hin.
  • Regal abholen. Wir haben dann jetzt das gleiche Regal in der inzwischen 3. Farbe.
  • Auf dem Rückweg fahre ich der untergehenden Sonne entgegen. Der Sonnenuntergang ist so schön, dass mir die Tränen kommen. Ich muss mehrmals anhalten und Bilder machen (die natürlich nur halb so schön sind, wie sie sein könnten, würde man eine richtige Kamera nehmen und kein Handy).
  • Zu Hause. Meine Mutter ruft an. Während wir telefonieren mache ich schnell Pflegelack auf meine doch arg geschundenen Fingernägel und bügele mein Kleid für morgen und suche diverse Dinge in diversen Kisten.
  • Zähneputzen, Bloggen, ab ins Bett.

Tag 1057 – #WmDedgT im Juli ‘18.

Heute ist ja der 5. Juli und wie an jedem 5. fragt Frau Brüllen: Was machst Du eigentlich so den ganzen Tag?

Ich bin heute 6 Stunden lang Zug gefahren um 2 Häuser anzusehen. Aber von vorn.

Um sechs klingelte der Wecker, da war ich aber schon wach. Nach nicht mal 5 Stunden Schlaf ratterte das Unterbewusstsein mich aus dem Schlaf. Ganz toll, so kann man bestimmt voll gut wichtige Entscheidungen treffen. Aber tjanun, ich stand also auf, kam aber nicht weit, weil Pippi am Nölen war. Aus dem Bett gefallen, Hunger, Durst. Alles schlimm, keine Frage, aber in meiner Nervosität kann ich nicht gut haben, wenn ein Kleinkind permanent an mir klebt und herumgetragen werden will, das nervt mich dann alles doch sehr. Herr Rabe übernahm sie aber irgendwann ins Bett zurück, sodass ich duschen konnte. Kaffee trinkend machte ich mich fertig und zog sommerliche Sachen an. Immerhin waren selbst für Trondheim 22 Grad angekündigt. Hibbelig nutzte ich die letzten 5 Minuten vor Abmarsch zum Wäsche aufhängen, gab allen schlafenden (Pippi) und wachen (Michel) Kindern und Herrn Rabe noch einen Kuss und ging dann los. Mit leichter Übelkeit (aufregend!!!) und so früh, dass auf dem Weg die Zeit noch reichte, im Supermarkt ein paar Reisesnacks einzukaufen und am Bahnhof einen Kaffee zu holen. Um 08:14 Uhr saß ich im Zug, um 08:18 fuhr der Zug los.

Die nächsten 4,5 Stunden verbrachte ich damit, mich mit dem Schreiben einer Bewerbung* von der Nervosität und dann mit Lesen vom nicht funktionierenden Internet abzulenken. Zwischenzeitlich schrieb ich dem Chipsmann, ob es möglich wäre, im Laufe des Tages das OK des Finanzmenschen einzuholen, weil HERRGOTT ICH KAUFE VIELLEICHT EIN HAUS DA IN EINEM KAFF! Mit ein bisschen Verspätung kamen wir in Lillehammer an, ich stieg aus, holte mir einen Kaffee und stieg in den nächsten Zug. Für weitere 1,75 Stunden. Ich kam nicht zum Arbeiten, denn ich bekam von einer KiTa eine Platzzusage, dann vom Chipsmann die Aussage, der Geschäftsführer habe sein OK gegeben und der rede heute Abend mit dem Finanzmenschen** und dann hatte Herr Rabe auch noch gute Neuigkeiten von seinem Job*** und wir tauschten das alles über Telefon kurz aus. Dann telefonierte ich noch mit meiner Mutter und schwups, war der Zug in Eidsvoll und ich musste aussteigen.

Eidsvoll also. Das ist jetzt nicht direkt Oslo, eher so gar nicht, aber ein klassischer Pendlerort. Riesiger Parkplatz am Bahnhof, von da gehen 3-4 Züge pro Stunde Richtung Oslo (und zurück) und die sind dann in 35 Minuten in Oslo S. Da ist mancher Ort, der wesentlich näher an Oslo liegt, schlechter angebunden. Zur Chipsfabrik bräuchte ich mit dem Auto auch etwa 35 Minuten und die KiTa läge auf dem Weg. Allerdings läge die KiTa in der Nachbarkommune, weil in Eidsvoll alle (!) Kindergärten voll sind. Tjanun, ich war einigermaßen drauf gefasst. Ich hoffe nur, dass Randstundenbetreuung für Michel kein Drama würde, weil dann hätten wir echt ein Problem. Aber das löst sich dann auch, ganz sicher.

Jedenfalls ist Eidsvoll wirklich hübsch. Hübscher als das Dorf von letzter Woche.

Ich ging grob in Richtung der zwei Häuser und suchte mir ein Café. Und weil ich langsam irre werde eh so gute Laune hatte, sprang ich direkt mal über zwei Schatten: Ich machte einer wildfremden Frau ein Kompliment wegen ihres wirklich superschönen Kleides und dann quetschte ich die Cafébesitzerin und ein paar Locals über Eidsvoll als Wohnort aus. Fazit: da ist es natürlich super zu leben (was hatte ich erwartet****?). Dann machte ich mich auf den Weg zum ersten Haus.

Es war ein sehr warmer Weg. Geradezu unangenehm Wirklich warm. Und er führte durch lauter Baustellen, in denen neue Reihenhäuser entstehen, da dachte ich schon, oha, das erklärt, weshalb die Häuser so günstig sind, wenn man die nächsten 10 Jahre inmitten von Baustellen wohnt. Aber dann ging es in ein Wäldchen:

Und auf der anderen Seite vom Wäldchen sind keine Baustellen, sondern ein ziemlich fertiges Wohngebiet:

Ja, aber war halt warm und so kam ich schwitzend wie ein Affe an Haus Nr. 1 an, außerdem 15 Minuten zu früh. Vor dem Haus saß ein Mann im Schatten unterm Carport. Und guckte ganz verwirrt, als ich mich vorstellte und meinte, ich hätte doch für 17 Uhr eine Besichtigung abgemacht. Er wusste da nichts von und ich dachte schon „OHA!“, aber als er ins Haus rief, ob das richtig sei, dass um 17:00 Uhr eine Besichtigung geplant sei und eine Frauenstimme mit „Ja, äh, nur kleinen Moment noch!“ antwortete, entspannte ich mich kurz fast und ließ mich einigermaßen dankbar auf den angebotenen Stuhl plumpsen. Nach 5 Minuten kam die Besitzerin des Hauses heraus und begrüßte mich und dann guckte ich das Haus an. Dieses Mal machte ich ca. 6000 Fotos (ohne Weitwinkel!!!) und auch Videos. Und wie soll ich sagen? Ich bin jetzt ein bisschen verliebt. Ich möchte dieses Haus haben. Mit meinem Klemmbrett iPad, auf dem ich den Prospekt gespeichert und Notizen mit Fragen gemacht hatte, machte ich wohl einen ziemlich gut vorbereiteten Eindruck auf die Besitzerin und als ich auf die Frage „Ist die Finanzierung schon klar?“ mit „Ja.“ antworten konnte, war sie glaube ich froher als ich. Ich bekam auf alle meine Fragen zufriedenstellende Antworten. Ich habe den Wärmetauscher angeschaut, die Dunstabzugshaube angeschaut, den Backofen gestreichelt angeschaut, habe gefragt, was denn „Balkon hat leichten Wartungsbedarf“ heißen soll*****, habe einszweidrei Lagerräume inspiziert und war einfach mit allem höchst zufrieden. Es ist schon ein schickes Haus mit einer vernünftigen Raumaufteilung. Am liebsten wäre ich direkt eingezogen und ich glaube, die Besitzerin und ihr Partner hätten mich am liebsten direkt adoptiert, jedenfalls tranken wir dann noch einen Kaffee und sehr viel Wasser zusammen und als ich sagte, ich ginge jetzt noch zu einer zweiten Besichtigung, boten sie mir an, mich danach zum Bahnhof zurückzubringen, damit ich nicht wieder durch die Hitze wandern müsste. Jaja. So war das.

Aussicht. Bebauungsplan sagt: da wird nix gebaut.

Trotzdem musste ich irgendwann doch aufbrechen und das andere Haus 150 Meter weiter die Straße runter anschauen. Das war dann auch ok, aber gegen das erste anzustinken war halt dann auch schon schwer. Es stimmten dann auch einfach ein paar kleinere Dinge nicht so richtig für mich, wenig Lagerplatz, generell irgendwie komisch aufgeteilt und deshalb gefühlt wenig Platz, Lagerraum verschlossen und der Makler fand den Schlüssel nicht… Sowas halt. Aber auch hier machte ich natürlich 6000 4500 Bilder und Videos. Herr Rabe fand vorher nämlich dieses Haus eigentlich besser. Hier blieb ich nicht so lange, stellte aber alle meine Fragen (und bekam vom Makler Wischi-Waschi-Antworten wie „Ich glaube, in einem der kleineren Schlafzimmer bleibt der Schrank drin, aber ich weiß nicht in welchem.“) und schaute alles gründlich an. Ich muss ja sagen: es muss schrecklich sein, in einem Haus zu wohnen, an dem draußen ein „zu verkaufen“-Schild hängt, das muss ja zu jedem Zeitpunkt aussehen wie aus dem Katalog. Eieiei. Erklärt aber den Vollgeräumtheitszustand der Garage:

Tatsächlich nahm ich danach das Angebot des zum-Bahnhof-Gebrachtwerdens an. Ich sag ja, ich werde bekloppt springe über meine Schatten. In Haus Nr. 1 sahen sich zum Teil dieselben Menschen grad um, die ich in Haus Nr. 2 grade getroffen hatte. Im Auto sprach ich mit dem Partner der Besitzerin von Haus Nr. 1 über das gewünschte Übergabedatum, das von beiden Seiten aus auf dem letzten Juli-Wochenende liegt und, ach, könnte ich doch nur diese blöde Gebotsrunde umgehen. Denn mir wäre das Haus auch mehr als den veranschlagten Preis wert, hoffen wir mal, den anderen nicht. Weil schön wäre es natürlich schon, sich nicht allzu hoch treiben zu lassen.

Vom Bahnhof aus schrieb ich Herrn Rabe mein Resümee der zwei Häuser, vom Zug aus lud ich die Bilder und Videos in die Cloud. Ich schickte die Anzeige zu Haus Nr. 1 meiner Mutter (die gleich Feuer und Flamme war) und telefonierte kurz mit Herrn Rabe und den Kindern. Michel sagt, wir sollen das kaufen. Genau genommen: „Das kannst du ja einkaufen Mama.“ Weil es einen Garten hat. Äh ja, ich… werd’s versuchen, ne?

Ich ging durch die Sicherheitskontrolle am Flughafen und suchte mir ein ruhiges Plätzchen in Terminal C um meine Oma anzurufen. Ich hoffe, ich habe ihr jetzt klargemacht, dass ich eventuell MORGEN dieses Haus kaufe und dann in zwei Wochen das Eigenkapital, bei dem sie uns unterstützen möchte, auf meinem norwegischen Konto haben muss. Nicht in drei, vier Monaten vielleicht. Zwei Wochen. Uff.

Auf dem Weg zum Gate telefonierte ich nochmal mit Herrn Rabe, der inzwischen die Kinder ins Bett verfrachtet hatte und entweder vertraut er meinem Urteil wirklich so sehr oder er merkte einfach meine Begeisterung, aber am Ende sagte er: „Wir bieten da morgen drauf.“

Dann Flugzeug, Bloggen, Flugbus******, weiter bloggen, versuchen, das Gedankenkarussell******* zu bremsen, alles wird gut. Morgen kaufe ich dieses Haus.********

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Auto-Lobhudelei: siehe oben. Ich war heute sehr erwachsen.

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*Damit höre ich erst auf, wenn ich den Vertrag vom Chipsmann hab. Vielleicht höre ich auch einfach erstmal nicht damit auf. Zur Sicherheit.

**Ich weiß doch auch nicht, weshalb das immer mehr Leute werden.

***Sieht so aus, als würde Herr Rabe doch nicht einfach nur von mir mitgeschleift, sondern könnte den Umzug zur beruflichen Entwicklung auch gut nutzen.

****Ich bin ja immer ehrlich. Wenn mich wer im Café in Trondheim fragte, wie Trondheim denn so zum Leben sei, würde ich vermutlich mit „Lauf, Forest, Lauf!“ Antworten.

*****Muss geölt werden, Geländer eventuell lackiert.

******Trondheim empfängt mich mit den üblichen 12 Grad und Nieselregen und einer unüblichen Tunnelsperrung, die den Flugbus zwingt, über die Berge und an den sieben Zwergen vorbei zu fahren. Achtja. I will dance when I walk away.

*******Noch keine News vom Chipsmann.

********Ein abgewandeltes Filmzitat. Wer hat’s erkannt?

Tag 1028 – #WmDedgT im Juni ‘18.

Heute ist der 5. und das heißt, dass Frau Brüllen wie immer die gute Frage stellt: Was machst Du eigentlich den ganzen Tag? Da will ich ja mal nicht so sein und ihr antworten, ne?

  • Sämtliche Entscheidungen der letzten fünfeinviertel* Jahre in Frage stellen
  • Mich und mein Leben hassen
  • Mir davon nix anmerken lassen und ganz freundlich und fröhlich und positiv und professionell mit Menschen aus 10 verschiedenen Firmen gesprochen und mich vermarktet

Fertig! Das ging ja schnell.

Ok, Langform:

Ich habe etwa viereinhalb Stunden geschlafen, gestern Abend war ich noch lange mit der eher mittelmäßig gelingenden Abwehr des Loches beschäftigt. Heute morgen war Aufstehen gar nicht mal sooo schlimm, nach 4 Stunden gehts immer noch, ganz schlimm ist alles zwischen 5 und 7 Stunden Schlaf, da komme ich gar nicht aus den Federn. Ich stand also auf und schlurfte ins Bad. Und dann doch erstmal zurück in die Küche, mein Hals kratzte wie Hölle und ich versuchte das wegzuspülen. Wasser half nicht, also machte ich Kaffee (jaja, das ist auch kein Salbeitee, ich weiß) und nahm den dann mit ins Bad. Duschte und rasierte meine Beine, alles im Autopilot. Zog mich an, Gesichtspflege, Schminken, wie ein Roboter. Immer darauf bedacht, nicht allzu sehr darüber nachzudenken, was ich heute vorhabe. Die Schminke hatte ich gestern schon rausgelegt, sonst hätte ich wohl ratlos vor meinem Arsenal gestanden und wäre womöglich einfach ungeschminkt gegangen. Irgendwann stand auch Pippi auf und meckerte direkt los, aber Herr Rabe stand nach meinem ersten „Ich kann jetzt nicht, bitte warte doch grad!“ auch auf und kümmerte sich um sie. So war ich dann nicht ganz so doll verspätet und bekam einen Flugbus nach dem Angepeilten. Alles im Rahmen.

Im Flugbus traf ich dann einen emeritierten Professor aus meiner Ex-Gruppe hier und seine Frau, das war einigermaßen skurril, um zwanzig nach sieben im Flugbus, sie mit zwei großen Koffern auf dem Weg in die Ferien und nebenbei der Hochzeit der Tochter beiwohnen, ich mit einem Jutebeutel**, in den alle meine Habseligkeiten für einen Tag locker reinpassten. Ich aß im Bus eine Banane und weil das WLAN nicht ging, guckte ich also aus dem Fenster.

Am Flughafen direkt durch die Sicherheitskontrolle zum Gate. Bei der Sicherheitskontrolle piepten meine Schuhe und ich musste sie ausziehen und durch den Scanner schieben. Apropos Schuhe: Schon da war mir klar, dass mir am Abend die Füße einfach abfallen würden. Wie welkes Laub. Aber ich berichtete glaube ich schon mal davon, dass ich sehr gut darin bin, Fußaua zu veratmen, eher würde ich mir den Fuß abnagen als zuzugeben, dass die High Heels, die ich zu dem blauen Kleid gekauft habe, höllisch unbequem sind. Ich zog die Schuhe also wieder an, kaufte mir aus Frust ein Buch*** und setzte mich genauso lange ans Gate, wie es dauert, den LinkedIn-Premium-Probemonat zu aktivieren. Mal sehen, was das bringt, ich glaube nicht, dass ich mir das zum normalen Tarif von ca. 30 €/Monat leisten werde. Dann stieg ich ins Flugzeug, schrieb Herrn Rabe die obligatorische „Bis gleich!“-SMS und schon ging es auch los.

Im Flugzeug versuchte ich, eine Bewerbung zu schreiben, das klappte nur mäßig. Genau genommen hatte ich endlich einen Aufhänger gefunden, als ich nochmal in die Anzeige schaute und feststellte, dass mein Aufhänger genau ins falsche Horn tutet. F*ck it, dachte ich mir. Wir waren eh schon fast da.

In Oslo erstmal Klo und Wasserflasche auffüllen, dann Kaffee geholt, Zugticket gekauft und nach Check des Fahrplans beschlossen, dass genau jetzt der richtige Zeitpunkt war, den Nagellack zu fixen. Irgendwie war der nämlich noch nicht richtig ausgehärtet gewesen und ich hatte auf allen Nägeln richtig schäbige Bettdecken- und Haarabdrücke. Aber wozu hat eine die Mini-Flaschen aus dem Adventskalender. Falls Sie auch mal so ein Nagellack-Desaster haben: der „Gel Setter“-Topcoat ist so dickflüssig, der kaschiert alle Macken als wär da nie was gewesen. Gut, man hat dann halt ne ewig dicke Nagellackschicht drauf, das wird vermutlich ganz bald splittern, aber es musste ja nur für heute halten.

Mit wunderlich abgespreizten Fingern in den Regionalzug nach Oslo gestiegen, bis Oslo S war der Nagellack ausgehärtet, aber meine Füße… eieiei. Ich hatte noch recht viel Zeit, also holte ich mir gleich noch einen Kaffee und ging dann erhobenen Hauptes in eine Apotheke und kaufte Blasenpflaster. Nahezu erhobenen Hauptes verpflasterte ich dann nach 2446 Schritten in diesen Schuhen an Oslo S meine großen Zehen beidseitig und klebte vorsichtshalber noch die zu Hause eilig eingepackten Fersenschutzdinger in die Schuhe. So ging es einigermaßen an der Fußfront und ich nahm die Bahn zum Forskningsparken. Da verlief ich mich erstmal****. Vergeudete Schritte. Schlimm. Fast eine Stunde zu früh war ich dann aber immernoch, also ging ich erstmal aufs Klo, holte noch einen Kaffee und setzte mich dann ins Café, putzte mein iPad, aktualisierte meine Ausbildung bei LinkedIn***** und schaute nochmal nach, ob irgendwer heute relevante Stellen hat. Nein. Awesome.

Um viertel nach zwölf und damit 15 Minuten zu früh schlenderte ich zu der Location, um 12:17 war ich da und es trugen sich schon Leute in die Meeting-Listen ein. Sowas kann ich ja gut haben, erst groß ankündigen, dass man um Punkt X Uhr anfangen wird und dann geht es doch schon eher los und wer halt zufällig schon da ist, hat nen Vorteil. Grr. Aber wenn andere schon rennen, bin ich ja auch nicht diejenige, die aus lauter Pflichtgefühl stehen bleibt und auf den Startschuss wartet, also sicherte ich mir in Windeseile bei 10 der 11 anwesenden Firmen Timeslots. Natürlich hatte ich die vorher alle im Internet aufgesucht und allerlei grausige „We are are a freshly founded Gründer-company Startup based within life-science based“ Websites gefunden. Aber egal. Ich bin verzweifelt based desperation based in life-science based people with passion. Nur in lockerer und entspannter Verkleidung. Zuerst gab es dann aber eh erstmal Begrüßung und einen Vortrag einer HR-Consultancy „Put your relationship status and hobbies on the CV! Make it personal!“******, bevor sich die Firmen in 2-Minuten-Pitches vorstellten. Da machte ich fleißig Notizen, natürlich, professionell und so.

Leider kam dann für mich der schlimmste Vorschlag des Tages: wir könnten doch beim Lunch schon mal mit den Firmen minglen. Wäh. Ernsthaft, was ist das einzig schlimmere als professionelles Sich-Anbiedern als Marathon? Genau. Sich anbiedern, während einem selbst und dem Gegenüber Salat zwischen den Zähnen hängt und man dem Gegenüber beim Reden versehentlich Käsebrötchenbröckchen ins Gesicht sprüht. Deshalb hab ich dann auch alleine gegessen. Pfft. Nachher nochmal Klo, Make-up-check, den einen Fersenschoner wieder ankleben und los gings.

Tja, also das war. Die erste Firma hab ich mir nur angeschaut, weil die eine Gründerin die eine Professorin ist, die ich dauernd überall treffe, unter anderem in den USA (was ich, das habe ich grade nachgelesen, nie hier geschrieben hab. Also ich hab die getroffen, H., in den USA, auf zwei Verteidigungen, auf beiden Meetings der Norwegischen Biochemikergesellschaft, auf denen ich war und letztes Jahr auf dem Genome Dynamics Workshop auch.). Aber die kleinen Startups waren halt bis auf eins echt einfach ganz kleine Startups ohne Kohle, die, mehr oder weniger, nur viel heiße Luft und sehr viel Arbeit anzubieten haben. „Wenn du dir vorstellen kannst, ein Praktikum zu machen, wir brauchen echt immer gute Leute fürs Marketing!“ Oder auch schön, eine frisch gegründete Consultancy: „Wir können kein festes Gehalt anbieten, aber du könntest selbstständig sein und wir vermitteln dich dann!“. Eins klang sehr interessant, das einzige, das keine Webseite hat, davon werden Sie eventuell noch hören, denn dem schreibe ich morgen eine Mail und verabrede mich mit ihm in Lillehammer (er wohnt da, die Firma wäre in der Nähe von Oslo, neben einer Chipsfabrik und das ist tatsächlich Absicht so, aber das ist alles kompliziert) für ein ausführlicheres Gespräch. Auch mit einigen größeren Firmen bis Pharmariesen habe ich gesprochen. Tja, naja, zwei von den Gesprächen waren nett bis richtig gut, einer war überaus angetan von meiner Industrieerfahrung in Kombination mit „Ich will das aber nicht mehr machen, ich will Büros und Meetingräume, nicht mehr ins Labor“ und bei dem soll ich mich melden, falls er sich nicht in zwei bis drei Wochen zurückgemeldet hat; der andere war auch total positiv, verwies mich praktisch aber nur auf die Karriere-Homepage („In Schweden ist in den Bereichen grad ganz viel offen!“) und als ich später da guckte, waren das so drei Stellen, davon zwei Senior irgendwas. Die meisten nur so „Da müssen Sie immer mal wieder auf der Homepage gucken, viel Glück!“ und einer meinte, ich soll erstmal Consultant werden******* und dann hätten große Firmen auch bestimmt mehr Interesse an mir********.

Trotzdem habe ich jeder*m, ausnahmslos, meiner Gesprächspartner*Innen meinen verdammten CV in die Hand gedrückt. Mit dem Opener „Und hier ist mein garantiert Hobbyfreier CV.“ Pfft.

Oh, ach so, zwischendurch kam noch eine email, in der mir das NAV meine beantragte Unterstützung für dieses Event (die Reisekosten) und einen Kurs in Projektmanagement, den ich gern machen würde, ablehnte. Stattdessen boten sie wieder einen Kurs in „Wo finde ich Stellenanzeigen“ und „Bewerbungen schreiben“ und „Jobbinterviews – wie verhalte ich mich“ an. Vier Wochen in Vollzeit*********. Vom Flughafen aus habe ich der Sachbearbeiterin geschrieben, dass ich sie gerne mal persönlich mit der Faust ins Gesicht treffen würde, weil ich das Gefühl habe, dass wir aneinander vorbei reden.

Meine Füße waren zwar schon tot, aber es gab noch Pizza und ich hatte noch Zeit, also aß ich Pizza und schaute mir sogar noch nett lächelnd das ShareLab an. Jaja, so bin ich nämlich, unkaputtbar und stets freundlich und offen für spontane Gespräche (nur nicht mit Essen im Mund) und überhaupt ganz toll.

Auf dem Weg zur Bahn merkte ich, dass neben meine Füßen auch mein Hals und mein Sozialakku wund sind. Alles irgendwie kein Wunder nach so nem Tag.

Irgendwie habe ich mich wohl in die Bahn und dann in den Regionalzug und zum Flughafen geschleppt. Bei der Sicherheitskontrolle piepten wieder meine Schuhe und ich musste sie ausziehen und ich zweifelte zwar sehr dran, ob ich die danach wieder anbekommen würde, aber es ging dann doch. Aber, Hölle, was für Schmerzen. Mein Flieger ging natürlich am hintersten Gate, da saß ich dann bloggend, bloggte im Flugzeug weiter und jetzt sitze ich im Flugbus und bin fast fertig. Die Schuhe muss ich möglicherweise rituell verbrennen. Morgen stehen Emails an und die Bewerbung vom Morgenflug muss ich ja auch noch schreiben. Yeah.

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Auto-Lobhudelei: jeeeez, ich bin so professionell, ich kann’s selbst kaum glauben. „Was hab ich gemacht, was kann ich anbieten, was will ich“ in vier Minuten? Kein Ding.

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*Da hab ich mich hier beworben.

**Ich besitze nur zwei Handtaschen und fühle mich damit auch seltsam. Aber meine Jutebeutel wähle ich mit Bedacht aus. Heute: Informatik-Konferenz.

***Da hab ich dann den ganzen Tag über gar nicht reingeschaut.

****Ich war ja auch erst zweimal da, da kann man sich da schonmal vertun, dochdoch.

*****Keine Sorge, ich hasse das immernoch wie Fußpilz, aber man braucht es halt.

******Hahahahahahahahahahahhahahahahahahahahahahaganzsichernicht.

*******Ich versuche ja sogar das, aber eben mit wenig Erfolg, sonst wäre ich ja nicht da, ne?

********Übersetzt: „Nee, Ausbilden, Einarbeiten, das machen wir nicht. Wir nehmen Sie dann eventuell als fertiges Produkt.“ Äh ja. Du mich auch.

*********Was für ein Schlag in die Fresse, wenn man es sich genau überlegt. Ich, eh schon top qualifiziert, möchte mich weiterbilden und die so: ich glaube, deine Bewerbungen sind scheiße. Und auch diese Person kann mich damit dann mal.

Tag 997 – #WmDedgT im Mai ’18.

Heute ist wieder mal der 5. des Monats, genau genommen ist der 5.5. (ganz genau genommen ist jetzt schon der 6.) und Frau Brüllen fragt „Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?“.

Tja, hmm, nicht viel. Zum Tril lag das an einer Kinderintensiven Nacht mit gerädertem Aufwachen, zum Teil an der wirklich fetten Erkältung, die mich die erste Hälfte des Tages mehr oder minder lahmlegte. Nachdem Herr Rabe mit Krawallo-Pippi aufgestanden war, durfte ich zwar noch schlafen, aber träumte mal wieder Verfolgungs- und Todesangst- und Fluchtszenarien und wachte dann endgültig schweißgebadet und unerholt auf. Immerhin gab es gleich Frühstück, sogar Pancakes. Und Kaffee. Ohne Kaffee keine Laune. Mit Kaffee… Laune, die ersten 35 benutzten Taschentücher* und die ersten 58 Nieser des Tages. So sollte es denn auch weitergehen. Pippi badete, ich nieste. Herr Rabe schnitt Michel die Haare, ich schneuzte und schniefte. Herr Rabe schnitt Pippi den Pony, ich nieste. Die Kinder duschten die Haare ab, ich rotzte. Es wurde erst besser, als ich Pippi für einen Mittagsschlaf hinlegte und mich dazu. Obwohl ich nicht schlief, kam mein Körper aus seiner Nasenfokussiertheit heraus und ich konnte den Rest des Tages halbwegs normal verbringen. Aber erstmal schickte ich vom Bett aus meine neue Meldekarte ab. Schaute auf mein Konto, schluckte ein bisschen, und redete mir ein, dass bestimmt bald ein Job käme.

Ich ging duschen, Herr Rabe baute Lego mit Michel. Ich weckte Pippi nach meiner Dusche auf und ging dann aber doch lieber schon mal alleine los, einkaufen. Ich war auch in geheimer Mission** unterwegs, das passte also ganz gut. Podcast hörend ging ich los, in Laden 1 (nix) und dann Laden 2, um mir neue Turnschuhe zu kaufen. Das dauerte dann soooooo lange, dass mich Herr Rabe und die Kinder einholten. Irgendwann entschied ich mich*** aber doch und habe jetzt neue Turnschuhe, Hurra. Und weil ja die Kinder dabei waren haben die jetzt je ein Paar Sandalen und leichte Turnschuhe. In günstig, ich mag mich bei solchen Schuhen, die eh, auch die teuren, nach einer Saison mit Fahrrad/Laufrad, immer draußen, Matsch, Fjordwasser, Buddelkiste, etc. im Eimer sind, nicht immer drüber ärgern, dass die Kinder nicht sorgsamer mit ihrem Kram umgehen.

Dann Einkaufen in Laden 3, ohne Einkaufzettel. Das Abenteuer der kleinen Hausfrau.

Schnell nochmal allesamt ins Einkaufszentrum, Laden 1 hatte ja das gewünschte nicht gehabt. Eis und dann mit Michel auf die Geheime Mission. „Mama?“ sagt Michel, „Ich glaube, Papa möchte gerne ganz viel Lego haben. Papa hat ja nicht so viel Lego. Da würde er sich freuen, wenn er ganz viel Lego bekäme.“ Tjanun, in einem Lego-Laden waren wir jedenfalls nicht. Michel war auch erst sehr enttäuscht, dann aber begeistert, einer Verkäuferin ein paar Knöpfe an die Backe labern zu können. Und wir haben dann abgemacht, dass das unser Geheimnis bleibt, was wir da gekauft haben.

Die Kinder turnten dann noch ein wenig über den Spielplatz im Einkaufszentrum und ich ärgerte mich über Kinder, die weder Schlange stehen, noch Abwarten, bis das Kind vorher gerutscht ist, noch die Rutsche unten freimachen, noch überhaupt irgendeine Grundregel der Spielplatzbenutzung einhalten können oder wollen. Ich bin dann auch die Mutter, die nach drei ärgerlichen Dingen vom selben Kind dieses über eben die Spielplatzgrundregeln aufklärt. Und dabei nicht ganz freundlich begleitet, sondern deutlich artikuliert. Inklusive „so geht das nicht, wenn alle zusammen spielen wollen, müssen sich alle dran halten oder woanders hingehen“. Hat aber immerhin geholfen. Kurz.

Nach Hause gefahren und Lemon-Cheesecake gemacht. Geht wirklich recht fix. Nach diesem Rezept, weil das mit Video ist, weil Michel gern helfen wollte, aber sehr besorgt war, dass er das Rezept nicht würde lesen können.

[Lemon Curd klingt zwar irgendwie eher nach ner braunen Wurst als nach gelbem Zitronenmatsch, aber es schmeckt trotzdem wunderbarstens. ]

Nach der Kuchenschichterei war es jedenfalls schon 21:00 Uhr und nach kurzer Abklärung mit Herrn Rabe machte ich dann doch keine Crêpes mehr, sondern Nudeln mit Käsesauce mit Räuchertofu (für alle) und Erbsen (für die Erwachsenen. War lecker, die Kinder jetzt aber natürlich ganz aufgekratzt, weil spät und die dann ins Bett zu verfrachten, war gar nicht so einfach. Zumal Michel wegen der verpassten Crêpe-Chance Rotz und Wasser heulte.

Aber jetzt schlafen sie, ich habe noch Sauerteig angesetzt, Herr Rabes Geschenk muss ich wohl morgen früh einpacken. Mir fallen die Augen zu und das Telefon aus der Hand, also Schluss für heute.

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*ehrlich gesagt besser so, als bei Freunden übernachten und morgens mit einer trockenen Schnodderspur im Gesicht aufwachen.

**Herr Rabe hat morgen Geburtstag.

***bin von Herrn Rabe überredet worden.

Tag 967 – #WmDedgT im April ‘18

Heute ist wieder der 5. und da machen wir doch mal alle bei Frau Brüllens berühmter Blogparade* Tagebuchblogaktion „Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?“ mit.

Mein Tag hätte irgendwann zwischen viertel nach sechs und sieben anfangen sollen. Ich habe mir vor ein paar Tagen so eine App heruntergeladen (Sleep Cycle) die per Mikrofon die Schlafbewegungen überwacht und einen dann anhand in einer leichten Schlafphase weckt. Diese App funktioniert angeblich auch mit mehreren Personen im Bett. Haha. Also beim Schlaf stimmt das ja eventuell noch, aber die App erkennt halt auch ganz toll, wenn Herr Rabes Wecker klingelt und meint dann, ich sei offenbar eh wach und dudelt los. Und dann mache ich die aus und schlafe einfach weiter. Sehr sinnvoll, das Ganze. Jedenfalls wachte ich dann wieder gegen halb acht auf und tatsächlich aufstehen tat ich gegen acht, nach Kuscheln mit Michel und Kaffee trinken im Bett. Etwas grumpy war ich auch, das ist am Morgen nicht ganz ungewöhnlich, aber die Intensität der Grumpyness und die Kürze der Zündschnur ließen mich schon PMS vermuten. Die Zyklus-App sagte „Kann sein“, war also auch nicht so ganz hilfreich. Nun ja. Ich stand also auf, zog mich an, überredete Michel dazu, sich anzuziehen und kassierte einen ordentlichen Anschiss von ihm, weil ich gestern seine Anziehsachen einfach in seine Box gestopft hatte und sie nicht zusammengelegt hatte. SO geht das ja nicht. Michel will seine Sachen gefaltet haben, er faltet die auch selbst, wenn er sie in die Box legt oder im Kindergarten ins Regal, aber wenn er sie halt einfach auf den Boden schmeißt… Jedenfalls meinte Michel, das sei „alles kaputt“ und wir mussten erstmal die Klamotten zusammenlegen, bevor er genau die gleichen Klamotten anziehen konnte. Aber hey – es gab keinen Streit, weil keine blauen Socken sauber waren und die schwarzen ja nicht perfekt zum ansonsten perfekt monochrom blauen Outfit passen**.

Pippi war zwar schon angezogen, aber frühstückte noch. In Zeitlupe. Sicher 20 Minuten saß ich einfach neben ihr am Tisch, während sie einfach nicht fertig wurde. Meine Geduldschallenge am Morgen. Als sie endlich fertig war, putzte ich Michel und ihr die Zähne und zog ihr Fleecesachen über. Michel zog sich weiterhin selbst an, halleluja. Pippi nörgelte und motzte und wollte keine Schuhe anziehen, aber das Argument „M. und J. sind bestimmt schon im Kindergarten und warten auf dich!“ zog schlussendlich.

Im Kindergarten lief es dann recht entspannt ab, M. und J. waren tatsächlich da und feierten Pippis Ankunft auch ordentlich, sodass sie nur ganz kurz weinte, als ich ihr das mitgeschmuggelte Fernglas abnahm. Zwanzig Minuten nach Aufbruch von zu Hause war ich also schon wieder da. Und überlegte, was ich jetzt wohl tun sollte. Um beim HNO oder dem E-bike-Händler ums Eck anzurufen, war es noch zu früh. Sport mit nur Kaffee intus ist auch nicht so der Bringer. Haushalt? Meeehhhh… Erstmal einen Smoothie aus einer übrig gelassenen halben Banane und anderem Zeug gemixt, damit sowas wie Frühstück im Magen ist. Wäsche angestellt, Spülmaschine angestellt, zack, war es dann doch 10 und ich konnte den HNO anrufen. Da ging nur der Anrufbeantworter dran und sagte mir, das Telefon habe Donnerstags von 10-12 Uhr geöffnet. Hmmhmm. Ich suchte erstmal die Nummer vom Fahrradladen raus. Mein Fahrrad hat ja immer noch keine Batterie, weil ich es zugegebenermaßen einfach im JanuarFebruar nicht sooo wichtig fand und dann im März hatte ich keine Zeit, aber ich rechnete wirklich nicht mit dem, was dann passierte: Laden eins sagte, sie reparieren keine Räder, die nicht da gekauft wurden. Ich solle Laden 2 anrufen. Laden 2 sagte, mit so Elektronikgedöns hätten sie’s nicht so, ich solle Laden 3 anrufen. Laden 3 (auf dessen Homepage fett „wir sind Bosch-zertifiziert!“ steht) sagte, sie reparieren keine Räder, die nicht da gekauft wurden. Ich solle Laden 1 oder Laden 4 anrufen. Ich rief Laden 4 an, inzwischen ziemlich angepisst. Laden 4 wollte auch schon zu „das ist nicht bei uns gekauft“ ausholen, aber ich war schneller und sagte ziemlich unwirsch „nein, das ist NICHT bei Ihnen gekauft, sondern in Deutschland, soll ich das jetzt nach Deutschland fahren zur Reparatur oder wie? Die Läden 1-3 haben mich auch schon abgewimmelt, bestellen Sie mir doch einfach die Teile und dann baue ich das selbst ein!“. Ich war wirklich, richtig sauer. Diese Batterie kostet 7000 NOK, der Fahrradcomputer 1700, das Schloss sicher auch nochmal 1000 und so ganz Laienhaft möchte ich schätzen, dass der Einbau in ner erfahrenen Werkstatt 20 Minuten dauert, für die sie mir sicher nochmal 2000 Kronen berechnen würden. Aber, ernsthaft, wer kein Geld verdienen will, ne? PECH GEHABT. Ich werde morgen, wenn es vielleicht nicht mehr so schneit wie heute den ganzen Tag, zu Laden 2 fahren und über die die Teile bestellen lassen, wenn das geht, und dann mit meinen Wimpern klimpern, ob sie sich nicht doch am Einbau versuchen wollen, das ist auch mit fast gar keiner Elektronik (bestimmt).

Danach rief ich kochend den HNO an. Wir haben ja vor drei Wochen für Pippi eine Überweisung bekommen, aber noch keine Nachricht vom HNO. „Normalerweise haben wir eine Warteliste von vier Monaten.“ sagte die Helferin und ich rechnete schon aus, wie oft Pippi bis dahin noch Fieberanfälle gehabt haben würde, da sagte sie „Ich hab hier was am 26.4., passt das?“ Öhm ja, passt (aber warum dann diese Aussage mit den vier Monaten? Hätte ich nicht angerufen, wärs in vier Monaten gewesen oder wie? So viele Fragen!).

Weil ich immernoch sehr, sehr aufgewühlt war und merkte, dass ich mit meinem Kiefer presse, machte ich danach erstmal das heutige Workout und ich sage es mal so: es war schlimm. Hilfreich gegen die Wut, aber… Au. Aufhören. AUUUUU! Uff. Ächz. Stoooooop! Etwa so.

Danach hatte ich einen Bärenhunger und futterte den kompletten Rest Couscous mit Gemüse und Tomatentofu von gestern innerhalb von zwei Minuten auf. Als ich damit fertig war, schwitzte ich auch nicht mehr wie ein Schwein und ging duschen.

Nach dem Duschen war ich soweit heruntergekommen, dass ich mich entspannt schminken konnte, das war schön. Ich mag mich ja wirklich auch ohne Make-up, aber ich gucke trotzdem manchmal nach dem Schminken mein fertiges Werk an und denke „Bämm. Yes, Girl!“***, heute war so ein Tag. Weg die Müdigkeit, die Blässe, sogar den monströsen Pickel an meiner Schläfe habe ich nahezu spurenlos verschwinden lassen. Eine gesunde und fröhliche (und überaus gutaussehende) Frau schaute mir da heute entgegen. Bereit, das Skype-Vorstellungsgespräch zu rocken.

Ich machte mir noch einen Kaffee und setzte mich dann an den Rechner, weil Skype (oder andere Videotelefonie) übers iPad macht halt immer, dass ich an der Person, mit der ich rede, sehr stark vorbei gucke. Mein Mac meinte dann aber, er hätte nur eine ganz alte Version von Skype und die würde nicht gehen und überhaupt, vielleicht sollte ich das alles mal neu aufsetzen und Herr Rabe schickte mir SMS und ich wurde etwas hektisch, aber letztlich ging es dann mit Skype neu runterladen und einmal Passwort zurücksetzen ganz fix und ich hatte noch eine gute halbe Stunde um mich ein bisschen mehr in die fachliche Materie**** einzulesen und ein bisschen was über die Menschen im Management-Board der Firma herauszufinden. Dann rief die Recruiterin an, aus dem Homeoffice und mit Katze auf dem Schoß und wir hatten eine wirklich angenehme Unterhaltung über die Stelle, mich, die Firma, mich, meine Vorstellungen, mich und die Produkte, die sie da haben. Ich passe sehr gut in deren Profil, erfülle sogar das Kriterium, das so abseitig ist, dass sie es vermutlich nicht mal zu wünschen gewagt hätten: ich kann fließend Deutsch. Überraschung, die Firma hat nämlich einige Vertragspartner in Deutschland, mit denen ich viel auf allen möglichen Wegen kommunizieren müsste. Tadaa! Ginge natürlich auf Englisch auch genauso gut und da ich doch***** Kollegen hätte, müsste das meiste eh Englisch sein, aber halt. Schadet nicht, wenn man wen hat, der auch die Arbeits- und Kommunikationsweise in Deutschland kennt. Vorstellungsgespräch lief dementsprechend echt gut, ich erzählte, was ich alles schon gemacht hab (viel) und was ich kann (auch viel) und die Sprache kam auch auf Kinder und ich hatte nicht den Eindruck, dass das irgendwie ein Problem wäre, im Gegenteil, die Recruiterin verstand gut, dass wir nicht im Schuljahr umziehen möchten sondern eher vorher. Morgen wird sie dann mit der CTO der Firma reden, ob sie mich auch persönlich einladen wollen (ich möchte behaupten, meine Chancen dafür stehen sehr gut) und dann würde ich eventuell nächste Woche schon nach Oslo fahren. (Es handelt sich übrigens um diese Stelle und ja, das ist alles einigermaßen verrückt.)

Danach hatte ich noch kurz Zeit, einigermaßen Euphorisches auf Twitter zu schreiben und dann holte ich die Kinder ab. Im Auto bekam ich aber noch die Nachricht, dass ich nur ein Kind abholen bräuchte, weil Michel mit zu seinem Freund H. gehen würde. Also blieb nur Pippi abzuholen, die ich geschickt mit einer Banane aus dem Kindergarten lockte. Zufrieden aß sie die Banane, ließ sich anziehen, brüllte nicht rum, ging zum Auto… alles gar kein Problem. Nachdem die Banane aufgegessen war und wir etwa 300 Meter mit dem Auto gefahren waren, schlief sie ein. Wir holten Herrn Rabe bei der Arbeit ab und fuhren zum Einkaufen. Als erstes holte Herr Rabe aber mein neues Spielzeug vom Elektromarkt ab: ich habe seit… eben ein Fitbit Charge 2. Hehe. Leider wurde Pippi im Auto vom Geräusch des Abziehens des Klebefilms von der Packung wach und ich konnte es deshalb nicht sofort ausprobieren, dafür gingen wir dann halt mit Herrn Rabe einkaufen. Zu Hause probierte ich es dann doch an und aus und ich glaube, das kann was werden mit uns (und die komische App brauche ich dann auch nicht mehr). Erstmal habe ich alle möglichen Ziele definiert, für Schlaf, Schritte, Trinken, Bewegung******. Es war dann aber wichtiger, die Einkäufe zu verräumen und Pippi wollte unbedingt ins Bett. Ich gab ihr also noch einen Joghurt und steckte sie dann direkt in den Schlafanzug. Sie brauchte dann zwar trotzdem noch 20 Minuten zum Einschlafen, aber war um halb sieben so im Bett. So kann’s von mir aus gern öfter laufen.

Herr Rabe holte Michel ab, ich kochte das Risotto fertig, lud das Fitbit auf und mir die App runter, dann aßen wir zusammen und Herr Rabe brachte anschließend Michel ins Bett. Weil mir heute bei irgendwas ein Daumennagel eingerissen war, wollte ich gern meine Fingernägel schneiden******* und feilen, im Endeffekt brachte ich dann fast mehr zeit damit zu, eine passende, seichte Unterhaltungssendung bei Netflix zu finden, als die Nägel zu machen. Zu „Bill Nye saves the World“******** polierte ich also gründlich an meinen Fingern herum und seit ich damit fertig bin, blogge ich den Tag runter.

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*Denkt außer mir beim Wort Blogparade noch jemand an eine lustige Polonäse mit Partyhüten und Punsch?

**Definiere: liebenswerte, gelegentlich nervige Macken.

***Ich gucke eindeutig zu viel Hatice Schmidt.

****Wär gar nicht nötig gewesen, die Recruiterin hat da eh keinen Plan von und wegen Industriespionage und so weiter steht eh nur kryptisches Sciency Blabla auf der Homepage.

*****Ich hatte ja die Befürchtung, die Firma wäre noch viel kleiner und ich da allein mit dem Management-Board.

******Ich mag diese Selbstoptimiererei eigentlich gar nicht, ich finde das alles unglaublich creepy. Mal sehen, zu was es bei mir führt. Mehr Schlaf wär schon schön.

*******Jajaja, nur feilen und nur mit Glas… Ganz ehrlich: ich hab da noch gar keinen Unterschied feststellen können. Einen Unterschied macht (bei mir) die Jahreszeit wegen Heizungsluft und kalt und so und viel, viel mehr die Häufigkeit der Nagellacknutzung. Nagellack und Nagellackentferner machen die Nägel echt richtig spröde, da hilft kein Öl und keine Creme und auch keine Glasfeile.

********Fand ich blöd. Zu viel Show, zu wenig sachlich.

Tag 936 – #WmDedgT im März ‘18.

Heute ist der 5. und das heißt, Sie können bei Frau Brüllen nachlesen, was Bloggerhausen so den ganzen Tag lang gemacht hat. So auch hier.

Der Wecker klingelt um sechs, aber ich snooze noch ein bisschen herum und dann lese ich kurz, was das Internet am Wochenende getrieben hat und schwups, ist es viertel vor sieben. Ich stehe auf, wasche Haare und Gesicht, mache Hautpflegegedöns wie immer, ziehe mich an, koche Kaffee, Herr Rabe steht auf und geht duschen, Ich wecke Pippi. Die Rübennase schläft gern *unter* ihrer Bettdecke, also komplett mit dem Kopf drunter und ich kriege je.des.Mal. fast einen Herzinfarkt, wenn ich das sehe. Da sie aber sofort losmotzt, als ich die Rollos hochmache, gibt sich das schnell. Sie steht dann doch auf und will direkt Banane. Soll sie kriegen. Ich gehe mit meinem Kaffee wieder ins Bad und schminke mich. Ich habe mir eine neue Foundation gekauft (Farbe im Link passt nicht, ich habe 102 „Fair Ivory“), die zwar nur Low Coverage ist, aber mich trotzdem allein wegen des Preis-Leistungs-Verhältnisses sehr glücklich macht und die benutze ich heute auch. Das beste ist aber, dass mir Herr Rabe einen neuen Concealer aus dem Duty-Free-Shop mitgebracht hat, den ich ausprobiere und jetzt bin ich schockverliebt. Was eine Coverage. Und null Gekrieche in die Fältchen. Und hell ist der, richtig, richtig hell. Hachz. Ich mache vor lauter Verliebtheit in den Concealer um die Augen rum nur Sparprogramm und finde mein Gesamtwerk kurz total schön, dann fällt mir ein, dass wir noch kein Geld für die Putzhilfe geholt haben. Hoppla. Ich stopfe mein Mittagessen – Quiche von gestern, gestern schon eingetuppert und im Kühlschrank – in meinen Rucksack und laufe quasi aus der Tür. Ich werfe mich ins Auto und düse zur Tankstelle, springe raus, hebe 2 x 800 NOK ab (weil man sonst immer nur 500 NOK-Scheine bekommt, die ich dann wechseln muss und, ach, so gehts ja auch), das reicht dann für den Rest des Monats, springe wieder ins Auto und düse zurück, renne die Treppe hoch, beglückwünsche mich zum täglichen Workout, lege das Geld für heute raus, packe den Rest weg, renne wieder aus der Tür und zum Bus und erwische diesen gerade noch so.

Im Bus überweise ich den Monatsbetrag für den Kindergarten und meinen Handyvertrag, was ich wegen der blöden e-faktura-Regelung schon wieder vergessen habe.

Bei der Arbeit steige ich aus dem Bus, hole Kaffee, gehe in mein Büro und mein Rechner nölt erstmal rum, dass er Updates machen will. Ok, denke ich, ich hab ja eh gleich meeting. Also starte ich die Updates und trinke vier Minuten lang entspannt Kaffee. Gehe ins Meeting und trinke 30 Minuten lang nicht ganz so entspannt Kaffee, während eine frische Doktorandin einen auswendig gelernten Vortrag mit der übertriebenen Intonation eines Hörbuchs und der Spontaneität einer Stewardess beim Ansagen der Sicherheitshinweise vorträgt. Es geht um Typisierung von Brustkrebs und die gar nicht mal so tolle Prognose von einem Sub-Sub-Sub-Typ und, ach, Montagmorgens ist sowas ja auch eher schwer verdaulich.

Nach dem Meeting gehe ich an meinen Rechner zurück und schaffe es irgendwie, die Zeit bis halb elf zu vertrödeln, bis ich endlich in den Quark komme (mir fällt grad wieder ein, was ich gemacht habe: die Excelliste für das Defense-Dinner gepflegt und per What’s App noch bei ein paar Leuten nachgehakt. Und der Administrationsdame eine mail geschrieben, wann und wo denn die Disputation genau sein wird, diese Info brauche ich nämlich für die Druckerei.). Um halb zwölf mache ich Mittagspause, dann wieder Rechner, um fünf vor zwei laufe ich wie angestochen los zur Kantine, nach deren Joghurt ich ein bisschen süchtig bin, dort bin ich um exakt 14:00 Uhr (die schließen um zwei), auf dem Rückweg nehme ich einen weiteren Kaffee mit, den trinke ich mit meinen Bioinformatik-Kolleginnen. In der Klasse des Sohnes (8) der einen Kollegin ist ein Kind, das sehr viele Pornos schaut. Ja, Pornos. Eine Achtjährige. Und als ich sage, dass das ja leider vermutlich keine Qualitätspornos seien und meine andere Kollegin meint „es gibt Qualitätspornos?!?“ wird mir wieder klar, dass meine Feminist*innenblase auch hauptsächlich online stattfindet.

Nun, ich gehe auch nach dieser aufschlussreichen Pause wieder an meinen Rechner und zimmere relativ zügig den Vortrag fertig. Der ist jetzt ziemlich lang, ich muss den dringend mal probehalten, um zu wissen, was ich noch kürzen muss. Grad geht das aber nicht, also mache ich mich daran, die „norwegische, populärwissenschaftliche Zusammenfassung“ der Thesis zu schreiben, die die Fakultät auch unbedingt haben will. Ich stelle mal wieder fest, dass meine produktivste Zeit am Nachmittag ist, wenn ich meistens zu Hause hocke und Kinder davon abhalte, die Bude auseinanderzunehmen. Nach knapp eineinhalb Stunden ist die Zusammenfassung fertig und ich schicke sie dem Chef mit Bitte um Korrektur. Ich schaue kurz in die Bus-App und sehe, dass der nächste Bus in sieben und der nächste danach erst in 47 Minuten geht. Da es fast sechs ist, beschließe ich den ersten Bus zu nehmen, speichere hastig die Präsentation auf dem Server und einem USB-Stick, werfe mich in Jacke und Co und laufe los. (Meine arme Kollegin, die die Abgabe ihrer Dissertation für kurz nach Ostern plant, sitzt da noch.) Ich erwische den Bus mit den letzten Batterieprozenten meines Handys und fahre nach Hause. Das allerletzte Prozent geht für ein Foto drauf.

Zu Hause angekommen muss ich sehr dringend mein Handy laden aufs Klo, das hab ich in den sieben Minuten nicht mehr geschafft. Dann Abend-Gedöns, Michel ist mit seinem besten Freund im Indoorspielplatz, Pippi verwüstet die Wohnung aber auch im Alleingang. Ich püriere die Möhrensuppe, die Herr Rabe am vorbereiten ist, Michel kommt und erzählt und fordert und Michel und Pippi schlagen sich ein bisschen und naja, Familiendinge eben. Wir essen, Pippi isst ein bisschen Suppe, Michel isst nichts aber dann später trocken Brot. Pippi ist hundemüde und ich mache sie unter Kämpfen bettfertig. Bringe sie ins Bett und lege mich danach noch zu Michel, der noch viel zu erzählen hat, sich dann aber nach der dritten Ermahnung doch umdreht und nach zwei Minuten tief und fest schläft.

Ich schleiche aus dem Kinderzimmer und ziehe meine Sportklamotten an. Hopse 32 Minuten lang vor dem Fernseher herum und bin danach völlig erledigt, der Foundation gibt das jetzt auch den Rest, aber danach muss ich ja eh nur noch duschen. Das mache ich auch, mit Lila-Shampoo und Ganzkörperpeeling ist das nahezu Wellness. Herr Rabe kommt nach Hause und ich entscheide mich dazu, jetzt doch nicht mehr zum Restaurant und zur Post zu gehen, weil ich eigentlich gar keine Lust habe, mich nochmal anzuziehen und morgen reicht das beides auch noch. Ich gehe also nach Hautpflegegedöns ins Bett, esse da noch einen Joghurt mit Walnüssen und Honig und verblogge den Tag. Jetzt werde ich dann auch keinen Probevortrag mehr für Herrn Rabe halten und gleich einfach schlafen. Hurra!

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Auto-Lobhudelei: Ich tue grad viel und rege mich wenig auf.

Tag 908 – #WmDedgT im Februar ‘18.

Es ist wieder der 5. des Monats und das heißt, dass Frau Brüllen von uns wissen möchte: Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?

Nun, ich habe heute extra viel gemacht tatsächlich ein bisschen was getan. Das liegt zum Teil daran, dass Montag ist: Montags haben wir Institutsmeeting und da das mit „die Putzhilfe kommt“ zusammenfällt, nehme ich das als willkommenen Anlass um das Haus zu verlassen. Ich stehe also heute fast zeitnah nach dem Weckerklingeln auf und schlurfe ins Bad. Da ziehe ich meine Sportsachen an und schlurfe ins Wohnzimmer und starte den 6. Tag meines Sportprogramms – heute war „nur“ Yoga dran, eigentlich wäre sogar ganz Pause gewesen, aber ich wollte heute den gestrigen (auch schon optionalen) Tag nachholen. Gesagt, getan, 35 Minuten Yoga vorm ersten Kaffee. Dann Dusche mit Haare nach-blauen. Als ich aus der Dusche komme, kommt Herr Rabe mit Kaffee rein. Eincremen (meine Winterhaut an den Beinen und Armen saugt jegliche Creme auf wie ein Schwamm) und Anziehen. Haare föhnen. Irritiert bin ich kurz beim Hören der Nachrichten – äh, hups, schon acht?!? Ja, schon zehn nach acht sogar. 10 Minuten zum Schminken. Awesome. Sparversion geschminkt. Concealer vergessen, fällt mir aber erst viel zu spät auf und dann denke ich, ach, scheiß drauf, Yoga und der viele Schlaf, den ich, wenn auch nicht ganz freiwillig, grade kriege, werdens schon richten. Mit dem Ergebnis nach exakt 10 Minuten recht zufrieden packe ich meinen Kram in meinen Rucksack, Tuppere mir eine Waffel von gestern als Frühstück ein, mache fix alle Betten, hänge meine Unterwäsche ab und sortiere sie in den Kleiderschrank und laufe dann in den Flur, werfe mich in meine Schuhe und JackeMützeSchalHandschuhe, rufe noch schnell „Tschüss ihr Süßen, viel Spaß im Kindergarten!“ in die Wohnung, nehme den Müll mit und laufe dann die Treppen runter. Werfe den Müll unten in die Tonne und checke die Bus-App: ich habe drei Minuten um zur eine Minute entfernten Bushaltestelle zu kommen. Sollte klappen, denke ich beruhigt, da sehe ich den Bus an der Ampel stehen. Ich renne los und der Busfahrer hält (vermutlich wissend, dass er ZU FRÜH ist) länger an der Haltestelle, sodass ich noch einsteigen kann. Ich japse nicht, weil mein unterfunktionierender Stoffwechsel eh macht, dass ich nur einmal in fünf Minuten atmen muss. Im Bus checke ich das Verzeichnis der in Norwegen zugelassenen Arzneimittel nach einem bestimmten Wirkstoff und finde nichts, was mich sehr ärgert. Vielleicht schreibe ich noch mal drüber. 15 Minuten später steige ich bei der Arbeit wieder aus dem Bus und hole mir einen Kaffee, dabei vergesse ich, dass ich extra meine Thermotasse eingepackt habe.

Bei der Arbeit: Meeting. Ist langweilig. Dann schreibe ich eine Bewerbung an das norwegische Patentamt, mir wachsen spontan Ärmelschoner. Ich trage die neue Bewerbung beim NAV ein (dazu muss ich auch nochmal was schreiben) und probiere dann aus, ob ich wieder drucken kann (ja) und ob das PDF mit dem einen Schnittmuster weiterhin nur weiße Seiten enthält (ja). Zwischendurch trudelt eine Mail ein, von drei italienischen PhD-Studenten aus unserer Gruppe, die ein PhD-Forum organisieren möchten. Das ist ja sehr gut und löblich, ich bekömmlich mich auch nur kurz über die Verwechslung von „purpose“ (Absicht, Zweck) mit „porpoise“ (Tümmler, also diese Delphin-ähnlichen Meeressäuger) und versuche dann pflichtbewusst mich in die Doodle-Liste zur Terminfindung einzutragen. Leider lässt Doodle meinen Browser immer wieder abstürzen und so gebe ich es irgendwann auf und schreibe den Initiatoren, dass sie mich einfach auf der Mailingliste lassen sollen, auch wenn ich nicht im Doodle stehe.

Als meine Kollegin kommt und mich zum Mittagessen abholt, fahre ich direkt meinen Computer runter und nehme meine Sachen mit. Vortrag mache ich heute eh nicht mehr.

Mittagessen mit Kolleg*Innen. Es gibt Bohneneintopf mit Hack und Tomate, manche nennen es Chili, aber Chili ist ja normalerweise scharf. Ich esse eh die Wurzelgemüsesuppe, nachdem ich ein paar mal darauf hingewiesen habe, dass sie mir bitte keinen Bacon auf die (ansonsten vegetarische) Suppe tun, haben sie das inzwischen kapiert und meine Kollegen schauen nur mittelmäßig mitleidig, weil die Kantinenmenschen bei mir ja offenbar den Bacon vergessen haben. Nach dem Essen holen wir noch einen Kaffee, den dann meine zwei deutschen Kolleginnen und ich gemeinsam trinken und derweil über Quotenfrauen (die zwei sind etwas älter als ich und aus der ehemaligen DDR, das ist echt interessant, wie unterschiedlich wir sozialisiert wurden) und den Wissenschaftsbetrieb reden. Als der Kaffee grade leer ist, sehe ich in der App, dass in drei Minuten ein Bus geht und mache mich auf – und erreiche den Bus wieder nur durch rennen. Vielleicht geht die App nach.

Zu Hause ist alles blitzsauber. Ich hole meine Nähmaschine vom Schrank und nähe den Pullover für meinen Bruder fertig. Dabei höre ich die letzte Folge vom Lila Podcast, in der die ehemalige Prostituierte Ilan Stephani über ihr Buch und ihre Erfahrungen in und mit der Prostitution spricht. Ich schwanke zwischen „Jajajaja!“ und „Oh Mann, was für ein Eso-Geseier.“ wie noch nie bei diesem Podcast. Nach dem Hören denke ich: Vermutlich ein richtig gutes Buch mit vielen schlauen Standpunkten und Denkanstößen, wenn man das Eso-Geseier überliest. Perfekt pünktlich bin ich mit dem Pullover fertig, stecke ihn in die Waschmaschine um die Stoffstiftmarkierungen zu entfernen und gehe los zum Kindergarten. Ich nehme den Kinderwagen (und den Plastikmüll) mit, stopfe den Müll auf dem Weg in den entsprechenden Container und bin um kurz nach vier an der KiTa.

Da erwarten mich zwei schlecht gelaunte Kinder. Michel hat keine Lust zu Laufen. Pippi hat Hunger. Ich muss beide in ihre Draußensachen quatschen, während beide weinen und sich wehren. Mein Energielevel fühlt sich an, als hätte jemand einen Strohhalm reingesteckt und würde kräftig dran saugen. Pippi ist immerhin zu besänftigen, indem sie die Reste aus ihrer Brotdose isst, Michel… nicht so. Mit ihm an der Hand und ihn mit Motivationssprüchen antreibend schiebe ich Pippi nach Hause. Müde. Ich bin so müde. Pippi auch, fünf Meter vor der Haustür schläft sie ein. Ich packe alle losen Handschuhe und Brotdosen in die Kinderrucksäcke, hänge mir die über den Arm und schleppe dann Pippi die Treppe hoch. Die schläft wie ein Stein. Ich schaffe es irgendwie, mir die Schuhe aufzufummeln und lege Pippi aufs Sofa. Ziehe ihr die Schuhe aus und mache den Anzug auf: gut, dass die noch in diese Babygröße passt, wo man den Anzug an beiden Seiten bis fast zum Fußgelenk aufmachen kann. Ich ziehe mich aus und verteile den Kinderkram: die nassen Handschuhe und Michels nasse Schuhe und seinen Anzug zum Trocknen ins Bad, die Brotdosen in die Küche, die Wasserflaschen ausleeren, gleich ein paar neue Ersatzsocken für Michel in seinen Rucksack, die nassen Socken in die Wäsche, die Tüte in der die nassen Socken waren in den Müll. Michel macht sich derweil selbst ein Brot. Er möchte noch Pizza, die mache ich ihm warm und dann stelle ich nochmal die Kaffeemaschine an. Bevor ich mir Kaffee machen kann, ist Michel jedoch mit der Pizza fertig und möchte Dinozug sehen. Gut, ich mache Dinozug an und dann mir einen Kaffee. Derweil unterhalte ich Little B. ein wenig mit Disney-gifs. Ich trinke meinen Kaffee und lasse zugunsten dieser Akku-Auffüllung Michel noch eine Folge Dinozug sehen. Nebenher starte ich ein längst überfälliges Backup an meinem Computer. Herr Rabe kommt nach Hause, er weckt Pippi, wir essen auch noch etwas Pizza, ich rufe meinen Schwiegervater an und bitte ihn darum, das bei Burda bestellte Schnittmuster, das die Tage bei ihm eintrudeln sollte, direkt an mich weiterzuschicken. Ich drucke zwei Schnittmuster aus. Dann mache ich Pippi bettfertig, die trotz Schläfchen noch müde und ungehalten ist und dann beginnt eine kleine Odyssee, das müde-doch-nicht-müde Kind ins Bett zu kriegen. Herr Rabe muss irgendwann los zum Sport und jetzt liegt also Michel bei Pippi im Kinderbett und beide schlafen, das ist ja das Wichtigste.

Als ich meine müden Knochen wieder aufraffen kann, falte ich mich aus dem Kinderschlafzimmer, trinke ein riesiges Glas Wasser, nehme meine Schilddrüsenblockerabenddosis, hänge die Wäsche auf, kopiere ein paar größere Daten vom Computer auf die externe Festplatte und starte dann ein Update. Als Tagesabschluss setze ich mich mit drei Lakritzschnecken, zwei Wärmekissen und der im Rucksack vergessenen Frühstückswaffel (immer kalt, niemals hungrig – Drecksschilddrüse) aufs Sofa und verblogge den Tag.

Morgen gehts hoffentlich zur Post.

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Auto-Lobhudelei: recht viel weggeschafft, dabei die Nerven behalten, trotz echt meckeriger Kinder und nicht eingeschlafen.