Tag 1207 – Börps.

Kennen Sie das, wenn man ganz viel süßes Zeug zubereitet und gegessen hat und man am Ende das Gefühl hat, nie wieder irgendwas süßes essen zu wollen? So geht es mir grade. Wir haben jetzt Vanillekipferl und die braunen Kuchen sind in ihrer Box (die müssen durchziehen), die Grümmel-Nuss-Kekse warten nur noch darauf, dass ich morgen mehr Schokolade kaufe (irgendwie war die Hälfte der Block-Schokolade, die ich neulich kaufte und noch im Hinterkopf hatte, Milchschokolade. Das schmeckt nicht, das wird dann zu süß). Heute morgen gab es Pancakes und jetzt sitze ich auf dem Sofa und statt Lakritz oder Kakao esse ich jetzt eine zweite Portion Lammgulasch, das der Mann gekocht hat und das wirklich ganz köstlich ist. Kalt. Mjammi.

Ansonsten war ich heute ziemlich emotional, diese Kekse-Sache geht mir ganz nah. Meine Oma ist nun seit über 8 Jahren tot, mein Opa seit 7, aber heute habe ich sie wirklich schrecklich vermisst, so doll wie glaube ich überhaupt noch nie. Seufz, seufz.

Tag 1156 – Sechs Jahre.

Sechs Jahre ist Michel nun alt. Jetzt vor sechs Jahren habe ich glaube ich nicht geschlafen, weil da so ein putziges kleines Minibaby neben mir in diesem komischen Glasbett lag. Da lag es, weil ich furchtbare Angst hatte, es irgendwie kaputt zu machen, dieses perfekte kleine Menschlein mit den perfekten kleinen Zehen und Ohren und dürren Beinchen. Das, neben mir im Bett? Wie ein Walross kam ich mir vor. Ein Walross mit zehn Daumen. Aber er war da, endlich, und er war so klein, viel kleiner, als ich mir das vorgestellt hatte, selbst der westfälisch dicke Babyschädel kam mir winzig winzig klein vor und dass ich mich überhaupt traute, ihn hochzunehmen, kostete einiges an Überwindung.

Und jetzt ist dieses Minibaby schon sechs Jahre alt und 119 cm hoch, geprüft durch meine sehr Kinderwuchsmesserfahrene Omi. Das Baby mit den vielen schwarzen Haaren hat jetzt eine dunkelblonde Wuschelmähne, die aber ja cool aussehen muss und cool heißt kurz. Das Baby hat sprechen gelernt und Zähne bekommen und dann sind inzwischen zwei Zähne schon wieder ausgefallen und der dritte wackelt. Ein bisschen fühle ich mich um den Schlaf betrogen, den uns diese Zähne damals gekostet haben, das alles für nur fünf Jahre Zahnspaß? Pffft.

Das Baby mit den dürren Beinchen wurde erst überall sehr rund und dann wieder sehr schlank. Jetzt kann man die Rippen zählen, wenn es vom Klettergerüst baumelt und die Sitzhöcker bohren sich erbarmungslos in meine Oberschenkel, wenn mein eben noch stundenlang im Tragetuch herumgetragenes Zwergenkind unbedingt auf dem Schoß sitzen aber da auch unbedingt hampeln will. Der Bauchnabel, der nicht abfallen wollte, woraufhin uns die Hebamme schon „der kann sich schlecht von Dingen trennen“ bescheinigte, ist ein ganz perfekter Bauchnabel an einem ganz perfekten Bauch geworden. Der Fleck an der Nase, den ich und Herr Rabe immer wieder wegzuwischen versuchten, war das erste von inzwischen vielen Muttermalen und seit diesem Sommer sind auf der Nase und den Wangen noch Sommersprossen dazu gekommen, die mich wirklich immer aufseufzen lassen vor lauter Niedlichkeit.

Aber nein, Michel ist ja jetzt cool. Schulkinder sind coole Kinder. Schulkinder stehen auf Spiderman und Pokémon und „Schtar Worsch“ und Schlüpfer mit Autos drauf sind plötzlich doof, Krokodile müssen her. Die Brotdose in pink ist doof und die Lightning McQueen-Trinkflasche nur noch akzeptabel, weil man den Aufdruck kaum noch erkennt. Dafür kriegen Schulkinder Taschengeld und sparen auf Lego und die Eltern von Schulkindern müssen jede Woche nachrechnen, wie lange die Schulkinder noch auf den Polizei…dings sparen müssen. Das Fahrrad ist doof, weil man ohne Gangschaltung den Hügel schlecht hochkommt.

Bücher sind aber cool und das freut mich ja doch sehr. Es sind auch alle Bücher cool, am coolsten natürlich Das Verrückte Baumhaus mit [13*n] Stockwerken. Und Herrmann Hule. Und Tiril und Oliver (Detektivbyrå No 2). Und… ok, eigentlich alle Bücher. Noch lesen wir vor, aber ich glaube, das wird sich in spätestens einem Jahr wenden und dann werden die Bücher nicht mehr nur stundenlang und immer wieder angeguckt, sondern dann werden wir wohl in der Bibliothek campieren müssen.

Ach, Großer. Mein Baby. Ich hab dich so lieb. Du bist immernoch ganz perfekt und manchmal erwische ich mich, dass ich auch immernoch denke, du seist ganz zerbrechlich und ich müsse dich vor allem beschützen. Dabei machst du schon alles ganz prima und navigierst ganz sicher durch die Welt. Ich schmunzle ja immer ein bisschen drüber, wenn du ganz fremden Leuten direkt einen Knopf an die Backe laberst, aber eigentlich platzt mein Herz bei jeder deiner erfundenen Geschichten und jeder neuen, bunten und wilden Idee.

Ich hab dich ganz doll lieb.

Murch! Deine Mama.

Tag 1146 – Zeitlose Ästhetik!

Wir waren heute bei meiner Omi* und haben unsere restlichen Sachen vom Dachboden geholt. Als wir damals nach Norwegen zogen, hatten wir nur einen Sprinter, den wir vollmachen konnten und deshalb blieb einiges in Deutschland, hauptsächlich bei meiner Oma auf dem Dachboden, denn da war Platz. Jetzt ist es aber so, dass meine Omi aus dem Haus, in dem sie seit… 1970 oder so gelebt hat, nächstes Jahr ausziehen wird, weil sie sich nach dem Tod meines Opis eine kleinere Wohnung um die Ecke gekauft hat, die dann eben nächstes Jahr bezugsfertig sein wird. Meine Omi mistet schon sehr fleißig aus (und, chapeau, wirklich, ich wusste gar nicht, dass in dem „Arbeits“zimmer** meines Opis auch Möbel unter den Unmengen Papier sind. Und Fußboden! Man lernt ja nie aus.) aber unsere Sachen müssen da eben auch bis zum Umzug weg. Und wir haben ja jetzt auch endlich den Platz für unsere Bücher und diversen anderen Kram, den ich schon vergessen hatte.

Wir stiegen also heute auf den Dachboden. Fast alle. Michel behauptet, er hat Höhenangst. Pippi kraxelte völlig angstfrei die Dachbodentreppe hoch und runter. Und ich sag mal so: wir haben seltsame Dinge aufgehoben. Ich fand zum Beispiel Deutschaufsätze von mir aus der 7. Klasse. Jaha! Sehr wichtig sowas. Und weil es auf Twitter neulich rumging: mein Schulranzen. 1991er Modell.

Nun, der Schulranzen geht, so hipstermäßig sowas heutzutage sein mag, morgen in die Brockensammlung. Können sich dann hipsterige Barthipster aufsetzen***.

Wir haben auch die Bücher nochmal ausgemistet und eine komplette Kiste aussortiert. Herr Rabe war strikt dagegen, „Buchklub“****-Bücher wegzuwerfen und deshalb werden jetzt ein paar der furchtbarsten Bücher*****, die ich je gelesen habe, mit nach Norwegen ziehen. Aber was tut man nicht alles dafür, endlich wieder Harry Potter im Regal stehen zu haben.

Insgesamt fahren nach Norwegen: sieben Kisten mit Büchern, zwei Kisten mit CDs und DVDs****** und zwei Kisten mit Küchen- und Deko-Dingen (die alten Keksdosen von meiner anderen Oma, die Kaffeemühle und meine Mini-Kuchenformen! Hach. Und auch das „Handbuch für die gute Hausfrau“, ein ganz wichtiges Werk.). Der Lehnstuhl aus dem Set aus dem auch unsere Esszimmerstühle sind, die wiederum auch schon alle von meiner Uroma weitergegeben wurden, wir haben sie nur neu polstern lassen. Das Patchwork*******-Plaid und das Kissen, das mir meine Oma zum Abi geschenkt hat. Der Lampenfuß, den mein anderer Opa gedreht hat. Der Lampenschirm bleibt, trotz unschätzbarem sentimentalen Wert, in Deutschland. (Tante B., möchtest du den haben?). Ein paar Bilder und ein Spiegel kommt mit. Und mein Hintern auf einem Bierdeckel.

Dieser Bierdeckel ist ein Lehrstück in Sachen „unterschreib nicht bevor du nicht WIRKLICH RICHTIG GENAU alles durchgelesen hast“. Das war nämlich so: in grauer Vorzeit, ich war jung und ganz offensichtlich recht knackig, ließ ich mal Fotos mit wenig an von mir machen. Die wurden sehr schön. Die wurden so schön, dass das Fotostudio beschloss, eins davon auf Bierdeckel zu drucken und als Werbung in den umliegenden Kneipen zu verteilen. In den umliegenden Kneipen ging ich aber auch ganz gern mal ein Bier trinken und eins davon blieb mir dann mal auf halbem Weg fast im Hals stecken als ich das Motiv eindeutig als dasselbe erkannte, das gerahmt über meinem Bett hing. Als ich, wieder nüchtern, den Bierdeckel in meiner Handtasche******** fand, ging ich zum Fotostudio und, ja, ich hatte das so unterschrieben, sorrynotsorry, im Schaufenster hängt’s übrigens auch. Naja, es ist ja ein schöner Hintern und wer nicht weiß, dass das meiner ist, weiß es ja auch nicht, also quasi niemand außer jetzt das halbe Internet. (Es mag sie enttäuschen, aber wenn Sie meinen Hintern heute sehen, der sieht nicht mehr ganz so aus.) Liebe Kinder, hört auf Mutti: Facebook-Aufrufe „Ich habe mit meinen Schüler*Innen gewettet: wie schnell verbreitet sich dieses Bild im Internet? Bitte unter Nicht-Teenagern teilen für besonders realistisches Ergebnis!“ sind vielleicht ganz nett, aber, echt: lest die Vertragsbedingungen komplett, sonst stellen vielleicht bald alle eure Freunde ihr Bier auf euren Hintern ab.

Hachja. Zurück zum Thema, es gibt ja so Sachen, die kann nicht mal ich wegtun, zum Beispiel die drülfzig Band-T-Shirts, die ich mal gesammelt habe und die alle schon sehr lange nicht mehr passen, aber vielleicht kann ich mal was nettes für die Enkelkinder draus basteln. Andere Dinge… Warum genau habe ich (Ich!) früher mal ganz viele Bücher mit Titeln wie „Die Wissenschaftsverschwörung – Wie Pharma-, Kosmetik- und Lebensmittelindustrie Sie verschaukeln“ (Titel in Anlehnung an echte Titel erfunden) gelesen? Also echt nicht nur eins, sondern eher so fünf bis sieben? Da ich nicht mal mehr grob weiß, was drinsteht, kommen die jedenfalls auch weg. Ich hab tatsächlich kurz überlegt, ob ich sie in den Müll werfe. Sehr seltsam.

Das schönste, was ich mitnehme, ist aber ganz klein in einer Schachtel und wird auch nicht von der Spedition transportiert. Und das wertvollste ist die Erinnerung an einen wirklich schönen Nachmittag mit meiner Omi, sowas ist nämlich unbezahlbar.

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*Da ist auch alles wie immer. Seit 33 Jahren riecht es da gleich und ich wünschte, ich könnte den Geruch des Kellergeschosses anders konservieren als nur in meiner Erinnerung.

**Mein Opi war ja schon sehr lange pensioniert, also „Arbeit“ braucht hier wirklich riesige Anführungszeichen.

***Falls sie die Riemen über die breiten hipsterigen Barthipsterschultern bekommen, das fiel mir heut schon etwas schwer. Ich behalte dafür eine grüne Marlene-Hose, die muss ich zwar kürzen aber dann ist die super.

****Wir hatten mal eine Leserunde, einen Buchklub halt, da haben wir aus einer Liste mit ca. 200 Büchern, die wir da basisdemokratisch draufgesetzt haben, immer ein Buch gezogen und dann in ca. vier Wochen alle gelesen und danach bei Speis und Trank besprochen. Das hat sehr viel Spaß gemacht und man hat viel gelernt, also ich jedenfalls.

*****“Don Quichotte?“ – „Ist ein Buchklub-Buch!“ – „Hrmpf. … Boah, Aber hier, Uwe Johnson, „Jahrestage“, alter, das kann doch echt weg!“ – „…“ – „Orrr…“

******Ja, total zeitgemäße Speichermedien. Aber, hey, immerhin waren bei meinen Sachen keine Mini-Disks dabei, nicht wahr, Herr Rabe?

*******Überhaupt, manche von den Patchwork-Sachen die meine Omi macht sind so schön, ich möchte die alle haben und die Wände zum Aufhängen gleich dazu.

********Jaaaa, es gab mal Zeiten, da benutzte ich Handtaschen. Meist eine: ein Bundeswehr-Brotbeutel in schwarz.

Tag 1099 – Der Ernst des Lebens.

So wurde mir das damals verkauft. Die Schule geht los und damit der Ernst des Lebens. Ich bin ja allgemein wirklich kein Freund von „und uns hat das auch nicht geschadet!“, aber ich bin im Nachhinein schon sehr froh, dass mir die Unkenrufe weder die Vorfreude auf die, noch die Freude an der Schule vermiesen konnten. Ich war so heiß auf Schule, ich nervte sämtliches Lehrpersonal das ganze erste Jahr massiv, weil ich alles schon wusste und konnte und WO IST DENN DA DIE HERAUSFORDERUNG BITTE HALLO ICH BIN ZUM LERNEN GEKOMMEN!!! Ich war dann auch nicht soooo beliebt, sag ich mal.

Michel freut sich auch sehr auf die Schule. Er freut sich aufs Lernen, er übt gern mit seiner Uhr, wir zählen jedes Wochenende das Taschengeld durch und wenn er fragt, was drei und zwei ist, ermutige ich ihn, es doch mit den Fingern zu probieren*. Meistens klappt es dann und das Ergebnis ist ein sehr stolzes Kind. Aber ein bisschen bin ich schon froh, dass er nicht schon alles perfekt kann, denn dann bleibt ihm vielleicht wenigstens die Langeweile** erspart.

Hach, mein großer kleiner Zwerg, da fängt er schon in der Schule an. So schnell kann das also gehen***. Hachseufz.

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(Mein höchst eigener Ernst des Lebens ist morgen ja die Challenge, dem Finanzmann und dem Geschäftsführer klarzumachen, dass wir eklatante Sicherheitsmängel haben, jede Menge Ausstattung brauchen und für einen Verkauf unserer Produkte erstmal als Hersteller zugelassen werden müssen, ohne dabei durchblicken zu lassen, dass ich es für das Beste halten würde, den Laden zu schließen, bevor noch mehr Geld verbrannt wird. Das möchte ich nämlich lieber dem Chipsmann schonend beibringen, wenn er aus dem Urlaub kommt.)

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*Ist bestimmt didaktisch ganz schlimm, mir egal.

**Ich nehme mal an, von außen Klinke runterdrücken gehört nicht zum Standardrepertoire einer norwegischen Grundschule 2018. ich hoffe es.

***Naja, in Bielefeld hätten wir es für dieses Jahr noch wählen können, denn schulpflichtig wäre er da erst ab 2019.

Tag 1081 – Da isser raus.

Michel kam heute ganz hektisch angerannt. „Ähhhh äh!“ Machte er und wedelte mit den Armen und zeigte auf seinen Mund. Ich sah nur Blut und schluckte kurz, aber da er eher aufgeregt als schmerzerfüllt wirkte, fragte ich, ob der Zahn endlich raus ist. „Äh äh!“ Machte er und schüttelte den Kopf. Er riss den Mund auf und inmitten des Blutsees sah ich den Zahn sehr unnatürlich um 90 Grad nach vorne gekippt, mit der Wurzel Richtung Zunge. Hmmlecker. „Oi!“ Sagte ich, aus Ermangelung an tiefsinnigeren Ideen. Michel spielte mit der Zunge an dem Zahn und flipschte ihn hin und her. „Der hängt noch an einer Ecke fest… wenn du willst, zieh ich ihn raus.“ hörte ich mich sagen, aber Michel schüttelte den Kopf und hopste davon.

Zwei Stunden später hatte Michel Hunger und ich machte ihm eine Lompe* mit Gurkenscheiben und Pfeffer. Er aß vor dem Fernseher** und mit einem Mal hörte ich ihn quieken wie ein Ferkel. Dann kam er wie der Blitz angerannt. „Ääähhhhhh!“ Machte er und ich sah die Zahnlücke für etwa eine Nanosekunde, da drehte er schon wieder rum und rannte zurück. „Ääähhhh!“ machte er und zeigte auf den Teller. Da lag der Zahn. Endlich. Die erste Zahnlücke. Natürlich wurde die erstmal fotografiert und an die Verwandschaft geschickt***, Michel war natürlich stolz wie Oskar, als wir den Zahn in die Krokodildose legten, mit einem liebevollen Bett aus Zewa, weil alles andere halt schon in Kisten ist. Und weil die Zahnfee ja nur beim 1. Zahn kommt, das aber ja erklärt werden musste, bastelte ich eben noch eine Karte****, während Herr Rabe ein kleines Geschenk verpackte*****.

(Ich kann echt nicht so gut zeichnen. Und das Licht war auch nicht gut zum Fotografieren. Aber die Geste zählt, ne?)

Hachseufz. Jetzt hat der Große also den ersten Zahn verloren. Neulich noch was er so unglaublich niedlichkleinspeckig und wir hatten ihm aus schierer Verzweiflung ob der Dauernöligkeit wegen durchbrechender Zähne (immer im Doppelpack, deshalb gibt es auch kein Foto mit nur einem Zahn) sogar so eine wirkungslose Bernsteinkette umgehängt. Ähäm. Wir waren jung und beeinflussbar. Und verzweifelt. Aber schauen Sie mal, wie putzig.

Und jetzt schon bald ein Schulkind mit Zahnlücken. Hachhachhach. Seufz. Hach******.

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Auto-Lobhudelei: nur ein bisschen gelacht, als Michel mit dem super losen Zahn redete und der Zahn die ganze Zeit in alle Richtungen winkte.

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*So ein Teigfladen aus Dinkel, die Kinder wickeln da gerne Würstchen drin ein und davon war es auch noch übrig.

**Die Kinder lieben Umzug. Fernsehen bis zum Abwinken, weil Mama und Papa sonst zu nichts kommen. (So be it. Von den drei Tagen werden sie auch nicht dümmer.)

***Und Herr Rabe und ich wählten genau die Formulierung, die im Titel aufgegriffen wurde. Ohne Absprache. Wir kennen uns halt gut.

****Auch alles Bastelmaterial bis auf Papier und Buntstifte ist schon eingepackt, die Karte ist also eher plain.

*****Einpackpapier war noch nicht verpackt, aber auch nur weil die Rollen zu lang für jeden Umzugskarton sind.

******Beim Essen musste ich ihn auch ziemlich anhachzen, irgendwann fand er’s glaube ich schon unangenehm. Aber echt mal: Mein Baby!

Tag 1062 – Ferientag 2. Vom Großwerden.

Die Ferien sind für mich sehr anstrengend, aber das zu erzählen wäre jetzt auch irgendwie nur Selbstbemitleidung, deshalb hier was von grad:

*Türklapp umständlich, es ist also Pippi*

Pippi: *taps an Wohnzimmer vorbei* „Klo.“

Ich: *gehe hinterher, ziehe ihr die trockene Windel aus, setze sie aufs Klo*

Pippi: *puller*

Ich: „Bist du wachgeworden, weil du pullern musstest?“

Pippi: „Ja.“

Ich: „Prima!“

Pippi: *mit halb geöffneten Augen, zerzausten Haaren und grütziger Stimme* „High Five!“

Ich: „Soll ich dich wieder ins Bett bringen?“

Pippi: *nickt*

Ich: *trage Pippi ins Bett* „Soll ich mich zu dir legen?“

Pippi: „Nei. Geh weg.“

Ich: „Willst du alleine einschlafen?“

Pippi: *nickt, zuppelt schon am Ohr*

Ich: „Ok… Darf ich dir noch nen Kuss geben?“

Pippi: *macht mit geschlossenen Augen Kussmund*

Ich: *Küsschen, verlasse Raum*

What the… ich meine, das andere Kind will immernoch nicht alleine einschlafen und schläft auch nicht durch, sondern kommt zum Kuscheln zu uns. Äh. What?

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Heute echt nix Lobzuhudeln. Habe immerhin geschafft, alle eingecremt und angezogen aus dem Haus zu bekommen und dann eine Blutprobe zapfen zu lassen, aber die Umstände waren… naja. Heute nicht meinen brillanten Tag als Mutter gehabt.

Tag 1034 – Zeittunnel!

Nicht nur habe ich mich seit Tag 1028 grob verzählt – zwei mal! – nein, mein kleines Baby ist irgendwie mal kurz zu einem großen Jungen geworden, der morgen auf seine erste richtige Übernachtungsfahrt geht. Morgen wird Michel, der doch eben noch in seiner grotesk dicken Stoffwindel durch die Gegend rollte, auf Førskoletur (Vorschulausflug) fahren. Er freut sich unglaublich und ist tierisch aufgeregt, was man an der gesteigerten Häufigkeit von durch ihn provozierten kleineren und größeren Dramen ganz gut ablesen kann. Heute haben wir gepackt, was gar nicht so einfach war mit nöliger, leicht fiebriger Pippi und unglaublich aufgekratztem Michel, der einen mittleren Nervenzusammenbruch bekam, weil wir die Packliste im Kindergarten vergessen haben. Nicht, dass wir die nicht auch als Mail hätten, das zählt eigentlich nicht, das ist ja nicht der Zettel und buuuhuhuhuhuuuuuu, alles schlimm. Nun ja. Nach längerem Gesuche hatten wir dann das Wichtigste zusammen, nämlich Herrn Rabes Isomatte (die ist kleiner als meine, meine ist riesig), meinen Schlafsack (Michel hat ja so einen Kinderschlafsack von Decathlon, zum Übernachten in einer Hütte ist der super, aber die schlafen in einem Lavvo (ähh, Jurte? So ein festeres Zelt halt) und in der Nacht sollen die Temperaturen bis auf 1 Grad (!!!) runtergehen, da finde ich dann meinen dicken Schlafsack mit Comfort-Temperaturbereich bis -3 Grad doch angebrachter. Wir haben dann voll professionell noch das Fußende mit einem alten Haargummi von mir abgeschnürt, damit das Kind keine kalten Füße kriegt und nicht drin verschwindet, ich habe Michel die Geheimtasche gezeigt und spätestens seit Pippi unbedingt auch reinwollte, war Michel dann vom Schlafsack überzeugt) und sogar die vermaledeite Sitzunterlage, die ich in der ganzen Wohnung gesucht habe und schlussendlich bei den Schlittschuhen im „Keller“*fand. Memo an mich: Schlittschuhe da wegräumen, Sitzunterlagen in den Flur in die Box WO SIE HINGEHÖREN. Wir haben Wechselsachen und Schlafanzug eingepackt, Michel mit Engelszungen zum wenigstens Mitnehmen einer Fleecehose überredet, die Anziehsachen für morgen früh liegen bereit, Michel hat noch etwa dreitausendmal kundgetan, dass er seinen „Parkdress“ echt scheiße findet (wie ein Winteranzugeinteiler, nur ohne Futter, schützt also gegen Wasser von oben und Wind und NUR BABYS TRAGEN DAS!!!), ich habe drei Packungen Maoam** verpackt und in den Rucksack geschmuggelt, Pippi hat mit ihrem Plastik-Telefon „Bilder“ von Michel (und Selfies, Öhömm) gemacht, es ist quasi alles bereit. Morgen noch die Brotdose aus dem Kühlschrank und die Toilettensachen aus dem Bad in den Rucksack verfrachten und dann schauen wir um ca. viertel vor sieben mal, ob ich wirklich schon bereit bin, mein Baby einfach so mit einem Zug in einen hunderte Kilometer entfernten Wald fahren zu lassen. Schnüff.

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Auto-Lobhudelei: die durch das leichte Fieber „gewonnene“ Pippi durch die Gegend geschoben (2 Stunden, ca. 15.000 Schritte, eine halbe Flasche Pustefix und ein Kaffee in der Thermotasse) und mit ihr viel Spaß gehabt. Dabei nur wenig Sorgen gemacht. Aber Spatzen Croissantkrümel*** aus meiner Hand holen lassen. Hachz.

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*Nicht der richtige Keller, sondern ein Lagerraum von ~2qm auf unserer Etage und da haben die Schlittschuhe auch einfach gar nix verloren. Seit wir mal in einer Kellerwohnung gewohnt haben, die logischerweise keinen Keller hatte, nennen wir diese Art Lagerräume „Keller“. Mit Luftkommata.

**In der Vorschulgruppe sind ja nur zwei andere Kinder und Michel hatte sich heute morgen überlegt, dass er morgen gerne den anderen beiden eine süße Kleinigkeit schenken möchte. Und sich, natürlich. Nämlich „Am liebsten Kaugummi, oder ein Überraschungsei, oder Smarties. Da kannst du eins von aussuchen, Mama!“. Die Idee fand ich gut, das Bestimmerische daran aber nicht, also gibt es jetzt halt für jeden so ein kleines Maoam-Päckchen. Eingepackt, damit es auch für Michel eine Überraschung ist.

***So eine bin ich nämlich. Füttere Wildtiere mit insgesamt ca. 2 g Feingebäck und bringe meinem Kind dabei „Erpel“, „Spatz“, „Krähe“ und „Möwe“ bei. Und dass man ganz still sein muss, wenn man will, dass die Spatzen sich trauen, was aus der Hand zu holen.