Tag 713 – Zwei Jahre. 

Meine liebe kleine Pippimaus,

Jetzt bist du schon zwei Jahre alt. Ich kann es noch gar nicht richtig glauben. Eigentlich warst du gestern noch ein neugeborenes Minibaby, und vor fünf Minuten hab ich dich noch gestillt. Jetzt bist du so groß! Und so klein. Und so groß! (Wenn man sagt „bist du groß?“ reißt du übrigens die Hände nach oben und schreist „Jaaaaa!“, das ist sehr niedlich.)

Eine typische Unterhaltung mit dir ist ungefähr so:

„Pippi? Hörst du bitte auf, Sand zu essen?“ – „Nein.“

„Hörst du jetzt auf, Sand zu essen?“ – „Nein!“

„Hör jetzt auf, Sand zu essen!“ – „NEIN!!! *streckt Zunge raus und prustet – wie ein Minion*“

Du weißt was du willst. Immer. Du willst Sand essen und keine Eltern der Welt werden dich davon abhalten. Du willst keine Windel anziehen, oder das T-Shirt nicht, dafür den Schlafanzug. Die Schuhe müssen so rum. Du willst aufs Klo, drei mal in fünf Minuten. Auf der Nudel ist zu viel Ketchup. Wie, nur drei Mausclips? Nicht mit Pippi!

Meistens bin ich wegen deinem kleinen, hübschen Dickkopf sehr sehr stolz auf dich. Manchmal macht es mich auch ein kleines bisschen wahnsinnig, zum Beispiel wenn du, wie heute, nicht einschlafen willst. Aber dann, irgendwann, liegst du zusammengerollt im neben dem Bett und schläfst und seufzt manchmal „Hand, Mama“ und dann ist auch schon wieder fast alles vergessen. Und dann sehe ich da nur dich, und ich denke, es passt schon. Du willst viel mehr selbst bestimmen und kannst auch viel mehr selbst bestimmen, als ich das von deinem Bruder gewohnt bin. 

Überhaupt, dein Bruder. Dein größter Held. Du willst, was er hat, isst, tut. Manchmal macht ihr Quatsch zusammen. Dann platzt mein Herz. Er hat dich sehr lieb, das zeigt und sagt er auch ganz offen. Trotzdem gehst du ihm natürlich ganz oft ganz schön auf den Zeiger, wenn du ihm wieder irgendwas wegnimmst oder seine Zugbahn kaputt machst. Dabei willst du doch auch nur damit spielen. Dann ist das Geschrei auf beiden Seiten groß. Im Gegensatz zu dir würde er dich aber nicht hauen 😉

Wenn du mit anderen Kindern zusammen bist, bist du ein kleiner Clown. Der vermutlich niedlichste Clown aller Zeiten. Die „großen“ Kinder im Kindergarten sind dir allesamt verfallen, was mich unglaublich erleichtert, weil ich nach der grauenvollen Eingewöhnung vor knapp einem Jahr wirklich Angst hatte, dass niemand ein Kind mag, das den ganzen Tag motzt und brüllt und an der Erzieherin klebt. Aber nein, seit du da wirklich angekommen bist, nennen sie dich „Søtnos“ und wollen dich auf ihre viertenfünftensechsten Geburtstage einladen. M. möchte eine kleine Schwester, die ist wie du, also genau so. Eine Kopie. Du magst auch die größeren Kinder und jedes mal, wenn es an der Tür klingelt, rufst du freudestrahlend den Namen von Michels bestem Kumpel.

Du liebst es zu singen und zu tanzen und ich glaube in deinem kleinen Kopf geht viel mehr vor, als du verbal ausdrücken kannst.   Ich freue mich wirklich darauf, wenn du mehr sprechen kannst, dein Sturkopf und deine Niedlichkeit verheißen wunderbare Kleinkind-Diskussionen. Und später, ganz sicher, auch noch Großkind-Diskussionen.

Bei allem Wunsch des größer-Werdens möchte ich doch vor allem eins: dass du dir dein Wesen bewahrst. Meine große, kleine, willensstarke, schlaue, quatschige Rübennase. 

Ich hab dich lieb.

Deine Mama

Nur echt mit Rotznase und Erdbeerflecken. ❤

Tag 612 – Die supersten. 

Meine Kinder sind die allerbesten. So. Warum?

Pippi hört meinem Opa andächtig beim Mundharmonika spielen zu, am Ende klatscht sie, ruft „Yeah!“ und fordert mehr. 

Michel ist der Held des Osterfeuers, hilft den Großen dabei, Holz und Zeug aufs Feuer zu schichten und nickt jedes Lob einfach cool ab. 

Pippi will die ganze Zeit das Auto meines Onkels angucken. Sie sagt dazu abwechselnd „Dino“ (warum auch immer*) oder „Porsche“. „Porsche. Gucken. Komm!“ (Ich habe ihr daraufhin beigebracht, Tesla zu sagen, weil halt. Und auch „Tesla“ klingt aus ihrem Mund unglaublich niedlich.)

Michel erzählt allen und jedem von Dinotrux. Auf Norwegisch. Aber von der Begeisterung kann man sich nur mitreißen lassen. 

Mein Opa hat Michel einen Geldschein zugesteckt. Michel (bargeldlos aufwachsendes Norwegerkind) kam daraufhin an und sagte „Uropa hat mir so einen Zettel gegeben. Weil der nett zu mir ist.“ (Ich hab den Zettel vorerst konfisziert, mit Feuer daneben war mir das zu heikel.)

Michel hat gestern ein Paar Sandalen bekommen, für den Sommer. Er wird sie nie wieder ausziehen. Mit den Sandalen an kann man auch prima in der feuchten Wiese Kopsterbolter (Purzelbaum) üben. 

Und erst das Geschnaufe nachts…

* möööööglicherweise guckt sie bei Michel zu viel Dinotrux mit. 

Tag 601 – Hachseufz. 

Es ist ja so: egal wie blöd der Tag war, egal wie unproduktiv ich bei der Arbeit rumgehangen habe, egal wie absurd manche Internetdiskussion sich entwickelt, egal wie zickig Vierjährige und wie dickköpfig Einjährige sein können, am Ende zählen kleine warme Körper in meinem Arm, wuschelige Haare, die meine Nase kitzeln, ein geflüstertes „Mama, du sollst mich immer ins Bett bringen, weil du bist am coooooolsten!“ und vor allem die völlig entspannten Schlafgesichter, das leise Seufzen und Schnaufen und all das Vertrauen, das da mitschwingt. Da werd ich dann auch mal ganz sentimental. 

Tag 563 – Ich weiß nicht, ob Sie’s schon wussten…

… aber ich liebe meine Kinder wirklich sehr. Und wenn die weg wären gäbe es für mich wohl drei Möglichkeiten: a) retrograde Amnesie über >5 Jahre, damit ich mich gar nicht dran erinnern kann, jemals Kinder gehabt zu haben. b) sterben. c) irre werden und dann sterben. 

Heißt nicht, dass die nicht auch manchmal nerven, mich manchmal auch schier in den Wahnsinn treiben, ich manchmal vor lauter Verantwortung das Gefühl habe, mich kaum rühren zu können. Insgesamt bleibt einfach das Gefühl, dass sie mein Leben sind. Der Spruch „Kinder zu haben, heißt, sein Herz für immer außerhalb des eigenen Körpers herumlaufen zu lassen“ (oder so ähnlich, Quelle: schlechtes Gedächtnis und irgendwas auf Facebook) trifft auf mich 100%ig zu. Meine Kinder stehen nicht an erster Stelle, sie sind die Stelle. Wenn ich mich wegwünsche, dann mit ihnen zusammen und an einen Ort, an dem es (primär) ihnen gut geht. Das ist vielleicht die größte Veränderung, die ich mit dem Mutter-werden durchgemacht habe: ich und die Kinder, wir sind eine Einheit. Ich würde für die zwei alles* tun. Nicht weil ich muss, weil ich die eben durchbringen muss bis sie 18 sind, sondern weil es einfach so ist. Weil das was da ist noch viel viel mehr ist, als ich je wusste, das man für einen anderen Menschen empfinden kann. Und viel mehr, als ich mit Worten beschreiben kann. 

Ihr zwei. Ihr seid mein Leben. 

(Morgen blogge ich dann wieder vorm Wein und nicht danach.)

*ja, alles. 

Tag 525 – Mein Baby…!

Michel wurde heute zum ersten mal von einem KiTa-Kumpel direkt nach der KiTa mit nach Hause genommen. Das war für uns alle sehr aufregend. Für mich weil er so schnell groß wird und bestimmt ist es in anderen Familien cooler, fremde Eltern schimpfen tendenziell nicht so viel mit einem wie die eigenen, ich weiß das noch. Also vermutlich wird er bald ausziehen wollen, wenn er erstmal raus hat, wie viel cooler es in anderen Familien ist. Für Michel war es auch aufregend, weil erstes Mal und total cool mal nicht die eigenen Eltern und den Kumpel hat er auch sehr gerne und der hat sicher auch total tolle Spielsachen. Was mich beruhigt hat: die Eltern des Kumpels, die mir eh immer schon recht entspannt erschienen, waren ganz gelassen und brachten Michel sogar zurück (die wohnen in einem anderen Stadtteil, der Sohn geht zu der KiTa, weil es so eine supertolle KiTa ist und der Papa an der Schule nebenan arbeitet). Michel kam rotwangig-glücklich zurück, hatte einen Ketchup-Rand um den Mund und erzählte ganz aufgeregt, der Kumpel, der hat gar kein eigenes Zimmer, der schläft bei seinem Papa und seiner Mama. Und eine Katze haben die auch und die hat er gestreichelt und die hat ihn umarmt. Was auch immer das heißt. Auf jeden Fall eine rundum positive Erfahrung für alle. Das nächste Mal dann bestimmt auch ohne, dass ich ab halb sieben alle 30 Sekunden aufs Handy gucke, wie spät es ist und vielleicht hat der andere Papa ja geschrieben, dass sie da sind und Michel im Auto eingeschlafen ist. 

Tag 355 – Der erste Tag. 

Tja, da war er also, der erste Kindergartentag. Wenn ich zurückdenke, kann ich mir immer noch nicht vorstellen, dass Michel auch nur zwei Wochen älter war, als er im Kindergarten anfing. Pippi wirkt irgendwie auf mich kleiner. Jünger. Babyhafter. 

Wir waren heute beide mit*, weil ich mir wegen eines Misverständnisses heute frei genommen hab und dann dachte, ach, ist vielleicht auch besser, dann ist einer bei Pippi und einer macht den Papierkram. Und so war es auch gut. Die großen Kinder waren alle draußen (inklusive Michel, den hatte ich schon morgens gebracht), wir waren drinnen alleine mit dem einzigen anwesenden anderen Mädchen und dem einzigen anderen wachen U3-Kind in Personalunion und Pippis Bezugserzieherin E.. Die Erzieher*Innen in dem Kindergarten sind eh alle toll, aber E. ist so warm und herzlich und lustig, Michel liebt sie auch heiß und innig, kurz: besser könnte es nicht sein. Pippi und das andere Mädchen spielten mit einer Kiste Schleichtiere, Herr Rabe saß recht unbeteiligt daneben, ich und die Erzieherin füllten im Gespräch den Fragebogen aus („Welche Grenzen setzen Sie zu Hause?“ Meine Güte, sie ist fast noch ein Baby, ähhh, ich glaub wir haben für sie quasi keine Grenzen bisher…). Danach durfte Pippi den Toberaum erkunden, ein bisschen herumklettern und fand alles ganz toll, bis sie von der Turnmatte fiel und sich den Kopf stieß. Dies hielt ich dann auch für den geeigneten Moment, E. mitzuteilen, dass Pippi keinen Schnuller nimmt und auch bisher keine Kuscheltiere gewöhnt ist. Also keine einfache Tröstung. Tjanun. Wir gingen dann raus und dann war es auch schnell vergessen. 

Draußen setzte sich Pippi direkt in den Sandkasten, die großen Kinder spielten mit ihr und zeigten ihr die grade gefundene Spinne. Pippi buddelte fröhlich, Michel kam zu mir und zeigte mir sein frisch erworbenes Pflaster, dann wollte er noch kurz Pause auf meinem Schoß machen und dann… Tja, dann war es für mich Zeit zu gehen. Also verabschiedete ich mich und ging nach Hause. Für Pippi überhaupt kein Problem, auch für Michel nicht. Irgendwie für keinen, außer mir. 

Zu Hause tat ich dann viele Dinge, zum Beispiel wusch ich den TrippTrapp-Bezug, räumte Kisten auf Schränke und nähte in Windeseile ein Dings**, aber eigentlich versuchte ich nur nicht daran zu denken, dass meine beiden Babies, das große und das kleine, bald viele Stunden am Tag außerhalb der Familie betreut werden. Dass sie da Bezugspersonen haben. Dass sie da norwegisch reden. Auch Pippi wird auf norwegisch sprechen lernen. Sie wird da erst richtig laufen lernen. Himmel. Ich bin noch nicht soweit…

* Die Eingewöhnung läuft hier nach Bedarf, aber zügig ab. Also so im Rahmen von 3-7 Tagen. Finde ich nicht schlimm. Ich bin aber gleichzeitig auch dankbar, dass Herr Rabe die Eingewöhnung macht: wie man sieht, habe ich gewisse Probleme, loszulassen.

** Empfängerin liest mit, deshalb keine Spezifizierung. Leider auch wegen „Aaahhh, die Post schließt in drei Minuten“ weder verpackt noch ein Foto gemacht. Sorry.