Tag 4063 – 4068 – Piep 2

Weiter alles gut. Schreinerbaby ist da und auch mit Schreinerbaby ist alles gut. Trockner ist gestorben. Kaputtes Scharnier am Küchenschrank wurde ersetzt – mit leider falschem Ersatzscharnier, weil ich falsch bestellt habe. Also ist die eine Tür immer noch ab. Wir können uns nicht für Winterreifen entscheiden. Auch nicht für einen neuen Trockner. Ein „neuer“ (im Sinne von anderer als wir sonst hatten) Klempner wurde kontaktiert, weil der eine Heizkörper vor dem Tausch des Wohnzimmerfensters entfernt werden muss, hat aber offenbar ebenfalls vor, uns zu ghosten. Alles passiert gleichzeitig, alles geht kaputt, aber sonst ist alles gut, schalala.

Seit gestern haben wir aber Besuch, meine Mutter ist da, das ist schön. Ich habe auch eigentlich seit heute und bis Freitag frei, ich hatte ja letzte Woche keine Herbstferien. Mal gucken, was wir die nächsten Tage so machen. Heute habe ich irgendwie hauptsächlich Trockner recherchiert und den geflickten Balken lackiert, und vormittags gearbeitet, weil ich nie richtig Zeit hab, einfach frei zu nehmen, dann bleibt zu viel für hinterher liegen.

Aber sonst…

Am Sonntag habe ich Pippi übrigens die Haare blau gefärbt und jetzt habe ich wirklich die coolste Tochter von allen.

Tag 4055 – 4057 – Mutige kleine Mädchen und erwachsene Frauen mit Aua am Knie.

Ich habe gestern und heute die Bretter vom Balkongeländer entfernt und überall Nägel rausgezogen. Ich konnte so schätzungsweise 60 der Bretter des Villmarkspanels erhalten. Etwa 15 sind kaputt gegangen. Das finde ich eine okaye Quote. Wir haben nämlich am Donnerstag erfahren, dass das Panel an unserer Fassade eine totale Spezialanfertigung ist. Neue Bretter zu bekommen, die halbwegs passen, wird sehr, sehr schwer bis unmöglich werden. Wir müssen also wirklich gucken, dass wir jeden brauchbaren Fitzel nach Möglichkeit erhalten. Das habe ich also in Angriff genommen. Das war sehr anstrengend. Ich habe jetzt Blasen an den Händen, Rücken und Po tun weh von sich anbahnendem Muskelkater (Nägel mit der Brechstange aus Brettern ziehen, während man drauf steht ist wie Deadlifts) und beide Knie sind blau. Genau genommen der Ansatz vom Oberschenkelmuskel direkt über dem Knie. Da habe ich mir nämlich gestern rechts und heute links volle Möhre die Brechstange reingerammt, mit der scharfen Kante zuerst. Rechts geht noch, links sieht übel aus und ist jetzt nach einer Dusche mit einem schicken Schürfwundenpflaster versehen. Das sind dann jetzt blaue Flecken drülfzig +1 und +2, ich sehe echt aus als würde ich als Hobby im dichten Wald und mit verbundenen Augen Mountainbike fahren oder so. Also, es ist nichts schlimmeres als blaue Flecken, Blasen und Muskelkater, das ist ja schon mal was.

Gestern wollte dann Pippi UNBEDINGT noch mit ihrer Freundin zum großen Shoppingcenter nach Jessheim. Ich hatte mich breitschlagen lassen, zu fahren. Pippi hatte Geld gespart und durch Holz schleppen noch was dazu verdient und sie und ihre Freundin haben dann ordentlich geshoppt. Ich weiß nicht genau, was, ich wurde in einem Café geparkt. Auch gut. Wo ich dann aber bei sein durfte, war beim Friseur. Pippi wollte nämlich schon länger ihre Haare kurz schneiden. Also richtig kurz, so wie ich. Nach viel Überlegen wurde es dann stattdessen ein ordentlicher Undercut, mit Miley Cyrus als Vorbild. Sie war sehr aufgeregt deshalb, verständlicherweise, und hat, ebenfalls verständlicherweise, nach den ersten Zentimetern mit der Schneidemaschine ein bisschen Tränen in den Augen gehabt, aber die Friseurin war super lieb und es steht ihr auch wirklich super. Als das Ergebnis dann fertig war (sie bekam noch das Luxus-Programm mit vollem Styling mit allem Pipapo) war sie auch super happy. Ich bin total stolz auf sie, ich hab in ihrem Alter (und älter) Rotz und Wasser geheult, weil die Friseurin 3 cm meiner mühselig lang gezüchteten Fusseln zu viel abgeschnitten hat.

Hab leider kein besseres Bild, außer von vorne und das möchte Pippi nicht.

Ich bin dann noch mal zu der Friseurin zurück gegangen, mit einem Umweg über den Geldautomaten, weil ich mit meiner App bezahlt hatte und ihr gerne ein Trinkgeld geben wollte. Mir doch egal, dass das hier total unüblich ist. So.

Tag 3815 – Wochenendende.

Sonntag. Niemand hat sich am Hang festgefahren. Yeah.

Ich hatte eine Geigenstunde, wo ich mein Leid über Rode 9 geklagt habe und zur Belohnung weiter daran arbeiten „darf“. Nein, es ist ja gut so, es ist sehr komplex und ich kann viel dabei lernen. Und etwas Lob habe ich auch bekommen, ich hätte mir eine gute Basis und ein stabiles Grundgerüst erarbeitet, es muss jetzt halt noch „schön“ werden. Es klingt grad noch sehr roboterhaft, was kein Wunder ist, weil im Kopf die ganze Zeit mehrere Metronome mitlaufen, Achtel, Sechzehntel, Triolen, Sekstolen. Außerdem ist mein Bogen zu kurz, oder anders gesagt: ich muss den Bogen wesentlich besser einteilen. Sonst verhungern die letzten Töne auf den laaaaaangen Bögen gerne mal. Das sind alles keine Überraschungen. Überhaupt nicht. Das Problem ist eher, dass alles gleichzeitig passiert. Aber dazu habe ich jetzt Übetipps bekommen und kann dann nun Häppchenweise Feinschliff betreiben.

Zu Hause angekommen hatte irgendwie niemand den Haushalt gemacht, Schweinerei. Also fing ich damit an. Pippi machte freiwillig mit. Michel schlief auf dem Sofa ein. Herr Rabe kam nach Hause und räumte endlich Weihnachten weg. Jetzt ist gestaubsaugt und die Bäder sind sauber und die Küche ist zumindest aufgeräumter als vorher. Tolle Laune kriege ich davon nicht, also das Ergebnis freut mich schon, aber der Weg dahin ist furchtbar ätzend.

Danach habe ich dann noch Essen gemacht. Das macht mir wenigstens mehr Spaß als Putzen.

Für morgen früh ist die Sporttasche gepackt. Sehr empörend finde ich, dass mir gestern im Schwimmbad meine Reiseshampooflasche entwendet wurde. Die hatte ich schon länger als wir in Norwegen leben, und die war schon überall mit, immer wieder aufgefüllt mit über die Jahre auch sicher 7-8 verschiedenen Shampoos. Es war nicht mal eine tolle Flasche oder so, einfach eine schnöde Reisegröße von einer dm-Eigenmarke. Keine Ahnung, wer sowas klaut, aber als wir gestern mit Schwimmen fertig waren, war das Shampoo nicht mehr in dem Fach in der Dusche. Alles andere war noch da, nur das Shampoo war weg. Sehr seltsam und sehr empörend. Jetzt musste ich ein neues Fläschchen abfüllen, und das ist falsch, das passt alles nicht so gut ins Reisetäschchen und ich finde nicht gut, dass ich jetzt wegen seltsamen Leuten im Schwimmbad meine Shampooflaschenroutine ändern muss. Ganz und gar nicht gut.

Tag 3687 – Planleggingsdag.

Ich hatte heute bei der Arbeit nicht so viel zu tun, aber ich habe ausreichend Flexizeit. Gleichzeitig habe ich gestern nicht geschafft, zum Friseur (bei der Drop-In-Kette) zu gehen und das Gartencenter mit den auf norwegische Verhältnisse angepassten Pflanzen hat immer nur bis 17 Uhr, Samstags nur bis 15 Uhr auf. Wenn man hier was pflanzen will, sollte man das jetzt echt langsam machen, sonst geht es im Winter tot. Long Story Short – Ich fuhr heute mitten am Tag nach Jessheim, erst zum Gartencenter, dann zum Friseur. Im Gartencenter wohnte ich erst am Telefon Herrn Rabes Versuch, Karten für System of a Down zu bekommen, bei und leistete moralischen Support. Dann kaufte ich leicht impulsiv nicht nur einen (tiny!) Holunderstrauch, sondern auch einen Flieder und eine Clematis in lila. Was soll eine auch machen, wenn alles im Angebot ist? (Ja, ich weiß, nichts kaufen.)

Friseur ging dann auch ganz fix. Die heutige Friseurin war etwas grob, aber ansonsten gut. Jetzt ist alles wieder kurz. Weil aber fast alles von der vorherigen Färbung dabei abgeschnitten wurde, habe ich zu Hause noch blondiert. Erfolgreich. Morgen kommt dann pink drauf und dann bin ich wieder fresh und hip. Heute bin ich nur mittelhip und meine Kopfhaut juckt.

Tag 3649 – Plötzlich Jugendlich.

Heute war ich, statt für den Urlaub zu packen, mit Michel beim Friseur. (Herr Rabe hat statt für den Urlaub zu packen Johannisbeeren mit Pippi gepflückt, also stehen wir morgen sehr früh auf.) Michel wollte schon länger seine Haare kürzer haben und ich habe das natürlich wie eine gute, bedürfnisorientierte Mutter gehandhabt und nein gesagt. Ich musste mich erst eine Weile an den Gedanken gewöhnen, dass Michel seine Haare abschneiden will. Aber ich habe das dann doch irgendwann überwunden und ihm einen Termin beim Friseur gemacht, und zwar einem ordentlichen, da, wo Herr Rabe auch hingeht. 45 Minuten und 650 Kronen später hatte ich dann ein ganz neues Kind, das jetzt aber sehr, sehr zufrieden ist.

Vorher
Erst mal die Längen ab.
Da kann man sich auch nen zweiten Michel draus basteln.
Nachher.

Jetzt sieht er plötzlich aus, wie ein Jugendlicher. Ein ausgesprochen gut aussehender obendrein (gute Gene, ähäm, natürlich alle nur vom Vater!), ich sehe ihn schon rechts, links, oben und unten Herzen brechen, weil er einfach bisher so gar nicht an Romanzen interessiert scheint.

Vor allem ist aber Michel happy ohne Ende und tanzt seither durch die Gegend. Er behauptet, das ginge jetzt besser, weil „mindestens drei Kilo!“ Haare ab sind. Ich durfte schon zeigen, wie man Salzwasserspray benutzt (Michel musste zu Hause noch ein paar Härchen abduschen) und jetzt friemelt er ständig an seinen Haaren. Das ist sehr schön zu sehen.

Da gewöhne ich mich bestimmt auch schnell dran, dass er anders aussieht.

Tag 3619 – Blöd alles.

Blöden Kacktag bei der Arbeit gehabt. Haus nicht verkauft. (Allerdings hatte der potentielle Käufer wohl davon gefaselt, um den Garten rum ganz viel Thuja zu pflanzen, damit bloß keine Nachbarn reingucken können und das fände ich dann doch ziemlich herzbrechend, da grabe ich den Holunder doch noch aus vorher.)

Abends einen ziemlichen Haufen Geld für Kinderunterwäsche ausgegeben und dann noch neue Brillen geordert. Hilft ja alles nichts.

Michel will seine Haare schneiden, wegen Gruppendruck von seinen Kumpels, in etwas, das ich pottenhässlich finde (einen Wolf Cut, ich finde das sieht aus wie nicht oder schlecht geschnitten). Ich würde das gerne verhindern, aber das wäre vermutlich schlechte Elternschaft. Außerdem geht man echt lange in den Knast für prophylaktische Serienmorde an sämtlichen norwegischen Friseur*innen.

Schön war, mit Herrn Rabe eine Folge The Residence zu gucken, das ist eine ganz schöne Serie auf Netflix. Man lernt dort viel über Vögel.

Gucken Sie mal, wie schön der Holunder blüht!

Leider gibt es keine Geruchsfotos, aber der Busch duftet meterweit.

Tag 3498 – Haare ab und ein kleiner Shopping-Ausflug.

Herr Rabe und ich sind heute nach Oslo gefahren, zum Haare schneiden und weil ich was zurückgeben wollte. Dann hat mich Herr Rabe noch in den tollen Handschuhladen geschickt, um Lederpflege zu kaufen, und dann hab ich irgendwie auch Handschuhe gekauft, tolle, blaue Lederhandschuhe mit Wollfutter. Ich bin jetzt groß und muss gar nicht mehr die allerbilligsten Strick-Handschuhe im Dreierpack an der Kasse bei Lindex kaufen. Nämlich.

Als ich Herrn Rabe wieder traf waren seine Haare zwar nicht kurz, aber doch deutlich kürzer als vorher. Meine allerdings auch. Nur waren die vorher kurz und sind jetzt wieder richtig kurz. Jetzt friere ich am Kopf ohne Mütze wieder.

Apropos frieren: der Winter ist jetzt wieder zum Abgewöhnen. Es sind 2-3 Plusgrade und dabei nieselt es die ganze Zeit. Es ist alles grau und alles ist vereist, bis auf da, wo es matschig ist. Die feuchte Kälte kriecht überall rein und man friert mehr als bei trockenen -10 Grad. Eklig. Kann bald Frühling sein?

Tag 3478 – Weiter nichts zu erzählen.

Hier passiert, was immer am Wochenende passiert. Blumen gießen, Aquarienwasser tauschen, Stundenpläne ausdrucken, die Woche durchsprechen. Wäsche waschen, aufräumen. Sport, Geige. Pippi hatte etwas Besuch von einer Klassenkameradin. Michel hat hauptsächlich gedaddelt und war zwischendurch mal baden, unter anderem, um diese Lockenpracht zu pflegen:

Ich habe meine Haare nachgefärbt und jetzt sind sie wieder leuchtend Flamingo Pink und nicht mehr total ausgewaschen hellrosa-pfirsich.

Außerdem haben wir das Wochenende genutzt, um den Sofabezug zu waschen. Da haben wir ja vor ein paar Jahren in einen neuen Bezug investiert, statt in ein neues Sofa und sind immer noch sehr zufrieden mit dieser Lösung.

Routine-Wochenenden ohne Aufregung sind eigentlich wirklich sehr schön.

Jetzt muss ich versuchen, die Augen versuchen. Es ist jetzt nicht mehr der Jet Lag. Jetzt ist es nur noch das normale Dasein als Eule.

Tag 3447 und 3448 – Wenn man Mützen braucht.

Heute, also jetzt grade, fühle ich mich wie mit der Dampfwalze überrollt. Die Dampfwalze setzte nochmal zurück und fuhr noch mal drüber. Die Dampfwalze heißt Gürtelroseimpfung. Ich schätze mal, Gürtelrose ist wesentlich schlimmer, aber ein Spaß ist das hier grade echt nicht. Hänge also vorm Fernseher rum, frierend trotz Wärmekissen und Tee und versuche, nicht auf die Gliederschmerzen zu fokussieren. Ist gar nicht so einfach. Vielleicht lege ich mich einfach zu Monty ins Häuschen. Monty häutet sich und rührt sich deshalb nicht vom Fleck.

Gestern habe ich Mützen genäht. Für alle, hier die von den Kindern (Michel hat sich diese Tarnfarbe sehr gewünscht).

Ich witzelte ein bisschen rum, dass ich so eine Mütze jetzt wohl auch brauche, ich habe nämlich am Mittwoch meine Haare erst blondiert und dann Flamingo Pink getönt. Völlig vergessend, dass wir Pippi versprochen hatten, ins Schwimmbad zu gehen. Resultat:

Ich weiß jetzt generell nicht, ob pink echt meine Farbe ist, tendiere zu nein. Aber mit diesen lustig entfärbten Längen ist es irgendwie lustig. Alle Teile von Haaren, die vorher schon mal blondiert waren, sind halt im Schwimmbad entfärbt worden. Warum auch immer, beziehungsweise eher: warum auch immer der Rest nicht.

(Und ja, die Haare sind sehr tot und müssen dringend geschnitten werden.)