Tag 708 – Die Sache mit dem Gin. 

Einstmals, ich lebte in einer 9er-WG, nachdem das mit meinem Ex und dem Zusammenleben so toll geklappt hatte, dass er dann eben mein Ex wurde. Die WG-Zeit war eine tolle, der ich manchmal noch ein bisschen hinterherheule, unter anderem, weil man mit so vielen Leuten in wirklich engen Kontakt kam, die man sonst kaum getroffen hätte. Das war manchmal anstrengend („Wessen Topf ist das hier? Von Hubi? Aber der ist seit ner Woche im Urlaub…?“), manchmal skurril (eine Mitbewohnerin hatte Kinder-Rheuma und kochte sich einmal pro Woche so einen Sud aus irgendwelchen Chinesischen Heilpilzen, das stank total abartig, aber sie schwor drauf), oft aber lehrreich. Ich lernte zum Beispiel da erst richtig kochen. Vor allem vegetarisch kochen. Ich lernte, dass auch Soziolog*Innen/Psycholog*Innen/Fotodesigner*Innen/Geschichtswissenschaftler*Innen/Informatiker*Innen und so weiter normale Menschen sind, die jedenfalls nicht per se irgendwie merkwürdig sind, im Einzelfall natürlich schon, aber das trifft besonders auch auf Biotechnolog*Innen zu. Die besten Parties ergaben sich – wie so oft in WGs – spontan in der Küche, wo dann jeder aus seinem Zimmer irgendwelchen Alkohol herzauberte und wir tranken und rauchten (ach ja, genau: ich lernte da auch Zigaretten drehen) und quatschten und manchmal gingen wir danach noch weg. 

An einem dieser Abende holte eine meiner Mitbewohnerinnen, ich nenne sie mal Julia, weil gefühlt 30% der Frauen meines Alters Julia heißen, ich könnte sie auch Stefanie oder Melanie nennen, aber egal, ich schweife ab, sie holte jedenfalls Gin. Billigen, aus dem Aldi, schätze ich, wir lebten ja quasi alle von BAFöG. Dazu Tonic und die partyerprobten Plastikbecher. Eis hatten wir keins. Und ich sag mal so: IGITT. Wie kann man sowas trinken? Bah. (Kurz darauf trank ich dieselbe Kombi nochmal bei der Besten Freundin und kam zu dem gleichen Schluss.)

Fast forward 10 Jahre, letzte Woche bei Little B. Sie fragt, ob ich einen Gin möchte, ich sage, wahrheisgemäß, dass ich noch nie Gin getrunken hätte, den ich gemocht hätte, aber ich hätte wohl bisher auch nur schlechten Gin getrunken. (Wenn ich nur Burbon kennen würde, wäre ich wohl auch der festen Überzeugung, ich möge keinen Whisk(e)y.) So kam ich zu einem Probierportiönchen Bielefelder Gin und fand es… sehr lecker! Pur, einfach so. (Es kam nicht zu mehr wegen… keine Ahnung, zu viel geredet und zu müde?) Aber, so sagt zumindest Little B., der Bielefelder Gin ist auch etwas speziell, und ich würde mich jetzt nicht als Gin-Kennerin bezeichnen, weil ich einmal einen lecker fand. Deshalb war ich heute von der beeindruckenden Gin-Karte bei Royal Burger dezent überfordert und bestellte mir etwas hilflos einen Gimlet. (Da ist auch Little B. dran Schuld, so als Instagram-Influencerin.) Und der war auch sehr lecker. Sehr lecker!

(Ach so, ja, genau. Wir haben heute Familie Brüllen getroffen. Und eigentlich könnten Sie einfach Frau Brüllens Beitrag nehmen und die Namen umdrehen, jedenfalls ab „Akvariet“, aus unserer Sicht war’s nämlich genauso. Inklusive „Vielleicht sind die doch doof oder die Kinder finden uns blöd“-Angst, die sich als absolut unberechtigt herausstellte. Irgendwie schade, das Pippi um halb acht dafür sorgte, dass wir doch lieber das Restaurant verließen, ich hätte gerne noch einen Gin getrunken. Pur, vielleicht mit gefriergetrocknetem Rotz mit Kernen Maracuja-Fleisch.)

Pic of the day.

Tag 702 – „Für Papa, damit der weiß, was wir gemacht haben.“

Das sind die Hochhäuser, das zweite von rechts ist der „Stift“. Unten die klitzekleinen Leute und Autos.


Rest* bei Little B., der allerbesten Gastgeberin und Fremdenführerin und Kindträgerin, die man sich vorstellen kann. 

Hui. Aber lecker. Aber: Hui!


*Update verdächtig warmes Kind: tja. Krank halt. Fieber, etwas Husten, der sich wenn dann aber fies anhört. Überaus unleidlich, wenn das Fieber grade wieder besonders fies ist. Ließ sich mehr oder weniger schlafend durch Frankfurt tragen, was mir vermutlich noch Muskelkater bescheren wird. 

Tag 700 – Internetliebe. 

Dieses Internet, es ist ganz großartig! Leider komme ich während ich mich mit Internetmenschen in echt unterhalte kaum dazu, irgendwas in dieses Internet zu schreiben. Und abends dann, ach, da will ich dann auch den Tag nicht mehr so zerreden, sondern einfach in meiner Glückseligkeitsstimmung einschlafen. 

Aber das ist eigentlich gar nicht leider, sondern sehr, sehr toll.

Während ihre Twitter-/Blog-Muttis Kaffee tranken und tratschten und kurz mal aufs Handy schauten, mussten sich die Kinder so beschäftigen. Mit Lesen.


P.S.: die tollsten Bilder kann ich Ihnen leider nicht zeigen, weil so viele Kinder drauf sind, die nicht meine sind. Stellen Sie sich einfach folgendes vor:

  • Viele Nutellaverschmierte, glückliche Kindergesichter
  • Sonnenblumen
  • Ein Lastenfahrrad mit vielen Kindern drin
  • Viele sehr dreckige Spielplatzkinder
  • Viele schlafende Autokinder

Tag 699 – Alles ganz wunderbar.

Also, falls Sie mal vor der Frage stehen, ob Sie mal ein paar Hundert Kilometer durch die Gegend fliegen wollen, noch dazu mit Kindern im Schlepptau, um Leute zu treffen, die Sie noch nie zuvor in echt getroffen haben und nur aus diesem Internet kennen: machen Sie das mal ruhig. Es könnte ganz wunderbar werden, die Kinder könnten ein Herz und eine Seele mit den besuchten Kindern sein, vielleicht gehen Sie sogar bei Affenhitze in ein Strand-Fluss-Freibad und sehen das große Kind für die Dauer des Aufenthalts fast nie mehr und das kleine Kind ist so unglaublich niedlich, dass Sie’s die ganze Zeit knutschen wollen. Vielleicht stecken Sie abends dann die vier Sonnencreme- und Sandpanierten Kinder alle in die Wanne, wo die eine Überschwemmung anrichten und nur mit geballter Niedlichkeit damit durchkommen. Vielleicht gibt es danach Nudeln für alle mit Soße für Manche und Sekt für Die Auserwählten. Vielleicht sitzen Sie, wenn Sie es geschafft haben, die müden Kinder ins Bett zu verfrachten, abends noch lange auf dem Balkon, trinken Sekt und reden mit der „Internetbekanntschaft“ so wie das, was Sie eben sind: Freunde, die sich zu selten sehen. 

Tag 365 – Ein Jahr!

Prööööt! Der Rabensalat hat tatsächlich Geburtstag und das eigentlich sogar schon gestern, aber der erste Post war unnummeriert und deshalb passt das schon! Ich kann zählen, Juhuuu!

Ein Jahr Bloggerei, jeden Tag. Hammer. Obwohl ich ehrlich gesagt ja schon ein Typ bin, der Sachen einfach durchzieht, wenn sie vorgenommen sind, egal als wie scheiße sie sich zwischendurch herausstellen: allerallermeistens hat es Spaß gemacht. Allerallerallermeistens. Sogar viel. Hier hab ich ein Medium, dem ich mich mitteilen kann, das mich zuallererst mal nicht auslacht für den wirren Kram, der mitunter meinem Hirn entspringt. Dann hab ich jetzt auch ein online-Gedächtnis, das ist manchmal ganz praktisch und ich bin sicher, in ein paar Jahren wird es noch praktischer sein, die eigenen Erinnerungen quasi googeln zu können (wobei das auch ziemlich gruselig ist, wenn man so genauer drüber nachdenkt…). Und was mich ehrlich am meisten überrascht: hier sind total viele nette Leute. Also hier, auf dem Blog, Menschen die nur lesen, Menschen, die auch mal kommentieren, Menschen, bei denen man auch selber liest (das wird total weird sich irgendwann mal im richtigen Leben gegenüber zu stehen!) und irgendwie kennt man sich ein bisschen, obwohl man sich noch nie getroffen hat. Ich mag das sehr. 

Auch bei Twitter habe ich mir inzwischen eine bunte Timeline zusammengebastelt und unheimlich nette Leute in 140-Zeichen-Häppchen kennengelernt. Manchmal wenn dann große Twitterer- oder Bloggertreffen sind, ärgere ich mich, so weit weg zu sein. Und dann fällt mir wieder ein, dass ich ja Westfale bin und bei zu vielen fremden Leuten um mich rum schweigsam in mein Bier starre. Aber schon allein mal persönlich Leuten danken: für Kindersitze in Wien, für Rat bei Hautproblemen, für Beruhigung bei „Hilfe, mein Baby hat da was am Zahnfleisch!“ – das würde ich gerne mal persönlich machen. 

Insgesamt hier also große Blogbegeisterung nach dem ersten Jahr. Doch. Das mache ich noch eine Weile weiter. 

Darauf ein Gläschen Weißweinschorle bei sommerlichen 6 Grad und Regen hier und dann bestelle ich mir das erste Jahr ausgedruckt als Buch. Weil ich das eine total tolle Idee finde, die ich Frau Brüllen abgeschaut hab (Ehre wem Ehre gebührt und 12 Jahre! Respekt.) 

In diesem Sinne Prost und bis morgen –

Ihre Frau Rabe