Tag 1215 – #Frauleinzuhaus.

Heute haben wir auf Twitter ordentlich Quatsch mit Soße gemacht und ich möchte mir mal kurz auf die Schulter klopfen, dass ich das losgetreten habe.

Das ganze begann mit einem Tweet, der mir letzte Woche in die Timeline gespült wurde, nämlich diesem:

https://twitter.com/kaffeegespenst/status/1070642517039820801?s=21

Da hat also eine Werbeagentur (?) ein paar totaaaaaal realistische Stockfotos gemacht, wie eine Frau so ihren Tag zu Hause verbringt, mit Homeoffice und instagrammable Schlabberpulli und gekonnt undone aussehendem Haupthaar. Schon allein das Aufsteh-Foto machte mich fertig. Wer lacht sich denn morgens so über seine Kaffeetasse kaputt? Es sei denn, es ist Schnaps drin, natürlich.

Jajaja, ich weiß schon, das _soll_ ja auch gar nicht die Realität abbilden. Das hat @dorothea_regina schon viel besser erklärt. Aber das ganze erschien mir so absurd, ich wertete es als Steilvorlage.

„Morgen“ wurde dann nichts, ich war ja auch bei Ikea und musste Regale schleppen, gut, da hätte es sicher auch Balken aller Art gegeben, aber zu Hause ist das ja nicht. Außerdem hatten schon mehrere Damen gesagt, am Montag gerne mitmachen zu wollen. Also Montag und einen Hashtag-Vorschlag hatte ich mir auch fix aus dem Ärmel gezaubert: #frauleinzuhaus, um ein paar bunte (as in: etwas weniger durchgestylte) Bilder zum Thema „Frau (mehr oder weniger) allein zu Haus“ zusammenzutragen.

Und wie soll ich sagen: Ich habe mich heute wirklich königinnenlich amüsiert. Erstens war es sehr lustig, die Bilder zu machen, und vor allem habe ich immer wieder in den Hashtag reingelesen und sehr gelacht über so viele gequält, gestellt oder gar nicht lachende Gesichter.

Hier also meine (und anderer) Interpretation von #frauleinzuhaus. (Ich warte noch auf das ok einiger Teilnehmerinnen, dann verlinke ich noch mehr. Vermutlich schlafen die halt schon, die klugen Menschen tun das um diese Zeit.)

Wo mein Kaffee ist, hab ich gefragt. Und das Kind kuschelt lieber mit seinem Vater. Pfft. #Frauleinzuhaus #eingemütlicherstart

Jaha. Genau so sehe ich nämlich aus, wenn ich aufwache. Genau. SO. Schlimm.

Die @Wuseljule kann auch nicht mit ihrem Kind kuscheln. Und Frau @SewMeow hat immerhin Kaffee, aber so richtig gemütlich ist es auch nicht.

Meine Version von „weiße, eh durchsichtige Vorhänge am Sonnenfenster aufziehen“. Ich drehe die Lamellendinger. Draußen ist es zappenduster.

Ich stehe auch nicht vor dem Spiegel und halte Sachen an mich dran, ich weiß ja, wie meine Sachen aussehen.

#FrauleinzuHaus Kinder, #frühstückistfertig! *Grillenzirpen*

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Dazwischen habe ich Michel und Herrn Rabe weggebracht. Pippi musste zum Arzt, wie ich dachte, um die Mandeln noch mal zu kontrollieren, aber der Arzt wusste dann von nix, es war alles etwas merkwürdig, aber lustig. Also mit dem Arzt. Vor dem Arzttermin hatte ich aber noch Zeit mich zu schminken. Pippi glitzerte danach auch ziemlich.

#Frauleinzuhaus #frischindenTag

Bis ich aussehe, wie ich heute aussehe, wandern diese Produkte in mein Gesicht. Plus getönte Tagescreme, Fixierspray und Haarpuder, aber das konnte ich nicht mehr halten.

Auch @sterfaine macht keinen Hehl draus, dass sie nicht wie aus dem Ei gepellt aus dem Bett hüpft.

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#FrauleinzuHaus geht als #kuschelnundspielen durch. Irgendwie. #MamaLauf

#Frauleinzuhaus #arbeitenimhomeoffice Teil 1. Unbezahlte Hausarbeit ist trotzdem Arbeit!

#Frauleinzuhaus #MittagessenZubereiten. Ich weiß jetzt, wieso die sich dabei so kaputtlacht. Weil es einfach total absurd ist, sich dabei zu fotografieren, wie man Essen macht.

Das hat vermutlich auch Little B. festgestellt. Deren Blog schon länger schläft, was ich sehr schade finde, wenn auch (aus Gründen) momentan gut verstehen kann.

Nachtrag: Ich wusste nicht, dass meine Geheimratsecke so schlimm ist. Ich musste so lachen bei diesem Foto, dass mehrere Versuche total verwackelt sind. Das bekommt mir nicht, dieses alleine sein, da werd ich albern von.

#Frauleinzuhaus #arbeitenimhomeoffice Teil 2. Den Antrag auf ÜbernaHme meines Chipsfabrikgehalts durch den Lohngarantiefonds ausfüllen.

Danach habe ich mega schlechte Laune und möchte alles anzünden. (Aber auch @octodontidae hat nichts als funfunfun im Homeoffice, und die Drehumdiebolzeningenieurin hat eigentlich Urlaub.) Da hilft nur…

Einfach mal gepflegt an irgendeinen Balken lehnen.

Problem: kein Balken, bzw. fällt mir der eine, den wir haben, erst spät ein.

#Frauleinzuhaus #ZeitFürMich #FrauenDieAnDingenLehnen 1

#Frauleinzuhaus #ZeitFürMich #FrauenDieAnDingenLehnen 2

#Frauleinzuhaus #ZeitFürMich #FrauenDieAnDingenLehnen 3

Ja, den Staubsauger und den Papiermüllhaufen im Hintergrund hätte man fürs Bild wegräumen können, aber es war zeitlich eh schon so eng, dass ich den Kaffee hinterher lauwarm in 5 Minuten runterstürzen musste. Nicht im Bild: die Kaffeepfütze, weil mir die 10 Sekunden Selbstauslöserzeit plötzlich viiiieeeel zu kurz vorkamen.

Frau Wunnibar war übrigens nicht mal zu Haus und konnte trotzdem lächelnd (und btw. in einem wunderschönem Pulli) an Dingen lehnen.

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Dann war ich beim Kindergarten-Elterncafe, von wo ich Pippi mitnahm und Herrn Rabe die Nachricht ins Büro schickte, dass wohl die Züge nicht fahren (nicht wegen Streik, sondern irgendeinem größeren technischen Problem). Pippi und ich holten dann Michel ab und natürlich schlief sie auf der Fahrt ein und war dann unweckbar.

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#Frauleinzuhaus heute länger als geplant, die Züge fahren nicht.

#Frauleinzuhaus dann halt noch #AbendessenZubereiten.

#Frauleinzuhaus beim #gemütlichesEssen tauschen wir uns gerne über den Tag aus. Deshalb hört der Sohn auch Hörbuch.

Herr Rabe ist noch unterwegs, Pippi schläft immernoch.

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Abendprogramm wie üblich, Pippi wird natürlich wach, als ich sie ins Bett bringen will und schläft danach nur unter Mühen wieder ein. Davon keine Bilder, weil im dunklen Zimmer stattfindend.

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Dann bloggen, waschen, das übliche, und nun:

Ein letztes. #Frauleinzuhaus #GuteNacht mit Licht voll aufgedreht, damit die Kamera überhaupt fokussieren kann. Man muss halt Abstriche machen im Influencerlife.

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Hach ja, das war eine lustige Aktion. Hoffentlich wird sie hier und da mal weitergetragen. Alle, dies nervt, haben den Hashtag vermutlich schon beim dritten grenzdebilen Grinsen gemutet, und es muss ja auch nicht immer ne ganze Bilderserie sein. Aber es fehlen einfach #FrauenDieAnDingenLehnen, zumindest in meiner Timeline.

Tag 1141 – Was schön war.

Also. Wie zu erwarten war, war mein Tag im großen und ganzen einer zum Abgewöhnen. Ich war auf einer missglückten Geheimmission unterwegs, traf dabei zufällig wen, über den ich mich tatsächlich freute, aber nicht heute, heute war ich zu… kaputt, keine Filter, und ich wollte wirklich eigentlich nicht genau dieser Person von dem Mist erzählen, der hier grade abgeht. Aber ich hab halt mein Herz auf der Zunge und dann kam das alles raus, aber, hey, ich hab immerhin nicht zu flennen angefangen. Meine missglückte Mission mündete dann auch noch in einem Migräneanfall, der sich gewaschen hatte und zudem untypisch war, nämlich beidseitig. Ich dachte, meine Augen explodieren einfach, das hätte ich möglicherweise nicht mal schlimm gefunden, dann hätte wenigstens der Druck aus dem Kopf gekonnt. Möglicherweise (jaja, ganz sicher, aber es ging nicht, echt!) wäre es gut gewesen, mehr zu essen als zwei Bananen und mehr zu trinken als drei Kaffee und einen Liter Wasser, aber das kam halt so. Und dann saß ich im Zug und mein Kopf tat so weh und ich war so, so, so müde von dem allen, aber ich musste doch Pippi abholen und dann Michel und meine Auto-Lobhudelei heute würde wohl so aussehen: ich hab Herrn Rabe gebeten, nicht zum Sport zu gehen sondern nach Hause zu kommen, weil ich mich schon kaum in der Lage sah, die Kinder abzuholen, geschweige denn mit Essen zu versorgen und Hausaufgaben zu machen.

Aber. Diese Negativität hilft ja keinem weiter. Deshalb: was heute gut war:

  • Nach drei Stunden Schlaf ist mir nicht mehr schlecht und bis auf den Triptankater ist auch mein Kopf wieder ok
  • Ich habe ein hoffentlich zielführendes Telefonat geführt. Ich werde darüber aber erst offiziell berichten, wenn es fest ist. Es handelt sich nicht um einen neuen Job, leider, das kann ich ja schon mal verraten.
  • Wir haben den Kindergartenplatz für Pippi angenommen. (Hab ich das überhaupt geschrieben? Wir haben einen KiTa-Platz in Eidsvoll angeboten bekommen, gestern, ganz überraschend nachdem ich nach einer Anrufrunde durch die Eidsvoller Kindergärten schon alle Hoffnung hatte fahren lassen.) Leider hat sich der Kindergarten nicht gemeldet, ob wir heute oder morgen vorbei kommen können, aber: wir haben einen Kindergartenplatz in Eidsvoll. Auf der anderen Seite vom Bahnhof, also auch immer noch nicht ums Eck, aber kein Vergleich zum 25 km entfernten und nur mit Bummelzug erreichbarem Kindergarten jetzt. Der Kindergarten sieht hübsch aus und hat nur 37 Kinder in 3 Gruppen, deshalb hoffe ich, dass er auch zwischenmenschlich mehr so ist wie unser alter Trondheimer Kindergarten. Die beiden ums Eck gelegenen Kindergärten haben über 20 respektive 31 Kinder auf der Warteliste, davon einige, die bevorzugt behandelt werden, statistisch gesehen besteht da also kaum eine Chance, im laufenden KiTa-Jahr einen Platz zu bekommen und nächstes Jahr im Sommer könnten wir dann lotteriemäßig auch irgendeinen Platz irgendwo in der Kommune bekommen, vielleicht wieder 25 km in eine noch viel falschere Richtung.
  • Alle ihre Nachrichten. Ich war ja auf viele Mails eingestellt, aber dass ich so viele nette, persönliche Nachrichten mit unzähligen guten Wünschen kriege, hätte ich nicht gedacht und das hat mich heute sehr berührt. Irgendwann war ich zwar an dem Punkt, wo ich bei jedem netten Wort direkt in Tränen hätte ausbrechen können, aber nur vor Dankbarkeit, ehrlich. Dass Sie alle so Anteil nehmen bedeutet mir sehr viel. Ich hab da keine Worte für. Danke. Und schön, etwas mehr über einige von Ihnen zu erfahren!
  • Michel hat mir, als wir zu Hause ankamen, etwas gebastelt. „Weil dir nicht so gut geht.“ Weil es mir sogar richtig, richtig beschissen ging, hab ich nicht so ganz adäquat drauf reagiert, aber morgen muss ich ihn dafür noch mal ganz doll knutschen. Ich bin sicher, der verträgt sich als Glücksbinger ganz prima mit dem Bügelperlenherz, das mir Michel für die Reise „nach Amerika“ gemacht hat.

Tag 1018 – Nix neues.

Fauler Tag, dann doch noch zwei Bewerbungen geschrieben (huldigen Sie mir bitte nicht, die zwei Stellen sind so ähnlich, dass ich nur drei Sätze angepasst habe), bisschen Wäsche, sonst war nix und jetzt ist Bett.

Nachtrag, bevor ich das wieder vergesse: vielen, vielen Dank, liebe Leserin F., ich habe mich unglaublich doll gefreut! Vor allem über die Inschrift! <345! (Research Plus ist eh die beste Pipette, wobei ich auch Reference sehr gern mag, hachja.)

Tag 951 – Hydroxdings.

So langsam setzt die Nervosität ein. Ach was, „so langsam“, mit Macht setzt die ein. Essen, schlafen, alles nebensächlich, arbeitarbeit zackzack. Nicht mal Lust auf Schminken hatte ich gestern und heute (und bin tatsächlich bis auf Mascara ungeschminkt aus dem Haus gegangen, das ist inzwischen für mich auch sehr ungewohnt). Aber dafür habe ich heute eigentlich alles geschafft, was ich wollte: den Vortrag habe ich auf exakt (!) 40 Minuten runtergekürzt, ohne dass man’s großartig merkt. Leider kann ich jetzt halt nix mehr zu Viren erzählen, das ist schade, Viren sind nämlich echt interessant, faszinierend, wie die sich zusammen mit ihren Wirten entwickelt haben… aber tjanun, mit Viren wäre das halt alles zu lang.

Zu Hause dann Essen gemacht, Besuch aus Deutschland empfangen, noch mehr Besuch aus Deutschland empfangen und den dann direkt mitgeschleift in die Uni: vor Internet-Publikum und im Hörsaal die Probevorlesung proben. Lief schon mal besser als der Probe-Defensevortrag, technisch immernoch nicht ganz perfekt aber geht schon. Das Online-Publikum war auch nett zu mir, es waren am Ende noch alle wach, das ist ja schon mal was. Nach den Rückmeldungen werde ich nochmal an den Einstiegsfolien feilen, bzw nicht an den Folien selbst, sondern an der Sprache dazu, das ist alles noch sehr… präzise. Zu präzise. Und an anderer Stelle fehlen dann ein, zwei Erklärungen, und schwups, hat man das Publikum schon früher abgehängt als nötig, nur weil wir unsere Nomenklatur als so selbstverständlich hinnehmen, dass wir glauben, da nix mehr zu sagen zu müssen.

Morgen werde ich also einige Fachbegriffe rauswerfen und gegen normale Sprache ersetzen und dann kriegt auch am Donnerstag niemand plötzlich Schluckauf oder Augenzucken, weil ich hydroxo statt hydroxy gesagt hab. Weil, „this site in the middle binds this site at one end and forms a loop, then the ends here bind each other and the loop in the middle falls off“: kein hydroxy, kein attack, kein 5′-3′-Zeug.

Geht alles. Ist alles aufregend.

Huiuiui.

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Auto-Lobhudelei: tatsächlich nicht schreiend im Kreis gerannt sondern den Druck genutzt. Getting shit done. Geht jetzt wieder.

Tag 812 – Auf in den Endspurt.

Diese Aktion von gestern ist… whoahhh! Was für ein toller Ort das Internet ist, mit was für tollen Menschen darin. Ich bin komplett beseelt und wie auf Wolken und weiß gar nicht, wie ich mich jemals angemessen dafür bedanken soll. Sie alle sind ganz wunderbare Menschen! So viel Unterstützung und gute Gedanken und einfach Anteilnahme an unserem Leben hier… Ich wünschte, jedem Mensch würde so etwas zuteil werden.

Die Erfahrung, nicht ganz allein und verloren hier zu stehen und an allen Fronten zu kämpfen, hat jedenfalls dazu geführt, dass ich grad alles für machbar halte. Für gut machbar sogar. Es ist nicht mehr so lang, und das meiste Praktische ist getan, es fehlt nur noch Mikroskopie, eventuell Auswertung der Bilder (also zum Beispiel Bubbles in Zellen zählen, damit man dann hinterher so Zeug schreiben kann wie „Das eine Protein ist in der einen Zelle in x % der Bubbles, wenn man aber ein anderes Protein ausknockt, ist es nur noch in z %.“, ich veranschlage für die Auswertung, wenn mein Chef die will, einen Tag), Auswertung der Western Blots (per Scannersoftware bestimmen, wie dick die Banden für die 5 Proteine in meinen 8 Zelltypen sind, das dauert ca. ne Stunde) und von einem Experiment muss ich die Daten noch in einem anderen Programm statistisch auswerten und dann so darstellen, wie ich das vor Monaten schon mal gemacht hab. Leider hab ich keine Lizenz für das Programm und muss deshalb dafür an den Rechner meiner Kollegin, die aber ab Donnerstag eh einen Monat in Afrika weilt. Und dann muss ich das nur noch in ein Paper schreiben. Das ist alles total gut machbar.

Da ist es tatsächlich auch gar nicht so ein riesiges Drama, dass Pippi morgen um 13 Uhr einen Termin beim Kinderarzt* hat, Herr Rabe mit einer Konferenz sehr busy ist (er organisiert die Teilnahme und die Standpräsenz seiner Firma auf der Konferenz) und ich deshalb vermutlich morgen eher gestückelt und eventuell auch mit Kind auf dem Schoß arbeiten werde. Es wird schon klappen. Es ist nicht mehr viel.

Und ab morgen dann ja auch Pippi-Karri-Gewöhnung, wir werden das alle schon schaukeln.

Es tut sehr gut, mal wieder etwas zuversichtlicher zu sein.

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*der lang ersehnte Termin, damit auch ein Spezialist mal drauf schaut, wieso dieses Kind so oft krank ist. In Norwegen macht man Termine ja auch nicht selbst aus, sondern bekommt einen nach Überweisung durch den Hausarzt zugeteilt. Den kann man zwar verschieben, aber wer weiß, wann sie den nächsten hätten? Wir nehmen da, was wir kriegen können.

Tag 811 – Von Freundschaft.

Hier stand eben ein fast 800 Wörter langer Text über meine beste Freundin und mich. Und dann hab ich das alles wieder gelöscht.

Freundschaft hat viele Gesichter. Manche brauchen regelmäßige Treffen.. Mit manchen ist es, egal wie lange man sich nicht gesehen oder gesprochen hat, immer sofort wieder wie früher. Manche machen ab und zu mal piep. Manche kann man nachts um drei anrufen. Mit manchen macht man das auch. Manchen verzeiht man alles. Manche sind wie eine wilde Romanze und fangen stürmisch an und blasen sich dann sehr schnell müde. Manche gehen kaputt. Manche dramatisch. Manche schlafen ein. Machen heult man noch lange nach. An manche kann man sich kaum noch erinnern.

Und dann gibt es solche, die man eigentlich kaum kennt, zum Großteil noch nie gesehen hat und die einen selbst auch nur vom täglichen Geschreibsel kennen und die sehen: da geht es wem sehr schlecht. Eine Umarmung per Internet verschicken wird schwer, aber ein bisschen Geld, um ein bisschen Druck aus der Lage zu nehmen*, das kann man zusammen sammeln. Und dann leiern die das an**, einfach so. Und die Person mit dem Geschreibsel ist total überwältigt und ihr fällt nichts ein, als

Danke
.***
Sie machen das hier grade sehr viel erträglicher. Sie sind echte Freunde. 

(Wer wissen will, von wem ich genau rede:

Mademoiselle ReadOn
Drehumdiebolzeningenieurin
Herrpaul_
Übrigens auch allesamt sehr empfehlenswerte Blogs!)

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*Marry Poppins wird aller Voraussicht nach Karri heißen.  Fragen Sie nicht, wie ich das organisiert hab und woher ich die Kraft genommen hab, ich weiß es grad auch nicht mehr. Und Marry Poppins ist übrigens einer meiner Lieblingsfilme, ich kann den komplett mitsingen und -sprechen und -tanzen und ich fand die Mutter, die eine Nanny braucht, weil sie selbst mit den Sufragetten für das Frauenwahlrechtkämpft, auch immer schon super.

**Aus rechtlichen Gründen steht da mein Vorname. Ja, ich finde den auch sehr schön. Der bleibt aber trotzdem unter uns, ja?

***Das müsste da eigentlich in blinkend mit rosa Herzchen drumrumfliegend stehen. Aber dafür reichen meine HTML-Kenntnisse nicht aus.

Tag 787 – Schnipsel.

Die Unterstützung von Ihnen allen überwältigt mich. Aber in gut. Danke. Wirklich, ich kann nicht ausdrücken, wie dankbar ich dafür bin!

Tiefenentspannt zwei weitere Bewerbungen geschrieben. Eine, auf die ich viel Gedanken verwendet habe, und dann noch eine, die ans selbe Unternehmen geht, für eine zu 80% identische Stelle, weil ich grad so drin war. Habe konsequenterweise auch nur die 20 nicht identischen % im Text geändert und freimütig reingeschrieben, dass ich das so gemacht habe. Sie wollen Effizienz, sie kriegen Effizienz. Mal sehen, vielleicht hätte ich auch beide Bewerbungen genauso gut anzünden können, vielleicht auch nicht, trallala.

Die Fischleute wollen jemanden, der ein HMS-Zertifikat hat. Das habe ich nicht, das zu erwerben setzt auch 40 Stunden „Unterricht“

voraus. Da habe ich grade leider keine Zeit für, ich baue einfach mal drauf, dass das herausgefunden zu haben, schon meine Motivation zeigt, diesen Zertifikatlosen Zustand ändern zu wollen und dass ich das dann mache, wenn die mich angestellt haben.

Related: ich kriege nur ein polizeiliches Führungszeugnis (brauche ich auch, weil Pharma), wenn die Firma mir bestätigt, dass ich das wegen denen brauche. Kompliziert. Würde aber eh auch zwei Wochen dauern, ist also zu spät, tjanun.

Auch related: mein Chef hat mir einen sehr schönen Empfehlungsbrief verfasst – und sich voll einen abgebrochen auf Norwegisch. Ich bin nämlich seit 13 (!!!) Jahren die erste, die mal wieder einen auf Norwegisch haben wollte.

Versucht, meine Ex-Chefs zu erreichen, meine einzigen potentiellen außeruniversitären Referenzen, Juchhe. Keinen erreicht, aber es ist ja auch ein Tag nach dem Feiertag, fiel mir dann ein. (Ich hab sogar im Labor angerufen, die Telefonnummer kommt bei mir auch nach wie vor direkt aus dem Rückenmark, aber auch da ging keiner ran. Arbeitet da keiner? Tztztz. Morgen dann neuer Versuch, und dann rufe ich auch die Sekretärin und im Technikum und zur Not auch noch im Reinraum an, kann ja nicht sein, dass da NIEMAND arbeitet!)

Morgen gehen wir mit der Arbeitsgruppe essen, und ich weiß nicht wieso. Eventuell wurde ich auch nur eingeladen, weil ich zufällig dabei stand, als der Chef die Core Facility (Chef leitet die und die meisten meiner direkten Kollegen arbeiten da) einlud.

Übermorgen dann eine Disputation, über, tadaaa, das bitch-Protein. Die Kandidatin ist im 9. Monat schwanger und wird nach der Defense auf ihr Nord-Trønderskes Dorf zurück ziehen und da mit ihrem Mann den Bauernhof versorgen und nach der Babyzeit dann Lehrerin werden. Ist halt auch ein Lebensentwurf von unzähligen möglichen.

Trøtt og lei (müde und es leid) galore. Mag nicht mehr Labor machen. Horde Zellkulturen (zur Zeit: 17, in 4 verschiedenen Medien) und werde vermutlich am Wochenende und Anfang nächster Woche wie bekloppt meine letzten (Zell-)Versuche durchkloppen. Die Westerns habe ich wegdelegiert (höhö, hallo Führungserfahrung), fehlen noch Lokalisierungen, also Mikroskopzeug, das kann ich ja jetzt. Plus halt das Nukleinsäure-Gedöns aus den ca. 50 Pellets isolieren, die ich nach den Zellversuchen haben werde. Dabei auch noch ne Studentin (Führung!) anleiten, damit die dann die 108 (!!!) Pellets für einen Kollaborator (Teamarbeit! Interdisziplinäres Trallafitti!) bearbeiten kann, weil, hahaha, wann soll ich das denn machen?

Wie immer alle gucken, wenn ich sage: ich schreibe dann das dritte Manuskript über irgendwas, was eben bei den Versuchen rauskommt, ich habe dafür ca. 3 Wochen. Als wäre das ein komplett hirnrissiger Plan. Äh. Ich stelle mir das eher so vor, wie einen (sehr viel besser belegten und anders geschriebenen und überhaupt ganz anderen) Praktikumsbericht.

Weil ich ja einfach das da rein klatschen werde, was da ist an Ergebnissen. Das wird schon irgendwas sein, und selbst wenn ich bei 4 Proteinen in 3 Nukleinsäurespezies gar keine Unterschiede sehe (Spoiler: hahaha. Mindestens bei 3 Proteinen sehe ich sehr große Unterschiede, das weiß ich schon, weil ich das schon drölfzig mal gemacht habe) ist das immernoch ein Ergebnis: die Einzelkomponenten des Komplexes haben halt keinen Einfluss auf die Prozessierung von chemisch eingebrachten Nukleinsäuremodifikationen. Zackbumm. Nicht schön, muss es aber ja auch nicht sein.

Am Ende des Tunnels ist mindestens ne Kerze.