Tag 938 – Hamamblabla.

Mein Tag war etwa so:

  • Alleine in der leeren Wohnung hocken und der Wand meinen Vortrag erzählen. Lief bescheiden. War viel zu lang. Ich kürzte.
  • Irgendwann losgeeist und etwas zu spät aufgebrochen zum Hamam. Natürlich hinter einem auf 45 km/h gedrosselten Hutzelauto festgeklemmt, das grad mal 40 fuhr. Mörderisch gestresst beim Hamam angekommen. Das hatte mir Herr Rabe übrigens zu Weihnachten geschenkt und ich hatte es bisher nicht geschafft, den Gutschein einzulösen. Achtsamkeit und so. Jaja.
  • Hamam. Geiler scheiß. Ich wurde von vorne bis hinten gepampert, gewaschen, gepeelt*, massiert, meine Haare wurden gewaschen und mein Gesicht bekam eine Maske, ich kriegte dauernd Obat und Wasser gereicht… Hach. Wirklich wunderbar.
  • Dann fuhr ich zurück und machte mich wieder an den Vortrag. Dieses Mal schreibe ich alles aus. Alles. Sogar „Hallo“.
  • Die Kinder kommen mit Herrn Rabe und sind unzufrieden und müde und ich muss arbeiten und Herr Rabe kocht, alles eskaliert und schon ist meine tiefenentspanntheit hin:
  • Viele, viele Bügelperlen wieder einsammeln.
  • Essen, Michel ins Bett bringen**, wieder Vortrag.
  • Jetzt. Müde. Aber mit dem Vortrag fertig, fast rechtzeitig, bevor ich morgen um 08:15 das Thema für die Probevorlesung bekomme.

___

Auto-Lobhudelei: Fertig mit Ausschreiben.

___

*Hier wahlweise „abrasives Peeling“-Geschimpfe oder „waaaas, da kriegt man irgendwelche Hautpflege einfach draufgeklatscht?!?“ vorstellen und dann verkneifen. Ich hab vermutlich 1 kg Haut dagelassen, das Peeling schien also bitter nötig gewesen zu sein.

** Der will momentan immer, dass ich ihm sein „Speziallied“ vorsinge, dass ich mir ausgedacht habe, als er ein Baby war, ich singe das aber nicht vor, wenn Herr Rabe in Hörweite ist, das ist mir irgendwie peinlich. Heute Abend ging das aber, weil Pippi noch länger zum Essen brauchte.

Tag 907 – Wäähäähää und Squiiieeeeek.

Heute lief der Tag im Prinzip gut, mit ein paar kleinen Holperern, als Pippi mit Filzstift auf den Fußboden malte und Michel das gesamte Bad flutete. Das mit dem Filzstift war extra mies, weil ich vorher noch die Filzstifte weggelegt hatte mit den Worten „Hier auf dem Fußboden wird nicht mit Filzstiften gespielt.“, dann aber aufs Klo ging und Herr Rabe holte irgendwas und in den wirklich höchstens zwei Minuten holte sich Pippi die Box, machte sie auf und bedeckte zwei gut tellergroße Stellen mit Rot. Nun. Es gab einen Anschiss und Herr Rabe schrubbte dann in Windeseile das Rot vom Laminat, erst mit Feuchttüchern und den Rest mit einem Glitzischwamm „für Teflon geeignet“ und Spüli. Ging. Das mit dem gefluteten Bad war einfach nicht aufgepasst von Michel, dadurch aber nicht weniger blöd, kurzzeitig hatten wir dann auch keine trockenen Handtücher (oder Hausschuhe oder Schlafanzüge für Pippi) mehr und Michel grummelte vor sich hin, weil auch er von mir eine Ansage bekam. Aber wer meint, groß genug fürs Wasser selbst steuern zu sein, der muss auch checken, ob die Duschtür richtig zu ist. Hat er jetzt hoffentlich gelernt.

Ich bekam dann auch noch die geballte Wut von gleich zwei Kindern ab, weil ich Ketchup auf der Pizza untersagte. So eine Barbarei fangen wir gar nicht erst an und da beide vorher ne halbe rohe Paprika gegessen hatten, sah ich auch keinen in akuter Skorbut-Gefahr. Dann war ich halt mal kurz die super fiese Mama. Ich konnte es grad noch retten, indem ich auch auf die Kinderpizza Räucherlachs legte. Puh.

Dafür meinte meine Nähmaschine nach dem Abendessen, sie hätte für heute schon genug getan. Ich hatte am frühen Nachmittag einen Pulli für Herrn Rabe fertig genäht und dachte, ich könnte heute Abend noch den für meinen Bruder zusammennähen. Aber beim Ärmel einsetzen fing irgendwas an, zum Gottserbarmen zu Quietschen und zwar in einer Frequenz, die mir Zahnschmerzen bereitet und Fledermäuse gegen die Wand klatschen lässt. Das war schier unerträglich. Da ich dann aber auch beim näheren Drübernachdenken mich nicht mehr dran erinnern konnte, wann ich das letzte Mal die Maschine gründlich* gereinigt hab und vor allem geölt hab, brach ich das Nähen erstmal ab und baute die Maschine nach Anleitung auseinander. Es ist tatsächlich schon ein bisschen länger her, dass ich das gemacht habe. Inzwischen ist es mir wieder eingefallen, es war im Sommer 2015. Hupsi. Kein Wunder, dass da was quietscht. Obwohl es alles noch gut geschmiert aussah, das muss man sagen, es war nur wirklich alles voller feiner Stofffussel. Ich saugte also alles erstmal grob mit dem Staubsauger ab, bürstete den Rest mit dem Tool, das zur Nähmaschine gehört, weg, ölte die zwei Stellen, die nach Anleitung geölt werden sollen, baute alles wieder zusammen, ließ die Maschine ca. 2 Minuten lang ohne Faden laufen (es quietschte jetzt nicht mehr, ich hoffe, es bleibt so) und dann packte ich alles auf den Schrank, weil morgen die Putzhilfe kommt. Mein Bruder wird also noch einen Tag länger auf seinen Pulli warten müssen. Schlimm.

Gebacken wird auch erst am Dienstag, weil ich heute keine Lust hatte Vorteige zu machen und die Kinder sich eh schon auf kalte Pizza in der Brotdose freuen. Ohne Ketchup.

___

*Also grob reinige ich die schon sehr viel häufiger. Aber ich baue eben eher selten die Platte ab, fummle das Unterfadengehäuse raus und mache darunter und da drum rum sauber.

Tag 678 – Zwei Herzen…

Ich war heute, obwohl ich kaum was echt geschrieben habe, halbwegs produktiv bei der Arbeit. Ich vergesse ja immer wieder die kleinen Tücken von LaTeX, aber am Ende des Arbeitstages hatte ich ein funktionierendes Dokument mit alles und scharf, also einer ansprechenden Bibliographie und einem Abkürzungsverzeichnis, das als umnummeriertes Kapitel im Inhaltsverzeichnis auftaucht. Ich glaube, ich mache für das Abkürzungsverzeichnis noch römische Seitenzahlen, weil ichs kann (und es cool ist, wenn die Einleitung dann auch mit arabisch 1 auf Seite arabisch 1 anfängt). Eine klitzekleine Herausforderung wird dann noch am Ende das Einfügen mehrseitiger PDFs (also der Artikel), Tipps dazu nehme ich gerne an. Etwaige Manuskripte werden ja in Word erstellt (ja, ich weiß, ich möchte das ehrlich gesagt auch nicht, aber Chef ist da uneinsichtig), da weiß ich noch nicht, wie ich die dann einfüge, vielleicht auch einfach als PDF vom .doc. Weil alles „nachtexen“ ist unspaßig, been there, done that. Neben der Arbeit her habe ich dann noch mit der Masterstudentin besprochen, was sie nächste Woche nach ihrem Ferienjob für spaßige Sachen für mich tun soll, unser Sequenzier-Experiment ist nämlich wieder in die Hose gegangen und liegt jetzt bis auf Weiteres auf Eis wegen akuter Unlust, noch mehr Geld zum Fenster rauszuwerfen. Dann musste ich leider ziemlich überstürzt abhauen, mein Biorhythmus ist ja eher auf nachmittägliches Arbeiten ausgelegt, deshalb werde ich in den nächsten Wochen die Kinder wohl vermehrt morgens bringen, dann kann ich nachmittags entspannter noch weiterarbeiten und muss nicht mitten im Flow aufspringen. So war ich heute dann wirklich kurz vor knapp im Kindergarten und fühlte mich sowohl wegen der Kinder, als auch wegen der abgewürgten Arbeit schlecht.

Aber: die Kinder. Wie putzig die manchmal sind. Und wie sehr die mich manchmal auf die Palme bringen*. Heute Nachmittag waren Michel und ich ein Geburtstagsgeschenk für seinen KiTa-Kumpel kaufen, der morgen sechs wird. Ich dachte , das sei eine gute Idee, wenn Michel das aussucht. Dann lernte ich etwas über mein Kind, nämlich, dass der noch entscheidungsschwacher bei sowas ist, als ich. Wir waren im großen Supermarkt, der auch eine relativ große Spielzeugabteilung hat. Erst wollte Michel die Autos angucken. Jedes. Einzeln. Ich zeigte ihm schon extra nur die, die im Preisrahmen waren, trotzdem fragte er links und rechts natürlich, ob wir nicht das nehmen könnten. Ich erklärte einigermaßen geduldig an die 150 mal, dass alles mit Fernsteuerung und alles aus Disney-Filmen (Cars) zu teuer ist, dass ich keine echt aussehenden Schießdinger kaufen werde und dass ich Star Wars noch nicht so gut finde für Kinder, die noch nicht mal zur Schule gehen. Michel war auch einig darin, dass Star Wars sehr gruselig sei (jetzt, wo ich The Force Awakens gesehen habe, frage ich mich ja schon sehr, wieso die ganzen Figuren und trallala die man so kriegt Klonkrieger sind. Nix Rae (Rea? Ray?), nix Finn. Ballum???). Aber für die verbleibenden fünf AUtos konnte er sich auch nicht so recht erwärmen. Er wollte doch noch mal beim Lego gucken. Auch da war es schwer, Sets im Kindergeburtstag-nicht allerbester Freund-Rahmen zu finden. Genau genommen gab es sieben: zwei Lego Creator (Zug und Rennauto, das hätte ich ja gut gefunden, aber was weiß ich schon), ein Lego City und vier von diesen Basic-Kits in verschiedenen Farben. Und dann gab es ganz viel Lego Friends, aber, Sie ahnen es schon, das kam Michel nicht in die Tüte wegen des ganzen Rosas, der Katzen mit den riesigen Augen, der Muffins und „weil da nur Mädchen drin sind“. Geilomat, mein Kind ist total stereotyp drauf (hier mütterliches Haareraufen vorstellen). Michel betrachtete also die sieben Sets ausgiebigst. Wog das Rennauto-Set  in der Hand. Machte HmmmmHmmmm. Und sagte dann:

„Ich glaube ein Auto ist doch besser.“

Und ging zurück zu den Spielzeugautos. Wo wir uns dann gemeinsam für ein Motorrad entschieden. 

(Dann suchten wir noch eine Karte mit Mickey Mouse drauf aus und ich sage es mal so: Vierjährigen eine Karte mitsamt Umschlag in die Hand drücken „zum Festhalten bis zur Kasse“ und denen dann den Rücken zudrehen kann bestimmt auch gut gehen. Mein Kind hat dann aber bis zum Milchregal das Kärtchen in den Umschlag gesteckt und diesen fein säuberlich zugeklebt.)

___

*gestern zum Beispiel, als das eine Kind, das nach Absprache nur dann keine Schlüpferwindel nachts anziehen muss, wenn die vorherige Nacht trocken war, seine rausgelegte Schlüpferwindel klammheimlich liegen ließ und ich erst nach dem Ins-Bett-bringen dachte „hmm? So ein knackiger, kleiner Windelpo…?“. Rübennase.

Tag 572 – Zufrieden. 

Es war ein blöder Tag. Wirklich blöd. Alles lief schief, Michel war unheimlich fordernd und nervtötend, Pippi fiel zwei mal vom Stuhl und beide male auf den Hinterkopf (nix passiert, nur Beulen und Geschrei straight outta hell), Michel hatte einen Unfall im Einkaufszentrum (und besitzt jetzt spontan neue Schlüpper), ich habe für die USA-Reise nix zum Anziehen und auch heute außer neuer Schlüpper (braucht man ja manchmal, ich kaufe dann immer drei Dreierpacks und sortiere die gleiche Anzahl aus. Mit Socken mache ich das genauso, seit ich von zu Hause auszog und ca. 400 Paar Socken und 200 Schlüpper mitnahm, weil immer neu gekauft und nie aussortiert) nix gefunden. Aber auch nur halbherzig geguckt, die diesjährige Mode ist ja mal echt so gar nicht mein Ding. Bodys zum unten zuknöpfen? Mich schauderts. Aber egal, ich schweife ab. 

Trotz der blöden Dinge bin ich nämlich im Grunde heute recht zufrieden. 

Das hat ja auch mal was. 

Tag 524 – Die lieben Kinder. 

Geschwister, unverkennbar.


Ach ja. Die Kinderchen. So niedlich. Manchmal. 

Manchmal nicht. 

Heute ist das letztere manchmal. 

Michel redet unfassbar viel und vor allem laut. Also so laut, dass wir bei der nächsten HNO-Kontrolle mal nachfragen werden, ob er wirklich wirklich WIRKLICH normal gut hört. Gefühlt sagen wir tausendmal am Tag „Du brauchst nicht so schreien!“, „Nicht so laut, bitte!“ oder, pädagogisch wertvoll wie eh und je, „BRÜLL HIER NICHT SO RUM!“. Zur Lautstärke kommt eine enervierende Redundanz des Gesagten. Es ist eigentlich immer irgendeine Forderung, die er jetzt sofort erfüllt haben will. „KANN ICH GRÜNEN APFELSAFT MIT BLUBBERWASSER? KANN MIR JEMAND GRÜNEN APFELSAFT MIT BLUBBERWASSER REINSCHINKEN? PAAAPAAAA? ICH WILL GRÜNEN APFELSAFT MIT BLUBBERWASSER!!!“ [Grün, weil die Packung grün ist. Die vom naturtrüben ist gelb.] Und wenn man dann auf das angebrüllt werden nicht sofort reagiert oder – undenkbar – man wagt es sowas zu sagen wie „Grade ist schlecht, schau mal ich wickel grad Pippi, putze mir dabei die Zähne und mit den Füßen falte ich Wäsche. Hol dir doch schon mal den Saft aus dem Kühlschrank, ich komme dann gleich.“ Dann kommt „ICH WILL NICHT HELE TIDA [die ganze Zeit] WARTEN!!! ORRRRRAAAAAAAAA!!!!!!“ und Meltdown. Entzückend. 

Heute hatten wir außerdem eine Gegessen-wird-was-auf-den-Tisch-kommt-Diskussion, bei der ich mich zeitweise fühlte wir meine eigene Oma. Aber wenn selbst Herrn Rabe, der ja sonst die Ruhe selbst ist, der Kragen platzt, weil sich Michel seit Wochen weigert, was anderes als Nudeln mit Ketchup oder Nudeln mit Kräutersalz zu essen, dann ist es eben Zeit für die Auseinandersetzung. Wir haben jetzt einen Kompromiss: wir tun nicht mehr so obereklige Dinge wie Zwiebeln und Petersilie (die hat er vorher noch roh weggeknabbert, aber Schwamm drüber) ins Essen, dafür probiert er wenigstens. Es ist dringend an der Zeit, dass sich an Michels Essgewohnheiten was ändert, schon alleine weil sich Pippi den Mist abguckt und noch viel früher in die Ich-esse-nur-nackte-Nudeln-Phase startet. Obwohl sie eigentlich noch vieles mag. 

Ja, ach ja, Pippi. Die Nervensäge. Ich vermute mal es ist wieder irgendsoein Schub, jedenfalls habe ich nicht nur nachts wieder ein Kind auf dem Gesicht liegen, nein, tagsüber habe ich immer ein nörgelndes, oder weinendes, oder hysterisch schreiendes Kind am Bein. Sie versucht dann an mir hochzuklettern, sobald ich versuche, mich zu bewegen lässt sie sich theatralisch auf den Boden plumpsen und weint, als hätte ich ihr gerade Den Einen Ring weggenommen und ins Feuer geschmissen. (Manchmal schaffe ich es, sie von mir loszueisen, dann klebt sie halt an Herrn Rabe. Hauptsache sie klebt.) Dazu natürlich alterstypische Dickköpfigkeit, bei einem eh schon willensstarken Kind ist das, ähhh, herausfordernd. Und absolutes Unverständnis für Dinge wie „Guck mal, die ganz scharfen Küchenmesser, die sind echt nur für Große, wir hängen das jetzt hier wieder hin.“. Meltdown. Auch das: entzückend. Ganz und gar reizend. 

Hach ja. Und dann liegen die nachts in meinem Bett, und schnarchen mir ins Ohr und schieben ihre Füße zwischen meine Beine und das ist alles vergessen. Dann ist da nur Hachseufz. (Bis zum nächsten Morgen, wenn es wieder heißt „ICH WILL GRÜNEN APFELSAFT…“) 

<3