Tag 992 – På kloss hold.

Wahnsinnig witzig, die Lego-Fans, ne? Quasi „On Klotz hold“. Das „Haarmonie“ der norwegischen Legobauer. Haha.

So, genug gelästert, es war wirklich toll. Ich lasse Bilder sprechen.

Hier hat jemand sein norwegisches Heimatdorf nachgebaut. Mit unglaublicher Liebe zum Detail. Und so bunt! Oh, und auf dem Schild steht, alles bis auf die Kirche wird nach der Ausstellung abgerissen.

Der Frozen-Palast. Dieses Ding ist RIESIG.

Das größte Lego-Riesenrad der Welt. Maßstabsgetreu zum größten echten Riesenrad der Welt.

Ich stehe ja auf Drachen.

Die Frauenkirche. Auf der anderen Seite (ohne Bild) auch die Orgel.

Straßenzüge sind da fast schon langweilig.

Kirschblüten! (Hier ist ja immernoch alles kahl. Und Kirschbäume gibt’s eh nicht.)

Auch wirklich beeindruckend: eine Ritterburg. Hier von der einen Seite…

… und von der anderen.

https://rabensalat.files.wordpress.com/2018/04/img_9249.mov

Und dann gabs noch ein monströses „Great Ball Contraption“-Gebilde, da hätte ich alleine drei Stunden zugucken können und jetzt will ich ganz viel Lego Technik haben, sofort.

Anmerkung: alle diese Gebilde sind eigene Bauwerke, kein Set, keine Anleitung. Manche sind geklebt, manche nicht.

Dochdoch, es war sehr schön, wirklich, und eine sehr willkommene Abwechslung zu all den Guidelines, die sich ja nach ein paar Stunden auch alle irgendwie gleich anhören.

Tag 991 – Ist die schon wieder warm?!?

Wissen Sie noch, letztes Mal, als ich so gar keine Zeit zu verschenken hatte und wir ewig im Krankenhaus herumsaßen, weil Pippi Fieber hatte?

Heute waren wir bei einer Lego-Ausstellung, das war echt cool (trotz „waaahhhh, ich hab doch keine Zeit!“) aber den Bericht muss ich auf morgen verschieben, denn schon da dachte ich, dass Pippi irgendwie warm sei. Und nölig. Hmm. Die letzte PFAPA-Episode ist nicht mal zwei Wochen her. Also nicht zwei Wochen *zwischen* den Episoden, sondern zwei Wochen zwischen den Anfängen der Episoden, die dann drei bis vier Tage andauern. Und Herr Rabe teilt diesen „Kind warm“-Eindruck. Leider.

[Zurückspulen zu letztem Donnerstag.] Wir waren endlich beim HNO. Der HNO war leider mitteldoof, denn er schien erstens keine rechte Ahnung von PFAPA zu haben, zweitens möchte er die Mandeln nur herausnehmen (lassen), wenn sie unter den Episoden wirklich entzündet sind (sind sie nicht, ist normal bei PFAPA, das sich nun mal dadurch auszeichnet, dass *keine* Entzündungsursache gefunden wird), das möchte er nicht weil er drittens mir ordentlich Angst vor tödlichen Komplikationen der OP machen musste und viertens empfahl er mir Homöopathie, die habe ja bei seinem Sohn total gut geholfen. (Anmerkung: Homöopathie ist bei mir ein No-Go und Ärzte, die ernsthaft Hokuspokus-Voodoo-Schamanentänze und/oder Zuckerkügelchen mit verständnisvoller Beratung als Behandlungsoption ansehen, kann ich leider auf professioneller Ebene nicht mehr ernst nehmen. Gilt auch und noch mehr für Blogleser*Innen.) Dann gab er mir seine Nummer, damit wir „in vier bis sechs Wochen“ (naaa, hat da wer nicht ernst genommen, dass es zwei bis drei Wochen sind?) bei der nächsten Episode vorbei kommen können, dann checkt er, ob die Mandeln entzündet sind. Was sie nicht sind. Dann wärs nämlich kein PFAPA. Gnaaahhh.

Also verbrachte ich den Abend statt mit „Unter welchen Umständen kann ich eine Orphan Drug anmelden?“ auf Pubmed. Behandlungsoptionen, OP-Methoden, spontane Remissionen… Läuft echt mal wieder wie am Schnürchen hier.

Mail an Herrn Rabe, denn ich habe leider keine Zeit.

Tag 989 – Scheiß-drauf-Tag.

Was mir heute alles mit zunehmender Uhrzeit egal war:

  • Sportprogramm
  • Lernprogramm
  • Wochen-Latsch-Challenge
  • Rohe-Eier-Sprache
  • Wer wen mag (inklusive mir)*
  • Wer was von mir erwartet

Was daran beteiligt war, dass mir das egal war (chronologisch geordnet):

  • Freundinnen, bei denen ich mich unreflektiert ausgekotzt habe (sorry dafür und auch Danke für das Ventil)
  • Der komplette Frühlingsputz bei Twitter
  • Achtung, viel Information, bitte nächsten Punkt überspringen wenn zu viel:
  • Sex
  • Jetzt weiterlesen
  • Eine nicht mehr genau zu definierende Anzahl Gläser Wein und hitzige, aber freundschaftliche Diskussionen über Feminismus und das Patriarchat (ja, das geht, mit einem Mann, der sich nicht als Feminist bezeichnet, es ist ja quasi nicht zu fassen) unter Freunden

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Auto-Lobhudelei: Siehe *

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Tag 988 – Heul doch!

Ich sitze im Auto und will gerade losfahren, da höre ich ohrenbetäubendes Gebrüll. Sechs oder sieben Jungs brüllen da durcheinander, schubsen sich herum, ich denke unwillkürlich „Oha, Schlägerei?“ und halte nach der Pausenaufsicht Ausschau. Aber da ist keine.

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„Sie standen Schlange, vier Jungs, und schlugen und bespuckten ihn der Reihe nach.“ Das erzählt mir meine Freundin M., da ist ihr Sohn H., der beste Freund von Michel, grad ein paar Wochen an der Schule. Er ist grade mal fünf, die vier Jungs fünf oder sechs. Auch das passiert in der Pause, auch hier sieht es eine andere Mutter und keine Lehrkraft.

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Die Traube aus Jungs ist ein Stück zur Seite gewandert und steht jetzt an der Wand. Drei der Jungs sind besonders aggressiv. Ein Junge steht mit dem Rücken zur Wand, die drei aggressiven Jungs und zwei, die die Lücken schließen, stehen um ihn rum. Alle schreien, bis auf den Jungen an der Wand. Er ist nicht wirklich kleiner oder schmächtiger als die anderen, aber er scheint immer mehr zu schrumpfen. Die Jungs drängen ihn jetzt richtig an die Wand, schubsen seine Schultern, einer schreit aus 20 cm Entfernung in sein Ohr, ein zweiter brüllt ihm direkt ins Gesicht. Sie sind furchtbar aggressiv, ich denke die ganze Zeit „Gleich haut einer von denen zu!“. Sie rupfen an ihm herum und es ist wahnsinnig laut, hier, im Auto, zehn Meter entfernt. Ich sitze da wie erstarrt.

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Ich bin 14 oder 15. Kunstunterricht. Seit Wochen geht mir Christoph (nennen wir ihn mal so, könnte auch Phillip oder Stefan heißen, völlig Wurscht) auf die Nerven. „Hässliche Fotze!“, oder „Schlampe!“ höre ich täglich, immer so, dass es kein Lehrer, aber zwei, drei von Christophs Kumpeln hören. „R. HAT SCHEIDENPILZ! HAHAHAHA!“ schallte es auch schon mal quer über den Schulhof. Was sicher weniger weh getan hätte, wenn es frei erfunden gewesen wäre, aber mein sauberer Freund bis dahin Sexualpartner hatte seine Fresse nicht halten können. Jedenfalls ist jetzt Kunstunterricht. Wir machen Linoldruck. Ich hasse Kunstunterricht eh, bin zu perfektionistisch und zu unkreativ. Christoph und ich werden in den Nebenraum geschickt, die Walzen fürs Drucken holen. Ich recke mich nach oben um eine Walze aus dem Regal zu ziehen, da reißt Christoph die Walze aus dem Regal, sie fällt mir auf den Fuß, es tut höllisch weh. „Heb das auf!“ sagt Christoph, eiskalt „Ich hau dir sonst auf die Fresse, nachher in der Pause.“ Ich schlucke einen Klops Tränen herunter und hebe die Rolle auf. „Hahaha, R. hat sich die Walze auf den Fuß geschmissen!“ grölt Christoph, während er wieder in die Klasse geht.

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Ich bin 7. Vor einigen Wochen ist mein Vater gestorben. Es ist Schulsport. Völkerball. Ich werde getroffen, an den Kopf. Der Schmerz ist schlimm, aber schlimmer ist die Erniedrigung, denn Phillip, der mich abgeworfen hat, ruft „Haha, heul doch! Heul doch!“. Und ich heule. Wie ein Baby. Ich renne in die Umkleide, der Lehrer kommt nicht, irgendwann kommen meine Klassenkameradinnen, ich heule immer weiter, alle gehen raus, ich irgendwann auch, nächste Stunde, Schule ist wichtig. Draußen steht die halbe Klasse, ich heule immer noch. „Heul doch, Heul doch!“ skandieren die anderen Kinder, während ich völlig aufgelöst in unser Klassenzimmer laufe. Nach drei, vier solchen Situationen nehme ich mir vor, nie mehr in der Öffentlichkeit zu heulen.

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Der Junge an der Wand versucht es mit Lachen. Hahaha, alles nur ein Spiel. Schubst wie spielerisch zurück, die Jungen brüllen immernoch, er lacht, nicht herzlich, nicht höhnisch. Er unterwirft sich. Und langsam lassen die Jungs einer nach dem anderen von ihm ab. Der Ohrbrüller braucht dafür am längsten.

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Ich bin 10. recht frisch auf dem Gymnasium. Meine Noten sind nicht, wie meine Grundschullehrerin es prophezeit hatte, schlechter geworden. Sie sind noch besser geworden. „Streber!“ ist das Wort, was für Kinder wie mich reserviert ist, jedenfalls finden das ein paar der Kinder in meiner Klasse, vor allem Stefan. Stefan ist nicht so gut in der Schule. Stefan kompensiert das aber auch nicht mit Fleiß. Ich brauche nichts kompensieren, es fliegt mir einfach zu und macht mir auch noch Spaß, den ich nicht verstecke. Viel lernen tue ich nicht mal. Trotzdem „Streber!“. Meist stehe ich drüber. Heute nicht. Heute haben wir eine Mathearbeit zurückbekommen und ich habe volle Punktzahl. „Whuhuuu!“ sage ich, als ich das Heft öffne. „STREBER!“ brüllt Stefan. Ich nehme mein Mathebuch und gehe durch das Klassenzimmer zu Stefan. Und dann haue ich ihm mit dem Hardcover-Mathebuch ganz besonnen auf den Kopf. Berechtigterweise kriege ich dafür Ärger. Stefan kriegt nix, nur Mitleid für die Beule. Ab da schaue ich in zurückgegebene Arbeiten erst in der Straßenbahn nach Hause.

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Die Kunststunde ist vorbei und wir stehen auf dem Schulhof. Christoph mit seinen Kumpels, ich in einer Mädchengruppe. Christoph kommt rübergeschlendert wie in einem schlechten Teeniefilm, breitbeinig und mit einem gekünstelten Gangleaderhabitus. „Ey, was war das mit der Rolle, häh?“ fragt er. Ich sage trotzig gar nichts. „Wollteste mir die auf den Fuß schmeißen oder was? Soll ich das der Frau N. erzählen, wie du mich angegriffen hast, Fotze?“ Ich sage weiter nichts, jetzt aber weil ich dann vor Wut heulen würde. Und ich heule ja nicht in der Öffentlichkeit. „HHÄÄÄÄHHH???“ schreit mir Christoph mitten ins Gesicht. Wimmernd und mit zitternder Unterlippe renne ich in den Tischtennisraum und verstecke mich heulend unter der Tischtennisplatte, wo mich jede Menge Leute sehen können, aber vielleicht ja auch beschützen. Frau N. wird später dazu sagen, ich solle doch lieber allein irgendwo hingehen, wenn ich mich nicht gut fühle. Ich fühle mich wie der schlimmste Versager auf Erden. In der Öffentlichkeit geheult, Christoph das Feld überlassen, für mich nicht eingestanden. Christoph wird, nachdem ich endlich einer Lehrerin meine Schmach und seine Beleidigungen gestehe, für eine Woche von der Schule freigestellt, danach darf er nicht mehr mit mir reden. Und irgendwann wirds ihm tatsächlich langweilig. Ich bin immer auf der Hut. Keine Angriffsfläche bieten wird mein wichtigstes Ziel.

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Die Jungs spielen jetzt. Sie stehen eineinhalb Meter von dem Jungen entfernt, der immernoch an der Wand steht. Er guckt zu den Jungs, zu Boden, zu den Jungs, sie stehen mit dem Rücken zu ihm. Er fängt an zu weinen. Jetzt reichts. Ich steige aus dem Auto, endlich, gehe auf den Jungen zu. Er sieht mich, er weiß, was jetzt kommt, er reißt die Augen auf und dreht sich um und geht weg, betont unauffällig, fast normal. Ich verstehe ihn. Ich verstehe ihn wirklich gut, denn er wird die Konsequenzen tragen, von dem, was ich jetzt tue. Sein Leben wird noch schlimmer werden. Es wird Gespräche geben, mit den Kindern, eventuell Eltern, es wird Beschuldigungen geben und vielleicht wird, wie bei H., auch einfach gar nichts passieren. Aber wenigstens muss doch mal jemand diesen Pausenaufsichten den Marsch blasen, wieso da auf diesem Teil des Schulhofs niemand ist. Wieder anmeckern, dass da was schief läuft. Wieder anmeckern, dass an dieser Schule in allen Altersklassen übel gemobbt wird und alle so tun, als wäre nix und doch alles fein, wenn immer alle Kinder alle anderen Kinder zum Geburtstag einladen müssen. Es kotzt mich so an. Ich gehe zur Pausenaufsicht, erkläre, was ich gesehen habe, zeige mit dem Finger auf Kinder, Acht-, Neunjährige, Kinder. Der Junge sieht das und beeilt sich, zu den Jungs zurückzukommen, Normalität, haha, alles nur ein Spiel. Kein Verräter sein. Der Lehrer bedankt sich bei mir fürs Bescheid sagen. Ich kann leider nichts mehr sagen. Ich heule ja nicht in der Öffentlichkeit.

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H. macht jetzt Taekwondo. Er muss lernen, sich zu behaupten. Die Schläger und Spucker machen weiter.

Tag 987 – Grummelig.

Heute ein ganz starkes Gefühl von #alleirre. Ich vermute fast, es hängt mit meinem eigenen Stress (der zu 100% hausgemacht ist) zusammen. Ach was, ganz sicher tut es das. Aber meine Toleranz für jegliches „Du musst“ ist grad echt niedrig. Das gilt für „Du musst mir meinen Käse kleinschneiden!“ und für „Du musst dich über XYZ aufregen!“ genauso wie für „Du musst Irland* schön finden!“ und „Du musst Werbung im Blog haben, sonst trägt sich das ja nicht!**“ und auch „Du musst ganz doll Panik kriegen und alles löschen wegen GDPR!!!***“.

Ich atme deshalb einfach und gehe jetzt schlafen.

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*Habe einen Podcast gehört, nämlich „Anekdotisch Evident“ Folge 5, da wird sehr von Irland geschwärmt, die Landschaft, die Leute, die Landschaft, oh so schön. Ich war auch schon in Irland. Ja, die Landschaft ist wunderschön. Leider bei meinem letzten Besuch (2010) überall zerrupft von einzelnen, leerstehenden Neubauten. Aber wirklich wunderschön. So wie hier. Nur mit weniger Fjorden. Und Schafe gibt’s hier auch überall. Sogar dauernd wechselndes Wetter haben wir. Und sowas ähnliches wie Sozialismus. Und man darf hier sogar abtreiben.

**Guess what: tut es auch nicht.

***Phew. Es ist kompliziert, hmm? Also, ja, dadurch, dass hier Menschen lesen, die EU-Bürger sind betrifft auch mich GDPR****. Da hilft nämlich leider nicht, dass wir hier im Non-EU-Ausland sitzen. So. Andererseits habe ich keine extra Plugins und ein sehr Basic WordPress-Theme und WordPress sagt, dass sie die Core WordPress-Funktionen bis zum 25.5. GDPR-gerecht gestalten werden. Ich verlasse mich da ein Stückweit drauf, dass dem so sein wird. Möglicherweise, wenn ich den Verdacht haben sollte, dass das *trotzdem* nicht GDPR-konform läuft, werde ich die Kommentarfunktion komplett abstellen. Das ist dann blöd für uns alle. Oder ich lass es halt drauf ankommen, dass mich wer auf 4%***** meines spektakulären Jahresumsatzes verklagt. Zwinkersmiley.

****Auch wenn die EU ja alles Wichtige in allen 24 offiziellen EU-Sprachen herausgibt, bleibe ich bei Englisch. Weil ich’s kann (und das sonst in meinem Gehirn nur Brei wird).

*****Ja, mir ist schon klar, dass es vermutlich auch nen Mindestbetrag gibt. Aber ich hab keine Lust, nachzugucken.

Tag 986 – Alltag einer Arbeitssuchenden.

Heute ein großes Auf und Ab. Morgens noch neben Pippi auf dem Laufrad hergehachzt, zu Hause dann aber doch erstmal gelernt und nicht direkt Sport gemacht – ein Fehler, weil ich so als die Recruiterin von vorletztem Freitag anrief, grad sehr konzentriert Zeug zu Guter Herstellpraxis las. Die hatte zwar gute Neuigkeiten, denn ich darf zu einem zweiten Interview nächste Woche kommen, und außer mir darf das nur eine weitere Person, was bestimmt in einem anderen Kopf als meinem total positiv klingt, aber es ist halt nächste Woche und mein Gehirn irgendwo in allgemeinen Aspekten zur Wichtigkeit von Qualitätsmanagementsystemen verloren, deshalb sagte ich etwas unbedacht, ich sei nächste Woche leider Mittwoch verreist und käme erst Donnerstag zurück. Oh wo ich denn sei, ach, London, wie schön, hmm, aber vielleicht könnte ich ja auf dem Rückweg, wenn ich eh nen Zwischenstopp habe, und überhaupt und by the way, was ich denn da machen würde, ob ich in anderen Bewerbungsverfahren weit gekommen wäre? Tja. Jemand(TM) ist ja „too honest for her own good“ und sagte also wies ist: Dass ich in London am Auswahlverfahren für eine Stelle bei einer Behörde teilnähme, dass das alles noch sehr in den Sternen stünde und ich aber total viel grad lerne, das ich auch bei der Stelle in Oslo gut einbringen könnte und gerne würde. Nunja, und danach fühlte ich mich ziemlich mies, das ging auch durch Sport nicht weg. Einmal diplomatisch geschickt sein und die glauben lassen, sie wären die einzig wahre Stelle für mich… Hrmpf.

Ich lernte noch irgendwie weiter und dann kam die Familie zurück, als ich grad aus der Tür und Spazieren gehen wollte, das war irgendwie vom Timing her auch blöd. Immerhin kochte ich dann sehr leckeres Abendessen und alles schien halbwegs ok, bis ich (Volltrottel, echt mal!) in Michels Hörweite zu Herrn Rabe sagte: „Weißt du was mir eingefallen ist? Wenn wir zu Ende Juli die Wohnung kündigen wollen würden, müssten wir das bis nächsten Montag tun.“ Dann hatte ich einen sehr aufgelösten Fünfjährigen auf dem Schoß, der einfach nur hier wohnen bleiben will, seine Freunde behalten will, auf die Stadtteilschule gehen will. Das bricht mir je-des-mal das Herz. Immerhin konnte ich selbiges dann nach dem Kinder ins Bett bringen bei Herrn Rabe ausschütten und dann gings wieder, da kam mir tatsächlich sehr gelegen, dass ein verabredeter Telefontermin sich etwas nach hinten schob. Dieser Telefontermin war dann sehr nett und überaus hilfreich, denn ich sprach mit jemandem, die auch in einer EU-Agentur arbeitet und die fragte mich viele Dinge, die sie in dem Test vermuten würde, vieles konnte ich beantworten, einiges aber auch nicht. Überraschung, bei der EU arbeiten Menschen und die leiten Ausschüsse und sind aus Ländern und so. Menschen, mit Namen. Sollte man vielleicht wissen, wer so wo für „public health“ zuständig ist und was dieses „public health“ eigentlich umfasst. *hüstel*. Nunja, ansonsten war das aber wirklich nett, ich bin einigermaßen beruhigt und weiß, wo ich nochmal was nachlesen sollte und hoffe jetzt für die nette Gesprächspartnerin, dass die Stimmzettel ganz schnell fertig werden.

(Stillleben Lernchaos.)

Jetzt aber Bett. Vielleicht nehme ich mir noch so ne kleine Guideline mit, als Nachtlektüre. Öhöm.