Tag 1510 – Schwups!

Wochenende rum.

Wo ist es hin?

Hier gibt’s auch wenig zu berichten. Ich bin wegen der Schulter-Nacken-Sache zunehmend ungehalten, dieser halbwrack-Zustand geht mir unsäglich auf die Nerven. Permanent teils üble Schmerzen, die sich nur unter Dauermedikation (meh) oder täglichem Sport von mindestens einer Stunde (meh) unter Kontrolle halten lassen. Ich weiß nicht, wo ich die Extra-Stunde grad hernehmen soll, ich muss wohl einen Antrag auf Tagesverlängerung stellen.

Michel hatte wieder Besuch von dem nun Drittklässler, der ihn vor den Ferien auch schon dazu verleitet hat, mit dem Fahrrad deutlich aus dem für uns komfortablen Bereich rauszufahren. Sie haben Pippi gemein erschreckt, das fand ich schon nicht so cool, aber vor allem haben sie innerhalb einer Stunde das Kinderzimmer quasi völlig verwüstet und nun ist Michels Treppenspirale hinüber. Das ist alles nicht ungewöhnlich für Jungs in dem Alter, das ist mir schon klar, aber es ist ungewöhnlich für Michel. Das nächste Mal, wenn der vor der Tür steht, muss ich wohl mal ein paar Worte gänzlich unnorwegischen Klartext reden.

Mit Michel hatten wir abends direkt mal wieder ein „was Freunde machen [mit aufräumen] und was nicht [Dinge kaputt]“ Gespräch. Er war sehr geknickt, das war gar nicht meine Absicht.

Seufz.

(Ich wünsche ihm so sehr Freunde. Aber ich wünsche ihm vor allem welche, für die er sich nicht in komische Richtungen verbiegt, die gar nicht zu ihm passen.)

Tag 1507 – Von allem was.

Heute morgen wollte ich gern Pippi an der Bushaltestelle aussetzen, auf dass sie sich selber zum Kindergarten brächte. Haben wir natürlich nicht gemacht, aber der Wunsch war da. Nach schlechten Nächten, weil Kinder auf mir lagen, habe ich morgens für Geschrei ebendieser Kinder noch weniger Nerven als sonst.

Arbeit ein einziger wilder Ritt. Report Hersteller A durchgehen, drucken, stempeln, unterschreiben, schicken. Programm Hersteller B entwerfen, schicken. Kollegin an entworfene Ankündigung Hersteller C erinnern, nach Genehmigung schicken. Vorbereitung für Hersteller D ausdrucken und abheften für die Kollegin. Drei Anfragen zu vollständig unterschiedlichen Dingen aufgehalst bekommen, eine mit den beiden Kollegen sofort wegarbeiten aber dafür plötzlich in einem spontanen Telefonmeeting hängen. Eine soll bis Montag beantwortet sein, eine asap. Von allen habe ich eigentlich gar nicht mal so viel Ahnung, aber „da kannst du was lernen!“, ja super. Zwischendurch eine kleine Not-Unterweisung in Rezeptkontrolle, Expedierung, Pharmazeut*Innenkontrolle und allem was sonst so in Apotheken vor sich geht erhalten, aus Gründen. Ich weiß jetzt, was der Unterschied zwischen einem Rezept und einer Requisition ist, was Reiteration ist, dass man Rezepte und Requisitionen hier noch offiziell per Fax schicken darf aber nicht per Mail und lauter andere lustige Sachen. Das alles zur Vorbereitung auf Hersteller D, nächste Woche. Morgen im Homeoffice werd ich jedenfalls gut rotieren, denke ich. Report Hersteller E und den Rest der Vorbereitung auf Hersteller D stehen an plus halt diese zwei „super dringend, supi, Frau Rabe macht das, die braucht für jede Mail eh schon ne Stunde“-Anfragen. Koselig!

Weiterhin: festgezurrt, dass wir Michels Geburtstag mit einem seiner Kumpels in der Turnhalle der Schule feiern und die ganze Klasse einladen – sonst kriegt man ja die Turnhalle nicht. Wünschen Sie mir Glück und Nerven aus Stahl.

Tag 1502 – Bestimmt langweilig, aber…

… heute ist halt nicht so viel passiert. Wir waren in Jessheim, neue Jogginghosen und Leggins für die momentan wie Unkraut wachsenden Kinder kaufen (Pippi hat Hosengröße 110. HUNDERTZEHN!!!), das war wegen mangelnder Compliance seitens Pippi überaus anstrengend. So sehr, dass ich danach, als das Brot im Ofen und Herr Rabe und die Kinder Pizzateig kaufen waren beim „nur kurz in Ruhe auf dem Sofa sitzen“ sofort eingeschlafen bin. Danach tat aber meine Schulter noch mehr weh als eh schon und ich sah mich quasi gezwungen, einen schnellen Spaziergang zu machen. Danach tat es etwas weniger weh und die Pizza war fast fertig in der Mache. Grünkohl auf Pizza ist sehr lecker. Grünkohl ist eigentlich immer lecker.

Um wenigstens das Gefühl zu haben, was geschafft zu haben, habe ich dann abends meine 3 identischen Hosen und 5 Blusen, davon 3 im identischen Schnitt, gebügelt. Morgen früh packe ich dann für den (tatsächlich) hohen Norden. Bügeln ist weiterhin nicht mein Freund, aber solange ich keine Reinigung finde, die das zu einem vertretbaren Preis macht, muss ich damit wohl ab und an leben. (Disclaimer, Hinweis, das übliche: wenn Sie total gerne bügeln oder auch aus Prinzip gar nicht bügeln oder aus diversen Gründen seit 1997 Reinigungen boykottieren, ist das schön für Sie (oder auch nicht, kommt jetzt auf die Gründe für den Boykott an), hilft mir aber beim Bügeln nicht. Ich möchte gebügelte Chinos und Blusen anziehen.)

Tag 1484 – Gepuzzel.

Follow-up Schulter und Daumen. Ich habe heute meine tatsächliche Hausärztin kennen gelernt, die war jetzt ein Jahr in Elternzeit. Mein Stoffwechsel ist grad ok, das ist das Gute, die Ärztin ist auch nett, das ist auch gut, die Ärztin war auch nicht so alarmiert, dass bildgebendes Tralala angeleiert wird, das ist wohl auch gut. Dafür habe ich jetzt eine Packung von dem Zeug, was auch in der wohlriechenden Salbe ist, in Tablettenform zur Behandlung von innen und obendrein Physiotherapie gewonnen. Ich wurde sehr gelobt für mein Training und meine Gesamtfitness, ich soll aber erst mal die Arme generell nicht über Schulterhöhe und nicht unter Belastung vor dem Körper heben. Das muss eben die Physiotherapie richten. Das wird unter Umständen ganz schön teuer aber vor allem wird es ein lustiges Gebastel, das in meinen Terminkalender einzubauen. Also, wenn ich dann mal nen Termin hab, denn die Physiotherapeuten, die ich nicht komplett selbst bezahlen muss, haben wohl ganz ordentliche Wartelisten. (Aber ist es mir das wert, sofort einen Termin zu kriegen, dafür aber das Dreifache für jeden Termin zu zahlen? Hahaha, nein.) Aber egal, Hauptsache es hilft.

Und wenn der Daumen irgendwie anders wird, egal wie, soll ich sofort wieder kommen, das ist ja halbwegs erfreulich. Vor allem finde ich überaus sympathisch, dass die Ärztin da geradeheraus sagt: ich weiß nicht, was das ist, es kommt mir komisch vor und ich höre mich mal ein bisschen um, ich melde mich wenn ich ne Idee hab.

(Hoffentlich hat sie keine Idee, die dann wieder weitere drülfzig Termine nach sich zieht.)

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Ansonsten heute traurig. Das schöne Wochenende ist halt vorbei. So schön es war, hab ich aber auch zu wenig geschlafen und eventuell will mein Körper nach nur drei Wochen schon wieder einen Zyklus beenden, das schlägt alles auf die Laune.

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Michel hat Sportzeug vom Sport-Hort bekommen. Hier ist jemand sehr sehr stolz und jemand anderes ist sehr verwundert, wie groß ihre Kinder plötzlich beide geworden sind. Hammer.

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Pippi hat heute meine Zugangskarte von der Arbeit „vorgelesen“. Da steht drauf: „MAMA GEHT ZUR ARBEIT“. Nämlich. (Die kleine Zwergmaus kann ein astreines gekratztes R. Nämlich am Anfang meines Vornamens. Aber auch nur da. Faszinierend.)

Tag 1452 – Einhornkacke.

Rote Beete zum Abendessen führt bei uns zu Gesprächen, die sind… naja, sehen Sie selbst:

Ich: „… man kriegt davon rotes Pipi.“

Pippi: „Meine Kacke ist auch rosa!“

Ich: „Ja. Und riecht nach Einhorn.“*

Michel: „Es gibt keine Einhörner! … Und rosa Kacke auch nicht.“

Pippi: „Wir können die anmalen! Da müssen wir nur den Pinsel gut auswaschen.“

Halten wir fest: eins meiner Kinder ist sehr direkt und ein wenig klugscheißerisch veranlagt, das andere ist sehr kreativ und reinlich. Beruhigend.

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*Jaja, Kinder verstehen keine Ironie. Deshalb trainieren wir sie ja auch unermüdlich darin.

Tag 1450 – Erpressung.

Wir haben ein Video von Michel, das haben wir geloopt und jetzt können wir ihn damit erpressen, wenn er nicht gehorcht, machen wir ein gif aus ihm. So.

Es ist sehr schön, wenn man Kinder hat, die gern albern tanzen. Zum Beispiel Michel in der Küche oder auch Pippi nackt im Schwimmbad vorm bodentiefen Spiegel in der Umkleide – sehr zur Belustigung aller anwesenden Damen.

Schwimmbadtest Nes Svømmehall – ok. Klein, aber ein nettes Plansch- und Spielbecken, ein Kleinkindbecken und eine Rutsche und erfreulich wenig Chlor. Keine roten Augen! Und ordentlich Salz auf den Pommes, wie es sich gehört.

Pippi wollte im Schwimmbad unbedingt noch ein Eis. Wir vertrösteten sie auf zu Hause, weil Herr Rabe dringend nach Hause musste um einen Call anzunehmen („Urlaub“). Großes Geheul: „Aber ich schlafe ja im Auto ein!“ Es ging erst, als wir versprachen, sie zu Hause aufzuwecken, damit sie das Eis nicht verpasst. Dieses Kind, ey. Zu Hause wollte ich sie aufs Sofa legen, da klappte sie die Augen auf: „Kann ich Eis?“ Dieses Kind, ey!

(Kurz über die Umweltbilanz von so Blödsinn wie Hallenbädern nachgedacht. Gedanken ganz schnell ganz weit weggeschoben. Twitter deshalb auch kaum benutzbar für mich zur Zeit. Alles zu viel, zu bedrohlich, zu ausweglos, zu lähmend. Ich weiß, lalala wird uns nicht weiterbringen, aber, lähmend, usw. Kann nicht mal drüber nachdenken, dann möchte ich die Zeit zurückdrehen, niemals Kinder bekommen haben, das alles nicht sehen müssen, nicht sein. Hilft keinem, also lalala.)

Tag 1406 – Swuuusch.

Die letzten zwei Wochen Probezeit sind angebrochen, wo ist denn das letzte halbe Jahr hin bitte? Wie wahrscheinlich bei allen ist bei uns auch vor den Ferien die Geschäftigkeit groß, alles muss noch Ferien-fertig werden. Hier noch ein paar Altlasten abschließen, da noch was wegarchivieren, diese Zulassung noch rausschicken und jenes Zertifikat. Die nächsten Tage werden einigermaßen vollgepfropft, dann noch Montag und Dienstag nächste Woche eine letzte Inspektion, Sommerfest, Kollegenabschied, dies, das und dann: Urlaub. Ein echter, verdienter Urlaub. Verdient aber unbezahlt aber Tjanun. Nächstes Jahr dann auch bezahlt. Dieses Jahr müssen halt die Überstunden dafür herhalten, das ist schon in Ordnung.

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Michel und ich waren heute bei den Zweitklässlereltern. Das war drei Leuten sehr unangenehm: Michel, mir und dem Vater, der die Tür öffnete. Seltsame Situation, mitten in Norwegen geht man nicht einfach zu Leuten und sagt „hallo, ich wollte mal mein Gesicht zeigen und hallo sagen und dass der Tankstellenausflug gar kein Problem gewesen wäre, wenn die Jungs uns Bescheid gesagt hätten“. Es stellte sich heraus, dass auch der Zweitklässler nicht bis zur Tankstelle darf. Hups.

Den Rückweg (auf dem Hinweg war Michel mit Nörgeln beschäftigt, dass er da nicht hin will und auf gar keinen Fall irgendwas sagen wird und das überhaupt total doof ist alles) haben wir dann genutzt um ein paar Begriffe zu klären, nämlich „peinlich“ und „unangenehm“. Wie putzig mein Kind ist, es weiß nicht, was das Wort „peinlich“ bedeutet. Und erklären sie das mal, das ist gar nicht so einfach. Ich habe ihm erklärt, dass die Situation grad für mich auch unangenehm war, weil ich die ja nicht kenne und nicht weiß, wie die reagieren, aber dass mir das nicht peinlich war. Es aber ok und verständlich ist, wenn ihm das peinlich war. Dann haben wir Regeln festgelegt, zusammen. Michel darf bis zur Unterführung und nicht weiter, ohne Bescheid zu sagen. Wenn wir ihn irgendwo vermuten, er aber für länger woanders hingeht (anderer Kumpel, Spielplatz, whatever), sagt er auch Bescheid. Nicht-Befolgung führt zu Suspendierung eben dieser Privilegien.

Puh. Jetzt muss ich nur noch für ein autofreies Eidsvoll von hier bis zur Unterführung sorgen, dann kann ich wieder ausatmen.