Tag 1210 – #WmDedgT im Dezember ‘18.

Der letzte 5. dieses Jahr, das heißt, das Jahr ist quasi rum, ahhahahaha. Egal, jedenfalls fragt Frau Brüllen auch heute: Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?

Nun. Nicht soo viel. Ist aber auch mal schön.

Herr Rabe steht wegen seines Programmier-Adventskalenders im Moment immer super früh auf. Damit er als erster von seiner Firma fertig ist. Ja, auch Herr Rabe hat so seine liebenswerten Macken. Jedenfalls steht er super früh auf, aktiviert dadurch meinen Wecker, und weil das grad mit Projekt Lerche einfach mal gar nicht läuft bei mir, mache ich ihn aus und schlafe noch eine Stunde, bis Herr Rabe mit Kaffee vor mir steht. Da ist es dann aber schon so spät, dass wir uns alle beeilen müssen. Mein Auge tut weh wie sau. Nach Kinder anziehen, abfrühstücken und aus der Tür bugsieren bringe ich Michel und Herrn Rabe zur Schule (Herr Rabe geht von da zum Bahnhof) und dann Pippi in den Kindergarten. Pippi zieht sich direkt wieder bis auf Unterhemd aus, weil auf dem Unterhemd Peppa Wutz ist. Kannste dir nicht ausdenken. Es ist draußen so kalt, dass ich beschließe, nicht zu Fuß nach Hause zu gehen. Ich fahre in den Ort und schaue bei meiner Hausarztpraxis vorbei, zeige auf mein Auge und kriege einen Termin um zwanzig nach elf.

Zu Hause frühstücke ich (Griechischen Joghurt mit Walnüssen und Honig, beste Grundlage) und mache dann nach ein wenig Prokrastination ein ziemlich langes und super anstrengendes Workout. Danach brauche ich erst mal 15 Minuten, um zu schwitzen aufzuhören. Die verbringe ich auf Twitter, wo grad viel über einen, wie ich finde, überaus bedenklichen Account gesprochen wird. Da nennt sich einer DeinTherapeut, ist aber kein Therapeut, sondern haut bestenfalls Feel-Good-Plattitüden raus im Stile von „Jeder ist wertvoll. Auch Du!“. Das wär ja noch nicht so tragisch, aber er hat auch einen Discord, also eine Art Forum, betrieben, den er Gruppentherapie nannte, in dem sich hauptsächlich psychisch belastete Jugendliche tummelten, die da weitestgehend unbetreut sich gegenseitig stützen sollten. In der Praxis sah das wohl eher so aus, dass es reichlich Möglichkeiten gab, sich gegenseitig mit seinen psychischen Problemen (zum Beispiel selbstverletzendem Verhalten) zu triggern. Außerdem gab es Berichte, dass auf sehr konkrete Selbstmordgedanken nicht adäquat reagiert wurde. Wer das nachlesen mag, kann das in dieser Serie* tun. Inzwischen ist der Discord geschlossen, allerdings nimmt sich der Betreiber (augenscheinlich, sein Account ist nun geschützt und da ich ihm nicht folge, kann ich das entsprechend auch nicht lesen) keinerlei Kritik, möge sie noch so sachlich formuliert sein, an, sondern fühlt sich nun von allen übel gemobbt. Sie sehen, es ist kompliziert und da kann man schnell in seltsame Diskussionen geraten.

Ich dusche, öffne meinen Adventskalender und freue mich wegen des Matschauges, aber auch so, über einen wunderschönen Lipgloss. Ich „schminke“ mich, also, ich sorge für einen etwas frischeren Teint und die Augen müssen halt mal Schminkpause haben. Mit dem neuen Lipgloss drauf geht es los zum Arzt. Da gehe ich zu Fuß hin.

„Sie haben eine Augenlidentzündung und ich überweise Sie dann mal in die Endokrinologie im Krankenhaus, damit die den Stoffwechselkram übernehmen.“ ist die ganz schnelle Zusammenfassung des Arzttermins. Der neue Vertretungsarzt für meine eigentliche Hausärztin (die in Elternzeit ist) ist sehr nett und viel älter, als ich angenommen hatte, warum auch immer ich angenommen hatte, dass der grad aus dem Studium kommt, kann natürlich trotzdem sein wenn er einfach erst spät oder sehr sehr lange Medizin studiert hat, wer weiß das schon.

Ich gehe also in die Apotheke und hole antibiotische Augensalbe ab und gleich meine Dosis Grippeimpfstoff für nächste Woche. Irgendwie ist nicht durchgegangen, dass ich für den Rest des Jahres von der Zuzahlung befreit bin, aber ich glaube, das bekomme ich zurück, wird ja alles elektronisch gemeldet. Ich versuche noch, akzeptablen Schokokram oder ein kleines Geschenk** für Nikolaus zu bekommen, aber es haut mich nichts vom Hocker. Also gehe ich nach Hause.

Dort weiter absurde Diskussionen. Ich mache direkt die Augensalbe rein. Dann esse ich einen kleinen Happen Rest von gestern (Käsespätzle), räume die Spülmaschine aus und ein, hänge Wäsche ab und auf, absurde Diskussionen, aber auch ein paar sehr nette Gespräche über Make-Up, chatte mit dem Techniker der Chipsfabrik über die Unmöglichkeit, den Insolvenzverwalter zu erreichen, pinsle Schokolade auf die erste Hälfte Grümmel-Nuss-Kekse, will irgendwas von oben holen, sehe Socken, die im Bad herumliegen, will sie in die Wäsche bringen und erblicke den Haufen unorganisierte Weihnachtsdeko im Lagerraum. Folgerichtig räume und sortiere ich da erstmal eine halbe Stunde. Jetzt kann man wieder Boden sehen.

Was ich von oben holen wollte, weiß ich danach nicht mehr. Ich merke, dass ein ganz großes Müdigkeitsloch im Anmarsch ist und mache mir einen Kaffee. Den trinke ich, während ich übel über die Verpackung des gestern gekauften Raffrollo-Sets fluche und dann, nachdem ich die Anleitung aus der Verpackung geprokelt und gelesen habe, während ich den Stoff zurechtreiße. Verräume alles und dann ist es Zeit, die Kinder abzuholen.

Zuerst kaufe ich aber in einem anderen Laden zwei Schokonikoläuse mit Schokolinsen drin und verstecke sie ganz professionell in einer braunen Papiertüte im Kofferraum. Michel hat in der Schule ganz viel Weihnachtsdeko gebastelt. Das werfe ich alles auf die Tüte und dann holen wir Pippi ab. DIe hat immer noch nur ihr Unterhemd an. Tjanun. Zwei Minuten vor Herr Rabes Zug sind wir alle am Bahnhof. Ich schreibe Herrn Rabe, dass die Tüte unbedingt im Kofferraum bleiben soll.

Zu Hause dann Brotdosen auspacken, zweite Hälfte Kekse mit Schokolade versehen, Kindergeschrei kaum ertragen, Michel aber putzt freudig seine Stiefel, neue Zwiebelringe anbraten und dann gibt es den Rest vom Käsespätzle-Rest. Pippi ist hundemüde, besteht aber auf Peppa Wutz. Nach einer Folge darf Herr Rabe sie ins Bett bringen, Michel und ich gucken noch „Kråkeslottet“, eine Edutainment-Sendung im norwegischen Kinderfernsehen, die mich vor lauter „Oiiiii, das ist ja GANZ ERSTAUNLICH!“-„Ja, NICHT WAHR?“-„JA, das habe ich NOCH NIEEE GESEHEN!“ immer sehr sehr sehr nervt. Koksen die da alle? Vermutlich.

Ich bringe danach Michel ins Bett, absurde Diskussionen, und schwups, sitze ich auch schon auf der Couch und blogge. Der Techniker und ich chatten weiter, konspirativ ist es, Mission „den Chipsmann stoppen“ ist noch nicht ganz begraben. Das Auge tut sehr weh und wir gucken nun noch eine Folge „Wer zuletzt kocht“*** und dann ist es Zeit fürs Bett.

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*Nein, das ist natürlich auch keine neutrale Quelle. Aber es ist vieles mit Screenshots belegt.

**Michel hat sich einen Orca gewünscht. Ich dachte, vielleicht gäbe es einen mit großen Glitzer-Glubschaugen, aber nee.

***Immer diese beknackten Übersetzungen von Titeln. Im Original heißt es „The Final Table“.

Tag 1181 – #WmDedgT im November ‘18.

Es ist schon wieder der 5., wie konnte das eigentlich passieren, aber egal, Frau Brüllen will natürlich wie jeden Monat wissen: was machst Du eigentlich den ganzen Tag?

Um sieben stehe ich auf, nachdem ich sehr lange keine Lust dazu hatte. Es ist schon zu spät und die Kinder haben auch keine Lust und schlechte Laune und als wir um acht endlich aus dem Haus kommen, bin ich eigentlich schon bedient und habe Fransen am Mund vom repetitiven „Zieh dich bitte an, den Schlüpfer auch, erst ausziehen, ja alles, jetzt zieh dich an, du hast ja Immernoch nichts an, … frühstücke bitte, nicht schwafeln, frühstücken, iss doch bitte einfach noch was, bitte vergiss das Frühstück nicht…“ Und eigentlich sind wir dann auch schon ein bisschen spät dran und Michel nölt, er sei krank und überhaupt. Wir parken am Supermarkt und ich schleppe Pippi und Michels gewaschene Draußenklamotten zur Schule. Verräume alles, versuche mich erfolglos von Michel zu verabschieden und bequatsche dann Pippi, zurück zum Auto selbst zu laufen.

Am Kindergarten angekommen verräume ich Pippis frisch gewaschene Draußenklamotten und höre mir Genöl darüber an, dass ich doch da bleiben soll. Aber nur kurz, weil ich so dermaßen den Kaffe aufhabe inzwischen, dass ich mich mit mühsam zurückgehaltenem Groll lieber schnell verabschiede. Ich lasse, zugunsten von Bewegung und Laune, das Auto stehen und gehe zu Fuß zurück nach Hause. Mit Brot kaufen zwischendurch dauert das eine knappe Dreiviertel Stunde. Zwischendurch bekomme ich eine mail vom Chipsmann, die mir nicht viel mehr sagt, als dass ich eine weitere Mailadresse blocken muss.

Zu Hause wartet Herr Rabe nicht wirklich, denn er arbeitet heute von zu Hause aus. Es müssen sich ja nicht noch alle seine Kollegen anstecken. Ich dödele ein wenig im Internet rum und esse einen Joghurt. Ich fiebere mit, ob es irgendwer aus dem Internet schafft, in Deutschland ein paar der eigentlich heute erst erscheinenden Produkte von Hatice Schmidt zu bekommen. Ich mag ja ihre Videos sehr gern, weil die nicht so überdreht sind, aber informativ sind und ehrlich wirken. Ich kann mit diesem ganzen auf 14-Jährige zugeschnittenen YouTube-Zeug nicht so ganz viel anfangen und das scheint in Deutschland sehr zu dominieren. Jedenfalls hat Hatice Schmidt nun eine Kollektion an Produkten mit L.O.V. herausgebracht und 1. würde sie, da bin ich sicher, keinen Scheiß herausbringen und 2. Habe ich inzwischen ein paar Videos von anderen YouTuber*Innen zu den Produkten gesehen und am Ende wollte ich halt die Lidschattenpalette und den Bronzer haben. Da hatte ich am Samstag einen Aufruf gestartet und es haben sich echt viele bereiterklärt, zu schauen und einige haben das auch erfolglos getan, aber Frau Wunnibar hat es geschafft und ich freu mich sososo doll, hach!

Nach aller Freuerei ziehe ich meine Sportklamotten an und mache ein Workout, das erste mal im neuen Haus. Das macht nur leidlich viel Spaß, ehrlich gesagt, denn ich war auch schon mal fitter und das ist ja nicht mal nicht lange her. Naja, das wird auch wieder, denke ich, während ich danach zwanzig Minuten weiter schwitze.

Wenn ich ja aber eh nun rieche, kann ich auch das Bad putzen, denn das hat es nötig. Ich höre derweil einen Podcast über Mantelstoffe und bin nun einiges schlauer und habe ein sauberes Bad. Ich schließe das Bad putzen gerne mit einer Dusche für mich ab, ich sprühe die Dusche von innen en und schrubbe dann mit einem Mikrofasertuch rum, dann ziehe ich mich aus und steige in die Dusche, brause alles (nicht mich!) richtig heiß ab und dann dusche ich ganz normal, nur dass ich am Ende halt alles nochmal trocken überwische (das mache ich nicht bei jeder Dusche). Ich bin also am Ende auch sauber und fühle mich jetzt wieder wie ein neuer Mensch.

Es folgt ein Brotpäuschen mit Herrn Rabe, wir schnacken noch ein wenig und dann gehe ich auch schon wieder los, die Kinder abholen. Wenn wir die Zeit haben, müssen die ja nicht bis ultimo in ihren Betreuungseinrichtungen sein.

Mit Michel zusammen zum Kindergarten gehen dauert etwa doppelt so lange wie ohne. Ich besteche ihn, indem ich eine Kinderzeitschrift in Aussicht stelle, wenn wir es ohne viel Gemecker den Berg hoch schaffen. Michel geht daraufhin die meiste Zeit an meiner Hand, beklagt sich nur zwei mal ganz leise über schmerzende Füße und erzählt sonst allerhand Geschichten. Zum Beispiel ist er magnetisch, und weil die Erde ja auch ein großer Magnet ist, kann er nicht fliegen. Das Ent-magnetisieren dauert ein Jahr. Sagt er.

Wir holen Pippi ab und mir werden noch so viele Bastel- und wasweißichzettel in die Hand gedrückt, dass ich auf dem Weg raus erst die Hälfte vergesse und dann die andere Hälfte fallen lasse. Das ärgert mich, weil ich jetzt dann doch ganz gern wieder nach Hause möchte. Seit eineinhalb Stunden bin ich inzwischen unterwegs. Aber wir müssen noch einkaufen. Ich kaufe drei Paprika und eine Kinderzeitschrift und vergesse die Zahnpasta für Michel. Tja.

Zu Hause hat Pippi schlechte Laune und nervt Michel beim Hausaufgaben machen. Der ist eh schon so schluderig dabei, dass ich ganz viel atmen muss. Irgendwann ist er aber fertig und Herr Rabe ist dabei zu kochen. Ich vergesse (tatsächlich) die Regel, dass es erst nach dem Essen Fernsehen gibt und lasse die Kinder Kinderfernsehen anmachen. Ich bin so müde, dass ich dabei fast einschlafe, aber nur fast, weil immer wenn meine Augen zufallen die 5-Minuten-Episoden von Grizzy og lemen zu Ende sind und ein Streit entbrennt, welche als nächstes geguckt werden soll. Dann erfahre ich, dass die Spice Girls nächstes Jahr auf Tour gehen und bin gar nicht mehr müde, sondern spinne mit meiner Twitter-Timeline herum, dass wir uns doch in Edinburgh treffen könnten. (Liebe Timeline: ich meine solche Schnapsideen meistens ernst! *zwinker, zwinker*)

Es gibt Essen und die Kinder mögen es natürlich nicht. Pippi ist außerdem übermüdet und in ätzender Laune. Es ist wie es ist, aber halt nicht schön. Irgendwann brechen wir ab und wollen die Kinder ins Bett stecken. Plötzlich hat Pippi Hunger. Sie isst im Bad eine halbe Banane und dann bringe ich sie ins Bett. Schon bei den letzten Seiten im Peppa Pig-Buch atmet sie auffällig ruhig. Danach dreht sie sich um und schläft innerhalb von 30 Sekunden laut schnarchend (wegen der Erkältung). Puh. Kurz döse ich auch ein, aber ich habe mir einen Wecker gestellt, werde geweckt und stehe auf. Räume unten den Tisch ab, bekomme von Herrn Rabe Gesellschaft, der spült und wir legen gemeinsam noch die Wäsche zusammen. Ich rege an, den Schrank endlich fertig in die Küche umzuziehen, da stand das untere Teil jetzt eine Woche und das Oberteil aber im Wohnzimmer und dann machen wir das „mal eben“. Das Ding ist so sauschwer und zudem unhandlich, dass ich, ganz tief in der Hocke sitzend, mit dem Schrank in den Händen einfach nicht hochkomme. Meine Beine sind nicht stark genug (jedenfalls nicht nach knapp 20.000 Schritten und 30 Minuten beinlastigem Workout heute). Herr Rabe muss also den Schrank auf meiner Seite erst auf einen Hocker stützen und dann seine Seite hochheben. Die letzten 30 cm Höhenunterschied schaffen wir dann wieder gemeinsam und jetzt steht dieser Schrank da bitte bis zum Auszug. Uff.

Nun: Bloggen und Katjes Kinder essen. Gleich: Ru Pauls Drag Race Makeover Challenge zu Ende gucken. Dann Bett.

Tag 1150 – WmDedgT im Oktober ‘18.

Heute ist wieder der 5. des Monats und es ist schon Oktober, das ist schockierend, aber wie dem auch sei – Frau Brüllen fragt: Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?

Stichwort: Freizeitstress. Aber ironisch, weil es eigentlich ein ganz wunderbarer Tag war.

Nach dem Aufstehen – Pippi weckte mich um halb acht – machte ich gemütlich die Kinder fertig und mich so halb, also ich duschte, zog mich an und machte alles außer schminken. Wir übergingen gekonnt das „Aber ich hab noch Croissants*!“ meines Schwiegervaters und gingen Brötchen holen. Wir frühstückten dann frische, knusprige, duftende, raumtemperierte Brötchen, und die Kinder aßen auch noch die Croissants auf. Dann machte ich einen Haufen Farbe in mein Gesicht und dann war es auch schon an der Zeit, Flavius und Brutus, J., N. und deren bezaubernd wonneproppiges K3 auf dem Spielplatz zu treffen. Flavius und Brutus brauchten etwas Anlaufzeit, dafür war Michel so stürmischforderndbefehlend drauf, dass Flavius das mit „Der Michel ist ganz schön unhöflich!“ quittierte. Tjanun. Sie freundeten sich dann doch noch an und kletterten allesamt (ok, das Baby nicht) drülfzig mal auf das Klettergerüst. Auch Pippi, die dann aber nicht mehr runter kam und deshalb kletterte ich auch drülfzig mal halb auf das Klettergerüst, um Pippis Abstieg zu begleiten (hier achtsames Flöten vorstellen). Pippi verschlürte auch zwei mal einen Elefanten und ein Kaninchen, winzige Plastikkleinteile, die sie eigentlich gar nicht dabei haben sollte, aber im Endeffekt suche ich lieber drei Minuten lang zwei hässliche Plastikteile, als zwei Stunden lang Geheul zu begleiten, weil sie weg sind. Pick your battles. Jedenfalls war es herrlich entspannt mit Familie Jenni und ich bin froh, dass Michel sich am Ende doch noch einigermaßen benommen hat und nicht die Jungs verschreckt hat wie beim letzten mal.

Als ich irgendwann ordentlich Hunger hatte, gingen wir wieder zum Opa zurück und ich aß ein paar Reibekuchen. Die Kinder hatten keinen Hunger. Pippi schlief ein. Ich disponierte kurz um, schulterte Pippi und dann gingen wir drei zur Bahn statt zu Fuß zum Siggi, wo wir mit unseren Freunden M. und A. Und deren Tochter I. verabredet waren. Am Hauptbahnhof wurde Pippi beim Umsteigen wach und ich war einigermaßen irritiert, dass jetzt zwei Linien zur Uni fahren, nämlich eine nur bis zur Uni und eine nach Lohmannshof. Weird. Wir stiegen dann auch spontan in die Falsche, die nämlich drei Minuten nach der anderen fuhr.

Treffen mit Familie M., das war auch ganz toll. Erst spielten die Kinder auf dem Siggi-Spielplatz und wir Erwachsenen tranken Kaffee, bis Michel ankam und meinte „Mama, Pippi hat Scheiß gemacht.“ und M. gleichzeitig meinte „Ist das dein Kind da, das keine Hose anhat?“. Da musste ich Pippi dann die Hose wieder anziehen und ihr erklären, dass bloß weil ein anderes Kind eine kurze Hose anhat, das nicht heißt, dass sie gar keine Hose mehr anhaben muss. Wir beschlossen, Hosen-Gate durch Eis und Rückzug zu entschärfen und holten uns ein Eis beim Koch (auch wieder keine Werbung sondern eine Empfehlung, gehen Sie alle zum Koch, das ist da sehr sehr gut). Glückliche drei Erwachsene und drei Kinder aßen Eis und wir schlenderten zu M. und A.s Wohnung. Pippis Eis fiel runter und ich rettete es grade so vorm totalen Ungenießbarwerden, indem ich es aufhob und die Boden-Seite beherzt mit dem Finger abwischte. Tag für Pippi gerettet. M. und A. Zeigten uns ihre neue Wohnung und ich war geschockt, was da im Viertel inzwischen für Preise aufgerufen werden. Über 900 Euro kalt für eine Wohnung, die außer der Lage und einer relativen Größe nicht unbedingt der Knüller ist, finde ich schon happig. Aber es war sehr schön, einen längeren Plausch mit M. Und A. Zu halten, während die Kinder drinnen spielten. Ich bin jetzt Up-to-date, was Teile der alten Impro-Crew angeht und, ach, man sieht die ja auch viel zu selten. Und auch zu kurz, denn wir mussten um halb sieben schon wieder weiter, unsere ehemaligen Nachbarn im Koch treffen.

Dort: super Essen, nette Gespräche, lustiges Kindergequatsche bis… echt spät, nämlich bis Herr Rabe auch noch kam und mich auslöste. Ein toller Abend. Pippi schlief am Ende auf meinem Arm ein und Herr Rabe trug sie dann nach Hause, während Michel tapfer selbst lief, den ganzen Weg vom Siggi bis zum Nordpark. Beim Opa angekommen brachte ich Pippi ins Bett, schminkte mich ab und dann schlief unten Michel auch noch auf meinem Arm ein und das war alles so gemütlich, fast hätte es diesen Beitrag gar nicht gegeben. Aber, phew, noch geschafft.

Wirklich ein voller, voll toller Tag.

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*Von vorgestern, aus einer Tupperdose im Kühlschrank, das mag ja Zeit und Mühe am Morgen sparen aber für mich tötet es auch all das schöne an frischen Brötchen.

Tag 1120 – #WmDedgT im September ‘18.

Heute ist wieder der 5. und wie jeden Monat fragt da die geschätzte Frau Brüllen: Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?

Ich werde mich so kurz wie möglich fassen, denn der Tag begann nach einer Nacht mit ganz wenig Schlaf in Pippis Bett, weil die nämlich Rotznasenbedingt schlecht geschlafen hat und dauernd wach war und was trinken oder einfach nur rumbrüllen wollte. Voll schön.

Außerdem wollte ich auch gar nicht aufstehen.

Bin ich dann aber doch und hab Pippi fertig gemacht, bin duschen gegangen, habe Schminke eingepackt, habe keinen Kaffee eingepackt und auch kein Mittagessen, aber Wasser, 2 Äpfel und eine Banane. Bin mit Pippi um kurz nach acht losgefahren an der Bushaltestelle 200 m vor der Haustür wieder umgedreht, weil Herr Rabes Zug nicht fuhr wegen irgendwas mit Elektrizitätsstörung. Habe Herrn Rabe eingesammelt und dann sind wir losgefahren.

Auf dem Weg noch getankt, zum Tanken und wie sehr ich mich bemühe, mich von den Spritpreisen nicht stressen zu lassen, muss ich mal gesondert schreiben. Witzig, wie ich immer schreibe, was ich alles schreiben will, ne? Ich bemühe mich auch sehr und sehr vergeblich, deswegen kein schlechtes Gewissen zu haben.

Herrn Rabe am Zug im Kindergartenort rausgelassen, dann Pippi zum Kindergarten gebracht, kurz vor neun. Pippi hat im Auto meine Banane gegessen, ich esse deshalb ein Käsebrot aus ihrer Brotdose.

Ich fahre zur Arbeit. Ich will nicht und fange schon auf dem Weg an zu weinen, so schrecklich ist das da alles.

Es ist alles sehr schrecklich und sehr absurd für sehr lange Stunden, ich kriege absolut nichts produktives auf die Kette, aber immerhin schaffe ich es dem Chipsmann zu sagen, dass ich bei einer etwaigen Nachfolgefirma nicht mitmachen möchte, generell nicht und schon mal gar nicht als Co-Gründerin. Er versteht das total gut, was sich darin zeigt, dass er mich für morgen für das Vorgespräch zu einem Innovationswettbewerb anmeldet. Mehr bleibt zum Arbeitstag nicht zu sagen, auch weil siehe nächster Absatz.

Irgendwann geht der Chipsmann einfach grußlos. Ich lasse den letzten Rest versuchter sinnvoller Arbeit fahren und schreibe eine Anwaltskanzlei an. Dann heule ich Rotz und Wasser und dann fahre ich Pippi abholen.

Pippi abholen, Michel abholen. Ich bin wieder erst ganz kurz vor knapp in der Schule. Michel trägt es mit Fassung. Morgen muss das anders werden. Das sage ich auch dauernd und es wird dann nichts.

Wir spielen noch auf dem Spielplatz der Schule. Pippi kann jetzt selbst schaukeln und macht das ausgiebig, Michel spielt mit ein paar älteren Mädchen auf dem Klettergerüst. Beide Kinder und ich sehen hinterher aus wie in Lehmstaub paniert.

Wir fahren nach Hause und ich überrede die Kinder mit Engelszungen zum Duschen. Ich dusche auch und fühle mich danach viel besser. Ach ja, das habe ich oben vergessen zu schreiben, aber es ist ja auch was, was ich nicht getan sondern eben nicht getan habe: Ich habe mich nicht geschminkt. So dreckig gehts mir, ich nehme die Schminke mit und dann bleibt sie in der Tasche.

Nachdem beide Kinder und ich sauber sind, parke ich die zwei vor dem Fernseher und will eigentlich kochen, kann mich aber nicht aufraffen. Ich döse beim Kinderfernsehen ein.

Herr Rabe kommt nach Hause und schiebt Pizza in den Ofen. Wir essen und dann bringe ich die Kinder ins Bett, Pippi schläft schon beim Vorlesen aus dem magischen Baumhaus mit 39 Etagen, das sich Michel in der Bibliothek ausgeliehen hat, ein.

Wieder im Wohnzimmer angekommen ist es irgendwie schon viertel nach neun. Ich schreibe eine Bewerbung, mal wieder eine ganz andere, from scratch neu und anders strukturiert und es geht recht fix, weil ich die im Grunde einfach unterschreibe und dann abschicke. Am Anfang der Bewerberei hatte ich noch Sorge, dass eine scheißbewerbung gleich dazu führen würde, dass ich beim ganzen Unternehmen verschrien bin. Inzwischen ist mir sowas egal oder vielleicht bin ich innerlich tot. Wenn’s so ist, ist es so, wenn nicht dann gut, und als könnte man von einer Seite Blabla wirklich sicher auf die Persönlichkeit der Person dahinter schließen. Sollen sie mich einladen, dann lernen sie mich kennen, und dann sollen sie mich einstellen, dann lernen sie mich noch besser kennen. Im Grunde will ich mit den Anschreiben nur noch neugierig machen. Im Endeffekt kämpfe ich bei dieser Bewerbung am längsten mit dem Bewerbungsportal, das mit der LinkedIn-App nicht wirklich harmoniert und zweimal abstürzt und dreimal die Dokumente nicht hochlädt, bis ich es dann im Browser mache, dann geht es.

Dann bloggen.

Bald schlafen.

Morgen sehr früh aufstehen und bei diesem Informationsdings sein.

Wenn ich mir das WmDedgT vom letzten Monat anschaue, kann ich kaum glauben, dass das alles in nur einem Monat passiert ist.

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Tag 1089 – WmDedgT im August ‘18.

Heute Gestern war der 5. und wie jeden Monat fragt Frau Brüllen da: Was machst Du eigentlich den ganzen Tag? Und weil das eben irgendwie schon gestern war und ich morgen früh aufstehen muss in der absoluten Zeitraffer-Version.

  • Ich werde von einer Fliege geweckt und habe schwere Fliegenmordgelüste.
  • Aufstehen und Frühstück machen. Mit Pippi, die frühstückt schon mal Banane. Michel kommt an und ist stolz, dass er die ganze Nacht in seinem Bett geschlafen hat. Beide bewundern den neuen Tisch. Unser „Eierkochtopf“ ist leider nicht Induktionsherd-geeignet und wird zum Campingtopf degradiert.
  • Frühstück mit (gekauften TK-)Brötchen und Eiern und danach Maus. Fast normal, sieht man vom Chaos ab, das um uns rum herrscht.
  • Kisten auspacken. Überall Kisten. So viele Kisten.
  • Disput: Ich will einen der Kleiderschränke aus dem Kinderzimmer ins Erwachsenenschlafzimmer stellen. Michel ist der Meinung, das sei SEIN SCHRANK UND ER BESTIMMT WAS WIR DAMIT MACHEN. Michel und ich schreien, Herr Rabe versucht zu vermitteln.
  • Michel und ich malen eine mögliche Lösung auf, wie sich Michel und Pippi doch einen Kleiderschrank teilen können und dann dürfen wir auch den Schrank entfernen. Das machen wir. Der Schrank ist sehr schwer.
  • Unsere toll ausgedachte Lösung funktioniert aus Gründen nicht. Michel trägt es mit Fassung.
  • Ich bastele gefühlte drei Tonnen Kinderkleidung in den Kleiderschrank. Das dauert überraschend lange und der Schrank ist jetzt voll.
  • Pippi schläft einfach im Bett beim Spielen ein.
  • Ich brauche eigentlich dringend Kaffee, bin aber irgendwie im Flow und behelfe mir mit Cola.
  • Badezimmer einräumen. Wir haben jetzt ja 2 Badezimmer, mein Schminkkram wird aber eben nicht im Familienbad sein, sondern unten. So stehen wir uns hoffentlich morgens. nicht ganz so auf den Füßen.
  • Herr Rabe hat das Gästebett aufgebaut und geht nun mit den Kindern raus.
  • Zuerst räume ich alle Pappe auf die Terrasse. Herr Rabe hat gestern ein ganzes Auto voll Pappe weggebracht und es ist schon wieder so ein riesiger Haufen.
  • Ich rödele im Lagerraum herum. Alle Kisten raus, Regale rein, ein Regal zusammenbauen, manche Kisten komplett wieder rein, manche Kisteninhalte wieder rein.
  • Die Kinder sind wieder da und haben Hunger. Ich mache Pfannkuchen und rödele nebenbei in der Küche herum. Herr Rabe baut das Mülltrennsystem unter die Spüle.
  • Wir essen Apfelpfannkuchen. Lecker. Herr Rabe fragt, wer den jetzt das Regal abholen fährt? Oh, ja, das hatte ich vergessen, ich wollte ja ein geschenktes Badregal abholen.
  • Vorher duschen ist nötig. Ich mache mir noch einen Espresso.
  • Die Kinder haben ihr liebevoll eingerichtetes Zimmer verwüstet, indem sie die einzige noch nicht ausgepackte Kiste ausgepackt und deren Inhalt – Puzzleteile und Spiele – überall verteilt haben. Nach einer sehr deutlichen Ansage von mir gehen sie wenigstens ins Kinderzimmer um Herrn Rabe beim Aufräumen zu helfen. Ich kühle meinen Kopf unter der Dusche.
  • Lilashampoo und Beine rasieren. Meine Beine sind jetzt stoppelfrei, aber übersäht mit Kratzern und blauen Flecken. Tjanun.
  • Ich ziehe mich wieder an und fahre das Regal holen.
  • Auf dem Hinweg sind die ganzen Korn- und Stoppelfelder in goldenes Licht getaucht, das Romerike präsentiert sich von einer sehr hübschen Seite, ich hachze so vor mich hin.
  • Regal abholen. Wir haben dann jetzt das gleiche Regal in der inzwischen 3. Farbe.
  • Auf dem Rückweg fahre ich der untergehenden Sonne entgegen. Der Sonnenuntergang ist so schön, dass mir die Tränen kommen. Ich muss mehrmals anhalten und Bilder machen (die natürlich nur halb so schön sind, wie sie sein könnten, würde man eine richtige Kamera nehmen und kein Handy).
  • Zu Hause. Meine Mutter ruft an. Während wir telefonieren mache ich schnell Pflegelack auf meine doch arg geschundenen Fingernägel und bügele mein Kleid für morgen und suche diverse Dinge in diversen Kisten.
  • Zähneputzen, Bloggen, ab ins Bett.

Tag 1057 – #WmDedgT im Juli ‘18.

Heute ist ja der 5. Juli und wie an jedem 5. fragt Frau Brüllen: Was machst Du eigentlich so den ganzen Tag?

Ich bin heute 6 Stunden lang Zug gefahren um 2 Häuser anzusehen. Aber von vorn.

Um sechs klingelte der Wecker, da war ich aber schon wach. Nach nicht mal 5 Stunden Schlaf ratterte das Unterbewusstsein mich aus dem Schlaf. Ganz toll, so kann man bestimmt voll gut wichtige Entscheidungen treffen. Aber tjanun, ich stand also auf, kam aber nicht weit, weil Pippi am Nölen war. Aus dem Bett gefallen, Hunger, Durst. Alles schlimm, keine Frage, aber in meiner Nervosität kann ich nicht gut haben, wenn ein Kleinkind permanent an mir klebt und herumgetragen werden will, das nervt mich dann alles doch sehr. Herr Rabe übernahm sie aber irgendwann ins Bett zurück, sodass ich duschen konnte. Kaffee trinkend machte ich mich fertig und zog sommerliche Sachen an. Immerhin waren selbst für Trondheim 22 Grad angekündigt. Hibbelig nutzte ich die letzten 5 Minuten vor Abmarsch zum Wäsche aufhängen, gab allen schlafenden (Pippi) und wachen (Michel) Kindern und Herrn Rabe noch einen Kuss und ging dann los. Mit leichter Übelkeit (aufregend!!!) und so früh, dass auf dem Weg die Zeit noch reichte, im Supermarkt ein paar Reisesnacks einzukaufen und am Bahnhof einen Kaffee zu holen. Um 08:14 Uhr saß ich im Zug, um 08:18 fuhr der Zug los.

Die nächsten 4,5 Stunden verbrachte ich damit, mich mit dem Schreiben einer Bewerbung* von der Nervosität und dann mit Lesen vom nicht funktionierenden Internet abzulenken. Zwischenzeitlich schrieb ich dem Chipsmann, ob es möglich wäre, im Laufe des Tages das OK des Finanzmenschen einzuholen, weil HERRGOTT ICH KAUFE VIELLEICHT EIN HAUS DA IN EINEM KAFF! Mit ein bisschen Verspätung kamen wir in Lillehammer an, ich stieg aus, holte mir einen Kaffee und stieg in den nächsten Zug. Für weitere 1,75 Stunden. Ich kam nicht zum Arbeiten, denn ich bekam von einer KiTa eine Platzzusage, dann vom Chipsmann die Aussage, der Geschäftsführer habe sein OK gegeben und der rede heute Abend mit dem Finanzmenschen** und dann hatte Herr Rabe auch noch gute Neuigkeiten von seinem Job*** und wir tauschten das alles über Telefon kurz aus. Dann telefonierte ich noch mit meiner Mutter und schwups, war der Zug in Eidsvoll und ich musste aussteigen.

Eidsvoll also. Das ist jetzt nicht direkt Oslo, eher so gar nicht, aber ein klassischer Pendlerort. Riesiger Parkplatz am Bahnhof, von da gehen 3-4 Züge pro Stunde Richtung Oslo (und zurück) und die sind dann in 35 Minuten in Oslo S. Da ist mancher Ort, der wesentlich näher an Oslo liegt, schlechter angebunden. Zur Chipsfabrik bräuchte ich mit dem Auto auch etwa 35 Minuten und die KiTa läge auf dem Weg. Allerdings läge die KiTa in der Nachbarkommune, weil in Eidsvoll alle (!) Kindergärten voll sind. Tjanun, ich war einigermaßen drauf gefasst. Ich hoffe nur, dass Randstundenbetreuung für Michel kein Drama würde, weil dann hätten wir echt ein Problem. Aber das löst sich dann auch, ganz sicher.

Jedenfalls ist Eidsvoll wirklich hübsch. Hübscher als das Dorf von letzter Woche.

Ich ging grob in Richtung der zwei Häuser und suchte mir ein Café. Und weil ich langsam irre werde eh so gute Laune hatte, sprang ich direkt mal über zwei Schatten: Ich machte einer wildfremden Frau ein Kompliment wegen ihres wirklich superschönen Kleides und dann quetschte ich die Cafébesitzerin und ein paar Locals über Eidsvoll als Wohnort aus. Fazit: da ist es natürlich super zu leben (was hatte ich erwartet****?). Dann machte ich mich auf den Weg zum ersten Haus.

Es war ein sehr warmer Weg. Geradezu unangenehm Wirklich warm. Und er führte durch lauter Baustellen, in denen neue Reihenhäuser entstehen, da dachte ich schon, oha, das erklärt, weshalb die Häuser so günstig sind, wenn man die nächsten 10 Jahre inmitten von Baustellen wohnt. Aber dann ging es in ein Wäldchen:

Und auf der anderen Seite vom Wäldchen sind keine Baustellen, sondern ein ziemlich fertiges Wohngebiet:

Ja, aber war halt warm und so kam ich schwitzend wie ein Affe an Haus Nr. 1 an, außerdem 15 Minuten zu früh. Vor dem Haus saß ein Mann im Schatten unterm Carport. Und guckte ganz verwirrt, als ich mich vorstellte und meinte, ich hätte doch für 17 Uhr eine Besichtigung abgemacht. Er wusste da nichts von und ich dachte schon „OHA!“, aber als er ins Haus rief, ob das richtig sei, dass um 17:00 Uhr eine Besichtigung geplant sei und eine Frauenstimme mit „Ja, äh, nur kleinen Moment noch!“ antwortete, entspannte ich mich kurz fast und ließ mich einigermaßen dankbar auf den angebotenen Stuhl plumpsen. Nach 5 Minuten kam die Besitzerin des Hauses heraus und begrüßte mich und dann guckte ich das Haus an. Dieses Mal machte ich ca. 6000 Fotos (ohne Weitwinkel!!!) und auch Videos. Und wie soll ich sagen? Ich bin jetzt ein bisschen verliebt. Ich möchte dieses Haus haben. Mit meinem Klemmbrett iPad, auf dem ich den Prospekt gespeichert und Notizen mit Fragen gemacht hatte, machte ich wohl einen ziemlich gut vorbereiteten Eindruck auf die Besitzerin und als ich auf die Frage „Ist die Finanzierung schon klar?“ mit „Ja.“ antworten konnte, war sie glaube ich froher als ich. Ich bekam auf alle meine Fragen zufriedenstellende Antworten. Ich habe den Wärmetauscher angeschaut, die Dunstabzugshaube angeschaut, den Backofen gestreichelt angeschaut, habe gefragt, was denn „Balkon hat leichten Wartungsbedarf“ heißen soll*****, habe einszweidrei Lagerräume inspiziert und war einfach mit allem höchst zufrieden. Es ist schon ein schickes Haus mit einer vernünftigen Raumaufteilung. Am liebsten wäre ich direkt eingezogen und ich glaube, die Besitzerin und ihr Partner hätten mich am liebsten direkt adoptiert, jedenfalls tranken wir dann noch einen Kaffee und sehr viel Wasser zusammen und als ich sagte, ich ginge jetzt noch zu einer zweiten Besichtigung, boten sie mir an, mich danach zum Bahnhof zurückzubringen, damit ich nicht wieder durch die Hitze wandern müsste. Jaja. So war das.

Aussicht. Bebauungsplan sagt: da wird nix gebaut.

Trotzdem musste ich irgendwann doch aufbrechen und das andere Haus 150 Meter weiter die Straße runter anschauen. Das war dann auch ok, aber gegen das erste anzustinken war halt dann auch schon schwer. Es stimmten dann auch einfach ein paar kleinere Dinge nicht so richtig für mich, wenig Lagerplatz, generell irgendwie komisch aufgeteilt und deshalb gefühlt wenig Platz, Lagerraum verschlossen und der Makler fand den Schlüssel nicht… Sowas halt. Aber auch hier machte ich natürlich 6000 4500 Bilder und Videos. Herr Rabe fand vorher nämlich dieses Haus eigentlich besser. Hier blieb ich nicht so lange, stellte aber alle meine Fragen (und bekam vom Makler Wischi-Waschi-Antworten wie „Ich glaube, in einem der kleineren Schlafzimmer bleibt der Schrank drin, aber ich weiß nicht in welchem.“) und schaute alles gründlich an. Ich muss ja sagen: es muss schrecklich sein, in einem Haus zu wohnen, an dem draußen ein „zu verkaufen“-Schild hängt, das muss ja zu jedem Zeitpunkt aussehen wie aus dem Katalog. Eieiei. Erklärt aber den Vollgeräumtheitszustand der Garage:

Tatsächlich nahm ich danach das Angebot des zum-Bahnhof-Gebrachtwerdens an. Ich sag ja, ich werde bekloppt springe über meine Schatten. In Haus Nr. 1 sahen sich zum Teil dieselben Menschen grad um, die ich in Haus Nr. 2 grade getroffen hatte. Im Auto sprach ich mit dem Partner der Besitzerin von Haus Nr. 1 über das gewünschte Übergabedatum, das von beiden Seiten aus auf dem letzten Juli-Wochenende liegt und, ach, könnte ich doch nur diese blöde Gebotsrunde umgehen. Denn mir wäre das Haus auch mehr als den veranschlagten Preis wert, hoffen wir mal, den anderen nicht. Weil schön wäre es natürlich schon, sich nicht allzu hoch treiben zu lassen.

Vom Bahnhof aus schrieb ich Herrn Rabe mein Resümee der zwei Häuser, vom Zug aus lud ich die Bilder und Videos in die Cloud. Ich schickte die Anzeige zu Haus Nr. 1 meiner Mutter (die gleich Feuer und Flamme war) und telefonierte kurz mit Herrn Rabe und den Kindern. Michel sagt, wir sollen das kaufen. Genau genommen: „Das kannst du ja einkaufen Mama.“ Weil es einen Garten hat. Äh ja, ich… werd’s versuchen, ne?

Ich ging durch die Sicherheitskontrolle am Flughafen und suchte mir ein ruhiges Plätzchen in Terminal C um meine Oma anzurufen. Ich hoffe, ich habe ihr jetzt klargemacht, dass ich eventuell MORGEN dieses Haus kaufe und dann in zwei Wochen das Eigenkapital, bei dem sie uns unterstützen möchte, auf meinem norwegischen Konto haben muss. Nicht in drei, vier Monaten vielleicht. Zwei Wochen. Uff.

Auf dem Weg zum Gate telefonierte ich nochmal mit Herrn Rabe, der inzwischen die Kinder ins Bett verfrachtet hatte und entweder vertraut er meinem Urteil wirklich so sehr oder er merkte einfach meine Begeisterung, aber am Ende sagte er: „Wir bieten da morgen drauf.“

Dann Flugzeug, Bloggen, Flugbus******, weiter bloggen, versuchen, das Gedankenkarussell******* zu bremsen, alles wird gut. Morgen kaufe ich dieses Haus.********

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Auto-Lobhudelei: siehe oben. Ich war heute sehr erwachsen.

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*Damit höre ich erst auf, wenn ich den Vertrag vom Chipsmann hab. Vielleicht höre ich auch einfach erstmal nicht damit auf. Zur Sicherheit.

**Ich weiß doch auch nicht, weshalb das immer mehr Leute werden.

***Sieht so aus, als würde Herr Rabe doch nicht einfach nur von mir mitgeschleift, sondern könnte den Umzug zur beruflichen Entwicklung auch gut nutzen.

****Ich bin ja immer ehrlich. Wenn mich wer im Café in Trondheim fragte, wie Trondheim denn so zum Leben sei, würde ich vermutlich mit „Lauf, Forest, Lauf!“ Antworten.

*****Muss geölt werden, Geländer eventuell lackiert.

******Trondheim empfängt mich mit den üblichen 12 Grad und Nieselregen und einer unüblichen Tunnelsperrung, die den Flugbus zwingt, über die Berge und an den sieben Zwergen vorbei zu fahren. Achtja. I will dance when I walk away.

*******Noch keine News vom Chipsmann.

********Ein abgewandeltes Filmzitat. Wer hat’s erkannt?

Tag 1028 – #WmDedgT im Juni ‘18.

Heute ist der 5. und das heißt, dass Frau Brüllen wie immer die gute Frage stellt: Was machst Du eigentlich den ganzen Tag? Da will ich ja mal nicht so sein und ihr antworten, ne?

  • Sämtliche Entscheidungen der letzten fünfeinviertel* Jahre in Frage stellen
  • Mich und mein Leben hassen
  • Mir davon nix anmerken lassen und ganz freundlich und fröhlich und positiv und professionell mit Menschen aus 10 verschiedenen Firmen gesprochen und mich vermarktet

Fertig! Das ging ja schnell.

Ok, Langform:

Ich habe etwa viereinhalb Stunden geschlafen, gestern Abend war ich noch lange mit der eher mittelmäßig gelingenden Abwehr des Loches beschäftigt. Heute morgen war Aufstehen gar nicht mal sooo schlimm, nach 4 Stunden gehts immer noch, ganz schlimm ist alles zwischen 5 und 7 Stunden Schlaf, da komme ich gar nicht aus den Federn. Ich stand also auf und schlurfte ins Bad. Und dann doch erstmal zurück in die Küche, mein Hals kratzte wie Hölle und ich versuchte das wegzuspülen. Wasser half nicht, also machte ich Kaffee (jaja, das ist auch kein Salbeitee, ich weiß) und nahm den dann mit ins Bad. Duschte und rasierte meine Beine, alles im Autopilot. Zog mich an, Gesichtspflege, Schminken, wie ein Roboter. Immer darauf bedacht, nicht allzu sehr darüber nachzudenken, was ich heute vorhabe. Die Schminke hatte ich gestern schon rausgelegt, sonst hätte ich wohl ratlos vor meinem Arsenal gestanden und wäre womöglich einfach ungeschminkt gegangen. Irgendwann stand auch Pippi auf und meckerte direkt los, aber Herr Rabe stand nach meinem ersten „Ich kann jetzt nicht, bitte warte doch grad!“ auch auf und kümmerte sich um sie. So war ich dann nicht ganz so doll verspätet und bekam einen Flugbus nach dem Angepeilten. Alles im Rahmen.

Im Flugbus traf ich dann einen emeritierten Professor aus meiner Ex-Gruppe hier und seine Frau, das war einigermaßen skurril, um zwanzig nach sieben im Flugbus, sie mit zwei großen Koffern auf dem Weg in die Ferien und nebenbei der Hochzeit der Tochter beiwohnen, ich mit einem Jutebeutel**, in den alle meine Habseligkeiten für einen Tag locker reinpassten. Ich aß im Bus eine Banane und weil das WLAN nicht ging, guckte ich also aus dem Fenster.

Am Flughafen direkt durch die Sicherheitskontrolle zum Gate. Bei der Sicherheitskontrolle piepten meine Schuhe und ich musste sie ausziehen und durch den Scanner schieben. Apropos Schuhe: Schon da war mir klar, dass mir am Abend die Füße einfach abfallen würden. Wie welkes Laub. Aber ich berichtete glaube ich schon mal davon, dass ich sehr gut darin bin, Fußaua zu veratmen, eher würde ich mir den Fuß abnagen als zuzugeben, dass die High Heels, die ich zu dem blauen Kleid gekauft habe, höllisch unbequem sind. Ich zog die Schuhe also wieder an, kaufte mir aus Frust ein Buch*** und setzte mich genauso lange ans Gate, wie es dauert, den LinkedIn-Premium-Probemonat zu aktivieren. Mal sehen, was das bringt, ich glaube nicht, dass ich mir das zum normalen Tarif von ca. 30 €/Monat leisten werde. Dann stieg ich ins Flugzeug, schrieb Herrn Rabe die obligatorische „Bis gleich!“-SMS und schon ging es auch los.

Im Flugzeug versuchte ich, eine Bewerbung zu schreiben, das klappte nur mäßig. Genau genommen hatte ich endlich einen Aufhänger gefunden, als ich nochmal in die Anzeige schaute und feststellte, dass mein Aufhänger genau ins falsche Horn tutet. F*ck it, dachte ich mir. Wir waren eh schon fast da.

In Oslo erstmal Klo und Wasserflasche auffüllen, dann Kaffee geholt, Zugticket gekauft und nach Check des Fahrplans beschlossen, dass genau jetzt der richtige Zeitpunkt war, den Nagellack zu fixen. Irgendwie war der nämlich noch nicht richtig ausgehärtet gewesen und ich hatte auf allen Nägeln richtig schäbige Bettdecken- und Haarabdrücke. Aber wozu hat eine die Mini-Flaschen aus dem Adventskalender. Falls Sie auch mal so ein Nagellack-Desaster haben: der „Gel Setter“-Topcoat ist so dickflüssig, der kaschiert alle Macken als wär da nie was gewesen. Gut, man hat dann halt ne ewig dicke Nagellackschicht drauf, das wird vermutlich ganz bald splittern, aber es musste ja nur für heute halten.

Mit wunderlich abgespreizten Fingern in den Regionalzug nach Oslo gestiegen, bis Oslo S war der Nagellack ausgehärtet, aber meine Füße… eieiei. Ich hatte noch recht viel Zeit, also holte ich mir gleich noch einen Kaffee und ging dann erhobenen Hauptes in eine Apotheke und kaufte Blasenpflaster. Nahezu erhobenen Hauptes verpflasterte ich dann nach 2446 Schritten in diesen Schuhen an Oslo S meine großen Zehen beidseitig und klebte vorsichtshalber noch die zu Hause eilig eingepackten Fersenschutzdinger in die Schuhe. So ging es einigermaßen an der Fußfront und ich nahm die Bahn zum Forskningsparken. Da verlief ich mich erstmal****. Vergeudete Schritte. Schlimm. Fast eine Stunde zu früh war ich dann aber immernoch, also ging ich erstmal aufs Klo, holte noch einen Kaffee und setzte mich dann ins Café, putzte mein iPad, aktualisierte meine Ausbildung bei LinkedIn***** und schaute nochmal nach, ob irgendwer heute relevante Stellen hat. Nein. Awesome.

Um viertel nach zwölf und damit 15 Minuten zu früh schlenderte ich zu der Location, um 12:17 war ich da und es trugen sich schon Leute in die Meeting-Listen ein. Sowas kann ich ja gut haben, erst groß ankündigen, dass man um Punkt X Uhr anfangen wird und dann geht es doch schon eher los und wer halt zufällig schon da ist, hat nen Vorteil. Grr. Aber wenn andere schon rennen, bin ich ja auch nicht diejenige, die aus lauter Pflichtgefühl stehen bleibt und auf den Startschuss wartet, also sicherte ich mir in Windeseile bei 10 der 11 anwesenden Firmen Timeslots. Natürlich hatte ich die vorher alle im Internet aufgesucht und allerlei grausige „We are are a freshly founded Gründer-company Startup based within life-science based“ Websites gefunden. Aber egal. Ich bin verzweifelt based desperation based in life-science based people with passion. Nur in lockerer und entspannter Verkleidung. Zuerst gab es dann aber eh erstmal Begrüßung und einen Vortrag einer HR-Consultancy „Put your relationship status and hobbies on the CV! Make it personal!“******, bevor sich die Firmen in 2-Minuten-Pitches vorstellten. Da machte ich fleißig Notizen, natürlich, professionell und so.

Leider kam dann für mich der schlimmste Vorschlag des Tages: wir könnten doch beim Lunch schon mal mit den Firmen minglen. Wäh. Ernsthaft, was ist das einzig schlimmere als professionelles Sich-Anbiedern als Marathon? Genau. Sich anbiedern, während einem selbst und dem Gegenüber Salat zwischen den Zähnen hängt und man dem Gegenüber beim Reden versehentlich Käsebrötchenbröckchen ins Gesicht sprüht. Deshalb hab ich dann auch alleine gegessen. Pfft. Nachher nochmal Klo, Make-up-check, den einen Fersenschoner wieder ankleben und los gings.

Tja, also das war. Die erste Firma hab ich mir nur angeschaut, weil die eine Gründerin die eine Professorin ist, die ich dauernd überall treffe, unter anderem in den USA (was ich, das habe ich grade nachgelesen, nie hier geschrieben hab. Also ich hab die getroffen, H., in den USA, auf zwei Verteidigungen, auf beiden Meetings der Norwegischen Biochemikergesellschaft, auf denen ich war und letztes Jahr auf dem Genome Dynamics Workshop auch.). Aber die kleinen Startups waren halt bis auf eins echt einfach ganz kleine Startups ohne Kohle, die, mehr oder weniger, nur viel heiße Luft und sehr viel Arbeit anzubieten haben. „Wenn du dir vorstellen kannst, ein Praktikum zu machen, wir brauchen echt immer gute Leute fürs Marketing!“ Oder auch schön, eine frisch gegründete Consultancy: „Wir können kein festes Gehalt anbieten, aber du könntest selbstständig sein und wir vermitteln dich dann!“. Eins klang sehr interessant, das einzige, das keine Webseite hat, davon werden Sie eventuell noch hören, denn dem schreibe ich morgen eine Mail und verabrede mich mit ihm in Lillehammer (er wohnt da, die Firma wäre in der Nähe von Oslo, neben einer Chipsfabrik und das ist tatsächlich Absicht so, aber das ist alles kompliziert) für ein ausführlicheres Gespräch. Auch mit einigen größeren Firmen bis Pharmariesen habe ich gesprochen. Tja, naja, zwei von den Gesprächen waren nett bis richtig gut, einer war überaus angetan von meiner Industrieerfahrung in Kombination mit „Ich will das aber nicht mehr machen, ich will Büros und Meetingräume, nicht mehr ins Labor“ und bei dem soll ich mich melden, falls er sich nicht in zwei bis drei Wochen zurückgemeldet hat; der andere war auch total positiv, verwies mich praktisch aber nur auf die Karriere-Homepage („In Schweden ist in den Bereichen grad ganz viel offen!“) und als ich später da guckte, waren das so drei Stellen, davon zwei Senior irgendwas. Die meisten nur so „Da müssen Sie immer mal wieder auf der Homepage gucken, viel Glück!“ und einer meinte, ich soll erstmal Consultant werden******* und dann hätten große Firmen auch bestimmt mehr Interesse an mir********.

Trotzdem habe ich jeder*m, ausnahmslos, meiner Gesprächspartner*Innen meinen verdammten CV in die Hand gedrückt. Mit dem Opener „Und hier ist mein garantiert Hobbyfreier CV.“ Pfft.

Oh, ach so, zwischendurch kam noch eine email, in der mir das NAV meine beantragte Unterstützung für dieses Event (die Reisekosten) und einen Kurs in Projektmanagement, den ich gern machen würde, ablehnte. Stattdessen boten sie wieder einen Kurs in „Wo finde ich Stellenanzeigen“ und „Bewerbungen schreiben“ und „Jobbinterviews – wie verhalte ich mich“ an. Vier Wochen in Vollzeit*********. Vom Flughafen aus habe ich der Sachbearbeiterin geschrieben, dass ich sie gerne mal persönlich mit der Faust ins Gesicht treffen würde, weil ich das Gefühl habe, dass wir aneinander vorbei reden.

Meine Füße waren zwar schon tot, aber es gab noch Pizza und ich hatte noch Zeit, also aß ich Pizza und schaute mir sogar noch nett lächelnd das ShareLab an. Jaja, so bin ich nämlich, unkaputtbar und stets freundlich und offen für spontane Gespräche (nur nicht mit Essen im Mund) und überhaupt ganz toll.

Auf dem Weg zur Bahn merkte ich, dass neben meine Füßen auch mein Hals und mein Sozialakku wund sind. Alles irgendwie kein Wunder nach so nem Tag.

Irgendwie habe ich mich wohl in die Bahn und dann in den Regionalzug und zum Flughafen geschleppt. Bei der Sicherheitskontrolle piepten wieder meine Schuhe und ich musste sie ausziehen und ich zweifelte zwar sehr dran, ob ich die danach wieder anbekommen würde, aber es ging dann doch. Aber, Hölle, was für Schmerzen. Mein Flieger ging natürlich am hintersten Gate, da saß ich dann bloggend, bloggte im Flugzeug weiter und jetzt sitze ich im Flugbus und bin fast fertig. Die Schuhe muss ich möglicherweise rituell verbrennen. Morgen stehen Emails an und die Bewerbung vom Morgenflug muss ich ja auch noch schreiben. Yeah.

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Auto-Lobhudelei: jeeeez, ich bin so professionell, ich kann’s selbst kaum glauben. „Was hab ich gemacht, was kann ich anbieten, was will ich“ in vier Minuten? Kein Ding.

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*Da hab ich mich hier beworben.

**Ich besitze nur zwei Handtaschen und fühle mich damit auch seltsam. Aber meine Jutebeutel wähle ich mit Bedacht aus. Heute: Informatik-Konferenz.

***Da hab ich dann den ganzen Tag über gar nicht reingeschaut.

****Ich war ja auch erst zweimal da, da kann man sich da schonmal vertun, dochdoch.

*****Keine Sorge, ich hasse das immernoch wie Fußpilz, aber man braucht es halt.

******Hahahahahahahahahahahhahahahahahahahahahahaganzsichernicht.

*******Ich versuche ja sogar das, aber eben mit wenig Erfolg, sonst wäre ich ja nicht da, ne?

********Übersetzt: „Nee, Ausbilden, Einarbeiten, das machen wir nicht. Wir nehmen Sie dann eventuell als fertiges Produkt.“ Äh ja. Du mich auch.

*********Was für ein Schlag in die Fresse, wenn man es sich genau überlegt. Ich, eh schon top qualifiziert, möchte mich weiterbilden und die so: ich glaube, deine Bewerbungen sind scheiße. Und auch diese Person kann mich damit dann mal.