Tag 2123 – Sauer.

Pippi klaut mir ständig meine Sachen, Lippenstifte, Schminke, Kämme, sogar Kontaktlinsen und jetzt sind inzwischen alle meine Lippenpflegeprodukte verschwunden. Vermutlich tauchen Teile davon unter ihrem Kissen wieder auf, und die hat dann wieder ihre Freundin da hin gelegt, die nachts nämlich über den Balkon und das Fenster rein kommt und sowas macht und ich kann gar nicht sagen, wie sehr mich das aufregt. Sehr.

(Keine Tipps, die nicht darauf hinaus laufen, sie bei Gelegenheit tief im Wald zu „vergessen“. Danke.)

Tag 2076 – Bad Rothenfelde.

Heute:

– Alles brennt. Schulen und Kindergärten in unserem Kaff auf rotem Niveau, Alarm, Alarm, Krise*. Michel geht morgen nicht zur Schule, er hat Halsschmerzen und er und Herr Rabe gehen nachmittags zum Coronatest.

– Ich hab mir, ein Jahr into Pandemie und so late to the Party, dass alle schon nach Hause gegangen sind, ein RingFit gekauft. Jetzt also Training mit Gamification. Zuerst hat Michel exzessiv gespielt und es als „bestes Spiel EVER!“ bezeichnet, bis er Blasen und Muskelkater hatte. Dann durfte ich auch mal und es macht schon Spaß, muss ich sagen.

– Michels noch fehlender Schneidezahn guckt endlich raus. Ich hatte schon ernsthaft befürchtet, dass da keiner kommt. Aber doch, eindeutig ein Zahn.

– Pippi vergesse ich demnächst an der Tankstelle Ladesäule. Vorschulphase ist Scheißphase. Wo Michel eher wütend war, ist Pippi weinerlich. Wegen jedem Scheiß wird hier hundertmal am Tag losgeheult, als würden wir vor ihren Augen Einhornbabies schlachten. Bevorzugt in Situationen, in denen niemand Kapazitäten hat, das zu ~begleiten~, zum Beispiel weil sehr hektisch Mails geschrieben werden müssen, man sei systemrelevant und könne wirklich wirklich gar nicht komplett auf Kindergarten verzichten, echt wirklich nicht schon mal gar nicht in der Vorschulphase.

– (Full disclosure: das war eigentlich schon letzte Woche) Wir haben den einen Wandbehang meiner Omi endlich aufgehängt. Hinten ist ein Schild drauf mit Informationen zu dem Werk, unter anderem der Name, Bad Rothenfelde. Dort war mein Opi immer mal wieder zur Kur, die Salinen, Sie wissen schon. Ich nehme an, das Stück ist entweder dort oder in einer solchen Zeit entstanden. Und weil Michel zwar neugierig ist, gut englisch kann, aber mehr rät als liest, „las“ er den Titel vor: „Bad rotten flesh?“ Wir haben darüber sehr gelacht.

Bad rotten flesh.

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*This escalated quickly. Vor ein paar Tagen hieß es noch ganz überzeugt „die Lage ist übersichtlich und wir haben Kontrolle“. Jetzt „wir haben keine Kontrolle und die Testkapazitäten reichen nicht mehr aus“. Wenn ich ersteres nicht schon länger für eine grobe Fehleinschätzung gehalten hätte, käme ich mir jetzt wohl verarscht vor. So ist es nur ein Lorioteskes „Ach.“

Tag 2049 – Spitzenmutter, Spitzenkinder.

Michel hatte heute Abend Schmerzen im rechten Schienenbein, in der Nähe des Fußgelenks, ohne, dass irgendwas „passiert“ wäre, einfach so. Ich diagnostizierte Wachstumsschmerzen. Weil es nur das eine Bein ist, hat Michel jetzt Angst, dass er morgen früh als Hanghuhn aufwacht, mit einem langen und einem kurzen Bein. Hups.

Michel hat auch seit einer guten Woche eine Macke an der Stirn, die er sich immer wieder so derbe aufgeknibbelt hat, dass sie jetzt fünf mal schlimmer ist als sie zu Anfang war. Damit er nicht eine fette Narbe mitten auf der Stirn bekommt, haben wir nun angefangen, da ein Pflaster drauf zu kleben. Pippi hat nun Pflasterneid und Michel hat einen schlechte Laune-Indikator. Beult sich das Pflaster, ist das Kind schlecht gelaunt.

Ich weiß nicht, ob diese Installation uns irgendwas sagen soll.

Künstlerin: Pippi.

Tag 1979 – Rübennase, aber mit Glitzer.

Wir haben heute, weil unsere Nachbarn spontan verhindert waren, das Nachbarsmädchen vom Sport-Hort mit nach Hause genommen. Das Nachbarsmädchen ist sieben und Pippi und sie sind eh dicke Freundinnen und spielen meistens sehr schön miteinander. Man muss halt nur immer ein Auge drauf haben und sollte nicht, wie so eine berufstätige Person, denken, ach, die Kinder basteln so schön leise im Zimmer, da kann ich noch grad… weil dann die Kinder nämlich die Glitzervorräte plündern und mit losem Glitzer basteln. Und sich anschließend Glitzer in Windeseile über das ganze Haus verteilt, als seien wir YouTube-Wissenschafts-Eltern am Anfang einer Pandemie.

Es gibt davon kein Foto, denn als ich feststellte, dass alles glitzert, hatte ich mein Handy nicht zur Hand und dann musste ich ja erst mal staubsaugen. Jetzt glitzert es noch hier und da mahnend herum, weil Glitzer echt blöd wieder zu entfernen ist.

Abend beim ins Bett gehen fand ich aber auch das hier, geschickt zwischen Einhörnern getarnt:

Lillifee-Keksdeko. Man kann die auch pur essen, wenn man fünf und eine Rübennase ist.

Tag 1970 – Bastelmaus und Pups.

Wir haben gestern erfahren, dass Michel seinen Kumpels deutsche Schimpfworte beibringt, zum großen Vergnügen aller Beteiligten. Es kam zur Enthüllung, weil Michel seinen Kumpel zwang „Experimentier-Adventskalender“ vorzulesen, was natürlich schon ein fieses Wort für norwegische Zungen ist. Fand auch der Kumpel und sagte dann „Du bist ein Pillemann!“ zu Michel. „Gnihihi“ sagte Michel, während mein Kopf noch verarbeitete, dass das norwegische Kind grad sowas wie deutsch gesprochen hatte. „DU BIST KLEIN!“ sagte der Kumpel und Michel lachte sich halb schlapp, das war offenbar ein gut eingeübtes Spiel. „DU BIST EIN KLEIN‘ PILLEMANN!“ rief der Kumpel. „DU BIST EIN PUPS!“ rief Michel, woraufhin der Kumpel fragen musste, was Pups ist.

Wir entlockten Michel dann noch, dass er auch mehreren Kindern in seiner Klasse diese Wörter beigebracht hat, und so unangenehm mir das ist, bin ich doch seltsam erleichtert, dass er nicht die viel gröberen Schimpfworte, die mir so entfleuchen, den neugierigen Drittklässlern beibringt. Wörter, die er anderen beigebracht hat:

  • Pillemann
  • Pups
  • Kack

(Vielleicht fange ich auch einfach an, andere Autofahrende als „klein‘ Pillemann“ zu bezeichnen, das ist viel netter, als mein in diesen Situationen bevorzugter Kraftausdruck.)

Pippi hingegen ist in einer hardcore Bastelphase. So ziemlich jeden Tag bekommen wir irgendwas aus dem Kindergarten mitgebracht, ein ausgemaltes Bild, ein komplett selbstgemaltes Bild von uns als Familie mit vielen Herzchen, Bilder von Häusern mit Herzchen, Bügelperlen-Herzchen, Ketten, Perlen, Armbänder, you name it. Das hier hat sie mir beim Kulturhjulet gemacht:

Mama ist sehr stolz.

Zusätzlich bastelt sie dauernd irgendwas zu Hause und kann sich stundenlang mit Wasserfarbe und ähnlichem beschäftigen. Das ist schon sehr schön und die Erzeugnisse sind auch sehr süß und gut beobachtet.

Pippi hilft aber auch gern zu Hause mit, hier zum Beispiel beim Meerschweinchen füttern:

Meistens sind die momentan beide zum Knutschen. Also außer, wenn sie sich drum bewerben, als erstes an der Tanke „vergessen“ zu werden. Dann nicht.

Mein Arbeitgeber kam gestern mit lauter guten Sachen um die Ecke, erst gab’s Frühstück an die Haustür geliefert, dann einen unverhofften kleinen Geldsegen und am Ende auch noch Blümkes „für den außerordentlichen Einsatz in einem speziellen Jahr“.

Das haben alle Angestellten bei uns bekommen, nicht dass Sie jetzt denken, ich wär da irgendwie besonders aufgefallen. Aber ich freue mich natürlich über die Anerkennung. 2020 war kacke, für uns alle, und ein Strauß Blumen ist da besser als alles, was sonst so seit März von der Leitung kam.

Tag 1899 – Supereltern.

Pippi und ihre Kindergartenfreundin kamen gestern beim Abholen auf die Idee, dass die Kindergartenfreundin doch mit zu uns kommen könnte. Gleich sofort. Gleich sofort ging natürlich nicht, aber ich versprach den beiden, dass ich das mit der Mama von M. absprechen würde, ob M. morgen (also heute) mitkommen könnte. Konnte sie und deshalb holte ich heute zwei sehr sehr aufgeregte und jubelnde kleine Mädchen aus dem Kindergarten ab. Das war schon ziemlich niedlich, wie die zwei wie die Königinnen zum Tor stolzierten, und ich wie der Hofnarr mit 1000 Dingen beladen* hinterdrein.

Zu Hause angekommen war kurz alles sehr aufregend und ich erlaubte zur allgemeinen Beruhigung eine Folge iPad (Mia and Me). Dann musste Pippi ihrer Freundin unbedingt die Badewanne zeigen, und sie standen beide mit Hundeblick in der Küche, ob sie baden könnten? Biiittäääää? Äh, ja, ok, grad mit M.s Mutter abgeklärt und dann hatte Herr Rabe die zwei schon in die Badewanne gesteckt. Ich hörte sie oben plantschen („Uiiiii guck wie dreckig das Wasser ist!“) und machte unten Kaffee, das war schon sehr Bullerbü-mäßig. Also mein Bullerbü. Meine ganz persönliche Familienidylle. Herr Rabe wusch den Mädchen die Haare und sie durften selbst ausspülen durch Untertauchen. M. kann sehr lange die Luft anhalten. Beunruhigend lange. Dann rissen beide Mädchen gackernd die Köpfe hoch, sprotzten mit den nassen Haaren das ganze Bad voll und das war auch alles immer noch sehr idyllig. Ich wollte dann eigentlich M. beim Abtrocknen und Anziehen und Föhnen der polangen Haare helfen, aber dieses Kind kann alles selbst. Und macht das auch! Meine Kinder können das ja durchaus auch, aber Mamas oder Papas Hilfe ist trotzdem mehr als willkommen. M. kämmte ihre Haare, trocknete sich ab, zog sich an, föhnte (eher halbherzig, aber verständlich, bei so langen Haaren) und machte sich zum Schluss sogar noch zwei Zöpfe. Mit noch nicht mal fünf Jahren. Faszinierend.

Danach gab es Essen, in der etwas untypischen Reihenfolge erst Kuchen, dann direkt Pizza, was bei meinen Kindern eher schlecht als recht funktioniert (im Sinne, dass sie sich nicht nur Kuchen reindrücken, bis sie platzen) aber M. schob sich etwa eine halbe Pizza rein, davor und danach Kuchen, dazu 2 Gläser Milch und hätte dann auch noch Eis gegessen, aber da schickte ich die Mädels erst mal raus aufs Trampolin, ein bisschen von dem Zuckerrausch raushüpfen. Da hüpften sie dann mit ihren wippenden Zöpfchen laut johlend und es war immer noch alles sehr Bullerbü.

Mit ein wenig Zwang spielte Michel auch noch seine fünf Minuten Kornett und lachte mich aus, weil ich da nur klägliche Töne rausbekomme. Michel muss jetzt immer C-D-C-D spielen, aber irgendwie ändert sich der Ton nur minimal, wenn er die Ventile drückt und ich fragte ihn irgendwann, ob er da überhaupt einen Unterschied hört. „NEIN!“ motzte er mich an. „NUR DER EINE IST DU KLER UND DER ANDERE HELLER!“ Ach so, ja, also doch ein Unterschied. Da lässt sich ja mit arbeiten.

Als M. abgeholt wurde gab es noch dicke Umarmungen und das versprochene Eis und dann hatten wir alle den Spielbesuch mit Bravour bestanden, finde ich. Fand Pippi auch. M. darf gern öfter kommen.

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*freitags ist der einzige Tag, an dem wir Eltern in den Kindergarten dürfen. Und das auch nur, um Klamotten, Schuhe, Regensachen und solche Dinge zu checken und gegebenenfalls mitzunehmen, zu waschen und montags wieder in das schwarze Loch Kindergarten abzuliefern. Es ist manchmal etwas faszinierend, was man da freitags alles findet. Und dann noch von zwei Kindern! Ein Abenteuer.

Tag 1837 – Null Pilze.

Ich war mit den Kindern im Wald, aber ich fürchte, wir waren viel zu spät dran um noch Pilze zu finden. Ein Mann kam uns zwar mit einem Korb voller Pfifferlinge entgegen, aber der kam auch aus dem Wald-Wald, während wir uns wegen Michels Fuß Ja eher auf den Wegen halten mussten. Michel fand den ganzen Ausflug eh scheiße und motzte in einer Tour, es war wirklich kaum auszuhalten, aber ich hatte Herrn Rabe gesagt, wir würden ihn ein bisschen arbeiten lassen. Tja. Da muss man dann durch.

Immerhin den Hurdal-See haben wir gefunden. Da kann man bestimmt auch baden, aber wir hatten keine Badesachen dabei. Warm genug wäre es wohl gewesen, mir war in langer Hose und langem, dünnen T-Shirt ziemlich warm.

Bild ohne Ton, das Gemotze hören Sie also nicht.

Auf dem Rückweg kam wirklich recht plötzlich eine fette schwarze Wolkenwand von hinten, weshalb ich kurzerhand beschloss, den kürzeren Weg an der Straße lang zurück zum Auto zu gehen, statt durch den Wald. Das war auch gut so, denn kaum waren wir am Auto, fing es an zu tröpfeln und fünf Minuten später goss es, wie gestern, wie aus Kübeln.

Pippi hat versucht, auf einen Baum zu klettern, wollte nicht hören, als ich gesagt habe, sie soll das lieber lassen, die Zweige seien zu kraaaach, direkt die dünnen Ästchen abgebrochen und fies am Bein aufgeschrabbt. Da hat sie ja morgen im Kindergarten was zu erzählen. Bis dahin war Pippi aber gut drauf und hat begeistert Blaubeeren gesammelt, auch die waren zwar schon sehr abgegrast, aber ich mag die eh nicht und Pippi steckte sie eben sofort in den Mund, da wäre eh keine Marmelade draus geworden. Am Ende hatte ich dann halt ein Kind mit roten Fingern, einer dunkelroten Zunge und einer Kriegsverletzung Schramme, und eines das auch in Stunde zwei noch unverändert motzte.

Abends habe ich unseren Kartoffeleimer abgeerntet. Ich weiß ja nicht. Soll das so? Gefühlt haben wir aus drei großen die selbe Nettomenge Zwergenkartoffeln gemacht. Lecker waren sie aber.

„Ich kaufe 200 Gramm Kartoffeln…“

Die hier war die allerkleinste:

Eher Erbse als Kartoffel.

Wie gesagt, war aber lecker. Der gefüllte Patisson-Kürbis dazu war auch ok, die Füllung aus veganem Hack, Schafskäse, Zwiebeln, Tomaten und frischen Kräutern ist sehr lecker, der Kürbis selbst schmeckt allerdings wirklich nach gar nichts. Da ist jede Zucchini geschmacksintensiver. Also, kann man machen, sieht hübsch aus, aber vom Geschmack her fülle ich dann doch lieber eben eine Zucchini oder so ca. jede andere Kürbissorte. Die Konsistenz war aber schön knackig, das ist vielleicht was für Leute, denen andere Kürbissorten schnell zu schlonzig werden.

Vielleicht probiere ich es nächstes Wochenende noch mal mit den Pilzen. Falls ich dafür die Motzekinder zu Hause lassen darf. Man kann Kürbis mit mehr Eigengeschmack bestimmt auch super mit Pilzen füllen.

Jetzt zackig schlafen. Morgen ist wieder Präsenztag im Büro!

Tag 1831 – Pandemiearbeiten.

Whoop whoop ich war im Büro und da waren tatsächlich fast alle meiner Kolleginnen und Kollegen, mit denen ich am meisten zu tun habe (also: Das Inspektorat(TM) und die Zulassungen- (und Zertifikate-) Gruppe. Das haben wir jetzt jeden Montag so, Präsenztag im Büro, Freitags dürfen wir, wenn wir wollen, ansonsten Homeoffice. An anderen Tagen sind andere da, aber nie mehr als 40% der Belegschaft gleichzeitig. Es gibt allerlei teils seltsam anmutende Vorsichtsmaßnahmen, wie zum Beispiel einen recht… willkürlich erscheinenden Sitzplan. Das norwegische Pandemie-Mantra ist ja „Abstand, Abstand, Abstand!“, ich frage mich aber schon, was es bringen soll, in der Kantine oder in Meetingräumen mit mindestens einem Meter Abstand zueinander zu sitzen, während eine Klimaanlage die Luft fröhlich im Raum verquirlt und im ganzen Haus verteilt. Bevor ich die Filter (die ja hoffentlich in der Ventilationsanlage irgendwo verbaut sind) selbst inspiziert hab, gehe ich davon aus, das wir uns das ganze Abstandsgehampel im Zweifel in die Haare schmieren können, wenn bei uns jemand infiziert und infektiös bei der Arbeit erscheint, sind die Bedingungen für ein Super-Spreading-Event mindestens gut.

Jetzt wo das gesagt ist: es war leider richtig gut, mal wieder unter Menschen zu sein, nah an Menschen dran, die nicht alle nur im Bildschirm zu sehen. Richtig schön. Wie sozial dann doch selbst die Introvertierten sind, merkt man nach ein paar Monaten mit deutlich eingeschränkten Sozialkontakten dann eben doch. Wie es den Extrovertierten dann erst gehen muss.

Ich habe effizienter als im Homeoffice ein paar Sachen weggearbeitet, die mich schon länger gestört haben, dann gab es auch ein paar gute Nachrichten für mich persönlich, hach, es war einfach rundum ein guter Arbeitstag.

Nach der Arbeit waren wir dann noch schwimmen im Badesee ums Eck, der ist jetzt endlich warm genug. Also so warm, dass alle drin waren nur ich nicht, mir war es ab den Knien noch zu kalt. Ich bin jetzt auch in dem Alter, wo ich für spritzende Jugendliche die humorlose Trulla bin, die im Badesee stehend nicht nassgespritzt werden will. Schlimm.

Michels Fuß geht es auch deutlich besser. Baden darf er ja sowieso ohne die Schiene, aber auch sonst würde er, wenn wir ihn ließen, einfach weiter machen wie immer, weil es nicht mehr wehtut und er alles bewegen kann. Was natürlich nicht heißt, dass er den Fuß normal bewegen und belasten soll, aber die Einsicht ist mit sieben noch nicht ganz so einfach.

Tag 1818 – Back in the Game.

Ach, eigentlich war das Arbeiten heute sogar ganz schön. Ich fuhr ins Büro, da war es leer und leise, was mir Zeit ließ, mich zu akklimatisieren. Zum warm werden ging ich alte Inspektionen durch, überprüfte, ob meine Kollegin die abgeschlossen hat und fütterte daraufhin die Dokumentenvernichtungstonne mit den entsprechenden Unterlagen. Sehr viel Papier fand da heute den Weg rein und jetzt habe ich viel viel weniger Papier zu Hause und auch deutlich weniger im Büro. Ich liebe Wegwerfen. Was ich sonst noch so gemacht habe: Schreibtischstuhl beschriften, Passwörter ändern, Festplatte und Cloudspeicher aufräumen, Daten synchronisieren, To-Do-Liste aufräumen und neu aufsetzen, Kalender pflegen, und das gar nicht so schlimme Projekt Inbox Zero. Ein easy Start.

Beim Mittagessen mit meiner einzigen Kollegin, die da war, habe ich gemerkt, dass mir das Soziale schwer fällt nach all der Zeit. Ich hoffe, sie nimmt mir nicht übel, dass ich bei der Unterhaltung mit ihr die meiste Zeit an ihr vorbei aus dem Fenster geguckt habe. Es ging nicht anders.

Trotzdem ein guter Tag. Ich mag meine Arbeit. Ich hab’s eh gerne sauber und ordentlich und kein Papier auf dem Schreibtisch und ich reinige auch gerne meine Tastatur mit Desinfektionsmittel. Dann noch für eine Gesundheitsbehörde arbeiten dürfen. Besser geht’s doch eigentlich nicht.

Nachmittags habe ich das gute Wetter genutzt, um die Meerschweinkiste sauber zu machen. Drei Meerschweinchen pullern ja doch deutlich mehr als eins. Muffin hat immerhin keine neuen Bisswunden.

Pippi schlief wohl heute im Kindergarten ein. Hatte sie trotzdem immerhin um halb neun im Bett – war halt ein langer Tag nach langen Ferien. Michel konnte leider nicht vor halb zehn einschlafen, aber momentan freue ich mich immer, wenn er kuscheln oder normal erzählen will, dann schreit er mich wenigstens nicht wütend an. Think pink.

Tag 1817 – Zu Hause ist’s doch am schönsten.

Endlich wieder zu Hause. Mein Kopfkissen, meine Matratze, mein Kühlschrank mit meiner Ordnung. Meine Kaffeemaschine (fürs nächste Mal: die funktioniert am besten, wenn man sie einstöpselt).

Morgen ist mein Urlaub vorbei und ich mag nicht, irgendwie. Vielleicht sind fünf Wochen Urlaub zu lang. Ich fühle mich, als wäre ich komplett raus.

Das heißt auch, früh aufstehen. Ob ich das noch kann?

Michel und Pippi gehen morgen wieder in ihre Betreuungseinrichtungen. Michel in den Hort, Pippi beginnt ihr letztes Kindergartenjahr. Nur noch ein Jahr Kindergarten für sie, und damit auch für uns als Familie. Das fühlt sich seltsam an.

Die Meerschweinchen hatten eine gute Woche ohne uns. Alle drei haben ein bisschen zugenommen, sogar Muffin, obwohl der offenbar ein bisschen auf die Mütze bekommen hat. Irgendwer hat ihm wohl ordentlich in den A… gebissen. Ich vermute, Pølse war’s, die ist nämlich sonst die Königin, Muffin scheint das aber nicht uneingeschränkt so zu sehen. Vermutlich hat er aufgemuckt und den Hintern versohlt bekommen. Passiert bei Rudeltieren, muss ich dann mal ein Auge drauf behalten, sowohl ob alles heilt wie es soll als auch ob sie die Rangordnung bald mal geklärt bekommen.

Mehr habe ich nicht zu erzählen. Pippi wäre sicher sauer, wenn ich schreiben würde, dass ihre Eltern nachts den von ihr gemopsten und versteckten Schlüssel eine halbe Stunde lang im ganzen Haus gesucht, schlussendlich aber auch gefunden haben. (Dieses Kind, ey!)